Mittwoch, 11. Oktober 2017

Über die Gottesmutterschaft Mariens


Heute, 11. Oktober (1963) ist das Fest der Mutterschaft Mariens.

Wir sind in der Novene Unserer Lieben Frau von Aparecida.

Morgen ist das Fest unserer Lieben Frau von Aparecida, Hauptpatronin und Königin Brasiliens.

Sagen wir etwas über die Gottesmutterschaft der Allerseligsten Jungfrau Maria.

* Sieht ein Katholik in der Kirche etwas, was ihm merkwürdig erscheint, versucht er sich darin zu vertiefen, und ist sich sicher, dass das Geheimnis etwas Wunderbares hervorbringen wird
Die Wichtigkeit dieses Festes für die katholische Frömmigkeit, und besonders für uns, wegen unserer sehr besonderen Verehrung Mariens, bezieht sich auf die Tatsache, dass alle außerordentlichen Gnaden, die Maria erhalten hat und die sie zu einem einzigartigen Geschöpf im ganzen Universum und im Heilsplan Gottes machten, all diese Gnaden haben als Titel, Ausgangspunkt und einzigen Grund, dass Sie die Mutter Unseres Herrn Jesus Christus ist. Und diese Behauptung, dass Sie Mutter Unseres Herrn Jesus Christus ist, beinhaltet die von der Kirche gelehrte Behauptung, dass Sie Mutter Gottes ist. Könnte man einen besonderen Kommentar machen, in Hinblick auf unsere Vorstellungen dieser Wahrheit?
Man könnte folgendes erwägen: Schauen wir uns an, wie sich die Hierarchie in den Werken Gottes einrichtet und wie alle von Gottes geschaffenen Dinge nuanciert sind, und wie das einer katholischen Eigenschaft entspricht.
Der revolutionäre Geist steht für Vereinfachungen. Eine bösartige Zunge würde sagen, der revolutionäre Geist ist polytechnisch. Im Gegensatz liebt der gegen-revolutionäre Geist die Schattierungen, das Nuancierte, und wenn ihm etwas daherkommt, was schwer zu begreifen ist oder gar widersprüchlich, versteht er doch, dass sich hinter diesem anscheinenden Widerspruch im Grunde eine sehr schöne Wahrheit, eine unverdächtige Wahrheit verbirgt, die man am Ende herausfindet. Dies ist etwas, was ich mir seit meiner Kindheit angewöhnt habe im Bezug auf die Kirche.
Eine Überraschung, die ich mit der Kirche erfuhr, war, als ich in ihr merkwürdige Dinge zu sehen meinte, in die ich mich verwickelt sah. Doch mit der Zeit, wenn ich mich in die Sache vertiefte, merkte ich, dass je merkwürdiger die Dinge mir schienen, desto schöner war die Erklärung, die sich mir am Ende offenbarte.
So habe ich mich an den Gedanken gewöhnt, dass jeder Einwand, den man der Kirche gegenüber machen könnte, gleich einem kleinen Loch ist, das man am Strand sieht. Wenn man mit dem Finger nachbohrt, findet man eine Perlmuschel. So auch in der Kirche. Bei allem, was einem komisch vorkommt, was man nicht so richtig versteht, was widersprüchlich scheint, und keine sofortige Antwort oder Erklärung liefert, sollte man auf eine Erklärung warten können, bis die Muttergottes uns einen Hinweis gibt, das Rätsel oder den Zweifel zu verstehen. Dann wird daraus eine glänzende Perle zum Vorschein kommen, die unseren Geist erleuchtet.
* Mit der Einrichtung der hypostatischen Union mit der menschlichen Natur schuf Gott eine größere Herrlichkeit, als wenn Er sich hypostatisch mit der geistlichen Natur der Engel vereint hätte
Es ist der Kirche eigen, dass man in einer mit Widersprüchen gespickten Sache, am Ende immer eine tiefe Harmonie herausfindet, die von einer Grundwahrheit hervorkommt.
Gibt es für eine kartesianische Mentalität etwas absurderes, als eine Mutter Gottes?
Stellen wir uns jemand vor, der nie katholischen Unterricht gehabt hat und folgendes weiß: die Katholische Kirche lehrt, dass Gott ewig und ein reiner Geist ist; sie lehrt aber zugleich, dass es eine Mutter Gottes gibt. Und gerade eine Mutter... Wenn es einen Vater Gottes gäbe, könnte man sich das noch vorstellen. Aber gerade eine Mutter, wenn man nicht einmal weiß, wer der Vater ist... Diese Mutter ohne Vater, diese Mutter, aus Fleisch und Blut, eines geistlichen Wesens, diese zeitliche Mutter eines ewigen Wesens?
Wie man sieht, gibt es hier eine Reihe von Widersprüchen, die für einen Protestanten das Ganze unmöglich und absurd sein lässt: „Mutter Gottes? Unmöglich!“
Absurd ist es aber nur in der Betrachtung. Wenn es aber um die Kirche geht, gibt es nichts und nie etwas Absurdes. Es gibt eine äußerst tiefe und übergeordnete Harmonie, die an ein außerordentliches Prinzip gebunden ist. Man muss abwarten, um zu verstehen.
Und so soll man es sehen: Gott, der Ewige und Vollkommene, erschafft die Engel. In einem unteren Bereich erschafft er den Mensch. Doch die Fleischwerdung, die hypostatische Vereinigung (Gott-Mensch) erstellt er nicht mit einem Engel, sondern mit der menschlichen Natur. Dies scheint ein Widerspruch zu sein: die höhere Würde der Engel würde verlangen, dass die hypostatische Union sich mit einem Engel ergebe, und sofort mit dem höchsten, dem schönsten Engel. Doch nein, Gott erstellt die Hypostase mit einem Geschöpf mit menschlicher Natur, sagen wir, er übernimmt die menschliche Natur für sich. Er stellt so die hypostatische Union her, und indem Er sie auf diese Weise mit einem niederen Grad als der der Engel herstellt, bewirkt Er etwas viel herrlicheres, als wenn Er diese Verbindung mit einem Engel hergestellt hätte.
Denn hätte Er diese Union mit den Engeln hergestellt, hätte er damit nur die geistige Schöpfung geehrt, da er sie aber mit dem Menschen erwirkte, ehrt er damit nicht nur die Engel, denn durch seine Seele hat der Mensch Teil an der geistigen Welt, aber auch das ganze Reich der erschaffenen Materie, dessen Krönung der Mensch ist. Durch diese scheinbare Unstimmigkeit wird also der ganze Kosmos eher gewürdigt, als wenn die hypostatische Union sich mit der englischen Natur ereignet hätte.

* Die göttliche Mutterschaft Mariens ist eigentliche Wurzel der marianischen Andacht
Dann setzt Gott fest, dass nach der Heiligsten Dreifaltigkeit ein menschliches Geschöpf den höchsten Platz einnimmt, dass das „nec plus ultra“ der ganzen Schöpfung ist. Eine Art Hierarchie wird eingerichtet: Gott, der unendliche, unvergleichbar jeglicher Kreatur; dann kommt Unser Herr Jesus Christus bei dem die geschaffene Natur in der hypostatischen Union mit der zweiten Person der Dreifaltigkeit aufgenommen wird; als nächstes kommt dann eine reine Kreatur, und diese ist die Mutter Gottes.
Wir sehen, dass hier eine Art Hierarchie eingerichtet wurde, was etwas Bewundernswertes ist, doch mit vielen Strebepfeilern, die wie Stützpunkte das Gebilde aufrechterhalten: die Engel bleiben so halb beiseite, denn es ist mit der menschlichen Natur, mit der sich die hypostatischen Union realisiert, und gleich danach kommt ein reines menschliches Geschöpf. Da es aber kein eigentliches Zwischengeschöpf zwischen Gott und den Menschen gibt, ist dieses reine Geschöpf ein verbindender Bogen, ein Mittler zwischen Gott und dem Menschen, der vollkommenste Spiegel Gottes, der nur eine reine Kreatur sein kann. Hier haben wir die Stellung der Mutter Gottes.
Als Mutter Gottes, eingesetzt als die Königin der Engel, als Königin der Menschen, als Königin des Himmels und der Erde. Sie wurde bekleidet mit allen anderen Eigenschaften, allen anderen Gnaden, mit allen anderen Titeln, die sie besitzt, einschließlich des der Allvermittlerin, weil sie die Mutter Gottes ist.
So verweist das heutige Fest unsere Aufmerksamkeit und unsere Frömmigkeit auf das, was in gewisser Hinsicht die eigentliche Wurzel, der Urgrund der Marienverehrung ist: die göttliche Mutterschaft Unserer Lieben Frau.
* Es ist dem liturgizistischen Geist eigen, nur den höchsten Titel Marias zu verehren und alle anderen zu verachten
Das kann aber auch zu Fehlinterpretationen führen.
Vor etwa zwanzig Jahren hörte ich von einer Person, die die Kongregation in der Pfarrei St. Therese vom Kinde Jesu gründen wollte, und lud ein paar junge Leute zu dieser Kongregation ein. Es wurde diskutiert, bereits aber schon infiziert durch den liturgischen Virus, welchen Namen die neue Kongregation erhalten sollte. Einer von ihnen sagte: „Die Kongregation soll den Namen ,Unsere Liebe Frau Mutter Gottes‘ heißen.“ Nichts einzuwenden.
-„Aber warum hast du diesen ungewöhnlichen Titel gewählt?“
Antwort:
- „Weil letztendlich, das einzige was an Maria zählt, ist, dass sie Mutter Gottes ist. Alles andere ist nichts.”
Hier tritt bereits eine Unausgewogenheit ein. Es ist das gleiche wenn man sagen würde: an einem Baum, das einzige, was zählt, ist der Stamm. Das Geäst, die Blätter, die Blumen, die Früchte haben keine Bedeutung. Wenn man schon die richtige Lehre akzeptiert, sie aber von aller Komplexität, die sie enthält, reinigen will, all die Vielfalt von Titeln auszuklammern, um allein den Stamm beizubehalten, ist bereits eine falsche Position.
Wir spüren hier den Hauch des simplen, liturgizistischen, protestantischen Geistes unter dem Vorwand, zu den Wurzeln zu gehen und den Rest des Baumes nicht zu beachten. Der katholische Geist ist das Gegenteil: Diesem Titel Mariens hoch verehren, ihm Respekt gebühren, wie er es verdient, aber begierig, aus diesem Titel alle möglichen Konsequenzen zu ziehen.
Man soll also offen sein für die Tausend Aufrufungen, die es schon gibt und für weitere, die bis zum Ende der Welt noch geschaffen werden, um Maria unter diesem oder jenem Aspekt zu verehren, der immer eine Folge ihrer göttlichen Mutterschaft ist.
* Die kostbarste Gnade, die wir durch die Andacht zu Maria erhalten können, ist eine echte mütterliche Beziehung, die sie mit uns eingehen will
Es scheint mir, dass diese Anrufung einen sehr wichtigen Inhalt hat: dass die Gottesmutter Maria, weil sie Mutter Gottes ist, durch eine Reihe von Konsequenzen, unter einem besonderen Aspekt die Mutter der Menschen ist, und folglich unsere Mutter.
Ich glaube, dass die kostbarste Gnade, die wir in Sachen Marienverehrung erhalten können, ist, wenn sie darin einwilligt, durch erhabene Bande mit jedem von uns eine wirklich mütterliche Beziehung einzugehen. Das kann auf tausend Weisen geschehen, aber im Allgemeinen offenbart sie sich als Mutter, wenn sie uns aus irgendeiner Schwierigkeit auf eine Art herausführt, die uns völlig unvergesslich bleibt. Oder wenn sie uns ein Fehltritt verzeiht, der eigentlich nicht hätte vergeben werden können, aber den sie mit einer jener Gütigkeit, die nur Mütter haben, an uns vorbeigeht, vergibt und beseitigt, so wie unser Herr Jesus Christus im Vorbeigehen einen Aussätzigen von seiner Lepra geheilt hat. Und so gründlich, dass nichts mehr übrig bleibt.
In der Tat verdiente dort nicht verziehen zu werden, es gab keine mildernde Umstände, nichts verdiente dort als nur den Zorn Gottes, aber sie, als Mutter, mit ihrer souveränen Macht und mit einer Nachsicht, die nur Mütter haben, löscht sie mit einem Lächeln jede Schuld aus, und die Vergangenheit ist verbrannt und völlig vergessen.
Maria teilt solche Gnaden aus, und manchmal so, dass für ein ganzes Leben in der Seele eine Überzeugung wie mit Feuer eingeprägt wird, aber mit einem Feuer, das ein Feuer vom Himmel und kein Feuer von der Erde und noch weniger ein Feuer aus der Hölle ist, mit Feuer in der Seele diese Überzeugung eingeprägt wird, dass wir tausendmal zu ihr unsere Zuflucht nehmen können, in tausendmal schlimmeren unentschuldbaren Umständen, und sie wird uns immer wieder verzeihen, weil sie uns eine Tür der Barmherzigkeit geöffnet hat, die niemand schließen kann.
* Wir leben von einem Barmherzigkeitskredit, den Maria für uns eröffnet hat
Ich glaube, meine lieben Freunde, wenn diese Behauptung dem Glauben entspricht, es ist genau das, von dem wir leben. Es ist ein Kredit der Barmherzigkeit, den Unsere Liebe Frau für uns eröffnet hat. Aber von einer Barmherzigkeit, wie es sie selten gegeben hat, und wir sie daher nicht verdient haben, weil wir trotzdem alles weiterhin tun; sie hat aber dennoch noch einmal ein Lächeln, noch einmal eine Vergebung für uns, sie fischt uns noch einmal aus dem Schlamm. Das erinnert mich an ein Wort, das, wenn ich mich nicht irre, in der Apokalypse vorkommt: „Weil sie schwach waren, habe ich ihnen eine Tür geöffnet, die kein Mensch schließen kann“ (vgl. Offb 3,8) Ich sah hierin eine Anwendung an die Verehrung des Heiligen Herzen Jesu. Ich finde es äußerst legitim.
Ich denke, es ist auch sehr legitim, dies auf das Unbefleckte Herz Mariens und das Mütterliche Herz Mariens für uns anzuwenden.
Wenn man von einer besonderen Gnade unserer Bewegung spricht, heißt es nicht, dass es sich um eine verdiente Gnade handelt, sondern von der Gottesmutter ganz unverdient gegeben, weil sie sie geben will.
Ich kenne keine fühlbarere Wahrheit, die unserer Liebe und Dankbarkeit würdiger wäre. Weil, um ein schäbiges Bild zu geben, was mir gerade einfällt, wir stehen zur Muttergottes, wie Brasilien zu den Vereinigten Staaten: Wir zahlen unser Darlehen zurück, holen uns aber neue, in denen die Zinsen des bisherigen Darlehens einbezogen sind. Wir sind festgefahren und sitzen in der Klemme.
Mit dem Unterschied, dass sie uns behandelt, wie die Vereinigten Staaten sehr weit davon entfernt sind, unser Land zu behandeln. Wenn also die Gottesmutter am Ende dieses Tages uns eine Gnade gibt, ob wir mit uns zufrieden sind oder nicht, wenn sie uns die Gnade gibt, in den Tiefen unserer Seelen ein besonderes Gefühl des Vertrauens zu haben, ist es nicht weil wir ein Anrecht darauf haben, mit uns selbst zufrieden zu sein, sondern weil wir wissen, wie gut sie ist. Wenn sie uns diese Gnade gibt, glaube ich, dass der Tag und die Woche gut bezahlt worden sind.

Plinio Correa de Oliveira, Vortrag „Heiliger des Tages“ am 11. Oktober 1963.


Freie Übersetzung aus dem Portugiesischen. Der Originaltext ist die Abschrift einer Aufzeichnung, wurde vom Urheber nicht revidiert.

Donnerstag, 14. September 2017

Zum Fest der Kreuzerhöhung

  

* Die Bedeutung des Festes der Erhöhung des Heiligen Kreuzes
Heute ist das Fest der Erhöhung des Allerheiligsten Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus.
Die allgemeinen Kommentare über das Fest der Heiligkreuz Erhöhung behandeln auf sehr würdiger Weise das heilige Kreuz. Dem gegenüber werde ich eher von der Kreuzerhöhung sprechen und nicht vom Kreuz an sich, um die Bedeutung dieses Festes hervorzuheben.
Wie wir wissen, war das Kreuz ein Folterinstrument, das in der ganzen Antike verwendet wurde. Es bedeutet für jeden, der gekreuzigt wurde, eine Schande; es war eine Schande für den Verurteilten und es war eine Schande für seine Familie.
Der hl. Paulus beschwerte sich, dass er bei seinem Martyrium nicht gekreuzigt werden oder einer anderen Art des Todes leiden, sondern weil er enthauptet werden sollte. Er war nämlich ein römischer Bürger, und ein römischer Bürger wurde niemals gekreuzigt, er hatte die Ehren eines römischen Bürgers.
* Das Kreuz war nicht nur eine Demütigung, sondern es war der Höhepunkt aller Demütigungen, die unser Herr erlitt
Unser Herr Jesus Christus wurde gekreuzigt, er wurde einer ungeheuren Demütigung ausgesetzt. Diese Demütigung bedeutete, dass er wie ein Verbrecher, wie ein Dieb sterben müsse, auf der gleichen Art wie die beiden anderen Verbrecher, die mit ihm gekreuzigt wurden.
In diesem Sinne war das Kreuz nicht nur eine Demütigung, sondern es war der Höhepunkt aller anderen Demütigungen, die er während seiner irdischen Existenz erlitt.
Unser Herr erlitt schon während seines irdischen Lebens Demütigungen aller Art. Diese Demütigungen, die einem wachsenden Hass entsprachen, führten zur größten aller möglichen Demütigungen, zum Opfer am Kreuz. Dieses Vorhaben, Unseren Herrn einem moralischen Martyrium zu unterwerfen, das ihn während seines ganzen öffentlichen Lebens demütigte, ist sehr offensichtlich.
Wir beobachten während der ganzen Passion den Wunsch, unseren Herrn zu demütigen. So z. B. die Dornenkrone, der Mantel eines Narren und ein Schilfrohr in der Hand als Zepter und die Folterknechte, die ihn schlugen usw., drückten den Wunsch aus, ihn in seiner Allerheiligsten Seele zu quälen und nicht nur an seinem Heiligen Körper.
So bedeutet das Kreuz Unseres Herrn alle Demütigungen, die er während seines Lebens erlitten hat. Und es ist der Beginn aller Demütigungen, die bis zum Ende der Welt alle Katholiken leiden würden, weil sie Unserem Herrn Jesus Christus gefolgt sind.
Denn die Bosheit entwaffnet nicht. Sie zielt immer darauf ab, zu demütigen, sie zielt immer darauf ab, die Moral zu brechen. Es ist keiner hier unter uns, der nicht gedemütigt worden ist wegen seiner Treue zu unserem Herrn Jesus Christus. Es ist eine Ehre für uns, es ist genau eine der Seligpreisungen, wegen der Liebe zu Jesus Christus verfolgt zu werden.
Wir alle leiden diese Demütigungen, und wir werden bis ans Ende der Welt leiden, gerade wegen der fortwährenden Beleidigungen der Bösen gegen Gott.
* Die Katholiken übernahmen das Kreuz als Zeichen der Ehre, um die Ehre Unseres Herrn Jesus Christus wieder herzustellen
Kaiserkrone Brasiliens
Aber parallel dazu wird die Ehre Gottes, die Ehre Unseres Herrn Jesus Christus, von der Kirche beansprucht. Und darum nahmen die Katholiken das Kreuz als Zeichen der Ehre, als das, was es am allerheiligsten gibt, als das Symbol von allem, was es am allerheiligsten gibt. Und hier sehen wir drei charakteristische Ausdrucksformen für die Zeiten des Glaubens: das Kreuz, das auf den Kronen steht; das Kreuz als ein heraldisches Zeichen der edelsten Verdienste der Familien der hohen Aristokratie; das Kreuz angebracht auf hohe Ordensabzeichen.
All dies zeigt, dass der Katholik, das Kreuz in Anbetracht dieser Demütigung erhöhen möchte, um diese Demütigung zu widerrufen und mit ritterlichem Stolz, mit übernatürlichem Stolz zu kämpfen, um das Heilige Kreuz zu erhöhen..
Was bedeutet das?
Vor allem ist es, das Kreuz Unseres Herrn Jesus Christus auf sich zu nehmen und es verherrlichen.
Die Erscheinung des Kreuzes an Konstantin auf der Milvia Brücke mit dem Hinweis: „In diesem Zeichen wirst du siegen!“, bedeutete das. Das Kreuz stieg am Himmel auf und würde für immer am Horizont der Welt sein, um die Bösen zu demütigen, um die Teufel zu demütigen.
Und das Kreuz würde wiederum das Zeichen unserer Ehre sein, wie auch unsere Kreuze ein Zeichen unserer Ehre sein würden. Unsere Ehre besteht nicht darin, nicht gedemütigt zu werden, sondern die Demütigung mit Stolz zu ertragen.
Mehr noch, die Demütigung mit einem Geist der Herausforderung entgegenzutreten. Denen, die uns demütigen, treten wir wie Ritter entgegen und verkündigen mit noch größerem Stolz das Kreuz Unseres Herrn Jesus Christus.
* Erhöhung ist die stolze Verkündigung der Herrlichkeit des Kreuzes
Diese Idee der Erhöhung ist genau das: es ist die Verkündigung der Herrlichkeit des Kreuzes mit einem Stolz, die die Demütigungen des Gegners gegen Christus zermalmt
Daher das lateinische Wort „Exaltatione“, nach oben heben, Erhöhung. Das heißt, das zu erhöhen, was gedemütigt wurde, was herabgesetzt wurde. Dies ist die Verherrlichung des Kreuzes Unseres Herrn Jesus Christus.
Das ist genau das, was dem „Frömmler“ fehlt. Wenn der „Frömler“ irgendeine Demütigung bemerkt, macht ein faules Gesicht, sabbert und flieht. Er füllt mit Schande die Sache, die er verteidigen sollte.
Unsere Sache (Anliegen) muss mit dem Geist des Rittertums verteidigt werden, und wenn also jemand das Kreuz vor uns beleidigt, müssen wir mit vier Steinen in der Hand antworten. Aber nicht, wie man die eigene Ehre verteidigt, weil unsere Ehre ist sehr unbedeutend, sondern wie man die die Ehre Unseres Herrn Jesus Christus verteidigt, die Ehre der Gottesmutter.
Wir müssen also den Sinn haben, für eine ständige Erhöhung des Kreuzes, eine Art Ritter- oder Kriegergeist, der für die Herrlichkeit des Kreuzes ständig kämpft. Dies ist die Gnade, um die wir am Fest der Erhöhung des Heiligen Kreuzes bitten sollten.

Plinio Correa de Oliveira, Vortrag “Heiliger des Tages” am 14. September 1965.


Freie Übersetzung aus dem Portugiesischen. Der Originaltext ist die Abschrift einer Aufzeichnung, wurde vom Urheber nicht revidiert.

Mittwoch, 13. September 2017

Fatima in einer Gesamrübersicht


Plinio Correa de Oliveira

Vielleicht mögen den Lesern einige kurze Erwägungen über die vielfachen Aspekte von Nutzen sein, die in den so wichtigen Offenbarungen der Heiligen Jungfrau Maria in Fatima enthalten sind.
Um all die Visionen und Mitteilungen zu verstehen, die Lucia, Francisco und Jacinta 1917 zuteil wurden, muss man vor allem die katholische Lehre über die Gemeinschaft der Heiligen vor Augen haben.
Die Fürbitten und Verdienste eines Menschen können anderen zugute kommen. So können natürlich die von den drei Kindern dargebrachten Gebete und Opfer, verbunden mit der Hingabe des eigenen Lebens, vor allem nachdem sie durch die Erscheinungen der Königin aller Heiligen so reich begnadet worden waren, einer großen Anzahl von Seelen und sogar ganzen Völkern zum Vorteil gereichen. Aus diesem Grund bat unsere Liebe Frau die drei Kinder um ihre Gebete und Opfer. Jacinta und Francisco bat sie außerdem um das Opfer des eigenen Lebens als Sühne für die Sünden der Menschen. Lucia dagegen bat sie, weiter auf dieser Welt zu bleiben und eine Mission zu erfüllen, von der später noch die Rede sein wird.
Eine weitere Voraussetzung für das Verständnis der Ereignisse von Fatima ist die universale Mittlerrolle der Gottesmutter. Sie wirkt in allen als die höchste und nach dem freien Entschluss Gottes notwendige Mittlerin zwischen dem beleidigten Erlöser und der sündigen Menschheit. Da sie als Mittlerin immer wieder erhört wird, übt sie auch einen entscheidenden Einfluss auf die Ereignisse aus. Und als königliche Mittlerin wird sie letztendlich mit dem Sieg ihres mütterlichen Herzens glorifiziert werden. Einen deutlicheren Ausdruck für Gottes eigenen Sieg kann es nicht geben.
Indem sie sich an die drei Hirtenkinder wandte, wollte Unsere Liebe Frau zu der ganzen Welt sprechen und alle Menschen zum Gebet, zur Buße und zum Umdenken aufrufen. In besonderer Weise richtete sie sich an den Papst und damit an die heilige Hierarchie, denn er sollte Russland ihrem allerreinsten Herzen weihen.
Diese Bitten der Gottesmutter sind angesichts der religiösen Lage gut zu verstehen, in der sich die Welt zur Zeit der Erscheinungen, das heißt 1917, befand. Unsere Liebe Frau wies darauf hin, dass es sich um eine höchst unheilvolle Lage handelte. Gottlosigkeit und Unreinheit hatten auf Erden dermaßen überhandgenommen, dass es zu einer wahren Hekatombe, den Zweiten Weltkrieg, kommen musste, um die Menschen wieder zusammenzuführen. Die Auseinandersetzung (der 1. Weltkrieg) sollte bald ein Ende nehmen und den Sündern wäre Zeit gegeben, sich auf den Appell von Fatima hin zu bekehren. Würde dem Appell Gehör geschenkt, hätte die Menschheit Frieden. Würde er aber nicht gehört, käme ein weiterer, noch viel schlimmerer Krieg. Und sollte sich die Welt auch dann noch der Stimme ihrer Königin gegenüber taub verhalten, käme es zu einer ganz außergewöhnlichen Hekatombe ideologischen Ursprungs und universellen Ausmaßes, die zu schwerer religiöser Verfolgung führen und alle Menschen in Mitleidenschaft ziehen würde. Dem Papst selbst stünden große Prüfungen bevor: „Russland wird seine Irrtümer über die Welt verbreiten, Kriege hervorrufen und die Kirche verfolgen … der Heilige Vater wird viel zu leiden haben.“
Wenn dann nach einer ganzen Kette von Kalamitäten der harte Widerstand der heutigen Menschheit endlich gebrochen ist, soll es zu einer Bekehrung der Seelen in großen Umfang kommen. Es wird dies insbesondere ein Sieg des Unbefleckten Herzens Mariens sein: „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren ...“ Es wird die Herrschaft Mariens über die Menschen sein …
Um die Menschheit mit Nachdruck zur Aufnahme der Botschaft zu bewegen, hat Unsere Liebe Frau ihren drei Vertrauten die verurteilten Seelen in der Hölle gezeigt. Sie haben uns dieses Bild voller Tragik auf so bewundernswerte Weise beschrieben, dass es geeignet ist, selbst verhärtete Sünder auf dem Weg der Tugend zurückzuführen. Die düstere Vision der Hölle macht deutlich, wie sehr sich die im Irrtum befinden, die da meinen, die Betrachtung der ewigen Qualen sei für die Menschen unseres Jahrhunderts unangebracht.
*    *    *
Um die Wirklichkeit der Erscheinungen und damit auch die Echtheit der Botschaft zu bekräftigen, hat die Heilige Jungfrau drei Arten von Ereignissen veranlasst:
a) Anwesenheit einer großen Anzahl von Zuschauern während ihrer Gespräche mit den Seherkindern. Wenngleich auch nur diese die unmittelbaren Empfänger der Botschaft waren, konnten die Umstehenden mit der gewöhnlichen psychologischen Einsicht feststellen, dass die drei Kinder weder logen noch Opfer einer Illusion waren, wenn sie behaupteten, Kontakt zur Muttergottes zu haben, sondern dass sie tatsächlich ein für die anderen unsichtbares Wesen sahen und mit ihm sprachen.
b) Das Wunder der Farbenspiele und der Bewegungen der Sonne (am 13. Oktober 1917), das weit über die Stelle der Erscheinungen hinaus sichtbar war und daher nicht als kollektive Suggestion abgetan werden kann (wie sollte dies auch möglich sein, wenn man bedenkt, dass sich 50 bis 70 Tausend Menschen bei der Mulde von Iria aufhielten).
c) Die Ankündigung, dass bald nach den Erscheinungen von Fatima der Erste Weltkrieg zu Ende gehen würde, ist in Erfüllung gegangen. Ebenso hat sich die Voraussage erfüllt, dass ein weiterer Weltkrieg ausbrechen würde, falls sich die Menschheit nicht bekehren würde. Es ist allgemein bekannt, dass am Himmel über Europa vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ein außerordentliches Licht zu sehen war. Unsere Liebe Frau hatte den Seherkindern angekündigt, dass dies das Zeichen der bevorstehenden Strafe sein würde. Und tatsächlich traf die Strafe kurz darauf ein.
d) Die vorhergesehene höchste Strafe, nämlich die Verbreitung des Kommunismus, begann sich kurz nach den Erscheinungen zu bewahrheiten. Es ist zu beachten, dass die Heilige Jungfrau zwar angekündigt hatte, dass „Russland seine Irrtümer über die ganze Welt verbreiten wird“, dass aber zum Zeitpunkt der Voraussage – 13. Juli 1917 – diese Aussage mehr oder wenig unverständlich klingen musste. Denn das Zarentum war gerade erst dem bürgerlichen Regime Kerenskys gewichen, und niemand konnte wissen, was unter diesen russischen Irrtümern zu verstehen war. Natürlich handelte es sich nicht um die Verbreitung der mumienhaften griechisch-schismatischen Kirche, der jede Kraft zur Ausbreitung fehlte. Somit war also die Marxistische Machtergreifung im November 1917 im unglücklichen Russland bereits eine erste, vielsagende Bestätigung der Prophezeiung.
Danach begann die russische Kommunistische Partei, ihre Irrtümer weltweit zu verbreiten, es kam also zu einer weiteren Übereinstimmung zwischen dem, was die Heilige Jungfrau angekündigt hatte, und den tatsächlichen Ereignissen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sollte die Verbreitung des Kommunismus dann noch größere Ausmaße annehmen, denn unter Anwendung von List und Gewalt wurden zahlreiche Völker unter sowjetische Herrschaft gebracht. Die Sowjetunion wurde zu einer weltweiten Gefahr.
*    *    *

Angesichts dieser Behauptungen apokalyptischen Ausmaßes ist eine erklärende Anmerkung nötig.
Die Menschen in der heutigen Welt teilen sich immer mehr in zwei Tendenzen auf. Die eine sieht die Menschheit als Opfer eines Bündels von Irrtümern und Bösem, die auf religiöser und kultureller Ebene ihr Wirken mit dem Humanismus, Renaissance und protestantischer Reformation begonnen haben. Diese Irrtümer verschlimmerten sich mit der Aufklärung und dem Rationalismus und erreichten ihren Höhepunkt auf politischer Ebene mit der Französischen Revolution. Von der politischen Ebene griffen sie im 19. Jhdt. über auf den sozialen und wirtschaftlichen Bereich durch den utopischen Sozialismus und den sog. wissenschaftlichen Sozialismus. Mit der Einführung des Kommunismus in Russland begann für dieses Sammelsurium von Irrtümern eine anfängliche aber massive Verlagerung auf die konkrete Ordnung der Fakten, woraus der Moloch des kommunistischen Imperiums entstand, der sich vom Herzen Deutschlands bis zum Vietnam erstreckt, und dessen Einheit unbestreitbar ist (die Einteilung in „russischer Prägung“ und „chinesischer Prägung“ ist nichts anderes als ein propagandistischer Bluff).
Zugleich, und vor allem nach dem „Großen Krieg“ (1914-1918) verfiel die Sittlichkeit im Westen mit erstaunlicher Geschwindigkeit, so dass er zur Kapitulation vor dem Kommunismus vorbereitet wurde; ist doch der Kommunismus der kühnste institutionelle und ideologische Ausdruck der Amoral und der Unsittlichkeit.
Die historische Auffassung des hier Beschriebenen befindet sich ausgelegt im Artikel „Der Kreuzzug des 20 Jahrhunderts“ im Heft Nr. 1 dieser Zeitung. Eine erweiterte Fassung versuchten wir in „Revolution und Gegenrevolution“ zu geben, die „Catolicismo“ in der Ausgabe Nr. 100 veröffentlichte.
Auf Anregung von Bischof Antonio de Castro Mayer und Erzbischof Geraldo de Proença Sigaud wurde diese Auffassung ebenfalls mit großer Klarheit in einem historischen Dokument veröffentlicht in dem 200 Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils um die Verurteilung des Kommunismus baten. Für unzählige Seelen aller Stände, Lebensbedingungen und Nationen, die diese Auffassung teilen, ist der Zusammenhang der Botschaft von Fatima mit der katholischen Lehre und der Wirklichkeit der Fakten von außerordentlicher Tragweite.
Es gibt auch eine andere Tendenz, für die die Probleme der heutigen Welt mit Bosheit (im Sinn einer schuldhaften Abweichung der Intelligenz vom Guten) und Unmoral wenig oder gar nichts zu tun haben. Diese kämen nur von unfreiwilligen Fehlern, die durch eine gute Verbreitung der Lehre und objektive Erkenntnis der Wirklichkeit behoben werden können. Diese Missverständnisse haben zudem ihre Ursache in wirtschaftlichen Entbehrungen. Kinder des Hungers, werden sie sterben, wenn es auf der Welt kein Hunger mehr gibt. Vorher werden sie nicht sterben. Die Krise der Menschheit würde mit Hilfe von Wissenschaft und Technologie überwunden werden.
Nicht nur das. Wenn es zur Erklärung der Katastrophen und Gefahren, mit denen wir zu kämpfen haben, der Faktor Schuld nicht vorhanden ist, ist der Begriff einer universellen Strafe unverständlich. Umso mehr da für Menschen dieser Tendenz der Kommunismus von Natur aus nicht schlecht ist, und es sei möglich sich ihm anzupassen, um lästige Verfolgungen zu vermeiden.
Natürlich kann durch die zusammengefasste Beschreibung dieser beiden Tendenzen das Thema nur schematisch behandelt werden. Zwischen der einen und der anderen gibt es viele verschiedenartige Bereiche. Leider würde aber eine ausführlichere Beschreibung hier den Rahmen sprängen. In dem Maße, wie sich irgendeine der Zwischentendenzen dem einen oder anderen Pol nähert, wird ihr die Botschaft von Fatima verständlicher oder unverständlicher. Fatima ist also in diesem Sinne eine echte Wasserscheide der gegenwärtigen Mentalitäten.
Wie auch immer, mit Ausnahme des noch geheim gehaltenen Teils, sind die Bitten, die Ermahnungen, die Prophezeiungen (alle selbstverständlich in der Eigenschaft von Privatoffenbarungen) der Mulde von Iria der Welt bekannt und in breitem Umfang bestätigt. Den Skeptikern sagen wir: „Qui vivra verra ...“ (Wer dann noch lebt, wird sehen).
*    *    *

Werden die in Fatima vorhergesagten und bis jetzt noch nicht eingetroffenen Ereignisse noch geschehen? Dies ist die Frage, die die Menschheit sich heute stellt. Im Prinzip gibt es keinen Zweifel. Denn die Tatsache, dass ein Teil der Prophezeiungen bereits mit erstaunlicher Präzision Wirklichkeit geworden ist, beweist ihren übernatürlichen Charakter. Und so gibt es keinen Zweifel, dass die himmlische Botschaft sich bis zum Ende erfüllen wird.
Es könnte aber jemand einwenden, die Prophezeiungen vom 13. Juli 1917 haben ja nur einen bedingten Charakter. Sie würden stattfinden, wenn der Papst, und in Vereinigung mit ihm, die Bischöfe der Welt die Weihe Russlands und der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens nicht vollziehen würden. Doch Pius XII. vollzog die Weihe der Welt (1942) und besonders Russlands (1952). So ist zu erwarten, dass die von der Muttergottes vom Rosenkranz vorgesehenen Strafen nicht eintreffen werden. . .
Diesem Einwand können zwei Antworten gegeben werden:
Zunächst, nach den Worten Unseres Herrn an Schwester Lucia im Jahr 1943, die sie dem Titularbischof von Gurza in einem Brief mitteilte, erfüllte die von Pius XII. gemachte Weihe der Welt nicht alle von der Gottesmutter gewollten Voraussetzungen, obwohl sie Gottes Wohlwollen erreicht hätte. Als Ergebnis scheint es fraglich, ob diese Weihe die vorhergesehenen Katastrophen abwenden kann. Diesen Worten Unseres Herrn an Schwester Lucia sollte man alle Glaubwürdigkeit schenken. Da sie in diesem Leben mit einer Mission bezüglich der Botschaft von Fatima blieb, ist es normal, dass sie vom Himmel Kommunikationen dieser Art erhält, die geeignet sind, die Welt über die Auslegung der Botschaft zu belehren, sowie auf die Beziehungen der Botschaft mit dem Lauf der Ereignisse dieser Welt hinzuweisen. Und aus diesem Grunde ist es auch normal, dass Jesus und seine Mutter der treuen und von den heiligsten Herzen so geliebte Ordensfrau jede Unterstützung erweisen, damit sie diese Mission durchführt, ohne in Irrtum zu fallen oder die Menschheit in Irrtum zu führen.
Zweitens muss beachtet, dass in der Cova da Iria, Unsere Liebe Frau zwei Bedingungen stellte, die beide für die Abwendung der von ihr angedrohten Strafe unverzichtbar sind.
Eine dieser Bedingungen war die Weihe. Nehmen wir an, sie wurde so durchgeführt wie von der Seligen Jungfrau gefordert. Es bleibt die zweite Bedingung: die Verbreitung der Übung der Sühnekommunion an fünf ersten Samstage. Es scheint klar, dass sich diese Andacht in der katholischen Welt bis heute nicht in dem Maße verbreitet hat, wie von der Muttergottes erwünscht.
Und es gibt noch eine weitere Bedingung, die in der Botschaft angedeutet ist, aber auch sie unverzichtbar: Es ist der Sieg der Welt über die tausend Arten von Bosheit und Unreinheit, die sie beherrschen. Alles zeigt an, dass dieser Sieg nicht erreicht wurde, im Gegenteil, wir nähern uns immer mehr zum Paroxysmus in dieser Angelegenheit. So wird ein Kurswechsel der Menschheit immer unwahrscheinlicher. Und in dem Maße, in dem wir in Richtung dieses Paroxysmus wandeln, wird es immer wahrscheinlicher, dass wir uns der Verwirklichung der Strafe hin bewegen...
Hier trifft es sich, eine Anmerkung zu machen: Wenn man die Botschaft von Fatima nicht so sieht, wäre sie absurd. Denn wenn die Muttergottes 1917 behauptet hat, die Sünden der Welt hätten ein solches Ausmaß erreicht, dass sie um die Strafe Gottes riefen, wäre es unlogisch anzunehmen, dass die Strafe nicht antreten würde, wenn diese Sünden doch bis heute immer weiter wachsen und die Welt sich hartnäckig bis zum Ende weigert, das zu hören, was ihr in Fatima gesagt wurde. Es wäre das gleiche, wenn Ninive keine Buße getan hätte, und die Drohungen des Propheten sich nicht erfüllt hätten.
Außerdem würde die von Unserer Lieben Frau gebetene Weihe selbst, nicht die Wirkung haben, die Strafe abzuwenden, wenn die Menschheit sich weiterhin an Bosheit und Sünde festhalten würde. Solange dies besteht, würde die Weihe unvollständig und ohne wirklichen Inhalt sein.
Kurz gesagt, solang sich nicht die in der Cova da Iria geforderte geistliche Wandlung in der Welt vollzieht, werden wir weiter dem Abgrund näherkommen. Und wenn wir so weitermachen, wird die Umwandlung immer unwahrscheinlicher.
*    *    *
Hier fügt sicht das berühmte Thema des nicht veröffentlichten Teils des Geheimnisses von Fatima ein. Enthält es Worte der Vergebung und des Frieden, die uns eine unbegrenzte Straflosigkeit für dieses unbegrenzte Wachstum der Bosheit und der Unreinheit erwarten lassen? Dazu müssen wir von vornherein sagen, dass wir nicht sehen können, was in solchem Gedanken etwas frommes sein kann. In ähnlichen Situationen — einer tauben und bis zum Ende widerspenstigen Welt — zogen die heiligen Seelen des Alten und Neuen Testaments immer die Barmherzigkeit der Gerechtigkeit vor, die Vergebung der Strafe. Sie zogen aber immer die Strafe vor, gegenüber dem Schauspiel der siegreichen Gottlosigkeit, die da straflos auf unbestimmte Zeit die Majestät Gottes verspottete.
Außerdem scheint es absurd anzunehmen, dass Unsere Liebe Frau eine öffentliche Botschaft gab, in der sie behauptet, dass ohne eine Lebensänderung der Welt eine schreckliche Strafe bevorstehe, und eine private (geheime) Botschaft, in der Sie auf eine oder andere Weise behauptet, für die gleiche Situation das Gegenteil geschehen würde.
Was zählt, ist also beten, leiden und handeln, damit die Menschheit sich bekehre. Und das mit neuem Engagement, denn sonst steht uns die Strafe vor der Tür.
Ein Geheimnis ist ein Geheimnis. Und in guter Logik, kann niemand aus seinem Inhalt etwas folgern, da er es ja gar nicht kennt.
Allerdings ist es nicht unvernünftig, hier eine Vermutung aufzustellen. Der noch nicht veröffentlichte Teil des Geheimnisses enthält wahrscheinlich erschreckende Einzelheiten über die Art und Weise wie sich die in Fatima angekündigten Strafen erfüllen werden. Denn nur so erklärt sich, dass es schwierig erscheint, ihn zu veröffentlichen. Wenn er entspannende Aussichten enthalten würde, wäre er wahrscheinlich schon längst veröffentlicht.
*    *    *
Es ist gut, dass am Ende dieser Überlegungen, unser Geist sich in der Berücksichtigung der letztendlichen Perspektiven der Botschaft von Fatima aufhält. Über der Trauer und den höchst wahrscheinlichen Strafen hinaus, denen wir entgegengehen, haben wir vor uns, die sakralen Leuchten der Morgenröte des Königreichs Marias: „Am Ende wird mein unbeflecktes Herz triumphieren.“ Es ist eine großartige Aussicht des Universalen Sieges des königlichen und mütterlichen Herzens der Heiligsten Jungfrau. Es ist ein beruhigendes, attraktives und vor allem majestätisches und begeisterndes Versprechen.
Um die Strafe im kleinsten möglichen Maße abzuwenden, um die Bekehrung der Menschen im kleinsten Ausmaß zu erreichen, das in der allgemeinen Ordnung der Gnade noch vor der Strafe möglich ist, um die erhabene Morgendämmerung des Reiches Mariens zu beschleunigen, und um uns zu helfen die Katastrophen, die so ernsthaft uns bedrohen, zu durchschreiten, was können wir tun? Unsere Liebe Frau zeigt es uns: die Ereiferung in der Andacht zu ihr, das Gebet, die Buße.
Um uns zum Gebet zu ermutigen, zeigte sie sich nacheinander mit den entsprechenden Attributen, der Königin des heiligen Rosenkranzes, der Schmerzhaften Mutter und der Muttergottes vom Berge Karmel, um darauf hinzuweisen, wie es ihr wohlgefällt, unter diesen Anrufungen bekannt, geliebt und verehrt zu werden.
Außerdem bestand die Jungfrau von Fatima in ganz besonderer Art und Weise auf die Andacht zu ihrem Unbefleckten Herzen. Sie verwies in ihrer Botschaft sieben Mal auf ihr Herz (und Unser Herr, neun Mal).
So bekommt die theologische Bedeutung der Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens, die übrigens schon sehr oft bestätigt wurde, in Fatima eine kostbare und eindrucksvolle Bestätigung. Auf der anderen Seite, bezeugt das Beharren der Heiligsten Jungfrau die hohe Zweckmäßigkeit dieser Andacht in unserer Zeit.
Wer die Offenbarungen von Fatima ernst nimmt, der sollte die Förderung der Andacht zum Allerreinsten Herzen als eine der höchsten Ziele eines gesunden „aggiornamento“ der marianischen Frömmigkeit hochhalten.
In diesem Sinne, hinterlassen wir hier eine zu Herzen gehende Empfehlung an die Leser von „Catolicismo“. Eine Empfehlung, die nichts anderes ist als ein Echo, des reich an begeisternden Lehren über Fatima Hirtenbriefes, den der berühmte Bischof von Campos, D. ANTONIO DE CASTRO MAYER, seinen Diözesanen gerade geschenkt hat.

Aus der brasilianischen Monatsschrift Catolicismo Nr. 197 – Mai 1967 

Freitag, 8. September 2017

Zum Fest Mariä Geburt 8. September

Es ist eine allgemeine Gewohnheit, den Geburtstag einer Person zu feiern. Der Grund dafür ist, dass der Geburtstag den Augenblick darstellt, in dem die Person in die Szene dieses Lebens eingetreten ist, und der Moment, in dem die Umgebung, in der diese Person zu Leben bestimmt ist, durch die Präsenz eines weiteren Menschen bereichert wird. Im Prinzip ist jede Geburt ein Geschenk, eine Gnade Gottes, eine Bereicherung für die menschliche Gesellschaft, denn jeder Mensch hat einen großen Wert. Wenn er auch in der Erbsünde empfangen wurde, und die menschliche Natur der geistlichen Natur der Engel unterlegen ist, wenn er auch, abgesehen von der Erbsünde, irgendeinen Familienmangel mit sich bringt, ist jeder Mensch ein Geschöpf von großem Wert. Jedes Geschöpf, das auf der Erde erscheint, stellt eine sehr nachvollziehbare Bereicherung für dieses Werk Gottes als Ganzes dar, das die Menschheit ist.
Wenn also der Geburtstag einer Person gefeiert wird, wird sein Eintritt in die Welt gefeiert. Es wird der Eintritt der Person in die Welt-Szene gefeiert, mit allem, was er mit sich gebracht hat, und ihm eigen ist an Urlicht, an Tugenden, die er entfalten muss, an Seelen-Reichtum, und selbst die Erbsünde mit den Mängeln, die der Mensch in sich selbst trägt, als etwas, das er überwinden muss, das er bekämpfen muss, zur Erhöhung der Herrlichkeit zu der er bestimmt ist. All das stellt die Geburt der Person dar zur Bereicherung der Menschheit.
* Ohne Sünde empfangen, ausgestattet mit allen natürlichen Schätzen der Weiblichkeit und voll der Gnaden: Das sind de Eigenschaften der Muttergottes
Unter diesen Bedingungen führt uns das Fest der Geburt der Gottesmutter dazu, zu fragen, welche Bereicherung sie der Menschheit gebracht hat und auf welchen besonderen Titel die Menschheit ihre Geburt feiern soll. Wenn wir uns in diese Perspektive stellen, wissen wir kaum, was wir sagen sollen. Denn in der Ordnung der Natur wurde die Gottesmutter ohne Erbsünde empfangen.
Damit ist sie die einzige auf der Welt seit der Erbsünde, die rein war von jeglichem Makel, sie war eine Lilie unvergleichlicher Schönheit unter den Menschen, etwas, das der ganzen Erde und allen Engelchören Freude machen sollte. Es erschien in dieser Welt der Verbannung inmitten der Menschheit, ein Geschöpf ohne Erbsünde.
Doch außerdem brachte Maria alle natürlichen Schätze die der Weiblichkeit eigen sind mit sich. Gott gab ihr in der Ordnung der Natur die reichste, kostbarste und wertvollste Persönlichkeit, und so war ihre Gegenwart unter den Menschen ein weiterer unermesslicher Schatz. Wenn wir noch alle Schätze der Gnaden hinzufügen, die sie mitbrachte und welche die größten Gnaden waren, die Gott jemandem jemals geschenkt hat und schenken würde, wirklich unermessliche Gnaden, dann verstehen wir, was die Ankunft der Gottesmutter in der Welt darstellt.
Der Sonnenaufgang an jedem Morgen ist eine blasse Wirklichkeit im Vergleich zur Ankunft der Jungfrau in die Welt. Die großartigsten Phänomene der Natur, die etwas Kostbares darstellen, etwas Unschätzbares, sind nichts im Vergleich dazu. Den feierlichsten Einzug eines König oder einer Königin in ihrem Reich, den man sich vorstellen kann, ist nichts im Vergleich dazu.
Die Freude aller Engel des Himmels, die Freude vielleicht vieler gerechter Seelen, die von dieser Tatsache Kenntnis bekommen haben, vielleicht gemischte Gefühle der Freude, die hier und da in den guten Seelen aufkamen, all dies war ein Gruß dem gesegneten Moment, in dem die Gottesmutter auf die Welt kam.
Es gibt eine Klage von Hiob, die ich gerne paraphrasiert zitiere und die mir dafür angemessen erscheint: „Gesegnet der Tag, an dem ich geboren wurde, gesegnet die Sterne, die mich als Kind gesehen haben, gesegnet der Tag, an dem meine Mutter sagte: Ein Mann ist geboren.“ Man könnte auch sagen: „Gesegnet der Tag, an dem die Gottesmutter geboren wurde, gesegnet die Sterne, die über das Kind Maria schimmerten, gesegnet der Augenblick, in dem ihre Eltern wahrgenommen haben, dass das jungfräuliche Geschöpf geboren wurde, das berufen war, Mutter des Erlösers zu sein“!
* Die Geburt der Gottesmutter in einer Welt, die im Heidentum versunken war, und der Auftritt ihres Handelns in unserer Seele in Zeiten der Prüfungen
Die Geburt der Gottesmutter bringt uns einen weiteren Gedanken. Die Welt war im Heidentum versunken. Die Situation der damaligen Welt war ähnlich der heutigen; alle Formen der Laster und des Götzendienstes beherrschten die Welt, der Greuel war selbst in die jüdische Religion eingedrungen, die ja die Vorgängerin der katholischen Religion war; das Böse und der Teufel herrschten vollkommen.
Aber in der Zeit, die Gott in seiner Barmherzigkeit vorherbestimmt hat, zerschlägt Er die Mauer, und die Ordnung des Teufels stürzt ein, wann man es am wenigsten vorstellen konnte. Er veranlasst die Geburt Mariens und mit ihrer Geburt, die die gesegnete Wurzel war, aus der Unser Herr geboren würde, begann das Werk der Niederschlagung des Teufels.
Wie oft geschieht so etwas Ähnliches nicht in unserem geistlichen Leben! Wie oft befinden sich die Seelen von diesem, von jenem oder jenem anderen, in einem Kampf, haben Probleme, winden und wenden sich in Schwierigkeiten! Die arme Seele hat keine Ahnung, wann der gesegnete Tag einer großen Gnade kommen wird, eine große Gunst, die ihre Qualen und Kämpfe beenden, und letztendlich ihnen große Fortschritte im geistlichen Leben bescheren wird.
Hier ergibt sich eine Geburt in einem besonderen Sinn des Wortes: Auswirkungen der Muttergottes in unserer Seele. Und in der Nacht der größten Schwierigkeiten, der größten Dunkelheit, erscheint Sie plötzlich und beginnt, die Schwierigkeiten zu zerbrechen, denen wir gegenüberstanden.
* Sie erscheint wie ein Sonnenaufgang in unserem Leben und beginnt, etwas Neues in unserem geistlichen Leben zu bedeuten, das wir gar nicht kannten
Und da ist noch etwas anderes: Unsere Liebe Frau scheint heutzutage so abwesend zu sein. Die heutige Welt ist der damaligen sehr ähnlich. Wenn wir uns vorstellen, dass jeden Augenblick die Gottesmutter anfangen könnte zu handeln, ihre Tätigkeit beständiger, kontinuierlicher, intensiver auszuüben als bisher, zur Herstellung ihres Königreichs, können außergewöhnliche Wunder beginnen, die uns ihre Gegenwart spüren lassen; da haben wir eine weitere Auswirkung der Jungfrau in der Welt. Und diese Auswirkung kann durch unsere Bewegung zustande kommen, mit allem, was sie an menschlicher Armut und an menschlicher Schwäche vorweist. Aber, wie David, durch Glauben, Hingabe und die Verwendung der Taktiken von RGR (1), wird sie den Riesen der Revolution (2) stürzen und vernichten. Eine solche Aktion wäre eine Auswirkung Unserer Lieben Frau in der Weltgeschichte, ein Ausdruck Ihres Wunsches zu siegen. Die Mauern, die wir gestürzt haben, die Gnaden, für die wir, obwohl unwürdig, Kanäle gewesen sind, sind auch ein Ausdruck des Willens des Unbefleckten Herzens von Maria, um ihr Königreich durch unser Handeln einzurichten.
Das alles muss uns große Freude und Hoffnung geben, mit der Gewissheit, dass die Gottesmutter uns niemals verlassen wird, und dass sie uns auch in schwierigsten Zeiten besucht, ihre Gegenwart sozusagen unter uns ausbricht, alle unsere Probleme löst, unsere Schmerzen heilt, uns den nötigen Kampfesgeist und Mut gibt, um unsere Pflicht bis zum Ende zu erfüllen, egal wie schwer es sein mag.
* Wir müssen die Muttergottes bitten, sie solle in unsere Zeit einbrechen, um unerschütterliche und unerbittliche Kämpfer gegen die Revolution hervorzurufen
Ich sprach vor kurzem mit einem Prälat, der mir folgende These vortrug, zu der er beabsichtigt, Material zu sammeln:
Es gibt historische Elemente, um zu sagen, dass alle großen Seelen, die gegen Irrtümer gekämpft haben, die großen „Hammer der Ketzer“, die durch die Jahrhunderte erschienen, persönlich von der Gottesmutter berufen worden sind.
Das Berufen dieser Seelen ähnelt wirklich an etwas sehr Schönem im Wappen der Priester des Unbefleckten Herzens Mariens: Auf dem Schild das Herz Mariä und darüber der Erzengel Michael und auf einem Band unter dem Wappen der Spruch: „Ihre Söhne (erheben sich und) preisen sie selig.“
Diese Anwesenheit von Kriegern, die mit den Kämpfern des hl. Erzengels Michael, die bewaffnet sich erheben, um den Gegner zu bekämpfen und das Herz Mariens selig zu preisen, ist das nicht auch ein Einbruch der Gottesmutter in der Geschichte?
Ich glaube, dass es so ist. Wir müssen bitten, dass wir diese unerschütterlichen Krieger seien, von einem unerbittlichen Hass gegen den Teufel und seine Anhänger, gegen die Revolution und ihren Werken, die sich wünschen die Revolution zu liquidieren! Von diesem Hass auf die Revolution müssen die Herzen derer voll sein, die Maria wirklich lieben.
Bitten wir der Gottesmutter um diese besondere Gnade: dass wir in der heutigen Welt ein Einbruch von ihr seien, bewaffnet mit dem Geist des Kampfes, mit einem unerbittlichen Geist der Feindseligkeit gegenüber der Revolution, um die Revolution endgültig zu beenden, ihr die schlimmsten Schläge zu geben, sie zu vernichten, sie endgültig zu zerstören, zu demütigen, damit die Herrlichkeit der Kirche endgültig wiederhergestellt wird, die gegenwärtig von ihr (der Revolution) so verunreinigt wird.
Dermaßen, dass wenn wir sterben, man auf das Grab eines jeden von uns diesen Spruch setzen kann: Dies war ein Sohn Mariens, der in der Zeit des Abfalls, der Demütigung und der Schwäche der Heiligen Katholischen, Apostolischen, Römischen Kirche sich erhoben, und Sie selig gepriesen hat.
* Die Gottesmutter war im Besitz der Vernunft seit dem ersten Augenblick ihres Seins und hat von da an schon auf das Schicksal der Menschheit Einfluss genommen
Das Fest der Geburt Mariens steht für sie wie Weihnachten für Unseren Herrn. So wie der Weihnachtstag den gesegneten Moment feiert, in dem unser Herr in die Welt eingetreten ist und begann, einen sichtbaren Teil der menschlichen Gesellschaft zu sein, feiert das Fest der Geburt Mariens den Augenblick, in dem sie in die Welt kam und begann, Teil der menschlichen Gesellschaft zu sein.
Es könnte jemand fragen: „Aber was bedeutet schon für die menschliche Gesellschaft der Eintritt eines Babys in diese Gesellschaft? Ein Kind, das nicht einmal sprechen kann, von der Vernunft keinen Gebrauch machen kann, ein Kind, das schließlich nichts aufwiegt im Gemeinschaftsleben der Menschen...“
Mit Maria gab es das nicht. Da sie ohne Erbsünde empfangen war, war sie im Besitz der Vernunft vom ersten Augenblick ihres Seins; und schon im mütterlichen Schoß dachte sie und hegte sehr hohe und erhabene Gedanken. Sie lebte im Schoß ihrer Mutter, der hl. Anna, wie in einem wahren Tabernakel.
Wir haben eine indirekte Bestätigung darüber, was das Evangelium über Johannes dem Täufer erzählt. Als Johannes der Täufer, der nicht von der Erbsünde befreit war, aber kurz nach der Geburt von ihr befreit wurde, als er die Stimme der Gottesmutter hörte, die die heilige Elisabeth begrüßte, hüpfte er, nach den Worten der hl. Elisabeth zu Maria, vor Freude in ihrem Schoß.
So lebte auch Unsere Liebe Frau im Schoß der hl. Anna und von dort an begann sie für die Menschheit zu beten, begann mit der höchsten Wissenschaft, die sie durch die Gnade Gottes empfangen hatte, begann für das Kommen des Messias zu bitten, begann für die Vertilgung aller Übel in der Menschheit zu bitten, und von diesem Punkt an wuchs sicherlich in ihrem Geist die hohe Absicht, eine Dienerin der Mutter des Erlösers zu werden, der sie dienen und helfen könnte.
In der Tat hat sie auf diese Weise schon begonnen, die Schicksale der Menschheit zu beeinflussen.
Aber es war auch so, dass ihre Anwesenheit auf der Erde schon eine Quelle von Gnaden für all jene war, die sich noch vor ihrer Geburt ihr näherten (wie es bei der Begegnung mit der hl. Elisabeth geschah).
Wenn die Schrift uns sagt, dass vom Gewand Unseres Herrn eine Kraft ausging, so dass diejenigen, die es berührten, eine heilende Kraft verspürten, geschweige denn die Mutter Unseres Herrn, diejenige, die als auserwähltes Gefäß bezeichnet wird.
* Die Gegenwart von Unserer Lieben Frau auf dieser Erde, auch als kleines Mädchen, sogar als Kleinkind, war eine riesige Gnadenquelle
Darum kann man sagen, obwohl sie ein kleines Kind war, dass schon bei ihrer Geburt große Gnaden über die Menschheit zu strahlen begannen; dass dann schon die Vernichtung des Teufels begann, und der Sieg der Gegenrevolution sich schon behauptete, und der Teufel begann zu begreifen, dass etwas an seinem Zepter zerbrochen war und niemals mehr repariert werden könnte.
Man kann also verstehen, dass die Ankunft Mariens auf die Welt eine Gnade für alle Menschen war, und man versteht ebenso die Wichtigkeit des Festes, das wir heute feiern.
* Ähnlich des Mondaufgangs ist die Weihnacht der Muttergottes. In dieser Nacht sollten wir sie um die Gnade bitten, die sie uns vorzugsweise schenken will
Zusammenfassend möchte ich sagen: denken wir an eine Weihnachtsnacht. 1963 Jahren ist es her, dass Unser Herr geboren wurde.
Seit 1963 Jahren wird dieses Fest wiederholt und an jede Weihnachtsnacht haben wir das Gefühl, dass ein großer Segen vom Himmel auf Erden herabsteigt und dass in gewisser Weise die geistigen Fähigkeiten aller Menschen erneuert werden. Es gibt eine echte Morgendämmerung.
Das ist der Grund, warum die Weihnachtsnacht jedes Jahr einmalig ist. Das was wir am Heiligabend spüren, gibt uns eine Vorstellung von dem, was der erste Heiligabend war, in dem Unser Herr geboren wurde.
Nun, da alles, was die Muttergottes betrifft, bezüglich Unserem Herrn sehr ähnlich ist, alles, was sie betrifft, betrifft auch ihn aufs innigste. Auch die heutige Nacht müssen wir uns so vorstellen.
Es wäre schön, wenn in einer Nacht wie heute, wir eine lebendigere und konkretere Vorstellung von der Geburt Mariens haben würden. Welche Ähnlichkeit gibt es zwischen der einen und der anderen Nacht? Wenn wir über Weihnachten von unserem Herrn sprechen, erinnern wir uns an den Sonnenaufgang. Aber wenn Unser Herr die Sonne ist, wird Unsere Liebe Frau oft mit dem Mond verglichen.
Und wie schön ist es, das aufsteigende Licht zu sehen! Der Mondaufgang hat nicht die Herrlichkeit des Sonnenaufgangs, er ist auch nicht der Sonnenaufgang; doch welche Ähnlichkeit hat er mit dem Sonnenaufgang. Wie ist er gutartig, wie erfreut er, wie er anregt, wie tröstet er. Das könnte uns die Vorstellung geben, was dieses gesegnete Weihnachten der Gottesmutter war. Und da wir Kinder der Gottesmutter sind, nicht durch Verdienst, sondern durch ihren Willen und Gnade, können wir bitten, dass sie uns heute Abend eine besondere Gnade gibt.
Ich habe schon des Öfteren erwähnt, dass es in privaten Offenbarungen vieler Heiligen heißt, dass die Muttergottes an ihren besonderen Festen zum Fegefeuer herabkommt und eine große Anzahl von Gnaden verleiht und eine riesige Anzahl von Seelen in den Himmel führt und andererseits die Situation vieler Seelen, die sie nicht zum Himmel führt, verbessert.
Das gibt uns eine kleine Vorstellung davon, was sie in der streitenden Kirche tut. Ihre Gnade kommt auf uns herab und erwirkt uns eine Menge Gefälligkeiten. Es ist angebracht Unserer Lieben Frau um ein Gefallen zu bitten.
Was sollten wir bitten? Sammeln wir uns ein wenig, konzentrieren wir uns, um irgendeine Gnade zu bitten.
Aber ich schlage vor, dass wir besonders um diese Gnade bitten: dass Unsere Liebe Frau mit einem jeden von uns einen besonderen Bund eingehe, so wie eine Bindung einer besonderen Zugehörigkeit in unserer Beziehung zu ihr zu bilden, so dass sie uns unter ihrem privaten Schutz nimmt und dass unter diesem Titel, sie uns von der Wunde heile, von der sie meint, wir uns besonders heilen sollten. Manchmal ist es nicht ganz das, was wir uns vorstellen, aber etwas anderes. Es sei etwas, was am dringendsten in unserer Seele geheilt werden muss. Das möge sie uns an dieser ihrer Weihnachtsnacht geben.

(1) Zum Thema der Anwendung der Taktiken RGR im ideologischen Kampf gegen die Revolution schlagen wir vor, den dritten Teil des Buches „Revolution und Gegenrevolution“ von demselben Autor zu lesen: „Teil III - Revolution und Gegenrevolution zwanzig Jahre später“.
(2) Für Prof. Plínio Corrêa de Oliveira, ist Revolution der schon vier Jahrhunderte andauernde Prozess, der die christliche Kultur und Zivilisation verheerend zersetzt hat. Und die Gegenrevolution besteht in der Bewegung derjenigen, die sich diesem Prozess entgegensetzt. Siehe den Aufsatz „Revolution und Gegenrevolution“ von demselben Autor.

Plinio Correa de Oliveira, Gespräch am Samstagabend, am 8. September 1963

Freie Übersetzung aus dem Portugiesischen. Der Originaltext ist die Abschrift einer Aufzeichnung, wurde vom Urheber nicht revidiert.

Dienstag, 29. August 2017

Eine Lehre aus dem Wirken des hl. Augustinus


Ich möchte gerne noch etwas schönes über den hl. Augustinus darlegen. Es ist folgendes: Der Geist, mit dem dieser Mann seine Werke schrieb. Er schrieb seine Bücher, als das weströmische Reich bereits zusammenbrach und alles so aussah, dass mit dem Ansturm der Barbaren die katholische Religion komplett dahingefegt würde. Er war Bischof von Hippo im Norden Afrikas. Diese Region wurde dermaßen zerstört, dass bis heute der Katholizismus sich nicht wieder von den damaligen Verwüstungen erholt hat. Trotzdem schrieb er seine Werke in aller Ruhe für eine Zukunft, die er selbst nicht ausmachen konnte.
Als er im Sterben lag, brachen die Barbaren in Hippo ein. Übrigens gaben sie seinem Leichnam noch eine besondere Ehrerweisung.
Die damalige Welt brach zusammen und es kam das Mittelalter. Seine Werke inspirierten die mittelalterliche Vorstellung des Staates, des Reiches und der Kirche. Er wurde zu einem allgemeinen Lehrer des Mittelalters.

Was war dafür notwendig gewesen? Der Glaube an Gott. Gott will, dass er schreibt und er schreibt umfangreiche Werke, sicher nicht für die Barbaren, die Hippo belagerten, sondern für dann, wann es Gott gefällt. Er hat das Werk vollendet ohne zu wissen, wann es jemals gelehrt würde.

Und als Gott Jahrhunderte später das Mittelalter einleitete, war es wie eine Lilie, die aus dieser Wurzel, die Werke des Augustinus, hervorging, insbesondere „Die Stadt Gottes“. Dies ist für uns, die wir in einem neuen Zeitalter von Barbaren leben – nicht aber von Barbaren, die mit Keulen und Lanzen daherreiten, sondern mit Atombomben - , eine hoffnungsvolle Meditation. Vollbringen wir unser Werk mit Vertrauen, mit Gewissheit und Glauben, und es wird irgendwann von Nutzen sein. Nie darf uns der Gedanke kommen, dass das, was wir tun können, nicht von äußerster Nützlichkeit sei. Wenn nicht für heute, dann für eine Zukunft, die in den Plänen Gottes steht.


Montag, 28. August 2017

Der hl. Augustinus (28. Ausgust)



Eine Lektüre, die ich jedem empfehlen kann, sind die „Bekenntnisse“ des hl. Augustinus (354-430). Es ist eine Lektüre, die in ihren strikten biographischen Aspekten, unter allen Gesichtspunkten, etwas wunderbares ist.
Es ist vor allem eine Erbauungslektüre: die Psychologie der Bekehrung, wenn er beschreibt, wie er selbst sich bekehrte, alle seine Sünden, alle Irrtümer, alle Abgründe, in denen er gefallen ist, der Hochmut, der sich zerbrach, nachdem er gesehen hatte, zu was er alles fähig war; sein erster Kontakt mit dem hl. Ambrosius (340-430), Bischof von Mailand, die ersten Prinzipien, die ersten Lichter der Idee einer Religion, die allmählich durch die Anwesenheit des hl. Ambrosius in seine Gedanken eindrangen, als er noch nicht katholisch war.

Er hatte eine so große Begeisterung für den hl. Ambrosius, dass er ihn in seinem Haus aufsuchte, um sich mit ihm zu unterhalten. Doch Ambrosius, der die modernen Techniken des Apostolats nich kannte, trotzdem ein großer Apostel war, lies dem Augustinus sagen, dass er keine Zeit für ihn hatte, da er wichtiges zu schreiben hatte, und fuhr mit seinem Schreiben fort. Augustinus setzte sich in der Nähe und schaute dem großen Schreiber mit Begeisterung zu.
Ambrosius wusste, dass er durch das Apostolat der Anwesenheit viel mehr erreichen würde als durch das Apostolat des Wortes. Dem einen schrieb er, dem anderen erstrahlte er; bekehrte diejenigen, denen er schrieb und bekehrte den, dem er erlaubte ihm zuzuschauen. Wie gerne würde ich diese Szene durch eine Luke betrachten! Ambrosius, der große Kirchenlehrer, in einem Follianten schreibend, mit dem Antlitz eines ehwürdigen Alten, gelassen, erleuchtet durch die Gnade Gottes, weise, in sich gekehrt, erhaben in seinen Urteilen, ab und zu das Schreiben unterbrechend, um ein Stoßgebet zu verrichten, etwas nachdenklich bevor er eine Schlussfolgerung formuliert, und vor ihm Augustinus, der in seinem Gesicht noch die krampfartigen Züge einer Krise, die er gerade durchmachte. Doch Gottes Gnade wirkte in Augustinus und bearbeitete sein Inneres durch der Bewunderung des hl. Ambrosius.
Dann die bekannte Bekehrung des Augustinus, in der die Kirchenmusik eine große Rolle gespielt hat. Er erzählt, dass, wenn er in eine Kirche ging und dort die sakrale Musik hörte, das Singen der Psalmen, er eine Gewalt, das Tosen seiner Reue und den Ruhm Gottes verspührte, das fast einer Verzückung gleichkam.
Und dann beschreibt er die bekannte Gewissenskrise und die Szene seiner Bekehrung. Er hört eine Stimme, die ihm sagt: tolle, lege; nimm und lies! Er nimmt das Buch, das da liegt, es ist die Heilige Schrift. Er liest sie und seine Bekehrung ist beschlossen.
Weiter beschreibt er seine bekannte Unterhaltung mit seiner Mutter, der hl. Monika (331-387) in Ostia. Monika war eine extrem gütige Person, eine Heilige und er, ein sehr schlechter Sohn. Es kam einmal zu einer schmerzlichen Szene. Er wollte nach Rom (er wohnte in Afrika) und seine Mutter wollte mit ihm reisen. Er ist vor seiner Mutter geflüchtet und fuhr allein nach Rom. Sie blieb zurück, betete und weinte viel um die Bekehrung ihres Sohnes. Irgendwann ist sie ihm nachgefahren und besuchte dann den Bischof von Mailand, den hl. Ambrosius, und fragte ihn, ob er meine, dass sich ihr Sohn bekehren würde. Er antwortete: "Frau, ich habe nicht viel Zeit, um mit dir zu sprechen, doch eines will ich dir sagen: Gott kann einem Sohn so vieler Tränen nicht widerstehen." Das heisst, es sollte eine neue Geburt des Sohnes sein, diesmal aber aus tiefer Trauer, Schmerz und Tränen.

Man kann sich ihre Freude vorstellen, als sie, gegen aller Erwartung, sieht, dass sich ihr verlorener Sohn bekehrt. Sie wollen beide nach Afrika zurück, um wieder in Karthago zu wohnen. Sie erreichten die Hafenstadt Ostia, wo sie sich einquartieren. Am Abend, setzen sie sich am Fenster der Herberge und unterhalten sich. Augustinus erzählt, dass sie über den Himmel sprachen. Man kann sich vorstellen, wie dieses Gespräch sich entwickelte, eine heilige Mutter, ein heiliger Sohn. Beide gerieten in einer Art Verzückung. Augustinus erzählt, dass diese Verzückung für ihn ein Licht war, das ihn Mut gab, alle Kämpfe des Lebens zu durchstehen. Für die Mutter, war es ein Vorfreude des Himmels, da sie kurz darauf noch in Ostia gestorben ist. Er wohnt noch dem Begräbnis der Mutter bei und fährt zurück nach Afrika, wo er später (395) Bischof von Hippo wird.
In Hippo schrieb er unter anderem sein bekanntes Buch "Die Stadt Gottes", in dem er sozusagen das Prinzip, die Grundlage der Doktrin von Revolution und Gegenrevolution darstellt. Das Prinzip, welches er dort beschreibt, ist, dass es auf der Welt nur zwei Kräfte gibt, nur zwei vitale Prinzipien, nur zwei aktive Elemente, nur zwei Ordnungen, oder, wie er sagt, nur zwei Staaten (die civitas, die er beschreibt, ist der Staat und nicht die Stadt, wie man gewöhnlich meint): es sind Gott und der Teufel, die sich in einem ewigen, vollständigen und unversöhnlichen Kampf befinden.
Es ist der Gedanke, dass alle Ereignisse in der Welt einzig und allein auf einen Kampf zwischen Gut und Böse zurückgehen, zwischen katholischer Kirche und der Macht der Finsternis, zwischen denen, die in der Kirche das Gute vertreten und der Macht der Finsternis. Dieser Kampf, dieser zwei entgegengesetzten Prinzipien gehe aus zwei Arten der Liebe hervor, und die Opposition dieser zweier Lieben sei die Quelle des gegenseitigen Hasses. Und die Quelle dieser Liebe und des Hasses sei, in der Stadt Gottes, die Liebe Gottes bis hin zum Vergessen seiner selbst, und in der Stadt des Teufels, die Eigenliebe bis hin zur Gottvergessenheit. Das heißt, des Egoismus in der einen und der Suche nach dem Absoluten in der anderen.


Das nur an sich selbst denken, an die eigenen Interessen, an sein Wohlbefinden, an Kleinigkeiten, sich als kleines Zentrum den Universums zu halten, ein Egoismus, der nur auf die eigene Befriedigung eingestellt ist, das ist der Ausgangspunkt der Stadt des Teufels, der bösen Geisteshaltung und alles weitere.
Die Stadt Gottes besteht in nicht an sich denken, sich ausschließlich an die überirdische Realität ausrichten, auf die die Offenbarung uns hinweist. Einen metaphysischen Geist pflegen, einen religiösen Geist, der den höheren Dingen zuwendet und die Seele für die Annahme der unschätzbaren Gabe des katholischen Glaubens vorbereitet. Das heißt, nur für Gott leben.
Diese zwei Prinzipien stehen in einer kompletten Opposition und die Weltgeschichte entwickelt sich im gegenseitigen Kampf dieser beiden Prinzipien.
Jemand könnte einwenden, die sei eine radikale, kompromisslose Auffassung der Realität. Ja, und das ist sie auch. Der hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort sagt, alles was Gott geschaffen hat, ist gut, weil er nicht Falsches tun kann. Nur eine einzige Feindschaft hat er gesetzt und diese ist gut, weil er nur Gutes tun kann: Es ist die Feindschaft zwischen Guten und Bösen, zwischen den Kinder des Lichtes und den Kindern der Finsternis, zwischen der Muttergottes und der Schlange.
Es gibt da etwas sehr schönes über den hl. Augustinus: Der Geist, mit dem er seine Bücher schrieb und füllte. Er schrieb sie zu der Zeit, als das Römische Reich des Westens zusammenfiel. Alles führte dahin anzunehmen, dass mit dem Einfall der Barbaren im Westen die katholische Religion weggefegt würde. Augustinus war Bischof von Hippo im Norden Afrikas. Dort haben die Barbaren dermaßen gewütet, dass der Katholizismus bis heute nicht wieder etablieren konnte. Trotzdem schrieb er seine Bücher in aller Ruhe, für eine Zukunft, die er nicht kannte.

Als er starb, waren die Horden in die Stadt eingedrungen. So berühmt war Augustinus, dass die Eindringlinge seinem Leichnam noch die letzte Ehre erwiesen. Die Welt zerbrach und es kam das Mittealter. Seine Werke waren die Grundlage für die mittelalterliche Auffassung des Staates, des Reiches und der Kirche. Er ist ein Kirchenlehrer des Mittelalters.
Man sieht, was notwendig war an Gottesglauben und Gottvertrauen. Gott will, dass er schreibt und er schreibt ein umfangreiches Werk, nicht für die Vandalen, die Hippo erstürmten, sondern für wann es Gott will. Seine Werke liegen da, fertig.
Und als es Gott gefiel, Jahrhunderte nach seinem Tod, kam das Mittelalter, wie eine Lilien erwachsen aus dieser Wurzel, insbesondere "die Stadt Gottes". Dies soll für uns eine Ermutigung sein. Vollbringen wir mit Vertrauen und festem Glauben unser Werk, denn es wird für irgendwann nützlich sein. Niemals dürfen wir meinen, dass das, was wir tun, nicht von einer großen Nützlichkeit sei.

(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, gehalten am 28. August ?. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)