Donnerstag, 11. Februar 2016

Eine nicht beachtete Warnung - Das Wiedererwachen des Islam

1947 warnte Prof. Plinio Corrêa de Oliveira: „es wird eine ,arabische‘ Gefahr kommen im gleichen oder gar größerem Ausmaß der zur Zeit des hl. Pius V. und der Schlacht von Lepanto.“
Die Barbaren stürmen das römische Reich

Die Attentate auf das World Trade Center und das Pentagon, so wie die Attentate von Paris bestätigen mit aller Deutlichkeit die unzähligen Voraussagen, die Plinio Corrêa de Oliveira im Lauf von 60 Jahren öffentlich machte hinsichtlich der großen Gefahr, die der Islam für den Westen darstellen werde. Sie sind dokumentiert in etlichen Artikeln, die er in der Wochenzeitung O Legionário veröffentlichte.

In diesem Sinn scheint es sehr angebracht hier den Artikel „Die Wiedergeburt Mohameds“, den er am 15. Juli 1947 veröffentlicht hat.


Die Wiedergeburt Mohameds

O Legionário (1) Nr. 775, 15.6.1947

Wenn wir die traurige Geschichte vom Fall des Weströmischen Reiches studieren, fällt es uns schwer die Kurzsichtigkeit, die Gleichgültigkeit und die Gelassenheit die die Römer angesichts der anschwellenden Gefahr zeigten, zu begreifen. Rom litt an der eingefleischten Gewohnheit der ständigen Siege, die andere Übel noch verschlimmerte. Zu seinen Füßen lagen die glorreichsten Nationen der Antike: Ägypten, Griechenland und ganz Asien. Die wilden Kelten waren definitiv gezähmt. Der Rhein und die Donau bildeten für das Reich eine prächtige natürliche Verteidigungslinie. Warum sollte man befürchten, dass die Barbaren, die sich in den Urwäldern Zentraleuropas herumtummelten, eine so ernsthafte Gefahr für das immense politische Gebilde darstellen konnten?

Da sich die Römer an dieser Sicht der Situation gewöhnt hatten, hatten sie nicht die geistige Wendigkeit, um zu verstehen, dass sich eine neue Situation allmählich zusammenbraute. Die Barbaren überquerten den Rhein und begannen die Invasionen. Der Widerstand der Legionen war ihnen gegenüber schwach, unentschlossen, unzulänglich. Trotzdem ignorierten sie weiterhin die Gefahr, verblendet wie sie waren einerseits durch das ungesättigte Verlangen nach Vergnügungen und andererseits getäuscht durch einen, was man in der abscheulichen Terminologie von Freud Überlegenheits-„komplex“ nennen würde. Das erklärt ihre tödliche Gelassenheit, die sie bis ans Ende beibehielten.

Wenn wir auch in diesem Zusammenhang die rätselhafte römische Trägheit einbeziehen, scheint uns das Gesamtbild doch merkwürdig und vielleicht sogar in etwa überhoben. Wir werden es besser verstehen, wenn wir ein anderes großes Rätsel heranziehen, das sich vor unseren Augen abspielt und an dem wir in gewisser Hinsicht teilhaben: Die große Trägheit des christlichen Abendlandes vor der Auferstehung des afroasiatischen Heidentums. Das Thema ist zu weitläufig, dass man es „en bloc“ behandeln könnte. Um es gut zu verstehen, wird es genügen, dass wir nur ein Aspekt des Phänomens behandeln: Die Erneuerung der islamischen Welt.

Es ist ein Thema das der „Legionário“, der sich schon an wiederholtem Unverständnis gewöhnt hat, mit Beharrlichkeit behandelt hat, das manchmal auch als lästig empfunden wurde. Doch das Thema muss noch einmal behandelt werden, und in einem größeren Umfang, als es in der Notizen der „Sieben-Tage-Rückschau“ behandelt wurde.

Der Stillstand in der islamischen Welt

Betende Moslems auf einer Straße in Paris
Rufen wir einige allgemeine Angaben des Problems kurz in Erinnerung. Wie man weiß, umfasst die islamische Welt einen territorialen Streifen, der in Indien beginnt, über Arabien und Kleinasien Ägypten erreicht und am Atlantischen Ozean endet. Das Einflussgebiet des Islam ist enorm unter allen Gesichtspunkten: Territorium, Bevölkerung, Naturressourcen. Doch bis vor einiger Zeit verhinderten gewisse Faktoren fast gänzlich eine Machtausübung. Das Band, das alle Moslems der Welt verbinden könnte, wäre natürlich die Religion des Propheten. Diese zeigte sich aber entzweit, schwach und völlig bar jeglicher bedeutender Menschen in der Sphäre des Denkens, des Herrschens und der Taten. Der Islam vegetierte dahin und das schien dem Eifer ihrer Würdenträger völlig zu genügen. Die gleiche Genügsamkeit an der Stagnierung und einem rein vegetatives Leben war ein Übel, von dem auch das politische und wirtschaftliche Leben der islamischen Völker von Asien und Afrika infiziert waren. Kein Mann von Wert, keine neue Ideen, keine wirklich bedeutende Unternehmung konnte man in diesem Bereich erkennen. Die islamischen Länder verschlossen sich jedes über sich selbst und verhielten sich gleichgütig gegenüber alles, was nicht den ruhigen und kleinen Wonnen des alltäglichen Lebens entsprach. So lebte jedes Land in einer eigenen Welt, unterschied sich von den anderen durch seine sehr verschiedenen historischen Traditionen, unter sich getrennt von der gegenseitigen Gleichgültigkeit, unfähig ein gemeinsames Werk zu verstehen, zu wünschen und durchzuführen.

Die Nutzung ihrer natürlichen Ressourcen war praktisch unmöglich

In einer solchen politischen und religiösen so deprimierten Situation, war es eindeutig unmöglich die natürlichen Ressourcen der muslimischen Welt, die in ihrer Gesamtheit das größte Potential der Erde darstellen, zu fördern und zu nutzen. Alles war also nur Ruin, Zerfall und Benommenheit.
So schleppte sich das Morgenland durch die Zeit, während das Abendland im Fortschritt seinen Höhepunkt erreichte. Seit dem viktorianischen Zeitalter wehte eine jugendliche, begeisterte und hoffnungsvolle Briese durch Europa und Amerika. Die Fortschritte der Wissenschaften hatten die materiellen Aspekte des Lebens im Westen erneuert. Die Versprechen der Revolution fanden glaubwürdige Aufnahme, so dass es in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts viele gab, die das 20. Jahrhundert als eine Goldära für die Menschheit voraussahen.
Unter diesen Umständen begriff der westliche Mensch sehr wohl die Bedeutung der Trägheit und des Unvermögens im islamischen Bereich des Ostens. Von der Möglichkeit einer Auferstehung der moslemischen Welt zu reden, schien so undurchführbar und anachronistisch wie die Rückkehr zur Kleidung, zur Kriegsführung und zur politischen Landkarte des Mittelalters.
Von dieser täuschenden Vorstellung leben wir heute noch. Und so wie die Römer vertrauen wir auf das Mittelmeer, das uns von der islamischen Welt trennt, und erkennen nicht, dass neue und sehr ernste Erscheinungen in den Ländern des Korans zu beobachten sind.

Die islamische Welt erwacht nach dem 1. Weltkrieg

Der Westen will die islamische
Gefahr nicht wahrnehmen
Es ist schwer in einer kurzen Darstellung so breite und reichhaltige Phänomene wie diese zu erfassen. Doch im Allgemeinen kann man sagen, dass nach dem Weltkrieg das ganze Morgenland – wir bezeichnen damit die Gesamtheit der Regionen des nicht-christlichen Kulturraumes in Asien und Afrika – von einer sehr ausdrücklichen anti-europäischen Reaktion befallen wurde. Diese Reaktion bestand aus zwei in etwa widersprüchlichen Aspekten, stellten aber trotzdem für das Abendland eine große Gefahr dar. Zum einen begannen die Nationen des Orients mit Unruhe an ihrer wirtschaftlichen und militärischen Abhängigkeit von westlichen Ländern zu leiden und strebten immer heftiger nach einer vollen Souveränität, nach der Bildung eines unabhängigen wirtschaftlichen Potentials und eigenen militärischen Kräften. Diese Bestrebungen bedeutete aber auch eine gewisse „Verwestlichung“, das heißt, eine Anpassung asiatischer und afrikanischer Nationen an modernen militärischen, wirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Technologien, und an euro-amerikanischen Finanz- und Banksystemen. Zum anderen verursachte diese patriotische Tendenz ein Wiederaufblühen der Begeisterung für nationale Traditionen, Bräuche, Kulte und Geschichte. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass das würdelose Schauspiel von Korruption und Zerstrittenheit, das die westliche Welt darbot, dazu beitrug den Hass auf den Westen zu schüren. Von daher das Aufkommen im ganzen Orient des Interesses an die alten Götzen eines „Neuheidentums“, der tausendmal kämpferischer, entschiedener und dynamischer wurde als in den alten Zeiten. Japan ist ein typisches Beispiel dieses Prozesses, den wir hier zu beschreiben versuchen. Die ideologische und politische Gruppe, die Japan zum Status einer Großmacht erhob und die Weltherrschaft anstrebte, war gerade eine dieser neuheidnischen Gruppen, die den alten Begriffen der göttlichen Eigenschaften des Kaisers u. ä.  zugetan waren.

Der Hass auf das Abendland

Eine langsamere aber nicht weniger starke Entwicklung als in Japan ergab sich in der gesamten östlichen Welt. Indien ist dabei auf gleicher Weise seine Unabhängigkeit zu erreichen. Ägypten und Persien belegen heute eine vorteilhafte Stellung im internationalen Bereich und schreiten mit großen Schritten voran. Noch vor diesen Ländern formte Mustafa Kemal Pascha (Atatürk) die Türkei zu einem Staat westeuropäischer Prägung. All diese Nationen, wir könnten sie Großmächte nennen, sind stolz auf ihre Vergangenheit, ihren Traditionen, ihre Kultur, die sie mit Nachdruck pflegen wollen und zeigen sich zugleich stolz auf ihre natürlichen Ressourcen, auf ihre politischen und militärischen Möglichkeiten und den errungenen wirtschaftlich-finanziellen Fortschritt. Tag um Tag werden sie reicher, bauen Städte auf mit einem gut funktionierenden Regierungsapparat, einer gut ausgebildeten Polizei, streng laizistische Universitäten mit gutem intellektuellen Niveau, Schulen, Krankenhäuser, Museen, schlicht alles, was uns in gewisser Hinsicht eine Art materiellen Fortschritt bedeutet. In ihren Truhen häuft sich das Gold an. Goldbesitz bedeutet die Möglichkeit Waffen zu kaufen; und Waffen bedeuten weltweites Prestige.
Es ist interessant darauf hinzuweisen, dass der Nazismus sehr stark den Osten beeindruckte. Wenn ein großes Land wie Deutschland eine Regierung hat, die das Christentum verlassen hat und keine Schamröte zeigt, sich den alten Götzen hinzuwenden, was soll es dann etwas beschämendes sein, dass Chinesen oder Araber in ihren traditionellen Religionen verbleiben?

Das Ende einer tausendjährigen Schläfrigkeit

Solche Szenen wähnten wir fern unserer Welt.
Heute spielen sie sich z.B. in Paris ab.
Dies alles veränderte die islamische Welt und verursachte unter den muslimischen Völkern von Indien bis Marokko eine Erschütterung, die zu bedeuten gab, dass die tausendjährige Müdigkeit zu Ende war. Pakistan – ein moslemisch-hinduistischer Staat, dessen Unabhängigkeit bevorsteht –Iran, Türkei, Ägypten sind die Höhepunkte der islamischen Auferstehung. Aber auch in Algerien, Marokko, Tripolis (Libyen), Tunesien steigen die Unruhen an. Der vitale islamische Nerv lebt in all diesen Ländern auf und lässt sie wieder das Gefühl der Einheit erfahren, denn Sinn für gemeinsame Interessen, die Sorge um Solidarität und die Lust am Sieg.
Dies alles ist nicht nur Theorie. Die Arabische Liga, eine groß umfassende Föderation muslimischer Völker, vereint heute die islamische Welt. Sie ist eine Umkehrung von dem, was im Mittelalter die Christenheit war. Die Arabische Liga wirkt wie ein breiter Block gegenüber den nicht arabischen Nationen und schürt in ganz Nordafrika den Aufstand. Die Flucht des Groß-Mufti war deutlich eine Machtdemonstration dieser Liga. Die Befreiung von Abd-el-Krim ist noch viel mehr als dies: es ist die Verkündigung des festen Vorhabens der Liga, sich in die Angelegenheiten Nordafrikas einzumischen und die Unabhängigkeit von Algerien, Tunesien, Tripolis und Marokko zu provozieren. Dies deuteten wir schon an in „Sete Dias em Revista“ (Überblick der Woche) unserer letzten Ausgabe (s. unten a und b).
Braucht es da viel Talent, Scharfblick, außerordentlich gute Informationen vorzuweisen, um die Bedeutung dieser Gefahr zu erkennen?

(1) Halbamtliche Wochenzeitung der Erzdiözese São Paulo, erreichte große Verbreitung und Einfluss in ganz Brasilien.


Diese Warnung wollte man nicht wahrnehmen

Viele Artikel schrieb Prof. Plinio Corrêa de Oliveira seit de 30er Jahren — als das Aufwachen des Islam noch eine Schimäre war —, in denen er vor der Gefahr warnte, die das Wiedererwachen des Islam für Kirche und Christenheit bedeutete. Es waren Warnungen, die über die Seiten der Wochenzeitung O Legionário in die Welt getragen wurden und bildeten in ihrer Gesamtheit ein beeindruckender prophetischer Ruf an alle Persönlichkeiten die im Westen Verantwortung für das Schicksal der Nationen tragen, damit sie die entsprechenden Gegenmaßnahmen treffen sollten.
Anstatt die Katholiken zu warnen und zu mobilisieren angesichts der islamischen Bedrohung — wie es der hl. Papst Pius V. 1571 und der sel. Papst Innozenz XI 1683 taten — und auf die großen Übel, die eine Ausbreitung des Islams für die Kirche und die Gläubigen mit sich bringen würden, hinzuweisen, zog man jedoch eine Haltung der Kapitulation und des Dialogs mit den Anhängern Mohameds vor. Die Folge konnte ja nur eine Radikalisierung der Moslems und der Einzug des Relativismus unter den Katholiken sein.
Auch die weltlichen Führer des Westens führten eine internationale Politik der Nachgiebigkeit ein, die in großem Maße die Bildung, ganz besonders nach dem 2. Weltkrieg, eines mächtigen pan-islamischen Blocks begünstigte.
An den verheerenden Folgen dieser Politik der Auslieferung leidet heute die ganze Welt.

Juan Gonzalo Larraín Campbell, CATOLICISMO – März 2002

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a) O Legionário – „7 dias em revista“ (Wochenschau) 8.6.1947

In dieser mit wichtigen Ereignissen gefüllten Woche haben wenige die Ernsthaftigkeit der Flucht oder der Befreiung von Abd-El-Krim. Das Geschehen ist vielleicht gar nicht so wichtig an sich, aber es zeigt eindeutig den Mut und die Macht der Arabischen Liga, die Trägheit und Schwäche der christlichen Welt.
Wir wissen wer Abd-El-Krim ist, der islamische Führer, der Nordafrika unter Eisen und Feuer legte, gegen das zwei große westliche Mächte sich zusammenschließen mussten, Frankreich und Spanien, um in etwa dauerhafte Ergebnisse zu erreichen. Dieser liederliche Greis, der einen Harem mit zwanzig Frauen unterhält, wird zur Zeit schon ein Zustand nahe der Gebrechlichkeit erreicht haben. Doch sein Name ist ein Banner des Aufstandes. Dieses Banner wurde von König Faruk von Ägypten über die ganze islamische Mittelmeerküste aufgerollt, indem er Abd-El-Krim mit einem „Streich“ Asyl anbot.

b) O Legionário – „7 dias em revista“ (Wochenschau) 15.6.1947

In unserer letzten Ausgabe wiesen wir auf die ernsthafte Folgen der „Flucht“ von Abd-el-Krim und den unmöglich nicht wahrnehmbaren  schmerzlichen Kontrast zwischen dem Unternehmungsgeist und der Stärke der panarabischen Seite und die Schläfrigkeit der alten kurzsichtigen und erschöpften Nationen der Christenheit.
Eine Woche ist vergangen nach den Ereignissen, ohne dass von Seiten Europas nur eine einzige wirksame Reaktion zustande kam. Auch auf der Seite Afrikas gab es totales Stillschweigen. Die Flucht von Abd-el-Krim wurde als das natürlichste Ereignis angesehen. In dieser Stille erhob sich nur eine Stimme, die über die ganze muslimische Küste des Mittelmeers hallte: es war die Stimme Abd-El-Krims, die ganz Nordafrika aufrief, das europäische Joch abzuschütteln. Vom Suez zu Gibraltar war dieser Hetzschrei zu hören, geachtet und noch verstärkt von der ausdrücklichen Sympathie der Könige, Sultane und Emire aller Gattungen, durch den ideologischen Einfluss der islamischen Universitäten und der Würdenträges des Koran und der Begeisterung der Jugend. Dies war also ein folgenträchtiges Ereignis: es ist wichtig einige Aspekte hier zu analysieren, was wir aus Platzmangel in der letzten Ausgabe nicht haben tun können.
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Die Art wie der Streich von Abd-El-Krim durchgeführt wurde ist sehr lehrreich. Abd-El-Krim war Gefangener auf der Insel Réunion und bat um Erlaubnis in Frankreich zu wohnen, um seine Söhne an einer Universität von Paris anzumelden. Die französische Regierung stimmte dem dermaßen naiv zu, sodass Abd-El-Krim die Reise ohne Kontrolle antreten und sogar die Route und das Schiff eigens wählen konnte. Als das Schiff in Ägypten halt machte, man weiß nicht ob auf eigener Faust oder auf Druck von König Faruk, ging Abd-El-Krim an Land und entschloss zu bleiben. Sofort gab er Presseinterviews, die echte Aufstachelung zur Unabhängigkeit Nordafrikas waren. Es scheint, dass er sich fürstlich in ein großes Krankenhaus in Kairo einquartierte, wo ihm ein Flügel desselben komplett zur Verfügung eingerichtet, und ärztliche Betreuung gewährt wurde. Die Arabische Liga erklärte sich schon solidarisch mit ihm. Eine gewisse Unruhe ist in ganz Nordafrika zu spüren. Frankreich zeigte sich enttäuscht — und mit Recht!... — und Spanien wartet aufmerksam auf die Entwicklung der Ereignisse.

Mittwoch, 10. Februar 2016

Die Abhandlung von der wahren Andacht zu Maria vom hl. Ludwig Maria Grignon von Montfort - VIII. Teil

 VI. KAPITEL

DAS BIBLISCHE VORBILD DER GANZHINGABE: REBEKKA UND JAKOB 

Kommentare von Plinio Correa de Oliveira

In den Absätzen 184 bis 212 deutet der hl. Ludwig die Person des Jakob im Lichte der Andacht zur Muttergottes.

Die Geschichte Jakobs

Der alte Isaac war blind, er hatte zwei Söhne: Esau und Jakob.
Esau war ein Mann, dessen Persönlichkeit aus der biblischen Beschreibung hervorgeht: sehr Stark, Jäger, weilte wenig zu Hause. Er war dermaßen behaart, dass er Hand und Nacken mit einem Ziegenfall überzog, als er vor seinen Vater treten sollte; als der Vater ihn berührte, dachte er, es wäre tatsächlich Esau. Dieser verbreitete auch einen gewissen Duft, denn als Jakob, angetan mit den Kleidern seines Bruders, sich dem Vater näherte, sagte dieser: „Fürwahr, meines Sohnes Geruch ist wie des Feldes Geruch, das der Herr gesegnet hat!“ (Gen 27, 27) Er war eine primitiver Typ, unmäßigen und primitiven Begierden und Esslust ausgesetzt.
Das zeigt sich besonders an seinem Verhalten bezüglich des Linsentellers, den Rebekka für ihren Liebling Jakob bereitet hatte. Esau kam erschöpft nach Hause, sah den Linsenteller und bat ihn zu essen. Jakob sagte, er könne ihn haben, wenn er ihm sein Erstgeburtsrecht verkaufe. Esau, trotzdem er von der Jagd kam, verschlang sofort den Linsenteller mit gefräßigem Appetit und verzichtete so auf sein Erstgeburtsrecht. Er war also ein Mensch großer Begierde, kräftig, stark und überfüllt von allen unkontrollierten Naturkräften.
Da sich Isaak schon sehr alt fühlte und schon nicht mehr sehen konnte, beschloss er Esau den Segen des Erstgeborenen zu geben, bevor er sterbe. Er sagte ihm, er solle ihm ein Wildbret jagen und es vorzubereiten, wie er es gern hatte. Er wolle ihn essen und ihn dann segnen.
Rebekka aber hatte zugehört, während Isaak sprach. Als Esau gegangen war, rief sie Jakob, den sie liebte, und sagte ihm er solle zwei Ziegenböckchen bringen, sie wolle sie für Issak zubereiten. Als der Braten fertig war, ging Jakob in den Kleidern Esaus und den Ziegenfellen an Hand und Nacken zu seinem Vater. Isaak zweifelte, dass es Esau sei. Als er ihn aber berührte, meinte er, es sei wirklich Esau und gab ihm den Segen. Als Esau zurückkam und die Situation wahrnahm, protestierte er heftig, doch es war nichts mehr zu machen. Als Isaak von dem Streich erfuhr, wollte er nicht mehr – und das ist geheimnisvoll – den Segen von Jakob zurücknehmen. Esau bat dann wenigsten um einen übrig gebliebenen Segen, der ihm gewährt wurde.
Wie sich der hl. Ludwig ausdrückt, bekam Jakob den Segen des Himmels und Esau den Segen der Erde.

Deutung der Geschichte Jakobs

Diese beiden biblischen Figuren stehen für den hl. Ludwig bildlich als Symbol für die Auserwählten und der Verdammten, der von Gott Bevorzugten und nicht Bevorzugten.
Esau, Abbild der Verdammten – Esau stellt den Menschen reich an natürlichen unkontrollierten Begabungen dar. Er ist von der Art derer, die sich nicht selbst regieren und beherrschen können, in denen die Kräfte der Natur, der Wünsche, der Begierden ihn wie ein reißender Strom mitschleift und er alles ergreift, was er begehrt, geleitet von den niederen Instinkten. Esau Jagd, weil er Lust auf Jagen hat; sieht einen Linsenteller und will ihn essen, und tauscht ihn unsinnigerweise mit seinem Erstgeburtsrecht aus. Ständig lässt er sich leiten von seinen Instinkten und Gelüsten.
Jakob, Abbild der Erwählten – Jakob ist von der Art de guten Kindes, der in der Welt als ein Frömmler angesehen wird. Immer zu Hause, ist er der Mutter zugetan, die eine besondere Vorliebe für ihn hegte, als ihr jüngeres Kind. Von Natur aus ist er schwach, aber doch einer, der sich selbst zügeln kann, bei dem die Vernunft, der gesunde Verstand und das Gleichgewicht aller inneren Kräfte ihn zu einem ehrbaren und einsichtigen Leben führen. Deshalb richtet sich die Vorliebe der Mutter auf ihn und nicht auf den älteren Bruder.
Das erste Merkmal, das den Auserwählten auszeichnet ist die Sorge sich selbst regieren. Er lässt sich nicht von seinen Begierden und Wünschen leiten, sondern von seiner Vernunft und seinem Willen. Er will das, was ihm die Vernunft zeigt, was er willen soll und tut nur das, was er weiß, dass er tun soll. Er ist kein Mensch der ungeordneten Impulse und auch nicht der reinen Instinkte, auch nicht einer, der mit dem Strom schwimmt. Er steht von sich selbst aufrecht und lässt sich leiten und regieren durch seine Vernunft.
Zweitens, wird er von seiner Mutter geliebt, er ist ihr Lieblingssohn. Er ihr gegenüber sehr gefällig und hat Worte für sie, die ihr Wohlwollen anziehen. Deshalb liebt sie ihn vorzüglich.
Zuletzt, er erhält von Gott eine Rolle, die ihm auf den ersten Blick gar nicht zusteht.

Das Abbild Jakobs bezogen auf die Sklaven Mariens

Der hl. Ludwig wendet diese Eigenschaften auf diejenigen an, die die Weihe an Maria als Sklaven vollziehen.
Ein Mensch ist tatsächlich ein Gegenrevolutionär wenn er sich durch die Vernunft leiten lässt. Er ist ein Mensch der sich nach Prinzipien, Normen, Maximen orientiert und ein vernünftiges und logisches Verhalten hat.
Er wird kein gegenrevolutionär sein in dem Maße, in dem er sich von dem reißenden Strom der Spontaneität leiten lässt; wenn er nur das tun will, was ihm im Moment angenehm scheint und auf einer Art, die ihm am angenehmsten ist; wenn er alles tun will, worauf er im Moment Lust hat; wenn er ohne ernsthaften Gründen mit jedem Menschen oberflächlich sympathisiert, ohne sich zu fragen ob sie es verdienen oder nicht. Solch ein Mensch kann niemals in den Reihen der von Maria auserwählten sein. Die Voraussetzung ihr anzugehören  ist vor allem die Kontrolle, die Beherrschung, die Unterwerfung des niederen Teils des Menschen durch den höheren Teil, ohne dem nichts zu machen ist.
Es gibt also zwei Eigenschaften Jakobs, die sich hervorheben in den Auserwählten und den Sklaven Mariens. Sie geben sich nicht der Unordnung ihre Begierden hin wie Esau, erheben aber Prinzipien zum Grundsatz ihres Lebens. Des Weiteren setzt ihre Haltung eine besondere Andacht zur Muttergottes voraus. Die Tatsache, dass wir uns von der Muttergottes besonders geliebt wissen und sie besonders auch lieben, führt zu einer großen Andacht, großem Eifer und Hingabe und ständiger Zuflucht zu ihr. Finden wir diese zwei Eigenschaften, so haben wir einen Auserwählten, einen Jakob. Finden wir sie nicht, haben wir einen Esau.

Die Neigung zum Esau und die Prädestination

Wenn wir von den Auserwählten reden, ist damit nicht gemeint, dass jemand, der eine große Neigung hat, ein Esau zu sein, nicht berufen ist Jakob zu sein. Es ergibt sich fast das Gegenteil. Im geistlichen Leben werden die schönsten Kämpfe gewonnen gegen die vorherrschenden Fehler. Haben wir entdeckt, sind wir von Unserem Herrn Jesus Christus aufgerufen hervorragend in der Übung der entgegengesetzten Tugend zu sein. Wir müssen also unseren vorherrschenden Fehler kennen, um die entgegengesetzte Tugend zu üben. Diese ist unsere vorherrschende Tugend.
Was den Auserwählten auszeichnet, ist nicht dies oder jene Temperament, sondern den notwendigen Gnaden entsprochen zu haben, um diese Dinge zu sehen, um eine besondere Andacht zur Muttergottes zu haben und zu verstehen welche Pflicht zu erfüllen ist und beherzt diesen Weg gehen.

„Mein Kind, gib mir dein Herz“

Der entscheidende Punkt, mit dem der hl. Ludwig seine Abhandlung beendet ist dieser: Es gibt diejenigen, die einfach dahinleben, und andere, die gegen ihren schlechten Grund kämpfen. Es zwei grundverschiedene geistliche Familien. Wenn wir auf der Linie unseres Heils, unserer Auserwählung sein wollen, müssen wir der zweiten Familie angehören. Es der Kampf gegen diesen verhängnisvollen laissez faire, laissez passer, durch welchen sich die Seele genüsslich in den Wasser der Fantasie und der „Spontaneität“ treiben lässt. Das ist der Kreuzpunkt.
Wenn wir bereit sind diesen Kampf mutig durchzuführen, gibt es nichts, was uns nicht versprochen wird. Wenn nicht, wird alles verloren sein, wir werden keine Kinder der Verheißung sein; die Tore des Himmels werden für uns verschlossen bleiben. In diesem Sinn heißt es, dass der Himmel verschlossen ist, für die die ihn nicht offen haben wollen. Es gibt niemanden, für den der Himmel sich nicht öffnet, wenn er der Gnade Gottes entspricht, die niemanden im Laufe seines Lebens fehlen wird.
Der entscheidende Punkt, der die Kinder des Lichtes von den Kindern dr Finsternis trennt ist: sich genüsslich von der Strömung tragen lassen oder gegen den Strom zu schwimmen.
Alles hängt von unserer inneren Haltung ab. Unser Herr bittet uns um das edelste, was er bitten kann, aber auch um das schwierigste was es gibt.
Es gibt ein Bild Unseres Herrn mit dem Herzen in der Hand und sagt dem vor ihn knienden: „Kind, gib mir dein Herz“. Er will uns unter sein Gesetz leiten und regieren. Wir sollen uns ganz ihm hingeben. Es ist schwer aber herrlich, wie alles was schwer ist und zu ihm führt. Es hat die Herrlichkeit des Kreuzes.

Wir haben eine Patronin, die uns auf herrlicher Weise lehrt, wie man trotz der Schwäche diese Seelenkraft erreicht: die hl. Theresia vom Kinde Jesu. Wenn wir ihren „kleinen Weg“ gehen, erreichen wir bestimmt einen großen Grad der Vollkommenheit in der Tugend. Das ist ihr süßes und mildes Versprechen.

Dienstag, 9. Februar 2016

Die Abhandlung von der wahren Andacht zu Maria vom hl. Ludwig Maria Grignon von Montfort - VII. Teil

KAPITEL V

 BEWEGGRÜNDE, DIE DIESE ANDACHT EMPFEHLEN

Kommentare von Plinio Correa de Oliveira

In den Absätzen 135 bis 182 behandelt der hl. Ludwig die Vorteile, die uns die Sklavenweihe an Maria bringen.
Die Andacht die der Heilige empfiehlt besteht in der vollständigen Hingabe unserer selbst an Maria in der Eigenschaft eines Sklaven. Sklaven, weil wir der Muttergottes mehr geben, als es ein Kind vermag. Die Beziehungen eines Kindes mit seiner Mutter sind viel innerlicher, näher, tiefer als die Beziehungen eines Sklaven zu seinem Herrn. Doch gegenüber dem Vater oder der Mutter verbleiben dem Kind noch gewisse Rechte. Dem Sklave verbleiben keine Rechte gegenüber seinem Herrn. Deshalb ist die Selbst-Entsagung, die jemand übt, der sich der Muttergottes als Sklave verspricht, in einem gewissen Sinn tiefgründiger, als dessen, der sich nur als Kind Mariens betrachtet.
Der hl. Ludwig will nicht die Bezeichnung Kind ausschließen, er möchte aber beide, Kind und Sklave, vereinigen. Weil wir uns als Kinder Mariens und in Sie eine unvergleichbare und vollendete Mutter erkennen, aber vor allem die Mutter Gottes, wollen wir der Eigenschaft eines Kindes, auch die des Sklaven hinzufügen.
Die Übung dieser Andacht bedeutet eine sehr tiefe Entsagung unsererseits. Nun aber, welche Vorteile bringt sie uns? Sie können in einigen Punkten zusammengefasst werden. Einige haben wir schon behandelt.
Wenn wir uns an die Rolle Mariens im Mystischen Leib Christi erinnern – sie ist es ja, die diesen Leib erzeugt – und welch große Fürbitterin und Mittlerin sie zwischen Jesus Christus und den Menschen ist, verstehen wir, dass alles was mehr mit ihr vereint ist, näher bei Gott ist.
Wir erwähnten schon den Vergleich bezüglich der Stellung Mariens im Leben der Gnade, nach dem sie zu Unserem Herrn steht, wie die Kristallscheibe vor der Heiligen Hostie in der Monstranz zur Eucharistie. Wir können nicht unterscheiden zwischen unserem Blick auf die Kristallscheibe und dem Blick auf das Allerheiligste. So können wir auch nicht die Andacht zu Maria von der Andacht zu Jesus trennen. Es ist ein und dasselbe. In der Andacht zu Maria haben wir das einzige und beste wahre Mittel, um Jesus auf bester Art zu verehren.
Wenn Maria der Kanal ist, wo kommt jemand hin, wenn er ihn benutzt? Bis zum Endpunkt. Sie ist der Weg, um dort anzukommen. Wer sich dieses Mittels in vollem Ausmaß bedient, kommt unweigerlich zum Ziel. Wenn sich eine Seele also in eine enge Vereinigung mit Maria begibt, der erreicht unbedingt eine innerliche Vereinigung mit Jesus.
In diesem Akt der Sklavenweihe geht es nicht darum eine innige Vereinigung mit Maria zu erreichen, sondern die innigste Vereinigung die je eine Kreatur in unseren Umständen erreichen kann. Das ist charakteristische Note der Andacht, die der hl. Ludwig empfiehlt. Man kann nicht sagen, dass eine Methode ist, die zu einer engen Vereinigung mit Maria führt. Es ist viel mehr als das. Je mehr wir auch unseren Geist anstrengen, wir werden keine Methode finden, die mehr als diese eine Kreatur mit Maria verbindet als diese.
Also wenn jemand
- als Kind Mariens sich außerdem ihr vollständig als Sklave weiht;
- vorhat, aus der katholischen Lehre alle Konsequenzen bezüglich der Gottesmutter zu ziehen;
- und so in einer ständigen und innigen Vereinigung mit Maria lebt,
dann erreicht er unbedingt den höchsten Grad der Andacht zu ihr, denn es scheint mir unvorstellbar, dass die Verehrung Mariens einen höchsten Grad der Vereinigung, der Innigkeit, der Vollkommenheit erreichen kann als diese vom hl. Ludwig empfohlene Andacht.

Die Belohnung des Sklaventums ist Unser Herr Jesus Christus

Die Frage nach dem Vorteil dieser Andacht, verlagert nun auf ein anderen Punkt: Was ist der Vorteil, die innigste Vereinigung mit Maria zu haben, die je eine Kreatur erreichen kann?
Die Antwort kommt von selbst: Man braucht bloß zu erwägen wer sie ist. Maria ist unsere Mutter und zugleich die Mutter Unseres Herrn Jesus Christus. Als unsere Mutter wendet sie uns gegenüber – wenn man es mit Respekt sagen darf – alle Vorurteile, Parteilichkeiten und parti pris  (vorgefasste Meinung) an, die eine gute Mutter für ihr Kind einsetzt. Mütterliche Liebe grenzt fast an Hinterlist. In etlichen Gelegenheiten, in denen der Teufel gezwungen wurde, von der Muttergottes zu reden, wirft er ihr gerade dies vor: Sie störe das Gesetz der Gerechtigkeit und begeht Betrügereien gegen die Hölle. Natürlich ist dies eine Lüge, eine Blasphemie. Maria ist es unmöglich etwas zu tun, was nur einen Tropfen Böses beinhaltet. Das bedeutet aber, dass ihre mütterliche Barmherzigkeit und ihr mütterlicher Schutz so weit geht, dass sie dem Undenkbaren und Unvorstellbaren nahe kommen.
Maria ist unvergleichbar in allem besser, als alle Mütter der Erde. Sie liebt uns mehr, als unsere leibliche Mutter uns liebt. Diese ist im Vergleich zu Maria, weiter von uns entfernt, als eine Gouvernante von uns entfernt ist im Vergleich zu unserer Mutter. Das ist das Verhältnis. Maria ist viel wahrhaftiger unsere Mutter, als unsere leibliche Mutter es ist. Nun, wir wissen, wie weit unsere Mutter für uns gehen würde, um uns Gutes zu tun. Zu was ist dann Maria für uns fähig?
Nie haben wir auf Erden gesehen, dass ein Kind aus äußerste Liebe zu seiner Mutter, allem entsagte und sich ihr als Sklave zur Verfügung stellte. Wohin kann die Liebe Mariens führen, wenn sie ein Kind sieht, das ihr gegenüber so handelt? Sie ist die vollendete Mutter; er ist der vollendete Sohn. Die Belohnung kann nur eine perfekte sein.
Doch im Fall des Mariensklaventums wird die Belohnung im nicht im Verhältnis sein, mit dem, was wir gegeben haben, sondern zum Edelmut derer, die es im Empfang nimmt. Es ist den Müttern eigen: Wenn ein Kind ihr ein Geschenk gibt, besteht ihre Freude nicht darin, den Preis des Geschenks zu erraten und mit gleichem Wert Dank zu erweisen. Die Mutterliebe erwidert, so klein und arm auch das Geschenk des Kindes ist, mit übergroßer Fülle. Das ist die Eigenschaft der mütterlichen Lieben.
Wenn wir also der Muttergottes alles schenken, was wir können, und nicht nur ein kleines Geschenk, mit was wird sie es erwidern? Mit einer solchen Fülle an Gnaden, an Wohltaten und Schutz, dass es einfach in der menschlichen Sprache keinen Begriff gibt, der das ausdrücken könnte.
Über die Vorteile der Andacht zu Maria, gibt es nur eines zu sagen: Die Größe der Belohnung verschlägt einen die Sprache. Was hat denn Maria am kostbarsten? Es ist Unseres Herr Jesus Christus selbst, die fleischgewordene Weisheit.
Es gibt einen ergreifenden Ausdruck dieser Erwiderung in einer Marienstatue, wo sie lächelnd das Jesuskind dem Betenden entgegenreicht. Welsch eine tiefe Bedeutung! In Wahrheit, die beste Belohnung, die sie uns geben kann, ist Unser Herr Jesus Christus, ihn lieben und mit ihm vereint sein,  ihm gehorchen. Dies ist eine Belohnung, die jede Sprache übersteigt.
Gott sagte dem Abraham von sich selbst: „Ego sum merces tua magna nimis“ – Ich bin dein sehr großer Lohn (Gen 1,15). Wer Gott als Lohn bekommt, bekommt einen übergroßen Lohn. Und das ist der erhabene Lohn der Weihe an Maria.

Die Andacht zu Maria vermehrt unsere Tugenden und vereint uns immer mehr mit Unserem Herrn Jesus Christus

Mit der Hilfe der Gnade üben wir in unserer Seelenfamilie eine Reihe von Tugenden, durch die wir uns ganz besonders der katholischen Kirche, dem mystischen Leib Christi verbunden sein wollen: Die Tugend des katholischen Gefühls, der Reinheit, dem Opfersinn, die Selbstverleugnung, die Liebe zur Arbeit, zur Abtötung, zum Fleiß, die Liebe für das Methodische solang es nicht geometrisch ist usw. Wir wollen letztlich alle Tugenden erhalten, um uns mit Jesus zu vereinen.
Die beste Art diese Tugenden zu erhalten, ist die Übung der Andacht zu Maria. Sie wird uns diese Tugenden auf bester Weise, auf direktem Weg, am schnellsten und sichersten vermitteln, als jede andere Art.
In der Praxis geschieht das aber nicht nur durch das Anhören einer Erklärung vom hl. Ludwig oder durch das Lesen seiner Abhandlung und alles im Gedächtnis zu behalten, sondern durch einen gewissen Grad geistlichen Lebens, den wir zu erreichen wünschen. Dies besteht in der ernsthaften Kenntnis von dem, was wir von Maria erwarten können und wir ihr gegenüber zu handeln.

Die Verehrung Mariens verstärkt in uns die Fähigkeit zu leiden

Auf einer viel höheren Ebene, können wir von Maria erwarten, was ein Kind von seiner Mutter erwartet?
Es gibt zwei Arten von Müttern: Die guten und die halb-guten. Die halb-gute Mutter – die leider unter den lateinischen Völkern sehr häufig vorkommt – hat Mitleid mit ihrem Kind und will nicht, dass er leide. Sie paktiert mit allen Streichen des Kindes, mit all seinen Fehler in der Erfüllung seiner Pflichten, mit seiner Faulheit, sie befreit ihn von allen Regeln und schadet somit unbedingt seiner Charakterbildung.
Es gibt aber eine andere Sorte von Mutter, die, wegen der  Unbeständigkeit des Menschen, weiß, dass es kein anderes Mittel gibt, als zu leiden, leiden und viel zu leiden, um die Seele zu erweitern, zu heiligen und zu erheben. Sie weis, dass man leiden muss, um zu lernen, das man leiden muss, um im leben zu kämpfen, das man leiden muss, um zu leben, leiden in jeglicher Situation. Sie weiß, dass der Mensch etwas Wert ist, in dem Maße wie er leidet. Diese Mutter sorgt sich, um die Leiden ihrer Kinder zu lindern, im Maße des Möglichen und ihnen nicht schade. Doch jedes Maß an Leiden, das eine gute Erziehung verlangt, wird eine gute Mutter wollen, dass es ihr Kind erreicht. Sie beschränkt sich ihn im Leiden zu trösten, damit er Kraft und Mut aufbringe, zu leiden, was ihm zusteht. Sie will aber, dass er leide. Die Muttergottes handelt ebenso.
Es wäre trügerisch, die Leben der Heiligen, die „Blumenlese“ Mariens zu lesen und einige außerordentliche Gnaden, die sie verleiht, einseitig zu betrachten. Zum Beispiel, der hl. Franz von Sales, am Höhepunkt seiner erbarmungslosen Prüfung bezüglich der qualvollen Frage der Prädestination, abgemagert und verzehrt, in großer geistlicher Trockenheit, wie mit einer procella tenebrarum in der Seele, nähert sich einer Marienfigur und betet das Memorare; sofort verziehen sich die dunklen Wolken und er spürt einen innerlichen Frieden und Ruhe; die seelische Krise war überwunden.
Solche Ereignisse gibt in großer Zahl und man verspürt einen tief erbauenden Eindruck, der sehr wirksam ist für das geistliche Leben. Man darf sich aber nicht einseitig sein.
Die Muttergottes lindert des Öfteren unsere geistlichen Prüfungen, wie eine gute Mutter das Leiden des Kindes in ein angebrachtes Maß lindert. Es gibt jedoch eine notwendige und nicht so kleine Grenze für jedes Leiden. Aus dieser befreit uns Maria nicht.
Man darf nicht denken, dass die Andacht zu Maria so etwas wie eine Art Morphium für das geistliche Leben ist, das man einmal einnimmt, und alle Schmerzen verfliegen. Nein – und der hl. Ludwig besteht darauf – Maria nimmt uns nicht das Gewicht des Kreuzes von der Schulter, sondern gibt uns Kraft, es zu tragen. Sie gibt uns Liebe zu Kreuz und zum Leiden. Dies ist die Frucht der wahren Andacht zu Maria.

Die Gnade einer großen Innigkeit zu Maria zu haben

Wir müssen also verstehen, dass es zwei Dinge gibt, um die wir die Muttergottes bitten sollen. In der Einsicht, dass wir schwache Menschen sind, dass wir keine Athleten des geistlichen Lebens sind, müssen wir sie darum bitten, dass sie uns in unserem Kummer, der uns zu schwer scheint, zu Hilfe kommt. Es ist eine ausgezeichnete Bitte und sie wird sie sehr oft erhören. Immer, wenn es im Maße der göttlichen Vorsehung möglich ist, uns zu Hilfe zu kommen, wird sie es tun. Wir müssen uns aber immer daran erinnern, dass wir ein gewisses Maß Schmerzen in vollem Umfang selbst tragen müssen. Wir selbst wissen nicht welches Maß das ist; aber sie weiß es. Wir müssen sie dann um Kraft bitten, es zu ertragen. An diesem Punkt, am Gleichgewicht dieser beider Bitten, liegt die Vorsehung Mariens.
Stellen wir uns eine Person vor, die ihr tägliches Leben führt, das immer zwei unterschiedliche Aspekte hat. Es gibt Zeiten der gewöhnlichen Routine: Der Gang zur Schule oder zur Arbeit und zurück nach Hause, Aufgaben oder Vorlesungen vorbereiten, eine Verwandten besuchen und dergleichen. Es ist das gewöhnliche tägliche Getriebe. Neben diesen Unannehmlichkeiten eines jeden Tages gibt es aber einen anderen Aspekt des Lebens, nämlich den, in dem man mit der Last übergroßer Leiden ringen muss.
Nehmen wir an die Person weiß in beiden Situationen ihres geistlichen Lebens die Andacht des hl. Ludwig wirklich und genau zu üben. In den kleinen Schwierigkeiten des täglichen Lebens wird sie sich daran erinnern, dass sie in Maria eine Mutter hat. Aber nicht nur ab und zu sondern in einer gewohnten und ständigen Weise. Wenn sie in Schwierigkeiten ist, wenn sie Probleme hat, seien sie auch noch so gering, wendet sie sich an Maria und bittet sie um Hilfe. In allen gängigen Lagen des Lebens, betet sie zur Muttergottes. Sie lebt in einer ständigen Innigkeit mit ihr, und bittet sie in allem um Hilfe. Bei Ratlosigkeit wird sie um den rechten Weg bitten. In großen Schwierigkeiten wird sie um Kraft bitten, um die Last der außergewöhnlichen Versuchungen ertragen zu können, und erhält so die Energie für Heldentaten, die das geistliche Leben vielmals von einem jeden von uns verlangt.
Wenn jemand all sein Tun in Vereinigung mit Maria und in ihren Meinungen aufzuopfern weiß, und beständig in allen Momenten sie um Hilfe bittet, wird sein geistlichen Leben wunderbar wachsen. Wenn ihn zum Beispiel Zerstreuung während einer Lektüre überfällt, Maria bitten, dass sie trotzdem daraus Früchte zieht. Sieht er auf der Straße jemand, der gerade eine Sünde begeht, dann für diese arme Seele beten. Das heißt, immer und dauerhaft Maria anrufen. Es gibt kein besseres Programm für das geistliche Leben. Doch es verlangt aber auch Überzeugung und große Willenskraft.

Maria, Allheilmittel für das geistliche Leben

Unter den eigentümlichen Prüfungen des geistlichen Lebens oder die aufgrund der Treue zur Heiligen Kirche uns auferlegt werden, gibt es eine, durch die wir durchmüssen: Es ist die Empfindung der seelischen Trockenheit, des Stillstandes, der anscheinenden Unbeweglichkeit aller Dinge. Jahraus, jahrein scheint das geistliche Leben nicht voranzukommen; im Apostolat konfrontiert man sich immer mit gleichen Problemen; etwas Schlimmes wird geschehen und man kann es verhindern; wieder was unvorhergesehenes kommt auf uns zu und wir können es abwenden; wieder eine Überraschung und man weint, weil man sie nicht hat verhindern können, doch man bleibt wachsam auf das Nächste, was kommen wird. In den ersten Momenten hat man das Gefühl einer Berg-und-Tal-Fahrt. Bei der ersten Runde amüsiert man sich, doch nach Jahren wird sie unerträglich und wir werden versucht Schluss zu machen mit diesem Auf und Ab, um endlich wie jedermann zu leben.
Wir fühlen uns wie auf einem Schiff mitten im Ozean, das da schaukelt und sich nicht fortbewegt, wie Ruderer einer Galeere, die den Eindruck haben, das trotz ihrer Anstrengungen, das Schiff nicht vorankommt. Es ist der Eindruck des Überdrusses, der Eintönigkeit, der uns manchmal im geistlichen Leben und in den Tätigkeiten des Apostolats überkommen kann.
Die Lösung in solchen Situationen ist die Zufluchtnahme zu Maria. Zu ihr zu beten, ist das Heilmittel für alles. Man pflegt zu sagen, es gebe keine Allheilmittel. Doch es gibt eine Ausnahme: Maria ist wirklich ein Allheilmittel, es sei denn, man will entschieden nicht gut sein. „Qui creavit te sine te, non salvabit te sine te“ — „Der dich geschaffen hat ohne dein Zutun, gibt dir die Rechtfertigung nicht ohne dein Zutun“, sagt der hl. Augustinus.

Diese wahre Andacht zu Maria gibt uns ungeahnte Möglichkeiten, im Dienste der Kirche

Nehmen wir zum Beispiel einen Gegenrevolutionären, der ernsthaft die Andacht praktiziert und einer Bildungsvorlesung beiwohnt. Das Verdienst zu dieser Versammlung gekommen zu sein, kehrt zurück in die Hände Mariens. Und da sie besser als jeder Mensch um die Interessen der Kirche weiß, wird dieses Verdienst gemäß ihrer Weisheit anwenden. So kann man, indem man zur Versammlung kommt, neben dem Apostolat auch noch auf einer anderen Ebene wunderbar Gutes tun. Es kann gut sein, dass man unsichtbar, unwissend, an den höchsten Schicksalen der Kirche teilhat, am Kampf der Braut Christi gegen die Anti-Kirche, man weiß es nicht, aber Maria wird unsere Verdienste anwenden und Früchte hervorbringen, um die wir durchaus keine Ahnung haben. Dies ist das sicherste Vorgehen, den die Muttergottes vergeudet unsere Verdienste nicht. Sie legt sie an mit höchstmöglichster Weisheit. Wenn wir also unsere Verdienste der Weisheit Mariens anvertrauen, verwerten wir sie aufs höchste.

Die Hingabe als Sklave Mariens gibt unseren guten Werken unberechenbaren Wert

Welches ist aber nun das Verdienst unserer guten Werke? Die Teilnahme an einer Versammlung, zum Beispiel, hat ein gewisses Verdienst wenn sie aus Liebe zur Kirche getan wird und den Verzicht auf ein Vergnügen, auf Muße oder irgendeinen Zeitvertreib, um sich für sie einzusetzen.
Das Verdienst einer Handlung oder Tätigkeit besteht darin, dass sie wesentlich gut ist und in der innerlichen Gesinnung, mit der die Seele sie ausführt. Es sind Gesinnungen mit einer Mischung von Fehlern und guten Eigenschaften, die in einem jeden von uns vorhanden sind. Doch die Taten Mariens sind von hochwertigem Verdienst. Der hl. Ludwig sagt, dass Maria mehr Verdienst hat an einem Nadelstich beim Nähen eines Kleidungsstücks für das Jesuskind, als der hl. Laurentius, der sich auf einem Rost hat braten lassen, um sich für Christus zu bekennen.
Wir müssen uns immer vergegenwärtigen, dass unsere Taten, als Sklaven Mariens, in gewisser Weise an ihren Taten teilhaben. Sie ist es, die auf gewisser Weise in uns tätig ist. Daher erhält unsere Tat einen Wert, eine Tugend und eine Wirksamkeit von Maria, durch die sie viel mehr Wert hat, als wir es durch unsere eigenen Verdienste erreichen können.
Es gibt also kein wirkungsvolleres Leben und Handeln, als in dieser Andachtsmethode.

Die menschliche Boshaftigkeit und die Andacht zur Muttergottes

Nach der Erbsünde wurde der Mensch nicht nur schlecht, sondern sehr schlecht. Die Boshaftigkeit und das Elend des Menschen wurden zu unauslöschbaren Zügen seiner verdorbenen Natur.
Hiermit geben wir über uns sozusagen eine Zeugenaussage. Denn wahrhaftig ist unser Elend als Menschen dermaßen groß, dass, hätten wir davon echte Kenntnis, würden wir sehr leicht den Mut verlieren. Die Betrachtung über den Kontrast zwischen Gott und unserer Misere hat schon viele in Verwirrung gebracht. Da sie meinen seine Barmherzigkeit nicht zu verdienen, werden sie dazu verleitet, zu glauben, dass Gott von ihnen weniger verlangt.
Der Grund für diese in die Verzweiflung treibende Situation ist, dass sie ihre eigene so tragische Lage nicht in die Hände Mariens legen.
Wahrhaftig ist Gott alles das, was wir von ihm aus der Offenbarung wissen. Wir unsererseits wissen was wir sind, oder besser gesagt, was wir nicht sind. Doch zwischen uns und Jesus gibt es Maria. Die Vermittlung zwischen ihr und Jesus Christus, der der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen ist, stellt ganz den Kanal wieder her, durch den wir unser Heil erreichen können, obgleich unserer Misere.

Wenn wir uns dies immer vergegenwärtigen, werden einerseits großen Frieden finden in der Erkennung unseres Elends und andererseits die Art die strengste Sittenlehre zu bejahen ohne der Verzweiflung nachzugeben, noch in eine jansenistische Haltung zu fallen. Maria ist die Bundeslade Gottes, auf deren Hinblick alles sein wahres Aussehen erhält und sich auf das geistliche Leben aufmunternd auswirkt.

Montag, 28. Dezember 2015

Die heiligen unschuldigen Kinder


Heute feiern wir das Fest der heiligen unschuldigen Kinder.
Darüber schreibt Dom Guéranger folgenden Kommentar:

„Beim hl. Stephan haben wir das Werk und den Willen des Martyrers. Beim hl. Johannes sehen wir nur den Willen des Martyrers. Bei den hhll. Unschuldigen Kindern nur das Werk des Martyrers.“
Der Gedanke ist ein wenig komplex, aber doch gut zu verstehen.
Der hl. Stephan wollte das Martyrium und erhielt es. Der hl. Johannes wollte Martyrer sein, wurde es aber nicht, Die hhll. Unschuldigen Kinder – die von Herodes ermordeten Kinder in Bethlehem, in der Hoffnung damit auch den Erlöser zu treffen – wollten das Martyrium nicht und erhielten es doch. Diese hatten in der Tat keinen Willen und keinen Verstand, wurden aber Martyrer, ohne es zu wollen.
Dom Guéranger wirft dann das Problem auf, ob es einen Grund gebe, diese Kinder als Martyrer anzuerkennen. Er sagt folgendes:
„Wer aber zweifelt an die von diesen Kindern erhaltene Krone? Ihr werdet fragen: Wo sind die Verdienste für diese Krone? Wird die Güte Christi der Grausamkeit des Herodes obliegen? Dieser schlechter König kann unschuldige Kinder ermorden und Christus könnte diejenige nicht krönen, die seinetwegen gestorben sind?“
Dies ist sehr gut und meisterlich argumentiert.
„Stephan war Martyrer vor den Augen der Menschen, sie waren Zeugen seines freiwillig durchgestandenen Leidens bis zum Äußersten, indem er für seine Peiniger betete. Er zeigte sich empfindsamer gegen die Untat, die sie begangen, als gegen seinen eigenen Verwundungen.
Johannes war dann ein Martyrer vor den Augen der Engel, die, als geistige Wesen, seine Seelenbereitschaft sahen.
„Sicherlich waren jene Kinder Deine Martyrer, o Gott, bei denen weder Menschen noch Engel wahrlich Verdienste ausmachen konnten, die aber durch die sonderbare Gunst Deiner Gnade bereichert wurden. Auch in göttlicher Weise?“
Dies besagt folgendes: Dass die Menschen das Martyrium des hl. Stephan sahen; sie sahen aber nicht das des hl. Johannes, weil es aus einer inneren Gesinnung entstand und so nur von den Engeln wahrgenommen wurde. Worin aber das Verdienst der Unschuldigen Kinder bestand, haben selbst die Engel nicht gesehen, weil es tatsächlich kein Verdienst gab. Die Engel können nicht wahrnehmen, was nicht existiert. Es ist also ein reiner Akt der Güte Gottes, die ihnen den Rang der Martyrer verleiht, aufgrund der Tatsache, dass sie für Gott gestorben sind. Es ist also ein Akt, der einzig auf die unendliche Güte Gottes begründet. Das wird von Dom Guéranger in eine etwas poetischen aber doch treffende und schöne Art dargelegt.
„Du findest gefallen aus dem Munde der Neugeborenen und der Kinder Dein Lob entspringen zu lassen, sagt die Heilige Schrift. Welches Lob ist es? Die Engel sangen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen, die guten Willens sind. Dies ist sicher das erhabenste Lob. Es wird aber nur dann vollständig sein, wenn der, der kommen soll, sagen wird: ,Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn das Himmelreich ist derer, die ihnen gleich sind‘. Friede den Menschen selbst denen, die von ihrem guten Willen kein Gebrauch machen konnten. So tief ist das Geheimnis meiner Barmherzigkeit.“
Dies ist auch ein sehr schöner Gedanke: „Friede denen, die guten Willens sind, nicht wahr? Doch Friede den Menschen guten Willens ist etwas, was selbst den Menschen gegeben werden soll, die keinen Willen hatten. Dies kommt aus dem Reichtum der Barmherzigkeit Gottes. Und deshalb sind sie heilige.
So haben wir eine Legion unschuldiger im Himmel, die ständig für uns beten.
Hier versteht man besser, wie die Welt dem Heilsplan Gottes nachkommt. Wenn man bedenkt wie viele getaufte Kinder täglich schuldlos sterben und sofort in den Himmel kommen; in einer Großstadt, in der so viele schlechte und unbußfertige Menschen sterben, gibt es auch täglich viele Seelen, die getauft und unschuldig in den Himmel kommen und deshalb Heilige sind und es werden mit dem Wachsen der Bevölkerung immer mehr.
So werden die Throne der gefallenen Engel, die sie leer zurückgelassen haben, allmählich wieder von den Gerechten, die in den Himmel kommen, besetzt.
Außerdem sollten wir uns noch an folgendes erinnern: Wenn jemand in seiner Familie einen kanonisierten Heiligen hätte, wäre er sicher ein großer Verehrer dieses Heiligen. Es ist aber durchaus möglich, dass fast jede Familie Heilige im Himmel hat. Denn in fast jeder Familie oder in der Verwandtschaft gibt es Kinder, die früh gestorben und vor dem Tod noch getauft wurden und deshalb in den Himmel gekommen sind. Diese Kinder haben im Himmel den klaren Verstand einer geretteten Seele, die in der Anschauung Gottes lebt und deshalb sollten wir sie auch als unsere Fürsprecher bei Gott anrufen.
Wenn wir also in Schwierigkeit sind, sollten wir uns an diese Kinder aus unserer Familie erinnern, denn sie sind die natürlichen Patrone und Beschützer unserer Familie.


Santo do Dia – 28.12.1965

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Biographie

Mathias von Gersdorff

Begegnung mit Plinio Corrêa de Oliveira - Katholischer Streiter in stürmischer Zeit

Patrimonium-Verlag, Aachen 2015
Hardcover, 154 Seiten
ISBN 9783864170331, Preis: 14,80 EUR

Der deutsch-jüdische Schriftsteller Kurt Tucholsky prägte seinerzeit den wegweisenden Ausspruch: „Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“.
Zu diesen tapferen und im guten Sinne streitbaren Persönlichkeiten mit Rückgrat und Ausdauer zählt besonders ein Gelehrter und Politiker, der sich von früher Jugend bis ins hohe Alter unbeirrbar für Christus und seine Kirche eingesetzt und dabei keine notwendige Auseinandersetzung mit den Feinden des Höchsten - besonders den Nationalsozialisten und den Kommunisten gescheut hat: Plinio Corrêa de Oliveira aus Brasilien, geboren am 13.12.1908 in der Hauptstadt São Paulo; verstorben mit 87 Jahren am 3. Oktober 1995, dem Tag der Deutschen Einheit.

Mathias von Gersdorff bezeichnet seine Biographie über diesen unermüdlichen Laienapostel recht bescheiden als „skizzenhafte Beschreibung“, weil er sich in seinem 154 Seiten umfassenden Buch auf das Wesentliche konzentriert und eine „Einführung“ in Leben und Wirken dieses katholischen Schriftstellers vorlegt, die sich flüssig liest und zugleich sehr faktenorientiert ist. Der italienische Historiker und Publizist Prof. Roberto de Mattei würdigt Plinio Corrêa de Oliveira im Vorwort dieser Biographie zu Recht als „tiefgründigen Denker“ und „Mann der Tat“, wobei der aus einem aristokratischen Elternhaus stammende Katholik zugleich die „Umgangsformen eines Kavaliers der alten Schule“ besaß. Diese „Ausnahmepersönlichkeit“, schreibt R. de Mattei weiter, stellte sich in „selbstloser Hingabe in den Dienst der katholischen Kirche“. Sein leidenschaftlicher Einsatz galt der Glaubensverbreitung sowie einer umfassenden Verteidigung der christlichen Kultur und Zivilisation. Der Laienmissionar wusste, dass die Kirche sich nicht auf die „Sakristei“ beschränken darf, dass Gottes Gebote und die Botschaft Christi auch im öffentlichen Leben, in Staat und Gesellschaft wirksam werden müssen.
Dabei war ihm klar, dass äußerer Aktivismus allein letztlich im Sande verläuft, dass der Einsatz für Gott und Kirche getragen sein muss von der Glaubwürdigkeit eines christlichen Lebenswandels, von eifrigen Bemühen um die Nachfolge Christi kurz: von der „Ausübung der Tugend“. Richtschnur sind dabei die Gebote des Ewigen und das natürliche Sittengesetz bzw. das Naturrecht. In diesem Sinne äußerte sich Prof. Corrêa de Oliveira folgendermaßen:
„In dem Maße, in dem der Mensch im Gnadenleben fortschreitet, schafft er auch durch die Ausübung der Tugend eine Kultur, eine politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung, in völliger Übereinstimmung mit den grundlegenden, unvergänglichen Prinzipien des Naturrechts und des göttlichen Gesetzes. Wir bezeichnen diese als christliche Zivilisation.“
Der Biograph Mathias von Gersdorff kannte Plinio C. de Oliveira jahrelang persönlich - und er hat ihn vor allem von 1990 bis 1995 häufig getroffen und viel mit ihm gesprochen. Seine persönliche Wertschätzung für den ebenso kämpferischen wie menschenfreundlichen Professor fließt in das Buch ein, ohne dass es freilich allzu subjektiv gefärbt wäre. Dem Autor gelingt es vorzüglich, bei aller Sympathie vor allem durch eine sachorientierte Darstellung und ruhige, gelassene Sprache zu beeindrucken.
M. von Gersdorff ist im christlichen Spektrum vor allem bekannt durch seine medienethischen Veröffentlichungen und seine Publikationen für Ehe und Familie sowie seine kritische Analyse der „sexuellen Revolution“ der 68er, wobei sein Schwerpunkt auf der Bekämpfung der Frühsexualisierung von Kindern liegt. In diesem Sinne leitet er in Frankfurt die Aktion „Kinder in Gefahr“ der DVCK (Deutschen Vereinigung für eine christliche Kultur e.V.). Diese wiederum ist verbunden mit der „Gesellschaft zum Schutz von Familie, Tradition und Privateigentum“, die Prof. Corrêa de Oliveira 1960 in Brasilien gründete, wobei im Laufe der Zeit Tochtergesellschaften in vielen Ländern der Welt entstanden sind.

Widerstand gegen jeden Totalitarismus

Das wichtigste Buch des katholischen Gelehrten trägt den Titel „Revolution und Gegenrevolution“. Unter „Gegenrevolution“ ist der friedliche, aber entschiedene Einsatz katholischer Christen gegen die Feinde der Kirche zu verstehen, vor allem gegen den gottlosen Totalitarismus, wie er sich politisch vor allem im Nationalsozialismus und im Kommunismus zeigte. Für jeden rechts staatlich denkenden Menschen sollte der „antitotalitäre Konsens“ selbstverständlich sein, doch viele Zeitgenossen erliegen der Faszination politischer Ideologien. Dabei steht auch die „68er Ideologie“ unter neomarxistischem Einfluss, ebenso jener Linkskatholizismus, wie er sich in Brasilien und allgemein in Lateinamerika unter dem Dach einer „Theologie der Befreiung“ (fehl)entwickelte.

Auf geschickte Weise beginnt der Autor seine „biographische Skizze“ nicht in üblicher Manier mit Kindheit und Jugend des Porträtierten, sondern mit einem politisch entscheidenden Höhepunkt im Leben und Wirken von Prof. Corrêa de Oliveira:
Unter dem Titel „São Paulo im Juni 1990“ berichtet er von dessen Unterschriftenaktion für die Unabhängigkeit Litauens, die weltweit über 5 Millionen Unterzeichner erhielt, was internationale Beachtung fand und zu einem Eintrag ins „Guinness-Buch der Rekorde“ führte. Das katholisch geprägte Litauen wurde 1940 von Sowjetrussland erobert. 1941 besetzte die deutsche Wehrmacht das Land, 1944 wurde es von Stalin zurückerobert. Dem roten Schrecken folgte der braune und dann wieder der rote Terror. Im März 1990 - die innerdeutsche Mauer war bereits seit fünf Monate gefallen - versuchte Litauen, sich von der sowjetischen Herrschaft zu befreien.
Doch der noch kommunistische Staatspräsident Gorbatschow, der viel von Demokratie und Freiheit, „Glasnost“ und „Perestroika“ sprach, bevorzugte in diesem Falle die geballte Macht der Panzer. Als er den Unabhängigkeitsdrang der Litauer im Januar 1991 mit Gewalt beendete (was zu 14 Toten und tausenden Verletzten führte), empörte sich die Weltöffentlichkeit, so dass Gorbatschow die Panzer zurückrief. Danach kam es auch zu Unabhängigkeitserklärungen der anderen baltischen Länder (Lettland, Estland), was zum weiteren Zerfall des Vielvölker-Imperiums Sowjetunion führte und· damit das Ende - genauer: die Implosion - des Ostblock-Kommunismus einläutete.
Die Aufsehen erregende Solidaritäts-Aktion des brasilianischen Publizisten de Oliveira zugunsten der Freiheit Litauens war nur deshalb möglich, weil er in den Jahrzehnten zuvor bereits eine wirksame katholische Laienbewegung aufbaute und über vielfältige internationale Kontakte verfügte. Auch dieser Erfolg war ihm nicht in den Schoß gefallen, sondern die Frucht großer Beharrlichkeit und „Frustrationstoleranz“. Dabei war ihm zeitlebens die religiöse und charakterliche Prägung wichtig, die er von seiner Mutter Lucilia Ribeiro dos Santos erhielt.
Sowohl sie wie ihr Mann stammten aus einer alten aristokratischen Familie, die monarchistisch gesinnt war und die im Kaiserreich (das schon 20 Jahre vor der Geburt Plinios gestürzt wurde) führende Stellungen einnahm. Sein Großonkel war Präsident des Ministerrats und bereitete 1888 während der Regentschaft der Prinzessin Isabella das Gesetz zur Abschaffung der Sklaverei vor.

Deutscher Einfluss und „französische Erziehung“

Plinios Vater João Paulo Corrêa de Oliveira lebte zwar sittsam, war aber religiös eher gleichgültig, doch ließ er seiner Frau volle Freiheit in der Erziehung der bei den Kinder Plinio und Rosenda. Deren tiefe Frömmigkeit war durchaus nicht selbstverständlich für die brasilianische Oberschicht, die stark vom atheistischen französischen Positivismus und einem materialistischen Fortschrittsdenken geprägt war. Ein Teil der Verwandtschaft hing antikatholischen Ideen an; einige waren sogar, wie der Biograph berichtet, „Mitglied einer Freimaurerloge, um ihre Karrierechancen aufzubessern“ (S. 20). Dabei beschränkt sich dieser kritische Befund nicht auf den weiteren Familienkreis. Mathias von Gersdorff schreibt weiter, diese nicht-katholische, liberale Gruppe sei „innerhalb der Aristokratie zahlenmäßig die stärkere und außerdem wesentlichen besser organisiert“ gewesen.
Fräulein Mathilde Heldmann
Seine klar katholische Ausrichtung und Charakterstärke hatte Plinio Corrêa de Oliveira aber nicht allein seiner Mutter zu verdanken, sondern auch der „deutschen Erziehung“ der Gouvernannte Mathilde Heldmann aus Regensburg. Dank ihr lernte der Knabe nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch die Überwindung jener Trägheit, „die vielen Brasilianern eigen ist“ (S. 20).
Die Mutter wünschte, dass der Junge und seine Schwester erst mit deutschem Einfluss aufwachsen und dann eine „Erziehung im französischen Stil“ erhalten sollten, was dazu rührte, dass Plinio in einer elitäre Jesuitenschule kam, in der jedoch „alles andere als eine katholische Gesinnung herrschte“ (S. 21). Offenbar waren die Geistlichen nicht in der Lage, die Sprösslinge, welche vielfach aus der positivistisch geprägten Oberschicht stammten, sittlich ausreichend zu disziplinieren und religiös zu formen. Für Plinio war es aber ein Trost, dass es im Jesuitenkolleg wenigstens eine Kapelle mit dem allerheiligsten Altarsakrament gab, wo er sich Kraft für den aufreibenden Alltag unter so vielen Andersdenkenden holen konnte. Diese „innere Abhärtung“ prägte ihn in seinem späteren aktiven Wirken als katholischer Organisator, Politiker, Journalist und Buchautor.
Wie der Verfasser ausführt, fand der atheistische Positivismus besonders in Frankreich starke Verbreitung. Da Brasilien unter französischem Einfluss stand, war vor allem die Elite des Landes dafür empfänglich, auch „aufgrund der starken Präsenz der Freimaurerei“ (S. 24). Matthias von Gersdorff schreibt weiter:
„Das positivistische Motto ,Ordem e Progresso‘ (Ordnung und Fortschritt) wurde sogar in die Flagge Brasiliens eingefügt. Der Positivismus gewann insbesondere in den führenden gesellschaftlichen Schichten an Einfluss und konnte so große ideologische, politische und wirtschaftliche Macht entfalten. Dies führte zu einem großen gesellschaftlichen und politischen Widerspruch: Das fast ausschließlich katholische Land wurde von einer atheistischen Oberschicht regiert.“
Dies galt ähnlich auch unter späteren politischen Verhältnissen, etwa in linkssozialistischen Republiken. Eine unhaltbar Situation, die von katholischer Seite nicht gleichgültig hingenommen werden durfte. Gottlob gab es klarsichtige und couragierte Streiter für die katholischen Anliegen und Ideale: „Gegen diesen Zustand begann sich um 1916 eine Reaktion zu bilden, die schließlich in einem von Plinio Corrêa de Oliveira angeführten politischen und gegenrevolutionären Katholizismus Form annehmen würde“ (S. 24).
Von dem jahrzehntelangen, unermüdlichen Einsatz diese kämpferisch aktiven Gelehrten für eine christliche Kultur und Zivilisation, von seinem unbeugsamen Eintreten für die katholische Glaubens- und Sittenlehre gegen alle Widerstände (auch aus innerkirchlichen Kreisen), seiner Ablehnung linkssozialistischer Ideologien und Experimente einschließlich einer marxistisch beeinflussten „Theologie der Befreiung“ berichtet diese fundierte Biographie, die zugleich viele lehrreiche Informationen über die neuere Geschichte Brasiliens (besonders im 19. und 20. Jahrhundert) enthält, aber auch aufschlussreiche Kenntnisse über die Situation der katholischen Kirche in diesem bevölkerungsreichen Land vermittelt.
Prof. Corrêa de Oliveira war zweifellos ein „Mann der Tat“, auch als Politiker, Gründer kirchentreuer Organisationen und Präsident der „Katholischen Aktion“; er war aber auch ein Mensch des Gebets, ein tiefgläubiger Katholik mit einer starken eucharistischen Frömmigkeit und innigen Verehrung der Gottesmutter, die nicht zuletzt von der „Marianischen Kongregation“ geprägt war. Kardinal Walter Brandmüller schreibt daher zu Recht in einem Brief an den Biographen: „Ihre Schrift macht auch dem Leser zugänglich, mit welcher Gesinnung Corrêa de Oliveira ans Werk ging: Treu dem katholischen Lehramt uni stets im Vertrauen in die Vorsehung Gottes und in die immerwährende Hilfe der Jungfrau Maria.“ - Kardinal Raymond L. Burke äußert sich in einem Glückwunschschreiben an Mathias von Gersdorff ähnlich positiv über diesen „großen brasilianischen katholischen Laien“, weil dieser „ein Vorbild für uns in diesen schwierigen Zeiten im Leben der Kirche“ sei.
Professor Plinio Corrêa de Oliveira sowie sein klarsichtiges Denken und konsequentes Handeln sollten nicht in Vergessenheit geraten. Dieser „Kreuzritter des 20. Jahrhunderts“ bewährte sich als hervorragender Laienapostel und als Diener des Ewigen.

Felizitas Küble
Schlesienstr. 32, 48167 Münster
felizitas. kueble@web.de

 in „Theologisches“ Nov./Dez. 2015 S. 580-584
Die Fotos wurden an dieser Stelle hinzugefügt

Sonntag, 29. November 2015

Das Verhalten der Menschen zur Fatimabotschaft

Die verschuldete Lauheit mit der die Menschheit die Botschaft von Fatima aufgenommen hat

Heute, der 13. Oktober, ist der Tag der sechsten Erscheinung der Muttergottes in Fatima. Manche Themen sind uns so familiär und liegen uns so nah am Herzen und schon so oft haben wir darüber gesprochen, dass wir über sie eigentlich nicht mehr viel zu sagen haben. Trotzdem wäre es absurd, wenn der 13. Oktober vorüber gehen würde, ohne dass wir unsere Aufmerksamkeit einen Augenblick dem Thema Fatima widmen.
Deshalb werde ich diesmal nicht die Botschaft der Muttergottes kommentieren, sondern eher die Haltung und Einstellung der Welt zu dieser Botschaft.

* Die Muttergottes dokumentiert ihre Botschaft auf zwei Arten:

1. Sie beauftragt total unfähige Hirtenkinder, ihre Botschaft zu verbreiten.
Analysieren wir den konkreten Fall: Die Muttergottes erscheint in Fatima und übermittelt diesen drei Kindern eine Botschaft. Sie dokumentiert deren Echtheit in doppelter Weise.
Zunächst vertraut sie diese Botschaft Hirtenkindern an, die ganz unfähig sind, von sich selbst zu verstehen, was sie ihnen sagt und Dinge wiederholen, die durchaus Sinn machen. Es ist ja leicht zu verstehen, wie Kinder, die in einem entlegensten Bergwinkel Portugals oder in irgendeinen ähnlichen Ort auf der Welt leben, ungebildet sein können.
Es waren dermaßen ungebildete Kinder, die noch nicht einmal wussten, was ein Papst ist. Als sie immer wiederholten, man solle dem Papst dies oder jenes übermitteln, fragte eines von ihnen: „Aber, was ist denn der Papst?“ Sie wussten es nicht, wiederholten aber immer genau und richtig das Wort Papst.
Dann berichteten sie auch wiederholt Sachen im richtigen Zusammenhang — lange und komplexe Botschaften — und widersprachen sich nicht, selbst wenn sie unter Druck gesetzt wurden oder sich den brutalen Fragen in Polizeigewahrsam Rede und Antwort stehen mussten. Sie beharrten immer auf dieselben Antworten und Behauptungen.

2. Sie bewirkte das Sonnenwunder vor der versammelten Menschenmenge.
Auf der anderen Seite wirkte die Muttergottes ein Wunder, das den dort versammelten Menschen und selbst Menschen, die sich weit entfernt vom Erscheinungsort befanden, zeigte, dass etwas übernatürliches geschehen war. Das war der bekannte Tanz der Sonne, die farbige Lichtstrahlen verbreitete. Dies alles wurde von Menschen bestätigt, die weit von Fatima wohnten und gar nicht wussten, dass dies ein Zusammenhang mit einer Muttergotteserscheinung hatte.
Es gab also Wunder, die die Erscheinung dokumentierten. Doch was mich sehr aufmerksam machte über die Art, wie die Welt diese Ereignisse zur Kenntnis nahm, ist nicht nur ihre Ungläubigkeit gegenüber diesen Geschehnissen, sondern etwas anderes: In den vielen guten Büchern, über Fatima kann ich mich nicht erinnern, folgenden Kommentar gelesen zu haben: Dass die Botschaft an sich, unabhängig von allen außergewöhnlichen und wunderartigen Begleiterscheinungen, nur durch ihren reinen Inhalt alle Gründe besaß, um anzunehmen, sie sei wahrhaftig und echt.
Denn theologisch gesehen, musste ja ungefähr so etwas geschehen. Das heißt, die damalige Welt war mit Gewissheit schon in eine Situation der schweren Sünde verfallen.
Wer nur ein wenig den Katechismus kennt, ein wenig über Sitten Bescheid weiß, der konnte nicht daran zweifeln, dass sich die Welt in einem Zustand der schweren Sünden befand und dass dieser Prozess der Sünde eine so große Dynamik entwickelte, als dass man ahnen konnte, wohin er führen würde.
Es war als sicher, dass die Sünde sich zu einem Höhepunkt hin bewegte und, die Strafe ebenso einen Höhenpunkt erreichen würde. Es ist also theologisch gesehen, selbst nach elementaren theologischen Überlegungen, schon eindeutig, dass man die Gewissheit bekam: Wenn die Menschheit sich nicht bekehrt, müsse eine Strafe auf sie herabkommen.
Es wäre auch natürlich, dass der Kommunismus diese Strafe sein würde, denn da er ist der letzte Auswuchs der Sünde und die Sünde ruft die Strafe des Sünders hervor. Es wäre ja folgerichtig, dass der Kommunismus die Geißel der Welt sein würde.
Mit ein wenig Geschichtstheologie also, hätte man diese wunderbare Folgerung  sehen können, dass die Botschaft, die diese Kinder wiedergaben, eine war, die ganz dem entsprach, was ein echter Glaubensmensch, ein Analytiker, mit einigen Grundkenntnissen der Geschehnisse der damaligen Zeit, hätte folgern müssen.
Ich erinnere mich nicht, dieses Argument in irgendeinem Buch gelesen zu haben, obwohl es doch sehr klar und deutlich ist.
Zum besseren Verständnis werde ich mich einer technischen Sprache bedienen: für die Botschaft von Fatima gibt es innerliche und äußerliche Beweise.

* Die Verbundenheit der innerlichen und äußerlichen Beweise der Botschaft bescheinigen ihre Wahrhaftigkeit

Die äußerlichen Beweise der Botschaft sind Dinge, die nicht direkt die Botschaft betreffen. Zum Beispiel: 1. Obwohl die drei Hirtenkinder ungebildet waren, gab es bei ihren vielen Aussagen keine Widersprüche. 2. Alle drei hielten immer und zu jeder Zeit die Echtheit der Botschaft mit Überzeugung aufrecht; selbst wenn sie mit dem Tod bedroht wurden, um die erhaltene Botschaft zu widerrufen, blieben sie standhaft; 3. Jacinta sagte ihren eigenen Tod voraus, wie er dann auch wirklich eintrat. Das sind alles äußerliche Merkmale der Botschaft, die in ihrem Wortlaut nicht vorkommen, beweisen aber deren Echtheit.
Andere äußerliche Ereignisse bestätigen ebenfalls die Echtheit der Botschaft, wie zum Beispiel das Sonnenwunder und andere Begleitmerkmale.
Das sind die äußerlichen Beweise. Wenn wir nun den Inhalt der Botschaft, ihren Sinn und ihre Bedeutung analysieren, dann haben wir die innerlichen Beweise, das heißt, die Botschaft an sich und nicht all ihre Begleitmerkmale.
Analysieren wir also den Inhalt der Botschaft, müssen wir folgendes in Betracht ziehen: Die Kinder gaben etwas weiter, was sie von der Muttergottes gehört hatten, doch etwas, was ein gläubiger Mensch, mit einer tieferen Sicht der Weltereignisse, ebenfalls denken müsste.
Wer die damalige Lage der Welt kannte und sie mit den Vorgaben des Glaubens analysieren würde, der käme zu der Schlussfolgerung, dass die Ereignisse sich so entwickeln würden, wie sie in der Botschaft beschrieben sind,  wozu aber die Kinder überhaupt nicht fähig waren, sie zu erfinden.
Hier ist also der Punkt: die Kinder gaben eine in sich weise und wahrhaftige Mitteilung weiter, von einer Weisheit und einem Inhaltsreichtum, die bei weitem ihre Fähigkeit übertraf, ihre eigene Umgebung theologisch-kritisch zu betrachten. Das heißt, die Botschaft war in sich, in ihrem Wesen echt und wahrhaftig.
Wer also in der damaligen Zeit die Welt im Lichte meines Buches Revolution und Gegenrevolution betrachtete, würde sehen, dass der Abfall der Menschen zu diesem exakten Punkt hinführen würde, zumindest was den schmerzlichsten Teil der Botschaft betrifft, der Ankündigung der Strafen.
Die Botschaft beinhaltet Strafandrohungen und weist dann auf eine Lösung hin.
Ich sagte also, dass ich mich nicht erinnern kann, dass jemand dieses Argument der innerlichen Wahrhaftigkeit der Botschaft angeführt hätte. Ich möchte gleich noch auf folgende Frage eine Antwort geben: „Was bedeutet das Schweigen der Kommentatoren unter diesem Aspekt?“

* Die Mittel, auf die die Muttergottes hinweist, um den in der Botschaft vorhergesagten Strafen zu entgehen: Buße und Weihe an sie

Bevor ich über die Kommentatoren spreche, möchte ich einen anderen Aspekt der Botschaft beleuchten. Wenn wir die Botschaft auf das Gerüst reduzieren, auf das sie sich aufbaut, besteht sie in: 1. einer theologischen Beschreibung mit den Augen des Glaubens der Sünden der damaligen Zeit; 2. einer Ankündigung einer Strafe; 3. einem Hinweis auf die Mittel, um der Strafe zu entgehen. Dies sind die drei Elemente der Botschaft.
Was die Mittel zur Vermeidung der Strafe betrifft, ist die Botschaft sehr deutlich, und vernünftig für jeden, der Glauben hat, denn das erste, um was die Botschaft bittet, ist Buße. Das zweite ist die Weihe an die Muttergottes.
Analysieren wir zunächst im Lichte des Glaubens die Mittel, um die Strafe zu verhindern. Wenn jemand seiner Sünden wegen bestraft werden soll, besteht die Abwendung der Strafe zu allererst in der Vermeidung der Sünde. Das ist klar und bedarf keiner weiteren Erklärung.
Wenn also die Welt bestraft werden und noch größere Strafen erleiden soll wegen der in der Fatimabotschaft beschriebenen Sünden, besteht die Abwendung der Strafe in der Aufgabe der Sünden und in der Umkehr. Das ist ebenfalls klar.
Nun die zweite Bedingung: die Weihe der Welt an Maria.
Es ist einleuchtend, dass es für denjenigen, der gesündigt hat und eine Strafe verdient, nicht ausreicht, sich zu ändern, denn er kann die Strafe trotzdem noch bekommen. Es ist etwa so wie ein Schüler, der seinen Lehrer beleidigt hat, der Lehrer aber nicht sofort zur Strafe greift, sondern erst zwei Tage später. Der Schüler kann nicht sagen, dass er sich doch in den letzten Tagen gut betragen hat. Denn der Lehrer wird ihm sagen: „Ich hatte meine Gründe, dich an jenem Tag nicht zu bestrafen, jetzt aber bekommst du die verdiente Strafe nachgezahlt, denn du hast gesündigt.“
Das heißt, eine Änderung kann erreichen, dass die Strafe nicht härter wird. Sie kann auch, durch die Barmherzigkeit Gottes, Gott dazu verleiten, nicht zu bestrafen. Von sich aus bewirkt aber eine Besserung nicht die Aufhebung der Strafe. Dazu ist ein Akt der Barmherzigkeit nötig.
Wer kann aber Barmherzigkeit erfahren, wenn er nicht die Mutter der Barmherzigkeit anfleht, die ausgesprochene Pforte der Barmherzigkeit? Maria ist die eigentliche Pforte der Barmherzigkeit, die Pforte des Himmels. Es ist also höchst theologisch, dass Gott der Welt gesagt hat: hört auf zu sündigen und sucht Zuflucht bei meiner Mutter, dass die Muttergottes der Welt gesagt hat: hört auf zu sündigen und kommt zu mir, ich werde euch die Aufhebung der Strafe erreichen.
Auf welche Weise Zuflucht suchen? „Indem ihr euch mir weiht. Vereint euch mit mir, gebt euch ganz mir und ich werde die Strafe aussetzen.“  Es gibt nichts Vernünftigeres als dies. Die Botschaft hat also alle Voraussetzungen eines großen Katechismus oder selbst eines Traktates der Theologie, dermaßen entspricht sie der Vernunft.
Wir können uns nicht vorstellen, dass sehr ungebildete Kinder mit ihren Fantasien so vernünftige Gedankengänge von sich geben könnten. Das beweist also auch, dass die Botschaft von ihrem Wesen her echt ist.
Was aber meine Aufmerksamkeit anregt, ist vor allem der Teil der Botschaft, der sich auf die Strafe bezieht. So viel ich mich erinnere, hüllen sich die Kommentatoren darüber im Schweigen. Warum? Weil die Menschheit sich schwer tat mit dem Teil der Botschaft über Schuld und Strafe. Die Menschheit empfing die Botschaft von Fatima mit Hochmut. Die Botschaft verlangte jedoch ein Akt der Demut, verlangte von den Menschen damals und heute, dass sie bekennen: „Wir haben gesündigt, wir sind schlecht gewandelt.“
Da also die Botschaft von den Menschen eine Umkehr verlangte und die Herz- und Sittenlosigkeit, in die sie verfallen waren, zu verlassen forderte,  konnte sich die Menschheit mit dieser Botschaft nicht anfreunden. So gab es weltweit eine globale Ablehnung der Fatimabotschaft.

* Die Hierarchie verschloss die Ohren für die Prophezeiungen von Fatima

Diese Ablehnung stellen wir zuallererst in der Kirchenhierarchie fest. Sie hätte diese Botschaft weit und breit predigen sollen.
Wie wirkt sich hier die Strafe aus? Indem wir sehen, wie sich unzählbare Mitglieder der katholischen Hierarchie vor dem Kommunismus passiv verhalten; wie eine weitere beträchtliche Anzahl von Geistlichen gar den Vormarsch des Kommunismus begünstigt; und wie sich  ein kleiner aber beachtlicher Teil der Hierarchie aktiv dafür einsetzt, um den Kommunismus hier und da einzuführen. Und das ist schrecklich: Die Hierarchie verschloss die Ohren für die Voraussagen oder die Prophezeiungen von Fatima und das Ergebnis ist, dass sie so tief gefallen ist und selbst Teil der Strafe ist. Die Hierarchie, die zum Heil der Menschen da ist, wird zur Strafe der Völker. Die Sünde der Gleichgültigkeit wird den Menschen zum Verhängnis. Es ist erschütternd!

* Die weltlichen Klassen

Die weltlichen Klassen, die die Menschen besonders zur Sünde führten, waren zwei:
Erstens die Intelligenzija und zweitens das reiche Bürgertum, die Bourgeoisie, durch ihr schlechtes Beispiel im Lebenswandel und im Gebrauch des Geldes, das sie zur Verbreitung der Werke der schlechten Intellektuellen zur Verfügung stellte.
Es war die Verbundenheit dieser zwei Stände: Revolution in den Tendenzen, das reiche Bürgertum; Revolution in den Ideen, die Intelligenzija. Diese beiden Strömungen führten die Welt in die Sünde.
Was geschieht? Das Bürgertum und die Intellektuellen ergeben sich mehr und mehr dem Kommunismus. In großer Zahl verwandelten sie sich selbst in die bevorstehende Strafe, die sie nicht haben sehen wollen.
Das Gedankengut fast aller Intellektuellen, wenn sie nicht Kommunisten sind, favorisiert doch in einer oder anderer Weise den Kommunismus und führt hin zum Kommunismus. Und da haben wir die Klasse der Intellektuellen als die Vollführer der Strafe, die sie selbst nicht haben sehen wollen.
Über das Bürgertum brauche ich gar nicht zu sprechen. Es leidet an der Strafe, indem es selbst das Bein des Stuhles durchsägt, auf dem es sitzt, und Reste des Sessels gegen die schleudert, die es eigentlich retten wollen.
Es ist ein wahrer Greuel. Es sind solche furchtbare Greuel, die schlimmer sind als blind, taub, stumm, behindert oder alles andere zu werden, weil es eine Blindheit, eine Taubheit, eine Behinderung des Geistes ist.
Da haben wir nun diese fürchterliche Situation: Diejenigen, die zum Führen und zum Retten eingesetzt worden sind, führen und retten nicht mehr, sondern führen in die Irre und vernichten ihre eigenen Interessen.

* Der Geist der Botschaft von Fatima wurde mit Lauheit empfangen

Betrachten wir nun die Masse der Menschheit: es ist auch wahr, dass die Masse der Menschen, selbst unter den Gläubigen, die Botschaft von Fatima mit Lauheit empfangen hat. Den Beweis dafür sehen wir an den wenigen Fatima geweihten Kirchen, an den Fatimastatuen und an den Fatimagebetbüchern. Wir stellen eine Ablehnung fest. Warum diese Ablehnung? Hochmut!
Die Menschen wollten nicht einsehen, dass sie gesündigt hatten. Sie klopften nicht an die Brust und wollten nicht einsehen, dass sie gestraft werden konnten. Als die Strafe kam, erkannten sie nicht, dass es eine Strafe war und straften letztlich sich selbst. Sie wurden zu Vollstrecker der eigenen Strafe, ihre eigenen Henker.
Nebenbei möchte ich auch das ganze Kapitel um das dritte Geheimnis, das die Muttergottes den Hirtenkindern geoffenbart hat und 1962 preisgegeben werden sollte. Man sagt es sei verschwunden, so dass ein Papst, selbst wenn er es wollte, könnte er es gar nicht veröffentlichen. Und dabei bleibt es. (Anm. des Übersetzers: das war der Stand der Dinge im Jahr 1970)
Das ist mein Kommentar wie die Welt die Fatimabotschaft empfangen hat.
Jemand könnte einwenden: „Aber die Botschaft von Fatima ist ja nicht nur dies, sondern sie spricht ja auch über die Bekehrung Russlands und auf der anderen Seite, dass Russland seine Irrtümer über die Welt verbreiten wird.“
Das ist einer der schönsten Aspekte der Botschaft: als die Kinder sie weitergaben, war das Zarentum noch nicht gestürzt, das heißt, es handelte sich wirklich um eine Prophezeiung; sie prophezeiten, dass Russland einem Irrtum verfallen und diesen über die ganze Welt verbreiten würde.
Es ist eindeutig, dass es sich nicht um den griechisch-schismatischen Irrtum handelte, einen toten und fossilen Irrtum. Welcher Irrtum könnte es nur sein? Der Irrtum des Kommunismus.

Aus einem Vortrag am 13. Oktober 1970.