Mittwoch, 21. Juni 2017

Leutfred, ein Heiliger der Gerechtigkeit und des heiligen Zorns


Fenster in der Kirche Saint-Ouen, Rouen, Frankreich

Wir wollen einen Auszug lesen aus dem Leben des hl. Leutfred, entnommen aus dem Buch Heiligengestalten von Ernest Hello.
Leutfred war ein außerordentlicher Heiliger, ist aber wenig bekannt. Er ist ein Beispiel für unsere mittelmäßige und niveaulose Zeit.

Er wurde in einer gehobenen Familie in Neustrien im siebten Jahrhundert geboren, vor dem Einfall de Normannen. Kaum war er in die Jahre gekommen, da die Vernunft im Menschen erwacht, als er den Beruf zum Priester in sich fühlte und ihm heimlich, gegen den Willen seiner Eltern, nachging. Er verließ seine Familie und wurde Benediktiner.  Nach vielen Mühen und Kämpfen gründete er die Abtei des Heiligen Kreuzes. Da begannen die Verfolgungen. Er wurde bei dem Bischof von Evreux angezeigt als einen vermessenen und aufrührerischen Menschen, der sich nur von seinem Eigensinn leiten ließe und der rechtmäßigen Gewalt den Gehorsam verweigere.
Hierauf wurde er mit der Gabe, Wunder zu tun und der Prophetie, begnadet und war äußerst streng.
Leutfred hatte keine Haare mehr. Eine Frau kam vorüber und machte sich über ihn lustig. Sie hatte ganz leise gesprochen, niemand hatte es hören können. Aber Leutfred kehrte sich um zu ihr und sprach: „Warum macht du dich über einen Naturfehler lustig? Dein Hinterkopf soll nicht mehr Haare haben, als ich auf der Stirn habe und bei deinen Nachkommen soll es ebenso sein.“ Es kam wie Leutfred gesagt hatte.

Bauern arbeiteten am Sonntag auf dem Acker und kümmerten sich nicht um die heilige Ruhe des Herrn. Als Leutfred den Frevel sah, richtete er die Augen zum Himmel und sprach: „Herr, möge dieser Acker ewig unfruchtbar sein, niemals trage er Korn oder Frucht!“ Sein Fluch war wirksam. Brombeersträuscher und Disteln bezeichneten fortan das verwunschene Feld und bedeckten es ganz.
Das sind wunderbare Geschichten!
Die Blinden neigen zu dem Glauben, daß Gerechtigkeit und erbarmen Feinde sind. Verständige Seelen wissen, dass sie Freunde sind, und erleuchtete Seelen wissen, dass sie von gleicher Art sind. Der hl. Leutfred besaß einen brennenden Eifer für Gerechtigkeit, aber noch stärker glühte das Erbarmen in ihm, denn wenn diese beiden Kräfte miteinander streiten, so hat das Erbarmen eine gewisse Überlegenheit im Kampf.

Dieses Prinzip ist wichtig. Der hl. Leutfred war beides, gerecht und barmherzig. Diese beiden Tugenden müssen Hand in Hand gehen.

Gewaltig wenn er verflucht, und gewaltig wenn er liebt, groß in seiner Liebe für die Armen und groß in seinem Hass gegen die Ungerechtigkeit: Diese Grundrichtungen entwickeln sich gleichlaufend sein ganzes Leben hindurch.
Als einer seiner Mönche gestorben war, fand man drei Geldstücke bei ihm, die er nicht hätte behalten dürfen. Er hatte also das Gelübde der Armut verletzt. Leutfred, der äußerst streng war, verbot ihn in geweihter Erde zu begraben. Er ließ ihn abseits beisetzen, weit vom Friedhof in ungeweihter Erde. Als das geschehen war, verfiel Leutfred in tiefes Nachsinnen über diese Seele, die er, wie es fast schien, verdammt hatte. Da fiel ihm ein, jener könne vielleicht auf Erden rechtzeitig bereut und im Himmel erbarmen gefunden haben. So zog er sich vierzig Tage lang zurück und weinte und betete für die Seele dessen, den er scheinbar verworfen hatte.

Diejenigen, die nur einer gefühlsmäßigen Frömmigkeit nachgehen, werden das nicht verstehen. Mit solch einer Situation konfrontiert, werden sie sagen: „O, der Arme, vergebt ihm“, und halten ihn für gerettet. Der hl. Leutfred, im Gegenteil, befahl, ihn in ungeweihter Erde zu begraben und dann zog er sich zurück und bat um das Heil des Mönchen. Unser Herr selber besaß diese Kombination von Strenge und Erbarmen.

Und als die vierzig Tage vorüber waren, redete Gott mit Leutfred und ließ ihn wissen. Dass die Seele des Bruders vor ihm Gnade gefunden hatte, dass jener nicht nur nicht in die Hölle gekommen sei, sondern auch nicht mehr im Fegefeuer gehalten werde, dass die Gebete Leutfreds den befreit hatten, den die Gerechtigkeit Leutfreds zu verdammen schien.

Es könnte sich jemand wundern, wie das geschehen kann, wenn doch das persönliche Gericht sofort nach dem Tod eines Menschen stattfindet, wenn die Seele sich vom Leib trennt. Doch muss man wissen, dass man der Barmherzigkeit Gottes keine Grenzen setzen darf. Es kann ja sein, dass Gott den Mönch in einer Lage des Scheintodes versetzt hat, in Erwartung auf das Opfer und der Buße des hl. Leutfred. Auf jeden Fall, prallt diese Geschichte mit dem liberalen Gedanken aufeinander, der Mönch sei automatisch gerettet.
Der hl. Leutfred war besonders Zornig gegenüber dem Teufel.
Sehr oft reagieren die Menschen bei Versuchungen ängstlich gegen den Teufel. Sehr wenige habe ich gesehen, die mit heiligem Zorn und erbost gegen den Teufel kämpfen. Wir sollten alle danach streben, diesen heiligen Zorn zu gewinnen.
Wenn der Teufel sich annähert, müssen wir erfüllt sein mit Zorn und Hass, weil der Teufel der eingeschworene Feind Gottes und unserer Seelen ist. Er wünscht uns jegliche Art von Übel. Deshalb, wenn wir versucht werden, müssen mit militanter Abscheu reagieren, wie es der hl. Erzengel Michael getan hat.

Einmal eilte einer der Brüder zum hl. Leutfred, um ihn zu sagen, dass ein Blendwerk in seiner Gestalt in der Kirche sein Wesen treibe. Der Heilige erkannte seinen alten Feind, lief zur Kapelle und machte das Zeichen des Kreuzes über Tür und Fenster, wie um die Ausgänge zu versperren.

Klugerweise machte er zunächst den Teufel zum Gefangenen, damit er nicht entkommen konnte.

Er trat auf jenen hinzu, der es gewagt hatte sein Bild anzunehmen und schlug wütend auf ihn ein. Der Teufel wollte fliehen, aber die Ausgänge waren versperrt; das Kreuzzeichen war auf Türen und Fenstern. Die Gestalt hätte sich schnell wieder auflösen können. Aber es scheint, dass ihm hierauf die Erlaubnis verweigert wurde. Gott wollte ihn demütigen unter den körperlich versetzten, geistig gefühlten Hieben des hl. Leutfred und unter der Macht des Kreuzzeichens, das dem Gefangenen die Flucht verwehrte.

Das ist eine großartige Szene. Die Prügel wurde körperlich gegeben und geistig gespürt, alles unter dem Zeichen des Kreuzes. Ganz wie die Seelen der Verdammten, die im Feuer der Hölle schmoren, so fühlte auch der Geist des Teufels die Hiebe des Heiligen.
Natürlich peinigten und demütigten diese Hiebe den Teufel. Auch wir können seine Pein vermehren. Dies ist vor allem gut wenn der Teufel zum Angriff ansetzt. Der Gegenangriff ehrt die Muttergottes, indem man zeigt, dass der Gegenangriff ihrer Kinder gegenüber dem Teufel größer ist als sein Hass gegen die Menschen.

Gott zwang den Teufel, durch den Glockenturm zu entfliehen, damit seine Niederlage und seine Furcht deutlich erkennbar werde.


Der Teufel wurde gezwungen durch den Turm zu fliehen, unter den ständigen Hieben des Heiligen. Gerne hätten wir gesehen, wie der Heilige zum letzten Hieb aushob.
Wir können uns die Szene vorstellen: Der hl. Leutfred, ein alter Mann mit weißen Haaren und weißem Bart, aber noch gut in Form und dunkelbraune Augen. Er ist sehr stark und prügelt den Teufel mit äußerstem Zorn, behält aber trotz allem völlige Gelassenheit, während die Teufelsgestalt jammert und windet und durch den Turm verschwindet.
Wenn wir nur kämpfen und uns wehren in dem Maße wie uns unsere Angst antreibt, ist der Zorn wichtig. Wir müssen uns bemühen einen heiligen Zorn gegen den Teufel zu entwickeln, d.h. immer wachsam sein und niemals schlafen.
So wie die Mutter eines kranken Kindes mit wachem Herzen schläft, müssen auch wir schlafen mit einem Herz in immerwährender Wachsamkeit. Wir müssen in der Lage sein, dass selbst wenn wir schlafen, wir sagen können, dass wir eine brennende Fackel des Zornes gegen den Teufel sind.
Wir müssen sagen können: „Ich schlafe, aber mein Herz schaut mit Hoffnung auf eine Gelegenheit der Heiligsten Jungfrau die größte Ehre zu erweisen“.


(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, gehalten am 20. Juni 1967. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

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