Heiliger
des Tages vom 8. April 1971
Plinio Correa de Oliveira
Wenn Er schon sein Leben auf diese grausame Weise aufopferte, wenn Er schon die ganze Menschheit loskaufte, wenn Er schon diese besondere Beziehung mit der Menschheit einging, nach der Er das Haupt des Mystischen Leibes, dass die Kirche ist und dauerhaft durch die Gnade bei allen Menschen ist, bis ans Ende der Welt. So dass Er die Seele unserer eigenen Seele sein würde, die Triebkraft unseres ganzen Lebens sein würde, in dem was sie am edelsten, am gehobensten hat, das ist das übernatürliche Leben, das geistige Leben. Wenn dem so ist, dann müssten wir annehmen, dass Er wirklich in den Himmel auffuhr und das seine reale Gegenwart nie mehr auf Erden gespürt und nie wieder beobachtet würde?
Alles rief, alles flehte, dass unser Herr
nicht unwiderruflich von den Menschen getrennt werden möge. Das heißt, so viel
Verbundenheit auf der einen Seite und eine so Vollständige, so langanhaltende,
so unheilbare Trennung auf der anderen Seite? Ich will damit nicht sagen, dass
die Erlösung und das Opfer am Kreuz Gott logischerweise die Einsetzung der
Heiligen Eucharistie auferlegt hätten, wenn man so sprechen kann. Mir scheint,
eine solche Aussage wäre übertrieben. Aber man kann sagen, dass alles
aufschrie, alles rief, alles flehte, dass unser Herr sich nicht auf diese Weise
von den Menschen trennen möge.
Und ein Mensch mit architektonischem
Verständnis sollte voraussehen, dass unser Herr einen Weg schaffen würde, immer
gegenwärtig zu sein, immer bei jedem der von ihm Erlösten. So dass es die
Himmelfahrt geben würde, während er gleichzeitig immer im Himmel auf dem ihm
gebührenden Thron der Herrlichkeit weilte, dass er aber jeden Menschen auf
seinem leidvollen Weg hier auf Erden Schritt für Schritt begleiten würde. So
dass er jedem Menschen in allen Leiden des Lebens beistehen würde, bis zu dem
Augenblick, in dem der Mensch seinerseits sagen würde: „Es ist vollbracht.“
Die wunderbare Gemeinschaft
unseres Herrn mit den Seelen
Wie würde dieses Wunder vollbracht werden?
Niemand konnte es erahnen. Doch dieser Mensch sollte äußerst misstrauisch werden,
wenn ein solches Wunder geschehen könnte. Es entspricht in höchstem Maße der
Qualität des Erlösers unseres Herrn Jesus Christus, unseres Vaters, unseres
Beschützers, unseres Arztes, unseres göttlichen Freundes, dieses Wunder für uns
zu vollbringen.
Und ich glaube, wenn ich die Kreuzigung
miterlebt und von der Himmelfahrt gewusst hätte, selbst wenn ich die
Eucharistie nicht kennen würde, würde ich beginnen, Jesus Christus auf Erden zu
suchen, weil ich mich nicht davon überzeugen könnte, dass er nicht mehr unter
den Menschen weilt.
Diese wahrhaft wunderbare Gemeinschaft wird
gerade durch die Eucharistie ermöglicht. An allen Orten der Erde, zu allen
Zeiten, ist er gegenwärtig. Er ist gegenwärtig in prächtigen Kathedralen, er
ist gegenwärtig in ärmlichen kleinen Kirchen. Wie oft finden wir auf unseren
Reisen entlang der Landstraßen kümmerliche, winzige Kapellen, groß genug, um
nur zwanzig oder dreißig Landbewohnern Schutz zu bieten, verstreut inmitten
weiter Felder. Wir fahren daran vorbei und sind bewegt von dem Gedanken: Unser
Herr Jesus Christus war, ist oder wird noch immer wahrhaftig in dieser Kapelle
gegenwärtig sein. In dieser kleinen Kapelle war er gegenwärtig mit der ganzen
Herrlichkeit des Berg Tabor, mit der ganzen Erhabenheit des Golgota, mit dem
ganzen Glanz der Göttlichkeit. So vervielfachte er seine anbetungswürdige
Gegenwart auf der ganzen Erde.
Wir sehen die Menschen, denen wir in einer
Kirche begegnen, und denken: Dieser empfängt die Kommunion, jener empfängt die
Kommunion, jener empfängt auch die Kommunion. Ob würdig oder unwürdig, unser
Herr Jesus Christus war in diesem Menschen gegenwärtig. Vielleicht diese Woche.
Vielleicht heute. Vielleicht wird er morgen gegenwärtig sein. Wir denken: Hier
ist ein Mensch, in dem unser Herr Jesus Christus gestern gegenwärtig war. Er
wird morgen gegenwärtig sein. Er wird so oft gegenwärtig sein. Ein Mensch, der,
und sei es nur für Minuten, in ein lebendiges Tabernakel verwandelt wird. Aber
weit mehr als ein Tabernakel, denn das Tabernakel enthält die Gestalten, aber er
kommuniziert sie nicht. Wir aber werden die heiligen Gestalten empfangen, die
in uns auf die Zunge gelegt werden.
Da können wir das gewaltige Werk der
Barmherzigkeit, dass unser Herr mit der Einsetzung der Heiligen Eucharistie
vollbrachte, richtig ermessen. So wie seine Gegenwart unendlich wertvoll ist,
so ist auch die Tatsache, dass er unter den heiligen Gestalten auf der ganzen
Erde und in allen Menschen, die bereit sind, ihn zu empfangen, wahrhaft
gegenwärtig ist, von unendlichem Wert.
Und es ist auch von großem Wert, sich die
unzähligen Stunden vorzustellen, die er verlassen in den Tabernakeln verbringt,
angebetet nur von den Engeln, den Heiligen des Himmels und der Gottesmutter.
Die Menschen sind abwesend und fern. Er, der darauf wartet, dass ein Mensch
kommt und ihn empfangen will. So unterwirft sich das Unendliche dem Endlichen,
er, der Reinheit und Vollkommenheit in Person ist, den guten Gesinnungen und,
was noch schlimmer ist, manchmal den schlechten Gesinnungen derer, die ihn unwürdig
empfangen.
Ein kurzer Gedanke an die
Eucharistie, und unsere Seele wird von Erkenntnis, Freude und Dankbarkeit
erfüllt
Ein kurzer Gedanke daran genügt, und unsere
Seele wird von Erkenntnis, Freude und Dankbarkeit für das erfüllt, was unser
Herr beim Letzten Abendmahl vollbracht hat. Nur göttliche Intelligenz konnte
die Heilige Eucharistie ersinnen und sich dieses Mittel vorstellen,
allgegenwärtig zu sein und alle Menschen zu erreichen. Nur Gott konnte dies
vollbringen.
Und an dem Tag, an dem dieses Sakrament eingesetzt
wurde, ist es, so bekannt diese Wahrheiten auch sein mögen, unerlässlich, ja verpflichtend,
dass wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten und durch die Muttergottes Gott
unermesslich für
die Einsetzung der Heiligen Eucharistie danken.
Nur durch die Muttergottes? Sollen wir sie
nur als Mittlerin für diese Gnaden benutzen? Wenn es stimmt, dass jede Gabe des
Himmels an die Menschheit eine Gabe ist, um die sie gebeten hat, denn ohne
diese Bitte wäre die Gabe nicht gegeben worden, dann stimmt es auch, dass die
Muttergottes die Einsetzung der Heiligen Eucharistie von unserem Herrn Jesus
Christus erbeten hat. Und durch ihre Fürsprache hat er sie eingesetzt.
Es ist daher wahr, dass wir ihr auch für die
Heilige Eucharistie danken müssen. Ihm, der sich herabließ, die Eucharistie
einzusetzen, ihr, die, von Gnade bewegt, Gott um diese überaus hohe Gnade bat
und sie für uns erlangte. Dieser Gedanke muss uns in diesem Augenblick
unweigerlich begleiten.
Ein gläubiger Mensch, der die Kreuzigung
miterlebt hat, würde es auch als architektonisches Meisterwerk betrachten, dass
ein solcher Akt wiederholt wird. Genau das geschieht in der Messe. Doch es gibt
noch einen zweiten Gedanken, der ebenfalls präsent sein muss. Er betrifft die
Messe selbst. Die Eucharistie ist sozusagen eine Folge der Messe. Sie alle
wissen sehr wohl, dass die Wandlung in dem Moment geschieht, in dem unser Herr
Jesus Christus sein Leiden erneuert. Das heißt, das Wesen der Messe, die
Erneuerung des Leidens unseres Herrn Jesus Christus, das Wesen der Messe wird
in der Wandlung gegeben. Es ist der Akt, durch den Brot und Wein durch die
sakramentalen Worte des Priesters zum Leib und Blut unseres Herrn Jesus
Christus werden. Es ist dieser Akt, der zugleich Opfergabe, Aufopferung und der
bestimmende Akt der Realpräsenz ist, die dann in den heiligen Gestalten, in den
Tabernakeln, aufbewahrt wird.
Wir müssen an den unendlichen Wert der
Erneuerung des Kreuzesopfers denken. Das Kreuzesopfer selbst hat einen
unendlichen Wert. Und jedes Mal, wenn es von unserem Herrn Jesus Christus dem
Ewigen Vater erneut dargebracht wird, wiederholt sich das Kreuzesopfer.
So würde ein Mensch, der nach dem
„Consummatum est“, nachdem die heiligen Frauen den Leichnam empfangen hatten,
nachdem er einbalsamiert worden war, nachdem die Muttergottes über ihn geweint
hatte, nachdem er zum Grab gebracht worden war, nachdem das Kreuz allein auf
den Höhen von Golgatha gestanden hatte und nachdem alle gegangen waren, ein
Mensch, der dort allein mit einem Herzen voller Glauben stünde, versteht, dass
dieses Kreuz das Symbol eines Aktes war, der ebenfalls wiederholt werden
musste, eines Aktes, der, nach derselben Logik, unbedingt vervielfältigt werden
musste. Und von einer Tat, die sich in der Tat auf ungeheure Weise auf der
ganzen Erde ausbreitete und bis zum Ende der Welt andauerte.
Theologen sagen, dass das Messopfer einen so
unschätzbaren und absolut wörtlichen Wert besitzt, dass, wenn an einem
bestimmten Tag die Feier der Heiligen Messe eingestellt würde, Gottes
Gerechtigkeit über die Welt hereinbrechen und alles vernichten würde.
Es gab also einen Maler – ich erinnere mich
nicht mehr, welcher –, der ein wunderschönes Bild malte, das die letzte Messe
auf Erden darstellte. Inmitten von Chaos und Unordnung feierte ein Priester die
Messe und brachte Gott das Opfer dar. In diesem Augenblick waren alle Engel
bereit, auf die Erde herabzusteigen, um Gottes Rache am Ende der Welt zu
vollstrecken. Doch sie hielten inne und warteten, bis die letzte Messe gefeiert
war. Denn so groß ist Gottes Ehrfurcht vor dem Opfer, das er selbst darbrachte
und ihm dargebracht wurde, dass nicht einmal die Notwendigkeit, die Welt zu
beenden, Gott dazu bewegen konnte, seine Rache zu beschleunigen, bevor das
Folgende vollendet war.
Wir müssen auch bedenken, dass dies der Tag
der Einsetzung des Priestertums war. Die Weihevollmacht wurde den Aposteln bei
dieser Gelegenheit verliehen. Es gab also drei miteinander verbundene Wunder,
zu denen die Fußwaschung hinzukommt. All dies geschah an dem Tag, an dem unser
Herr Jesus Christus sozusagen die Reihe der Wunder, die seine Kirche ist,
vollendete.
Ein Tag der Freude,
durchzogen von Trauer
Doch der Tag der Eucharistie, der ein Tag der
Freude sein sollte, der Tag der ersten Messe, der ein Tag des Jubels sein
sollte, ist ein Tag der Freude, durchzogen von Trauer. Trauer angesichts des
nahenden Leidens unseres Herrn, Trauer angesichts des satanischen und
bestialischen Hasses, der selbst im Abendmahlssaal brodelte, wo unser Herr
Jesus Christus sein Werk vollendete. Trauer angesichts der Lauheit der Apostel,
ihrer Schwäche, die dennoch die ersten und unmittelbarsten Nutznießer all
dieser Wunder waren. Trauer angesichts des Sohnes des Verderbens, der unter den
Aposteln saß und das abscheuliche Verbrechen begehen sollte, das schlimmste
Verbrechen der Geschichte: unseren Herrn Jesus Christus für dreißig Silberlinge
zu verkaufen.
Unser Herr Jesus Christus, Gott, der alles
vorhergesehen hatte, was geschehen sollte, zögerte dennoch nicht, so viele
Wunder über diese armen Menschen zu bringen, die bald all das tun würden, was
sie taten, und über den Schurken schlechthin, der all das tat, was er tat.
Eine unerschütterliche Gnade Gottes, die
durch nichts erschüttert oder aufgehoben werden kann. Bitten wir die
Muttergottes, uns so zu behandeln, wie sie die Apostel behandelte.
Dort sehen wir, was Berufung bedeutet. Dort
sehen wir, was für eine unerschütterliche Gnade Gottes ist, die durch nichts
erschüttert oder aufgehoben werden kann. Er wollte diese Apostel zu den Säulen
seines Reiches machen. Er wollte das Reich auf Erden errichten. Tatsächlich
überschüttete er diese Apostel mit Gaben. Sie waren untreu, aber diese Gaben
gingen nicht verloren. Die Apostel wurden schließlich treu, und die Absichten
unseres Herrn Jesus Christus, sein Plan, erfüllten sich.
Hier haben wir eine Vorstellung davon, was
Gnade für diejenigen sein kann, denen die Muttergottes eine große Berufung
geschenkt hat. Und wir haben Grund, uns inmitten unserer unzähligen Schwächen
selbst zu ermutigen. Die Muttergottes hat uns im gleichen Maße mit wahren
Wundern beschenkt. Doch welchen Beitrag haben wir zu dieser Berufung geleistet?
Wie viele Gründe gibt es heute, uns an die
Brust zu schlagen! Wie viele Gründe gibt es, über unsere hastigen Beichten,
unsere mechanisch und hastig empfangenen Kommunionen ohne wahre Frömmigkeit
nachzudenken? Wie viele Gründe gibt es, an die tausend Male zu denken, in denen
wir unserer Berufung nicht gerecht geworden sind?
Doch die Muttergottes beschützt uns
weiterhin, hilft uns weiterhin und schenkt uns weiterhin Gnaden jeder Art. Wir
dürfen hoffen, dass sie in ihrer Barmherzigkeit die Absicht hat, uns trotz all
unserer Unzulänglichkeiten, unserer Bedürfnisse und unserer Untreue für immer
als ihre Apostel zu bewahren, für die Errichtung des Reiches Mariens.
So müssen wir uns vor ihr verneigen und sie
bitten, uns so zu behandeln, wie sie die Apostel behandelt hat, und dass sie
uns eine ähnliche Behandlung von unserem Herrn Jesus Christus erbittet. Das
heißt, dass sie unsere Schwächen und unser vergangenes und gegenwärtiges Leid,
ja sogar unser zukünftiges, nicht übersieht, damit sie den Bund der
Barmherzigkeit, den sie mit uns schließen wollte, nicht bricht. Damit sie
diesen Bund bewahrt und bald den tausendfach glücklichen Tag bringt, an dem sie
unsere Treue bestätigt. Und an dem wir ihr endlich Grund zu einer beständigen,
dauerhaften, tiefen und unversehrten Freude sein können, dank unserer großen
Treue.
Um diese Gnade sollten wir besonders am
Gründonnerstag bitten. Denn sobald die Seelen lau werden, kann keine
Offenbarung der Barmherzigkeit Gottes sie mehr bewegen, weil sie verhärtet
sind.
Hier seht wir das Wunder der Liebe Gottes und
zugleich den Schrecken menschlicher Lauheit. Das heißt, während unser Herr
sprach, wurde er gütiger, liebevoller, als ob er ihnen sein Innerstes
offenbarte. Und so wurde er erleuchtet, dass er in den Augen aller wie eine
vollkommen leuchtende, ja fast widersprüchliche Gestalt erschien. Dadurch wurde
seine Göttlichkeit verständlich, ja sichtbar. Wie nahmen die Apostel dies wahr?
Gleichgültig. Was alle anderen Jahrhunderte in Erstaunen versetzt hatte,
bedeutete ihnen nichts. Sie dachten an ihre Beliebtheit in der Stadt, an die
Palmsonntagsprozession, die ins Stocken geraten war und ihnen nicht die
irdische Bedeutung verliehen hatte, die ihnen zustand. Und deshalb waren sie
weit entfernt von dem Wunder, das unser Herr zu ihren Gunsten bewirkte.
Wir sehen, wie sich die Analogien wiederholen
und wie oft sich die Offenbarungen seiner Güte in unserer Gruppe vervielfachen,
wodurch immer deutlicher und transparenter wird, dass die Gruppe Ihre Gruppe
ist, dass die Gruppe, die von ihr geliebte und von ihr berufene Gruppe ist,
eine große Mission zu erfüllen.
Doch während die Gebete schwächer werden,
beginnen die Menschen, über irdische Dinge nachzudenken. Sie denken über ihre
menschliche Rolle nach, darüber, was dieser oder jener denkt, über ihr
erbärmliches kleines Selbst. Und von dem Moment an, in dem die Seelen in diese
Reihe treten, gibt es keine Wunder mehr, die sie bewegen, keine Offenbarungen
von Gottes Barmherzigkeit, die sie berühren, denn sie sind verhärtet. Warum
verhärtet? Sie lieben etwas anderes. Was lieben sie sonst noch? Sie lieben sich
selbst. Und deshalb lieben sie es, vor anderen eine große Rolle zu spielen.
Hier liegt der Größenwahn, hier liegt die Quelle der Lauheit. So wird eine der
erhabensten Taten der neutestamentlichen Geschichte, eine der schönsten Taten,
in der unser Herr diese Seelen zu bewegen sucht, indem er mit immer größerer
Zuneigung zu ihnen spricht, von ihnen mit der Gleichgültigkeit aufgenommen, die
sie Stunden später im Garten Gethsemane an den Tag legen werden. Sie erinnern
sich nicht einmal mehr an all die Gaben, die ihnen zuteilwurden. Sie hatten nur
einen Gedanken: schlafen. Sie wollten sich ausruhen. Sie konnten nicht eine
Stunde lang mit unserem Herrn wachen, der ihnen kurz zuvor das Wunder der
Heiligen Eucharistie offenbart hatte.
Selbst dort kann sich die Gleichgültigkeit
breitmachen. Das heißt: verächtliche Gleichgültigkeit gegenüber den Gaben
Gottes, ungeheure Seelenhärte, die ausschließliche Beschäftigung mit sich
selbst, mit sich selbst, mit sich selbst. Es ist erschreckend!
Ein Anliegen für die morgige Kommunion: dass
die Muttergottes uns die andächtigste, ehrfürchtigste und zärtlichste Kommunion
unseres Lebens gewähre.
Sie haben die Reihe wunderbarer Taten unseres
Herrn bei dieser Gelegenheit gesehen. Sie hatten die Möglichkeit, besser zu
verstehen, mit welcher Ehrfurcht und welchem Respekt sie sich morgen dem
Allerheiligsten Sakrament nähern
sollen.
Morgen findet keine Messe statt, aber die
Heilige Kommunion wird in allen Kirchen ausgeteilt. Lesen Sie morgen früh oder
morgen vor der Kommunion bitte das Evangelium und die Konkordanz der Heiligen
Evangelien, insbesondere den Abschnitt, der sich damit befasst. Bitten wir die
Muttergottes, in Ihren Seelen all die Gnaden neu zu entfachen, die Sie bei
früheren Kommunionen nicht empfangen haben. Bitten Sie die Muttergottes darum –
und dies ist mein Anliegen für morgen –, dass die morgige Kommunion alle Gnaden
der schönsten Kommunion Ihres Lebens in sich birgt.
Seien Sie darüber hinaus noch ehrgeiziger.
Bitten Sie die Muttergottes, dass die morgige Kommunion die schönste Ihres
Lebens sei. Dass Sie, im Gedenken an diese wunderbaren Ereignisse, im Gedenken
an den erhabenen Tod unseres Herrn Jesus Christus, im Gedenken an all diese
Ereignisse, morgen die besinnlichste, die ehrfurchtsvollste und die zärtlichste
Kommunion Ihres ganzen Lebens empfangen mögen. Sie könnten die Muttergottes um
keine größere Gnade bitten.
Der Beweis dafür, dass diese Gnade empfangen
wurde, liegt darin, dass ihr danach großzügiger seid, weniger an euch selbst
denkt, weniger an eure kleinlichen Interessen, eure Belanglosigkeiten, eure
Eitelkeiten, eure Selbstliebe, und nicht mehr im Mittelpunkt stehen wollt.
Vielmehr soll die Heilige Jungfrau Maria, die Heilige Katholische Kirche, die
von unserem Herrn Jesus Christus eingesetzt wurde, im Mittelpunkt stehen. Kümmert
euch wenig um euch selbst, ob ihr wichtig seid oder nicht, ob ihr als zentrale
Figuren anerkannt werdet oder nicht, ob andere euch ausnutzen oder nicht. Seid
allein auf die größere Ehre Gottes bedacht, gemäß dem Motto des heiligen
Ignatius von Loyola: „Zur größeren Ehre Gottes – Ad maiorem Dei gloriam“.
Das empfehle ich euch für morgen.
* * *
Die Heiligkeit des
Karfreitags: Die gesamte Christenheit zieht sich in eine Art tiefe Stille
zurück.
Ich wollte Sie an die Atmosphäre erinnern,
die laut alter Traditionen den Karfreitag umgab. Ich erinnere mich noch gut
daran – ich weiß nicht, wie es in spanischsprachigen Ländern ist –, als der
Karfreitag ein so heiliger Tag war, ein Tag der Besinnung, dass jeglicher Lärm
auf den Straßen verboten war. Die Lokomotiven, die die Züge zogen – damals das
wichtigste Transportmittel; Straßen hatten, zumindest in Brasilien, noch nicht
begonnen, die Eisenbahn zu ersetzen –, pfiffen nur kurz, und zwar nur dann, wenn
es unbedingt nötig war, um Unfälle oder Ähnliches zu vermeiden.
Autos hupten nur, wenn es absolut notwendig
war. Die Menschen gingen in Schwarz gekleidet durch die Straßen, sprachen leise
und vermieden es, Freude zu zeigen. Trafen sich beispielsweise zwei Bekannte
oder zwei befreundete Familien, vermieden sie es, zu viel zu lächeln oder
bestimmte laute Ausdrücke zu verwenden wie: „Hallo, wie geht’s?“
Zu Hause durften Kinder nicht lachen, sie
durften kein Spielzeug basteln, das Geräusche machte. Die Menschen verbrachten
den ganzen Tag mehr oder weniger in Stille und sprachen nur über Dinge, die
nicht allzu profan waren.
So gedachten sie des Todes Jesu Christi und
der Tatsache, dass sich sein Tod an diesem Tag in gewisser Weise wiederholte.
Dieser Gedanke durchdrang die gesamte Atmosphäre. Und dass wohl die gesamte
Christenheit in tiefer Besinnung war und sich in einen tiefen Rückzug begab.
Gegen halb drei begannen die Familien, die zu
Mittag gegessen hatten, sich in die Kirchen zu begeben, die bis auf den letzten
Platz gefüllt waren, um die Stunde, in der unser Herr Jesus Christus starb –
also drei Uhr –, in der Kirche, neben dem Grab, zu verbringen. Ein Priester
hielt eine Predigt über die Todesangst unseres Herrn. Lange Predigten, die
großen Predigten dieses Anlasses, in denen die sieben letzten Worte unseres
Herrn am Kreuz erläutert wurden.
Und als der Prediger schließlich verkündete,
dass unser Herr gestorben sei, knieten er und die ganze Gemeinde nieder, die
Rasseln klangen usw. Die Glocken verstummten. Die Altäre waren ohne Schmuck,
ohne Blumen, ohne alles. Das ganze Land war in tiefer Trauer um das Leiden
unseres Herrn Jesus Christus.
Diese Trauer war natürlich vollkommen
gerechtfertigt. Doch tatsächlich war es nicht nur eine Trauerfeier. Nicht nur
wurde das Leiden unseres Herrn Jesus Christus in gewissem Sinne an diesem Tag
mit der Kommunion der am Vortag konsekrierten Hostien vollendet. Es ist auch
wahr, dass die Kirche zu jedem liturgischen Fest eine besondere Gnade spendet.
Und so breiteten sich all die besonderen Gnaden des unendlich kostbaren Todes
unseres Herrn Jesus Christus in besonderer Großmut in der ganzen Kirche aus, um
in den Gläubigen jene Seelenhaltung zu erwecken, die sie hätten haben sollen,
wären sie auf Golgatha gewesen, im Augenblick des Todes unseres Herrn.
Die Idee ist folgende: Jeder soll die Szene
von Golgatha nachempfinden. Und jeder soll in Bezug auf die Passion genau die
Seelenhaltung einnehmen, die er gehabt hätte, wäre er selbst dabei gewesen. So
sollte die Christenheit über die Jahrhunderte hinweg mit dem Leiden unseres
Herrn verbunden werden. Und was bedeutet das? Unser Herr sah vom Kreuz herab
alles, was geschah. Nicht nur das, was dort geschah und was er durch
menschliches Wissen erkannte, sondern auch, durch offenbartes und göttliches
Wissen, alles, was in den folgenden Jahrhunderten geschehen würde. Er sah daher
nicht nur alle Verbrechen gegen die Eucharistie, die begangen werden würden,
sondern auch alle Akte der Anbetung, die vollzogen werden würden, all die
Liebe, die ihm aufgrund seines Tuns in diesem Augenblick entgegengebracht
werden würde. Er sah dann, wie ihn durch die Zeitalter hindurch alle Völker der
Erde anbeteten.
Dieser Text ist die
Abschrift eines Vortrags von Professor Plinio Corrêa de Oliveira über den
Gründonnerstag.
Die
deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in
www.p-c-o.blogspot.com
©
Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs
gestattet.

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