Freitag, 3. April 2020

Überlegungen für die Karwoche


Plinio Corrêa de Oliveira
Wahre Frömmigkeit muss die ganze Seele des Menschen durchdringen und daher auch Emotionen wecken und anregen. Aber Frömmigkeit ist nicht nur Emotion, und es ist nicht einmal hauptsächlich Emotion. Frömmigkeit entspringt der Intelligenz, die ernsthaft gebildet wurde durch ein sorgfältiges Studium des Katechismus, durch eine genaue Kenntnis unseres Glaubens und folglich der Wahrheiten, die unser inneres Leben bestimmen sollen. Die Frömmigkeit liegt auch noch im Willen. Wir müssen ernsthaft das Gute wollen, das wir kennen. Es reicht zum Beispiel nicht aus zu wissen, dass Gott vollkommen ist. Wir müssen die Vollkommenheit Gottes lieben, und deshalb müssen wir uns etwas von dieser Vollkommenheit wünschen: Es ist das Streben nach Heiligkeit. „Wünschen“ bedeutet nicht nur vage und sterile Gefühle zu empfinden. Wir wollen ernsthaft nur dann etwas, wenn wir bereit sind, alle Opfer zu bringen, um das zu bekommen, was wir wünschen. So wünschen wir nur ernsthaft unsere Heiligung und die Liebe Gottes, wenn wir bereit sind, alle Opfer zu bringen, um dieses höchste Ziel zu erreichen. Ohne diese Bestimmung ist alles „Wünschen“ nichts als Illusion und Lüge. Wir können größte Zärtlichkeitsgefühle haben, wenn wir die Wahrheiten und Geheimnisse der Religion betrachten: wenn wir daraus keine ernsthaften und wirksamen Vorsätze treffen, wird unser Frömmigkeit wertlos sein.
Dies muss besonders in den Tagen der Passion Unseres Herrn gesagt werden. Es reicht nicht, die verschiedenen Ereignisse der Passion mit Rührung zu verfolgen: das wäre ausgezeichnet, aber nicht genug. Wir müssen unserem Herrn heutzutage aufrichtige Beweise unserer Andacht und Liebe geben.
Wir geben diese Beweise, durch den Vorsatz unser Leben zu ändern und mit aller Kraft für die heilige katholische Kirche zu kämpfen.
Die Kirche ist der mystische Leib Christi. Als unser Herr den heiligen Paulus auf dem Weg nach Damaskus erschien, fragte er ihn: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du Mich?“ Saulus verfolgte die Kirche. Unser Herr aber sagte ihm, dass er Ihn selbst verfolgte.
Wenn die Verfolgung der Kirche bedeutet, Jesus Christus zu verfolgen, und wenn auch heute die Kirche verfolgt wird, wird heute Christus verfolgt. Die Passion Christi wiederholt sich in gewisser Hinsicht auch in unseren Tagen.
Wie wird die Kirche verfolgt? Wenn ihre Rechte angefochten werden oder daran gearbeitet wird, die Seelen von ihr fernzuhalten. Jede Tat, durch die eine Seele von der Kirche entfernt wird, ist ein Akt der Verfolgung Christi. Jede Seele ist in der Kirche ein lebendiges Mitglied. Eine Seele aus der Kirche zu entfernen bedeutet, ein Mitglied des mystischen Leibes Christi von ihm zu trennen. Eine Seele aus der Kirche reißen bedeutet in gewissem Sinne unserem Herrn dasselbe anzutun, wenn uns der Augapfel herausgerissen würde.
Wenn wir also mit der Passion unseres Herrn Jesus Christus leiden wollen, meditieren wir darüber, was Er in den Händen der Juden gelitten hat, aber vergessen wir nicht, was heute alles noch getan wird, um das göttliche Herz zu peinigen.
Dies gilt umso mehr, als unser Herr während seiner Passion alles vorausgesehen hat, was bis zum Ende der Welt geschehen würde. Er sah alle Sünden aller Zeiten und auch die Sünden unserer Tage im Voraus. Er sah unsere Sünden im Voraus und litt im Voraus für sie. Wir waren im Ölgarten als Henker anwesend und als Henker folgten wir seine Passion Schritt für Schritt bis zum Gipfel des Golgatha.
Bereuen und weinen wir also.


Die leidende, verfolgte, verachtete Kirche, steht hier vor unseren gleichgültigen oder grausamen Augen. Sie steht vor uns wie Jesus vor Veronica stand. Haben wir Mitleid mit ihren Schmerzen. Trösten wir mit unserer Zärtlichkeit die Heilige Kirche in allem, was sie leidet. Wir können sicher sein, dass wir damit Christus einen Trost geben werden, der dem Trost der Veronica gleich ist.

Ungläubigkeit
Beginnen wir mit dem Glauben. Bestimmte Wahrheiten in Bezug auf Gott und unser ewiges Schicksal können wir aus der normalen Vernunft erkennen. Andere kennen wir, weil Gott sie uns gelehrt hat. In seiner unendlichen Güte offenbarte sich Gott den Menschen im Alten und im Neuen Testament und lehrte uns nicht nur, was unsere Vernunft nicht enthüllen konnte, sondern auch viele Wahrheiten, die wir rational erkennen konnten, die aber die Menschheit durch eigene Schuld nicht wirklich erkannt hatte. Die Tugend, durch die wir an die Offenbarung glauben, ist der Glaube. Niemand kann einen Akt des Glaubens ohne die übernatürliche Hilfe der Gnade Gottes vollbringen. Diese Gnade gibt Gott allen Menschen und in strömender Fülle den Mitgliedern der katholischen Kirche. Diese Gnade ist die Bedingung ihrer Erlösung. Niemand wird zur ewigen Glückseligkeit kommen, wenn er den Glauben ablehnt. Durch den Glauben wohnt der Heilige Geist in unseren Herzen. Den Glauben ablehnen bedeutet, den Heiligen Geist ablehnen, Jesus Christus aus der Seele vertreiben.
Schauen wir jetzt um uns herum, wie viele Katholiken den Glauben ablehnen. Sie wurden getauft, aber im Laufe der Zeit haben sie den Glauben verloren. Verloren durch ihre eigene Schuld, denn niemand verliert den Glauben ohne Schuld und zwar durch schwere Schuld. Und siehe, gleichgültig oder feindselig, denken, fühlen und leben sie wie Heiden. Es sind unsere Verwandten, unsere Nachbarn, vielleicht unsere Freunde! Ihr Unglück ist immens. Unauslöschlich ist das Zeichen der Taufe in ihnen. Sie sind für den Himmel gezeichnet und fahren zur Hölle. In ihren erlösten Seelen ist das Zeichen des Blutes Christi. Niemand kann es löschen. Es ist in gewisser Weise das Blut Christi selbst, das sie entweihen, wenn sie in dieser erlösten Seele Prinzipien, Maximen und Normen akzeptieren, die der Lehre der Kirche widersprechen. Der abtrünnige Katholik hat etwas Analoges zum abtrünnigen Priester. Er schleppt die Überreste seiner Größe mit sich, entweiht sie, erniedrigt sie und erniedrigt sich mit ihnen. Aber er verliert sie nicht.
Was ist mit uns? Geht uns das was an? Leiden wir darunter? Beten wir, dass diese Seelen sich bekehren? Tun wir Buße? Machen wir Apostolat? Wo ist unser Rat? Wo sind unsere Argumente? Wo ist unsere Nächstenliebe? Wo ist unsere mutige und energische Verteidigung der Wahrheiten, die sie leugnen oder verletzen?
Das Heilige Herz blutet damit. Es blutet wegen dem Abfall vom Glauben und wegen unserer Gleichgültigkeit. Eine doppelt tadelnswerte Gleichgültigkeit, weil es Gleichgültigkeit gegenüber unserem Nächsten und vor allem Gleichgültigkeit gegenüber Gott ist.
Verschwörung
Wie viele Seelen auf der ganzen Welt verlieren den Glauben? Denken wir an die unkalkulierbare Anzahl gottloser Zeitungen, gottloser Radiosendungen, die täglich die Welt überschwemmen. Denken wir an die unzähligen Handlanger des Teufels, die auf den Lehrstühlen, in den Familien, an den Orten der Versammlungen oder Vergnügungen ruchlose Ideen verbreiten. Wer wird von all diesen Bemühungen des Teufels zugeben, dass sie keine Wirkung haben? Die Auswirkungen all dessen liegen vor uns. Täglich werden die Institutionen, Bräuche und die Kunst entchristlicht, ein unverkennbares Zeichen dafür, dass die Welt selbst für Gott verloren geht.
Ist in all dem keine große Verschwörung? So viele Bemühungen, harmonisch miteinander verbunden, einheitlich in ihren Methoden, in ihren Zielen, in ihrer Entwicklung, kann das nur das Werk von Zufällen sein? Wo und wann brachten nicht artikulierte Absichten die gewaltigste artikulierte ideologische Offensive hervor, die in der Geschichte bekannt ist, die vollständigste, geordnetste, umfangreichste, genialste, einheitlichste in ihrem Wesen, in ihren Zielen, in ihrer Entwicklung?
Wir denken nicht darüber nach. Wir bemerken es nicht einmal. Wir schlafen in der Müdigkeit unseres alltäglichen Lebens. Warum sind wir nicht wachsamer? Die Kirche leidet unter allen Qualen, ist aber allein. Weit, weit weg von ihr dösen wir dahin. Es ist die Szene des Ölgartens, die sich wiederholt.

Tatsächlich hatte die Kirche nie so viele Feinde und paradoxerweise nie so viele „Freunde“. Hören wir die Spiritisten: Sie sagen, dass sie keinen Krieg gegen die Religion führen und gegen den Katholizismus noch weniger als jeder andere. Doch das Leben aller Kommunisten, Spiritisten und Protestanten ist von morgens bis abends nichts anderes als eine Verschwörung gegen die Kirche. Auch sie haben ihre Lippen bereit für den Kuss, obwohl sie in ihren Gedanken längst beschlossen haben, die Kirche Gottes zu vernichten.
Lauheit
Und unter uns? Diesen Glauben, den so viele bekämpfen, verfolgen, verraten, Gott sei Dank, wir haben ihn.
Welchen Gebrauch machen wir von ihm? Lieben wir ihn? Verstehen wir, dass unser größtes Glück im Leben darin besteht, Mitglieder der Heiligen Kirche zu sein, dass unsere größte Ehre der Titel eines Christen ist?
Wenn ja - und wie selten sind diejenigen, die mit gutem Gewissen dies bejahen könnten - sind wir bereit, alle Opfer zu bringen, um den Glauben zu bewahren?
Sagen wir nicht in einem romantischen Aufschwung, ja. Seien wir positiv. Werfen wir einen kalten Blick auf die Fakten. Steht nicht neben uns der Henker, der uns die Alternative des Kreuzes oder des Abfalls stellt? Aber jeden Tag erfordert die Bewahrung des Glaubens Opfer von uns. Tun wir sie?
Ist es in etwa wahr, dass wir, um den Glauben zu bewahren, alles vermeiden, was ihn gefährden könnte? Vermeiden wir Lektüren, die ihn beleidigen könnten? Vermeiden wir die Gesellschaft, mit der er der Gefahr ausgesetzt ist? Suchen wir nach Umgebungen, in denen der Glaube gedeiht und Wurzeln schlägt? Oder leben wir um weltliche und flüchtige Freuden zu genießen in Umgebungen, in denen der Glaube verkümmert und in Trümmer zu fallen droht?
Jeder Mensch neigt aufgrund des Geselligkeitsinstinkts dazu, die Meinungen anderer zu akzeptieren. Im Allgemeinen sind heutzutage die vorherrschenden Meinungen unchristlich. In Fragen der Philosophie, Soziologie, Geschichte, positiven Wissenschaften und der Kunst kurz, in allem wird kirchenwidrig geurteilt. Unsere Freunde folgen dem Strom. Haben wir den Mut, nicht zuzustimmen? Schützen wir unseren Geist vor dem Eindringen falscher Ideen? Denken wir mit der Kirche in allem und für alles? Oder geben wir uns damit zufrieden, sorglos weiterzuleben und alles zu akzeptieren, was der Geist der Welt in uns einprägt, und einfach, weil er ihn uns einprägt?
Es kann sein, dass wir Unseren Herrn nicht aus unserer Seele vertrieben haben. Aber wie behandeln wir diesen göttlichen Gast? Ist er das Objekt aller Aufmerksamkeit, das Zentrum unseres intellektuellen, moralischen und affektiven Lebens? Ist er der König? Oder gibt es einfach für Ihn einen kleinen Raum, um Ihn als sekundären, uninteressanten Gast zu tolerieren, der etwas ungelegen ist?
Als der göttliche Meister während der Passion stöhnte, weinte und Blut schwitzte, wurde er nicht nur von körperlichen Schmerzen gequält, nicht einmal von dem Leiden, das durch den Hass derer verursacht wurde, die ihn im Moment verfolgten. Er litt alles, was wir ihm und der Kirche an Schmerzen in den kommenden Jahrhunderten zufügen würden. Er weinte um den Hass aller Gottlosen, aller Arius, Nestorius, Luthers, aber er weinte auch, weil er vor sich die endlose Prozession lauwarmer Seelen, gleichgültiger Seelen sah, die, ohne ihn zu verfolgen, ihn nicht liebten, wie sie sollten.
Es ist die unzählige Phalanx derer, die ihr Leben ohne Hass und ohne Liebe verbracht haben und laut Dante aus der Hölle ausgeschlossen werden, weil es nicht einmal einen geeigneten Ort in der Hölle für sie gab.
Sind wir in dieser Prozession?
Dies ist die große Frage, die wir mit Gottes Gnade in diesen Tagen der Einkehr, Frömmigkeit und Buße, in die wir jetzt eintreten, beantworten müssen.


Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
„Legionário“, Nr. 764, 30. März 1947

© Nachdruck der deutschen Fassung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet

 .

Donnerstag, 2. April 2020

Auch wir...


Der Apostel Thomas steckt den Finger in die Seitenwunde des Herrn
(in Notre Dame von Paris, 14. Jhd.)
Plinio Corrêa de Oliveira
In unserem letzten Artikel (Palmsonntag) haben wir gezeigt, dass die Meditationen, die so häufig über die Undankbarkeit, Feigheit und Blindheit der Apostel während der Passion gemacht werden, kein rein spekulatives Interesse für uns haben sollten. Auch wir haben eine Undankbarkeit, Feigheit und Blindheit, die der der Apostel gegenüber unserem Herrn sehr ähnlich ist, und es wäre lächerlich, nur an ihre Mängel zu denken, ohne auch den „Balken in unserem eigenen Auge“ zu berücksichtigen. Niemand heiligt sich selbst, indem er über die Tugenden oder Mängel anderer meditiert, wenn er dies nicht tut, um seine eigenen Tugenden zu vermehren oder seine eigenen Mängel zu bekämpfen. Wenn unsere Augen auf die Passion unseres Herrn gerichtet sind, dürfen wir uns deshalb nicht vergessen, denn unser Herr bittet uns nicht so sehr, dass wir mit Unserer Lieben Frau um die Leiden des Lammes Gottes weinen, sondern dass wir darauf achten, unsere eigene Seele nicht in einer zweiten Ausgabe derer, die Ihn geopfert haben, zu verwandeln.
Diese Überlegung, die in Bezug auf die milden Traurigkeiten der Karwoche absolut zutreffend ist, gilt Punkt für Punkt auch für die strengen Freuden der Auferstehung. So viele Menschen sind erstaunt und empört über die Verwirrung voller Niedergeschlagenheit und das Schwanken des Geistes, das sich nach dem Tod Unseres Herrn bei den Aposteln bezüglich der Auferstehung zeigte. Der Erlöser hatte klar und deutlich vorausgesagt, dass Er von den Toten auferstehen würde. Nachdem Er jedoch am Kreuz gestorben war, überließen sich die Apostel einer Niedergeschlagenheit, die alle Schwankungen in ihren Seelen deutlich sichtbar machte. Und Thomas wollte den Erlöser mit den Fingern berühren, um an die Wahrhaftigkeit der Auferstehung zu glauben.
Die Realität ist nun, dass auch wir der gleichen Schwäche ausgesetzt sind, die oft mit unserer eigenen Zustimmung in uns obsiegt. Sicherlich glauben wir alle, Gott sei Dank, mit aller Entschiedenheit und ohne das geringste Zögern an die Objektivität der Auferstehung Unseres Herrn Jesus Christus. Aber es gibt noch eine andere Wahrheit, die wir zweifellos zugeben, die wir aber manchmal mit solcher Angst zugeben, dass wir ihr einen fast rein spekulativen und so eingeschränkten Sinn geben, dass wir die Kritik des Heiligen Geistes vollkommen verdienen: „die Wahrheiten haben abgenommen bei den Menschenkindern“. Es ist keine Wahrheit, an der wir zweifeln, aber über die wir in unseren Gedanken eine verminderte Vorstellung haben. Wie viele und wie viele Fehler ergeben sich daraus!
* * *
Diese Wahrheit, die Unser Herr auf unverkennbare Weise bekräftigte und für die Sein Wort nicht weniger unfehlbar ist als bei der Vorhersage seiner Auferstehung, es ist die übernatürliche Fruchtbarkeit der heiligen, katholischen, apostolischen und römischen Kirche, die trotz der Angriffe all ihrer Feinde bis zum Ende der Zeiten aufrecht stehen bleibt, immer in der Lage, die Menschen guten Willens durch die Gnade an sich zu ziehen.
Natürlich sind alle Katholiken verpflichtet an diese Wahrheit zu glauben. Die Kirche wird niemals diese Gabe verlieren, Seelen an sich zu ziehen. Dies zu leugnen bedeutet, nicht wahrhaben wollen, dass Jesus Christus Gott ist oder dass die Evangelien vom Heiligen Geist inspirierte Bücher sind. Dies zu leugnen heißt daher, die Religion selbst zu leugnen. Aber diese Wahrheit, die alle akzeptieren, hat sie jeder in gleichen Maßen? Sehen es alle mit der gleichen Klarheit? Ziehen alle die gleichen Schlussfolgerungen daraus?
In den turbulenten Tagen, die wir durchmachen, wenn wir sehen, wie sich die Häresie in ganz Europa ausbreitet und die ganze Welt bedroht, wie viele Menschen glauben, dass die Kirche so bedroht ist, dass sie dazu neigt, vor den gegenwärtigen Weltherrschern Zugeständnisse zu machen? Heutzutage hat die allgemeine Paganisierung der Bräuche alle Bereiche der Gesellschaft durchdrungen und einen Abgrund gegraben, der immer tiefer wird, zwischen dem Geist der Kirche und dem Geist der Zeit. In Anbetracht dessen, wie viele Menschen raten der Kirche zu moralischen Zugeständnissen, die in der Lage wären, sie mit dieser Gesellschaft zu versöhnen, ohne deren Unterstützung in der Welt befürchtet wird, dass sie zusammenbrechen wird, dass, wenn das nicht den Tod bedeutete, zumindest eine anhaltende Ohnmacht wäre. Angesichts der Bildung pseudowissenschaftlicher Strömungen, die zunehmend gegen die unfehlbaren Lehren der Kirche sind, wie viele Menschen möchten, dass die Kirche, wenn sie die bereits definierten Wahrheiten nicht ändern will, zumindest nicht ihre Lehre in noch kontroverseren Punkten zu definieren, in denen jegliche Definition von Seiten des Katholizismus die Gegensätze zu unserer Zeit nur noch größer werden?
Entstehen all diese Fehler einer mehr oder weniger unbewussten Angst vor der Fruchtbarkeit der Kirche?
Was ist eigentlich katholische Lehre? Es ist eine Gesamtheit von Wahrheiten. Sobald in dieser Gesamtheit nur eine Wahrheit verfälscht würde, würde die katholische Lehre nicht mehr sie selbst sein. So ist der Versuch, sie irgendwie anzupassen, daraufhin zu arbeiten, dass sie ihre eigene Identität verliere. Mit anderen Worten, es ist der Versuch, sie zu vernichten. Und zu meinen, dass das Apostolat ohne diese Anpassung unmöglich ist, bedeutet zu meinen, dass die Kirche nur sterbend siegen kann!
* * *
Natürlich kann sich dieses Zögern bei einem echten Katholiken nicht auf bestimmte Wahrheiten beziehen, die von der Kirche bereits unwiderruflich definiert wurden. Es gibt jedoch eine Menge praktischer Anwendungen von Prinzipien oder Lehren die sich aus bereits definierten Prinzipien ableiten, in denen diese Schwäche zum Ausdruck kommen kann. Anstatt in der Lehre oder in der praktischen Anwendung der Prinzipien die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nur die Wahrheit zu suchen, werden die diesbezüglichen Überlegungen mehr oder weniger von der Sorge durchdrungen, den Irrtümern der Welt nachzugeben. Anstatt zu versuchen, alle vorhandenen Früchte einer intellektuellen und moralischen Ordnung aus dem Schatz der katholischen Wahrheiten herauszuholen, möchte man eher wissen, was als umstritten und daher als freie Materie bezeichnet werden kann, als das, was als wahrhaftig bezeichnet wird und daher als sichere Lehre gilt.
Mit anderen Worten, die unveränderliche Angewohnheit, sich herablassen zu müssen, führt dazu, dass viele Menschen versuchen, die für den Zweifel reservierten intellektuellen Räume zu erweitern. In Gegenwart einer aus der katholischen Lehre abgeleiteten Bestätigung sollte die Frage lauten: Kann ich diesen Reichtum stärker in das Erbe meiner Überzeugungen einbeziehen? Und nicht die im Allgemeinen gestellte andere Frage: Welche Gründe kann ich entdecken, um dies auch zu bezweifeln?
Pius XI., der den Ew. Erzbischof von Cuiabá in Audienz empfing, gab ihm als Schlagwort für katholische Journalisten in Brasilien: „dilatate spatia veritatis“ (erweitert den Raum für die Wahrheit). Viele Menschen tun gerne das Gegenteil: Anstatt sich zu bemühen, aus den bereits bekannten Lehrwahrheiten neue abgeleitete zu entdecken, oder die Anwendung dieser Wahrheiten in der Praxis so weit wie möglich auszudehnen, wird alles daran gesetzt, so viel wie möglich Positives zu leugnen, was man auf diesem Weg herausholen will. Kurz gesagt, dies ist genau das Gegenteil eines wahren konstruktiven Geistes, es ist die Erweiterung von Räumen, nicht der Wahrheit, sondern des Zweifels.
* * *
Wenn Offenbarung ein Schatz und die Verbreitung des Evangeliums ein Gut ist, müssen wir umso glücklicher sein, je mehr dieser Schatz verbreitet und dieses Gut verteilt wird. Viele denken jedoch, es muss das Gegenteil sein. Je mehr die logischen Konsequenzen der Offenbarung verborgen werden und die Konsequenzen dessen, was im Evangelium steht, verkürzt werden, desto wohltätiger ist man! Wie wohltätig wäre doch Gott gewesen, wenn er weniger strenge Sitten auferlegt hätte! Warum hat er nicht vorausgesehen, dass im 20. Jahrhundert eine solche Moral ein „Klotz am Bein“ sei, dass jegliche Verbreitung verhindert! Korrigieren wir das Werk Gottes: Verkürzen wir das, was in seinem Werk zu lang ist, trüben wir das Licht dessen, was zu hell scheint, und so hätten wir der Menschheit großen Nutzen gebracht. Wie viele Menschen argumentieren in der Praxis so!
Jesus erscheint dem Petrus nach der Auferstehung
(in Notre Dame, Paris)

Spiegelt dies nicht die Angst wider, dass die Kirche schon nicht mehr mit der Unterstützung Gottes rechnen kann und, wenn sie keine Zugeständnisse macht, keine Menschenmengen mehr anziehen kann? Ähnelt dieser Zweifel an die übernatürliche Hilfe, die Gott der Kirche gibt, dem Zweifel, den viele vor der Auferstehung an diese empfunden haben?
Denken wir darüber nach. Und bitten wir Unseren Herrn, dass wir, indem Er die Schätze der Gnaden, die wir abgelehnt, wieder in uns erstehen lässt, dass wir wieder zu dieser jungfräulichen Orthodoxie des Glaubens und zu jener Vollkommenheit des Lebens zurückkehren, die uns vielleicht die Sünde durch unsere größte Schuld gestohlen hat.




Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
O “Legionário”  Nr. 448, vom 13. April 1941
© Nachdruck der deutschen Fassung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Mittwoch, 1. April 2020

Politische Meditation über den Triumph und die Passion des Sohnes Gottes





Die Ereignisse, die heute (Palmsonntag) und in der kommenden Woche (Karwoche) gefeiert werden, bieten uns Katholiken in den stürmischen Tagen, in denen wir leben, Material für eine sehr nützliche politische Meditation. Es gibt zwei sehr schlimme Fehler, die unter brasilianischen Katholiken nicht ungewöhnlich sind und die in dieser außergewöhnlichen Gelegenheit der Karwoche aufgedeckt werden müssen. Wie so oft kommen diese Fehler nicht von falschen Prämissen, sondern von unvollständigen Prämissen. Es ist eine teilartige und eingeschränkte Sicht der Dinge, die sie verursachen. Und nur eine genaue Meditation, die im Lichte natürlicher Überlegungen oder Argumente gemacht wird, die von übernatürlichen Motiven inspiriert sind, kann den schlechten Keim ans Licht bringen, der in ihnen lauert.
* * *
Der erste dieser Fehler besteht darin, das Handeln der Kirche als ineffizient zu betrachten, um die gegenwärtige Krise zu lösen.
In bestimmten katholischen Kreisen — die deswegen nicht unbedingt katholische Kreise sind — und in einem gewissen Sektor, der denkt oder sagt, den Katholiken nahezustehen, wird gesagt dass die Kirche nicht mehr ausreicht, um sich dem Kommunismus entgegen zu stellen. Deshalb sei es notwendig, sich an eine andere Organisation zu wenden, die ja die katholische Zivilisation retten wird.
Argumentieren wir. Und argumentieren wir nur mit der unfehlbaren Autorität der Päpste. Denn wenn für einen Katholiken ein in den Worten der Päpste inspiriertes Argument nicht überzeugend genug ist, ist es für diesen Katholiken besser, seinen Katechismus gut von neuem zu studieren, bevor er versucht, „die Zivilisation zu retten“.
So sagt der Heilige Vater Leo XIII., und nach ihm haben alle Päpste es wiederholt, dass der Kommunismus ein Übel von überaus moralischem Ursprung ist. Es sind nicht so sehr die wirtschaftlichen oder politischen Faktoren, die die kommunistische Bewegung hervorrufen. Vor allem und mehr als alles hat der Kommunismus den moralischen Zusammenbruch der heutigen Zivilisation verursacht. Diese moralische Krise führte zu wirtschaftlichen, sozialen oder politischen Krisen. Und nur wenn sie gelöst ist, werden Probleme im Zusammenhang mit Finanzen, politischer Organisation und sozialem Leben der heutigen Völker gelöst.
Andererseits kann die Lösung dieses moralischen Problems nur in der Tätigkeit der Kirche liegen, denn nur der Katholizismus, der mit seinen übernatürlichen und natürlichen Ressourcen bewaffnet ist, hat die wunderbare Gabe, in den Seelen die Früchte der Tugend hervorzubringen, die für das Gedeihen der katholischen Zivilisation wesentlich sind.
Was wir gerade gesagt haben, stammt direkt aus den Enzykliken. Man braucht sie bloß aufzuschlagen, um zu finden, was wir behaupten.
Infolgedessen eines von beiden: Entweder liegen die Päpste falsch, oder wir müssen erkennen, dass nur der Katholizismus die Welt vor der Krise retten wird, in die sie steckt. Daher ist es sinnlos zu diskutieren, ob Katholiken in Land A oder Land B gut gehandelt haben oder nicht. Wenn in Brasilien Katholiken genug Opfergeist haben, um die Ideale der Katholischen Aktion zu verwirklichen; wenn es wahr ist, dass nur die Kirche zeitgenössische Übel beseitigen kann, müssen wir uns nur innerhalb der Reihen der Kirche bemühen, diese Übel zu beseitigen. Es geht uns wenig an, ob andere ihre Pflicht nicht erfüllen. Erfüllen wir unsere Pflicht! Und wenn, nachdem wir alles Mögliche getan haben - das Wort „alles“ bedeutet wirklich alles, und absolut alles und nicht nur „ein wenig“ oder „viel“ -, ergeben wir uns der Lawine die da kommt. Denn wenn auch Brasilien und die ganze Welt zugrunde gehen, wenn selbst die Kirche von den Wölfen der Häresie verwüstet wird, sie ist unsterblich. Sie wird über das tosende Wasser der Sintflut schwimmen. Und aus ihrem heiligen Busen werden nach dem Sturm wie Noah aus der Arche die Menschen herauskommen, die die Zivilisation von morgen gründen werden.
Aber bestimmte Katholiken wollen nicht bis dorthin kommen. Wie damals die Juden verstehen sie Christus nur auf einem Thron der Herrlichkeit. Sie sind ihm nur an Tagen wie dem Palmsonntag treu, wenn die Menge ihm zujubelt und den Weg mit ihren Kleidern bedeckt. Denn für sie muss der Christus ein irdischer König sein. Er muss die Welt dauerhaft beherrschen. Und wenn für eine Weile die Bosheit der Menschen ihn vom König zum Gekreuzigten reduziert, vom Souverän zum Opfer, wollen sie nichts mehr von ihm wissen.
Christus ist für sie nicht gekommen, um Seelen für die Ewigkeit zu retten. Er kam vielmehr, um auf der Welt ein korporatives Regime einzuführen, und den Kommunismus zu bekämpfen. Und wenn der Kommunismus für eine Weile gewinnt, wird nicht viel fehlen, dass gewisse Hände die Peitsche schwingen, um im Verein mit den Kommunisten den großen Schuldigen zu geißeln!
Christus wollte jedoch alle Schmach, allen Verdruss, alle Demütigungen durchgehen und zeigen, dass die Geschichte der Kirche auch ihre Kalvarienberge, ihre Demütigungen, ihre Niederlagen haben würde. Und das die Treue auf dem Golgatha viel verdienstvoller ist als die auf dem Tabor.
* * *
Um Menschen wie diese zu lehren, unterwarf sich Unser Herr auf Golgatha allen Demütigungen.
Um jedoch andere Menschen zu lehren, wollte er den Ruhm des Palmsonntags.
Es gibt Menschen mit einer verabscheuungswürdigen Mentalität, die es für absolut natürlich halten, dass Christus leidet, dass die Kirche belästigt, gedemütigt und verfolgt wird. Bequemliche Menschen, „cujus Deus venter est“ — „dessen Gott ihr eigenen Leib ist“ — und die der Meinung sind, weil die Kirche Christus nachahmen soll, es normal ist, dass alle Protestanten, alle Spiritisten, alle Juden oder Freimaurer der Welt sich gegen sie werfen und ihr Leid zufügen. Es ist die Passion Christi, die sich wiederholt, sagen sie. Und während sich diese Passion wiederholt, führen sie ihr üppiges und bequemes Leben, in Orgien, im Unrat, in der Ausschweifung aller Sinne und im Begehen jeglicher Sünden.
Für solche Menschen wurde die Peitsche geflochten, mit der die Händler aus dem Tempel vertrieben wurden.
Es ist nicht wahr, dass wir angesichts der Angriffe der Feinde der Kirche unsere Arme verschränken sollen. Es ist nicht wahr, dass wir schlafen sollen, während die Passion sich erneuert. Christus selbst empfahl seinen Aposteln, zu beten und zu wachen. Und wenn wir die Leiden der Kirche mit der Resignation akzeptieren sollen, mit der die Muttergottes die Leiden ihres Sohnes akzeptiert hat, ist es nicht weniger wahr, wenn wir uns angesichts der Schmerzen des Erlösers in der Schläfrigkeit, der Gleichgültigkeit und der Feigheit der untreuen Jünger verhalten, und dass dies ein Grund für die ewige Verdammnis für uns sein wird.
* * *

Und das ist die Wahrheit: Wir müssen immer auf Seiten der Kirche stehen, „weil sie allein Worte des ewigen Lebens hat“. Wenn sie angegriffen wird, kämpfen wir für sie. Aber kämpfen wir wie die Märtyrer, bis unser Blut vergossen ist, bis zur Anwendung der letzten Mittel an Energie und Intelligenz. Wenn sie trotz alledem weiterhin unterdrückt wird, leiden wir mit ihr, wie der heilige Johannes der Evangelist am Fuße des Kreuzes. Und seien wir sicher, dass der barmherzige Jesus uns in dieser oder in der nächsten Welt nicht den großartigen Preis verweigern wird, seine göttliche und höchste Herrlichkeit zu schauen.

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer aus
O „Legionário“ Nr. 236, vom 21/3/1937
© Nachdruck der deutschen Fassung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Samstag, 28. März 2020

Palmsonntag



Plinio Corrêa de Oliveira
Ein Mangel, der oft die Wirksamkeit der Meditationen mindert, die wir machen, besteht darin, die Ereignisse des Lebens unseres Herrn zu meditieren, ohne sie auf das anzuwenden, was in uns oder um uns herum geschieht. So sind wir erstaunt über den Wankelmut und die Undankbarkeit der Juden, da sie, nachdem sie mit der feierlichsten Aufnahme die Anerkennung verkündet hatten, die sie dem Erlöser schuldeten, Ihn kurz darauf mit einem Hass kreuzigten, der vielen unerklärlich erscheint.
Diese Undankbarkeit und Wankelmut gab es jedoch nicht nur bei den Juden zur Zeit des irdischen Lebens unseres Herrn. Heute muss Jesus im Herzen vieler Gläubigen diese Alternativen der Anbetung und der Schmähungen ertragen. Und das ist nicht nur im geschlossenen Inneren der Gewissen der Fall. In wie vielen Ländern wurde Unser Herr nacheinander in kurzen Abständen verherrlicht und geschmäht?
Lasst uns unsere Zeit nicht ausschließlich damit verbringen, uns über die Falschheit des damals auserwählten Volkes zu entsetzen. Für unser Heil wird es für uns sehr nützlich sein, über unsere eigene Falschheit nachzudenken. Mit den Augen auf die Güte Gottes gerichtet können wir so unser Leben verändern.
*   *   *
Niemand ignoriert die Tatsache, dass Sünde eine Beleidigung Gottes ist. Wer tödlich sündigt, vertreibt Gott aus seinem Herzen, bricht mit ihm die kindlichen Beziehungen, die er ihm als Geschöpf schuldet, und lehnt die Gnade ab.
Somit gibt es eine bemerkenswerte Analogie zwischen der Geste der Juden, den Erlöser zu töten, und unserer Situation, wenn wir in Todsünde verfallen.
Nun, wie oft und wie oft sind wir, nachdem wir unseren Herrn leidenschaftlich verherrlicht haben, für unsere Handlungen oder zumindest nachdem wir dem Schein nach ihn mit den Lippen verherrlicht haben, in Sünde gefallen sind und Ihn in unserem Herzen gekreuzigt haben!
Das gleiche gilt für viele zeitgenössische Nationen. Sie veranstalten imposante katholische Kundgebungen, in denen sie unseren Herrn öffentlich verherrlichen. Gleichzeitig planen die von ihnen an der Macht gehaltenen Staatsmänner, manchmal in der Stille, manchmal hinterlistig, den Ruin katholischer Institutionen und den Zusammenbruch der heutigen Zivilisation in ihren noch christlichen Linien! Während solche Katholiken ihre Liebe zur Kirche Christi verkünden, dulden sie durch ihre Vernachlässigung, durch ihre Lauheit, durch ihre Gleichgültigkeit, dass die Kirche langsam gefesselt, ihr Einfluss weise untergraben, ihre Tätigkeit verschleiert wird, damit am Tag, an dem die Stunde des gewalttätigen Angriffs ertönt, die Reaktion völlig unmöglich geworden ist.
Offensichtlich bereiteten solche Völker, nachdem sie Unseren Herrn als König anerkannt oder während sie dies taten, Verfolgungen und Leiden vor, die sich kaum von der großen und göttlichen Tragödie der Karwoche unterscheiden.
*   *   *
Gott sei Dank ist es jedoch nicht nur der Wankelmut und Falschheit der Juden, die heute überlebt. Es gibt auch - und wie bewegend sie sind - Gesten, die unwiderstehlich an die Frömmigkeit erinnern, die Veronica so mild gegenüber Jesus, und so überlegen gegen seine Verfolger hatte.
Wenn es wahr ist, dass unser Zeitalter von großen und unerwarteten Apostasien geprägt ist, ist es nicht weniger sicher, dass der Historiker in Zukunft eine Zeit großer Heiliger darin sehen wird, die für die Tugend der Stärke, Klugheit, Mäßigkeit und Gerechtigkeit bewundernswert ist, die die Welt scheint so radikal vergessen zu haben.
Unser Herr wird in unserer Zeit zweifellos sehr beleidigt. Lasst uns einige dieser Sühneseelen sein, die, wenn nicht aufgrund des Glanzes unserer Tugend, zumindest aber wegen der Aufrichtigkeit unserer Demut - intelligente, vernünftige, solide Demut und nicht nur Demut ausflüchtigen Geschwätzes und krummem Halses – sühnen wir an diesen heiligen Tagen, am Throne Gottes so viele Beleidigungen, die Ihm unaufhörlich zugefügt werden.


Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
„O Legionário“, Nr. 447, 6.04.1941
© Nachdruck der deutschen Fassung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Die heilige Traurigkeit des göttlichen Gekreuzigten


Plinio Corrêa de Oliveira
Die katholische Liturgie feiert in diesem Monat das Leiden und Sterben Unseres Herrn Jesus Christus. Zum Anlass veröffentlicht die Zeitschrift „Catolicismo“ in dieser Ausgabe einige Bilder eines prächtigen barocken Kruzifixes - ein authentisches Kunstwerk aus unserer Kolonialzeit -, das im Sitz des Nationalrates der Gesellschaft zur Verteidigung von Tradition, Familie und Eigentum - TFP in São Paulo verehrt wird. Diese Bilder eignen sich zur frommen Meditation über die unaussprechlichen Leiden unseres Erlösers.
Was an diesem Kunstwerk am meisten beeindruckt, ist der Schmerz und die Traurigkeit des göttlichen Gekreuzigten. Die Misshandlungen durch die Henker trugen zu diesem Schmerz bei, die ohne die schändliche praeternatürliche (aus der Unterwelt) Hilfe nicht in der Lage gewesen wären, die Grausamkeit zu einem solchen Ausmaß zu führen.
Der Gottmensch litt in seiner menschlichen Natur. Jeder Mensch wäre ohne die besondere Hilfe des himmlischen Vaters und der Engel nicht in der Lage, solches Leiden zu ertragen. Und es ist angebracht zu betonen, dass die Traurigkeit des Erlösers mehr auf die Sünden der Menschheit zurückzuführen war, die durch seine Passion und seinen Tod erlöst wurden, als auf die physischen Qualen, die er durch Seine Peiniger erlitten hat.
In früheren Zeiten wie auch in unserer Zeit ist es für treue Seelen besonders beeindruckend, den am Kreuz leidenden Jesus Christus zu betrachten. Obwohl es während der Passion viele andere ehrwürdige und bewegende Ereignisse gab - zum Beispiel die Geißelung und die Dornenkrönung -, zieht es die Frömmigkeit der echten Katholiken am meisten an, den am Kreuz genagelten göttlichen Erlöser auf dem Höhepunkt seines Leidens zu betrachten.
Diese Stimmung der Seele ist der weltlichen Freude diametral entgegengesetzt, die in besonderer Weise von der Atmosphäre dominiert wird, die in unseren Tagen von den Medien und dem Kino geschaffen wurde: künstliche unruhige Freude, bis zur Verzweiflung, durstig nach Sünde oder bereits von ihr schon durchtränkt.
Es gibt Leute, die sagen, dass der Katholik immer ein heiteres Gesicht und überschäumende Zufriedenheit zeigen muss, und sich auf einen Gedanken des Heiligen Franz von Sales berufen, um eine solche Haltung zu rechtfertigen: „Ein trauriger Heiliger ist ein heiliger Trauriger“. Es ist jedoch notwendig zu wissen, wie man zwischen gesunder und ungesunder Traurigkeit unterscheidet. Derselbe Heilige macht das in seiner Arbeit „Tröstende Gedanken“ deutlich, indem er sich auf die Lehre des heiligen Thomas von Aquin beruft: „Traurigkeit kann gut oder schlecht sein, je nachdem, welche Auswirkungen sie auf uns hat.“ So kann das eigentliche einer tugendhaften Seele selbst darin bestehen, gute Traurigkeit zu erfahren und sie sogar im Gesichtsausdruck anmerken lassen, denn sie kann damit auf den anderen erbaulich wirken. Diese Traurigkeit hat Unser Herr erfahren und im Ölgarten gezeigt, als er sagte: „Meine Seele ist traurig bis in den Tod.“ Und auch von der Höhe des Kreuzes aus berührte und bekehrte der menschgewordene Gott durch seine Traurigkeit und Angst Seelen wie die des guten Schächers Dimas und den Soldaten Longinus. Ebenso kann die Traurigkeit, die bei tugendhaften Menschen aus ihrem Antlitz durchschimmert, andere anziehen und erbauen. Es ist auf diese Traurigkeit, die der Heilige Geist anspielt: „Wegen der Traurigkeit, die auf dem Antlitz erscheint, wird das Herz des Verbrechers gewandelt.“
So wie zwei Arten von Traurigkeit unterschieden werden kann, kann man auch von einer heiligen Freude sprechen, die sich aufbaut, und von einer weltlichen Freude, die Anstoß erregt. Es ist diese letzte Freude, auf die sich der Heilige Geist bezieht, wenn er sagt: „Wie das Knistern der Dornen, die unter einen Topf brennen, so ist auch das Lachen des Narren; aber auch das ist Eitelkeit“.
Leider überwiegt in den Tagen der Torheit und des Wahnsinns, in denen wir leben, diese falsche Freude in fast allen Geistern und Umgebungen. Eine Zeit erschüttert durch eine immense religiöse und moralische Krise, die mehrere Bilder Unserer Lieben Frau in verschiedenen Regionen der Welt zum Vergießen von Tränen geführt hat.
In Anbetracht dessen versteht es sich, dass der wahre Katholik, obwohl er eine gesunde Freude fühlen und ausdrücken kann, nicht versäumen wird, besonders in seiner Seele einen Hauch von würdiger, männlicher Traurigkeit zu erfahren, die denen eigen ist, die das Leiden unseres Herrn bis hin zum Kalvarienberg begleiten. Und noch genauer, geeignet für diejenigen, die sich heute mit der Heiligen Passion verbinden, der Passion der Kirche - der mystische Leib Christi. Und für jeden Katholiken, der unter dem „mysteriösen Prozess der Selbstzerstörung“ der Kirche leidet, haben die Schmerzen in diesem Ausdrucksvollen Antlitz dieses Gekreuzigten eine tiefgreifende Bedeutung!
*   *   *
Es gibt zwei Aspekte der Skulptur, in denen die künstlerische Arbeit und insbesondere der physiognomische Ausdruck sich verfeinern. Erstens sind es die offenen Lippen, zwischen denen die Zähne leicht zum Vorschein kommen. Das leicht herabhängende Kinn vermittelt den Eindruck einer solchen Verlassenheit von Kräften, dass diese nicht einmal ausreichen, um die Lippen geschlossen zu halten. Dann die Augen, die etwas Trauriges sehen. Doch paradoxerweise scheinen sie jedoch nicht sehen zu können. Der Blick ist fern, als würde er etwas anderes in Betracht ziehen, das Ihn untröstlich macht.
Aber trotz dieses äußersten Schmerzes - eher moralischer als physischer Natur – vernimmt man einen Frieden, eine Barmherzigkeit, eine Zärtlichkeit des Gefühls, in der die Wut nicht vorhanden ist. Die Traurigkeit ist in allem vorhanden. Aber die Traurigkeit dieses zum Tode Verurteilten ist dermaßen groß, seine Haltung so erhaben, dass sie bei weitem die Majestät eines Königs übertrifft!
Der Künstler wusste sehr gut, die Haare unseres Herrn darzustellen. Sie sind nicht ordentlich gekämmt, denn das hätte keinen Sinn, nach allem, was er erlitten hat. Sie sind jedoch wunderschön zerzaust, so dass sie sehr schöne Locken bilden. Der Bart ist so klein, dass er kaum zerzaust sein kann. Er fällt ordentlich und umrahmt das Gesicht.
Abgerundet wird das Bild durch einen silbernen Schein auf dem göttlichen Kopf, in dessen Mitte ein Topas funkelt, mit der stummen Sprache der Edelsteine. Ohne Topas würde etwas fehlen, was nicht explizit angegeben werden könnte. Der Topas, ein golden scheinender Stein, könnte vielleicht anzeigen, dass hinter dem Schmerz und höher als dieser etwas trotz allem leuchtet: die himmlische Glorie!
*   *   *
Der Ausdruck ist vielleicht noch beeindruckender als der des vorherigen Bildes. Es wurde aus einem Winkel aufgenommen, in dem man fast den Eindruck hat, von einem Moment zum nächsten in das Sichtfeld dieses Blicks einzutreten. Die Note der Traurigkeit ist noch rührender. Die Dornenkrone ist besser zu sehen. Große Dornen durchbohren die Stirn Unseres Herrn. Auf der Stirn über dem linken Auge ist eine schwere Wunde zu erkennen. Man hat den Eindruck, dass ein Dorn diese Stelle durchbohrte und eine tiefe Wunde hinterließ, die durch einen Rubin dargestellt wird. Das Blut, das mit einer gewissen Zartheit fließt, gleitet so auf den göttlichen Körper, dass sich lange Fäden bilden, an deren Enden der Tropfen von einem Rubin dargestellt wird.
*   *   *
Obwohl eine Beschreibung wie diese etwas subjektiv sein kann, scheint mir, dass der Eindruck von Trostlosigkeit und Hilflosigkeit hier stärker ausgeprägt ist als in den vorhergehenden Bildern. Es ist ein Schmerz, der als unheilbar, grenzenlos erscheint und unaufhaltsam in den Tod enden muss. Dies wird nicht mit dem vorweggenommenen Trost des Himmels angekündigt, sondern in tiefe Trostlosigkeit gehüllt. Weil der Gekreuzigte die Bosheit der Menschen im Blick hat, die sich gegen ihn werfen.
Es gibt natürlich einen Unterschied zwischen diesem Gesicht und dem des guten Schächers, als er den tröstlichen Satz des Erlösers hörte: „Heute noch wirst du bei mir im Paradies sein“. Unser Herr versicherte zuallererst, dass er auch dort sein, und dass der gute Schächer ihn dort treffen würde. Er, Dimas, war daher der erste heiliggesprochene Mensch in der Geschichte. Der gute Dieb bat um Vergebung, und der Erlöser vergab ihm. In diesem Moment wollte Unser Herr ihm diese Befriedigung geben, damit er mutig die schrecklichen Schwellen des Todes überwinden konnte. Eine solche Freude macht sich jedoch in diesem Gesicht nicht bemerkbar. Und das ist verständlich, denn Unser Herr wollte den Kelch des Leidens bis zum Ende trinken. Das Gefäß mit Galle, wollte Er ganz trinken und alles leiden, was zu leiden möglich war. Aber dem Leidensgefährten wollte der göttliche Meister zum Zeitpunkt des letzten Schritts Trost gewähren.
Bald darauf erlebte Er selbst erhabene Freude, als seine allerheiligste Seele, die hypostatisch mit der Heiligen Dreifaltigkeit verbunden war, sich vom Körper löste und sich von körperlichem und geistigem Leiden befreite. Consummatum est! Das aus Liebe für uns freiwillig angenommene Opfer voll und ganz  ertragen, kam zu seinem Ende.
*   *   *
Auf diesem Profilfoto wirkt die Trostlosigkeit noch tiefer. Man könnte sagen, dass der Tod bald eintrifft. Und die moralische Verwüstung, verursacht durch die Sünden der ganzen Menschheit, scheint diesem Gesicht besonders eingeprägt. Die körperlichen Leiden wurden durch eine solche Verwüstung weitgehend übertroffen, man könnte sagen, dass der physiognomische Ausdruck, der eine gewisse Ratlosigkeit widerspiegelt, eine stumme Trauerklage vermittelt: „Kann die Boshaftigkeit der Menschen diesen Höhepunkt erreichen?“

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
„Catolicismo“, März 1986
© Nachdruck der deutschen Fassung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Lächeln, Agonie und Tod des Gottessohnes



Es war im Jahr 1630, da beschloss Bruder Innocentius von Palermo, ein bescheidener Franziskanermönch, ein Kruzifix aus Ebenholz zu schnitzen. Er begann mit dem Corpus, es gelang ihm diesem die gewünschte Form zu geben. Er beschloss das Schnitzen des Gesichts, den schwierigsten Teil der Arbeit, als letztes zu machen. Welches Aussehen sollte er ihm geben? Die Ratlosigkeit des Bruders war tief und trüb. Eines Nachts legte er sich zum Schlafen, doch seine Unentschlossenheit lag ihm schwer auf der Seele. Als er am nächsten Morgen seine Arbeitsstätte betrat, um am unvollendeten Werk weiterzuarbeiten, fand er es unerwartet abgeschlossen, mit einem wundervollen Gesicht, wie von einem unbekannten Künstler fertig gestellt.
Es war ein Antlitz, in dem Zärtlichkeit, Männlichkeit und eine übernatürliche Salbung harmonisch miteinander verschmolzen waren, durchaus würdig, das nächtliche und mysteriöse Werk eines Engels gewesen zu sein. Je nach dem Winkel, in dem sich der Betrachter befindet, ist der Göttliche Gekreuzigte reich an Aspekten: ein lächeln liegt auf seinen Lippen, man wähnt den Todeskampf oder stellt bereits den Tod fest.
Das wundervolle Kruzifix von Bruder Innocentius, das drei Jahrhunderte lang im Sankt Damian-Schrein in Assisi aufbewahrt wird, ist ein ständiger Gegenstand der Frömmigkeit der Pilger.
Nehmen wir Ihn zur Hilfe für unsere Betrachtung in der Karwoche.
*   *   *
Was würde Dich, o Herr, am Kreuz zum Lächeln bringen? Welcher Abgrund des Widerspruchs zwischen den Schmerzen, die von Kopf bis Fuß den heiligen Körper peinigen, und diesem Lächeln, das süß, weich, mild auftaucht, Deine Lippen ein wenig öffnet und Dein Antlitz erleuchtet? Vor allem, Herr, was für ein Widerspruch zwischen dem Abgrund der moralischen Schmerzen, die Dein Herz erfüllen, und dieser so zarten und echten Freude, die in Deinem Antlitz durchschimmert! Gegen dich hat sich der ganze Ozean der Schmach und des menschlichen Elends geworfen. Es gab keine Undankbarkeit oder Verleumdung, die Dir verschont wurde. Du hast das Himmelreich gepredigt, und deine Predigt wurde wegen des abscheulichen Appetits auf die Dinge der Erde abgelehnt. Der Teufel, die Welt, das Fleisch haben Dich in einer infamen Auflehnung gegen Dich zum Galgen gebracht, und dort bist Du nun und wartest auf den Tod.
Und doch lächelst du! Warum?
Deine Augenlider sind fast geschlossen. Fast ... Und einiges kannst Du noch sehen. Und was Du siehst, o Herr, ist die größte Schönheit der Schöpfung, das Meisterwerk des himmlischen Vaters, eine in ihrer Natur reiche und unversehrte Seele - und wie viel Schönheit eine Seele haben kann, wenn auch der Materialismus unseres Jahrhunderts sie ignoriert – erfüllt mit allen Gaben der Gnade und geheiligt durch eine kontinuierliche und perfekte Entsprechung zu all diesen Gaben! Du siehst Maria. Du siehst deine Mutter. Und inmitten all dem Greuel, in dem Du versunken bist, ist die Schönheit, die Du erblickst dermaßen groß, dass Du liebevoll lächelst, um sie zu stärken, um ihr etwas von Deiner Freude zu überbringen, um ihr Deine unendlichen und erhabenen Liebe zu erklären.
Du siehst Maria. Und neben der treuen Jungfrau siehst Du die Helden der Treue: der jungfräuliche Apostel, die Heiligen Frauen, die Treue der Unschuld und die Treue der Buße. Dein Blick, für den alles gegenwärtig ist, sieht mehr, weil er sich durch die Jahrhunderte erstreckt und dich alle treuen Seelen sehen lässt, die dich bis zum Tag des Gerichts am Fuße des Kreuzes anbeten werden. Du siehst die heilige katholische Kirche, Deine Braut. Und für all das lächelst du mit dem traurigsten und freudigsten Lächeln, dem süßesten und mitleidigsten Lächeln der ganzen Geschichte.
Im Evangelium gibt es keinen Hinweis, dass Du irgendwann gelacht hättest, Herr. Und nur jene Seelen, die das liederliche und vulgäre Lachen ignorieren und es hassen, kennen das Geheimnis eines Lächelns wie dieses!
Unter den abertausenden Seelen, die Maria folgen und am Fuße des Kreuzes stehen und für die Du lächelst, gehöre auch ich dazu, Herr?
Demütig auf den Knien, mich als unwürdig wissend, bitte ich Dich, dabei zu sein. Du, der Du den Zöllner nicht aus dem Tempel vertrieben hast (vgl. Lk 18, 9-20), wirst Du aufgrund von Marias Gebeten einen reuigen und trübsinnigen Sünder nicht abweisen. Gib mir ein wenig von deinem unbeschreiblichen Lächeln von der Höhe des Kreuzes, o guter Jesus.
*   *   *
„Durch die Tränen Marias
Durch die letzte Agonie
Hab Erbarmen mit mir…“

Diese so schlichten Verse eines anspruchlosen religiösen Liedes haben sich tief in mich eingraviert. Und sie kommen mir in den Sinn, wenn ich Dein qualvolles Antlitz betrachte.
Die letzte Todesqual ... Was für eine Stärke in diesem Ausdruck. Jede Stufe dieser Qual ist wie ein Ende, aus dem das Ende nicht entspringt, sondern eine neue noch schlimmere Qual. Und so wird von Schmerz zu Schmerz, von Höhepunkt zu Höhepunkt die extreme Qual erreicht, bei der der Tod die letzten und tieferen Bande zerreist, die die Seele mit dem Körper verbinden.
Letzte Qual eines furchtbar gepeinigten Körpers ... Qual einer Seele, in der die menschliche Falschheit alle Traurigkeiten verursachte, die man sich vorstellen kann. Es ist der grausamste Teil Deines Leidensweges. Die Heiligste Jungfrau, die alles sieht und fühlt, weint. Der Himmel bedeckt sich. Die Erde scheint bereit zu sein, vor Entsetzen zu beben. Das laute Geplauder der umstehenden feindlichen Menschen versucht, die erhabene Szene mit Vulgarität zu durchdringen. Währenddessen steigt ein Schmerzensschrei aus deiner Brust zum Himmel: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mt. 27, 46).
Es ist die Stunde des höchsten Triumphs der Bosheit. Es ist auch die Stunde der äußersten Barmherzigkeit, der unerwarteten und wundersamen Bekehrungen. Die Seele des reuigen Verbrechers wird Dich im Limbo erwarten. Und durch die unendlichen Verdienste Deiner letzten Qual, durch den fürbittenden Wert der Tränen Marias, werden Millionen und Abermillionen Seelen in allen Jahrhunderten über diesen Schritt Deiner Passion meditieren und sich bekehren.
Unter diesen, Herr, füge auch mich ein. Breche das Eis meines lauwarmen Willens. Verbrenne meine abscheuliche Nachgiebigkeit gegenüber der Hoffart und den Werken des Teufels. Mach mich zu einem Sohn des Lichts, stark, rein, furchtlos, schrecklich für deine Gegner, wie eine Armee in Schlachtordnung.
„Durch Marias Tränen,
Durch die letzte Agonie,
Hab Erbarmen mit mir“.

*   *   *
Alles ist vollbracht: „consummatum est“ (Joh 19,30)
Dein Kopf hängt regungslos. Ein majestätischer, sehr milder und göttlicher Frieden zeigt sich in Deinem ganzen Körper. Du bist voller Frieden, o Prinz des Friedens.
Aber um dich herum ist alles Traurigkeit und Verwirrung. Extreme Traurigkeit im Herzen Mariens und in der kleinen Gruppe, die Dir treu geblieben ist. Verwirrung im gesamten Universum. Die Sonne verdunkelt sich, die Erde bebt, der Vorhang des Tempels zerreißt sich, die Folterknechte fliehen. Aber Du bist in Frieden.
Ja, weil alles vollbracht ist. Weil die Ungerechtigkeit ihre Schande bis zum Ende gezeigt hat. Und weil Du Deine göttliche Vollkommenheit bis zum Äußersten bekundest hast.
Durch die übergroßen Verdienste Deiner Passion und Deines Todes wird es den Menschen gegeben, die ganze Schönheit des Lichts und den ganzen Greuel der Finsternis zu erkennen. Damit sie Kinder des Lichts und unbeugsame Feinde der Finsternis seien.
Am Fuße des Kreuzes steht Maria. Was für erhabene Meditationen werden im Herzen derjenigen stattfinden, von der das Evangelium sagt, dass sie schon in der Morgenröte Deines irdischen Lebens „alle Dinge in Ihrem Herzen bewahrte“, die sich auf Dich bezogen (vgl. Lk 2,51).
Unbeflecktes Herz Mariens, Sitz der Weisheit, gib mir einen noch so kleinen Funken deiner klarsten und heißesten Meditation über das Leiden und Sterben deines Sohnes, meines Erlösers, damit ich ihn als heiliges und reinigendes Feuer im Innersten meiner Seele bewahre...

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
„Catolicismo“, Nr. 63, April 1963
© Nachdruck der deutschen Fassung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.