Dienstag, 27. Juni 2017

Maria von der Immerwährenden Hilfe

Plinio Corrêa de Oliveira



Diese Anrufung der Muttergottes beinhaltet ein Element, das man in keiner anderen Eigenschaftsbezeichnung Mariens vorfindet. Es ist das Wort „immerwährend“. Was in dieser Anrufung besonders hervorgehoben, besonders gerühmt werden soll, ist nicht die Tatsache, dass Maria den hilfesuchenden Menschen sehr oft mit großer, liebevoller Freigebigkeit aber in gewissen Grenzen erhört, sondern, dass die gewährte Hilfe tatsächlich „immerwährend“, d.h. von ewiger Dauer, zeitlich unbegrenzt ist. Dies ist das Hauptmerkmal dieser Anrufung.



Warum soll aber diese Hilfe „immerwährend“ sein? Wenn Hilfeleistung etwas sehr kostbares ist, vor allem weil sie von der Königin des Himmels und der Erde kommt, so ist das schönste daran, das sie niemals aufgehoben wird. Maria wird die „bittende Allmächtige“ genannt, sie vermag und erhält alles durch den hohen Wert ihrer Bitte.

      Nehmen wir an, eine weltliche Königin entscheidet sich einem Bettler, einem Elenden, einem Aussätzigen ab und zu eine Hilfe zukommen zu lassen. Wir können uns freuen, über die Gefälligkeit der Königin, sich einem ihrer demütigsten und elendesten Untertan zuzuwenden.  Wir können uns mit dem Bettler freuen, wenn ihm ein so unerwartetes und unverdientes Glück beschieden wird. Zugleich können wir die Königin rühmen, ihrer Freigebigkeit wegen.

      Doch es bleibt wie immer die Frage: Eine so freiwillige und weitherzige Hilfe für jemanden, der es eigentlich nicht verdient hat, wird sie nicht einmal enden? Könnte nicht der Moment kommen, in dem der begnadete sich undankbar zeigt und seine Geschenke missbraucht, sodass ihm weitere Hilfe verweigert wird? Das ist der Schatten, der über jegliche empfangene Hilfe liegt. Kann es nicht sein, dass die Königin irgendwann vergisst, dass es diesen Bettler gibt? Oder dass sie sagen könnte: „Ich habe diesem schon so viel gegeben, aber es hilft ihm nicht, sein Leben zu ändern. Ich werde die Hilfe einstellen.“? Oder: „Er hat alle Grenzen der Undankbarkeit überschritten, mit ihm habe ich nichts mehr zu tun“. Könnte die Königin nicht auch sagen: „Ich habe so viele hilfsbedürftige Untertanen, die mich um Hilfe bitten, ich werde mich jetzt einem anderen zuwenden.“? Das heißt, wir könnten sehr viele Umstände anführen, in Folge derer die Unterstützung der Königin eingestellt würde.

      Nun aber, gerade so verhält sich die Muttergottes nicht uns gegenüber. Das Immerwährende ihrer Hilfe zeigt gerade das Gegenteil. So schlecht wir uns auch verhalten mögen, so mehr wir auch ihre Hilfe missbrauchen, so unglaublich auch unsere Undankbarkeiten seien: Je größer die Gefahr, je außerordentlicher das Wunder, um das wir bitten müssen, wenn wir auch um das Äußerste, um das Unwahrscheinlichste bitten müssten, finden wir die Mutter der immerwährenden Hilfe. Sie ist die Mutter, die sich rühmt immer eine Bitte zu erhören, immer bereit zu sein zu helfen, so dass es keine Möglichkeit zur Annahme, dass, wenn wir bitten, wir nicht erhört, uns nicht geholfen wird.

      Es kann sein, dass sie, unter gewissen Umständen, uns nicht das gewährt, um was wir bitten. Doch nicht erhört werden ist nur eine Redensart für den Fall, dass sie auf Zeit setzt und uns warten lässt. Dieser Aufschub ist aber vorgesehen, um später das Hundertfache unserer Bitte zu gewähren. Glücklich diejenigen, bei denen Maria sich Zeit lässt. Sie wird später mit einem Überfluss an Gaben in den Händen ihnen entgegenkommen. Es kann auch sein, dass sie uns die Gnade, um der wir gebeten haben, nicht zuteilt; wir dürfen aber sicher sein, dass sie uns viel kostbarere Gnaden schenken wird, als um die wir gebeten haben.



Das Fest Maria von der immerwährenden Hilfe wird am 27. Juni gefeiert.

Das Gebet zur Muttergottes der Immerwährenden Hilfe


Jungfrau, Mutter Gottes mein
lass mich ganz Dein eigen sein

Dein im Leben, Dein im Tod
Dein in Unglück, Angst und Not
Dein in Kreuz und bittrem Leid
Dein für Zeit und Ewigkeit

Jungfrau, Mutter Gottes mein
lass mich ganz Dein eigen sein

Mutter auf Dich hoff’ und baue ich
Mutter zu Dir ruf und seufze ich
Mutter Du gütigste, steh mir bei
Mutter Du mächtigste, Schutz mir leih

O Mutter, so komm, hilf beten mir
O Mutter so komm, hilf streiten mir
O Mutter so komm hilf leiden mir
O Mutter so komm und bleib bei mir

Du kannst mir ja helfen, o Mächtigste
Du willst mir ja helfen o Gütigste
Du musst mir nun helfen o Treueste
Du wirst mir auch helfen Barmherzigste

O Mutter der Gnade, der Christen Hort
Du Zuflucht der Sünder, des Heiles Port
Du Hoffnung der Erde, des Himmels Zier
Du Trost der Betrübten,ihr Schutzpanier

Wer hat je umsonst Deine Hilf angefleht
Wann hast Du vergessen ein kindlich Gebet
Drum ruf ich beharrlich, in Kreuz und in Leid
Maria hilft immer, sie hilft jederzeit

Ich ruf voll Vertrauen im Leiden und Tod
Maria hilft immer, in jeglicher Not
So glaub' ich und lebe und sterbe darauf
Maria hilft mir in den Himmel hinauf.
Jungfrau, Mutter Gottes mein
lass mich ganz Dein eigen sein

Dein im Leben, Dein im Tod
Dein in Unglück, Angst und Not
Dein in Kreuz und bitt’rem Leid
Dein für Zeit und Ewigkeit

Jungfrau, Mutter Gottes mein
lass mich ganz Dein eigen sein.

Amen.


(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, gehalten am 27. Juni 1694. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

Samstag, 24. Juni 2017

Der hl. Johannes, der Täufer - 2. Teil


Santo do Dia — 24.6.65  — 2. Teil
Plinio Correa de Oliveira

  „Jedes Tal soll ausgefüllt und jeder Berg und Hügel abgetragen werden“ (Lk 3,5)

 Der hl. Johannes, der Täufer, ist der, der dem Herodes gesagt hat, was heute keiner mehr den Mut hat der Revolution zu sagen. Er sagte: „Es ist dir nicht erlaubt!“ Das heißt, das darf nicht sein.

Johannes hatte zu Herodes gesagt: „Es ist dir nicht erlaubt, deines Bruders Frau zu haben!“, denn er lebte in Ehebruch. Deshalb bezahlte er dieses Urteil mit seinem Kopf.

Doch er war das Musterbeispiel für Bußfertigkeit. Er war berufen worden, die Seelen auf die Ankunft des Messias vorzubreiten. P. Fillion sagt, er kam um die Berge abzutragen, das heißt, den Hochmut zu brechen, und die Täler auszufüllen, das heißt, die Unreinheit zu vertilgen.

Wir sehen also, das seine Aufgabe war, die zwei Übel zu bekämpfen, die am Ursprung der Revolution stehen.(*)

Der, der so gründlich den Hochmut und die Sinnlichkeit mit den Füßen zertrat, war auch ein wunderbares Beispiel von Unerschrockenheit. Und deshalb wurde er hingerichtet.

Jemand wird sagen: er wurde hingerichtet; was hat es genutzt?

Es hat genutzt, was der hl. Augustinus über das Haupt des Täufers sagt, als es dem Herodes gebracht wurde: Er stellt sich vor, wie Herodes die geschlossenen Augen des abgeschlagenen Hauptes sah. „Nie ist ein menschlicher Blick, wie dieser der verschlossenen und toten Augen so tief in einem Blick eingedrungen, wie in dem des Herodes.“

Ein Mann, der die Sinnlichkeit zerschlägt, der den Hochmut bekämpft, der dem Ruchlosen die Wahrheit vorhält und dessen Weg versperrt, war würdig der Vorläufer des Erlösers zu sein.

Allem Anschein nach – es gibt jedoch keine geschichtliche Gewissheit darüber – gehörte er zu der Gruppe der Kontemplativen des Berges Karmel an, die, als Karmeliten die wir sind (**), unsere geistliche Vorfahren waren.

Die ist ein Grund unter vielen, um zum hl. Johannes, dem Täufer, zu beten, mit der Bitte, er möge uns die Abscheu zu diesen zwei Laster geben, die die Triebfedern der Revolution sind, und uns den Mut gebe, überall und jedem die ganze Wahrheit über die Revolution zu verkünden.

(*) s. „Revolution und Gegenrevolution“ von Plinio Correa de Oliveira.

(**) Der Autor und seine Anhänger waren Mitglieder des 3. Ordens der Karmeliter.

(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

Mittwoch, 21. Juni 2017

Leutfred, ein Heiliger der Gerechtigkeit und des heiligen Zorns


Fenster in der Kirche Saint-Ouen, Rouen, Frankreich

Wir wollen einen Auszug lesen aus dem Leben des hl. Leufred, entnommen aus dem Buch Heiligengestalten von Ernest Hello.
Leutfred war ein außerordentlicher Heiliger, ist aber wenig bekannt. Er ist ein Beispiel für unsere mittelmäßige und niveaulose Zeit.

Er wurde in einer gehobenen Familie in Neustrien im siebten Jahrhundert geboren, vor dem Einfall de Normannen. Kaum war er in die Jahre gekommen, da die Vernunft im Menschen erwacht, als er den Beruf zum Priester in sich fühlte und ihm heimlich, gegen den Willen seiner Eltern, nachging. Er verließ seine Familie und wurde Benediktiner.  Nach vielen Mühen und Kämpfen gründete er die Abtei des Heiligen Kreuzes. Da begannen die Verfolgungen. Er wurde bei dem Bischof von Evreux angezeigt als einen vermessenen und aufrührerischen Menschen, der sich nur von seinem Eigensinn leiten ließe und der rechtmäßigen Gewalt den Gehorsam verweigere.
Hierauf wurde er mit der Gabe, Wunder zu tun und der Prophetie, begnadet und war äußerst streng.
Leufred hatte keine Haare mehr. Eine Frau kam vorüber und machte sich über ihn lustig. Sie hatte ganz leise gesprochen, niemand hatte es hören können. Aber Leufred kehrte sich um zu ihr und sprach: „Warum macht du dich über einen Naturfehler lustig? Dein Hinterkopf soll nicht mehr Haare haben, als ich auf der Stirn habe und bei deinen Nachkommen soll es ebenso sein.“ Es kam wie Leufred gesagt hatte.

Bauern arbeiteten am Sonntag auf dem Acker und kümmerten sich nicht um die heilige Ruhe des Herrn. Als Leufred den Frevel sah, richtete er die Augen zum Himmel und sprach: „Herr, möge dieser Acker ewig unfruchtbar sein, niemals trage er Korn oder Frucht!“ Sein Fluch war wirksam. Brombeersträuscher und Disteln bezeichneten fortan das verwunschene Feld und bedeckten es ganz.
Das sind wunderbare Geschichten!
Die Blinden neigen zu dem Glauben, daß Gerechtigkeit und erbarmen Feinde sind. Verständige Seelen wissen, dass sie Freunde sind, und erleuchtete Seelen wissen, dass sie von gleicher Art sind. Der hl. Leufred besaß einen brennenden Eifer für Gerechtigkeit, aber noch stärker glühte das Erbarmen in ihm, denn wenn diese beiden Kräfte miteinander streiten, so hat das Erbarmen eine gewisse Überlegenheit im Kampf.

Dieses Prinzip ist wichtig. Der hl. Leufred war beides, gerecht und barmherzig. Diese beiden Tugenden müssen Hand in Hand gehen.

Gewaltig wenn er verflucht, und gewaltig wenn er liebt, groß in seiner Liebe für die Armen und groß in seinem Hass gegen die Ungerechtigkeit: Diese Grundrichtungen entwickeln sich gleichlaufend sein ganzes Leben hindurch.
Als einer seiner Mönche gestorben war, fand man drei Geldstücke bei ihm, die er nicht hätte behalten dürfen. Er hatte also das Gelübde der Armut verletzt. Leufred, der äußerst streng war, verbot ihn in geweihter Erde zu begraben. Er ließ ihn abseits beisetzen, weit vom Friedhof in ungeweihter Erde. Als das geschehen war, verfiel Leufred in tiefes Nachsinnen über diese Seele, die er, wie es fast schien, verdammt hatte. Da fiel ihm ein, jener könne vielleicht auf Erden rechtzeitig bereut und im Himmel erbarmen gefunden haben. So zog er sich vierzig Tage lang zurück und weinte und betete für die Seele dessen, den er scheinbar verworfen hatte.

Diejenigen, die nur einer gefühlsmäßigen Frömmigkeit nachgehen, werden das nicht verstehen. Mit solch einer Situation konfrontiert, werden sie sagen: „O, der Arme, vergebt ihm“, und halten ihn für gerettet. Der hl. Leufred, im Gegenteil, befahl, ihn in ungeweihter Erde zu begraben und dann zog er sich zurück und bat um das Heil des Mönchen. Unser Herr selber besaß diese Kombination von Strenge und Erbarmen.

Und als die vierzig Tage vorüber waren, redete Gott mit Leufred und ließ ihn wissen. Dass die Seele des Bruders vor ihm Gnade gefunden hatte, dass jener nicht nur nicht in die Hölle gekommen sei, sondern auch nicht mehr im Fegefeuer gehalten werde, dass die Gebete Leufreds den befreit hatten, den die Gerechtigkeit Leufreds zu verdammen schien.

Es könnte sich jemand wundern, wie das geschehen kann, wenn doch das persönliche Gericht sofort nach dem Tod eines Menschen stattfindet, wenn die Seele sich vom Leib trennt. Doch muss man wissen, dass man der Barmherzigkeit Gottes keine Grenzen setzen darf. Es kann ja sein, dass Gott den Mönch in einer Lage des Scheintodes versetzt hat, in Erwartung auf das Opfer und der Buße des hl. Leutfred. Auf jeden Fall, prallt diese Geschichte mit dem liberalen Gedanken aufeinander, der Mönch sei automatisch gerettet.
Der hl. Leufred war besonders Zornig gegenüber dem Teufel.
Sehr oft reagieren die Menschen bei Versuchungen ängstlich gegen den Teufel. Sehr wenige habe ich gesehen, die mit heiligem Zorn und erbost gegen den Teufel kämpfen. Wir sollten alle danach streben, diesen heiligen Zorn zu gewinnen.
Wenn der Teufel sich annähert, müssen wir erfüllt sein mit Zorn und Hass, weil der Teufel der eingeschworene Feind Gottes und unserer Seelen ist. Er wünscht uns jegliche Art von Übel. Deshalb, wenn wir versucht werden, müssen mit militanter Abscheu reagieren, wie es der hl. Erzengel Michael getan hat.

Einmal eilte einer der Brüder zum hl. Leufred, um ihn zu sagen, dass ein Blendwerk in seiner Gestalt in der Kirche sein Wesen treibe. Der Heilige erkannte seinen alten Feind, lief zur Kapelle und machte das Zeichen des Kreuzes über Tür und Fenster, wie um die Ausgänge zu versperren.

Klugerweise machte er zunächst den Teufel zum Gefangenen, damit er nicht entkommen konnte.

Er trat auf jenen hinzu, der es gewagt hatte sein Bild anzunehmen und schlug wütend auf ihn ein. Der Teufel wollte fliehen, aber die Ausgänge waren versperrt; das Kreuzzeichen war auf Türen und Fenstern. Die Gestalt hätte sich schnell wieder auflösen können. Aber es scheint, dass ihm hierauf die Erlaubnis verweigert wurde. Gott wollte ihn demütigen unter den körperlich versetzten, geistig gefühlten Hieben des hl. Leufred und unter der Macht des Kreuzzeichens, das dem Gefangenen die Flucht verwehrte.

Das ist eine großartige Szene. Die Prügel wurde körperlich gegeben und geistig gespürt, alles unter dem Zeichen des Kreuzes. Ganz wie die Seelen der Verdammten, die im Feuer der Hölle schmoren, so fühlte auch der Geist des Teufels die Hiebe des Heiligen.
Natürlich peinigten und demütigten diese Hiebe den Teufel. Auch wir können seine Pein vermehren. Dies ist vor allem gut wenn der Teufel zum Angriff ansetzt. Der Gegenangriff ehrt die Muttergottes, indem man zeigt, dass der Gegenangriff ihrer Kinder gegenüber dem Teufel größer ist als sein Hass gegen die Menschen.

Gott zwang den Teufel, durch den Glockenturm zu entfliehen, damit seine Niederlage und seine Furcht deutlich erkennbar werde.



Der Teufel wurde gezwungen durch den Turm zu fliehen, unter den ständigen Hieben des Heiligen. Gerne hätten wir gesehen, wie der Heilige zum letzten Hieb aushob.
Wir können uns die Szene vorstellen: Der hl. Leufred, ein alter Mann mit weißen Haaren und weißem Bart, aber noch gut in Form und dunkelbraune Augen. Er ist sehr stark und prügelt den Teufel mit äußerstem Zorn, behält aber trotz allem völlige Gelassenheit, während die Teufelsgestalt jammert und windet und durch den Turm verschwindet.
Wenn wir nur kämpfen und uns wehren in dem Maße wie uns unsere Angst antreibt, ist der Zorn wichtig. Wir müssen uns bemühen einen heiligen Zorn gegen den Teufel zu entwickeln, d.h. immer wachsam sein und niemals schlafen.
So wie die Mutter eines kranken Kindes mit wachem Herzen schläft, müssen auch wir schlafen mit einem Herz in immerwährender Wachsamkeit. Wir müssen in der Lage sein, dass selbst wenn wir schlafen, wir sagen können, dass wir eine brennende Fackel des Zornes gegen den Teufel sind.
Wir müssen sagen können: „Ich schlafe, aber mein Herz schaut mit Hoffnung auf eine Gelegenheit der Heiligsten Jungfrau die größte Ehre zu erweisen“.


(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, gehalten am 20. Juni 1967. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

Montag, 12. Juni 2017

„Sie vis pacem, para bellum“

Willst du den Frieden, rüste dich zum Krieg *)

Plinio Correa de Oliveira





Wenn wir diese gewaltigen Burgen des Mittelalters sehen, die an den Grenzen des Reichs Karls des Großen errichtet wurden, an den Ufern des Rheins oder der Donau, oder auch entlang der Straßen Spaniens von den Truppen des großen Kaisers, um den Vormarsch der Mauren zu verhindern, haben wir den Eindruck, als ob diese Burgen immer noch pochen durch die Schlachten, die um sie geführt wurden. Ihre Steine scheinen pulsierenden Herzen!

Doch die Menschen erinnern sich nicht mehr an die Lektion der Voraussicht, die sie enthalten. Welche Lektion? Niemand baut Burgen, wenn der Feind gerade angreift. Festungen werden in Zeiten errichtet, in denen kein Krieg stattfindet. Und da die Erbauer Krieger des Glaubens waren und nicht ein Haufen dummer Optimisten, bauten sie ihre Burgen in Friedenszeiten in Vorsorge auf künftige Angriffe eines Feindes.


Diese Burgen waren Werke des Friedens, aber ein Frieden, der auf einen eventuellen Krieg orientiert ist! 
So sollen auch wir sein, als Kinder der streitenden Kirche, die wir an einem weltweiten, furchtbaren und heiligen Krieg teilnehmen, eines gegenrevolutionären psychologischen Krieges gegen die universelle Revolution, um die christliche Zivilisation mit friedlichen und legalen Mitteln zu verteidigen. Unsere doktrinären Festungen müssen in Friedenszeiten errichtet werden. Dies ist die Art, wie wir unsere kämpferischen und prächtigen Burgen bauen, in Zeiten des Friedens ... aber in der Voraussicht des Kampfes!

*) Angeblich Wahlspruch des hl. Augustinus. Gegen Ende des 4. Jahrhunderts findet sich bei Vegetius das Zitat: Qui desiderat pacem, praebaret bellum - wer den Frieden wünscht, möge sich auf den Krieg vorbereiten. (Latein im Alltag, VMA-Verlag, Wiesbaden)

Aus „Catolicismo“ Nr 537 - Oktober 1995 (freie Übersetzung aus dem Portugiesischen)

Mittwoch, 7. Juni 2017

Schutzengel und Teufel

Ist der Schutzengel weniger Intelligent
als der Teufel?

Die Kirche lehrt, dass Gott die Engel als uns viel überlegener erschaffen hat. Reine Geister, mit einer leuchtenden Intelligenz und großer Macht, überragen sie durch ihrer Natur selbst die begabtesten Menschen.
Durch ihre Auflehnung gegen Gott verloren die gefallenen Engel die Tugend, nicht aber die Intelligenz und die Macht. Gott begrenzt gewöhnlich mehr oder weniger ihre Tätigkeiten gemäß den Absichten seiner Vorsehung. Aber von sich aus und ihrer Natur sind sie den Menschen hoch überlegen.

Daher die Tatsache, dass die Kirche immer guthieß, dass in der Kunst der Teufel als sehr intelligentes, scharfsinniges, listiges, mächtiges Wesen aber voller bösen Absichten dargestellt wird. Sie duldete sogar, das er als ein Wesen mit blendendem Zauber dargestellt wird, um zu verdeutlichen, dass der Geist der Finsternis sich mit scheinbaren Eigenschaften umhüllen kann, um die Menschen zu verführen.


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Auf unserem ersten Bild haben wir ein Beispiel dieser Darstellung des Teufels: Mephisto, mit einem feinen, listigen Gesichtsausdruck eines eindringlichen und schmeichelnden Psychologen, träufelt dem schlafenden und träumenden Dr. Faust verderbliche Gedanken ein.

Diese Art der Darstellung ist so häufig geworden, dass man sich den Teufel gar nicht anders vorstellen kann.


Dies alles ist, wie gesagt, durchaus in Ordnung.



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Wie sind im Gegensatz die Darstellungen einer gewissen gängigen Ikonographie der guten Engel? Sie zeigt uns äußerst gut meinende, glückliche,  arglose Wesen, was ja durchaus ihrer Heiligkeit, Glückseligkeit, Reinheit, die sie im überragenden maß besitzen, entspricht. Doch diese Darstellungen gehen zu weit. Sie wollen die Güte und die Reinheit der treuen Engel hervorheben. Da es aber nicht gelingt zugleich ihre Intelligenz, ihre Stärke, ihre erhabene Majestät auszudrücken, entstehen geschmacklose und wertlose Wesen.

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Unser zweites Bild zeigt ein Mädchen, das über einen Steg einen Bach überquert. Ei Schutzengel beschützt es. Das sehr populäre und anspruchslose Bild weckt legitime Sympathien, da es ein angenehmes ländliches Panorama zeigt, im Hintergrund den Turm einer Dorfkirche, das ganze durchtränkt von der Unschuld des Lebens, die man auf dem Land eher bewahren kann. Auf der anderen Seite ist es rührend anzusehen, wie ein Kind sorglos seines Weges geht und von himmlischen Fürsten so lieblich beschützt wird. Doch betrachten wir einmal das Antlitz dieses Fürsten: scheint es nicht, dass die den Engeln eigentümliche Kraft, Intelligenz, Scharfsinn, Feinheit mit der der Teufel dargestellt wird, hier keinen Ausdruck findet? Betrachten wir den Körper, den man dem guten Engel verleit: weiche Haltung, lässig, unintelligent. Vergleichen wir das mit der schlanken, behenden und ausdruckstarken Haltung des Mephistos. Kann es einen größeren Unterschied geben?

 
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Dies alles birgt einen ernsten Nachteil. Die beharrliche Darstellung des Teufels als intelligent, lebhaft, befähigt und der guten Engel – wie eine gewisse süßliche Ikonographie – als Weichlinge, ausdruckslose beinahe dumme Wesen, welchen Eindruck hinterlässt sie in der Seele des Volkes?  Den Eindruck, dass die Tugend Weichlinge und Dumme hervorbringt und dass, im Gegenteil, das Laster intelligente und männliche Menschen heranbildet.

Es ist ein weiterer Aspekt jenes süßlichen Einflusses der Romantik, der so tief in die Seelen einwirkte und in vielen religiösen Kreisen weiterhin Bestand hat.


(Aus „Catolicismo“ Nr. 41 – Mai 1954)

Samstag, 3. Juni 2017

Das Ideal von Plinio Corrêa de Olveira



Es freut mich, mit der Heiligen Messe diese denkwürdige Sommerakademie zu schließen. In diesen Tagen haben wir das Ideal eines Lebens betrachtet, das die fundamentalen Werte der Menschheit und der Zivilisation darstellt. Zutreffend faßte Prof. Plinio Correa de Oliveira dieses Ideal unter dem Motto: Tradition, Familie und Privateigentum zusammen, das ja der Name unserer Vereinigung ist.

Dieses Ideal bringt wahres menschliches Glück mit sich. Es ist innig mit der Botschaft Jesu Christi in den Evangelien verbunden, es ist ein Echo der ewigen und unveränderlichen Wahrheit von Gott Vater, der seinen Sohn sendet, um uns den einzigen Weg der Erlösung zu zeigen, den wir durch die in der Taufe empfangene Gnade gehen können. Dies ist ein Weg, der untrennbar verbunden ist mit der Heiligen Katholischen Kirche, die Prof. Plinio Correa de Oliveira so sehr geliebt hat.

In diesem Moment, in dem wir unsere Sommerakademie abschließen, möchte ich auf die der Menschheit glückbringenden Werte hinweisen, deren Verbreitung notwendig ist, um eine bessere Welt zu schaffen. Ich darf betonen, daß diese Welt sicherlich besser wird, wenn die Menschen in der heiligmachenden Gnade leben. Die heiligmachende Gnade, die Gott uns gegeben hat, indem er den Menschen nach seinem Bild und seiner Ähnlichkeit geschaffen hat, beziehungsweise nach dem Sündenfall durch die Erlösung Unseres Herrn Jesus Christus neu geschenkt hat.

Dieses Motto: Tradition, Familie und Privateigentum umfaßt die ganze Schule des Denkens und Lebens, die wir immer vor Augen haben müssen. Diese „Botschaft“, welche Prof. Plinio Correa de Oliveira meisterlich im Ideal, das sie leben, ausgedrückt hat, entspricht einer Sendung, die mit der Sendung der Apostel verglichen werden kann.

Im Zweiten Vatikanischen Konzil unterstreichen die Konstitution über die Kirche und das Dekret über die Laien das, was die Laien tun müssen, um mit Christus vereinigt zu werden. Wir alle sind dazu berufen, dieses auf die Andacht zu Unserer Lieben Frau basierende christliche Ideal zu leben. Ich würde sogar sagen, daß wir mit Maria vereint sein müssen durch die Weihe, die uns der heilige Ludwig Grignion von Montfort in seiner Abhandlung über die wahre Andacht zu Unserer Lieben Frau vorschlägt. Wir sind alle für den Heilsplan Gottes für die Welt verantwortlich. Genau wie Unsere Liebe Frau müssen wir unsere Zustimmung geben und unseren konkreten Beitrag leisten, damit dieser Plan Wirklichkeit wird.

Wie die Heilige Jungfrau Maria müssen wir unser Ja zum Heilsplan Gottes sagen. Das fordert natürlich von uns eine kämpferische Haltung, um die heute zurückgewiesenen Werte der natürliche und der christlichen Ordnung zu verteidigen. Nur diese Werte sind in der Lage, wieder Glück für die Menschen, die Familien und die Gesellschaft zu bringen. Aus diesem Grund müssen wir einerseits die Ehe, die Keuschheit und die Hierarchie verteidigen. Andererseits müssen wir gegen Unmoral, Abtreibung, Revolution und alles, was das menschliche Herz verdirbt, kämpfen.

Das ist die Haltung Ihrer Herzen. Das ist die Erbschaft des Werks, das Prof. Plinio Correa de Oliveira gegründet hat, und das Sie auf der ganzen Welt mit großem Einsatz und gegen harten Widerstand weiter vorantreiben. Prof. Plinio sprach des öfteren über den unermüdlichen Kampf Satans gegen dieses Ideal, das ihn daran hindert, die Welt zu beherrschen. Dieser Kampf ist immerwährend. Trotzdem weiß er ganz genau, daß er schon für ewig verdammt ist!

Prof. Plinio wollte, daß seine geistlichen Söhne „die Glocken der Tradition läuten“, so wie er dies während seines langen Lebens getan hat. Ich wurde besonders berührt, als ich eine Stelle eines Vortrages von Prof. Plinio hörte, in der er von Unserer Lieben Frau als „allmächtige Fürbitterin“ sprach: „Unsere Liebe Frau begleitet die Geschehnisse Schritt für Schritt, weil sie in einem gewissen Moment kommen will, in dem ihre Glorie offenbar wird. Dieser Moment wird kommen, wenn der Ton der letzten Glocke verklingt, kaum hörbar in der allgemeinen Verwirrung. Dies wird der Moment des Kommens Unserer Lieben Frau sein! Inmitten des allgemeinen Geschreis, der von den Sünden ängstlichen Schreien, des Egoismus und des Hochmuts, wird sie einige Glocken mit ganz neuen und übernatürlichen Klängen schmücken“.

Sie nehmen an dieser Sommerakademie Teil, Sie sind diese Glocken.
Sie sind die Glocken der Tradition, die immer noch in einer wahnsinnig gewordenen Welt klingen und eine göttliche Botschaft übermitteln! Das ist die Einladung von Prof. Plinio: „Lassen Sie sich nicht entmutigen, kämpfen Sie tapfer weiter, fürchten Sie weder Niederlagen noch Verfolgungen. Vor allem legen Sie Ihre täglichen Verdienste in die Hände Unserer Lieben Frau.

An diesem letzten Sonntag des Monats August beenden wir diese für junge Menschen veranstaltete Sommerakademie. Lassen wir uns in dieser Heiligen Messe die notwendige Kraft schenken, um Werkzeuge der Gnade und des Heils zu werden, damit das Werk von Prof. Plinio Correa de Oliveira in jenen Ländern, aus denen Sie kommen, weiterentfaltet wird.

Möge eine wachsende Anzahl von Ländern das Ideal von Tradition, Familie und Privateigentum willkommen heißen. Um dieses Ziel zu erreichen, gebe ich nun Ihnen allen meinen Segen.

Predigt von Msgr. Rodolfo Laise OFCap in der Abschlussmesse der TFP-Sommerakademie 2002