Donnerstag, 22. Februar 2018

Die Kathedra Petri




Kathedra des heiligen Petrus: ein Fest, an dem der Papst als Lehrer gefeiert wird; an dem das Papsttum gefeiert wird, im Besitz eines unfehlbaren Stuhls, mit dem es die Welt anspricht und wahrhaftig unfehlbar ist. Es ist also die Feier der Unfehlbarkeit des Papstes, durch die das Papsttum (in Glaubens- und Sittenfragen) niemals irrt.
Sie wissen, dass Papst Pius IX., der ein großer Papst war,— von dem wir eine indirekte Reliquie haben, die ein Teilchen seines Sarges ist, und dessen Heiligsprechungsprozess eingeführt wurde —, Papst Pius IX. war in der ersten Zeit seines Pontifikats eher sehr liberal. Nicht, dass er in seinen Dokumenten einen doktrinären Fehler des Liberalismus begangen hätte, aber er nahm eine Reihe von meist extrem liberalen Maßnahmen.
So wollten, im geteilten, pittoresken, vorteilhaften und effizienten Italien jener Zeit der kleinen Königreiche, Fürstentümer und freier Städte, diejenigen, die nach einer Vereinigung Italiens strebten, einen revolutionären Schlachtruf für die Straßen haben, um die Anarchisten und die Anhänger der Sekte des Mazzini zum gemeinsamen Kampf anzulocken. Zum Anlass der Wahl Pius IX. verbreiteten sie überall den Ruf, „Viva Pio IX“ (Es lebe Pius IX.). Mit diesem Ruf rekrutierten sie auf den Straßen die Lazzaroni, die Schamlosen, die Revolutionäre, Mitglieder der Mafia, der Camorra und alles andere aus dem Untergrund der Gesellschaft, für den Kampf gegen jene kleinen Throne, deren Verschwinden wir heute noch bedauern.
In dieser schwierigen Situation, in der ein Papst schließlich ein Symbol der Revolution war, lebte ein großer Heiliger, Don Bosco. Der Ruf, „Viva Pio IX“, der Revolutionäre drang auch in die Schulen des hl. Don Bosco ein. So erschall dieser Ruf der Revolte hier und da mitten im Schulhof.
Dagegen fiel Don Bosco eine Lösung ein: Er Verbot den Schülern, „Viva Pio IX“ zu rufen. Er — ein Heiliger ... — befahl ihnen, sie sollten „Viva il Papa“ (Es lebe der Papst) rufen. Es war ein souverän intelligenter Ausweg. Weil „es lebe der Papst“, sollten wir immer rufen. Nur den Umständen entsprechend sollte der Name des Papstes genannt werden. Diese Begebenheit ist im Heiligsprechungsprozess des Don Bosco registriert, und hinderte nicht ihn im Verzeichnis der Heiligen aufzunehmen, und dass seine Arbeit von der Vorsehung in jeder Hinsicht gesegnet wurde.
Der Grund dieser Haltung ist eine sehr wichtige Unterscheidung: die Unterscheidung zwischen Papst und Papsttum; zwischen der Person des Papstes, die der menschlichen Barmherzigkeit unterworfen ist, aber auch Fehlern in allen Maßen unterliegt, die nicht durch die Unfehlbarkeit garantiert sind, und andererseits der Institution, die sich von der Person völlig unterscheidet. Und wenn es stimmt, dass man ab und zu ruft: Es lebe dieser oder jener, und man manchmal still bleibt, manchmal weint, aber immer betet, gibt es einen Ruf, den wir immer laut rufen sollten, und der ist: „Es lebe der Papst!“, „es lebe das Papsttum!“
Aus diesem Grund ist das Fest, das wir heute feiern, das Fest des Stuhls des hl. Petrus, der Kathedra Petri, ein äußerst zeitgemäßes Fest, denn es feiert den Papst als Lehrer, es feiert das Papsttum als Inhaber eines unfehlbaren Lehrstuhls, der sich an die Welt wendet und tatsächlich unfehlbar ist. Und deshalb ist die Unfehlbarkeit des Papstes, die Orthodoxie, sozusagen das, wodurch das Papsttum nie Irren kann. Und das ist der Gegenstand der heutigen Zeremonie.

Wir wissen, dass von dem Peterstuhl fast alles erhalten geblieben ist, und dieser Stuhl wird in der Peterskirche in Rom aufbewahrt. In der Apsis, wo die Gloria Berninis ist, befindet sich ein Bronzestuhl. Dieser Stuhl ist hohl und von Zeit zu Zeit wird er geöffnet, und ein kleiner Holzschemel gezeigt, von dem ich das Foto gesehen habe, und der als der Thron des hl. Petrus angesehen wird.
Das Fest der Kathedra Petri bezieht sich auf diesen „Thron“, es hat aber viel mehr im Sinn als diesen Thron angesichts der Tatsache, dass Rom der Sitz des hl. Petrus ist, und der Tatsache, dass unser Herr Jesus Christus dem Petrus einst den Charakter der Unfehlbarkeit zugeteilt hat, und der Tatsache, dass dieser unfehlbare Lehrstuhl die Heilige Apostolische und Römisch-Katholische Kirche regiert. Dies ist, was heute gefeiert wird.
Im Petersdoms gibt es im Mittelschiff eine Monument aus dunklem Material (Bronze), das den hl. Petrus als Papst darstellt mit den Schlüsseln in der Hand, auf einem Thron sitzend. Seine Füße sind genau in der Höhe des Mundes des Betrachters, so dass sie leicht mit einem Kuss verehrt werden können. Und alle Pilger, die nach Rom kommen, gehen hier vorbei und küssen den Fuß des hl. Petrus. Das Ergebnis ist, dass mit dem tausend und tausend Mal wiederholten Kuss sogar der Fuß des heiligen Petrus abgenutzt ist. Ich denke, es ist das einzige Beispiel in der Geschichte, in dem Küsse Bronze abnutzen.
Der etwas vorgerückte Fuß, der geküsst wird, ist abgenutzt und geglättet. Und was noch schöner ist, ist, dass am Fest des hl. Petrus diese Figur mit den päpstlichen Ornamenten bekleidet wird. Sie hat also eine Tiara, sie ist gekleidet, als wäre sie ein lebender Papst, um auf die großartige und offensichtliche Solidarität und Kontinuität hinzuweisen, die vom hl. Petrus bis zum Papst unserer Tage geht.
Was sollen wir heute machen? Im Geiste den Fuß dieses Bildes küssen. Das heißt, im Geiste das Papsttum, im Geiste dieses Prinzip der Weisheit oder der Unfehlbarkeit der Autorität küssen, das die katholische Kirche regiert. Und durch die Muttergottes, Unserem Herrn Jesus Christus für die Einsetzung dieser Unfehlbarkeit dieses Stuhls zu danken, der in der Tat die (tragende) Säule der Welt ist. Denn wenn es keine Unfehlbarkeit gäbe, wäre die Welt völlig verloren, die Kirche wäre zerbrochen und mit ihr wäre die Welt verloren, wie auch der Weg zum Himmel. Denn die Menschen würden den Weg in den Himmel nicht finden, wenn es keine unfehlbar regierende Autorität gäbe.
Doch eine Sache, an die wir uns erinnern müssen, ist folgende: Die Treue zum Stuhl ist unter allen Umständen nicht zu verwechseln mit der bedingungslosen Akzeptanz dessen, was die Person tut. Unser Herr Jesus Christus unterscheidet zwischen dem Stuhl und der Person. Obwohl der Papst der Meister selbst ist und die Macht des Stuhls in ihm wohnt, ist nicht alles in ihm Stuhl, und wir können uns die Kirche nicht vorstellen, wie sie von unserem Herrn Jesus Christus nicht gemacht wurde. Die Kirche wurde von unserem Herrn Jesus Christus auf diese Weise geschaffen.
Deshalb muss unsere höchste Treue zur Kathedra Petri wie folgt sein: Wenn ein Lehrmeister wie Pius IX. etwas tut, was die Kathedra nicht gelehrt hat, mit wem sollen wir bleiben? Mit dem Stuhl oder mit dem Lehrmeister? Mit dem Stuhl, bis zum Tod, mit der Gewissheit, dass der Stuhl nie den Meister verlässt; der Meister aber kann manchmal den Stuhl verlassen. Und deshalb kann man keine abstrakte Treue zum Papsttum haben, die keine konkrete Treue zum gegenwärtigen Papst ist, in jedem Maß, in dem er unfehlbar ist und die Macht hat, die katholische Kirche zu leiten und zu regieren.

Plinio Correa de Oliveira, Vortrag „Heiliger des Tages“ am 22. Februar 1964.

Freie Übersetzung aus dem Portugiesischen. Der Originaltext ist die Abschrift einer Aufzeichnung, wurde vom Urheber nicht revidiert.

Bild: https://www.flickr.com/photos/paullew/5467740334/

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