Donnerstag, 15. September 2016

Die Europäische Föderation im Licht der katholischen Lehre

Plinio Corrêa de Oliveira  (zugeschrieben)

Eines der wichtigsten Ereignisse in diesem (20.) Jahrhundert ist ohne Zweifel das Treffen von Paris, bei dem die Vertreter von Frankreich, Italien, West-Deutschland und die kleineren Staaten der Benelux-Gruppe - Belgien, Niederlande und Luxemburg - die Bildung der Europäischen Union beschlossen haben, als eine Einrichtung des Öffentlichen Internationalen Rechts und folglich der Einrichtung einer neben den nationalen Regierungen zusätzlichen gemeinsamen Regierung mit überstrukturellen Charakter.

Vor dem letzten Weltkrieg würde jemand, der solch einen Plan für das 21. Jahrhundert vorgeschlagen hätte, als Träumer gehalten und als Schwachsinniger, wenn er diesen Plan in unseren Tagen für durchführbar hielte.

Europa stand damals noch unter dem Feuer der französisch-deutschen Feindschaft, die aus dem Konflikt von 1914-1918 hervorging und eine wichtige Rolle spielte für den Ausbruch des Krieges 1939-1945. Es schien, dass alle europäischen Länder, die im eigenen kulturellen und wirtschaftlichen Leben strahlten, aber doch gezeichnet von den Ressentiments, dem Ehrgeiz, den Feindseligkeiten der modernen Zeiten, es für unmöglich hielten, in einem einzigen politischen System, so vage und locker es auch sein würde, eingereiht zu werden.

Die Tragödie des 2. Weltkrieges und der daraus folgende wirtschaftliche Zusammenbruch der europäischen Länder, ihr ermüdetes kulturelle Leben und das Risiko - dass nun schon sieben Jahre andauert - einer neuen Invasion von Barbaren schufen günstige Bedingungen für die Verbreitung der Einheitsidee und rückten den Plan einer Europäischen Föderation in greifbarer Nähe.

Die Tragweite der Gründung der Vereinigten Staaten von Europa

Die wirkliche Tragweite der Bildung der Vereinigten Staaten von Europa wurde vom Premierminister Italiens, Alcide de Gasperi, klar definiert, als er dieses Geschehen mit dem Akt der englischen Kolonien in Nordamerika durch welchen sie sich vereinten, um eine Föderation zu bilden, und dem Verzicht der Schweizer Kantone eine Sammlung souveräner Staaten zu sein, um einen Föderalen Staat zu bilden, verglich. Das amerikanische Beispiel ist zur Genüge bekannt. Man weiß, das England dreizehn vollständig unter sich unabhängige Kolonien in Amerika hatte, die jeweils eine direkte Verbindung zur Metropole hatten. Als sie die Unabhängigkeit gegenüber England ausriefen, sollten sie dreizehn verschiedene Nationen bilden. Doch diese Kolonien zogen vor, sich zu einer einzigen föderativen Nation zusammenzuschließen. Weniger bekannt, doch ebenso von Bedeutung, ist das Schweizer Beispiel. Als nach dem endgültigen Fall Napoleons im Jahre 1815 der Wiener Kongress die europäische Landkarte reorganisierte, machte er aus der Schweiz, die aus einer Vielzahl kleiner unabhängiger Kantone bestand und jeweils von einer herrschenden Klasse - Patrizier oder Landaristokratie - regiert wurden, eine Konföderation von 22 Kantonen, die unter sich unabhängig waren, nur verbunden durch eine "Föderalen Pakt", der letztendlich nichts mehr war als ein Vertrag der Allianz und guter Nachbarschaft. Die Schweiz blieb weiterhin also kein Staat sondern eine Ansammlung von Staaten. Dieser Zustand endete nur als, nach heftigen Kämpfen, durch welche, die lokalen Eliten die Zentralisierung und die im "Sonderbund" vereinten Katholiken die protestantische Hegemonie verhindern wollten, und aus denen die Befürworter eines Schweizer Staates obsiegten. Daraus wurde die Schweizerische Verfassung von 1843 geboren. Diese hob die Kantone mit ihren eigenen Regierungen nicht auf und übertrug in die Hände einer zentralen föderativen Regierung die allgemeinen Interessen aller (wie im Fall der amerikanischen oder auch der brasilianischen Staaten). Die heutige Schweizer Republik war somit gegründet.

In beiden Prozessen, dem amerikanischen und dem schweizerischen, gab es also einen Weg von der Unabhängigkeit zur Bildung einer Föderation. Die vormals unabhängigen Staaten wurden zu autonomen Teilstaaten, deren Souveränität von einer zentralen Regierung übernommen wurde.

Dies ist, nach den deutlichen Worten des italienischen Premiers, was nun für Europa beschlossen wurde. Zwischen Frankreich und Deutschland, Italien und Holland usw. wird es künftig nicht mehr die bis heute bestehenden Kluften geben, sondern nur die Grenzlinie der fast ausschließlich administrativen Interessen, so wie sie zwischen Ohio und Massachusets, Rio und São Paulo oder Luzern und Freiburg existieren.

Wie man sieht, handelt es sich um ein enormes Ereignis. Es sind Nationen, die verschwinden werden, nachdem sie die Welt und die Geschichte mit der Ausstrahlung ihres Ruhmes ausgeschmückt hatten... und ein neuer Bundesstaat der erscheint, dessen Zukunft nicht leicht vorausgesehen werden kann.

Die Durchführbarkeit des Plans

Das erste Hindernis zur vollständigen Verwirklichung dieses Planes - der vorerst nur auf dem Papier steht, wie die Bildung eines Atlantischen Heeres und dergleichen - besteht in einem wahrscheinlichen Weltkrieg. Niemand kann vorhersehen was mit dieser keimenden Föderation während und nach einem Krieg geschehen wird. Sie kann sich sowohl endgültig festigen als auch im Feuergefecht verbrennen, so dass nicht einmal Spuren ihrer Asche übrigbleiben.

Selbst wenn wir den Fall eines Krieges ausschließen, werden andere Schwierigkeiten auftreten. Eine Föderation, die versucht mit einen Schwamm so viele Jahrhunderte der Geschichte zu verwischen, kann offensichtlich nicht nur von einer Gruppe von Politikern und Bürokraten durch die Unterzeichnung eines Vertrags aufgebaut werden. Eine lange Zeit der Werbung bei den verbündeten Völkern ist notwendig, um in ihnen das Bewusstsein zu bilden, dass über den nationalen Blöcken, in denen sie sich durch Bindungen, die im Blute stecken und leicht auszumachen sind, integriert fühlen, ein abstraktes föderatives Ganzes schwebt, dass nicht im Blut steckt, sondern nur in der Tinte, mit der der Vertrag geschrieben und unterschrieben wurde. Solange sich dieses Bewusstsein nicht gebildet hat, ist klar, dass dieser neuer Organismus noch nicht begonnen hat, natürliches und reales Leben zu besitzen. Doch nicht hier befindet sich die wirkliche Schwierigkeit. Der entpersonifizierte, geschwächte, durch das gegenwärtige Durcheinander orientierungslose Mensch, der in einer geistigen Abhängigkeit - der er sich genussvoll hingibt - von Presse, Radio und Fernsehen lebt, kann leicht zu allem Möglichen überzeugt werden. Es gibt "Techniker", die im Geist dieses Menschen ein "Bewusstsein" für reale und unreale Dinge fabrizieren, die tatsächlich nie in der öffentlichen Meinung zugegen waren, mit der Gewandtheit eines Chirurgen, der in einem menschlichen Körper ein Stück Fleisch, ein Finger oder ein Auge einpflanzt, die ihm bis dann total fremd waren. Die Gefahr besteht viel mehr in der Bildung nationalistischer Strömungen in einigen Staaten der Föderation. Aber auch dies scheint wenig Aussicht zu haben. Eine Menschheit, die Tag für Tag gieriger nach Konsum, Ruhe und Lustbarkeiten greift, ist nicht geneigt sich über sich selbst zu begeistern, zugunsten von Nationalismen welcher Art auch immer ...

So zeigt sich also, um unseren Eindruck zusammenzufassen, dass, ausgenommen im Falle eines Krieges, kein natürlicher Faktor die Bildung der Föderation aufhalten könnte. Um so mehr, da ihre Erbauer schon offiziell erklärt haben, dass sie Schritt um Schritt vorgehen werden, um nach und nach die Teile des neuen Organismus zusammenzufügen, klugerweise beginnend mit dem Grundstein.

Ist die Föderation etwas Neues?

Die Frage, ob die Föderation etwas Neues ist, muss ohne weiteres negativ beantwortet werden. In früheren Zeiten bildete Europa schon ein großes Ganzes föderaler Natur, in einem sehr erweiterten und allgemeinen Sinn des Wortes.

Im Jahr 476 erlosch das abendländische Römische Reich. Von Barbaren überzogen, gab es in Europa keine definierte Saaten mit dauerhaften Grenzen. Es war ein allgemein wildes Treiben, das sich nur besänftigte als die fortschreitende Tätigkeit der großen Missionare das üppige Keimen des Samens des Evangeliums sicherstellte. Zu dieser Zeit, da die Sitten und Gebräuche an Rohheit abgenommen hatten, das Leben sicherer und ruhiger geworden war, das allgemeine Wissen sich entwickelte und ausbreitete, bildete sich eine große Ansammlung christlicher Völker, die sich über ihre natürlichen Unterschiede hinaus durch zwei gemeinsame und tiefe Bande vereint fühlten, die aus einer großen Liebe und einer großen Gefahr entsprungen sind:

a) - aufrichtig und tief christlich, beteten sie in Geist und Wahrheit (und nicht nur gewohnheitsmäßig) Unseren Herrn Jesus Christus an, liebten und wollten wirklich seine Gebote halten und waren ihrer Aufgabe überzeugt, d.h., die Herrschaft dieser Gebote bis an die letzten Grenzen der Erde auszubreiten;

b) - als Frucht dieses folgerichtigen und starken Glaubens herrschte im Geiste aller eine gleiche Art den Menschen, die Familie, das gesellschaftliche Leben, Schmerz und Freude, Ruhm und Demut, Unschuld und Sünde, Reue und Vergebung, Reichtum, Macht, Adel, Mut, kurz, das ganze menschliche Leben zu verstehen.

c) - daraus ergab sich eine kräftige und substantielle Einheit in Kultur und Zivilisation, trotz der lokalen reichhaltigen Verschiedenheiten der einzelnen Nationen, Regionen, Lehen oder Städte;

d) - vor dem doppelten Druck der Sarazenen aus Afrika und den Heiden aus dem Osten Europas das Wissen gemeinsam einer großen Gefahr ausgesetzt zu sein, bei der alle allen zur Seite stehen mussten, um einen Sieg zu erringen, der ein Sieg aller sein würde.

Die Gesamtheit dieser Faktoren der Einheit fand in Karl dem Großem (742-814) ihren mächtigen Katalysator. Er war in den Augen seiner Zeitgenossen der ideale Typus eines christlichen Souveräns: stark, mutig, weise, gerecht, väterlich, mit einem tiefen Streben nach Frieden, dadurch unbesiegt im Kampfe, der es als seine höchste Aufgabe ansah, die Macht des Staates im Dienste der Kirche zu stellen, um das Gesetz Christi in seinem Reich aufrechtzuerhalten und die Christenheit gegen ihre Angreifer zu schützen. Dieses lebende Symbol verwirklichte seine vorgenommenen Ideale, und als Papst Leo III. im Jahre 800 ihn in der Lateranbasilika zum Römischen Kaiser des Abendlandes krönte, setzte er dem Werk Karls des Großen den schönsten Schlussstein auf: Ein großes Reich, das das gesamte christliche Europa umfasste, war gegründet. Ein Reich, das vor allem berufen war, den christlichen Glauben zu erhalten, zu verteidigen und zu verbreiten.

Dieses Reich währte von 809 bis 911. Im Jahre 962 erweckte es Kaiser Otto, der Große, wieder und begründete das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Unter vielen Schicksalsschlägen, deren schrecklichster die tragischen Spaltung durch den Protestantismus und das Aufkommen nationalistischer Tendenzen im 16. Jahrhundert, bestand diese große Institution zumindest theoretisch bis 1806, als Napoleon den letzten römisch-deutschen Kaiser, Franz II., zwang, die Auflösung des Heiligen Reiches zu akzeptieren und den Titel eines Kaisers von Österreich unter dem Namen Franz I. anzunehmen.

Trotz etlicher Krisenperioden durchzog das Heilige Römische Reich Zeiten großen Ruhmes. Seine Struktur diente tatsächlich, um das christliche Ideal einer großen Völkerfamilie auszudrücken, vereint unter dem mütterlichen Schatten der Kirche, um den Frieden, den Glauben und die Sitten zu sichern, um die Christenheit zu beschützen und in der ganzen Welt die freie Verkündigung des Evangeliums zu unterstützen.



Karl der Große, von Albrecht Dürer. Der bekannte deutsche Maler hat mit wunderbarer Deutlichkeit den großen Kaiser dargestellt, wie ihn uns die Geschichte vorstellt: Seine Haltung strahlt Kraft, Macht und Herrschaft aus. Eine Kraft, die aber nicht aus dem Überfluss eines hitzigen Temperaments kommt, sondern von einem tiefen Bewusstsein für das Rechts des Guten. Seine Macht ruht weniger auf die der Waffen denn auf die des Geistes. Majestätisch, doch voll der Güte. In seinem ganzen Wesen vernimmt man etwas heiliges: Er ist der von Gott gesandte, der das Reich Christi in der weltlichen Ordnung errichtete und den Grundstein der christlichen Zivilisation legte. Er ist der vom Papst eingesetzte Imperator, versehen mit der apostolischen Aufgabe der Verteidigung und dem Schutz des Glaubens.
Karl der Große verwirklichte als erster die staatliche Einheit Europas.





Was soll man über die Europäische Föderation denken?

Man sieht, das die Kirche prinzipiell sich nicht darauf beschränkte große internationale Strukturen zu erlauben, sondern sie auch von ganzen Herzen fördert, wenn sie sich ein legitimes Ziel setzen. In seinem Wesen also, verdient der Gedanke, die europäischen Völker zu einer gut erbauten politischen Einheit zusammenzuführen, Zuspruch.

Es scheint, das die derzeitigen Gegebenheiten dieses Vorhaben als zweckmäßig zu betrachten. Angesichts eines gemeinsamen externen Feindes und im Clinch mit einer internationalen wirtschaftlichen Krise, könnte nichts gerechter und empfehlenswerter sein, als der Zusammenschluss der Länder des freien Europas, um zu kämpfen und zu siegen.

Doch diese Idee prinzipiell gutzuheißen, ist eine Sache. Eine andere ist, sie bedingungslos unter welchen praktischen Umsetzungen auch immer zu billigen. Zu solch einer Bedingungslosigkeit darf es nicht kommen.

Wir leben in einer Epoche von gewaltiger Verstaatlichungen. Alles wird zentralisiert, geplant, verkünstelt und tyrannisiert. Sollte die Europäische Föderation diesen Weg einschlagen, wird sie von den weisen Worten Papst Pius XII. abweichen, die er an die Leiter der internationalen Bewegung für eine Weltföderation richtete.

Vor allem müssen wir zu verstehen geben, dass die Kirche gegen das Verschwinden so vieler Nationen ist, um einen einzigen Block zu bilden. Jedes Land kann und soll in einer übernationalen Struktur lebendig und definiert bleiben, mit seinen Grenzen, Territorium, Regierung, Sprache, Bräuche und Sitten, Gesetzen und ihrer Eigenart. Ein Redaktionsmitglied dieser Zeitung hatte schon Gelegenheit diese Prinzipien zu erläutern mit den Kommentaren zur oben erwähnten Ansprache Pius XII. Deutschland ist eine Nation, Frankreich eine andere, Italien eine andere. Wenn jemand sie zusammenschmelzen wollte, wie man in einem Schmelztiegel kostbare Schmuckstücke wirft, um sie zu einem nichtssagenden und gewöhnlichen Goldbarren zu machen, der würde bestimmt nicht nach dem Plane Gottes handeln, der eine natürliche Ordnung erschaffen hat, in der jede Nation eine unzerstörbare Wirklichkeit bildet. Wenn also die Europäische Föderation diesen Weg einschlagen würde, wäre es eher ein Übel denn etwas Gutes. Sie muss die Schützerin der nationalen Unabhängigkeiten und nicht eine alles verschluckende Hydra sein. Die föderale Autorität sollte da sein, um die Tätigkeiten der nationalen Regierungen in gewisse Angelegenheiten überstaatlicher Interessen zu ergänzen, doch niemals um sie auszuschalten. Ihre Tätigkeit darf nie die Absicht haben, die nationalen geistigen und kulturellen Eigenschaften zu unterdrücken, doch eher sie nach Möglichkeit zu stärken. So wie es im Heiligen Römischen Reich war, wo sich jede Nation im Rahmen der legitimen und allgemeinen Interessen der Christenheit entwickeln konnte, gemäß ihrer Eigenart, Fähigkeit, Bedingungen, Umgebung etc.

Auf der anderen Seite darf die Wirtschaftliche Struktur nicht einer derartigen Planung unterworfen werden, dass sie in eine super Sozialisierung hineingezogen wird. Wenn der Sozialismus ein Übel ist, dann ist seine Umsetzung in eine staatliche Planungsmanier ein noch größeres Übel. Im Heiligen Römischen Reich, das durchdrungen war von Feudalismus, eines gesunden Regionalismus, von städtischer Selbständigkeit, der Selbständigkeit der Innungen, Universitäten usw., erschien diese Gefahr mit den Legisten, die den Samen des modernen Sozialismus verbreiteten. Doch die Legisten waren immer ein Auswuchs in der Christenheit und ihr Einfluss traf zusammen mit dem Niedergang des wahren christlichen Staatsideals.

Zum Abschluss sei uns eine freimütige Behauptung erlaubt. Keine Gesellschaft, sei sie häuslich, beruflich, freizeitlich, sei sie Staat, Staatenbund oder Weltreich, kann dauerhaft und haltbare gute Früchte hervorbringen, wenn sie offiziell den Gottmenschen, die Erlösung, das Evangelium, die Gebote Gottes, die Heilige Kirche und das Papsttum verkennt. Zufälligerweise können einige Früchte gut sein. Doch wenn sie gut sind, sind sie nicht von Dauer. Sind sie schlecht und dauerhaft, werden sie schädlich.

Würde die Europäische Föderation sich im Schatten der Kirche stellen und von ihr sich inspirieren, anregen und beleben lassen, was könnte man daraus nicht alles erwarten? Verkennt sie aber die Kirche als den mystischen Leib Christi, was kann man dann von ihr erwarten?

Ja, was kann man von ihr erwarten? Einige gute Früchte, die man zweifellos mit allen Mitteln hervorheben und beschützen muss. Doch wie ist es begründet, auch andere Früchte zu erwarten! Und wenn diese Früchte bitter sind, wie kann man nicht befürchten, dass wir uns der Weltrepublik nähern, dessen Aufbau die Freimaurerei seit so vielen Jahrhunderten schon vorbereitet?






Veröffentlicht in „Catolicismo“Nr. 14 - Februar 1952 - mit dem Titel „A Federação Européia à luz da doutrina Católica“

Montag, 12. September 2016

... den Mut haben, allein zu sein in der Erwartung


Wir müssen um den Mut bitten, allein zu sein, wie sie [die Heiligen Drei Könige] es damals waren. Allein inmitten einer heidnischen Welt, aber in der Erwartung des Sternes, in der Erwartung der Stunde Gottes, um, wenn sie dann kommt, seinen Willen in voller Treue und Pünktlichkeit zu erfüllen. Für sie war es die tröstliche Stunde, in der das Jesuskind geboren wurde. Für uns wird es die Zeit sein, in der sich die Verheißungen von Fatima erfüllen. Was auch immer geschieht, wird für uns ein sehr genauer Moment kommen, in dem ein Stern uns sagen wird, dass die langersehnte Stunde gekommen ist. Es wird nicht ein äußerlicher Stern sein, aber eine innere Stimme. Es wird eine Überzeugung sein, dass die Zeit vollendet ist, dass die Zeit aller Kämpfe und aller entscheidenden Schlachten endlich gekommen ist. Wir müssen uns für diese Stunde vorbereiten, damit wir Beispiele von Eifer und Treue seien, wie es die Heiligen Drei Könige waren, indem wir ab sofort Beispiele der Treue in Zeiten des Alleinseins sind.
(Plinio Corrêa de Oliveira)


Freitag, 9. September 2016

Volk und Masse



Plinio Corrêa de OLiveira


Die Prozession zieht über die durch harte und ehrliche Arbeit des Bauern bestellten Felder. Das Allerheiligste verlässt den Tabernakel, überschreitet die Schwellen der Kirche und Unser Herr zieht durch die Kornfelder, um die Erde, ihre Früchte, die menschliche Arbeit und besonders den Bauer zu segnen. Die Szene ist reich an tiefen Harmonien. Gnade und Natur. Kirche und weltliche Gesellschaft, Obrigkeiten und Volk, zivile, militärische und kirchliche, reiche und arme, alles befindet sich dort vereint in Würde, Einfachheit, im Sinn einer Hierarchie der Werte, die die beste und authentischste Schönheit dieses technisch vollkommenen Gemäldes darstellt: Die Segnung der Kornfelder im Arbois von Jules Breton.
Soviel Verschiedenheit, Würde und Wohlbefinden des Menschen, selbst wenn bescheiden, soviel tiefer Glauben, ohne den von der modernen Propagandatechnik hervorgerufenen Fanatismus der Massenbewegungen, lassen uns an Definition von Volk denken, die Papst Pius XII. in seiner monumentalen Botschaft von Weihnachten 1944 gegeben hat:
„Das Volk lebt aus der Lebensfülle der Menschen, aus denen es sich zusammensetzt und deren jeder einzelne — an seinem Posten und in seiner Art — eine der eigenen Verantwortung und der eigenen Überzeugung sich bewußte Person ist. (...) Aus der Lebensfülle echten Volkes ergießt sich das ‚Leben, überfließend und reich, in den Staat und alle seine Organe und flößt ihnen; in unaufhörlich erneuerter Kraft, das Bewußtsein eigener Verantwortlichkeit und wahres Verständnis für das Gemeinwohl ein. (...)In einem Volke, das dieses Namens würdig ist, fühlt der Bürger in sich selbst das Bewußtsein seiner Persönlichkeit, seiner Pflichten und seiner Rechte, seiner eigenen Freiheit verbunden mit der Achtung vor der Freiheit und Würde der andern. In einem Volke, das dieses Namens würdig ist, bilden alle die Ungleichheiten, die nicht von der Willkür, sondern eben von der Natur der Dinge, von der Ungleichheit der Bildung, des Besitzes, der gesellschaftlichen Stellung herrühren — wohlgemerkt ohne Nachteil für Gerechtigkeit und wechselseitige Liebe — durchaus kein Hindernis gegen das Bestehen und Überwiegen echten Geistes der Gemeinschaft und Brüderlichkeit. Im Gegenteil, weit entfernt, die bürgerliche Gleichberechtigung irgendwie zu verletzen, verleihen sie ihr ihren wahren Sinn, daß nämlich jeder dem Staate gegenüber das Recht hat, in Ehren sein persönliches Eigenleben zu führen an dem Posten und unter den Bedingungen, in die ihn die Fügung und Führung der göttlichen Vorsehung gestellt hat.“


Das andere Bild zeigt eine Massendemonstration unserer Tage. Eine menschliche Herde, die nach den Ideen — oder vielmehr den Eindrücken — denkt und vibriert, die Rundfunk, Kino und Presse ihnen durch Augen und Ohren eintrichtern. All ihre Bewegungen, all ihre Impulse schweben bedrohend über die Szene, hängen über der Stadt wie ein Gewitter, dessen Kraft einzig der Zerstörung dient. Zerstören was? Niemand weiß es. Das, was die „Fachmänner“ der Herstellung von öffentlichen Meinungen wollen. So manipuliert, werden diese armen Menschen — mit Sicherheit — keine Kathedrale erbauen, sie können sie aber zerstören; sie werden keine Stadt erbauen, können sie aber in Brand setzen.
Masse, eine unglückliche anorganische Masse, die von den Bewegungen leben, die sie von außen aufgesetzt bekommen, die nicht wissen wohin sie sich bewegen, keine natürlichen Führer haben, keine eigene Hierarchie, keine Spur von interner Verschiedenheiten. Es ist kein Organismus. Es ist ein physisches Nebeneinander von Menschen, im Grunde untereinander isoliert, wie Sandkörner am Strand, die wohl nebeneinander da liegen, aber keinerlei geistige Verbindung untereinander haben — kein „Zusammensein“ im echten Sinn des Wortes.
Wie soll man da nicht an die Worte Pius XII. denken, die er in der selben Ansprache über die Masse sagte?
„Masse ist in sich träge und kann nur von außen her bewegt werden. (...) Die Masse hingegen erwartet den Antrieb von außen, sie wird leicht zum Spielball in der Hand eines jeden, der ihre Naturtriebe oder ihre Beeindruckbarkeit auszunützen versteht; sie ist bereit, wie es gerade kommt, heute diesem, morgen jenem Banner zu folgen. (...) Auch der elementaren Kraft der Masse kann der Staat sich bedienen, wenn sie nur geschickt bearbeitet und genutzt wird: in den ehrgeizigen Händen eines einzelnen oder mehrerer, die selbstsüchtige Bestrebungen künstlich zusammengeschlossen haben, kann der Staat, gestützt auf die Masse, die einfach nur mehr zur Maschine entwürdigt ist, seine Willkür dem besseren Teil des wahren Volkes aufzwingen. Das Gemeinwohl wird dadurch hart und für lange Zeit getroffen und die Wunde ist oft recht schwer zu heilen.“ (...) In einem demokratischen Staat, „der der Willkür der Masse ausgeliefert ist, verwandelt sich die Freiheit, obgleich eine persönliche sittliche Pflicht, in einen tyrannischen Anspruch auf ungehemmte Befriedigung menschlicher Gier und menschlicher Triebe zum Schaden für die andern. Die Gleichheit entartet in geistlose Gleichmacherei, in eine eintönige Gleichschaltung. Sinn für wahre Ehre, persönlicher Einsatz, Achtung vor Überlieferung, Würde, mit einem Worte alles, was dem Leben seinen Wert verleiht, geht allmählich unter.“

Und in der Tat: Man analysiere diese Masse und man wird in ihr keinen Sinn für Ehre, keinen Reichtum an Persönlichkeiten, keine Liebe zur Tradition finden!


Freie Übersetzung aus „Catolicismo“, Februar 1952

Donnerstag, 8. September 2016

Die Geburt Mariens und der Triumph ihres Reiches

zum 8. September
von Plinio Corrêa de Oliveira
Der folgende Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, den er am 8. September 1966 hielt. Es wurde übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne seine Überarbeitung . -Ed .

Alles, was die Kirche tut, ist weise. In ihrer Weisheit, stuft sie die Ehrerweisung, die Gott, Unserer Lieben Frau und den Heiligen gebührt in verschiedenen Ebenen ein. Die erste Ebene, Latria oder Anbetung genannt, gebührt nur Gott und Unserem Herrn Jesus Christus, der das menschgewordene Wort ist .
Der Kult der Dulia ist die Verehrung oder Vermittlung, die die Kirche den Heiligen gewährt. Allerdings gibt es eine spezielle Kategorie von Ehrerweisung, die die Kirche ausschließlich der Muttergottes zugesteht, genannt Hyperdulia. Sie steht so hoch über alle Heiligen, dass die Kirche eine besondere Kultebene schuf, um die Verehrung zu ihr zu bezeichnen. Dies zeigt die einzigartige Stellung der Muttergottes in der ganzen Schöpfung .
Die Kirche lehrt dies auf verschiedene Weisen. Zum Beispiel: Außer von unserem Herrn und des hl. Johannes des Täufers, wird von keinem anderen Heiligen der Geburtstag gefeiert; kein anderer Heiliger hat mehr als einen Festtag im Jahr; und während die Kirche nicht erlaubt, dass ein Heiliger, mehrere Male auf dem selben Altar dargestellt wird, erlaubt sie eine beliebige Anzahl von Bildern und Figuren der Jungfrau Maria, die überall im kirchlichen Raum aufgestellt werden. Auch feiert die Kirche Dutzende Marienfeste im Jahreskalender, liturgische Feiern und fromme Praktiken zu Ehren Unserer Lieben Frau.
Unter diesen hat ihre Heilige Geburt eine besondere Bedeutung, da sie eine neue Ära in der Geschichte des auserwählten Volkes kennzeichnet.
Das Alte Testament, dass nichts anderes ist als die Erzählung des Wartens auf den Messias, kann in zwei Phasen eingeteilt werden: Die erste wäre die 4000-5000 Jahre vor der Geburt Mariens. Die zweite ist nach diesem gesegneten Augenblick, in dem die Vorsehung beschlossen hat, dass sie geboren werde, und deren Gebete den Messias hervorbringen würde.
Ihre Geburt war die Ankunft dieses vollkommenen Geschöpfes, das voll der Gnade vor Gott war. Ohne sie hätten alle Gebete und Leiden der ganzen Menschheit es nicht erreicht, die Menschwerdung Gottes herabzubitten. Doch mit ihr, hatte sich der Lauf der Geschichte für immer verändert. Alle Gebete wurden effektiver und eine neue Art von Segen und Gnade begann eine Art von Heiligkeit hervorzubringen wie nie zuvor.
Unsere Liebe Frau diente als das „Tor zum Himmel“, wodurch die Hoffnung auf das Kommen des Messias eintrat. Ihre Anwesenheit auf der Erde war der Anlass außerordentlicher Gnaden. Die Höhe ihrer Betrachtung gab ihr eine große Gegenwärtigkeitskraft. Sie machte sie zu einem Brunnen, dem so viele und so hohe Gnaden entsprangen, so dass ihr Dasein eine ständige Verkündigung der Ankunft des Herrn war.
Daher ist das Fest der Geburt der Gottesmutter sehr erhaben. Es ist der Anfang der Erlösung, die schließlich die bösen Mächte des Heidentums und der Heiden besiegen würde.
Es gibt eine tiefe Beziehung zwischen der Geburt Mariens und dem was in der modernen Gesellschaft geschieht. Wieder einmal hat Maria eine zentrale Rolle in der Geschichte eingenommen, indem sie Seelen beruft, die inmitten der Dunkelheit des Neuheidentums, sich brennend nach der Zeit ihres Reiches sehnen. Sie rufen nach ihm und kämpfen für seine Einrichtung auf Erden.
Diese Seelen sind wie Unsere Liebe Frau im Alten Testament: Weder ist das Licht noch nicht gekommen, noch hat die Erlösung den Sieg und die Befreiung vom Teufel erwirkt. Allerdings breiten diese Seelen Gnaden der Hoffnung und Entschlossenheit in einer Weise aus, dass sie die Vorboten des kommenden Sieges sind.
So wird die Geburt Mariens symbolisch wiederholt zur Vorbereitung ihres, vom hl. Ludwig von Montfort und in den Erscheinungen von Fatima prophezeiten, kommenden Reiches.
Für diejenigen, die den Sieg Unserer Lieben Frau herbeisehnen, ist dieses Fest von besonderer Bedeutung. Sie sollten inbrünstig beten, für das sofortige Kommen des Reiches Mariens, damit die lange dunkle Nacht der Sünde durch ihren Triumph zu Ende geht.

Sonntag, 4. September 2016

Pio XII. und die Ära Mariens

Eröffnet wurde das Königtum des Herzen Mariens

von Plinio Corrêa de Oliveira

  Mit der Veröffentlichung der Enzyklika „Ad Coeli Reginam“ (am 11. Oktober 1954) wollte der Heilige Vater Pius XII. die Übungen der marianischen Frömmigkeit, mit der er die Christenheit im Laufe des Jubiläumsjahres der Unbefleckten Empfängnis erbaute, mit einem höchst wichtigen Akt vervollkommnen. Er selbst äußerte es in klaren Worten: „Wir möchten indessen gewissermaßen den Schlussstein auf diese Einzelerweise Unserer Verehrung der Mutter Gottes setzen, … und (um) in glücklicher Weise das Marianische Jahr (zu) beschließen, das sich nun seinem Ende nähert, … haben Wir beschlossen, das liturgische Fest ,der Heiligen Jungfrau Maria, Königin‘ einzusetzen.“ Auf die Wichtigkeit dieses Aktes weist der Papst hin, als er erklärt, dass in diesem Weiheakt „ruht wahrlich eine lebendige Hoffnung, dass wir eine Ära des Glückes sich erheben sehen, die sich des christlichen Friedens und des Triumphes der Religion erfreuen wird“. Diese Hoffnung, erklärt der Papst, hat ernsthafte und tiefe Gründe: „Da Wir nun durch lange und reifliche Überlegungen die Überzeugung erlangt haben, dass es für die Kirche vorteilhaft sein wird, wenn diese sicher begründete Wahrheit (des Königtums Mariens) wie ein besonders helles Licht auf einem Kandelaber klarer vor aller Augen leuchtet“.

  Wohl verstanden soll diese Gnade, die sich an das Herz eines jeden Menschen richtet, seine Seele auch erneuern. Dass „in der Nachfolge und zu Ehren einer so großen Königin die Christen sich endlich wahrhaft als Brüder fühlen werden und dass sie den Hass und die ungezügelte Sehnsucht nach Reichtum verbannen, die soziale Liebe üben, das Recht der Armen achten und den Frieden lieben werden.“ Es geht nicht darum, eine rein äußerliche und formale marianische Bewegung zu fördern, sondern den Seelen eine ernsthafte und wirkungsvolle Umsetzung der Gnaden zu fordern, die sie von ihrer Mutter bekommen werden: „Niemand halte sich als Kind Mariens für würdig, unter ihren Schutz aufgenommen zu werden, wenn er nicht nach ihrem Beispiel gütig, gerecht und rein ist und wenn er nicht mit Liebe wahre Brüderlichkeit übt und ohne jemand Unrecht zu tun, im Gegenteil Hilfe und Trost bringt.“


  Diese Worte des Papstes verdienen eine eingehende Betrachtung. Einerseits spricht er gegen den Neid: eine eindeutige Haltung großer Menschenmassen, die über ungerechte Prüfungen verbittert sind und vielfach durch die demagogischen Prinzipien der Französischen Revolution und des Kommunismus vergiftet sind: die Reichen hassen, nur weil sie über deren Vermögen neidisch sind und die ganze soziale Hierarchie zerstören wollen. Der Heilige Vater spricht auch vom maßlosen Wunsch nach Reichtum, ein Übel, das fast alle Länder der Welt plagt. Machthaber der Industrie und des Handels häufen in ihren Händen enorme Reichtümer an, neben welches das Vermögen der ehemaligen Aristokratien fast unbedeutend erscheint. Sie verwandelten die Wirtschaft in ein geschlossenes Reich, in dem sie über den An- und Abstieg der Preise, über den Umlauf und die Verwendung des Reichtums bestimmen. Bald unterdrücken sie den Staat, bald werden sie von diesem Unterdrückt, wenn die Welle der Demagogie steigt. So sieht sich die Gesellschaft immer bedrängter von diesen zwei mehr oder weniger verdeckten Formen von Diktatur: die der Finanzoligarchie und die der Masse. Daraus kann nur die Erdrosselung der echten gesellschaftlichen und geistigen Eliten, die Unterdrückung des ehrlichen und friedlichen Arbeitnehmers, die Vernichtung der kleinen und mittleren Bourgeoisie hervorkommen. Es ist das erbärmliche Phänomen des Klassenkampfes in der, das, was in der Gesellschaft am unechtesten und schlechtesten ist – Kamarillas von Blutsaugern der Wirtschaft oder vulgäre Demagogen – das verschlingt, was am authentischsten und besten ist. Wie weit dies das Gegenteil der „sozialen Liebe“ ist, von der der Papst spricht, wer sieht das nicht? Um die Gesellschaft vor der Macht des Schlechten über das Beste zu schützen, proklamiert der Papst in der Welt die königliche Würde Mariens.


  Sicher ein dringendes Werk, das der sozialen Reform. Um so mehr da Pius XII. sie wesentlich in der Art einer moralischen Reform sieht. Doch Maria hat eine große Macht über die menschliche Seele; ihr müssen sich die Menschen nahen nicht nur, „um Hilfe in der Gefahr, Licht in der Finsternis, Trost in Schmerz und Tränen zu erflehen“, sondern die Gnade erflehen, „die kostbarer ist als alle anderen“, „den Mut aufbringen, sich von der Knechtschaft der Sünde loszureißen“.


  Die Verkündigung der Souveränität Mariens in der Enzyklika „Ad Coeli Reginam“, die Einsetzung ihres Festes auf den 31. Mai, die Krönung des Marienbildes „Salus populi Romani“ durch den Papst selbst, dies alles kann und muss der Ausgangspunkt sein für eine neue Zeit in der Geschichte der Menschheit: die Ära des Königtums Mariens.


  Mit der der Heiligen Kirche eigenen Vorsicht begründet die Enzyklika „Ad Coeli Reginam“ die königliche Würde Mariens nicht nur mit theologischen Argumenten. Es wäre jedoch nicht überflüssig daran zu erinnern, dass dieser große Tag der Ausrufung des Universalen Königtums Mariens und die Hoffnung auf eine Epoche von Triumph und Ruhm der Religion schon seit Jahrhunderten Gegenstand der Wünsche vieler frommen Seele ist.

  Eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der katholischen Kirche war sicher die Verbreitung der Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu. Wenn auch diese Devotion vielen Heiligen schon vorher nicht unbekannt war, fand die Verbreitung ihren Ausgangspunkt in den von der hl. Margareta Maria Alacoque erhaltenen Offenbarungen in Paray-le-Monial im 17. Jahrhundert, nahm während den nächsten Generationen stark zu und erreichte ihren Höhepunkt am Anfang des 20. Jahrhunderts. Neben der Verbreitung dieser Andacht nahm eine andere Devotion auch ihren Anfang in Frankreich: die Knechtschaft zur Mutter Gottes, dessen größter Lehrer der hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort (17. Jh.) mit seiner „Abhandlung von der wahren Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria“. Der Vereinigungspunkt – wenn man dies von wesentlich zusammengehörenden Dingen sagen kann – dieser zwei großen Gnadenströme war die Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens, deren Lehrer und Prediger der spanische Heilige Antonio Maria Claret gewesen ist. Er gründete im 19. Jahrhundert die Kongregation der Missionare Söhne des Unbefleckten Herzens Mariens.


  Nun sind aber die Schriften der Heiligen, die sich am meisten ausgezeichnet haben, die Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu zu lehren und zu verbreiten, gefüllt von der Hoffnung auf den Sieg des Königtums Christi nach den stürmischen Zeiten, in denen wir leben, und das Beten für diesen Sieg war der eigentliche Zweck des Herz Jesu Gebetsapostolats in der ganzen Welt. Auf der anderen Seite sind die Schriften des hl. Ludwig Grignion von Montfort reich an prophetischen (wir benutzen diesen Ausdruck mit den Vorbehalten des guten katholischen Sprachguts) Lichtstrahlen über das Königtum Mariens, als Schlusspunkt der Katastrophenära, die mit der protestantischen Reformation begonnen hat.


  Königtum Christi und Königtum Mariens sind nicht unterschiedliche Dinge. Das Königtum Mariens ist nichts anderes als ein Mittel – oder eher das Mittel – zur Einrichtung des Königtums Jesu Christi. Das Herz Jesu regiert und triumphiert im Reich und im Triumph des Herzens Mariens. Das Reich und der Triumph des Herzens Mariens beruhen auf nichts weiteres, als den Triumph und das Reich des Herzen Jesu herbeizuführen. So münden diese nach der protestantischen Reformation entstandenen zwei großen Ströme zu einem gleichen Ziel, zur Vorbereitung eines gleichen Ereignisses: das Königtum Jesu und Mariens in einer neuen historischen Ära.

  Diese Überlegungen können dem, was die Hirtenkinder in Fátima vom Unbefleckten Herzen Mariens gehört haben, nicht fremd sein. Die Muttergottes setzte eine sehr deutliche Alternative zwischen eine Zeit des Glaubens und des Friedens, falls man ihren Bitten nachkommen würde, und wenn nicht, käme eine Zeit der Verfolgungen. Als Bedingung für die Zeit des Glaubens und des Friedens wies sie besonders auf die Weihe der Welt ihrem Unbefleckten Herzen und eine allgemeine Bekehrung im Lebenswandel der Menschen hin.
  Da nun jetzt der Heilige Vater – der schon Russland und die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht hat – verordnete, die Weihe jährlich am Festtag des Königtums Mariens pflichtmäßig zu erneuern, wer könnte da dem Gedanken fliehen, dass der Papst einen sehr wichtigen Anfang setzt, auf dem so viele fromme Seelen seit Jahrhunderten gewartet haben und die Pforten der Ära Mariens in der Geschichte der Welt öffnet?

  Der hl. Papst Pius X. gedachte in der Enzyklika „Ad diem illum“ zum 50. Jahrestag der Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis der wunderbaren Früchte, die das Dogma hervorbrachte: vor allem die Wunder in Lourdes und die Erklärung der Päpstlichen Unfehlbarkeit. Werden im diesjährigen Hundertsten die Früchte geringer gewesen sein? Die göttliche Vorsehung wollte, dass sie aus den Händen Pius XII. sprießen. Es waren die Verkündigung des Dogmas der Himmelfahrt Mariens und die Proklamation des Königtums Mariens. Was kann reicher, fruchtbarer, schöner sein?

in „Catolicismo“ Jahrgang IV – Dezember 1954 – Nr. 48

Mittwoch, 17. August 2016

Die Französische Revolution: eine geplante Verschwörung zur Zerstörung der Monarchie

1789 – 1815: Die Französische Revolution

Der internationale und prozessive Charakter der Französischen Revolution
Die entgegengesetzten Thesen der liberalen Schule und der gegenrevolutionären Schule

Plinio Corrêa de Oliveira

Einigen Historikern zufolge begann die Französische Revolution im Jahr 1789 und endete im eigentlichen Sinn des Wortes im Jahr 1815 mit dem endgültigen Sturz Napoleons und der Wiedererrichtung des Throns der Bourbonen.
Die „Kurve“ des Prozesses der Französische Revolution: Der Ausbruch etlicher aufeinanderfolgenden Etappen
Während dieser Zeit durchging Frankreich eine enorme Evolution. Es brachen etliche aufeinanderfolgende Revolutionen aus:
1) In der ersten Phase wurde der König von Frankreich, der ein absolutes Herrschertum innehatte, in einen konstitutionellen König verwandelt.
2) In der zweiten Phase verwandelte er sich in einen bloßen nominellen Monarchen.
3) Und zuletzt wurde er vom Thron gestürzt und enthauptet.
4) Anschließend kam eine kurze Zeit einer bürgerlichen Republik.
5) Danach folgte ebenfalls kurz, eine kommunistische Republik. Der Kommunismus etablierte sich nicht in seinem vollen Ausmaß, es gab aber viele Veränderungen kommunistischer Prägung. Die Inhaber der öffentlichen Macht und die Partei, die sie unterstützte, waren alle Kommunisten. Es ist die sogenannte Zeit des Terrors, in der Robespierre, Danton, Marat und andere Frankreich regierten.
Dann begann die Revolution langsam auf den umgekehrten Weg, den sie beschritten hatte, zurückzugehen.
1) Von der kommunistischen ging sie zurück zur bürgerlichen Republik in der Zeit des Direktoriums.
2) Von der bürgerlichen Republik zur Volksmonarchie in der Zeit Napoleons.
3) Und wurde wieder eine aristokratische Monarchie. Eine blasse Wiederherstellung der Monarchie aus der Zeit Ludwig XVI.
Das heißt, die Französische Revolution beschritt eine Art Kurve.
Zum besseren Verständnis können wir das auf eine andere Weise wiederholen.

A) Die Tatsache: Die Französische Revolution war ein Prozess. Ein Prozess, der 1. ein Voranschreiten in Etappen beinhaltete und 2. einen symmetrischen Rückwärtsgang, ebenfalls in Etappen durchführte. Eine Tatsache, die jedermann annimmt.

B) Die Etappen waren:
      Der Vormarsch:
      1. Von der absoluten Monarchie zur konstitutionellen Monarchie;
      2. Von der konstitutionellen Monarchie zur bürgerlichen Republik;
      3. Von der bürgerlichen Republik zum Kommunismus;
      Der Rückmarsch:
      1. Vom Kommunismus zur bürgerlichen Republik;
      2. Von der bürgerlichen Republik zu einer halbwegs volks-aristokratischen Monarchie eines Napoleon;
      3. Die Rückkehr zu den Bourbonen.

Natürlich ging der Rückwertsgang nicht zum Ausgangspunkt zurück. Man ging zurück zu etwas ähnlichen, das dem Ausgangspunkt entsprach. Das Regime der Bourbonen nach der Revolution war schon nicht mehr das Ancien Régime, war diesem aber ähnlich.
Eine spontane, planlose Bewegung in die sich aufeinander folgenden Revolutionen: Eine falsche Sicht der „Kurve“ der Französische Revolution
Doch die Mehrheit der Historiker nimmt an, die Französische Revolution sei
- erstens, eine völlig spontane Bewegung gewesen, die nicht artikuliert wurde. Sie hatte tiefe Ursachen, war aber nicht das Ergebnis eine Verschwörung;
- zweitens, war sie nicht einem Plan unterworfen, denn, wo keine Verschwörer, da kein Plan.
- drittens, kann man deshalb auf keine Methode hinweisen, der die Französische Revolution gefolgt wäre als ein Plan für die folgenden Revolutionen.
Die zwei Schulen bezüglich des Prozesses der Französische Revolution
So gibt es für den Kommentar oder für die Analyse des Prozesses der Französischen Revolution zwei Schulen: die liberale oder revolutionäre und die gegenrevolutionäre Schule.

Die liberale oder revolutionäre Schule: die Spontaneität – das Fehlen einer Verschwörung und einer Methode im revolutionären Prozess

In der liberalen oder revolutionären Schule ist die erste These die Spontaneität. Das heißt, diese Bewegung sei spontan gewesen, hervorgegangen aus dem Spiel der Umstände, der menschlichen Leidenschaften und der Ideen. Sie sei nicht vorsätzlich gewesen. Es gab niemanden, der sie in Gang setzen wollte um einen ganzen Prozess durchzuführen. Es könnte höchsten jemand gegeben haben, der eine Etappe vollziehen oder in die nächste Etappe übergehen wollte. Doch niemand habe die Idee einer Revolution gehabt, die voranschreitet und dann zurückrollt.
Dies ist die liberale These.

Die gegenrevolutionäre Schule: Die Vorsätzlichkeit – Verschwörung und Methode des revolutionären Prozesses

Die gegenrevolutionäre Schule lehrt im Gegensatz die Vorsätzlichkeit der Revolution. Das heißt, es gab eine Intention, ein Vorhaben, eine Revolution zu entfachen, die sich nicht auf ihren Höhepunkt halten könnte und von der man wusste, sie müsse zurückstellen.
So gibt es nach der liberalen These weder Verschwörung noch Methode. Nach der gegenrevolutionären These gab und gibt es nicht nur eine Verschwörung, sondern auch eine Methode.
Ein praktisch wichtiger Aspekt der gegenrevolutionären Sicht: Die Französische Revolution – indem sie eine Verschwörung war und nach einer Methode verwirklicht wurde – bestimmte die Ereignisse, die ihr folgten.

Nun der dritte Punkt – dieser ist in der Praxis sehr wichtig, weil er nicht eine reine historische Nachforschung ist, sondern ein Punkt von praktischer Wichtigkeit.
Und zwar, wenn nach der revolutionären Schule die Französische Revolution keine Folge einer Verschwörung war und keine Methode folgte, dann beeinflusste sie auch nicht die ihr folgenden Ereignisse.
Für uns ist es das Gegenteil: sie bestimmt alle ihr folgenden Ereignisse, bis hin zum Kommunismus und bis in unsere Tage hinein.

Hauptschlussfolgerung: Gegen die Revolution kämpfen, bedeutet – 1. Gedankengut mit Gedankengut bekämpfen; – 2. Eingreifen, um die Umstände zu ändern; - 3. Eine Verschwörung zerstören
Daraus ergibt sich eine Schlussfolgerung, die sehr wichtig ist für die Aktion.

Nach der liberalen These — die Revolution sei nur ein spontaner, zufälliger Prozess — besteht der Kampf gegen die Revolution nur in der Bekämpfung von Gedankengut und soziale Situationen und nicht die Bekämpfung einer Verschwörung.

Nach der Gegenrevolutionären These — die Französische Revolution sei das Ergebnis einer Verschwörung gewesen und der Befolgung einer Methode — bedeutet der Kampf gegen die Revolution:
1. Ein Kampf von Gedankengut gegen Gedankengut;
2. Mit Gewissheit ein Eingreifen, um Umstände zu verändern;
3. Doch nicht nur das. Es ist die Zerstörung einer Verschwörung, denn es handelt sich um eine Vereinigung und einer Organisation, die sich der Verschwörung angenommen hat: und das ist die Freimaurerei.

Hier sind nun klar differenziert die entgegengesetzten Thesen der liberalen und der gegenrevolutionären Schule in der Betrachtung der Französische Revolution.

Beweise der Richtigkeit der gegenrevolutionären These: historische Persönlichkeiten – der Herzog von Chartres, zukünftiger König Louis Philippe, und Danton, Justizminister.
Warum ist die gegenrevolutionäre These, die richtige?
Um einen Beweis der Richtigkeit der gegenrevolutionären These zu bringen, müssen wir einige Persönlichkeiten historisch erörtern.
Da ist zunächst der Herzog von Chartres.
Er war ein junger französischer Offizier, der unter dem Befehl von Dumouriez kämpfte. Dieser war einer der höchsten Generäle der bürgerlichen Phase der Französische Revolution und des Beginns der Phase des Terrors.
Dieser Herzog von Chartres war ein Prinz der königlichen Familie Frankreichs. Er war ein Sohn des Herzogs von Orléans, genannt Philippe Égalité.
Dieser Philippe Égalité war ein Cousin des Königs, der, in der Hoffnung selbst König zu werden, sich mit den Republikanern gegen die Monarchie verschwörte. Er war Großmeister der französischen Freimaurerei. Er endete auf dem Schafott noch während der Französische Revolution. Die Republikaner sahen, dass er König werden wollte und deshalb köpften sie ihn.
Der Sohn des Philippe Égalité war der Herzog von Chartres. Dieser wurde zu Frankreichs König im Jahre 1830 ausgerufen. Er regierte unter dem Namen Louis Philippe I. und regierte von 1830 bis 1848.
Um die Rolle dieses Herzogs von Chartres zu verstehen, muss man bedenken, dass Napoleon im Jahre 1815 gefallen ist und es stieg auf den Thron Frankreichs Ludwig XVIII, Bruder Ludwig XVI.
Ludwig XVIII. starb im Jahre 1824 und es folgte ihm König Karl X. sein Bruder und natürlich ebenfalls Bruder Ludwig XVI. Karl X. regierte von 1824 bis 1830.
1830 brach eine liberale fast republikanische Revolution aus, die Karl X. absetzte und Louis Philippe zum König ausrief. Die Monarchie Louis Philippes wird als bürgerliche Monarchie bezeichnet, weil die Regierung eher von der Bourgeoisie ausgeführt wurde als von den Adeligen.
Eine andere Persönlichkeit, die in Erscheinung tritt, ist Danton. Danton war Justizminister der damaligen republikanischen Regierung.

Eine von Louis Philippe erzählte Begebenheit:
Beweis des Vorhandenseins einer Verschwörung

Die Episode wird beschrieben in ein sehr gut geschriebenes Buch von F. A. Gruyer, der Mitglied des „Institut de France“ war. Das heißt, ein berühmter ernstzunehmender französischer Historiker und sehr glaubwürdig in Sachen französischer Geschichtsschreibung.

Herzog von Chartres
Gruyer erzählt, dass am 21. September 1792 der Herzog von Chartres von der Kriegsfront nach Paris gekommen war, um mit der revolutionären Regierung zu verhandeln. Er suchte den Kriegsminister Servan auf. Servan weigerte sich ihn zu empfangen, weil er Krank sei, bettlägerig, und so außerstande mit ihm irgendetwas zu besprechen. Der Herzog von Chartres bestand aber darauf empfangen zu werden, denn er war von der Kriegsfront gekommen um wichtiges über die militärischen Aktionen gegen die österreichischen Truppen zu berichten, die in Frankreich einrückten. Er wurde dann in das Zimmer des Ministers eingeführt, der tatsächlich krank im Bett lag und etliche Personen um sich hatte. Er teilte Servan den Sieg über die Österreicher bei Valmy mit — es war ein Sieg der französischen Republik über Österreich — und berichtete über Einzelheiten des Sieges. Dann beschwerte er sich, dass die republikanische Regierung ihn an eine andere Front versetzen wollte. Er bat im Heer aktiv zu bleiben und an die Straßburger Front versetzt zu werden. Der Minister antwortete ihm: „Unmöglich. Der Platz, um den sie bitten, wurde schon an einem anderen vergeben.“
Eine der anwesenden Personen, mit einem merkwürdigen Gesicht und einer rauen Stimme, rief den Herzog beiseite und sagte ihm: „Der Servan ist ein Schwachkopf. Kommen sie morgen zu mir, ich werde mich ihr Anliegen annehmen“. Der Herzog fragte, wer er sei. Antwort: „Ich bin Danton, der Justizminister“.
Danton war genau einer der berühmtesten Revolutionäre, der grauenhaftesten, der aktivsten und der die Guillotine auf Trab hielt. Sein Name ist unwiderruflich mit den Massakern des Terrors verbunden.
Am nächsten Tag suchte der Herzog von Chartres Danton auf, der ihm sagte: „Es ist alles geregelt. Sie bekommen die Position, die sie wünschen unter dem Befehl von General Kellermann und nicht unter General Dumouriez. Wollen sie das?“ Der Herzog bedankte sich glücklich.

Danton
Danton sagte ihm anschließend — jetzt kommt das eigentlich Interessante: „Bevor sie zur Front gehen, möchte ich Ihnen einen Rat geben. Sie haben Talent, sie werden Karriere machen, sie müssen aber von einem Fehler lassen: Sie reden zuviel. Sie sind seit 24 Stunden in Paris und haben des öfteren gewisse Exzesse der Revolution kritisiert; und es kam der Regierung zu Ohren.“
Antwort des Herzogs: „Es ist aber doch ein greuelhaftes Massaker. Kann jemand dies nicht grauenhaft finden?!“
Antwort Dantons, der als Justizminister die Macht hatte irgendeinen zur Guillotine zu schicken, und schickte sie auch: „Es war ich, der diese Massaker befohlen habe. Alle Pariser sind Kanaillen; es war notwendig eine Fluss von Blut zwischen ihnen und den Anhängern der Monarchie strömen zu lassen, sonst wäre die Monarchie wieder eingeführt worden.“
So etwas sagt der Justizminister selbst! Dass heißt, er selbst sah, dass die Republik sich auf schwache Grundlagen stützte, so dass sie sich nur durch Gewalt aufrechterhalten ließe.
Danton weiter: „Sie sind noch zu jung, um diese Dinge zu verstehen. Kehren sie zum Heer zurück. Es ist der einzige Posten, der für sie heutzutage angebracht ist, angesichts ihrer persönlichen Werte und der hohen Sippe aus der sie stammen. Sie haben eine Zukunft. Um die Zukunft aber, die sie vor sich haben, zu verwirklichen, müssen sie das Schweigen lernen.“
Der Herzog von Charters war General.
Danton fügte hinzu: „General, all dies – d.h. die Massaker und die ganze willkürliche Gewalt – geht nur uns was an und nicht Sie. Ihre Rolle ist es, keine Politik zu machen, sondern eifrig für ihr Land zu kämpfen, wie sie es bis jetzt getan haben. Das erkenne ich Ihnen an.“
Das sagt also der Justizminister einem republikanischen General, einem Sohn eines Adeligen, der zum Sturz der Monarchie mitgewirkt hatte!
„Ich weiß und fühle es sehr gut, dass diese Republik, die wir ausgerufen haben, nicht von Dauer sein wird. Viel Blut wird noch vergossen werden müssen...“
Sehen sie also den Plan! Es ist ein Mensch, der die Republik ausgerufen hat, der weiß, dass sie nicht haltbar sein wird. Warum rief er die Republik aus, von der er wusste, dass sie nicht von Dauer sein würde, wenn nicht mit einer Intention, die er für später hatte? Niemand schafft ein Werk, von dem er weiß, dass es nicht haltbar sein wird. Außer mit Absicht. Er hatte also schon ein anderes Ziel.
Und er wusste noch mehr: „Dass schon viel Blut geflossen war und es war geplant, dass noch mehr fließen würde.“
Es war also alles vorbereitet und er wusste, was geschehen würde!
Sehen wir, wie es weiter ging: „... Frankreich wird durch seine Laster und vielleicht auch durch seine Tugenden zur Monarchie zurückgeführt. Doch die Monarchie, die kommen wird, wird nicht die des Ancien Régime sein. Und die Errungenschaften der Revolution als solche werden keine Gefahr laufen, sie werden ewig bleiben.“
Sie sehen, es ist ein Mann, der den Plan kennt, der die freimaurerische Verschwörung kennt, dessen Vollstrecker er ist; und er weiß, dass die Monarchie, die zurückkommen wird, nicht die des Ancien Régime sein wird.
Und es ist genau das, was geschehen ist. Sie war nur eine vage Erinnerung an das Ancien Régime. Doch das wesentliche der Revolution ist geblieben.
Danton weiter: „Niemals wird Frankreich den Hauptzweig ihrer Familie dulden...“
Er merkte, dass die Bourbonen eine geistige Einstellung hatten, die sich nie mit der Revolution versöhnen würde. Es war der Zweig, dem der Herzog von Chartres nicht angehörte. Er gehörte dem jüngeren Zweig der Familie an, den der Orléans.
„Nie wird sich der erstgeborene Zweig mit der Revolution versöhnen. Sie aber, der sie unter der Tricolore gekämpft haben, haben große Chancen zu regieren.“
Tatsächlich regierte er später. Das heißt, alles war vorgesehen.
„So ist es ihre Pflicht, sich für die Zukunft zu schonen. Sicher überrasche ich sie mit dem, was ich ihnen sage. Aber, werde ich sie eines Tages wiedersehen?“
„Sehen sie, sie werden eine schwere Aufgabe zu erfüllen haben: Diesem Volk die zwei Güter wiederzugeben, die es am meisten wünscht, aber nicht zu bewahren im Stande ist: die Ordnung und die Freiheit.“
„Sie werden noch eine andere Aufgabe haben, die nicht minder ernst ist: unsere Unabhängigkeit zu bewahren, die ständig bedroht ist durch die Nähe von Paris zu den Landesgrenzen. Sie, der sie die glorreiche Kampagne von 1792 durchgeführt haben, werden wissen welcher der Schwachpunkt ist. Der Schwachpunkt ist hier: Denken sie daran, dass Paris das Herz Frankreichs ist. Tun sie das, wofür uns keine Zeit bleibt vor unserem Fall zu tun: befestigen sie Paris.“
„So, Herr General, nun gehen sie zum Heer von Dumouriez und kämpfen sie gegen die Österreicher“.
Eine Anmerkung des Buches:
König Louis Philippe I.
„Vierzig Jahre nach diesem Gespräch mit Danton war der Herzog von Chartres König von Frankreich und baute Festungen um Paris, wie es Danton sich gewünscht hatte.“
Dies war der bis ins Detail vorgezeichnete Plan, den Danton preisgegeben hat. Was hat sich zwischen beide noch ereignet, über das der Herzog nichts erzählt hat?
(Frage: Hat die Pariser Kommune nicht etwas zu tun mit der Befestigung der Stadt?)
Sicher. Paris war der Ort in Frankreich, wo es am leichtesten war eine Revolution zu entfachen. Wenn sie befestigt würde, könnte sie vor den Angriffen der Feinde besser verteidigt werden. Das Vorhaben war also, aus Paris einen Feuerherd zu machen, der den Anmärschen aus den Provinzen standhalten könnte.
Es ist also folgerichtig. Es ist der Plan eines Staatsmannes, der eine Verschwörung anzettelte und sie einem Komplizen preisgab.
Das ganze endet so:
„Louis Philippe, der König, hatte dieses ganze Anliegen unveränderlich in seinem Gedächtnis behalten. Er fand Vergnügen daran, es ab und zu seinen engsten Freunden zu wiederholen, Wort für Wort, immer auf gleicher Weise.“
Also etwas, was er auswendig gelernt hatte.
„Der Herzog von Aumale, einer seiner Söhne, hatte diese Geschichte oft von seinem Vater gehört und wiederholte sie ebenfalls gerne des öfteren. Er erzählte es mit viel Charme.“

In den Enthüllungen Dantons, ein Plan zur Durchführung der „Prügelmethode“: Den Gegnern der Revolution Furcht einzuflössen, um ihnen die Hoffnung auf einen Sieg zu nehmen; den Kampfeswillen schwächen und vernichten.

Sie sehen, dass es eine Aussage eines Revolutionärs ist an seine Komplizen, einer, der der König sein würde, der das Werk der Französische Revolution in Frankreich sichern sollte. Diese Enthüllungen wurden 40 Jahre bevor dieser König regieren sollte, gemacht...
Es gab also eine Idee, die Französische Revolution durchzuführen, um einen großen Schock in der französischen Öffentlichkeit zu verursachen, damit die Anhänger der alten Ordnung sich dermaßen schwach und demoralisiert fühlen sollten, dass nie mehr daran denken sollten, die alte Ordnung wieder herzustellen. Oder, dass sie wenigstens dazu nicht mehr fähig sein würden. Dann käme eine mehr oder weniger Monarchie, die aber wieder in eine Republik landen würde.
Das war es, was geschah.

1830 wurde Louis Philippe König. 1848 wurde er abgesetzt und kurz darauf kam Napoleon III, der ebenfalls gestürzt wurde. Und Frankreich wurde endgültig für immer eine Republik...

In der Tat kam das zur Anwendung, was wir die „Prügelmethode“ nennen. Das heißt, den Gegnern der Revolution durch Gewalt Entsetzen einflössen, sie schwächen und ihnen die Hoffnung auf einen Sieg und den Willen zum Kampf zu nehmen.
In einem Artikel erwähnte ich einmal die Lehre von Clausewitz, nach der, einen Krieg gewinnen, bedeutet nicht, den Feind physisch zu vernichten, sondern ihm den Kampfeswillen zu nehmen.
Ich erwähnte auch die Meinung eines chinesischen Denkers aus dem Jahr 500 vC, der sagte, dass der wahre General, der ist, der Länder erobert, ohne sein Schwert zu zücken, sondern nur durch den Terror, den er verbreitet und den anderen den Willen zum Widerstand schwächt.
Der Plan der Französischen Revolution war also, diese Methode anzuwenden. Durch äußerste Gewaltanwendung und -verbreitung, verursachte sie Panik und nahm den dekadenten, schwachen und verweichlichten Feinden, den Willen zu widerstehen. Das Ergebnis war, dass der Rest eine langsame Dekadenz war, die bis zum republikanischen Regime führte, in dem sich Frankreich heute befindet.
Es gab also ein im Voraus studierter Prozess, der dann mit aller Technik durchgeführt wurde, so wie man einen wissenschaftlichen Prozess durchführt. Und der zu seinem vorgezeichneten Ergebnis kam.
Die Aussagen sind sehr sicher, weil sie von einem Autor dieses Prozesses stammen, in der sogenannten kommunistischen Phase der Französischen Revolution, gegenüber dem künftigen König, der die Errungenschaften der Französischen Revolution festigen sollte.
Es ist eine höchst interessante Äußerung: sie bestätigt die These des vorsätzlichen und prozessiven Charakters der Revolution.
Ein sehr interessantes Dokument für geschichtliche Argumentation.

Danton: ein eingeweihter der Revolution und nicht einfacher Vollstrecker

(In diesem Fall scheint Danton eingeweihter, als man es sich hätte vorstellen können. Man dachte er sei eher nur ein Vollstrecker.)
Ich bin sehr erstaunt, dass er in diesem Maße eingeweiht war.

Grund, warum die Revolution ihre Pläne verheimlicht: jeder Verschwörer will nicht erkannt werden.

(Frage: Warum geben die Lehrer nicht diese Sicht der Französische Revolution?)
Sie wollen verhindern, dass die Menschen eine Idee davon haben, dass es eine Verschwörung gibt, die die Welt bis dorthin führt, wo die Revolution sie haben will. Denn, wenn sich diese Kenntnis verbreitet, können sich diejenigen, die gegen diese Verschwörung kämpfen, zahlenmäßig vermehren. Und es ist klar, dass jeder Verschwörer Interesse daran hat, nicht als solcher erkannt zu werden. Das steckt in der Natur der Dinge.

Das Ziel der Enthüllungen Dantons: Eine Taktik den Herzog von Chartres in die Revolution einzuweihen

(Frage: Was wollte Danton mit der Enthüllung des Plans an Louis Philippe? Welche Erklärung gab dieser, als er es anderen weitersagte?)
Man kann nur mutmaßen. Danton sagte irgendwann dem Herzog von Chartres: „Sie sind noch zu jung und werden es nicht verstehen. Es wird aber dies und jenes passieren...“
Auf der anderen Seite, sieht man, dass der Herzog eine gewisse Ablehnung gegenüber den Ausschreitungen der Revolution zeigte. Es war sehr schwer eine Person zu finden, es sei denn sie wäre ein Monster, die die Ausschreitungen der Revolution mit Sympathie sah, und gerade dann als der Terror seinen Höhepunkt erreichte. Ganz Europa war mit Entsetzen erfüllt.
Außerdem war der Herzog von Chartres noch jung. Wenn er auch General der Revolution war, hatte er jedoch seinen Titel verloren und all sein Vermögen. Man versteht, dass es viel besser ist, ein reicher Herzog von Chartres, als ein zweitrangiger General zu sein, der sein Leben auf dem Schlachtfeld riskiert. Es war nicht leicht diesem Jungen die Beleidigungen schlucken zu machen, die er selbst gegen die Revolution ausbreitete.
Auf der anderen Seite rechneten sie mit ihm, der revolutionäre König zu sein. Dann war es angebracht, dass es Danton war, ein Monster, der ihm diese Zukunftsperspektiven eröffnete, um im Nachhinein in einer Loge zur Annahme dieser Ideen eingeweiht zu werden.
Dass heißt, es vereinfachte die Sache, wenn ein Monster wie Danton ihm als erster dies offenbarte. Als starker Mann und einflussreicher Politiker, der die Macht in den Händen hat, hatte er alles, um ernst genommen zu werden. Für eine Einweihung war es ein interessanter Schritt. Dies ist nur eine Hypothese.

Der Zweck der Erzählung von Seiten Louis Philippes: Ein Mittel für die Einweihung der eigenen Söhne — der Herzog von Aumale, republikanischer Tendenz; der Herzog von Nemour, monarchistischer Tendenz

Warum erzählte Louis Philippe dies seinen Intimsten?
Der Grund ist, weil sich das Problem bei seinen Söhnen wiederholen würde. Er hatte etliche Söhne, jeder mit einer unterschiedlichen politischen Richtung.
Einer der Söhne, der Herzog von Aumale, war der Republikaner unter seinen Söhnen.
Ein anderer, der Herzog von Nemours, war der Monarchist. Dieser ist der Vorfahre der Mitglieder des brasilianischen Kaiserhauses.
Die Revolution war daran interessiert, alle Söhne Louis Philippes in ihren Strom einzuführen, denn irgendwann könnten sie für irgendeine Taktik der Revolution gut sein. Wie sie tatsächlich oft eingesetzt wurden...
Der Vater erzählte also seinen Söhnen alles, um unter ihnen den Ehrgeiz zu wecken. Es war eine Vorbereitung, wie es Danton mit ihm selbst gemacht hatte. Deshalb erzählte er es auch nur in intimen Kreisen.
Dieser Historiker hörte diese Geschichte vom Herzog von Aumale, und fand nichts Besseres, es in einem Buch zu veröffentlichen. Das sind Dinge, die die Vorsehung steuert, das sie bekannt werden. Und das Buch landete in unseren Händen.

(Frage: Der Herzog von Chartres war Sohn von Philippe Égalité, Herzog von Orléans. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass er vom eigenen Vater eingeweiht wurde. Und als Danton ihm davon erzählte, wusste er bereits davon?)
Philippe Égalité - Herzog von Orléans
Nein. Weil Philippe Egalité ein Satanist war, der in verlassenen Gruben im Untergrund von Paris Teufelsbeschwörungen beiwohnte. Wie übrigens sein Vater auch schon. Doch der Herzog von Chartres, der künftige Louis Philippe, trat sicher in eine Loge für Anfänger ein. Ein Hinweis dafür gibt es in der Tatsache als die Konvention Ludwig XVI. verurteilte, baten alle Söhne von Philippe Egalité, dass er nicht für den Tod des Königs stimmen sollte. Trotzdem stimmte er für den Tod des Königs. Daraufhin schrieb der Herzog von Chartres einen heftigen Brief an ihn — im Buch dokumentiert — dem ein Bruch mit dem Vater gleichkam. Nachher kritisierte er noch die Gräueltaten der Revolution. Das heißt, es scheint, er war nicht genügend eingeweiht, um so verdorben zu sein, die Dinge zu nehmen, wie sie waren.

Eine Überraschung für die Mentoren der Französische Revolution: die Stärke der Reaktion von Seiten unzähliger Priester und vor allem des Volkes

(Frage: Rechneten die Revolutionäre mit dem Aufstand der Vendée? In wie fern störte das die Revolution?)
Es gibt eine Reihe kleiner Gründe, die dazu führen, anzunehmen, als die Französische Revolution organisiert wurde, dass die Anstifter wussten, dass es eine sehr heftige monarchistische Reaktion geben würde. Wie es sie auch tatsächlich gab.
Jeder gewissenhaf republikanischer Historiker, behauptet, dass, als Ludwig XVI. geköpft wurde, fast ganz Frankreich, empört über das begangene Verbrechen, zu den Waffen griff. Das heißt, fast ganz Frankreich hatte oder war noch nah dran, monarchistische Gefühle zu äußern. Sie rechneten also mit einer monarchistischen Reaktion.
Es scheint aber, dass sie nicht mit einer religiösen Reaktion gerechnet haben. Was verständlich ist, denn in jener Zeit gab die Kirche Frankreichs alle Anzeichen einer großen Dekadenz.
Gegen alle Voraussicht war die Zahl der Priester, die sich nicht der Revolution angeschlossen hatten, viel höher als man hätte erwarten können. Weil die Revolution die Kirche angegriffen hatte. Es war der religiöse Eifer des Volkes, der den Aufstand erwirkte, viel mehr als der monarchische Aspekt.
So war die Stärke der Reaktion für die Revolutionäre eine gewisse Überraschung. Trotzdem erwarteten sie eine Reaktion und waren bereit Blut fließen zu lassen, um diese Reaktion zu zerschlagen. Das erkennt man aus dem Bericht heraus.

Verwundbarkeit der Reaktion, die keine feste gegenrevolutionäre Bildung hatte:
Kampf von Blinden gegen Sehende.

(Frage: Warum kam es nach Karl X. unter den Bourbonen zu einer ernsthaften Reaktion gegen diese Taktik, die die Revolution mit den Orléans durchführte?)
Der Zweig der Bourbonen bestand weiter, weil er in verschiedenen Ländern regierte: Spanien, Beide Sizilien, Herzogtum Parma. Es war der ältere Zweig und hatte natürlich viele Nachkommen. Doch keiner bekam eine gute und feste gegenrevolutionäre Bildung.
Ohne im Kopf eine Struktur der Thesen von „Revolution und Gegen-Revolution“ zu haben, kann man die Revolution nicht erfolgreich bekämpfen. Es ist wie ein Blinder, der seine Angreifer ohrfeigen will. Solch eine Reaktion ist voll verwundbar, sie ist nur instinktiv. Ein Blinder kann einen Angreifer erwürgen oder ihn zu Boden werfen. Er verliert aber unbedingt de Kampf.

Nützlichkeit dieses historischen Ereignisses im Apostolat: Gefahr der Mafia.

(Kann man das weitersagen?)
Das einzige, was ich empfehle, ist, dass man es gut dokumentiert, eine perfekte Bibliographie vorlegen kann: das vollständige Dokument, Autor, Jahr der Herausgabe und Verlag. Weil im Fall einer reinen wörtlichen Information, würde besonders ein Lehrer darüber lachen.
Nicht irgendeinem erzählen. Dann wird man gleich sagen wir hätten einen Freimaurerfimmel, man sähe Freimaurer überall.

Unterscheidung des utopischen Kommunismus vom sog. wissenschaftlichen Kommunismus

(Wurde diese Taktik im Kommunismus verwendet?)
Höchstwahrscheinlich. Das Problem ist, dass diejenigen, die sich mit solchen Themen beschäftigen, im Allgemeinen zwischen zwei Formen des Kommunismus unterscheiden: dem utopischen und dem sogenannten wissenschaftlichen Kommunismus.
Den utopischen Kommunismus betrachten sie als eine Art Prä-Kommunismus. Er wird dargestellt als eine Strömung von Philosophen und Schriftstellern, die von einer Errichtung des Kommunismus aus rein sentimentalen Gründen träumten.
Der sog. wissenschaftliche Kommunismus basiert sich auf wirtschaftliche Gründe und greift auf die Philosophie Hegels zurück. Er wurde auf den Materialismus transponiert durch Karl Marx: der Vorrang der Materie über den Geist, des Wirtschaftlichen über das Ideologische. Er kam auf mit dem Manifest von Karl Marx 1848.
Der utopische Kommunismus ist viel älter. Schon Thomas Morus im XVI. Jahrhundert veröffentlichte ein Werk, in dem das kommunistische Ideal gepriesen wurde. Vor ihm gab es noch einen Campanella.
In der Französischen Revolution versuchte man den Kommunismus einzuführen im Sinne Rousseaus, nicht aber mit der Begründung, die ihm später Marx gab.
Historiker geben zu, dass es während der Französischen Revolution eine echte kommunistische Revolution gab, angeführt von Babeuf, und dass Danton, Robespierre, Marat und andere — Vorsitzende des Comité du Salut Public — alle Kommunisten waren und etliche kommunistische Gesetze machten. Hatten aber nicht den Mut ein kommunistisches Regime einzuführen. Deshalb revoltierte Babeuf kurz nach dem Terror, um zu versuchen den Kommunismus voll einzuführen.

[RN – Vortrag gehalten am 30.06.70]

Das Gespräch zwischen dem Herzog von Chartres und Danton ist entnommen (freie Übersetzung) aus
F.-A. Gruyer (Membre de l’Institut), „La jeunesse du Roi Louis-Philippe“ d’après les portraits et les tableaux conservés au Musée Condé, Paris, Librairie Hachette et cie., 79, boulevard Saint-Germain, 1909, S. 124-127