Dienstag, 28. März 2017

Willst due den Frieden...

 Plinio Corrêa de Oliveira


Wenn wir diese gewaltigen Burgen des Mittelalters sehen, die an den Grenzen des Reichs Karls des Großen errichtet wurden, an den Ufern des Rheins oder der Donau, oder auch entlang der Straßen Spaniens, durch die Truppen des großen Kaisers, um den Vormarsch der Mauren zu verhindern, haben wir den Eindruck, als ob diese Burgen immer noch pochen von den Schlachten, die um sie geführt wurden. Ihre Steine scheinen pulsierenden Herzen!

Doch die Menschen erinnern sich nicht mehr an die Lektion der Voraussicht, die sie enthalten. Welche Lektion? Niemand baut Burgen, wenn der Feind gerade angreift. Festungen werden in Zeiten errichtet, in denen keinen Krieg stattfindet. Und da die Erbauer Krieger des Glaubens waren und nicht ein Haufen dummer Optimisten, bauten sie ihre Burgen in Friedenszeiten in Vorsorge auf künftige Angriffe eines Feindes.

Diese Burgen waren Werke des Friedens, aber ein Frieden, der auf den eventuellen Krieg orientiert ist! So sollen auch wir sein, als Kinder der streitenden Kirche, die wir an einem universalen, furchtbaren und heiligen Kriege teilnehmen, der gegenrevolutionären psychologische Kriegsführung, um die christliche Zivilisation mit friedlichen und legalen Mitteln zu verteidigen. Unsere doktrinären Festungen müssen in Friedenszeiten errichtet werden. Dies ist die Art, wie wir unsere kämpferischen und prächtigen Burgen bauen, in Zeiten des Friedens ... aber in der Voraussicht des Kampfes!

Freitag, 17. März 2017

Die höchste soziale Funktion des Adels:


Die Wahrung, die Verteidigung und die Verbreitung der christlichen Lehre,
die in den edlen Traditionen enthalten ist, die den Adel auszeichnen



1958 weist Papst Pius XII. in seiner Ansprache auf die Pflicht hin, gegen den modernen Sittenverfall moralischen Widerstand zu leisten; er sieht darin eine generelle Aufgabe der „hochgestellten Klassen, darunter Eure“ und meint damit das Patriziat und den Adel von Rom: „Schließlich wünschen wir, daß Euer Einfluß in der Gesellschaft Euch vor einer Gefahr beschützt, die kennzeichnend für die moderne Zeit ist. Es ist bekannt, daß die Gesellschaft Fortschritte macht, wenn die Tugenden einer ihrer Klassen sich unter den anderen Klassen verbreitet. Ebenso ist es bekannt, daß das Niveau der Gesellschaft absinkt, wenn sich Laster und Unsitten eines Teiles der Gemeinschaft auf die anderen Teile ausdehnen. Der Schwäche der menschlichen Natur wegen, kann man feststellen, daß sich besonders die Übel heute von Volk zu Volk und über die Kontinente ausbreiten, je einfacher Kommunikation, Information und persönliche Kontakte geworden sind.
       Auf dem Gebiet der Moral kann das gleich beobachtet werden wie im Gesundheitswesen: Weder Entfernungen noch Grenzen können jemals einen Epidemieerreger davon abhalten, in kurzer Zeit selbst ferne Regionen zu befallen. Deshalb ist es möglich, daß die hochgestellten Klassen, darunter Eure, aufgrund vielfältiger Beziehungen und häufiger Aufenthalte in Ländern verschiedener, möglicherweise schlechterer Moral leicht zu Überträgern von Sittenverwirrungen werden können.“ (1)
      Im Hinblick auf den Adel definiert der Heilige Vater die Merkmale dieser Verpflichtung genauer: Es handelt sich um eine Pflicht zum Widerstand, der es vor allem auf dem Gebiet der Lehre nachzukommen gilt, die sich aber auch auf das Gebiet der Sitten erstreckt.
      „Was Euch betrifft, sorgt dafür und seid wachsam, damit schädliche Theorien und perverse Beispiele niemals mit eurer Zustimmung oder Eurer Sympathie rechnen können und vor allem in Euch keine willigen Träger finden oder die Gelegenheit, Infektionsherde zu bilden.“
      Diese Pflicht ist Bestandteil des „großen Respekts, vor den Traditionen, die Ihr besitzt und durch die Ihr Eich in der Gesellschaft auszeichnet“. Diese Traditionen bilden „einen kostbaren Schatz“, die der Adel „mitten unter dem Volk“ zu wahren hat.
      „Möglicherweise ist das heutzutage die wichtigste soziale Funktion des Adels; sicherlich ist es der größte Dienst, den ihr der Kirche und dem Vaterland erweisen könnt“, behauptet der Papst.(2)
      Der Adel kann den Glanz vergangener Jahrhunderte, der noch heute von ihm ausgeht und ihn hervorhebt, kaum besser verwenden als die christliche Lehre, die in den Traditionen enthalten ist, die den Adel auszeichnen, zu wahren, zu verteidigen und zu verbreiten.(3)

1 Ansprachen an das Patriziat und den Adel von Rom, 1958, S. 710.
2 Ansprachen an das Patriziat und den Adel von Rom, 1958, S. 710.
3 Zum Adel als einem Faktor, der den Menschen für die Ausübung der christlichen Tugenden empfänglich macht und sie fördert, sei vor allem die Lektüre der bewundernswerten Predigt des heiligen Karl Borromäus empfohlen, die in Dokumente IV, 8 abgedruckt ist.


Quelle: PLINIO CORREA DE OLIVEIRA: „Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen von Papst Pius XII. an das Patriziat und den Adel von Rom“, TFP-Deutschland e.V., Frankfurt. Kap. IV, 9. S. 67 f.

Donnerstag, 16. März 2017

Legitimität der Ungleichheiten

Legitimität und sogar Notwendigkeit gerechter und angemessener Ungleichheiten unter den Gesellschaftsschichten

Die marxistische Doktrin vom Klassenkampf behauptet, daß alle Ungleichheit ungerecht und schädlich sei und daß es daher der unteren Klasse erlaubt sei, sich weltweit für die Abschaffung der oberen Schichten einzusetzen: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ Mit diesem allseits bekannten Aufruf schlossen Marx und Engels 1848 ihr Kommunistisches Manifest.(1)
Demgegenüber behauptet die traditionelle katholische Lehre, daß gerechte und angemessene Ungleichheiten unter den Menschen nicht nur legitim, sondern sogar notwendig seien.(2) Deshalb verurteilt sie auch den Klassenkampf.
Diese Verurteilung erstreckt sich selbstverständlich nicht auf die Bemühungen oder unter Umständen sogar auf den Kampf einer Klasse um Anerkennung des ihr zustehenden Platzes im gesellschaftlichen beziehungsweise im politischen Ganzen. Sie spricht sich jedoch dagegen aus, daß die an sich legitime Notwehr einer angegriffenen Klasse in einen Ausrottungskrieg gegen andere Klassen ausartet oder auch nur zur Ablehnung der Rollen führt, die einer jeden Klasse im Gesellschaftskörper zukommen.
Ein Katholik muß sich für Eintracht und Frieden zwischen den Klassen einsetzen, nicht aber für den chronischen Kampf zwischen ihnen, vor allem wenn es bei diesem Kampf um die Errichtung eines Regimes völliger, radikaler Gleichheit geht.
Dies alles würde besser verstanden, wenn die bewundernswerten Lehren Pius´ XII. über Volk und Masse überall im Westen die ihnen gebührende Verbreitung gefunden hätten.
„Freiheit, wie viele Verbrechen werden in deinem Namen begangen!“(3) – soll die berühmte französische Revolutionärin Madame Roland ausgerufen haben, bevor sie auf eine Entscheidung des Terrorregimes hin enthauptet wurde.
Ähnlich könnte man auch angesichts der Geschichte unseres verworrenen 20. Jahrhunderts ausrufen: „Volk, o Volk, wie viele Torheiten, wie viel Unrecht, wie viele Verbrechen werden in deinem Namen von den revolutionären Demagogen unserer Zeit begangen.“
Gewiss liebt die Kirche das Volk und ist stolz darauf, es seit ihrer Gründung durch ihren göttlichen Meister ganz besonders geliebt zu haben.
Was aber ist das Volk? Sicher ist es etwas ganz anderes als die Masse, die wie ein aufgepeitschtes Meer gar leicht zur Beute revolutionärer Demagogie wird.
Als Mutter versagt die Kirche auch den Massen nicht ihre Liebe. Aber gerade weil sie sie liebt, wünscht sie ihnen als kostbares Gut den Übergang vom Zustand der Masse in den des Volkes.
Geht es in dieser Behauptung aber nicht um ein bloßes Wortspiel? Was bedeutet denn Masse? Was heißt denn „das Volk“?

 Fussnoten
1 Karl Marx und Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, London 1848, S. 30.
2 Vgl. Dokumente V. „Die kirchliche Lehre über die sozialen Unterschiede“ in „Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen von Papst Pius XII. an das Patriziat und den Adel von Rom“, TFP-Deutschland e.V., Frankfurt.
3 Vgl. J. TULARD, J.F. FAYARD und A. FIERRO, História da Revolução Francesa, Edição Livros do Brasil, Lisboa. 1989, Bd. II, S. 341

Quelle: PLINIO CORREA DE OLIVEIRA. „Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen von Papst Pius XII. an das Patriziat und den Adel von Rom“, TFP-Deutschland e.V., Frankfurt. Kap. III, 1. S. 49 ff.

Sonntag, 5. März 2017

Betrachtung zum Palsonntag


Ein Fehler, der sehr oft die Wirksamkeit der Betrachtungen, die wir uns vornehmen zu machen, mindert, besteht darin, Ereignisse aus dem Leben Jesu zu betrachten, ohne jegliche Anwendung und Beziehung zu dem, was in uns oder um uns geschieht. So verwundern wir uns über den Wankelmut und die Undankbarkeit des jüdischen Volkes, als sie kurz nach dem feierlichen Empfang, den sie Jesum bereiteten und als den Erlöser preisten, ihn mit einem für viele nicht erklärbarem Hass gekreuzigt haben.
Doch diese Undankbarkeit und diesen Wankelmut gab es nicht nur zur Zeit Jesu. Heute noch muss Unser Herr diesen Wechsel zwischen Anbetung und Schmach häufig ertragen. Und nicht nur im nicht einsehbaren Inneren des Gewissens der Menschen. In wie vielen Ländern wird Unser Herr ununterbrochen in kurzen Zeitabschnitten verherrlicht und beleidigt?
Verschwenden wir nicht unsere Zeit, um ums nur über die Falschheit derjenigen zu empören, die den Gottmenschen getötet haben. Für unser eigenes Heil wäre es sehr nützlich, wenn wir über unsere eigene Falschheit nachdenken würden. Mit dem Blick auf die Güte Gottes können wir so eine Besserung unseres Lebens erreichen.

Jedermann weiß, dass die Sünde eine Beleidigung Gottes ist. Wer eine Todsünde begeht, vertreibt Gott aus seinem Herzen, bricht mit ihm, als sein Geschöpf, das ihm geschuldete kindliche Verhältnis und verstößt die Gnade.
So gibt es eine deutliche Analogie zwischen dem Verhalten des jüdischen Volkes und unserem Zustand, wenn wir in eine Todsünde fallen: Wir kreuzigen Jesus.
Wie oft, nachdem wir Unserem Herrn brennende Erweise der Anbetung und Verherrlichung durch Taten oder wenigstens durch Lippenbekenntnisse einen Schein der Verehrung von uns geben, fallen wir in Sünden und Ihn somit in unserem Herzen ans Kreuz schlagen.
Das gleiche geschieht in vielen Nationen der Gegenwart. Es werden imposante katholische Veranstaltungen organisiert, in denen Unserem Herr öffentlich gehuldigt wird. Zugleich betreiben die an der Macht sich befindenden Staatsmänner mal stillschweigend, mal verdeckt oder sogar offen das auslöschen christlicher Institutionen und den Zerfall der gegenwärtigen Zivilisation in dem, was diese noch an christlichen Zügen vorweist. Während also diese Katholiken ihre Liebe zur Kirche Christi bekennen, lassen sie zu, dass durch ihre Lauheit, Gleichgültigkeit und Trägheit dieselbe Kirche allmählich gefesselt, dass ihr Einfluss klüglich ausgehöhlt wird, das ihre Tätigkeiten hinterhältig verhindert werden, sodass, wenn die Stunde des gewalttätigen Angriffs geschlagen hat, jegliche Reaktion unmöglich gemacht wurde. Völker wie diese, nachdem sie Unseren Herrn als König huldigten, oder während sie es taten, bereiteten schon die Verfolgungen und Traurigkeiten vor, die sich sehr wenig von der großen und göttlichen Tragödie der Karwoche unterscheiden.

Doch, Gott sei Dank, ist es nicht nur die Falschheit und der Wankelmut von einst die in unseren Tagen noch überleben. Man findet auch rührende Handlungen, die unmittelbar an die so zärtliche Frömmigkeit gegenüber Unseren Herrn und der so überlegenen Haltung vor den Peinigern der Veronika erinnern.
Wenn es stimmt, dass unsere Epoche sich auszeichnet durch große und unerwartete Austritte aus der katholischen Kirche, so stimmt es genauso, dass ein künftiger Historiker in ihr eine Epoche großer Heiliger ausmachen wird, die sich ausgezeichnet haben durch die Tugenden der Tapferkeit, der Klugheit und der Gerechtigkeit, die in der heutigen Welt fast ganz in Vergessenheit geraten sind.
Unser Herr wird zweifelsfrei in der Gegenwart aufs Höchste beleidigt (siehe die Welle der Blasphemie die die ganze Welt umspült).
Seien wir doch einige der Seelen, die, wenn auch nicht durch den Glanz unserer Tugenden, doch wenigstens durch die Aufrichtigkeit unserer Demut — eine bewusste, vernünftige, feste Demut und nicht nur von einer Demut mit klangvollem Wortgeschwafel und schief hängendem Haupt — in diesen heiligen Tagen Sühne leisten am Throne Gottes, ob der Menge der Beleidigungen, denen Unser Herr ausgesetzt ist.

(Freie Übersetzung aus „O Legionário“, Nr. 447, vom 6.4.1941)