Montag, 21. März 2016

Eine Meditation für die Karwoche

Aus einem „Santo do dia“ von Plinio Corrêa de Oliveira am 17. März 1967 über die Schmerzen der Muttergottes während ihres Lebens

Die Karwoche nähert sich.
Es ist also angebracht, über unsere Einstellung zu Schmerz und Leiden nachzudenken.
Jeder soll einmal allein vor einem Kreuz oder vor einem Bild oder einer Statue der Schmerzhaften Gottesmutter verharren, die ganze Welt vergessen, und sich vor Gott diese Frage stellen:

Bin ich mir bewusst, was meine Erlösung gekostet hat? Habe ich eine Ahnung von den Schmerzen, die all die mir geschenkten Gnaden gekostet haben? Ist es mir bewusst, dass Jesus am Kreuz namentlich an jeden Menschen vom Anfang bis zum Ende der Welt gedacht hat? Dass Er auch mich im Geiste vorübergehen sah und mir Gedanken der Barmherzigkeit, der Güte und der Erlösung schenkte?

Er hat meine Seele gesehen, meine Person. Er liebte mein Sein, das von Ihm erschaffen worden ist. Aus Liebe opferte Er sich auf für mich, weil er meine Erlösung wollte. Kann ich mir vorstellen, dass meine Erlösung all das gekostet hat? Weiß ich die Art und Weise wie ich diesem Opfer entsprochen habe? Ist mir meine Undankbarkeit bewusst? Wie viele Verfehlungen liegen hinter mir, die ich meistens aus Unachtsamkeit beging, nur weil ich eine Gelegenheit zur Sünde habe nicht meiden wollen, weil ich nicht ein kleines Opfer bringen wollte! Mit meiner Sünde nahm ich das Blut Christi und warf es in die Gosse. Blut, das für mich vergossen wurde, und trotzdem begab ich mich in den Zustand der Verdammung. Und Gott duldete mich noch in diesem Leben, ertrug mich und wartete auf mich mit neuen noch größeren Gnaden, als jene, die ich bereits erhalten hatte.
Nun bin ich wieder in einer Karwoche, einer Gelegenheit Gnaden zu bekommen. Die Seite Unseres Herrn ist offen, aus Ihr fließt ein Strom der Barmherzigkeit für mich und ruft mich zur Reue, zur Buße, zur wunderbaren Versöhnung mit Ihm. Es ist ein Strom der Güte und der Zuneigung, wie ich es mir nie hätte vorstellen können. Meine erste Sorge in der Karwoche soll daher sein, an meine Seele zu denken. Ohne Angst und Panik, denn Gott ist der Vater der Barmherzigkeit und Maria ist Mutter und Kanal aller Barmherzigkeiten. Ernsthaft und tief sollte ich nachdenken. Mich vor das fließende Blut Christi stellen und erkennen, was ich aus diesem Blut gemacht habe.

„Welchen Nutzen bringt mein vergossenes Blut?“

Diese Frage stellte sich Unser Herr Jesus Christus, und es war eines seiner größten Leiden: Quae utilitas in sanguine meo? (Ps 30,10) Letztendlich, was nützt mein Blut? Er dachte an die vielen Seelen, die Sein Blut mit Füssen treten würden. Leichtsinnig, stumpfsinnig, für eine Kleinigkeit, für eine Bagatelle. Wegen eines spöttischen Lächelns einer Magd, wie im Falle des Petrus. Für dreißig Talente, wie bei Judas. Aus Faulheit, weil sie schlafen wollten, wie die anderen Apostel. Aus Angst, aus Opportunismus, aus Sinnlichkeit, aus wie viel anderen Gründen würden die Seelen sich Ihm verweigern!
Jesus und Seine Mutter hatten unsere Zeit im Blick. Jesus aber sah den ganzen Verrat unserer Zeit, Seine Verlassenheit; alles, was priesterliche Seelen Ihm an Leid zufügen würden. Wenn die Sünde jedes einzelnen Menschen Unserem Herrn dermaßen Leiden zufügt, wie viel mehr die Sünden der Glieder der heiligen Kirche?


Der Prophet David äußerte diese Klage gegenüber einem Freund, der ihm Böses getan hatte:
Denn würde mein Feind mich schmähen, ich könnte es ertragen, und würde mein Gegner sich gegen mich erheben, ich könnte mich bergen vor ihm. Du aber, mein Gefährte, mein Vertrauter und Bekannter, die wir zusammen süße Gemeinschaft erlebten, zum Gotteshause wallten im Festgedränge! (Ps 55, 13-15).


* * *


Alles, was in unserer Zeit geschieht, hat Jesus damals schon gesehen. Doch Er sah es auch mit Liebe. Als Frucht dieses unendlich kostbaren Blutes würde eine besondere Gnade keimen für einige, die genauso schlecht sind wie andere, – und des öfteren gar noch schlechter –, die aber durch diese besondere Gnade berufen wurden, treu zu sein in der Stunde der Untreue, damit sie unter dem Kreuz stehen, wie der hl. Johannes, auf der Seite der Rechtgläubigkeit, der wahren Lehre, in der Stunde, in der alle sie verlassen. Es sind die, die das Martyrium der Kirche verstehen. Die die Tragödie der von Modernismus und Progressismus in ihrem Innern zersetzten Kirche sehen und wie sie ihren schlimmsten Feinden ausgeliefert ist. Diese von Gott auserwählten wurden berufen für ihre Kirche – den Leib Christi – zu kämpfen, Ihren Schmerz zu verstehen, darüber zu meditieren und diesen Schmerz zu teilen und zu leben, damit sie auch „Menschen der Schmerzen“ werden.

Der Schmerz der Heiligen, Kirche in unseren Tagen, muss ein Schmerz sein, mit dem wir am Morgen aufwachen und am Abend einschlafen. Ein Schmerz, der uns auch im tiefsten Schlaf nicht verlässt.

Die Heilige, Römisch Katholische und Apostolische Kirche, von Jesus Christus gegründet, vom Himmel herniedergestiegen aus dem Himmel von Gott her, wie eine vollendete Stadt (vgl. Offb 21,2)… Was haben sie aus ihr gemacht?!...

Nun gut! Dieser Schmerz ist dermaßen groß, dass er mich hindert weiterzusprechen. Bitten wir der Gottesmuter, sie möge uns diesen Schmerz bis ins tiefste unserer Herzen spüren lassen.

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