Mittwoch, 11. Oktober 2017

Über die Gottesmutterschaft Mariens


Heute, 11. Oktober (1963) ist das Fest der Mutterschaft Mariens.

Wir sind in der Novene Unserer Lieben Frau von Aparecida.

Morgen ist das Fest unserer Lieben Frau von Aparecida, Hauptpatronin und Königin Brasiliens.

Sagen wir etwas über die Gottesmutterschaft der Allerseligsten Jungfrau Maria.

* Sieht ein Katholik in der Kirche etwas, was ihm merkwürdig erscheint, versucht er sich darin zu vertiefen, und ist sich sicher, dass das Geheimnis etwas Wunderbares hervorbringen wird
Die Wichtigkeit dieses Festes für die katholische Frömmigkeit, und besonders für uns, wegen unserer sehr besonderen Verehrung Mariens, bezieht sich auf die Tatsache, dass alle außerordentlichen Gnaden, die Maria erhalten hat und die sie zu einem einzigartigen Geschöpf im ganzen Universum und im Heilsplan Gottes machten, all diese Gnaden haben als Titel, Ausgangspunkt und einzigen Grund, dass Sie die Mutter Unseres Herrn Jesus Christus ist. Und diese Behauptung, dass Sie Mutter Unseres Herrn Jesus Christus ist, beinhaltet die von der Kirche gelehrte Behauptung, dass Sie Mutter Gottes ist. Könnte man einen besonderen Kommentar machen, in Hinblick auf unsere Vorstellungen dieser Wahrheit?
Man könnte folgendes erwägen: Schauen wir uns an, wie sich die Hierarchie in den Werken Gottes einrichtet und wie alle von Gottes geschaffenen Dinge nuanciert sind, und wie das einer katholischen Eigenschaft entspricht.
Der revolutionäre Geist steht für Vereinfachungen. Eine bösartige Zunge würde sagen, der revolutionäre Geist ist polytechnisch. Im Gegensatz liebt der gegen-revolutionäre Geist die Schattierungen, das Nuancierte, und wenn ihm etwas daherkommt, was schwer zu begreifen ist oder gar widersprüchlich, versteht er doch, dass sich hinter diesem anscheinenden Widerspruch im Grunde eine sehr schöne Wahrheit, eine unverdächtige Wahrheit verbirgt, die man am Ende herausfindet. Dies ist etwas, was ich mir seit meiner Kindheit angewöhnt habe im Bezug auf die Kirche.
Eine Überraschung, die ich mit der Kirche erfuhr, war, als ich in ihr merkwürdige Dinge zu sehen meinte, in die ich mich verwickelt sah. Doch mit der Zeit, wenn ich mich in die Sache vertiefte, merkte ich, dass je merkwürdiger die Dinge mir schienen, desto schöner war die Erklärung, die sich mir am Ende offenbarte.
So habe ich mich an den Gedanken gewöhnt, dass jeder Einwand, den man der Kirche gegenüber machen könnte, gleich einem kleinen Loch ist, das man am Strand sieht. Wenn man mit dem Finger nachbohrt, findet man eine Perlmuschel. So auch in der Kirche. Bei allem, was einem komisch vorkommt, was man nicht so richtig versteht, was widersprüchlich scheint, und keine sofortige Antwort oder Erklärung liefert, sollte man auf eine Erklärung warten können, bis die Muttergottes uns einen Hinweis gibt, das Rätsel oder den Zweifel zu verstehen. Dann wird daraus eine glänzende Perle zum Vorschein kommen, die unseren Geist erleuchtet.
* Mit der Einrichtung der hypostatischen Union mit der menschlichen Natur schuf Gott eine größere Herrlichkeit, als wenn Er sich hypostatisch mit der geistlichen Natur der Engel vereint hätte
Es ist der Kirche eigen, dass man in einer mit Widersprüchen gespickten Sache, am Ende immer eine tiefe Harmonie herausfindet, die von einer Grundwahrheit hervorkommt.
Gibt es für eine kartesianische Mentalität etwas absurderes, als eine Mutter Gottes?
Stellen wir uns jemand vor, der nie katholischen Unterricht gehabt hat und folgendes weiß: die Katholische Kirche lehrt, dass Gott ewig und ein reiner Geist ist; sie lehrt aber zugleich, dass es eine Mutter Gottes gibt. Und gerade eine Mutter... Wenn es einen Vater Gottes gäbe, könnte man sich das noch vorstellen. Aber gerade eine Mutter, wenn man nicht einmal weiß, wer der Vater ist... Diese Mutter ohne Vater, diese Mutter, aus Fleisch und Blut, eines geistlichen Wesens, diese zeitliche Mutter eines ewigen Wesens?
Wie man sieht, gibt es hier eine Reihe von Widersprüchen, die für einen Protestanten das Ganze unmöglich und absurd sein lässt: „Mutter Gottes? Unmöglich!“
Absurd ist es aber nur in der Betrachtung. Wenn es aber um die Kirche geht, gibt es nichts und nie etwas Absurdes. Es gibt eine äußerst tiefe und übergeordnete Harmonie, die an ein außerordentliches Prinzip gebunden ist. Man muss abwarten, um zu verstehen.
Und so soll man es sehen: Gott, der Ewige und Vollkommene, erschafft die Engel. In einem unteren Bereich erschafft er den Mensch. Doch die Fleischwerdung, die hypostatische Vereinigung (Gott-Mensch) erstellt er nicht mit einem Engel, sondern mit der menschlichen Natur. Dies scheint ein Widerspruch zu sein: die höhere Würde der Engel würde verlangen, dass die hypostatische Union sich mit einem Engel ergebe, und sofort mit dem höchsten, dem schönsten Engel. Doch nein, Gott erstellt die Hypostase mit einem Geschöpf mit menschlicher Natur, sagen wir, er übernimmt die menschliche Natur für sich. Er stellt so die hypostatische Union her, und indem Er sie auf diese Weise mit einem niederen Grad als der der Engel herstellt, bewirkt Er etwas viel herrlicheres, als wenn Er diese Verbindung mit einem Engel hergestellt hätte.
Denn hätte Er diese Union mit den Engeln hergestellt, hätte er damit nur die geistige Schöpfung geehrt, da er sie aber mit dem Menschen erwirkte, ehrt er damit nicht nur die Engel, denn durch seine Seele hat der Mensch Teil an der geistigen Welt, aber auch das ganze Reich der erschaffenen Materie, dessen Krönung der Mensch ist. Durch diese scheinbare Unstimmigkeit wird also der ganze Kosmos eher gewürdigt, als wenn die hypostatische Union sich mit der englischen Natur ereignet hätte.

* Die göttliche Mutterschaft Mariens ist eigentliche Wurzel der marianischen Andacht
Dann setzt Gott fest, dass nach der Heiligsten Dreifaltigkeit ein menschliches Geschöpf den höchsten Platz einnimmt, dass das „nec plus ultra“ der ganzen Schöpfung ist. Eine Art Hierarchie wird eingerichtet: Gott, der unendliche, unvergleichbar jeglicher Kreatur; dann kommt Unser Herr Jesus Christus bei dem die geschaffene Natur in der hypostatischen Union mit der zweiten Person der Dreifaltigkeit aufgenommen wird; als nächstes kommt dann eine reine Kreatur, und diese ist die Mutter Gottes.
Wir sehen, dass hier eine Art Hierarchie eingerichtet wurde, was etwas Bewundernswertes ist, doch mit vielen Strebepfeilern, die wie Stützpunkte das Gebilde aufrechterhalten: die Engel bleiben so halb beiseite, denn es ist mit der menschlichen Natur, mit der sich die hypostatischen Union realisiert, und gleich danach kommt ein reines menschliches Geschöpf. Da es aber kein eigentliches Zwischengeschöpf zwischen Gott und den Menschen gibt, ist dieses reine Geschöpf ein verbindender Bogen, ein Mittler zwischen Gott und dem Menschen, der vollkommenste Spiegel Gottes, der nur eine reine Kreatur sein kann. Hier haben wir die Stellung der Mutter Gottes.
Als Mutter Gottes, eingesetzt als die Königin der Engel, als Königin der Menschen, als Königin des Himmels und der Erde. Sie wurde bekleidet mit allen anderen Eigenschaften, allen anderen Gnaden, mit allen anderen Titeln, die sie besitzt, einschließlich des der Allvermittlerin, weil sie die Mutter Gottes ist.
So verweist das heutige Fest unsere Aufmerksamkeit und unsere Frömmigkeit auf das, was in gewisser Hinsicht die eigentliche Wurzel, der Urgrund der Marienverehrung ist: die göttliche Mutterschaft Unserer Lieben Frau.
* Es ist dem liturgizistischen Geist eigen, nur den höchsten Titel Marias zu verehren und alle anderen zu verachten
Das kann aber auch zu Fehlinterpretationen führen.
Vor etwa zwanzig Jahren hörte ich von einer Person, die die Kongregation in der Pfarrei St. Therese vom Kinde Jesu gründen wollte, und lud ein paar junge Leute zu dieser Kongregation ein. Es wurde diskutiert, bereits aber schon infiziert durch den liturgischen Virus, welchen Namen die neue Kongregation erhalten sollte. Einer von ihnen sagte: „Die Kongregation soll den Namen ,Unsere Liebe Frau Mutter Gottes‘ heißen.“ Nichts einzuwenden.
-„Aber warum hast du diesen ungewöhnlichen Titel gewählt?“
Antwort:
- „Weil letztendlich, das einzige was an Maria zählt, ist, dass sie Mutter Gottes ist. Alles andere ist nichts.”
Hier tritt bereits eine Unausgewogenheit ein. Es ist das gleiche wenn man sagen würde: an einem Baum, das einzige, was zählt, ist der Stamm. Das Geäst, die Blätter, die Blumen, die Früchte haben keine Bedeutung. Wenn man schon die richtige Lehre akzeptiert, sie aber von aller Komplexität, die sie enthält, reinigen will, all die Vielfalt von Titeln auszuklammern, um allein den Stamm beizubehalten, ist bereits eine falsche Position.
Wir spüren hier den Hauch des simplen, liturgizistischen, protestantischen Geistes unter dem Vorwand, zu den Wurzeln zu gehen und den Rest des Baumes nicht zu beachten. Der katholische Geist ist das Gegenteil: Diesem Titel Mariens hoch verehren, ihm Respekt gebühren, wie er es verdient, aber begierig, aus diesem Titel alle möglichen Konsequenzen zu ziehen.
Man soll also offen sein für die Tausend Aufrufungen, die es schon gibt und für weitere, die bis zum Ende der Welt noch geschaffen werden, um Maria unter diesem oder jenem Aspekt zu verehren, der immer eine Folge ihrer göttlichen Mutterschaft ist.
* Die kostbarste Gnade, die wir durch die Andacht zu Maria erhalten können, ist eine echte mütterliche Beziehung, die sie mit uns eingehen will
Es scheint mir, dass diese Anrufung einen sehr wichtigen Inhalt hat: dass die Gottesmutter Maria, weil sie Mutter Gottes ist, durch eine Reihe von Konsequenzen, unter einem besonderen Aspekt die Mutter der Menschen ist, und folglich unsere Mutter.
Ich glaube, dass die kostbarste Gnade, die wir in Sachen Marienverehrung erhalten können, ist, wenn sie darin einwilligt, durch erhabene Bande mit jedem von uns eine wirklich mütterliche Beziehung einzugehen. Das kann auf tausend Weisen geschehen, aber im Allgemeinen offenbart sie sich als Mutter, wenn sie uns aus irgendeiner Schwierigkeit auf eine Art herausführt, die uns völlig unvergesslich bleibt. Oder wenn sie uns ein Fehltritt verzeiht, der eigentlich nicht hätte vergeben werden können, aber den sie mit einer jener Gütigkeit, die nur Mütter haben, an uns vorbeigeht, vergibt und beseitigt, so wie unser Herr Jesus Christus im Vorbeigehen einen Aussätzigen von seiner Lepra geheilt hat. Und so gründlich, dass nichts mehr übrig bleibt.
In der Tat verdiente dort nicht verziehen zu werden, es gab keine mildernde Umstände, nichts verdiente dort als nur den Zorn Gottes, aber sie, als Mutter, mit ihrer souveränen Macht und mit einer Nachsicht, die nur Mütter haben, löscht sie mit einem Lächeln jede Schuld aus, und die Vergangenheit ist verbrannt und völlig vergessen.
Maria teilt solche Gnaden aus, und manchmal so, dass für ein ganzes Leben in der Seele eine Überzeugung wie mit Feuer eingeprägt wird, aber mit einem Feuer, das ein Feuer vom Himmel und kein Feuer von der Erde und noch weniger ein Feuer aus der Hölle ist, mit Feuer in der Seele diese Überzeugung eingeprägt wird, dass wir tausendmal zu ihr unsere Zuflucht nehmen können, in tausendmal schlimmeren unentschuldbaren Umständen, und sie wird uns immer wieder verzeihen, weil sie uns eine Tür der Barmherzigkeit geöffnet hat, die niemand schließen kann.
* Wir leben von einem Barmherzigkeitskredit, den Maria für uns eröffnet hat
Ich glaube, meine lieben Freunde, wenn diese Behauptung dem Glauben entspricht, es ist genau das, von dem wir leben. Es ist ein Kredit der Barmherzigkeit, den Unsere Liebe Frau für uns eröffnet hat. Aber von einer Barmherzigkeit, wie es sie selten gegeben hat, und wir sie daher nicht verdient haben, weil wir trotzdem alles weiterhin tun; sie hat aber dennoch noch einmal ein Lächeln, noch einmal eine Vergebung für uns, sie fischt uns noch einmal aus dem Schlamm. Das erinnert mich an ein Wort, das, wenn ich mich nicht irre, in der Apokalypse vorkommt: „Weil sie schwach waren, habe ich ihnen eine Tür geöffnet, die kein Mensch schließen kann“ (vgl. Offb 3,8) Ich sah hierin eine Anwendung an die Verehrung des Heiligen Herzen Jesu. Ich finde es äußerst legitim.
Ich denke, es ist auch sehr legitim, dies auf das Unbefleckte Herz Mariens und das Mütterliche Herz Mariens für uns anzuwenden.
Wenn man von einer besonderen Gnade unserer Bewegung spricht, heißt es nicht, dass es sich um eine verdiente Gnade handelt, sondern von der Gottesmutter ganz unverdient gegeben, weil sie sie geben will.
Ich kenne keine fühlbarere Wahrheit, die unserer Liebe und Dankbarkeit würdiger wäre. Weil, um ein schäbiges Bild zu geben, was mir gerade einfällt, wir stehen zur Muttergottes, wie Brasilien zu den Vereinigten Staaten: Wir zahlen unser Darlehen zurück, holen uns aber neue, in denen die Zinsen des bisherigen Darlehens einbezogen sind. Wir sind festgefahren und sitzen in der Klemme.
Mit dem Unterschied, dass sie uns behandelt, wie die Vereinigten Staaten sehr weit davon entfernt sind, unser Land zu behandeln. Wenn also die Gottesmutter am Ende dieses Tages uns eine Gnade gibt, ob wir mit uns zufrieden sind oder nicht, wenn sie uns die Gnade gibt, in den Tiefen unserer Seelen ein besonderes Gefühl des Vertrauens zu haben, ist es nicht weil wir ein Anrecht darauf haben, mit uns selbst zufrieden zu sein, sondern weil wir wissen, wie gut sie ist. Wenn sie uns diese Gnade gibt, glaube ich, dass der Tag und die Woche gut bezahlt worden sind.

Plinio Correa de Oliveira, Vortrag „Heiliger des Tages“ am 11. Oktober 1963.


Freie Übersetzung aus dem Portugiesischen. Der Originaltext ist die Abschrift einer Aufzeichnung, wurde vom Urheber nicht revidiert.

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