Freitag, 14. April 2017

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 7. Teil


von Plinio Corrêa de Oliveira

Dreizehnte Betrachtung



»Und als er ihn herabgenommen hatte, wickelte er ihn in Linnen und setzte ihn bei in einem ausgehauenen Grab, in dem noch kein anderer gelegen war« (Lk 23,53).

Herr Jesus, ich betrachte deinen vom Kreuz herabgenommen Leib, deine Menschlichkeit wie zerschmettert, und dein unendlich kostbares Blut, dass du während deinem Leidensweg vergossen hast. Oh, Mann der Leiden, deine Seele und dein Leib litten so viel wie ein Mensch nur hat leiden können.
Solange diese Welt existiert, wirst du unser Vorbild sein im Leiden mit all seinem Adel, Kraft, Ernsthaftigkeit, Süße und Erhabenheit sein. Dies ist ein Vorbild des Leidens, nicht nur rational betrachtet, sondern auch aus der unendlichen Perspektive des Glaubens; ein Leid, das theologisch verstanden wird, als notwendige Buße und ein wesentliches Mittel der Heiligung.

Durch die unendlichen Verdienste deines kostbarsten Blutes, gib unseren Geist die notwendige Klarheit, die Rolle des Leidens in unserem Leben zu verstehen und gib uns die notwendige Kraft, das Leiden wirklich zu lieben.
Die Menschheit kann sich nur aus der enormen Krise retten, in der sie sich befindet, wenn sie die Rolle des Leidens und des Geheimnisses des Kreuzes versteht. Es ist nur dieses Verständnis von Leiden, das auch diejenigen vor der ewigen Strafe retten kann, die selbst in der Stunde des Todes, deiner Einladung, dich auf der Via Dolorosa zu begleiten, nicht nachgekommen sind.
Vermehre auf Erden die Seelen, die das Kreuz lieben. Dies ist die wunderbare Gnade, um die wir dich in dieser Karwoche in dieser Zeit der Dämmerung unserer Zivilisation bitten.

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 6. Teil


von Plinio Corrêa de Oliveira

Elfte Betrachtung


»Und um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: „Eli, Eli, lama sabachtani“, das heißt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“« (Mt 27,46)

Unser Herr schrie von der Höhe des Kreuzes. Dieser herzzerreißende Schrei war auf das äußerste Gefühl der Verlassenheit zurückzuführen, in dem Gott scheinbar das Fleischgeworden Wort versetzt hatte. Die Seele des Erlösers erlitt eine geistige Qual, die durch den Mangel an göttlichem Trost verursacht wurde.
Allerdings wurde der schrecklichste Schmerz durch die Betrachtung der Sünden verursacht, die er vor sich hatte. Er sah nicht nur die Sünden der Menschen um ihn herum und von allen, die Ihn verlassen hatten, sondern auch die Vergehen gegen Gott, die in der Zukunft begangen werden würden.
Weil das fleischgewordene Wort alles sehen konnte, hat diese Voraussicht auch ihn in Seiner Via Dolorosa, seinem schmerzhaften Weg, Leiden verursacht. Die ganze Geschichte der Menschheit lief vor seinem erschöpften, von Blut getrübten Blick ab, in einem Leib, in dem das Leben sich langsam zurückzog. Wahrscheinlich war der göttliche Heiland von dem Anblick der ungeheuren und allgemeinen Unordnung unserer Tage überwältigt, was zu jenem qualvollen Schrei führte: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Die göttliche Vorsehung hat es so angeordnet, dass wir heute diese tragische Szene bezeugen. Dabei lädt uns unser Erlöser ein, unsere Augen zu öffnen und diese Situation zu betrachten, wie er sie im Garten von Gethsemane vorausahnte, gemessen an all der Grausamkeit seines Leidenswegs.
Die göttliche Vorsehung hat es bestimmt, dass wir Zeugen sind der tragischen Geschehnisse der heutigen Zeit. Damit lädt der Erlöser der Menschheit uns ein, unsere Augen zu öffnen und diese gegenwärtige Situation zu betrachten, und so wie er im Garten von Gethsemane das Ausmaß aller Grausamkeiten seiner Passion voraussah.

Zwölfte Betrachtung


»Einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite und sogleich kam Blut und Wasser heraus« (Joh 19,34).

Unser Herr war schon gestorben, als der Soldat, mit Namen Longinus, seine Seite durchbohrte. Auf diese Weise vergoss das Heiligste Herz Unseres Herrn den letzten Tropfen Blut, den letzten Tropfen Wasser, für unsere Erlösung. Was für eine außerordentliche Gnade! Welche äußerste Güte! Welches extreme Mitgefühl!
Das ganze Blut im Leib Unseres Herrn Jesus Christus wurde vergossen, um zu zeigen, dass er uns alles gegeben hat. Er tat dies, ohne einen einzigen Tropfen zurückzuhalten, wegen seines unermesslichen Wunsches, uns zu erlösen. Ein Tropfen seines Blutes hätte genügt, um die Welt zu retten, doch er hat sein ganzes Blut vergossen, so dass die letzten Tropfen mit Wasser gemischt waren. Er wollte nichts zurückhalten, um uns zu erlösen.
Mein Gott, wie oft habe ich das Herz Jesu durchbohrt wie die Lanze des Longinus? Es kann durch schwere Sünde gewesen sein. Aber sicherlich durch meine chronische Gewohnheit der Gleichgültigkeit, das ist der Grund, dass ich mich nicht ändere, dass ich keine Fortschritte mache und dass ich keine Fortschritte machen will. Ich sehe andere vorwärts schreiten, aber ich möchte nicht belästigt werden.
Nach der Tradition soll Longinus blind auf einem Auge gewesen sein. Ein bisschen Wasser, das aus der Seite Unseres Herrn floss, fiel auf sein Auge, und es wurde geheilt, und später wurde er ein Heiliger. Wer weiß, vielleicht werde ich auch diese Gnade bekommen, ein Heiliger zu werden. O Herr, im Augenblick deines Todes, ich flehe dich an, mir diese Gnade zu gewähren.

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 5. Teil


von Plinio Corrêa de Oliveira

Neunte Betrachtung


»Als sie an den Ort kamen, der „Schädelstätte“ genannt wird, kreuzigten sie ihn dort« (Lk 23,33)

Vor der Kreuzigung können wir uns die unendliche Schönheit unseres Herrn, die Schönheit seines Körpers und die Helligkeit seines heiligen Antlitzes vorstellen, wo die ästhetischen Prinzipien des Universums innewohnten. Die Anmut Seiner Gesten, die Eleganz seiner Haltung, die Nüchternheit seiner Sitten und Güte müssen eine starke Anziehungskraft ausgeübt haben. Als er sprach, wer könnte sich den Ton seiner Stimme, seine Modulation und die einzigartige Ausdruckskraft vorstellen?
Als er aber ans Kreuz genagelt wurde, war er entstellt, ohne Schönheit und eine einzige, große, blutige Wunde. Er war das große unschuldige Opfer selbst. Er hatte nie gesündigt. Er war die Personifizierung der Tugend. Er hatte nie die Notwendigkeit, sich für etwas zu entschuldigen, aber trotzdem tat er dies ohne Maßen.
Warum? Wegen der Schwere unserer Sünden. Wir sollten tiefe Traurigkeit und Bedauern über seinen Anblick, den Unschuldigen, fühlen, der die Sünden mit dem Sünder trug. Er, der der reinste war, der heiligste, trug sie für mich! Das sollte uns zu einem großen Vertrauen führen. Jemand, der zu einem solchen Preis erlöst wurde, braucht nur um die notwendige Gnade zu bitten, um die Tugend zu praktizieren und das Gute zu tun, was ihn zum Himmel führen wird.
Heute werden die Schmerzen unseres Herrn durch die Lästerungen und die Verachtung gegen die Katholische Kirche sowie die Götzendienerei einer heidnischen Gesellschaft verursacht: Egalitarismus, Sinnlichkeit, Aufstand, Unreinheit, Mord, Diebstahl, Ehebruch. Welches der Gebote Gottes wird heute nicht übertreten? Was ist meine Haltung angesichts dieser Situation?

Angesichts meiner Sünden und der Unzulänglichkeit meiner Sühne, muss ich mich niederknien, an meine Brust schlagen und mich fest entschließen, nicht mehr zu sündigen.

Zehnte Betrachtung


»Als nun Jesus seine Mutter sah und neben ihr stehend den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: „Frau, siehe, dein Sohn!“ Darauf sagte er zum Jünger: „Siehe, deine Mutter!“ Un von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. « (Joh 19,26-27)

Johannes, der Evangelist, war am Fuß des Kreuzes auch eine Art von Gipfel. Seine Liebe hatte einen Höhepunkt erreicht. Er war der Jünger, den Jesus lieb hatte.
Am heiligen Donnerstag hatte er seinen Haupt an der Brust unseres Herrn ausgeruht und hörte die Klopfen des heiligen Herzens Jesu, das da in Liebe für die ganze Menschheit schlug. Später in dieser selben Nacht, so wie die anderen Apostel, hatte er geschlafen und ist geflohen. Allerdings war er der jungfräuliche Apostel, der geliebte Apostel, aber jungfräuliche Seelen, finden auch in bedauernswerten Situationen die Mittel und Kraft, um ihre Pflicht zu erfüllen.
Das heißt, Gott schützt jungfräuliche Seelen. Gott zieht die Reinen an sich. So hat Johannes nicht nur die Ehre, der Jünger der Liebe zu sein, sondern auch gegenwärtig zu sein auf diesem Gipfel der Liebe, als unser Herr am Kreuz gestorben ist. Auf diese Weise vertrat er alle Apostel und rettete das Apostolische Kollegium vor völliger Schande.
Darüber hinaus erhielt er auf diesem Gipfel der Liebe den höchst erdenklichen Lohn, denn es kann kein größeres Geschenk geben für eine Person, als Unsere Liebe Frau als Geschenk zu empfangen. Als
unser Herr sagte: „Frau, siehe, dein Sohn“, und dann zu Johannes, „Sohn, siehe, deine Mutter“, erhielt er ein unschätzbar großes Geschenk.


Betrachtung über das Leiden - Einleitende Anmerkungen


Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 4. Teil


von Plinio Corrêa de Oliveira

Siebte Betrachtung
 

»Da übergab er ihnen Jesus zur Kreuzigung, und sie übernahmen ihn und führten in fort« (Joh 19,16)

In früheren Zeiten war das Kreuz eine demütigende, schmerzliche Art, Kriminelle hinzurichten. So bedeutete das Wort „Kreuz“ das Gleiche wie „Schande“, genau wie das Wort „Handschellen“ uns heute an Gefängnis, Verurteilung und rebellische Gefangene erinnert. In jenen Tagen dachten die Menschen beim Wort Kreuz an einen Verbrecher, der so böse und verdorben war, dass nur durch den Tod durch die Kreuzigung sein Verbrechen wirklich vergolten werden konnte.
Das Kreuz war also ein Symbol der Qual und Schande. Indem Unser Herrn Jesus Christus an das Kreuz genagelt wurde, war die Absicht derer, die ihn zum Tode verurteilten, nicht nur, ihn zu töten, sondern ihn in der schändlichsten und unehrenhaftesten Weise zu töten, um seinen Ruf und seine Herrlichkeit völlig zu zerstören.
Was für ein Kontrast: Er, der Verurteilte, war in der Tat der Richter dieser schwersten Strafe. Obwohl scheinbar geschlagen, war Jesus der einzige Sieger. Das Kreuz ist das Holz der Niederlage, Schande und Schmerzen, aber es wurde zum Holz der Herrlichkeit. Wer durch das Kreuz zermürbt wird, der ist Sieger. Wer ohne das Kreuz siegt, ist der Verlierer.

Achte Betrachtung


»Er trug selber sein Kreuz und ging hinaus zu dem Ort, den man Schädelstätte (Kalvaria) nennt, auf hebräisch aber Golgota« (Joh 19,17)

Jeder von uns hat ein Kreuz zu tragen. Jeder von uns möchte etwas sein, was er nicht ist, etwas haben, was er nicht hat, um etwas erreichen zu können, was er nicht kann. Wir müssen aufhören zu sein, was wir nicht sind, zu haben, was wir nicht haben sollen, und das zu erreichen, was wir nicht erreichen können und dürfen. Das ist der Weg für uns alle.
Möge Unser Herr uns eine Liebe zu unserem Kreuz geben, so wie er es sein Kreuz liebte. Anstatt das Heilige Holz mit Widerwillen zu tragen, umarmte und küsste unser Erlöser es, weil er durch das Kreuz seine Sendung auf Erden erfüllte. Unser Kreuz besteht darin, unsere Mission zu erfüllen. Lasst uns es tränenreich umarmen, aber liebevoll. Und sagen wir, „ich werde niemals aufhören, um Kraft zu bitten, so werde ich in der Lage sein, mein Kreuz auf die Höhe meines Kalvarienbergs tragen!“.
Unser Herr ertrug jeden Schmerz, wie ein König, der auf den Weg zu seiner Krönung ist. Er tat dies mit Würde, mit Gelassenheit, standhaft und ohne zu zögern. Nichts wurde ihm, ob körperlich oder geistig, verschont. Er trat in die Tiefe des Leidens mit der Entschlossenheit eines Helden und erschien somit vor der Gerechtigkeit des Ewigen Vaters, umstrahlt vom Glanz seiner Schmerzen. So hat er die Menschheit gerettet: bei jedem Schritt ist das Schlimmste mit ihm geschehen, aber er hat alles vollständig angenommen, ohne jegliche Erleichterung zu verlangen. Er hat niemals jemanden gebeten, ihn zu bemitleiden. Das Leiden war dermaßen groß, dass manchmal seine Stärke ihn verlassen hat, aber er stand sofort wieder auf und ging weiter.
Dieser Gedanke hilft mir, meine Schwäche zu überwinden! Wenn ich Unseren Herrn Jesus Christus in seiner erhabenen Schönheit und Heiligkeit begegnen möchte, muss ich auch mein eigenes Kreuz umarmen.


Betrachtung über das Leiden - Einleitende Anmerkungen

Donnerstag, 13. April 2017

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 3. Teil


von Plinio Corrêa de Oliveira

Fünfte Betrachtung

»Darauf ließ Pilatus Christus wegführen und ihn geißeln.« (Joh 19,1)
Pilatus dachte, dass er, indem er Jesus geißeln ließ, die Juden befriedigen und so in der Lage sein würde, ihn frei zu machen. So ist es, wie die Schwachen immer denken: Kompromiss, dem Bösen nachgeben, um es zu beschwichtigen. Das macht es aber nur noch schlimmer.
Die Folterer banden seine Hände und brachten ihn an die Säule inmitten von Schlägen, Schützen und Gelächter. Seine Sanftmut, Güte und alles über sich ergehen zu lassen, kontrastiert mit dem brutalen, sinnlosen und grausamen Hass der Schergen. Oh dumme Illusion, dass er, indem er seine Hände fesseln lässt, nun bewegungslos dastünde! Es wäre genug für ihn zu sagen, „Stricke, lockert euch“ und sie würden zu Boden fallen! Hätte er es gewollt, könnten die Stricke auch zu Schlangen werden, um seine Übeltäter anzugreifen.
Das außergewöhnlichste ist, dass er sich selbst hingegeben hat, um gegeißelt zu werden. Wir können uns sein süßes Stöhnen vorstellen. Sein heiliger Körper, der sich in Schmerzen krümmt, sein anbetungswürdiges Fleisch, das von den Peitschen und Geißeln zerrissen wurde. Das war das Fleisch des Gottmenschen! Er stand da voller Würde, sanftmütig und ohne Protest und unterhielt sich mit dem ewigen Vater in seinem Herzen.
Wir können uns auch in diesem Augenblick den Sohn Gottes, den obersten Regierenden über alle Ereignisse, vorstellen, der an die gesegnete Zivilisation denkt, die eines Tages auf die Verdienste Seiner Leidenschaft aufgebaut werden würde. Ach, er sah auch, dass sich die christlichen Völker in einem gewissen Augenblick gegen ihn abwenden und von einer Anti-Zivilisation beherrscht würden. Weil diese Welt den persönlichen Gott verleugnen würde, würde sie auch die Persönlichkeit und Individualität des Menschen verleugnen.
In dieser dekadenten Antizivilisation würde die Menschheit die totale Gleichheit einfordern und so zu einer rebellischen kommunistischen Utopie versklavt werden. Diese Utopie würde das Eigentum und damit die Gerechtigkeit verleugnen; würde die Familie und damit die Reinheit verleugnen; würde die Religion verleugnen, und alles was heilig ist; würde die Tradition und damit die Geschichte verleugnen. Durch die Umkehrung aller Werte würde diese Zivilisation ein großes Chaos erzeugen, ein großes Vakuum, in dem die ehemaligen christlichen Völker ertrinken würden. Diese Zivilisation ist die Tyrannei der Materie, der Maschine, der Anonymität und des Atheismus, in ein Wort, die Herrschaft des Satans.
Unser Herr hätte sich wie der Prophet David beklagen können: „Was nützt denn mein Tod…?“(Ps 30,9) Was nützt denn mein Blut, das ich so großzügig und so reichlich vergossen habe?


Sechste Betrachtung


»Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen und setzten ihn auf sein Haupt, legten ihm einen purpurroten Mantel um.« (Joh 19,2)
Unser Gott, mit Dornen gekrönt! Ist dies nicht ein Beweis, dass Gottes Königtum ein Königtum des Leidens ist? Lasst uns Leiden annehmen: Demütigungen leiden; leiden an Ungerechtigkeit; leiden unter der unermüdlichen Anstrengung, Gutes zu tun; leiden unter Selbstverleugnung. Das Leiden aus dem Christentum zu entfernen, ist Christus beleidigen, der eine Dornenkrone angenommen hat. Christ sein und Angst haben, für Gott zu leiden, ist, Gott zu einem bloßen Bankier herabzusetzen, der unserer Gewinnsucht nachkommt oder zu einen einfachen Diener, der unseren Wünschen nachkommt. Das Leiden vom Christentum zu beseitigen, ist gleich, sein Rückgrat zu entfernen.

Sind wir nur Gutwetterfreunde? Es ist in der Tat nicht christlich, Angst zu haben, uns für Christus zu opfern, unser größter Freund. Lasst uns nicht die Gemeinheit begehen, Jesus auf Golgatha zu verlassen. Lasst uns nicht auf sein Gesicht schlagen, verwundet aus Liebe zu uns, indem wir sündigen. Lasst uns nicht herzlose Hyänen sein, sondern vielmehr „gütig und demütig von Herzen“ wie Er (Mt 19,2).

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 2. Teil

von Plinio Corrêa de Oliveira
 Dritte Betrachtung


»Als es Morgen war, fassten alle Hohenpriester und Ältesten des Volkes den Beschluss gegen Jesus, ihm den Tod zu überliefern« (Mat 27,1).

Das jüdische Volk sehnte sich nach dem Kommen des Messias. Als er aber kam, verfolgten sie ihn. Er machte Wunder und die Menschen applaudierten. Aber die priesterliche Klasse, die die höchste politische Klasse war, hatte Angst: „Wer ist dieser Mann, der die begeisterte Gunst des Volkes gewonnen hat? Was wird mit unserer Macht passieren? Er ist eine Gefahr für uns!“
In einer heute oft benutzten Methode begann die Verfolgung mit Verleumdungen und Fangfragen, die gemacht wurden, um Fallen zu stellen; Fragen die im Laboratorium der Falschheit entworfen wurden.
Die erste und größte aller Revolutionen brach während der Karwoche aus. Eine Revolution ist definitionsgemäß eine Revolte jener, die lieben und gehorchen sollen, stattdessen aber gegen legitime Autorität rebellieren. Unser Herr besaß jedes mögliches Maß an Macht und Autorität über die Menschlichkeit. Die Sendung der Juden war, Ihn als den Gottmenschen anzuerkennen und sich seiner süßen Herrschaft zu unterwerfen. Sie haben das Gegenteil getan. Sie haben ihn weder anerkannt noch bewundert oder sich ihm unterworfen. Und diese Gesinnung der Seele war auf schlechten Willen und Neid zurückzuführen. Sie wollten sein Gesetz nicht, weil sie korrupt waren und Unser Herr lehrte Strenge. Sie lehnten sich gegen ihn auf und töteten ihn. Die Revolution der Karwoche war die größte aller Revolutionen, weil die Auflehnung gegen eine so hohe Autorität nicht wieder passieren kann.
Möge der Gedanke an unseren verachteten Erlöser uns mit Anbetung und Mitgefühl für ihn erfüllen, ebenso wie Empörung gegen die Revolution, die zu seiner Kreuzigung führte.
Pilatus war ein Gouverneur ohne Rückgrat und wählte den „Dialog“, anstatt Christus zu verteidigen.

Pilatus war ein Gouverneur ohne Rückgrat
er suchte den „Dialog“ mit dem Mob,
anstatt Jesus zu verteidigen
Vierte Betrachtung

»Sie ließen ihn gefesselt abführen und übergaben ihn dem Statthalter Pilatus.« (Mat 27,2)
Pilatus war ein Gouverneur ohne Rückgrat. Obwohl er wusste, dass die Menge den römischen Soldaten nicht widerstehen würde und deshalb auf einen leichten, glänzenden Sieg zählen konnte, wollte er unbedingt keine Gewalt anwenden, um zu tun, was richtig und gerecht war.
Stattdessen trat Pilatus in den Dialog mit dem Mob und schlug vor: „Wen soll ich nach eurem Willen euch freigeben, den Barabbas oder Jesus, der Messias genannt wird?“ (Mat 27,17)
Barabbas war ein bekannter Chef einer aufrührerischen Bande von Verbrechern. Er war der schlimmste Verbrecher, voller Unehre und Boshaftigkeit. Jesus war das äußerste Symbol der Würde und stellte das Beste im jüdischen Volk dar. Er war ein Nachkomme Davids, der bedeutendsten Gestalt des Alten Testaments. Er hatte allen Menschen nur Gutes getan.
Zentrist, wie er war, dachte Pilatus, dass die Juden niemals Barabbas Jesus bevorzugen würden. Er verstand nicht, dass, wenn man nicht Jesus folgt, unbedingt Barabbas wählt. Pontius Pilatus verurteilte ihn nur wegen des politischen Manövrierens der Priester. Sie schrien zu ihm: „Wenn du diesen freilässt, bist du nicht Freund des Kaisers“ (Joh 19,12). Es wäre für Pilatus leicht gewesen, sich gegen diese Anklage zu verteidigen. Doch angesichts der Möglichkeit, sein Amt als Gouverneur von Judäa zu verlieren, hatte Pilatus feige Jesus dem Tod ausgeliefert.
Als Ergebnis seines abscheulichen Ehrgeizes hat Pontius Pilatus die größte Ungerechtigkeit der Geschichte begangen.


Betrachtung über das Leiden - Einleitende Anmerkungen

Mittwoch, 12. April 2017

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 1.Teil

von Plinio Corrêa de Oliveira

Erste Betrachtung

Als er nun zu ihnen sagte: „Ich bin es!“
da wichen sie zurück und fielen zu Boden
»Jesus, der alles wusste, was mit ihm geschehen würde, ging hinaus und sprach zu ihnen: „Wen sucht ihr?“ Sie antworteten ihm: „Jesus von Nazareth.“ Jesus sagte zu ihnen: „Ich bin es.“ … Als er nun zu ihnen sagte: „Ich bin es!“ da wichen sie zurück und fielen zu Boden. Wieder fragte er: „Wen sucht ihr?“ Und sie sagten: „Jesus von Nazareth“. Jesus antwortete: „Ich habe es euch gesagt, dass ich es bin!“« (Joh 18, 4-8).

Als unser Herr verhaftet wurde, tat er zwei scheinbar widersprüchliche Dinge. Einerseits sprach er mit einer so autoritären Stimme, dass seine Gegenüber zu Boden fielen. Auf der anderen Seite bückte er sich, um das Ohr des Malchus aufzuheben, das Petrus mit seinem Schwert abgehauen hatte und setzte es wieder an den Kopf des Mannes. Wer sie erschrocken hat, dass sie zu Boden fielen, wusste auch zu trösten. Derselbe, der mit mächtiger Stimme spricht, setzt das abgetrennte Ohr wieder an seinen Ort. Kann man daraus eine Lehre ziehen?

Unser Herr ist immer unendlich gut. Er war gut zu denen, die ihn in jener Nacht als Jesus von Nazareth suchten, und auch gut, wenn er dem Malchus das Ohr wieder ansetzte. Wenn wir gut sein möchten, sollten wir lernen, die Güte unseres Herrn nachzuahmen. Wir sollten von Ihm lernen, dass es Momente gibt, in denen es notwendig ist, zu wissen, wie man die Feinde des Glaubens energisch zu Boden schleudert, und zu wissen, wann es notwendig ist, Mitleid mit denen zu zeigen, die uns verletzen wollen.
Warum hat Jesus gesagt: „Ich bin es“? War es nur, um die, die ihn verhaften wollten, physisch zu Boden zu werfen? Warum so etwas, wenn er, eine kleine Weile später, freiwillig sich selbst hingeben würde? Der Grund dafür könnte sein, dass, wenn er so laut für das Gehör sprach, er es nur so tat, damit es noch lauter in die Herzen eindringen sollte.
Wir wissen nicht, ob diese Männer letztlich von der Gnade berührt wurden, die sie erhielten, aber die Angst, die sie sicherlich fühlten, als sie auf den Klang der Stimme des Meisters zu Boden fielen, war genauso machtvoll, als wenn dieselbe Stimme riefen würde: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du Mich?“

Unser Herr sprach laut zu den Ohren. Wenngleich sie zu Boden fielen, erhob die gleiche Stimme, die die Leiber schlug und die Ohren betäubte, die gefallenen Seelen, indem sie die Ohren des Geistes öffneten, die taub waren. Manchmal ist es notwendig, kraftvoll zu sprechen, um zu heilen.

Zweite Betrachtung

Jesus heilt das Ohr des Malchus
»Simon Petrus aber, der ein Schwert hatte, zog es, schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab; der Name des Knechtes war Malchus« (Joh 18,10).

Der Erlöser hat anders mit Malchus gehandelt. Als er das Ohr, das Petrus im Eifer der Situation abgeschnitten, wieder angesetzt hat, wollte Unser Herr ihm sicherlich körperlich etwas Gutes tun. Doch indem er sein Ohr heilte, wollte Jesus vor allem das Gehör seiner Seele öffnen. Wer also die geistige Taubheit einiger mit der Kraft seiner göttlichen Stimme geheilt hatte, heilte dieselbe geistige Taubheit von Malchus mit Worten der Süße und ein physisches Wunder.
Wir leben in einer Epoche einer schrecklichen geistigen Taubheit. Wenn es jemals eine Zeit gab, in der die Menschheit auf Gottes Stimme hören müsste, so ist es die unsere; doch unsere Zeit ist sicherlich auch eine Zeit, die die härtesten Herzen aufweisen kann.
Der göttliche Meister zeigt uns, dass wir, wenn wir unsere eigene geistliche Taubheit heilen wollen, ebenso wie unsere Nachbarn, Er der Einzige ist, der das tun kann, da bloße menschliche Mittel nutzlos sind.
Lasst uns eins sein mit dem Blinden des Evangeliums, der zu Unserem Herrn schrie, „Domine, ut videam!“ – „Herr, dass ich sehe!“
Lasst uns von den Feierlichkeiten der Karwoche nutzen, um ihn zu bitten, uns zu hören helfen, „Domine, ut audiam!“ – „Herr, dass ich höre!“ Wir wissen nicht, wie unser Herr unsere geistige Taubheit heilen wird - das ist auch nicht wichtig. Lasst uns seinen göttlichen Willen erfüllen, wie auch immer er spricht, ob mit der schrecklichen Stimme der Rüge und der Strafe oder mit der süßen Stimme des Trostes spricht. Was wirklich zählt, ist, dass wir ihn anflehen: „Herr, dass ich höre!“
Lasst uns letztlich von ganzem Herzen auf die Stimme Unseres Herrn hören und indem wir unsere Seelen aufrichtig den Gnaden eröffnen, die er uns gewährt, in uns die Fülle des Reiches Jesu Christi herbeiführen, die die Feinde der Kirche aus dem Angesicht der Erde verbannen wollen.

Betrachtungen über das Leiden und Sterben Unseres Herrn Jesus Christus - Anmerkungen

Plinio Corrêa de Oliveira



Vorbereitende Anmerkungen

Unser Herr Jesus Christus am Kreuz.
Es reicht nicht, den einzelnen Episoden des Leidensweges Unseres Herrn mit Gefühlen der Zerknirschung zu folgen.
Wenn auch eine echte Frömmigkeit Ergriffenheit hervorbringen kann, besteht Frömmigkeit nicht vor allem aus Hervorrufen von Gefühlen. Echte Frömmigkeit beginnt in einem wohlgeformten Verstand, das heißt, ein Verstand, der im katechetischen Studium und einer genauen Erkenntnis unseres Glaubens geschult worden ist. Die dort erkannten Wahrheiten sollten unser inneres Leben bestimmen. Frömmigkeit ist dem Willen unterordnet. Wir sollten ernsthaft das wünschen, was wir gut kennen. Es ist nicht genug zu wissen, dass Gott vollkommen ist. Wir müssen die Vollkommenheit Gottes lieben und folglich wollen wir eine solche Vollkommenheit für uns selbst begehren. Das ist es, was es bedeutet, Heiligkeit zu begehren.

Etwas „wünschen“ bedeutet nicht, vage und sterile Laune zu fühlen. Wir wünschen nur ernsthaft etwas, wenn wir bereit sind, jedes Opfer zu bringen, um das zu erreichen, was wir wünschen. So wünschen wir nur ernsthaft unsere Heiligung und wachsen in Gott, wenn wir bereit sind, jedes Opfer zu bringen, um dieses höchste Ziel zu erreichen. Ohne diese Bereitschaft ist jeder „Wunsch“ nur eine Illusion und eine Lüge. Wir können uns sehr ergriffen fühlen, wenn wir die Wahrheiten und Geheimnisse der Religion betrachten, aber wenn wir keine ernsthaften und wirkungsvollen Vorsätze von ihnen ableiten, werden diese Geheimnisse unserer Frömmigkeit nicht helfen.
Dies ist besonders der Fall während der Tage der Passion unseres Herrn. Es genügt nicht, den verschiedenen Episoden der Passion mit einem Gefühl der Zerknirschung zu folgen, wenn es auch etwas ausgezeichnet ist, ist es doch unzureichend. In diesen Tagen sollten wir unserem Herrn aufrichtige Beweise unserer Hingabe und Liebe geben. Diese Beweise können durch einen festen Vorsatz gegeben werden, unser Leben zu verändern und für die Kirche zu kämpfen.
Die Kirche ist der mystische Leib Christi. Als unser Herr den heiligen Paulus auf dem Weg nach Damaskus fragte: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Unser Herr sagte ihm, dass er, indem er die junge Kirche verfolgt, ihn selbst, Christus, verfolgt.

Die Kirche verfolgen, ist Jesus Christus verfolgen, und wenn die Kirche heute verfolgt wird, ist es Christus, der verfolgt wird. In gewissem Sinne wiederholt sich die Passion Christi in unseren Tagen.

Einleitung

Der moderne Mensch weiß nicht, wie er mit Leiden fertig werden kann. Oft sehen sogar Christen das Leiden als etwas unter ihrer Würde stehendes an, eine „Verfolgung von dem Bösen“. In unserem katholischen Glauben betrachten wir das Leiden als eine Reinigung und ein starkes Gebet. Wir vereinen unser Leiden mit dem von Unserem Herrn. Wir verstehen es als Geschenk des Vaters, weil öfteres Leiden die Macht hat, das Leben zu verändern. Im Folgenden bringen wir 13 Betrachtungen des Leidens in diesem Sinne. Wir hoffen, sie werden nützlich sein für die Fastenzeit. Wir werden sie in sieben Teilen fortsetzen.

Betrachtungen über das Leiden und den Sterben Unseres Herrn Jesus Christus



„Dieser ist bestimmt zu einem Zeichen, dem widersprochen wird“


In diesen Tagen erreicht die Fastenzeit ihren Höhepunkt, denn jetzt gedenkt die Kirche der unsäglichen Schmach, der sich der Gottmensch aus Liebe zu uns freiwillig ausgesetzt hat. Dieses Zusammentreffen frohlockender Aussichten und schmerzlicher Feierlichkeiten lässt uns gleichzeitig an den Triumph und an die Demütigung Unseres Herrn Jesus Christus denken. Es ist dies ein nützliches Thema für unsere Betrachtungen während der Karwoche, das auch fruchtbare Gedanken hervorruft, wie sie für unsere Zeit sicher äußerst gelegen kommen.

*   *   *
Wenn wir uns das Leben Unseres Herrn genau ansehen, werden wir kaum auf etwas stoßen, das nicht eine höchst angebrachte, unerschütterliche Bewunderung auslösen könnte. Als Lehrmeister hat er die Wahrheit in ihrer ganzen Fülle gelehrt. Als Vorbild hat er das Gute in seiner ganzen Vollkommenheit ausgeübt. Als Hirte hat er keine Mühe und weder Milde noch strenge Zurechtweisungen gescheut, um seine Schafe zu retten, und schließlich hat er für sie sogar sein Blut bis zum letzten Tropfen vergossen. Er hat seine göttliche Sendung mit unglaublichen Wundern bewiesen und die Seelen mit zahllosen geistlichen und zeitlichen Wohltaten überschüttet. Um seine Fürsorge auf alle Menschen aller Zeiten auszudehnen, hat er dieses Wunder aller Wunder, die heilige katholische Kirche gestiftet. Und innerhalb der heiligen Kirche hat er seine Gegenwart auf zweierlei Weise fortdauern lassen: Wahrhaft und wirklich im heiligsten Altarsakrament und außerdem durch das Lehramt in der Person seines Stellvertreters auf Erden. Der menschliche Geist wäre nie in der Lage gewesen, eine derartige Fülle an Gnaden und Wohltaten zu ersinnen.

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Aus diesem Grunde wird der Herr geliebt. Darin kommt eine besondere Form der Verehrung zum Ausdruck. Und Unser Herr hat diese wie kaum ein anderer genossen. Das Volk drängte sich derart um ihn, dass die Apostel ihn schützen mussten. Wenn er lehrte, folgte ihm die Menge in die Wüste hinaus, ohne an Bedeckung und Nahrung zu denken. Und bei seinem Einzug in Jerusalem bereitete ihm das Volk einen wahrhaft großartigen Triumphzug. Das alles ist Ausdruck großer Liebe und Anhänglichkeit. Und doch gab es noch innigere Liebe. Als der scheinbare Misserfolg des Leidens und Sterbens einen mysteriösen Schleier über die Sendung Unseres Herrn sinken ließ und ihn endgültig zu widerlegen schien, gab es Seelen, die nicht aufhörten, an ihn zu glauben und ihn zu lieben. Für eine gewissen Veronika, einige heilige Frauen und einen jungfräulichen Apostel war dies nicht das Ende ihrer Liebe zu ihm. Vor allem aber stand da die heilige Jungfrau Maria, die unaufhörlich in einer derart heftigen und vollkommenen Liebe entbrannte, wie Himmel und Erde es ihr niemals gleichtun könnten. Es waren dies Seelen, die in ihrer Liebe auch dann noch fortfuhren, als in dem Augenblick unsagbarer Schmerzen das Grab verschlossen wurde und die Schatten und das Schweigen des Todes auf den blutlosen Leib herniedersanken, als das Ende von allem gekommen schien.

*   *   *
Wie ist es aber zu erklären, dass derselbe Jesus so großen Hass auslöste? Denn es ist nicht zu leugnen, dass er gehasst wurde. Die Juden hassten ihn mit einem schamvollen, verzehrenden, schändlichen Hass, wie ihn nur die Hölle hervorbringen kann. Von Hass getrieben suchten sie ihn lange auszuspionieren, um eine mögliche Schuld an ihm zu finden, die sie als Waffe gegen ihn einsetzen könnten. Das beweist, dass sie ihn nicht wegen eines Makels hassten, den sie ihm irrtümlich zugeschrieben hätten. Warum also hassten sie ihn dann? Wenn es nicht wegen etwas Bösem war, das ihm ja nicht anhaftete und das sie umsonst bei ihm suchten, warum also? Es konnte nur wegen des Guten gewesen sein... Welch tiefes Geheimnis der menschlichen Bosheit! Es war ein verschämter Hass, der sich unter dem Mantel der Liebenswürdigkeit verbarg, weil sie in Wirklichkeit keinen ehrlichen Grund dafür hatten, ihm ihren Hass zu erklären. In dem Maße, in dem sich der Sendungsauftrag Jesu seiner Erfüllung näherte, wuchs auch der Hass der Juden an und näherte sich des dröhnenden Ausbruchs. Da sie ihm nichts anhaben konnten, gingen sie zu Verleumdungen über. Davon machten sie denn auch reichlichen Gebrauch. Auf diesem Gebiet verfügten sie über alle möglichen Mittel: Geld, Beziehungen zu den Römern, Prestige religiöser Ämter. Und doch ist die Verleumdungskampagne großenteils gescheitert. Sie vermochten zwar einige Neider zu überzeugen und den Zweifel in die Gemüter einiger plumpen, stumpfen Geister zu gießen, die sich der Sucht hingaben, an sich, an den andern, an allem und allen zu zweifeln. Es stellte sich schließlich als unmöglich heraus, die wunderbare Wirkung der Gegenwart, des Wortes und Handelns Unseres Herrn mit Verleumdungen zu erschüttern. So reifte der entscheidende Plan heran, ihn durch eine Niederlage zu widerlegen, die ihn in den Augen aller verächtlich erscheinen lassen und ihn aus der Welt der Lebenden entfernen sollte. Der Rest ist bekannt. Der Satan schlich sich bei dem abscheulichsten aller Menschen ein, der ihn verkaufte und mit einem Kuss verriet. Ein noch mehr in seiner Seele als im Körper verderbter, unschlüssiger, lascher, eitler Prokonsul übergab ihn schließlich in die Hände seiner Feinde. Nun ergoss sich über ihn der ganze Hass der Synagoge, mit dem die Pharisäer letztlich doch die Menge anzustecken vermochten.
Was für ein Hass, und was für ein Balsam! Da standen und schrien sie, unter ihnen auch so mancher Blinde und Geheilte, so mancher einst Besessene — so viele Seelen, denen der Sohn Gottes die Ruhe geschenkt hatte!

Doch wer weiß, was sie fühlten? Als sie seine Wohltaten empfingen, fühlten sie sich vielleicht insgeheim gedemütigt und minderwertig. Als sie seine Lehren empfingen, überkam sie vielleicht unbewusst ein Gefühl der Auflehnung, das unmerklich ihre Bewunderung untergrub: Warum war er nur so streng, warum verlangte er so viele Opfer? Ihn nun „unterlegen“ zu sehen, musste wie eine Befreiung wirken – es war der Triumph alles Verdrängten, aller Gemeinheit, allen Neides, die Essenz aller Niedertracht. Der große Aufstand der ruchlosen, boshaften Pharisäer und der ihnen Gleichgesinnten in allen Volksschichten. Sie alle bildeten nun eine gemeinsame Front mit denen, die heimlich und vielleicht sogar unbewusst eine Abneigung nährten, sowie mit all den Lauen und Halbherzigen. Das Ergebnis von all dem war der Gottesmord, das größte Verbrechen aller Zeiten.


Freie Übersetzung von „Ecce positus est hic in ruinam et in resurrectionem multorum in Israel“ (Portugiesisch) von Plinio Corrêa de Oliveira in Catolicismo Nr. 52 – April 1955

Dienstag, 28. März 2017

Willst du den Frieden...

 Plinio Corrêa de Oliveira



Wenn wir diese gewaltigen Burgen des Mittelalters sehen, die an den Grenzen des Reichs Karls des Großen errichtet wurden, an den Ufern des Rheins oder der Donau, oder auch entlang der Straßen Spaniens, durch die Truppen des großen Kaisers, um den Vormarsch der Mauren zu verhindern, haben wir den Eindruck, als ob diese Burgen immer noch pochen von den Schlachten, die um sie geführt wurden. Ihre Steine scheinen pulsierenden Herzen!

Doch die Menschen erinnern sich nicht mehr an die Lektion der Voraussicht, die sie enthalten. Welche Lektion? Niemand baut Burgen, wenn der Feind gerade angreift. Festungen werden in Zeiten errichtet, in denen keinen Krieg stattfindet. Und da die Erbauer Krieger des Glaubens waren und nicht ein Haufen dummer Optimisten, bauten sie ihre Burgen in Friedenszeiten in Vorsorge auf künftige Angriffe eines Feindes.

Diese Burgen waren Werke des Friedens, aber ein Frieden, der auf den eventuellen Krieg orientiert ist! So sollen auch wir sein, als Kinder der streitenden Kirche, die wir an einem universalen, furchtbaren und heiligen Kriege teilnehmen, der gegenrevolutionären psychologische Kriegsführung, um die christliche Zivilisation mit friedlichen und legalen Mitteln zu verteidigen. Unsere doktrinären Festungen müssen in Friedenszeiten errichtet werden. Dies ist die Art, wie wir unsere kämpferischen und prächtigen Burgen bauen, in Zeiten des Friedens ... aber in der Voraussicht des Kampfes!

Freitag, 17. März 2017

Die höchste soziale Funktion des Adels:


Die Wahrung, die Verteidigung und die Verbreitung der christlichen Lehre,
die in den edlen Traditionen enthalten ist, die den Adel auszeichnen



1958 weist Papst Pius XII. in seiner Ansprache auf die Pflicht hin, gegen den modernen Sittenverfall moralischen Widerstand zu leisten; er sieht darin eine generelle Aufgabe der „hochgestellten Klassen, darunter Eure“ und meint damit das Patriziat und den Adel von Rom: „Schließlich wünschen wir, daß Euer Einfluß in der Gesellschaft Euch vor einer Gefahr beschützt, die kennzeichnend für die moderne Zeit ist. Es ist bekannt, daß die Gesellschaft Fortschritte macht, wenn die Tugenden einer ihrer Klassen sich unter den anderen Klassen verbreitet. Ebenso ist es bekannt, daß das Niveau der Gesellschaft absinkt, wenn sich Laster und Unsitten eines Teiles der Gemeinschaft auf die anderen Teile ausdehnen. Der Schwäche der menschlichen Natur wegen, kann man feststellen, daß sich besonders die Übel heute von Volk zu Volk und über die Kontinente ausbreiten, je einfacher Kommunikation, Information und persönliche Kontakte geworden sind.
       Auf dem Gebiet der Moral kann das gleich beobachtet werden wie im Gesundheitswesen: Weder Entfernungen noch Grenzen können jemals einen Epidemieerreger davon abhalten, in kurzer Zeit selbst ferne Regionen zu befallen. Deshalb ist es möglich, daß die hochgestellten Klassen, darunter Eure, aufgrund vielfältiger Beziehungen und häufiger Aufenthalte in Ländern verschiedener, möglicherweise schlechterer Moral leicht zu Überträgern von Sittenverwirrungen werden können.“ (1)
      Im Hinblick auf den Adel definiert der Heilige Vater die Merkmale dieser Verpflichtung genauer: Es handelt sich um eine Pflicht zum Widerstand, der es vor allem auf dem Gebiet der Lehre nachzukommen gilt, die sich aber auch auf das Gebiet der Sitten erstreckt.
      „Was Euch betrifft, sorgt dafür und seid wachsam, damit schädliche Theorien und perverse Beispiele niemals mit eurer Zustimmung oder Eurer Sympathie rechnen können und vor allem in Euch keine willigen Träger finden oder die Gelegenheit, Infektionsherde zu bilden.“
      Diese Pflicht ist Bestandteil des „großen Respekts, vor den Traditionen, die Ihr besitzt und durch die Ihr Eich in der Gesellschaft auszeichnet“. Diese Traditionen bilden „einen kostbaren Schatz“, die der Adel „mitten unter dem Volk“ zu wahren hat.
      „Möglicherweise ist das heutzutage die wichtigste soziale Funktion des Adels; sicherlich ist es der größte Dienst, den ihr der Kirche und dem Vaterland erweisen könnt“, behauptet der Papst.(2)
      Der Adel kann den Glanz vergangener Jahrhunderte, der noch heute von ihm ausgeht und ihn hervorhebt, kaum besser verwenden als die christliche Lehre, die in den Traditionen enthalten ist, die den Adel auszeichnen, zu wahren, zu verteidigen und zu verbreiten.(3)

1 Ansprachen an das Patriziat und den Adel von Rom, 1958, S. 710.
2 Ansprachen an das Patriziat und den Adel von Rom, 1958, S. 710.
3 Zum Adel als einem Faktor, der den Menschen für die Ausübung der christlichen Tugenden empfänglich macht und sie fördert, sei vor allem die Lektüre der bewundernswerten Predigt des heiligen Karl Borromäus empfohlen, die in Dokumente IV, 8 abgedruckt ist.


Quelle: PLINIO CORREA DE OLIVEIRA: „Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen von Papst Pius XII. an das Patriziat und den Adel von Rom“, TFP-Deutschland e.V., Frankfurt. Kap. IV, 9. S. 67 f.

Donnerstag, 16. März 2017

Legitimität der Ungleichheiten

Legitimität und sogar Notwendigkeit gerechter und angemessener Ungleichheiten unter den Gesellschaftsschichten

Die marxistische Doktrin vom Klassenkampf behauptet, daß alle Ungleichheit ungerecht und schädlich sei und daß es daher der unteren Klasse erlaubt sei, sich weltweit für die Abschaffung der oberen Schichten einzusetzen: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ Mit diesem allseits bekannten Aufruf schlossen Marx und Engels 1848 ihr Kommunistisches Manifest.(1)
Demgegenüber behauptet die traditionelle katholische Lehre, daß gerechte und angemessene Ungleichheiten unter den Menschen nicht nur legitim, sondern sogar notwendig seien.(2) Deshalb verurteilt sie auch den Klassenkampf.
Diese Verurteilung erstreckt sich selbstverständlich nicht auf die Bemühungen oder unter Umständen sogar auf den Kampf einer Klasse um Anerkennung des ihr zustehenden Platzes im gesellschaftlichen beziehungsweise im politischen Ganzen. Sie spricht sich jedoch dagegen aus, daß die an sich legitime Notwehr einer angegriffenen Klasse in einen Ausrottungskrieg gegen andere Klassen ausartet oder auch nur zur Ablehnung der Rollen führt, die einer jeden Klasse im Gesellschaftskörper zukommen.
Ein Katholik muß sich für Eintracht und Frieden zwischen den Klassen einsetzen, nicht aber für den chronischen Kampf zwischen ihnen, vor allem wenn es bei diesem Kampf um die Errichtung eines Regimes völliger, radikaler Gleichheit geht.
Dies alles würde besser verstanden, wenn die bewundernswerten Lehren Pius´ XII. über Volk und Masse überall im Westen die ihnen gebührende Verbreitung gefunden hätten.
„Freiheit, wie viele Verbrechen werden in deinem Namen begangen!“(3) – soll die berühmte französische Revolutionärin Madame Roland ausgerufen haben, bevor sie auf eine Entscheidung des Terrorregimes hin enthauptet wurde.
Ähnlich könnte man auch angesichts der Geschichte unseres verworrenen 20. Jahrhunderts ausrufen: „Volk, o Volk, wie viele Torheiten, wie viel Unrecht, wie viele Verbrechen werden in deinem Namen von den revolutionären Demagogen unserer Zeit begangen.“
Gewiss liebt die Kirche das Volk und ist stolz darauf, es seit ihrer Gründung durch ihren göttlichen Meister ganz besonders geliebt zu haben.
Was aber ist das Volk? Sicher ist es etwas ganz anderes als die Masse, die wie ein aufgepeitschtes Meer gar leicht zur Beute revolutionärer Demagogie wird.
Als Mutter versagt die Kirche auch den Massen nicht ihre Liebe. Aber gerade weil sie sie liebt, wünscht sie ihnen als kostbares Gut den Übergang vom Zustand der Masse in den des Volkes.
Geht es in dieser Behauptung aber nicht um ein bloßes Wortspiel? Was bedeutet denn Masse? Was heißt denn „das Volk“?

 Fussnoten
1 Karl Marx und Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, London 1848, S. 30.
2 Vgl. Dokumente V. „Die kirchliche Lehre über die sozialen Unterschiede“ in „Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen von Papst Pius XII. an das Patriziat und den Adel von Rom“, TFP-Deutschland e.V., Frankfurt.
3 Vgl. J. TULARD, J.F. FAYARD und A. FIERRO, História da Revolução Francesa, Edição Livros do Brasil, Lisboa. 1989, Bd. II, S. 341

Quelle: PLINIO CORREA DE OLIVEIRA. „Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen von Papst Pius XII. an das Patriziat und den Adel von Rom“, TFP-Deutschland e.V., Frankfurt. Kap. III, 1. S. 49 ff.

Sonntag, 5. März 2017

Betrachtung zum Palsonntag


Ein Fehler, der sehr oft die Wirksamkeit der Betrachtungen, die wir uns vornehmen zu machen, mindert, besteht darin, Ereignisse aus dem Leben Jesu zu betrachten, ohne jegliche Anwendung und Beziehung zu dem, was in uns oder um uns geschieht. So verwundern wir uns über den Wankelmut und die Undankbarkeit des jüdischen Volkes, als sie kurz nach dem feierlichen Empfang, den sie Jesum bereiteten und als den Erlöser preisten, ihn mit einem für viele nicht erklärbarem Hass gekreuzigt haben.
Doch diese Undankbarkeit und diesen Wankelmut gab es nicht nur zur Zeit Jesu. Heute noch muss Unser Herr diesen Wechsel zwischen Anbetung und Schmach häufig ertragen. Und nicht nur im nicht einsehbaren Inneren des Gewissens der Menschen. In wie vielen Ländern wird Unser Herr ununterbrochen in kurzen Zeitabschnitten verherrlicht und beleidigt?
Verschwenden wir nicht unsere Zeit, um ums nur über die Falschheit derjenigen zu empören, die den Gottmenschen getötet haben. Für unser eigenes Heil wäre es sehr nützlich, wenn wir über unsere eigene Falschheit nachdenken würden. Mit dem Blick auf die Güte Gottes können wir so eine Besserung unseres Lebens erreichen.

Jedermann weiß, dass die Sünde eine Beleidigung Gottes ist. Wer eine Todsünde begeht, vertreibt Gott aus seinem Herzen, bricht mit ihm, als sein Geschöpf, das ihm geschuldete kindliche Verhältnis und verstößt die Gnade.
So gibt es eine deutliche Analogie zwischen dem Verhalten des jüdischen Volkes und unserem Zustand, wenn wir in eine Todsünde fallen: Wir kreuzigen Jesus.
Wie oft, nachdem wir Unserem Herrn brennende Erweise der Anbetung und Verherrlichung durch Taten oder wenigstens durch Lippenbekenntnisse einen Schein der Verehrung von uns geben, fallen wir in Sünden und Ihn somit in unserem Herzen ans Kreuz schlagen.
Das gleiche geschieht in vielen Nationen der Gegenwart. Es werden imposante katholische Veranstaltungen organisiert, in denen Unserem Herr öffentlich gehuldigt wird. Zugleich betreiben die an der Macht sich befindenden Staatsmänner mal stillschweigend, mal verdeckt oder sogar offen das auslöschen christlicher Institutionen und den Zerfall der gegenwärtigen Zivilisation in dem, was diese noch an christlichen Zügen vorweist. Während also diese Katholiken ihre Liebe zur Kirche Christi bekennen, lassen sie zu, dass durch ihre Lauheit, Gleichgültigkeit und Trägheit dieselbe Kirche allmählich gefesselt, dass ihr Einfluss klüglich ausgehöhlt wird, das ihre Tätigkeiten hinterhältig verhindert werden, sodass, wenn die Stunde des gewalttätigen Angriffs geschlagen hat, jegliche Reaktion unmöglich gemacht wurde. Völker wie diese, nachdem sie Unseren Herrn als König huldigten, oder während sie es taten, bereiteten schon die Verfolgungen und Traurigkeiten vor, die sich sehr wenig von der großen und göttlichen Tragödie der Karwoche unterscheiden.

Doch, Gott sei Dank, ist es nicht nur die Falschheit und der Wankelmut von einst die in unseren Tagen noch überleben. Man findet auch rührende Handlungen, die unmittelbar an die so zärtliche Frömmigkeit gegenüber Unseren Herrn und der so überlegenen Haltung vor den Peinigern der Veronika erinnern.
Wenn es stimmt, dass unsere Epoche sich auszeichnet durch große und unerwartete Austritte aus der katholischen Kirche, so stimmt es genauso, dass ein künftiger Historiker in ihr eine Epoche großer Heiliger ausmachen wird, die sich ausgezeichnet haben durch die Tugenden der Tapferkeit, der Klugheit und der Gerechtigkeit, die in der heutigen Welt fast ganz in Vergessenheit geraten sind.
Unser Herr wird zweifelsfrei in der Gegenwart aufs Höchste beleidigt (siehe die Welle der Blasphemie die die ganze Welt umspült).
Seien wir doch einige der Seelen, die, wenn auch nicht durch den Glanz unserer Tugenden, doch wenigstens durch die Aufrichtigkeit unserer Demut — eine bewusste, vernünftige, feste Demut und nicht nur von einer Demut mit klangvollem Wortgeschwafel und schief hängendem Haupt — in diesen heiligen Tagen Sühne leisten am Throne Gottes, ob der Menge der Beleidigungen, denen Unser Herr ausgesetzt ist.

(Freie Übersetzung aus „O Legionário“, Nr. 447, vom 6.4.1941)