Mittwoch, 12. April 2017

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 1.Teil

von Plinio Corrêa de Oliveira

Erste Betrachtung

Als er nun zu ihnen sagte: „Ich bin es!“
da wichen sie zurück und fielen zu Boden
»Jesus, der alles wusste, was mit ihm geschehen würde, ging hinaus und sprach zu ihnen: „Wen sucht ihr?“ Sie antworteten ihm: „Jesus von Nazareth.“ Jesus sagte zu ihnen: „Ich bin es.“ … Als er nun zu ihnen sagte: „Ich bin es!“ da wichen sie zurück und fielen zu Boden. Wieder fragte er: „Wen sucht ihr?“ Und sie sagten: „Jesus von Nazareth“. Jesus antwortete: „Ich habe es euch gesagt, dass ich es bin!“« (Joh 18, 4-8).

Als unser Herr verhaftet wurde, tat er zwei scheinbar widersprüchliche Dinge. Einerseits sprach er mit einer so autoritären Stimme, dass seine Gegenüber zu Boden fielen. Auf der anderen Seite bückte er sich, um das Ohr des Malchus aufzuheben, das Petrus mit seinem Schwert abgehauen hatte und setzte es wieder an den Kopf des Mannes. Wer sie erschrocken hat, dass sie zu Boden fielen, wusste auch zu trösten. Derselbe, der mit mächtiger Stimme spricht, setzt das abgetrennte Ohr wieder an seinen Ort. Kann man daraus eine Lehre ziehen?

Unser Herr ist immer unendlich gut. Er war gut zu denen, die ihn in jener Nacht als Jesus von Nazareth suchten, und auch gut, wenn er dem Malchus das Ohr wieder ansetzte. Wenn wir gut sein möchten, sollten wir lernen, die Güte unseres Herrn nachzuahmen. Wir sollten von Ihm lernen, dass es Momente gibt, in denen es notwendig ist, zu wissen, wie man die Feinde des Glaubens energisch zu Boden schleudert, und zu wissen, wann es notwendig ist, Mitleid mit denen zu zeigen, die uns verletzen wollen.
Warum hat Jesus gesagt: „Ich bin es“? War es nur, um die, die ihn verhaften wollten, physisch zu Boden zu werfen? Warum so etwas, wenn er, eine kleine Weile später, freiwillig sich selbst hingeben würde? Der Grund dafür könnte sein, dass, wenn er so laut für das Gehör sprach, er es nur so tat, damit es noch lauter in die Herzen eindringen sollte.
Wir wissen nicht, ob diese Männer letztlich von der Gnade berührt wurden, die sie erhielten, aber die Angst, die sie sicherlich fühlten, als sie auf den Klang der Stimme des Meisters zu Boden fielen, war genauso machtvoll, als wenn dieselbe Stimme riefen würde: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du Mich?“

Unser Herr sprach laut zu den Ohren. Wenngleich sie zu Boden fielen, erhob die gleiche Stimme, die die Leiber schlug und die Ohren betäubte, die gefallenen Seelen, indem sie die Ohren des Geistes öffneten, die taub waren. Manchmal ist es notwendig, kraftvoll zu sprechen, um zu heilen.

Zweite Betrachtung

Jesus heilt das Ohr des Malchus
»Simon Petrus aber, der ein Schwert hatte, zog es, schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab; der Name des Knechtes war Malchus« (Joh 18,10).

Der Erlöser hat anders mit Malchus gehandelt. Als er das Ohr, das Petrus im Eifer der Situation abgeschnitten, wieder angesetzt hat, wollte Unser Herr ihm sicherlich körperlich etwas Gutes tun. Doch indem er sein Ohr heilte, wollte Jesus vor allem das Gehör seiner Seele öffnen. Wer also die geistige Taubheit einiger mit der Kraft seiner göttlichen Stimme geheilt hatte, heilte dieselbe geistige Taubheit von Malchus mit Worten der Süße und ein physisches Wunder.
Wir leben in einer Epoche einer schrecklichen geistigen Taubheit. Wenn es jemals eine Zeit gab, in der die Menschheit auf Gottes Stimme hören müsste, so ist es die unsere; doch unsere Zeit ist sicherlich auch eine Zeit, die die härtesten Herzen aufweisen kann.
Der göttliche Meister zeigt uns, dass wir, wenn wir unsere eigene geistliche Taubheit heilen wollen, ebenso wie unsere Nachbarn, Er der Einzige ist, der das tun kann, da bloße menschliche Mittel nutzlos sind.
Lasst uns eins sein mit dem Blinden des Evangeliums, der zu Unserem Herrn schrie, „Domine, ut videam!“ – „Herr, dass ich sehe!“
Lasst uns von den Feierlichkeiten der Karwoche nutzen, um ihn zu bitten, uns zu hören helfen, „Domine, ut audiam!“ – „Herr, dass ich höre!“ Wir wissen nicht, wie unser Herr unsere geistige Taubheit heilen wird - das ist auch nicht wichtig. Lasst uns seinen göttlichen Willen erfüllen, wie auch immer er spricht, ob mit der schrecklichen Stimme der Rüge und der Strafe oder mit der süßen Stimme des Trostes spricht. Was wirklich zählt, ist, dass wir ihn anflehen: „Herr, dass ich höre!“
Lasst uns letztlich von ganzem Herzen auf die Stimme Unseres Herrn hören und indem wir unsere Seelen aufrichtig den Gnaden eröffnen, die er uns gewährt, in uns die Fülle des Reiches Jesu Christi herbeiführen, die die Feinde der Kirche aus dem Angesicht der Erde verbannen wollen.

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