Dienstag, 3. März 2015

DIE GEGENREVOLUTIONÄRE BEDEUTUNG DES WERKES ZWEIER HEILIGEN

Plinio Corrêa de Oliveira schrieb folgenden Artikel für die katholische spanische Zeitschrift

“Cristiandad” - Barcelona - Nov. 1958
Wer die Geschichte mit den Augen des Glaubens betrachtet und in ihrem Lauf die Eingriffe der Vorsehung zu Gunsten der Heiligen Kirche herauszufinden weiß, wird die beeindruckende Übereinstimmung und Harmonie zweier Heiligen bemerken: des hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort und der hl. Margareta Maria Alacoque.

Als sich die revolutionäre Krebsgeschwulst bildete

Beide lebten in Frankreich in einer höchst wichtigen Zeit der Weltgeschichte. Im tiefsten Grund der französischen Gesellschaft entwickelten sich weiterhin mit aller Kraft die Keime der ideologischen Bewegungen des 16. Jahrhunderts. Noch unauffällig verbreiteten sich wie ein unterirdischer reißender Wasserstrom die Tendenzen in Richtung Rationalismus, Laizismus und Liberalismus in den einflussreichsten Kreisen der Gesellschaft. Der langsame aber unerbittliche Untergang der Aristokratie und der Zünfte der Handwerker und Händler, und gleichzeitigem immer sichtbareren Aufstieg des Bürgertums, bereitete von Weitem schon die gesellschaftliche Form her, die die Revolution von 1789 hervorbringen würde.
Mit einem Wort, lange im Voraus aber seit ihrem Anfang mit einer Kraft ausgestattet, die sich bald als menschlich fast unaufhaltsam erweisen sollte, wuchs die Revolution wie ein Krebsgeschwür in den Eingeweiden eines noch gesunden Organismus.
Historische Prozesse wie dieser müssten vorzüglich in ihrem Keimstadium aufgehalten werden. Denn, wenn man seine Entwicklung zulässt, wird es immer schwerer sie abzuwürgen.

Der Eingriff der Vorsehung, um die Revolution zu vermeiden

So ist es wichtig hervorzuheben, dass genau in dem Moment, in dem eine Aktion zur Abwehr der Revolution am zweckmäßigsten und wirksamsten schien, die Vorsehung in Frankreich zwei Heilige mit einer eindeutigen und speziellen Aufgabe in diese Richtung hervorrief. Eine Aufgabe, die sich hauptsächlich und direkt an die „erstgeborene Tochter“ der Kirche richtete, aber indirekt der ganzen Welt zugute kommen würde. Denn einerseits hätte die Vernichtung „in ovo“ der revolutionären Keime in Frankreich die Katastrophen der Revolution für die ganze Welt verhindern können; andererseits würde ein hervorragender Sieg der Religion in einem führenden europäischen Land im 18. Jahrhundert unvorstellbare Auswirkungen in der religiösen und kulturellen Geschichte der Menschheit hervorbringen.
König Ludwig XIV. regierte von 1643 bis 1715. Die hl. Margareta Maria lebte von 1617 bis 1690. Der hl. Ludwig von Montfort wurde 1673 geboren und starb 1716. Wie man sieht, geschahen die Mission der heiligen Nonne im Orden der Schwestern der Heimsuchung, der das Herz Jesu seine Botschaft der Liebe offenbarte und die Predigten des großen Apostels, der die „wahre Andacht zur Heiligsten Jungfrau“ gelehrt hat in der gleichen Zeit der Regierung des Sonnenkönigs.

Der antirevolutionäre Sinn der Botschaft von Paray-le-Monial

Die Leser von „Cristiandad“ kennen sicher schon die Bitten, die Unser Herr über die hl. Margareta Ludwig XIV. zukommen ließ. Sie wissen, dass das Herz Jesu für Frankreich große Prüfungen voraussagte, aber auch versprach, sie verhindern zu können, wenn seine Bitten gehört werden würden. Sie wissen auch, da Ludwig XIV. den Bitten Unseres Herren nicht nachkommen wollte – vielleicht durch heute noch nicht bekannten Informationen und Machenschaften –, versprach Ludwig XVI. während seiner Gefangenschaft im Tempel, die Bitten Jesu zu erfüllen. Doch es war zu spät. Die Revolution ging ihren eingenommenen Kurs weiter, zu unser aller Unglück.
Wichtig ist aus diesen Fakten im Moment festzuhalten, dass vom Zentrum Frankreichs, von Paray-le-Monial aus, die Vorsehung im „Christlichsten Königreich“ einen Feuerherd der Frömmigkeit und ein Brennpunkt der sittlichen Erneuerung entzünden wollte, um die später eintretenden Katastrophen zu verhindern.
Im gleichen Sinn berief die Vorsehung im Westen Frankreichs eine weitere Bewegung.

Vorläufer und Patriarch der Gegenrevolution

So wie die hl. Margareta Maria, hatte auch der hl. Ludwig von Montfort keine Spur von persönlichen politischen Gedanken. Er sah für sein Vaterland und für die Kirche große Katastrophen voraus. Aber sein Blick richtete sich ausschließlich auf die tiefen Ebenen in denen sich diese Katastrophen vorbereiteten. Seine Schriften deuten eine religiöse und sittliche Krise von großem Ausmaß an, aus der, wie aus der Büchse der Pandora, jede Art von Übel hervortreten würde. Um diese Übel zu verhindern, sprach er seine flammenden Predigten, die von den Bauern des frommen Westens gierig gehört wurden. Es waren geistliche Lehren, die er in etlichen Werken zusammenfasste, von denen die „Abhandlung von der wahren Andacht zu Maria“, der „Rundbrief an die Freunde des Kreuzes“ und „Die Liebe zur ewigen Weisheit“ die wichtigsten waren.
Diese drei monumentalen – leider wenig bekannten – Werke gründlich analysiert, sind eine Widerlegung aller Irrlehren, aus denen das Monstrum der Französischen Revolution später geboren würde. Eine Revolution „sui generis“ (einzig in ihrer Art). Die Werke des hl. Ludwig hatten nicht vorrangig das Ziel die zweifelnden, sinnlichen, naturalistischen Geister zu überzeugen, dass sie im Irrtum waren. Seine wichtigste und größte Sorge war, die eifrigen und lauen Katholiken vor diesen Irrtümern zu warnen und zu bewahren. So bestand seine ganze Dialektik die Liebe zur Weisheit seinen Lesern einzuschärfen, um sie vor dem Laizismus oder der Lauheit zu schützen; die Liebe zum Kreuz den Menschen einzuschärfen, um sie gegen die Sinnlichkeit und die tosende Genusssucht einer unsittlichen und mondänen Epoche zu bewahren; und die Verehrung Mariens durch das „heilige Sklaventum“ den Menschen einzuschärfen, um sie vor den ständigen Arglisten eines echten verdeckten Kalvinismus, wie es der Jansenismus war, zu warnen.
In all seinen Werken ist die Dialektik die gleiche. Er zeigt mit Argumenten aus der Heiligen Schrift, der Tradition, der Kirchengeschichte und dem Leben der Heiligen, dass ein Katholik keinesfalls mit dem Zeitgeist paktieren darf, und dass jede Mittelstellung zwischen diesem Geist und dem Frömmigkeitsleben nichts weiter als ein gefährliches Blendwerk der Sinne oder des Teufels ist.

Maria in den Predigten des hl. Ludwig

In diesem gesamten System muss hervorgehoben werden, dass die Verehrung der Muttergottes, besonders als Königin des Weltalls, als Muter Gottes und der Menschen und als Mittlerin aller Gnaden eine absolut zentrale Rolle spielt. Durch diese Andacht kann der Gläubige die Weisheit und die Liebe zum Kreuz von Gott erhalten. Denn Maria ist das Mittel, durch das Jesus zu uns kam und durch das wir zu ihm gehen sollen. Je mehr wir mit Maria vereint sind, desto mehr werden wir mit Jesus vereint sein. Der Heilige Geist bildet Jesus in den marianischen Seelen, die intensiv, glühend und kindlich marianisch sind. Ohne Maria scheitern die größten Bemühungen zur persönlichen Heiligung. Mit ihr aber ist alles erreichbar, was unserer Schwachheit unerreichbar scheint, alle Wege werden frei, alle Türen öffnen sich, und unsere Kräfte, die wir aus dem Kanal der Gnaden schöpfen, vervielfältigen sich. Das wichtigste ist also, ein wahrer Verehrer Mariens zu sein.
Doch es gibt auch Fälschungen dieser Andacht. Der Heilige weist sie aus und warnt uns vor den Minimalisten und vor allem vor denen, die sich mit einer hohlen Andacht, die nur aus äußerlichen Formeln und Frömmigkeitsübungen besteht. Die vollkommene Andacht lehrt er uns: Sie besteht darin, dass wir Sklaven Mariens werden und ihr alle unsere geistlichen und zeitlichen Güter übergeben und alles für sie, mit ihr und in ihr tun.

Gegenrevolutionäre Früchte der Predigten des hl. Ludwig

Der hl. Ludwig war ein großer Verfolgter. Prälaten, Fürsten der Kirche, die Regierung bekämpften ihn heftig. Nur der Papst und einige wenige Bischöfe in Frankreich unterstützten ihn. In der Bretagne, im Poitou und Aunis konnte er frei predigen, was der Bevölkerung für Generationen zur Erhaltung des Glaubens zugute kam. Als während der Revolution die christliche Zivilisation Helden benötigte, um sie in Frankreich zu verteidigen, erhoben sie sich mehr oder weniger im ganzen „Christlichsten Reich“. Aber in einer gewissen Region griff das ganze Volk zu den Waffen und bauten eine massive, kompakte, ungestüme und unbeugsame Reaktion auf. Die „Chouans“, dessen Gedenken kein Katholik ohne eine tiefe und religiöse Ergriffenheit hervorrufen kann, waren die Enkel der Bauern, die vormals der hl. Ludwig in die wahre Andacht zu Maria eingeführt hatte. Wo der hl. Ludwig gepredigt hatte und angenommen wurde, bekam die gottlose und frevelhafte Revolution keine Chance, es bildete sich, im Gegenteil, ein Kreuzzug, eine Gegen-Revolution.
 
Die Bedeutung der hl. Margareta Maria und des hl. Ludwig von Montfort in der Gegenwart

Es ist unbedeutend nachzuforschen in welchem Maße die Bewegungen von Paray-le-Monial und der Vendée im 17. Jahrhundert sich gegenseitig kannten. Die Wichtigkeit beider beschränkte sich nicht auf jene Zeit. Als Kinder der Kirche in diesem tragischen 20. Jahrhundert können und müssen wir beide Bewegungen unter einer einzigen Perspektive sehen, und in dieser Einheit sie als einen  geistlichen Schatz betrachten.
Der wesentliche Zusammenhang ist heute so klar im Gewissen eines jeden Gläubigen, dass es garnicht nötig ist, speziell darauf hinzuweisen. Die Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu ist der kostbarste, äußerste, zärtlichste Liebeserweis Unseres Erlösers uns gegenüber. Der Weg um zum Herzen Jesu zu kommen, ist die Mittlerin aller Gnaden. Und so geht man zum Herzen Jesu durch das Herz Mariens. Diese Andacht zum Herzen Mariens, die der hl. Antonius Maria Claret so sehr ins Licht setzte, scheint dem hl. Ludwig nicht bekannt gewesen zu sein. Aber es ist der Verbindungspunkt zwischen der Botschaft von Paray-le-Monial und der Verkündigung des marianischen Apostels der Vendée. Ein Verbindungspunkt, der, nebenbei gesagt, sehr in der Botschaft von Fatima hervorgehoben wurde.
Doch außer diesen grundsätzlichen Banden gibt es noch andere.
Wir können sie in einem raschen Überblick gut verstehen, wenn wir überlegen, was heute Frankreich und die christliche Zivilisation und die Welt sein könnten, wenn beide Bewegungen, Paray-le-Monial und die Vendée, in den 17. und 18. Jahrhundert siegreich hervorgegangen wären. An Stelle der Revolution mit all ihren abscheulichen Folgen, die uns bis hin zum gegenwärtigen Schlund mitgerissen haben, hätten wir ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens. „Opus justitiae pax“ liest man auf dem Wappen Pius XII. Ja, der Frieden Christi im Reiche Christi, von dem wir uns aber immer weiter entfernen.
So haben wir also die enorme Aktualität der Botschaft von Paray-le-Monial und das Werk des hl. Ludwig Maria hervorgehoben. Sie lehren uns, dass der Grund der Probleme, die die gegenwärtige Krise hervorgebracht hat, religiös und sittlich ist. Sie zeigen uns auch die übernatürlichen Mittel, durch die die weltweite Revolution unserer Tage, die die unverschämte und verderbliche Tochter der Französischen Revolution ist, erwürgt werden kann. Nur aus dem guten Gebrauch dieser Mittel können auf kultureller, sozialer und politischer Ebene die Reaktionen hervorkommen, um auf der Welt das Reich Christi durch das Reich Mariens vorzubereiten.

Plinio Corrêa de Oliveira

São Paulo, Oktober 1958


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Dienstag, 3. Februar 2015

Der Löwe im Wappen der TFP


Plinio Corrêa de Oliveira

Der heraldische Löwe der TFP verbindet auf angenehme Weise drei Eigenschaften: viel Kraft, Bewegung und viel Leichtigkeit.


Man hat nicht den Eindruck eines schwergewichtigen, fleischgierigen oder reißenden Löwen. Er weckt eher den Gedanken an Eleganz, Edelmut und Tapferkeit. Ein Löwe wie ein Kreuzritter.


Diese Eigenschaften ergeben den Charme des Löwen.
Ein weiteres Element ist die Haltung des Kopfes: stolz hält er ihn erhoben. Er blickt den Feind ins Angesicht und schreitet mit gespreizten Pranken zum Angriff. Der Schwanz bildet eine Art Siegesfähnlein, als wenn er künden wollte: „Nach dem Angriff kommt der Sieg“.

Das glänzende Rot des Hintergrunds spricht von der Fülle des Lebens, von Sieg.

Zu beachten ist auch die Taille: schlank, so dass die Brust sich aus der Taille erhebt fast wie ein Springbrunnen. Die Hinterfüße öffnen sich symmetrisch und sehr elegant.
Alles, was entzückt und begeistert besitzt einen großartigen Charme. Dies ist der großartige Charme des kampfbereiten Löwen der TFP.
  
Ohne Revision des Autors

Donnerstag, 22. Januar 2015

Wer wird siegen?

  
Wer wird in den heutigen Kampf zwischen Gutem und Bösem siegen? Die Wolken, die vor uns hängen, sind keinesfalls rosig. Aber wir sind durch eine unbesiegbare Gewissheit beseelt, dass die Kirche nicht untergehen wird — was offensichtlich ist, wenn man das göttliche Versprechen in Erwägung zieht —, sondern zu einen Triumph kommen wird, der noch größer sein wird als der Sieg der Christen bei Lepanto im 16. Jahrhundert.
Wie? Wann? Die Zukunft gehört Gott allein. Was aber sicher ist, ist die Tatsache, dass der Heilige Geist weiterhin bewundernswerte geistige Kräfte des Glaubens, der Reinheit, des Gehorsams und der Hingabe innerhalb der Kirche hervorruft. Mit der Hilfe der Heiligen Jungfrau Maria werden sie, bei geeigneter Gelegenheit den christlichen Namen mit Ruhm bedecken.  

Plinio Corrêa de Oliveira


Quelle: Allianz mit Maria – Heft Nr. 2 Juni/Juli 2013 – Hrsg.: DVCK e. V. – Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Weihnachten und Fatima:


scheinbare „Utopien“, glänzende Wirklichkeiten

Unsere feste Überzeugung des universalen Triumphes der Katholischen Kirche und einer bevorstehenden Wiederherstellung der christlichen Ordnung, könnte in Vielen einen – klaren oder unbewussten – Einwand aufkommen lassen: Wenn wir den enormen Verfall der Gegenwart betrachten, sind diese Hoffnungen nicht ein utopischer Traum, eine Phantasie, die sich nicht verwirklichen lassen?

Die Heilige Jungfrau hat in Fatima den Triumph ihres Unbefleckten Herzens versprochen. Plinio Corrêa de Oliveira erwähnte diese Schwierigkeit und bemerkte, dass eine zunehmende Zahl von Intellektuellen verschiedener Disziplinen – Soziologen, Philosophen, Politikwissenschaftler -, der Meinung ist, dass Utopien, also nicht realisierbare Vorstellungen, für die Menschen wichtig sind. Ein utopienloses Volk, sagen sie, hinterlässt keine Spuren in der Weltgeschichte. Es ist „gesünder“ für ein Volk hinter nicht zu verwirklichenden Utopien her zu gehen, als konkreten aber sterilen Realisierungen nachzueifern. Diese These sprach ihn an, fügte aber noch hinzu: „Eine Utopie hört auf Utopie zu sein im Hinblick auf das Übernatürliche, also auf das Wunder und die Gnade. Ohne die Gnade wäre sie eine bittere Vorstellung. Doch wir begeistern uns für solche Vorstellungen, wie z.B. für das Reich Mariens, für den in Fatima versprochenen Triumph ihres Herzens, stellen jedoch auch eine gewisse Unwahrscheinlichkeit dieses Triumphes fest. Doch mit der Gnade wird die ,Utopie‘ zur Wirklichkeit.“

Die Gelegenheit, in der dieser Gedanke einer verwirklichten Utopie am sichtbarsten und spürbarsten im Leben der Kirche und der Christenheit ist, ist die Heilige Nacht. In dieser über aller heiligsten Nacht ist nicht nur etwas Unerwartetes geschehen, sondern etwas total Undenkbares:

„Es ist als wenn durch die Allmacht Gottes etwas durchaus Unmögliches möglich geworden ist, und vom Himmel ein Gnadenstrom herabgeflossen ist, der all das, was wir für unmöglich hielten, nun wunderbare Wirklichkeit wurde.

Warum? – Weil ,aparuit Salvator Noster Domini Nostri Jesu Christi‘. Der Erlöser, der in einer Jungfrau Fleisch geworden ist und als Gott-Mensch geboren wird, und der Welt die Rettung von Sünde und Tod brachte, ist eine kühnste Wirklichkeit, als jedwede Utopie sich hätte vorstellen können. Doch sie wurde Wirklichkeit durch die Gnade, das Wunder und durch die Macht Gottes“, erklärt de Oliveira.

„Diejenigen, die denken, die konkrete und fühlbare Realität sei das einzig Wirkliche, merken nicht, dass sie die Realität vermindern, und dass sie ihre besten Seiten übersehen. Sie denken in gottlosen Maßstäben, als wenn Gott nicht existierte.

Wenn man jedoch einen tatsächlichen Glauben hat, ist alles anderes. Die angeblichen Utopien werden zu prachtvollen Wirklichkeiten.

Hiermit möchte einigen unter uns helfen ihre eigenen Kriterien zu korrigieren; sie müssen verstehen, dass man immer in Hinblick auf eine von Gott geschaffene Welt denken muss, eine Welt, die sich nach Gott hin richtet und Der von sich aus, durch Seine Engel und Heiligen aktiv im Weltgeschehen einwirkt.

Deshalb machen die außerordentlichsten Erhebungen des glaubenden Geistes die Wirklichkeiten möglich. Der größte Trost des menschlichen Lebens ist nicht den Traum eines neuen Wagens in Erfüllung gehen zu sehen oder etwas anderes erreicht zu haben, sondern die Verwirklichung seiner ,Utopien‘ zu erfahren.

Der Geist der Utopie im guten und echten Sinn des Wortes ist in Wirklichkeit der Geist des katholischen Glaubens.“[*]



Dies ist der Zusammenhang zwischen Weihnachten und Fatima. Die tausendjährige Verheißung über das Kommen eines Erlösers wurde Wirklichkeit am Heiligen Abend und übertraf die kühnsten Erwartungen aller glaubenden Menschen. Die Verheißung einer Zeit der Erhöhung der Kirche, wie sie in Fatima vorausgesagt wurde, wird auch in einer Form Wirklichkeit werden, die alle unsere prächtigen und wunderbaren Vorstellungen und Erwartungen übertreffen wird.

[*] Freie Übersetzung einer Bandaufnahme eines Vortrages von Plinio Correa de Oliveira am 12. Oktober 1989.


Dienstag, 23. Dezember 2014

Begegnung mit Plinio Correa de Oliveira

Begegnung mit Plinio Corrêa de Oliveira

Katholischer Streiter in stürmischer Zeit
  
Plinio Corrêa de Oliveira (1908–1995) war kein Kleriker. Trotzdem gehörte der Journalist und Schriftsteller zu denen, die sich mit Wort und Tat in den Dienst der katholischen Kirche stellten. Wie kein anderer war er als Mann der Tat, als Leiter, Gründer und Inspirator diverser Organisationen im Sinne der Kirche tätig. Sein Leben und Wirken verkörpern ein herausragendes Beispiel für gelebtes Christentum und lassen erkennen, wie ein Mensch in allen möglichen Situationen und Widrigkeiten des Lebens die Belange der katholischen Kirche vertreten kann.

»Ein so reiches und intensives Leben in einer kurzen Biographie zusammenzufassen, ist keine leichte Aufgabe, die aber Mathias von Gersdorff, ein mutiger katholischer Schriftsteller, den ich seit langem kenne und schätze, mit Bravour gelöst hat. Überdies ist der persönliche Blickwinkel, unter dem von Gersdorff schreibt, besonders reich: Dank seiner zahlreichen privaten Begegnungen mit Plinio Corrêa de Oliveira […] gelingt es ihm, ein sehr lebhaftes Bild dieses großen Mannes zu zeichnen, der eine breite Bildung und die Umgangsformen eines Kavaliers der alten Schule […] mit einem tiefen inneren Leben verband.«
Roberto de Mattei


Mathias von Gersdorff wurde 1964 in Santiago de Chile geboren. Er ist seit 1990 in der Lebensrechtsbewegung aktiv und leitet seit 1993 die Aktion »Kinder in Gefahr« der DVCK e.V. Seine Kolumnen erscheinen regelmäßig in u.a. der »Jungen Freiheit«, der »Freien Welt« und im »Christlichen Forum«. 

Buchinformationen:
Titel: Begegnung mit Plinio Corrêa de Oliveira.
         Katholischer Streiter in stürmischer Zeit
Autor: Mathias von Gersdorff
ISBN : 978-3-86417-033-1
Einband: Hardcover
Seiten: 154
Format: 13 cm x 21 cm
Preis: 14,80 € [D], 15,30 € [A], 21,90 CHF
Patrimonium-Verlag


Bestellungen: Fax: 0241 - 87 55 77 oder


Donnerstag, 18. Dezember 2014

„Adveniat Regnum tuum“


Wenn in allen Epochen der Geschichte der Christenheit das Weihnachtsfest eine freudige und ruhige Lichtung im normalen und arbeitsamen Lauf des täglichen Lebens aufschlägt, so hat die weihnachtliche Ruhe in unserer Zeit eine besondere Bedeutung, denn sie steht für ein großes und universelles „sursum corda“, das einer stürmischen und leidenden Menschheit zugerufen wird, die schleunigst in den Chaos einer vollständigen sittlichen und gesellschaftlichen Auflösung versinkt.
Unser Zeitalter kommt einem dunklen Tal zwischen zwei Gipfeln gleich: Die vergangene Zivilisation, von der wir abgefallen sind durch aufeinander folgende Katastrophen, die mit der Reformation begonnen haben und in den Links- und Rechtstotalitarismen ihren Höhepunkt erreichten, und die künftige Zivilisation, der wir entgegen schreiten mit Kämpfen und Verdrießlichkeiten, die kontinuierlich unseren Weg mit Kreuzen säumen.
Gerade weil wir die letzten Minuten einer Welt erleben, die im Sterben liegt, und die Vorboten einer neuen Welt, die im Kommen ist, hat die Botschaft von Weihnachten für uns eine besonders tiefe Bedeutung, die wir heute betrachten wollen.
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In einem anderen Teil unserer heutigen Ausgabe bringen wir eine Zusammenfassung der Wünsche, die die vorchristliche Menschheit hegte in der Erwartung eines Erlösers. Das auserwählte Volk erwartete diese Erlösung durch einen Messias, der aus dem Stamme Davids geboren werden sollte, gemäß einem wahren und unleugbaren göttlichen Versprechen. Alle anderen Völker der Erde, wenn sie auch nicht die göttlichen Botschaften durch die Propheten bekommen haben, behielten aber doch die Erinnerung des Versprechens für das Kommen eines Erlösers, das Gott Adam und Eva gemacht hatte, als sie aus dem Paradies vertrieben wurden. Deshalb bewahrten sie auch, mal mehr mal weniger genau, die überlieferte Hoffnung, dass ein Erlöser die leidende und sündige Menschheit erneuern würde.
Diese Hoffnung erreichte ihren Höhepunkt zu der Zeit als Jesus geboren wurde. Wie ein bekannter Historiker sagte, fühlte sich die ganze Menschheit alt und verbraucht. Die angewandten politischen und gesellschaftlichen Formeln entsprachen schon nicht mehr den Wünschen und der Sichtweise der Menschen dieser Zeit. Ein großer Wunsch nach Reformen durchschüttelte viele Völker. Der Klassenkampf kochte seit nicht langer Zeit in Griechenland, in Italien, in Phönizien und anderen Ländern mehr. Die politische Organisation nahm mehr und mehr die Züge eines Unterdrückungsapparats an. Rom hatte die Grenzen seines Reiches über die ganze Welt ausgedehnt und die Ewige Stadt war damals nicht die Königin  sondern die Tyrannin der ganzen Menschheit geworden, der sie mit den ungerechtesten Abgaben nötigte, um die Orgien der römischen Patrizier zu unterhalten. In allen Ländern war der Kontrast zwischen Reichtum und Elend offensichtlich. Einerseits lebten die Reichsten in einem ungezügelten Prunk und Luxus. Andererseits bevölkerten die zahllosen Arbeitslosen viele Stadtteile der Großstädte mit verheerenden Folgen. Letztlich, als düsterer Hintergrund dieses Bildes,  waren da die Millionen von Sklaven, die, angekettet in Schiffskellern oder wie Zugtiere an Transportwagen und Pflügen angespannt, unter der Gewalt einer Unterdrückung stöhnten, die kein Ende zu haben schien. Ein maßloser korrupter Sittenverfall breitete sich über das ganze Reich aus und zog alle politischen Institutionen in den Ruin. In den Reihen der hohen Aristokratie vermehrten sich die Skandale, die sich dann über alle Schichten der Gesellschaft erstreckten. Kaiser Augustus versuchte umsonst gegen diesen zunehmenden Verfall anzugehen. Die von ihm erlassenen reaktionären Gesetze zeigten keine Wirkung. Die widernatürlichsten Abartigkeiten vermehrten sich im Schoße seiner eigenen Familie. Die ganze Welt spürte, dass eine unausweichliche, tiefe Krise die Gesellschaft in einen unvermeidlichen Zusammenbruch führen würde.
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Als die Welt in diesem Zustand weilte und Staatsmänner und Sittenlehrer ernsthaft über so viele und unlösbare Probleme diskutierten, erstrahlte mitten in einer finsteren Nacht in einem Stall zu Bethlehem die Rettung der Welt. Es kann sein, dass im gleichen Moment, in dem der Erlöser geboren wurde, der hochmütige römische Kaiser in seinem Palast dem bitteren Grübeln über den kläglichen Ausgang seiner moralisierenden Politik ausgeliefert war. Es kann sein, dass in der nahen Umgebung des kaiserlichen Palastes bis tief in die Nacht einige dieser wüsten Orgien abliefen, die für den obligatorischen Tratsch der nächsten Tage häufige Nahrung lieferte. Weder die einen noch die anderen, weder der geniale Kaiser noch die Sibariten, die die Gesellschaft korrumpierten, hatten eine Ahnung, was in diesem Moment in Bethlehem geschah.
Doch es war nicht im Kaiserpalast, nicht in den aristokratischen Orgien, nicht in den Verschwörertreffen, wo sich das Schicksal der Welt entschied. Die Gesellschaft der Zukunft, die aus der vollkommenen und vollständigen Lösung der lebenswichtigsten Probleme der damaligen Zeit hervorging, wurde in Bethlehem geboren. Die Welt empfing aus den jungfräulichen Händen Mariens den Messias, der durch sein Blut die Welt erlösen und sie mit seinem Evangelium neu organisieren würde.
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Welche vorrangige Lehre können wir hieraus ziehen?
So wie für die Menschheit in der Zeit des Augustus die Lösung der verstricktesten sozialen und politischen Probleme nicht gefunden wurde als nur in Christus allein, so müssen wir in unsere Zeit nur in die katholischen Kirche, den mystischen Leib Unseres Herrn Jesus Christus, unsere Hoffnungen setzen.
Es kann sein, dass in der unbewussten Nachahmung der Vigil des Augustus am Heiligen Abend viele moderne „Kaiser“ (welch ein Unterschied zwischen dem Format des authentischen Augustus und seiner modernen Faksimiles!) diesen Heiligen Abend gebeugt über ihrem Arbeitstisch grübelnd verbrachten, um Mittel zu finden, um ihr leidendes Land aus der Klemme der Krise zu holen, gleichgültig gegenüber der Frömmigkeit der Massen, die in den Kirchen beteten. Es kann sein, dass in dieser selben Nacht ausschweifende Orgien in vielen Palästen (nicht mehr die Paläste der römischen Aristokratie, sondern moderne „dancings“, Paläste, die die moderne Welt zu Ehren ihrer eigenen Korruption errichtet) in die Stille der Nacht den Klang der profanen Musik des „Revéillon“ hinausdröhnen. Es kann sein, dass etliche Verschwörer in der Stille der Nacht eine Revolution oder ein Krieg aushecken, während das Volk die Geburt des Friedensfürsten feiert.
Trotz alledem wird die Erlösung nicht von den neuen Kaisern, von den Verschwörern unserer Tage und noch weniger von der Gesellschaft, die sich in den „dancings“ verdirbt, kommen. Als Katholiken müssen wir die Erlösung, die Rettung, nur von dem erwarten, der heute Christus auf Erden vertritt. Es ist auf Pius XI. und nur auf ihn auf dieser Erde, auf den wir unseren Blick richten müssen.
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Es gibt aber noch eine weitere Überlegung von höchster Zweckmäßigkeit. Alle Theologen sind sich einig, dass die Erlösung der Welt in der damaligen Zeit erstrahlte, nur durch die allmächtigen Bitten der Jungfrau Maria; Sie erreichte die Vorwegnahme der Geburt des Messias. Niemand kann sagen, wie viel Jahre oder Jahrhunderte die Erlösung noch auf sich hätte warten lassen, ohne die Fürbitten Mariens.
Die Neuordnung der Welt kam nicht von denen, die zur Zeit des Augustus auf den öffentlichen Plätzen oder in politischen Kreisen gegeneinander aufwiegelten. Die Neuordnung kam durch die demütigen Gebete der Jungfrau Maria, völlig unerkannt von ihren Zeitgenossen, in einem Leben der Betrachtung und der Einsamkeit in dem kleinen Ort, wo sie durch göttliche Fügung geboren wurde.
Ohne das aktive Leben herabsetzen zu wollen, muss man doch hervorheben, dass durch das Gebet und die Betrachtung der Zeitpunkt der Erlösung vorweggenommen wurde. Und was der Genius des Augustus, die Klugheit aller großen Politiker, aller großen Generäle, Finanzexperten und Verwalter seinerzeit der Welt nicht geben konnten, bewirkte Gott durch die Heiligste Jungfrau. Nicht diejenigen, die am meisten studiert hatten, die am meisten aktiv waren, konnten der Welt diese Wohltat erweisen, sondern die, die am meisten und am innisgten gebetet hat.
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Wenn die heutige Welt sich aus dem Chaos befreien will, muss sie sich zuallererst der Kirche zuwenden.
Es ist mit einer milden und doch strengen Lektion, mit der wir diese kurze Weihnachtsbetrachtung beenden.
Es wird vor allem von den Kämpfern der Katholischen Aktion und den auserwählten Seelen, die Gott im priesterlichen oder religiösen Stand zu einem aktiven oder einem Leben des Gebets berufen hat, auf menschlicher Ebene abhängen, ob die Einrichtung der sozialen Herrschaft Unseres Herrn Jesus Christus vorweggenommen oder verzögert wird.
Was wir als Laien, die wir für die Kirche kämpfen, im Bewusstsein der Größe dieser Aufgabe tun müssen, ist, an der Krippe des Christkindes ein Gebet sprechen:

„Domine, adveniat regnum tuum“.

„Herr, es komme Dein Reich“, dass wir es in uns verwirklichen, um es dann, mit Deiner Hilfe auch um uns verwirklichen.



(Freie Übersetzung des Originals, das im „Legionário“, Nr. 328, 25.12.1938 erschienen ist.)



Freitag, 21. November 2014

Christus ist König auf Erden


Jesus ist vor allem der König des Himmels. In bestimmter Weise übt er seine Herrschaft aber auch schon auf Erden aus. Denn König ist, wer in einer Monarchie die höchste und volle Autorität rechtmäßig besitzt. Er erlässt Gesetze, leitet und richtet. Seine Königswürde kommt am wirksamsten zur Geltung, wenn die Untertanen die königlichen Rechte anerkennen und seine Gesetze befolgen. Nach christlicher Auffassung stehen Jesus Christus alle Rechte über uns zu. Er hat seine Gesetze verkündet, leitet die Welt und wird die Menschen einst am Jüngsten Tage richten. An uns liegt es, sein Reich wirksam werden zu lassen, indem wir seine Gesetze erfüllen sowie seine Herrschaft und Gerichtsbarkeit über uns anerkennen.

 
Christi Herrschaft ist zunächst individueller Natur; denn sie verwirklicht sich, wo immer eine treue Seele unserem Herrn Jesus Christus Gehorsam leistet. Sie wird aber zu einer sozialen Wirklichkeit, wenn alle Mitglieder der menschlichen Gesellschaft ihm diesen Gehorsam entgegenbringen und ihre Unterwerfung unter seine Gerichtsbarkeit gläubig anerkennen.

Infolgedessen kann das Reich Christi schon hier auf Erden erstehen im individuellen wie im gesellschaftlichen Sinne. Voraussetzung dafür ist nur, dass die einzelnen Menschen aus dem Innersten ihrer Seele heraus wie auch in allen ihren Handlungen sich gleichförmig machen mit dem Gesetz Christi und dass die Gesellschaft mit ihren Institutionen, Gesetzen und Bräuchen wie auch in ihren kulturellen Veranstaltungen und Darstellungen sich nach dem Gesetz Christi richtet.

Wie konkret, glänzend und deutlich fassbar diese irdische Realität des Reiches Christi auch in Erscheinung treten kann, ist das Beispiel von Frankreichs König Ludwig des Heiligen in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Man darf jedoch nicht vergessen, dass ein solches Reich immer nur Vorbereitung ist. In seiner ganzen Fülle wird das Reich Gottes sich erst im Himmel verwirklichen: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Joh 18, 36).