Donnerstag, 14. September 2017

Zum Fest der Kreuzerhöhung

  

* Die Bedeutung des Festes der Erhöhung des Heiligen Kreuzes
Heute ist das Fest der Erhöhung des Allerheiligsten Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus.
Die allgemeinen Kommentare über das Fest der Heiligkreuz Erhöhung behandeln auf sehr würdiger Weise das heilige Kreuz. Dem gegenüber werde ich eher von der Kreuzerhöhung sprechen und nicht vom Kreuz an sich, um die Bedeutung dieses Festes hervorzuheben.
Wie wir wissen, war das Kreuz ein Folterinstrument, das in der ganzen Antike verwendet wurde. Es bedeutet für jeden, der gekreuzigt wurde, eine Schande; es war eine Schande für den Verurteilten und es war eine Schande für seine Familie.
Der hl. Paulus beschwerte sich, dass er bei seinem Martyrium nicht gekreuzigt werden oder einer anderen Art des Todes leiden, sondern weil er enthauptet werden sollte. Er war nämlich ein römischer Bürger, und ein römischer Bürger wurde niemals gekreuzigt, er hatte die Ehren eines römischen Bürgers.
* Das Kreuz war nicht nur eine Demütigung, sondern es war der Höhepunkt aller Demütigungen, die unser Herr erlitt
Unser Herr Jesus Christus wurde gekreuzigt, er wurde einer ungeheuren Demütigung ausgesetzt. Diese Demütigung bedeutete, dass er wie ein Verbrecher, wie ein Dieb sterben müsse, auf der gleichen Art wie die beiden anderen Verbrecher, die mit ihm gekreuzigt wurden.
In diesem Sinne war das Kreuz nicht nur eine Demütigung, sondern es war der Höhepunkt aller anderen Demütigungen, die er während seiner irdischen Existenz erlitt.
Unser Herr erlitt schon während seines irdischen Lebens Demütigungen aller Art. Diese Demütigungen, die einem wachsenden Hass entsprachen, führten zur größten aller möglichen Demütigungen, zum Opfer am Kreuz. Dieses Vorhaben, Unseren Herrn einem moralischen Martyrium zu unterwerfen, das ihn während seines ganzen öffentlichen Lebens demütigte, ist sehr offensichtlich.
Wir beobachten während der ganzen Passion den Wunsch, unseren Herrn zu demütigen. So z. B. die Dornenkrone, der Mantel eines Narren und ein Schilfrohr in der Hand als Zepter und die Folterknechte, die ihn schlugen usw., drückten den Wunsch aus, ihn in seiner Allerheiligsten Seele zu quälen und nicht nur an seinem Heiligen Körper.
So bedeutet das Kreuz Unseres Herrn alle Demütigungen, die er während seines Lebens erlitten hat. Und es ist der Beginn aller Demütigungen, die bis zum Ende der Welt alle Katholiken leiden würden, weil sie Unserem Herrn Jesus Christus gefolgt sind.
Denn die Bosheit entwaffnet nicht. Sie zielt immer darauf ab, zu demütigen, sie zielt immer darauf ab, die Moral zu brechen. Es ist keiner hier unter uns, der nicht gedemütigt worden ist wegen seiner Treue zu unserem Herrn Jesus Christus. Es ist eine Ehre für uns, es ist genau eine der Seligpreisungen, wegen der Liebe zu Jesus Christus verfolgt zu werden.
Wir alle leiden diese Demütigungen, und wir werden bis ans Ende der Welt leiden, gerade wegen der fortwährenden Beleidigungen der Bösen gegen Gott.
* Die Katholiken übernahmen das Kreuz als Zeichen der Ehre, um die Ehre Unseres Herrn Jesus Christus wieder herzustellen
Kaiserkrone Brasiliens
Aber parallel dazu wird die Ehre Gottes, die Ehre Unseres Herrn Jesus Christus, von der Kirche beansprucht. Und darum nahmen die Katholiken das Kreuz als Zeichen der Ehre, als das, was es am allerheiligsten gibt, als das Symbol von allem, was es am allerheiligsten gibt. Und hier sehen wir drei charakteristische Ausdrucksformen für die Zeiten des Glaubens: das Kreuz, das auf den Kronen steht; das Kreuz als ein heraldisches Zeichen der edelsten Verdienste der Familien der hohen Aristokratie; das Kreuz angebracht auf hohe Ordensabzeichen.
All dies zeigt, dass der Katholik, das Kreuz in Anbetracht dieser Demütigung erhöhen möchte, um diese Demütigung zu widerrufen und mit ritterlichem Stolz, mit übernatürlichem Stolz zu kämpfen, um das Heilige Kreuz zu erhöhen..
Was bedeutet das?
Vor allem ist es, das Kreuz Unseres Herrn Jesus Christus auf sich zu nehmen und es verherrlichen.
Die Erscheinung des Kreuzes an Konstantin auf der Milvia Brücke mit dem Hinweis: „In diesem Zeichen wirst du siegen!“, bedeutete das. Das Kreuz stieg am Himmel auf und würde für immer am Horizont der Welt sein, um die Bösen zu demütigen, um die Teufel zu demütigen.
Und das Kreuz würde wiederum das Zeichen unserer Ehre sein, wie auch unsere Kreuze ein Zeichen unserer Ehre sein würden. Unsere Ehre besteht nicht darin, nicht gedemütigt zu werden, sondern die Demütigung mit Stolz zu ertragen.
Mehr noch, die Demütigung mit einem Geist der Herausforderung entgegenzutreten. Denen, die uns demütigen, treten wir wie Ritter entgegen und verkündigen mit noch größerem Stolz das Kreuz Unseres Herrn Jesus Christus.
* Erhöhung ist die stolze Verkündigung der Herrlichkeit des Kreuzes
Diese Idee der Erhöhung ist genau das: es ist die Verkündigung der Herrlichkeit des Kreuzes mit einem Stolz, die die Demütigungen des Gegners gegen Christus zermalmt
Daher das lateinische Wort „Exaltatione“, nach oben heben, Erhöhung. Das heißt, das zu erhöhen, was gedemütigt wurde, was herabgesetzt wurde. Dies ist die Verherrlichung des Kreuzes Unseres Herrn Jesus Christus.
Das ist genau das, was dem „Frömmler“ fehlt. Wenn der „Frömler“ irgendeine Demütigung bemerkt, macht ein faules Gesicht, sabbert und flieht. Er füllt mit Schande die Sache, die er verteidigen sollte.
Unsere Sache (Anliegen) muss mit dem Geist des Rittertums verteidigt werden, und wenn also jemand das Kreuz vor uns beleidigt, müssen wir mit vier Steinen in der Hand antworten. Aber nicht, wie man die eigene Ehre verteidigt, weil unsere Ehre ist sehr unbedeutend, sondern wie man die die Ehre Unseres Herrn Jesus Christus verteidigt, die Ehre der Gottesmutter.
Wir müssen also den Sinn haben, für eine ständige Erhöhung des Kreuzes, eine Art Ritter- oder Kriegergeist, der für die Herrlichkeit des Kreuzes ständig kämpft. Dies ist die Gnade, um die wir am Fest der Erhöhung des Heiligen Kreuzes bitten sollten.

Plinio Correa de Oliveira, Vortrag “Heiliger des Tages” am 14. September 1965.


Freie Übersetzung aus dem Portugiesischen. Der Originaltext ist die Abschrift einer Aufzeichnung, wurde vom Urheber nicht revidiert.

Mittwoch, 13. September 2017

Fatima in einer Gesamrübersicht


Plinio Correa de Oliveira

Vielleicht mögen den Lesern einige kurze Erwägungen über die vielfachen Aspekte von Nutzen sein, die in den so wichtigen Offenbarungen der Heiligen Jungfrau Maria in Fatima enthalten sind.
Um all die Visionen und Mitteilungen zu verstehen, die Lucia, Francisco und Jacinta 1917 zuteil wurden, muss man vor allem die katholische Lehre über die Gemeinschaft der Heiligen vor Augen haben.
Die Fürbitten und Verdienste eines Menschen können anderen zugute kommen. So können natürlich die von den drei Kindern dargebrachten Gebete und Opfer, verbunden mit der Hingabe des eigenen Lebens, vor allem nachdem sie durch die Erscheinungen der Königin aller Heiligen so reich begnadet worden waren, einer großen Anzahl von Seelen und sogar ganzen Völkern zum Vorteil gereichen. Aus diesem Grund bat unsere Liebe Frau die drei Kinder um ihre Gebete und Opfer. Jacinta und Francisco bat sie außerdem um das Opfer des eigenen Lebens als Sühne für die Sünden der Menschen. Lucia dagegen bat sie, weiter auf dieser Welt zu bleiben und eine Mission zu erfüllen, von der später noch die Rede sein wird.
Eine weitere Voraussetzung für das Verständnis der Ereignisse von Fatima ist die universale Mittlerrolle der Gottesmutter. Sie wirkt in allen als die höchste und nach dem freien Entschluss Gottes notwendige Mittlerin zwischen dem beleidigten Erlöser und der sündigen Menschheit. Da sie als Mittlerin immer wieder erhört wird, übt sie auch einen entscheidenden Einfluss auf die Ereignisse aus. Und als königliche Mittlerin wird sie letztendlich mit dem Sieg ihres mütterlichen Herzens glorifiziert werden. Einen deutlicheren Ausdruck für Gottes eigenen Sieg kann es nicht geben.
Indem sie sich an die drei Hirtenkinder wandte, wollte Unsere Liebe Frau zu der ganzen Welt sprechen und alle Menschen zum Gebet, zur Buße und zum Umdenken aufrufen. In besonderer Weise richtete sie sich an den Papst und damit an die heilige Hierarchie, denn er sollte Russland ihrem allerreinsten Herzen weihen.
Diese Bitten der Gottesmutter sind angesichts der religiösen Lage gut zu verstehen, in der sich die Welt zur Zeit der Erscheinungen, das heißt 1917, befand. Unsere Liebe Frau wies darauf hin, dass es sich um eine höchst unheilvolle Lage handelte. Gottlosigkeit und Unreinheit hatten auf Erden dermaßen überhandgenommen, dass es zu einer wahren Hekatombe, den Zweiten Weltkrieg, kommen musste, um die Menschen wieder zusammenzuführen. Die Auseinandersetzung (der 1. Weltkrieg) sollte bald ein Ende nehmen und den Sündern wäre Zeit gegeben, sich auf den Appell von Fatima hin zu bekehren. Würde dem Appell Gehör geschenkt, hätte die Menschheit Frieden. Würde er aber nicht gehört, käme ein weiterer, noch viel schlimmerer Krieg. Und sollte sich die Welt auch dann noch der Stimme ihrer Königin gegenüber taub verhalten, käme es zu einer ganz außergewöhnlichen Hekatombe ideologischen Ursprungs und universellen Ausmaßes, die zu schwerer religiöser Verfolgung führen und alle Menschen in Mitleidenschaft ziehen würde. Dem Papst selbst stünden große Prüfungen bevor: „Russland wird seine Irrtümer über die Welt verbreiten, Kriege hervorrufen und die Kirche verfolgen … der Heilige Vater wird viel zu leiden haben.“
Wenn dann nach einer ganzen Kette von Kalamitäten der harte Widerstand der heutigen Menschheit endlich gebrochen ist, soll es zu einer Bekehrung der Seelen in großen Umfang kommen. Es wird dies insbesondere ein Sieg des Unbefleckten Herzens Mariens sein: „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren ...“ Es wird die Herrschaft Mariens über die Menschen sein …
Um die Menschheit mit Nachdruck zur Aufnahme der Botschaft zu bewegen, hat Unsere Liebe Frau ihren drei Vertrauten die verurteilten Seelen in der Hölle gezeigt. Sie haben uns dieses Bild voller Tragik auf so bewundernswerte Weise beschrieben, dass es geeignet ist, selbst verhärtete Sünder auf dem Weg der Tugend zurückzuführen. Die düstere Vision der Hölle macht deutlich, wie sehr sich die im Irrtum befinden, die da meinen, die Betrachtung der ewigen Qualen sei für die Menschen unseres Jahrhunderts unangebracht.
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Um die Wirklichkeit der Erscheinungen und damit auch die Echtheit der Botschaft zu bekräftigen, hat die Heilige Jungfrau drei Arten von Ereignissen veranlasst:
a) Anwesenheit einer großen Anzahl von Zuschauern während ihrer Gespräche mit den Seherkindern. Wenngleich auch nur diese die unmittelbaren Empfänger der Botschaft waren, konnten die Umstehenden mit der gewöhnlichen psychologischen Einsicht feststellen, dass die drei Kinder weder logen noch Opfer einer Illusion waren, wenn sie behaupteten, Kontakt zur Muttergottes zu haben, sondern dass sie tatsächlich ein für die anderen unsichtbares Wesen sahen und mit ihm sprachen.
b) Das Wunder der Farbenspiele und der Bewegungen der Sonne (am 13. Oktober 1917), das weit über die Stelle der Erscheinungen hinaus sichtbar war und daher nicht als kollektive Suggestion abgetan werden kann (wie sollte dies auch möglich sein, wenn man bedenkt, dass sich 50 bis 70 Tausend Menschen bei der Mulde von Iria aufhielten).
c) Die Ankündigung, dass bald nach den Erscheinungen von Fatima der Erste Weltkrieg zu Ende gehen würde, ist in Erfüllung gegangen. Ebenso hat sich die Voraussage erfüllt, dass ein weiterer Weltkrieg ausbrechen würde, falls sich die Menschheit nicht bekehren würde. Es ist allgemein bekannt, dass am Himmel über Europa vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ein außerordentliches Licht zu sehen war. Unsere Liebe Frau hatte den Seherkindern angekündigt, dass dies das Zeichen der bevorstehenden Strafe sein würde. Und tatsächlich traf die Strafe kurz darauf ein.
d) Die vorhergesehene höchste Strafe, nämlich die Verbreitung des Kommunismus, begann sich kurz nach den Erscheinungen zu bewahrheiten. Es ist zu beachten, dass die Heilige Jungfrau zwar angekündigt hatte, dass „Russland seine Irrtümer über die ganze Welt verbreiten wird“, dass aber zum Zeitpunkt der Voraussage – 13. Juli 1917 – diese Aussage mehr oder wenig unverständlich klingen musste. Denn das Zarentum war gerade erst dem bürgerlichen Regime Kerenskys gewichen, und niemand konnte wissen, was unter diesen russischen Irrtümern zu verstehen war. Natürlich handelte es sich nicht um die Verbreitung der mumienhaften griechisch-schismatischen Kirche, der jede Kraft zur Ausbreitung fehlte. Somit war also die Marxistische Machtergreifung im November 1917 im unglücklichen Russland bereits eine erste, vielsagende Bestätigung der Prophezeiung.
Danach begann die russische Kommunistische Partei, ihre Irrtümer weltweit zu verbreiten, es kam also zu einer weiteren Übereinstimmung zwischen dem, was die Heilige Jungfrau angekündigt hatte, und den tatsächlichen Ereignissen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sollte die Verbreitung des Kommunismus dann noch größere Ausmaße annehmen, denn unter Anwendung von List und Gewalt wurden zahlreiche Völker unter sowjetische Herrschaft gebracht. Die Sowjetunion wurde zu einer weltweiten Gefahr.
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Angesichts dieser Behauptungen apokalyptischen Ausmaßes ist eine erklärende Anmerkung nötig.
Die Menschen in der heutigen Welt teilen sich immer mehr in zwei Tendenzen auf. Die eine sieht die Menschheit als Opfer eines Bündels von Irrtümern und Bösem, die auf religiöser und kultureller Ebene ihr Wirken mit dem Humanismus, Renaissance und protestantischer Reformation begonnen haben. Diese Irrtümer verschlimmerten sich mit der Aufklärung und dem Rationalismus und erreichten ihren Höhepunkt auf politischer Ebene mit der Französischen Revolution. Von der politischen Ebene griffen sie im 19. Jhdt. über auf den sozialen und wirtschaftlichen Bereich durch den utopischen Sozialismus und den sog. wissenschaftlichen Sozialismus. Mit der Einführung des Kommunismus in Russland begann für dieses Sammelsurium von Irrtümern eine anfängliche aber massive Verlagerung auf die konkrete Ordnung der Fakten, woraus der Moloch des kommunistischen Imperiums entstand, der sich vom Herzen Deutschlands bis zum Vietnam erstreckt, und dessen Einheit unbestreitbar ist (die Einteilung in „russischer Prägung“ und „chinesischer Prägung“ ist nichts anderes als ein propagandistischer Bluff).
Zugleich, und vor allem nach dem „Großen Krieg“ (1914-1918) verfiel die Sittlichkeit im Westen mit erstaunlicher Geschwindigkeit, so dass er zur Kapitulation vor dem Kommunismus vorbereitet wurde; ist doch der Kommunismus der kühnste institutionelle und ideologische Ausdruck der Amoral und der Unsittlichkeit.
Die historische Auffassung des hier Beschriebenen befindet sich ausgelegt im Artikel „Der Kreuzzug des 20 Jahrhunderts“ im Heft Nr. 1 dieser Zeitung. Eine erweiterte Fassung versuchten wir in „Revolution und Gegenrevolution“ zu geben, die „Catolicismo“ in der Ausgabe Nr. 100 veröffentlichte.
Auf Anregung von Bischof Antonio de Castro Mayer und Erzbischof Geraldo de Proença Sigaud wurde diese Auffassung ebenfalls mit großer Klarheit in einem historischen Dokument veröffentlicht in dem 200 Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils um die Verurteilung des Kommunismus baten. Für unzählige Seelen aller Stände, Lebensbedingungen und Nationen, die diese Auffassung teilen, ist der Zusammenhang der Botschaft von Fatima mit der katholischen Lehre und der Wirklichkeit der Fakten von außerordentlicher Tragweite.
Es gibt auch eine andere Tendenz, für die die Probleme der heutigen Welt mit Bosheit (im Sinn einer schuldhaften Abweichung der Intelligenz vom Guten) und Unmoral wenig oder gar nichts zu tun haben. Diese kämen nur von unfreiwilligen Fehlern, die durch eine gute Verbreitung der Lehre und objektive Erkenntnis der Wirklichkeit behoben werden können. Diese Missverständnisse haben zudem ihre Ursache in wirtschaftlichen Entbehrungen. Kinder des Hungers, werden sie sterben, wenn es auf der Welt kein Hunger mehr gibt. Vorher werden sie nicht sterben. Die Krise der Menschheit würde mit Hilfe von Wissenschaft und Technologie überwunden werden.
Nicht nur das. Wenn es zur Erklärung der Katastrophen und Gefahren, mit denen wir zu kämpfen haben, der Faktor Schuld nicht vorhanden ist, ist der Begriff einer universellen Strafe unverständlich. Umso mehr da für Menschen dieser Tendenz der Kommunismus von Natur aus nicht schlecht ist, und es sei möglich sich ihm anzupassen, um lästige Verfolgungen zu vermeiden.
Natürlich kann durch die zusammengefasste Beschreibung dieser beiden Tendenzen das Thema nur schematisch behandelt werden. Zwischen der einen und der anderen gibt es viele verschiedenartige Bereiche. Leider würde aber eine ausführlichere Beschreibung hier den Rahmen sprängen. In dem Maße, wie sich irgendeine der Zwischentendenzen dem einen oder anderen Pol nähert, wird ihr die Botschaft von Fatima verständlicher oder unverständlicher. Fatima ist also in diesem Sinne eine echte Wasserscheide der gegenwärtigen Mentalitäten.
Wie auch immer, mit Ausnahme des noch geheim gehaltenen Teils, sind die Bitten, die Ermahnungen, die Prophezeiungen (alle selbstverständlich in der Eigenschaft von Privatoffenbarungen) der Mulde von Iria der Welt bekannt und in breitem Umfang bestätigt. Den Skeptikern sagen wir: „Qui vivra verra ...“ (Wer dann noch lebt, wird sehen).
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Werden die in Fatima vorhergesagten und bis jetzt noch nicht eingetroffenen Ereignisse noch geschehen? Dies ist die Frage, die die Menschheit sich heute stellt. Im Prinzip gibt es keinen Zweifel. Denn die Tatsache, dass ein Teil der Prophezeiungen bereits mit erstaunlicher Präzision Wirklichkeit geworden ist, beweist ihren übernatürlichen Charakter. Und so gibt es keinen Zweifel, dass die himmlische Botschaft sich bis zum Ende erfüllen wird.
Es könnte aber jemand einwenden, die Prophezeiungen vom 13. Juli 1917 haben ja nur einen bedingten Charakter. Sie würden stattfinden, wenn der Papst, und in Vereinigung mit ihm, die Bischöfe der Welt die Weihe Russlands und der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens nicht vollziehen würden. Doch Pius XII. vollzog die Weihe der Welt (1942) und besonders Russlands (1952). So ist zu erwarten, dass die von der Muttergottes vom Rosenkranz vorgesehenen Strafen nicht eintreffen werden. . .
Diesem Einwand können zwei Antworten gegeben werden:
Zunächst, nach den Worten Unseres Herrn an Schwester Lucia im Jahr 1943, die sie dem Titularbischof von Gurza in einem Brief mitteilte, erfüllte die von Pius XII. gemachte Weihe der Welt nicht alle von der Gottesmutter gewollten Voraussetzungen, obwohl sie Gottes Wohlwollen erreicht hätte. Als Ergebnis scheint es fraglich, ob diese Weihe die vorhergesehenen Katastrophen abwenden kann. Diesen Worten Unseres Herrn an Schwester Lucia sollte man alle Glaubwürdigkeit schenken. Da sie in diesem Leben mit einer Mission bezüglich der Botschaft von Fatima blieb, ist es normal, dass sie vom Himmel Kommunikationen dieser Art erhält, die geeignet sind, die Welt über die Auslegung der Botschaft zu belehren, sowie auf die Beziehungen der Botschaft mit dem Lauf der Ereignisse dieser Welt hinzuweisen. Und aus diesem Grunde ist es auch normal, dass Jesus und seine Mutter der treuen und von den heiligsten Herzen so geliebte Ordensfrau jede Unterstützung erweisen, damit sie diese Mission durchführt, ohne in Irrtum zu fallen oder die Menschheit in Irrtum zu führen.
Zweitens muss beachtet, dass in der Cova da Iria, Unsere Liebe Frau zwei Bedingungen stellte, die beide für die Abwendung der von ihr angedrohten Strafe unverzichtbar sind.
Eine dieser Bedingungen war die Weihe. Nehmen wir an, sie wurde so durchgeführt wie von der Seligen Jungfrau gefordert. Es bleibt die zweite Bedingung: die Verbreitung der Übung der Sühnekommunion an fünf ersten Samstage. Es scheint klar, dass sich diese Andacht in der katholischen Welt bis heute nicht in dem Maße verbreitet hat, wie von der Muttergottes erwünscht.
Und es gibt noch eine weitere Bedingung, die in der Botschaft angedeutet ist, aber auch sie unverzichtbar: Es ist der Sieg der Welt über die tausend Arten von Bosheit und Unreinheit, die sie beherrschen. Alles zeigt an, dass dieser Sieg nicht erreicht wurde, im Gegenteil, wir nähern uns immer mehr zum Paroxysmus in dieser Angelegenheit. So wird ein Kurswechsel der Menschheit immer unwahrscheinlicher. Und in dem Maße, in dem wir in Richtung dieses Paroxysmus wandeln, wird es immer wahrscheinlicher, dass wir uns der Verwirklichung der Strafe hin bewegen...
Hier trifft es sich, eine Anmerkung zu machen: Wenn man die Botschaft von Fatima nicht so sieht, wäre sie absurd. Denn wenn die Muttergottes 1917 behauptet hat, die Sünden der Welt hätten ein solches Ausmaß erreicht, dass sie um die Strafe Gottes riefen, wäre es unlogisch anzunehmen, dass die Strafe nicht antreten würde, wenn diese Sünden doch bis heute immer weiter wachsen und die Welt sich hartnäckig bis zum Ende weigert, das zu hören, was ihr in Fatima gesagt wurde. Es wäre das gleiche, wenn Ninive keine Buße getan hätte, und die Drohungen des Propheten sich nicht erfüllt hätten.
Außerdem würde die von Unserer Lieben Frau gebetene Weihe selbst, nicht die Wirkung haben, die Strafe abzuwenden, wenn die Menschheit sich weiterhin an Bosheit und Sünde festhalten würde. Solange dies besteht, würde die Weihe unvollständig und ohne wirklichen Inhalt sein.
Kurz gesagt, solang sich nicht die in der Cova da Iria geforderte geistliche Wandlung in der Welt vollzieht, werden wir weiter dem Abgrund näherkommen. Und wenn wir so weitermachen, wird die Umwandlung immer unwahrscheinlicher.
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Hier fügt sicht das berühmte Thema des nicht veröffentlichten Teils des Geheimnisses von Fatima ein. Enthält es Worte der Vergebung und des Frieden, die uns eine unbegrenzte Straflosigkeit für dieses unbegrenzte Wachstum der Bosheit und der Unreinheit erwarten lassen? Dazu müssen wir von vornherein sagen, dass wir nicht sehen können, was in solchem Gedanken etwas frommes sein kann. In ähnlichen Situationen — einer tauben und bis zum Ende widerspenstigen Welt — zogen die heiligen Seelen des Alten und Neuen Testaments immer die Barmherzigkeit der Gerechtigkeit vor, die Vergebung der Strafe. Sie zogen aber immer die Strafe vor, gegenüber dem Schauspiel der siegreichen Gottlosigkeit, die da straflos auf unbestimmte Zeit die Majestät Gottes verspottete.
Außerdem scheint es absurd anzunehmen, dass Unsere Liebe Frau eine öffentliche Botschaft gab, in der sie behauptet, dass ohne eine Lebensänderung der Welt eine schreckliche Strafe bevorstehe, und eine private (geheime) Botschaft, in der Sie auf eine oder andere Weise behauptet, für die gleiche Situation das Gegenteil geschehen würde.
Was zählt, ist also beten, leiden und handeln, damit die Menschheit sich bekehre. Und das mit neuem Engagement, denn sonst steht uns die Strafe vor der Tür.
Ein Geheimnis ist ein Geheimnis. Und in guter Logik, kann niemand aus seinem Inhalt etwas folgern, da er es ja gar nicht kennt.
Allerdings ist es nicht unvernünftig, hier eine Vermutung aufzustellen. Der noch nicht veröffentlichte Teil des Geheimnisses enthält wahrscheinlich erschreckende Einzelheiten über die Art und Weise wie sich die in Fatima angekündigten Strafen erfüllen werden. Denn nur so erklärt sich, dass es schwierig erscheint, ihn zu veröffentlichen. Wenn er entspannende Aussichten enthalten würde, wäre er wahrscheinlich schon längst veröffentlicht.
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Es ist gut, dass am Ende dieser Überlegungen, unser Geist sich in der Berücksichtigung der letztendlichen Perspektiven der Botschaft von Fatima aufhält. Über der Trauer und den höchst wahrscheinlichen Strafen hinaus, denen wir entgegengehen, haben wir vor uns, die sakralen Leuchten der Morgenröte des Königreichs Marias: „Am Ende wird mein unbeflecktes Herz triumphieren.“ Es ist eine großartige Aussicht des Universalen Sieges des königlichen und mütterlichen Herzens der Heiligsten Jungfrau. Es ist ein beruhigendes, attraktives und vor allem majestätisches und begeisterndes Versprechen.
Um die Strafe im kleinsten möglichen Maße abzuwenden, um die Bekehrung der Menschen im kleinsten Ausmaß zu erreichen, das in der allgemeinen Ordnung der Gnade noch vor der Strafe möglich ist, um die erhabene Morgendämmerung des Reiches Mariens zu beschleunigen, und um uns zu helfen die Katastrophen, die so ernsthaft uns bedrohen, zu durchschreiten, was können wir tun? Unsere Liebe Frau zeigt es uns: die Ereiferung in der Andacht zu ihr, das Gebet, die Buße.
Um uns zum Gebet zu ermutigen, zeigte sie sich nacheinander mit den entsprechenden Attributen, der Königin des heiligen Rosenkranzes, der Schmerzhaften Mutter und der Muttergottes vom Berge Karmel, um darauf hinzuweisen, wie es ihr wohlgefällt, unter diesen Anrufungen bekannt, geliebt und verehrt zu werden.
Außerdem bestand die Jungfrau von Fatima in ganz besonderer Art und Weise auf die Andacht zu ihrem Unbefleckten Herzen. Sie verwies in ihrer Botschaft sieben Mal auf ihr Herz (und Unser Herr, neun Mal).
So bekommt die theologische Bedeutung der Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens, die übrigens schon sehr oft bestätigt wurde, in Fatima eine kostbare und eindrucksvolle Bestätigung. Auf der anderen Seite, bezeugt das Beharren der Heiligsten Jungfrau die hohe Zweckmäßigkeit dieser Andacht in unserer Zeit.
Wer die Offenbarungen von Fatima ernst nimmt, der sollte die Förderung der Andacht zum Allerreinsten Herzen als eine der höchsten Ziele eines gesunden „aggiornamento“ der marianischen Frömmigkeit hochhalten.
In diesem Sinne, hinterlassen wir hier eine zu Herzen gehende Empfehlung an die Leser von „Catolicismo“. Eine Empfehlung, die nichts anderes ist als ein Echo, des reich an begeisternden Lehren über Fatima Hirtenbriefes, den der berühmte Bischof von Campos, D. ANTONIO DE CASTRO MAYER, seinen Diözesanen gerade geschenkt hat.

Aus der brasilianischen Monatsschrift Catolicismo Nr. 197 – Mai 1967 

Freitag, 8. September 2017

Zum Fest Mariä Geburt 8. September

Es ist eine allgemeine Gewohnheit, den Geburtstag einer Person zu feiern. Der Grund dafür ist, dass der Geburtstag den Augenblick darstellt, in dem die Person in die Szene dieses Lebens eingetreten ist, und der Moment, in dem die Umgebung, in der diese Person zu Leben bestimmt ist, durch die Präsenz eines weiteren Menschen bereichert wird. Im Prinzip ist jede Geburt ein Geschenk, eine Gnade Gottes, eine Bereicherung für die menschliche Gesellschaft, denn jeder Mensch hat einen großen Wert. Wenn er auch in der Erbsünde empfangen wurde, und die menschliche Natur der geistlichen Natur der Engel unterlegen ist, wenn er auch, abgesehen von der Erbsünde, irgendeinen Familienmangel mit sich bringt, ist jeder Mensch ein Geschöpf von großem Wert. Jedes Geschöpf, das auf der Erde erscheint, stellt eine sehr nachvollziehbare Bereicherung für dieses Werk Gottes als Ganzes dar, das die Menschheit ist.
Wenn also der Geburtstag einer Person gefeiert wird, wird sein Eintritt in die Welt gefeiert. Es wird der Eintritt der Person in die Welt-Szene gefeiert, mit allem, was er mit sich gebracht hat, und ihm eigen ist an Urlicht, an Tugenden, die er entfalten muss, an Seelen-Reichtum, und selbst die Erbsünde mit den Mängeln, die der Mensch in sich selbst trägt, als etwas, das er überwinden muss, das er bekämpfen muss, zur Erhöhung der Herrlichkeit zu der er bestimmt ist. All das stellt die Geburt der Person dar zur Bereicherung der Menschheit.
* Ohne Sünde empfangen, ausgestattet mit allen natürlichen Schätzen der Weiblichkeit und voll der Gnaden: Das sind de Eigenschaften der Muttergottes
Unter diesen Bedingungen führt uns das Fest der Geburt der Gottesmutter dazu, zu fragen, welche Bereicherung sie der Menschheit gebracht hat und auf welchen besonderen Titel die Menschheit ihre Geburt feiern soll. Wenn wir uns in diese Perspektive stellen, wissen wir kaum, was wir sagen sollen. Denn in der Ordnung der Natur wurde die Gottesmutter ohne Erbsünde empfangen.
Damit ist sie die einzige auf der Welt seit der Erbsünde, die rein war von jeglichem Makel, sie war eine Lilie unvergleichlicher Schönheit unter den Menschen, etwas, das der ganzen Erde und allen Engelchören Freude machen sollte. Es erschien in dieser Welt der Verbannung inmitten der Menschheit, ein Geschöpf ohne Erbsünde.
Doch außerdem brachte Maria alle natürlichen Schätze die der Weiblichkeit eigen sind mit sich. Gott gab ihr in der Ordnung der Natur die reichste, kostbarste und wertvollste Persönlichkeit, und so war ihre Gegenwart unter den Menschen ein weiterer unermesslicher Schatz. Wenn wir noch alle Schätze der Gnaden hinzufügen, die sie mitbrachte und welche die größten Gnaden waren, die Gott jemandem jemals geschenkt hat und schenken würde, wirklich unermessliche Gnaden, dann verstehen wir, was die Ankunft der Gottesmutter in der Welt darstellt.
Der Sonnenaufgang an jedem Morgen ist eine blasse Wirklichkeit im Vergleich zur Ankunft der Jungfrau in die Welt. Die großartigsten Phänomene der Natur, die etwas Kostbares darstellen, etwas Unschätzbares, sind nichts im Vergleich dazu. Den feierlichsten Einzug eines König oder einer Königin in ihrem Reich, den man sich vorstellen kann, ist nichts im Vergleich dazu.
Die Freude aller Engel des Himmels, die Freude vielleicht vieler gerechter Seelen, die von dieser Tatsache Kenntnis bekommen haben, vielleicht gemischte Gefühle der Freude, die hier und da in den guten Seelen aufkamen, all dies war ein Gruß dem gesegneten Moment, in dem die Gottesmutter auf die Welt kam.
Es gibt eine Klage von Hiob, die ich gerne paraphrasiert zitiere und die mir dafür angemessen erscheint: „Gesegnet der Tag, an dem ich geboren wurde, gesegnet die Sterne, die mich als Kind gesehen haben, gesegnet der Tag, an dem meine Mutter sagte: Ein Mann ist geboren.“ Man könnte auch sagen: „Gesegnet der Tag, an dem die Gottesmutter geboren wurde, gesegnet die Sterne, die über das Kind Maria schimmerten, gesegnet der Augenblick, in dem ihre Eltern wahrgenommen haben, dass das jungfräuliche Geschöpf geboren wurde, das berufen war, Mutter des Erlösers zu sein“!
* Die Geburt der Gottesmutter in einer Welt, die im Heidentum versunken war, und der Auftritt ihres Handelns in unserer Seele in Zeiten der Prüfungen
Die Geburt der Gottesmutter bringt uns einen weiteren Gedanken. Die Welt war im Heidentum versunken. Die Situation der damaligen Welt war ähnlich der heutigen; alle Formen der Laster und des Götzendienstes beherrschten die Welt, der Greuel war selbst in die jüdische Religion eingedrungen, die ja die Vorgängerin der katholischen Religion war; das Böse und der Teufel herrschten vollkommen.
Aber in der Zeit, die Gott in seiner Barmherzigkeit vorherbestimmt hat, zerschlägt Er die Mauer, und die Ordnung des Teufels stürzt ein, wann man es am wenigsten vorstellen konnte. Er veranlasst die Geburt Mariens und mit ihrer Geburt, die die gesegnete Wurzel war, aus der Unser Herr geboren würde, begann das Werk der Niederschlagung des Teufels.
Wie oft geschieht so etwas Ähnliches nicht in unserem geistlichen Leben! Wie oft befinden sich die Seelen von diesem, von jenem oder jenem anderen, in einem Kampf, haben Probleme, winden und wenden sich in Schwierigkeiten! Die arme Seele hat keine Ahnung, wann der gesegnete Tag einer großen Gnade kommen wird, eine große Gunst, die ihre Qualen und Kämpfe beenden, und letztendlich ihnen große Fortschritte im geistlichen Leben bescheren wird.
Hier ergibt sich eine Geburt in einem besonderen Sinn des Wortes: Auswirkungen der Muttergottes in unserer Seele. Und in der Nacht der größten Schwierigkeiten, der größten Dunkelheit, erscheint Sie plötzlich und beginnt, die Schwierigkeiten zu zerbrechen, denen wir gegenüberstanden.
* Sie erscheint wie ein Sonnenaufgang in unserem Leben und beginnt, etwas Neues in unserem geistlichen Leben zu bedeuten, das wir gar nicht kannten
Und da ist noch etwas anderes: Unsere Liebe Frau scheint heutzutage so abwesend zu sein. Die heutige Welt ist der damaligen sehr ähnlich. Wenn wir uns vorstellen, dass jeden Augenblick die Gottesmutter anfangen könnte zu handeln, ihre Tätigkeit beständiger, kontinuierlicher, intensiver auszuüben als bisher, zur Herstellung ihres Königreichs, können außergewöhnliche Wunder beginnen, die uns ihre Gegenwart spüren lassen; da haben wir eine weitere Auswirkung der Jungfrau in der Welt. Und diese Auswirkung kann durch unsere Bewegung zustande kommen, mit allem, was sie an menschlicher Armut und an menschlicher Schwäche vorweist. Aber, wie David, durch Glauben, Hingabe und die Verwendung der Taktiken von RGR (1), wird sie den Riesen der Revolution (2) stürzen und vernichten. Eine solche Aktion wäre eine Auswirkung Unserer Lieben Frau in der Weltgeschichte, ein Ausdruck Ihres Wunsches zu siegen. Die Mauern, die wir gestürzt haben, die Gnaden, für die wir, obwohl unwürdig, Kanäle gewesen sind, sind auch ein Ausdruck des Willens des Unbefleckten Herzens von Maria, um ihr Königreich durch unser Handeln einzurichten.
Das alles muss uns große Freude und Hoffnung geben, mit der Gewissheit, dass die Gottesmutter uns niemals verlassen wird, und dass sie uns auch in schwierigsten Zeiten besucht, ihre Gegenwart sozusagen unter uns ausbricht, alle unsere Probleme löst, unsere Schmerzen heilt, uns den nötigen Kampfesgeist und Mut gibt, um unsere Pflicht bis zum Ende zu erfüllen, egal wie schwer es sein mag.
* Wir müssen die Muttergottes bitten, sie solle in unsere Zeit einbrechen, um unerschütterliche und unerbittliche Kämpfer gegen die Revolution hervorzurufen
Ich sprach vor kurzem mit einem Prälat, der mir folgende These vortrug, zu der er beabsichtigt, Material zu sammeln:
Es gibt historische Elemente, um zu sagen, dass alle großen Seelen, die gegen Irrtümer gekämpft haben, die großen „Hammer der Ketzer“, die durch die Jahrhunderte erschienen, persönlich von der Gottesmutter berufen worden sind.
Das Berufen dieser Seelen ähnelt wirklich an etwas sehr Schönem im Wappen der Priester des Unbefleckten Herzens Mariens: Auf dem Schild das Herz Mariä und darüber der Erzengel Michael und auf einem Band unter dem Wappen der Spruch: „Ihre Söhne (erheben sich und) preisen sie selig.“
Diese Anwesenheit von Kriegern, die mit den Kämpfern des hl. Erzengels Michael, die bewaffnet sich erheben, um den Gegner zu bekämpfen und das Herz Mariens selig zu preisen, ist das nicht auch ein Einbruch der Gottesmutter in der Geschichte?
Ich glaube, dass es so ist. Wir müssen bitten, dass wir diese unerschütterlichen Krieger seien, von einem unerbittlichen Hass gegen den Teufel und seine Anhänger, gegen die Revolution und ihren Werken, die sich wünschen die Revolution zu liquidieren! Von diesem Hass auf die Revolution müssen die Herzen derer voll sein, die Maria wirklich lieben.
Bitten wir der Gottesmutter um diese besondere Gnade: dass wir in der heutigen Welt ein Einbruch von ihr seien, bewaffnet mit dem Geist des Kampfes, mit einem unerbittlichen Geist der Feindseligkeit gegenüber der Revolution, um die Revolution endgültig zu beenden, ihr die schlimmsten Schläge zu geben, sie zu vernichten, sie endgültig zu zerstören, zu demütigen, damit die Herrlichkeit der Kirche endgültig wiederhergestellt wird, die gegenwärtig von ihr (der Revolution) so verunreinigt wird.
Dermaßen, dass wenn wir sterben, man auf das Grab eines jeden von uns diesen Spruch setzen kann: Dies war ein Sohn Mariens, der in der Zeit des Abfalls, der Demütigung und der Schwäche der Heiligen Katholischen, Apostolischen, Römischen Kirche sich erhoben, und Sie selig gepriesen hat.
* Die Gottesmutter war im Besitz der Vernunft seit dem ersten Augenblick ihres Seins und hat von da an schon auf das Schicksal der Menschheit Einfluss genommen
Das Fest der Geburt Mariens steht für sie wie Weihnachten für Unseren Herrn. So wie der Weihnachtstag den gesegneten Moment feiert, in dem unser Herr in die Welt eingetreten ist und begann, einen sichtbaren Teil der menschlichen Gesellschaft zu sein, feiert das Fest der Geburt Mariens den Augenblick, in dem sie in die Welt kam und begann, Teil der menschlichen Gesellschaft zu sein.
Es könnte jemand fragen: „Aber was bedeutet schon für die menschliche Gesellschaft der Eintritt eines Babys in diese Gesellschaft? Ein Kind, das nicht einmal sprechen kann, von der Vernunft keinen Gebrauch machen kann, ein Kind, das schließlich nichts aufwiegt im Gemeinschaftsleben der Menschen...“
Mit Maria gab es das nicht. Da sie ohne Erbsünde empfangen war, war sie im Besitz der Vernunft vom ersten Augenblick ihres Seins; und schon im mütterlichen Schoß dachte sie und hegte sehr hohe und erhabene Gedanken. Sie lebte im Schoß ihrer Mutter, der hl. Anna, wie in einem wahren Tabernakel.
Wir haben eine indirekte Bestätigung darüber, was das Evangelium über Johannes dem Täufer erzählt. Als Johannes der Täufer, der nicht von der Erbsünde befreit war, aber kurz nach der Geburt von ihr befreit wurde, als er die Stimme der Gottesmutter hörte, die die heilige Elisabeth begrüßte, hüpfte er, nach den Worten der hl. Elisabeth zu Maria, vor Freude in ihrem Schoß.
So lebte auch Unsere Liebe Frau im Schoß der hl. Anna und von dort an begann sie für die Menschheit zu beten, begann mit der höchsten Wissenschaft, die sie durch die Gnade Gottes empfangen hatte, begann für das Kommen des Messias zu bitten, begann für die Vertilgung aller Übel in der Menschheit zu bitten, und von diesem Punkt an wuchs sicherlich in ihrem Geist die hohe Absicht, eine Dienerin der Mutter des Erlösers zu werden, der sie dienen und helfen könnte.
In der Tat hat sie auf diese Weise schon begonnen, die Schicksale der Menschheit zu beeinflussen.
Aber es war auch so, dass ihre Anwesenheit auf der Erde schon eine Quelle von Gnaden für all jene war, die sich noch vor ihrer Geburt ihr näherten (wie es bei der Begegnung mit der hl. Elisabeth geschah).
Wenn die Schrift uns sagt, dass vom Gewand Unseres Herrn eine Kraft ausging, so dass diejenigen, die es berührten, eine heilende Kraft verspürten, geschweige denn die Mutter Unseres Herrn, diejenige, die als auserwähltes Gefäß bezeichnet wird.
* Die Gegenwart von Unserer Lieben Frau auf dieser Erde, auch als kleines Mädchen, sogar als Kleinkind, war eine riesige Gnadenquelle
Darum kann man sagen, obwohl sie ein kleines Kind war, dass schon bei ihrer Geburt große Gnaden über die Menschheit zu strahlen begannen; dass dann schon die Vernichtung des Teufels begann, und der Sieg der Gegenrevolution sich schon behauptete, und der Teufel begann zu begreifen, dass etwas an seinem Zepter zerbrochen war und niemals mehr repariert werden könnte.
Man kann also verstehen, dass die Ankunft Mariens auf die Welt eine Gnade für alle Menschen war, und man versteht ebenso die Wichtigkeit des Festes, das wir heute feiern.
* Ähnlich des Mondaufgangs ist die Weihnacht der Muttergottes. In dieser Nacht sollten wir sie um die Gnade bitten, die sie uns vorzugsweise schenken will
Zusammenfassend möchte ich sagen: denken wir an eine Weihnachtsnacht. 1963 Jahren ist es her, dass Unser Herr geboren wurde.
Seit 1963 Jahren wird dieses Fest wiederholt und an jede Weihnachtsnacht haben wir das Gefühl, dass ein großer Segen vom Himmel auf Erden herabsteigt und dass in gewisser Weise die geistigen Fähigkeiten aller Menschen erneuert werden. Es gibt eine echte Morgendämmerung.
Das ist der Grund, warum die Weihnachtsnacht jedes Jahr einmalig ist. Das was wir am Heiligabend spüren, gibt uns eine Vorstellung von dem, was der erste Heiligabend war, in dem Unser Herr geboren wurde.
Nun, da alles, was die Muttergottes betrifft, bezüglich Unserem Herrn sehr ähnlich ist, alles, was sie betrifft, betrifft auch ihn aufs innigste. Auch die heutige Nacht müssen wir uns so vorstellen.
Es wäre schön, wenn in einer Nacht wie heute, wir eine lebendigere und konkretere Vorstellung von der Geburt Mariens haben würden. Welche Ähnlichkeit gibt es zwischen der einen und der anderen Nacht? Wenn wir über Weihnachten von unserem Herrn sprechen, erinnern wir uns an den Sonnenaufgang. Aber wenn Unser Herr die Sonne ist, wird Unsere Liebe Frau oft mit dem Mond verglichen.
Und wie schön ist es, das aufsteigende Licht zu sehen! Der Mondaufgang hat nicht die Herrlichkeit des Sonnenaufgangs, er ist auch nicht der Sonnenaufgang; doch welche Ähnlichkeit hat er mit dem Sonnenaufgang. Wie ist er gutartig, wie erfreut er, wie er anregt, wie tröstet er. Das könnte uns die Vorstellung geben, was dieses gesegnete Weihnachten der Gottesmutter war. Und da wir Kinder der Gottesmutter sind, nicht durch Verdienst, sondern durch ihren Willen und Gnade, können wir bitten, dass sie uns heute Abend eine besondere Gnade gibt.
Ich habe schon des Öfteren erwähnt, dass es in privaten Offenbarungen vieler Heiligen heißt, dass die Muttergottes an ihren besonderen Festen zum Fegefeuer herabkommt und eine große Anzahl von Gnaden verleiht und eine riesige Anzahl von Seelen in den Himmel führt und andererseits die Situation vieler Seelen, die sie nicht zum Himmel führt, verbessert.
Das gibt uns eine kleine Vorstellung davon, was sie in der streitenden Kirche tut. Ihre Gnade kommt auf uns herab und erwirkt uns eine Menge Gefälligkeiten. Es ist angebracht Unserer Lieben Frau um ein Gefallen zu bitten.
Was sollten wir bitten? Sammeln wir uns ein wenig, konzentrieren wir uns, um irgendeine Gnade zu bitten.
Aber ich schlage vor, dass wir besonders um diese Gnade bitten: dass Unsere Liebe Frau mit einem jeden von uns einen besonderen Bund eingehe, so wie eine Bindung einer besonderen Zugehörigkeit in unserer Beziehung zu ihr zu bilden, so dass sie uns unter ihrem privaten Schutz nimmt und dass unter diesem Titel, sie uns von der Wunde heile, von der sie meint, wir uns besonders heilen sollten. Manchmal ist es nicht ganz das, was wir uns vorstellen, aber etwas anderes. Es sei etwas, was am dringendsten in unserer Seele geheilt werden muss. Das möge sie uns an dieser ihrer Weihnachtsnacht geben.

(1) Zum Thema der Anwendung der Taktiken RGR im ideologischen Kampf gegen die Revolution schlagen wir vor, den dritten Teil des Buches „Revolution und Gegenrevolution“ von demselben Autor zu lesen: „Teil III - Revolution und Gegenrevolution zwanzig Jahre später“.
(2) Für Prof. Plínio Corrêa de Oliveira, ist Revolution der schon vier Jahrhunderte andauernde Prozess, der die christliche Kultur und Zivilisation verheerend zersetzt hat. Und die Gegenrevolution besteht in der Bewegung derjenigen, die sich diesem Prozess entgegensetzt. Siehe den Aufsatz „Revolution und Gegenrevolution“ von demselben Autor.

Plinio Correa de Oliveira, Gespräch am Samstagabend, am 8. September 1963

Freie Übersetzung aus dem Portugiesischen. Der Originaltext ist die Abschrift einer Aufzeichnung, wurde vom Urheber nicht revidiert.

Dienstag, 29. August 2017

Eine Lehre aus dem Wirken des hl. Augustinus


Ich möchte gerne noch etwas schönes über den hl. Augustinus darlegen. Es ist folgendes: Der Geist, mit dem dieser Mann seine Werke schrieb. Er schrieb seine Bücher, als das weströmische Reich bereits zusammenbrach und alles so aussah, dass mit dem Ansturm der Barbaren die katholische Religion komplett dahingefegt würde. Er war Bischof von Hippo im Norden Afrikas. Diese Region wurde dermaßen zerstört, dass bis heute der Katholizismus sich nicht wieder von den damaligen Verwüstungen erholt hat. Trotzdem schrieb er seine Werke in aller Ruhe für eine Zukunft, die er selbst nicht ausmachen konnte.
Als er im Sterben lag, brachen die Barbaren in Hippo ein. Übrigens gaben sie seinem Leichnam noch eine besondere Ehrerweisung.
Die damalige Welt brach zusammen und es kam das Mittelalter. Seine Werke inspirierten die mittelalterliche Vorstellung des Staates, des Reiches und der Kirche. Er wurde zu einem allgemeinen Lehrer des Mittelalters.

Was war dafür notwendig gewesen? Der Glaube an Gott. Gott will, dass er schreibt und er schreibt umfangreiche Werke, sicher nicht für die Barbaren, die Hippo belagerten, sondern für dann, wann es Gott gefällt. Er hat das Werk vollendet ohne zu wissen, wann es jemals gelehrt würde.

Und als Gott Jahrhunderte später das Mittelalter einleitete, war es wie eine Lilie, die aus dieser Wurzel, die Werke des Augustinus, hervorging, insbesondere „Die Stadt Gottes“. Dies ist für uns, die wir in einem neuen Zeitalter von Barbaren leben – nicht aber von Barbaren, die mit Keulen und Lanzen daherreiten, sondern mit Atombomben - , eine hoffnungsvolle Meditation. Vollbringen wir unser Werk mit Vertrauen, mit Gewissheit und Glauben, und es wird irgendwann von Nutzen sein. Nie darf uns der Gedanke kommen, dass das, was wir tun können, nicht von äußerster Nützlichkeit sei. Wenn nicht für heute, dann für eine Zukunft, die in den Plänen Gottes steht.


Montag, 28. August 2017

Der hl. Augustinus (28. Ausgust)



Eine Lektüre, die ich jedem empfehlen kann, sind die „Bekenntnisse“ des hl. Augustinus (354-430). Es ist eine Lektüre, die in ihren strikten biographischen Aspekten, unter allen Gesichtspunkten, etwas wunderbares ist.
Es ist vor allem eine Erbauungslektüre: die Psychologie der Bekehrung, wenn er beschreibt, wie er selbst sich bekehrte, alle seine Sünden, alle Irrtümer, alle Abgründe, in denen er gefallen ist, der Hochmut, der sich zerbrach, nachdem er gesehen hatte, zu was er alles fähig war; sein erster Kontakt mit dem hl. Ambrosius (340-430), Bischof von Mailand, die ersten Prinzipien, die ersten Lichter der Idee einer Religion, die allmählich durch die Anwesenheit des hl. Ambrosius in seine Gedanken eindrangen, als er noch nicht katholisch war.

Er hatte eine so große Begeisterung für den hl. Ambrosius, dass er ihn in seinem Haus aufsuchte, um sich mit ihm zu unterhalten. Doch Ambrosius, der die modernen Techniken des Apostolats nich kannte, trotzdem ein großer Apostel war, lies dem Augustinus sagen, dass er keine Zeit für ihn hatte, da er wichtiges zu schreiben hatte, und fuhr mit seinem Schreiben fort. Augustinus setzte sich in der Nähe und schaute dem großen Schreiber mit Begeisterung zu.
Ambrosius wusste, dass er durch das Apostolat der Anwesenheit viel mehr erreichen würde als durch das Apostolat des Wortes. Dem einen schrieb er, dem anderen erstrahlte er; bekehrte diejenigen, denen er schrieb und bekehrte den, dem er erlaubte ihm zuzuschauen. Wie gerne würde ich diese Szene durch eine Luke betrachten! Ambrosius, der große Kirchenlehrer, in einem Follianten schreibend, mit dem Antlitz eines ehwürdigen Alten, gelassen, erleuchtet durch die Gnade Gottes, weise, in sich gekehrt, erhaben in seinen Urteilen, ab und zu das Schreiben unterbrechend, um ein Stoßgebet zu verrichten, etwas nachdenklich bevor er eine Schlussfolgerung formuliert, und vor ihm Augustinus, der in seinem Gesicht noch die krampfartigen Züge einer Krise, die er gerade durchmachte. Doch Gottes Gnade wirkte in Augustinus und bearbeitete sein Inneres durch der Bewunderung des hl. Ambrosius.
Dann die bekannte Bekehrung des Augustinus, in der die Kirchenmusik eine große Rolle gespielt hat. Er erzählt, dass, wenn er in eine Kirche ging und dort die sakrale Musik hörte, das Singen der Psalmen, er eine Gewalt, das Tosen seiner Reue und den Ruhm Gottes verspührte, das fast einer Verzückung gleichkam.
Und dann beschreibt er die bekannte Gewissenskrise und die Szene seiner Bekehrung. Er hört eine Stimme, die ihm sagt: tolle, lege; nimm und lies! Er nimmt das Buch, das da liegt, es ist die Heilige Schrift. Er liest sie und seine Bekehrung ist beschlossen.
Weiter beschreibt er seine bekannte Unterhaltung mit seiner Mutter, der hl. Monika (331-387) in Ostia. Monika war eine extrem gütige Person, eine Heilige und er, ein sehr schlechter Sohn. Es kam einmal zu einer schmerzlichen Szene. Er wollte nach Rom (er wohnte in Afrika) und seine Mutter wollte mit ihm reisen. Er ist vor seiner Mutter geflüchtet und fuhr allein nach Rom. Sie blieb zurück, betete und weinte viel um die Bekehrung ihres Sohnes. Irgendwann ist sie ihm nachgefahren und besuchte dann den Bischof von Mailand, den hl. Ambrosius, und fragte ihn, ob er meine, dass sich ihr Sohn bekehren würde. Er antwortete: "Frau, ich habe nicht viel Zeit, um mit dir zu sprechen, doch eines will ich dir sagen: Gott kann einem Sohn so vieler Tränen nicht widerstehen." Das heisst, es sollte eine neue Geburt des Sohnes sein, diesmal aber aus tiefer Trauer, Schmerz und Tränen.

Man kann sich ihre Freude vorstellen, als sie, gegen aller Erwartung, sieht, dass sich ihr verlorener Sohn bekehrt. Sie wollen beide nach Afrika zurück, um wieder in Karthago zu wohnen. Sie erreichten die Hafenstadt Ostia, wo sie sich einquartieren. Am Abend, setzen sie sich am Fenster der Herberge und unterhalten sich. Augustinus erzählt, dass sie über den Himmel sprachen. Man kann sich vorstellen, wie dieses Gespräch sich entwickelte, eine heilige Mutter, ein heiliger Sohn. Beide gerieten in einer Art Verzückung. Augustinus erzählt, dass diese Verzückung für ihn ein Licht war, das ihn Mut gab, alle Kämpfe des Lebens zu durchstehen. Für die Mutter, war es ein Vorfreude des Himmels, da sie kurz darauf noch in Ostia gestorben ist. Er wohnt noch dem Begräbnis der Mutter bei und fährt zurück nach Afrika, wo er später (395) Bischof von Hippo wird.
In Hippo schrieb er unter anderem sein bekanntes Buch "Die Stadt Gottes", in dem er sozusagen das Prinzip, die Grundlage der Doktrin von Revolution und Gegenrevolution darstellt. Das Prinzip, welches er dort beschreibt, ist, dass es auf der Welt nur zwei Kräfte gibt, nur zwei vitale Prinzipien, nur zwei aktive Elemente, nur zwei Ordnungen, oder, wie er sagt, nur zwei Staaten (die civitas, die er beschreibt, ist der Staat und nicht die Stadt, wie man gewöhnlich meint): es sind Gott und der Teufel, die sich in einem ewigen, vollständigen und unversöhnlichen Kampf befinden.
Es ist der Gedanke, dass alle Ereignisse in der Welt einzig und allein auf einen Kampf zwischen Gut und Böse zurückgehen, zwischen katholischer Kirche und der Macht der Finsternis, zwischen denen, die in der Kirche das Gute vertreten und der Macht der Finsternis. Dieser Kampf, dieser zwei entgegengesetzten Prinzipien gehe aus zwei Arten der Liebe hervor, und die Opposition dieser zweier Lieben sei die Quelle des gegenseitigen Hasses. Und die Quelle dieser Liebe und des Hasses sei, in der Stadt Gottes, die Liebe Gottes bis hin zum Vergessen seiner selbst, und in der Stadt des Teufels, die Eigenliebe bis hin zur Gottvergessenheit. Das heißt, des Egoismus in der einen und der Suche nach dem Absoluten in der anderen.


Das nur an sich selbst denken, an die eigenen Interessen, an sein Wohlbefinden, an Kleinigkeiten, sich als kleines Zentrum den Universums zu halten, ein Egoismus, der nur auf die eigene Befriedigung eingestellt ist, das ist der Ausgangspunkt der Stadt des Teufels, der bösen Geisteshaltung und alles weitere.
Die Stadt Gottes besteht in nicht an sich denken, sich ausschließlich an die überirdische Realität ausrichten, auf die die Offenbarung uns hinweist. Einen metaphysischen Geist pflegen, einen religiösen Geist, der den höheren Dingen zuwendet und die Seele für die Annahme der unschätzbaren Gabe des katholischen Glaubens vorbereitet. Das heißt, nur für Gott leben.
Diese zwei Prinzipien stehen in einer kompletten Opposition und die Weltgeschichte entwickelt sich im gegenseitigen Kampf dieser beiden Prinzipien.
Jemand könnte einwenden, die sei eine radikale, kompromisslose Auffassung der Realität. Ja, und das ist sie auch. Der hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort sagt, alles was Gott geschaffen hat, ist gut, weil er nicht Falsches tun kann. Nur eine einzige Feindschaft hat er gesetzt und diese ist gut, weil er nur Gutes tun kann: Es ist die Feindschaft zwischen Guten und Bösen, zwischen den Kinder des Lichtes und den Kindern der Finsternis, zwischen der Muttergottes und der Schlange.
Es gibt da etwas sehr schönes über den hl. Augustinus: Der Geist, mit dem er seine Bücher schrieb und füllte. Er schrieb sie zu der Zeit, als das Römische Reich des Westens zusammenfiel. Alles führte dahin anzunehmen, dass mit dem Einfall der Barbaren im Westen die katholische Religion weggefegt würde. Augustinus war Bischof von Hippo im Norden Afrikas. Dort haben die Barbaren dermaßen gewütet, dass der Katholizismus bis heute nicht wieder etablieren konnte. Trotzdem schrieb er seine Bücher in aller Ruhe, für eine Zukunft, die er nicht kannte.

Als er starb, waren die Horden in die Stadt eingedrungen. So berühmt war Augustinus, dass die Eindringlinge seinem Leichnam noch die letzte Ehre erwiesen. Die Welt zerbrach und es kam das Mittealter. Seine Werke waren die Grundlage für die mittelalterliche Auffassung des Staates, des Reiches und der Kirche. Er ist ein Kirchenlehrer des Mittelalters.
Man sieht, was notwendig war an Gottesglauben und Gottvertrauen. Gott will, dass er schreibt und er schreibt ein umfangreiches Werk, nicht für die Vandalen, die Hippo erstürmten, sondern für wann es Gott will. Seine Werke liegen da, fertig.
Und als es Gott gefiel, Jahrhunderte nach seinem Tod, kam das Mittelalter, wie eine Lilien erwachsen aus dieser Wurzel, insbesondere "die Stadt Gottes". Dies soll für uns eine Ermutigung sein. Vollbringen wir mit Vertrauen und festem Glauben unser Werk, denn es wird für irgendwann nützlich sein. Niemals dürfen wir meinen, dass das, was wir tun, nicht von einer großen Nützlichkeit sei.

(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, gehalten am 28. August ?. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

Sonntag, 27. August 2017

Der Kampf zwischen Gut und Böse


Das Nur-an-sich-selbst-denken, an die eigenen Interessen, Genüssen, Wohlgefühle, an die Kleinigkeiten des Alltags, sich selbst als das kleine Zentrum des Universums zu betrachten, den Egoismus gänzlich auf die eigenen Zufriedenheiten gerichtet, das ist der Ausgangspunkt der Stadt des Teufels, der schlechten Geistesgesinnung und alles Weitere.

Das Fundament der „Stadt Gottes“ besteht aus Nicht-an-sich-denken, sich ganz den von der Offenbarung hingewiesenen überirdischen Wirklichkeiten zuzuwenden, einen sogenannten metaphysischen Geist, einen religiösen Geist besitzen, der sich den höheren Dingen zuwendet und die Bedingungen herstellt, damit die Seele die unschätzbare Gabe des katholischen Glaubens empfangen kann. Das ist wirklich, für Gott leben.

Diese zwei Prinzipien stehen sich in einer vollständigen Opposition gegenüber, und die Weltgeschichte ergibt sich aus dem gegenseitigen Kampf dieser beiden Prinzipien.

Es könnte jemand einwenden, dass diese Anschauung zu unnachgiebig, zu kompromisslos ist. Ich antworte: Ja, sie ist es! Der hl. Ludwig von Montfort sagte, dass alles, was Gott erschaffen hat, gut ist, weil Gott nichts falsches tun kann. Nur eine einzige Feindschaft schuf er, und diese ist perfekt, weil Er alles perfekt macht. Die Feindschaft, die Er stiftete, ist diejenige zwischen den Guten und den Bösen, zwischen den Kindern des Lichts und den Kindern der Finsternis, zwischen Maria und der Schlange.

Dienstag, 15. August 2017

Mariä Himmelfahrt

Plinio Corrêa de Oliveira


Wir haben einen Bericht über Mariä Himmelfahrt, wie es die sel. Seherin Anna Katharina Emmerick beschrieben hat.
„In der Nacht nach der Beisetzung Marias geschah die Himmelfahrt der Jungfrau mit ihrem Leib. Ich sah mehrere Apostel und heilige Frauen in dem Gärtchen vor dem Grabfelsen beten und singen. Es senkte sich aber eine breite Lichtbahn vom Himmel zu dem Felsen, und ich sah in ihr eine Glorie von drei Kreisen. Von Engeln und Geistern sich niederbewegen, welche die Erscheinung unseres Herren und der leuchtenden Seele Marias umgaben. So wie bei Unserem Herrn war auch ihre Seele drei Tage vom Leibe getrennt.“
Sie sehen, dass ihre Seele einige Zeit vom Leib getrennt war. Dann kam sie zum Leib zurück geführt von Engeln und Geistern.
„Die Erscheinung Jesu Christi mit hellstrahlenden Wundmalen schwebte vor ihr her“.
Das heißt die zweite Person der Dreifaltigkeit wollte persönlich hernieder kommen um der Auferstehung Marias vorzustehen.
„Im innersten Kreis der Glorie wo die Seele Marias war, sah man drei Engelchöre.“
Die drei Chöre der Engel bildeten einen Strahlenkranz, in dessen Mitte die heiligste Seele der Muttergottes war.
„Um die Seele Marias sah ich im innersten Kreis der Glorie nur kleine Kindergestalten, im zweiten Kreis erschienen sie wir von sechsjährigen Kindern und im äußersten gleich erwachsenen Jünglingen.“
Wahrscheinlich um die sich folgenden Grade der Spiritualität zu symbolisieren. Kinder sind das Bild der Reinheit und so wies die Erscheinung auf die höchste und edelste Form von Spiritualität hin.
„Nur die Angesichter erkannte ich deutlich, alles Übrige sah ich nur wie schimmernde Lichtgestalten. Als diese Erscheinung, immer deutlicher werdend, sich bis auf den Felsen ergossen hatte, sah ich von ihr bis hinauf in das himmlische Jerusalem eine leuchtende Bahneröffnet. Nun aber sah ich die Seele der heiligen Jungfrau, welche der Erscheinug Jesu folgte, bei dieser vorüber durch den Felsen in das Grab niederschweben und bald darauf, mit ihrem verklärten leib vereinigt. Viel deutlicher und leuchtender aus demselben heraussteigen und mit dem Herrn und der ganzen Glorie in das himmlische Jerusalem hinaufziehen, worauf aller Glanz wieder einsank und der stille Sternenhimmel die Gegend bedeckte.“
„Vier Tage später sah ich die Apostel am Abend noch im Gebet und Trauer in ihrem Raume. Da sah ich den Apostel Thomas mit einem Begleiter vor dem Tor des Hofes anlangen und pochen.“
„Nun aber verlangte Thomas und der Begleiter nach dem Grabe der heiligen Jungfrau. Bei dem Grabe angekommen, warfen sie sich auf die Knie nieder. Thomas aber eilte zuerst nach dem Eingang der Höhle. Johannes folgte ihm. — Dann nahte sich Johannes dem leichten Korbsarge, löste die drei großen Binden auf, welche den Deckel umschlossen, und stellte diesen zur Seite, nun leuchteten sie in den Sarg uns sagen mit tiefer Erschütterung die Grabtücher des heiligen Leibes in der ganzen Form der Einhüllung leer vor sich liegen. Über dem Angesicht und der Brust waren sie auseinandergeschlagen, die Umwindungen der Arme lagen leicht aufgelöst, doch noch in gewickelter Form, wie sie gelegen, aber der verklärte Leib Marias war nicht mehr auf der Erde. Sie blickten mit aufgehobenen Armen staunend empor, als sei der heilige Leib ihnen jetzt erst entschwunden und Johannes rief zu der Höhle hinaus: Kommt und staunt, sie ist nicht mehr hier!

Es ist interessant die Ordnung zu bemerken, in der die Grabtücher gelegen waren. Warum kann man diese Einzelheit für wichtig halten? Gott liebt nämlich dermaßen das Gute, er liebt die Welt, die er erschaffen hat, und er will, dass die gute Ordnung über alle Dinge herrscht. Alles, was von ihm oder durch die Eingabe seiner Gnade gemacht wurde, ordnet sich auf eine richtige und angebrachte Weise an. Es gibt eine Art Bündnis des Metaphysischen mit dem Übernatürlichen. Das Übernatürliche vervollständigt was metaphysisch gut zusammengeführt, metaphysisch gut aufgestellt ist, und deshalb stellen alle Einflüsse der Gnade die Ordnung in der Natur her. Es ist das Gegenteil der Auswirkungen des Teufels.
Immer wenn es dem Teufel gestattet wird zu erscheinen oder die Seelen zu beeinflussen, kennzeichnet sich dieser Einfluss durch fürchterliche Verwirrungen, Aufwühlungen; wenn er eine Person heimsucht äußert er sich durch Zuckungen und groteske Gesten; in einer Wohnung verursacht er Geräusche und Radau, verschiebt Möbel, sorgt nur für Unordnung. 
Da verstehen wir, dass alle Bereiche der Ordnung und alle Aspekte der Ordnung unter sich solidarisch sind, sie gehören untrennbar zusammen. Aber auch alle Bereiche und Aspekte der Unordnung sind zusammengehörig unter sich. So verstehen wir die Einheit der Revolution und die Einheit der Gegenrevolution.
Die Revolution kann nicht als eine nur politische Bewegung oder als eine nur religiöse oder nur kulturelle Bewegung angesehen werden, sie ist die Tendenz zur Subversion und zur Unordnung in allem. So auch die Gegenrevolution: Sie ist nicht nur eine politische, religiöse oder kulturelle Bewegung. Um vollständig zu sein, muss sie einen Geist besitzen, sie muss von einer Gnade belebt werden, die alles in Ordnung versetzen will. Hier sehen wir wie eine kleine Einzelheit uns Gelegenheit gibt über das Zusammenwirken aller Formen der Ordnung, wie auch der Unordnung nachzudenken.
Weiter der Text von Anna Katharina Emmerick.
 „Da traten sie alle paarweise in die Höhle und sahen mit staunen die leeren Grabtücher vor sich liegen, und hinausgetreten, knieten alle zur Erde, sahen die Arme gen Himmel hebend empor, weinten und beteten, priesen den Herrn und seine liebe verklärte Mutter. — Da erinnerten sie sich wohl und gedachten jener Lichtwolke, welch sie gleich nach der Begrabung auf dem Heimweg aus der Ferne gesehen, wie sie auf den Grabhügel niedergesunken und dann wieder emporgeschwebt war.“
„Johannes aber nahm die Grabtücher der heiligen Jungfrau mit großer Ehrfurcht aus dem Sargkorbe, faltete und rollte sie ordentlich zusammen und nahm sie zu sich. Betend und Psalmen singend, wandelten sie auf dem Kreuzwege zu dem Hause. Hier gingen alle in den Wohnraum Mariä. Johannes legte hier die Grabtücher ehrerbietig auf das Tischchen vor dem Betwinkel der heiligen Jungfrau. Thomas und die anderen beteten noch auf der Stelle, wo sie gestorben. — Petrus zog sich abgesondert zurück; vielleicht bereitete er sich vor, um einen  feierlichen Gottesdienst zu halten.“
Er ist der Fürst der Apostel, so dass es ihm zukam die erste Messe der Aufnahme Mariens in den Himmel zu zelebrieren.
„Hierauf sah ich den Altar vor dem Betort Mariä, wo deren Kreuz stand, aufrichten…“
Das Kreuz, vor dem die Muttergottes gewöhnlich betete.
„... und Petrus einen feierlichen Gottesdienst hier halten. Die übrigen Apostel standen reihenweise hinter ihm und beteten und sangen wechselseitig. Die heiligen Frauen standen mehr zurück an de Türen und an der Rückseite der Feuerstelle. Der einfältige Knecht  des Thomas war ihm aus dem fernen Lande, wo er zuletzt gewesen war gefolgt. Er hatte ein ganz fremdes Aussehen. Er hatte kleine Augen, eine eingedrückte Stirne und Nase und hohe Backenknochen. Seine Farbe war bräunlicher als hierzulande. Er war getauft und außerdem aber ganz wie ein unerfahrenes, gehorsames Kind. Er tat alles, was man ihm befahl, er blieb stehen, wo man ihn hinstellte, sah hin, wo man es gebot, und lachte jedermann an. Als er Thomas weinen sah, weinte auch er bitterlich. Dieser Mansch ist immer bei Thomas geblieben, er konnte große Lasten tragen, und ich habe ihn ganz gewaltige Steine heranschleppen sehen, als Thomas eine Kapelle baute.“

Sehr schön ist dieser Treuerweis eines Knechtes, der alles tut, was sein Herr im aufträgt und auch fühlt wie sein Herr fühlte und so ganz eins mit ihm ist. Eine Vorstellung, die die Welt heute vollständig verloren hat, dieses edlen Begriffs der Treue, nach dem zwei Personen unterschiedlichen Standes sich nicht hassen, sondern sich gegenseitig schätzen. Nicht nur schätzen sie sich, aber sie verschmelzen wie zu einem Ganzen, so dass man sich fast gar nicht mehr den einen ohne den anderen vorstellen kann. Ritter und Knappe im Mittelalter befanden sich in diesem Verhältnis.
Es gibt unzählige Beispiele eines solchen Zustandes. Das schönste, was mir gerade in den Sinn kommt, war das eines Märtyrers, dessen Namen ich leider vergessen habe, der Messdiener eine Papstes war – auch dessen Namen ist mir entgangen. Als dieser Papst zum Martyrium geführt wurde, näherte sich der Messdiener und sagte: „Heiliger Vater, sie schreiten zum Martyrium und werden mich allein lassen. Kann es sein, dass sie mich in der Stunde ihres letzten Opferganges verlassen, der ich doch täglich ihnen bei der heiligen Messe diente?“ Und beide empfingen nun die Palme des Martyriums.
Welcher Adel und Schönheit von Gedanken beinhaltet solch eine Beziehung. Es zeigt uns, wie die Treue zu einer wirklichen Teilnahme an dem gleichen Ruhm führen kann, und wie die Welt heute dies alles vergessen hat.


So haben wir zwei Betrachtungen zur Aufnahme Mariens in den Himmel.

Vortrag am 14. August 1963

(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)