UMFELD, BRÄUCHE,
ZIVILISATIONEN
Plinio Corrêa de Oliveira
Ein Aspekt der Heiligen Kirche. In einer schwach beleuchteten Zelle, vor einem Kruzifix, das an den schmerzlichsten Tod aller Zeiten erinnert,
blättert ein Kartäusermönch in einem Andachtsbuch. In ein einfaches, ärmliches Habit gekleidet und mit langem Bart, scheint dieser Ordensmann die Verkörperung all jener Elemente zu sein, die seine Umgebung durchdringen: tiefe Ernsthaftigkeit, die feste Entschlossenheit, nur für das Tiefe, Wahre und Ewige zu leben, edle Einfachheit, ein Geist der Entsagung alles Irdischen, materielle Armut und schließlich die Erleuchtung durch die übernatürlichen Spiegelungen des höchsten spirituellen Reichtums.* * *
Ein weiterer
Aspekt der Heiligen Kirche.
Im gewaltigen Mittelschiff des Petersdoms zieht die päpstliche
Prozession majestätisch dahin. Das Foto zeigt nur einen Teil davon: einige
Kardinäle und die kirchlichen und weltlichen Würdenträger, die der Sedia
Gestatoria unmittelbar vorausgehen. An ihrer Spitze schreitet der Papst,
flankiert von den berühmten Flabelli und gefolgt von der Edel Garde.
Im Hintergrund erhebt sich der Altar der Confessio mit seinen eleganten
Säulen und dem prächtigen Baldachin. Und noch weiter hinten Berninis berühmte „Gloria“.
Die hohen, mit bewundernswertem Marmor verkleideten und mit Reliefs
geschmückten Wände, die zugleich leichten und gewaltigen Bögen, die Lichter,
die wie Sterne oder funkelnde Diamanten leuchten – kurzum, alles ist von einer
Erhabenheit durchdrungen, einem Reichtum, der den Gipfel dessen darstellt, was
die Erde in ihrer schönsten Form zu bieten hat. Es ist der größte Prunk, zu dem
der Mensch fähig ist, verstärkt durch die Pracht der Kunst und die Herrlichkeit
der natürlichen Ressourcen des Steins.
Was in dem einen Bild zurückhaltende Ernsthaftigkeit ist, ist in
dem anderen strahlender Glanz. Was in dem einen Armut ist, ist in dem anderen
Pracht. Was in dem einen Einfachheit ist, ist in dem anderen Raffinesse. Was in
dem einen Verzicht auf das Leben ist, ist in dem anderen die Fülle des
Erhabensten unter ihnen.
Widerspruch? Das würden viele sagen: Kann man denn zugleich
Reichtum und Armut, Einfachheit und Prunk, Pracht und Besinnlichkeit lieben?
Kann man zugleich die Abkehr von allem Irdischen preisen und deren
Zusammenführung für die Gestaltung eines Gemäldes, in dem die höchsten
irdischen Werte erstrahlen?
Das Problem ist hochaktuell, gerade jetzt, wo sich Papst Johannes
XXIII. mit so erbaulichem Eifer für die glanzvollen Traditionen des Vatikans
zeigt – sehr zum Erstaunen jener, die eine Mentalität wie Aneurim Bevan
verkörpern (der Labour-Chef ist ein Verfechter des Kampfes gegen jeglichen Pomp
und verfolgte einen Teil der Krönungszeremonie von Königin Elizabeth II. mit
dem Rücken zu ihr).
Nein, es besteht kein Widerspruch zwischen den verschiedenen
Wertesystemen, außer in den Köpfen der Egalitaristen, der Gleich macherei, der
Diener der Revolution. Im Gegenteil, die Kirche erweist sich als heilig, gerade
weil sie mit gleicher Vollkommenheit, mit demselben übernatürlichen Genie, die
Ausübung jener Tugenden zu organisieren und zu fördern weiß, die im stillen
Leben des Mönchs und jene, die im erhabenen Zeremoniell des Papsttums
erstrahlen, zu fördern und zu organisieren vermag. Mehr noch: Das eine gleicht
das andere aus. Man könnte fast sagen, dass das eine Extrem (im positiven Sinne
des Wortes) das andere kompensiert und mit ihm versöhnt wird.
Die theologische Grundlage, auf der diese beiden gegensätzlichen
Heiligen sich begegnen und harmonieren, ist klar. Gott, unser Herr, gab uns
Geschöpfe, damit sie uns auf dem Weg zu ihm dienen. Daher ist es notwendig,
dass Kultur und Kunst, vom Glauben inspiriert, die Schönheit der irrationalen
Schöpfung und den Glanz der Talente und Tugenden der menschlichen Seele
hervorheben. Dies ist christliche Kultur und Zivilisation. Dadurch werden die
Menschen in Wahrheit und Schönheit, in der Liebe zum Erhabenen, zur Hierarchie
und zur Ordnung geformt, die im Universum die Vollkommenheit dessen
widerspiegeln, der es geschaffen hat. So dienen die Geschöpfe tatsächlich
unserem Heil und der göttlichen Ehre. Andererseits sind sie aber vergänglich;
nur Gott ist absolut und ewig. Dies gilt es zu bedenken. Deshalb ist es gut,
sich von den Geschöpfen zu distanzieren, damit man in ihrer Verachtung allein
an den Herrn denkt. Auf dem einen Weg, indem man alles betrachtet, was die
Geschöpfe sind, erhebt man sich zu Gott; auf dem anderen Weg nähert man sich
ihm, indem man bedenkt, was sie nicht sind. Die Kirche lädt ihre Kinder ein,
beide Wege gleichzeitig zu beschreiten, durch das erhabene Schauspiel ihrer
Pracht und durch die Betrachtung der bewundernswerten Entsagungen, zu denen nur
sie inspirieren und die sie wirksam herbeiführen kann.
Aus dem
Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer ins Deutsche.
Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals
erschienen in
http.www.p-c-o.blogspot.com
© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses
Blogs gestattet.
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