Samstag, 13. Oktober 2018

Das Sonnenwunder von Fatima




Ich werde mit den Kommentaren über das Sonnenwunder in Fatima am 13. Oktober 1917 fortfahren.
Wir waren an dem Punkt angekommen, an dem die Muttergottes das Gespräch mit Lucia beendet hatte.
«Sie sagte: „Ich habe nichts mehr zu sagen.“ Lucia entgegnete: „Ich habe auch nichts mehr zu sagen.“ Dann erschienen der hl. Josef, das Jesuskind und die Muttergottes. Diese erhob alsdann ihre Hände in Richtung Sonne. Von ihren heiligen Händen ging ein Licht aus, das strahlender als die Sonne war.«
Das bestätigt wieder, wie Lucia die Muttergottes beschrieb: „Sie war eine Dame, strahlender als die Sonne“.
«Dieses Licht hatte einen dermaßen strahlenden Glanz, dass es selbst das Licht Sonne verblasste. Durch dieses Lichte, das von ihren Händen ausging, berührte die Sonne und es war der spürbare Ausdruck eines Einflusses, einer Macht, die die Muttergottes auf die Sonne ausübte, um zu zeigen, dass das vorhergesagte Wunder von ihr ausging.»
Die Muttergottes hatte schon vorher gesagt, sie werde ein Beweis geben, der die Erscheinung bestätige würde. Dieses Wunder werden wir jetzt untersuchen. Vor den Augen der Seherkinder entfalteten sich drei aufeinanderfolgende vorgesagte Bilder.
«Während diese Szenen sich vor den Augen der Seher abwickelten, sah eine Menschenmenge von 50 bis 70 Tausend das Sonnenwunder.»
Eine wirklich große Zahl von Anwesenden.
«Während der ganzen Zeit der Erscheinung hatte es ununterbrochen geregnet. Als das Gespräch zwischen Lucia und der Muttergottes endete, als die Jungfrau sich gen Himmel erhob und Lucia der Menge zurief: „Schaut zur Sonne“, schoben sich die Wolken zur Seite und gaben den Blick zur Sonne frei, die wie eine große silberne Scheibe am Himmel stand.»
Es ist interessant zu bemerken, dass es während der ganzen Erscheinung geregnet hatte, denn wir werden gleich etwas Schönes sehen, das sich auf diesen Regen bezieht. Alle Ereignisse waren vorhergesehen und vorsätzlich geschehen.
«Diese Scheibe glänzte mit einer nie gesehenen Stärke, blendete aber nicht.»
All dies hat eine sehr schöne symbolische Bedeutung. Ein Glanz, der stärker war als der der Sonne; nie hatte die Sonne so stark gestrahlt. Es war aber ein Licht, das nicht blendete. Weil alles, was von Gott kommt, alles, was von der Jungfrau berührt wird, sei es auch noch so stark, hat etwas Wohltätiges in sich, was jegliche Gefahr für den Menschen ausschließt. Im Gegenteil, der Mensch empfindet es als eine Wonne, ohne jegliche Belästigung. Hier merken wir schon die übernatürliche Eigenschaft des ganzen Geschehens; wie von Gott berührt. So glänzend ist das Licht, und doch, gegen die Regeln und Gesetze der Physik, der Physiologie, blendet es nicht.
«Das dauerte nur einen Augenblick. Die immense Scheibe fing an zu „tanzen“ ...»
Das „tanzen“ steht in Anführungszeichen und ist entnommen aus den Berichten der Kinder und von Personen, die es gesehen hatten.
«... wie ein riesiger Feuerball drehte sich die Sonne in hoher Geschwindigkeit.»
So etwas ist ungewöhnlich, dass sich die Sonne in hoher Geschwindigkeit dreht.
«Für eine kurze Weile stand sie still, um sofort wieder anfangen zu kreisen.»
Das war genau, um zu beweisen, dass sie unter der Herrschaft eines Willens war, der sie zum Kreisen brachte und wieder zum Stillstand, ein Wille, der nach Gutdünken über die Sonne verfügte.
«Für eine kurze Weile stand sie still, um sich hernach schwindelerregend um sich selbst zu drehen. Dann färbte sich ihr Rand scharlachrot, und sie glitt am Himmel wie ein Strudel, der rote Feuerzungen verbreitete.»
Hier setzt sich der Anfang einer Bedrohung an. Die Scheibe wir rötlich und verbreitet Feuerzungen am Himmel. Ein Ereignis, das natürlich die Menschen in Angst und Schrecken versetzte. Und weiter:
«Dieses Licht spiegelte sich auf dem Boden, in den Bäumen, im Gebüsch, ja selbst auf den Gesichtern der Menschen und auf ihren Kleidern in glänzenden Tönen und verschiedenen Farben wieder.»
Was aber wahrscheinlich den Eindruck eines großen Brandes verbreitete.
«Nach dreimaliger Ausführung dieser verrückt anmutenden Bewegungen, schien die Kugel zu erzittern, sich zu schütteln, um dann im Zickzackkurs auch die schreckerfüllte Menge herabzustürzen.»
Wir vernehmen hier eine deutliche Androhung, die Androhung des Tages der Züchtigung; die Androhung einer Katastrophe; die Androhung einer vollständigen Umwälzung des Systems, in dem wir uns befinden, ausgehend von einer aus den Fugen geratenen Sonne. Sie fing an Feuer nach allen Seiten zu sprühen, und, die sie ja das Gravitationszentrum des ganzen himmlischen Systems ist, fing an wie verrückt zu tanzen. Dann droht sie auf die Menschenmenge zu stürzen. Es ist Androhung eines Kataklysmus, einer Panik, eines Schreckenzustandes, einer herabstürzenden Gefahr, was die Menschenmenge dazu führte in alle Richtungen zu flüchten.
Diese Angst und Schrecken, die die Muttergottes den dortigen Menschen durch das Sonnenwunder zufügen wollte, bezieht sich eindeutig auf das, was sie über die Strafe sagte, die über die Welt kommen würde. Es wird klar, dass es, unter anderen, auch Strafen sein werden, die die ganze Welt einbeziehen, eine Störung der natürlichen Elemente, um die die Menschen zu bestrafen. Fatima bringt somit ein gutes Fundament für eine Vorstellung, eine Theorie der Züchtigung Gottes.
Lucia fährt fort: «Dies alle dauerte etwa zehn Minuten. Schließlich kehrte die Sonne in Zickzacklinie zu ihrem Ausgangspunkt zurück und schien wieder ruhig und strahlend im gleichen Glanz wie alle Tage sonst. Der Zyklus der Erscheinungen war nun abgeschlossen.»
Dieser Zyklus wurde also beendet mit einer Drohung. Unsere Liebe Frau erklärte: Hier ist es, weihet euch, bekehrt euch. Wenn nicht, hier habt ihr die Folge gesehen. Es ist eindeutig. Mit einer Androhung hat sie alles beendet. Der Schlusspunkt war eine Warnung. Für diejenigen, die uns als Pessimisten schelten, die sagen, wir sähen überall nur Gefahren und Katastrophen, die nicht an eine Züchtigung Gottes glauben, ist die Antwort sehr einfach.
Sollte das alle nur ein Mythos sein, was bedeutet dann diese ganze Symbolik der Ereignisse von Fatima? Man kann sie nicht leugnen.
«Viele Leute stellte erstaunt fest, dass ihre vom Regen durchnässten Kleider plötzlich getrocknet waren.»
Ein weiteres Zeichen der Macht der Muttergottes.
«Das Sonnenwunder wurde auch von unzähligen Zeugen beobachtet, die sich nicht am Erscheinungsort selbst, ja sogar bis zu 40 Kilometer von diesem entfernt befanden.»
Es konnte sich also nicht um Telepathie oder Suggestion handeln. Denn wenn es auf so weiter Entfernung gesehen und miterlebt wurde, schließt sich jede Einbildung aus.
Mit diesem Wunder ist die Reihe der Erscheinungen zu Ende gegangen. Sie enden einerseits mit einem Ziel, mit dem Versprechen:
„Wenn ihr die Weihe vollzieht, werdet ihr die Bekehrung Russland und der Welt erreichen. Wenn nicht, wird Russland seine Irrtümer überall verbreiten und ihr werdet Strafen von universeller Ordnung haben.“
Nehmen wir in Betracht, was Pater Aparício, ein Jesuit, ein sehr fähiger Mann — er war jahrelang geistlicher Leiter von Sr. Lucia —, mir gesagt hat, als ich ihn in Pernambuco traf, dass die von Pius XII. vollzogene Weihe nicht den notwendigen Bedingungen entsprach, um das Versprechen der Muttergottes zu erfüllen, und wir verstehen alles, was sich danach noch ereignete.
Wir können an all die anderen Strafen denken, die uns bedrohen. Sie bilden ein einziges Ganzes. Fünfzig Jahre später erhält die Botschaft von Fatima ihre Bestätigung.
Ich habe bei einem anderen Treffen gezeigt, wie die Nachrichten der letzten Woche auf ein heftiges Wettrüsten zwischen den Vereinigten Staaten und Russland hinweisen, und sie erwähnen den Einzug einer mächtigen russischen Flotte in das Mittelmeer, teils durch die Dardanellen und den Bosporus und teils durch die Straße von Gibraltar. Diese Flotte sei in der Lage, zumindest teilweise mit der sechsten nordamerikanischen Flotte zu kontrastieren und stellt daher eine Gefahr für die europäischen Länder der Mittelmeerküste dar. Wir sehen, die Möglichkeit eines Krieges leider am Horizont aufsteigen, und wie die von der Muttergottes angekündigte Strafe sich nähert.
Was sollen wir tun? Wir müssen uns an das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen erinnern, denn wir müssen versuchen, wie die klugen Jungfrauen zu sein, das heißt, wie die Seele, die bereit ist für den Moment der großen Prüfung. Und wie bereitet man sich für den Moment der großen Prüfung?
Ich war erstaunt, als ich einmal Szenen des Bombenangriffs auf Berlin im Kino sah und dann später auch Fotos der Berliner Bevölkerung während der Bombardierung zu sehen bekam. Das war eine „Bagarre“(*). Die Stadt Berlin war gebrochen. Trotzdem, es gingen Leute durch die Straßen, Leute standen auf dem Bürgersteig, unterhielten sich, nahmen den Alltag wie gewohnt und lachten, waren sich einfach der Lage nicht bewusst, dass sie bald getötet werden konnten, entweder durch Russen oder Amerikanern und Engländern, zerschmettert unter dem Kanonenfeuer, an Hunger gestorben, oder aus irgend einem anderen Grund – sie lebten den Alltag wie immer, ohne die Traurigkeit und die Tragik der Situation begreifen zu wollen, in der sie waren.

Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen während der „Bagarre“ so sterben werden. Selbst wenn die Sonne auf sie zu fallen droht, werden sie nicht wegrennen; werden weiterhin über Geschäfte reden, über rein praktische Angelegenheiten und so in die Hölle gerissen werden.
Wir sollten nicht so sein wie diese, wir sollten nicht so sein wie diejenigen, die keinen Glauben haben. Von jetzt an müssen wir in dieser Überzeugung, in dieser Erwartung leben, in der Erwartung auf diesen Besuch Gottes, der die „Bagarre“ sein wird; dieser Vernichtung, die eines der majestätischsten und tragischsten Ereignisse in der Geschichte der Welt sein wird, damit durch diese Überzeugung unsere Seele sich geistlich vorbereitet, sich von so vielen Dingen loslöst, die sie an der heutigen Welt haftet und die aber versteht, dass sie in der heutigen Welt leben muss als eine Welt, die bereits mit dem Zeichen des Todes gezeichnet wurde und die zerstört wird. Die Welt hat keine Substanz mehr, sie kommt nicht vorwärts, ihre Tage sind gezählt.
Das sollten wir der Muttergottes im Geiste von Fatima bitten. Daher unsere Zerknirschung, daher unsere Loslösung (von den Dingen der Welt), daher unsere Reue.

(*) Französisch für Krawall, hartes Ringen, Kampf, Streit, Schlägerei. Der Autor verwendete diesen Ausdruck, um die Situation zu veranschaulichen, wie man sie sich während der bevorstehenden Züchtigung Gottes, wie in Fatima vorausgesagt, vorstellen könnte: ein dramatischer Zustand der sich auf die Menschen niederschlägt, verursacht durch Krieg, Chaos und Eintritt von Naturkatastrophen.

Plinio Correa de Oliveira, Vortrag „Heiliger des Tages“ am 17. Oktober 1967.

Freie Übersetzung aus dem Portugiesischen. Der Originaltext ist die Abschrift einer Aufzeichnung, wurde vom Urheber nicht revidiert.

Samstag, 6. Oktober 2018

Fatima



In der Zeit des Säkularismus, in der wir leben, wird die historische Mission Portugals gewöhnlich von einem rein weltlichen Standpunkt aus betrachtet. Der Navigationszyklus wird größtenteils nur in seinen wirtschaftlichen und politischen Ergebnissen geschätzt. Nichts oder fast nichts hat es gebracht, dass Historiker höheren Karats etwas ganz anderes dargelegt haben. Es häufen sich die Beweise, dass der Hauptgrund, der das portugiesische Gemüt zum Abenteuer der Navigationen bewegte, ein apostolischer war: die Bezwinger der Ozeane, die das winzige Portugal hinaus auf die weiten Meere sandte, taten es mit dem Geist der Kreuzfahrer und nicht als Hausierer. Für die gegenwärtige, im Sinn des Laizismus manipulierte und deformierte Geschichte, wird der Ruhm Portugals der sakralen und heroischen Pracht der religiösen Ideale beraubt, und auf das glanzlose Verdienst materieller Errungenschaften des bürgerlichen Lebens reduziert.
Das erste heilige Messopfer bei der Entdeckung Brasiliens
Nichts davon ändert jedoch die offensichtliche Realität der Fakten. Die treueste Monarchie (wie sie von der Kirche genannt wurde) war im Wesentlichen missionarisch. Brasilien verdankt der missionarischen Tätigkeit der Portugiesen die höchste Gnade der Zugehörigkeit zur Kirche. Und es ist nicht nur Brasilien. Es ist nicht nur Afrika. Jenseits davon, im fernen Osten Indiens und darüber hinaus, in der gelben Welt, war es die portugiesische Missionsarbeit, die auf den portugiesischen Kolonien die Wachvorposten der Religion errichteten, die bis heute in den benachbarten heidnischen Regionen einen lebendigen und fruchtbaren Proselytismus ausstrahlen.
Es wäre gut, wenn im Monat der Missionen daran erinnert würde. Brasilien wurde geboren als eine missionarische Errungenschaft Portugals.
* * *
Diese große missionarische Tätigkeit Portugals, der Zyklus seiner religiösen Heldentaten war mit dem Ende der Navigationen nicht aufgegeben. Vor kurzem hat die Göttliche Vorsehung den Portugiesen eine weitere großartige Missionsarbeit anvertraut. Um sich an die Welt zu richten, wählte die Gottesmutter für ihre Erscheinung einen kleinen Flecken des portugiesischen Bodens. Sie erwählte drei portugiesische Kinder als ihre Verkünder und fixierte in Fátima in Portugal eine unversiegbare Quelle von Wundern und Gnaden, und zog damit die Hoffnungen aller Leidtragenden der Erde nach Portugal. In Fatima offenbarte die Muttergottes eine Botschaft von universalem Charakter. Sie hat nicht nur über Portugal gesprochen. Die ganze zeitgenössische Krise und ihre tiefen Wurzeln in Bosheit und Sünde, die weltumspannenden Kataklysmen, die aus ihr hervorkommen werden, alles weitere, was die gesamte Menschheit betrifft in den derzeitigen schrecklichen Umwälzungen, all dies hat die Muttergottes den drei portugiesischen Hirtenkindern anvertraut, damit die stolze und niedergeschlagene Welt die schreckliche und wunderbare Botschaft von den Lippen dieser Kleinen höre. Es ist unmöglich zu übersehen, dass die Muttergottes dem ehemaligen missionarischen Land eine große historische Aufgabe übertragen hat. Diejenigen, die die Vorboten Christi von gestern waren, haben nun noch einen weiteren Titel: Herolde der Jungfrau. Portugal, die portugiesisch sprechenden Nationen zusammen mit Portugal haben die Aufgabe, allen Völkern, die große religiöse Tatsache des 20. Jahrhunderts, die Erscheinungen von Fatima, zu verkünden.
In diesem Missionsmonat (Oktober) feiern wir zwei große Marienfeste: Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz und Unsere Liebe Frau von Fatima.
Die innige Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria in Brasilien ist die Frucht einer intensiven Missionsarbeit der Portugiesen. Das Fest von Fatima, das am kommenden 13. gefeiert wird, hat eine ganz besondere Bedeutung für uns. Für Portugal bedeutete die Erscheinung von Fatima, dass die glorreiche Fruchtbarkeit dieser missionarischen Nation die Möglichkeiten ihres Handelns im Dienste der Kirche nicht erschöpft wurden. Für Brasilien erinnern sie in besonderer Weise daran, dass die Zeit gekommen ist, unsererseits für die Ausbreitung des Reiches Christi die Früchte zu bringen, die die unzähligen Gnaden und Gaben, die uns in Fülle gegeben wurden, uns verpflichten, sie der Welt weiterzugeben.
Brasilien ist dabei zur ersten Ebene des internationalen Lebens aufzusteigen, gerade in einer Zeit, wo missionarische Anstrengungen notwendiger denn je sind. Es geht nicht nur darum, die Nationen des Ostens zur Herde Jesu Christi zu führen. Es ist im Westen, gerade im Schoß der in Ruinen sich befindenden Christenheit, wo sich das tausendmal schlimmere Heidentum als das alte eingenistet hat. Für das moderne Neu-Heidentum gibt es nicht die so oft angewendete Ausrede, die für das östliche Heidentum vielfach angebracht ist: die Unwissenheit. Im westlichen Heidentum brodelt der Abfall, die Sünde gegen den Heiligen Geist, die vorsätzliche und satanische Liebe zum Irrtum und zum Bösen. Es ist gegen die heutigen Ketzer, die ihren letzten Anstrich von Christentum verloren haben, an denen die Missionsarbeit Brasiliens notwendig wird.
In der ausgezeichneten Abhandlung über die wahre Andacht zur allerseligen Jungfrau, des Sel. Grignion von Montfort, wird dieses Flehen oft folgendermaßen ausgesprochen: „Damit zu uns komme dein Reich, möge das Reich Mariens zu uns kommen.“
Brasilien muss im 20. Jahrhundert der große Verkünder der Herrschaft Jesu Christi sein. Damit es seine Mission erfüllen kann, muss es auch dem marianischen Appell von Fatima nachkommen und ein unermüdlicher Prediger der Andacht zur Muttergottes werden. Der Weg zu Christus wird vorbereitet indem man die Muttergottes predigt. Die Marianischen Andachten sind die königlichen Wege, über die man zu unserem Herrn Jesus Christus gelangt.
In Fatima empfahl die Muttergottes zwei Andachten auf ganz besondere Weise: Ihnen soll sich Brasilien mit größtem Eifer widmen.
Eine ist das Unbefleckte Herz Mariens. Die andere ist die des Heiligen Rosenkranzes.
Wenn Brasilien die große Nation der Kreuzritter und Missionare des zwanzigsten Jahrhunderts sein will, wird es diese Gnade nur durch eine glühende marianische Frömmigkeit erreichen. Und wenn es diese Gnade will, wird es sie mit den Mitteln erbeten, die die Jungfrau selbst angedeutet hat.
Also, in dieser Woche, die zwischen den Festen von Fatima und dem Rosenkranz liegt, möge dies das beständigste Objekt unserer Wünsche, unserer Bitten und unserer Meditationen sein.

Freie Übersetzung des Artikels “Fatima” von Plinio Corrêa de Oliveira in der Wochenzeitung “O Legionário“ Nr. 687, vom 7. Oktober 1945.


Freitag, 29. Juni 2018

Unsere Liebe Frau vom Heiligen Herzens


Viele und schön sind die Anrufungen, die die Kirche Unserer Lieben Frau zuschreibt. Jede einzelne von ihnen unterstreicht klar und deutlich ihre Bezie­hung zur Gottesliebe. Sie loben entweder eine Gabe Gottes, der sie vollkommen treu war, oder eine besondere Macht, die sie bei ihrem Gottessohn hat.
Nun, die Gaben Gottes sind nichts anderes als eine besondere Äußerung Seiner Liebe. Und die Vermit­tlungsrolle Unserer Lieben Frau ist nichts anderes als ein erhabener Aspekt der besonderen Liebe Gottes zu uns!
Es ist also vollkommen passend, sie einerseits als „Spiegel der Gerechtigkeit“, andererseits als „allmächtige Mittlerin“ zu nennen. Sie ist der Spiegel der Gerech­tigkeit, weil Gott sie so liebte, dass Er in ihr die ganze einer menschlichen Kreatur mögliche Vollkommenheit konzentrierte. In keinem anderen Geschöpf ist Er so gut reflektiert wie in ihr. So spiegelt sie Seine Gerechtigkeit vollkommen wider. Sie ist eine allmächtige Mittlerin, weil keine Gnade ohne sie erhalten wird und es keine Gnade gibt, die sie für uns nicht erhalten kann.

Daher, wenn wir Maria als Unsere Liebe Frau des Heiligen Herzens anrufen, machen wir eine schöne Synthese aller anderen Ausrufungen; wir weisen auf die reinste Betrachtung der Gottesmutterschaft hin; wir schlagen gleichzeitig alle Akkorde der Liebe in schöner Harmonie, dieselben Akkorde, die wir schlagen, wenn wir ihre Litanei rezitieren oder das Salve Regina singen.
Es gibt auch eine andere Anrufung Unserer Lieben Frau, an die ich besonders erinnern möchte. Es ist „refugium peccatorum“, „Zuflucht der Sünder.“ Unser Herr Jesus Christus ist unser Richter, und obwohl Seine Gnade groß ist, bleibt Er dennoch unser höch­ster Richter und kann nicht unter­lassen, Seine gerichtliche Pflicht auszuüben.
Jedoch ist Unsere Liebe Frau unse­re Fürsprecherin und tut einzig und allein, was ein Anwalt tun soll, das heißt, den Angeklagten zu verteidigen.
Her­zens, der Zuflucht der Sünder, einer allmächtigen Für­sprecherin vor dem Gerichte Gottes, deren Bitte um Barmherzigkeit nicht verweigert werden? Dann zu sagen, dass Unsere Liebe Frau des Heiligen Herzens unsere Fürsprecherin ist, bedeutet, dass wir einen all­mächtigen Verfechter im Himmel haben, der den golde­nen Schlüssel zu einem unendlichen Lagerhaus der Barmherzigkeit hält. Also, welche bessere Lösung für eine sündige Menschheit, die tiefer in die Sünde fällt, wenn die Gerechtigkeit nicht erwähnt wird, und falls sie erwähnt an ihre Rettung verzweifelt?



Die Gerechtigkeit muss auf jedem Fall erwähnt werden; das ist eine Pflicht; die Unterlassung, sie zu nennen, hat nur schlechte Früchte hervorgebracht. Aber zusammen mit der Gerechtigkeit, die den Sünder ins Visier nimmt, vergessen wir nicht die Barmherzigkeit, die dem ernstlich reuigen Sünder hilft, die Sünde zu vermeiden und so gerettet zu werden, wie Er mit Seinem ganzen Herzen wünscht, das Heiligste Herz Jesu.

Donnerstag, 28. Juni 2018

Anbetung und Sühne


Plino Corrêa dde Oliveira

In diesen letzten Junitagen, dem Monat des Heiligsten Herzens Jesu, wäre es angebracht dass wir Katholiken uns in einem Akt der Anbetung und der Sühne dem Göttlichen Herzen zuzuwenden. Überall tobt der Kampf, in allen Nationen werden die Kräfte des Guten mit den Mächten des Bösen konfrontiert. Wie in den frühen Tagen des Christentums werden die Gläubigen zum Martyrium geführt: Einige werden gekreuzigt, andere lebendig verbrannt, andere ins Meer geworfen, andere von tierischen Menschen misshandelt, gefoltert und verstümmelt, mit dem Vergnügen den langsamen Tod ihres Opfers zu genießen. Kirchen werden zerstört, Priester getötet, die Gläubigen sind verstreut.
Auf den Befehl „Feuer!“ schießt eine Gruppe von Kommunisten am 28. Juli 1936 auf die Herz Jesu Statue, die auf dem Cerro de los Ángeles postiert ist.
Und wie wir in Spanien gesehen haben, wurde das zu Ehren des Heiligsten Herzen Jesu errichtete Nationaldenkmal auf dem Cerro de los Angeles (Hügel der Engel) beschossen, bevor es zerstört wurde. Und dermaßen erzürnte sich der Satanismus der Revolution, dass der Cerro de los Angeles von den Kommunisten in Cerro Rojo (Roter Hügel) umbenannt wurde.
Wo katholisches Leben noch möglich ist, müssen Katholiken Menschen ihrer Zeit sein und die Welt mit den gewaltigen Kräften, die ihnen zur Verfügung stehen, konfrontieren. In diesem Sinne nehmen Gebet und Buße den ersten Platz ein. In den Siegen Gottes und der Kirche sah man nie Desinteresse und Wohlergehen. Judith betete und fastete, bevor sie die Stadtmauern durchschritt, um zum Zelt des Holofernes zu gehen. Während Don Juan von Österreich in Lepanto gegen die Türken kämpfte, die das Christentum bedrohten, unterwarf sich die ganze Kirche mit dem Päpstlichen Hof strengsten Bußübungen.
Unter allen Katholiken gibt es eine innige Solidarität, die aus der Liebe unseres Herrn Jesus Christus kommt. Die Kirche ist ein einziger, lebendiger und sensibler (mystischer) Leib. Es gibt große und herrliche Teile dieses Körpers, die intensiv leiden. Wie können wir ihnen nicht unsere Unterstützung und den Trost unserer Gebete und unserer Opfer versprechen? Und warum sollten wir dem Heiligsten Herzen, dem Haupt dieses Körpers, nicht unsere Anbetung und Sühne darbringen?

Freie Übersetzung aus „Legionário“ vom 27. Juni 1937, Nr. 250, S. 2

Freitag, 22. Juni 2018

Einige Anrufungen der Herz-Jesu-Litanei


Plinio Correa de Oliveira

Heute feiern wir die Vigil eines großen Festes: Das Fest des Heiligsten Herzen Jesu. Heute ist auch der Tag des hl. Johannes des Täufers (s. unter dem Label Tagesheilige).


Ich würde die Lektüre der Herz-Jesu-Litanei sehr empfehlen. Diese Litanei ist etwas wunderbares und ich möchte nun einige Anrufungen, die uns am meisten zusagen, hier kommentieren.


Als erstes diese wunderbare Anrufung:


Herz Jesu, im Schoße der jungfräulichen Mutter vom Heiligen Geist gebildet


Wenn wir berücksichtigen, dass das Herz Jesu, das in seiner materiellen und fleischlichen Realität Gegenstand unserer Verehrung ist, das Symbol des Willens Unseres Herren, das heißt, das Symbol seiner Liebe ist; wenn wir berücksichtigen, das das Herz Jesu im unbefleckten Schoße Mariens, mit der Substanz, die eine Mutter zur körperlichen Heranbildung ihres Kindes zur Verfügung stellt, gebildet worden ist, dann können wir annehmen, dass das allerheiligste Fleisch Jesu, in der Wesenseinheit mit Gott, das Fleisch Mariens selbst ist, das Blut Jesu Mariens Blut ist und das Herz Jesu in gewisser Hinsicht das Herz Mariens ist.

Wenn wir uns in der Betrachtung dieses wunderbaren Entstehungsprozess, in dem die Mutter sozusagen sich aufschließt und alles von sich zur Verfügung stellt, um den Körper ihres Kindes zu bilden, vorstellen, dass Jesus auf diese Weise im Schoße Mariens herangebildet wurde, und dies in einem Meer, in einem Brand der Liebe und Anbetung zu diesem Sohn, der in ihr heranwuchs, können wir verstehen in welchem Maße das Herz Jesu mit dem Unbefleckten Herzen Mariens verbunden ist. Diese innige Verbindung zeigt uns auch, welch uneingeschränkte Hoffnung wir in der erfolgreichen Fürsprache Mariens bei ihrem Sohn haben dürfen, wenn wir annehmen, dass Unser Herr einer so vollkommenen und heiligsten Mutter eigentlich nichts versagen könnte. Er hat über sie nicht nur keine Beschwerde, sondern die größte und vollkommenste Freude, die ein Schöpfer zu seinem Geschöpf haben kann, von dem Er zusätzlich weiß, dass sein eigenes Fleisch und sein eigenes Herz sozusagen Fleisch und Herz dieses Geschöpfes sind. Ein Geschöpf, das Er auserlesen hat, Seine Mutter zu sein.


Diese Anrufung hat für die Verehrer der Muttergottes eine sehr große Bedeutung.


Eine weitere wunderschöne Herz-Jesu-Anrufung ist:


Herz Jesu, von unendlicher Majestät


Der hl. Augustinus sagt: „Wo Demut ist, da ist Majestät“ (ubi humilitas, ibi majestas – Predigt 14), das heißt, beide Attribute sind unzertrennlich.


Daraus entnehmen wir, da das Herz Jesu ein Abgrund der Demut, auch deshalb ein Firmament von Majestät ist. Gerne wäre ich ein Künstler, um Unseren Herren darstellen zu können, aber nicht nur Seine Majestät und auch nicht nur Seine Demut, sondern so, dass man auf einen Blick wahrnimmt, was Majestät und Demut oder, was Demut und Majestät gemeinsam haben. Das wäre die höchste Ebene der Tugenden, wo sich diese beiden einzelnen Tugenden treffen und sich verschmelzen.


„Le Beau Dieu d'Amiens“
Hier erinnere ich mich an die Figur des „Beau Dieu d'Amiens“ (der schöne Gott von Amiens), der in dieser Hinsicht sehr ausdrucksvoll ist. Es ist eine plastische Darstellung, die nicht das Herz Jesu aufweist. Es ist aber eine Jesus-Darstellung am Portal der Kathedrale von Amiens, die mir immer diesen Eindruck gab: Ein höchst würdevoller König, ein edelster Lehrer, zugleich aber so gelassen, so sanftmütig, so Herr seiner selbst; man meint, selbst gegenüber schlimmste Beleidigungen wird Er die Ruhe bewahren, gelassen bleiben, keine Reaktion wegen verletzter Eigenliebe, wenn es die Tugend der Zeit so bestimmen würde.


Meines Erachtens nach zeigt diese Statue des „Beau Dieu d'Amiens“ auf hervorragender Weise diese wunderbare Verbindung der höchsten Majestät mit der tiefsten Demut.


Im Wissen, dass die Revolution die Demut karikiert und die Majestät verschweigt, sollten wir, als Kinder der Gegen-Revolution, dem Heiligsten Herzen Jesu bitten, unseren Herzen diese erhabene und edle Form von Majestät zu schenken, die jeder Gegenrevolutionär, der den Sinn für Königtum, für vollkommene Ordnung, für Ehre, für Hierarchie und für alles was majestätisch ist, besitzen soll, selbst wenn er der demütigste, der ärmste aller Menschen ist.

Hier möchte ich auch noch an die hervorragende Figur der hl. Ana Maria Taigi (1769-1837) erinnern. Sie war eine einfache Köchin in Rom und wollte nicht wie eine Königin erscheinen. Sie hatte aber eine dermaßen von Natur aus majestätische Haltung, dass es fast unmöglich war, sich ihr ohne eine gewisse Schüchternheit zu nähern.

Auch die hl. Theresia vom Kinde Jesu war in ihrer Anspruchslosigkeit und Freundlichkeit so majestätisch, dass ihr Vater sie immer „meine kleine Königin“ nannte.



Herz Jesu, brennender Feuerofen der Liebe


Das Herz Jesu ist ein brennender Feuerofen der Liebe Gottes. Da es ein brennender Feuerofen ist – und nicht nur ein reiner Feuerofen, was von sich aus ja schon den Gedanken an glühende Hitze hervorruft, sondern brennender Feuerofen -, drückt sehr gut den Gedanken aus, das es der Brennpunkt aller Liebe Gottes ist. Diese Anrufung des Herzen Jesu in Vereinigung mit dem Unbefleckten Herzen Mariens ist besonders geeignet für die, die bedauern lau und schwach zu sein und nur langsam im geistlichen Leben vorankommen. Diese Verehrung überträgt ihm das Feuer der Liebe Gottes.


Wenn wir also für uns und für andere die wahre Liebe Gottes erreichen wollen, ist dies die empfehlenswerteste und vortrefflichste Andacht.


Sehr wichtig für unsere Zeit scheint mir die Anrufung:


Herz Jesu, geduldig und von großer Erbarmung


Was bedeutet eigentlich geduldig? Geduldig*, ist derjenige, der leidet. Es ist das leidende und barmherzige Herz Jesu. Und weil es ein leidensfähiges Herz ist, ist es in der Lage auch all unsere Beleidigungen zu erleiden.


Der zweite Sinn von geduldig geht aus der letzten Aussage hervor. Die Bereitschaft des Herzens Jesu zu leiden, indem Es mit Liebe leidet und mit Liebe jedes Leid aufnimmt, mit dem Verständnis das das Leid das große Gesetz des Lebens ist, dass ein Leben ohne Leid nichts wert ist.


Der Wert eines Menschen kann bemessen werden an seiner Bereitschaft und Fähigkeit zu leiden.


Weil letztendlich – die Dinge aus einem gewissen Blickwinkel gesehen – ist das Leben des Menschen nur etwas Wert, in dem Maße wie er leidet und sein Leid annimmt und liebt. So haben wir hier das geduldige oder das duldende Herz Jesu.


Eine der wichtigsten Arten von Geduld in ihrem höheren Sinn ist die Geduld gegenüber unseren Nächsten: Unverschämtheiten und Sticheleien ertragen zu wissen, liebenswürdig und gütig zu sein gegenüber jenen, die uns durch ihre schlechten Veranlagungen Schwierigkeiten machen usw. Somit können wir auch die wichtige Tugend der Vergebung üben. Bitten wir also dem Heiligsten Herzen Jesu um diese Geduld. Doch diese Art von Geduld, wenn sie auch sehr wertvoll ist, ist sie jedoch nicht die wichtigste Art dieser Tugend.

Eine der größten Ausdrücke der Leidensfähigkeit ist der Unternehmungsgeist, durch den der Mensch die Trägheit, die Weichheit, den Überdruss, die Eigenliebe besiegt und sich in die Arbeit, in den Kampf, in den härtesten und feurigsten Kampf wirft, doch auch immer bereit zu einem sofortigen Rückzug, wenn die Interessen der Kirche ihn in eine andere Richtung weisen.


Dies ist die höchste Form der Geduld: Der Unternehmungsgeist und die Kampfbereitschaft durch die der Mensch all seinen Trägheiten und Nachlässigkeiten entsagt. Dies müssen wir dem geduldigen und erbarmungsvollen Herzen Jesu bitten.


Von großer Erbarmung will heißen, Mitleidig sein, anderen im Leid beistehen. Es ist ein Folgesatz der zweiten Bedeutung von Geduld. Und hier tut sich ein anderes Problem auf: Die Schwierigkeit meine so liebe junge Generation davon zu überzeugen, das Gottes Barmherzigkeit ein, zwei, zweitausend Mal vergibt und nur nicht will, das man vor der Vergebung den Mut verliert.


Um also der Vergebung Unseres Herren durch die Fürsprache des Unbefleckten Herzen Mariens zu vertrauen, ist hier eine schöne Anrufung: Herz Jesu, geduldig und von großer Erbarmung. Geduldig gegenüber meinen Fehlern und meinen Sünden; von großer Erbarmung gegenüber meinen Mängeln. Durch das Unbefleckte Herz Mariens erbarmt Es sich unser. Es ist eine ausgezeichnete Anrufung zu jeder Tageszeit, um das Vertrauen in Unseren Herren Jesus Christus nicht zu verlieren.


Zwei weitere Anrufungen:


Herz Jesu, Sühnopfer für unsere Sünden


Manchmal kommt es vor, dass wir uns äußerst unwürdig fühlen. Dieses Gefühl kann auch die reinsten und erhabensten Seelen befallen. Da begreifen wir, dass wir vor der unendlichen Gerechtigkeit Gottes absolut nichts sind, doch es gibt diese Anrufung, die auf uns beruhigend wirkt. Das Heiligste Herz Jesu ist ein Sühnopfer für unsere Sünden.


Was bedeutet es, Sühnopfer zu sein? Ich bin nichts wert. Die Opfer, die ich bringe – weil sie von mir Wertlosem kommen – haben von sich aus auch keinen Wert. Doch es gibt ein Opfer, das alles Wert ist, weil es ein makelloses Opfer ist: Unser Herr Jesus Christus, eines Wesens mit Gott, der sich für mich hingegeben hat. Alles, was ich befürchte von mir aus nicht erreichen zu können, erreicht er für mich.


Dieses reinste Opfer hat meine Sünden getragen und wegen dieser Sünden gelitten. Deshalb schäme ich mich meiner Sünden und bereue sie mit großem Vertrauen, weil EINER für mich gestorben ist und sein ganzes Blut für mich vergossen hat.


Nicht auf mich vertraue ich, sondern auf jenes unendlich kostbare Blut, das für mich vergossen worden ist. Es ist das Heiligste Herz Jesu.


Herz Jesu, Quelle vollkommenen Trostes

Dem Wort Trost kann man auch zwei Bedeutungen zuschreiben: Erstens, kann es Stärkung bedeuten; dann kann man auch so die in der Seele vernommene Freude, Milde und Salbung des Heiligen Geistes benennen. In beiden Auslegungen ist das Herz Jesu die Quelle allen Trostes. Unsere Kraft kommt von Ihm. Wenn wir uns schwach, lau, orientierungslos fühlen, vor allem wenn wir uns zu einer edlen Tat berufen fühlen, aber keinen Mut haben sie durchzuführen, dürfen wir uns nicht mit Stolz draufstürzen, mit der Vorstellung, wir könnten diese Tat auch durch uns selbst vollbringen. Nein! Das Heiligste Herz Jesu ist die Quelle aller Stärke. Ihm müssen wir, durch das Unbefleckte Herz Mariens, dem einzigen und notwendigen Weg, um zum Herzen Jesu zu gelangen, um Stärkung bitten. Nie wird unsere Bitte vergeblich sein. Irgendwann werde ich die notwendige Kraft erhalten, um noch Größeres und Schwierigeres tun zu können zum Wohle meines geistlichen Lebens.


Herz-Jesu-Litanei bei der Danksagung nach der hl. Kommunion


Wie vortrefflich ist es, zum Beispiel, die Herz Jesu Litanei bei der Kommunion zu verwenden. Jeden Tag per Zufall eine Anrufung wählen und sie während der Kommunion meditieren, in der Gewissheit, dass ich in meiner Seele wirklich das reale, physische und lebendige Herz empfange, dem ich gerade meine Betrachtung widme und das die Quelle allen Trostes ist. Ihm könnte ich zum Beispiel sagen:

„Herr, Du bist die Quelle aller Stärke; ich würde gerne tausendmal mehr Kraft haben, als ich habe, um Dir besser dienen und Deine Feinde besser bekämpfen zu können. Ich weiß, dass diese Quelle des Starkmutes jetzt in mir ist und ich weiß, dass nur Du diese Quelle bist. Gib mir Kraft gegen Deine äußeren Feinde und gegen die schlechten Neigungen, die ich in mir trage und die auch Deine Feinde sind. Herz Jesu, erbarme Dich meiner durch das Unbefleckte Herz Mariens.“
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* Im Portugiesischen gibt es das Wort „paciente“, was geduldig bedeutet und vom lateinischen „paciens“=leidender kommt.
 Anrufungen der Herz-Jesu-Litanei, Santo do Dia 26.06.1965
(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

Mittwoch, 20. Juni 2018

Die Offenbarungen des Heiligsten Herzens Jesu an die hl. Margareta Maria Alacoque




Plinio Corrêa de Oliveira

Heute ist das Fest der hl. Margareta Maria Alacoque, Jungfrau. Sie erhielt Offenbarungen vom Heiligsten Herzen Jesu und verbreitete dessen Andacht.
Über die Offenbarungen des Heiligsten Herzen Jesu an die hl. Margareta Maria ist es wohl angebracht einen besonderen Umstand zu erzählen, der Bestandteil dessen ist, was wir mit Schmerzen die Nachgeschichte der Botschaften nennen können, die Geschichte der Botschaft in unseren Tagen.
Das Heiligste Herz Jesu erschien der hl. Margareta Maria in einer Zeit, in der der revolutionäre Prozess schon sehr fortgeschritten und zu einem ununkehrbaren Prozess geworden war. Das heißt, das Mittelalter war beendet, der Verfall der mittelalterlichen Kultur und Zivilisation hatte begonnen, wenn auch noch etliche glänzende Aspekte des Mittelalters noch vorhanden waren und einige sogar sich noch weiter entwickelten.
Doch man konnte feststellen, dass die Sittenverderbnis überall eingedrungen war und mit ihr die sophistische Revolution mit ihren Scheinwahrheiten begonnen hatte. Der hl. Ludwig von Montfort beschreibt in seiner „Abhandlung von der wahren Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria“ sehr genau diesen Zeitpunkt des Glaubensabfalls: Ein wahrlich tragisches Bild und Vorbote der Revolution.
In diese Situation greift das Heiligste Herz Jesu ein, indem es sich einer Nonne des Ordens der Heimsuchung in Paray-le-Monial offenbart, Margareta Maria Alacoque, und ihr erklärt, Er wolle für die Seelen einen neuen Quell der Gnaden öffnen und zwar die Verehrung Seines Heiligsten Herzen. Wer diese Andacht praktiziere, der würde Gnaden in einer nie dagewesenen Größe, Fülle und Freigebigkeit erhalten; Er wolle die ganze Menschheit an sich ziehen, um sie zu bekehren.
Diese Andacht durchlief während ihrer Verbreitung etliche Wendungen, doch man kann sagen, dass sie im 19. Jahrhundert bis ungefähr im Jahre 1925, etwa bis zur ersten Hälfte der Regierung Papst Pius XI., ihren Durchbruch und Höhepunkt in der katholischen Kirche erreichte.
Große Lehrer der Kirche befassten sich mit diesen Offenbarungen, unter anderen der hl. Johannes Eudes. Sie wurden gutgeheißen von Päpsten. Leo XIII. vollzog eine Weihe der Welt an das Heiligste Herz Jesu. In vielen Ortschaften und Großstädten der Welt wurden Kirchen dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht. Die Andacht zum Herzen Jesu erhielt großen Anklang und wurde zu einer Wohltat für viele Seelen.
Doch seit dem Ende des Pontifikats des hl. Pius X., 1914 bis hinein in das Pontifikat Papst Pius XII. wurde die Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu Ziel einer Bewegung, die sie heimlich bekämpfte. Es war der von Pius X. verurteilte Modernismus, der weiterhin im Untergrund bis 1924, 1925 tätig war und sich dann unter dem Mantel der Katholischen Aktion und der Liturgischen Bewegung öffentlich verbreitete.
In den Reihen der Katholischen Aktion und des Liturgizismus wurde sie auf eine giftige Art bekämpft, die aber nicht die erfolgreichste war. Man verunglimpfte die Herz-Jesu-Verehrung als sentimental, feminin, ohne theologischen Inhalt und nur was für geistlich Ungebildete. Auf das Gegenargument – „die Kirche habe ja die Wahrhaftigkeit der Offenbarungen anerkannt, Andacht genehmigt, Johannes Eudes und Margareta Maria Alacoque heiliggesprochen, wo bleibe denn da die Unfehlbarkeit der Kirche?“ – erhielt man keine Antwort. Doch die Person, die so argumentierte, wurde aus den Reihen der Katholischen Aktion und der Liturgischen Bewegung ausgeschlossen und verlor das Wohlwollen der kirchlichen Obrigkeiten, die von jenen Irrtümern angesteckt waren.
Es gab aber noch eine andere Methode, die viel gefährlicher war: Das Schweigen. In den katholischen Kreisen wurde über die Herz-Jesu-Verehrung nicht mehr gesprochen, nicht mehr empfohlen. Man verschwieg sie einfach, damit sie in Vergessenheit geraten sollte. Es wurde keine Kirche mehr dem Herzen Jesu geweiht, die Herz-Jesu-Andachten im Monat Juni, der ihm geweiht war, wurden vernachlässigt und nicht mehr gehalten. Es erschienen andere Andachten mit verdächtigem theologischem Hintergrund, die jene ersetzten.
So verschwand die Herz-Jesu-Verehrung fast gänzlich oder, wie vieles in der modernen Kirche, wurde sie ins Abseits verdrängt. Es sind Schätze der Kirche, um die sich niemand mehr kümmert. Gnadenquellen, die die göttliche Vorsehung entspringen ließ, um die Welt zu retten. Sie sind verlassen und ausgetrocknet, weil die Menschen sie nicht mehr aufsuchen, um Gnaden zu erbitten, mit dem Ergebnis, dass sie sie auch nicht erhalten.
Eine Folge dieser Situation erlebte ich in Frankreich. Ich besuchte Paray-Le-Monial, wo Jesus der hl. Margareta Maria erschienen war. Was früher ein viel besuchter Wallfahrtsort war, war alles leer, verlassen; ein par Leute in der Kirche der Erscheinungen. In der gegenüberliegenden Buchhandlung wollte ich einige Andenken kaufen. Was war aber in der Auslage zu sehen? Heiligenbildchen, Herz-Jesu-Bildchen mit Zitaten von Rousseau, Voltaire und anderen kirchenfeindlichen Philosophen. Das bietete man also den Herz-Jesu-Pilgern dort an. Es machte mich sehr traurig, ja es empörte mich, zu sehen, wie das Banner des Unglaubens im Herzen eines Ortes aufgepflanzt wurde, das Unser Herr als Zentrum der Ausstrahlung einer Frömmigkeit für das Heil der Menschen errichtet hatte.
So weit ging die Undankbarkeit der Menschen. Diese Tatsache rief mir die Anrufung der Herz-Jesu-Litanei in den Sinn: „Cor Jesum, lancea perforatum, miserere nobis“ – Herz Jesu, von der Lanze durchbohrt, erbarme dich unser. Es ist das Herz voller Güte, Barmherzigkeit und Vergebung, die Wohnstätte aller möglichen und erdenklichen Vollkommenheiten den Menschen geöffnet, den die Menschheit mit einer Lanze durchbohrt.
Diese Ablehnung der Herz-Jesu-Verehrung ist mit viel mehr Schuld beladen als die der römische Hauptmann trägt, der die Seite des heiligen Leichnams mit der Lanze einstach und das Herz – das Symbol der Liebe Gottes zu den Menschen – verletzte. Etwas Blut und Wasser flossen aus der Wunde. Man erzählt, dass er halbblind war und ein Spritzer von dem Blut des Herzens traf seine Augen und er wurde sehend und bekehrte sich.
Die heutige Welt begeht mit der Ablehnung und Verdrängung der Herz-Jesu-Verehrung eine ähnliche Sünde, doch hier flossen kein heilbringendes Blut und kein Wasser, dass die Blindheit wegwusch. Die Welt wird immer blinder und rollt dem Abgrund entgegen, den wir gut kennen.

(Vortrag am 17. Oktober 1970)


Dienstag, 19. Juni 2018

Die 12 Versprechungen des Heiligsten Herzen Jesu




Plinio Corrêa de Oliveira

Die Versprechen des Heiligsten Herzen Jesu, die der hl. Margareta Maria mitgeteilt wurden, sind folgende:
1. Die, welche dieses heilige Herz verehren, werden nie verloren gehen.
Das ist ein Versprechen von unendlichem Wert, weil es unser ewiges Leben betrifft. Wer diese Andacht praktiziert, wird nie verloren gehen.
2. Die lauen Seelen werden eifrig werden und die eifrigen werden auf dem Weg zur Vollkommenheit voranschreiten.
Ich gebe zu, dass der erste Teil dieses Versprechen ein größeres Wunder ist als der zweite. Denn, dass eine eifrige Seele die Vollkommenheit erreicht, hat man des Öfteren gesehen, selbst darum, weil man in der Regel nur die Vollkommenheit erreicht, wenn man eifrig ist. Aber, dass laue Seelen eifrig werden, ist viel schwieriger, als eine ägyptische Pyramide mit dem kleinen Finger zu verschieben. Die Lauheit ist wie im Schlamm festgefahren sein, ein solch trostloser, abscheulicher, trauriger Zustand, aus dem man nur durch ein Wunder herausgezogen werden kann. Und das ist das Versprechen des Heiligsten Herzen Jesu.

3. Den Aposteln des Heiligsten Herzens wird die Gabe verliehen, auch die verhärtesten Herzen zu rühren.
Welch ein herrliches Versprechen für eine Zeit voller amtlicher Apostolatseinrichtungen. Man spricht viel von erfolgreichem Apostolat. Wer aber besitzt diese Gabe, die verhärtesten Herzen zu rühren? Wie anders wären viele Angelegenheiten in der Welt, wenn es Seelen gäbe, die die verhärtesten Herzen bewegen könnten. Wie leicht wäre es durch diese Andacht und durch die Verehrung des Unbefleckten Herzen Mariens dies zu erreichen! Wenn wir so oft bedauern, dass unser Apostolat nicht so schnell läuft, wie wir es wünschen, müssen wir das der Tatsache zuschreiben, dass keine Verbundenheit zwischen uns und dem Herzen Jesu und Mariä besteht. Welch eine ideale Erfindung! Doch sie wurde von Anfang an verschmäht.
Erinnern wir uns an den Bischof von Pistoia, der letzte General der Gesellschaft Jesu bevor sie durch Papst Klemens XIV. aufgehoben wurde: Er ließ ein Selbstbildnis malen, das er im Nobelsalon seines Palastes aufhängte (das war im 18. Jahrhundert), auf dem er sich darstellte, beim Zerreißen eines Bildes des Heiligsten Herzen Jesu.
4. Alle Wohnungen, in welchen das Bild des Heiligsten Herzens aufgestellt und verehrt wird, werden mit einer Fülle von Segen bedacht.
Für die Spendung von Segen in Fülle, reicht es ein Bild des Herzens Jesu zu verehren.
5. Getrennte Familien werden wieder vereinigt und ihnen wird Frieden geschenkt. Er wird all denjenigen beistehen, die in Not sind und sich an Ihn mit Vertrauen wenden.
Was von den Familien gesagt wird, gilt natürlich weit mehr für Seelenfamilien, damit sie die Einheit erlangen. Nicht nur eine Einheit in der es keine Streitigkeiten gibt, sondern eine immer tiefere Einigkeit der Seelen.
6. Er, Jesus, wird die süße Salbung seiner brennenden Liebe über alle Gemeinden auszugießen, welche ihn verehren und sich unter seinen besonderen Schutz stellen werden: Er wird die Züchtigungen seiner göttlichen Gerechtigkeit entfernen, um sie wieder eifrig zu machen, wenn sie lau geworden sein sollten.
7. Im Übermaß der Barmherzigkeit seines Herzens verspricht der Herr, dass seine allmächtige Liebe all denen, welche neun Monate nacheinander am ersten Freitag kommunizieren, die Gnade der endlichen Bußfertigkeit gewähren wird; sie werden nicht in seiner Ungnade, noch ohne Sakramentenempfang sterben und sein Herz wird für sie eine sichere Zuflucht in dieser Stunde sein.
Wir sehen, es sind Versprechen, jedes einzelne wunderbarer als das andere. Es sind unfassliche Versprechen, die so leicht eingelöst werden können.
Zum Schluss noch ein Wort des Heiligsten Herzen Jesu an Sr. Josefa Menendez vom 8. Juni 1923:
„Öffne mir dein Herz und lass mich hinein, denn ich selbst werde dich reinigen. Lege alles ab, damit du nichts von deinen Wünschen, deinen Vorlieben, deinen Urteilen zurückhältst. Dann füge dich ganz dem Willen dessen, den du liebst. Lass mich mit dir tun, was ich will und nicht was du erwartest. Du musst in meinem Willen so weit kommen, dass mein Wille in dir, der Deine sei. Ich will die vollständige Unterwürfigkeit und die Vereinigung deines Willens mit meinem Willen und meinem Belieben. Du hast mir alle Rechte zu dem gegeben durch dein feierliches Gehorsamsgelübde. Wenn die Seelen verstehen würden, dass sie niemals so frei sein werden, wie wenn sie sich mir so ganz hingeben und dass ich nie mehr bereit bin ihre Wünsche zu erfüllen, als wenn sie meinen Willen tun.“
Wenn wir sozusagen Gott befehlen wollen, brauchen wir uns nur durch Ihn regieren lassen, das heißt, wenn wir seinen Willen tun, wird er auch unseren tun.
(Vortrag am 4. Juni 1964)