Mittwoch, 4. Dezember 2019

Die Weisheit des hl. Ignatius von Loyola



Plinio Corrêa de Oliveira
Die geistlichen Exerzitien des hl. Ignatius von Loyola werden oft als eine großartige Folge von logischen Argumenten dargestellt, die eine Person dahinführen sollen, ihr Leben zu ändern, ihre Seele zu retten, ihren Lebensstand zu wählen oder wichtige Vorsätze zu machen.
Während all diese Schätze in diesem Werk zu finden sind, müssen wir aber einen noch breiteren Blickwinkel haben, der es uns ermöglicht, einen weiteren Schatz zu finden, auf dem aber nur selten hingewiesen wird. Dieser Schatz ist ihre Weisheit. Wenn jemand seelisches Gleichgewicht, nervliches Gleichgewicht und Weisheit haben will, so soll er die geistlichen Exerzitien des hl. Ignatius von Loyola lesen. Seine Denkweise ist nicht spekulativ. Es gibt keine sinnvollere oder logischere Art, über die konkreten Probleme des heutigen Lebens nachzudenken, als die des hl. Ignatius. Jeder, dem diese Denkweise familiär wird und sie anwendet, erwirbt durch seine Argumentation eine wirklich außergewöhnliche und strukturierte Seele.
Worum geht es bei den Exerzitien des hl. Ignatius, dass wir sie besonders loben sollten? Zunächst einmal, die Weisheit mit der er die Themen darlegt. Er geht immer geradeaus auf den zentralen Punkt eines Themas. Zum Beispiel führen uns seine Erwägungen über die Sünde, die Schwere der Sünde und die Rechte Gottes zu betrachten. Durch die Schlussfolgerungen über die Schwere der Sünde, ermisst die Person dann die Schwere ihrer eigenen Sünden. Von einem zentralen Punkt aus, entwickelt er immer seine Argumentation in einer logischen, einfachen, direkten und unwiderlegbaren Weise. Wir werden vor der Alternative gestellt, dass wir entweder zugeben, dass wir keinen Glauben haben oder dass er Recht hat.
Ignatius lehrt uns ganz ehrlich zu sein, wenn wir unser Privatleben betrachten, wie auch immer tröstlich oder schmerzhaft diese ehrlichen Analysen ausfallen mögen.
Zweitens lehrt uns der hl. Ignatius ganz ehrlich zu sein, wenn wir unser Privatleben betrachten. Die Übungen sind in einer Weise festgelegt, dass wir in der Erwägung unserer Fehler, Tugenden, Umstände und Pflichten äußerst Objektiv seien. Der Heilige lehrt uns, gegen die zahlreichen und hinterhältigen (obwohl meist halb unterbewusst) Listen, die wir oft anwenden, um zu vermeiden, dass wir uns ernsthaft selbst erkennen. Seine Logik ist wie ein Pfeil, der uns zwingt, die Dinge mit erhobenem Kopf und mit aller Ehrlichkeit anzusehen. Wir sehen und erkennen uns, so wie wir sind. Zum Zeitpunkt unserer spirituellen Selbst-Prüfung, werden wir in einer Position versetzt, in der wir weder uns selbst noch Gott belügen können.
Wie auch immer tröstlich oder schmerzhaft diese ehrliche Vision sein mag, gibt sie uns Anlass hilfreiche Schlussfolgerungen zu ziehen und Beschlüsse zu fassen
Schließlich liefert uns der hl. Ignatius ein bewundernswertes Gleichgewicht zwischen der Intelligenz und dem Willen einerseits und der Sensibilität (Gefühle) andererseits. Er stützt seine Argumente auf Vernunft, nicht auf Sensibilität oder Gefühle. Sobald die Vernunft vorherrscht, bittet er den Menschen, der Vernunft zu folgen. Der heilige Ignatius bittet uns daher, über ein Thema nachzudenken und uns dann einen Ort oder eine Situation vorzustellen, die dazu beitragen wird, gute Bewegungen in unserer Seele hervorzurufen. Das heißt, er versucht, die menschliche Sensibilität mit den logischen Argumenten in Einklang zu bringen. Wenn jedoch unsere Sensibilität oder Gefühle durch das Argument nicht berührt werden, rät er uns, die Übung ohne sie (Gefühle) fortzusetzen, da dies der Grund ist, auf den die Vernunft uns hinweist, dass wir dies tun sollten. Das ist ein wunderbares Gleichgewicht!
Der hl. Ignatius tut alles, um uns die richtigen natürlichen Dispositionen zu geben, um die Orientierung anzunehmen, die Gott uns geben möchte.


Der hl. Ignatius stellt auch ein Gleichgewicht zwischen dem Übernatürlichen und dem Natürlichen her. In jedem Moment bittet er uns, einen Akt der Liebe oder des Willens zu vollziehen. Er bittet unsere Seelen, „Sport zu treiben“, aber er bittet uns auch ständig, anzuhalten und Gott um Einsicht zu bitten, um über dieses oder jenes nachzudenken. Wir werden gebeten, anzuhalten und Gott zu bitten, unsere Seelen in die Richtung zu bewegen, die Er für uns wünscht. Mit anderen Worten, er beugt sich z
urück, um die richtigen natürlichen Dispositionen zu schaffen, um die Orientierung zu akzeptieren, die Gott uns geben möchte. Dies zeigt wirklich eine außergewöhnliche Fülle an Weisheit.
In dieser Hinsicht ist der hl. Ignatius so gegen alles, was unsere Zeit willkürlich, wild und verrückt macht. Alle Heiligen sind das Gegenteil vom Hippie. Charles Manson zum Beispiel war bezeichnenderweise unausgeglichen, was weder das Denken noch das Recht betraf, eine Art wildes Tier, das in der Welt frei herumläuft.
Im hl. Ignatius haben wir genau das Gegenteil. Wir haben Gelassenheit, Logik, gesunden Menschenverstand und einen Sinn für Maß. Von diesem Standpunkt aus ist er ein unvergleichlicher Meister der Weisheit.

Dieser Text ist einem informellen Vortrag entnommen, den Professor Plinio Corrêa de Oliveira am 31. Juli 1970 gehalten hat. Er wurde übersetzt und zur Veröffentlichung angepasst ohne seine Überarbeitung. –Ed.

Aus dem Englischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
https://www.tfp.org/discovering-the-wisdom-of-saint-ignatius/

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe gestattet.

Die Kathedrale von York



Plinio Corrêa de Oliveira
Die Poesie der nicht vorhandenen,
aber vorstellbaren Spitztürme

Die gotische Kathedrale von York, England, hat einige Merkmale, die auf den ersten Blick nicht besonders beeindruckend sind, deren Schönheit man jedoch genießen muss. Eine Vorliebe für das Prinzip der Einheit und Transzendenz lässt uns wünschen, dass die Türme viel höher enden würden, mit einer Reihe kleinerer Stufen und einer stolzen und eleganten Spitze. Denn es ist nicht gerade im konterrevolutionären Sinne einen Turm zu errichten ohne dass er in eine Spitze wie ein Pfeil endet.
Die beiden Türme im Vordergrund haben keine Spitzen, aber die Ecken werden von einigen spitzen Ornamenten flankiert, die auf den ersten Blick wie kleinere Türme aussehen. Wo ist die Schönheit dieser Türme? Man kann sagen, dass sie unvollendet sind und nicht die Schönheit haben, die der Architekt für sie erträumt hat. Aber ihre eigene Schönheit liegt gerade darin, dass sie keinen spitzen Aufsatz haben, weil etwas in ihnen ist, das uns die verschiedenen Arten von Aufsätzen vorstellen lässt, die es nicht gibt aber die wir uns nach Phantasie vorstellen können.
In der Ordnung der Natur haben Schatten ihre Schönheit und manchmal sind sie schöner als die Realität. Auch die fehlenden Grate und Spitzen werden angedeutet, wenn die Basis mit Talent gebaut worden ist. Und durch Andeutung kann sich jeder eine gewisse unbewusste Vorstellung davon machen, was existieren könnte. In beiden Türmen gibt es etwas, das der Fantasie des Betrachters hilft, sich den Kegel vorzustellen. Wenn man aufpasst, kommt tatsächlich etwas Poesie hervor, nämlich die des nicht existierenden, aber vorstellbaren spitzen Kegels.
Die Kathedrale ist von Häusern umgeben, die halbwegs miteinander verbunden sind, ohne eine besondere Ordnung, und gemäß der Phantasie ein Bric-à-brac (Trödelordnung) bilden. Das Baptisterium ist fast in ein Gewirr von Abhängigkeiten und Häusern der Kathedrale getaucht. Es gibt auch einen Hain, der zur Hälfte mit den Gebäuden verflochten ist. In diesem Gesamtbild haben wir das Gegenteil von modernem Urbanismus, in dem nichts verflochten ist.
Was würden zeitgenössische Urbanisten tun? Sie würden die umstehenden Häuser abreißen, so dass die Kathedrale von allen Seiten gut sichtbar wäre, und es durch einen leeren Platz mit Rasen und Bäumen ersetzen. Ergebnis: etwas in der Art von Wärme, von intimem Zusammensein zwischen verschiedenen Teilen ginge verloren. Das Ganze ist schön und interessant - anders als das ewige Viereck der modernen Straßen.

Auszüge aus der Vorlesung von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira am 22. Mai 1985. Dieses Transkript wurde nicht vom Autor rezensiert.

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
http://www.abim.inf.br/catedral-de-york/#.Xd-Jp6zPwdU
vom 23. November 2019

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe gestattet.

Mittwoch, 27. November 2019

Herz Mariä, unsere Hoffnung!



König Jan Sobietzki vor dem Ansturm gegen die Moslems vor Wien 1683

 „Herz Mariä, meine Hoffnung!“ Das war die Losung des berühmten polnischen Königs Johann Sobieski, der in den schwierigen Lagen seines Lebens und seiner Herrschaft aus dem Unbefleckten Herzen Mariens Trost und Mut schöpfen wollte. Mit diesem Kriegsruf „Cor Mariae, spes mea“, der in seiner Seele vibrierte und sein Herz berauschte, warf er sich 1683 gegen die Türken und befreite heldenmütig kurz darauf die Stadt Wien von der muslimischen Belagerung.
„Herz Mariä, unsere Hoffnung!“ Ist der Ruf des Krieges, mit dem wir von allen Enden der Erde alle bereitwilligen Seelen zu einem unbesiegbaren Kreuzzug unter der Schirmherrschaft der Himmelskönigin herbeirufen müssen, um zur schweren Aufgabe aufzubrechen, die die arme Menschheit endlich von den schrecklichen eisernen Zwängen zu befreien, mit der die Perversität und der Wahnsinn versuchen, sie zu vernichten. Durch das Herz Mariens werden wir das Herz Jesu zum Triumph führen!
Vor vierzig Jahren wies Leo XIII. auf das Heiligste Herz Jesu als das große Zeichen am Firmament, das uns den Sieg versprach: „In hoc signo vinces!“ (mit diesem Zeichen wirst du siegen). Und er befahl uns, uns mit diesem Herzen zu wappnen, wie einst die Soldaten Konstantins mit dem Zeichen des Kreuzes. Und viele Christen gehorchten und die Welt wurde offiziell vom Papst dem Heiligen Herzen des Erlösers geweiht.
Aus diesem Grund konnte Pius XII. in seiner Antrittsenzyklika schreiben: „Aus der Verbreitung und Vertiefung der Andacht zum Göttlichen Herzen des Erlösers, die in der Weihe des Menschengeschlechtes an der Jahrhundertwende und weiterhin in der Einführung des Christkönigfestes durch Unsern unmittelbaren Amtsvorgänger ihre erhebende Krönung fand, ist unsagbarer Segen erflossen für ungezählte Seelen - ein starker Lebensstrom, der die Stadt Gottes mit Freude erfüllt: fluminis impetus laetificat civitatem Dei (Psalm 45,5)“.
Aber wir müssen erkennen, dass die Triumphe des Herzens Jesu in unserer Zeit noch nicht vollständig den freudigen Hoffnungen Leos XIII. entsprechen, die er hegte, als er Ihm die Welt weihte. „Welche Zeit, sagt Pius XII., bedürfte dieses Segens dringender als die gegenwärtige? Welche Zeit leidet inmitten alles technischen und rein zivilisatorischen Fortschrittes so sehr an seelischer Leere, an abgrundtiefer innerer Armut? ... Kann es Größeres, Dringenderes geben, als solcher Zeit den unergründlichen Reichtum Christi zu verkündigen?“( Eph 3,8) Kann es Edleres geben, als vor denen, die so vielen trügerischen Fahnen gefolgt sind und noch folgen, das Königsbanner Christi – Vexilla regis – zu entfalten, um der siegreichen Standarte des Kreuzes die Gefolgschaft auch der Abtrünnigen wiederzugewinnen?
Wenn es jetzt dringend notwendig ist, diese unermesslichen Reichtümer Christi den Menschen zu verkünden, ist Maria der schnellste und verpflichtendste Weg – per Mariam ad Jesum. So war es seit Beginn der Kirche immer. Durch Maria kommt Jesus zu uns.
Und der christliche Impuls - der endlich unter dem Wirken des Heiligen Geistes aus den Seelen hervorbricht, wie Leo XIII. in einer seiner Enzykliken über den Rosenkranz bemerkte - der christliche Impuls geht noch weiter und bekräftigt immer deutlicher und heftiger, besonders seit einem Jahrhundert, dass durch das Herz Mariens das Herz Jesu zu uns kommen wird. Durch die Herrschaft des Herzens der Mutter wird das Reich des Herzens des Sohnes kommen.
Damit Er regiere, muss man Ihn lieben - es ist sein Triumph in den Herzen und im Willen. Um Ihn zu lieben ist es dringend, Ihn zunächst zu kennen - es ist seine Herrschaft in den Intelligenzen.
Mögen diese Zeilen dazu beitragen, um den Seelen dieses Licht und diese Wärme zu bringen.
Viel haben wir bereits im „Boten Mariens“ geschrieben und einiges haben unsere Leser auch über die Gottesmutter hier gelesen.
Doch haben wir uns vielleicht niemals in den richtigen Blickpunkt und in das wahre Licht gestellt, in dem uns die ganze Vorzüglichkeit, Kraft und Güte Marias offenbart wird.
Omnis gloria Filiae Regis ab intus (Psalm 44,15): Der ganze Ruhm der Tochter des Königs ist in ihm. So wie Christus nicht bekannt ist, bis sein Herz bekannt ist - das Herz Jesu ist der beste Standpunkt des Erlösers, es ist der Schlüssel zum Rätsel all seiner Erbarmungen, dem unerschöpflichen Abgrund all seiner Erfindungen der Liebe. ... So wird auch die Allerseligste Maria nur bekannt und geliebt werden und vollkommen in den Seelen herrschen, wenn ihr Unbeflecktes Herz bekannt ist. Es ist auch die beste Aussicht auf Maria. Im Licht ihres Herzens erstrahlt ihre unerschütterliche Jungfräulichkeit, ihre unvergleichliche Würde als Mutter Gottes, als Braut des Heiligen Geistes und als geliebteste Tochter des Allerhöchsten, ihre zärtlichste Sorge als Mutter der Menschen und Königin des Himmels und der Erde.
Ihr Herz ist der geheimnisvolle Magnet, der die Herzen erobert, was den hl. Bernhard dazu veranlasste, sie als die Eroberin der Herzen zu nennen: Raptrix cordium. Aber wenn es durch das Herz ist, dass sie uns erobert, ist es auch die Waffe, mit der wir sie erobern: sie im Herzen zu berühren heißt, sie zu überwinden. Und - tiefes Geheimnis! – es ist kein anderes Zepter, mit dem Maria gemeinsam mit dem Allerhöchsten regiert. Dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist ihre Tochter-, Braut und Mutterherz zu zeigen, bedeutet Gott zu erobern; bedeutet, die ganze Heilige Dreifaltigkeit zu ihren Gunsten zu neigen.
Daraus folgt, dass alles, was von der Heiligsten Jungfrau Maria in ihrer Sendung und Barmherzigkeit gegenüber jeden Einzelnen, der Menschheit und insbesondere der Kirche, behauptet wird, mit einem stärkeren Grund von ihrem Unbeflecktes Herz behauptet werden muss.
Daher kennt Maria nicht, wer ihr Herz nicht kennt; wer aber dieses Herz kennt, kennt Maria am besten.
Es liebt Maria nicht, wer ihr Herz nicht liebt; doch das Herz Mariens lieben, heißt es so zu lieben, wie sie sich wünscht geliebt zu werden. In ihrem Herzen, befindet sich der Grund für all ihre Güte zu den Menschen; es ist diese Kraft, die uns anzieht, wenn wir zu ihr kommen und der Balsam, der uns tröstet, wenn wir sie bitten, in der Gewissheit, dass uns geholfen wird.
Weil in der Brust Mariens ein Herz schlug, das so ähnliches wie sein Herz war, gab dieses Herz Jesu in der Stunde des Todes auf Golgatha sie uns zur Mutter: ecce mater tua und es gab uns ihr als Kinder: ecce filius tuus.
Wenn vom hl. Paulus gesagt wurde, dass sein Herz ähnlich dem Herzen Jesu war: cor Pauli, Cor Christi, viel mehr und besser als irgendjemand anderer hat Maria das Recht auf diese höchste Anerkennung: Cor Mariae, Cor Jesu.
Weil in ihrer Brust auch im Himmel noch dasselbe süße und liebevolle Herz schlägt, sagt uns die Heilige Kirche, in unseren schmerzvollen Stunden Maria zu Hilfe zu flehen, mit der Sicherheit, von ihr immer sofortige Hilfe zu erhalten.
»Wer die Annalen der katholischen Kirche genau betrachtet«, schrieb der verstorbene Papst Pius XI., »wird leicht sehen, dass alle christlichen Chroniken mit dem wertvollen Schutz der Jungfrau Maria verbunden sind. Und in der Tat, wenn die überall tobenden Irrtümer den nahtlosen Rock der Kirche zu zerreißen und die katholische Welt zu untergraben versuchten, flehten unsere Väter mit vertrauensvollen Herzen die an, die „alleine alle Irrlehren der ganzen Welt vernichtete“ (aus dem römischen Brevier), und der von ihr erhaltene Sieg brachte ihnen glücklichere Zeiten.«
Als der muslimische Unglaube, der sich auf mächtige Streitkräfte und große Armeen stützte, die Völker Europas zu ruinieren und zu versklaven drohte, wurde auf Anraten des Papstes inständig um den Schutz der himmlischen Mutter gebeten. Auf diese Weise wurden die Feinde zerstört und ihre Schiffe versenkt (Hinweis auf die Schlacht von Lepanto, Oktober 1571, A.d.R.).
Und in öffentlichen Katastrophen wie auch in persönlichen Nöten haben die Gläubigen aller Zeiten bei Maria Zuflucht genommen, damit sie wohlwollend zu ihrer Rettung eile um Erleichterung und Abhilfe für die Übel von Leib und Seele zu erlangen. Und ihre mächtige Hilfe wurde nie umsonst angefleht von denen, die darum vertrauensvoll und fromm darum gebetet haben.
Zu Recht werden in den schwierigen Zeiten, in denen wir heute leben, all unsere Hoffnungen auf Erlösung, Triumph und Frieden in diese Erlösungslade gelegt: in das Herz Mariens.
„Mir, dem kleinsten unter den Heiligen, wurde diese Gnade zuteil, den Menschen den unerforschenden Reichtum Christi zu verkünden“, sagte der heilige Paulus.
Einer der unergründlichsten Reichtümer, die Christus uns jemals gegeben hat, ist das Herz seiner Mutter. Und wenn uns das Charisma des Apostels gegeben worden wäre, um unseren Lesern alle Tiefe, Länge und Breite, alle kostbaren Abgründe der Liebe, die im Herzen Mariens eingeschlossen sind, zu evangelisieren…!
Ein gelehrter und frommer Autor sagte, als er über das Herz der Muttergottes schrieb, dass er das Verlangen spürte, die Macht zu besitzen wie Johannes der Evangelist beim Letzten Abendmahl sein Haupt an der Brust des Herrn zu legen, das Haupt an der Brust Mariens ruhen zu lassen, um das Pochen ihres Herzens zu hören, um leichter von diesen Geheimnissen der Liebe erzählen zu können.
In diesem Moment gehen unsere Wünsche noch weiter: Wir wollten nicht nur unser Haupt an das Unbefleckte Herz unserer himmlischen Mutter legen, sondern in diesem Herz unsere Wohnstätte errichten, damit erleuchtet in diesem Licht, gereinigt in ihrer Jungfräulichkeit und entzündet in den Flammen dieser Liebe, alles, was wir sagen würden, Worte des Lichts und des Feuers wären, die aus der Fülle dieses unbeschreiblichen Herzens entspringen.
Möge sie uns in diesem verborgenen Abgrund der Liebe umarmen, uns dorthin bringen, als ob wir in ihr verschwinden würden, damit Maria endlich durch das schwache Instrument, das ihr geweiht ist, die Wunder ihres Herzens von sich selbst preisgeben kann.
Mögen auch unsere Leser dort ihre Wohnung aufzuschlagen, damit sie in dieser Schule und in diesem Licht das Meisterwerk des Herrn besser verstehen.

Übersetzt aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
Legionário, 28 de março de 1943, N. 555, pag. 2
© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe gestattet.

Freitag, 15. November 2019

Adel und analoge traditionelle Eliten angesichts der IV. Revolution





Adel und analoge traditionelle Eliten kann als die ideelle Fortsetzung und Weiterentwicklung des Werkes Revolution und Gegenrevolution angesehen werden.
In einem Essay unter dem Titel Revolution und Gegenrevolution zwanzig Jahre später hat Plinio Corrêa de Oliveira nach der kommunistischen Revolution das Auftreten einer IV. Revolution beschrieben, die weniger ideologischer Natur ist, dafür aber eine Tendenz verfolgt, bei der es vor allem um die Abschaffung der alten Modelle des Reflektierens, Wollens und Fühlens geht, um auf diese Weise schneller zum endgültigen Ziel der Revolution zu gelangen, zur Schaffung einer auf den Trümmern der christlichen Zivilisation errichteten, dem Fürsten der Finsternis unterworfenen anarchischen „Stammes“-Gesellschaft.
Die Rückkehr zu dem von den „traditionellen Eliten“ dargestellten Menschenbild kann nach Meinung des brasilianischen Denkers zum wichtigsten Gegenmittel dieses extremen gesellschaftlichen Verfalls werden. Tatsächlich hat die Revolution von 1968 an der Sorbonne zu einer Explosion weltweiten Ausmaßes und zu einer Beschleunigung der Proletarisierung der Gesellschaft geführt. Der Drang zur stetigen Vervollkommnung, der das Mittelalter und die darauf folgenden Jahrhunderte auszeichnete, könnte heute wiedererstehen, wenn der Adel darin den Sinn seiner geschichtlichen Sendung entdecken würde.
„Wenn sich der Adlige im 20. Jahrhundert dieser seiner Sendung bewusst bleibt und, angespornt durch den Glauben und durch seine Liebe zu einer wohlverstandenen Tradition, alles daransetzt, um diese zu erfüllen, wird er einen Sieg davontragen, der keineswegs geringer ist als der seiner Vorfahren, die einst den Barbaren Einhalt geboten, den Islam übers Mittelmeer zurücktrieben und unter dem Kommando Gottfried von Bouillons die Tore Jerusalems erstürmten.“
In den abschließenden Überlegungen seines letzten Buches hat Plinio Corrêa de Oliveira die verderblichen Folgen des langwierigen Revolutionsprozesses wie folgt beschrieben:
„Trotz zahlloser Hindernisse stellt sich das unerbittliche Wesen seines siegreichen Vordringens – angefangen vom historischen Kreuzungspunkt des ausgehenden, sterbenden Mittelalters und der aufgehenden Renaissance mit ihren ersten, freudigen Triumphen, beginnt die religiöse Revolution des Protestantismus von langer Hand die Französische Revolution und noch weiter die Russische Revolution des Jahres 1917 vorzubereiten und zu fördern ... – so dar, dass man die Kraft als unbesiegbar bezeichnen kann, die diesen Prozess in Bewegung hielt und zu endgültigen Ergebnissen führte.
Tatsächlich scheinen diese Ergebnisse „endgültiger“ Natur, wenn man nicht den Charakter dieses Vorgangs einer genaueren Untersuchung unterzieht. Auf den ersten Blick scheint er äußerst konstruktiv zu sein, lässt er doch drei Gebäude hintereinander erstehen: die protestantische Pseudoreform, die demokratisch-liberale Republik und die sozialistische Sowjetrepublik.
Der wahre Charakter des genannten Prozesses ist jedoch grundlegend destruktiv. Er ist die Zerstörung. Er hat das taumelnde Mittelalter, das in Auflösung begriffene Ancien Regime, die apoplektische, frenetische und verworrene Welt des Bürgertums zu Grunde gerichtet; unter seinem Druck ist die frühere UdSSR zusammengestürzt, die nun finster, geheimnisvoll und faul am Boden liegt wie eine Frucht, die schon lange vom Ast gefallen ist.
Sind hic et nunc nicht Trümmerhaufen die eigentlichen Merkmale dieses Prozesses? Und was kann die Welt von diesen jüngsten Trümmern erwarten, wenn nicht die Ausdünstungen eines allgemeinen Durcheinanders, das jeden Augenblick die widersprüchlichsten Katastrophen heraufbeschwören kann, die sich wiederum in Luft auflösen, noch bevor sie über die Köpfe der Sterblichen hereingebrochen sind, und gleichzeitig bereits neue, noch drohendere und widersprüchlichere Katastrophen auslösen? Die sich vielleicht wieder verflüchtigen und ihrerseits neue Ungeheuer gebären oder sich in grausame Wirklichkeit verwandeln, wie etwa in einen Strom slawischer Horden, die von Osten nach Westen ziehen, oder muslimischer Horden, die von Süden nach Norden vordringen.
Wer weiß es? Wer kann sagen, ob es so kommt? Ob es nur (!) soweit kommt? Ob es vielleicht nicht noch schlimmer kommt?
Ein Bild wie dieses ist sicher entmutigend für alle, die keinen Glauben haben. Doch für diejenigen, die Glauben haben, erhebt sich vor diesem schmutzigen, undeutlichen Horizont eine Stimme, die Mut und Vertrauen weckt:
„Am Ende wird mein unbeflecktes Herz triumphieren!“

Quelle: Roberto de Mattei: „Der Kreuzritter des 20. Jahrhunderts: Plinio Corrêa de Oliveira. TFP-Büro Deutschland und DVCK e.V., Frankfurt, 2004, Kapitel IV, Abschnitt 9, SS 174-176.


Die Gegenrevolution: Die wahre Rolle der Laien in der weltlichen Gesellschaft



von Nuno Alvares
Unsere Leser sind bereits mit den Konzepten der Revolution und Gegenrevolution vertraut, die von Prof. Dr. Plinio Corrêa de Oliveira in seiner Arbeit mit gleichem Namen erklärt.
Es folgen hier Auszüge aus einem Vortrag von Prof. Oliveira in dem er zeigt, worin das gegenrevolutionäre Laienapostolat in unserer Zeit besteht.
Die Einheit der Revolution bringt als Konsequenz
die Einheit der Gegenrevolution.
„Da die Revolution sich so strukturierte, dass sie eine revolutionäre Bewegung von Laien organisierte, die auf Laien einwirkt, und zwar nicht nur innerhalb dieser oder jener Institutionen, sondern auf die Gesamtheit der Gläubigen, wurde eine Laienbewegung notwendig, die zugunsten der Kirche auf die Gesamtheit der Laien einwirkte. Und wenn diese Bewegung nicht gemacht würde, gäbe es keine wirksame Aktion der Kirche gegen die Revolution. Es würde eine fehlerhafte Aktion sein, sie würde Lücken aufweisen.
„Genau das, was unsere Gruppe (1) erreichen möchte, ist diese Aktion zu Gunsten von Tradition, Familie und Eigentum. Aber wenn man uns freie Flügel geben würde - vor allem, ohne Tradition, Familie und Eigentum auch im Mindesten zu vernachlässigen, sondern dazu zugunsten Unserer Lieben Frau und geistigen Dingen usw. - wir würden noch mehr tun, weil der Laie, der auf den Laien einwirkt, in der Umgebung des gewöhnlichen Lebens, die das Wirken des Klerus nicht erreicht, das ist eigentlich unser Apostolat. Und ohne dieses Apostolat gibt es kein wirksames Eindringen des Geistes der Kirche in der heutigen Welt.
„Das heißt, wo eine Gefahr besteht, wo die Revolution an einem Punkt gewachsen ist, ist es Sache der Kirche, sie zu begleiten und an diesem entsprechenden Punkt ebenfalls zu wachsen, um sich der Revolution Punkt für Punkt parallel zu widersetzen. Dies ist das Merkmal des Handelns der Kirche.
„Der Heilige Franz von Sales vergleicht es in einem seiner Bücher sehr schön mit einigen Felsen, von denen die Mythologie spricht - ich kann mich nicht erinnern, an welchen See oder um welches Meer es sich handelt. Es hieß, es waren Felsen, die mit den Stürmen wuchsen, und wenn das Meer rau wurde, wuchsen die Klippen. Egal wie sehr das Meer stieg, es konnte niemals in das Land eindringen, weil die Felsenwand es immer überstieg. So ist die katholische Kirche angesichts der Revolution. So wie das Meer - die Welt – sich aufwühlt, so wächst auch die Kirche.
„Das müssen wir uns gut merken, sonst verstehen wir unsere gegenrevolutionäre Bewegung nicht. Und wenn es nicht darum ginge, den „Heiligen des Tages“ weiter zu führen, als es die Zeit zulässt, würde ich Ihnen gerne zeigen, wie die Geschichte unserer Gruppe genau dieser Regel entspricht. Sie lebt von einem Kampf, in dem die „Gruppe“ jedes Mal wächst, wenn der Feind einen Schritt weiter geht. Und so verbessert sie sich innerlich. Und das ist dermaßen so, dass wenn wir zurückblicken, fragt man sich, ob der Feind nicht ein Modellierer, ein Kunsthandwerker war, der uns modelliert und geschnitzt hat. Das heißt, es ist in der Verteidigung und in der legalen, friedlichen Gegenoffensive im Bereich der Ideen, angesichts eines Gegners, dass wir all unsere Statur annehmen.“
* * *
Eine Anwendung dieses Prinzips auf Brasilien im Jahr 2019. Die 13 Jahre PT (sozialistische Partei der Arbeiter) versuchten, Brasilien, die Familie, das Eigentum zu entstellen. Geben wir unsere Antwort und unseren Gegenpol im zivilen Bereich mit einer Bereicherung der moralischen Werte. Unsere Erfolge müssen die Familie, das Eigentum und die Tradition stärken und auf ein höheres Niveau bringen als in den Jahren vor dem Aufstieg der PT.
Im kirchlichen Bereich hat die jüngste Amazonas-Synode Öko-Terroristen, Klimafundamentalisten und Öko-Theologen erlaubt, den Pachamama-Kult in den vatikanischen Gärten (und im Petersdom) zu inszenieren. Unsere Liebe zur Heiligen Kirche, zu Unserer Lieben Frau und Unserem Herrn sollte uns mit Sühne, Lob und Bereicherung inspirieren, zumindest entsprechend dem, was die Progressiven bei der jüngsten Synode gewagt haben.
All dies, wie Prof. Plinio anmerkt, in einer Laienaktion auf Laien, das ist unser Teil im Kampf für das soziale Königreich unseres Herrn Jesus Christus.
Anmerkungen
(1) Gruppe: Die „Gruppe“, die sich um den „Legionário“ und später den „Catholicismo“ versammelte, hat die TFP hervorgebracht. Daher wird die Bezeichnung „Gruppe“ bis heute beibehalten, um sich auf sich selbst zu beziehen.
[2] Um das Thema zu vertiefen, siehe den Vortrag von Prof. Plinio vom 9.04.1983 „Einige Überlegungen zur Position der TFP vor der Kirche (geistliche Gesellschaft) und dem Staat (weltliche Gesellschaft)“ - Welche ist die Aufgabe des Klerus und der Laien? Was ist die TFP und was gedenkt sie in Zukunft zu sein? Eine vollkommene und selbstlose Gesellschaft im Dienst der Kirche und der christlichen Zivilisation, unterwürfig und gehorsam den legitimen geistlichen Hirten gegenüber und in vollkommener Ehrerbietung und Befolgung der zivilen Behörden. Zugleich aber die guten Grundsätze ausstrahlen und die guten Initiativen in der gesamten Christenheit anregen, ohne irgendeine Machtposition weder in der Heiligen Kirche noch in der weltlichen Gesellschaft einnehmen zu wollen.

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
vom 3. November 2019
© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe gestattet.
In signierten Artikeln veröffentlichte Meinungen und Konzepte liegen in der alleinigen Verantwortung der Autoren.

Dienstag, 12. November 2019

Vier schmutzige und hässliche Finger


Plinio Corrêa de Oliveira
Die Ratlosigkeit passt gut zu weichen Ledersesseln, in denen man sich köstlich versinken fühlt. Denn es gibt eine gewisse Analogie zwischen dem Steckenbleiben in verwirrenden Fragen und dem Versinken in weichen Federsesseln. Der verblüffte Mann ist sowohl mit Leib als auch mit Seele im Leder versunken, was seiner Situation in jeder Hinsicht diese Einheit verleiht, die unsere Natur zu jedem Anlass beharrlich fordert.
Es ist wahr, dass eine solche Einheit nicht ohne einen gewissen Widerspruch daher kommt. Ratlosigkeit ist für den Geist ein schmerzhafter Sumpf. Ein Fegefeuer. Manchmal fast eine Hölle. Im Gegenteil, Leder und Federn verschaffen dem müden Körper einen köstlichen, regenerierenden Sumpf. Aber dieser Widerspruch schadet der Einheit nicht. Und verringert die Qual des Menschen, anstatt sie zu steigern.
Um es dem Leser zu beweisen, würde es ausreichen, sich vorzustellen, wie viel schlimmer die Situation eines ratlosen Menschen wäre, sollte er auf einer harten Holzbank sitzen ...
Mir fiel dies alles ein, indem ich mich eines Abends, als das Abendessen beendet war, daran erinnerte, dass ich mich beschloss, über die nationale Situation nachzudenken, die im genauesten und unheimlichsten Sinne des Wortes wie in einem Matsch festgefahren ist. Und dafür ließ ich mich instinktiv in einen tiefen, weichen Ledersessel sinken. Dann fing ich an zu überlegen ...
Die makabre Runde verschiedener länderspezifischer, ideologischer, sozialer und wirtschaftlicher Probleme begann in meinem Kopf zu tanzen. Um klar zu sein, habe ich versucht, den hässlichen Reigen zu stoppen, um die verschiedenen Fragen, aus denen sie bestand, einzeln zu analysieren. Aber diese schienen sich jeder genauen Einschätzung zu entziehen und vor meinen endlich müden Augen eine krampfhafte Bewegung in der Art eines „delirium tremens“ aufzuführen. Hartnäckig habe ich darauf bestanden. Aber sie, nicht weniger hartnäckig als ich, verstärkten ihr Zittern und nahmen plötzlich ihren Reigen im Galopp wieder auf.
Fieber? Albtraum? Die Wahrheit ist, dass ich mich plötzlich in Gegenwart eines sehr realen Menschen fühlte, aus Fleisch und Blut...
Und ich, der ich den Lesern das Ergebnis meines geistigen Ringens mitteilen wollte, wurde darauf beschränkt, ihnen zu erzählen, was diese Figur mir gesagt hat.
Dieser außerzeitliche Mensch duzte mich mit einer gewissen Überlegenheit, die ein bisschen ironisch und gefällig wirkte. Er erhob seinen kurzen, nicht ganz sauberen Zeigefinger seiner rechten Hand, als wollte er mir eine erste Lektion erteilen: „Wisse, dass ich, der Kommunismus, in diesem friedlichen Brasilien versagt habe. Die KP ist hier ein Zwerg, dem man sich schämen muss. Daher vermeide ich es, ihn alleine in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Gewerkschaften haben mir nichts gebracht. Ich verfüge über viele ihrer Chefs, aber die Herrschaft über ihrer gutmütigen Basis („Pazifisten“, würdest du sagen) fließt mir durch die Finger. Ich bin eingedrungen in die Kurien, die Pfarrhäuser, Seminare und Klöster. Welche schönen Erfolge habe ich gehabt. Auch dort konnte ich mich selbst in den obersten Gipfeln der Macht behaupten, doch der größte Teil der kleinfrömmigen Gläubigen entkommt mir. Ich merke, Plinio, deinen glücklichen Gesichtsausdruck über mein verschämtes Selbstbekenntnis. Du hältst mich für besiegt. Du Blöder! Ich werde dir zeigen, dass ich andere Wege habe, um voranzukommen.
- Zweifelst du? - Ja, ich bezweifelte es.
Dann hob er theatralisch neben dem Zeigefinger den Mittelfinger, etwas länger und nicht minder verwerflich als der Erste. Und begann mit seiner zweiten Lektion.
„Ich werde mit einer Scheinwahrheit beginnen. Ich werde tun, was du dir nicht vorstellen kannst: die Rechtfertigung des Verbrechens. Ja, ich werde über tausend Lippen, durch tausend Federn, Millionen von Videos und Mikrofonen sagen, dass die Welle der Kriminalität, die den ekelhaften Bourgeois so erschreckt, selten aus der Bosheit der Menschen herrührt. Unter den indigenen Stämmen sind Verbrechen seltener als bei Zivilisierten. Dies bedeutet, dass die Kriminalität unter uns aus den durch den Hunger provozierten sozialen Unruhen entsteht. Beseitige den Hunger und die Kriminalität wird verschwinden. Wie übrigens auch die Prostitution.
„Wen du einen Kriminellen nennst, ist ein Opfer. Weißt du, wer der wahre Kriminelle ist? Es ist der Eigentümer. Vor allem der Großgrundbesitzer. Der ist es, der die Armen beraubt.
„Während ein Gefängnisdieb einen Menschen bestiehlt, beraubt der Besitzer ein ganzes Volk. Sein soziales Verbrechen ist ein Übel ohne Namen!“
Delirium führt zu vielem. Ich dachte daran, den prahlerischen Idioten rauszuschmeißen. Aber die Bequemlichkeit hielt mich in meinem Sofa versunken. Wütend und träge ließ ich ihn fortfahren.
Er hob den Ringfinger, den hässlichen Bruder der beiden, die bereits ausgestreckt waren. Und er fuhr fort.
„Es gibt noch eines, Herr Plinio. Angesichts all dessen, was ich gesagt habe, ist eine Regierung, die ihrer Verpflichtungen bewusst ist, verpflichtet, die Repression abzubauen und der Kriminalität freien Lauf zu lassen. Denn diese ist nichts anderes als die voranschreitende soziale Revolution. Jeder Mörder, jeder Dieb, jeder Vergewaltiger ist nur ein Herold des Volkszorns. Und deshalb werde ich der ganzen Welt mitteilen, dass die kriminelle Explosion in Brasilien von gemeinen Reaktionären verleumdet wird. Kriminalität ist der Ausdruck dieser gerechtfertigten rachsüchtigen Massenwut, die die Gewerkschaften und die katholische Linke nicht in der Lage waren, zu erregen.“
Den kleinen Finger erhebend, eine originalgetreue Miniatur der drei schon ausgestreckten Finger, lachte mein Mann. „Ich werde veranlassen, dass Waffen nach Brasilien eingebracht werden. Wenn die verängstigten Bourgeois fest davon überzeugt sind, dass es für nichts mehr einen Ausweg gibt, werde ich unter denen, die du „Verbrecher“ nennst, einen oder mehrere Führer aufstellen, die ich als Charismatiker zu tarnen weiß. Und ich werde irgendeinen Bischof dazu führen, eine Erklärung abzugeben, dass, um größeres Übel zu vermeiden, die Bourgeois sich damit abfinden müssen, mit denen zu verhandeln, die einen geringeren Grad von Kriminalität besitzen..
„Ich sehe deine Grimasse. Du findest, dass die Bourgeoisie bereit ist, diesen weiteren Fehler zu begehen. Du hast Recht. So wird sich eine extrem linke Regierung à la Kerensky bilden. Der nächste Tag wird dem Lenin gehören, den ich erwähle.“
Ich stand auf, um den Mann zu packen. Als ich aufgestanden bin, bin ich automatisch aufgewacht. Oder das Fieber war weg...
Ich schrieb sofort auf, was ich „gesehen“ und „gehört“ hatte, denn nur wenige Minuten nach dem Fieber oder dem Schlaf können solche Eindrücke mit einiger Vitalität bewahrt werden.
Lieber Leser, ich wünsche, diese Eindrücke werden Ihnen kein Fieber geben,  falls sie Sie, schon vor dem Ende des Lesens, nicht in den Schlaf getrieben haben.
Dies wird auf jeden Fall kein friedlicher Frühlingsschlaf sein. Er wird aber zu diesem chaotischen Wetter der wässrigen und hässlichen Tage passen, mit denen der November beginnt.
NB. - Die Polizei von São Paulo scheint heute in einem Durcheinander zu sein. Was würde der kleine Mann mit den vier schmutzigen Fingern dazu sagen? In welche Richtung wird der Froschknaller der Subversion in São Paulo und in ganz Brasilien springen? Aufhören wird sie nicht...

Dieser Artikel erschien in der „Folha de São Paulo“ am 16. November 1983.
Übersetzung aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer
© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe gestattet.

Donnerstag, 7. November 2019

Das Allerheiligste Sakrament und die Andacht zur Muttergottes

Die Kommunion Mariens – Giacinto Gimigniani, 17. Jhdt.
Museum der Schönen Künste, Marseille
Diese in Brasilien so eigene und 
tief verwurzelte Andacht wird und erretten.


In dem Augenblick, in dem die Frevelhaftigkeit in der Welt ihren Höhepunkt erreicht, erreichen auch Gnade und Barmherzigkeit ihren Höhepunkt. Der Stärke des Lasters und des Bösen setzt Gott die unbezwingliche Stärke des Guten entgegen.


Die katholische Kirche wird über die moderne Welt triumphieren. Dieser Triumph wird gewiss aus dem gigantischen Aufeinanderprallen der geringen Kräfte des Guten und der ungeheuren Kräfte des Bösen hervorgehen. Doch vielleicht werden wir noch dieses Ereignis erleben, dass die Kirche einen der größten Siege aller Zeiten davontragen wird, und es wird dies der Sieg der heiligen Eucharistie sein, dieser Quelle der Gnaden, die durch die Vermittlung und Fürsprache unserer Lieben Frau für die Welt offensteht. Mit ihren an den eucharistischen Jesus gerichteten Bitten erwirkt uns die Gottesmutter die Gnaden, deren wir bedürfen.

Diese Rolle der heiligen Eucharistie in der Modernen Welt veranlasst uns, unsere Gedanken zur Muttergottes zu erheben. Da man von Triumph und Gnaden nicht sprechen kann ohne Sie zu erwähnen, denn Sie ist ja die notwendige Mittlerin zwischen Gott uns den Menschen, kann ich behaupten, dass eine der kostbarsten Gnaden, die die heilige Eucharistie der Welt schenkt, ist die Verehrung Mariens. Und diese in unserem Land des Heiligen Kreuzes so eigene und in ihm verwurzelte Marienfrömmigkeit wird unser Land, Brasilien, erretten.



Auszug aus einem Vortrag von Plinio Corrêa de Oliveira gehalten während der „Eucharistischen Woche von Campos, Brasilien, am 23. April 1955. Abschrift und Übersetzung ohne Revision des Autors.