Donnerstag, 3. Dezember 2015

Biographie

Mathias von Gersdorff

Begegnung mit Plinio Corrêa de Oliveira - Katholischer Streiter in stürmischer Zeit

Patrimonium-Verlag, Aachen 2015
Hardcover, 154 Seiten
ISBN 9783864170331, Preis: 14,80 EUR

Der deutsch-jüdische Schriftsteller Kurt Tucholsky prägte seinerzeit den wegweisenden Ausspruch: „Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“.
Zu diesen tapferen und im guten Sinne streitbaren Persönlichkeiten mit Rückgrat und Ausdauer zählt besonders ein Gelehrter und Politiker, der sich von früher Jugend bis ins hohe Alter unbeirrbar für Christus und seine Kirche eingesetzt und dabei keine notwendige Auseinandersetzung mit den Feinden des Höchsten - besonders den Nationalsozialisten und den Kommunisten gescheut hat: Plinio Corrêa de Oliveira aus Brasilien, geboren am 13.12.1908 in der Hauptstadt São Paulo; verstorben mit 87 Jahren am 3. Oktober 1995, dem Tag der Deutschen Einheit.

Mathias von Gersdorff bezeichnet seine Biographie über diesen unermüdlichen Laienapostel recht bescheiden als „skizzenhafte Beschreibung“, weil er sich in seinem 154 Seiten umfassenden Buch auf das Wesentliche konzentriert und eine „Einführung“ in Leben und Wirken dieses katholischen Schriftstellers vorlegt, die sich flüssig liest und zugleich sehr faktenorientiert ist. Der italienische Historiker und Publizist Prof. Roberto de Mattei würdigt Plinio Corrêa de Oliveira im Vorwort dieser Biographie zu Recht als „tiefgründigen Denker“ und „Mann der Tat“, wobei der aus einem aristokratischen Elternhaus stammende Katholik zugleich die „Umgangsformen eines Kavaliers der alten Schule“ besaß. Diese „Ausnahmepersönlichkeit“, schreibt R. de Mattei weiter, stellte sich in „selbstloser Hingabe in den Dienst der katholischen Kirche“. Sein leidenschaftlicher Einsatz galt der Glaubensverbreitung sowie einer umfassenden Verteidigung der christlichen Kultur und Zivilisation. Der Laienmissionar wusste, dass die Kirche sich nicht auf die „Sakristei“ beschränken darf, dass Gottes Gebote und die Botschaft Christi auch im öffentlichen Leben, in Staat und Gesellschaft wirksam werden müssen.
Dabei war ihm klar, dass äußerer Aktivismus allein letztlich im Sande verläuft, dass der Einsatz für Gott und Kirche getragen sein muss von der Glaubwürdigkeit eines christlichen Lebenswandels, von eifrigen Bemühen um die Nachfolge Christi kurz: von der „Ausübung der Tugend“. Richtschnur sind dabei die Gebote des Ewigen und das natürliche Sittengesetz bzw. das Naturrecht. In diesem Sinne äußerte sich Prof. Corrêa de Oliveira folgendermaßen:
„In dem Maße, in dem der Mensch im Gnadenleben fortschreitet, schafft er auch durch die Ausübung der Tugend eine Kultur, eine politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung, in völliger Übereinstimmung mit den grundlegenden, unvergänglichen Prinzipien des Naturrechts und des göttlichen Gesetzes. Wir bezeichnen diese als christliche Zivilisation.“
Der Biograph Mathias von Gersdorff kannte Plinio C. de Oliveira jahrelang persönlich - und er hat ihn vor allem von 1990 bis 1995 häufig getroffen und viel mit ihm gesprochen. Seine persönliche Wertschätzung für den ebenso kämpferischen wie menschenfreundlichen Professor fließt in das Buch ein, ohne dass es freilich allzu subjektiv gefärbt wäre. Dem Autor gelingt es vorzüglich, bei aller Sympathie vor allem durch eine sachorientierte Darstellung und ruhige, gelassene Sprache zu beeindrucken.
M. von Gersdorff ist im christlichen Spektrum vor allem bekannt durch seine medienethischen Veröffentlichungen und seine Publikationen für Ehe und Familie sowie seine kritische Analyse der „sexuellen Revolution“ der 68er, wobei sein Schwerpunkt auf der Bekämpfung der Frühsexualisierung von Kindern liegt. In diesem Sinne leitet er in Frankfurt die Aktion „Kinder in Gefahr“ der DVCK (Deutschen Vereinigung für eine christliche Kultur e.V.). Diese wiederum ist verbunden mit der „Gesellschaft zum Schutz von Familie, Tradition und Privateigentum“, die Prof. Corrêa de Oliveira 1960 in Brasilien gründete, wobei im Laufe der Zeit Tochtergesellschaften in vielen Ländern der Welt entstanden sind.

Widerstand gegen jeden Totalitarismus

Das wichtigste Buch des katholischen Gelehrten trägt den Titel „Revolution und Gegenrevolution“. Unter „Gegenrevolution“ ist der friedliche, aber entschiedene Einsatz katholischer Christen gegen die Feinde der Kirche zu verstehen, vor allem gegen den gottlosen Totalitarismus, wie er sich politisch vor allem im Nationalsozialismus und im Kommunismus zeigte. Für jeden rechts staatlich denkenden Menschen sollte der „antitotalitäre Konsens“ selbstverständlich sein, doch viele Zeitgenossen erliegen der Faszination politischer Ideologien. Dabei steht auch die „68er Ideologie“ unter neomarxistischem Einfluss, ebenso jener Linkskatholizismus, wie er sich in Brasilien und allgemein in Lateinamerika unter dem Dach einer „Theologie der Befreiung“ (fehl)entwickelte.

Auf geschickte Weise beginnt der Autor seine „biographische Skizze“ nicht in üblicher Manier mit Kindheit und Jugend des Porträtierten, sondern mit einem politisch entscheidenden Höhepunkt im Leben und Wirken von Prof. Corrêa de Oliveira:
Unter dem Titel „São Paulo im Juni 1990“ berichtet er von dessen Unterschriftenaktion für die Unabhängigkeit Litauens, die weltweit über 5 Millionen Unterzeichner erhielt, was internationale Beachtung fand und zu einem Eintrag ins „Guinness-Buch der Rekorde“ führte. Das katholisch geprägte Litauen wurde 1940 von Sowjetrussland erobert. 1941 besetzte die deutsche Wehrmacht das Land, 1944 wurde es von Stalin zurückerobert. Dem roten Schrecken folgte der braune und dann wieder der rote Terror. Im März 1990 - die innerdeutsche Mauer war bereits seit fünf Monate gefallen - versuchte Litauen, sich von der sowjetischen Herrschaft zu befreien.
Doch der noch kommunistische Staatspräsident Gorbatschow, der viel von Demokratie und Freiheit, „Glasnost“ und „Perestroika“ sprach, bevorzugte in diesem Falle die geballte Macht der Panzer. Als er den Unabhängigkeitsdrang der Litauer im Januar 1991 mit Gewalt beendete (was zu 14 Toten und tausenden Verletzten führte), empörte sich die Weltöffentlichkeit, so dass Gorbatschow die Panzer zurückrief. Danach kam es auch zu Unabhängigkeitserklärungen der anderen baltischen Länder (Lettland, Estland), was zum weiteren Zerfall des Vielvölker-Imperiums Sowjetunion führte und· damit das Ende - genauer: die Implosion - des Ostblock-Kommunismus einläutete.
Die Aufsehen erregende Solidaritäts-Aktion des brasilianischen Publizisten de Oliveira zugunsten der Freiheit Litauens war nur deshalb möglich, weil er in den Jahrzehnten zuvor bereits eine wirksame katholische Laienbewegung aufbaute und über vielfältige internationale Kontakte verfügte. Auch dieser Erfolg war ihm nicht in den Schoß gefallen, sondern die Frucht großer Beharrlichkeit und „Frustrationstoleranz“. Dabei war ihm zeitlebens die religiöse und charakterliche Prägung wichtig, die er von seiner Mutter Lucilia Ribeiro dos Santos erhielt.
Sowohl sie wie ihr Mann stammten aus einer alten aristokratischen Familie, die monarchistisch gesinnt war und die im Kaiserreich (das schon 20 Jahre vor der Geburt Plinios gestürzt wurde) führende Stellungen einnahm. Sein Großonkel war Präsident des Ministerrats und bereitete 1888 während der Regentschaft der Prinzessin Isabella das Gesetz zur Abschaffung der Sklaverei vor.

Deutscher Einfluss und „französische Erziehung“

Plinios Vater João Paulo Corrêa de Oliveira lebte zwar sittsam, war aber religiös eher gleichgültig, doch ließ er seiner Frau volle Freiheit in der Erziehung der bei den Kinder Plinio und Rosenda. Deren tiefe Frömmigkeit war durchaus nicht selbstverständlich für die brasilianische Oberschicht, die stark vom atheistischen französischen Positivismus und einem materialistischen Fortschrittsdenken geprägt war. Ein Teil der Verwandtschaft hing antikatholischen Ideen an; einige waren sogar, wie der Biograph berichtet, „Mitglied einer Freimaurerloge, um ihre Karrierechancen aufzubessern“ (S. 20). Dabei beschränkt sich dieser kritische Befund nicht auf den weiteren Familienkreis. Mathias von Gersdorff schreibt weiter, diese nicht-katholische, liberale Gruppe sei „innerhalb der Aristokratie zahlenmäßig die stärkere und außerdem wesentlichen besser organisiert“ gewesen.
Fräulein Mathilde Heldmann
Seine klar katholische Ausrichtung und Charakterstärke hatte Plinio Corrêa de Oliveira aber nicht allein seiner Mutter zu verdanken, sondern auch der „deutschen Erziehung“ der Gouvernannte Mathilde Heldmann aus Regensburg. Dank ihr lernte der Knabe nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch die Überwindung jener Trägheit, „die vielen Brasilianern eigen ist“ (S. 20).
Die Mutter wünschte, dass der Junge und seine Schwester erst mit deutschem Einfluss aufwachsen und dann eine „Erziehung im französischen Stil“ erhalten sollten, was dazu rührte, dass Plinio in einer elitäre Jesuitenschule kam, in der jedoch „alles andere als eine katholische Gesinnung herrschte“ (S. 21). Offenbar waren die Geistlichen nicht in der Lage, die Sprösslinge, welche vielfach aus der positivistisch geprägten Oberschicht stammten, sittlich ausreichend zu disziplinieren und religiös zu formen. Für Plinio war es aber ein Trost, dass es im Jesuitenkolleg wenigstens eine Kapelle mit dem allerheiligsten Altarsakrament gab, wo er sich Kraft für den aufreibenden Alltag unter so vielen Andersdenkenden holen konnte. Diese „innere Abhärtung“ prägte ihn in seinem späteren aktiven Wirken als katholischer Organisator, Politiker, Journalist und Buchautor.
Wie der Verfasser ausführt, fand der atheistische Positivismus besonders in Frankreich starke Verbreitung. Da Brasilien unter französischem Einfluss stand, war vor allem die Elite des Landes dafür empfänglich, auch „aufgrund der starken Präsenz der Freimaurerei“ (S. 24). Matthias von Gersdorff schreibt weiter:
„Das positivistische Motto ,Ordem e Progresso‘ (Ordnung und Fortschritt) wurde sogar in die Flagge Brasiliens eingefügt. Der Positivismus gewann insbesondere in den führenden gesellschaftlichen Schichten an Einfluss und konnte so große ideologische, politische und wirtschaftliche Macht entfalten. Dies führte zu einem großen gesellschaftlichen und politischen Widerspruch: Das fast ausschließlich katholische Land wurde von einer atheistischen Oberschicht regiert.“
Dies galt ähnlich auch unter späteren politischen Verhältnissen, etwa in linkssozialistischen Republiken. Eine unhaltbar Situation, die von katholischer Seite nicht gleichgültig hingenommen werden durfte. Gottlob gab es klarsichtige und couragierte Streiter für die katholischen Anliegen und Ideale: „Gegen diesen Zustand begann sich um 1916 eine Reaktion zu bilden, die schließlich in einem von Plinio Corrêa de Oliveira angeführten politischen und gegenrevolutionären Katholizismus Form annehmen würde“ (S. 24).
Von dem jahrzehntelangen, unermüdlichen Einsatz diese kämpferisch aktiven Gelehrten für eine christliche Kultur und Zivilisation, von seinem unbeugsamen Eintreten für die katholische Glaubens- und Sittenlehre gegen alle Widerstände (auch aus innerkirchlichen Kreisen), seiner Ablehnung linkssozialistischer Ideologien und Experimente einschließlich einer marxistisch beeinflussten „Theologie der Befreiung“ berichtet diese fundierte Biographie, die zugleich viele lehrreiche Informationen über die neuere Geschichte Brasiliens (besonders im 19. und 20. Jahrhundert) enthält, aber auch aufschlussreiche Kenntnisse über die Situation der katholischen Kirche in diesem bevölkerungsreichen Land vermittelt.
Prof. Corrêa de Oliveira war zweifellos ein „Mann der Tat“, auch als Politiker, Gründer kirchentreuer Organisationen und Präsident der „Katholischen Aktion“; er war aber auch ein Mensch des Gebets, ein tiefgläubiger Katholik mit einer starken eucharistischen Frömmigkeit und innigen Verehrung der Gottesmutter, die nicht zuletzt von der „Marianischen Kongregation“ geprägt war. Kardinal Walter Brandmüller schreibt daher zu Recht in einem Brief an den Biographen: „Ihre Schrift macht auch dem Leser zugänglich, mit welcher Gesinnung Corrêa de Oliveira ans Werk ging: Treu dem katholischen Lehramt uni stets im Vertrauen in die Vorsehung Gottes und in die immerwährende Hilfe der Jungfrau Maria.“ - Kardinal Raymond L. Burke äußert sich in einem Glückwunschschreiben an Mathias von Gersdorff ähnlich positiv über diesen „großen brasilianischen katholischen Laien“, weil dieser „ein Vorbild für uns in diesen schwierigen Zeiten im Leben der Kirche“ sei.
Professor Plinio Corrêa de Oliveira sowie sein klarsichtiges Denken und konsequentes Handeln sollten nicht in Vergessenheit geraten. Dieser „Kreuzritter des 20. Jahrhunderts“ bewährte sich als hervorragender Laienapostel und als Diener des Ewigen.

Felizitas Küble
Schlesienstr. 32, 48167 Münster
felizitas. kueble@web.de

 in „Theologisches“ Nov./Dez. 2015 S. 580-584
Die Fotos wurden an dieser Stelle hinzugefügt

Sonntag, 29. November 2015

Das Verhalten der Menschen zur Fatimabotschaft

Die verschuldete Lauheit mit der die Menschheit die Botschaft von Fatima aufgenommen hat

Heute, der 13. Oktober, ist der Tag der sechsten Erscheinung der Muttergottes in Fatima. Manche Themen sind uns so familiär und liegen uns so nah am Herzen und schon so oft haben wir darüber gesprochen, dass wir über sie eigentlich nicht mehr viel zu sagen haben. Trotzdem wäre es absurd, wenn der 13. Oktober vorüber gehen würde, ohne dass wir unsere Aufmerksamkeit einen Augenblick dem Thema Fatima widmen.
Deshalb werde ich diesmal nicht die Botschaft der Muttergottes kommentieren, sondern eher die Haltung und Einstellung der Welt zu dieser Botschaft.

* Die Muttergottes dokumentiert ihre Botschaft auf zwei Arten:

1. Sie beauftragt total unfähige Hirtenkinder, ihre Botschaft zu verbreiten.
Analysieren wir den konkreten Fall: Die Muttergottes erscheint in Fatima und übermittelt diesen drei Kindern eine Botschaft. Sie dokumentiert deren Echtheit in doppelter Weise.
Zunächst vertraut sie diese Botschaft Hirtenkindern an, die ganz unfähig sind, von sich selbst zu verstehen, was sie ihnen sagt und Dinge wiederholen, die durchaus Sinn machen. Es ist ja leicht zu verstehen, wie Kinder, die in einem entlegensten Bergwinkel Portugals oder in irgendeinen ähnlichen Ort auf der Welt leben, ungebildet sein können.
Es waren dermaßen ungebildete Kinder, die noch nicht einmal wussten, was ein Papst ist. Als sie immer wiederholten, man solle dem Papst dies oder jenes übermitteln, fragte eines von ihnen: „Aber, was ist denn der Papst?“ Sie wussten es nicht, wiederholten aber immer genau und richtig das Wort Papst.
Dann berichteten sie auch wiederholt Sachen im richtigen Zusammenhang — lange und komplexe Botschaften — und widersprachen sich nicht, selbst wenn sie unter Druck gesetzt wurden oder sich den brutalen Fragen in Polizeigewahrsam Rede und Antwort stehen mussten. Sie beharrten immer auf dieselben Antworten und Behauptungen.

2. Sie bewirkte das Sonnenwunder vor der versammelten Menschenmenge.
Auf der anderen Seite wirkte die Muttergottes ein Wunder, das den dort versammelten Menschen und selbst Menschen, die sich weit entfernt vom Erscheinungsort befanden, zeigte, dass etwas übernatürliches geschehen war. Das war der bekannte Tanz der Sonne, die farbige Lichtstrahlen verbreitete. Dies alles wurde von Menschen bestätigt, die weit von Fatima wohnten und gar nicht wussten, dass dies ein Zusammenhang mit einer Muttergotteserscheinung hatte.
Es gab also Wunder, die die Erscheinung dokumentierten. Doch was mich sehr aufmerksam machte über die Art, wie die Welt diese Ereignisse zur Kenntnis nahm, ist nicht nur ihre Ungläubigkeit gegenüber diesen Geschehnissen, sondern etwas anderes: In den vielen guten Büchern, über Fatima kann ich mich nicht erinnern, folgenden Kommentar gelesen zu haben: Dass die Botschaft an sich, unabhängig von allen außergewöhnlichen und wunderartigen Begleiterscheinungen, nur durch ihren reinen Inhalt alle Gründe besaß, um anzunehmen, sie sei wahrhaftig und echt.
Denn theologisch gesehen, musste ja ungefähr so etwas geschehen. Das heißt, die damalige Welt war mit Gewissheit schon in eine Situation der schweren Sünde verfallen.
Wer nur ein wenig den Katechismus kennt, ein wenig über Sitten Bescheid weiß, der konnte nicht daran zweifeln, dass sich die Welt in einem Zustand der schweren Sünden befand und dass dieser Prozess der Sünde eine so große Dynamik entwickelte, dass man ahnen konnte, wohin er führen würde.
Es war sicher, dass die Sünde sich zu einem Höhepunkt hin bewegte und, die Strafe ebenso einen Höhenpunkt erreichen würde. Es ist also theologisch gesehen, selbst nach elementaren theologischen Überlegungen, schon eindeutig, dass man die Gewissheit bekam: Wenn die Menschheit sich nicht bekehrt, müsse eine Strafe auf sie herabkommen.
Es wäre auch natürlich, dass der Kommunismus diese Strafe sein würde, denn da er ist der letzte Auswuchs der Sünde und die Sünde ruft die Strafe des Sünders hervor. Es wäre ja folgerichtig, dass der Kommunismus die Geißel der Welt sein würde.
Mit ein wenig Geschichtstheologie also, hätte man diese wunderbare Folgerung  sehen können, dass die Botschaft, die diese Kinder wiedergaben, ganz dem entsprach, was ein echter Glaubensmensch, ein Analytiker, mit einigen Grundkenntnissen der Geschehnisse der damaligen Zeit, hätte folgern müssen.
Ich erinnere mich nicht, dieses Argument in irgendeinem Buch gelesen zu haben, obwohl es doch sehr klar und deutlich ist.
Zum besseren Verständnis werde ich mich einer technischen Sprache bedienen: für die Botschaft von Fatima gibt es innerliche und äußerliche Beweise.

* Die Verbundenheit der innerlichen und äußerlichen Beweise der Botschaft bescheinigen ihre Wahrhaftigkeit

Die äußerlichen Beweise der Botschaft sind Dinge, die nicht direkt die Botschaft betreffen. Zum Beispiel: 1. Obwohl die drei Hirtenkinder ungebildet waren, gab es bei ihren vielen Aussagen keine Widersprüche. 2. Alle drei hielten immer und zu jeder Zeit die Echtheit der Botschaft mit Überzeugung aufrecht; selbst wenn sie mit dem Tod bedroht wurden, um die erhaltene Botschaft zu widerrufen, blieben sie standhaft; 3. Jacinta sagte ihren eigenen Tod voraus, wie er dann auch wirklich eintrat. Das sind alles äußerliche Merkmale der Botschaft, die in ihrem Wortlaut nicht vorkommen, beweisen aber deren Echtheit.
Andere äußerliche Ereignisse bestätigen ebenfalls die Echtheit der Botschaft, wie zum Beispiel das Sonnenwunder und andere Begleitmerkmale.
Das sind die äußerlichen Beweise. Wenn wir nun den Inhalt der Botschaft, ihren Sinn und ihre Bedeutung analysieren, dann haben wir die innerlichen Beweise, das heißt, die Botschaft an sich und nicht all ihre Begleitmerkmale.
Analysieren wir also den Inhalt der Botschaft, müssen wir folgendes in Betracht ziehen: Die Kinder gaben etwas weiter, was sie von der Muttergottes gehört hatten, doch etwas, was ein gläubiger Mensch, mit einer tieferen Sicht der Weltereignisse, ebenfalls denken müsste.
Wer die damalige Lage der Welt kannte und sie mit den Vorgaben des Glaubens analysieren würde, der käme zu der Schlussfolgerung, dass die Ereignisse sich so entwickeln würden, wie sie in der Botschaft beschrieben sind,  wozu aber die Kinder überhaupt nicht fähig waren, sie zu erfinden.
Hier ist also der Punkt: die Kinder gaben eine in sich weise und wahrhaftige Mitteilung weiter, von einer Weisheit und einem Inhaltsreichtum, die bei weitem ihre Fähigkeit übertraf, ihre eigene Umgebung theologisch-kritisch zu betrachten. Das heißt, die Botschaft war in sich, in ihrem Wesen echt und wahrhaftig.
Wer also in der damaligen Zeit die Welt im Lichte meines Buches Revolution und Gegenrevolution betrachtete, würde sehen, dass der Abfall der Menschen zu diesem exakten Punkt hinführen würde, zumindest was den schmerzlichsten Teil der Botschaft betrifft, der Ankündigung der Strafen.
Die Botschaft beinhaltet Strafandrohungen und weist dann auf eine Lösung hin.
Ich sagte also, dass ich mich nicht erinnern kann, dass jemand dieses Argument der innerlichen Wahrhaftigkeit der Botschaft angeführt hätte. Ich möchte gleich noch auf folgende Frage eine Antwort geben: „Was bedeutet das Schweigen der Kommentatoren unter diesem Aspekt?“

* Die Mittel, auf die die Muttergottes hinweist, um den in der Botschaft vorhergesagten Strafen zu entgehen: Buße und Weihe an sie

Bevor ich über die Kommentatoren spreche, möchte ich einen anderen Aspekt der Botschaft beleuchten. Wenn wir die Botschaft auf das Gerüst reduzieren, auf das sie sich aufbaut, besteht sie in: 1. einer theologischen Beschreibung mit den Augen des Glaubens der Sünden der damaligen Zeit; 2. einer Ankündigung einer Strafe; 3. einem Hinweis auf die Mittel, um der Strafe zu entgehen. Dies sind die drei Elemente der Botschaft.
Was die Mittel zur Vermeidung der Strafe betrifft, ist die Botschaft sehr deutlich, und vernünftig für jeden, der Glauben hat, denn das erste, um was die Botschaft bittet, ist Buße. Das zweite ist die Weihe an die Muttergottes.
Analysieren wir zunächst im Lichte des Glaubens die Mittel, um die Strafe zu verhindern. Wenn jemand seiner Sünden wegen bestraft werden soll, besteht die Abwendung der Strafe zu allererst in der Vermeidung der Sünde. Das ist klar und bedarf keiner weiteren Erklärung.
Wenn also die Welt bestraft werden und noch größere Strafen erleiden soll wegen der in der Fatimabotschaft beschriebenen Sünden, besteht die Abwendung der Strafe in der Aufgabe der Sünden und in der Umkehr. Das ist ebenfalls klar.
Nun die zweite Bedingung: die Weihe der Welt an Maria.
Es ist einleuchtend, dass es für denjenigen, der gesündigt hat und eine Strafe verdient, nicht ausreicht, sich zu ändern, denn er kann die Strafe trotzdem noch bekommen. Es ist etwa so wie ein Schüler, der seinen Lehrer beleidigt hat, der Lehrer aber nicht sofort zur Strafe greift, sondern erst zwei Tage später. Der Schüler kann nicht sagen, dass er sich doch in den letzten Tagen gut betragen hat. Denn der Lehrer wird ihm sagen: „Ich hatte meine Gründe, dich an jenem Tag nicht zu bestrafen, jetzt aber bekommst du die verdiente Strafe nachgezahlt, denn du hast gesündigt.“
Das heißt, eine Änderung kann erreichen, dass die Strafe nicht härter wird. Sie kann auch, durch die Barmherzigkeit Gottes, Gott dazu verleiten, nicht zu bestrafen. Von sich aus bewirkt aber eine Besserung nicht die Aufhebung der Strafe. Dazu ist ein Akt der Barmherzigkeit nötig.
Wer kann aber Barmherzigkeit erfahren, wenn er nicht die Mutter der Barmherzigkeit anfleht, die ausgesprochene Pforte der Barmherzigkeit? Maria ist die eigentliche Pforte der Barmherzigkeit, die Pforte des Himmels. Es ist also höchst theologisch, dass Gott der Welt gesagt hat: hört auf zu sündigen und sucht Zuflucht bei meiner Mutter, dass die Muttergottes der Welt gesagt hat: hört auf zu sündigen und kommt zu mir, ich werde euch die Aufhebung der Strafe erreichen.
Auf welche Weise Zuflucht suchen? „Indem ihr euch mir weiht. Vereint euch mit mir, gebt euch ganz mir und ich werde die Strafe aussetzen.“  Es gibt nichts Vernünftigeres als dies. Die Botschaft hat also alle Voraussetzungen eines großen Katechismus oder selbst eines Traktates der Theologie, dermaßen entspricht sie der Vernunft.
Wir können uns nicht vorstellen, dass sehr ungebildete Kinder mit ihren Fantasien so vernünftige Gedankengänge von sich geben könnten. Das beweist also auch, dass die Botschaft von ihrem Wesen her echt ist.
Was aber meine Aufmerksamkeit anregt, ist vor allem der Teil der Botschaft, der sich auf die Strafe bezieht. So viel ich mich erinnere, hüllen sich die Kommentatoren darüber im Schweigen. Warum? Weil die Menschheit sich schwer tat mit dem Teil der Botschaft über Schuld und Strafe. Die Menschheit empfing die Botschaft von Fatima mit Hochmut. Die Botschaft verlangte jedoch ein Akt der Demut, verlangte von den Menschen damals und heute, dass sie bekennen: „Wir haben gesündigt, wir sind schlecht gewandelt.“
Da also die Botschaft von den Menschen eine Umkehr verlangte und die Herz- und Sittenlosigkeit, in die sie verfallen waren, zu verlassen forderte,  konnte sich die Menschheit mit dieser Botschaft nicht anfreunden. So gab es weltweit eine globale Ablehnung der Fatimabotschaft.

* Die Hierarchie verschloss die Ohren für die Prophezeiungen von Fatima

Diese Ablehnung stellen wir zuallererst in der Kirchenhierarchie fest. Sie hätte diese Botschaft weit und breit predigen sollen.
Wie wirkt sich hier die Strafe aus? Indem wir sehen, wie sich unzählbare Mitglieder der katholischen Hierarchie vor dem Kommunismus passiv verhalten; wie eine weitere beträchtliche Anzahl von Geistlichen gar den Vormarsch des Kommunismus begünstigt; und wie sich  ein kleiner aber beachtlicher Teil der Hierarchie aktiv dafür einsetzt, um den Kommunismus hier und da einzuführen. Und das ist schrecklich: Die Hierarchie verschloss die Ohren für die Voraussagen oder die Prophezeiungen von Fatima und das Ergebnis ist, dass sie so tief gefallen ist und selbst Teil der Strafe ist. Die Hierarchie, die zum Heil der Menschen da ist, wird zur Strafe der Völker. Die Sünde der Gleichgültigkeit wird den Menschen zum Verhängnis. Es ist erschütternd!

* Die weltlichen Klassen

Die weltlichen Klassen, die die Menschen besonders zur Sünde führten, waren zwei:
Erstens die Intelligenzija und zweitens das reiche Bürgertum, die Bourgeoisie, durch ihr schlechtes Beispiel im Lebenswandel und im Gebrauch des Geldes, das sie zur Verbreitung der Werke der schlechten Intellektuellen zur Verfügung stellte.
Es war die Verbundenheit dieser zwei Stände: Revolution in den Tendenzen, das reiche Bürgertum; Revolution in den Ideen, die Intelligenzija. Diese beiden Strömungen führten die Welt in die Sünde.
Was geschieht? Das Bürgertum und die Intellektuellen ergeben sich mehr und mehr dem Kommunismus. In großer Zahl verwandelten sie sich selbst in die bevorstehende Strafe, die sie nicht haben sehen wollen.
Das Gedankengut fast aller Intellektuellen, wenn sie nicht Kommunisten sind, favorisiert doch in einer oder anderer Weise den Kommunismus und führt hin zum Kommunismus. Und da haben wir die Klasse der Intellektuellen als die Vollführer der Strafe, die sie selbst nicht haben sehen wollen.
Über das Bürgertum brauche ich gar nicht zu sprechen. Es leidet an der Strafe, indem es selbst das Bein des Stuhles durchsägt, auf dem es sitzt, und Reste des Sessels gegen die schleudert, die es eigentlich retten wollen.
Es ist ein wahrer Greuel. Es sind solche furchtbare Greuel, die schlimmer sind als blind, taub, stumm, behindert oder alles andere zu werden, weil es eine Blindheit, eine Taubheit, eine Behinderung des Geistes ist.
Da haben wir nun diese fürchterliche Situation: Diejenigen, die zum Führen und zum Retten eingesetzt worden sind, führen und retten nicht mehr, sondern führen in die Irre und vernichten ihre eigenen Interessen.

* Der Geist der Botschaft von Fatima wurde mit Lauheit empfangen

Betrachten wir nun die Masse der Menschheit: es ist auch wahr, dass die Masse der Menschen, selbst unter den Gläubigen, die Botschaft von Fatima mit Lauheit empfangen hat. Den Beweis dafür sehen wir an den wenigen Fatima geweihten Kirchen, an den Fatimastatuen und an den Fatimagebetbüchern. Wir stellen eine Ablehnung fest. Warum diese Ablehnung? Hochmut!
Die Menschen wollten nicht einsehen, dass sie gesündigt hatten. Sie klopften nicht an die Brust und wollten nicht einsehen, dass sie gestraft werden konnten. Als die Strafe kam, erkannten sie nicht, dass es eine Strafe war und straften letztlich sich selbst. Sie wurden zu Vollstreckern der eigenen Strafe, ihre eigenen Henker.
Nebenbei möchte ich auch das ganze Kapitel um das dritte Geheimnis, das die Muttergottes den Hirtenkindern geoffenbart hat und 1962 preisgegeben werden sollte. Man sagt es sei verschwunden, so dass ein Papst, selbst wenn er es wollte, könnte er es gar nicht veröffentlichen. Und dabei bleibt es. (Anm. des Übersetzers: das war der Stand der Dinge im Jahr 1970)
Das ist mein Kommentar wie die Welt die Fatimabotschaft empfangen hat.
Jemand könnte einwenden: „Aber die Botschaft von Fatima ist ja nicht nur dies, sondern sie spricht ja auch über die Bekehrung Russlands und auf der anderen Seite, dass Russland seine Irrtümer über die Welt verbreiten wird.“
Das ist einer der schönsten Aspekte der Botschaft: als die Kinder sie weitergaben, war das Zarentum noch nicht gestürzt, das heißt, es handelte sich wirklich um eine Prophezeiung; sie prophezeiten, dass Russland einem Irrtum verfallen und diesen über die ganze Welt verbreiten würde.
Es ist eindeutig, dass es sich nicht um den griechisch-schismatischen Irrtum handelte, einen toten und fossilen Irrtum. Welcher Irrtum könnte es nur sein? Der Irrtum des Kommunismus.

Aus einem Vortrag am 13. Oktober 1970.

Friede, Friede ... aber welcher Friede?

Plinio Correa de Oliveira 

„Opus justitiae pax“: Gerechtigkeit schafft Frieden.
Zum Frieden gibt es zwei grundverschiedene Haltungen, die leider immer wieder verwechselt werden:
1. Die Haltung der Kirche, die den Frieden für ein unschätzbares Gut hält, den Krieg aber in gewissen Fällen als ein Recht und in anderen bestimmten Fällen sogar als eine heilige Pflicht ansieht;
2. Die Haltung der radikalen Pazifisten, die den Krieg für ein unerträgliches Übel halten und deshalb den Frieden für ein Gut ansehen, das um jeden Preis erhalten bleiben muss.
(…)
Über die Rechtmäßigkeit des Krieges führten wir zwei klassische Beispiele an: das eine ist, das der legitimen Verteidigung; das andere, das des heiligen Krieges. Im Fall der rechtmäßigen Verteidigung ist der Krieg ein unbestreitbares Recht. Im Fall des heiligen Krieges besteht nicht nur ein Recht, sondern eine Pflicht ihn zu führen.
Dies sind die Grundsätze der katholischen Lehre. Sie entstammen einem Gedanken des hl. Augustinus. So sagt der große Kirchenlehrer, dass, im Gegensatz zur allgemeinen Meinung seiner Zeit, die größten Übel des Krieges nicht in der Verstümmelung oder in der Zerstörung vergänglicher Leiber, die über kurz oder lang eines Tages im Schoße der Erde, im bescheidenen Schatten eines Grabes verwesen werden. Das große Übel des Krieges, das größte aller Übel, besteht in der durch ihn hervorgerufenen Beleidigung Gottes. Denn man kann sich keine Auseinandersetzung vorstellen, in der beide Seiten unschuldig sind. Eine Seite wird zumindest schuldig sein. Die Beleidigung, die durch die Ungerechtigkeit des Aggressors Gott zugefügt wird, ist im Grunde ein größeres Übel, das ein Krieg hervorrufen kann.
Wenn also die Gottesbeleidigung durch eine ungerechte Aggression groß ist, was soll man von dem Affront sagen, die er durch den Sieg des Angreifers erleidet und die Umwandlung der Ungerechtigkeit in eine beständige und dauerhafte Ordnung der Dinge, die eine bleibende Schmähung der göttlichen Majestät darstellt? Ein Friede, der zur Folge hätte, den Krieg zu verhindern und eine friedliche und unblutige Vollendung der Ungerechtigkeit zu erlauben, wenn diese jedoch durch Waffengewalt hätte verhindert werden können, dieser Friede wäre eine überaus große Ungerechtigkeit in den Augen Gottes und die Überlebenden des besiegten Volkes, die sich nicht mit dem elendlichen Unglück abfinden können, würden mit dem gleichen ungestümen Pathos um Rache schreien wie das Blut des unschuldigen Abel.
Anzunehmen also, dass ein Krieg um jeden Preis verhindert werden muss, wenn auch der so erreichte Frieden die Auflösung ganzer Völker bedeuten würde und die Ungerechtigkeit als das oberste Prinzip der internationalen Ordnung das Feld beherrscht, ist nichts anderes als die katholische Lehre in ausdrücklichster Weise zu widersprechen.
(…)
Niemand hat Schwierigkeiten zu verstehen, dass die Kirche etliche Kreuzzüge gegen den Islam gepredigt hat, als dieser das Grab Unseres Herrn Jesus Christus und die freie Ausübung der Religion der dort lebenden christlichen Bevölkerung bedrohte.

Quelle: Auszüge aus "A posição do Vaticano" (Die Stellung des Vatikan), in Legionário, Nr. 368 vom 1.10.1939, Freie Übersetzung.

Mittwoch, 25. November 2015

Maria ist die Hoffnung der Schuldigen

Maria ist die Hoffnung der Schuldigen

Sie erhört uns, nicht weil wir gut sind, 
sondern weil SIE gut ist

Diese Anrufung der Muttergottes als die Hoffnung der Schuldigen, scheint mir analog zu sein zu der Anrufung aus der Muttergotteslitanei „Zuflucht der Sünder“ und für uns eine besondere Bedeutung zu haben.
Denn in der Tat, um der Muttergottes zu vertrauen, ist es nicht notwendig, dass man etwas Gutes getan hat. Es ist falsch folgendermaßen zu denken: ich habe etwas verschuldet, doch hatte ich auch gutes in mir, deshalb wird die Muttergottes schon Mitleid haben und mich von meiner Schuld befreien. So ist das nicht.
Maria ist die Zuflucht und die Hoffnung der Schuldbeladenen, aller Schuldigen, sei die Schuld auch noch so schlimm und elendig. Wenn es in mir auch nichts Taugliches gibt, sie ist immer meine Hoffnung.
Der wichtigste Grund warum Maria uns zur Hilfe kommt, ist nicht weil es in uns etwas Gutes gibt, sondern wegen des Guten was in ihr ist. Deshalb hat sie Mitleid mit uns, weil sie gütig ist und nicht weil sie in uns etwas Gutes gefunden hat. Ihrer Güte wegen entschließt sie sich, uns beizustehen und zu helfen.
Wenn wir also beim Beten uns daran erinnern würden, würden wir auch mehr Mut zum Beten finden. Es ist genau das, was vielen Menschen das Beten verleidet: der Gedanke, dass unsere Gebet nichts wert sind. Die Person denkt: letztendlich, wenn ich ein Blick in mein Inneres werfe, sehe ich was ich bin und werde total entmutigt; es lohnt nicht, dass ich bete.
Das ist nicht wahr. Wenn ich schuldig bin, dann ist Maria für mich der richtige Platz. Sie ist die Hoffnung der Schuldigen.
Das ist in Kürze die Betrachtung für den heutigen Tag.

Freie Übersetzung Auszug aus Santo do Dia – 11.9.1969


Dienstag, 24. November 2015

Das Wochenblatt „Legionário“

„Der Legionário ist zum Kampfe geboren“

„Der Legionário ist zum Kampfe geboren.“ (150)
Von 1933 bis 1947 erhob die mutige und oftmals einsame Stimme des von Plinio Corrêa de Oliveira geleiteten Legionário die Fahne der Kirche und der christlichen Zivilisation gegen den modernen Totalitarismus jeder Prägung und Abart. Die Haltung der Zeitschrift wurde von ihm selbst so zusammengefasst:
„ Vor allem gilt unsere Liebe stets dem Heiligen Vater. Kein Papstwort haben wir je unveröffentlicht, unerklärt, unverteidigt gelassen. Wo immer ein Interesse des Heiligen Stuhles bestand, haben wir dies mit allem Eifer eingefordert. In unseren Worten ist, Gott sei Dank, kein Begriff, keine Nuance zu finden, die auch nur in einem Komma, in einer Zeile vom Lehramt Petri abweichen würde. Auf der ganzen Linien waren wir Männer der Hierarchie, deren Vorrechte wir mit aller Inbrunst gegen die Lehren jener verteidigen, die dem Episkopat und dem Klerus die Leitung der katholischen Laien entreißen wollen. Kein Missverständnis, keine Verwirrung, kein Unwetter vermochten in dieser Hinsicht auf unserer Standarte auch nur den geringsten Fleck zu hinterlassen. Auf der ganzen Linie haben wir den Geist der Auswahl, der Seelenbildung, der Abtötung und des Bruchs mit den Schandtaten der Welt verteidigt. Gegen die grässlichen Exzesse des den Staat vergötternden Nationalismus, der Europa beherrschte, gegen den Nationalsozialismus, den Faschismus und alle ihre Abwandlungen, gegen den Liberalismus, den Sozialismus, den Kommunismus und die berühmte politique de la main tendue‘ haben wir für die Lehre der Kirche gekämpft. Niemand hat sich weltweit gegen die Kirche Gottes erhoben, ohne dass der Legionário (...) nicht dagegen Einspruch eingelegt hätte. Gleichzeitig haben wir nie unsere Pflicht aus den Augen verloren, mit allen Mitteln die Verehrung der Gottesmutter und des Allerheiligsten Altarsakraments zu fördern. Jede echt katholische Initiative konnte auf unsere ganze Begeisterung rechnen. Wer je an diese Tore klopfte und nichts als die größere Ehre Gottes im Sinn hatte, stieß hier stets auf Freundschaft und Schutz bietende Säulen. Wir haben in diesem Leben einen guten Kampf zu kämpfen.Erschöpft bluten wir aus allen Gliedern. Es war dieser Kampf, der uns ermüdete und uns verwundete. Als Entschädigung wagen wir nicht mehr zu erbitten, als die Vergebung all dessen, was es an diesem Werk, das eigentlich ganz und gar Gott gewidmet sein sollte, unvermeidlich auch an menschlichem Versagen zu finden ist.“ (151)
Zehn Jahre vor Kriegsausbruch hatte sich Plinio Corrêa de Oliveira in einem Brief an einen Freund wie folgt geäußert:
„Ich gewinne immer mehr den Eindruck, dass wir uns im Vorfeld einer Epoche voller Leid und Kampf befinden. Allerorts nimmt das Leiden der Kirche zu und das Kampfgeschehen rückt immer näher. Ich habe den Eindruck, dass sich am politischen Horizont dunkle Wolken zusammenziehen. Das Unwetter wird nicht lange auf sich warten lassen und ein Weltkrieg wird lediglich seine Einleitung sein. Dennoch wird der Krieg auf der ganzen Welt ein deartiges Durcheinander hervorrufen, dass an allen Ecken und Enden Revolutionen ausbrechen werden und die traurige Fäulnis des ‚20. Jahrhunderts‘ ihren Höhepunkt erreichen wird. Da werden dann die Mächte des Bösen, die wie Würmer erst in dem Augenblick erscheinen, in dem die Fäulnis am größten ist, auf den Plan treten. Der ganze ‚bas-fond‘ der Gesellschaft wird an die Oberfläche gespült und überall wird die Kirche verfolgt werden. Es heißt aber... et ego dico tibi quia tu es Petrus, et super hanc petram aedificabo Ecclesiam meam, et portae inferi non praevalebunt adversus Eam‘. Die Folge wird ‚un nouveau Moyen Age‘ oder aber das Ende der Welt sein“.(152)




150 Plinio CORRÊA DE OLIVEIRA, 365 dias em revista, in O Legionário Nr. 595 (1. Januar 1944).
151 Plinio CORRÊA DE OLIVEIRA, 17 anos, in O Legionário Nr. 616 (28. Mai 1944).
152 Zitiert bei J. S. CLÁ DIAS, Dona Lucília, loc. cit., Bd. II, S. 181.
--------------------------------------------------------------------------
Aus „Der Kreuzritter des 20. Jahrhunderts“, Roberto de Mattei, Herausgeber: TFP und DVCK e.V., 2004, S. 95.

Montag, 23. November 2015

Die königliche Würde der Jungfrau Maria:


Die königliche Würde der Jungfrau Maria:

Sie regiert das ganze Universum, weil es ihr zum regieren übergeben wurde
Letztendlich gibt es eine enge Beziehung zwischen alldem, was der hl. Ludwig Grignion von Montfort über Maria geschrieben hat und dem Gedanken ihrer königlichen Würde.
Schauen wir uns zunächst einmal an, was die Idee des Königtums Mariens bedeutet, um es dann mit dem, was der hl. Ludwig darüber gesagt hat, zu vergleichen.
Es gibt ein erstes Königtum Mariens und zwar ihr Königtum im Himmel. Diese königliche Würde besteht darin, dass sie über alle Engel des Himmels erhoben wurde, wonach sie eine wahre königliche Macht über alle Engel und Heilige ausübt. Wir dürfen das nicht folgendermaßen verstehen: Maria ist im Himmel so ungefähr wie eine Königin, wie wir sie auf Erden kennen, eine Königinmutter, die keine Autorität ausübt, aber als Mutter des Königs eine hervorgehobene Position am Hof genießt und Gegenstand allgemeiner Achtung ist.
Ganz anders sieht die königliche Würde der Muttergottes aus. Sie wurde nämlich von Gott eingesetzt als Königin der ganzen Schöpfung, so regiert sie das ganze Universum und auch die himmlischen Geister, die von Natur aus viel höher stehen als sie. Von Natur her, da sie ein menschliches Geschöpf ist, ist sie weniger als die Engel, dennoch wird sie von der Kirche in der Litanei angerufen als Königin der Engel, was sie auch effektiv ist, so dass die Engel ihr gehorchen, ihren Willen tun. Sie regiert auch die Welt der Engel, weil ihr das ganze Universum zum Regieren übergeben wurde.
Jemand könnte einwenden: was für ein Unterschied gibt es schon ob nun Maria oder Gott das Universum regiert, wenn sie schon alles nach dem Willen Gottes tut.
Da gibt es schon einen kleinen Unterschied. Ich habe mich darüber mit einem Theologen einmal Unterhalten und er gab mir Recht. Ich führte folgendes Beispiel an: Stellen wir uns einen Schuldirektor vor, der sich mit seinen Schülern zerworfen hat. Die Schüler sind undiszipliniert und rebellisch. Dem Direktor gelingt es seine Autorität durchzusetzen, und den Aufstand der Schüler zu beenden. Um aber die Lage zu entspannen, zieht er sich für eine Zeit zurück und übergibt die Leitung der Schule seiner Mutter. Durch die weibliche Milde und Güte gelingt es ihr, die Ruhe und das gegenseitige Verständnis wiederherzustellen und viele Wunden zu heilen. Mein Theologe meinte, dass das Beispiel der übernatürlichen Realität voll entspricht.

Freie Übersetzung Auszug aus Santo do Dia – 29.5.19
64

Samstag, 21. November 2015

Das Primat der Heiligkeit

Das Primat der Heiligkeit

Plinio Corrêa de Oliveira

Für mich ist es unbestreitbar, dass, wenn in unserer materialisierten und verdorbenen Zeit ein hl. Franz von Assisi wieder erscheinen würde, würde seine Persönlichkeit den Menschen weltweit viel definitiver und schneller imponieren als es je in vergangenen Zeiten der Fall gewesen wäre.
Sicher war das tugendhafte, von katholischem Geist tief durchdrungene Mittelalter, eher in der Lage den großen stigmatisierten von Assisi zu verstehen.
Man muss jedoch bedenken, dass durch den katholischen Geist selbst und seine Verbreitung unter allen sozialen Schichten, das Verlangen nach Tugend weniger stark war, weil die Seelen zum Teil von ihr gesättigt waren, als in den trostlosen Tagen, in denen wir heute leben.(1)
Der Mensch — sagte ein heidnischer Schriftsteller — ist ein gefallener Engel. Und je mehr auch in ihm die Laster und Fehler des Verfalls herrschen, spürt er in seinem Herzen, bewusst oder unbewusst, eine große Sehnsucht nach dem Himmel.
Erforscht man mit aller Vorsicht irgendein menschliches Herz, sei es das eines Heiligen, eines Weisen, eines Unwissenden oder eines Häftlings, wird man das Vorhandensein von mehr oder weniger tiefen Gefühlen, die sich nach einem großen Ideal von Reinheit und Heiligkeit sehnen.
Solange die christliche Zivilisation lebte, war das Leben geprägt von Selbstlosigkeiten, die zu einer allgemeinen Glückserfahrung beitrug.
Als der Katholizismus als höchster Regler der Beziehungen zwischen Menschen und Völker verstoßen wurde, verkam das Leben in Egoismen, die sich gegeneinander bekämpften. Daher der „homo homini lupus“ (2)
Der tierische Teil des Menschen kann zeitlich die Äußerungen seines englischen (geistlichen) Teils ersticken. Nie jedoch kann er sie radikal zerstören.
Und je mehr der Mensch unter seiner selbst fällt, wird er doch immer den unwiderstehlichen Einfluss der Heiligkeit wahrnehmen, der seine Leidenschaften dämpft und die Tyrannei der Laster abschwächt, so wie eine Musik des Orpheus die wilden Tiere zähmte.
Dies sind die Gedanken, zu denen mich das 25jährige Jubiläum von Msgr. Pedrosa als Pfarrer von Sta. Cäcilia anregen.
Die Kirche Sancta Caecilia
in São Paulo, 1947
Nie sah ich einen Mann, der über ein so großes Aktionsgebiet einen so gesunden und tiefen Einfluss ausübte.
Ich kenne Leute, die ihm tiefe Freundschaft und Verehrung erweisen, nach einem kurzen Kontakt im Beichtstuhl.
Andere wären bereit ihr Leben und ihr Vermögen zu opfern ohne selbst die Anwandlung einer Diskussion, wenn dieses Opfer ihnen von Monsignore auferlegt worden wäre.
Griechen und Trojaner, Gläubige und Ungläubige sind sich einig in der Feier seiner ungewöhnlichen Tugend.
Selbst Personen, die behaupteten überhaupt keine katholischen Überzeugungen in ihrem Innern zu haben, erweisen dem Pfarrer mit einem nicht erklärbaren Widerspruch ihre aufrichtigste Verehrung und erkennen in ihm die echte Personifizierung der Tugend.
Unter den vielen Kommentaren, die sich über den Pfarrer bei den gegenwärtigen Feierlichkeiten vernehmen lassen, wollte ich diesen merkwürdigen Aspekt seiner Tätigkeiten als Pfarrer hervorheben. Es ist eines der vielen Lehren seines unzerbrechlichen Seelenadels, die er uns gibt.
Sie bestätigt den unbestreitbaren Einfluss der Heiligkeit auf den Menschen.
Und es kommt mir in Erinnerung die Schlussfolgerung, die Tristão de Athayde in seinen Vorträgen über das Problem des Bürgertums setzte: Brasilien und die Welt brauchen keine Weisen und Helden; sie brauchen Heilige...

* * *
(1) Der Autor benutzt hier den Ausdruck „dürsten nach Tugend“ im Sinne des „Gefühls, dass es an Tugend mangelt“, das heute größer ist als im Mittelalter.
(2) „Der Mensch ist des Menschen Wolf“

Freie Übersetzung aus O „Legionário“  Nr. 96, 21.4.1932.
Originaltitel: „O primado da santidade“

Donnerstag, 19. November 2015

Optimismus, Pessimismus oder Realismus?

Unsere Hoffnung, sei gegrüßt

Plinio Corrêa de Oliveira

Optimismus, Pessimismus, Realismus: Welche Einstellung sollten wir haben vor den Ereignissen der Gegenwart? Bevor wir diese Frage beantworten, wollen wir zunächst einmal diesen Begriffen ihre wahre Bedeutung geben.
Im Grunde ist Realist, wer die Ereignisse so sieht wie sie sind.
Optimist wäre der, der durch einen Blickfehler sich alle Ereignisse freundlicher vorstellt, als sie es in der Realität sind. Der Pessimist sähe durch einen ähnlichen aber entgegengesetzten Fehler die Fakten düsterer, als sie sich eigentlich darstellen.
So wäre ein Arzt Realist, wenn er eine objektive und wahrheitsgemäße Vorstellung des gesundheitlichen Zustandes seines Patienten hätte. Ein optimistischer Arzt würde eine diagnostizierte Krankheit nicht als so ernsthaft einstufen, wie sie in Wirklichkeit ist; der pessimistische Arzt würde eine Krankheit als schlimmer beurteilen, als sie es tatsächlich ist.
Im normalen Sprachgebrauch aber, durch eine Anpassung an die Bedeutung dieser Wörter, werden sie in einem anderen Sinn angewendet. Wenn der Arzt, nachdem er seinen Patienten diagnostiziert hat, zum Ergebnis kommt, dass die Gesundheit des Patienten nicht ernsthaft gefährdet ist, sagt man „er ist optimistisch“ im Hinblick auf die Zukunft seines Patienten. Hier versteht man "Optimist" nicht im Sinne, dass der Arzt die Lage des Patienten besser einstuft, als sie ist, sondern, dass er wirklich Hoffnung auf Besserung hat. Wenn im Gegenteil der Krankheitsbefund objektiv ernsthaft ist, sagt man, der Arzt sei "pessimistisch" aus dem Sprechzimmer gekommen. Das bedeutet nicht, der Arzt habe den Zustand des Patienten schlimmer eingestuft, als er in Wirklichkeit ist, sondern, dass er die Lage des Patienten als ernsthaft angesehen hat und in der Folge einen nicht unbedingten Guten Ausgang haben wird.
Mit der Definition dieser verschiedenen Sinne der Wörter wird es leichter und bestimmender zu sagen, ob man Optimist, Pessimist oder Realist sein soll.
Natürlich sollte man auf jeden Fall realistisch sein. Wenn nämlich Realismus die genaue, objektive Sicht der Dinge ist, und im Gegenteil Optimismus und Pessimismus falsch sind, dann sollte man die Wahrheit dem Irrtum vorziehen. Wenn wir also von „gesundem Optimismus“ hören, kommt uns ein Lächeln über die Lippen: Wenn der Optimismus die freudige aber entstellte Sicht des Wahren ist, wie kann er dann „gesund“ sein? Wie kann eine Entstellung gesund sein?
Doch wird man sagen, dass der gesunde Optimismus darin besteht, die Dinge in ihren hellen Farben zu sehen, wenn sie tatsächlich hell sind. Dem stimmen wir zu, aber in diesem Fall sollte man nicht immer von einem „krankhaften Pessimismus“ sprechen. Es müsste für einen „gesunden Pessimismus“ dann aber auch ein Platz geben, der darin bestünde, die Dinge in ihren dunklen Farben zu sehen, wenn sie tatsächlich dunkel sind. Doch für diejenigen, die immer von einem „gesunden Optimismus“ sprechen, ist der Pessimismus unbedingt „krankhaft“. Und immer wenn man optimistisch ist, ist man „gesund“, und wenn man pessimistisch ist, ist man „krankhaft“. Die Möglichkeit eines „gesunden Pessimismus“ ist gerade etwas, was viele unter allen Unständen nicht wahrhaben wollen.
* * *
Zusammenfassend: Man sollte immer und unerbittlich Realist sein. Wenn die Realität gut ist, sollte man aus ihr optimistische Perspektiven vorhersehen, im guten Sinne des Wortes. Und wenn die Wirklichkeit schlecht ist, sollte man daraus pessimistische Prognosen voraussehen, ebenfalls im guten Sinne des Wortes. „Gesunder Optimismus“ und „gesunder Pessimismus“ sind nur dann angebrachte und vernünftige Ausdrücke, wenn sie sich immer und unerbittlich mit der „absoluten Realität“ identifizieren.
Dies vorausgesetzt, folgt der Frage, ob man bezüglich der Gegenwart optimistisch oder realistisch seil soll, eine andere: Rechtfertigt unsere Zeit gute oder schlechte Prognosen?
Das möchten wir nun behandeln.
* * *
Was schlecht ist, rechtfertigt schlechte Voraussagen und was gut ist, gute Voraussagen. Denn die Wirkung kann nicht Eigenschaften haben, die in der Urasche nicht vorhanden sind. Deshalb müssen wir uns fragen, ob die Dinge in unseren Tagen gut oder schlecht gehen.
Selbstverständlich gibt es heutzutage Gutes und Schlechtes wie in allen historischen Zeiten, selbst in den schlechtesten wie in den besten.
Wenn wir wissen wollen, was sich heutzutage hervorhebt, ob die Liebe Unseres Herrn Jesus Christus, oder der Geist der Welt, brauchen wir nur die Briefe des hl. Paulus aufzuschlagen.
Der Völkerapostel sagt, die Werke des Fleisches sind: „Unzucht, Unlauterkeit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Zank, Eifersucht, Gehässigkeiten, Hetzereien, Entzweiungen, Spaltungen, Missgünstigkeiten, (Totschlag), Trinkereien, Schwelgereien und was dergleichen ist“ (Gal 5,19-21).
Im Gegenteil sind die Früchte des Geistes: „Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Milde, Enthaltsamkeit (Keuschheit)“ (Gal 5, 22-23). Ich glaube, es erübrigt sich zu fragen, ob in unserem Jahrhundert die Werke des Fleisches oder die Früchte des Geistes vorherrschen.
Betrachten wir die Tatsache aus einem anderen Blickwinkel. Würden wir es wagen zu sagen, die Zivilisation unserer Tage sei vorrangig christlich? In diesem Fall müssten wir zugeben, dass der Sittenverfall, die Gewinnsucht, die Feindlichkeiten, die Kriege, die allgemein herrschende Unordnung eigenste und typische Früchte des Einflusses der Kirche sind. Wer sieht hier nicht eine blasphemische Behauptung? So ist es notgedrungen anzunehmen: Unsere Zivilisation besteht nicht aus den Früchten des Geistes Unseres Herrn Jesus Christus. Sie bringt die typischen Früchte der von der Finsternis beherrschten Zivilisationen hervor.
* * *
Was kann man davon erwarten? In einigen zehn Jahren mehr mit Kriegen, Zwietracht, Kämpfen unter Nationen und Klassen wo werden wir hinkommen? Wenn der Zerfall der Sitten wie bisher in zunehmender Geschwindigkeit vorangeht, wo werden wir in Sachen Tänze, Ausschnitte, Ungezwungenheit im Umgang unter den Geschlechtern in fünfzig Jahren sein?
Wenn man ernsthaft darüber nachdenkt, muss man annehmen, dass wir uns nur wenig Zeit vor einer Katastrophe befinden. Wenn es in der Welt auf diesem Gleis weitergeht, werden wir in nicht langer Zeit vor einer Finsternis der Kultur und Zivilisation stehen, wie damals beim Fall des Weströmischen Reiches.
In solch einer Welt, wie sieht die Zukunft der Kirche aus? Wird sie notgedrungen wieder für ein paar Jahrhunderte sich in Katakomben zurückziehen müssen? Wird sich die Zahl ihrer Gläubigen auf eine unbedeutende Minderheit zusammengeschrumpft haben?
* * *
Die Zukunft kennt nur Gott. Niemand dürfte sich überraschen, wenn die ganze Struktur der gegenwärtigen Zivilisation auf tosender und tragischer Weise in einem großen Blutbad in sich zusammenbrechen sollte. Es gibt aber einen Grund – und es nicht der einzige – zu hoffen, dass Gott es nicht zulassen wird, dass die Heilige Kirche für lange Zeit zurück in die Katakomben müsste. Denn es gibt inmitten der gegenwärtigen Verheerungen schon die Voraussicht eines Sieges: Die sozusagen fast schon sichtbare Einwirkung der Heiligsten Jungfrau auf Erden.
Seit Lourdes, seit Fatima bis in die heutigen Tage scheint man zu merken, dass je mehr die Krisen in der Welt wachsen, desto mehr vermehren sich die Eingriffe Unserer Lieben Frau. Die Muttergottesandacht wird nicht nur außerhalb der Kirche bekämpft, sondern – horribile dictu – auch in gewissen Kreisen, die man als katholisch vermutet. Dies ist aber nutzlos. Hie und dort sieht man wie Maria weiterhin Tausende und Abertausende Seelen an sich zieht und einen Erneuerungsplan entwickelt, der überzeugend zu einem großen und spektakulären Ausgang führen wird.
Alle Umstände scheinen angemessen, einen großen Triumph der Jungfrau herbeizuführen. Die Krise ist erschütternd. Sie nähert sich ihrem Gipfel. Die menschlichen Rettungsmittel liegen sozusagen ungebraucht danieder. Wir verdienen keine außerordentliche Gnade mehr, sondern nur Strafe für unsere Sünden. Alle Eigenschaften einer von menschlicher Sicht aus verlorenen Situation scheinen sich heute mehr und mehr anzuhäufen.
Wer könnte uns erretten? Nur jemand, der eine unbegrenzte Nachsicht uns gegenüber zeigt, die Nachsicht einer Mutter gegenüber ihrem Kind, eine grenzenlos gütige, großmütige, mitleidige Mutter. Doch diese Mutter müsste zugleich die mächtigste sein, mächtiger als alle Mächte der Welt, der Hölle und des Fleisches. Sie müsste selbst Gott gegenüber allmächtig sein, der mit Recht so erzürnt ist ob unserer Sünden. In dieser Situation uns zu retten, wäre der leuchtendste Ausdruck der Macht einer solchen Mutter.
Nun, eine solche Mutter haben wir! Sie ist unsere Mutter und Mutter Gottes. Wie kann man es nicht wahrnehmen, dass soviel Unglück, soviel Sünden den Eingriff Mariens nicht herbeirufen? Wie kann man es nicht wahrnehmen, dass Sie diesem Ruf nicht nachkommen wird?
Wann? Während der großen Katastrophe, die herannaht? Nach ihr? Wir wissen es nicht. Doch eines scheint absolut wahrscheinlich: Das Maria für die Kirche als Ausklang der Krise nicht eine Zeit voller Schmerz und Leiden vorbereitet, sondern eine Ära des universalen Triumphes.
* * *
So können wir in diesem Monat, der Maria geweiht ist, unsere Augen auf Sie gerichtet, mit aller Gelassenheit die Frage beantworten, ob man optimistisch oder pessimistisch sein soll: Ein gesunder Pessimismus sollte uns überzeugen, dass wir alles verdienen und dass wir wahrscheinlich viel, sehr viel leiden müssen; doch auch ein gesunder und übernatürlicher Optimismus sollte uns überzeugen, dass der Triumph der Kirche in den gegenwärtigen Schmerzen vorbereitet wird, durch die vollständige Vernichtung des Geistes dieser Welt. Dieser Pessimismus, dieser Optimismus verbinden sich zu einem gesunden Realismus, weil er eine große Realität in Betracht zieht, ohne die, jede Erfassung der menschlichen Probleme fehlerhaft ist: Die Vorsehung Mariens.


Freie Übersetzung aus Catolicismo Nr. 17 - Mai 1952
Originaltitel: „Spes nostra, salve“

Freitag, 6. November 2015

Das durchbohrte Herz Jesu

  

Das Schöne an diesem Kreuz ist, dass es eines der tragischsten, dramatischsten Aspekte des Leidens Unseres Herrn Jesus Christus hervorhebt: das aus seinen Wunden fließende Blut. In den Wunden kommt das lebendige Fleisch sehr realistisch zum Vorschein, ebenso das Blut, das daraus den Körper hinab fließt. Um das noch besser zu veranschaulichen, wählte der Künstler kleine Rubinsteine, die die Tropfen des Blutes darstellen und durch ihren Glanz den Eindruck des noch frischen fließenden Blutes geben.
Auch die Seitenwunde, die ein römischer Soldat mit einer Lanze öffnete und das Heiligste Herz traf und aus der dann die letzten Tropfen von Wasser und Blut aus dem Leichnam Jesu flossen. Dies war das Zeichen seines Todes, dass das Opfer vollbracht war, dass das Leben ganz hingegeben war, dass sein Wesen vollständig zerstört war. So ist es auch in der heiligen Kommunion: Jesus gegenwärtig im verwandelten Brot und Wein mit seinem Leib und Blut, Seele und Gottheit wird vollständig konsumiert (zerstört) nachdem wir ihn empfangen haben.
Unser Herr setzte das eucharistische Opfer unter den zwei Gestalten, Brot und Wein, ein zum Gedächtnis an sein Leiden und Tod, wo am Ende beide, Leib und Blut, völlig getrennt waren. Sein ganzes kostbares Blut vergoss Er, um uns zu erlösen; die Eucharistie setzte Er sein, damit wir uns versammeln und durch die Einnahme der Kommunion, an dieser Erlösung teilhaftig werden. Durch seine unsagbaren Schmerzen und seinen schmählichen Tod, der gezeichnet wurde durch die völlige Trennung von Fleisch und Blut (bis zum letzten Tropfen verblutet), durch diese komplette Zerstörung wollte Er und erlösen.
Und es gibt noch einen schmerzlicheren Aspekt, den wir betrachten wollen, bezüglich seines heiligen Herzens. In der Heiligen Schrift versinnbildlichte das Herz die Seele des Menschen, seine Wünsche, seinen Willen. In den Psalmen findet man zuhauf diese symbolischen Deutungen des Herzens. Es ist auch gewissermaßen das Symbol des Lebens. Es ist das Symbol der Zuneigung und der Liebe. Doch Jesus wollte, dass es möglich sei und tatsächlich geschehen sollte, dass jemand käme und an seinem schon so geschundenen Leib diese letzte Wunde mit einem Lanzenstoß aufriss und sein Herz verwundete.
Diese Verwundung des Herzens zeigt sich als die Vollendung den Leidensweges Unseres Herrn. Wenn es auch so aussieht, dass die Lanze in sein Herz hineingestoßen wurde, um sich zu versichern, dass Er schon Tod sei, und sein Leib vom Kreuz abgenommen werden konnte, so zeigt sie doch eine letzte Tat der Rohheit. Dermaßen waren die Henker bestimmt ihn zu töten, dass sie im Zweifelsfall eine Verwundung durchführten, die ihnen dann die Gewissheit gab, dass Er nun wirklich tot ist. So groß war die Entschlossenheit ihn zu vernichten. Daher war es nicht nur ein Gnadenstoß und eine Tat der Versicherung, sondern auch der Niederträchtigkeit.
So verstehen wir auch die Gegensätzlichkeit des Geschehens. Das Heiligste Herz Jesu, das während seines irdischen Lebens die Menschen mit einer unendlichen Liebe und auf so gegensätzlichen Weg geliebt hat, dass Er bis aufs äußerste ging. Er selber hatte gesagt, eine größere Liebe hat niemand als die, dass er sein Leben hingibt für seine Freunde. Und gerade das tat er für seine Freunde, und diese Freunde sind ein jeder von uns. Er wollte es zulassen, dass dieses sein mit Barmherzigkeit und Güte überfülltes Herz durchstochen werden sollte. Durchstochen von Menschenhand, von Händen, die ihn töten wollten, falls er noch nicht tot wäre. Doch der letzte Punkt der Barmherzigkeit war gerade dieser: Man sagt, dass der Soldat, der die Lanze in sein Herz stieß, halbwegs blind war. Von dem Blut und Wasser, die aus der Seite des Herrn flossen fielen einige Tropfen auf seine Augen und er wurde wunderartig von der Blindheit geheilt. Hier sehen wir auf der einen Seite eine grausame Tat, die von Unserem Herrn erwidert wird durch eine Tat der Güte und der Vergebung. Sie beinhaltet ein Versprechen des Herzen Jesu: alle, die ihm Vertrauen, die auf seine Barmherzigkeit vertrauen, die auf seine Güte vertrauen, dürfen darauf hoffen, dass ihnen vergeben wird, dass sie die notwendigen Gnaden für ihr eigenes Heil erhalten, selbst nach den schlimmsten Sünden, wenn sie ergeben zu Ihm zurückkehren, wenn sie demütig zu Ihm zurückkehren und um Verzeihung bitten. Das heißt, Unser Herr Jesus Christus verlässt uns nie.
Wir können uns den Schmerz der Muttergottes und der heiligen Frauen in diesen letzten Augenblicken vorstellen: als die ganze Zerstörung beendet schien, das nichts mehr zu machen sei, schauten sie hinauf zu Jesus am Kreuz und merken, dass sich jemand nähert und an diesem geschundenen Körper noch eine letzte Grausamkeit verübt, indem er eine Lanze in die heilige Brust bohrt. Doch gleich vernehmen sie die letzte Vergebung. Nehmen wir an, der Soldat ruft in seiner Freude laut aus: Ich kann sehen!
Hier können wir uns den letzten großen Schmerz der Muttergottes vorstellen, indem sie sieht, wie das Heiligste Herz verwundet wird. Ein wenig später legt man den hochheiligen Leichnam ihres Sohnes auf ihren Schoß und sie betrachtet unter Schmerzen aber anbetend den geschundenen Leib und besonders die Wunde an der Brustseite. Wir dürfen annehmen, dass Maria und alle umstehenden irgendwelche Erleuchtungen hatten bezüglich der Andacht zum verwundeten Heiligsten Herzen Jesu, zumal der Heiland mit der Heilung der Blindheit des Soldaten den ersten Beweis seiner Auferstehung gab. Denn selbst als besiegter und gebrochener wirkte er im Tod noch ein Wunder, das niemand je bewirken könnte.
Das heißt, er behielt weiterhin seine vollständige Macht und Lebenskraft mit einer Beharrlichkeit gegen alles, was man ihm schlimmes angetan hatte; nichts wurde in ihm zerstört. Und deshalb sind die letzten Ereignisse schon ein erstes Vorzeichen der Auferstehung.
In der Herz-Jesu Litanei gibt es eine Anrufung, die m.E. eine der schönsten ist: Cor Jesu, lancea perforatum, miserere nobis! Herz Jesu, mit der Lanze durchbohrt, erbarme dich unser! Und wenn man an das von einer Lanze durchbohrte Herz Jesu denkt, denkt man an das Unbefleckte Herz Mariens ebenfalls durchbohrt von dem Schmerzensschwert, das der hl. Prophet Simeon im Tempel vorausgesagt hatte. Beide Herzen sind zusammenhängend. Es sind zwei Herzen voll des Leidens und der Schmerzen.
Deshalb sagen wir auch diese Anrufung als Stoßgebet und Gruß zu dem Kreuz, wenn wir in die Eingangshalle unten eintreten: „Cor Jesu, lancea perforatum, miserere nobis“. In diesem Moment erinnern wir uns auch daran, dass Maria in geistiger Weise unter allen Kreuzen der Welt steht mit all ihren Fürsprachen und Bitten. Bitten wir sie, dass sie unsere Nöte mit einbeziehe.

Möge das durch die Lanze durchbohrte Herz Jesu sich unser erbarmen, um uns die Heiligkeit und dieses hochgradige geistliche Leben zu erlangen, die zur Berufung unseres Lebens gehören. Möge uns Maria die Gabe verleihen, gegen alle Feinde des Allerheiligsten Herzen Jesu und ihres Unbefleckten Herzen mit aller Kraft energisch und furchterregend entgegenzutreten.

Vortrag am  12.2.65