Dienstag, 25. Juli 2017

Plinio Corrêa de Oliveira und die hl. Theresia vom Kinde Jesu

Pontifikal in der Kirche der Benediktinerabtei in São Paulo
Predigt von Weihbischof Athanasius Schneider im Pontifikalamt
zum Andenken an den 20. Todestag von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira
in der Kirche der Benediktinerabtei St. Benedikt in São Paulo, Brasilien

Liebe Brüder in Unserem Herrn Jesus Christus!
Nach dem Kalender der traditionellen römischen Liturgie, feiern wir heute das Fest der heiligen Theresia vom Kinde Jesu. Die göttliche Vorsehung hat dieses Fest mit dem Geburtstag von Plinio Corrêa de Oliveira zum ewigen Leben in Übereinstimmung gebracht. Die hl. Theresia war eine Prophetin der Neuzeit, als sie uns daran erinnerte, dass die Gnaden der geistigen Kindheit die wirksamsten Mittel sind, die persönliche Heiligkeit zu erreichen, und um gegen die bösen Geister und die Feinde der Kirche zu kämpfen. Die hl. Theresia hatte auch eine große Liebe zur Kirche und da Maria die Mutter der Kirche ist, war sie auch eine völlig marianische Seele. Ein authentisches Kind der Kirche zu sein bedeutet, zugleich eine marianische Seele zu sein. Die hl. Theresia schrieb: „Im Herzen meiner Mutter, der Kirche, werde ich die Liebe sein, so werde ich alles sein, so wird mein Traum in Erfüllung gehen.“
Diese feurigen Worte erklingen wie ein Echo im folgenden persönlichen Zeugnis von Plinio Corrêa de Oliveira im Jahr 1978, am Jahrestag seiner Taufe: „Das ist meine Haltung an jedem Tag, in jeder Minute, in jedem Augenblick: den Blick ständig auf die katholische Kirche gerichtet, um von ihrem Geist durchdrungen zu werden, um sie in mir zu haben. Und sollte sie von allen Menschen verlassen werden, und soweit dies möglich wäre, ohne dass sie aufhörte zu existieren, möchte ich sie vollständig in meiner Seele haben. Ich möchte nur für die Kirche leben. So dass ich in der Stunde meines Todes sagen kann: Wahrlich, ich war ein katholischer Mann, durch und durch apostolisch, römisch, römisch, römisch!“

„Vir totus catholicus et apostolicus plene Romanus.“ Die Inschrift, die wir auf seinem Grabstein lesen auf dem Friedhof Consolação (in São Paulo), gibt uns ein Überblick und eine Zusammenfassung seines gesamten geistlichen Lebens und der Mission, die ihm von Gott anvertraut wurde. Römisch, apostolisch, katholisch sein, bedeutet liebesentflammt für die Kirche sein, die Christus selbst ist als sein mystischer Leib. Die Kirche ist das Reich Christi durch Maria: „Regnum Christi per Mariam“, „Adveniat regnum tuum per Mariam“. Die Ankunft der vollständigen Verwirklichung des Reiches Christi in der Kirche durch Maria, das ist das Motto und der Kern der Lehre und den Apostolates des hl. Ludwig von Montfort. Man kann sagen, dass es der Kern, das Herz, des gesamten Lebens und Wirkens von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira war.
Einer der erfolgreichsten Wege, das geistliche Reich Christi durch Maria zu fördern, ist die vollständige Weihe an Maria, das heilige Sklaventum aus Liebe. Das heilige Sklaventum war der spirituelle Weg vieler Heiligen, die in der Schule des Heiligen Herzens, gelernt haben Gott zu lieben und seinen heiligen Willen zu tun. Heiligen wie die hll. Johannes Maria Vianney, Johannes Bosco, Dominicus Savio, Teresa, Gemma Galgani, Pius X., Pio von Pietrelcina und vielen anderen unserer Zeit haben in der vollkommenen Weihe an die Heilige Jungfrau nicht nur als eine einfache Andacht betrachtet, sondern als die perfekte Andacht, genau wie sie Jesus wollte, als er uns zu Kindern seiner heiligsten Mutter gemacht hat. Prof. Plinio hat dieses heilige Sklaventum nicht nur in aller Treue gelebt, sondern er wurde auch ein wahrer Apostel dieser totalen Hingabe an Maria.
Der hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort
Der innigste Ausdruck der Ganzhingabe an Maria, das heißt, des heiligen Sklaventums, zeigt sich in dem Wunsch nach einer vollständigen und bedingungslosen Hingabe seines Lebens als ein Opfer, um das Reich Christi zu verbreiten und das Reich des Anti-Christen zu verdrängen. Die innere Stimme der Gnade, die zur Seele von Prof. Plinio sprach, hat ihn aufgerufen, den gegenrevolutionären Kampf aufzunehmen. Es war, wie ein prophetischer Blitz der die Wolken seiner Zukunft durchbrochen hat: er sollte nicht sterben, sondern leben, um zu kämpfen. In diesem Kampf gegen das gegenwärtige anti-christliche Reich wurde Prof. Plinio, im Geist der hl. Theresia, geführt vom Wunsch der Ganzhingabe seinerselbst als Opfer für die Kirche und für die christliche Zivilisation.
Im Zweifel zwischen dem Weg der Sühne in Abgeschiedenheit, wie es die hl. Theresia tat, die er zutiefst bewunderte, und dem Weg des offenen Kampfes gegen die Revolution zu wählen, schrieb Prof. Plinio: „Ich beschloss, einen Aspekt des von der hl. Theresia gelehrten Weges zu übernehmen, der darin besteht, Gott Unserem Herrn um nichts zu bitten und nichts zu verweigern. Er besteht darin, alles zu akzeptieren, dass er mir schicken möchte. ‚Si fieri potest transeat ad me calix iste.‘ Ich beschloss, den Kelch bis zur Neige trinken, den mir Gott reichen wollte, mein Opfer bis zum Ende zu vollbringen. Also hörte ich auf, Unserem Herrn irgendetwas für mich zu erbitten, und mich ganz in die Hände Unserer Liebe Frau hingeben.“
Mit alle Fasern seiner Seele wünschte Plinio Corrêa de Oliveira für die Verteidigung der Kirche und der christlichen Zivilisation zu kämpfen. Dieser Kampf schloss die Möglichkeit nicht aus, zu sterben. Er würde sich glücklich fühlen, wenn kämpfend sterben könnte. Ein Tod ohne Kampf war seiner Seele zuwider: „Sterben ist schön. Die Märtyrer sind gestorben, die Opfer der Französischen Revolution sind gestorben. Sich selbst als Opfer darzubringen ist schön! Ein Kranker, der im Bett stirbt, kann sich als Opfer darbringen. Die hl. Theresia vom Kinde Jesu hat sich als Opferlamm angeboten. Aber der Tod im Kampf hat seine eigene besondere Schönheit.“
Bei einer anderen Gelegenheit sagte er: „Das Schöne ist nicht Gott zu bitten, er möge uns den Kampf ersparen. Genau das Gegenteil ist Sache! Nie ist meine Berufung schöner, wenn ich kämpfen muss! Hier erscheint der Kampf in all seiner Pracht. So nimmt der Kampf den Charakter einer Bestätigung des Absoluten an. Gott wohnt in der Seele die kämpft. Wer für die Kirche und für die christliche Zivilisation kämpft, spürt in der Seele die Berührung der Absolutheit Gottes. Und das ist es, was einen zum Helden werden lässt, auch wenn er zerquetscht sterben sollte.“
Der Kampf Prof. Plinio war kein physischer und blutiger Kampf, wie sie zum Beispiel die Kreuzfahrer führten, aber ein kultureller und moralischer Kampf gegen die Feinde der Kirche, der typisch für die Zeit ist, in der er lebte. In diesem Zusammenhang schrieb er: „Ich gebe nicht mein Blut hin, aber mein ganzes Leben. Es sind Stunden um Stunden der aufmerksamen Beobachtungen, der Mühen, der Eingriffe, der Einsätze. Das ist mein Leben! Das ist mein Opfer, so dass jeder Hieb der Gegenrevolution ein Treffer ist. Ich tue dies mit dem Schwung, mit dem die Kreuzfahrer sich in den Angriff auf Jerusalem warfen. Es ist diese Dynamik, die mir den Mut gibt so viele Opfer zu bringen. Ich sehe jede kleine oder große Episode des gegenrevolutionären Kampfes nicht wie eine langweilige, schwer durchzuführende Tat, eine kleine Episode in meinem täglichen Leben. Nein! Im Kampf und im Opfer ist mein tägliches Leben in ein übernatürliches Licht getaucht, und projiziert sich auf eine viel höhere und schönere Ebene. In diesem Licht sehe ich die Schönheit all dessen, was ich tue.“
Er kämpfte für die Muttergottes: „Wenn ich die Wahl hätte, so würde ich gerne die Jungfrau lobend sterben, und trotz meines Alters, würde ich gerne kämpfend sterben, zum Beispiel in der Verteidigung ihres Bildes. Ich würde gerne in einer Kirche unter dem Altar begraben werden, so dass der Priester jedes Mal wenn er die Messe feiert, sie über meinen Körper feiert.“
Plinio Corrêa de Oliveira,
Prior des 3. Ordens der Karmelitaner
Die göttliche Vorsehung hat zwei Seelen zusammengeführt, zwei blühende Blumen im geistigen Garten des Karmel: die hl. Theresia und Prof. Plinio, der lange Jahre Mitglied und Prior des Dritten Ordens der Karmelitaner war, dessen Geist er sein ganzes Leben lang beibehalten hat. Diese zwei Seelen waren sehr unterschiedlich in ihren jeweiligen Außenmissionen, wie gleichartig in ihren inneren Leben. Eine Seele war die kleine Frühlingsblume von Lisieux, eine andere die von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira, ein außergewöhnlicher ‚Miles Christi‘, ein wahrer Ritter Christi in unserer Zeit. Nur Gott könnte eine kleine Frühlingsblume und einen furchtlosen Ritter vereinen. Doch diese Seelen waren vereinigt in der flammenden Liebe zur die Kirche, zur Heiligen Jungfrau Maria, im bedingungsloser Opferbereitschaft zu unserem Herrn Jesus Christus. Sie waren vereint in der Verteidigung des Reiches Christi auf Erden durch Maria: Ad Jesum per Mariam!
Der Schlüssel zum Verständnis des intensiven geistlichen Lebens und den heroischen Eifer für das Reich Christi, dieser beiden auserwählten Seelen ist die Vermittlung Mariens. Beiden lächelte die Madonna in jungen Jahren zu und wählte sie als bescheidene Instrumente, um die Mächtigen dieser Welt und das Reich des Bösen zu verwirren.
Am Festtag der hl. Theresia, den zwanzigsten Jahrestag des Ablebens von Plinio Corrêa de Oliveira, hören wir die Worte der Heiligen von Lisieux: „Ich möchte singen, o Maria, weil ich dich liebe. Dein Name ist so süß, dass er mein Herz zum Schwingen bringt. Bald fühle ich die Harmonie deiner Stimme. Bald werden wir dich im schönen Himmel sehen. Du, die du gekommen bist und mir zulächeltest in der Morgendämmerung meines Lebens, komme wieder und lächele mir noch einmal zu. Liebe Frau, der Tag neigt sich. Aber ich habe keine Angst vor dem erhabenen Glanz deiner Herrlichkeit. Mit dir habe ich gelitten und gekämpft, und jetzt will ich auf deinem Schoß singen, o Maria, weil ich dich liebe. Ich werde für alle Ewigkeit immer wiederholen: Ich bin deine Tochter!“
Amen.

Sonntag, 16. Juli 2017

Die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens


Plinio Corrêa de Oliveira


Eines der Merkmale der Verehrung, die wir unserer Lieben Frau schulden, besteht sicherlich darin, dass sie von großer Zärtlichkeit begleitet ist. Und doch besteht die Verehrung aus mehr als nur Zärtlichkeit, Überschwang und Gemütsbewegung.

Um beständig zu sein, ist es wichtig, dass die Marienverehrung auf präzise, exakte und logische Kenntnisse gründet. Nur aus der guten Kenntnis der Wahrheit kann eine dauerhafte und ehrliche Liebe hervorgehen. Die Frömmigkeit muss durch die eingehende Beschäftigung mit der katholischen Lehre bestärkt werden. In dieser wird sie nämlich ihr bestes Fundament und ihre wahre Wurzel finden.

Wenn die Kirche die Weihe von Völkern, Bistümern, Familien und Einzelpersonen an das Heiligste Herz Jesu oder an das Unbefleckte Herz Mariens fördert, so will sie damit erreichen, dass die auf diese Weise Geweihten Elemente, den Entschluss fassen, auf eine ganz besondere Art dem Herzen Jesu oder dem Herzen Mariens anzugehören, indem sie treuer die Gebote befolgen, sich die heiligen Herzen zum Vorbild nehmen und dafür im Gegenzug deren ganz besondere Gunst und Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Weihe ist daher nicht einfach ein Ritus oder eine vage Formel, die im Augenblick frommer Gemütsbewegung ausgesprochen wird. Sie ist vor allem ein wohl durchdachter, bewusster, gewollter und tiefgreifender Akt, der mit dem Vorsatz einer vollkommeneren Eingliederung in das Leben und in die Lehre der heiligen katholischen Kirche verbunden ist, denn nur so ist es möglich, wirklich Jesus und Maria anzugehören.

Es ist leicht zu verstehen, dass eine solche Weihe sowohl von äußerst tugendhaften Menschen vorgenommen werden kann, als auch von solchen, die noch die ersten Gehversuche auf dem Weg zur Vollkommenheit im geistlichen Leben machen. Für die Einen wie für die Anderen ist der Weiheakt von großem Nutzen, weil er auf den, der ihn ausführt, den ganz besonderen Schutz der göttlichen Vorsehung herabruft und ihm damit außergewöhnliche Heilsgarantien versichert.

Viele Katholiken verstehen sehr gut, dass sich jemand dem Heiligsten Herzen Jesu weiht, denn diese vortreffliche Übung ist schon sehr häufig vollzogen worden und die Zahl der dem Herzen Jesu geweihten Familien ist heute - Gott sei Dank! - sehr groß. Sie tun damit ihren festen Vorsatz kund, ihr Leben dem des Heiligsten Herzens Jesu anzupassen und ein wahrhaft frommes, christliches Leben zu führen. Auf diese Weise heiligen sie ihre Standespflichten, indem sie diese im Geiste einer übernatürlichen, opferbreiten Einstellung leben. Für den Erfolg dieser Vorsätze und den Empfang aller damit verbundenen Gnaden empfehlen sie sich ganz besonders dem göttlichen Herzen, das die eigentliche Quelle  alles Guten ist.

Doch allgemein wird der Weihe zum Unbefleckten Herzen Mariens leider weniger Verständnis entgegengebracht. Vielleicht gibt es auch einige, die in den angesprochenen Weihen einen Widerspruch sehen: Wie kann man gleichzeitig zwei Herren angehören, zwei Herzen gehorchen? Widerspricht sich das nicht? Schließt da nicht eine Weihe die andere aus?

Nichts ist haltloser als das. In Wirklichkeit ist die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens eine Ergänzung der Weihe an das Heiligste Herz Jesu. Doch nicht eine überflüssige Ergänzung sondern zweifellos eine kostbare und bewundernswerte Ergänzung, die der Weihe an das Herz Jesu eine wunderbare Wirklichkeit und Vollkommenheit verleiht.

Das Herz Mariens ist par excellence das Reich des Herzen Jesu. Die Einigkeit dieser beiden Herzen ist so vollkommen, dass es Autoren gibt, die sie sozusagen zu einem einzigen Herzen verschmelzen, in dem sie vom Herzen Jesu und Maria sprechen. Die ganze marianische Frömmigkeit gründet auf diese Grundwahrheit, das Maria der Kanal ist, durch den man zu Jesus kommt, Sie ist das Tor, das Leben, der eindeutige Weg, auf dem wir mit höchster Sicherheit, schneller, leichter Unseren Herren Jesus Christus erreichen. So ist die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens das sicherste, leichteste und schnellste Mittel die Vollkommenheit der Weihe an das Herz Jesu zu erreichen.

Einen Weiheakt zu vollziehen ist sicherlich leicht. Sich aber ehrlich, ernsthaft und gewissenhaft weihen, ist jedoch viel schwieriger. Um die notwendigen Bedingungen für eine vollkommene Weihe an Jesus zu erfüllen, ist nichts besser, sicherer, zweckmäßiger als uns Maria zu Weihen.

Christozentrisch denken bedeutet in Jesus Christus die Mitte von allem zu betrachten. Doch der wahre Christozentriker aber weiß, dass es nur einen wahren Weg gibt, der zur Mitte führt; und dieser Weg ist Maria.



*****

Die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens ist aktueller denn je. Mehr denn jemals zuvor braucht die von Missgeschicken jeder Art geplagte Welt ein mütterliches Herz, dass sich ihrer erbarmt. Daher ist es mehr denn je nötig, dass wir uns an das Herz unserer Mutter wenden, dass wir es anflehen, seine empfindlichsten Fasern rühren, seine innigsten Saiten schlagen, um all seine Barmherzigkeit, all seine Liebe, all seine Hilfe zu erlangen.

Wenn Papst Pius XII. die ganze Welt dem Herzen Mariens geweiht hat, so lasst uns seine Geste nachahmen und gleichsam ergänzen, indem wir uns vorbehaltlos demselben Unbefleckten Herzen weihen. Auf diese Weise werden wir dem Wunsch des Papstes entsprechen und dem von der göttlichen Vorsehung festgelegten Weg folgen.


Legionário Nr. 575,  15.8.1943

Sonntag, 2. Juli 2017

Mariä Heimsuchung - Das Magnifikat





Plinio Corrêa de Oliveira
     Das Fest Mariä Heimsuchung ist verbunden mit dem Magnifikat, das die Muttergottes bei dieser Gelegenheit gesungen hat.

     Das Magnifikat scheint mir ein Meisterwerk von folgernden Überlegungen, die den Geist Mariens sehr klar anschaulich machen, das heißt, es zeigt uns die logische Struktur ihres Geistes. Es zeigt uns auf erstaunlicher Weise, wie sie im äußersten Zustand der Freude und Verzückung die rationale Struktur eines Gedankenganges beibehielt.

     Es ist schön festzustellen, wie sie alle Eigenschaften Gottes vor allem im Hinblick auf seine Macht und Größe besungen hat. Dies ist einer falschen süßlichen Frömmigkeit ganz fremd, die sich fast ausschließlich auf die Barmherzigkeit Gottes fixiert. Sicherlich müssen wir auch die Barmherzigkeit Gottes rühmen auf Ewig, denn ohne seine Barmherzigkeit wären wir nichts. Doch darf man nicht einer Einseitigkeit verfallen und damit die göttliche Macht und Größe beiseite lassen oder gar vergessen. Beides, Barmherzigkeit und Macht, muss man in gleicher Weise immer berücksichtigen.

     Und das sieht man im Magnifikat: Es spricht von Größe und Macht aber auch von der Barmherzigkeit, als eine der Äußerungen der Größe Gottes.

    
Ich werde also das Magnifikat unter diesen zwei Aspekten kommentieren: 1. Es ist in seinem Gedankengang ein äußerst rationaler und strukturierter Text, der eine These beinhaltet, ganz im Gegensatz zu einer nur emotionalen Frömmigkeit. 2. Die Hervorhebung der Größe Gottes, jedoch mit einem glühenden Hinweis auf seine Barmherzigkeit.



   Das Magnifikat hat die Eigenschaften einer These.

   Die ersten zwei Verse sind die These:

    „Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.“

   Dann kommen die Gründe.

   Erster Grund:

    „Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter!“

    Sie preist Gott, weil er ein großes Werk vollbracht hat: Aus einer einfachen, demütigen Magd hat er eine Königin gemacht, die alle Geschlechter seligpreisen werden. Dies ist eine Äußerung der Macht Gottes.

    Ein anderer Grund:

    „Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilige.“

    Er hat an ihr Großes getan, dies veranschaulicht  seine Größe. Deshalb preist sie den Herrn.

    Ein weiterer Grund:

    „Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.“
   
  Sie preist ihn, weil seine Barmherzigkeit sich über die Geschlechter, die ihn fürchten, hinweg ausbreitet. Auch dies ist eine Äußerung der Größe und der Barmherzigkeit Gottes.

    Man beachte, dass Gott sich nur derer erbarmt, die ihn fürchten, die also um seine Größe wissen und vor dieser Größe sich fürchten. Diese Furcht bedeutet nicht Ängstlichkeit sondern es ist eine ehrerbietige Furcht, Ehrfurcht genannt. Es ist die Furcht, die aus der Einsicht und Annerkennung der Größe, der Heiligkeit und der Güte Gottes kommt.

  Der nächste Vers gibt einen weiteren Grund, die Größe des Herrn zu loben:

    „Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten; er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind“.

    Gott ist groß und mächtig, nicht im Verhältnis zu denen, die ihn fürchten, sondern zu denen, die ihn nicht fürchten. Diesen gegenüber hat er die Macht seines Armes kund getan und zerstreut die Bösen, in deren Herzen sich hochmütige Gedanken bilden.

    Gott ist groß in seiner Fähigkeit diejenigen zu treffen, die ihn nicht fürchten.

    Hier offenbart sich die Größe Gottes in seinem Zorn, nachdem die Größe seiner Barmherzigkeit gelobt wurde.

    Wir sehen hier, wie dieser Lobgesang ausgeglichen ist, wie er die Größe Gottes in all seinen Eigenschaften verkündet. Wie ist das doch verschieden von der Einseitigkeit der süßlichen Frömmigkeit, die Gott nur unter der Sicht der Barmherzigkeit und der Nachgiebigkeit betrachtet, ohne den Ausdruck seiner Größe einzubeziehen.

    Ein weiterer Grund:

    „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“.

    Die Mächtigen von ihrem Thron stoßen, bedeutet nicht, jemanden, der auf eine Thron sitzt und Macht hat, herunterzustürzen und durch einen Niedrigen zu ersetzen. Dies wäre ein Unsinn, denn dieser Niedrige würde ja sofort mächtig sein und müsste ebenfalls dann gestürzt werden. Wenn der Vers sagen würde, er stürzt die Mächtigen vom Thron und macht alle gleich, dann hätte es einen schlechten Sinn, wäre aber doch sinnvoll.

    Aber diese Art von Riesenrad von der Erhöhung der Niedrigen und dem Sturz der Mächtigen, um dann die mächtig gewordenen Niedrigen wiederum zu stürzen, macht keinen Sinn. So darf das nicht verstanden werden.

    Wer ist dann der Mächtige und wer der Niedrige? Der Niedrige oder Demütige ist der, der sich so verhält wie Maria in diesem Lobgesang: Er erkennt Gott alles zu, sieht Gott als den Ursprung alles Guten, die Quelle aller Macht, ohne dem wir in der übernatürlichen aber auch in der natürlichen Ordnung nichts vermögen. Er ist die Mitte aller Dinge und der Herr, der über alles gebietet.

    Niedrig waren zum Beispiel die Mächtigen, von denen Maria abstammte und dadurch auch Jesus abstammte. David war ein mächtiger König, der in seiner Machtausübung starb. Er war aber demütig (niedrig), weil er ein Diener Gottes war und alles das einsah.

    Die Mächtigen, von denen im Lobgesang der Muttergottes die Rede ist, sind diejenigen, die das nicht einsehen, die meinen ihre Macht ohne den Beistand Gottes ausüben zu können.

    Deshalb stürzt Gott die Mächtigen und erhebt die Niedrigen. Dies ist ein Ausdruck der Größe Gottes, der über jede menschliche Macht lacht und spottet. (vgl. Ps 2,4)

    Er überträgt Macht dem Demütigen und dieser wird mächtig; er nimmt die Macht des Hochmütigen, der nur sich selbst vertraut, und er wird zu Nichts.

    Es ist die Größe Gottes, neben der menschliche Größen nichts sind.

    Nächster Vers:

    „Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.“

    Die Hungernden, die Armen im Geiste, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, diese beschenkt er reichlich mit Gaben. Die, die nicht nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, die den irdischen Gütern behaftet sind, lässt er leer ausgehen. Das heißt, die Reichen sind nichts für ihn. Gott macht aus Reiche Arme und aus Arme Reiche wie es ihm beliebt.

    Im nächsten Vers vernehmen wir einen weiteren Ausdruck von Gottes Größe: Den Schutz, den er dem auserwählten Volk verleiht.

    „Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“

    Das heißt, auch in dem, was Gott verspricht, ist er großzügig: Er erhält seinen Bund bis ans Ende.

    Wir stellten also fest, wie dieser Lobgesang eine These beinhaltet, die bis zum Schluss begründet wird und wie ausgeglichen die Größe und Barmherzigkeit Gottes besungen werden. Die Größe Gottes in seiner Barmherzigkeit; die Größe Gottes in seiner Gerechtigkeit; die Leere aller Menschen im Angesicht Gottes; die Herrschaft Gottes über das ganze Universum. Es ist eine Triumphhymne an die Größe Gottes.

    Als Elisabeth Maria begrüßte und sie als gesegnet unter allen Frauen und Mutter des Herrn preiste, zeigte sie, dass sie sich als ein Nichts vor der unendlichen Größe Gottes betrachtete. Sie gab dies auf hervorragende Weise in dem Lobgesang zum Ausdruck, mit einer Ausgeglichenheit der Gefühle, in einem rationellen Aufbau der Begründungen ihres Lobpreises, dass man ihn mit dem Argumentenaufbau der Summa Theologica des Thomas von Aquin vergleichen kann.

      Diesen Lobgesang dichtete sie unter Eingebung des Heiligen Geistes, als sie von Elisabeth gegrüßt wurde. Doch in ihren wenigen Äußerungen, die im Evangelium registriert sind, ist die rationale, logische Eigenschaft ebenfalls sichtbar. Als ihr, zum Beispiel, durch den Engel mitgeteilt wurde, dass sie die Mutter des Erlösers sein würde, antwortete sie mit einem reinen rationalen Einwand: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ Sie hatte ja das Jungfräulichkeitsgelübde abgelegt. Als der Engel ihr erklärte, wie es geschehen sollte, antwortet sie fast wie in einem Syllogismus: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort“.

      Ihre Antwort ist ein Folgesatz: Sie erwähnt ein Prinzip und die entsprechende Folgerung.

      Ebenso als sie den Knaben Jesus im Tempel wiederfindet: Ihre voll Kummer und Angst gestellte Frage, erfordert wiederum eine Erklärung: „Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.“

      Hier verstehen wir, dass der katholische Geist rational sein muss, voller Vernunft, Denkvermögen und Dichte in allem, was er tut und sagt.



      Die Muttergottes, Sitz der Weisheit, steht für uns als Vorbild der Zweckmäßigkeit, der Erwägung und der Mäßigung im Denken und Sagen. Wenn wir das Magnifikat analysieren, werden wir sehen, dass es kein überflüssiges Wort enthält, kein Gedanke, der nicht am richtigen Ort wäre. Es ist ein vollendetes Kleinod, an dem jeder Stein seinen eigene Schliff hat, um insgesamt ein prachtvolles Bild zu geben.

  Hier haben wir ein Bild vom Geist Mariens, der viel erhabener ist, als die läppische Gefühlsduselei und leere Begeisterung einer sentimentalen Frömmigkeit. Es ist etwas, was aus der Vernunft entspringt und nicht aus dem Eifer der Gefühle oder einer unüberlegten Spontaneität.



      So verstehen wir auf beschreibender Art, dass, was wir auf anderer Weise über die Muttergottes wissen: Sie ist der Sitz der Weisheit. Wir verstehen nun auch, was es heißt, den Geist Mariens zu besitzen und ihr Diener oder Sklave (wie es der hl. Ludwig von Montfort bezeichnet) zu sein. Es bedeutet, sich bemühen diese Weisheit, diese Ausgewogenheit,  zu besitzen, bei der die Vernunft vom Glauben beherrscht und geleitet wird und die Gefühle im Dienste der Vernunft stehen. So dass die Gefühle schwingen, wenn es die Vernunft zulässt und ihr Schwingen einstellen, wenn die Vernunft es so befiehlt. Und wenn die Gefühle nicht mit der Vernunft zum Schwingen kommen, so ist es die Vernunft die obsiegt und nicht die Gefühle. Dies sind geistige Regeln für die Nachfolge Mariens aus ihrem geistigen Hauptwerk, dem Magnifikat.

      An einem anderen Punkt möchte ich noch erinnern: Als Maria Elisabeth begrüßte und das Kind (Johannes) ihre Stimme hörte, hüpfte es in ihrem Leib vor Freude.

      Welche Freude empfinden wir, wenn wir die Stimme Mariens in unserem Herzen hören?

      Bitten wir der Muttergottes, dass sie neben den Prüfungen, die sie uns schickt, uns an diesem Feste außer den Gnaden, die sie uns schenken möge, uns auch Worte vernehmen lasse, die unser Herz mit Freude erfüllen und uns ermutigen alle Kreuze zu tragen, die uns auferlegt werden, um aufrichtig für sie bis ans Lebensende zu leiden.


Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, den er am 2. Juli 1963 hielt. Er wurde übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne seine Überarbeitung.
 






Dienstag, 27. Juni 2017

Maria von der Immerwährenden Hilfe

Plinio Corrêa de Oliveira



Diese Anrufung der Muttergottes beinhaltet ein Element, das man in keiner anderen Eigenschaftsbezeichnung Mariens vorfindet. Es ist das Wort „immerwährend“. Was in dieser Anrufung besonders hervorgehoben, besonders gerühmt werden soll, ist nicht die Tatsache, dass Maria den hilfesuchenden Menschen sehr oft mit großer, liebevoller Freigebigkeit aber in gewissen Grenzen erhört, sondern, dass die gewährte Hilfe tatsächlich „immerwährend“, d.h. von ewiger Dauer, zeitlich unbegrenzt ist. Dies ist das Hauptmerkmal dieser Anrufung.



Warum soll aber diese Hilfe „immerwährend“ sein? Wenn Hilfeleistung etwas sehr kostbares ist, vor allem weil sie von der Königin des Himmels und der Erde kommt, so ist das schönste daran, das sie niemals aufgehoben wird. Maria wird die „bittende Allmächtige“ genannt, sie vermag und erhält alles durch den hohen Wert ihrer Bitte.

      Nehmen wir an, eine weltliche Königin entscheidet sich einem Bettler, einem Elenden, einem Aussätzigen ab und zu eine Hilfe zukommen zu lassen. Wir können uns freuen, über die Gefälligkeit der Königin, sich einem ihrer demütigsten und elendesten Untertan zuzuwenden.  Wir können uns mit dem Bettler freuen, wenn ihm ein so unerwartetes und unverdientes Glück beschieden wird. Zugleich können wir die Königin rühmen, ihrer Freigebigkeit wegen.

      Doch es bleibt wie immer die Frage: Eine so freiwillige und weitherzige Hilfe für jemanden, der es eigentlich nicht verdient hat, wird sie nicht einmal enden? Könnte nicht der Moment kommen, in dem der begnadete sich undankbar zeigt und seine Geschenke missbraucht, sodass ihm weitere Hilfe verweigert wird? Das ist der Schatten, der über jegliche empfangene Hilfe liegt. Kann es nicht sein, dass die Königin irgendwann vergisst, dass es diesen Bettler gibt? Oder dass sie sagen könnte: „Ich habe diesem schon so viel gegeben, aber es hilft ihm nicht, sein Leben zu ändern. Ich werde die Hilfe einstellen.“? Oder: „Er hat alle Grenzen der Undankbarkeit überschritten, mit ihm habe ich nichts mehr zu tun“. Könnte die Königin nicht auch sagen: „Ich habe so viele hilfsbedürftige Untertanen, die mich um Hilfe bitten, ich werde mich jetzt einem anderen zuwenden.“? Das heißt, wir könnten sehr viele Umstände anführen, in Folge derer die Unterstützung der Königin eingestellt würde.

      Nun aber, gerade so verhält sich die Muttergottes nicht uns gegenüber. Das Immerwährende ihrer Hilfe zeigt gerade das Gegenteil. So schlecht wir uns auch verhalten mögen, so mehr wir auch ihre Hilfe missbrauchen, so unglaublich auch unsere Undankbarkeiten seien: Je größer die Gefahr, je außerordentlicher das Wunder, um das wir bitten müssen, wenn wir auch um das Äußerste, um das Unwahrscheinlichste bitten müssten, finden wir die Mutter der immerwährenden Hilfe. Sie ist die Mutter, die sich rühmt immer eine Bitte zu erhören, immer bereit zu sein zu helfen, so dass es keine Möglichkeit zur Annahme, dass, wenn wir bitten, wir nicht erhört, uns nicht geholfen wird.

      Es kann sein, dass sie, unter gewissen Umständen, uns nicht das gewährt, um was wir bitten. Doch nicht erhört werden ist nur eine Redensart für den Fall, dass sie auf Zeit setzt und uns warten lässt. Dieser Aufschub ist aber vorgesehen, um später das Hundertfache unserer Bitte zu gewähren. Glücklich diejenigen, bei denen Maria sich Zeit lässt. Sie wird später mit einem Überfluss an Gaben in den Händen ihnen entgegenkommen. Es kann auch sein, dass sie uns die Gnade, um der wir gebeten haben, nicht zuteilt; wir dürfen aber sicher sein, dass sie uns viel kostbarere Gnaden schenken wird, als um die wir gebeten haben.



Das Fest Maria von der immerwährenden Hilfe wird am 27. Juni gefeiert.

Das Gebet zur Muttergottes der Immerwährenden Hilfe


Jungfrau, Mutter Gottes mein
lass mich ganz Dein eigen sein

Dein im Leben, Dein im Tod
Dein in Unglück, Angst und Not
Dein in Kreuz und bittrem Leid
Dein für Zeit und Ewigkeit

Jungfrau, Mutter Gottes mein
lass mich ganz Dein eigen sein

Mutter auf Dich hoff’ und baue ich
Mutter zu Dir ruf und seufze ich
Mutter Du gütigste, steh mir bei
Mutter Du mächtigste, Schutz mir leih

O Mutter, so komm, hilf beten mir
O Mutter so komm, hilf streiten mir
O Mutter so komm hilf leiden mir
O Mutter so komm und bleib bei mir

Du kannst mir ja helfen, o Mächtigste
Du willst mir ja helfen o Gütigste
Du musst mir nun helfen o Treueste
Du wirst mir auch helfen Barmherzigste

O Mutter der Gnade, der Christen Hort
Du Zuflucht der Sünder, des Heiles Port
Du Hoffnung der Erde, des Himmels Zier
Du Trost der Betrübten,ihr Schutzpanier

Wer hat je umsonst Deine Hilf angefleht
Wann hast Du vergessen ein kindlich Gebet
Drum ruf ich beharrlich, in Kreuz und in Leid
Maria hilft immer, sie hilft jederzeit

Ich ruf voll Vertrauen im Leiden und Tod
Maria hilft immer, in jeglicher Not
So glaub' ich und lebe und sterbe darauf
Maria hilft mir in den Himmel hinauf.
Jungfrau, Mutter Gottes mein
lass mich ganz Dein eigen sein

Dein im Leben, Dein im Tod
Dein in Unglück, Angst und Not
Dein in Kreuz und bitt’rem Leid
Dein für Zeit und Ewigkeit

Jungfrau, Mutter Gottes mein
lass mich ganz Dein eigen sein.

Amen.


(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, gehalten am 27. Juni 1694. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

Samstag, 24. Juni 2017

Der hl. Johannes, der Täufer - 2. Teil


Santo do Dia — 24.6.65  — 2. Teil
Plinio Correa de Oliveira

  „Jedes Tal soll ausgefüllt und jeder Berg und Hügel abgetragen werden“ (Lk 3,5)

 Der hl. Johannes, der Täufer, ist der, der dem Herodes gesagt hat, was heute keiner mehr den Mut hat der Revolution zu sagen. Er sagte: „Es ist dir nicht erlaubt!“ Das heißt, das darf nicht sein.

Johannes hatte zu Herodes gesagt: „Es ist dir nicht erlaubt, deines Bruders Frau zu haben!“, denn er lebte in Ehebruch. Deshalb bezahlte er dieses Urteil mit seinem Kopf.

Doch er war das Musterbeispiel für Bußfertigkeit. Er war berufen worden, die Seelen auf die Ankunft des Messias vorzubreiten. P. Fillion sagt, er kam um die Berge abzutragen, das heißt, den Hochmut zu brechen, und die Täler auszufüllen, das heißt, die Unreinheit zu vertilgen.

Wir sehen also, das seine Aufgabe war, die zwei Übel zu bekämpfen, die am Ursprung der Revolution stehen.(*)

Der, der so gründlich den Hochmut und die Sinnlichkeit mit den Füßen zertrat, war auch ein wunderbares Beispiel von Unerschrockenheit. Und deshalb wurde er hingerichtet.

Jemand wird sagen: er wurde hingerichtet; was hat es genutzt?

Es hat genutzt, was der hl. Augustinus über das Haupt des Täufers sagt, als es dem Herodes gebracht wurde: Er stellt sich vor, wie Herodes die geschlossenen Augen des abgeschlagenen Hauptes sah. „Nie ist ein menschlicher Blick, wie dieser der verschlossenen und toten Augen so tief in einem Blick eingedrungen, wie in dem des Herodes.“

Ein Mann, der die Sinnlichkeit zerschlägt, der den Hochmut bekämpft, der dem Ruchlosen die Wahrheit vorhält und dessen Weg versperrt, war würdig der Vorläufer des Erlösers zu sein.

Allem Anschein nach – es gibt jedoch keine geschichtliche Gewissheit darüber – gehörte er zu der Gruppe der Kontemplativen des Berges Karmel an, die, als Karmeliten die wir sind (**), unsere geistliche Vorfahren waren.

Die ist ein Grund unter vielen, um zum hl. Johannes, dem Täufer, zu beten, mit der Bitte, er möge uns die Abscheu zu diesen zwei Laster geben, die die Triebfedern der Revolution sind, und uns den Mut gebe, überall und jedem die ganze Wahrheit über die Revolution zu verkünden.

(*) s. „Revolution und Gegenrevolution“ von Plinio Correa de Oliveira.

(**) Der Autor und seine Anhänger waren Mitglieder des 3. Ordens der Karmeliter.

(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

Mittwoch, 21. Juni 2017

Leutfred, ein Heiliger der Gerechtigkeit und des heiligen Zorns


Fenster in der Kirche Saint-Ouen, Rouen, Frankreich

Wir wollen einen Auszug lesen aus dem Leben des hl. Leutfred, entnommen aus dem Buch Heiligengestalten von Ernest Hello.
Leutfred war ein außerordentlicher Heiliger, ist aber wenig bekannt. Er ist ein Beispiel für unsere mittelmäßige und niveaulose Zeit.

Er wurde in einer gehobenen Familie in Neustrien im siebten Jahrhundert geboren, vor dem Einfall de Normannen. Kaum war er in die Jahre gekommen, da die Vernunft im Menschen erwacht, als er den Beruf zum Priester in sich fühlte und ihm heimlich, gegen den Willen seiner Eltern, nachging. Er verließ seine Familie und wurde Benediktiner.  Nach vielen Mühen und Kämpfen gründete er die Abtei des Heiligen Kreuzes. Da begannen die Verfolgungen. Er wurde bei dem Bischof von Evreux angezeigt als einen vermessenen und aufrührerischen Menschen, der sich nur von seinem Eigensinn leiten ließe und der rechtmäßigen Gewalt den Gehorsam verweigere.
Hierauf wurde er mit der Gabe, Wunder zu tun und der Prophetie, begnadet und war äußerst streng.
Leutfred hatte keine Haare mehr. Eine Frau kam vorüber und machte sich über ihn lustig. Sie hatte ganz leise gesprochen, niemand hatte es hören können. Aber Leutfred kehrte sich um zu ihr und sprach: „Warum macht du dich über einen Naturfehler lustig? Dein Hinterkopf soll nicht mehr Haare haben, als ich auf der Stirn habe und bei deinen Nachkommen soll es ebenso sein.“ Es kam wie Leutfred gesagt hatte.

Bauern arbeiteten am Sonntag auf dem Acker und kümmerten sich nicht um die heilige Ruhe des Herrn. Als Leutfred den Frevel sah, richtete er die Augen zum Himmel und sprach: „Herr, möge dieser Acker ewig unfruchtbar sein, niemals trage er Korn oder Frucht!“ Sein Fluch war wirksam. Brombeersträuscher und Disteln bezeichneten fortan das verwunschene Feld und bedeckten es ganz.
Das sind wunderbare Geschichten!
Die Blinden neigen zu dem Glauben, daß Gerechtigkeit und erbarmen Feinde sind. Verständige Seelen wissen, dass sie Freunde sind, und erleuchtete Seelen wissen, dass sie von gleicher Art sind. Der hl. Leutfred besaß einen brennenden Eifer für Gerechtigkeit, aber noch stärker glühte das Erbarmen in ihm, denn wenn diese beiden Kräfte miteinander streiten, so hat das Erbarmen eine gewisse Überlegenheit im Kampf.

Dieses Prinzip ist wichtig. Der hl. Leutfred war beides, gerecht und barmherzig. Diese beiden Tugenden müssen Hand in Hand gehen.

Gewaltig wenn er verflucht, und gewaltig wenn er liebt, groß in seiner Liebe für die Armen und groß in seinem Hass gegen die Ungerechtigkeit: Diese Grundrichtungen entwickeln sich gleichlaufend sein ganzes Leben hindurch.
Als einer seiner Mönche gestorben war, fand man drei Geldstücke bei ihm, die er nicht hätte behalten dürfen. Er hatte also das Gelübde der Armut verletzt. Leutfred, der äußerst streng war, verbot ihn in geweihter Erde zu begraben. Er ließ ihn abseits beisetzen, weit vom Friedhof in ungeweihter Erde. Als das geschehen war, verfiel Leutfred in tiefes Nachsinnen über diese Seele, die er, wie es fast schien, verdammt hatte. Da fiel ihm ein, jener könne vielleicht auf Erden rechtzeitig bereut und im Himmel erbarmen gefunden haben. So zog er sich vierzig Tage lang zurück und weinte und betete für die Seele dessen, den er scheinbar verworfen hatte.

Diejenigen, die nur einer gefühlsmäßigen Frömmigkeit nachgehen, werden das nicht verstehen. Mit solch einer Situation konfrontiert, werden sie sagen: „O, der Arme, vergebt ihm“, und halten ihn für gerettet. Der hl. Leutfred, im Gegenteil, befahl, ihn in ungeweihter Erde zu begraben und dann zog er sich zurück und bat um das Heil des Mönchen. Unser Herr selber besaß diese Kombination von Strenge und Erbarmen.

Und als die vierzig Tage vorüber waren, redete Gott mit Leutfred und ließ ihn wissen. Dass die Seele des Bruders vor ihm Gnade gefunden hatte, dass jener nicht nur nicht in die Hölle gekommen sei, sondern auch nicht mehr im Fegefeuer gehalten werde, dass die Gebete Leutfreds den befreit hatten, den die Gerechtigkeit Leutfreds zu verdammen schien.

Es könnte sich jemand wundern, wie das geschehen kann, wenn doch das persönliche Gericht sofort nach dem Tod eines Menschen stattfindet, wenn die Seele sich vom Leib trennt. Doch muss man wissen, dass man der Barmherzigkeit Gottes keine Grenzen setzen darf. Es kann ja sein, dass Gott den Mönch in einer Lage des Scheintodes versetzt hat, in Erwartung auf das Opfer und der Buße des hl. Leutfred. Auf jeden Fall, prallt diese Geschichte mit dem liberalen Gedanken aufeinander, der Mönch sei automatisch gerettet.
Der hl. Leutfred war besonders Zornig gegenüber dem Teufel.
Sehr oft reagieren die Menschen bei Versuchungen ängstlich gegen den Teufel. Sehr wenige habe ich gesehen, die mit heiligem Zorn und erbost gegen den Teufel kämpfen. Wir sollten alle danach streben, diesen heiligen Zorn zu gewinnen.
Wenn der Teufel sich annähert, müssen wir erfüllt sein mit Zorn und Hass, weil der Teufel der eingeschworene Feind Gottes und unserer Seelen ist. Er wünscht uns jegliche Art von Übel. Deshalb, wenn wir versucht werden, müssen mit militanter Abscheu reagieren, wie es der hl. Erzengel Michael getan hat.

Einmal eilte einer der Brüder zum hl. Leutfred, um ihn zu sagen, dass ein Blendwerk in seiner Gestalt in der Kirche sein Wesen treibe. Der Heilige erkannte seinen alten Feind, lief zur Kapelle und machte das Zeichen des Kreuzes über Tür und Fenster, wie um die Ausgänge zu versperren.

Klugerweise machte er zunächst den Teufel zum Gefangenen, damit er nicht entkommen konnte.

Er trat auf jenen hinzu, der es gewagt hatte sein Bild anzunehmen und schlug wütend auf ihn ein. Der Teufel wollte fliehen, aber die Ausgänge waren versperrt; das Kreuzzeichen war auf Türen und Fenstern. Die Gestalt hätte sich schnell wieder auflösen können. Aber es scheint, dass ihm hierauf die Erlaubnis verweigert wurde. Gott wollte ihn demütigen unter den körperlich versetzten, geistig gefühlten Hieben des hl. Leutfred und unter der Macht des Kreuzzeichens, das dem Gefangenen die Flucht verwehrte.

Das ist eine großartige Szene. Die Prügel wurde körperlich gegeben und geistig gespürt, alles unter dem Zeichen des Kreuzes. Ganz wie die Seelen der Verdammten, die im Feuer der Hölle schmoren, so fühlte auch der Geist des Teufels die Hiebe des Heiligen.
Natürlich peinigten und demütigten diese Hiebe den Teufel. Auch wir können seine Pein vermehren. Dies ist vor allem gut wenn der Teufel zum Angriff ansetzt. Der Gegenangriff ehrt die Muttergottes, indem man zeigt, dass der Gegenangriff ihrer Kinder gegenüber dem Teufel größer ist als sein Hass gegen die Menschen.

Gott zwang den Teufel, durch den Glockenturm zu entfliehen, damit seine Niederlage und seine Furcht deutlich erkennbar werde.


Der Teufel wurde gezwungen durch den Turm zu fliehen, unter den ständigen Hieben des Heiligen. Gerne hätten wir gesehen, wie der Heilige zum letzten Hieb aushob.
Wir können uns die Szene vorstellen: Der hl. Leutfred, ein alter Mann mit weißen Haaren und weißem Bart, aber noch gut in Form und dunkelbraune Augen. Er ist sehr stark und prügelt den Teufel mit äußerstem Zorn, behält aber trotz allem völlige Gelassenheit, während die Teufelsgestalt jammert und windet und durch den Turm verschwindet.
Wenn wir nur kämpfen und uns wehren in dem Maße wie uns unsere Angst antreibt, ist der Zorn wichtig. Wir müssen uns bemühen einen heiligen Zorn gegen den Teufel zu entwickeln, d.h. immer wachsam sein und niemals schlafen.
So wie die Mutter eines kranken Kindes mit wachem Herzen schläft, müssen auch wir schlafen mit einem Herz in immerwährender Wachsamkeit. Wir müssen in der Lage sein, dass selbst wenn wir schlafen, wir sagen können, dass wir eine brennende Fackel des Zornes gegen den Teufel sind.
Wir müssen sagen können: „Ich schlafe, aber mein Herz schaut mit Hoffnung auf eine Gelegenheit der Heiligsten Jungfrau die größte Ehre zu erweisen“.


(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, gehalten am 20. Juni 1967. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

Freitag, 16. Juni 2017

Herz-Jesu-Verehrung

Plinio Correa de Oliveira 


Eingriff des Herzen Jesu in die Geschichte


Wir finden die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu am Beginn aller größeren und kleineren, bekannten oder weniger bekannten gegenrevolutionären Bewegungen, die im 17. Jahrhundert erschienen sind, zu der Zeit, in der die hl. Margareta Maria Alacoque die himmlischen Offenbarungen dieser Andacht erhielt. Sie erhielt den Auftrag, im Namen des Heiligsten Herzen Jesu dem König Ludwig XIV. zu sagen, er möge Frankreich dem Heiligsten Herzen Jesu weihen und im Wappen seines Königreiches das Bild des Herzen Jesu einzufügen.


Sie versprach dem König, wenn er die Feinde der Kirche bekämpfen würde, würde ihm das Herz Jesu beistehen und sein Königtum zu großem Ruhm führen... (Vgl. Marguerite-Marie Alacoque, Vie et oeuvres, Saint Paul, Paris-Fribourg, 1990, t. II, pp. 335-337, 343-344, 435-436).
Das Heiligste Herz Jesu erwartete von Ludwig XIV. eine Umkehr seiner politischen Orientierung und dass er sich an die Spitze der Gegenrevolution stellen sollte. Würde er dies tun, würde seine Herrschaft großen Ruhm und Frankreich als katholisches Reich seinen Höhepunkt erreichen. Damit hätte sich die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu über die ganze Welt verbreitet; in Frankreich hätte es dann auch ein günstiges Klima für die Predigten des hl. Ludwig von Montfort gegeben, die sich ebenfalls über die Welt verbreitet hätten – der hl. Ludwig lebte zur Zeit Ludwigs XIV. – und es hätte auch die Französische Revolution verhindert werden können. Wäre Ludwig XIV. dem Wunsche des Herzen Jesu nachgekommen, wäre die Revolution noch aufzuhalten gewesen und die schreckliche Fratze den sie mit der Französischen Revolution annahm, hätte verhindert werden können.


Deshalb hat diese Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu seit ihrem Anfang einen tiefen und deutlichen gegenrevolutionären Sinn.


Prof. Fernando Furquim de Almeida (brasilianischer Historiker und Vize-Präsident der brasilianischen TFP), der sich eingehend mit diesem Thema befasst hat, hebt hervor, dass die verschiedenen gegenrevolutionären Bewegungen, die sich im 18. und 19. Jahrhundert gebildet haben, im Zusammenhang mit der Verbreitung der Herz Jesu Verehrung stehen. Die französischen royalistischen Widerstandskämpfer gegen Napoleon, die "Chouans" in der Vendée, trugen als Abzeichen auf ihren Fahnen das Herz Jesu. Die Herz Jesu Verehrung wurde immer von den Guten verkündet, begeisterten die Guten und war für sie stets ein Grund des Mutes und der Stärke. Von den Bösen wurde sie immer gehasst.


Einwände gegen die Herz-Jesu-Verehrung


Was sagen die Böswilligen gegen die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu?
Zunächst etwas, was sie als entscheidendes Argument vorführen: „Warum das Herz Jesu anbeten? Könnte man auch nicht eine fromme Andacht der heiligen Hände Jesu einrichten? Der heiligen Augen Jesu? Man könnte doch den ganzen Leib Jesu auseinandernehmen und jeden Körperteil verehren: die Ohren, die die Bitten der Menschen hören, den Mund, der zu den Menschen sprach, die Hände, die gesegnet haben (dass sie auch die Händler im Tempel gezüchtigt haben, wird nicht erwähnt…). Wäre es also nicht angebracht diese Teilverehrungen einzuführen?“


„Außerdem“, sagen sie, „ist es eine sentimentale Verehrung. Das Herz ist das Symbol des Gefühls und führt hin zur Gefühlsduselei. Als solche hat sie überhaupt keinen theologischen Inhalt und darf also nicht geübt werden.“


Dem entgegen stellen wir fest, dass der Heilige Stuhl diese Andacht des Öfteren durch feierliche, inhaltsvolle und wunderbare päpstliche Dokumente empfohlen hat (s. z.B. die Enzyklika „Inescrutabile divinae Sapientiae“ von Pius VI. 1775). Ebenfalls wurde diese Andacht mit vielen Ablässen versehen, wie die Haltung der neun ersten Freitage, die vom Herzen Jesu selbst gewollt wurde und die Sühnekommunion für die Sünden und Beleidigungen, die gegen das Heiligste Herz Jesu begangen werden. Die Kirche versah die von ihr eingerichteten Herz-Jesu-Bruderschaften und -Erzbruderschaften mit vielen Ablässen. Sie bestätigte und förderte den Bau von Kirchen, Altäre, Bilder und Statuen zu Ehren des Heiligsten Herzen Jesu. Diese Andacht wurde im Übermaß von der Kirche gutgeheißen, so dass sie unser vollständiges Vertrauen haben kann.


Der Einwand, man könne ja dann auch alle Teile des heiligen Leibes Jesu verehren, ist vollkommen sinnlos. Man kann natürlich im Privaten die heiligen Hände Jesu verehren, wir können und sollen Ihn auch in Seinen so ausdrucksvollen, königlichen, lehreichen und rettenden Augen anbeten. Wir brauchen ja nur an die Bekehrung des Petrus denken, wozu nur ein Blick des leidenden Jesus genügte.


Doch die Kirche in ihrer Weisheit weiß, dass das Erhabene leicht ins Lächerliche führen kann: Für pöbelhafte Mentalitäten wäre es ein leichtes, so auseinandergenommene Teilandachten, die auf die menschlichen Gefühle in der Tat anstößig wirken, zu verhöhnen. Doch im Grunde steht solchen Andachten nichts entgegen, wenn sie in angemessener Weise geübt werden.


Man erzählt, z.B., von den Steinen auf dem Kreuzweg, die Fußabdrucke Jesu zeigen. Seine göttlichen Füße anbeten, als die, die über die Erde wanderten um zu lehren, die sich mit Staub bedeckten, um zu lehren und zu heilen, das Böse zu bekämpfen; diese Füße anbeten, die ihm dienten, das Kreuz zu tragen und sich mit dem Blut unseres Heils befleckten, die durch Nägel bei der Kreuzigung durchbohrt wurden…, dies ist alles wahr, richtig und notwendig.


Es ist sogar eine schöne Weise Jesus anzubeten, indem wir uns den Gesinnungen und Betrachtungen der Muttergottes anschließen, als Sie nach der Kreuzabnahme den toten Leichnam Ihres Sohnes auf Ihrem Schoß hielt. Sie betrachtete jeden Teil dieses gemarterten Leibes mit Schmerz, mit dem tiefsten Begriff der Liebe, der Andacht, der Ehrfurcht, der Zärtlichkeit. Sie sah alle Teile und betete sie an wahrscheinlich in der Erwägung der Bedeutung des Leidens eines jeden Teiles. Sie ermaß auch die Beleidigung Seiner Gottheit, die die Geißelung an all Seinen Gliedern bedeutete. Sie übte also diese Andacht aus.


Es ist also sozusagen nur eine Frage der Zweck- und Verhältnismäßigkeit, sowie vom Sinn für Äußerlichkeiten, die die Kirche davon abhält, eine Verehrung der einzelnen Teile des Leibes Jesu zu fördern.


Gegenstand der Herz-Jesu-Verehrung


Was ist eigentlich die Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu? Es ist die Verehrung eines Organs Unseres Herren, dass da ist, das Herz. Doch in der Heiligen Schrift hat das Herz nicht die sentimentale Bedeutung, die ihm gegen Ende des 18. Jahrhunderts und ganz bestimmt im Laufe des l9. Jahrhunderts angehaftet wurde. Das Herz drückt im religiösen Sinn nicht nur Gefühle aus. Wenn es in der Heiligen Schrift heißt: „Richte mein Herz darauf hin, allein deinen Namen zu fürchten!“ (Ps 86,11); oder: „Deinen Vorschriften neige mein Herz zu, doch nicht der Habgier!“ (Ps 119,36); oder: „Mein Herz richte sich ganz nach deinen Gesetzen: dann werde ich nicht zuschanden.“ (Ps 119,80); oder: „Mein Herz ist bereit, die Gesetze zu erfüllen bis ans Ende und ewig.“ (Ps 119,112), bedeutet das Herz den menschlichen Willen, einen Vorsatz, ja eigentlich die Heiligkeit des Menschen. Im Evangelium lesen wir auch über die Muttergottes: „Maria aber, bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach“ (Lk 2,19). Das Herz steht hier nicht als Gefühlsherd, sondern als Sitz des Selenlebens, wo Sie alles bewahrte. Das Herz ist Symbol für den Willen des Menschen, sein dynamisches Element, das alle von den Sinnen erfassten Dinge betrachtet und erwägt und entsprechend reagiert und wiederum nach außen wirkt. Das Heiligste Herz Jesu ist dies in Unserem Herren. Daher und in diesem Sinn wird das Heiligste Herz Jesu angebetet.


In diesem Zusammenhang steht auch die bedeutungsvolle Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens: es ist ein Schrein, in dem wir das Heiligste Herz Jesu wiederfinden.


Dieser Andacht versprach Unser Herr einen Strom von Gnaden. Das markanteste Versprechen bezieht sich auf die Übung der neun ersten Freitage, in dem Jesus denen zusichert, dass sie nicht sterben werden, ohne vorher die Gnade der Vergebung und der Reue erhalten zu haben, wenn sie die neun Freitage einmal durchgeführt haben. Das heißt nicht mit Sicherheit sofort in den Himmel zu kommen, oder, dass sie ihren Tod vorahnen werden. Jedoch, dass sie in der Stunde des Todes eine so große Gnade erhalten werden, sodass man alle Hoffnungen auf das Heil ihrer Seele haben darf.


So versteht man welch großes Anliegen es der Kirche ist, dass diese Andacht bekannt, geschätzt und mit Vernunft geübt wird, denn eine rein gefühlsmäßige Andacht macht keinen Sinn. Eine aufrechte und ernstzunehmende Andacht will auch ihre Grundlage kennenlernen und verstehen. Sie will geliebt werden auf Grund ihrer Daseinsberechtigung. So urteilen ernsthafte Seelen über Frömmigkeitsübungen. Also, darüber nachdenken, unsere Seele zum Herzen Jesu richten, das die Quelle der angebrachten Gnaden ist, für unsere Zeit der unaufhaltsamen Revolution, für schwierigere Zeiten, die noch kommen werden, und bitten, dass durch das reinigende Blut und Wasser, das aus ihm floss, uns wasche. Das wären erhabene Gedanken, die wir an jedem Freitag und vor allem am Karfreitag hegen sollten.



Wir kennen den Fall des römischen Hauptmannes, der mit einer Lanze das Heiligste Herz Jesu durchbohrt hat. Als er diese Gewalttat gegen diesen heiligen Schrein verübte, flossen aus ihm Wasser und Blut, von denen einige Spritzer auf seine Augen fielen. Er, der fast blind war, fühlte sich sofort geheilt, er konnte wieder sehen. Für uns ist dieses Wunder äußerst beredsam. Das heißt, wer das Heiligste Herz Jesu verehrt, darf eine ebensolche Gnade bitten, nicht um das körperliche Augenlicht wieder zu erhalten, das wir, Gott sei Dank, besitzen, sondern um unsere innere Blindheit zu heilen, damit wir das Gute und das Böse in uns und um uns erkennen; damit wir die Seelen unseres Nächsten erkennen, um ihm Gutes zu tun und ihm zu helfen. In all unseren Nöten dürfen und sollen wir das Herz Jesu anrufen, dass es mit einer Gnade, so wie dem römischen Hauptmann, die Blindheit unserer Seele heilt, denn wir sind geistig mit viel Blindheit geschlagen.


Bitten wir dem Heiligsten Herzen Jesu durch die Vermittlung des Unbefleckten Herzens Mariens – denn nur durch diese erlangen wir die Heilung unserer vielfältigen Blindheit – und wir werden auf dem Weg sein, eine große Gnade zu bekommen.


(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, gehalten am 4. März 1965. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)