Dienstag, 22. Juli 2014

Die Herz-Jesu-Kirche in São Paulo

Die Rolle der Herz-Jesu-Kirche in São Paulo in der religiösen Bildung von Plinio Corrêa de Oliveira

 
Die Herz-Jesu Kirche von São Paulo
 im Stadtteil Campos Elíseos wurde erbaut
zwischen 1881 und 1885.
Sie wurde dem Orden der Salesianer übergeben.
         
In einer Zeit, in der Papst Leo XIII. die Gläubigen aufgerufen hatte, all ihre Hoffnung auf das Herz Jesu zu setzen und von ihm „die Erlösung zu erbitten und zu erwarten“, war es diese für die Gegenwart so ausschlaggebende Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu, die das Leben der Mutter von Plinio, Dona Lucília, bestimmte. 
Nicht weit vom Hause der Familie Ribeiro dos Santos, in dem auch die Familie Corrêa de Oliveira wohnte, stand eine dem Herzen Jesu geweihte Kirche. Dorthin führten die junge Mutter täglich ihre Schritte, und Plinio und seine Schwester Rosée begleiteten sie dabei. Hier, in dieser übernatürlichen Atmosphäre, wie sie früher in den Kirchen zu fenden war, bildeten sich beim Anblick der betenden Mutter in Plinios Geist jene besondere Anschauung von der Kirche, die ihn zutiefst geprägt hat. „Ich spürte“, erinnert er sich später, „dass die Quelle ihrer Wesensart in der durch die Muttergottes vermittelten Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu lag.“ 
Dona Lucília ist ihrer Jugendandacht stets treu geblieben. Als ihr in den letzten Lebensjahren schließlich die Kraft zum Kirchgang zu fehlen begann, verbachte sie immer wieder bis spät in die Nacht lange Zeit im Gebet vor einer Alabasterstatue des Heiligsten Herzen Jesu, die im Hauptsalon der Wohnung inthronisiert worden war.

Quelle: „DER KREUZRITTER DES 20. JAHRHUNDERTS – Plinio Corrêa de Oliveira", Roberto de Mattei, TFP-Büro Deutschland e.V., Frankfurt am Main, 2004, Kap. I,5)



Das Mittelschiff


Der Hochaltar


Herz Jesu über dem Hochaltar


Wandgemälde über dem Hochaltar


Seitenaltar





In dieser Kirche befand sich eine schöne Muttergottesstatue der Anrufung Maria Hilfe der Christen. Anhand dieser Statue entwickelte Plinio eine tiefe Andacht zur Muttergottes Hilfe der Christen von Lepanto und des heiligen Rosenkranzes.







Seitenaltar mit der Darstellung der Unterweisung der Schriftgelehrten durch das Jesuskind im Tempel



Video des Pontifikalamtes in dieser Kirche anlässlich der Hundertjahrfeier des Geburtstages von Plinio Corrêa de Oliveira am 13. Dezember 2008. Die aufgestellten Standarten sind nicht von der brasilianischen TFP, sondern von TFPs aus de USA und Europa.


Donnerstag, 10. Juli 2014

Die Offenbarungen des Heiligsten Herzens Jesu an die hl. Margareta Maria Alacoque

Plinio Corrêa de Oliveira

Heute ist das Fest der hl. Margareta Maria Alacoque, Jungfrau. Sie erhielt Offenbarungen vom Heiligsten Herzen Jesu und verbreitete dessen Andacht.
Über die Offenbarungen des Heiligsten Herzen Jesu an die hl. Margareta Maria ist es wohl angebracht einen besonderen Umstand zu erzählen, der Bestandteil dessen ist, was wir mit Schmerzen die Nachgeschichte der Botschaften nennen können, die Geschichte der Botschaft in unseren Tagen.
Das Heiligste Herz Jesu erschien der hl. Margareta Maria in einer Zeit, in der der revolutionäre Prozess schon sehr fortgeschritten und zu einem ununkehrbaren Prozess geworden war. Das heißt, das Mittelalter war beendet, der Verfall der mittelalterlichen Kultur und Zivilisation hatte begonnen, wenn auch noch etliche glänzende Aspekte des Mittelalters noch vorhanden waren und einige sogar sich noch weiter entwickelten.
Doch man konnte feststellen, dass die Sittenverderbnis überall eingedrungen war und mit ihr die sophistische Revolution mit ihren Scheinwahrheiten begonnen hatte. Der hl. Ludwig von Montfort beschreibt in seiner „Abhandlung von der wahren Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria“ sehr genau diesen Zeitpunkt des Glaubensabfalls: Ein wahrlich tragisches Bild und Vorbote der Revolution.
In diese Situation greift das Heiligste Herz Jesu ein, indem es sich einer Nonne des Ordens der Heimsuchung in Paray-le-Monial offenbart, Margareta Maria Alacoque, und ihr erklärt, Er wolle für die Seelen einen neuen Quell der Gnaden öffnen und zwar die Verehrung Seines Heiligsten Herzen. Wer diese Andacht praktiziere, der würde Gnaden in einer nie dagewesenen Größe, Fülle und Freigebigkeit erhalten; Er wolle die ganze Menschheit an sich ziehen, um sie zu bekehren.
Diese Andacht durchlief während ihrer Verbreitung etliche Wendungen, doch man kann sagen, dass sie im 19. Jahrhundert bis ungefähr im Jahre 1925, etwa bis zur ersten Hälfte der Regierung Papst Pius XI., ihren Durchbruch und Höhepunkt in der katholischen Kirche erreichte.
Große Lehrer der Kirche befassten sich mit diesen Offenbarungen, unter anderen der hl. Johannes Eudes. Sie wurden gutgeheißen von Päpsten. Leo XIII. vollzog eine Weihe der Welt an das Heiligste Herz Jesu. In vielen Ortschaften und Großstädten der Welt wurden Kirchen dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht. Die Andacht zum Herzen Jesu erhielt großen Anklang und wurde zu einer Wohltat für viele Seelen.
Doch seit dem Ende des Pontifikats des hl. Pius X., 1914 bis hinein in das Pontifikat Papst Pius XII. wurde die Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu Ziel einer Bewegung, die sie heimlich bekämpfte. Es war der von Pius X. verurteilte Modernismus, der weiterhin im Untergrund bis 1924, 1925 tätig war und sich dann unter dem Mantel der Katholischen Aktion und der Liturgischen Bewegung öffentlich verbreitete.
In den Reihen der Katholischen Aktion und des Liturgizismus wurde sie auf eine giftige Art bekämpft, die aber nicht die erfolgreichste war. Man verunglimpfte die Herz-Jesu-Verehrung als sentimental, feminin, ohne theologischen Inhalt und nur was für geistlich Ungebildete. Auf das Gegenargument – „die Kirche habe ja die Wahrhaftigkeit der Offenbarungen anerkannt, Andacht genehmigt, Johannes Eudes und Margareta Maria Alacoque heiliggesprochen, wo bleibe denn da die Unfehlbarkeit der Kirche?“ – erhielt man keine Antwort. Doch die Person, die so argumentierte, wurde aus den Reihen der Katholischen Aktion und der Liturgischen Bewegung ausgeschlossen und verlor das Wohlwollen der kirchlichen Obrigkeiten, die von jenen Irrtümern angesteckt waren.
Es gab aber noch eine andere Methode, die viel gefährlicher war: Das Schweigen. In den katholischen Kreisen wurde über die Herz-Jesu-Verehrung nicht mehr gesprochen, nicht mehr empfohlen. Man verschwieg sie einfach, damit sie in Vergessenheit geraten sollte. Es wurde keine Kirche mehr dem Herzen Jesu geweiht, die Herz-Jesu-Andachten im Monat Juni, der ihm geweiht war, wurden vernachlässigt und nicht mehr gehalten. Es erschienen andere Andachten mit verdächtigem theologischem Hintergrund, die jene ersetzten.
So verschwand die Herz-Jesu-Verehrung fast gänzlich oder, wie vieles in der modernen Kirche, wurde sie ins Abseits verdrängt. Es sind Schätze der Kirche, um die sich niemand mehr kümmert. Gnadenquellen, die die göttliche Vorsehung entspringen ließ, um die Welt zu retten. Sie sind verlassen und ausgetrocknet, weil die Menschen sie nicht mehr aufsuchen, um Gnaden zu erbitten, mit dem Ergebnis, dass sie sie auch nicht erhalten.
Eine Folge dieser Situation erlebte ich in Frankreich. Ich besuchte Paray-Le-Monial, wo Jesus der hl. Margareta Maria erschienen war. Was früher ein viel besuchter Wallfahrtsort war, war alles leer, verlassen; ein par Leute in der Kirche der Erscheinungen. In der gegenüberliegenden Buchhandlung wollte ich einige Andenken kaufen. Was war aber in der Auslage zu sehen? Heiligenbildchen, Herz-Jesu-Bildchen mit Zitaten von Rousseau, Voltaire und anderen kirchenfeindlichen Philosophen. Das bietete man also den Herz-Jesu-Pilgern dort an. Es machte mich sehr traurig, ja es empörte mich, zu sehen, wie das Banner des Unglaubens im Herzen eines Ortes aufgepflanzt wurde, das Unser Herr als Zentrum der Ausstrahlung einer Frömmigkeit für das Heil der Menschen errichtet hatte.
So weit ging die Undankbarkeit der Menschen. Diese Tatsache rief mir die Anrufung der Herz-Jesu-Litanei in den Sinn: „Cor Jesum, lancea perforatum, miserere nobis“ – Herz Jesu, von der Lanze durchbohrt, erbarme dich unser. Es ist das Herz voller Güte, Barmherzigkeit und Vergebung, die Wohnstätte aller möglichen und erdenklichen Vollkommenheiten den Menschen geöffnet, den die Menschheit mit einer Lanze durchbohrt.
Diese Ablehnung der Herz-Jesu-Verehrung ist mit viel mehr Schuld beladen als die der römische Hauptmann trägt, der die Seite des heiligen Leichnams mit der Lanze einstach und das Herz – das Symbol der Liebe Gottes zu den Menschen – verletzte. Etwas Blut und Wasser flossen aus der Wunde. Man erzählt, dass er halbblind war und ein Spritzer von dem Blut des Herzens traf seine Augen und er wurde sehend und bekehrte sich.
Die heutige Welt begeht mit der Ablehnung und Verdrängung der Herz-Jesu-Verehrung eine ähnliche Sünde, doch hier flossen kein heilbringendes Blut und kein Wasser, dass die Blindheit wegwusch. Die Welt wird immer blinder und rollt dem Abgrund entgegen, den wir gut kennen.
(Vortrag am 17. Oktober 1970)


Dienstag, 1. Juli 2014

Die falsche Alternative

     Plinio Corrêa de Oliveira
      
Den ganzen Kampf der Kirche gegen die Liberalen im 19. Jahrhundert kann man, unter einem gewissen Gesichtspunkt, in einigen Zeilen zusammenfassen. In ihrer Angst über die Ausschreitungen der öffentlichen Macht, verminderten sie dermaßen die Zuständigkeiten der Autorität des Staates, dass dieser fast machtlos wurde nicht nur in der Verhinderung von Gesetzeswidrigkeiten, sondern sogar in der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Das ist ein Übel, lehrte die Kirche. Niemand hat das Recht, das Böse zu tun. Jede politische Verfassung also, die dem Staat daran hindert, seine Macht auszuüben, um sofort und vollständig das Böse zu unterbinden, ist von Grund auf falsch. Die Tatsachen beweisen mit tragischer Beredsamkeit die Lehre der Kirche. Man braucht nur die politischen Verfassungen der meisten westlichen Länder des vergangenen und auch noch der ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts zu lesen: alle fesselten dermaßen die öffentliche Hand, so dass diese, in ihrer Ohnmacht die steigenden Anarchiebewegungen zu stoppen, keine andere Wahl hatte, als den langsamen und unaufhaltsamen Untergang der sozialen Ordnung mit verschränkten Armen zuzusehen. Geht man genauer der Ursache dieses Fehlers nach, erfährt man, dass er der Vorstellung zugrunde liegt, es sei unmöglich den Staat so gut zu organisieren, dass er das Böse bekämpft, ohne zugleich die Freiheit zu opfern, das Gute zu tun. Basiert auf dieser Ur-Behauptung, ließen die Liberalen, indem sie die Anarchie dem Despotismus vorzogen, die öffentlichen Interessen den Bach des Liberalismus und des Zerfalls des gesellschaftlichen Lebens herunterlaufen.
      Ich glaube man hat nie so richtig die Aufmerksamkeit auf diesen Punkt gelenkt, der ja der Nerv der zwischen Katholiken und Liberalen aufgeworfenen Fragen ist. Viele gibt es, die da denken, dass vor der unvermeidlichen Alternative zwischen einem Übermaß an Freiheit oder dem Missbrauch der Autorität, der Liberale auf der Seite der ersten und die Kirche auf der zweiten stehen.
      In der Tat ist die These der Kirche eine andere. Sie bestreitet den wissenschaftlichen Wert der Alternative Anarchie x Despotismus. Wenn Gott schon mit so wunderbarer Weisheit die Ordnung des Universums gestaltet hat, was die leblosen und unvernünftigen Wesen angeht, wäre es monströs sich vorzustellen, dass Er auf unvollkommene Weise die dem Menschen entsprechende Ordnung bestimmt hätte. Es muss im Menschen potentielle Eigenschaften geben, die ihn befähigen eine viel vollkommenere Gesellschaft zu bilden als die, die man unter unvernünftigen Wesen beobachten kann, wie zum Beispiel bei den Bienen und Ameisen. Wenn dem nicht so wäre, wäre der Mensch nicht das Meisterwerk der göttlichen Schöpfung.
      Demnach ist es unmöglich, dass der normale Zustand der menschlichen Gesellschaft nur in einer dieser tragischen Alternativen zu finden sei: entweder der Anarchie zuzusteuern oder unter der Last des Despotismus zu schmachten. Es muss die Möglichkeit geben, die menschliche Gesellschaft normal und dauerhaft in einer ausgeglichenen Weise zu gestalten, die zu keinen der beiden Extreme führt.
      Es ist gerade deswegen, dass die Kirche die Liberalen verurteilt, die den Weg der Anarchie bevorzugen. Sie weigert sich zwischen den zwei Wegen des Unheils zu wählen: zwischen den Abgründen, die sich auf beiden Seiten öffnen, weist sie der Menschheit den richtigen Weg, der weder zur Anarchie noch zum Despotismus führt. Es ist der Weg der christlichen Ordnung.
     * * *
           Über Jahrzehnte hinweg versuchte der Liberalismus die Kirche zu täuschen. Das liberale Monstrum hatte tausend Gesichter für jeden Geschmack. Eines lächelte der Kirche zu, um ihre naiven Kinder zu verlocken und zu blenden. Ein anderes schaute die Kirche mit einer besorgten und verschlossenen Miene an, um die ängstlichen Katholiken zu lähmen. Ein weiteres fixierte die Kirche mit einem argwöhnischen, langweiligen, schlecht gelaunten Blick, wie der verlorene Sohn seinen Blick über das väterliche Haus schweifen ließ, als er sich von seinem Vater verabschiedete: ein reines Manöver, um die Reaktion der echten Katholiken zu entmutigen, die einen Massenabfall der liberalen Katholiken, ihrer Brüder im Glauben, befürchteten. Doch mit all diesem Gesagten, ist die Beschreibung der Hydra noch nicht erschöpft. In Tausend anderen Köpfen mit Tausend verschiedenen Aspekten wie Anti-Klerikalismus, Freidenkertum, Freimaurerei und Anarchie, hetzte sie zum Angriff auf die Kirchen, zur Schändung der Tabernakel, zur Profanierung der Heiligenbilder, zur Ermordung der Priester und der gottgeweihten Jungfrauen, der Könige und der Staatsregierenden einen Haufen von Nihilisten, Karbonariern, Banditen, die seit 1789 bis in unsere Tage nicht aufhörten, hier und da tätig zu sein.
      Es ist klar, dass, gegenüber so törichten Handlungen im liberalen Lager, eine entsprechend große Vielfalt von Tendenzen im katholischen Lager, über die Art, die Hydra zu betrachten und zu bekämpfen, hervorkam.
      Nur wenige nahmen alle ihre Gesichter wahr. Und von diesen verstanden noch weniger, dass der vielfältige Ausdruck dieser Gesichter nicht die Äußerung einer inneren Unentschlossenheit der Tendenzen der großen Hydra war. Alles, was Lächeln war, war Lüge, und alles, was Lästerung war, war Wahrheit. Dass, obgleich seiner anscheinenden Unsicherheiten und Widersprüchen, der Liberalismus logisch, unnachgiebig, unveränderlich in seinem Schreiten in Richtung Anarchie und Atheismus war.
      Den vielen Gesichtern mussten ebenso viele Sprachen entsprechen. Nicht alles, was der Liberalismus vorschlug, war unbedingt in sich verwerflich auf der Ebene der reinen Lehre.
      So war es möglich einigen Forderungen des Liberalismus zuzustimmen, ohne sich unbedingt zu einer von der Kirche verurteilten Lehre zu bekennen.
      Was tun! Dem zuzustimmen, was möglich war, um im Nachhinein das Raubtier zu zähmen? Oder es sofort, kräftig und ohne zu zögern, anzugreifen?
      Etwas von allem wurde versucht. Am Ende, betrachtet man die Entwicklung Europas im 19. Jahrhundert, springt nur eine einzige Wahrheit ins Auge. Trotz aller Versuche einer katholischen Mitarbeit eroberte die liberale Bewegung Europa und verwirklichte ihre wichtigsten Ziele: sie dechristianisierte, laizisierte, zersetzte die Familie und den Staat, und zerrte die gegenwärtige Welt über einen Weg, auf dem sie sich nur einige Finger breit vor der Anarchie befindet.
      Aus der plötzlichen Panik vor dieser Anarchie entsprang die treibende Kraft, die die Gegenreaktion hervorrief: der Faschismus und der Nazismus.
     * * *
      Vor der falschen Alternative „Despotismus-Anarchie“ bevorzugten die Totalitären aller Couleur den Despotismus, als Reaktion gegen die Anarchie.
      Haben sie richtig gewählt? Ohne Zweifel nein. Weil sie sich nicht von der falschen Alternative befreien konnten. Sie blieben in ihr und, indem sie dem Liberalismus flohen, rutschten sie vom Scheitelpunkt des Dilemmas in die Tiefen des Abgrunds. Sie haben nicht verstanden, dass es nicht der Fall war, zwischen zwei Abgründen einen zu wählen. Sondern den Weg suchen, der nicht in den Abgrund führt, sondern zum Himmel.
      So führte uns die Reaktion gegen die Anarchie, anstatt zur christlichen Zivilisation, zu einem anderen Unglück: zum Moloch-Staat.
      Dies sei hier gesagt, um gut zu verstehen, dass es eine gemeinsame Wurzel zwischen Liberalismus und Despotismus gibt. Welchem Despotismus? Die Fragen nach der politischen Farbe interessiert nicht. Schwenkt er eine braune, rote oder schwarze Fahne, er ist immer der Despotismus. Und sei dieser  Despotismus auch sanft, gütig, weich wie der rosafarbene Despotismus, den die Tory-Regierung in England einführen will, bleibt er auch immer Despotismus.
      Der Sozialismus heute, so wie der Nazismus gestern, und vorgestern der Liberalismus, zeigt Tausend Gesichter, lächelt mit einem der Kirche zu, mit dem anderen droht er ihr und redet gegen sie mit noch einem anderen.
      Gegen diesen neuen Sozialismus, wie einst gegen den Liberalismus, kann die Haltung der Katholiken auf der ganzen Welt, aber vor allem in Europa, nur eine sein: entschiedener, freimütiger, unnachgiebiger, furchtloser Kampf.
      Der Sozialismus ist kein Raubtier, das gezähmt und domestiziert werden kann. Er ist ein apokalyptisches Monster, das die Falschheit des Fuchses und die Gewalt des Tigers vereint. Vergessen wir das nicht, andernfalls werden es die Fakten uns auf sehr schmerzliche Weise lehren…

Freie Übersetzung aus „O Legionário“ Nr. 723, 16.6.1946

Warum Tradition, Familie und Privateigentum?


Die Notwendigkeit, die Tradition und die Familie zu verteidigen, wird im Allgemeinen gut verstanden. Aber eine starke revolutionäre Propaganda, die mindestens bis auf Jean-Jacques Rousseau und auf Proudhon zurückgeht — „Eigentum ist Diebstahl“ — hat selbst bei Nicht-Kommunisten und bei einer großen Anzahl von Katholiken ein schlechtes Gewissen hinsichtlich des Rechts auf Eigentum hervorgerufen.

Tradition
Zwanzig Jahrhunderte des religiösen und zivilisatorischen Wirkens der Kirche haben in unseren Seelen, in unserer Gesellschaft, übernatürliche und natürliche, individuelle und soziale, unschätzbare Werte angesammelt. Eine lange Beständigkeit über die Generationen hinweg hat ihnen die Bedeutung verliehen, die den großen Traditionen innewohnt.
Die Prinzipien, die die wahre Zivilisation leiten, zu bewahren, auszubreiten und zu verkünden, heißt, dem Herzen unserer christlichen Tradition zu dienen.

Familie
Wie jeder weiß, ist sie die Zelle der Gesellschaft. Von Jesus Christus zur Würde eines Sakraments erhoben, gibt der Ehebund christlicher Eheleute der Familie eine Stabilität, der väterlichen Autorität eine Würde und Kraft, der Mutterliebe die Zuneigung der Kinder und den geschwisterlichen Beziehungen eine Bindungskraft, die die familiäre Institution zu ihrer Vervollkommnung führen.
Sie zu verkünden und auf jede mögliche Art zu verbreiten, heißt, den individuellen und sozialen Widerstand gegen die gefährliche Ideologie, die die Ehe ausrotten, die familiäre Gesellschaft zerstückeln und den freien Bund triumphieren lassen will, zu stärken.

Privateigentum
Das Eigentum ist ein heiliges Recht, das mit der menschlichen Natur verbunden ist: mit seiner Freiheit und seiner Würde. Denn:
- Der Mensch ist mit Vernunft ausgestattet und hat das Recht auf Freiheit, um seiner Bestimmung gemäß zu handeln.
- Diese Freiheit zu handeln beinhaltet das Recht auf Arbeit, um für seine Bedürfnisse aufzukommen.
- Das Recht auf Arbeit beinhaltet das Recht auf die Früchte der Arbeit: Das ist das Recht auf Eigentum; ohne dieses ist das menschliche Wesen ein Sklave ohne Freiheit, den man der Früchte seiner Arbeit beraubt.
Das Eigentum ist also das Recht, über die Früchte seiner Arbeit zu bestimmen. Es ergibt sich aus der Freiheit und der Arbeit des Menschen.
Im Manifest der Kommunistischen Partei von 1848 bekräftigen Marx und Engels: „Die Kommunisten können ihre Theorie in dieser einzigen Formel zusammenfassen: Abschaffung des Privateigentums“.
Diese Abschaffung führt zur Verleugnung der menschlichen Person, denn dem Individuum das Recht auf Eigentum zu nehmen, heißt, ihm das Recht zu nehmen, über die Früchte seiner Arbeit so zu verfügen, wie er es möchte, also seine Autonomie und seine Freiheit zu leugnen.
- Die Anerkennung der persönlichen Würde des Menschen bleibt bestehen oder geht verloren, je nachdem, ob man ihm das Recht auf Eigentum zugesteht oder nicht, bestätigt Pius XII. (vgl. Pius XII., Ansprache beim privaten Rechtskongress, 1948).
Die Möglichkeit, ein Erbe anzusammeln, mag es auch noch so bescheiden sein, und es seiner Gattin und seinen Kindern zu vermachen, ist der beste natürliche Anstoß für die menschliche Kreativität.
Und die Erbschaft ist die Institution, die Familie und Eigentum in sich vereint, sie beinhaltet auch die Tradition, die der folgenden Generation übergeben wird.

Sonntag, 22. Juni 2014

Mutter: Liebe, Zärtlichkeit, Güte und Barmherzigkeit


Plinio Corrêa de Oliveira

Die Muttergottes ist der Inbegriff aller Mütter.

Manchmal empfindet ein Kind symbolisch die Güte seiner Mutter in der geordneten Atmosphäre der Familie.

Die herrschende Liebe in dieser Familie schafft die Gelegenheiten für das Herabströmen von Gnaden.

Die ersten Erfahrungen eines Kindes mit dieser gegenseitigen Zuneigung gibt ihm die Möglichkeit, selbst im jüngsten Alter, Vergleiche zu ziehen zwischen dem Leben in und außerhalb der Familie.

Es wird sagen: „Es gibt nichts wie die Familie!“
Es sieht, dass die Güte und Liebe, die es erfährt, es nirgendwo anders gibt.
Die Heilige Familie, Mutter Anna und Zacharias
All diese Hingabe und Zuneigung kann in einem Wort zusammengefasst werden: Familie.

Während man sich unter dem Wort Familie eine Mehrzahl von Personen vorstellt, gibt es ein anderes Wort, das die Quintessenz der Familie ausdrückt: Mutter.

Eine gute Mutter ist der Inbegriff von Liebe und Zärtlichkeit und folglich von Güte und Barmherzigkeit.

Durch den Kontakt mit seiner Mutter beginnt das Kind zu verstehen was unermüdliche Güte, Huld, Beistand und unerschöpfliche Liebe ist.

Es erfährt diese mütterliche Zuneigung dadurch, dass sich die Mutter niemals müde oder gelangweilt zeigt, mit ihrem Kind zu sein.

Für eine wahre Mutter besteht die Freude des Lebens darin, ihr Kind in den Armen zu halten, es herunter zu lassen und ihm nachschauen, wie es hin und her läuft und sich unaufhörlich mit den Fragen ihres Kindes zu beschäftigen.

Das Kind, das in der Welt die Freude wahrnimmt, die eine gute Mutter ihm bereitet, wird auch einmal merken, dass das Leben schwer sein kann.

Dennoch, in dem Maß, in dem es sich an seine Mutter erinnert, erinnert es sich an das Paradies seiner Kindheit.
Mit dieser Erinnerung bewahrt es die Hoffnung auf das himmlische Paradies, wo die heiligste Mutter es empfangen wird.


Auszug eines Vortrages von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira am 14. März 1993. Seine Worte wurden übersetzt und zur Veröffentlichung angepasst ohne seine Revision.

Samstag, 21. Juni 2014

Der Hass gegen das Herz Jesu während der französischen Revolution



Am Vorabend der Französischen Revolution verbreitete sich die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu über die ganze Welt. Die Offenbarung Jesu an die hl. Margareta Maria Alacoque, Theologen, die sich mit dem Thema befassten, machten diese Andacht überall bekannt.
Bischof Scipione de'Ricci
Im Gegenzug wurde diese Andacht von Feinden der Kirche sehr gehasst und bekämpft. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts, zum Beispiel, war Scipione de’ Ricci, der bekannte Bischof von Prato und Pistoia, Jansenist und ein aktiver Kämpfer gegen die Verehrung des Herzen Jesu. Im Empfangssaal seines Palastes hing ein großes Gemälde in dem er selbst dargestellt war, wie er ein Bild des Heiligsten Herzen Jesu zerreißt. Wenn ich mich nicht irre, gab es ebenfalls im Palast des Groß-Herzogs von Toskana (auch Erzherzog von Österreich) ein solches Gemälde.
Die Hauptstadt der Toskana ist Florenz. Man kann also ersehen wie der Hass der Feinde der Kirche sich gezielt gegen die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu richtete. Und das ging so weit, dass es ihnen gelungen ist diese Andacht fast gänzlich zu unterdrücken.
Dieser Hass führte dazu, dass die Revolutionäre während der Französischen Revolution, als der blutrünstige und infame Marat ermordet wurde, sein Herz als „das heiligste Herz Marats“ öffentlich wie eine Replik des Heiligsten Herzen Jesu zur Verehrung brachten. Wenn die Revolution etwas Erhabenes lächerlich machen und zerstören will, greift sie zur schändlichen und sakrilegischen Nachäfferei – man sagt, die Freimaurerei sei die Äffin der Kirche, weil sie die frommen und heiligen Übungen der katholischen Kirche spöttisch übertreibend nachahmt.
Vergleichen wir – wenn es überhaupt ein Vergleich möglich ist – das Herz Jesu mit dem Herzen Marats: Das Herz Jesu ist der unendliche Abgrund aller Tugenden; das Herz Marats war ein begrenztes aber großes, ausgefülltes Sammelbecken allen menschlichen Unrats, Schmutzes und Boshaftigkeiten. Er war ein ekelhafter Typ, eine Hyäne. Der Kontrast zum Herzen Jesu hätte nicht krasser sein können.
Jean Paul Marat
Hören wir nun, wie die Verehrung zum Herzen Marats vor sich ging (aus „Weltgeschichte“ von Dr. J. B. Weiß, Bd. 17, S. 196, Buchdruckerei und Verlags-Buchhandlung Styria, 1895):
„Dann wurde die Leiche (in das Grab) versenkt, die Tränen strömten, und mit zerrissenem Herzen kehrte jeder in sein Haus zurück“.
Hier sehen wir eine billige Nachahmung der Abnahme Jesu vom Kreuz und seiner Grablegung. Danach gingen sie mit zerknirschtem Herzen nach Hause.
„In der Kirche der Cordeliers wurde eine Chapelle ardente für das in einer der schönsten Urnen des Kronschatzes aufbewahrte Herz Marats hergerichtet. Kerzen brannten hier zu Ehren des neuen Gottes, wie jetzt in der Kirche zu Ehren der heiligen Genoveva. Man pilgerte dahin. Litaneien wurden hier mit Marats Namen abgehalten, und man betete hier zu seinen Wunden und zu seinem Herzen.“
Da war wohl sicher die Herz-Jesu-Litanei, umgestaltet auf dem Namen Marats. Dieser litt an einer Art Aussatz, einer Hautkrankheit, die seinen Körper mit Wunden übersäte und starken Juckreiz verursachte. Er befand sich in einem Heilbad in der Badewanne, wo er gewöhnlich seinen Schreibarbeiten nachging, als er von Charlotte Corday mit einem Dolch ermordet wurde.
So verehrten die Menschen alle seine Wunden, nicht nur des Herzen sondern seines ganzen Körpers in Anspielung an die Wunden die den heiligsten Leib Jesu bedeckten.
„Beaulieu erzählt, er habe ein gedrucktes Gebet in den Händen gehabt, welches mit den Worten begann:  ,O Herz Jesu, o Herz Marat! O heiliges Herz Jesu, o heiliges Herz Marat!‘ Auf dem Carrouselplatze hatte man eine Pyramide, in welcher man seine Büste, seine Badewanne, sein Tintengeschirr, seine Lampe aufbewahrte, und stellte Tag und Nacht zu ihrem Schutze eine Schildwache auf. In der Festrede wurde gleiche Huldigung für das Herz Marats, wie für das Herz Jesu gefordert, aber geschlossen mit dem Satze: ,Jesus war ein Prophet, Marat ein Gott!‘ Die Jakobiner und Cordeliers wurden den Aposteln, die Kaufleute den Zöllnern, die Aristokraten den Pharisäern gleichgestellt, und Simone Evrard der Mutter Gottes: diese habe das Jesuskind nach Ägypten, jene aber Marat vor dem Schwerte des neuen Herodes-Lafayette gerettet. – Mercier erzählt: ,Auf allen öffentlichen Plätzen errichtete man ihm zu Ehren Tempel, Mausoleen, Triumphbögen.‘“
Das sind schamlose Seiten der Französischen Revolution, die vorsichtig vertuscht werden, damit sie niemand weiterzählt.
„Von Paris verbreitete sich dieser Wahnsinn durch Frankreich. Havre de Grace (heute Le Havre) will nicht mehr von der Gnade Gottes oder des Königs wissen – es legt sich den Namen ,Havre de Marat‘ bei. Der Montmartre ist lange genug nach dem Gotte Mars benannt worden – er heißt fürder der Montmarat. In allen Departements werden Knaben nach ihm getauft, entstehen also kleine Marätchen.
„In Straßburg wurde im uralten Dome Marats Büste aufgestellt und dabei eine Rede über seine Verdienste, über sein Märtyrertum gehalten, in welcher er nicht bloß mit Sokrates, sondern auch mit Christus verglichen war: ,Wie Jesus liebte Marat nur das Volk, und liebte nur es. Wie Jesus verabscheute Marat die Könige, die Adeligen, die Priester, die Reichen, die Schurken. Wie Jesus hörte er niemals auf, diese Pest der Gesellschaft zu bekämpfen, und wie Jesus führte er ein mäßiges und ärmliches Leben. Wie Jesus, war Marat äußerst gefühlvoll und menschlich, er hatte die erhabene Seele Rousseaus. Er trug in seinem Herzen alle Unglücklichen.‘“
Wir sehen welches Ausmaß die Gotteslästerung angenommen hatte, wie weit der Hass der Revolutionäre gekommen ist, indem sie den schlimmsten Verbrecher mit Jesus verglichen und nachahmten. Es erinnert an den Moment, wo das Volk die Befreiung des Mörders Barabas wählte und Jesus ans Kreuz wünschte. Doch glaube ich, dass Marat noch schlechter war als Barabas, denn dieser war noch lange nicht mit so vielen und schlimmen Verbrechen beladen wie Marat.
Machen wir einen kleinen Exkurs.
Wir halten das hier Beschriebene für ein fürchterliches Verbrechen, eine abscheuliche Sünde gegen das Heiligste Herz Jesu. Und wir haben guten Grund dazu. Aber haben wir schon darüber nachgedacht, welche Verbrechen und Sünden dieser Art gegen die Herzen Jesu und Maria die Welt noch vorbereitet? Welchen Gotteslästerungen werden wir noch ausgesetzt sein? Gibt es heute nicht moderne Propheten, die mit Nachäffereien verkünden, das sie Jesus Nachfolgen? Wie viel Schimpf, wie viel Sünde, wie viel Blasphemie werden wir noch wahrnehmen müssen in dem unaufhaltsamen Lauf der gegenwärtigen Zersetzung aller göttlichen Werte?
In dieser Hinsicht müssen wir Folgendes betrachten: Als das Heiligste Herz Jesu blutete, als es im Ölgarten und während der ganzen Passion gelitten hat, hatte es nicht nur diese Leiden im Sinn, sondern die Schmerzen, die ihm die Sünden der ganzen Menschheit bis zum Ende der Zeiten bereiteten. Wenn die gegenwärtigen Sünden fürchterlich sind, so hat das Herz Jesu den verursachten Schmerz dieser auch damals gelitten.
Man kann wohl sagen, dass die Sünden der Gegenwart schlimmer sind als alle Sünden, die nach dem Gottesmord begangen worden sind. Da gibt es kein Zweifel. Aber dann haben diese Sünden  des 20. und 21. Jahrhunderts dem Herzen Jesu mehr zugesetzt, als die des damaligen gewalttätigen Todeswegs.
Maria folgte den Leidensweg Ihres Sohnes aus der Nähe. Das Evangelium erzählt uns, im Rahmen der Ereignisse um die Geburt Jesu, dass „Maria behielt alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen“ (Lk 2,19). Dies tat sie ihr Leben lang und besonders in Verbindung mit den Ereignissen des Leidens und Sterbens ihres göttlichen Sohnes.
„Maria behielt alles und erwog es in ihrem Herzen“. Sie dachte an all diese Dinge, sie betrachtete sie, litt wegen alldem. Alle Sünden bereiteten auch ihr Schmerzen, auch die gegenwärtigen und in Vorahnung auch die Sünden der Zukunft.
Hier haben wir nun Anhaltspunkte für die Novene zur Vorbereitung auf das Fest des Unbefleckten Herzen Mariens. Mit diesen Gedanken können wir teilnehmen an der schmerzlichen Vorahnung der Muttergottes im Hinblick auf die Sünden unserer Zeit. So bereiten wir uns entsprechend auf das Fest vor.
Es ist hier nicht fehl am Platze daran zu erinnern, dass Maria, so viel sie auch gelitten hat, das Leid immer mit großem Vertrauen annahm. Sie wusste, dass am Ende der Sieg Unserm Herrn Jesus Christus gehören würde, und folglich auch ihr. Deshalb war dieses Leiden auch durchwebt mit Freude. Sie wusste, dass die heilige Kirche auch in unseren Tagen siegen würde. Sie wusste, dass ihr Sohn in den Himmel auffahren und sie ihm glorreich folgen würde, und dass die Herrlichkeit Gottes die Sünden aller Zeiten überwinden würde.
Auch wir sollen diese Zeiten mit Freude durchschreiten, in der Gewissheit, dass, je tiefer die Trauer auch sein wird, in der wir uns befinden werden, die Freude um so größer sein wird, wenn wir sehen, dass Mariens Schmerzen gesühnt worden sind, die Revolution zerschmettert wurde und das Reich Mariens eingeführt wird. Es wird die Erhöhung der Katholischen Kirche bedeuten, von den Engeln erhoben über alles in der Welt; sie wird mit größerer Schönheit glänzen, wie nie zuvor. Diese Mischung aus Freude, Trauer und Hoffnung soll uns immer begleiten.
(Vortrag am 14. August 1969)


Freitag, 20. Juni 2014

Die Stunde der Barmherzigkeit wird kommen


Das Fest der hl. Margareta Maria Alacoque, das die Weltkirche heute (16. Oktober) feiert, brachte mir ein vergangenes Ereignis in Erinnerung, das nicht so uninteressant ist für die heutigen Tage.
Als die demütige Nonne in Frankreich lebte und ihr das Heiligste Herz Jesu erschien und so milde vertrauliche Botschaften übertrug, herrschte König Ludwig XIV., dem die weltweite Bewunderung den Titel eines Sonnenkönigs verlieh. Dieser Beiname entsprach der Wirklichkeit. Mazarin, der mit ihm eng befreundet war, sagte, dass Ludwig das Talent für fünf Könige hatte. Vom physischen wie vom moralischen Standpunkt aus verkörperte er die klassische Figur der Märchenkönige, die die Phantasie der Kinder begeistern. Seine männliche und majestätische Schönheit hervorgehoben durch perfekte adelige Haltung und Gesten und einer hervorragenden Auswahl der Kleidung, erhob ihn zum höchsten Vorbild des Edelmannes seiner Zeit. Die Eigenschaften der Intelligenz und des Charakters entsprachen dem physischen Aspekt seiner Person. Seine Intelligenz hell, umfassend, methodisch und vorbildlich ausgewogen. Sein Wille hatte eine gebieterischen Kraft, der jedes Hindernis nachgab. Er besaß eine souveräne Selbstbeherrschung, dass er sich keine extremen Äußerungen von Zorn, Freude oder Schmerz erlaubte. Im Gegenteil, alle Ereignisse trafen ihn wie immer gleich gelassen, gleich mächtig und gleich überlegen. Dermaßen hatte sich sein Wesen mit den Pflichten seines Metiers als König abgefunden, dass das Protokoll für ihn seiner Natur entsprach und selbst in seinen niedrigsten Obliegenheiten zeigte sich das hohe Bewusstsein seiner Würde und seiner Pflichten.
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Wenn Gott jemanden außerordentliche natürliche Eigenschaften schenkt, welcher Natur auch immer, bürdet er ihm auch schwere Verantwortung auf.
Es wird erzählt, dass Voltaire bei den Jesuiten seine Ausbildung erhielt. Diese waren hoch beeindruckt von der Intelligenz des Jungen, so dass sie meinten, daraus würde einmal ein Heiliger oder ein Teufel werden.
Ludwig XIV. war eine dieser privilegierten Seelen, die Gott zu großen Unternehmungen berufen hat. Solche Berufenen sind deshalb immer in Gefahr, in die tiefsten Abgründe zu fallen, wenn sie von der Berufung abweichen. Wenn Ludwig ein neuer Heiliger wie Ludwig IX. hätte sein wollen, wäre wahrscheinlich die Französische Revolution nicht ausgebrochen, hätten die Folgen der Reformation unheilbaren Schaden erlitten und der Lauf der Geschichte, statt die Abgründe zu durchschreiten, in denen wir uns befinden, wäre in eine ganz andere Richtung gegangen.
Doch Ludwig XIV. wollte kein neuer hl. Ludwig sein. Sinnlich, lustgierig, ehrgeizig und äußerst eitel, opferte er seiner Unzucht und dem, was er meinte sein Ruhm zu sein, Zeit, Mittel und Ruf auf, die Gott ihm für einen ganz anderen Zweck gegeben hatte. Durch sein schlechtes Beispiel stürzte er sein Reich ins Verderbnis, verursachte Kriege, um seine Länder zu vergrößern, spaltete die katholischen Mächte, die gegen die Ausbreitung des Protestantismus zu kämpfen hatten, traf in ein Bündnis mit dem Islam gegen das Heilige Römische Reich. Durch all dies verstieß er gegen die elementarsten Pflichten eines Königs und erhielt den verdiente den Tadel der aller echt katholischen Franzosen seiner Zeit, selbst derer, die ihm treu ergeben waren.
Der Gerechtigkeit Willen muss jedoch hinzugefügt werden, dass das Leben dieses großen Königs Höhen und Tiefen zeigte. Wenn in gewisser Hinsicht er ernsthaft seinen Verpflichtungen gegenüber der Kirche nicht nachgekommen ist, so hat er doch andererseits ihr auch gute Dienste geleistet, unter denen die weise Aufhebung des Edikt von Nantes (...).
Doch Alles in Allem, wahr ist, dass der König nicht seiner Aufgabe nachgekommen ist, zu der er von der göttlichen Vorsehung berufen worden war.
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Nun kommt die demütige Nonne aus Paray-le-Monial dazwischen. In einer Offenbarung teilte ihr der göttliche Erlöser mit, sie solle dem König sagen, er solle sich und sein Reich dem Heiligsten Herzen weihen. De Mitteilung wurde in Befehlston gesprochen und ließ deutlich vormerken, dass eine Ablehnung von Seiten des Königs, ihm und Frankreich die strengsten Leiden aufbürden würde.
Es ist eindeutig, dass das Heiligste Herz Jesu nicht nur eine Weihe „pro forma“ wollte, sondern eine echte Weihe, die eine Entsagung aller Sünden und Irrtümer des Monarchen voraussetzte.
Die hl. Margareta Maria schickte dem König die Botschaft über einen Adeligen, mit dem sie in Verbindung stand, der sie ihm überreichte. Doch Ludwig gab ihr keine Achtung, hielt sie für nicht wichtig. So wurde die Weihe nicht vollzogen.
Mit der Ablehnung dieser von der Vorsehung gesandten Gnadenquelle, schlitterte das Reich in die Abgründe der Gottlosigkeit und der Freigeisterei, bis das der Überlauf dieser Übel, die Französische Revolution, den Thron der Bourbonen zu Boden stürzte und über die ganze Welt die diabolische und zündende Fackel des Geistes der Aufruhr verbreitete.
Ludwig XVI im Gefängnis
Man weiß jedoch nicht, ob die Erinnerung an die Mitteilung der hl. Margareta in der Familie der Bourbonen sich erhalten hat oder ob folgende Handlung Ludwig XVI. eine spontane fromme Bewegung war. Es wurde nämlich unter den Papieren, die der König im Gefängnis des Tempels hinterlassen hat, ein Schriftstück gefunden, in dem er Gott versprach, falls er die Revolution lebend überstehen würde, sich und Frankreich feierlich dem Heiligsten Herzen Jesu weihen, und dass er sofort im Gefängnis diese Weihe privat vollziehen würde. So glaubte er hoffen zu können, dass das Heiligste Herz Jesu Frankreich aus den Gräueln der Revolution herausziehen würde.
Der fromme und unglückliche Monarch vollzog also im Gefängnis den Weiheakt, den sein Vorfahre sich geweigert hatte in der Pracht und Herrlichkeit des Schlosses von Versailles durchzuführen. Es scheint aber, dass die Stunde der Barmherzigkeit schon abgelaufen und es schon zu spät war, den Lauf der göttlichen Gerechtigkeit aufzuhalten.
Persönlich wurde Ludwig XVI. mit der Gnade belohnt, auf erbaulicher Weise zu sterben. Einige meinen er sei den Tod eines Märtyrers gestorben. Als er zum Schafott hinaufstieg, erzählt man, wollte der Henker seine Hände mit Stricken fesseln, was er mit aller Entschiedenheit verweigerte, so dass es zu einem kurzen Handgemenge kam. Der König wandte sich dann zu seinem Beichtvater, der ihn begleitete, und fragte, was er davon hielte. Sofort antwortete der Priester: „Wenn Eure Majestät sich fesseln lassen, wird ihr Tod ein weiteres Merkmal der Ähnlichkeit mit dem Tod unseres Erlösers haben“. Ohne zu zögern gab der König den Widerstand auf. Kurz darauf fiel sein Kopf unter der Klinge des Fallbeils. Der Priester, der ihn begleitete, rief aus: „Sohn des hl. Ludwig, steige zum Himmel hinauf“!
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Es ist möglich, dass die Stunde die Barmherzigkeit vergangen war. Doch nicht endgültig. In Frankreich gab es von dieser Zeit an zu viele Heilige, dass man sagen könnte, die Stunde der Barmherzigkeit Gottes wäre vorbei. Selbst heute, wenn Frankreich in tiefer Trauer liegt und eine Hälfte der Bevölkerung die andere nicht mehr anerkennt, kann man behaupten, dass es Heilige gibt. Wirkliche Heilige, authentische Heilige, die im Halbdunkel des Landes leben und durch ihre Buße, Gebete und Arbeit das große Frankreich von Morgen vorbereiten, das weder das liberale Frankreich von Gestern sein wird noch das totalitäre Frankreich von Vichy, aber das katholische Frankreich Unseres Herrn Jesus Christus.
Während in Europa die Gesetzgeber eine Reform der Institutionen, das Militär eine Reform der Grenzen, die Banken eine Reform der Wirtschaft ganz nach dem Geschmack der modernen Häresien durchführen, führen im Halbdunkel die Heiligen eine Reform der Seelen durch. Durch eine echte Reform der Seelen werden sie die falschen Reformen der Institutionen und der Wirtschaft zerstören.
Therese Neumann
Keinen anderen Sinn hat das Werk der großen und heiligen Therese Neumann, die die Vorsehung wie eine Blume der Hoffnung und des Trostes in Deutschland gepflanzt hat, das von einem grauen Mantel bedrückender Traurigkeit bedeckt ist. Es sind Seelen wie Therese Neumann, die die großen Siege erreichen über Menschen wie Hitler. Mit Sicherheit ist Therese Neumann nicht die einzige Sühneseele in Deutschland und es fehlen in Frankreich bestimmt nicht ähnliche wie sie...