Montag, 26. Dezember 2016

An der Krippe: Bitten an das Jesuskind


Wieder einmal nähert sich, Herr, dein heiliges Weihnachtsfest. Wieder einmal macht sich die Christenheit bereit, dich in der Krippe von Betlehem im flimmernden Licht des Sterns oder im noch strahlenderen Licht des süßen, mütterlichen Blicks Mariens zu verehren. An deiner Seite steht der heilige Josef und er ist derart in deinen Anblick vertieft, daß er weder die dich umgebenden Tiere wahrzunehmen scheint, noch die Chöre der Engel, die ihre Lieder erklingen lassen. Bald schon wird auch der Troß der Weisen zu hören sein, die mit ihren Geschenken - Gold, Weihrauch und Myrrhe - herbeieilen.
Noch viele andere werden im Laufe der Jahrhunderte an deiner Krippe knien: aus Indien, Nubien, Makedonien, Rom, Karthago, Spanien, Gallier, Franken, Germanen, Angeln, Sachsen, Normannen. Da sind die Pilger und Kreuzritter aus dem Abendland, die gekommen sind, den Boden der Grotte zu küssen, in der du geboren bist. Überall auf Erden ist deine Krippe jetzt vorzufinden. In den großen gotischen und romanischen Kathedralen, strömt die Menge zusammen und bringt dir Geschenke dar: Gold, Silber, Weihrauch und vor allem die Frömmigkeit und Aufrichtigkeit ihrer Herzen.

Dann breitet sich das Abendland aus. Die Wohltaten deiner Erlösung jedoch ergießen sich auch über neue Länder. Inkas, Azteken, Guaranis, Schwarze aus Angola und vom Kap, braune Inder, schlanke, nachdenkliche Chinesen, wendige kleine Japaner, alle umringen sie deine Krippe und beten dich an. Der Stern strahlt nun über der ganzen Welt. Die Verheißung der Engel ist bereits unter allen Völkern zu vernehmen, und auf der ganzen Erde finden die Herzen guten Willens den unermeßlichen Schatz deines Friedens. Alle Hindernisse überwindend, macht sich das Wort des Evangeliums in allen Völkern der Welt endlich vernehmbar. Inmitten der Trostlosigkeit unserer Zeit liegt in diesem Zustrom von Menschen, Völkern und Rassen, die sich um dich versammeln, Herr, der einzige Trost, die einzige Hoffnung, die uns noch bleibt.
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Und auch wir befinden uns unter ihnen. Kniend schauen wir zu dir auf. Sieh auf uns, Herr, und habe Mitleid mit uns. Wir sind hier, um mit dir zu sprechen.
Und wir richten eine Bitte an dich. Eine Bitte vor allem für unser liebstes Gut auf der Welt, nämlich für deine heilige, unbefleckte Kirche. Damit sie endlich über die Sünde dieser Welt triumphiere und zu deiner größeren Ehre eine neue Zivilisation hervorbringe. Für die Heiligen, damit sie an Heiligkeit zunehmen. Für die Guten, auf daß ihre Zahl immer größer werde. Für die Sünder, damit sie sich bessern, für die Gottlosen, damit sie sich bekehren. Für die Seelen im Fegefeuer, daß sie möglichst bald in den Himmel kommen.
Und dann eine Bitte für uns selbst. Daß du uns noch anspruchsvoller in der Rechtgläubigkeit machen mögest, noch strenger in der Reinheit, ergebener in den Widerwärtigkeiten, stolzer in der Erniedrigung, kraftvoller im Kampf, nachsichtiger gegenüber denen, die sich ihrer Sünde schämen und sich ernsthaft darum bemühen, deine Vergebung zu erlangen.
Schließlich die Bitte um deine Gnade, ohne die kein Wille dauerhaft am Guten festhält und keine Seele gerettet wird, auf daß sie für uns um so reichlicher fließen möge, je zahlreicher unsere Vergehen und Armseligkeiten sind.

Plinio Corrêa de Oliveira, in  "Legionário" Nr. 750, 22.12.1946

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