Donnerstag, 14. August 2014

Mariä Himmelfahrt

Plinio Corrêa de Oliveira


Wir haben einen Bericht über Mariä Himmelfahrt, wie es die sel. Seherin Anna Katharina Emmerick beschrieben hat.
„In der Nacht nach der Beisetzung Marias geschah die Himmelfahrt der Jungfrau mit ihrem Leib. Ich sah mehrere Apostel und heilige Frauen in dem Gärtchen vor dem Grabfelsen beten und singen. Es senkte sich aber eine breite Lichtbahn vom Himmel zu dem Felsen, und ich sah in ihr eine Glorie von drei Kreisen. Von Engeln und Geistern sich niederbewegen, welche die Erscheinung unseres Herren und der leuchtenden Seele Marias umgaben. So wie bei Unserem Herrn war auch ihre Seele drei Tage vom Leibe getrennt.“
Sie sehen, dass ihre Seele einige Zeit vom Leib getrennt war. Dann kam sie zum Leib zurück geführt von Engeln und Geistern.
„Die Erscheinung Jesu Christi mit hellstrahlenden Wundmalen schwebte vor ihr her“.
Das heißt die zweite Person der Dreifaltigkeit wollte persönlich hernieder kommen um der Auferstehung Marias vorzustehen.
„Im innersten Kreis der Glorie wo die Seele Marias war, sah man drei Engelchöre.“
Die drei Chöre der Engel bildeten einen Strahlenkranz, in dessen Mitte die heiligste Seele der Muttergottes war.
„Um die Seele Marias sah ich im innersten Kreis der Glorie nur kleine Kindergestalten, im zweiten Kreis erschienen sie wir von sechsjährigen Kindern und im äußersten gleich erwachsenen Jünglingen.“
Wahrscheinlich um die sich folgenden Grade der Spiritualität zu symbolisieren. Kinder sind das Bild der Reinheit und so wies die Erscheinung auf die höchste und edelste Form von Spiritualität hin.
„Nur die Angesichter erkannte ich deutlich, alles Übrige sah ich nur wie schimmernde Lichtgestalten. Als diese Erscheinung, immer deutlicher werdend, sich bis auf den Felsen ergossen hatte, sah ich von ihr bis hinauf in das himmlische Jerusalem eine leuchtende Bahneröffnet. Nun aber sah ich die Seele der heiligen Jungfrau, welche der Erscheinug Jesu folgte, bei dieser vorüber durch den Felsen in das Grab niederschweben und bald darauf, mit ihrem verklärten leib vereinigt. Viel deutlicher und leuchtender aus demselben heraussteigen und mit dem Herrn und der ganzen Glorie in das himmlische Jerusalem hinaufziehen, worauf aller Glanz wieder einsank und der stille Sternenhimmel die Gegend bedeckte.“
„Vier Tage später sah ich die Apostel am Abend noch im Gebet und Trauer in ihrem Raume. Da sah ich den Apostel Thomas mit einem Begleiter vor dem Tor des Hofes anlangen und pochen.“
„Nun aber verlangte Thomas und der Begleiter nach dem Grabe der heiligen Jungfrau. Bei dem Grabe angekommen, warfen sie sich auf die Knie nieder. Thomas aber eilte zuerst nach dem Eingang der Höhle. Johannes folgte ihm. — Dann nahte sich Johannes dem leichten Korbsarge, löste die drei großen Binden auf, welche den Deckel umschlossen, und stellte diesen zur Seite, nun leuchteten sie in den Sarg uns sagen mit tiefer Erschütterung die Grabtücher des heiligen Leibes in der ganzen Form der Einhüllung leer vor sich liegen. Über dem Angesicht und der Brust waren sie auseinandergeschlagen, die Umwindungen der Arme lagen leicht aufgelöst, doch noch in gewickelter Form, wie sie gelegen, aber der verklärte Leib Marias war nicht mehr auf der Erde. Sie blickten mit aufgehobenen Armen staunend empor, als sei der heilige Leib ihnen jetzt erst entschwunden und Johannes rief zu der Höhle hinaus: Kommt und staunt, sie ist nicht mehr hier!

Es ist interessant die Ordnung zu bemerken, in der die Grabtücher gelegen waren. Warum kann man diese Einzelheit für wichtig halten? Gott liebt nämlich dermaßen das Gute, er liebt die Welt, die er erschaffen hat, und er will, dass die gute Ordnung über alle Dinge herrscht. Alles, was von ihm oder durch die Eingabe seiner Gnade gemacht wurde, ordnet sich auf eine richtige und angebrachte Weise an. Es gibt eine Art Bündnis des Metaphysischen mit dem Übernatürlichen. Das Übernatürliche vervollständigt was metaphysisch gut zusammengeführt, metaphysisch gut aufgestellt ist, und deshalb stellen alle Einflüsse der Gnade die Ordnung in der Natur her. Es ist das Gegenteil der Auswirkungen des Teufels.
Immer wenn es dem Teufel gestattet wird zu erscheinen oder die Seelen zu beeinflussen, kennzeichnet sich dieser Einfluss durch fürchterliche Verwirrungen, Aufwühlungen; wenn er eine Person heimsucht äußert er sich durch Zuckungen und groteske Gesten; in einer Wohnung verursacht er Geräusche und Radau, verschiebt Möbel, sorgt nur für Unordnung. 
Da verstehen wir, dass alle Bereiche der Ordnung und alle Aspekte der Ordnung unter sich solidarisch sind, sie gehören untrennbar zusammen. Aber auch alle Bereiche und Aspekte der Unordnung sind zusammengehörig unter sich. So verstehen wir die Einheit der Revolution und die Einheit der Gegenrevolution.
Die Revolution kann nicht als eine nur politische Bewegung oder als eine nur religiöse oder nur kulturelle Bewegung angesehen werden, sie ist die Tendenz zur Subversion und zur Unordnung in allem. So auch die Gegenrevolution: Sie ist nicht nur eine politische, religiöse oder kulturelle Bewegung. Um vollständig zu sein, muss sie einen Geist besitzen, sie muss von einer Gnade belebt werden, die alles in Ordnung versetzen will. Hier sehen wir wie eine kleine Einzelheit uns Gelegenheit gibt über das Zusammenwirken aller Formen der Ordnung, wie auch der Unordnung nachzudenken.
Weiter der Text von Anna Katharina Emmerick.
 „Da traten sie alle paarweise in die Höhle und sahen mit staunen die leeren Grabtücher vor sich liegen, und hinausgetreten, knieten alle zur Erde, sahen die Arme gen Himmel hebend empor, weinten und beteten, priesen den Herrn und seine liebe verklärte Mutter. — Da erinnerten sie sich wohl und gedachten jener Lichtwolke, welch sie gleich nach der Begrabung auf dem Heimweg aus der Ferne gesehen, wie sie auf den Grabhügel niedergesunken und dann wieder emporgeschwebt war.“
„Johannes aber nahm die Grabtücher der heiligen Jungfrau mit großer Ehrfurcht aus dem Sargkorbe, faltete und rollte sie ordentlich zusammen und nahm sie zu sich. Betend und Psalmen singend, wandelten sie auf dem Kreuzwege zu dem Hause. Hier gingen alle in den Wohnraum Mariä. Johannes legte hier die Grabtücher ehrerbietig auf das Tischchen vor dem Betwinkel der heiligen Jungfrau. Thomas und die anderen beteten noch auf der Stelle, wo sie gestorben. — Petrus zog sich abgesondert zurück; vielleicht bereitete er sich vor, um einen  feierlichen Gottesdienst zu halten.“
Er ist der Fürst der Apostel, so dass es ihm zukam die erste Messe der Aufnahme Mariens in den Himmel zu zelebrieren.
„Hierauf sah ich den Altar vor dem Betort Mariä, wo deren Kreuz stand, aufrichten…“
Das Kreuz, vor dem die Muttergottes gewöhnlich betete.
„... und Petrus einen feierlichen Gottesdienst hier halten. Die übrigen Apostel standen reihenweise hinter ihm und beteten und sangen wechselseitig. Die heiligen Frauen standen mehr zurück an de Türen und an der Rückseite der Feuerstelle. Der einfältige Knecht  des Thomas war ihm aus dem fernen Lande, wo er zuletzt gewesen war gefolgt. Er hatte ein ganz fremdes Aussehen. Er hatte kleine Augen, eine eingedrückte Stirne und Nase und hohe Backenknochen. Seine Farbe war bräunlicher als hierzulande. Er war getauft und außerdem aber ganz wie ein unerfahrenes, gehorsames Kind. Er tat alles, was man ihm befahl, er blieb stehen, wo man ihn hinstellte, sah hin, wo man es gebot, und lachte jedermann an. Als er Thomas weinen sah, weinte auch er bitterlich. Dieser Mansch ist immer bei Thomas geblieben, er konnte große Lasten tragen, und ich habe ihn ganz gewaltige Steine heranschleppen sehen, als Thomas eine Kapelle baute.“

Sehr schön ist dieser Treuerweis eines Knechtes, der alles tut, was sein Herr im aufträgt und auch fühlt wie sein Herr fühlte und so ganz eins mit ihm ist. Eine Vorstellung, die die Welt heute vollständig verloren hat, dieses edlen Begriffs der Treue, nach dem zwei Personen unterschiedlichen Standes sich nicht hassen, sondern sich gegenseitig schätzen. Nicht nur schätzen sie sich, aber sie verschmelzen wie zu einem Ganzen, so dass man sich fast gar nicht mehr den einen ohne den anderen vorstellen kann. Ritter und Knappe im Mittelalter befanden sich in diesem Verhältnis.
Es gibt unzählige Beispiele eines solchen Zustandes. Das schönste, was mir gerade in den Sinn kommt, war das eines Märtyrers, dessen Namen ich leider vergessen habe, der Messdiener eine Papstes war – auch dessen Namen ist mir entgangen. Als dieser Papst zum Martyrium geführt wurde, näherte sich der Messdiener und sagte: „Heiliger Vater, sie schreiten zum Martyrium und werden mich allein lassen. Kann es sein, dass sie mich in der Stunde ihres letzten Opferganges verlassen, der ich doch täglich ihnen bei der heiligen Messe diente?“ Und beide empfingen nun die Palme des Martyriums.
Welcher Adel und Schönheit von Gedanken beinhaltet solch eine Beziehung. Es zeigt uns, wie die Treue zu einer wirklichen Teilnahme an dem gleichen Ruhm führen kann, und wie die Welt heute dies alles vergessen hat.


So haben wir zwei Betrachtungen zur Aufnahme Mariens in den Himmel.

Vortrag am 14. August 1963

(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

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