Sonntag, 25. Dezember 2016

„Ehre sei Gott in der Höhe“


„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen!“ Welch eine Aufnahme hat der Gesang der Engel in den einsamen Weiten der Felder um Bethlehem und in den redlichen Herzen der Hirten gefunden, die er aus ihrem tiefen, ruhigen Schlaf aufgeweckt hat! Wie fremd klingen dagegen die Worte der englischen Chöre für die von der materieverhafteten Gier nach Gold beherrschten Menschen der Metropolen von heute, bei denen sie auf keinen Widerhall, auf keine Affinität stoßen.
Ist das wahre Weihnachten tot? Mit etwas Übertreibung könnte man diese Frage bejahen. Es ist in der metallenen Seele so vieler Millionen Menschen gestorben. Sogar in gewissen Krippen ist es dahingeschieden. In Krippen, in denen uns die Heilige Familie von der modernen Kunst entstellte Züge entgegenhält und von zur gesellschaftlichen Revolution aufrufenden Beiklängen begleitet ist.
Wenn jedoch eine gewisse Übertreibung in der Behauptung liegt, Weihnachten sei tot, so stimmt es auch, das noch einige Lebenszeichen aufleuchten. Machen wir uns auf die Suche nach ihnen!

Wir finden sie vor allem - und zwar in sprudelnder Frische - in der Tatsache selbst, daß es Weihnachten ist. Jedes Fest des Kirchenjahres bringt einen überschäumenden Reichtum besonderer Gnaden mit sich. Ob die Menschen es wollen oder nicht, die Gnade klopft in der weihnachtlichen Zeit hehrer, sanfter, nachdrücklicher an die Tür der Seelen. Man könnte sogar behaupten, daß trotz allem ein Licht, ein Friede, ein Mut, eine Kraft voller Idealismus und Hingabe in der Luft liegt und daß einem dies schwerlich entgeht.

Außerdem stellt uns die wahre Krippe in vielen Kirchen und Wohnungen noch das Bild des göttlichen Kindes vor Augen, das gekommen ist, die Ketten des Todes zu zerreißen, die Sünde zu zermalmen, Vergebung und Erneuerung zu bringen, den Menschen neue, unbegrenzte Horizonte des Glaubens und des Ideals, neue, unbegrenzte Möglichkeiten der Tugend und des Guten zu eröffnen.

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