Donnerstag, 18. Dezember 2014

„Adveniat Regnum tuum“


Wenn in allen Epochen der Geschichte der Christenheit das Weihnachtsfest eine freudige und ruhige Lichtung im normalen und arbeitsamen Lauf des täglichen Lebens aufschlägt, so hat die weihnachtliche Ruhe in unserer Zeit eine besondere Bedeutung, denn sie steht für ein großes und universelles „sursum corda“, das einer stürmischen und leidenden Menschheit zugerufen wird, die schleunigst in den Chaos einer vollständigen sittlichen und gesellschaftlichen Auflösung versinkt.
Unser Zeitalter kommt einem dunklen Tal zwischen zwei Gipfeln gleich: Die vergangene Zivilisation, von der wir abgefallen sind durch aufeinander folgende Katastrophen, die mit der Reformation begonnen haben und in den Links- und Rechtstotalitarismen ihren Höhepunkt erreichten, und die künftige Zivilisation, der wir entgegen schreiten mit Kämpfen und Verdrießlichkeiten, die kontinuierlich unseren Weg mit Kreuzen säumen.
Gerade weil wir die letzten Minuten einer Welt erleben, die im Sterben liegt, und die Vorboten einer neuen Welt, die im Kommen ist, hat die Botschaft von Weihnachten für uns eine besonders tiefe Bedeutung, die wir heute betrachten wollen.
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In einem anderen Teil unserer heutigen Ausgabe bringen wir eine Zusammenfassung der Wünsche, die die vorchristliche Menschheit hegte in der Erwartung eines Erlösers. Das auserwählte Volk erwartete diese Erlösung durch einen Messias, der aus dem Stamme Davids geboren werden sollte, gemäß einem wahren und unleugbaren göttlichen Versprechen. Alle anderen Völker der Erde, wenn sie auch nicht die göttlichen Botschaften durch die Propheten bekommen haben, behielten aber doch die Erinnerung des Versprechens für das Kommen eines Erlösers, das Gott Adam und Eva gemacht hatte, als sie aus dem Paradies vertrieben wurden. Deshalb bewahrten sie auch, mal mehr mal weniger genau, die überlieferte Hoffnung, dass ein Erlöser die leidende und sündige Menschheit erneuern würde.
Diese Hoffnung erreichte ihren Höhepunkt zu der Zeit als Jesus geboren wurde. Wie ein bekannter Historiker sagte, fühlte sich die ganze Menschheit alt und verbraucht. Die angewandten politischen und gesellschaftlichen Formeln entsprachen schon nicht mehr den Wünschen und der Sichtweise der Menschen dieser Zeit. Ein großer Wunsch nach Reformen durchschüttelte viele Völker. Der Klassenkampf kochte seit nicht langer Zeit in Griechenland, in Italien, in Phönizien und anderen Ländern mehr. Die politische Organisation nahm mehr und mehr die Züge eines Unterdrückungsapparats an. Rom hatte die Grenzen seines Reiches über die ganze Welt ausgedehnt und die Ewige Stadt war damals nicht die Königin  sondern die Tyrannin der ganzen Menschheit geworden, der sie mit den ungerechtesten Abgaben nötigte, um die Orgien der römischen Patrizier zu unterhalten. In allen Ländern war der Kontrast zwischen Reichtum und Elend offensichtlich. Einerseits lebten die Reichsten in einem ungezügelten Prunk und Luxus. Andererseits bevölkerten die zahllosen Arbeitslosen viele Stadtteile der Großstädte mit verheerenden Folgen. Letztlich, als düsterer Hintergrund dieses Bildes,  waren da die Millionen von Sklaven, die, angekettet in Schiffskellern oder wie Zugtiere an Transportwagen und Pflügen angespannt, unter der Gewalt einer Unterdrückung stöhnten, die kein Ende zu haben schien. Ein maßloser korrupter Sittenverfall breitete sich über das ganze Reich aus und zog alle politischen Institutionen in den Ruin. In den Reihen der hohen Aristokratie vermehrten sich die Skandale, die sich dann über alle Schichten der Gesellschaft erstreckten. Kaiser Augustus versuchte umsonst gegen diesen zunehmenden Verfall anzugehen. Die von ihm erlassenen reaktionären Gesetze zeigten keine Wirkung. Die widernatürlichsten Abartigkeiten vermehrten sich im Schoße seiner eigenen Familie. Die ganze Welt spürte, dass eine unausweichliche, tiefe Krise die Gesellschaft in einen unvermeidlichen Zusammenbruch führen würde.
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Als die Welt in diesem Zustand weilte und Staatsmänner und Sittenlehrer ernsthaft über so viele und unlösbare Probleme diskutierten, erstrahlte mitten in einer finsteren Nacht in einem Stall zu Bethlehem die Rettung der Welt. Es kann sein, dass im gleichen Moment, in dem der Erlöser geboren wurde, der hochmütige römische Kaiser in seinem Palast dem bitteren Grübeln über den kläglichen Ausgang seiner moralisierenden Politik ausgeliefert war. Es kann sein, dass in der nahen Umgebung des kaiserlichen Palastes bis tief in die Nacht einige dieser wüsten Orgien abliefen, die für den obligatorischen Tratsch der nächsten Tage häufige Nahrung lieferte. Weder die einen noch die anderen, weder der geniale Kaiser noch die Sibariten, die die Gesellschaft korrumpierten, hatten eine Ahnung, was in diesem Moment in Bethlehem geschah.
Doch es war nicht im Kaiserpalast, nicht in den aristokratischen Orgien, nicht in den Verschwörertreffen, wo sich das Schicksal der Welt entschied. Die Gesellschaft der Zukunft, die aus der vollkommenen und vollständigen Lösung der lebenswichtigsten Probleme der damaligen Zeit hervorging, wurde in Bethlehem geboren. Die Welt empfing aus den jungfräulichen Händen Mariens den Messias, der durch sein Blut die Welt erlösen und sie mit seinem Evangelium neu organisieren würde.
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Welche vorrangige Lehre können wir hieraus ziehen?
So wie für die Menschheit in der Zeit des Augustus die Lösung der verstricktesten sozialen und politischen Probleme nicht gefunden wurde als nur in Christus allein, so müssen wir in unsere Zeit nur in die katholischen Kirche, den mystischen Leib Unseres Herrn Jesus Christus, unsere Hoffnungen setzen.
Es kann sein, dass in der unbewussten Nachahmung der Vigil des Augustus am Heiligen Abend viele moderne „Kaiser“ (welch ein Unterschied zwischen dem Format des authentischen Augustus und seiner modernen Faksimiles!) diesen Heiligen Abend gebeugt über ihrem Arbeitstisch grübelnd verbrachten, um Mittel zu finden, um ihr leidendes Land aus der Klemme der Krise zu holen, gleichgültig gegenüber der Frömmigkeit der Massen, die in den Kirchen beteten. Es kann sein, dass in dieser selben Nacht ausschweifende Orgien in vielen Palästen (nicht mehr die Paläste der römischen Aristokratie, sondern moderne „dancings“, Paläste, die die moderne Welt zu Ehren ihrer eigenen Korruption errichtet) in die Stille der Nacht den Klang der profanen Musik des „Revéillon“ hinausdröhnen. Es kann sein, dass etliche Verschwörer in der Stille der Nacht eine Revolution oder ein Krieg aushecken, während das Volk die Geburt des Friedensfürsten feiert.
Trotz alledem wird die Erlösung nicht von den neuen Kaisern, von den Verschwörern unserer Tage und noch weniger von der Gesellschaft, die sich in den „dancings“ verdirbt, kommen. Als Katholiken müssen wir die Erlösung, die Rettung, nur von dem erwarten, der heute Christus auf Erden vertritt. Es ist auf Pius XI. und nur auf ihn auf dieser Erde, auf den wir unseren Blick richten müssen.
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Es gibt aber noch eine weitere Überlegung von höchster Zweckmäßigkeit. Alle Theologen sind sich einig, dass die Erlösung der Welt in der damaligen Zeit erstrahlte, nur durch die allmächtigen Bitten der Jungfrau Maria; Sie erreichte die Vorwegnahme der Geburt des Messias. Niemand kann sagen, wie viel Jahre oder Jahrhunderte die Erlösung noch auf sich hätte warten lassen, ohne die Fürbitten Mariens.
Die Neuordnung der Welt kam nicht von denen, die zur Zeit des Augustus auf den öffentlichen Plätzen oder in politischen Kreisen gegeneinander aufwiegelten. Die Neuordnung kam durch die demütigen Gebete der Jungfrau Maria, völlig unerkannt von ihren Zeitgenossen, in einem Leben der Betrachtung und der Einsamkeit in dem kleinen Ort, wo sie durch göttliche Fügung geboren wurde.
Ohne das aktive Leben herabsetzen zu wollen, muss man doch hervorheben, dass durch das Gebet und die Betrachtung der Zeitpunkt der Erlösung vorweggenommen wurde. Und was der Genius des Augustus, die Klugheit aller großen Politiker, aller großen Generäle, Finanzexperten und Verwalter seinerzeit der Welt nicht geben konnten, bewirkte Gott durch die Heiligste Jungfrau. Nicht diejenigen, die am meisten studiert hatten, die am meisten aktiv waren, konnten der Welt diese Wohltat erweisen, sondern die, die am meisten und am innisgten gebetet hat.
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Wenn die heutige Welt sich aus dem Chaos befreien will, muss sie sich zuallererst der Kirche zuwenden.
Es ist mit einer milden und doch strengen Lektion, mit der wir diese kurze Weihnachtsbetrachtung beenden.
Es wird vor allem von den Kämpfern der Katholischen Aktion und den auserwählten Seelen, die Gott im priesterlichen oder religiösen Stand zu einem aktiven oder einem Leben des Gebets berufen hat, auf menschlicher Ebene abhängen, ob die Einrichtung der sozialen Herrschaft Unseres Herrn Jesus Christus vorweggenommen oder verzögert wird.
Was wir als Laien, die wir für die Kirche kämpfen, im Bewusstsein der Größe dieser Aufgabe tun müssen, ist, an der Krippe des Christkindes ein Gebet sprechen:

„Domine, adveniat regnum tuum“.

„Herr, es komme Dein Reich“, dass wir es in uns verwirklichen, um es dann, mit Deiner Hilfe auch um uns verwirklichen.



(Freie Übersetzung des Originals, das im „Legionário“, Nr. 328, 25.12.1938 erschienen ist.)



Freitag, 21. November 2014

Christus ist König auf Erden


Jesus ist vor allem der König des Himmels. In bestimmter Weise übt er seine Herrschaft aber auch schon auf Erden aus. Denn König ist, wer in einer Monarchie die höchste und volle Autorität rechtmäßig besitzt. Er erlässt Gesetze, leitet und richtet. Seine Königswürde kommt am wirksamsten zur Geltung, wenn die Untertanen die königlichen Rechte anerkennen und seine Gesetze befolgen. Nach christlicher Auffassung stehen Jesus Christus alle Rechte über uns zu. Er hat seine Gesetze verkündet, leitet die Welt und wird die Menschen einst am Jüngsten Tage richten. An uns liegt es, sein Reich wirksam werden zu lassen, indem wir seine Gesetze erfüllen sowie seine Herrschaft und Gerichtsbarkeit über uns anerkennen.

 
Christi Herrschaft ist zunächst individueller Natur; denn sie verwirklicht sich, wo immer eine treue Seele unserem Herrn Jesus Christus Gehorsam leistet. Sie wird aber zu einer sozialen Wirklichkeit, wenn alle Mitglieder der menschlichen Gesellschaft ihm diesen Gehorsam entgegenbringen und ihre Unterwerfung unter seine Gerichtsbarkeit gläubig anerkennen.

Infolgedessen kann das Reich Christi schon hier auf Erden erstehen im individuellen wie im gesellschaftlichen Sinne. Voraussetzung dafür ist nur, dass die einzelnen Menschen aus dem Innersten ihrer Seele heraus wie auch in allen ihren Handlungen sich gleichförmig machen mit dem Gesetz Christi und dass die Gesellschaft mit ihren Institutionen, Gesetzen und Bräuchen wie auch in ihren kulturellen Veranstaltungen und Darstellungen sich nach dem Gesetz Christi richtet.

Wie konkret, glänzend und deutlich fassbar diese irdische Realität des Reiches Christi auch in Erscheinung treten kann, ist das Beispiel von Frankreichs König Ludwig des Heiligen in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Man darf jedoch nicht vergessen, dass ein solches Reich immer nur Vorbereitung ist. In seiner ganzen Fülle wird das Reich Gottes sich erst im Himmel verwirklichen: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Joh 18, 36).

Mittwoch, 19. November 2014

Die Geschichte kann rückwärts gehen


Auszug aus einem Interview des Fernsehsenders Itacolomi von Belo Horizonte
mit Prof. Plinio Corrêa de Oliveira am 16. August 1965.

Frage — Meinen Sie, dass es heutzutage möglich ist den Kommunismus und den Sozialismus zurückzudrängen? Sehen Sie nicht, dass das ein Rückwärtsgang der Geschichte bedeutet?

Antwort — „Rückwärtsgang“ … Dieser Ausdruck bittet um eine Erklärung. Was ist eigentlich „Rückwärtsgang“? Was ist ein „Rückwärtsgang“ im Leben eines Menschen? Kann das Leben eines Menschen nicht rückwärtsgehen? Wenn ein Mensch einen Fehler begeht, wenn der Mensch sündigt, wenn ein Mensch edlerweise seine Fehler und seine Sünden bekennt und zu seinen früheren Gedanken oder Sitten zurückfindet, ist das kein Rückwärtsgehen? Wie viele Ereignisse im Leben der Menschen — edle, gehobene, würdigende Ereignisse der Menschengeschichte — hat die Geschichte nicht verzeichnet, von Menschen die rückwärts gegangen sind.

„Rückwärtsgang“ … Spanien war einst christlich. Es wurde dann von den Mauren überfallen und hat nach Jahrhunderten maurischer Herrschaft seine Unabhängigkeit wiedererlangt. Bedeutet das ein Rückwärtsgang? Die großen Fehlschritte der Geschichte korrigieren, die großen Katastrophen berichtigen, ist das ein Rückwärtsgang? Ich widerspreche dem. So wie in der Geschichte des Menschen ist es auch in der Geschichte der Völker möglich rückwärts zu gehen. Ein Teil Brasiliens wurde (im 17. Jh.) von den Holländern überfallen und eingenommen. Für lange Zeit etablierten sie hier eine Protestantische Herrschaft. Mit der Vertreibung der Holländer sind wir zurückgeschritten, das heißt, wir kamen zurück zum vormaligen Stand. War das nicht ein großes Ereignis in der Geschichte Brasiliens?
Die Schlacht von Guararapes (Pernambuco)
Sieg über die holländischen Eindringlinge 1649

Die Geschichte, verehrte Zuschauer, kehrt immer zurück, wenn sie sich auf Abwegen befindet und die Menschen eine Kurkorrektur vornehmen. Die Menschen können die unzähligen Fehler korrigieren, die sie vor die Türen des Kommunismus führten! Das zu bezweifeln, bedeutet an die Barmherzigkeit Gottes zu zweifeln. Es würde bedeuten, an die Aufgabe der Kirche zu zweifeln, die sie mit Kraft und Würde allen Völkern verkündet.

Ja, ich glaube, dass die Menschen rückwärts gehen können, sobald sie verstehen, dass sie die entgegengesetzte Richtung Unseres Herrn Jesus Christus eingenommen haben. Wenn sie sich Christus wieder zuwenden, schreiten sie zurück. In diesem Sinn ist Er uns nicht nur voraus, sondern Er ist auch auf unseren Wegen hinter uns. Er ist auch hinten auf den schlechten Wegen und wartet auf den reuigen verlorenen Sohn, Er wartet auf den Sünder. Die Geschichte kann rückwärts gehen!


Freitag, 14. November 2014

Der Sieg von Eleganz und Geschicklichkeit über Kraft und Materie




Als Graf S. K. Potocki (1752-1821), ein polnischer Adliger, an einer Jagd auf den Gütern des Königs von Neapel teilnahm, wurde ihm ein Pferd gezeigt, dass als unzähmbar galt. Der Graf legte sofort seinen Mantel ab und sprang auf das wilde Tier, das sich sofort von ihm bezwingen ließ. Der große französische Maler Jacques-Louis David (1748-1825) hielt in einem Bild die Szene fest, in der Potocki seinen Sieg für vollendet hielt.

Das Pferd mit seiner phantastischen Muskulatur und voll ungeheuerlicher Vitalität scheint noch zu schäumen unter dem Joch des Reiters. Dieser, wenn er auch im Verhältnis zum Pferd den Eindruck einer schlanken und zarten Figur abgibt, verhält sich dennoch ruhig, elegant, völlig sich selbst und das Tier beherrschend, indem er die grüßt, die seinem Triumph Beifall spenden.
Es ist ein erhabenes Symbol des Sieges des Geistes über die Materie, des Menschen über die Rohheit.

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Welch wunderschönes Meditationsthema für die Menschen unserer Zeit, die sich so oft, schon nicht von einem Tier, aber doch von etwas beherrschen lassen, was in der Ordnung der Geschöpfe ihnen sehr unterlegen ist: die Maschine.

Catolicismo, Nr. 117 - September 1960

Donnerstag, 13. November 2014

Weltliche Umgebung, die die Lust auf die himmlischen Dinge zerstört


 Der Times Square von New York in nächtlicher Beleuchtung. Alle Mittel der Lichtwerbung werden hier aufgeboten, um die Passanten zu betören, von allen Seiten her ihre Aufmerksamkeit zu wecken, sie auf vielfältiger Weise zu reizen, um sie zuletzt zu überzeugen, etwas zu kaufen, was sie normalerweise eigentlich garnicht kaufen würden.
Das ist nur ein Aspekt eines Lebens der ständigen Hektik in den großen modernen Metropolen.

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Das berühmte Bild von Fra Angelico, auf dem er den meditierenden hl. Dominikus darstellt, steht in prallem Kontrast zum ersten Bild.

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Wäre es den Einwohnern unserer heutigen babylonischen Städte möglich diese wunderbare geistige Entspanntheit, die die Seele in die Lage versetzt, sich in die höheren Gefilde des Studiums und der Betrachtung zu erheben? Wer sieht nicht, dass die moderne Hektik die Mehrheit der Menschen fernhält von dem Wunsch an Zurückgezogenheit und Sammlung in Gott, um zu beten und meditieren?

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Der hl. Augustinus sagt, im Himmel „werden wir stille sein und schauen, schauen und lieben, lieben und loben. Das ist’s, was dereinst sein wird, an jenem Ende ohne Ende.“ („Vom Gottesstaat“, Buch 22, Kap. 30)
Bereitet die moderne Hektik die Menschen darauf vor, diese Freude im Himmel zu verstehen und sich nach ihr zu sehnen?


Catolicismo, n. 120 - Dezember 1960

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Der befreiende Gehorsam


Plinio Corrêa de Oliveira
in „Folha de S. Paulo“, 20.9.80

Das Echo der zeitlich sehr entfernten Worte, die  der hl. Remigius sprach, als er Chlodwig, den ersten christlichen König taufte, möchte ich, lieber Leser, auffangen und Dir zu Ohren bringen: „Verbrenne, was Du angebet und bete an, was Du verbrannt hast“. Ja, verbrenne den Egoismus, den Zweifel, die Schlaftrunkenheit, und angeregt durch die Liebe Gottes, liebe und diene und kämpfe für den Glauben, für die Kirche und die christliche Zivilisation. Opfere Dich auf. Entsage Dir selbst.

Wie? — So wie es in allen Jahrhunderten diejenigen getan haben, die für Jesus Christus den „guten Kampf“ gekämpft haben (2 Tim 4,7).

Hl- Ludwig Maria Grignion von Montfort
Und noch ausgezeichneter wirst Du es vollbringen können, wenn Du die vom hl. Ludwig Maria Grignon von Montfort selbst verfasste und gerechtfertigte Methode anwendest. Es ist die „Sklavenschaft aus Liebe“ zur Heiligsten Jungfrau.

„Sklavenschaft“ ... Ein grobes und fremdes Wort, vor allem für moderne Ohren, die allzeit gewohnt sind über Unabhängigkeit und Freiheit zu hören und mehr und mehr geneigt sind zur großen Anarchie, die, wie ein Totenkopf mit einer Sichel in der Hand, die Menschen auf der Ausgangsschwelle des 20. Jahrhunderts mit seinem finsteren Lächeln erwartet.

Es gibt aber eine Sklavenschaft, die befreit und eine Freiheit, die versklavt.

Früher sagte man von einem Menschen, der seinen Verpflichtungen nachkam, er sei ein „Sklave seiner Pflichten“ (A.d.Ü.: so die übliche Art in Brasilien. Im Deutschen entsprechend „pflichttreu“). Doch in der Tat war es ein Mensch, der sich auf dem Höhepunkt seiner Freiheit befand. Durch einen ganz persönlichen Akt verstand er, welche ihm zustehende Wege er gehen musste, und fasste mit männlicher Entschlossenheit den Vorsatz sie aufzunehmen. Er überwältigte die bösen Leidenschaften, die versuchten ihn zu blenden, seinen Willen zu schwächen um damit seinen frei gewählten Weg zu versperren. Der Mensch, der diesen hohen Sieg erreicht hatte, schreitete mit sicherem Schritt dem entsprechenden Ziel entgegen. Er war frei.

„Sklave“ war im Gegensatz jener, der sich von seinen ungeordneten Leidenschaften mitreißen ließ in eine Richtung, mit der seine Vernunft nicht einverstanden war und auch sein Wille nicht bevorzugte. Diese echten Besiegten nannte man „Lastersklaven“. Weil sie sich dem Laster versklavten, „befreiten“ sie sich vom gesunden Reich der Vernunft.

Diese Begriffe von Freiheit und Sklaventum behandelte Papst Leo XIII. mit seinem eigenartigen meisterhaften Glanz in der Enzyklika „Libertas praestantissimum“.

Heute hat sich alles umgekehrt. Als Muster eines „freien“ Menschen haben wir den Hippie, der mit einer Bombe in der Hand nach seinem Gutdünken den Terror verbreitet. Doch umgekehrt, wird als zaghaft, unfrei derjenige gehalten, der im Gehorsam der Gebote Gottes und der Menschen lebt.

Nach heutiger Perspektive ist derjenige „frei“, dem das Gesetz erlaubt die Drogen zu kaufen, die er will, sie gebraucht wie es ihm gefällt und um letztendlich... sich ihnen zu versklaven. Tyrannisch und versklavend aber wird das Gesetz angesehen, das dem Bürger untersagt sich den Drogen zu versklaven.

Versklavung ist auch aus dieser schielenden Perspektive der Umkehrung der Werte, das in vollem Bewusstsein und in voller Freiheit geleistete religiöse Ordensgelübde, nach dem sich der Mönch in den Dienst der höchsten christlichen Idealen stellt, unter Ausschluss jeglicher Rückkehr. Um diese freie Entscheidung gegen die Tyrannei seiner eigenen Schwäche zu schützen, unterwirft sich der Mönch in diesem Akt der Autorität seiner wachenden Oberen. Wer sich so bindet, um sich frei zu halten von seinen schlechten Begierden, setzt sich heute aus, als ein niederträchtiger Sklave bezeichnet zu werden. So als ob der Obere ihm eine Last auflegen würde, die seinen Willen einschränken soll. Im Gegenteil, der Obere dient als Handlauf den höheren Seelen, die frei und unerschrocken anstreben bis zur letzten Stufe die Treppe der höchsten Ideale aufzusteigen, ohne der gefährlichen Höhenangst nachzugeben.

Kurz, für einige ist frei, wer mit benebelter Vernunft und gebrochenem Willen, angetrieben vom Wahnsinn der Sinne, die Fähigkeit hat, auf dem Toboggan der schlechten Sitten wollüstig herunterzugleiten. „Sklave“ ist aber der, der seiner eigenen Vernunft dient, mit der Kraft des Willens die eigenen Begierden besiegt, den göttlichen und menschlichen Gesetzen gehorcht und die Regeln der Ordnung anwendet.

Vor allem ist unter dieser Perspektive ein „Sklave“, derjenige, der sich, um seine Freiheit voll zu garantieren, entscheidet, frei sich Autoritäten zu unterwerfen, die ihn dorthin führen, wohin er ankommen will. So weit führt uns die gegenwärtige von Freudismus durchtränkte Meinung!

Mit einer ganz anderen Perspektive entwarf der hl. Ludwig Grignion von Montfort die „Sklavenschaft aus Liebe“ zur Mutter Gottes. Sie eignet sich für jedes Alter und jeden Lebensstand: Laien, Priester, Ordensleute usw.

Was macht das Wort „Liebe“, das so überraschenderweise an das Wort „Sklaventum“ geknüpft wird, da ja dieses den Gedanken einer brutalen Herrschaft eines Starken über einen Schwachen, des Egoisten über den Armen, den er ausbeutet, hervorruft? „Liebe“ ist, in der Philosophie, der Akt durch welchen der Wille in Freiheit etwas haben will. So werden im gewöhnlichen Sprachgebrauch „wollen“ und „lieben“ im gleichen Sinn benutzt. „Sklaventum aus Liebe“ ist der edelste Höhepunkt des Aktes, durch den jemand sich aus freien Stücken einem Ideal oder einer Sache widmet. Oder auch sich an einen anderen bindet.

Die heilige Zuneigung und die Pflichten des Ehebundes besitzen etwas, was bindet, verbindet und adelt. Im Spanischen nennt man Handschellen „esposas“ (A.d.Ü.: Was auf Portugiesisch „Ehegattin“ bedeutet). Der Vergleich bringt uns zum Lächeln. Den Befürwortern der Ehescheidung mag er schaudern lassen, denn er gibt einen Hinweis auf die Unauflöslichkeit der Ehe. Im Portugiesischen sprechen wir vom „Band“ oder eher wörtlicher von den „Ketten“ der Ehe.

Viel bindender als der Stand der Ehe ist jedoch der des Priesters, und in einem gewissen Sinn noch mehr ist es der Stand der Ordensperson. Je höher der frei gewählte Stand, desto stärker ist das Band und echter die Freiheit.

So empfiehlt der hl. Ludwig Grignion, der Gläubige solle sich freiwillig als „Sklave der Liebe“ der Heiligen Jungfrau weihen, indem er ihr in der Eigenschaft eines Sklaven seinen Leib und seine Seele, seine inneren und äußeren Güter und selbst den Wert aller seiner vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen guten Handlungen weiht, und Ihr alles Recht und volle Gewalt überlässt über sich und all sein Eigentum ohne Ausnahme nach Ihrem Wohlgefallen, zur größeren Ehre Gottes in der Zeit und in der Ewigkeit (vgl. „Weihegebet zur vollkommenen Hingabe an Jesus durch Maria“). Maria, als erhabene Mutter, erwirkt im Tausch für ihre „Liebessklaven“ die Gnaden Gottes, die ihren Verstand erhöht zum klaren Verständnis der höchsten Glaubenssätze, die ihren Willen engelhafte Kraft verleiht um sich frei von jeglichem Ballast in die Höhen dieser Ideale aufzuschwingen und alle inneren und äußeren Hindernisse besiegen, die sich ihnen entgegenstellen.

Doch könnte jemand fragen, wie kann ein Mönch diese durchscheinende und engelhafte Freiheit üben, da er ja durch sein Gelübde der Autorität eines Oberen unterworfen ist?

Nichts einfacher als dies. Mönch ist man durch einen Ruf Gottes („Berufung“). Es ist also Gottes Wille, dass ein Ordensmann seinen Oberen gehorcht. Der Wille Gottes ist der Wille Mariens. Wann immer also der Ordensmann sich Maria geweiht hat als ihren „Sklaven aus Liebe“, gehorcht er als Mariensklave seinem Oberen. Die Stimme des Oberen ist für ihn auf Erden, sozusagen die Stimme der Muttergottes selbst.

Der hl. Ludwig Grignion ruft alle Menschen dermaßen vorsichtig auf zu diesen Gipfeln des „Liebssklaventums“, sodass dieses viel Raum lässt für wichtige Nuancen. Sein „Sklaventum aus Liebe“, das von so großer Bedeutung ist für Menschen, die sich durch Gelübde an einen Religionsorden gebunden haben, kann gleichsam von Weltpriestern und Laien praktiziert werden. Denn im Gegensatz zu den Ordensgelübden, die für eine gewisse Zeit oder für das ganze Leben verpflichtend sind, kann der „Sklave aus Liebe“ zu jeder Zeit diesen erhabenen Zustand verlassen, ohne damit eine Sünde zu begehen. Während der Ungehorsam einer Ordensperson gegenüber der Ordensregel sündhaft ist, begeht der Laie „Sklave“ keine Sünde, wenn er der edelmütigen Hingabe widerspricht.

So verbleibt also der Laie in der Eigenschaft eines „Sklaven“ durch einen freien Akt, den er implizit oder explizit täglich, oder besser, jeden Moment wiederholt.

Für alle Gläubigen ist also das „Sklaventum aus Liebe“ diese engelhafte und höchste Freiheit, mit der Maria sie an der Schwelle zum 21. Jahrhundert erwartet: lächelnd, anziehend, sie einladend in ihr Reich, gemäß ihrem Versprechen in Fatima: „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren!“

Komm also, lieber Leser, bekehre Dich und gehe mit mir, mit allen „Sklaven aus Liebe“ zu Maria, in Richtung dieses Reiches der höchstgeordneten Freiheit und der höchstfreien Ordnung, zu dem Dich die Sklavin (ancilla) des Herrn, die Königin des Himmels einladet.

Umgehe die Schwelle in der der Teufel wartet, wie ein schaurig lachender Totenkopf, in der Hand die Sichel der extrem versklavenden Freiheit und der extrem freiheitlichen Versklavung, das heißt, der Anarchie.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Die Gegen-Revolution und die Liebe zum Kreuz


Durch die Einwirkung der Kirche hatte der Mensch im Mittelalter im allgemeinen eine Neigung zu einer besonderen Verehrung des Kreuzes. Daher liebte er auch mehr die Werte der Seele und alles, was zu ihrem Heil notwendig war.

Im 14. Jahrhundert:
„(…)zeichnete sich im christlichen Europa eine Mentalitätsänderung ab, die dann im Verlauf des 15. Jahrhunderts immer deutlichere Züge annahm. Das Streben nach irdischen Freuden wuchs zu einer wahren Gier. Die Vergnügungsveranstaltungen wurden immer häufiger und prunkvoller.“
Ergebnis:

„(…)Der wachsende Hang zu einem lust- und phantasievollen Leben des Genusses führte in Kleidung, Sitten, Sprache, Literatur und Kunst zu immer deutlicheren Anzeichen von Sinnlichkeit und Verweichlichung.“
„(…)Alles gewann einen ausgelassenen, verspielten und festlichen Charakter. Die Herzen wendeten sich nach und nach von der Opferfreudigkeit, von der wahren Kreuzesverehrung und dem Streben nach Heiligkeit und nach dem ewigen Leben ab.“[1]

Seit dem Ende des Mittelalters bis in unsere Tage nahm dieser Hang immer mehr an Stärke zu. Leider ist die Gesellschaft, in der wir leben, von ihm durchtränkt und die allgemeine Regel scheint zu sein die Befriedigung der leiblichen Gelüste.

Der hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort (1673 – 1716), ein feuriger französischer Missionar, erkannte, mit Hilfe der Gnade, den Mangel an Kreuzesliebe bei den Menschen seiner Zeit. Um diese Liebe zu erneuern, schrieb er einen „Rundbrief an die Freunde des Kreuzes“. So lehrt er in diesem:
„Ein Freund des Kreuzes ist ein von Gott auserwählter Mensch unter Zehntausenden, die nach den Sinnen und der bloßen Vernunft leben, um als ein ganz vergöttlichter Mensch [2] zu sein, und erhaben über die Vernunft [3] und ganz in Gegnerschaft zu den Sinnen [4], für ein Leben im Lichte des reinen Glaubens und in brennender Liebe zum Kreuze.“

Da der Hochmut und die Sinnlichkeit — die wichtigsten Triebkräfte der Revolution — die Seele des Menschen beherrschen, wenn er sich von der Liebe zum Kreuz abwendet und eine hemmungslose Eigenliebe entwickelt, empfiehlt der hl. Ludwig als Gegenmittel die Hinnahme der Verdemütigung und eine Liebe zum Opfergeist: „Ein Freund des Kreuzes ist ein allmächtiger König und ein über den Satan, die Welt und das Fleisch und ihre drei Begierlichkeiten triumphierender Held. Durch seine Liebe zu den Verdemütigungen wirft er den Stolz Satans nieder, durch seine Liebe zur Armut besiegt er den Geiz der Welt und durch seine Liebe zum Leiden ertötet er die Sinnlichkeit des Fleisches.“[5]

Diese Beschreibung erinnert uns an den hl. Franz von Assisi, ein Heiliger, der von Gott in eine Zeit berufen wurde, in der die ersten Keime dieser Dekadenz aufgetreten sind. Um davon eine Vorstellung zu haben, braucht man sich nur an die Opposition und Unverständnis zu erinnern, denen er ausgesetzt war. Es ist zu glauben, dass sein Wirken den Beginn des revolutionären Prozesses verzögert hat.

Ein Gegenrevolutionär wird nicht echt sein, solange er nicht ein „Freund des Kreuzes“ ist.

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Anmerkungen

[1] vgl. Revolution und Gegenrevolution I. Teil, III. Kapitel, 5 A.

[2] Im Sinn von „Ich lebe, nein, nicht mehr ich, es lebt in mir Christus“ (Gal 2.20).

[3] Erhaben über, doch nicht gegen die rechte Vernunft.

[4] Das Thema Widrigkeit der Sinne wird in einem anderen Post anhand eines erläuternden Textes des hl. Thomas von Aquin behandelt.


[5] „Rundschreiben an die Freunde des Kreuzes“, 2. Teil – Bedeutung dieses Namens. Das goldene Buch vom hl. Ludwig Maria Grignion von Monfort, Lins-Verlag, A-6804 Feldkirch, 1987.