Mittwoch, 21. Oktober 2020

Wer ist noch katholisch in der katholischen Kirche?

Kirche der Barmherzigkeit in Salvador, Bahia

In einem Laden, der zur Kapuzinerkirche der Barmherzigkeit in Salvador (Bahia) gehört, erlaubten die Ordensbrüder die Einrichtung einer Boutique, in der Unisex-Waren, darunter auch Bikinis, verkauft werden.

Wie man sich gut vorstellen kann, hat die Initiative bei vielen Kirchenbesuchern einen Skandal ausgelöst.

Pater Benjamin Capelli erklärte, dass die Anmietung des Geschäfts eine höhere Verfügbarkeit von Einkommen für die Wohlfahrtsarbeiten der Gemeinde gewährleisten werde.

Vielleicht spürte P. Bruno Rossi die Unhaltbarkeit der Behauptung – denn die Unmoral der Umwelt kann nicht durch die Zulässigkeit des Zwecks gerechtfertigt werden - und fügte ein weiteres Argument hinzu: „Ich bedauere nur, sagte er, dass einige unserer Brüder, die sicherlich im Glauben fest verwurzelt sind, so leicht Anstoß nehmen und solch kindlichen Vorurteile fördern. Es ist interessant und symptomatisch, dass traditionell strenge Brüder wie die Kapuziner die Unannehmlichkeiten des Geschäfts nicht erkannten. Ist es nicht an der Zeit, falsche Vorurteile abzubauen?“ Diese Angaben wurden einer Meldung im „Jornal do Brasil“ vom 5. Dezember entnommen. Das heißt, genau vor einem Monat.

*    *    *

Soweit ich weiß, wurde die Information nicht widersprochen. Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand schreiben würde, dass das Berichtete nicht wahr ist. Ich verpflichte mich, den Lesern das Dementi zur Kenntnis zu geben.

Ich bezweifle jedoch, dass es kommen wird. Und so setze ich meinen Kommentar fort.

Als ich vor einigen Monaten eine Nachricht über ein Frauenkloster in Spanien veröffentlichte, in dem Bikinis hergestellt wurden, verursachte ich bei den Lesern eine verständliche Reaktion. Und obwohl niemand es wagte, solch ungewöhnliche Nachricht zu dementieren, gab es nicht wenige, die sie für zweifelhaft hielten; so ein großer Skandal kann nicht passieren...

Jetzt bricht in Salvador ein ähnlicher Fall aus. Weil es keinen großen Unterschied gibt, ob man Bikinis herstellt oder verkauft.

Doch weder aus dem spanischen noch aus dem Fall aus Bahia zieht die überwiegende Mehrheit der Menschen nicht die notwendigen und entsprechenden Konsequenzen.

Eines ist jedoch offensichtlich. Wenn die Kirche seit ihrer Gründung bis heute den Nudismus als abscheulich betrachtet hat - wovon der Bikini eine der aggressivsten Erscheinungsformen ist - und wenn kirchliche Einrichtungen heutzutage Bikinis herstellen und verkaufen, eines von zwei:

1. entweder hat sich die katholische Sittenlehre vollständig geändert, und dann ist die Kirche weder unfehlbar noch göttlich;

2. oder diese kirchlichen Einrichtungen - indem sie implizit, aber offen die Legitimität des Bikinis damit erklären – verfälschen die Lehre der Kirche und schließen sich von ihr selbst aus.

Da die erste Hypothese völlig inakzeptabel ist, dringt sich die zweite auf.

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Haben wir keine Angst, die Wahrheit von vorn anzusehen. Dieses Thema - Nudismus - wirft eine Frage auf, die weit über den Fall der beiden „Bikini“-Klöster hinausgeht.

Es ist absolut unmöglich, dass der Gebrauch des Bikinis und anderer Formen sexueller Aggressivität so weit verbreitet ist, ohne dass viele geistliche Leiter Personen die Absolution gewähren, die aufgrund ihrer Kleidung diese nicht erhalten dürften. Auch ihnen muss die Frage gestellt werden: - Wenn sie glauben, dass die Sittenlehre der Kirche sich geändert hat, wie können sie sich dann noch katholisch nennen? Und wenn sie ihren Beichtkindern erlauben, Bikini zu tragen, mit welchem Recht verstehen sie sich noch als katholische Priester?

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Natürlich geht die Frage noch weiter. Von den Frauen, die an solcher sexuellen Aggressivität mitmachen, haben viele im Katechismus gelernt, dass sich die katholische Moral nicht ändert.

- Wenn sie meinen, dass sie sich geändert hat, wie können sie dann die Unfehlbarkeit und Göttlichkeit der Kirche annehmen?

- Und wenn Sie denken, dass sie sich nicht geändert hat, wie möchten sie dann als Katholiken angenommen werden?

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Aber – wird jemand sagen - das Tragen eines Bikinis ist eine Sünde gegen das 6. oder 9. Gebot. Somit sündigt eine Person nicht gegen den Glauben, weil sie eines dieser Gebote verletzt hat. Daher ist mein Argument unbegründet.

Natürlich sage ich nicht, dass jemand, der Bikinis herstellt oder verkauft oder trägt, gegen den Glauben sündigt. Aber wer implizit oder explizit behauptet, dass sich die Sittenlehre der Kirche geändert hat, sündigt gegen den Glauben.

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Und daher kann auch eine Frage, bezüglich des Verhaltens gegenüber dem Kommunismus und einige anderen Angelegenheiten gestellt werden: Wer ist noch römisch-apostolisch-katholisch in diesem immensen Magma von 600 Millionen Menschen - Kardinäle, Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien – die gewohnheitsmäßig als Mitglieder der einzigen und unvergänglichen Kirche Gottes betrachtet werden?


Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in „Folha de S. Paulo“ vom 5. Januar 1975.

Foto: By Santa Casa da Bahia - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=63550875

© Nachdruck der deutschen Fassung dieses Beitrags ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Dieser Beitrag erschien in deutscher Sprache zuerst im Blog Plinio Corrêa de Oliveira zum  100. Geburtstag.


Dienstag, 20. Oktober 2020

Unsere Liebe Frau von Garaison und das Vetrauen

   Nach der Restaurieung 1958    
Nach Brand geborgen


Plinio Corrêa de Oliveira

Ich habe hier einen Text aus dem Buch L'Itinéraire de la Vierge von Pierre Molaines: „Unsere Liebe Frau des Mitleids von Garaison“.

Er schreibt folgendes: „La Lande du bouc“ (die Region des Ziegenbocks) in der Gascogne wurde von den Bauern seit Jahrhunderten so genannt, weil dort der Teufel unter der Form eines Ziegenbocks erschien, um dem allgemeinen Sabbat der Hexer der Gascogne vorzustehen. Es war eine wilde, kalte, trostlose, buschige, verrufene Weite, heimgesucht von Straßenräubern und menschenfressenden Wölfen, ein Gebiet von Zaubereien, Legenden, langen Wintern und endlosen Echos schaudererregende Stimmen und Laute. Hinter jedem Busch lauerte Gefahr, Geheimnis, Fluch, Betrug. Dieser verruchte Ort wurde von Unserer Lieben Frau erwählt, einem Mädchen zu erscheinen, als eine große Hungersnot die Region heimsuchte.

Das kleine Mädchen hütete ein paar abgemagerte Schafe im Tal von Garaison. Zu dieser Zeit (1510 oder 1515) kannten die kleinen Bauern nur Verzweiflung und Hunger. Die Ställe, die Wohnhütten und die Mägen waren leer. Dieses kleine Mädchen hieß Anglèse, das heißt Angela oder Angelica, Tochter eines Herrn Guilhem de Sagazan, ein armer unter den Ärmsten. Sie lebte mit ihrer Familie in eine elende Hütte aus Lehmwänden und einem Strohdach. Sie war zehn oder zwölf Jahre alt, eine reine Seele, große Unwissenheit über alles außer dem Elend, aber eine große Liebe zu allen, besonders zu ihrer Familie und zum Lieben Gott. Sie weinte oft, weil der Schmerz, die Sorgen um die nutzlose Arbeit ihres Vaters und ihrer Mutter sie bedrückte. Sie betete oft weil sie sich in der Gesellschaft der Heiligen Jungfrau und der Engel wohl fühlte.

Jeden Tag ging sie durch das Moorland, um ihre Schafe zu weiden. An einem Frühlingsmorgen, der Ginster Blühte in all seiner Pracht, saß Anglèse unter einem Weißdorn und aß eine Kruste Schwarzbrot, auf halber Höhe des Hügels, nicht weit von ihrer Hütte entfernt. Plötzlich fiel ein helles Licht auf das Kind und hüllte es vollständig ein. Eine Dame stand vor ihr, weiß gekleidet, lächelnd und liebenswürdig, schöner als die aufgehende Sonne.

„Hab keine Angst, sagte sie der überraschten Hirtin, ich bin Maria, die Mutter Gottes. Komm meine Tochter, geh zu deinem Vater und sage ihm, er soll dem Pfarrer mitteilen, hier eine Kapelle zu bauen, weil ich diesen Ort erwählt habe, um hier meine Gaben zu verteilen.“ Nach diesen Worten sah Anglèse sie nicht mehr. Sie beeilte sich die Herde zu sammeln und rann, ihrem Vater alles zu erzählen. Anglèse hat nie gelogen, und ihr Vater zögerte nicht, dem Pfarrer sofort zu berichten was passiert war. Dieser aber bat ihn um ein Zeichen als Beweis für den Auftrag.

Am nächsten Tag, saß Anglèse an der gleichen Stelle, und aß ihr Schwarzbrot. Wieder erschien die Muttergottes und wiederholte ihre Bitte. Das Mädchen sagte ihr, der Pfarrer wolle aber ein Zeichen haben, ohne das er nichts unternehmen werde. Die Dame wiederholte den Auftrag und verschwand. Wieder ging es mit dem Vater zum Pfarrer, der sagte „Ohne Beweise, keine Handlung“.

Darstellung der dritten Erscheinung
Am nächsten Tag, es war ein  Samstag, setzte sich Anglèse wieder  an die gleiche Stelle. Diesmal kamen ihre Eltern und Freunde mit, und standen neugierig in angemessener Entfernung. Die Dame erschien wieder und wiederholte ihre Bitte. Anglèse allein sah sie, aber alle hörten die melodische Stimme der Muttergottes.

„Wenn der Pfarrer kein Zeichen bekommt, sagte die Hirtin, wird er nichts unternehmen“.

„Schau in deine Brottasche und zu Hause in euren Brotkasten“, antwortete die Dame, und verschwand.

Das Kind sah in seinen Korb, in dem es eine Kruste Schwarzbrot als Mittagessen hatte. Sie fand jedoch jetzt ein schönes Stück Weißbrot. Alle eilten zur Hütte, um in den Brotkasten zu schauen. Es hätten drei Laibe Schwarzbrot drinnen sein sollen. Doch er war voll bis über den Rand mit Weißbrotlaiben. Der Pfarrer ergab sich den Beweisen. Eine feierliche Prozession wurde organisiert, ein Kreuz wurde in den einst verfluchten Ort errichtet. Dort wurde zu Ehren der Muttergottes des Erbarmens von Garaison, eine Kapelle gebaut, die zu einem der größten Wallfahrtsorte in Frankreich wurde.

Bis hier die Erzählung von Pierre Molaines.

Wir Haben hier ein Ereignis, das auf den ersten Blick vielen anderen ähnelt, die von Erscheinungen der Muttergottes berichten. Ein verfluchter Ort; an diesem verfluchten Ort behauptet die Muttergottes ihren Triumph. Sie äußert eine Bitte, die zunächst von der Hauptperson abgelehnt wird, und  Beweise haben will. Diese Beweise werden dann auf üppige Weise gegeben und die Botschaft wird angenommen: ein Heiligtum wird gebaut und Unsere Liebe Frau beginnt, ihre Gaben zu verteilen.

Hier gibt es aber einige Details, die gerade weil sie wiederholt werden, darauf hinweisen, was man in einem gewissen Sinn als Gewohnheit Unserer Lieben Frau bezeichnen könnte. Und weil sie auf eine Gewohnheit der Muttergottes hinweisen, sind sie uns besonders wertvoll.

Erstens diese Tatsache, dass Unsere Liebe Frau an einem verruchten Ort erscheint. Ein Ort, der von Dämonen befallen ist und an dem es sehr wahrscheinlich ist, dass die teuflischen Ereignisse tatsächlich stattgefunden haben. Denn nach der Verdammung des Teufels gibt es ein Zusammenhang mit ihm und allem, was in der Natur schlecht ist, was hässlich ist, was falsch ist. Der Teufel mag [tatsächlich hat er keinen Geschmack] das Abscheuliche, den Schmutz, die Fäulnis, er ist immer unglücklich, und versucht, solche Orte besonders zu befallen.

Er manipulierte es dort, an einem Ort mit einer abscheulichen Materie, mit einer halb zersetzten Materie, wie diesem Moorschlamm. Er benutzte es dort, um schreckliche Figuren oder Bewegungen erscheinen zu lassen. Natürlich liegt es daran, dass zwischen ihm und dem Schlamm eine Art Einigkeit besteht. Schlamm ist das Symbol der Sucht. Wenn wir über eine schmutzige Seele sprechen wollen, sagen wir, dass es eine schlammige Seele ist. Wir verstehen, wie der Teufel mit dem Schlamm sympathisieren kann.

Tatsächlich lehrt uns der hl. Thomas von Aquin diese sehr interessante Sache: Nach dem letzten Weltgericht und die zur Hölle verurteilten dort hineingestürzt wurden, werden auch bestimmte sehr abscheuliche Materien in die Hölle geworfen. Also, Schlamm, Dreck, Sauereien usw., alles wird mit den Dämonen in die Hölle geworfen. Es wird ein Reinigungsfeuer geben, das alles verbrennt, was verderblich ist, und was dann als Trümmer noch übrigbleibt, wird in die Hölle geworfen. Es ist ein Hinabstürzen von Schmutz und Trümmern in die Hölle, wodurch man verstehen kann, wie sich der Teufel heimisch fühlt, wenn er solchen Unrat hier auf Erden vorfindet.

Dies erklärt auch, warum in Teufelskulten die Gegenstände aus schmutzigen, verdorbenen, übelriechenden Materialien hergestellt werden. Es ist so, weil der unreine Geist nur mag, was unrein ist.

Also, es gibt einen Ort, an dem es diese Konzentration von teuflischen spirituellen und materiellen Schmutzfaktoren vorhanden ist. An diesem Ort beschließt die Muttergottes zu erscheinen und regieren. Was bedeutet das? Ist es einfach ein Zeichen ihrer Macht? Es würde ausreichen, wenn es ein Zeichen ihrer Macht wäre. Aber es ist viel mehr als ein Zeichen der Macht, es ist das Zeichen dafür, dass Ihre Macht etwas Besonderes ist: dass sie das Unreinste nimmt und es, wenn sie es will, vollständig regeneriert. Das soll uns Mut machen bezüglich unserer Seelen.


Je mehr wir versucht werden, desto mehr müssen wir auf Unsere Liebe Frau vertrauen. Sie, die in der Lage ist, den Geist der Finsternis mit tosender Kraft zu besiegen, wann immer sie will und wo immer sie will, ohne jegliche Mühe, weil sie die Königin aller Schöpfung ist und der Teufel schreckliche Furcht vor ihr hat; sie kann jederzeit irgendwo den Geist der Finsternis zertrümmern und ihre eigene Herrschaft, ihre eigene Souveränität errichten. Um uns Vertrauen bei den Versuchungen des Teufels zu geben, damit wir verstehen, dass diese Versuchungen jederzeit durch eine sehr heiligende und sehr gütige Gnade ersetzt werden können, geht sie so vor, damit wir verstehen, dass je hartnäckiger, je widerstandsfähiger, je widerspenstiger der Teufel auch sein mag, ist es für den, der zu beten weiß, für den, der sich an sie zu wenden weiß, keine Gefahr.

Aber es gibt noch mehr: Unsere Liebe Frau zeigt dort an, dass sie eine verschmutzte Seele, eine sündige Seele, nehmen kann und dass sie durch ihre Einwirkung diese Seele in ein Heiligtum verwandeln kann. Sie kann eine Fehlerträchtige, voller Süchte, mit Sünden beladene Seele nehmen, und sie kann sozusagen einfach ihre Hand auf diese Seele legen, und diese Seele kann sich verwandeln.

So wie auf ihrer Bitte in Kana das Wasser in seiner Substanz verändert wurde - Unser Herr hat befohlen, dass das Wasser sich in Wein verwandele -, so kann auch Unsere Liebe Frau jederzeit so reichliche Gnaden für eine Seele erlangen, dass die ekelhafteste Seele, die schmutzigste Seele, die vom Teufel am meisten befallene Seele, sich von einem Moment zum nächsten verändern und zu einer Seele Unserer Lieben Frau werden kann. Das heißt, dies ist eine weitere Tatsache, die dadurch symbolisiert wird, dass die Muttergottes dort ein Bild haben möchte, ein Heiligtum.

Nun, sie kommt und erscheint dort einer Hirtin. Wir sehen die Beharrlichkeit, mit der Unsere Liebe Frau Hirtenkinder, und unschuldigen Menschen auf dem Land erscheint. Warum das? Weil in Städten die Menschen eher materialistisch, sinnlich sind, nach Größe und den angenehmen Dingen dieser Welt suchen. Auf dem Land kann das Leben viel einfacher heilig sein. Der hl. Vinzenz von Paul, der aus einer sehr bescheidenen Bauernfamilie stammte – nachdem man vernommen hatte, dass er ein Priester war, der bei den berühmtesten Persönlichkeiten des Hofes und selbst bei der Königin Jeanne d'Autriche einen hohen Stellenwert genoss -, erhielt eine Bitte, für jemanden eine Anstellung in der Stadt zu ermöglichen. Er schickte diese Antwort: „Verlassen Sie sich niemals auf mich, denn ich werde meine Verwandten niemals vom Land, wo sie leicht gerettet werden können, in die Stadt bringen, in der sie kaum gerettet werden! Erwarten Sie das nicht von mir!“

Wir können verstehen, dass diese Hirtenkinder eine offenere, unprätentiösere, desinteressiertere, natürlichere Seele im guten Sinne des Wortes natürlich haben. Wir verstehen, dass die Muttergottes diese Wahrheit noch einmal betonen wollte, indem sie einer kleinen Hirtin erschien.

Die Folgen sehen wir im Nachhinein. Während der Teufel durch Schlamm, Unrat und Dreck kramt, was sind die Werke Unserer Lieben Frau? Es sind Wunder! Sie bitten um ein Zeichen, und sie gibt großzügige Zeichen! Ein winziges Zeichen und ein riesiges Zeichen. Ein winziges Zeichen, das im Leben einer Hirtin so wichtig ist, sie sucht in ihrer Tasche und findet Anstelle des Schwarzbrotes ein wunderschönes Weißbrot. In Europa ist Schwarzbrot das Brot der Armen und Weißbrot ist das Brot der Reichen. Für ein Mädchen ist es also ein wahres Geschenk, ein schönes Stück Weißbrot in seiner Tasche zu finden! Aber dann gehen sie nach Hause, und finden Weizen in Überfluss und in ausgezeichnetem Zustand!

Es sind die Anzeichen der Großzügigkeit Unserer Lieben Frau. Manchmal kann es vorkommen, dass sie auf sich warten lässt; wenn sie dann aber gibt, gibt sie das Doppelte, gibt sie viel. Warum? Weil sie die Mutter der Barmherzigkeit ist! Wir brauchen nur zu bitten, und sie gibt es uns. Wenn sie Weizen gibt, was für das ewige Leben doch so wenig wert ist, wie viel mehr wird sie uns dann Gottes Gnaden schenken? Es geht darum, zu bitten, und wir werden es erhalten.

Hier sehen wir, wie viele Lehren in einem Ereignis enthalten sind, das so einfach, so schön in seiner eigenen Einfachheit ist und wie es uns zu zwei Dingen führt: dem Teufel mit Mut zu begegnen - als erstes - nicht im Namen unserer Macht, weil er ein Engel ist; ein gefallener Engel, aber unermesslich stärker, lichtvoller, mächtiger als wir, aber durch die Macht Unserer Lieben Frau.

Und zweitens, um dem Schutz Unserer Lieben Frau unsere geistigen und zeitlichen Bedürfnisse anzuvertrauen und blind zu vertrauen; auch für die Bedürfnisse unseres Nächsten, für die Bedürfnisse unserer Gruppe, für die Bedürfnisse der heiligen römisch-katholischen Kirche, die heute die größte Bettlerin der Welt ist: die verlassenste, die verleugneste, die verachteteste, der entstellteste, die am meisten mit den Füßen getretene! Sie, die von Rechtswegen die Königin der Welt ist und das Zentrum aller Schönheiten des Universums! Lasst uns an dieser Stelle unser Mitleid zur heiligen römisch-katholischen apostolischen Kirche ausdrücken und die Muttergottes bitten, der heiligen Kirche alle Gnaden zu geben, die wir aus der Liebe, die wir zu ihr haben, ihr wünschen.

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google Übersetzer eines Vortrages von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira am 12. März 1970.

 

Bild der Kapelle mit Hauptportal: von Patrice Bon — Travail personnel, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=84355735

Bilder der Statue: (links) Wie sie aus dem Brand geborgen wurde. (rechts) Nach der Restaurierung 1958.

Anhang aus http://www.garaison.com/le-sanctuaire/

25 Jahre nach den Erscheinungen entstand die heilige Stätte…

… 1590 wurde die Statue der Pietà aus Zedernholz von hugenottischen Soldaten ins Feuer geworfen: 2 Stunden später konnte sie unversehrt geborgen werden (s. Bilder oben): seither wird sie verehrt als „Wunder wirkende Statue“. Von überallher strömten Kranke herbei, sehr viele Gnaden wurden gewährt; die Jungfrau erhält den Titel „Genesende“ in der lokalen Sprache: „Unsere Liebe Frau von Garaison“ (von der Genesung)

Im 19. Jahrhundert entstand die Kongregation der Missionare von der Unbefleckten Empfängnis (genannt die Patres von Garaison).

Sie gründen ein Schulinstitut und die Marienstatue wurde 1865 von Mgr Laurence gekrönt. Von Garaison kamen die ersten Pfarrverweser in das neue Sanktuarium mit weltweiter Berufung: LOURDES.

Heute ist dort eine neue Gemeinschaft: die Patres vom Heiligen Kreuz. Sie haben die Nachfolge angetreten für die Ausstrahlung von Garaison.

 

© Nachdruck der deutschen Fassung dieses Beitrags ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Dieser Beitrag erschien in deutscher Sprache zuerst im Blog Plinio Corrêa de Oliveira zum  100. Geburtstag.

 

Donnerstag, 15. Oktober 2020

Drei Jahrzehnte unermüdlichen Kampfes für das katholische Litauen – 6. Teil

Das Seufzen eines Volkes und die Verteidigung eines Rechts

Am 15. Februar 1991 richtete Plinio Corrêa de Oliveira ein Schreiben an Fernando Collor, den damaligen Präsidenten Brasiliens, in dem er ihn ersuchte, das freie Litauen anzuerkennen.

Dieses Schreiben beschreibt nicht nur mit aller Klarheit die Abfolge der Ereignisse, sondern zeigt auch, wie sehr den Verfasser die Liebe zu Recht und Gerechtigkeit bewegt. Es soll hier deshalb der volle Wortlaut dieses Schreibens wiedergegeben werden:

Herr Präsident, was mich veranlasst diesen Brief an Sie zu richten, ist das Empfinden unserer Seele angesichts des Seufzens eines Volkes und der Verteidigung eines Rechts.

1. Litauen hat während eines halben Jahrhunderts, in dem es der Besetzung und der Tyrannei des kommunistischen Regimes, dieses verbohrten Feindes von Religion, Familie und Eigentum ausgesetzt war, unter dem sowjetischen Stiefelabsatz Hunger, Not und Verfolgung erlitten. Doch nun sah es für einen kurzen Augenblick die Sonne der Unabhängigkeit aufgehen, und der Weg zurück in die Zivilisation und in den Wohlstand von einst, den ihm das kommunistische Regime auf so harte Weise vorenthalten hatte, lag offen vor ihm.

Es nutzte denn auch umgehend die Gelegenheit der Stunde, schuf seine eigene Regierung und machte sich an den Wiederaufbau des Vaterlandes.

Gorbatschow aber frustrierte die Hoffnungen, die seine „Perestroika“-Politik im Westen ausgelöst hatte, und verletzte die gerade erst neugeborene Souveränität dieser Nation. Unter dem Vorwand, dass sich ihre Söhne weigerten, im sowjetischen Heer zu dienen, das sie ja als ein fremdländisches betrachten, ließ er den Widerstand in Litauen niederschlagen.

2. Herr Präsident, kommunistische Panzer gingen gegen ein völlig wehrloses Volk vor, das sich allein auf die geistigen Waffen des katholischen Glaubens und die unbeugsame Entschlossenheit, seine Unabhängigkeit zu wahren, stützen konnte.

So stellte sich die kirchliche und vaterländische Lieder singende waffenlose Menge als lebende Barriere den sowjetischen Panzern in den Weg und wich auch dann nicht zurück, als zum Erstaunen der vom Kreml entsandten Angreifer und der ganzen Welt die ersten Opfer barbarisch getötet wurden und dennoch keiner vom Feld der Ehre floh.

Was tat Moskau daraufhin? Als der Kreml merkte, dass der mörderische Angriff die gerechte Entrüstung aller freien Völker gegen Gorbatschow auslösen würde, sprach er von einem unbefugten Angriff, schob dem Kommandanten der in Litauen stationierten kommunistischen Truppen die Verantwortung für die Aggression zu und zog einen Teil der Fallschirmjäger zurück, die er kurz vorher ins Land geschickt hatte.

Aber ... es ist hier ein „aber“ zu vermerken. Kurze Zeit später wurde der Innenminister, Oberst Boris Pugo, der als einer der Anstifter der brutalen Aktion der russischen Truppen in Litauen galt, zum General befördert. Das heißt, kaum war dieser Oberst – offensichtlich zum werbewirksamen Vorteil des Herrn Gorbatschow - im Westen für sein gewaltsames Vorgehen gerügt worden, wurde der „Schuldige“ auch schon mit dem Titel eines Generals ausgezeichnet! Zur Gewalt gesellte sich also noch die Doppelzüngigkeit.

3. Trotz des inzwischen äußerst negativen Klimas entschloss sich der litauische Staatschef, Präsident Vytautas Landsbergis, loyal und tapfer eine Volksabstimmung durchzuführen, um so jedem Litauer die Möglichkeit zu geben, frei darüber zu entscheiden, ob er unter der kommunistischen Herrschaft des Kremls weiterleben oder aber den ruhmreichen Weg zur nationalen Unabhängigkeit – welche Risiken dies auch mit sich bringen sollte – einschlagen wolle.

Wie Sie, Herr Präsident, und die ganze Welt wissen, verlief die Volksabstimmung ordnungsgemäß und völlig korrekt. Und nach der ebenfalls beispielhaft abgelaufenen Auszählung der Stimmen kam es vor Gott und den Menschen, vor der Gegenwart, in der sie sich befinden, und der Zukunft, die sie erwartet, zu folgendem Ergebnis:

90,47% der abgegebenen Stimmen sprachen sich für die Unabhängigkeit aus: für eine volle, totale und selbstverständlich unmittelbare Unabhängigkeit.

6,56% der Wähler stimmten gegen die Unabhängigkeit.

84,52% der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab.

4. Mit der Bestätigung des Ergebnisses werden nun die freien Völker schnellstens die Unabhängigkeit Litauens anerkennen und diplomatische Beziehungen zu diesem Land aufnehmen, indem sie Botschaften in Vilnius einrichten beziehungsweise die Errichtung litauischer Botschaften in ihren Ländern erlauben, oder aber sie werden zögern und Ausflüchte suchen; vielleicht werden sich auch nur einige wenige für die Sache dieser ruhmreichen kleinen Nation einsetzen und sie gegen eine Macht verteidigen, die von den Medien noch immer als sowjetischer „Koloss“ hingestellt wird.

Die Nationen aber, die den Ereignissen unschlüssig gegenüberstehen, geben damit stillschweigend zu, dass sie selbst kein unanfechtbares Recht auf ihre Freiheit haben. Denn wer heute zaudert, die unbestreitbaren Rechte des Schwächeren anzuerkennen, macht damit automatisch seine entsprechenden Rechte anfechtbar, die es vielleicht schon morgen gegen denselben stärkeren Angreifer zu verteidigen gilt.

Wer die Rechte eines Dritten, obwohl diese unanfechtbar sind, leugnet, nur weil der ungerechte Anfechter dieser Rechte mächtig ist, läuft Gefahr, dass er morgen, wenn dieser Anfechter etwa seinen Grimm auf ihn, der mit verschränkten Armen und wortlos der Aggression zugesehen hat, richten sollte, nichts zu seiner eigenen Verteidigung vorzubringen zu haben.

Sie, Herr Präsident, werden es sicher nicht zulassen, dass sich unser edles, tapferes Vaterland unter Umständen in diese Lage versetzt sieht.

Darum bitte ich Sie im Namen der Brasilianischen Gesellschaft zur Verteidigung von Tradition, Familie und Eigentum (TFP), in deren Nationalrat ich den Vorsitz führe, sowie kraft der entsprechenden Beglaubigung auch im Namen der übrigen 14 autonomen Schwestergesellschaften (TFPs) der brasilianischen Körperschaft, die jeweils in Argentinien, Bolivien, Chile, Ecuador, Frankreich, Kanada, Kolumbien, Peru, Portugal, Spanien, Südafrika, Uruguay, USA und Venezuela ansässig sind, umgehend mit der litauischen Regierung in Vilnius Kontakt aufzunehmen und so schnell wie möglich diplomatische Beziehungen mit dieser heldenhaften Nation herzustellen sowie Gespräche für die Einrichtung von Botschaften in den Hauptstädten beider Länder einzuleiten.

Gleichzeitig richte ich eine Bitte desselben Wortlauts an alle Staatschefs der freien Welt.

5. Sicherlich ist Ihnen, Herr Präsident, alles was ich hier behauptet habe, von kristallner Klarheit. Ich bin mir deshalb gewiss, dass ich den grundlegenden Imperativen Ihres Gewissens entgegenkomme, wenn ich Sie bitte, die in dieser Adresse vorgetragene Sache zu Ihrer eigenen zu machen und sie als das aufzunehmen, was sie wirklich ist: ein Appell für die Sache Litauens, die mit der Sache der Unabhängigkeit Brasiliens und mit der Sache der christlichen Zivilisation selbst identisch ist. Unser Land würde eine schreckliche Identitätskrise erleben, wenn es mit ansehen müsste, dass die Obrigkeit unserer immensen Nation, für die die Vorsehung eine Schlüsselposition in der mit dem Heraufziehen des dritten Jahrtausends entstehenden neuen Welt vorgesehen hat, nicht mit friedlichen diplomatischen Maßnahmen schnellstens dem kleinen, heldenhaften Litauen zu Hilfe eilt. Empfangen sie im Voraus meinen Dank, Herr Präsident, für alles, was unser Land in dieser leuchtenden Perspektive Ihrem Patriotismus und Unternehmungsgeist zu verdanken haben wird. Gleichzeitig nehme ich die Gelegenheit war, Ihnen meine aufrichtigste Hochachtung auszudrücken.

Plinio Corrêa de Oliveira


Die Dankbarkeit einer Nation

Ein Jahr nach der Kampagne des Jahres 1990 statteten der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Parlaments von Litauen, Herr Emanuelis Zingeris, in Begleitung von P. Pranas Gavenas SDB, und von Herrn Henrique Valavicius Prof. Plinio Corrêa de Oliveira in seinem Sitz in São Paulo einen Besuch ab. Bei dieser Gelegenheiten händigten sie ihm den folgenden Brief aus:

„Eine das litauische Parlament vertretende Delegation wird nach Brasilien geschickt, um mit dieser bedeutenden südamerikanischen Nation Kontakte und Beziehungen aufzunehmen.

Mit dieser Aufgabe wurden der stellvertretende Vorsitzende unseres Parlaments, Herr Bronius Kuznickas, und der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Herr Emanuelis Zingeris, betraut.

Ich habe die Gelegenheit wahrgenommen und diese Herren gebeten, Ihnen persönlich diesen Brief zu übergeben.

Schon seit einiger Zeit trug ich mich mit dem Gedanken, Herr Vorsitzender, Ihnen meinen persönlichen Dank und den meines Volkes für den unschätzbaren Beitrag auszusprechen, den die zwanzig TFPs auf den fünf Kontinenten zur Sache der Unabhängigkeit Litauens geleistet haben.

Alle Litauer wissen sehr wohl um die höchst verdienstvolle Unterschriftensammlung, die die TFPs für unsere Unabhängigkeit durchgeführt haben, sodass uns 5.200.000 Menschen aus vielen Nationen ihre Unterstützung ausgedrückt haben; es war dies eine der größten Unterschriftenaktionen der Geschichte überhaupt.

Ich drücke Ihnen hiermit noch einmal den Dank unseres Parlaments aus und bitte Sie, diesen auch an die Vorsitzenden aller TFPs und über diese an jeden einzelnen jener jungen Männer weiterzuleiten, die auf diese Weise an unserem großen Sieg Anteil haben.“

Das Schreiben trägt die Unterschrift des Generalsekretärs des Höchsten Rates der Republik Litauen, Liudvikas Sabutis.

Litauen, Marienland

Am 10. März 1991 beging die litauische Volksgruppe São Paulos zusammen mit der TFP feierlich den ersten Jahrestag der Unabhängigkeit Litauens. Bei dieser Gelegenheit wurde Plinio Corrêa de Oliveira von P. Pranas Gavenas an der Spitze einer Gruppe von Nachkommen litauischer Einwanderer in ihren traditionellen Trachten feierlich begrüßt. Während der in der St. Josefs-Kirche in Vila Zelina (dem Stadtteil, in dem die meisten litauischen Familien in São Paulo wohnen) gefeierten heiligen Messe sang der Litauer-Chor das bekannte, herrliche Lied: „Maria, Maria“.

Plinio Corrês de Oliveira besaß diese große Liebe zu Litauen seit er erfahren hatte, dass Litauen „Land Mariens“ genannt wird. Nichts eignet sich daher besser als Abschluss dieses Berichts über seine Verbundenheit mit Litauen als die herrlichen Worte dieses Loblieds auf die Heiligste Jungfrau Maria, deren vortrefflicher Sohn und treuer Kämpfer Prof. Plinio stets war.

Reinste Lilie,

Strahlend am hohen Himmel,

Lindere die Knechtschaft,

Komm der Menschheit zu Hilfe,

Steh uns bei gegen den schrecklichen Feind.

Wir irrende Menschen bitten dich um deine Gnade,

O Maria, weise unser Flehen nicht ab!

In den Stürmen dieser Welt

Stärke und führe die Fallenden.

 

 © Verwendung diese Artikels nur mit Quellenangabe dieses Blogs erlaubt.

Zuerst erschienen in Plinio Corrêa de Oliveira 

 Drei Jahrzehnte... 1. Teil

 

Drei Jahrzehnte unermüdlichen Kampfes für das katholische Litauen – 5. Teil

 Die größte Unterschriftensammlung der Geschichte.

Zwei Menschen kostet sie das Leben


Während die Verhandlungen zwischen der litauischen Regierung und dem Kreml neue Fakten schufen, setzten die TFPs zielstrebig die Sammlung von Unterschriften zur Unterstützung der Unabhängigkeit Litauens fort. Nach 130 Tagen hatten die Vereinigungen mit ihrer Kampagne in 26 Ländern nicht weniger als 5.218.020 Unterschriften zusammengetragen. Als die größte der Geschichte ging die Unterschriftensammlung sogar ins Guinness-Buch der Rekorde ein.

Von den 5,2 Millionen Unterschriften stammten mehr als die Hälfte aus Brasilien und rund eine Million aus São Paulo, wo sich der Sitz der brasilianischen TFP befindet und wo auch die größte Ansammlung litauischer Flüchtlinge in Brasilien anzutreffen ist. Die Aktivisten der brasilianischen TFP besuchten im Laufe der Kampagne insgesamt 141 Städte in 18 Bundesstaaten.

Die nordamerikanische TFP suchte ihrerseits über 180 Städte in 33 Bundesstaaten auf. In 127 Tagen wurden auch 108 Universitätsgelände besucht und insgesamt über 800.000 Unterschriften zusammengetragen. 41 Kongress-Abgeordnete schlossen sich ebenfalls der Kampagne an und unterschrieben den Brief an Präsident Landsbergis.

Der nordamerikanischen TFP kommt der Ruhm zu, für die Sache der Befreiung Litauens das kostbare Leben zweier Aktivisten, Joseph Porfirio und Dario Chang, geopfert zu haben; beide kamen bei einem Unfall mit einem Wagen der Vereinigung ums Leben, als sie bei der Unterschriftensammlung für die Unabhängigkeit Litauens die USA durchfuhren.

In verschiedenen Ländern schlossen sich auch zahlreiche katholische Erzbischöfe und Bischöfe der Kampagne an, mehr als die Hälfte von ihnen aus den drei Teilen des amerikanischen Kontinents.

Eine Abordnung der TFP in Moskau

Anfang Oktober 1990 wurde die Unterschriften-Aktion beendet. Nach einer genauen Überprüfung der Unterlagen und der Unterschriftenzahl kam am 2. Dezember eine Delegation von elf Vertretern der verschiedenen TFP-Organisationen in Brüssel zusammen und reiste von dort aus über Moskau nach Vilnius.

Diese Reise, die zum Beispiel zu Breschnews Zeiten noch undenkbar gewesen wäre, war nun angesichts der Schwächung der Zentralregierung infolge der in den Sowjetrepubliken und in Russland selbst erstarkten Oppositionskräfte gegen Gorbatschow möglich geworden. So liefen die Abordnung der TFPs und selbst die Litauer zwar noch eine gewisse Gefahr, doch konnte andererseits jede Zwangsmaßnahme von Seiten Moskaus zu einer völligen Bloßstellung der Glasnost-Propaganda Gorbatschows vor den Augen der Welt führen.

Die Gruppe hatte für die Reise eine offizielle Einladung des litauischen Parlaments erhalten. Auf dem Flughafen der sowjetischen Hauptstadt wurde die Delegation von dem Abgeordneten Antanas Račas, Mitglied des außenpolitischen Ausschusses des litauischen Parlaments, Vertretern des International Lithuanian Center und einem Team des litauischen Fernsehens empfangen.

Der Abgeordnete Račas machte deutlich, dass zu diesem Zeitpunkt die Lage in Litauen sehr angespannt war und daher das Eintreffen der Delegation als providentiell anzusehen sei.

In dem für die Nomenklatura (hohe Funktionäre des kommunistischen Regimes) reservierten VIP-Raum wurde die Abordnung von der litauischen Premierministerin Kazimiera Prunskiene begrüßt, die gerade von einer Auslandsreise zurückkam. Sie hieß die Delegation in portugiesischer Sprache willkommen (hier sei noch einmal daran erinnert, dass ja die meisten Unterschriften aus Brasilien stammten) und hielt anschließend eine Rede auf Deutsch, in der sie auf die heiklen politischen Beziehungen zwischen Litauen und dem Kreml einging. Die TFP-Abordnung befand sich demnach genau im Rachen des Wolfes...

Während des Abendessens in der litauischen Botschaft in Moskau erschien aus Vilnius kommend auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des litauischen Parlaments, der Abgeordnete Emanuellis Zingeris, der eine Willkommensbotschaft des Präsidenten Vytautas Landsbergis überbrachte. Der Abgeordnete dankte für die Anwesenheit der Delegation in diesem für sein Land so entscheidenden Moment.

Spät am Abend bat Präsident Landsbergis den Leiter der TFP-Abordnung, Herrn Caio Vidigal Xavier da Silveira, ans Telefon, um ihm noch einmal persönlich für den Besuch zu danken. Am folgenden Morgen rief dann der litauische Staatschef Herrn Xavier da Silveira nochmals an, um ihm mitzuteilen, dass er das Präsidentenflugzeug nach Moskau beordern werde, um die Delegation abzuholen.

Am folgenden Tag stattete die Delegation dem Moskauer Stadtrat einen offiziellen Besuch ab und kam anschließend mit einer Gruppe von Abgeordneten zusammen, die gegen die Kommunistische Partei opponierten. Noch während der Besprechung trafen ein Team des litauischen und ein anderes des sowjetischen Fernsehens ein; beiden gaben die TFP-Vertreter eine Reihe von Interviews. Am Abend reiste die Abordnung schließlich nach Vilnius weiter.

Aushändigung der Listen in Vilnius.

Dankbarkeitserweisungen



Am 4. Dezember wurde die Delegation von Präsident Landsbergis empfangen. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm offiziell die auf Mikrofilm festgehaltene Unterschriftensammlung zusammen mit einem Fotografie-Album mit Aufnahmen von der Kampagne in 26 Ländern überreicht. Beim Austausch der Geschenke übergab die Abordnung dem Staatspräsidenten außerdem ein kunstvolles Pergament mit dem Text der Unterschriftenkampagne (s. Bild oben) und einer einzigen Unterschrift, nämlich der des Mannes, der die Kampagne ins Leben gerufen hatte und stets ihre treibende Feder gewesen war: Plinio Corrêa de Oliveira. Dazu kam ein Exemplar eines brasilianischen Kunsthandwerks, ein herrliches Schmuckbäumchen aus Topassteinen.

Zum Fest der Unbefleckten Empfängnis am 8. Dezember stattete die Delegation unter der Führung des Abgeordneten Antanas Račas, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des litauischen Parlaments, den beiden wichtigsten Marienheiligtümern des Landes einen Besuch ab: dem Heiligtum Unserer Lieben Frau von der Pforte der Morgenröte, der Patronin der Gegend um Vilnius, und dem Nationalheiligtum von Šiluva. Die Mitglieder der Abordnung wurden an beiden Orten von der Bevölkerung festlich empfangen. Am 9. Dezember fand dann ein Besuch bei dem Kardinal-Primas von Litauen, Vincentas Sladkevicius, in Kaunas statt und am 10. wurde die Abordnung wiederum in Vilnius mit einer Parlamentssitzung geehrt.

Am Bahnhof wurde die Delegation zu ihrer Überraschung von einer begeisterten Menge begrüßt, die ihr als Zeichen der Wertschätzung Blumen, Souvenirs, Süßigkeiten, Fotoalben usw. überreichte. Der Sekretär der im Kampf um die Unabhängigkeit besonders aktiven Sajudis-Partei händigte bei dieser Gelegenheit einen durch ein kunstvolles Lederetui geschützten Dankesbrief an die TFP-Vereinigungen aus.

Am letzten Tag des Litauenbesuchs traten sowohl Präsident Landsbergis als auch Mitglieder des Parlaments mit der Bitte an die Delegation heran, in einem Schreiben an Gorbatschow diesem das Ergebnis der Kampagne für die Unabhängigkeit des Landes mitzuteilen.

TFP im Kreml: KGB bescheinigt Erhalt

Als sie erfuhr, dass es sich um eine Abordnung der Gesellschaften zur Verteidigung von Tradition, Familie und Privateigentum handelte, holte die Beamtin im Empfang zuerst einmal Instruktionen auf Russisch ein. Inzwischen erschien eine massige, finster dreinblickende Gestalt und fragte:

„Was wollen Sie, Genossen?“

Der litauische Begleiter und Dolmetscher korrigiert:

„Das sind keine Genossen, sondern Herren.“

 „Und was sollen all diese Kameras? Soll hier etwas festgehalten werden?“

„Ja“, gab der Dolmetscher zur Antwort.

„Wissen Sie nicht, dass es verboten ist, in Behörden wie dieser hier, zu filmen?“

„Es steht nirgends geschrieben, dass es verboten ist, und was nicht verboten ist, ist erlaubt.“

In diesem Augenblick, als der Wachmann fast schon die Beherrschung verlor, unterschrieb die Empfangsdame, die in der Zwischenzeit auf eine telefonische Genehmigung gewartet hatte, die Empfangsbestätigung des Briefes an Gorbatschow und trug Datum und Uhrzeit ein: 11. Dezember 1990, 13:01 Uhr. Damit war der Schlusspunkt unter ein glorreiches Kapitel der Geschichte Plinio Corrêa de Oliveiras, der TFP-Vereinigungen und Litauens gesetzt.

Am Tag zuvor hatte Wladimir Kriutschow, der Chef des KGB, der gefürchteten politischen Polizei der Sowjetunion, im Moskauer Fernsehen erklärt, dass er „keinerlei Einmischung in unsere internen [der UdSSR] Angelegenheiten“ dulden werde, die „von Organisationen und Grüppchen ausgeht, die seit Jahrzehnten im Ausland einen geheimen Krieg gegen den sowjetischen Staat führen“. Diese Erklärung war am 13.12.1990 im Pariser „Le Figaro“ zu lesen.

„Grüppchen“? Das kann man wohl sagen, wenn man die Mittel der TFPs mit der immensen Maschinerie des sowjetischen Staates vergleicht. Was den „geheimen Krieg“ angeht, so wurde er vor den Augen aller auf den Straßen der wichtigsten Städte des Westens ausgetragen.

Kriutschow kündigte an, dass der KGB dies nicht „dulden“ werde. Und doch musste er es dulden ... Die Geschichte hat sich gewendet!

Glasnost der Panzer begräbt Perestroika

Die sowjetischen Panzer zeigten in Vilnius, was sie unter Glasnost (Transparenz) verstehen, als sie am 12. Januar 1991 gegen das Gebäude des litauischen Fernsehens vorrückten und eine unbewaffnete Menge herbeieilte, dieses zu verteidigen. Am Morgen des 13. Januar gingen die russischen Panzer zum Angriff über und töteten dabei 14 Zivilpersonen, zwei davon wurden von Panzern überrollt; es gab 240 Verletzte. Kurz darauf erlitt Lettland ein ähnliches Schicksal.

Noch am gleichen 13. Januar erhielt die nordamerikanische TFP eine Mitteilung der litauischen Regierung, in der über die Aggression berichtet wurde und die mit dem Hilferuf schloss:„Litauen läuft Gefahr; es braucht die Hilfe der Welt. Machen Sie dies allen TFP-Organisationen und –Büros bekannt“.

Die Botschaft war von einem Brief des Präsidenten Landsbergis begleitet, in dem dieser warnte: „Die Verantwortung für jedes Opfer wird Michail Gorbatschow zu tragen haben“.

Noch am gleichen Tag antwortete Plinio Corrêa de Oliveira im Namen aller Vereinigungen und Büros der TFP; er erklärte sich solidarisch „mit dem edlen Widerstand, den Ihre Regierung und das ganze litauische Volk der Offensive mit deutlich stalinistischen Zügen entgegensetzt, die Michail Gorbatschow und seine Akteure schonungslos gegen die Unabhängigkeit Litauens durchführen“. Und er unterrichtete Landsbergis über alle Maßnahmen, die die TFP-Vereinigungen treffen würden, um die die sowjetische Aggression vor aller Welt anzuprangern. Eine der wichtigsten davon bestand darin, den amerikanischen Kongress von den Vorfällen in Kenntnis zu setzen.

Tatsächlich hatte Gorbatschow die Zeit Stalins wiederaufleben lassen. Doch nun wusste alle Welt, dass eine Perestroika nichts als eine Farce war. Sein politischer Tod war damit besiegelt.

Drei Jahrzente... 6. Teil


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Zuerst erschienen in Plinio Corrêa de Oliveira


Drei Jahrzehnte unermüdlichen Kampfes für das katholische Litauen – 4. Teil

 


Kampagne der TFP ermutigt das litauische Volk

 

Angesichts dieser Lage beschloss Plinio Corrêa de Oliveira, eine große weltweite Kampagne der „Gesellschaften zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum“ (TFP) in die Wege zu leiten, um mit Hilfe einer Unterschriftensammlung zur Unterstützung der Unabhängigkeit Litauens aufzurufen. Denn nur eine moralische Erhebung all derer, die sich der kommunistischen Diktatur widersetzten, konnte Litauen vor der Gefahr schützen, infolge von Machenschaften oder aus politischem bzw. militärischem Kalkül auf dem Alter des Sowjetregimes geopfert zu werden.

Die Unterschriftenkampagne nahm am 1. Juni 1990 in Brasilien ihren Anfang und erfasste nach und nach alle übrigen Schwestervereinigungen in 20 weiteren Ländern. Die TFP-Aktivisten entfalteten ihre roten Standarten mit dem goldenen Löwen und gingen, die Parolen der Kampagne skandierend, auf die Straßen: „Zu Deinen Gunsten, Litauen, erhebt sich nun ein stolzer, edler Protest.“

„Die 20 TFPs und ihre Büros sammeln Unterschriften von Menschen, die die unbändige Kraft lieben und bewundern, mit der Du, glaubensstarkes Volk, deine Unabhängigkeit verteidigst und den Atheismus zurückweist.“

„Christliches Litauen, freies Litauen, bleibe stark mit Entschiedenheit und Mut.“

„Weltweit schlagen Millionen von Herzen für dein Schicksal und beten für deine Unabhängigkeit.“

Der Unterschriftensammlung geht ein Schreiben an den Präsidenten Litauens, Herrn Vytautas Landsbergis voran, in dem es heißt:

„Die Unterzeichner verfolgen mit teilnahmsvoller Aufmerksamkeit das Drama, das Ihr edles Vaterland in diesen Tagen durchmacht.

In ihm erkennen sie eines der unschuldigen Opfer des verhängnisvollen Paktes vom 23. August 1939, der Litauen auf unrechtmäßige und gewaltsame Weise die Unabhängigkeit nahm. Und schaudernd verfolgten sie den Sturm der Hoffnung, der Litauen erzittern ließ, als sich ihm infolge der jüngsten Ereignisse die Möglichkeit auftat, nach 50 Jahren grausamer Gefangenschaft wieder seine Unabhängigkeit zu erlangen.

Wenn nun die Nebel der ruhelosen internationalen Lage Ihre gerade erst wiedererstandenen Hoffnungen erneut einzuschränken beginnen, sprechen wir uns mit unserem Protestruf gegen jede Art politischer Verhandlungen aus, die Ihnen angeboten wird, um die Durchführung des ruhmvollen Dekrets hinauszuschieben, mit dem Sie sich vor kurzem zu einem freien, unabhängigen Volk erklärt und stolz einen gebührenden Platz in der Gemeinschaft der Völker gefordert haben. In diesem Sinne, Herr Präsident, können Sie stets mit der Unterstützung, dem Respekt und der Bewunderung der Unterzeichner rechnen, die darauf Wert legen, Ihnen ihre Haltung gerade in diesem Augenblick mitzuteilen, in dem sich die Sache Ihrer Unabhängigkeit in einer kritischen Lage befindet.

Der edle Wahlspruch Ihres Volkes heißt „Lituania terra Mariae“. Wir flehen daher die hehre Patronin Ihres Landes an, sie möge Ihnen beistehen und Sie in Tapferkeit auf den Weg der sofortigen Anerkennung Ihrer Unabhängigkeit durch alle freien Völker führen.“ 

Am 19 Juni ließ die Regierung Litauens dem Leiter des Büros der TFP-Vereinigungen in Rom folgendes Dankesschreiben zugehen, das von dem damaligen Außenminister Algirdas Saudargas unterschrieben ist:

„Dankbar haben wir Ihr Unterstützungsschreiben im Namen der TFP-Organisationen erhalten. Richten Sie bitte im Namen von Herrn V. Landsbergis und in meinem Namen Herrn Prof. Plinio Corrêa de Oliveira, dem Vorsitzenden des Nationalrats der brasilianischen TFP, unseren ganz besondern Dank für die Unterstützung in unserem Kampf für die Unabhängigkeit Litauens aus. Seine Arbeit ist uns in diesem schwierigen Moment für unser Vaterland hochwillkommen und ermutigend.

Ich habe erfahren, dass Ihre Organisationen eine Unterschriftensammlung für die Unabhängigkeit Litauens durchführen und dass sich bereits mehr als eine Million Menschen in die Listen eingetragen haben. Es ist dies eine der wichtigsten Initiativen moralischer Unterstützung, die wir bisher aus der westlichen Welt erhalten haben. Auch für diese Aktion danken wir Ihnen sehr.“

Das Parlament gibt nach.

 Der Kreml lässt die Maske fallen

Am 26. Juni verstärkte Gorbatschow den Druck auf die litauische Regierung weiter, indem er den Präsidenten Landsbergis nach Moskau einlud, um ihm die Aufhebung der Konsequenzen der Unabhängigkeitserklärung vorzuschlagen. Der litauische Staatschef nahm die Einladung an und reiste zusammen mit seiner Regierungschefin, Frau Kazimiera Prunskiene, nach Moskau. Nach ihrer Rückkehr unterbreiteten sie dem Parlament das Angebot Moskaus.

Bei der Abstimmung im Parlament wurde das sowjetische Angebot  mit 66 gegen 35 Stimmen angenommen. In einer Erklärung der Legislative wurde festgelegt, dass die Auswirkungen der Unabhängigkeit während einer Frist von hundert Tagen nach Beginn der Verhandlungen mit Moskau ausgesetzt werden sollten. In derselben Erklärung hieß es auch, dass das Moratorium ipso facto aufgehoben würde, falls das Parlament daran gehindert würde, seinen Aufgaben ungehindert nachzugehen. Am 1. Juli wurde zwar die vom Moskauer Regime gegen Litauen verhängte Wirtschaftblockade aufgehoben, doch schon zwei Tage darauf kühlte eine Erklärung des sowjetischen Premierministers Nikolai Rischkow den Optimismus gewisser litauischer Amtsinhaber ab. Nach Rischkow wären 100 Tage „gerade genug, um prinzipielle Fragen zwischen beiden Partnern zu lösen“. Am 7. Juli wurde der Premierminister der UdSSR vor den Delegierten des 28. Kongresses der KPdSU noch deutlicher: Die Unabhängigkeit Litauens habe sich „strikt an die Vorschriften des sowjetischen Abspaltungsgesetzes zu halten“. Nach diesem Gesetz waren folgende Voraussetzungen zu erfüllen: 1. Durchführung einer Volksbefragung in Litauen. Eine Absonderung von der UdSSR konnte nur erfolgen, wenn mindestens zwei Drittel der Bevölkerung dem Antrag zustimmten. 2. Auch der Oberste Sowjet hatte der Absonderung zuzustimmen. 3. Die Sowjetunion sollte eine Reihe von Entschädigungen erhalten. 4. Es sei eine Übergangsfrist von fünf Jahren einzuhalten.

Das waren Bedingungen, wie sie der Löwe dem Lamm zu stellen pflegt. Auf gesetzlichem Wege war es damit praktisch unmöglich, Litauen unabhängig zu machen.


Drei Jahrzehnte... Teil 5

Drei Jahrzehten... Teil 1


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Zuerst erschienen in Plinio Corrêa de Oliveira


Mittwoch, 14. Oktober 2020

Päpstliche Garden: Streitkräfte im Dienste des Papsttums


Plinio Corrêa de Oliveira

Auf dem Foto (oben) sehen wir einen päpstlichen Schweizer Gardisten in großer Uniform. Er gehört zu der einzigen Garde, die heute noch im Heiligen Stuhl existiert und für die Verteidigung des Heiligen Vaters und des Vatikanstaates verantwortlich ist. Diese Garde wird seit dem 16. Jahrhundert unter den Schweizern rekrutiert. Ihre Uniform wurde von Michelangelo entworfen.

Das andere Foto (2) zeigt drei Schweizer Gardisten in gleicher Uniform, man sieht die Brustpanzer und die Halskrause. Der mittlere Gardist trägt die Flagge der Einheit und wird von zwei anderen flankiert, die künstlerische Zweihandschwerter tragen, deren Handschutz auf ihren Schultern ruht.

Auf dem Foto (3) sehen wir zwei päpstliche Gendarmen, die Uniformen aus dem letzten Jahrhundert aus der Zeit Napoleons Bonapartes tragen. Für diese Wache wurden Freiwillige ausgewählt, die sich durch ihren Glauben auszeichneten und dem Papst diesen Dienst erweisen wollten.

Der Papst hatte auch eine Nobelgarde – eine fürstliche Leibgarde, die ausschließlich aus Adligen Roms bestand, deren Uniforme entsprechend gehoben war. Dann gab es noch die Palatingarde. Die Päpstliche Gendarmerie und diese beiden letzten Garden wurden in den 70er des vergangenen Jahrhunderts aufgelöst und abgeschafft. Die Gendarmerie wurde in eine zivile Polizeieinheit umgewandelt; 2002 wurde sie wieder in Gendarmeriekorps rückbenannt.


Wir werden hier nur etwas über die Uniformen der Schweizer Garde und der Päpstlichen Gendarmerie sagen, da sie mit drei Jahrhunderten Unterschied einheitlich sind. Eine stammt aus dem 16. Jahrhundert und die andere aus dem 19. Jahrhundert.

Die Schweizer Garde

Die Uniform aus dem 16. Jahrhundert ist wie die älteren Kleidungsstücke viel auffälliger, fröhlicher und glänzender als die des 19. Jahrhunderts: der Helm mit einer roten Federverzierung; der Brustpanzer, der noch eine mittelalterliche Reminiszenz hat; weiße Handschuhe und eine Art Reithose mit goldenen und blauen Bändern.

Schweizer Wachen tragen eigentlich keine Stiefel, sondern enganliegende Strümpfe, die am Knie von einem goldenen Strumpfband mit Schleife gebunden werden.

All dies erinnert an die Pracht der alten Höfe, die Freude und die „douceur de vivre“, die dem Ancien Régime innewohnten.

Was ist das für eine Freude, die diese Uniform ausdrückt? (Übrigens sollte es nicht als ideal katholisches Kostüm betrachtet werden - es ist wunderschön, enthält viele katholische Werte, hat aber aufgrund des Einflusses der Renaissance bereits etwas Revolutionäres). Es ist eine Freude, die nichts Sinnliches hat. Es ist die Freude, Soldat zu sein, zu kämpfen und sich dem Dienst des Papstes zu widmen. Es symbolisiert ein Prinzip, das dem katholischen Progressismus sehr widerspricht: das Prinzip der Streitkraft im Dienst des Papsttums.

Die Päpstliche Gendarmerie

Dieser Korps trug eine typisch napoleonische Uniform: eine riesige schwarze Pelzmütze, sehr hoch, mit einem roten Büschel auf der Oberseite. Enge weiße Hose, schwarze Jacke in Form eines Fracks.

An der Jacke fällt ein Ornament auf, das an modernen Uniformen verschwunden ist: es sind die Schulterklappen. Sie werden verwendet, um dem Körper eine schöne Haltung zu geben. Sie formen die Schultern und verschönern die Uniform. Goldene Schulterklappen! In der Vergangenheit waren Schulterklappen neben dem Schwert ein Symbol für militärische Ehre. Das Beflecken der Schulterklappen eines Soldaten oder eines Offiziers war dasselbe wie ihn zu schlagen.

Am Kragen sehen wir einen weißen Fries und auf der Vorderseite der Jacke silberne Knöpfe. Der Ärmel verfügt über ein schönes Design. Weiße Handschuhe. Die Schönheit des Schwertes zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Alle diese Ornamente brechen etwas Eintöniges, das in der Uniform zu sehen ist. Die Stiefel sind sehr hoch.

Das Foto (4) zeigt die Päpstliche Gendarmerie in Uniform und großem Staat anlässlich einer Zeremonie im Hofe Sankt Damasus im Apostolischen Palast im Vatikan.

Es ist eine sehr schöne Uniform, obwohl sie trauriger wirkt als die der Schweizer Garde.

Aber im Vergleich zu modernen Uniformen ist diese Uniform von solcher Pracht, dass ich den Eindruck habe, dass ein Regiment von Gendarmen, wenn es in den Straßen einer modernen Stadt marschieren würde, ein Erfolg wäre. Die Leute würden Applaudieren und ihnen nachrennen. Besonders in einer Stadt, in der die Bevölkerung sehr kommunikativ ist, wie Rio de Janeiro...

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in

CATOLICISMO – Mai/2000 AMBIENTES, COSTUMES, CIVILIZAÇÕES



EWTN-Spezial: Die Päpstlichen Garden | mit Historiker Ulrich Nersinger

Verwendung dieser deutschen Übersetzung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs erlaubt.

Zuerst erschienen in  Plinio Correa de Oliveira


Dienstag, 13. Oktober 2020

Die Ära der Technik und die der „Douceur de vivre“

 Plinio Corrêa de Oliveira

Fußgänger in einer Stadt unserer Tage. Bild einer Gruppe von Menschen, die auf die Erlaubnis warten, eine Straßenkreuzung in Louisville, USA zu überqueren. Gruppen wie diese sind in der ganzen heutigen Welt zu sehen: Menschen beiderlei Geschlechts, unterschiedlichster Altersgruppen und sozialer Verhältnisse, die größere oder kleinere Gruppen bilden, warten auf ein Lichtsignal, ein Fahrzeug, die Eröffnung eines Geschäfts oder Büros usw. Kurz, es ist einer der häufigsten Aspekte des modernen Alltags.

Aus diesem Grund wirft die Fotografie eine Frage auf: Wie ist in diesem Bild, zu dem wir selbst so oft gehören, die sittliche Atmosphäre? Gibt es Unbekümmertheit, Wohlbefinden, Freude? Gibt es, in einem Wort, das, was Talleyrand die „Douceur de vivre“ nannte?

Die Antwort ist unbedingt negativ. Man könnte sagen, dass jeder in sich einen Horizont von schweren bleifarbenen Wolken trägt. Niemand achtet auf den Nachbarn oder auf irgendetwas, das vor seinen Augen ist. Alle - auch die Kinder – schauen unbekümmert auf einen Punkt, der weniger in der Luft schwebt als in jedermanns Geist. Es sind die Probleme eines unsicheren, harten, schwierigen Alltags, die die Bedingungen der heutigen Welt jedem auferlegen. Aus diesem Grund ist die psychische Einstellung von fast allen die von jemandem, der einem Problem entgegen geht. Allerdings, was ist heute eigentlich kein Problem?

* * *

Das moderne Leben ist dunkel und stressig. Seine Freuden sind ungeordnet, hektisch, ermüdend und flüchtig. In der Regel sind es vorübergehende Momente einer Existenz, die aus rauem Kampf, ständiger Sorge und einer Spannung besteht, die wir sogar im Schlaf fühlen. Doch es scheint, dass der Mensch noch nie so gierig nach Vergnügen war. Wie kann man das erklären?

Man kann von der Freude sagen, was der hl. Bernhard vom Ruhm gesagt hat, der wie ein Schatten ist: Wenn wir ihm nachlaufen, entgeht er uns; und wenn wir ihm davonlaufen, rennt er uns hinterher. Es gibt keine wirkliche Freude außer in unserem Herrn Jesus Christus, das heißt, im Schatten des Kreuzes. Je mehr der Mensch sich verdemütigt, desto fröhlicher ist er. Je mehr er nach Vergnügen sucht, desto trauriger wird er.

Aus diesem Grund war der Mensch in der Blütezeit der christlichen Zivilisation glücklich: Denken wir nur an das Mittelalter. Und je mehr er sich „entkatholizisiert“, desto trauriger wird er.

Von Generation zu Generation wird dieser Wandel noch verstärkt. Der Mensch des 19. Jahrhunderts hatte zum Beispiel nicht mehr die köstliche „Douceur de vivre“ des 18. Jahrhunderts. Doch wie war er aber noch reicher an Frieden und innerem Wohlbefinden als heute!

Wie viele unserer Leser werden sich an die Üppigkeit, die Ruhe, die Herzlichkeit der Beziehungen und die Annehmlichkeit des Lebens erinnern, die die brasilianische Umwelt noch vor zwanzig Jahren geprägt haben. Teuerung, Inflation, Warteschlangen, Krise, wer sprach davon? Und doch sagten die alten Leute, dass um 1890 alles besser war!

Banalität, wird ein Leser sagen. Alle alten Menschen beurteilen die Zeiten ihrer Jugend als besser. Deshalb sieht die Vergangenheit immer besser aus als die Gegenwart.

Dieses Phänomen existiert sicherlich. Aber wie oberflächlich ist es, alles auf diese optische Täuschung zu reduzieren. In diesem Sinne trägt die Fotografie einen entscheidenden Beitrag zur Aufklärung des Themas bei. Es gibt zahlreiche Fotos von Menschen vor fünfzig Jahren. Der Unterschied zwischen ihrer und unserer geistigen Stimmung ist schockierend.


Nehmen wir - aus einer riesigen Sammlung - nur ein Beispiel. In Paris warten um 1900 Besitzer und Kellner eines kleinen Restaurants, das Austern anbietet, auf die Ankunft der ersten Gäste. Alle sind ruhig, gesund, normal. Die Gesichter sind heiter. Es gibt keine anderen Probleme zu lösen als die eines leichten Tagesablaufs. Aber dies sind Menschen, die normalerweise in ein Arbeitsumfeld und ein Familienleben integriert sind, ohne von umwerfender Größe, ekstatischen Freuden oder schrecklichen Katastrophen zu träumen; ohne mit 150 pro Stunde auf den Straßen zu fahren, ohne anstehen zu müssen, ohne eine Pleite für den nächsten Tag zu befürchten oder einen Autounfall in 15 Minuten. Mäßigkeit, Nüchternheit, Normalität, Frieden, Ausgeglichenheit, unschätzbare Seelenwerte, die das Neu-Heidentum gerade aus der Welt schafft!

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in

CATOLICISMO Nr. 29 – A era da técnica e a da “douceur de vivre” – Mai 1953

Verwendung dieser deutschen Übersetzung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs erlaubt.

 Zuerst erschienen in Plinio Correa de Oliveira