Freitag, 7. Dezember 2012

Der hl. Johannes, der Täufer


Santo do Dia — 24.6.65  — 2. Teil
Plinio Correa de Oliveira

  „Jedes Tal soll ausgefüllt und jeder Berg und Hügel abgetragen werden“ (Lk 3,5)

 Der hl. Johannes, der Täufer, ist der, der dem Herodes gesagt hat, was heute keiner mehr den Mut hat der Revolution zu sagen. Er sagte: „Es ist dir nicht erlaubt!“ Das heißt, das darf nicht sein.
 

Johannes hatte zu Herodes gesagt: „Es ist dir nicht erlaubt, deines Bruders Frau zu haben!“, denn er lebte in Ehebruch. Deshalb bezahlte er dieses Urteil mit seinem Kopf.

Doch er war das Musterbeispiel für Bußfertigkeit. Er war berufen worden, die Seelen auf die Ankunft des Messias vorzubreiten. P. Fillion sagt, er kam um die Berge abzutragen, das heißt, den Hochmut zu brechen, und die Täler auszufüllen, das heißt, die Unreinheit zu vertilgen.

Wir sehen also, das seine Aufgabe war, die zwei Übel zu bekämpfen, die am Ursprung der Revolution stehen.(*)

Der, der so gründlich den Hochmut und die Sinnlichkeit mit den Füßen zertrat, war auch ein wunderbares Beispiel von Unerschrockenheit. Und deshalb wurde er hingerichtet.

Jemand wird sagen: er wurde hingerichtet; was hat es genutzt?
 

Es hat genutzt, was der hl. Augustinus über das Haupt des Täufers sagt, als es dem Herodes gebracht wurde: Er stellt sich vor, wie Herodes die geschlossenen Augen des abgeschlagenen Hauptes sah. „Nie ist ein menschlicher Blick, wie dieser der verschlossenen und toten Augen so tief in einem Blick eingedrungen, wie in dem des Herodes.“

Ein Mann, der die Sinnlichkeit zerschlägt, der den Hochmut bekämpft, der dem Ruchlosen die Wahrheit vorhält und dessen Weg versperrt, war würdig der Vorläufer des Erlösers zu sein.

Allem Anschein nach – es gibt jedoch keine geschichtliche Gewissheit darüber – gehörte er zu der Gruppe der Kontemplativen des Berges Karmel an, die, als Karmeliten die wir sind (**), unsere geistliche Vorfahren waren.

Die ist ein Grund unter vielen, um zum hl. Johannes, dem Täufer, zu beten, mit der Bitte, er möge uns die Abscheu zu diesen zwei Laster geben, die die Triebfedern der Revolution sind, und uns den Mut gebe, überall und jedem die ganze Wahrheit über die Revolution zu verkünden.

(*) s. „Revolution und Gegenrevolution“ von Plinio Correa de Oliveira.

(**) Der Autor und seine Anhänger waren Mitglieder des 3. Ordens der Karmeliter.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Einige Anrufungen der Herz-Jesu-Litanei

Santo do Dia
Plinio Correa de Oliveira

Heute feiern wir die Vigil eines großen Festes: Das Fest des Heiligsten Herzen Jesu. Heute ist auch der Tag des hl. Johannes des Täufers (s. unter diesem Label).

Ich würde die Lektüre der Herz-Jesu-Litanei sehr empfehlen. Diese Litanei ist etwas wunderbares und ich möchte nun einige Anrufungen, die uns am meisten zusagen, hier kommentieren.

Als erstes diese wunderbare Anrufung:

Herz Jesu, im Schoße der jungfräulichen Mutter vom Heiligen Geist gebildet

Wenn wir berücksichtigen, dass das Herz Jesu, das in seiner materiellen und fleischlichen Realität Gegenstand unserer Verehrung ist, das Symbol des Willens Unseres Herren, das heißt, das Symbol seiner Liebe ist; wenn wir berücksichtigen, das das Herz Jesu im unbefleckten Schoße Mariens, mit der Substanz, die eine Mutter zur körperlichen Heranbildung ihres Kindes zur Verfügung stellt, gebildet worden ist, dann können wir annehmen, dass das allerheiligste Fleisch Jesu, in der Wesenseinheit mit Gott, das Fleisch Mariens selbst ist, das Blut Jesu Mariens Blut ist und das Herz Jesu in gewisser Hinsicht das Herz Mariens ist.

Wenn wir uns in der Betrachtung dieses wunderbaren Entstehungsprozess, in dem die Mutter sozusagen sich aufschließt und alles von sich zur Verfügung stellt, um den Körper ihres Kindes zu bilden, vorstellen, dass Jesus auf diese Weise im Schoße Mariens herangebildet wurde, und dies in einem Meer, in einem Brand der Liebe und Anbetung zu diesem Sohn, der in ihr heranwuchs, können wir verstehen in welchem Maße das Herz Jesu mit dem Unbefleckten Herzen Mariens verbunden ist. Diese innige Verbindung zeigt uns auch, welch uneingeschränkte Hoffnung wir in der erfolgreichen Fürsprache Mariens bei ihrem Sohn haben dürfen, wenn wir annehmen, dass Unser Herr einer so vollkommenen und heiligsten Mutter eigentlich nichts versagen könnte. Er hat über sie nicht nur keine Beschwerde, sondern die größte und vollkommenste Freude, die ein Schöpfer zu seinem Geschöpf haben kann, von dem Er zusätzlich weiß, dass sein eigenes Fleisch und sein eigenes Herz sozusagen Fleisch und Herz dieses Geschöpfes sind. Ein Geschöpf, das Er auserlesen hat, Seine Mutter zu sein.

Diese Anrufung hat für die Verehrer der Muttergottes eine sehr große Bedeutung.

Eine weitere wunderschöne Herz-Jesu-Anrufung ist:

Herz Jesu, von unendlicher Majestät

Der hl. Augustinus sagt: „Wo Demut ist, da ist Majestät“ (ubi humilitas, ibi majestas – Predigt 14), das heißt, beide Attribute sind unzertrennlich.

Daraus entnehmen wir, da das Herz Jesu ein Abgrund der Demut, auch deshalb ein Firmament von Majestät ist. Gerne wäre ich ein Künstler, um Unseren Herren darstellen zu können, aber nicht nur Seine Majestät und auch nicht nur Seine Demut, sondern so, dass man auf einen Blick wahrnimmt, was Majestät und Demut oder, was Demut und Majestät gemeinsam haben. Das wäre die höchste Ebene der Tugenden, wo sich diese beiden einzelnen Tugenden treffen und sich verschmelzen.

„Le Beau Dieu d'Amiens“
 
Hier erinnere ich mich an die Figur des „Beau Dieu d'Amiens“ (der schöne Gott von Amiens), der in dieser Hinsicht sehr ausdrucksvoll ist. Es ist eine plastische Darstellung, die nicht das Herz Jesu aufweist. Es ist aber eine Jesus-Darstellung am Portal der Kathedrale von Amiens, die mir immer diesen Eindruck gab: Ein höchst würdevoller König, ein edelster Lehrer, zugleich aber so gelassen, so sanftmütig, so Herr seiner selbst; man meint, selbst gegenüber schlimmste Beleidigungen wird Er die Ruhe bewahren, gelassen bleiben, keine Reaktion wegen verletzter Eigenliebe, wenn es die Tugend der Zeit so bestimmen würde.

Meines Erachtens nach zeigt diese Statue des „Beau Dieu d'Amiens“ auf hervorragender Weise diese wunderbare Verbindung der höchsten Majestät mit der tiefsten Demut.

Im Wissen, dass die Revolution die Demut karikiert und die Majestät verschweigt, sollten wir, als Kinder der Gegen-Revolution, dem Heiligsten Herzen Jesu bitten, unseren Herzen diese erhabene und edle Form von Majestät zu schenken, die jeder Gegenrevolutionär, der den Sinn für Königtum, für vollkommene Ordnung, für Ehre, für Hierarchie und für alles was majestätisch ist, besitzen soll, selbst wenn er der demütigste, der ärmste aller Menschen ist.

Hier möchte ich auch noch an die hervorragende Figur der hl. Ana Maria Taigi (1769-1837) erinnern. Sie war eine einfache Köchin in Rom und wollte nicht wie eine Königin erscheinen. Sie hatte aber eine dermaßen von Natur aus majestätische Haltung, dass es fast unmöglich war, sich ihr ohne eine gewisse Schüchternheit zu nähern.

Auch die hl. Theresia vom Kinde Jesu war in ihrer Anspruchslosigkeit und Freundlichkeit so majestätisch, dass ihr Vater sie immer „meine kleine Königin“ nannte.

Herz Jesu, brennender Feuerofen der Liebe

Das Herz Jesu ist ein brennender Feuerofen der Liebe Gottes. Da es ein brennender Feuerofen ist – und nicht nur ein reiner Feuerofen, was von sich aus ja schon den Gedanken an glühende Hitze hervorruft, sondern brennender Feuerofen -, drückt sehr gut den Gedanken aus, das es der Brennpunkt aller Liebe Gottes ist. Diese Anrufung des Herzen Jesu in Vereinigung mit dem Unbefleckten Herzen Mariens ist besonders geeignet für die, die bedauern lau und schwach zu sein und nur langsam im geistlichen Leben vorankommen. Diese Verehrung überträgt ihm das Feuer der Liebe Gottes.

Wenn wir also für uns und für andere die wahre Liebe Gottes erreichen wollen, ist dies die empfehlenswerteste und vortrefflichste Andacht.

Sehr wichtig für unsere Zeit scheint mir die Anrufung:

Herz Jesu, geduldig und von großer Erbarmung

Was bedeutet eigentlich geduldig? Geduldig*, ist derjenige, der leidet. Es ist das leidende und barmherzige Herz Jesu. Und weil es ein leidensfähiges Herz ist, ist es in der Lage auch all unsere Beleidigungen zu erleiden.

Der zweite Sinn von geduldig geht aus der letzten Aussage hervor. Die Bereitschaft des Herzens Jesu zu leiden, indem Es mit Liebe leidet und mit Liebe jedes Leid aufnimmt, mit dem Verständnis das das Leid das große Gesetz des Lebens ist, dass ein Leben ohne Leid nichts wert ist.

Der Wert eines Menschen kann bemessen werden an seiner Bereitschaft und Fähigkeit zu leiden.

Weil letztendlich – die Dinge aus einem gewissen Blickwinkel gesehen – ist das Leben des Menschen nur etwas Wert, in dem Maße wie er leidet und sein Leid annimmt und liebt. So haben wir hier das geduldige oder das duldende Herz Jesu.

Eine der wichtigsten Arten von Geduld in ihrem höheren Sinn ist die Geduld gegenüber unseren Nächsten: Unverschämtheiten und Sticheleien ertragen zu wissen, liebenswürdig und gütig zu sein gegenüber jenen, die uns durch ihre schlechten Veranlagungen Schwierigkeiten machen usw. Somit können wir auch die wichtige Tugend der Vergebung üben. Bitten wir also dem Heiligsten Herzen Jesu um diese Geduld. Doch diese Art von Geduld, wenn sie auch sehr wertvoll ist, ist sie jedoch nicht die wichtigste Art dieser Tugend.

Eine der größten Ausdrücke der Leidensfähigkeit ist der Unternehmungsgeist, durch den der Mensch die Trägheit, die Weichheit, den Überdruss, die Eigenliebe besiegt und sich in die Arbeit, in den Kampf, in den härtesten und feurigsten Kampf wirft, doch auch immer bereit zu einem sofortigen Rückzug, wenn die Interessen der Kirche ihn in eine andere Richtung weisen.

Dies ist die höchste Form der Geduld: Der Unternehmungsgeist und die Kampfbereitschaft durch die der Mensch all seinen Trägheiten und Nachlässigkeiten entsagt. Dies müssen wir dem geduldigen und erbarmungsvollen Herzen Jesu bitten.

Von großer Erbarmung will heißen, Mitleidig sein, anderen im Leid beistehen. Es ist ein Folgesatz der zweiten Bedeutung von Geduld. Und hier tut sich ein anderes Problem auf: Die Schwierigkeit meine so liebe junge Generation davon zu überzeugen, das Gottes Barmherzigkeit ein, zwei, zweitausend Mal vergibt und nur nicht will, das man vor der Vergebung den Mut verliert.

Um also der Vergebung Unseres Herren durch die Fürsprache des Unbefleckten Herzen Mariens zu vertrauen, ist hier eine schöne Anrufung: Herz Jesu, geduldig und von großer Erbarmung. Geduldig gegenüber meinen Fehlern und meinen Sünden; von großer Erbarmung gegenüber meinen Mängeln. Durch das Unbefleckte Herz Mariens erbarmt Es sich unser. Es ist eine ausgezeichnete Anrufung zu jeder Tageszeit, um das Vertrauen in Unseren Herren Jesus Christus nicht zu verlieren.

Zwei weitere Anrufungen:

Herz Jesu, Sühnopfer für unsere Sünden

Manchmal kommt es vor, dass wir uns äußerst unwürdig fühlen. Dieses Gefühl kann auch die reinsten und erhabensten Seelen befallen. Da begreifen wir, dass wir vor der unendlichen Gerechtigkeit Gottes absolut nichts sind, doch es gibt diese Anrufung, die auf uns beruhigend wirkt. Das Heiligste Herz Jesu ist ein Sühnopfer für unsere Sünden.

Was bedeutet es, Sühnopfer zu sein? Ich bin nichts wert. Die Opfer, die ich bringe – weil sie von mir Wertlosem kommen – haben von sich aus auch keinen Wert. Doch es gibt ein Opfer, das alles Wert ist, weil es ein makelloses Opfer ist: Unser Herr Jesus Christus, eines Wesens mit Gott, der sich für mich hingegeben hat. Alles, was ich befürchte von mir aus nicht erreichen zu können, erreicht er für mich.

Dieses reinste Opfer hat meine Sünden getragen und wegen dieser Sünden gelitten. Deshalb schäme ich mich meiner Sünden und bereue sie mit großem Vertrauen, weil EINER für mich gestorben ist und sein ganzes Blut für mich vergossen hat.

Nicht auf mich vertraue ich, sondern auf jenes unendlich kostbare Blut, das für mich vergossen worden ist. Es ist das Heiligste Herz Jesu.

Herz Jesu, Quelle vollkommenen Trostes

Dem Wort Trost kann man auch zwei Bedeutungen zuschreiben: Erstens, kann es Stärkung bedeuten; dann kann man auch so die in der Seele vernommene Freude, Milde und Salbung des Heiligen Geistes benennen. In beiden Auslegungen ist das Herz Jesu die Quelle allen Trostes. Unsere Kraft kommt von Ihm. Wenn wir uns schwach, lau, orientierungslos fühlen, vor allem wenn wir uns zu einer edlen Tat berufen fühlen, aber keinen Mut haben sie durchzuführen, dürfen wir uns nicht mit Stolz draufstürzen, mit der Vorstellung, wir könnten diese Tat auch durch uns selbst vollbringen. Nein! Das Heiligste Herz Jesu ist die Quelle aller Stärke. Ihm müssen wir, durch das Unbefleckte Herz Mariens, dem einzigen und notwendigen Weg, um zum Herzen Jesu zu gelangen, um Stärkung bitten. Nie wird unsere Bitte vergeblich sein. Irgendwann werde ich die notwendige Kraft erhalten, um noch Größeres und Schwierigeres tun zu können zum Wohle meines geistlichen Lebens.

Herz-Jesu-Litanei bei der Danksagung nach der hl. Kommunion

Wie vortrefflich ist es, zum Beispiel, die Herz Jesu Litanei bei der Kommunion zu verwenden. Jeden Tag per Zufall eine Anrufung wählen und sie während der Kommunion meditieren, in der Gewissheit, dass ich in meiner Seele wirklich das reale, physische und lebendige Herz empfange, dem ich gerade meine Betrachtung widme und das die Quelle allen Trostes ist. Ihm könnte ich zum Beispiel sagen:
 

„Herr, Du bist die Quelle aller Stärke; ich würde gerne tausendmal mehr Kraft haben, als ich habe, um Dir besser dienen und Deine Feinde besser bekämpfen zu können. Ich weiß, dass diese Quelle des Starkmutes jetzt in mir ist und ich weiß, dass nur Du diese Quelle bist. Gib mir Kraft gegen Deine äußeren Feinde und gegen die schlechten Neigungen, die ich in mir trage und die auch Deine Feinde sind. Herz Jesu, erbarme Dich meiner durch das Unbefleckte Herz Mariens.“
-----------------------------------------
* Im Portugiesischen gibt es das Wort „paciente“, was geduldig bedeutet und vom lateinischen „paciens“=leidender kommt.
 
 Anrufungen der Herz-Jesu-Litanei, Santo do Dia 26.06.1965