Dienstag, 27. Juni 2017

Maria von der Immerwährenden Hilfe

Plinio Corrêa de Oliveira



Diese Anrufung der Muttergottes beinhaltet ein Element, das man in keiner anderen Eigenschaftsbezeichnung Mariens vorfindet. Es ist das Wort „immerwährend“. Was in dieser Anrufung besonders hervorgehoben, besonders gerühmt werden soll, ist nicht die Tatsache, dass Maria den hilfesuchenden Menschen sehr oft mit großer, liebevoller Freigebigkeit aber in gewissen Grenzen erhört, sondern, dass die gewährte Hilfe tatsächlich „immerwährend“, d.h. von ewiger Dauer, zeitlich unbegrenzt ist. Dies ist das Hauptmerkmal dieser Anrufung.



Warum soll aber diese Hilfe „immerwährend“ sein? Wenn Hilfeleistung etwas sehr kostbares ist, vor allem weil sie von der Königin des Himmels und der Erde kommt, so ist das schönste daran, das sie niemals aufgehoben wird. Maria wird die „bittende Allmächtige“ genannt, sie vermag und erhält alles durch den hohen Wert ihrer Bitte.

      Nehmen wir an, eine weltliche Königin entscheidet sich einem Bettler, einem Elenden, einem Aussätzigen ab und zu eine Hilfe zukommen zu lassen. Wir können uns freuen, über die Gefälligkeit der Königin, sich einem ihrer demütigsten und elendesten Untertan zuzuwenden.  Wir können uns mit dem Bettler freuen, wenn ihm ein so unerwartetes und unverdientes Glück beschieden wird. Zugleich können wir die Königin rühmen, ihrer Freigebigkeit wegen.

      Doch es bleibt wie immer die Frage: Eine so freiwillige und weitherzige Hilfe für jemanden, der es eigentlich nicht verdient hat, wird sie nicht einmal enden? Könnte nicht der Moment kommen, in dem der begnadete sich undankbar zeigt und seine Geschenke missbraucht, sodass ihm weitere Hilfe verweigert wird? Das ist der Schatten, der über jegliche empfangene Hilfe liegt. Kann es nicht sein, dass die Königin irgendwann vergisst, dass es diesen Bettler gibt? Oder dass sie sagen könnte: „Ich habe diesem schon so viel gegeben, aber es hilft ihm nicht, sein Leben zu ändern. Ich werde die Hilfe einstellen.“? Oder: „Er hat alle Grenzen der Undankbarkeit überschritten, mit ihm habe ich nichts mehr zu tun“. Könnte die Königin nicht auch sagen: „Ich habe so viele hilfsbedürftige Untertanen, die mich um Hilfe bitten, ich werde mich jetzt einem anderen zuwenden.“? Das heißt, wir könnten sehr viele Umstände anführen, in Folge derer die Unterstützung der Königin eingestellt würde.

      Nun aber, gerade so verhält sich die Muttergottes nicht uns gegenüber. Das Immerwährende ihrer Hilfe zeigt gerade das Gegenteil. So schlecht wir uns auch verhalten mögen, so mehr wir auch ihre Hilfe missbrauchen, so unglaublich auch unsere Undankbarkeiten seien: Je größer die Gefahr, je außerordentlicher das Wunder, um das wir bitten müssen, wenn wir auch um das Äußerste, um das Unwahrscheinlichste bitten müssten, finden wir die Mutter der immerwährenden Hilfe. Sie ist die Mutter, die sich rühmt immer eine Bitte zu erhören, immer bereit zu sein zu helfen, so dass es keine Möglichkeit zur Annahme, dass, wenn wir bitten, wir nicht erhört, uns nicht geholfen wird.

      Es kann sein, dass sie, unter gewissen Umständen, uns nicht das gewährt, um was wir bitten. Doch nicht erhört werden ist nur eine Redensart für den Fall, dass sie auf Zeit setzt und uns warten lässt. Dieser Aufschub ist aber vorgesehen, um später das Hundertfache unserer Bitte zu gewähren. Glücklich diejenigen, bei denen Maria sich Zeit lässt. Sie wird später mit einem Überfluss an Gaben in den Händen ihnen entgegenkommen. Es kann auch sein, dass sie uns die Gnade, um der wir gebeten haben, nicht zuteilt; wir dürfen aber sicher sein, dass sie uns viel kostbarere Gnaden schenken wird, als um die wir gebeten haben.



Das Fest Maria von der immerwährenden Hilfe wird am 27. Juni gefeiert.

Das Gebet zur Muttergottes der Immerwährenden Hilfe


Jungfrau, Mutter Gottes mein
lass mich ganz Dein eigen sein

Dein im Leben, Dein im Tod
Dein in Unglück, Angst und Not
Dein in Kreuz und bittrem Leid
Dein für Zeit und Ewigkeit

Jungfrau, Mutter Gottes mein
lass mich ganz Dein eigen sein

Mutter auf Dich hoff’ und baue ich
Mutter zu Dir ruf und seufze ich
Mutter Du gütigste, steh mir bei
Mutter Du mächtigste, Schutz mir leih

O Mutter, so komm, hilf beten mir
O Mutter so komm, hilf streiten mir
O Mutter so komm hilf leiden mir
O Mutter so komm und bleib bei mir

Du kannst mir ja helfen, o Mächtigste
Du willst mir ja helfen o Gütigste
Du musst mir nun helfen o Treueste
Du wirst mir auch helfen Barmherzigste

O Mutter der Gnade, der Christen Hort
Du Zuflucht der Sünder, des Heiles Port
Du Hoffnung der Erde, des Himmels Zier
Du Trost der Betrübten,ihr Schutzpanier

Wer hat je umsonst Deine Hilf angefleht
Wann hast Du vergessen ein kindlich Gebet
Drum ruf ich beharrlich, in Kreuz und in Leid
Maria hilft immer, sie hilft jederzeit

Ich ruf voll Vertrauen im Leiden und Tod
Maria hilft immer, in jeglicher Not
So glaub' ich und lebe und sterbe darauf
Maria hilft mir in den Himmel hinauf.
Jungfrau, Mutter Gottes mein
lass mich ganz Dein eigen sein

Dein im Leben, Dein im Tod
Dein in Unglück, Angst und Not
Dein in Kreuz und bitt’rem Leid
Dein für Zeit und Ewigkeit

Jungfrau, Mutter Gottes mein
lass mich ganz Dein eigen sein.

Amen.


(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, gehalten am 27. Juni 1694. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

Samstag, 24. Juni 2017

Der hl. Johannes, der Täufer - 2. Teil


Santo do Dia — 24.6.65  — 2. Teil
Plinio Correa de Oliveira

  „Jedes Tal soll ausgefüllt und jeder Berg und Hügel abgetragen werden“ (Lk 3,5)

 Der hl. Johannes, der Täufer, ist der, der dem Herodes gesagt hat, was heute keiner mehr den Mut hat der Revolution zu sagen. Er sagte: „Es ist dir nicht erlaubt!“ Das heißt, das darf nicht sein.

Johannes hatte zu Herodes gesagt: „Es ist dir nicht erlaubt, deines Bruders Frau zu haben!“, denn er lebte in Ehebruch. Deshalb bezahlte er dieses Urteil mit seinem Kopf.

Doch er war das Musterbeispiel für Bußfertigkeit. Er war berufen worden, die Seelen auf die Ankunft des Messias vorzubreiten. P. Fillion sagt, er kam um die Berge abzutragen, das heißt, den Hochmut zu brechen, und die Täler auszufüllen, das heißt, die Unreinheit zu vertilgen.

Wir sehen also, das seine Aufgabe war, die zwei Übel zu bekämpfen, die am Ursprung der Revolution stehen.(*)

Der, der so gründlich den Hochmut und die Sinnlichkeit mit den Füßen zertrat, war auch ein wunderbares Beispiel von Unerschrockenheit. Und deshalb wurde er hingerichtet.

Jemand wird sagen: er wurde hingerichtet; was hat es genutzt?

Es hat genutzt, was der hl. Augustinus über das Haupt des Täufers sagt, als es dem Herodes gebracht wurde: Er stellt sich vor, wie Herodes die geschlossenen Augen des abgeschlagenen Hauptes sah. „Nie ist ein menschlicher Blick, wie dieser der verschlossenen und toten Augen so tief in einem Blick eingedrungen, wie in dem des Herodes.“

Ein Mann, der die Sinnlichkeit zerschlägt, der den Hochmut bekämpft, der dem Ruchlosen die Wahrheit vorhält und dessen Weg versperrt, war würdig der Vorläufer des Erlösers zu sein.

Allem Anschein nach – es gibt jedoch keine geschichtliche Gewissheit darüber – gehörte er zu der Gruppe der Kontemplativen des Berges Karmel an, die, als Karmeliten die wir sind (**), unsere geistliche Vorfahren waren.

Die ist ein Grund unter vielen, um zum hl. Johannes, dem Täufer, zu beten, mit der Bitte, er möge uns die Abscheu zu diesen zwei Laster geben, die die Triebfedern der Revolution sind, und uns den Mut gebe, überall und jedem die ganze Wahrheit über die Revolution zu verkünden.

(*) s. „Revolution und Gegenrevolution“ von Plinio Correa de Oliveira.

(**) Der Autor und seine Anhänger waren Mitglieder des 3. Ordens der Karmeliter.

(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

Mittwoch, 21. Juni 2017

Leutfred, ein Heiliger der Gerechtigkeit und des heiligen Zorns


Fenster in der Kirche Saint-Ouen, Rouen, Frankreich

Wir wollen einen Auszug lesen aus dem Leben des hl. Leutfred, entnommen aus dem Buch Heiligengestalten von Ernest Hello.
Leutfred war ein außerordentlicher Heiliger, ist aber wenig bekannt. Er ist ein Beispiel für unsere mittelmäßige und niveaulose Zeit.

Er wurde in einer gehobenen Familie in Neustrien im siebten Jahrhundert geboren, vor dem Einfall de Normannen. Kaum war er in die Jahre gekommen, da die Vernunft im Menschen erwacht, als er den Beruf zum Priester in sich fühlte und ihm heimlich, gegen den Willen seiner Eltern, nachging. Er verließ seine Familie und wurde Benediktiner.  Nach vielen Mühen und Kämpfen gründete er die Abtei des Heiligen Kreuzes. Da begannen die Verfolgungen. Er wurde bei dem Bischof von Evreux angezeigt als einen vermessenen und aufrührerischen Menschen, der sich nur von seinem Eigensinn leiten ließe und der rechtmäßigen Gewalt den Gehorsam verweigere.
Hierauf wurde er mit der Gabe, Wunder zu tun und der Prophetie, begnadet und war äußerst streng.
Leutfred hatte keine Haare mehr. Eine Frau kam vorüber und machte sich über ihn lustig. Sie hatte ganz leise gesprochen, niemand hatte es hören können. Aber Leutfred kehrte sich um zu ihr und sprach: „Warum macht du dich über einen Naturfehler lustig? Dein Hinterkopf soll nicht mehr Haare haben, als ich auf der Stirn habe und bei deinen Nachkommen soll es ebenso sein.“ Es kam wie Leutfred gesagt hatte.

Bauern arbeiteten am Sonntag auf dem Acker und kümmerten sich nicht um die heilige Ruhe des Herrn. Als Leutfred den Frevel sah, richtete er die Augen zum Himmel und sprach: „Herr, möge dieser Acker ewig unfruchtbar sein, niemals trage er Korn oder Frucht!“ Sein Fluch war wirksam. Brombeersträuscher und Disteln bezeichneten fortan das verwunschene Feld und bedeckten es ganz.
Das sind wunderbare Geschichten!
Die Blinden neigen zu dem Glauben, daß Gerechtigkeit und erbarmen Feinde sind. Verständige Seelen wissen, dass sie Freunde sind, und erleuchtete Seelen wissen, dass sie von gleicher Art sind. Der hl. Leutfred besaß einen brennenden Eifer für Gerechtigkeit, aber noch stärker glühte das Erbarmen in ihm, denn wenn diese beiden Kräfte miteinander streiten, so hat das Erbarmen eine gewisse Überlegenheit im Kampf.

Dieses Prinzip ist wichtig. Der hl. Leutfred war beides, gerecht und barmherzig. Diese beiden Tugenden müssen Hand in Hand gehen.

Gewaltig wenn er verflucht, und gewaltig wenn er liebt, groß in seiner Liebe für die Armen und groß in seinem Hass gegen die Ungerechtigkeit: Diese Grundrichtungen entwickeln sich gleichlaufend sein ganzes Leben hindurch.
Als einer seiner Mönche gestorben war, fand man drei Geldstücke bei ihm, die er nicht hätte behalten dürfen. Er hatte also das Gelübde der Armut verletzt. Leutfred, der äußerst streng war, verbot ihn in geweihter Erde zu begraben. Er ließ ihn abseits beisetzen, weit vom Friedhof in ungeweihter Erde. Als das geschehen war, verfiel Leutfred in tiefes Nachsinnen über diese Seele, die er, wie es fast schien, verdammt hatte. Da fiel ihm ein, jener könne vielleicht auf Erden rechtzeitig bereut und im Himmel erbarmen gefunden haben. So zog er sich vierzig Tage lang zurück und weinte und betete für die Seele dessen, den er scheinbar verworfen hatte.

Diejenigen, die nur einer gefühlsmäßigen Frömmigkeit nachgehen, werden das nicht verstehen. Mit solch einer Situation konfrontiert, werden sie sagen: „O, der Arme, vergebt ihm“, und halten ihn für gerettet. Der hl. Leutfred, im Gegenteil, befahl, ihn in ungeweihter Erde zu begraben und dann zog er sich zurück und bat um das Heil des Mönchen. Unser Herr selber besaß diese Kombination von Strenge und Erbarmen.

Und als die vierzig Tage vorüber waren, redete Gott mit Leutfred und ließ ihn wissen. Dass die Seele des Bruders vor ihm Gnade gefunden hatte, dass jener nicht nur nicht in die Hölle gekommen sei, sondern auch nicht mehr im Fegefeuer gehalten werde, dass die Gebete Leutfreds den befreit hatten, den die Gerechtigkeit Leutfreds zu verdammen schien.

Es könnte sich jemand wundern, wie das geschehen kann, wenn doch das persönliche Gericht sofort nach dem Tod eines Menschen stattfindet, wenn die Seele sich vom Leib trennt. Doch muss man wissen, dass man der Barmherzigkeit Gottes keine Grenzen setzen darf. Es kann ja sein, dass Gott den Mönch in einer Lage des Scheintodes versetzt hat, in Erwartung auf das Opfer und der Buße des hl. Leutfred. Auf jeden Fall, prallt diese Geschichte mit dem liberalen Gedanken aufeinander, der Mönch sei automatisch gerettet.
Der hl. Leutfred war besonders Zornig gegenüber dem Teufel.
Sehr oft reagieren die Menschen bei Versuchungen ängstlich gegen den Teufel. Sehr wenige habe ich gesehen, die mit heiligem Zorn und erbost gegen den Teufel kämpfen. Wir sollten alle danach streben, diesen heiligen Zorn zu gewinnen.
Wenn der Teufel sich annähert, müssen wir erfüllt sein mit Zorn und Hass, weil der Teufel der eingeschworene Feind Gottes und unserer Seelen ist. Er wünscht uns jegliche Art von Übel. Deshalb, wenn wir versucht werden, müssen mit militanter Abscheu reagieren, wie es der hl. Erzengel Michael getan hat.

Einmal eilte einer der Brüder zum hl. Leutfred, um ihn zu sagen, dass ein Blendwerk in seiner Gestalt in der Kirche sein Wesen treibe. Der Heilige erkannte seinen alten Feind, lief zur Kapelle und machte das Zeichen des Kreuzes über Tür und Fenster, wie um die Ausgänge zu versperren.

Klugerweise machte er zunächst den Teufel zum Gefangenen, damit er nicht entkommen konnte.

Er trat auf jenen hinzu, der es gewagt hatte sein Bild anzunehmen und schlug wütend auf ihn ein. Der Teufel wollte fliehen, aber die Ausgänge waren versperrt; das Kreuzzeichen war auf Türen und Fenstern. Die Gestalt hätte sich schnell wieder auflösen können. Aber es scheint, dass ihm hierauf die Erlaubnis verweigert wurde. Gott wollte ihn demütigen unter den körperlich versetzten, geistig gefühlten Hieben des hl. Leutfred und unter der Macht des Kreuzzeichens, das dem Gefangenen die Flucht verwehrte.

Das ist eine großartige Szene. Die Prügel wurde körperlich gegeben und geistig gespürt, alles unter dem Zeichen des Kreuzes. Ganz wie die Seelen der Verdammten, die im Feuer der Hölle schmoren, so fühlte auch der Geist des Teufels die Hiebe des Heiligen.
Natürlich peinigten und demütigten diese Hiebe den Teufel. Auch wir können seine Pein vermehren. Dies ist vor allem gut wenn der Teufel zum Angriff ansetzt. Der Gegenangriff ehrt die Muttergottes, indem man zeigt, dass der Gegenangriff ihrer Kinder gegenüber dem Teufel größer ist als sein Hass gegen die Menschen.

Gott zwang den Teufel, durch den Glockenturm zu entfliehen, damit seine Niederlage und seine Furcht deutlich erkennbar werde.


Der Teufel wurde gezwungen durch den Turm zu fliehen, unter den ständigen Hieben des Heiligen. Gerne hätten wir gesehen, wie der Heilige zum letzten Hieb aushob.
Wir können uns die Szene vorstellen: Der hl. Leutfred, ein alter Mann mit weißen Haaren und weißem Bart, aber noch gut in Form und dunkelbraune Augen. Er ist sehr stark und prügelt den Teufel mit äußerstem Zorn, behält aber trotz allem völlige Gelassenheit, während die Teufelsgestalt jammert und windet und durch den Turm verschwindet.
Wenn wir nur kämpfen und uns wehren in dem Maße wie uns unsere Angst antreibt, ist der Zorn wichtig. Wir müssen uns bemühen einen heiligen Zorn gegen den Teufel zu entwickeln, d.h. immer wachsam sein und niemals schlafen.
So wie die Mutter eines kranken Kindes mit wachem Herzen schläft, müssen auch wir schlafen mit einem Herz in immerwährender Wachsamkeit. Wir müssen in der Lage sein, dass selbst wenn wir schlafen, wir sagen können, dass wir eine brennende Fackel des Zornes gegen den Teufel sind.
Wir müssen sagen können: „Ich schlafe, aber mein Herz schaut mit Hoffnung auf eine Gelegenheit der Heiligsten Jungfrau die größte Ehre zu erweisen“.


(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, gehalten am 20. Juni 1967. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

Freitag, 16. Juni 2017

Herz-Jesu-Verehrung

Plinio Correa de Oliveira 


Eingriff des Herzen Jesu in die Geschichte


Wir finden die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu am Beginn aller größeren und kleineren, bekannten oder weniger bekannten gegenrevolutionären Bewegungen, die im 17. Jahrhundert erschienen sind, zu der Zeit, in der die hl. Margareta Maria Alacoque die himmlischen Offenbarungen dieser Andacht erhielt. Sie erhielt den Auftrag, im Namen des Heiligsten Herzen Jesu dem König Ludwig XIV. zu sagen, er möge Frankreich dem Heiligsten Herzen Jesu weihen und im Wappen seines Königreiches das Bild des Herzen Jesu einzufügen.


Sie versprach dem König, wenn er die Feinde der Kirche bekämpfen würde, würde ihm das Herz Jesu beistehen und sein Königtum zu großem Ruhm führen... (Vgl. Marguerite-Marie Alacoque, Vie et oeuvres, Saint Paul, Paris-Fribourg, 1990, t. II, pp. 335-337, 343-344, 435-436).
Das Heiligste Herz Jesu erwartete von Ludwig XIV. eine Umkehr seiner politischen Orientierung und dass er sich an die Spitze der Gegenrevolution stellen sollte. Würde er dies tun, würde seine Herrschaft großen Ruhm und Frankreich als katholisches Reich seinen Höhepunkt erreichen. Damit hätte sich die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu über die ganze Welt verbreitet; in Frankreich hätte es dann auch ein günstiges Klima für die Predigten des hl. Ludwig von Montfort gegeben, die sich ebenfalls über die Welt verbreitet hätten – der hl. Ludwig lebte zur Zeit Ludwigs XIV. – und es hätte auch die Französische Revolution verhindert werden können. Wäre Ludwig XIV. dem Wunsche des Herzen Jesu nachgekommen, wäre die Revolution noch aufzuhalten gewesen und die schreckliche Fratze den sie mit der Französischen Revolution annahm, hätte verhindert werden können.


Deshalb hat diese Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu seit ihrem Anfang einen tiefen und deutlichen gegenrevolutionären Sinn.


Prof. Fernando Furquim de Almeida (brasilianischer Historiker und Vize-Präsident der brasilianischen TFP), der sich eingehend mit diesem Thema befasst hat, hebt hervor, dass die verschiedenen gegenrevolutionären Bewegungen, die sich im 18. und 19. Jahrhundert gebildet haben, im Zusammenhang mit der Verbreitung der Herz Jesu Verehrung stehen. Die französischen royalistischen Widerstandskämpfer gegen Napoleon, die "Chouans" in der Vendée, trugen als Abzeichen auf ihren Fahnen das Herz Jesu. Die Herz Jesu Verehrung wurde immer von den Guten verkündet, begeisterten die Guten und war für sie stets ein Grund des Mutes und der Stärke. Von den Bösen wurde sie immer gehasst.


Einwände gegen die Herz-Jesu-Verehrung


Was sagen die Böswilligen gegen die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu?
Zunächst etwas, was sie als entscheidendes Argument vorführen: „Warum das Herz Jesu anbeten? Könnte man auch nicht eine fromme Andacht der heiligen Hände Jesu einrichten? Der heiligen Augen Jesu? Man könnte doch den ganzen Leib Jesu auseinandernehmen und jeden Körperteil verehren: die Ohren, die die Bitten der Menschen hören, den Mund, der zu den Menschen sprach, die Hände, die gesegnet haben (dass sie auch die Händler im Tempel gezüchtigt haben, wird nicht erwähnt…). Wäre es also nicht angebracht diese Teilverehrungen einzuführen?“


„Außerdem“, sagen sie, „ist es eine sentimentale Verehrung. Das Herz ist das Symbol des Gefühls und führt hin zur Gefühlsduselei. Als solche hat sie überhaupt keinen theologischen Inhalt und darf also nicht geübt werden.“


Dem entgegen stellen wir fest, dass der Heilige Stuhl diese Andacht des Öfteren durch feierliche, inhaltsvolle und wunderbare päpstliche Dokumente empfohlen hat (s. z.B. die Enzyklika „Inescrutabile divinae Sapientiae“ von Pius VI. 1775). Ebenfalls wurde diese Andacht mit vielen Ablässen versehen, wie die Haltung der neun ersten Freitage, die vom Herzen Jesu selbst gewollt wurde und die Sühnekommunion für die Sünden und Beleidigungen, die gegen das Heiligste Herz Jesu begangen werden. Die Kirche versah die von ihr eingerichteten Herz-Jesu-Bruderschaften und -Erzbruderschaften mit vielen Ablässen. Sie bestätigte und förderte den Bau von Kirchen, Altäre, Bilder und Statuen zu Ehren des Heiligsten Herzen Jesu. Diese Andacht wurde im Übermaß von der Kirche gutgeheißen, so dass sie unser vollständiges Vertrauen haben kann.


Der Einwand, man könne ja dann auch alle Teile des heiligen Leibes Jesu verehren, ist vollkommen sinnlos. Man kann natürlich im Privaten die heiligen Hände Jesu verehren, wir können und sollen Ihn auch in Seinen so ausdrucksvollen, königlichen, lehreichen und rettenden Augen anbeten. Wir brauchen ja nur an die Bekehrung des Petrus denken, wozu nur ein Blick des leidenden Jesus genügte.


Doch die Kirche in ihrer Weisheit weiß, dass das Erhabene leicht ins Lächerliche führen kann: Für pöbelhafte Mentalitäten wäre es ein leichtes, so auseinandergenommene Teilandachten, die auf die menschlichen Gefühle in der Tat anstößig wirken, zu verhöhnen. Doch im Grunde steht solchen Andachten nichts entgegen, wenn sie in angemessener Weise geübt werden.


Man erzählt, z.B., von den Steinen auf dem Kreuzweg, die Fußabdrucke Jesu zeigen. Seine göttlichen Füße anbeten, als die, die über die Erde wanderten um zu lehren, die sich mit Staub bedeckten, um zu lehren und zu heilen, das Böse zu bekämpfen; diese Füße anbeten, die ihm dienten, das Kreuz zu tragen und sich mit dem Blut unseres Heils befleckten, die durch Nägel bei der Kreuzigung durchbohrt wurden…, dies ist alles wahr, richtig und notwendig.


Es ist sogar eine schöne Weise Jesus anzubeten, indem wir uns den Gesinnungen und Betrachtungen der Muttergottes anschließen, als Sie nach der Kreuzabnahme den toten Leichnam Ihres Sohnes auf Ihrem Schoß hielt. Sie betrachtete jeden Teil dieses gemarterten Leibes mit Schmerz, mit dem tiefsten Begriff der Liebe, der Andacht, der Ehrfurcht, der Zärtlichkeit. Sie sah alle Teile und betete sie an wahrscheinlich in der Erwägung der Bedeutung des Leidens eines jeden Teiles. Sie ermaß auch die Beleidigung Seiner Gottheit, die die Geißelung an all Seinen Gliedern bedeutete. Sie übte also diese Andacht aus.


Es ist also sozusagen nur eine Frage der Zweck- und Verhältnismäßigkeit, sowie vom Sinn für Äußerlichkeiten, die die Kirche davon abhält, eine Verehrung der einzelnen Teile des Leibes Jesu zu fördern.


Gegenstand der Herz-Jesu-Verehrung


Was ist eigentlich die Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu? Es ist die Verehrung eines Organs Unseres Herren, dass da ist, das Herz. Doch in der Heiligen Schrift hat das Herz nicht die sentimentale Bedeutung, die ihm gegen Ende des 18. Jahrhunderts und ganz bestimmt im Laufe des l9. Jahrhunderts angehaftet wurde. Das Herz drückt im religiösen Sinn nicht nur Gefühle aus. Wenn es in der Heiligen Schrift heißt: „Richte mein Herz darauf hin, allein deinen Namen zu fürchten!“ (Ps 86,11); oder: „Deinen Vorschriften neige mein Herz zu, doch nicht der Habgier!“ (Ps 119,36); oder: „Mein Herz richte sich ganz nach deinen Gesetzen: dann werde ich nicht zuschanden.“ (Ps 119,80); oder: „Mein Herz ist bereit, die Gesetze zu erfüllen bis ans Ende und ewig.“ (Ps 119,112), bedeutet das Herz den menschlichen Willen, einen Vorsatz, ja eigentlich die Heiligkeit des Menschen. Im Evangelium lesen wir auch über die Muttergottes: „Maria aber, bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach“ (Lk 2,19). Das Herz steht hier nicht als Gefühlsherd, sondern als Sitz des Selenlebens, wo Sie alles bewahrte. Das Herz ist Symbol für den Willen des Menschen, sein dynamisches Element, das alle von den Sinnen erfassten Dinge betrachtet und erwägt und entsprechend reagiert und wiederum nach außen wirkt. Das Heiligste Herz Jesu ist dies in Unserem Herren. Daher und in diesem Sinn wird das Heiligste Herz Jesu angebetet.


In diesem Zusammenhang steht auch die bedeutungsvolle Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens: es ist ein Schrein, in dem wir das Heiligste Herz Jesu wiederfinden.


Dieser Andacht versprach Unser Herr einen Strom von Gnaden. Das markanteste Versprechen bezieht sich auf die Übung der neun ersten Freitage, in dem Jesus denen zusichert, dass sie nicht sterben werden, ohne vorher die Gnade der Vergebung und der Reue erhalten zu haben, wenn sie die neun Freitage einmal durchgeführt haben. Das heißt nicht mit Sicherheit sofort in den Himmel zu kommen, oder, dass sie ihren Tod vorahnen werden. Jedoch, dass sie in der Stunde des Todes eine so große Gnade erhalten werden, sodass man alle Hoffnungen auf das Heil ihrer Seele haben darf.


So versteht man welch großes Anliegen es der Kirche ist, dass diese Andacht bekannt, geschätzt und mit Vernunft geübt wird, denn eine rein gefühlsmäßige Andacht macht keinen Sinn. Eine aufrechte und ernstzunehmende Andacht will auch ihre Grundlage kennenlernen und verstehen. Sie will geliebt werden auf Grund ihrer Daseinsberechtigung. So urteilen ernsthafte Seelen über Frömmigkeitsübungen. Also, darüber nachdenken, unsere Seele zum Herzen Jesu richten, das die Quelle der angebrachten Gnaden ist, für unsere Zeit der unaufhaltsamen Revolution, für schwierigere Zeiten, die noch kommen werden, und bitten, dass durch das reinigende Blut und Wasser, das aus ihm floss, uns wasche. Das wären erhabene Gedanken, die wir an jedem Freitag und vor allem am Karfreitag hegen sollten.



Wir kennen den Fall des römischen Hauptmannes, der mit einer Lanze das Heiligste Herz Jesu durchbohrt hat. Als er diese Gewalttat gegen diesen heiligen Schrein verübte, flossen aus ihm Wasser und Blut, von denen einige Spritzer auf seine Augen fielen. Er, der fast blind war, fühlte sich sofort geheilt, er konnte wieder sehen. Für uns ist dieses Wunder äußerst beredsam. Das heißt, wer das Heiligste Herz Jesu verehrt, darf eine ebensolche Gnade bitten, nicht um das körperliche Augenlicht wieder zu erhalten, das wir, Gott sei Dank, besitzen, sondern um unsere innere Blindheit zu heilen, damit wir das Gute und das Böse in uns und um uns erkennen; damit wir die Seelen unseres Nächsten erkennen, um ihm Gutes zu tun und ihm zu helfen. In all unseren Nöten dürfen und sollen wir das Herz Jesu anrufen, dass es mit einer Gnade, so wie dem römischen Hauptmann, die Blindheit unserer Seele heilt, denn wir sind geistig mit viel Blindheit geschlagen.


Bitten wir dem Heiligsten Herzen Jesu durch die Vermittlung des Unbefleckten Herzens Mariens – denn nur durch diese erlangen wir die Heilung unserer vielfältigen Blindheit – und wir werden auf dem Weg sein, eine große Gnade zu bekommen.


(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, gehalten am 4. März 1965. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

Montag, 12. Juni 2017

„Sie vis pacem, para bellum“

Willst du den Frieden, rüste dich zum Krieg *)

Plinio Correa de Oliveira





Wenn wir diese gewaltigen Burgen des Mittelalters sehen, die an den Grenzen des Reichs Karls des Großen errichtet wurden, an den Ufern des Rheins oder der Donau, oder auch entlang der Straßen Spaniens von den Truppen des großen Kaisers, um den Vormarsch der Mauren zu verhindern, haben wir den Eindruck, als ob diese Burgen immer noch pochen durch die Schlachten, die um sie geführt wurden. Ihre Steine scheinen pulsierenden Herzen!

Doch die Menschen erinnern sich nicht mehr an die Lektion der Voraussicht, die sie enthalten. Welche Lektion? Niemand baut Burgen, wenn der Feind gerade angreift. Festungen werden in Zeiten errichtet, in denen kein Krieg stattfindet. Und da die Erbauer Krieger des Glaubens waren und nicht ein Haufen dummer Optimisten, bauten sie ihre Burgen in Friedenszeiten in Vorsorge auf künftige Angriffe eines Feindes.


Diese Burgen waren Werke des Friedens, aber ein Frieden, der auf einen eventuellen Krieg orientiert ist! 
So sollen auch wir sein, als Kinder der streitenden Kirche, die wir an einem weltweiten, furchtbaren und heiligen Krieg teilnehmen, eines gegenrevolutionären psychologischen Krieges gegen die universelle Revolution, um die christliche Zivilisation mit friedlichen und legalen Mitteln zu verteidigen. Unsere doktrinären Festungen müssen in Friedenszeiten errichtet werden. Dies ist die Art, wie wir unsere kämpferischen und prächtigen Burgen bauen, in Zeiten des Friedens ... aber in der Voraussicht des Kampfes!

*) Angeblich Wahlspruch des hl. Augustinus. Gegen Ende des 4. Jahrhunderts findet sich bei Vegetius das Zitat: Qui desiderat pacem, praebaret bellum - wer den Frieden wünscht, möge sich auf den Krieg vorbereiten. (Latein im Alltag, VMA-Verlag, Wiesbaden)

Aus „Catolicismo“ Nr 537 - Oktober 1995 (freie Übersetzung aus dem Portugiesischen)

Freitag, 9. Juni 2017

Das eucharistische Herz Jesu, die unendliche Barmherzigkeit

(Santo do Dia)

Plinio Corrêa de Oliveira

       Morgen ist das Fest des Eucharistischen Herzen Jesu und zugleich das Fest des hl. Barnabas,  Apostel, der gemeinsam mit dem hl. Paulus auch Apostel der Heiden genannt wird. Unsere Gedanken wollen wir auf das Fest des Eucharistischen Herzen Jesu richten.


     
Das Thema und die Verehrung dieser Anrufung verstehen wir als die Hinwendung des Heiligsten Herzen Jesu zu den Seelen in der Heiligen Eucharistie, oder die Eucharistie als das größte Wunder der Barmherzigkeit des Herzen Jesu. Wir werden einige praktische Erwägungen machen, die uns in unsere morgigen Kommunion behilflich sein können.
       Da wir morgen das Herz Jesu Fest feiern, sollten wir uns an das wichtige Prinzip erinnern, dass ein liturgisches Fest besondere Gnaden mit sich bringt, die mit dem gefeierten in Verbindung stehen. Wir alle werden also morgen besondere Gnaden empfangen, die aus dem Eucharistischen Herzen Jesu hervorgehen. Zugleich, da es sich um ein eucharistisches Fest handelt, sind diese Gnaden besonders reich in der heiligen Kommunion. Da wir die unschätzbare Freude haben, uns täglich dem Tisch des Herren nähern zu können, haben wir morgen Anlass mit besonderer Inbrunst die Kommunion zu empfangen.


„O Herr, ich bin würdig, dass Du eingehst unter mein Dach...“ 
       Wenn wir morgen die heilige Eucharistie empfangen, oder gar schon vorher bei der geistigen Vorbereitung, sollten wir uns vergewissern, dass der Gott, den wir in unsere Seele empfangen werden, ein Gott von unendlicher Barmherzigkeit ist, im strengsten Sinne des Wortes unendlich. Das heißt, Er ist von einer so immensen Nachgiebigkeit, dass Er immer bereit ist, zu verzeihen. Immer bereit den Sünder wieder zu erheben, sei es ein Sünder, der das überraschende Unglück hat, sich im Stande einer Todsünde zu befinden, oder einer, der im Stande lässlicher Sünden ist, oder in dermaßen großen Schwierigkeiten festgefahren ist, oder einem, der im Stande der Gnade ist, aber sich in einem Zustand der Undankbarkeit befindet, die sein Voranschreiten im geistigen Leben um Jahre verzögert.

       Wir sollen uns daran erinnern, das alle Zustände der Sünder in den verschiedenen Graden eine Ähnlichkeit haben, mit den Personen in den Evangelien, die Unser Herr geheilt hat. Die Heilungen waren echt, sie hatten aber auch eine symbolische Bedeutung: Sie wiesen auf Krankheiten der Seele hin und auf die Macht Unseres Herrn Seelen zu heilen. Sie weisen darauf hin, dass Jesus mit einem Wort, in einem Augenblick, die vollständige Heilung einer Seele bewirken kann, oder wenigsten im Innern der Seele ein Wort sprechen kann, das den Anfang einer vollständigen Heilung einleitet.

       Und so wie es Aussätzige gab, gibt es die, eine abscheuliche Sünde in sich tragen; so wie es die Lahmen gab, gibt es die, die auf den Wegen des geistigen Lebens ins stocken geraten sind und sich nicht fortbewegen;  es gab die Stummen, so gibt es die, die den Mund nicht öffnen, um mit Gott zu sprechen und ihre Schwierigkeiten darzulegen, auch nicht einem geistlichen Führer oder jemanden, der ihrer Seele helfen könnte; da waren die Tauben und hier gibt es die, die das Wort Gottes nicht hören und die auch die guten Ratschläge eines Freundes nicht annehmen wollen. So sind auch wir in einem dieser Zustände.

       Daher sollen wir dem unendlich barmherzigen Herzen Jesu in der heiligen Eucharistie die Worte sagen, die der Priester spricht, wenn er den Gläubigen die heilige Hostie zeigt: sed tantum dic verbo et sanabitur anima mea – aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. Wir haben eigentlich keine Ahnung, welche Fruchtbarkeit ein Wort Jesu in unserer Seele besitzt. Manchmal bemühen wir uns Jahre hindurch, um einen Fehler loszuwerden oder eine Tugend zu erlangen, und scheitern immer wieder.

       Doch wenn wir uns daran erinnern würden, dass Maria von Jesus von einem Moment zum anderen uns ein einziges Wort erreichen kann und dass dieses Wort uns vollständig heilen, oder wenigstens der Ausgangspunkt unserer Heilung sein kann, dann würden wir verstehen, dass es möglich ist, im geistlichen Leben alle Hindernisse zu beseitigen und voranzuschreiten. Eine Möglichkeit, die wir uns in unserer geistigen Trägheit und Routinemäßigkeit in ihrer ganzen Weite und Wichtigkeit gar nicht vorstellen.

       Wir sollten uns morgen Unserem Herrn nähern und Ihm sagen, immer durch Maria, die ja die Mittlerin aller Gnaden ist, dass Er uns Sein Herz öffne, das Symbol Seiner Barmherzigkeit im Meisterwerk Seiner Liebe, der heiligen Eucharistie – da Er nun einmal dieses Fest eingerichtet hat, damit alle eingedenk dessen zu Ihm kommen  - dass wir in Demut, Gehorsam und Reue zu Ihm kommen und um Verzeihung unserer Sünden bitten. Wir bitten um die Tugend, durch die wir uns mit Ihm vereinigen können. Dies ist die Bitte, die die größte Form der Liebe beinhaltet, weil wir uns dadurch Ihm gleich werden wollen.



       Sagen wir Ihm, dass wir an diesem Tag um ein Wort bitten: Er möge uns nur ein Wort sagen, damit unsere Seele geheilt, gesund werde. Dieses Wort kann vielleicht morgen nicht kommen; es kann jetzt kommen, wie auch in einiger Zeit. Doch inständig und immer wieder müssen wir bitten, dass es komme, das ist beste für unser geistliches Leben. Je länger es dauert, desto fruchtbarer und gewissermaßen unwiderstehlicher kommt es.  In der Erwartung dieses Wortes sollen wir unser geistliches Leben führen. Durch Maria also sollten wir sagen: „Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst in mein Herz; aber ich empfange Dich mit Vertrauen; sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. Es ist also ein Tag der Freude, des Vertrauens und großer Hoffnung.


       Vielleicht erhält jemand die Gnade, mehrmals täglich und alle Tage seines Lebens diesen Satz zu wiederholen: sed tantum dic verbo et sanabitur anima mea. Kommt dann die Stunde unseres Todes, werden wir das letzte Wort hören, das unserer Seele die Kraft gibt, den letzten notwendigen Schritt zu tun, um die vollkommene Heiligung zu erlangen. So werden wir in Frieden den Tod der Gerechten sterben, nachdem wir im Kampf auch das Leben der Gerechten gelebt haben.




(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, gehalten am 11. Juni 1964. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

Mittwoch, 7. Juni 2017

Schutzengel und Teufel

Ist der Schutzengel weniger Intelligent
als der Teufel?

Die Kirche lehrt, dass Gott die Engel als uns viel überlegener erschaffen hat. Reine Geister, mit einer leuchtenden Intelligenz und großer Macht, überragen sie durch ihrer Natur selbst die begabtesten Menschen.
Durch ihre Auflehnung gegen Gott verloren die gefallenen Engel die Tugend, nicht aber die Intelligenz und die Macht. Gott begrenzt gewöhnlich mehr oder weniger ihre Tätigkeiten gemäß den Absichten seiner Vorsehung. Aber von sich aus und ihrer Natur sind sie den Menschen hoch überlegen.

Daher die Tatsache, dass die Kirche immer guthieß, dass in der Kunst der Teufel als sehr intelligentes, scharfsinniges, listiges, mächtiges Wesen aber voller bösen Absichten dargestellt wird. Sie duldete sogar, das er als ein Wesen mit blendendem Zauber dargestellt wird, um zu verdeutlichen, dass der Geist der Finsternis sich mit scheinbaren Eigenschaften umhüllen kann, um die Menschen zu verführen.


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Auf unserem ersten Bild haben wir ein Beispiel dieser Darstellung des Teufels: Mephisto, mit einem feinen, listigen Gesichtsausdruck eines eindringlichen und schmeichelnden Psychologen, träufelt dem schlafenden und träumenden Dr. Faust verderbliche Gedanken ein.

Diese Art der Darstellung ist so häufig geworden, dass man sich den Teufel gar nicht anders vorstellen kann.


Dies alles ist, wie gesagt, durchaus in Ordnung.



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Wie sind im Gegensatz die Darstellungen einer gewissen gängigen Ikonographie der guten Engel? Sie zeigt uns äußerst gut meinende, glückliche,  arglose Wesen, was ja durchaus ihrer Heiligkeit, Glückseligkeit, Reinheit, die sie im überragenden maß besitzen, entspricht. Doch diese Darstellungen gehen zu weit. Sie wollen die Güte und die Reinheit der treuen Engel hervorheben. Da es aber nicht gelingt zugleich ihre Intelligenz, ihre Stärke, ihre erhabene Majestät auszudrücken, entstehen geschmacklose und wertlose Wesen.

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Unser zweites Bild zeigt ein Mädchen, das über einen Steg einen Bach überquert. Ei Schutzengel beschützt es. Das sehr populäre und anspruchslose Bild weckt legitime Sympathien, da es ein angenehmes ländliches Panorama zeigt, im Hintergrund den Turm einer Dorfkirche, das ganze durchtränkt von der Unschuld des Lebens, die man auf dem Land eher bewahren kann. Auf der anderen Seite ist es rührend anzusehen, wie ein Kind sorglos seines Weges geht und von himmlischen Fürsten so lieblich beschützt wird. Doch betrachten wir einmal das Antlitz dieses Fürsten: scheint es nicht, dass die den Engeln eigentümliche Kraft, Intelligenz, Scharfsinn, Feinheit mit der der Teufel dargestellt wird, hier keinen Ausdruck findet? Betrachten wir den Körper, den man dem guten Engel verleit: weiche Haltung, lässig, unintelligent. Vergleichen wir das mit der schlanken, behenden und ausdruckstarken Haltung des Mephistos. Kann es einen größeren Unterschied geben?

 
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Dies alles birgt einen ernsten Nachteil. Die beharrliche Darstellung des Teufels als intelligent, lebhaft, befähigt und der guten Engel – wie eine gewisse süßliche Ikonographie – als Weichlinge, ausdruckslose beinahe dumme Wesen, welchen Eindruck hinterlässt sie in der Seele des Volkes?  Den Eindruck, dass die Tugend Weichlinge und Dumme hervorbringt und dass, im Gegenteil, das Laster intelligente und männliche Menschen heranbildet.

Es ist ein weiterer Aspekt jenes süßlichen Einflusses der Romantik, der so tief in die Seelen einwirkte und in vielen religiösen Kreisen weiterhin Bestand hat.


(Aus „Catolicismo“ Nr. 41 – Mai 1954)