Dienstag, 13. August 2019

Der große Selbstmord


Aus dem Portugiesischen in „Legionário“ vom 16. Dezember 1945, Nr. 697, S. 2.

Es kommen neue Nachrichten über das alarmierende Problem des Niedergangs des französischen Volkes. Die Geburtenraten bleiben niedrig, der Anteil alter Menschen steigt, kriminelle Praktiken gegen zukünftige Generationen nehmen erschreckend zu. Nach einigen Berechnungen hat Frankreich während des Krieges mehr ungeborene Menschen verloren, als wie im Kampf gefallen sind. Nach solchen Berechnungen ist nach wie vor jeder vierte Arzt für solche Verbrechen verantwortlich.
Wenn das Problem rückläufiger Geburten in Frankreich wirklich beängstigend ist, muss doch anerkannt werden, dass sich das Phänomen in allen zivilisierten Ländern progressiv manifestiert, und zwar genau in dem Maße, wie sie zivilisiert sind. Sogar unter uns (in Brasilien - A.d.Üb.) kommt es in den fortschrittlichsten Zentren sichtbar zu Vorschein. Daher ist das Problem nicht französisch, es ist nicht national, obwohl es in jedem Land eigene Aspekte haben kann. Es ist ein Problem einer höheren Ebene, und seine Ursachen müssen im Kontext der heutigen Zivilisation gesucht werden.
Nun hat dieses Problem von Natur aus eine allgemeine Bedeutung. Es ist nicht nur eine spezifische Fehlanpassung einiger Faktoren der menschlichen Existenz, sondern ein Indiz, ein Symptom einer grundlegenden Fehlanpassung. Um es klar auszudrücken, das Problem ist nicht der Rückgang der Geburtenrate. Das Problem ist unsere eigene Zivilisation, die heute bankrott gegangen ist. Die Abnahme der Geburtenzahl drückt nur diesen Bankrott aus.
So sehr ist es so, dass selbst die Mittel, die eingesetzt wurden, um dem Übel entgegenzuwirken, denselben Bankrott offenbaren. Nehmen wir zum Beispiel, was der Nationalsozialismus getan hat, um die Geburten zu fördern. Das Ziel wurde erreicht, es kann nicht geleugnet werden; aber der Erfolg war rein tierhalterisch: das deutsche Volk wurde in die Kategorie einer Herde herabgestuft. Natürlich löst diese Art von Lösung gar nichts.
Die Wahrheit ist, dass unsere Welt erschöpft ist, ohne Lebenssaft; der Weg führt zum Selbstmord. Fast niemand sieht nichts mehr als seinen eigenen Egoismus; dass danach die Sintflut komme, ist egal. Alle Werte werden abgesetzt, um die kleinsten Launen zu befriedigen. Nur die Werte des Nützlichen stehen noch, um die peripheren Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Somit sind alle Dinge in den Zustand reiner Instrumente gefallen, die mit bestimmten Techniken zu handhaben sind. Selbst die Menschen sind in diesem Zustand, und das interessanteste ist, dass sie ihn mit einer Art Euphorie akzeptiert haben. Dies hat sie von schweren Verantwortlichkeiten befreit, zum Beispiel von der Pflicht zur spirituellen Vervollkommnung. Deshalb erleben wir die allgegenwärtige und uneingeschränkte Verherrlichung der Arbeit. Aber deshalb gibt es auch eine Technik die Menschen zu lenken. Aber danach wird es nur noch Verzweiflung oder Bekehrung geben.

© Nachdruck dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe gestattet.

Montag, 12. August 2019

Er enthüllte den Irrtum und vertraute auf den Triumph der Muttergottes



Norman Fulkerson
Eine Rezension des Buches:
„Plinio Corrêa de Oliveira: Prophet des Reiches Mariens”
 von Prof. Roberto de Mattei


So wie viele Menschen mit Durchblick und Weitsicht werden einige Heilige und Propheten erst nach ihrem Tod hoch geschätzt. Dies ist der Fall bei Prof. Plinio Corrêa de Oliveira, dessen Leben das turbulente 20. Jahrhundert umfasste. In seinen frühen Jahren erreichte er den Höhepunkt seines Einflusses auf politischer, sozialer und religiöser Ebene in Brasilien. Wegen seiner grundfesten katholischen Ansichten wurde er von den großen Medien und dem liberalen Establishment für den Rest seines außergewöhnlichen Lebens ignoriert. Dieses Schweigen wurde nur gebrochen, als seine Feinde zu Verleumdungen griffen, die sich nicht nur gegen seine Person richteten, sondern auch gegen die Organisation, die er gründete, die Brasilianische Gesellschaft zur Verteidigung von Tradition, Familie und Eigentum (TFP).
Prof. Plinio (wie er von seinen Anhängern - wie in Brasilien üblich - genannt wurde) übt jedoch weiterhin einen enormen Einfluss auf unsere moderne Welt aus. Er widersetzte sich nicht nur den Irrtümern seiner Zeit, sondern gründete vor allem eine einzigartige Denkschule, die seine Arbeit bis in unsere Tage fortsetzt. Dieses Erbe wird durch die kürzlich erschienene englische Ausgabe des Buches „Plinio Corrêa de Oliveira: Prophet des Reiches Marias“ des italienischen Gelehrten und Histprikers Prof. Roberto de Mattei hervorgehoben.
Der Begriff „Prophet“ im Titel des Buches könnte etwas rätselhaft erscheinen. Die meisten Menschen verstehen einen Propheten als jemanden, der lediglich die Zukunft voraussagt. Doch ein weiteres und ehr wichtigeres Merkmal der Propheten war jedoch die Fähigkeit, den Willen Gottes in der Geschichte zu erkennen und die Menschheit in diese Richtung zu führen. „Er kündigt eine Bestrafung an“, erklärt Prof. de Mattei, „nicht unbedingt durch göttliche Offenbarung, sondern weil er versteht, wie bestimmte menschliche Verhaltensweisen unweigerlich zu göttlicher Bestrafung führen.“ Genau diese prophetische Unterscheidung praktizierte Prof. Plinio zeitlebens.
Er definierte den großen Feind unserer Zeit als die Revolution, einen langen historischen Prozess gegen das Christentum, den er in dem Buch „Revolution und Gegenrevolution“ meisterhaft erklärt. Prof. de Mattei verglich dieses Buch mit der „Stadt Gottes“ des hl. Augustinus. Während letzteres eine „Meditation über den Untergang des Römischen Reiches“ war, kann ersteres „als Meditation über den Untergang der christlichen Zivilisation“ angesehen werden.
Da sich die Menschheit dieser Revolution nicht widersetzte, sagte Prof. Plinio eine bevorstehende göttliche Züchtigung und schließlich den großartigen Sieg Unserer Lieben Frau voraus. In Anlehnung an den großen hl. Ludwig Grignion von Montfort nannte er diese Ära des Friedens das Reich Mariens. Tatsächlich entwickelte Prof. Plinio diese Perspektive, bevor er von der Botschaft Unserer Lieben Frau von Fatima erfuhr, die vom möglichen Triumph Ihres Unbefleckten Herzens sprach. So demonstriert Prof. de Mattei dem Leser die prophetischen Einsichten seines Themas.
Prof. Plinios tiefgründige Gedanken kommen aus einem intellektuellen Leben, das nicht einfach eine Ansammlung von Lehren war, die durch Bücher gewonnen wurden. Seine Weisheit ergab sich auch aus einem Vergleich seiner ständigen Reflexionen mit dem, was er in allen Bereichen um sich herum sah. Er hat jedoch nie behauptet, ein Monopol auf diese Methode zu haben.
„Ich behaupte“, sagte er, „dass wir mit Abstand unser eigenes bestes Buch sind. Wir sind nicht [nur ein] Buch; jeder von uns ist eine Bibliothek, die immens mehr enthält als Bibliotheken mit Büchern. Niemals hat jemand alles geschrieben, was in den Köpfen einer Person existieren kann.“
Diese Art zu leben und zu denken war das Ergebnis der Tugend der Ruhe, über die Prof. Plinio häufig referierte. Seine ruhige Veranlagung erleichterte ihm das Erkennen des Guten, Wahren und Schönen. Dies wiederum ermöglichte ihm, das Gegenteil zu erkennen und abzulehnen. Meistens bedeutete diese Ablehnung ein tiefes Verständnis der revolutionären Irrtümer, die in ihren „verschleierten und embryonalen Formen“ verborgen waren.
Prof. de Mattei veranschaulicht diese Wahrnehmung des Irrtums mit dem Ausdruck der „weißen Häresie“. Prof. Plinio prägte diesen Begriff, um eine Häresie nicht im eigentlichen Sinne des Wortes zu beschreiben, sondern eine sentimentale, romantische Idee der katholischen Religion, in der „Tugend als etwas dem Heldentum Fremdes aufgefasst wird“. Dieser Begriff ist in den zahlreichen Darstellungen von Heiligen leicht zu erkennen als sanfte, rosige Individuen mit schwachem Willen und wenig Leiden.
Die historische Verkörperung dieses unheldenhaften Geistes war Monsignore Jacques-André Emery, der während der Zeit der Französischen Revolution lebte. Prof. Plinio bemerkte, dass dieser Geistliche oft mit heiligen Adligen inhaftiert war. Viele von ihnen standen heldenhaft der Guillotine gegenüber und starben als Märtyrer, weil sie sich weigerten, den „liberté-égalité“-Eid zu unterschreiben, zu dem dieser „heilige“ Priester ihnen geraten hatte. Prof. Plinio nannte diese Tendenz zum Kompromiss mit dem Bösen die „Denkweise der weißen Häresie“, die „eine Mentalität der Versöhnung und der Zugeständnisse verbreitet, die dazu neigt, die Kirche der Welt unterzuordnen“. Emery überlebte den blutigen Terror und seine pazifistische „Häresie“ diente dazu, diejenigen einzuschläfern, die sonst bereit gewesen wären, gegen den Fortschritt der Revolution zu kämpfen.
Das Gegenteil dieser entstellten Version des Katholizismus war das, was der mittelalterliche Ritter praktizierte, vor allem jene, die die Ritterorden dieser Zeit bildeten. Diese Rittermönche stellten den idealen Menschentyp dar, weil sie sich nach dem Vorbild unseres Herrn Jesus Christus formten. Ihre männliche Frömmigkeit zog Prof. Plinio an, da sie im Gegensatz zu der in der heutigen Welt vorherrschenden Feminisierung der Religion stand.
Prof. de Mattei erklärt, wie diese Ritter die plinianische Spiritualität verkörperten, die sowohl kämpferisch als auch ritterlich war. Die Mischung aus Militanz und Höflichkeit scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein. Es könnte besser verstanden werden, wenn man den schönen Brauch dieser männlichen Krieger bei der heiligen Messe während der Lektüre des Evangeliums betrachtet. Voller katholischer Inbrunst zogen sie ihre Schwerter und hielten sie bis zum Ende der heiligen Lesung hoch. Diese tapfere Haltung bedeutete: „Wenn das Evangelium verteidigt werden muss, hier sind wir!“

Wie ein Ritter der alten Zeit widmete sich Prof. Plinio mit der gleichen Bereitschaft dem Kampf für die Verteidigung der katholischen Kirche und der christlichen Zivilisation. Prof. Plinios ritterliche Lebensweise und sein unnachgiebiger Widerstand gegen die Irrtümer der Revolution führten am meisten zu seiner Ablehnung durch diejenigen, die es vorzogen, ständig Zugeständnisse zu machen. So sorgten die angesehenen Schiedsrichter des 20. Jahrhunderts dafür, dass er nie ins Rampenlicht geriet.
Leider starb er am 3. Oktober 1995, ohne die von ihm so sehr ersehnte Errichtung des Reiches Mariens zu erleben. Trotzdem akzeptierte er den Willen Unserer Lieben Frau und verließ friedlich diese Erde, weil er die Gewissheit hatte, dass sie eines Tages triumphieren würde.
Seine Verehrung zur hl. Jeanne d'Arc spiegelte seine Hoffnungen für die Zukunft wider. Angesichts der offensichtlichen Niederlage glaubte sie weiterhin an die Mission, die sie von himmlischen Stimmen erhielt. Prof. Plinio ermutigte seine Anhänger, die Hoffnung auf den Sieg der Konterrevolution nicht zu verlieren. Er erinnerte sich oft an die Worte der sterbenden Jungfrau von Orleans: „Die Stimmen haben nicht gelogen, die Stimmen haben nicht gelogen!“
„Plinio Corrêa de Oliveira: Der Prophet des Reiches Mariens“ ist eine sehr wichtige Lektüre für diejenigen, die ein Vorbild suchen, um der Revolution in ihrem jeweiligen Leben entgegenzutreten und durch die turbulenten Gewässer unseres einundzwanzigsten Jahrhunderts zu navigieren. Noch wichtiger ist, dass es für diejenigen, die Schüler dieser konterrevolutionären intellektuellen und spirituellen Schule sein möchten, unbezahlbare Grundsätze liefert.


Quelle des englischen Originals am 31. Juli 2019:

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe gestattet.
In signierten Artikeln veröffentlichte Meinungen und Konzepte liegen in der alleinigen Verantwortung der Autoren.

Montag, 22. Juli 2019

DAS MISSIONARISCH-KOMMUNISTISCHE IDEAL FÜR BRASILIEN IM 21. JAHRHUNDERT – TEIL II



Kapitel I

Das katholische traditionelle Verständnis von Missionen
Das Ziel, evangelisieren.
Durch die Evangelisierung, zivilisieren.
Durch Zivilisierung, das Gute tun
.

Wenn der Leser diagonal die Texte von Kapitel III durchliest — die zum großen Teil aus „aktualisierten“ Missionarischen Quellen stammen —, wird er hier und da Konzepte bemerken, die ihn schockieren werden. Dies wäre sicherlich nicht geschehen, wenn er vor Jahren Gelegenheit gehabt hätte, mit Nicht-„Aktualisierter“-Missionsliteratur Kontakt aufzunehmen. Der Kontrast ergibt sich aus einer radikalen Änderung der Missionslehre der Kirche. Eine solche Modifikation wird von Zeit zu Zeit im brasilianischen Missionsumfeld weit verbreitet, wo sie sich mit der Diskretion und Geschwindigkeit eines Ölfleckens ausbreitet.
Wie man sehen wird, interessiert diese Veränderung nicht nur Experten, sondern wirkt sich auch tiefgreifend auf die Zukunft der Kirche und des Heimatlandes aus. Deshalb sollten alle Brasilianer hierauf ihr Augenmerk richten.
Denn sie zielt darauf ab, einen gefährlichen Wellenschlag in die Welt der unkultivierten Urwälder zu übertragen. Und noch mehr, diesen Wellenschlag mit einem noch größeren verbinden, der in der Welt der Landwirtschaft und Städte stattfinden soll.
Unkultivierter Urwald, kultivierte Felder, Städte in voller Ausdehnung: so gut wie das ganze Brasilien wird damit betroffen sein...
1. Der Begriff von Mission
In der missiologischen Lehre der Kirche, die etwa zwanzig Jahrhunderte alt ist, ist der Begriff der katholischen Mission, mit ihren Ziele und Methoden perfekt definiert. Und sie stimmt mit der Art und Weise überein, wie ein durchschnittlicher brasilianischer Leser es sieht und fühlt.
Aus diesem Grund kann man im Voraus sicher sein, dass die nächsten Absätze niemanden schockieren werden. Im Gegenteil, sie werden nichts als Normal erscheinen.
Mission kommt vom lateinischen Wort „missio“, von „mitto“, das heißt „ich sende“. Der Missionar ist daher ein Gesandter (Bischof, Priester — und im weiteren Sinne auch ein Ordensmann/frau oder ein Laie).
Gesandt wird der Missionar durch die Kirche im Namen Jesu Christi, den er bei den nicht-katholischen Völkern vertritt, um sie zum wahren Glauben zu bringen.
2. Das höchste Ziel der Mission: im Wesentlichen religiös — die Herrlichkeit Gottes und die ewige Glückseligkeit
Die Kirche lehrt, dass der normale Weg zur Rettung des Menschen darin besteht, getauft zu werden, zu glauben und die Lehre und das Gesetz Jesu Christi zu bekennen.
Menschen zur Kirche zu bringen, heißt daher, ihnen die Tore des Himmels zu öffnen und sie zu retten. Dies ist das Ziel der Mission.
Dieses Heil hat als oberstes Ziel die äußere Herrlichkeit Gottes. Die Seele, die es durch die Einhaltung des Gesetzes in den Kämpfen dieses Lebens geschafft hat, ihm ähnlich zu werden, ist gerettet. Und so wird sie Ihm Ehre für alle Ewigkeit geben.
Jede Ähnlichkeit ist an sich ein Faktor der Vereinigung. Die so mit Gott verbundene Seele erlangt die Fülle des Glücks.
3. Auswirkungen der Mission auf das zeitliche Leben
a) Die Ordnung
Die Herrlichkeit Gottes und das ewige Glück der Menschen sind missionarische Ziele höchster Transzendenz. Dies hindert die Mission nicht daran, auch höchste irdische Auswirkungen zu haben.
Tatsächlich schuf Gott das Universum in einer erhabenen und unveränderlichen Ordnung. Und da der Mensch der König des Universums ist, ist eine solche Ordnung in Bezug auf ihn besonders bewundernswert.
Die Gebote der natürlichen Ordnung werden in den Zehn Geboten des Gesetzes Gottes ausgedrückt (vgl. Hl. THOMAS, Summa Theologica, 1a, 1a, 1o, 3 und 11), die von Unserem Herrn Jesus Christus bestätigt („Ich bin nicht gekommen, um das Gesetz aufzulösen, aber um es zu erfüllen“ - Mt 5,17) und von Ihm vervollkommnet wurden (Mt 5,17-48, Joh 13,34).
Die Einhaltung der Ordnung in jeder Sphäre des Universums ist nicht nur die Voraussetzung für deren Erhaltung, sondern auch für ihren Fortschritt, was besonders für Lebewesen und ganz besonders für den Menschen gilt.
b) Die Größe und das Wohlergehen der Völker
Daraus folgt, dass das Gesetz Gottes die Grundlage für die Größe und das Wohlergehen aller Völker ist (vgl. hl. Augustinus, Epist 138, Ad Marcellinum, Kapitel II, Nr. 15)
Christianisierung und Zivilisierung sind daher aufeinander bezogene Begriffe. Es ist unmöglich, ernsthaft zu christianisieren, ohne zu zivilisieren. Wie es umgekehrt unmöglich ist, zu entchristlichen, ohne Unordnung zu stiften, Brutalisieren und Zurückdrängen in Richtung Barbarei.

Fortsezung folgt

DAS MISSIONARISCH-KOMMUNISTISCHE IDEAL FÜR BRASILIEN IM 21. JAHRHUNDERT – TEIL I

Einleitung der englischen Ausgabe

Welche Agenda ist geplant?
Ein Blick in die Zukunft eines Stammeslebens

Bei Kulturkriegen, in denen Nationen hineingerissen werden, fragt man sich oft, was das endgültige langfristige Ziel der anderen Seite ist. Der liberale Angriff auf die christliche Zivilisation ist heute so intensiv, dass es unbedingt irgendein Ziel geben muss. Und doch ist es sehr unklar, welche Art von Zivilisation die christliche Zivilisation ersetzen soll.
Linke Ideologen haben lange auf eine ideale staatenlose Gesellschaft mit völliger Freiheit und völliger Gleichheit hingewiesen. Dieses anarchische Ideal, das überhaupt keine Regierung vorsieht, lässt die Frage aufkommen, ob es sich um eine einfache Frage des Austauschs von Zivilisationen handelt. Angesichts der Schriften vieler postmoderner Autoren scheint die Zivilisation selbst das Ziel zu sein.
In der Tat ist die Zivilisation das Ziel. Hierarchische Modelle werden abgerissen. Moral, Anstrengung und Zurückhaltung verlieren an Boden. In Wirtschaft, Bildung, Kultur und vielen anderen Bereichen taucht der Stammesarchetyp immer häufiger auf. Unternehmen ermutigen Arbeiter, als Stamm zusammenzuarbeiten. Jugendliche kommen zusammen und knüpfen Kontakte zu Stämmen. Sogar einige religiöse Veranstaltungen haben Stammesuntertöne angenommen. Der Zusammenbruch alter Strukturen und alter Sitten ebnet den Weg für diese Veränderung.
„Die neue Tribale (Stammes-) Revolution ist ein Fluchtweg aus dem Gefängnis unserer Kultur“, schreibt Daniel Quinn in seinem 1999 erschienenen Buch „Beyond Civilization, Humanity's Next Great Adventure“ (Jenseits der Zivilisation, das nächste große Abenteuer der Menschheit). Er fährt fort:
„Das Stammesleben war nicht, was Menschen sich gesetzt und herausgefunden haben. Es war das Geschenk der natürlichen Auslese, ein nachweislicher Erfolg – keine Perfektion, aber sehr verbesserungsdürftig. Das Hierarchentum (eine hierarchisch aufgebaute Gesellschaft) hat sich jedoch nicht nur als unvollkommen, sondern letztendlich als katastrophal für die Erde und für uns erwiesen. “
Was ist dieses Stammesideal, das jenseits der Zivilisation entstehen soll? Was sind seine Eigenschaften? Welche Philosophie steckt dahinter? Wer unterstützt das? Was genau ist das langfristige Ziel?
Dies sind die Fragen, die diese faszinierende Studie beantwortet. Der indianische Tribalismus (Stammesleben), das kommunistisch-missionarische Ideal für Brasilien im einundzwanzigsten Jahrhundert von Plinio Corrêa de Oliveira, untersucht diese Transzivilisationsziele.
In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts setzte sich Prof. de Oliveira mit einer ganzen Schule missionarischer Ideologen auseinander, die das primitive indianische Stammesbewusstsein in Brasilien als Modell für die gesamte Gesellschaft betrachteten. Dieselbe Schule griff vehement die christliche Zivilisation als Quelle sozialer Übel an. „Wir müssen nur von den Indianern lernen“, behaupteten diese Missionare, als sie die Nacktheit, die Gütergemeinschaft und die Mystik der primitiven Stämme priesen.
Heute nähern sich die Ideen dieser Avantgarde-Missionare dem Mainstream und Prof. de Oliveiras Studie zeigt seine außergewöhnliche Weitsicht und gewinnt eine neue Aktualität. Seine meisterhafte Verteidigung der christlichen Zivilisation ist ein perfektes Gegenmittel für diejenigen, die den Überresten der christlichen Zivilisation kommunale Stammeswerte aufzwingen möchten.



Einführung des Brasilianischen Originals

Während man schlummert,
kann man manchmal hören und lernen…

Ein Tourist, der den Urlaubsmonat ausnutzt und sich in einem bequemen Hotelsessel zurückzulehnen, schließt die Augen, um in einem gelassenen far-niente einer Ruhestätte ein Nickerchen zu machen.
Sanft lässt er sein Gedächtnis abrollen auf der Suche nach Erinnerungen, die entspannen und zum Schlafen einladen.
Aber die Vorstellungskraft ist fast immer launisch. Und jede Laune ist von Natur aus eigensinnig. Die Bilder, die sich ihm vorstellen – er weiß nicht warum, vielleicht wegen des wunderschönen naheliegenden Waldes –, sind Fotos, Tonbildvorführungen, Filme, die er zu verschiedenen Gelegenheiten über Indianer, ihre Bräuche, ihre Behausungen, ihre Riten der Feier, der Trauer und des Krieges, gesehen hat
Dem Schlummernden gelingt es endlich der Verfolgung der Indianer zu entkommen, die der Entspannung nicht förderlich ist, und lässt mit gesenkten Augenlidern in der beharrlichen Suche nach dem Schlaf die Erinnerung an eine große Stadt des Westens sanft und leise aus der Erinnerung auftauchen: Paris, Venedig, Rom, London oder New York. Wenn nicht, São Paulo, Rio oder Buenos Aires.
Unser Tourist entspannt sich. Merkt, dass der Schlaf näher rückt. Aber in seinen Ohren dringt ein, was Leute in der Nähe in einer Sitzgruppe von Stühlen in derselben Halle des Hotels sagen. Es sind zwei Stimmen, die da sprechen.
Durch seltenen Zufall – Telepathie? – scheint das Thema der Prosa ein Kommentar zu den ersten Dschungelbildern zu sein, die den unglücklichen Schlafjäger geplagt hatten. Eine Stimme fragt:
- „Welche Art von Konglomerat sollte als Modell für den menschlichen Lebensraum dienen: die Taba (das Hüttendorf) oder die Großstadt?“
Zwischen überrascht und träge fragt sich der Tourist, immer noch mit geschlossenen Augen, was für eine Person könnte solch ein Problem aufwerfen, dessen unvermeidliche Antwort banal ist, kraft der Ersichtlichkeit.
Damit verliert er nicht die Hoffnung auf seinem Mittagsschlaf. Banalität ist von Natur aus einschläfernd. Wer weiß, ob sie ihm hilft, einzuschlafen?
Doch bald darauf hört er eine andere Stimme, die nachdrücklich auf die erste reagiert:
- „Der Stamm ist das Modell der Zukunft. Er repräsentiert für den Menschen einen Stil des Seins, Denkens, Wollens und Handelns, der die Gesellschaften in der Phase des Zusammenbruchs des 20. Jahrhunderts prägen sollte, und insbesondere die Gesellschaften, die sich über viele Jahrhunderte hinweg bilden werden.“
- „Die großen städtischen Agglomerationen der Konsumkultur, die noch heute so viele Menschen verzaubern oder begeistern, repräsentieren im Gegenteil die Vergangenheit, den Verfall und den Tod. Kurz gesagt, all das muss verschwinden.“
Der Tourist konnte es diesmal nicht aushalten. Er öffnete die Augen auf der Suche nach dem „Verrückten“ und konnte nicht schlafen.
* * *
Unterdessen fuhr die nachdrückliche Stimme fort:
- „Nicht nur ich denke so. Was es am modernsten in Brasilien in der Missionsarbeit gibt, denkt genau dasselbe. Schon mal was von den Aggiornati-Missionaren gehört?“
- „Nein. Was ist das?“
- „Nun, dann ist es an der Zeit es zu wissen. Aggiornato kommt aus giorno, was auf Italienisch Tag bedeutet. Aggiornato ist daher der Missionar, der sich der Neuen (postkonziliaren) Kirche angepasst hat.“
- „Na und?“
- „Die Aggiornati-Missionare wollen die indigenen Völker, die immer noch glücklich in ihren hier und da im Urwald verstreuten Tabas (Hüttenlager) leben, vor der Gefahr schützen, von der gegenwärtigen „Zivilisation“ annektiert zu werden. Sicher sind es Überreste einer uralten Vergangenheit. Vor allem aber sind sie lebendige Lektionen für eine sehr weise Zukunft...“
- „In den sogenannten wilden Indianer-Stämmen gibt es weder Bosse noch Chefs. Der Kazike (Häuptling) ist nur ein Leitender-Berater. Alles wird im allgemeinen Konsens erledigt oder gelöst. Unter den Indianern gibt es keine Farmer oder Landarbeiter, Chefs oder Angestellte, Eigentümer oder Marginalisierte, Reiche oder Arme. Es gibt keine Gesetze, Vorschriften, Ämter, Gebühren, Steuern, all diese Höllendinge, die du kennst. Kurz, es gibt nichts, was trennt, hierarchisch aufgebaut ist und unterdrückt. Die spontane Nacktheit beider Geschlechter ist fast oder ganz komplett. Alle laufen ungezwungen durch den Dschungel und suchen nach Appetithappen: Fisch, Vogel, Käfer oder Obst. Zurück im Lager teilen sie mit den Familien alles, was sie gefunden haben. Niemand will mehr als der andere sein und denkt auch nicht viel an morgen. Es ist letztendlich der Himmel auf Erden.“
Ohne sich über diese unerwartete Lobeshymne zu wundern, fragt der andere Gesprächspartner:
- „Und was ist mit uns? Werden wir weiterhin an dieses Leben gebunden sein, das wir führen?“
Die Antwort lässt auch dieses Mal nicht auf sich warten:
- „Hast du’s nicht gemerkt? Auch in der Welt der Weißen muss diese Manie von Geld, Kapital, Profit, Luxus, Status und Ungleichheit aufhören. Die Zukunft besteht darin, alles gleich aufzuteilen, Wettbewerbe zu beenden, „Karrieren“, die immensen wirtschaftlichen, politischen, administrativen und sozialen Strukturen aufzulösen. Die Megalopolen und die Länder müssen aufgelöst werden, so dass sie Galaxien kleiner autonomer, spontaner, freier, gleicher und brüderlicher Gruppen bilden. Kurz gesagt, der Indianer ist für uns viel mehr ein Vorbild als wir für ihn.“
- „Ist es dann eine allgemeine Demontage, die du predigst?“
- „Ja, aber eine konstruktive Demontage. Denn daraus wird eine neue Welt entstehen.“
- „Und wie wird diese Demontage durchgeführt?“
- „Ich weiß, dass viele Leute das schon wollen. Und dicke Leute. Weise, Denker und Schriftsteller von internationalem Ruf. Hast du zum Beispiel schon von Levi-Strauss gehört? Er ist ein berühmter Ethnologe, derzeit Vorsitzender des Lehrstuhls für Anthropologie am Collège de France in Paris, der in unserer Zeit der Führer des strukturalistischen Denkens ist. Für ihn ist die indigene Gesellschaft diejenige, die dem menschlichen Ideal am nächsten kommt, weil sie „der Geschichte widerstanden“ und an die Lebensweise der vorneolithischen Periode festgehalten hat. Und in diese Art von Gesellschaft müssen wir zurückkehren.“
- „Wenn die Zahl derer, die das wollen, die Mehrheit ist, wird es unumkehrbar sein, dass sie gewinnen. Übrigens braucht es nicht so viel. Es reicht wenn es ab einem bestimmten Punkt Mode wird, dies zu wollen. Wie viele Revolutionen haben die Spitze des Sieges erreicht, weil sie von den Winden der Mode getragen wurden?“
- „Aber wer unterstützt das jetzt, abgesehen von der Berühmtheit, die du erwähnt hast?“
- „Schau, ich weiß genauer, was in der Kirche passiert, ich bin nämlich ein Missionspriester.“
Der nachdrückliche junge Mann kreuzt die Beine in kurzen Hosen, die fast einem Lendenschurz ähneln, macht einen langen Zug an der Zigarette und fährt mit leiserem Ton fort:
- „Es sind Priester und Nonnen, einige Laien auch, die wir überzeugen. Es sind vor allem Bischöfe. Aber frag mich nicht nach ihren Namen.“
- „Ich verstehe. Ihr seit Kommunisten und wollt keine Schwierigkeiten mit der Polizei.“
- „Was für ein Unsinn! Der Kommunismus wie in Russland ist altmodisch! Diktatur des Proletariats, Staatskapitalismus, Verwaltungsnetze von elephantischer Dimension, all dies muss ebenfalls enden. In gewisser Hinsicht sind wir natürlich Kommunisten. Aber wir gehen weiter. Nehmen wir zum Beispiel den Staatskapitalismus: etwas Veraltetes, da wir weder Kapitalismus noch Staat wollen. Wir wollen über diese Altertümlichkeiten hinaus...“.
Jetzt kann der arme Schlafjäger endgültig nicht mehr schlafen. Er will den schweren Nachrichten entkommen, die ihm schon in die Ohren schmerzen, aber die Neugier fesselt ihn. Viele Fragen greifen seinen Geist an. Es ist leicht vorstellbar, welche...
Um solche Fragen zu beantworten, gibt es nichts Besseres, als kirchliche Stimmen und insbesondere missionarische Stimmen von den höchsten zu den niedrigsten Graden zu hören.
Um dem Leser die Arbeit zu erleichtern, die zugleich attraktiv und komplex ist, um zu analysieren, was diese Stimmen sagen, stellen wir zunächst die traditionelle Auffassung der katholischen Mission vor (Kapitel I) und anschließend eine Zusammenfassung dessen, was die „aktualisierten“ Missionare sagen.“ (Kapitel II).
Nach dieser Gegenüberstellung, kann der Leser völlig unbefangen die Stimmen – d.h. die Texte – dieser Missionare interpretieren, die im Folgenden Kapitel III vorgestellt werden.
Angesichts solcher Texte sollte es der Leser nicht eilig haben. Verharren Sie vor jeden einzelnen und messen Sie genau die Abgründe, zu denen sie einladen. Hören Sie ihnen zu, wie sie den Abbau der Familie und der heutigen Gesellschaft, die Zerstörung der Sittlichkeit und den Tod der gesamten christlichen Tradition predigen. Hören Sie, wie sie den weißen Menschen, der hierher gekommen ist, als Tyrann, Unterdrücker, Blutrünstiger und Dieb anklagen. Wie sie die Bandeiranten und Missionare der vergangenen Jahrhunderte beschimpfen. Die selbst mit Kritik an der heiligen Arbeit des großen Anchieta nicht zurückschrecken, dessen fast übermenschliches moralisches Profil bei den Eingeborenen einen so großartigen Missionserfolg erzielte. Hören Sie, wie sie die Jugend der Priesterseminare und Klöster des ganzen Landes zu diesem indigenen „Neokommunismus“ aufrufen, der sich brüstet kommunistischer zu sein als der Kommunismus selbst. Betrachten Sie diese Kohorte utopischer Zerstörer und in ihrer Avantgarde zwei Bischöfe: D. Pedro Casaldáliga und D. Tomás Balduino.
Und verstehen Sie zu guter letzt, dass dies eine echte Gefahr für die Indianer ist, aber weniger für sie als für die Zivilisierten. Es ist letztendlich ein Ansturm von Geistlichen gegen die Kirche. Und von Zivilisierten gegen die Zivilisation.
Was ist der arme Indianer in all dem? – Wieder ein Zankapfel, ein Kampfobjekt unter zivilisierten. Zivilisierte, die die Zivilisation erhalten wollen, manche, die sie neu christianisieren wollen, andere, die sie in die Irrtümer versenken wollen, die sie erschüttern. Und noch andere, die versuchen, sie auszulöschen.
* * *
Und nach dem Lesen, was tun?
Widerstehen Sie, es sei denn, es ist in Ihrer Seele der Mut des Christen und der Pioniere der alten Zeiten verklungen.
Wenn dieser Mut tot ist, dann gibt es wirklich kein Heilmittel: Die weißen Zerstörer werden in einem Akt des Selbstmordes die Arbeit ihrer Ältesten vernichten. Mit dem Vorteil, wohlverstanden, der neuer Propagandaformen des roten Imperialismus.
Dies wird eine unvermeidliche Konsequenz einer solchen Situation sein, da selbst die Besten weder Glauben noch den Mut der alten Zeit hatten.
Wir müssen hoffen, dass die Dinge nicht auf diesen Punkt fallen werden. Denn es gibt viele ermutigende Gründe zur Hoffnung.
Lieber Leser, interessieren Sie sich. Verbreiten Sie auf jede verfügbare Weise in ihrem Umfeld das Wissen über den „neokommunistischen“ Angriff. Und Ihnen wird die Ehre gebühren, mit Ihrer Stimme zum großen Alarmruf beigetragen zu haben, der Brasilien retten kann.


Anmerkung: Das Buch „Tribalismo indígena - ideal comuno-missionário para o Brasil no século 21“ (Indigenes Stammesleben - missionarisch-kommunistisches Ideal für Brasilien des 21. Jahrhunderts) von Prof Plinio Correa de Oliveira kam in 7. Auflage im Juni 1979 heraus und diente als Vorlage für die hier erstmals veröffentlichte Deutsche Version. Es wird in diesem Blog in fortsetzenden Folgen erscheinen.

Dienstag, 9. Juli 2019

Der taube und stumme Geist


von Plinio Correa de Oliveira
Der hl. Petrus sagt in seinem zweiten Brief, dass Häresie schlimmer ist als Heidentum, das heißt, diejenigen, die zum Christentum konvertierten und dann wieder in Häresie verfallen, „haben den geraden Weg verlassen und sind in die Irre gegangen; so sind für sie die letzten Dinge ärger geworden als die ersten. Denn besser wäre es für sie, sie hätten den Weg der Gerechtigkeit nicht kennengelernt, als nach dem Erkennen sich wieder abzuwenden von dem heiligen Auftrag, der ihnen anvertraut wurde.“ (Vgl. 2. Petr 15 Ff.)
Was man von einem bloß abgefallenen Gläubigen sagen kann, kann auch von einem Volk oder von der Menschheit im Allgemeinen gesagt werden: Der heidnische Staat, der zum Christentum konvertiert und dann in Häresie verfällt, wird schlimmer sein als in seinem vormaligen heidnischen Zustand. Es wäre für ihn „besser gewesen, den Weg der Gerechtigkeit nie gekannt zu haben um ihm dann den Rücken zu kehren, nachdem er ihn erkannt hatte“.
Dies ist der Grund, warum Pius XI. in der Enzyklika „Divini Redemptoris“ erklärt, dass die Menschheit heute in einen schlechteren Zustand zu fallen droht als sie vor dem Kommen unseres göttlichen Erlösers war. Warum dass? Weil nachdem sie die Wahrheit der Evangelien kennengelernt hat, haben die Menschen sie schließlich wieder abgelehnt. So ist der gegenwärtige Zustand daher schlimmer als der frühere, das heißt, der Abfall der modernen Nationen bedeutet einen traurigeren und bedauerlicheren Zustand als den, den es gab, als die Menschheit sich noch in der Dunkelheit des alten Heidentums herumtrieb.
Der heilige Thomas von Aquin macht deutlich, dass die Häretiker vom wahren Glauben weiter entfernt sind als die Gottlosen und die Dämonen selbst, weil sie sich nicht auf Gottes Autorität stützen, sondern auf ihr eigenes Urteil. Und diese freie Entscheidung, dieser Liberalismus, diese Rebellion gegen den ausdrücklichen Willen Gottes kennzeichnen die Haltung der modernen Gesellschaft, die freiwillig dem heiligen Gebot den Rücken kehrt, das sie von Gott durch Seine Kirche erhalten hat, sowie den Mitteln der Erlösung die sie ihnen bietet.
* * *
Trotz der Meinung derjenigen, die behaupten, dass die Menschheit dabei ist, sich von den Fesseln ihrer politischen, sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Gefangenschaft zu befreien, ist die Wahrheit für diejenigen, die keine Balken in den Augen haben, und für die, die nicht wie ein Händler auf die Stimme der Kirche hören, klar, dass immer mehr die dunklen Farben dieses Bildes stärker werden, vor dem Pius XI. fragte, ob wir nicht vor den für das Kommen des Sohnes der Missetat (Satan) auf Erden vorhergesagten Zeiten stünden.
Im Gegensatz zu den Warnungen der letzten Päpste sehen wir auf allen Seiten den Aberglauben an die rein menschlichen Mittel, die Häresie der Werke, ausgenommen der Waffen, die die göttliche Vorsehung immer als unverzichtbar für die Errettung der Menschheit anzeigte in Zeiten der Krise und des Verfalls. In diesem Reich der Klugheit des Fleisches werden die Mittel, die der Souveräne Herr aller Dinge den Menschen zur Verfügung gestellt hat, um die Strafe des Himmels für die Schmach dieser Welt abzuwenden: - Gebet und Buße - als unnötigen Schrott im Zeitalter der Atomenergie beiseite gelegt.
Dies ist die Botschaft der Erlösung die Gott, der Mittlerin aller Gnaden in seinen letzten Offenbarungen an die Menschheit anvertraut hat. In Lourdes und in Fatima hat uns die Heiligste Jungfrau nicht gebeten, große soziale Erlösungswerke zu unternehmen, die von den Wundern der modernen Technik gewirkt würden. Die selige Jungfrau empfahl uns in aller Einfachheit nur Gebet und Buße, die gleichen Waffen, die der heilige Dominikus gegen die Übel seiner Zeit einsetzte.
Damit die menschlichen Ressourcen, die auch Gaben Gottes sind, in unseren Händen Früchte bringen, ist es notwendig, dass wir unsere materiellen Werke durch dieses innere Leben der Gebete und Opfer unterbauen. Und in Anbetracht dieser himmlischen Bitte hat der Papst der Katholischen Aktion in der Enzyklika „Caritate Christi Compulsi“ vom 3. Mai 1932, nachdem er dargelegt hat, wie wir zur Verteidigung der Christenheit die legitimen uns zur Verfügung menschlichen Mittel einsetzen sollten, sich so über die Notwendigkeit der übernatürlichen Mittel ausgedrückt:
* * *
„Gegenüber diesem satanischen Religionshass, der an das Geheimnis der Bosheit erinnert, von dem der heilige Paulus spricht, reichen die menschlichen Mittel und die Maßnahmen der Menschen nicht aus, und Wir vermeinen, ehrwürdige Brüder, Unserem Apostolischen Amte Abbruch zu tun, wollten Wir der Menschheit nicht jene wunderbaren Geheimnisse des Lichtes nahe legen, die allein in sich die Kraft bergen, die entfesselten Gewalten der Finsternis zu überwältigen. Als der Herr aus dem Glanze des Tabor herniederstieg und den vom Teufel gepeinigten Knaben heilte, den die Jünger nicht zu heilen vermocht hatten, gab er ihnen auf die demütige Frage: Warum konnten wir ihn nicht austreiben? mit den denkwürdigen Worten Auskunft: Diese Art von bösen Geistern wird nicht anders als durch Gebet und Fasten ausgetrieben.
Ehrwürdige Brüder, Uns scheint, diese göttlichen Worte seien geradezu bestimmt für die Missstände unserer Zeit, die einzig mittels Gebet und Buße beschworen werden können.
Unserer Bestimmung als wesentlich beschränkte und von einem höheren Sein absolut abhängige Wesen bewusst, wollen Wir also vor allem zum Gebete Zuflucht nehmen. Wir wissen aus dem Glauben, wie viel die Macht des schlichten, vertrauensvollen, beharrlichen Gebetes vermag. Keinem anderen frommen Werke wurden jemals von dem Allmächtigen so große, so allgemeine, so feierliche Versprechungen gegeben wie dem Gebete: Bittet, und es wird euch gegeben werden, suchet und ihr werdet finden, klopfet an, und es wird euch aufgetan werden. Wahrlich, wahrlich sage ich euch, was ihr in meinem Namen vom Vater begehren werdet, das wird er euch geben.“
* * *
„Dem Gebete muss sich aber die Buße beigesellen, der Geist der Bußgesinnung und die Ausübung der christlichen Buße. So lehrt es uns der göttliche Meister, dessen erste Predigt ja gerade die Buße betraf: Jesus begann zu predigen und zu sagen: Tuet Buße! Dasselbe lehrt uns auch die gesamte christliche Überlieferung, die ganze Kirchengeschichte: die Gläubigen haben in den großen Bedrängnissen, in den großen Wirren der Christenheit, wenn die Notwendigkeit der Hilfe Gottes besonders groß und dringlich war, sei es spontan oder häufiger noch auf Einladung und nach dem Beispiel ihrer Oberhirten, zu den beiden kräftigsten Waffen des geistlichen Lebens gegriffen, zum Gebet und zur Buße. Dank diesem heiligen Triebe, von dem sich das christliche Volk, solange es nicht von Verführern zum Aberglauben verleitet ist, sozusagen unbewusst leiten lässt, und der gar nichts anderes ist als jener Sinn Christi, von dem der Apostel spricht, haben die Gläubigen in ähnlichen Lagen stets das Bedürfnis gefühlt, ihre Seelen von der Sünde zu reinigen, und haben deshalb stets sich bemüht, tiefe Reue zu erwecken, das heilige Bußsakrament zu empfangen und auch durch äußere Bußwerke der göttlichen Gerechtigkeit Sühne zu leisten.
Wir wissen es wohl, und mit Euch, ehrwürdige Brüder, beklagen Wir es, dass in unseren Tagen der Gedanke und sogar der Name der Sühne und der Buße bei manchen zu einem großen Teile die Kraft verloren haben, großmütige Gesinnungen und heldenhafte Tatkraft zu wecken, wie das zu anderen Zeiten der Fall war, da sie in den Augen des gläubigen Menschen mit dem heiligen Merkmal Christi und seiner Heiligen gesiegelt erschienen. Es fehlt nicht an Leuten, welche die äußeren Bußübungen als veraltete Dinge abschaffen möchten, um nicht gar vom heutigen sogenannten freien oder «autonomen Menschen» zu sprechen, der jede Buße als etwas Sklavisches stolz verachtet. Und das nimmt Uns nicht wunder, denn je mehr der Glaube an Gott dahinschwindet, umso mehr wird, der Begriff von einer Erbsünde und einer ursprünglichen Auflehnung des Menschen gegen Gott verwischt und ausgehöhlt, und noch mehr geht die Einsicht von der Notwendigkeit der Buße und der Sühneleistung verloren.
Wir aber ehrwürdige Brüder, haben aus oberhirtlicher Amtspflicht diese Begriffe und diese Auffassung reinzuhalten und sie ihrer wahren Bedeutung, in ihrem ursprünglichen Adel und mehr noch in ihrer Ausübung für das christliche Leben zu erhalten.
* * *
Das verlangt auch die Verteidigung Gottes und der Religion selbst, die Wir übernommen haben. Denn die Buße ist ihrer Natur nach eine Anerkennung und Wiederherstellung der sittlichen Weltordnung, die auf dem ewigen Gesetz, das heißt auf Gott selbst, beruht. Wer Gott für die Sünde Genugtuung leistet, anerkennt damit ohne weiteres die Heiligkeit der höchsten Sittengesetze, ihre innere verpflichtende Macht und die Notwendigkeit einer Genugtuung gegenüber ihrer Verletzung.
Es ist sicher einer der gefährlichsten Irrtümer unserer Zeit, die Moral von der Religion trennen zu wollen, wodurch man der Gesetzgebung jede Grundlage wegnimmt. Diese Geistesverirrung konnte vielleicht unbeachtet bleiben und weniger gefährlich erscheinen, solange sie sich auf wenige beschränkte und der Gottesglaube noch allgemeines Gut der Menschheit war, und man ihn stillschweigend auch bei denjenigen noch voraussetzte, die ihn nicht mehr öffentlich bekannten.
Heute aber, da die Gottlosigkeit sich in den Volksmassen verbreitet, werden die furchtbaren Folgen, dieses Irrtums täglich greifbarer und treten mehr und mehr zutage. An Stelle der Sittengebote, die zugleich mit dem Gottesglauben verblassen, tritt die rohe Gewalt, die jedes Recht mit Füßen tritt. Die alte Zuverlässigkeit und Ehrenhaftigkeit im Handeln, wie auch die Rechtlichkeit im wechselseitigen Verkehr, die doch sogar von den Rednern und Dichtern des Heidentums gar sehr verherrlicht wurde, treten ihren Platz den gewissenlosen Spekulationen ab, sowohl in den eigenen wie in fremden Angelegenheiten. Und wie kann ein Vertrag noch aufrecht erhalten werden, und welchen Wert kann ein Abkommen noch haben, wo jede Gewissens-Garantie fehlt? Und wie kann man von Gewissens-Garantie sprechen, wo jeder Gottesglaube, jede Gottesfurcht abhanden gekommen ist? Ist diese Grundlage zerstört, so fällt auch jedes Sittengesetz dahin, und es gibt keinerlei Mittel mehr, das den schrittweisen, aber unausweichlichen Untergang der Völker, der Familien, des Staates, der menschlichen Zivilisation selber aufzuhalten vermöchte.
* * *
Die Buße ist somit gleichsam eine wohltätige Waffe, welche in die Hand tapferer Soldaten Christi gelegt ist, die für die Verteidigung und die Wiederaufrichtung der sittlichen Weltordnung kämpfen wollen. Gerade das ist eine Waffe, die alle Missstände an der Wurzel fasst, nämlich, an der Begierlichkeit nach vergänglichen Reichtümern und zügellosen Lebensfreuden. Mittels freiwilliger Sühnopfer, mittels des Verzichtes auf Freuden, selbst wenn er schmerzlich empfunden wird, mittels der verschiedenen Bußübungen, überwältigt der wackere Christ die niederen Leidenschaften, die ihn zur Verletzung der sittlichen Ordnung verleiten wollen. Sind der Eifer für Gottes Gebote und die brüderliche Nächstenliebe in ihm so groß, wie sie es sein sollen, dann beschränkt er seine Bußübungen nicht nur auf sich und seine eigenen Sünden, sondern er opfert sie auch auf zur Sühne für die Sünden anderer nach dem großen Vorbilde der Heiligen, die sich häufig zur Sühne der Sünden ihrer Zeit zum Opfer darbrachten. Ja, sie folgen dabei dem göttlichen Erlöser selber nach, der sich zum Gotteslamm machte, das die Sünden der Welt hinwegnimmt.“

Freie Übersetzung des Artikels “O espírito surdo e mudo” von Plinio Corrêa de Oliveira in der Wochenzeitung “O Legionário“ Nr. 734, vom 1. September 1946.

Donnerstag, 30. Mai 2019

Spannung und Entspannung im Antlitz eines Heiligen


Plinio Corrêa de Oliveira



In den Vatikanischen Gärten empfängt der heilige Papst Pius X. hochrangige Besucher, die ihm ihre Ehrerbietung erweisen. Die trotz der Jahre aufrichtige und kräftige Figur des Papstes vermittelt den Eindruck von Askese und Festigkeit, aber etwas in seiner Person und vor allem seine klare Physiognomie vermittelt Ruhe und Entspannung. Es kommt wohl daher, dass der Heilige in einem Moment der Freizeit einen kurzen Spaziergang macht. Das sanfte, fast liebevolle Lächeln, die Geste des ausgestreckten Arms, der Hand, die sich öffnet, drückt eine offene und väterliche Aufnahme aus. In allen Umstehenden merkt man die Wirkung der Anwesenheit des Papstes: viel Respekt, der eine sanfte und natürliche Freude nicht ausschließt. Die Muße eines Heiligen ist dennoch niemals eine Entledigung seiner Pflichten. Man beachte, wie aufmerksam und durchdringend der Blick ist, mit dem der Papst den Besucher betrachtet, der ihn begrüßt. Der heilige Pius X. war ein ausgezeichneter Psychologe, und einige Menschen, die mit ihm sprachen, hatten den Eindruck, dass er in ihren Herzen las.



Betrachten Sie das zweite Bild. Der Blick sagt schon alles. Fest, gelassen, klar, scheint er mit auffallender Klarheit, mit Schmerz, aber mit Mut einen sehr tiefen, mit schweren, dunklen Wolken verhangenen Horizont zu durchschauen. Man hat den Eindruck, dass in seiner Seele sich das gleiche vollzieht wie in der eines Kapitäns, der überrascht über die Größe eines herbeiziehenden Sturms, aber bereit ist, den vorgezeichneten Weg unerschrocken fortzusetzen. Diese Entschlossenheit des Heiligen Papstes zeigt sich allerdings in seinem ganzen Wesen: Auch hier vermittelt ein aufrechte und starke Figur vermittelt trotz des Alters einen starken Eindruck von Robustheit.
Wie groß die Bürde der Sorge ist, zeigt sein Haupt, ein wenig zur Seite geneigt, der Körper fast unmerklich gebeugt. Der Papst scheint die Spitze seines Kalvarienberges erreicht zu haben. Seine Seele ist verbittert über die Sünden der Welt, und er sieht in der Ferne die Strafen, die sich am Horizont ansammeln. Es ist der nahende Weltkrieg mit seinem Gefolge materieller und moralischer Katastrophen und den politischen, sozialen, wirtschaftlichen und vor allem religiösen Trümmern der Nachkriegszeit. Doch sein ganzer Geisteszustand ist von jemandem, der einen großen inneren Frieden bewahrt: „ecce in pace amaritudo mea amarissima*“...


*) „Siehe, zum Frieden diente mir bitteres Leid“ (Jes 38,17)

Quelle: AMBIENTES, COSTUMES, CIVILIZAÇÕES
CATOLICISMO Nr. 47 – Novembro de 1954


Sonntag, 21. April 2019

Die Sonne, Spiegelbild Gottes



Plinio Corrêa de Oliveira
Gott hat uns ein Abbild seiner selbst hinterlassen, das bedeutender ist als alle anderen: die Sonne. Wir wären enttäuscht, wenn wir in der Sonne die Absicht sehen würden, eine Show zu geben, in der sie am Himmel sich auf verschiedene Weisen posieren würde um von uns bewundert zu werden. Im Gegenteil, weil sie nicht denken kann, kann sie auch keine Absichten haben. Sie erfüllt uns mit Wohltaten durch ihr Licht und ihre Wärme, doch kein Ende ihrer Strahlen sorgt sich um gut gesehen zu werden. Bestehend aus einer Masse von Reibungsgasen, die sehr hohe Temperaturen erzeugen, hat sie keine Gedanken, kein Wissen, keinen Plan. Sie brennt ohne Unterlass, ist allem gegenüber gleichgültig und setzt ihren Zyklus fort.
Die Sonne scheint mit ihrem Feuer und durchdringt alles und beleuchtet alles. Geht ihren Lauf Tag für Tag, mit einem Aussehen in der Morgendämmerung, einem anderen während des Tages, beide unterschieden vom Untergang. Nach dem funkelnden Satz von Edmond Rostand — die Sonne, ohne die die Dinge nur das wären, was sie sind — fügt der König der Sterne allen Gegenständen Aspekte hinzu, die sie selbst nicht hätten.
Wie viele Sonnenaufgänge, wie viele Sonnenuntergänge im Laufe der Jahre, der Jahrhunderte, der Jahrtausende, ohne sich jemals zu wiederholen. Aber in diesem so leuchtenden und vielfältigen Dasein weiß sie nicht einmal, dass wir existieren. Was sie für uns am besten tut, ist, Jemanden unendlich viel größer als sie selbst zu widerspiegeln. Wenn wir zum Himmel schauen, können wir an Gott den Schöpfer denken, dem reinen Geist, und ausrufen: Oh Gott, wie großartig herrlich bist du!



Auszüge aus einem Vortrag von Plinio Corrêa de Oliveira am 19. September 1981. Ohne Revision des Autors