Donnerstag, 19. Dezember 2013

Populus qui habitabat in tenebris, vidit lucem magnam



Plinio Corrêa de Oliveira
 

         Am heiligen Weihnachtsfest überlagern sich sozusagen mehrere Vorstellungen. Vor allem öffnet uns die Geburt des Gotteskindes die Augen für die Tatsache der Menschwerdung. Die zweite Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit nimmt die menschliche Natur an und wird Fleisch aus Liebe zu uns. Außerdem ist dies der Anfang des irdischen Daseins unseres Herrn. Ein strahlender Anfang, der uns einen Vorgeschmack von all den wunderbaren Ereignissen seines öffentlichen und privaten Lebens gibt. Sein Höhepunkt wird ohne Zweifel das Kreuz sein. Inmitten der weihnachtlichen Freuden ist jedoch kaum Platz für finstere Gedanken. Tatsächlich ist unser Augenmerk nur auf die Erlösung gerichtet, die sich vom Kreuze her über uns ergießt. So ist Weihnachten die Ankündigung der nahenden Befreiung, ein Zeichen dafür, daß die Himmelspforten bald wieder offen stehen werden, daß sich die Gnade Gottes erneut über die Menschen ausbreiten wird, und daß Himmel und Erde unter dem Zepter eines Gottes, der nicht nur Richter, sondern auch Vater ist, endlich wieder eins werden.
Wenn wir uns jeden dieser Gründe zur Freude etwas näher ansehen, verstehen wir wohl, was dieser Weihnachtsjubel wirklich bedeutet, diese von Frieden und Liebe gesalbte christliche Fröhlichkeit, die allen Menschen einige Tage lang ein Gefühl verschafft, das in diesem traurigen zwanzigsten Jahrhundert so selten geworden ist: die Freude der Tugend.

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Der erste Eindruck, den die Tatsache der Menschwerdung in uns hervorruft, ist der Gedanke eines sinnlich wahrnehmbaren, uns sehr nahe stehenden Gottes. Vor der Menschwerdung war Gott für unser menschliches Gefühl das, was für einen Sohn ein unendlich guter Vater ist, der jedoch in weiter Ferne wohnt. Von allen Seiten empfingen wir Beweise seiner Güte. Es fehlte uns jedoch das persönliche Glückserlebnis seiner Zärtlichkeit, nie hatten wir seinen göttlich tiefen, ernst verständnisvollen, edel liebevollen Blick auf uns ruhen sehen. Nie hatten wir den Klang seiner Stimme vernommen. Die Menschwerdung verwandelt sich für uns in die überschwängliche Freude dieser ersten Begegnung, in das Glück des ersten Blickes, in die zärtliche Wahrnehmung des ersten Lächelns, in die Überraschung und den Trost der ersten Augenblicke vertrauten Beisammenseins. Und deshalb wird an Weihnachten jedes Gefühl ausladender, jede Freundschaften großzügiger, jede Güte gegenwärtiger in der Welt.

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Die Weihnachtsfreude geht jedoch mit einem Ausdruck großer Feierlichkeit einher. Wir können zwar sagen, daß Weihnachten einerseits das Fest der Demut ist, andererseits ist es aber auch eine Feier. Tatsächlich ruft uns die Menschwerdung das Verständnis eines Gottes ins Gedächtnis, der in der innigsten und tiefsten Verbindung, die es in der ganzen Schöpfung gibt, das Elend der menschlichen Natur angenommen hat. So wie es, von Gott her gesehen, zum Ausdruck einer fast unermeßlichen Herablassung kam, so wurde hinwiederum dem Menschen eine fast unsagbare Erhöhung zuteil. Unsere Natur erfuhr eine Ehre, wie wir sie uns nie hätten vorstellen können. Unsere Würde nahm zu. Wir wurden rehabilitiert, geadelt, glorifiziert.
Deshalb haben die Weihnachtsfesttage irgendwie etwas diskret und vertraut Feierliches an sich. Man schmückt das Heim wie sonst nur an den wichtigsten Feiertagen, jeder trägt seine schönsten Kleider und begegnet den andern mit besonderer Höflichkeit. Im Lichte der Krippe verstehen wir, was für eine Ehre und Seligkeit es ist, nach Natur und Gnade Geschwister Jesu zu sein.
In der weihnachtlichen Freude klingt auch irgendwie der Jubel des begnadigten Gefangenen, des geheilten Kranken mit. Es ist ein Jubel der Überraschung, des Wohlbefindens und der Dankbarkeit.
Jesus Christus ist gekommen, um uns zu zeigen, daß die Gnade uns die Pfade der Tugend erschließt, so daß wir nun in die Lage versetzt werden, schon auf Erden die wahre Freude zu verspüren, die nicht von den Ausschweifungen und Verwirrungen der Sünde, sondern von Ausgeglichenheit, Strenge, Zufriedenheit und Askese ausgeht. Weihnachten läßt uns die Freude an der nun ausübbaren Tugend fühlen, die hier auf Erden eine Vorwegnahme der himmlischen Glückseligkeit ist.

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Es gibt kein Weihnachten ohne Engel. Wir fühlen uns eins mit ihnen und nehmen an der ewigen Freude teil, die sie erfüllt. An diesem Tag versuchen unsere Lieder die ihrigen nachzuahmen. Wir sehen den Himmel vor uns offen stehen, und die Gnade trägt uns schon jetzt einer übernatürlichen Ordnung entgegen, in der die Freude alles übersteigt, was das menschlichen Herz sich ausdenken kann. Denn wir wissen nun, daß mit Weihnachten die Niederlage der Sünde und des Todes ihren Anfang genommen hat, wissen, daß es der Beginn eines Weges ist, der uns Auferstehung und Himmel entgegen führen wird. An Weihnachten singen wir von der Freude der erlösten Unschuld, von der Freude der Auferstehung des Fleisches, von der Freude der Freuden, die in der ewigen Anschauung Gottes liegt.
Wenn daher die Glocken in einigen Tagen der Christenheit das heilige Weihnachtsfest verkünden, wird wieder einmal heilige Freude auf Erden herrschen. 

  (Freie Übersetzung aus „Catolicismo“, Dezember 1951)

Mittwoch, 13. November 2013

Die Abhandlung von der wahren Andacht zu Maria vom hl. Ludwig Maria Grignon von Montfort - VI. Teil



WESEN DER VOLLKOMMENEN ANDACHT ZUR HEILIGSTEN JUNGRAU
ODER
DIE VOLLKOMMENE WEIHE AN JESUS CHRISTUS

In diesem Kapitel erklärt der hl. Ludwig in was die vollkommene Andacht zu Maria  besteht. Bevor wir dies kommentieren, ist es angebracht einige Begriffe in Erinnerung zu rufen.


Der bedingungslose Sinn jeder wahren Andacht


Gewisse Taten bittet uns Gott sie zu vollbringen. Andere aber befiehlt er uns sie zu tun. So, z.B., befiehlt er uns die zehn Gebote zu befolgen. Doch die Praxis einiger Tugenden ist nicht dem Gehorsam oder der Pflicht unterworfen, sondern nur dem Rat oder dem Vorschlag. Er bittet lediglich darum, das wir sie praktizieren. Unsere vollkommene Weihe der Muttergottes oder an Gott – was ja dasselbe ist, denn die Weihe an sie wird ja nur vollzogen damit wir und ihm vollständiger weihen – bedeutet eine vollständige Hingabe unserer selbst. Sie beinhaltet also die Bereitschaft, in allen Dingen nicht nur das zu tun, was uns befohlen wird, sondern auch das, was nur empfohlen wird.

Sich weihen bedeutet sich hingeben, das ist alles. Der, der sich geweiht hat, behält nichts für sich zurück. Wenn er etwas für beansprucht, hat er sich nicht oder nur teilweise, unvollständig geweiht.

Wenn der hl. L von Weihe der Muttergottes spricht, versteht er nicht nur, dass wir alles geben sollen, was unser ist, sondern auch, allem zu ihren Gunsten und in ihren Händen entsagen, selbst das, was uns aufgetragen wurde nicht zu entsagen. Es geht nicht darum nur das zu opfern, was wir durch die Zehn Gebote verpflichtet sind, sondern allem zu entsagen, was einem Menschen möglich ist.

Der hl. L zeigt in dieser Weihemethode alles auf, was der Mensch der Muttergottes zur Verfügung stellen kann und empfiehlt es zu tun. Dies ist sehr wichtig für die vollkommene Andacht, denn es bedeutet sich ganz hingeben. Was nutzt es, wenn jemand einen Brief beendet mit "Dein ergebener Freund" und wir ihm später um einen Gefallen bitten, den er uns verweigert? Da geht es nur um eine reine Formel. Die Andacht bedeutet eine vollkommene Hingabe, eine totale Weihe.

Die wahre Andacht zur Muttergottes besteht nicht aus intensiven nervösen Schwingungen vor einem Bild, sondern einer ernsthaften, tiefen, dauerhaften und folgerichtigen Übergabe unsererselbst und alles was wir sind und haben in ihre Hände. (121 bis 126)

Hier tauchen zwei Probleme auf:

a) wie wird diese Hingabe vollzogen?

b) warum wird sie der Muttergottes gemacht und nicht direkt zu Jesus?

Im 4. Kapitel erklärt der hl. L auf welche Weise diese Hingabe vollführt wird: "Um Maria ganz geweiht zu sein, müssen wir ihr schenken: 1. unseren Leib mit allen seinen Sinne und Gliedern; 2. Unsere Seelen mit allen ihren Fähigkeiten; 3. unser Hab und Gut – was wir Vermögen nennen -, das gegenwärtige und das zukünftige; 4. unsere inneren und geistlichen Güter, nämlich unsere Verdienste, unsere Tugenden und unsere guten Werke in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Mit einem Wort: Alles, was wir in der Ordnung der Natur und der Gnade besitzen und besitzen werden, schenken wir Maria" (121)


Die Folgen der Weihe


Um zu verstehen, was dieser Schritt, den wir mit dieser Hingabe tun, bedeutet, und was der hl. L unter "Weihe" versteht, wollen wir sie in ihren Folgen analysieren.

"Unseren Leib mit allen seinen Sinnen und Gliedern" – Wenn wir der Muttergottes unseren Leib mit allen seinen Sinnen und Gliedern schenken, ist das erste, was wir in diesem Leib tun müssen, ihren Willen durchzuführen. Wir begreifen also sofort, dass wir unseren Leib nicht als ein Werkzeug der Sünde gebrauchen können.

Was man also als erstes von dem, der sich der Muttergottes weiht, bezüglich des Leibes verlangt, ist natürlich die Reinheit. Es wird überhaupt keinen Sinn haben, wenn wir sagen, unser Leib gehört ihr, wir aber gerade das Gegenteil tun, von dem, was sie von uns will. Es wäre, als wenn wir jemanden eine Münze geben und sie dann wieder abnehmen, um etwas für unseren eigenen Gebrauch zu kaufen. Das ist Diebstahl an dem, den wir beschenkt haben.

Das reicht jedoch nicht. Um unseren Leib ganz der Muttergottes zu schenken, müssen wir ihn so behandeln, wie sie es will. Das heißt, wir müssen ihn ganz in ihren Dienst stellen; ihn würdig behandeln und gebrauchen, als etwas, was wir ihr schon geschenkt haben, und unter ihrer besonderen Macht steht.
Außerdem, wer sich Maria mit dieser Weihe geschenkt hat, muss von gewissen Haltungen und Benehmen Abstand nehmen, die einem würdigen Gebrauch des eigenen Leibes widersprechen. Zum Beispiel, die Art sich zu präsentieren. Wir wissen, dass unser Leib die Folgen der Erbsünde in und an sich trägt. Das muss uns in uns das entsprechende Schamgefühl hervorrufen. Wir dürfen also nicht unseren Leib im nackten oder halbnackten Zustand zur Schau stellen. Es sind Haltungen, die nicht dem Respekt, dem wir uns selber entgegenbringen sollen und der Würde eines Leibes entsprechen, der der Muttergottes geschenkt wurde.
Wenn wir also unseren Leib Maria geschenkt haben, so muss er auch ein Werkzeug sein, das für sie im Sinne des Apostolats eingesetzt wird. Er muss bereit sein alle Erschöpfungen auf sich zu nehmen, die Gefahr von Krankheiten angesteckt zu werden, durch Geißelung zerrissen zu werden, wenn es notwendig ist. Er muss bereit sei alles notwendige anzunehmen, damit Maria gedient wird. Das ist in Wahrheit die Bedeutung, unseren Leib Maria zu schenken.
Mehr noch: Wenn wir in unsere Art uns zu kleiden, mehr oder weniger revolutionäre Kleidung tragen können, so müssen wir die tragen, die am nächsten übereinstimmt mit den Leitlinien der GR. Da unser Leib Maria gehört, würdigen wir sie, indem wir uns angemessen kleiden.
Dies sind folgerichtige Handlungsweisen der vollkommenen Hingabe der Königin der GR.

Im Lichte dieser Auffassung kann man die Größe und die Würde aller Opfer- und Heldentaten gut verstehen. Man versteht, was ein Kämpfer ist, der in den Kampf zieht mit der Bereitschaft zu sterben, weil der Körper, den er verliert, das Blut, das er vergießt, gehören ihm nicht mehr, da sie ja der Mutter Gottes in einem mutigen Weiheakt und einer großherzigen Hingabe übertragen wurden.
Dies ist die Art, auf der wir die vollkommene Weihe leben sollen: Bereit unser eigenes Leben zu entsagen, wenn es der Gottesmutter gefällt.
Die vollkommene Weihe unseres Leibes geht noch weiter. Wir müssen bereit sein, wenn es Maria so will, die Hässlichkeit der Schönheit vorzuziehen, die Krankheit der Gesundheit, die Verstümmelung der Unversehrtheit und sogar anzunehmen, dass Krankheit uns heimsucht, um für die katholische Kirche zu sühnen. Es ist klar, dass wir keine unklugen Opfer bringen sollen. Aber wir sollten diese seelische Bereitschaft schon hervorbringen. Unser Leib soll der hl. Jungfrau zur Verfügung stehen, und unsere Worte ihr gegenüber sollten die gleichen sein, die sie bei der Verkündigung sprach: "Ecce ancilla Domini, fiat mihi secundum verbum tuum" (Lc., I, 38). "Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort". Jedem von uns geschehe nach dem Wort Gottes. Was sie von uns will, sei von sofort an geopfert, von sofort an angenommen, in dem Maße der Kräfte, die sie uns dafür bereitstellt. Unser Leib wurde ihr geschenkt, ihr übergeben.

Wenn wir diese Weihe in dieser Tiefe leben, wird sie natürlich äußerst ernst und erhaben werden. Die Andacht des hl. Grignion ist an sich sehr ernst und erhaben. Niemand sollte seine Methode übernehmen, ohne über alle Konsequenzen, die sie mit sich bringt, nachzudenken. Und sie ist äußerst erhaben weil sie äußerst ernst ist. Was nicht sehr ernst ist, ist auch nicht bewundernswert.

"Unsere Seele mit allen ihren Fähigkeiten" – Zunächst muss gesagt werden, dass der Muttergottes unsere Seele schenken, bedeutet sie dem katholischen Glauben zu schenken. Unsere Seele wird in dem Maße Maria gehören, wie sie der Kirche und dem Papst gehört.


Doch das reicht nicht. Um Maria zu gehören, muss unsere Seele dieses innere Gleichgewicht besitzen, das den ihr wahrhaft geweihten Seelen eigen ist. Wir müssen immer daran denken, dass all das, was außerhalb der natürlichen Ordnung, Sünde ist, und alles, was mit ihre übereinstimmt, Tugend ist.

Also ist jeder Vorgang in unserer Intelligenz und jeder Willenskat oder Regung des Gefühls, die im Widerspruch zur natürlichen Ordnung stehen, eine Unvollkommenheit. Wir werden nur dann wahrhaftig Eigentum der Muttergottes sein, wenn in unserer Seele zwischen Intelligenz, Wille und Gefühl dieses wahre Gleichgewicht der wirklich tugendhaften Seelen herrscht.

"Unser Hab und Gut – was wir vermögen nennen – das gegenwärtige und das zukünftige" – Hier muss man unter Vermögen auch alles das mit einbeziehen, was es mit sich bringt: gesellschaftliches Ansehen, Beziehungen, Einflüsse, kurz, alle Vorteile dieser Welt.

Es ist nicht leicht, bei dieser Weihe des Vermögens an Maria die letzten Konsequenzen zu ziehen. Nichts ist betrügerischer und gefährlicher wie eine gewisse "Spendermentalität". Unsere Schwächen kommen mehr zum Vorschein wenn wir geben, als wenn wir empfangen. Bekommen ist einfach, Geben ist schwierig.

Haben wir Geld und weihen uns nach dem Sinn des hl. L der Muttergottes, müssen wir bedenken, dass es, soweit es unsere Standespflichten erlauben, Maria gehört. Jedesmal also wenn wir unser Geld für einen Guten Zweck des Apostolats ausgeben, tun wir, was wir versprochen haben und machen kein Geschenk. Dieses haben wir schon ein für allemal getan, wir lösen hier nur ein Versprechen ein.

Die "Mentalität des Spender" sagt das Gegenteil: "Dies ist von nun an dein. Doch merke: wäge das Geschenk ab, sei dankbar, beuge dich; wenn du das anrührst, denke daran, wie ich gütig bin; erwähne das ab und zu, mach einen kleine Hinweis, um mich zu trösten, denn, sollte ich dies nicht vernehmen, bin ich nicht geneigt, weiteres zu geben". Es gibt nichts schockierenderes! Es ist das Elend der "Spendergesinnung".

Vielmals sehen wir das bei Spendern einer Pfarrei. Wenn der Pfarrer nicht aufgeht in Dankeserweisen, den Spender nicht an seinem Geburtstag gratuliert, ihm nicht Festtagsgrüße schickt und ihm nicht zu fühlen gibt, dass er äußerst mildtätig gegen Gott ist – der eine Art Bettler ist, der ihm viel schuldet -, werden keine weiteren Wohltaten folgen.

So dürfen wir nicht sein gegenüber den Anliegen der Kirche. Noch viel weniger gegenüber der Wahrheit, die der Kern der Kirch ist. Wir müssen betrachten, wenn wir diese Weihe vollzogen haben, dass, was wir gegeben haben, uns nicht mehr gehört. Und wenn wir uns selbst mittels dieser Weihe Maria geschenkt haben, um so mehr übergaben wir ihr, was unser Eigen ist. Es wäre absurd zu sagen: "Mein Gott, meine Finger sind dein, die Ringe aber sind mein." Es ist also ein Entsagen, eine Weihe, die Übergabe des eigenen Sein mit all seinen Konsequenzen, die diese Schenkung enthält.

Unsere inneren und geistlichen Güter, nämlich unsere Verdienste, unsere Tugenden und unsere guten Werke – Dieser Verzicht ist unter Umständen noch schwieriger. Zunächst müssen wir bereit sein, das innere Gut unserer eigenen Seele zu veräußern, welches eines der wertvollsten inneren Güter ist. So wie es Augenblicke gibt, in denen wir das Leben unseres Körpers wohl empfinden, so empfinden wir auch manchmal die Regungen unserer Seele als angenehm. Wir müssen bereit sein, auf aller inneren Wonne und selbst auf geistliche Tröstungen zu verzichten, wenn es zum größeren Vorteil der Kirche und Bereicherung ihres kostbaren Schatzes ist.

Der hl. L empfiehlt uns, wir sollen sogar zu noch etwas höherem bereit sein. Nach der katholischen Lehre geschieht die Wiedergutmachung unserer Sünden, durch Anordnung der Vorsehung Gottes, teils in diesem Leben teils im Fegefeuer in Teilen, die nur Gott wirklich kennt. Doch eines wissen wir: für die Sünden, die wir begangen haben, wenn wir sie auch bereut haben und sie uns vergeben wurden, werden wir Sühne leisten müssen. Gott nimmt aber auch unsere guten Werke in Betracht, um einen Teil der verdienten Strafen zu entlassen.

Trotz gegenteiliger Meinung von liberalen Katholiken, sind diese Strafen im Allgemeinen furchtbar. Schon die Lasten dieses Lebens, der Verlust des Vermögens, die Schwierigkeiten in der Familie, Unglück, Unannehmlichkeiten jeder Art können Sühneleiden sein, für das vollbrachte Übel.

Im Fegefeuer ist das Leiden wegen unserer Sünden jedoch viel schlimmer. Die Kirchenlehre über das Fegefeuer ist etwas ganz anderes von dem, was wir gewohnt sind zu hören. Das Fegefeuer ist furchtbar. Es ist nicht ein frommer Streich Gottes auf dem Weg der Seele in den Himmel, wo es ein bisschen brennt und aus dem man halbwegs unverletzt herauskommt, so als wäre es nur ein wenig wärmer als ein normales Bad.

Heutzutage wird sogar angenommen, das Fegefeuer sei eher etwas symbolisches, ein Ort in dem die Seele sich missmutig langweilt, weil sie nicht in den Himmel darf, so wie jemand der schon lange auf einen Bus wartet. Da vergehen manchmal einige Jahre bis er kommt, aber die Verbrennung sind nicht schlimmer als ein Sonnenbrand.
Dies ist nicht, was die katholische Kirche lehrt. Wir wissen, dass es im Fegefeuer brennt und dass tatsächlich das Leiden dort furchtbar ist. Doch Gott in seiner Güte mindert im Allgemeinen die Leiden in dieser Welt und in der anderen.

Der hl. Ludwig empfiehlt uns, einen Akt zu vollbringen, der der feinste Faden der Hingabe ist, wo sie am herzzerreißendsten ist; einen Akt mit dem wir den Verdiensten unserer guten Werke entsagen. So setzen wir uns aus, die Strafen zu bekommen. Die wir für unsere Sünden verdienen. Wenn wir uns vornehmen eine Gewissenserforschung zu machen, werden wir sehen, wie viel Strafen uns bereit stehen. Nun, mit dieser Weihe geben wir unser Einverständnis, Maria möge unsere Verdienste gemäß der größeren Ehre, Intentionen und Interessen der Kirche anwenden. Wir verzichten sogar auf das, was unsere guten Taten an Sühnewert für uns selber und an Verdiensten vor den Augen Gottes haben könnten.

Dem, was wir nicht entsagen

Es gibt jedoch etwas, auf das wir nicht verzichten können: Es ist der Grad der Glorie, der uns im Himmel bereitsteht als Lohn für unsere Taten. Wir können nicht zugunsten anderer auf den Grad der Verherrlichung verzichten, der uns bereitsteht. Da würde die Gerechtigkeit Gottes eingreifen. Doch außer dieser Vorherbestimmung, können wir auf alles Weitere verzichten.

Doch ist, auf jeden Fall dieser Verzicht etwas Furchtbares. Denn, z.B., wer diese Erwägungen mit andächtigem Geist liest, kann Verdienste erreichen, die ihm das Leben müheloser machen. Doch als Sklave der Muttergottes, nützen ihm diese Verdienste nichts. Nachdem er diese Lektüre beendet hat, kann er eine Strafe erleiden, zur Sühne für die Sünden, die er begangen hat, denn die Verdienste der Lektüre wurden nicht ihm selbst angerechnet, sonder jemanden anders, den er gar nicht kennt. Als Sklave Mariens, schenkt er ihr sogar dies.

Wir verstehen, dass eine Rückversicherung für die Werke der Frömmigkeit, Ablässe usw. sehr nützlich sein kann.
Dieses Sklavenopfertum ist in der Tat sehr hart. Der hl. L spricht jedoch weiter vorne über die Großzügigkeit Mariens. Er überträgt dazu ein Sprichwort bretonischer Bauern auf die Güte der Muttergottes: "por un oef Elle donne un boef" – für ein Ei gibt Sie ein Ochs. Wenn wir ihr also alles bis aufs äußerste geben, welcher Lohn steht uns da bereit? Er ist unermesslich, denn es ist sicher, dass Sie sich nie an Freigebigkeit übertreffen lässt. Und wenn unsere Freigebigkeit von der Größe eines Berges ist, wird Ihre die Größe des Universums haben, neben der unsere Freigebigkeit nur ein Sandkorn ist.

Es gibt also jeglichen Grund, dies Weihe zu vollziehen: Gründer der Liebe und Gründe der Hoffnung. Denken wir an die Opfer die Kain und Abel Gott dargebracht haben. Das Opfer des Abel war ehrlich und deshalb Gott wohlgefallen. Das des Kain, da er unehrlich war, hat Gott abgelehnt. Wir sollten, im Rahmen unserer menschlichen Schwächen diese Weihe vollziehen, uns aufopfernd wie das Opfer des gerechten Abel. Nicht auf der Art des Kain sollen wir es tun, nur zur unserer eigenen Zufriedenheit. Die Ernsthaftigkeit und Wichtigkeit dieser Weihe erlauben es nicht, sie in diesem Sinne zu vollziehen.

Der hl. Ludwig erinnert noch daran, dass es gewisse Personen gibt, für die wir aus Standespflicht beten müssen. Es ist klar, dass Maria das will, und wir könne es in aller Ruhe tun, ohne zu fürchten in Konflikt mit dem Geist der Weihe zu treten. Wenn wir unsere Verdienste in den Meinungen anderer aufopfern wollen, können wir Maria bitten, sie in diese Richtung zu verwenden, denn auf das Recht zu Bitten haben wir ja nicht verzichtet. Es wäre, wie wenn jemand uns eine Bibliothek schenken, und sofort um die Ausleihung eines Buches bitten würde. Wir haben Ihr alle unsere Verdienste geschenkt, und bitten Ihr sogleich etwas davon. Wird Sie sich weigern unsere Bitte anzuhören?

Samstag, 21. September 2013

Katholischer Journalismus



Zur Einführung seines Kommentars über die am 15. Mai 1956 veröffentlichte Enzyklika „Haurietis aquas“ von Pius XII. beschreibt Prof. Plinio Corrêa de Oliveira wie die wahre Einstellung eines katholischen Redakteurs gegenüber den Relativismus eines Nichtglaubenden sein sollte.

Zum Anlass des hundertsten Jahrestages der Einsetzung des liturgischen Festes des Heiligen Herzen Jesu veröffentlichte Papst Pius XII. die Enzyklika „Haurietis aquas“ (15. Mai 1956), über den wahren Sinn, Wichtigkeit und Aktualität dieser Andacht. Im Laufe seines Pontifikates veröffentlichte dieser Papst unzählige Dokumente, die große Aufmerksamkeit verdienen. Doch wir können sagen, dass ohne Zweifel diese Enzyklika in der Geschichte seines Pontifikates eines der leuchtendsten und wichtigsten Zeichen sein wird.
Wenn wir auch jedes päpstliche Lehrdokument mit Respekt und Freude aufnehmen, so bringen wir heute eine ausführliche Zusammenfassung dieses hervorragenden Dokumentes mit einem besonderen Gefühl des Wohlgefallens. Denn das Thema der Enzyklika befindet sich im Kern aller Probleme, die wir teils implizit, teils explizit des öfteren behandelt haben.
Eine Beobachtung, die die Lektüre unserer Zeitung (Catolicismo) nahelegt, ist, dass sie äußerst bemüht ist in der genauen und vollständigen Beachtung aller Gebote der katholischen Doktrin, sowie eine uneingeschränkte und gewissenhafte Zustimmung jedem Lehrakt der Heiligen Kirche entgegenbringt. Diese ständige Sorge um eine tiefbeständige Treue und Genauigkeit scheint vielen unklug oder gar unsympathisch. Sie meinen, dass die Pflicht zu Mitleid und Erbarmen, der Geist der Milde und der Gnade gegenüber den Ungläubigen, denen es so schwer fällt – gerade in unseren Tagen – den wahren Glauben anzunehmen, und gegenüber den Gläubigen, deren Beharrlichkeit immer größere Kämpfe erfordert, den katholischen Journalisten zu einer äußerst versöhnlichen Haltung verleiten sollte.
Statt den Irrtum und das Böse zu geißeln, sollte er eher über beide schweigen. Statt die Fahne der Vollkommenheit auszubreiten und die Leser auf die hohen, schwer zu erklimmenden aber betörenden Gipfeln der hohen Ideale hinzuweisen, sollten sie nur das notwendige zu ihrem Heil lehren. Dies würde sie zu Predigern einer minimalistischen Korrektheit machen, die nichts anderes ist als billige Mittelmäßigkeit. Wer sich die Aufgabe eines katholischen Redakteurs so vorstellt, wird unsere Haltung als kompromisslos, intolerant und unverständlich ansehen.
Wir sind die ersten, die es einsehen, dass diese Einwände, wenn sie nicht stimmen, sie jedoch viel Wahrheit enthalten. Auf den ersten Blick sticht hervor, dass die katholische Lehre sehr schwer zu praktizieren ist. Die Kirche hat wiederholt gelehrt, dass kein Gläubiger aus eigenen Kräften dauerhaft die Gesamtheit der Gebote befolgen kann. Daher scheint es vernünftig zu sein, jede Vollkommenheit in der Befolgung der Gebote als übertrieben anzusehen.
In Wahrheit findet sich die Lösung des Problems in einer anderen Gedankenordnung. Wenn es wahr ist, dass das Unvermögen der menschlichen Natur die Befolgung der Gebote dermaßen erschwert, dann müssen wir auch die unendliche Barmherzigkeit Gottes in Betracht ziehen. Nicht um damit zu folgern, dass Gott es mit der Sünde nicht so genau nimmt, Er, der die unendliche Vollkommenheit ist. Die Barmherzigkeit Gottes kann nicht darin bestehen, dass Er uns in unserem Verderben hilflos darben lässt, sondern darin uns daraus herauszuholen. Angesichts der Blinden, Aussätzigen, Lahmen, die Er auf seinen Wegen begegnete, beschränkte Er sich nicht auf ein Lächeln und weiterzugehen. Nein, Er heilte sie. Angesichts unserer Sünden will seine Barmherzigkeit uns von diesen liebevoll befreien und uns auf seine Schulter tragen. Was wir von der Barmherzigkeit Gottes erwarten, sind die notwendigen Hilfen, die uns befähigen, das Gesetz der Moral zu erfüllen. Dazu haben wir die Gnade, die uns durch die unendlichen Verdienste Jesu Christi erreicht wurde. Die Gnade befähigt unseren Verstand zum Glaubensakt. Sie verleiht unserem Willen eine solche Kraft, dass es ihm möglich wird, die Gebote zu befolgen. Die große Gabe Gottes für die Menschen – wir sagen es noch einmal – besteht nicht in der Gleichgültigkeit gegenüber unseren Fehlern, sie nicht zu tadeln und teilnahmslos uns in sie versinken zu lassen. Die große Gabe ist, uns die übernatürlichen Mittel zu geben, um die Sünde zu meiden und die Heiligkeit zu erlangen. Daher auch die große Verantwortung derer, die diese unschätzbare Gabe ablehnen.
Das ausdruckvollste Symbol dieser barmherzigen Liebe Gottes, der Menge seiner Vergebungen und der Beharrlichkeit mit der Er ständig die Menschen zur Reue auffordert, die notwendigen Gnaden zu erbitten, für die Übung der Tugenden, um durch das Gebet alle notwendigen Mittel zu erlangen zur Änderung seines Charakters, ist das Heiligste Herz Jesu. Im Heiligsten Herz Jesu also erhält jede echte Kompromisslosigkeit gegenüber dem Bösen ihre Norm und Erklärung. Für einen katholischen Journalisten besteht die Güte nicht darin, den Sünder im Glauben zu belassen, dass sein Seelenzustand zufriedenstellend ist. Dem Sünder muss das ganze Grauen seiner Bosheit klargemacht werden, damit er sich von ihr absagt. Er muss auf die Gipfel der Vollkommenheit hingewiesen werden, damit er sie zu erreichen wünscht. Denn alles ist ihm möglich, wenn er beharrlich um die Gnade Gottes bittet und mit dieser kooperiert. Auf diese tiefe und freudige Überzeugung, dass der Mensch mit der Gnade alles vermag, begründet sich die heilige Tugend der christlichen Kompromisslosigkeit. Jeder Akt der Barmherzigkeit ist eine große Gabe, beinhaltet aber auch eine große Verantwortung. Da der Mensch durch Gebet und durch die Treue zur Tugend die Gebote praktizieren kann und soll, gibt es offensichtlich für ihn keine Entschuldigung, wenn er in der Sünde verharrt. Pius XII. zeigt wie die Gnaden im Übermaß aus dem süßesten Herzen Jesu strömen. Gerade deshalb besteht die Formel für ein erfolgreiches Apostolat nicht im Verschweigen der im Menschen innewohnenden Bosheit, sondern in der Aufforderung sich an der göttlichen Quelle rein zu waschen, aus der die Ströme der Gnade entspringen. Dies ist die Aufgabe des katholischen Journalismus.
Nach der Veröffentlichung dieses monumentalen Dokumentes, das die Christenheit dem Heiligen Vater schuldig bleibt, fühlen sich unsere Herzen von dem aufmunternden Wunsch entbrannt, es möge mit der gleichen Tiefgründigkeit, mit der gleichen obersten Autorität, mit der ebenso tiefen Frömmigkeit dieser Enzyklika ein Dokument entstehen über den Kult zum Unbefleckten Herzen Mariens. Dies wäre eine harmonische und vollkommene Ergänzung des Briefes „Haurietis aquas“. 

(Aus „CATOLICISMO“ Nr. 68 - August 1956 - freie Übersetzung aus dem Portugiesischen)

Freitag, 16. August 2013

Der Glockenklang der Tradition

Auszug aus der Schlussrede von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira eines Wochenseminars der brasilianischen TFP für katholische Jugendliche am 15. Januar 1970


Viele Male wurde mein Name heute Abend hier genannt und war oft Gegenstand von wohlgemeinten Erwähnungen, dass es nicht Gerecht wäre, wenn ich ihnen nicht einiges über mich sagen würde.

Sie haben meine Schriften gelesen, sie haben mich vielfach sprechen gehört, sie hören mich noch in diesem Moment. Sie haben niemals von mir gehört – ihr, meine Freunde und Mitstreiter von jeher, die ihr seit 30 und 40 Jahren mit mir zusammenarbeitet, oder ihr, meine jungen Freunde, die ihr mich praktisch heute erst habt kennengelernt –, niemals haben sie von mir diesen Satz gehört: "Ich habe eine Lehre hervorgebracht; ich habe einen Gedanken aufgebaut, eine Schule gegründet, ich habe dies oder jenes erfunden". Der Gerechtigkeit verpflichtet muss ich sagen,sagen, dass alles, was ich in meinem Leben unternommen habe, habe ich in der Freude und in jubelnder Begeisterung meiner Seele – mit Anerkennung und Dankbarkeit – immer vorgestellt und angepriesen als die Lehre der Heiligen,
Römisch-Katholischen und Apostolischen Kirche zu sein. Denn wenn etwas in mir an Gutes zu finden ist, dann kommt es einzig und allein von der Tatsache, dass die Muttergottes mir diese Gnade geschenkt hat – da fehlen mir die Worte, um Dank zu sagen; und ich hoffe, dass ich die Ewigkeit an Ihrer Seite verbringen kann, um Ihr dafür zu danken –, dass ich in der Heiligen Katholischen Kirche getauft wurde und ein Kind der Kirche bin. Die Lehre, die ich vortrage, ist eine Darlegung der Lehre der Kirche. Manchmal eine sehr mühsame Darlegung, weil die Gegenstände aus verschwiegenen Winkeln hervorgeholt wurden, wo so manche Schönheit der Kirche schlummert. Es ist wahr, dass es eine Art archäologische Arbeit war, um in den Tiefen dieses Schweigens – was eigentlich nie hätte verschwiegen werden sollen – das zu entdecken, was ich als katholische Lehre vortrage.
Lesen sie meine Bücher, hören sie meine Vorträge und Reden – die ja alle elektronisch aufgenommen worden sind –, niemals werden sie etwas anderes von mir hören. Sie werden sagen, dass darinnen vielfältige Beobachtungen der Realität enthalten sind, dass da viel Scharfblick in der Art wie die TFP die Ereignisse sieht, vorhanden ist; dass die Art mit der sie Probleme löst sehr originell ist. Und ich sage ihnen, es ist wahr, aber sie werden es hundertmal von mir wiederholt hören, dass wir alles der Tatsache verdanken, dass wir – ich – uns von der katholischen Lehre haben durchdringen lassen. Es ist die katholische Einstellung bezüglich vieler Aspekte des menschlichen Lebens, die sich in Formeln und Lebensstile kristallisieren, aus Traditionen zusammenfügen, was genau das hervorbrachte, was wir den Stil der TFP nennen.
Ich bin nichts und möchte weiter nichts sein als eine Glocke, doch noch weniger als eine Glocke: ein Echo der großen Glocke, welche die römisch-katholische und apostolische Kirche ist. Ich möchte den Klang dieser Glocke weitertragen nicht als Amtsträger, nicht als Meister, sondern als treuer Jünger, von Freuden erfüllt weil Jünger der Kirche. Ich möchte diese Lehre, die auf so vielen Kathedern, auf so vielen Kanzeln, in so vielen Beichtstühlen verschwiegen wird, weitertragen. Wir sind das Echo, das inmitten der Schlacht den Klang der Glocke weiter trägt bis in die Ferne, um ihn überall zu Gehör zu bringen. Treu auch dann – oh Schmerz! – wenn die Glocke schweigt, denn das Echo bleibt auch dann, wenn die Glocke verstummt ist. Treu auch dann, wenn die Glocke wie verrückt schlägt, wenn sie ihre Berufung als Glocke verrät.
Dies ist die Treue des Echos; es stirbt nur dann, wenn es aufhört den Klang zu wiederholen. Mein Wunsch ist es, unaufhörlich zu wiederholen, zu wiederholen, das, was ich gehört habe, was ich von der Heiligen Katholischen Kirche gehört habe.
Diese Treue, die ich ihr bis heute gehalten habe und die mir die Muttergottes –so hoffe ich – bis in meinen letzten Tagen gewähren wird, diese Treue, wem verdanke ich sie? Erlauben sie mir, ihnen kurz etwas Vertrauliches mitzuteilen:
In den Jahren 1919, 1918 oder 1920 – wie ist das lange her für viele, die hier sind, so weit entfernt wie die Zeit des Pharao Tutanchamun – lebte in São Paulo ein kleiner Junge, geboren in einer katholischen Familie, der auf seinem Zimmer ein Statue der Muttergotte hatte, jedoch ein nicht erklärbares Unbehagen gegenüber der Figur fühlte. Dieser Junge wurde in einem gewissen Moment einer harten Prüfung ausgesetzt. In der ausweglosen Situation, in der er sich
befand, ging er zur Pfarrkirche und betete vor der Statue Maria, Hilfe der Christen. In der Kapelle seiner Schule war ein anderes Muttergottesbild, das der Mutter vom Guten Rat, zu der er in Tagen seelischer Prüfungen betete. Die Schuld an der Prüfung lag an ihm selbst. Von ihm könnte man sagen, was der hl. Augustinus von sich sagte: "so klein und schon ein Sünder".
Der Junge erhob seine Augen zur Muttergottesstatue und ohne eine Vision oder eine Offenbarung zu haben, ohne etwas, was außerhalb der normalen Wege der Gnade ist, zu verspüren, begriff er doch, das Sie die Mutter der Barmherzigkeit ist, mit Ihr würde er zurechtkommen. Er nahm ein Vertrauen zu Ihr, das ihn für den Rest seiner Tage nie mehr verlassen hat. Sie lächelte ihm fortwährend zu und er machte es sich zur Pflicht immer und überall von Ihr zu sprechen und Ihr zu dienen, solange er lebe.

Dieser Junge, der Ihr alles schuldig ist, und in diesem Moment Ihr einen dankenden Akt der Verehrung erweist, wissend, dass in ihm nichts ist, dass Sie aber die Mittlerin aller Gnaden ist und wir Ihr alles zuerkennen müssen. Diesen Jungen sehen sie hier vor ihnen; er richtete ihnen gerade das Wort.

Montag, 15. April 2013

Die Abhandlung von der wahren Andacht zu Maria vom hl. Ludwig Maria Grignon von Montfort - V. Teil

Kommentiert von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira

(Anm: Die Einteilung in Kapitel, Artikel und Prinzipien stammt aus der brasilianischen Ausgabe der "Abhandlung", Verlag Editora Vozes Limitada, Petrópolis RJ, 1961, die als Unterlage für die Kommentare von Prof. Plinio Correa de Oliveira gedient hat)

Artikel I
PRINZIPIEN
ERSTES PRINZIP: Gott wollte sich Maria bei der Menschwerdung bedienen
Die Wichtigkeit der Menschwerdung Gottes

Die Begründung des hl. Ludwig für die Notwendigkeit der Andacht zu Maria liegt in der Rolle die Ihr übertragen wurde bei der Menschwerdung Gottes. Legen wir diesen Punkt ausführlicher aus.

Das erste, was wir festhalten müssen, ist die äußerste Wichtigkeit der Menschwerdung Gottes in seinem Schöpfungsplan. Diesbezüglich gibt es Auseinandersetzungen zwischen Theologen über einen Punkt. Einige meinen, die Menschwerdung hätte sich nicht ereignet, wenn der Mensch nicht gesündigt hätte, andere meinen, das sie auch dann wäre geschehen, wenn der erste Mensch nicht gesündigt hätte. Erstere folgern aus ihrer These, dass, wenn auch die Erbsünde ein Übel war, so ergab sich daraus doch für die Menschheit ein Vorteil, der in der Liturgie am Karsamstag als „o felix culpa“ — „o glückliche Schuld, gewürdigt eines Erlösers, so hehr und erhaben“. Ohne die Erbsünde hätten wir nicht das Glück und die Freuden den Erlöser zu bekommen.

Sei es wie auch immer, wir müssen zugeben, das die Menschwerdung Gottes nicht ein Ereignis in der Geschichte der Menschheit unter anderen ist, sondern, wie auch die Erlösung, ein Höhepunkt dieser Geschichte war. Da Gott „ist, der Er ist“, mit Ausnahme der Zeugung des Wortes und dem Ausgang des Heiligen Geistes (vom Vater und vom Sohn), ereignete sich bei weitem nichts wichtigeres und höheres, wie die Menschwerdung Gottes. Es ist ein Geschehnis, dass mit der göttlichen Natur selbst in Verbindung steht, und alles was Gott betrifft, ist unvergleichlich wichtiger, als alles, was dem Menschen betrifft. Die Fleischwerdung Gottes übertrifft alles an Wichtigkeit.

Mitwirkung Mariens bei der Menschwerdung

Aus diesem Grund zeigt uns die Mitwirkung Mariens bei der Menschwerdung sehr gut und genau Ihre Rolle in allen Plänen und Vorhaben Gottes und gerade in dem, was diese am wichtigsten und fundamentalsten haben.


Wir finden es z.B. bewundernswert, dass Gott den Kaiser Konstantin erwählt hat, um die Kirche aus den Katakomben zu holen. Doch, was ist das im Vergleich zur Berufung Mariens, damit in Ihr der Erlöser gezeugt werden soll? Absolut nichts! Wir bewundern sehr P. Josef von Anchieta SJ, weil er Brasilien evangelisiert hat. Doch was ist die Evangelisierung eines Landes im Vergleich zur Fleischwerdung des Wortes? Nichts!
Nehmen wir an, es ginge um die Rettung der Welt aus der aktuellen Krise und der Einführung des Reiches Christi auf Erden, und nehmen wir an der Herr würde nur einen einzigen Menschen erwählen, um diese Aufgabe zu vollführen. Wir würden die Aufgabe phantastisch finden, und mit Recht. Doch was ist das, im Vergleich zur Berufung und Aufgabe der Muttergottes? Nichts! Sie befindet sich auf einer Ebene, die kein Vergleich erlaubt mit irgendeiner historischen Aufgabe irgendeines Menschen, selbst die des hl. Petrus, auch wenn er der erste Papst war. Die Rolle Mariens steht über jedem Vergleich mit der Rolle des hl. Petrus.
Bezüglich der Muttergottes muss man immer wieder den Begriff wiederholen „kein Vergleich möglich“, weil Sie sprengt die Grenzen der menschlichen Sprache. Es besteht ein dermaßen großes Unverhältnis zwischen Ihr und allen Geschöpfen, dass das einzige sichere, was man sagen kann, ist, das es kein Vergleich gibt.
Nachdem wir diese Begriffe in Erinnerung gerufen haben, folgern wir, dass das Erörtern der Mitwirkung Mariens bei der Menschwerdung bedeutet, Ihre Rolle im wichtigsten Ereignis aller Zeiten zu erörtern. Und welche war Ihre Rolle? Der hl. Ludwig antwortet, in dem er die Mitwirkung der drei Personen der Dreifaltigkeit — des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes — bei der Fleischwerdung, und dann die Mitwirkung der Jungfrau Maria mit dem Vater, dem Sohne und dem Heiligen Geiste analysiert.
Die Mitwirkung Mariens mit Gott Vater

Wie es in der Heiligen Schrift heißt, wurde Unser Herr von Gott Vater in die Welt gesandt, um die Menschen zu Erlösen. Eine der Prophezeiungen im Alten Testament sagt über Unseren Herrn: „Siehe, ich komme, wie es geschrieben steht in der Schriftrolle, um deinen Willen zu tun“ (Ps 40, 8-9). Jesus spricht immer von Seinem Vater als den, der Ihn gesandt hat, als den, der sich über Ihn offenbart hat und Ihn seinen vielgeliebten Sohn nannte, als den, den Er anrief, als er Seinen Geist aufgab, in dem er sagte: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (Mt 27,46). Da es Gott Vater war, der Jesus gesandt hatte, welche war die Rolle Mariens bei dieser Handlung?

Das Gebet Mariens zur Ankunft des Messias — Zunächst müssen wir feststellen, dass die Welt schon nicht mehr würdig war, Gott Sohn „aus den Händen des Vaters direkt zu empfangen“. Deshalb sandte Er Seinen Sohn nicht um der Welt Willen, sondern wegen Maria. Nicht nur weil Sie um Ihn gebeten hat — wenn Sie nicht darum gebeten hätte, wäre Er nicht gekommen —, sondern Gott Vater schickte Ihn zu Ihr, weil nur Sie würdig war, Ihn zu empfangen.

In diesem Sinne versteht sich auch die Klage im Johannes-Evangelium: „Er kam in das Seine, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1,11). Die Seinen würden Ihn nicht aufnehmen, doch Maria würde Ihn aufs erhabenste aufnehmen, und nur deshalb konnte Er kommen. Er kam in die Welt, weil Er Maria vorfand. Hätte Er Sie nicht vorgefunden, so wäre Er nicht gekommen. Sein Kommen in die Welt ist das Ergebnis des Daseins und der Gebete der heiligsten Jungfrau.
Auf diese Weise wirkte Sie mit am Akt Gott Vaters, durch welchen Er den Sohn in die Welt sandte.
Die Teilhabe Mariens an der Fruchtbarkeit des Ewigen Vaters — Außerdem teilte Gott Vater Seine Fruchtbarkeit der Jungfrau Maria mit, damit Sie den Sohn empfangen könnte. Die Fruchtbarkeit des Ewigen Vaters ist unendlich. Sie ist dermaßen, dass die Vorstellung, die Er von sich selbst hat, schon eine weitere göttliche Person erzeugt. Er teilte also diese Seine Fruchtbarkeit Maria mit, damit Sie Jesus Christus gebäre und alle Glieder des mystischen Leibes Christi. Maria ist deshalb nicht nur im allegorischen und metaphorischen Sinn die Mutter aller Gläubigen (Sie liebt uns, als wäre Sie unsere Mutter), sondern Sie ist in Wahrheit unsere Mutter in der Gnadenordnung. Sie ist im Besitz der göttlichen Mutterschaft, weil Gott Vater Sie an Seiner Fruchtbarkeit teilhaben ließ.

Die Macht des Gebetes Mariens und unser geistliches Leben


Wir können hieraus Anwendungen für unser geistliches Leben entnehmen, sowohl aus der Tatsache, dass das Gebet Mariens die Ankunft des Erlösers beschleunigt hat, als auch, dass Sie an der Fruchtbarkeit des Vaters teilhatte.

Da Maria durch Ihre Gebete die Ankunft des Messias beschleunigte, was können wir daraus für unser geistliches Leben entnehmen?

Zunächst müssen wir den Eifer Mariens für die Sache Gottes betrachten. In Ihren Gebeten betrachtete Sie ganz sicher die moralische Tiefe, in der das auserwählte Volk gesunken war. Es brannte in Ihr der Wunsch, dass Israel in seinen früheren Zustand wieder erhoben werde. Sie betrachtete den Zerfall der Menschheit, indem Sie besser als niemand wusste, wie viele Seelen in dieser heidnischen Welt verloren gingen, und Sie sah, wie die Macht Satans über die damalige Welt herrschte.

Maria übernahm auf Erden die Rolle des Erzengels Michael im Himmel. Ihr Gebet um das Kommen Gottes auf Erden glich dem „Quis ut Deus“ des Erzengels. Sie ist es, die sich erhebt gegen den damaligen Stand der Dinge, nur Ihr Gebet hatte die notwendige Macht, um mit einem Schlag alles zu verändern.

Die Fülle der Zeit ist damit beendet: Unser Herr Jesus Christus wird geboren und die ganze Menschheit wird erneuert, erhöht und geheiligt durch Maria. Unmengen von Seelen werden gerettet, die Tore des Himmels öffnen sich, die Hölle wird zermalmt, der Tod vernichtet, die Katholische Kirche erblüht über die ganze Erde. All dies als Ergebnis der Gebete Mariens.

Ist es nicht wahr, dass Maria auch unter diesem Aspekt für uns ein vollkommenes Beispiel ist? Sollen wir nicht für unsere Tage den Sieg Unseres Herrn wünschen, so wie ihn Maria für ihre Zeit gewünscht hat? Gibt es nicht eine absolute Analogie zwischen den glühenden Wunsch den Sie äußerte, dass das Reich Christi auf Erden errichtet werde und dem Eifer, mit dem wir es für unsere Tage wünschen sollen? Ist es nicht wahr, dass wenn Ihr Gebet notwendig war für Menschwerdung Gottes, das Gebet für uns unerlässlich ist, um den Sieg Unseres Herrn in der Welt in unseren Tagen herbeizurufen? Wenn wir uns abmühen im Kampf für den Sieg Jesu Christi in unseren Tagen, erinnern wir uns, zur Muttergottes zu beten? Wenn wir zu Ihr beten, erinnern wir uns daran, um diese Gnade zu bitten?

Wäre es nicht ein gutes Gebet, zum Beispiel, wenn wir das Geheimnis der Verkündigung im ersten Gesätz des Freudenreichen Rosenkranzes betrachten, wir an Maria denken, in dem Sie um die Ankunft des Erlösers betet? Es wäre sehr angebracht Sie zu bitten, dass Jesus wieder Sieger auf der Welt werde und wir die Ankunft des Erlösers betrachten und den künftigen Sieg der Katholischen Kirche. Haben wir hiermit nicht eine gute Anwendung dieser Geheimnisse für unser geistliches Leben? Soll es nicht so gesehen, gelebt und geführt werden? Ist das nicht viel gründlicher und fester als ein langgezogenes andächtiges Gemurmel? Mit diesen Glaubenswahrheiten nährt man seine Frömmigkeit. Mit solchen Wahrheiten gibt es jede Menge Nahrung für das geistliche Leben.

Betrachten wir Maria, wie Sie durch Ihr Gebet die Ankunft des Messias beschleunigte. Kommt Jesus auch nicht zu uns in der heiligen Kommunion? Wenn wir uns vorbereiten Ihn zu empfangen, können und sollen wir Maria um Ihre Empfindungen bitten, mit denen Sie Ihn empfing, als Er in Ihr Mensch geworden ist.
Wenn wir für jemanden die Gnade der täglichen Kommunion erreichen wollen, wäre es nicht Sinnvoll der Muttergottes zu bitten, das Sie für diese Seele die tägliche Herabkunft Ihres Sohnes erwirke, so wie Sie mit Ihrem Gebet die Ankunft Jesu Christi für die Welt erreichte?



Die Teilhabe Mariens an der Fruchtbarkeit des Ewigen Vaters und unser geistliches Leben


Betrachten wir die Teilhabe Mariens an der Fruchtbarkeit des Ewigen Vaters, um Glieder des Mystischen Leibes Christi zu zeugen. Jeder Gläubige ist ein Glied dieses Mystischen Leibes. Wenn wir an einem Taufstein vorbeikommen, sollten wir uns daran erinnern ein Gebet zu sprechen, in das wir der Heiligen Jungfrau bitten, sie möge uns bis zu unserem Tode in der Beharrlichkeit der Gnade führen, die wir in der Taufe erhalten haben und dass sie uns diese Gnade für das ganze Leben bestätige. An dem Taufbecken, das uns in den Schoß der Katholischen Kirche hat eintreten sehen, der Ort an dem wir für das übernatürliche Leben geboren wurden und, dass wir auf Bitten Mariens und der Fruchtbarkeit Gottes des Vaters, zu Gliedern des Mystischen Leibes Christi gezeugt wurden, dessen wahre Mutter sie auch ist.
Denken wir daran, dass wir zum Leben der Gnade von Maria gezeugt worden sind, unter Teilhabe an der eigenen Fruchtbarkeit des Ewigen Vaters, und dass wir dieses Leben der Gnade durch Maria ganz ohne unser Zutun bekommen haben, denn wenn sie es nicht für uns erbittet hätte, hätten wir es nicht bekommen. Dies alles ist ein Grund, sie zu bitten, dass sie uns in dieser Gnade erhalte und sie mit der Tugend der katholischen Gesinnung bereichere, welches die Krönung dieser äußerst intimen Bindung mit Christus ist, die wir durch ihre Fürbitte bekommen haben.
Die echte Frömmigkeit muss bestehen in der Bildung von einer Geistes-Stimmung, die ihren Grund auf diese von der Kirche und der Theologie gelehrten Wahrheiten hat und nicht auf Gefühle. Wahrheiten wie diese erzeugen eine sehr gute, ernsthafte und gediegene Andacht zur Muttergottes. So erbaut man eine wahre Andacht zu Maria, und untermauert ein echtes geistliches Lebens.
 

Mittwoch, 13. Februar 2013

Die hl. Gemma Galgani


„Willst Du mich wirklich lieben? Lerne erst zu leiden.  Leiden lehrt dich lieben.“  Worte Jesu an die hl. Gemma

Dieses Bild ist ein Foto von der hl. Gemma Galgani (1878-1903), einer berühmten Mystikerin, die in der bezaubernden italienischen Stadt Lucca lebte. Ihr Gesichtsausdruck ist aus mehreren Gründen beeindruckend. Zunächst stellen wir fest, ihre tiefe Reflexion und die Harmonie ihrer Züge. Zweitens richtet die Heilige einen erhabenen Blick etwas nach oben. Ihre Gedanken sind nicht von dieser Welt: ihr Gesicht zeigt eine übernatürliche Aura.

Ihre Würde und engelhafte Reinheit sind auffallend. Man bemerkt es durch die Art wie ihr Kopf auf den Schultern ruht: aufrecht und anspruchslos.

Sie trägt gar keinen Schmuck. Ihr Haar ist einfach gekämmt und geordnet. Ihr Gesicht ist sehr sauber und zeigt nichts von dem Wunsch nach Verschönerung. Ihr Kleid ist schwarz und schlicht. Dennoch verbindet sie eine außerordentliche Würde mit einer jungfräulichen Reinheit, die fast unbemerkt in den leuchtenden Glanz ihrer Haut reflektiert wird. Man könnte sagen, dass ihre Haut so hell ist wie ihr Blick. Außerdem, spiegelt ihr Blick vollkommene Rechtschaffenheit wider. Es ist der Blick eines Mystikers, der eingetaucht ist, in dem was er sieht. Auch wir erkennen etwas von dem, was sie wahrnimmt.

Ebenso strahlt die Tugend der Tapferkeit aus ihrem Gesicht. Wenn der Glaube ihr befiehlt, etwas zu tun, ist ihr Wille unbeugsam. Was wünscht sie sich? Sie will Gott, der Gottesmutter und der katholischen Kirche dienen. Sie schreitet voran auf diesem Weg unabgesehen der Hindernisse. Sie ist die starke Frau, wie sie in der Heiligen Schrift beschrieben wird. Sie ist wie ein seltener Edelstein, den zu finden, man nicht scheut bis ans Ende der Welt zu laufen.

 (Veröffentlicht in Catolicismo, August 1999 – Hier freie Übersetzung aus dem Portugiesischen von BHofschulte)