Montag, 30. März 2015

KREUZWEG


GEBET

O schmerzhafte Mutter, in diesen Zeiten, in denen die große Mehrheit der Menschen die Opfer flieht, obwohl diese zur vollkommenen Erfüllung der Gebote und Weisungen Deines göttlichen Sohnes unerlässlich sind, erlange allen, die notwendige Kraft, ihr eigenes Kreuz bis hinauf auf Golgotha zu tragen.
1. Station
Jesus wird zum Tode verurteilt

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.

DER RICHTER, der das ungeheuerlichste Verbrechen der Menschheitsgeschichte beging, wurde dazu nicht angetrieben durch das Auflodern einer stürmischen Leidenschaft. Es blendete ihn nicht ideologischer Hass, nicht Gier nach neuen Reichtümern, nicht der Wunsch, einer Salome zu gefallen. Es war die Furcht, seinen Posten zu verlieren, die ihn antrieb, den Unschuldigen zu verurteilen. Die Furcht, den Eindruck zu erwecken, die Vorrechte des Kaisers nicht sorgfältig zu hüten; die Angst, politische Schwierigkeiten für sich selbst zu schaffen, wenn er dem Pöbel missfallen würde; die instinktive Angst „Nein“ zu sagen, das Gegenteil zu tun, was verlangt wird, mit Haltungen und Meinungen aufzutreten, die dem Umfeld widersprechen.
O Herr, lange hast Du ihn angeschaut mit dem gleichen Blick, der im Nu die Bekehrung des Petrus erwirkte. Ein Blick, in dem sich Deine höchste moralische Vollkommenheit widerspiegelte, Deine unendliche Unschuld. Und dennoch, er hat Dich verurteilt.
O Herr, wie oft habe ich Pilatus nachgeahmt! Wie oft habe ich zugelassen, dass aus Liebe zu meiner Karriere die Wahrheit in meiner Gegenwart angegriffen wurde und ich dazu schwieg. Wie oft habe ich mit verschränkten Armen dem Kampf und dem Martyrium derer zugesehen, die sich für Deine Kirche einsetzten. Und hatte keinen Mut, ihnen ein Wort der Unterstützung zu sagen, aus Feigheit, denen zu entgegnen, die mich umgaben, „Nein“ zu sagen denen, die mein Umfeld bildeten, aus Angst „anders zu sein, als die anderen“. So, als ob Du mich erschaffen hättest, o Herr, um Dich nicht nachzuahmen, sondern unterwürfig meine Freunde nachzuahmen. In jenem schmerzhaften Augenblick der Verurteilung hast Du, o Herr, gelitten für alle Feiglinge, für alle Schwächlinge, für alle Lauen, ... , für mich, o Herr.
Mein Jesus, Verzeihung und Barmherzigkeit. Durch das Beispiel Deiner Stärke, mit der Du der Verachtung der Menschen entgegengetreten bist und das Urteil des römischen Statthalters auf Dich genommen hast, heile in meiner Seele das Geschwür der Trägheit und der Bequemlichkeit.
Vater unser..., Gegrüßet seist Du Maria..., Ehre sei dem Vater...
V. Erbarme Dich unser, o Herr!
A. Erbarme Dich unser!
V. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden.
A. Amen.

2. Station
Jesus nimmt sein Kreuz auf sich

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.

NUN BEGINNT, o mein angebeteter Herr, Dein Weg zur Opferstätte. Nicht einen schnellen Tod hat Dein himmlischer Vater für Dich bestimmt. Nein! Durch einen langen Leidensweg solltest Du uns nicht nur ein Beispiel im Sterben sein, sondern auch in der Sicht des herannahenden Todes: Ihm mit Ruhe, ohne Zögern und ohne Schwächen zu begegnen; ja sogar ihm entgegenzuschreiten mit dem sicheren Schritt eines Kriegers, der zum Kampfe vordringt. Dies ist die bewundernswerte Lehre, die Du mir gibst.
Doch bei mir wieviel Feigheit in der Vorahnung eines Schmerzes, o mein Gott. Bevor ich mein Kreuz auf mich nehme, versuche ich mich entweder anzupassen, oder ich ziehe mich zurück und verrate meine Pflichten. Wenn ich es schließlich annehme, dann mit soviel Überdruss und Trägheit, dass es scheint, ich verabscheue die Last, die Dein Wille mir auf die Schultern legt. Und wie oft kommt es vor, dass ich meine Augen schließe, um den Schmerz nicht zu sehen. Ich verblende mich mit einem einfältigen Optimismus, weil ich keinen Mut habe, die Prüfung auf mich zu nehmen. Und deshalb lüge ich mir selbst vor: Es ist nicht wahr, dass der Verzicht auf dieses Vergnügen notwendig ist, um nicht der Sünde zu verfallen. Es ist nicht wahr, dass ich jener Gewohnheit, die meine innersten Leidenschaften schürt, entsagen muss. Es ist nicht wahr, dass ich jene Umgebung, jene Freundschaft meiden muss, weil sie mein geistliches Leben ruinieren. Nein, nichts davon ist wahr... Ich schließe die Augen und werfe mein Kreuz zur Seite.
Mein Jesus, verzeih' mir soviel Bequemlichkeit. Durch die Wunde, die das Kreuz auf Deiner heiligen Schulter öffnete, heile, o Vater der Barmherzigkeit, die schreckliche Wunde in meiner Seele, die Jahre innerer Sorglosigkeit und Selbstgefälligkeit aufgerissen haben.
Vater unser..., Gegrüßet seist Du Maria..., Ehre sei dem Vater...
V. Erbarme Dich unser, o Herr!
A. Erbarme Dich unser!
V. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden.
A. Amen.


3. Station
Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.


WIE DENN, o Herr? War es Dir nicht erlaubt, Dein Kreuz liegen zu lassen? Da Du es doch getragen hattest, bis all Deine Kräfte erschöpft waren und die nicht mehr tragbare Last des Kreuzes Dich zu Boden warf, war es da nicht deutlich genug, dass es unmöglich war, es weiter zu tragen? Deine Aufgabe war erfüllt! Nun sollten die Engel des Himmels das Kreuz für Dich weiter tragen! Du hattest das Möglichste gelitten! Was könntest Du noch mehr hergeben?
Doch Du hast Dich anders verhalten und meiner Feigheit eine hohe Lehre erwiesen. Als Deine Kräfte erschöpft waren, hast Du Dich nicht der Last entledigt, sondern um noch mehr Kraft gefleht, um das Kreuz wieder aufzunehmen. Und Du hast sie erhalten.
Schwer ist heute das Leben eines Christen. Gezwungen gegen sich selbst zu kämpfen, um vom Pfade der Gebote nicht abzuweichen, scheint er gegenüber einer Welt, die in Zügellosigkeit und Reichtum sich der Lebensfreude brüstet, eine überspannte Ausnahme zu sein.
O Herr, das Kreuz der Treue zu Deinen Geboten lastet schwer auf unseren Schultern und manchmal scheint uns der Atem zu versagen.
In diesem Augenblick der Prüfung reden wir uns selber ein: Wir haben schon alles getan, was in unseren Kräften stand. Letztendlich ist ja die Ausdauer des Menschen begrenzt! Gott wird dafür schon Verständnis haben ... Legen wir das Kreuz am Rande des Weges ab und lassen wir uns sachte in die Genüsse des Lebens versinken! ...
O, wie viele verlassene Kreuze am Rande unserer Wege; wer weiß, wie viele am Rande meines eigenen Weges!
Gib mir, o Herr, die Gnade, mein Kreuz fest in den Armen zu halten, selbst wenn unter seiner Last meine Kräfte mich verlassen sollten. Gib mir die Gnade, mich wieder aufzurichten, wenn immer ich zusammenbreche. Gib mir, Herr, die große Gnade niemals vom Wege abzukommen, auf dem ich zum Gipfel meines eigenen Kalvarienberges gelangen muss.
Vater unser..., Gegrüßet seist Du Maria..., Ehre sei dem Vater...
V. Erbarme Dich unser, o Herr!
A. Erbarme Dich unser!
V. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden.

A. Amen.

4. Station
Jesus begegnet seiner heiligen Mutter

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.

WER WÜRDE es wagen, o Mutter, Dich so weinen zu sehen und nach dem Grund Deiner Tränen zu fragen? Weder die Erde, noch der Himmel, noch das ganze Firmament könnten als Vergleich herangezogen werden, für die Unermesslichkeit Deiner Schmerzen.
Gib mir, o Mutter, wenigstens einen kleinen Teil Deiner Schmerzen. Gib mir die Gnade, Jesus mit den Tränen einer aufrichtigen und tiefen Zerknirschung zu beweinen.
Du leidest mit Jesus. Gib mir die Gnade zu leiden, Wie Du und Er leiden.
Dein größter Schmerz kam nicht von der Betrachtung des unsagbaren körperlichen Leidens Deines göttlichen Sohnes. Was sind schon die Leiden des Körpers im Vergleich zu den Leiden der Seele? Wenn Jesus all diese Marter hätte erleiden müssen, doch an seiner Seite mitleidige Herzen gewesen wären! Wenn der dümmste, der ungerechteste, der platteste Hass das heiligste Herz nicht unendlich mehr verwundeten, als die Last des Kreuzes und die Misshandlungen den heiligen Leib Unseres Herren! Und da war der sich tobend äußernde Hass und die Undankbarkeit derer, denen Er seine Liebe erwiesen hatte ... Hier ein Aussätziger, den Er geheilt hatte ... Da ein Blinder, dem Er das Augenlicht zurückgegeben hatte ... Etwas weiter ein Betrübter, dem Er wieder den Frieden geschenkt hatte... Und alle verlangten Seinen Tod. Alle hassten Ihn; alle beschimpften Ihn. Dies alles bereitete Jesus viel mehr Leiden, als die unsagbaren Schmerzen, die seinen heiligen Leib erdrückten.
Doch es gab noch Schlimmeres. Da war noch die Sünde; die ausgesprochene Sünde, die offensichtliche Sünde, die abscheuliche Sünde. Wenn all jene Undankbarkeiten dem gütigsten aller Menschen zuteil würden, aber paradoxerweise Gott nicht
beleidigen würden! Doch sie richteten sich gegen den Gottmenschen und waren deshalb ein äußerstes Vergehen gegen die Heiligste Dreifaltigkeit selbst. Und das ist das Verhängnisvollste an der Ungerechtigkeit und der Undankbarkeit.
Das schlimmste an diesem Vergehen ist nicht, dass es die Rechte des Wohltäters verletzt, sondern dass es Gott selbst beleidigt.
Und unter den vielen Ursachen Eurer Schmerzen, bereitete Euch gewiss die Sünde das größte Leid, o heiligste Mutter, o göttlicher Erlöser.
Und ich? Weiß ich um meine Sünden? Erinnere ich mich meiner ersten Sünde? Meiner jüngsten Sünde? Der Zeit, zu der ich sie begang, des Ortes, der Personen, die um mich waren, der Gründe, die mich zur Sünde führten? Hätte ich an all das Leid gedacht, das Dir nur eine einzige Sünde zufügt, hätte ich es dann je gewagt, Dich zu beleidigen, o Herr?
Vater unser..., Gegrüßet seist Du Maria..., Ehre sei dem Vater...
V. Erbarme Dich unser, o Herr!
A. Erbarme Dich unser!
V. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden.
A. Amen.





Donnerstag, 19. März 2015

Die Eucharistie und das Apostolat in der modernen Welt

Während der Eucharistischen Woche des Bistums Campos im Jahr 1955 hielt er hierzu einen viel beachteten Vortrag, dessen Hauptgedanken wir hier vorstellen möchten.

* * *
Die Eucharistie und das Apostolat in der modernen Welt

Es ist dies ein Thema, über das man eine ganze Reihe von Überlegungen anstellen kann. Die vier Begriffe, aus denen es sich zusammensetzt, sind zwar alle wichtig, doch unter dem Gesichtspunkt der Genauigkeit und Klarheit sind sie gleichzeitig äußerst ungleich.

Was verstehen wir denn unter „Welt“ und was sollen wir erst unter„moderner Welt“ verstehen?

Was ist die Welt?

Im Evangelium ist von der Welt die Rede. Unser Herr hat sich geweigert, für die Welt zu beten. Und doch haben die Apostel den Auftrag erhalten, alle Völker zu evangelisieren, und das heißt doch wohl, die ganze Welt evangelisieren. Was bedeutet eigentlich das Wort„Welt“?

Umgangssprachlich bezeichnet das Wort Welt den Erdball, auf dem wir leben. Sie bezeichnet einerseits die ganze Menschheit, aber auch eine bestimmte Gesellschaft zeitlichen Lebens, die sich in diesem Sinne von der Kirche unterscheidet. In einem anderen Sinne ist „Welt“ eine Art Reich der Finsternis und des Teufels. Es entspricht dies nicht eigentlich der zeitlichen Gesellschaft, sondern dem Bösen, dessen Fürst der Teufel ist, und deshalb sagen wir auch, dass der Teufel der Fürst dieser Welt ist.

Die verschiedenen Bedeutungen des Wortes „modern“

Modern. Was aber ist modern? In einem gewissen Wortsinn bedeutet„moderne Welt“ die Welt von heute im Gegensatz zur Welt von gestern. Es muss aber eingeräumt werden, dass die moderne Welt nicht allein aus modernen Dingen besteht, denn die ganze menschliche Vergangenheit ist ja auch Teil der modernen Welt. Gleichzeitig stoßen wir in der modernen Welt auf den Widerschein einer superneuen, superatomaren Ära, die sich am fernen Horizont in Richtung Zukunft abzeichnet. Und doch nehmen wir in der modernen Welt noch das Wetterleuchten der Vergangenheit mit den Anfängen unserer Zivilisation wahr, die in ihr immer noch glänzen, fortbestehen und weiterleben. Der gegenwärtige Augenblick, der moderne Augenblick, dieser Augenblick, in dem ich zu Ihnen spreche, setzt sich also aus sehr heterogenen Elementen zusammen, die von den Erfahrungen und den bleibenden Errungenschaften fernster Vergangenheit bis hin zu den Aussichten auf eine unsichere, ferne Zukunft reichen. So ist das Lebensbild eines Menschen in einem bestimmten Moment nicht nur das Bild, das er gerade vor Augen hat, sondern auch das Bild der Aussichten, Pläne und Prognosen, die er in seiner Seele trägt.

Die moderne Welt erscheint uns also als eine Welt voller widersprüchlicher, gegensätzlicher Aspekte. Da ist die Vergangenheit, aus der wir kommen und der gegenüber versucht wird, wie wir gleich sehen werden, einen Gegensatz zu dem Wort „modern“ zu bilden. Und doch ist uns so viel Glorreiches aus dieser Vergangenheit geblieben! Vor allem aber besitzen wir etwas, das mehr ist als Vergangenheit, mehr als Gegenwart, mehr als Zukunft, denn es ist göttlich. Es ist dies die heilige römisch-katholische apostolische Kirche.

Modernität der Kirche

Fast zweitausend Jahre alt, ist die Kirche die jüngste, blühendste, verheißungsvollste Institution der modernen Welt. Und in einer Zivilisation, die unter so vielen Aspekten zu zerfallen und sich auf ihren Untergang zuzubewegen scheint, gibt es nur ein Ding, das nicht vergeht, sondern vielmehr unbegrenzte Jugend verspricht – das ist die katholische Kirche. In diesem Sinn des Wortes „modern“, ist sie in allen Zeiten modern. Modern ist sie aus der göttlichen Seite Unseres Herrn Jesus Christus hervorgegangen. Und modern wird sie auch noch in den letzten Augenblicken der Menschheit sein, wenn hoch am Himmel der Menschensohn in all seiner Majestät erscheinen wird.

Eine andere Bedeutung von „modern“

Wenn wir uns aber die Bedeutung von „modern“ etwas genauer ansehen, werden wir feststellen, dass das Wort oft in einem anderen Sinne gebraucht wird, nämlich als das, was im Gegensatz zum Hergebrachten steht. Modern ist dann das, was gerade erst entstanden ist. In diesem Sinne hören Dinge jeden Augenblick auf, modern zu sein, und andere, moderne Dinge treten an ihre Stelle. Noch gestern, vorgestern, vor vierzehn Tagen hat man die Kinderlähmung auf eine bestimmte, moderne Weise behandelt, doch heute schon ist diese Behandlung überholt, weil man ein besseres, noch wirksameres Vorgehen entdeckt hat. Damit gehören nun alle vorherigen Behandlungsmethoden der Geschichte der Medizin an und bilden von dem Zeitpunkt an, als die neue Methode eingeführt wurde, eine abgestorbene Vergangenheit.

In diesem Sinn ist unsere Epoche so verrückt auf Neuheiten. Sie brüstet sich, modern zu sein und in der Umgebung einer Unmenge von Neuheiten zu leben, die es früher nicht gab und die ihr das Kennzeichen der Überlegenheit gegenüber der Vergangenheit verleihen.

Eine dritte Bedeutung des Wortes „modern“

Das Wort „modern“ besitzt aber noch einen differenzierteren, schwer zu durchschauenden Sinn, auf den es in unserer Analyse schließlich ankommt.

Man würde nicht behaupten, dass ein Land, in dem die Trennung von Kirche und Staat herrschte, mit der etwaigen Rückkehr zum System der Einheit von Kirche und Staat moderner geworden sei. Viele würden jedoch behaupten, dass ein Land, das von der Einheit zur Trennung von Kirche und Staat übergeht, moderner geworden sei. Niemand würde behaupten, dass der Übergang vom Scheidungsrecht zur Untrennbarkeit der Ehe einer Modernisierung gleichkomme. Doch viele meinen, dass die endliche Einführung des Scheidungsrechts anstelle der Untrennbarkeit eine Modernisierung sei. Man würde nicht sagen wollen, dass die Erhaltung von Eliten, die Wahrung eines hierarchischen Aufbaus der Gesellschaft, die Sorge um die Beibehaltung von Sitten und Gebräuchen, der Bestand von Institutionen, die die in jeder strukturierten Gesellschaft unentbehrliche hierarchische Ordnung festlegen, ein typisch modernes Anliegen sei. Man würde vielmehr einwenden, dass derlei Dinge zur Vergangenheit gehören und dass sich ein moderner Geist eher darum bemühe, gesellschaftliche und politische Barrieren abzubauen und die vollkommene Gleichheit anzustreben, die im Kommunismus ihre Verwirklichung finde, wo sogar wirtschaftliche Gleichheit herrsche.

„Modernität“ – die Seele der heutigen Welt

Nachdem wir so die verschiedenen Bedeutungen des Wortes „modern“beschrieben haben, können wir uns nun fragen, welche Rolle dieser Modernität innerhalb der heutigen Welt zukommt.

Und wir könnten sagen, dass die Geisteshaltung, die sich als modern bezeichnet, wenn sie auch nicht alles für sich eingenommen hat, so doch die große Antriebskraft ist, die hinter fast allen Ereignissen steckt, denn sie ist das Hauptmerkmal dieses Moments und die große Gefahr. Es wäre zwar sicher übertrieben, behaupten zu wollen, dass es in der heutigen Welt nichts als diese erbärmliche Modernität gebe, doch wäre es ebenso ein Zeichen von Blindheit und Wahnsinn, bestreiten zu wollen, dass diese erbärmliche Modernität das Kennzeichen und der Hauptzug dieser Epoche ist, in der wir leben.

Das Heil der modernen Welt

Gewiss stimmt es aber auch, dass es in der mehr und mehr von dieser Geisteshaltung beherrschten Welt einen gewissen Jemand gibt, die ewig und immer zugegen ist – es ist dies unser Herr Jesus Christus. Er ist in allen Tabernakeln dieser Welt gegenwärtig, in den goldenen Tabernakeln der Heiligtümer der Christenheit; in den ärmlichen Tabernakeln, den verborgenen Tabernakeln der Länder hinter dem Eisernen- und dem Bambusvorhang. Doch dieser Jemand, Unser Herr Jesus Christus, dessen Gegenwart nicht mit den Sinnen des Körpers wahrzunehmen ist, ist der große Apostel der heutigen Zeit. Und Er richtet sich stets an die Menschen, zwar in einer stummen, doch unendlich wirksamen Sprache, nämlich in der Sprache des Herrn, unseres Gottes. Er spricht zu ihnen fortwährend von der Notwendigkeit, ihr Leben auf Gott aufzubauen, seine Autorität anzuerkennen und sich aus ganzem Herzen zu Gott dem Herrn zu bekehren.

Früchte der heiligen Eucharistie

Und in dieser schrecklichen modernen Welt geschieht, was immer geschieht, wenn Gott herausgefordert wird: Gott vermehrt seine Wundertaten, und während die Frevelhaftigkeit ihrem Höhepunkt zusteuert, nehmen wir wunderbare Früchte der heiligen Eucharistie wahr, Früchte der Gnade, die dem Apostolat unvergleichliche Erfolge bescheren. Während sich die Menschen massenweise dem Vergnügen und dem Laster zuwenden, während sich die Menge dem Bösen gegenüber schweigend verhält und sich feige abwendet, nimmt überall die Zahl jener Seelen zu, die in ihrem Streben nach Vollkommenheit, nach uneingeschränkter Rechtgläubigkeit, nach völligem Gehorsam gegenüber der heiligen Kirche alles verlassen, auf alles verzichten und sich bereit zeigen, die Lehre der Kirche zu behaupten, aus Liebe zu dem in der heiligen Eucharistie gegenwärtigen Herrn Jesus Christus alles zu erleiden und zu besiegen.

Beispiele: Heilige Maria Goretti

In diesem Moment steigt in meiner Erinnerung die engelhafte Gestalt der heiligen Maria Goretti auf. In einer Zeit, in der sich ein neues Heidentum, das den ganzen Verfall der modernen Zivilisation zur Schau stellt, gibt dieses jungfräuliche Mädchen mit aller Entschiedenheit sein Leben hin, weil es nicht das verlieren will, das es mehr liebt als alles, mehr sogar als sein Leben: jene Jungfräulichkeit, die man als das wertvollste Geschenk des Lebens zu schätzen lernt, wenn man ein wirklich eucharistisches Herz besitzt. Die heilige Maria Goretti ist ein Höhepunkt. Ob dies wohl ein Einzelfall ist?

Die Märtyrer des Tabernakels

In diesem Augenblick erinnere ich mich noch an einen anderen Fall, welcher sich hinter dem Eisernen Vorhang zugetragen hat und von dem die ZeitungOsservatore Romano berichtete. Die Kommunisten hatten in ein Dorf besetzt, in dem es eine katholische Kirche gab. Nun hatten die Buben des Dorfes gehört, dass die Kommunisten zu einer bestimmten Stunde in die Kirche eindringen wollten, um den Tabernakel aufzubrechen und die geweihten Hostien zu schänden. Es wurde Nacht und draußen hatte es geschneit. Das Mondlicht lag hell auf dem Schnee. Die Stunde des Überfalls auf die Kirche rückte immer näher. Würde der Herr wieder einmal allein auf dem Ölberg ausharren müssen? Nein. Drei Buben, die durch ein offenes Fenster in die Kirche gedrungen sind, wachen bereits stundenlang. Als die Kommunisten dann die Tür aufbrechen und vordringen, versucht einer der Buben umsonst, ihnen mit seinen kindlichen Händen den Weg zum Tabernakel zu versperren. Sie schlagen ihn nieder. Ein zweiter Junge versucht, die Kommunionbank zu verteidigen und wird ebenfalls ermordet. Der dritte Junge steigt auf den Altar, um den Tabernakel mit seiner eigenen Brust zu schützen. Doch die Barbaren töten diesen lebendigen Tabernakel, bevor sie den vergoldeten Tabernakel aufbrechen. Sie nehmen die geweihten Hostien heraus und schänden sie. Die Hölle jubelt, doch mehr noch jauchzt der Himmel ob des in der Kirche vergossenen Blutes der drei kleinen Märtyrer, das bestimmt nicht weniger Ruhm verdient als das der Märtyrer, die einst in der Arena des Kolosseums ihr Blut vergossen haben.

Der Kampf in der modernen Welt

Damit habe ich Ihnen ein Bild vom Wirken der Eucharistie in der modernen Welt vor Augen geführt. In dem Augenblick, in dem die Frevelhaftigkeit auf ihren Höhepunkt gelangt, erreichen auch Gnade und Barmherzigkeit ihren Höhepunkt. Der Stärke des Lasters und des Bösen setzt Gott die unbezwingliche Stärke des Guten entgegen. Die katholische Kirche wird über die moderne Welt triumphieren. Dieser Triumph wird gewiss aus dem gigantischen Aufeinanderprallen der geringen Kräfte des Guten und der ungeheuren Kräfte des Bösen hervorgehen. Doch vielleicht werden wir noch dieses Ereignis sehen, dass die Kirche einen der größten Siege aller Zeiten davontragen wird, und es wird dies der Sieg der heiligen Eucharistie sein, dieser Quelle der Gnaden, die durch die Vermittlung und Fürsprache unserer Lieben Frau für die Welt offensteht. Mit ihren an den eucharistischen Jesus gerichteten Bitten erwirkt uns die Gottesmutter die Gnaden, derer wir bedürfen.

Quelle: „Anais da Semana Eucarística de Campos“, Rio de Janeiro,  17/24-04-1955, pp. 101 a 113 

Dienstag, 3. März 2015

DIE GEGENREVOLUTIONÄRE BEDEUTUNG DES WERKES ZWEIER HEILIGEN

Plinio Corrêa de Oliveira schrieb folgenden Artikel für die katholische spanische Zeitschrift

“Cristiandad” - Barcelona - Nov. 1958
Wer die Geschichte mit den Augen des Glaubens betrachtet und in ihrem Lauf die Eingriffe der Vorsehung zu Gunsten der Heiligen Kirche herauszufinden weiß, wird die beeindruckende Übereinstimmung und Harmonie zweier Heiligen bemerken: des hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort und der hl. Margareta Maria Alacoque.

Als sich die revolutionäre Krebsgeschwulst bildete

Beide lebten in Frankreich in einer höchst wichtigen Zeit der Weltgeschichte. Im tiefsten Grund der französischen Gesellschaft entwickelten sich weiterhin mit aller Kraft die Keime der ideologischen Bewegungen des 16. Jahrhunderts. Noch unauffällig verbreiteten sich wie ein unterirdischer reißender Wasserstrom die Tendenzen in Richtung Rationalismus, Laizismus und Liberalismus in den einflussreichsten Kreisen der Gesellschaft. Der langsame aber unerbittliche Untergang der Aristokratie und der Zünfte der Handwerker und Händler, und gleichzeitigem immer sichtbareren Aufstieg des Bürgertums, bereitete von Weitem schon die gesellschaftliche Form her, die die Revolution von 1789 hervorbringen würde.
Mit einem Wort, lange im Voraus aber seit ihrem Anfang mit einer Kraft ausgestattet, die sich bald als menschlich fast unaufhaltsam erweisen sollte, wuchs die Revolution wie ein Krebsgeschwür in den Eingeweiden eines noch gesunden Organismus.
Historische Prozesse wie dieser müssten vorzüglich in ihrem Keimstadium aufgehalten werden. Denn, wenn man seine Entwicklung zulässt, wird es immer schwerer sie abzuwürgen.

Der Eingriff der Vorsehung, um die Revolution zu vermeiden

So ist es wichtig hervorzuheben, dass genau in dem Moment, in dem eine Aktion zur Abwehr der Revolution am zweckmäßigsten und wirksamsten schien, die Vorsehung in Frankreich zwei Heilige mit einer eindeutigen und speziellen Aufgabe in diese Richtung hervorrief. Eine Aufgabe, die sich hauptsächlich und direkt an die „erstgeborene Tochter“ der Kirche richtete, aber indirekt der ganzen Welt zugute kommen würde. Denn einerseits hätte die Vernichtung „in ovo“ der revolutionären Keime in Frankreich die Katastrophen der Revolution für die ganze Welt verhindern können; andererseits würde ein hervorragender Sieg der Religion in einem führenden europäischen Land im 18. Jahrhundert unvorstellbare Auswirkungen in der religiösen und kulturellen Geschichte der Menschheit hervorbringen.
König Ludwig XIV. regierte von 1643 bis 1715. Die hl. Margareta Maria lebte von 1617 bis 1690. Der hl. Ludwig von Montfort wurde 1673 geboren und starb 1716. Wie man sieht, geschahen die Mission der heiligen Nonne im Orden der Schwestern der Heimsuchung, der das Herz Jesu seine Botschaft der Liebe offenbarte und die Predigten des großen Apostels, der die „wahre Andacht zur Heiligsten Jungfrau“ gelehrt hat in der gleichen Zeit der Regierung des Sonnenkönigs.

Der antirevolutionäre Sinn der Botschaft von Paray-le-Monial

Die Leser von „Cristiandad“ kennen sicher schon die Bitten, die Unser Herr über die hl. Margareta Ludwig XIV. zukommen ließ. Sie wissen, dass das Herz Jesu für Frankreich große Prüfungen voraussagte, aber auch versprach, sie verhindern zu können, wenn seine Bitten gehört werden würden. Sie wissen auch, da Ludwig XIV. den Bitten Unseres Herren nicht nachkommen wollte – vielleicht durch heute noch nicht bekannten Informationen und Machenschaften –, versprach Ludwig XVI. während seiner Gefangenschaft im Tempel, die Bitten Jesu zu erfüllen. Doch es war zu spät. Die Revolution ging ihren eingenommenen Kurs weiter, zu unser aller Unglück.
Wichtig ist aus diesen Fakten im Moment festzuhalten, dass vom Zentrum Frankreichs, von Paray-le-Monial aus, die Vorsehung im „Christlichsten Königreich“ einen Feuerherd der Frömmigkeit und ein Brennpunkt der sittlichen Erneuerung entzünden wollte, um die später eintretenden Katastrophen zu verhindern.
Im gleichen Sinn berief die Vorsehung im Westen Frankreichs eine weitere Bewegung.

Vorläufer und Patriarch der Gegenrevolution

So wie die hl. Margareta Maria, hatte auch der hl. Ludwig von Montfort keine Spur von persönlichen politischen Gedanken. Er sah für sein Vaterland und für die Kirche große Katastrophen voraus. Aber sein Blick richtete sich ausschließlich auf die tiefen Ebenen in denen sich diese Katastrophen vorbereiteten. Seine Schriften deuten eine religiöse und sittliche Krise von großem Ausmaß an, aus der, wie aus der Büchse der Pandora, jede Art von Übel hervortreten würde. Um diese Übel zu verhindern, sprach er seine flammenden Predigten, die von den Bauern des frommen Westens gierig gehört wurden. Es waren geistliche Lehren, die er in etlichen Werken zusammenfasste, von denen die „Abhandlung von der wahren Andacht zu Maria“, der „Rundbrief an die Freunde des Kreuzes“ und „Die Liebe zur ewigen Weisheit“ die wichtigsten waren.
Diese drei monumentalen – leider wenig bekannten – Werke gründlich analysiert, sind eine Widerlegung aller Irrlehren, aus denen das Monstrum der Französischen Revolution später geboren würde. Eine Revolution „sui generis“ (einzig in ihrer Art). Die Werke des hl. Ludwig hatten nicht vorrangig das Ziel die zweifelnden, sinnlichen, naturalistischen Geister zu überzeugen, dass sie im Irrtum waren. Seine wichtigste und größte Sorge war, die eifrigen und lauen Katholiken vor diesen Irrtümern zu warnen und zu bewahren. So bestand seine ganze Dialektik die Liebe zur Weisheit seinen Lesern einzuschärfen, um sie vor dem Laizismus oder der Lauheit zu schützen; die Liebe zum Kreuz den Menschen einzuschärfen, um sie gegen die Sinnlichkeit und die tosende Genusssucht einer unsittlichen und mondänen Epoche zu bewahren; und die Verehrung Mariens durch das „heilige Sklaventum“ den Menschen einzuschärfen, um sie vor den ständigen Arglisten eines echten verdeckten Kalvinismus, wie es der Jansenismus war, zu warnen.
In all seinen Werken ist die Dialektik die gleiche. Er zeigt mit Argumenten aus der Heiligen Schrift, der Tradition, der Kirchengeschichte und dem Leben der Heiligen, dass ein Katholik keinesfalls mit dem Zeitgeist paktieren darf, und dass jede Mittelstellung zwischen diesem Geist und dem Frömmigkeitsleben nichts weiter als ein gefährliches Blendwerk der Sinne oder des Teufels ist.

Maria in den Predigten des hl. Ludwig

In diesem gesamten System muss hervorgehoben werden, dass die Verehrung der Muttergottes, besonders als Königin des Weltalls, als Muter Gottes und der Menschen und als Mittlerin aller Gnaden eine absolut zentrale Rolle spielt. Durch diese Andacht kann der Gläubige die Weisheit und die Liebe zum Kreuz von Gott erhalten. Denn Maria ist das Mittel, durch das Jesus zu uns kam und durch das wir zu ihm gehen sollen. Je mehr wir mit Maria vereint sind, desto mehr werden wir mit Jesus vereint sein. Der Heilige Geist bildet Jesus in den marianischen Seelen, die intensiv, glühend und kindlich marianisch sind. Ohne Maria scheitern die größten Bemühungen zur persönlichen Heiligung. Mit ihr aber ist alles erreichbar, was unserer Schwachheit unerreichbar scheint, alle Wege werden frei, alle Türen öffnen sich, und unsere Kräfte, die wir aus dem Kanal der Gnaden schöpfen, vervielfältigen sich. Das wichtigste ist also, ein wahrer Verehrer Mariens zu sein.
Doch es gibt auch Fälschungen dieser Andacht. Der Heilige weist sie aus und warnt uns vor den Minimalisten und vor allem vor denen, die sich mit einer hohlen Andacht, die nur aus äußerlichen Formeln und Frömmigkeitsübungen besteht. Die vollkommene Andacht lehrt er uns: Sie besteht darin, dass wir Sklaven Mariens werden und ihr alle unsere geistlichen und zeitlichen Güter übergeben und alles für sie, mit ihr und in ihr tun.

Gegenrevolutionäre Früchte der Predigten des hl. Ludwig

Der hl. Ludwig war ein großer Verfolgter. Prälaten, Fürsten der Kirche, die Regierung bekämpften ihn heftig. Nur der Papst und einige wenige Bischöfe in Frankreich unterstützten ihn. In der Bretagne, im Poitou und Aunis konnte er frei predigen, was der Bevölkerung für Generationen zur Erhaltung des Glaubens zugute kam. Als während der Revolution die christliche Zivilisation Helden benötigte, um sie in Frankreich zu verteidigen, erhoben sie sich mehr oder weniger im ganzen „Christlichsten Reich“. Aber in einer gewissen Region griff das ganze Volk zu den Waffen und bauten eine massive, kompakte, ungestüme und unbeugsame Reaktion auf. Die „Chouans“, dessen Gedenken kein Katholik ohne eine tiefe und religiöse Ergriffenheit hervorrufen kann, waren die Enkel der Bauern, die vormals der hl. Ludwig in die wahre Andacht zu Maria eingeführt hatte. Wo der hl. Ludwig gepredigt hatte und angenommen wurde, bekam die gottlose und frevelhafte Revolution keine Chance, es bildete sich, im Gegenteil, ein Kreuzzug, eine Gegen-Revolution.
 
Die Bedeutung der hl. Margareta Maria und des hl. Ludwig von Montfort in der Gegenwart

Es ist unbedeutend nachzuforschen in welchem Maße die Bewegungen von Paray-le-Monial und der Vendée im 17. Jahrhundert sich gegenseitig kannten. Die Wichtigkeit beider beschränkte sich nicht auf jene Zeit. Als Kinder der Kirche in diesem tragischen 20. Jahrhundert können und müssen wir beide Bewegungen unter einer einzigen Perspektive sehen, und in dieser Einheit sie als einen  geistlichen Schatz betrachten.
Der wesentliche Zusammenhang ist heute so klar im Gewissen eines jeden Gläubigen, dass es garnicht nötig ist, speziell darauf hinzuweisen. Die Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu ist der kostbarste, äußerste, zärtlichste Liebeserweis Unseres Erlösers uns gegenüber. Der Weg um zum Herzen Jesu zu kommen, ist die Mittlerin aller Gnaden. Und so geht man zum Herzen Jesu durch das Herz Mariens. Diese Andacht zum Herzen Mariens, die der hl. Antonius Maria Claret so sehr ins Licht setzte, scheint dem hl. Ludwig nicht bekannt gewesen zu sein. Aber es ist der Verbindungspunkt zwischen der Botschaft von Paray-le-Monial und der Verkündigung des marianischen Apostels der Vendée. Ein Verbindungspunkt, der, nebenbei gesagt, sehr in der Botschaft von Fatima hervorgehoben wurde.
Doch außer diesen grundsätzlichen Banden gibt es noch andere.
Wir können sie in einem raschen Überblick gut verstehen, wenn wir überlegen, was heute Frankreich und die christliche Zivilisation und die Welt sein könnten, wenn beide Bewegungen, Paray-le-Monial und die Vendée, in den 17. und 18. Jahrhundert siegreich hervorgegangen wären. An Stelle der Revolution mit all ihren abscheulichen Folgen, die uns bis hin zum gegenwärtigen Schlund mitgerissen haben, hätten wir ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens. „Opus justitiae pax“ liest man auf dem Wappen Pius XII. Ja, der Frieden Christi im Reiche Christi, von dem wir uns aber immer weiter entfernen.
So haben wir also die enorme Aktualität der Botschaft von Paray-le-Monial und das Werk des hl. Ludwig Maria hervorgehoben. Sie lehren uns, dass der Grund der Probleme, die die gegenwärtige Krise hervorgebracht hat, religiös und sittlich ist. Sie zeigen uns auch die übernatürlichen Mittel, durch die die weltweite Revolution unserer Tage, die die unverschämte und verderbliche Tochter der Französischen Revolution ist, erwürgt werden kann. Nur aus dem guten Gebrauch dieser Mittel können auf kultureller, sozialer und politischer Ebene die Reaktionen hervorkommen, um auf der Welt das Reich Christi durch das Reich Mariens vorzubereiten.

Plinio Corrêa de Oliveira

São Paulo, Oktober 1958


* * * * *



Dienstag, 3. Februar 2015

Der Löwe im Wappen der TFP


Plinio Corrêa de Oliveira

Der heraldische Löwe der TFP verbindet auf angenehme Weise drei Eigenschaften: viel Kraft, Bewegung und viel Leichtigkeit.


Man hat nicht den Eindruck eines schwergewichtigen, fleischgierigen oder reißenden Löwen. Er weckt eher den Gedanken an Eleganz, Edelmut und Tapferkeit. Ein Löwe wie ein Kreuzritter.


Diese Eigenschaften ergeben den Charme des Löwen.
Ein weiteres Element ist die Haltung des Kopfes: stolz hält er ihn erhoben. Er blickt den Feind ins Angesicht und schreitet mit gespreizten Pranken zum Angriff. Der Schwanz bildet eine Art Siegesfähnlein, als wenn er künden wollte: „Nach dem Angriff kommt der Sieg“.

Das glänzende Rot des Hintergrunds spricht von der Fülle des Lebens, von Sieg.

Zu beachten ist auch die Taille: schlank, so dass die Brust sich aus der Taille erhebt fast wie ein Springbrunnen. Die Hinterfüße öffnen sich symmetrisch und sehr elegant.
Alles, was entzückt und begeistert besitzt einen großartigen Charme. Dies ist der großartige Charme des kampfbereiten Löwen der TFP.
  
Ohne Revision des Autors

Donnerstag, 22. Januar 2015

Wer wird siegen?

  
Wer wird in den heutigen Kampf zwischen Gutem und Bösem siegen? Die Wolken, die vor uns hängen, sind keinesfalls rosig. Aber wir sind durch eine unbesiegbare Gewissheit beseelt, dass die Kirche nicht untergehen wird — was offensichtlich ist, wenn man das göttliche Versprechen in Erwägung zieht —, sondern zu einen Triumph kommen wird, der noch größer sein wird als der Sieg der Christen bei Lepanto im 16. Jahrhundert.
Wie? Wann? Die Zukunft gehört Gott allein. Was aber sicher ist, ist die Tatsache, dass der Heilige Geist weiterhin bewundernswerte geistige Kräfte des Glaubens, der Reinheit, des Gehorsams und der Hingabe innerhalb der Kirche hervorruft. Mit der Hilfe der Heiligen Jungfrau Maria werden sie, bei geeigneter Gelegenheit den christlichen Namen mit Ruhm bedecken.  

Plinio Corrêa de Oliveira


Quelle: Allianz mit Maria – Heft Nr. 2 Juni/Juli 2013 – Hrsg.: DVCK e. V. – Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Weihnachten und Fatima:


scheinbare „Utopien“, glänzende Wirklichkeiten

Unsere feste Überzeugung des universalen Triumphes der Katholischen Kirche und einer bevorstehenden Wiederherstellung der christlichen Ordnung, könnte in Vielen einen – klaren oder unbewussten – Einwand aufkommen lassen: Wenn wir den enormen Verfall der Gegenwart betrachten, sind diese Hoffnungen nicht ein utopischer Traum, eine Phantasie, die sich nicht verwirklichen lassen?

Die Heilige Jungfrau hat in Fatima den Triumph ihres Unbefleckten Herzens versprochen. Plinio Corrêa de Oliveira erwähnte diese Schwierigkeit und bemerkte, dass eine zunehmende Zahl von Intellektuellen verschiedener Disziplinen – Soziologen, Philosophen, Politikwissenschaftler -, der Meinung ist, dass Utopien, also nicht realisierbare Vorstellungen, für die Menschen wichtig sind. Ein utopienloses Volk, sagen sie, hinterlässt keine Spuren in der Weltgeschichte. Es ist „gesünder“ für ein Volk hinter nicht zu verwirklichenden Utopien her zu gehen, als konkreten aber sterilen Realisierungen nachzueifern. Diese These sprach ihn an, fügte aber noch hinzu: „Eine Utopie hört auf Utopie zu sein im Hinblick auf das Übernatürliche, also auf das Wunder und die Gnade. Ohne die Gnade wäre sie eine bittere Vorstellung. Doch wir begeistern uns für solche Vorstellungen, wie z.B. für das Reich Mariens, für den in Fatima versprochenen Triumph ihres Herzens, stellen jedoch auch eine gewisse Unwahrscheinlichkeit dieses Triumphes fest. Doch mit der Gnade wird die ,Utopie‘ zur Wirklichkeit.“

Die Gelegenheit, in der dieser Gedanke einer verwirklichten Utopie am sichtbarsten und spürbarsten im Leben der Kirche und der Christenheit ist, ist die Heilige Nacht. In dieser über aller heiligsten Nacht ist nicht nur etwas Unerwartetes geschehen, sondern etwas total Undenkbares:

„Es ist als wenn durch die Allmacht Gottes etwas durchaus Unmögliches möglich geworden ist, und vom Himmel ein Gnadenstrom herabgeflossen ist, der all das, was wir für unmöglich hielten, nun wunderbare Wirklichkeit wurde.

Warum? – Weil ,aparuit Salvator Noster Domini Nostri Jesu Christi‘. Der Erlöser, der in einer Jungfrau Fleisch geworden ist und als Gott-Mensch geboren wird, und der Welt die Rettung von Sünde und Tod brachte, ist eine kühnste Wirklichkeit, als jedwede Utopie sich hätte vorstellen können. Doch sie wurde Wirklichkeit durch die Gnade, das Wunder und durch die Macht Gottes“, erklärt de Oliveira.

„Diejenigen, die denken, die konkrete und fühlbare Realität sei das einzig Wirkliche, merken nicht, dass sie die Realität vermindern, und dass sie ihre besten Seiten übersehen. Sie denken in gottlosen Maßstäben, als wenn Gott nicht existierte.

Wenn man jedoch einen tatsächlichen Glauben hat, ist alles anderes. Die angeblichen Utopien werden zu prachtvollen Wirklichkeiten.

Hiermit möchte einigen unter uns helfen ihre eigenen Kriterien zu korrigieren; sie müssen verstehen, dass man immer in Hinblick auf eine von Gott geschaffene Welt denken muss, eine Welt, die sich nach Gott hin richtet und Der von sich aus, durch Seine Engel und Heiligen aktiv im Weltgeschehen einwirkt.

Deshalb machen die außerordentlichsten Erhebungen des glaubenden Geistes die Wirklichkeiten möglich. Der größte Trost des menschlichen Lebens ist nicht den Traum eines neuen Wagens in Erfüllung gehen zu sehen oder etwas anderes erreicht zu haben, sondern die Verwirklichung seiner ,Utopien‘ zu erfahren.

Der Geist der Utopie im guten und echten Sinn des Wortes ist in Wirklichkeit der Geist des katholischen Glaubens.“[*]



Dies ist der Zusammenhang zwischen Weihnachten und Fatima. Die tausendjährige Verheißung über das Kommen eines Erlösers wurde Wirklichkeit am Heiligen Abend und übertraf die kühnsten Erwartungen aller glaubenden Menschen. Die Verheißung einer Zeit der Erhöhung der Kirche, wie sie in Fatima vorausgesagt wurde, wird auch in einer Form Wirklichkeit werden, die alle unsere prächtigen und wunderbaren Vorstellungen und Erwartungen übertreffen wird.

[*] Freie Übersetzung einer Bandaufnahme eines Vortrages von Plinio Correa de Oliveira am 12. Oktober 1989.


Dienstag, 23. Dezember 2014

Begegnung mit Plinio Correa de Oliveira

Begegnung mit Plinio Corrêa de Oliveira

Katholischer Streiter in stürmischer Zeit
  
Plinio Corrêa de Oliveira (1908–1995) war kein Kleriker. Trotzdem gehörte der Journalist und Schriftsteller zu denen, die sich mit Wort und Tat in den Dienst der katholischen Kirche stellten. Wie kein anderer war er als Mann der Tat, als Leiter, Gründer und Inspirator diverser Organisationen im Sinne der Kirche tätig. Sein Leben und Wirken verkörpern ein herausragendes Beispiel für gelebtes Christentum und lassen erkennen, wie ein Mensch in allen möglichen Situationen und Widrigkeiten des Lebens die Belange der katholischen Kirche vertreten kann.

»Ein so reiches und intensives Leben in einer kurzen Biographie zusammenzufassen, ist keine leichte Aufgabe, die aber Mathias von Gersdorff, ein mutiger katholischer Schriftsteller, den ich seit langem kenne und schätze, mit Bravour gelöst hat. Überdies ist der persönliche Blickwinkel, unter dem von Gersdorff schreibt, besonders reich: Dank seiner zahlreichen privaten Begegnungen mit Plinio Corrêa de Oliveira […] gelingt es ihm, ein sehr lebhaftes Bild dieses großen Mannes zu zeichnen, der eine breite Bildung und die Umgangsformen eines Kavaliers der alten Schule […] mit einem tiefen inneren Leben verband.«
Roberto de Mattei


Mathias von Gersdorff wurde 1964 in Santiago de Chile geboren. Er ist seit 1990 in der Lebensrechtsbewegung aktiv und leitet seit 1993 die Aktion »Kinder in Gefahr« der DVCK e.V. Seine Kolumnen erscheinen regelmäßig in u.a. der »Jungen Freiheit«, der »Freien Welt« und im »Christlichen Forum«. 

Buchinformationen:
Titel: Begegnung mit Plinio Corrêa de Oliveira.
         Katholischer Streiter in stürmischer Zeit
Autor: Mathias von Gersdorff
ISBN : 978-3-86417-033-1
Einband: Hardcover
Seiten: 154
Format: 13 cm x 21 cm
Preis: 14,80 € [D], 15,30 € [A], 21,90 CHF
Patrimonium-Verlag


Bestellungen: Fax: 0241 - 87 55 77 oder