Prof. Plinio Corrêa de Oliveira wurde am 13. Dezember 1908 in São Paulo, Brasilien, geboren. Zum Anlass dieses Jubiläums möchten wir ihm auf dieser Seite unseren Dank erweisen für seinen selbstlosen Kampf für die Freiheit und Erhöhung der Heiligen Katholischen Kirche und der christlichen Kultur und Zivilisation, für die unermüdliche Leitung der Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum (TFP) und angeschlossenen Vereine und Organisationen.
Dienstag, 29. August 2017
Eine Lehre aus dem Wirken des hl. Augustinus
Ich möchte gerne noch etwas schönes über den hl. Augustinus darlegen. Es ist folgendes: Der Geist, mit dem dieser Mann seine Werke schrieb. Er schrieb seine Bücher, als das weströmische Reich bereits zusammenbrach und alles so aussah, dass mit dem Ansturm der Barbaren die katholische Religion komplett dahingefegt würde. Er war Bischof von Hippo im Norden Afrikas. Diese Region wurde dermaßen zerstört, dass bis heute der Katholizismus sich nicht wieder von den damaligen Verwüstungen erholt hat. Trotzdem schrieb er seine Werke in aller Ruhe für eine Zukunft, die er selbst nicht ausmachen konnte.
Als er im Sterben lag, brachen die Barbaren in Hippo ein. Übrigens gaben sie seinem Leichnam noch eine besondere Ehrerweisung.
Die damalige Welt brach zusammen und es kam das Mittelalter. Seine Werke inspirierten die mittelalterliche Vorstellung des Staates, des Reiches und der Kirche. Er wurde zu einem allgemeinen Lehrer des Mittelalters.
Was war dafür notwendig gewesen? Der Glaube an Gott. Gott will, dass er schreibt und er schreibt umfangreiche Werke, sicher nicht für die Barbaren, die Hippo belagerten, sondern für dann, wann es Gott gefällt. Er hat das Werk vollendet ohne zu wissen, wann es jemals gelehrt würde.
Und als Gott Jahrhunderte später das Mittelalter einleitete, war es wie eine Lilie, die aus dieser Wurzel, die Werke des Augustinus, hervorging, insbesondere „Die Stadt Gottes“. Dies ist für uns, die wir in einem neuen Zeitalter von Barbaren leben – nicht aber von Barbaren, die mit Keulen und Lanzen daherreiten, sondern mit Atombomben - , eine hoffnungsvolle Meditation. Vollbringen wir unser Werk mit Vertrauen, mit Gewissheit und Glauben, und es wird irgendwann von Nutzen sein. Nie darf uns der Gedanke kommen, dass das, was wir tun können, nicht von äußerster Nützlichkeit sei. Wenn nicht für heute, dann für eine Zukunft, die in den Plänen Gottes steht.
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Montag, 28. August 2017
Der hl. Augustinus (28. Ausgust)
Eine Lektüre, die ich jedem empfehlen kann, sind die „Bekenntnisse“ des hl. Augustinus (354-430). Es ist eine Lektüre, die in ihren strikten biographischen Aspekten, unter allen Gesichtspunkten, etwas wunderbares ist.
Es ist vor allem eine Erbauungslektüre: die Psychologie der Bekehrung, wenn er beschreibt, wie er selbst sich bekehrte, alle seine Sünden, alle Irrtümer, alle Abgründe, in denen er gefallen ist, der Hochmut, der sich zerbrach, nachdem er gesehen hatte, zu was er alles fähig war; sein erster Kontakt mit dem hl. Ambrosius (340-430), Bischof von Mailand, die ersten Prinzipien, die ersten Lichter der Idee einer Religion, die allmählich durch die Anwesenheit des hl. Ambrosius in seine Gedanken eindrangen, als er noch nicht katholisch war.
Er hatte eine so große Begeisterung für den hl. Ambrosius, dass er ihn in seinem Haus aufsuchte, um sich mit ihm zu unterhalten. Doch Ambrosius, der die modernen Techniken des Apostolats nich kannte, trotzdem ein großer Apostel war, lies dem Augustinus sagen, dass er keine Zeit für ihn hatte, da er wichtiges zu schreiben hatte, und fuhr mit seinem Schreiben fort. Augustinus setzte sich in der Nähe und schaute dem großen Schreiber mit Begeisterung zu.
Ambrosius wusste, dass er durch das Apostolat der Anwesenheit viel mehr erreichen würde als durch das Apostolat des Wortes. Dem einen schrieb er, dem anderen erstrahlte er; bekehrte diejenigen, denen er schrieb und bekehrte den, dem er erlaubte ihm zuzuschauen. Wie gerne würde ich diese Szene durch eine Luke betrachten! Ambrosius, der große Kirchenlehrer, in einem Follianten schreibend, mit dem Antlitz eines ehwürdigen Alten, gelassen, erleuchtet durch die Gnade Gottes, weise, in sich gekehrt, erhaben in seinen Urteilen, ab und zu das Schreiben unterbrechend, um ein Stoßgebet zu verrichten, etwas nachdenklich bevor er eine Schlussfolgerung formuliert, und vor ihm Augustinus, der in seinem Gesicht noch die krampfartigen Züge einer Krise, die er gerade durchmachte. Doch Gottes Gnade wirkte in Augustinus und bearbeitete sein Inneres durch der Bewunderung des hl. Ambrosius.
Dann die bekannte Bekehrung des Augustinus, in der die Kirchenmusik eine große Rolle gespielt hat. Er erzählt, dass, wenn er in eine Kirche ging und dort die sakrale Musik hörte, das Singen der Psalmen, er eine Gewalt, das Tosen seiner Reue und den Ruhm Gottes verspührte, das fast einer Verzückung gleichkam.
Und dann beschreibt er die bekannte Gewissenskrise und die Szene seiner Bekehrung. Er hört eine Stimme, die ihm sagt: tolle, lege; nimm und lies! Er nimmt das Buch, das da liegt, es ist die Heilige Schrift. Er liest sie und seine Bekehrung ist beschlossen.
Weiter beschreibt er seine bekannte Unterhaltung mit seiner Mutter, der hl. Monika (331-387) in Ostia. Monika war eine extrem gütige Person, eine Heilige und er, ein sehr schlechter Sohn. Es kam einmal zu einer schmerzlichen Szene. Er wollte nach Rom (er wohnte in Afrika) und seine Mutter wollte mit ihm reisen. Er ist vor seiner Mutter geflüchtet und fuhr allein nach Rom. Sie blieb zurück, betete und weinte viel um die Bekehrung ihres Sohnes. Irgendwann ist sie ihm nachgefahren und besuchte dann den Bischof von Mailand, den hl. Ambrosius, und fragte ihn, ob er meine, dass sich ihr Sohn bekehren würde. Er antwortete: "Frau, ich habe nicht viel Zeit, um mit dir zu sprechen, doch eines will ich dir sagen: Gott kann einem Sohn so vieler Tränen nicht widerstehen." Das heisst, es sollte eine neue Geburt des Sohnes sein, diesmal aber aus tiefer Trauer, Schmerz und Tränen.
Man kann sich ihre Freude vorstellen, als sie, gegen aller Erwartung, sieht, dass sich ihr verlorener Sohn bekehrt. Sie wollen beide nach Afrika zurück, um wieder in Karthago zu wohnen. Sie erreichten die Hafenstadt Ostia, wo sie sich einquartieren. Am Abend, setzen sie sich am Fenster der Herberge und unterhalten sich. Augustinus erzählt, dass sie über den Himmel sprachen. Man kann sich vorstellen, wie dieses Gespräch sich entwickelte, eine heilige Mutter, ein heiliger Sohn. Beide gerieten in einer Art Verzückung. Augustinus erzählt, dass diese Verzückung für ihn ein Licht war, das ihn Mut gab, alle Kämpfe des Lebens zu durchstehen. Für die Mutter, war es ein Vorfreude des Himmels, da sie kurz darauf noch in Ostia gestorben ist. Er wohnt noch dem Begräbnis der Mutter bei und fährt zurück nach Afrika, wo er später (395) Bischof von Hippo wird.
In Hippo schrieb er unter anderem sein bekanntes Buch "Die Stadt Gottes", in dem er sozusagen das Prinzip, die Grundlage der Doktrin von Revolution und Gegenrevolution darstellt. Das Prinzip, welches er dort beschreibt, ist, dass es auf der Welt nur zwei Kräfte gibt, nur zwei vitale Prinzipien, nur zwei aktive Elemente, nur zwei Ordnungen, oder, wie er sagt, nur zwei Staaten (die civitas, die er beschreibt, ist der Staat und nicht die Stadt, wie man gewöhnlich meint): es sind Gott und der Teufel, die sich in einem ewigen, vollständigen und unversöhnlichen Kampf befinden.
Es ist der Gedanke, dass alle Ereignisse in der Welt einzig und allein auf einen Kampf zwischen Gut und Böse zurückgehen, zwischen katholischer Kirche und der Macht der Finsternis, zwischen denen, die in der Kirche das Gute vertreten und der Macht der Finsternis. Dieser Kampf, dieser zwei entgegengesetzten Prinzipien gehe aus zwei Arten der Liebe hervor, und die Opposition dieser zweier Lieben sei die Quelle des gegenseitigen Hasses. Und die Quelle dieser Liebe und des Hasses sei, in der Stadt Gottes, die Liebe Gottes bis hin zum Vergessen seiner selbst, und in der Stadt des Teufels, die Eigenliebe bis hin zur Gottvergessenheit. Das heißt, des Egoismus in der einen und der Suche nach dem Absoluten in der anderen.
Das nur an sich selbst denken, an die eigenen Interessen, an sein Wohlbefinden, an Kleinigkeiten, sich als kleines Zentrum den Universums zu halten, ein Egoismus, der nur auf die eigene Befriedigung eingestellt ist, das ist der Ausgangspunkt der Stadt des Teufels, der bösen Geisteshaltung und alles weitere.
Die Stadt Gottes besteht in nicht an sich denken, sich ausschließlich an die überirdische Realität ausrichten, auf die die Offenbarung uns hinweist. Einen metaphysischen Geist pflegen, einen religiösen Geist, der den höheren Dingen zuwendet und die Seele für die Annahme der unschätzbaren Gabe des katholischen Glaubens vorbereitet. Das heißt, nur für Gott leben.
Diese zwei Prinzipien stehen in einer kompletten Opposition und die Weltgeschichte entwickelt sich im gegenseitigen Kampf dieser beiden Prinzipien.
Jemand könnte einwenden, die sei eine radikale, kompromisslose Auffassung der Realität. Ja, und das ist sie auch. Der hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort sagt, alles was Gott geschaffen hat, ist gut, weil er nicht Falsches tun kann. Nur eine einzige Feindschaft hat er gesetzt und diese ist gut, weil er nur Gutes tun kann: Es ist die Feindschaft zwischen Guten und Bösen, zwischen den Kinder des Lichtes und den Kindern der Finsternis, zwischen der Muttergottes und der Schlange.
Es gibt da etwas sehr schönes über den hl. Augustinus: Der Geist, mit dem er seine Bücher schrieb und füllte. Er schrieb sie zu der Zeit, als das Römische Reich des Westens zusammenfiel. Alles führte dahin anzunehmen, dass mit dem Einfall der Barbaren im Westen die katholische Religion weggefegt würde. Augustinus war Bischof von Hippo im Norden Afrikas. Dort haben die Barbaren dermaßen gewütet, dass der Katholizismus bis heute nicht wieder etablieren konnte. Trotzdem schrieb er seine Bücher in aller Ruhe, für eine Zukunft, die er nicht kannte.
Als er starb, waren die Horden in die Stadt eingedrungen. So berühmt war Augustinus, dass die Eindringlinge seinem Leichnam noch die letzte Ehre erwiesen. Die Welt zerbrach und es kam das Mittealter. Seine Werke waren die Grundlage für die mittelalterliche Auffassung des Staates, des Reiches und der Kirche. Er ist ein Kirchenlehrer des Mittelalters.
Man sieht, was notwendig war an Gottesglauben und Gottvertrauen. Gott will, dass er schreibt und er schreibt ein umfangreiches Werk, nicht für die Vandalen, die Hippo erstürmten, sondern für wann es Gott will. Seine Werke liegen da, fertig.Und als es Gott gefiel, Jahrhunderte nach seinem Tod, kam das Mittelalter, wie eine Lilien erwachsen aus dieser Wurzel, insbesondere "die Stadt Gottes". Dies soll für uns eine Ermutigung sein. Vollbringen wir mit Vertrauen und festem Glauben unser Werk, denn es wird für irgendwann nützlich sein. Niemals dürfen wir meinen, dass das, was wir tun, nicht von einer großen Nützlichkeit sei.
(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, gehalten am 28. August ?. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)
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Sonntag, 27. August 2017
Der Kampf zwischen Gut und Böse
Das Nur-an-sich-selbst-denken, an die eigenen Interessen, Genüssen, Wohlgefühle, an die Kleinigkeiten des Alltags, sich selbst als das kleine Zentrum des Universums zu betrachten, den Egoismus gänzlich auf die eigenen Zufriedenheiten gerichtet, das ist der Ausgangspunkt der Stadt des Teufels, der schlechten Geistesgesinnung und alles Weitere.
Das Fundament der „Stadt Gottes“ besteht aus Nicht-an-sich-denken, sich ganz den von der Offenbarung hingewiesenen überirdischen Wirklichkeiten zuzuwenden, einen sogenannten metaphysischen Geist, einen religiösen Geist besitzen, der sich den höheren Dingen zuwendet und die Bedingungen herstellt, damit die Seele die unschätzbare Gabe des katholischen Glaubens empfangen kann. Das ist wirklich, für Gott leben.
Diese zwei Prinzipien stehen sich in einer vollständigen Opposition gegenüber, und die Weltgeschichte ergibt sich aus dem gegenseitigen Kampf dieser beiden Prinzipien.
Es könnte jemand einwenden, dass diese Anschauung zu unnachgiebig, zu kompromisslos ist. Ich antworte: Ja, sie ist es! Der hl. Ludwig von Montfort sagte, dass alles, was Gott erschaffen hat, gut ist, weil Gott nichts falsches tun kann. Nur eine einzige Feindschaft schuf er, und diese ist perfekt, weil Er alles perfekt macht. Die Feindschaft, die Er stiftete, ist diejenige zwischen den Guten und den Bösen, zwischen den Kindern des Lichts und den Kindern der Finsternis, zwischen Maria und der Schlange.
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Dienstag, 15. August 2017
Mariä Himmelfahrt
Plinio Corrêa de Oliveira
Wir haben einen Bericht über Mariä Himmelfahrt, wie es
die sel. Seherin Anna Katharina Emmerick beschrieben hat.
„In der Nacht nach der Beisetzung Marias geschah die
Himmelfahrt der Jungfrau mit ihrem Leib. Ich sah mehrere Apostel und heilige
Frauen in dem Gärtchen vor dem Grabfelsen beten und singen. Es senkte sich aber
eine breite Lichtbahn vom Himmel zu dem Felsen, und ich sah in ihr eine Glorie
von drei Kreisen. Von Engeln und Geistern sich niederbewegen, welche die
Erscheinung unseres Herren und der leuchtenden Seele Marias umgaben. So wie bei
Unserem Herrn war auch ihre Seele drei Tage vom Leibe getrennt.“
Sie sehen, dass ihre Seele einige Zeit vom Leib getrennt
war. Dann kam sie zum Leib zurück geführt von Engeln und Geistern.
„Die Erscheinung Jesu Christi mit hellstrahlenden
Wundmalen schwebte vor ihr her“.
Das heißt die zweite Person der Dreifaltigkeit wollte
persönlich hernieder kommen um der Auferstehung Marias vorzustehen.
„Im innersten Kreis der Glorie wo die Seele Marias war,
sah man drei Engelchöre.“
Die drei Chöre der Engel bildeten einen Strahlenkranz, in
dessen Mitte die heiligste Seele der Muttergottes war.
„Um die Seele Marias sah ich im innersten Kreis der
Glorie nur kleine Kindergestalten, im zweiten Kreis erschienen sie wir von
sechsjährigen Kindern und im äußersten gleich erwachsenen Jünglingen.“
Wahrscheinlich um die sich folgenden Grade der
Spiritualität zu symbolisieren. Kinder sind das Bild der Reinheit und so wies
die Erscheinung auf die höchste und edelste Form von Spiritualität hin.
„Nur die Angesichter erkannte ich deutlich, alles Übrige
sah ich nur wie schimmernde Lichtgestalten. Als diese Erscheinung, immer
deutlicher werdend, sich bis auf den Felsen ergossen hatte, sah ich von ihr bis
hinauf in das himmlische Jerusalem eine leuchtende Bahneröffnet. Nun aber sah
ich die Seele der heiligen Jungfrau, welche der Erscheinug Jesu folgte, bei
dieser vorüber durch den Felsen in das Grab niederschweben und bald darauf, mit
ihrem verklärten leib vereinigt. Viel deutlicher und leuchtender aus demselben
heraussteigen und mit dem Herrn und der ganzen Glorie in das himmlische
Jerusalem hinaufziehen, worauf aller Glanz wieder einsank und der stille
Sternenhimmel die Gegend bedeckte.“
„Vier Tage später sah ich die Apostel am Abend noch im
Gebet und Trauer in ihrem Raume. Da sah ich den Apostel Thomas mit einem
Begleiter vor dem Tor des Hofes anlangen und pochen.“
…
„Nun aber verlangte Thomas und der Begleiter nach dem
Grabe der heiligen Jungfrau. Bei dem Grabe angekommen, warfen sie sich auf die
Knie nieder. Thomas aber eilte zuerst nach dem Eingang der Höhle. Johannes
folgte ihm. — Dann nahte sich Johannes dem leichten Korbsarge, löste die drei
großen Binden auf, welche den Deckel umschlossen, und stellte diesen zur Seite,
nun leuchteten sie in den Sarg uns sagen mit tiefer Erschütterung die
Grabtücher des heiligen Leibes in der ganzen Form der Einhüllung leer vor sich
liegen. Über dem Angesicht und der Brust waren sie auseinandergeschlagen, die
Umwindungen der Arme lagen leicht aufgelöst, doch noch in gewickelter Form, wie
sie gelegen, aber der verklärte Leib Marias war nicht mehr auf der Erde. Sie
blickten mit aufgehobenen Armen staunend empor, als sei der heilige Leib ihnen
jetzt erst entschwunden und Johannes rief zu der Höhle hinaus: Kommt und
staunt, sie ist nicht mehr hier!“
Es ist interessant die Ordnung zu bemerken, in der die
Grabtücher gelegen waren. Warum kann man diese Einzelheit für wichtig halten?
Gott liebt nämlich dermaßen das Gute, er liebt die Welt, die er erschaffen hat,
und er will, dass die gute Ordnung über alle Dinge herrscht. Alles, was von ihm
oder durch die Eingabe seiner Gnade gemacht wurde, ordnet sich auf eine
richtige und angebrachte Weise an. Es gibt eine Art Bündnis des Metaphysischen mit
dem Übernatürlichen. Das Übernatürliche vervollständigt was metaphysisch gut
zusammengeführt, metaphysisch gut aufgestellt ist, und deshalb stellen alle
Einflüsse der Gnade die Ordnung in der Natur her. Es ist das Gegenteil der Auswirkungen
des Teufels.
Immer wenn es dem Teufel gestattet wird zu erscheinen
oder die Seelen zu beeinflussen, kennzeichnet sich dieser Einfluss durch
fürchterliche Verwirrungen, Aufwühlungen; wenn er eine Person heimsucht äußert
er sich durch Zuckungen und groteske Gesten; in einer Wohnung verursacht er
Geräusche und Radau, verschiebt Möbel, sorgt nur für Unordnung.
Da verstehen
wir, dass alle Bereiche der Ordnung und alle Aspekte der Ordnung unter sich
solidarisch sind, sie gehören untrennbar zusammen. Aber auch alle Bereiche und
Aspekte der Unordnung sind zusammengehörig unter sich. So verstehen wir die
Einheit der Revolution und die Einheit der Gegenrevolution.
Die Revolution kann nicht als eine nur politische
Bewegung oder als eine nur religiöse oder nur kulturelle Bewegung angesehen
werden, sie ist die Tendenz zur Subversion und zur Unordnung in allem. So auch
die Gegenrevolution: Sie ist nicht nur eine politische, religiöse oder
kulturelle Bewegung. Um vollständig zu sein, muss sie einen Geist besitzen, sie
muss von einer Gnade belebt werden, die alles in Ordnung versetzen will. Hier
sehen wir wie eine kleine Einzelheit uns Gelegenheit gibt über das
Zusammenwirken aller Formen der Ordnung, wie auch der Unordnung nachzudenken.
Weiter der Text von Anna Katharina Emmerick.
„Da traten sie
alle paarweise in die Höhle und sahen mit staunen die leeren Grabtücher vor
sich liegen, und hinausgetreten, knieten alle zur Erde, sahen die Arme gen
Himmel hebend empor, weinten und beteten, priesen den Herrn und seine liebe
verklärte Mutter. — Da erinnerten sie sich wohl und gedachten jener Lichtwolke,
welch sie gleich nach der Begrabung auf dem Heimweg aus der Ferne gesehen, wie
sie auf den Grabhügel niedergesunken und dann wieder emporgeschwebt war.“
„Johannes aber nahm die Grabtücher der heiligen Jungfrau
mit großer Ehrfurcht aus dem Sargkorbe, faltete und rollte sie ordentlich
zusammen und nahm sie zu sich. Betend und Psalmen singend, wandelten sie auf
dem Kreuzwege zu dem Hause. Hier gingen alle in den Wohnraum Mariä. Johannes legte
hier die Grabtücher ehrerbietig auf das Tischchen vor dem Betwinkel der
heiligen Jungfrau. Thomas und die anderen beteten noch auf der Stelle, wo sie
gestorben. — Petrus zog sich abgesondert zurück; vielleicht bereitete er sich
vor, um einen feierlichen Gottesdienst
zu halten.“
Er ist der Fürst der Apostel, so dass es ihm zukam die
erste Messe der Aufnahme Mariens in den Himmel zu zelebrieren.
„Hierauf sah ich den Altar vor dem Betort Mariä, wo deren
Kreuz stand, aufrichten…“
Das Kreuz, vor dem die Muttergottes gewöhnlich betete.
„... und Petrus einen feierlichen Gottesdienst hier
halten. Die übrigen Apostel standen reihenweise hinter ihm und beteten und
sangen wechselseitig. Die heiligen Frauen standen mehr zurück an de Türen und
an der Rückseite der Feuerstelle. Der einfältige Knecht des Thomas war ihm aus dem fernen Lande, wo
er zuletzt gewesen war gefolgt. Er hatte ein ganz fremdes Aussehen. Er hatte
kleine Augen, eine eingedrückte Stirne und Nase und hohe Backenknochen. Seine
Farbe war bräunlicher als hierzulande. Er war getauft und außerdem aber ganz
wie ein unerfahrenes, gehorsames Kind. Er tat alles, was man ihm befahl, er
blieb stehen, wo man ihn hinstellte, sah hin, wo man es gebot, und lachte
jedermann an. Als er Thomas weinen sah, weinte auch er bitterlich. Dieser
Mansch ist immer bei Thomas geblieben, er konnte große Lasten tragen, und ich
habe ihn ganz gewaltige Steine heranschleppen sehen, als Thomas eine Kapelle
baute.“
Sehr schön ist dieser Treuerweis eines Knechtes, der
alles tut, was sein Herr im aufträgt und auch fühlt wie sein Herr fühlte und
so ganz eins mit ihm ist. Eine Vorstellung, die die Welt heute vollständig
verloren hat, dieses edlen Begriffs der Treue, nach dem zwei Personen
unterschiedlichen Standes sich nicht hassen, sondern sich gegenseitig schätzen.
Nicht nur schätzen sie sich, aber sie verschmelzen wie zu einem Ganzen, so dass
man sich fast gar nicht mehr den einen ohne den anderen vorstellen kann. Ritter
und Knappe im Mittelalter befanden sich in diesem Verhältnis.
Es gibt unzählige Beispiele eines solchen Zustandes. Das
schönste, was mir gerade in den Sinn kommt, war das eines Märtyrers, dessen
Namen ich leider vergessen habe, der Messdiener eine Papstes war – auch dessen
Namen ist mir entgangen. Als dieser Papst zum Martyrium geführt wurde, näherte
sich der Messdiener und sagte: „Heiliger Vater, sie schreiten zum Martyrium und
werden mich allein lassen. Kann es sein, dass sie mich in der Stunde ihres
letzten Opferganges verlassen, der ich doch täglich ihnen bei der heiligen
Messe diente?“ Und beide empfingen nun die Palme des Martyriums.
Welcher Adel und Schönheit von Gedanken beinhaltet solch
eine Beziehung. Es zeigt uns, wie die Treue zu einer wirklichen Teilnahme an
dem gleichen Ruhm führen kann, und wie die Welt heute dies alles vergessen hat.
So haben wir zwei Betrachtungen zur Aufnahme Mariens in
den Himmel.
Vortrag am 14. August 1963
(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag
von Professor Plinio Corrêa de Oliveira. Er wurde frei übersetzt und angepasst
für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)
Dienstag, 1. August 2017
Madonna del Miracolo
Unsere Liebe Frau von Miracolo
- 20. Januar -
Plinio
Corrêa de Oliveira
Im Jahre 1842 besuchte ein 28-jähriger französischer Jude
namens Alphonse Ratisbonne Rom. Er war der jüngste Sohn einer bedeutenden Bankiersfamilie
in Straßburg, die enge Beziehungen zu den Rothschilds hatte. Wie es oft bei europäischen
Juden geschieht, nimmt eine Familie den Namen einer Stadt an. Der französische Ratisbonne
stammte aus Ratisbona, dem lateinischen Namen von Regensburg, einer berühmten deutschen
Stadt in Bayern. Alphonse war ein Jude von Rasse und Religion, virulent anti-katholisch
und führte einen sittlich zügelloses Leben.
Er machte gerade eine Tour durch Europa und den Osten vor
der Vermählung mit seiner Cousine Flore und vor Beginn einer Partnerschaft bei der
Bank seines Onkels. Durch Zufall landete er in Rom statt in Palermo, wie er beabsichtigt
hatte. Er wurde vom dortigen Französischen diplomatischen Kreis freundlich empfangen.
Widerwillig machte er einen Anruf an Baron Theodore de Bussières, ein sehr eifriger
Katholik. Wenn auch Ratisbonne ziemlich weit entfernt von einer Bekehrung war, sah
der Baron, unbeirrt von dessen Sarkasmus und Gotteslästerungen, in ihm einen zukünftigen
Katholiken und ermutigte seine Besuche.
Eines Nachmittags, während eines lebhaften Gesprächs, in dem
Ratisbonne den Aberglauben der katholischen Religion lächerlich machte, forderte
der Baron ihn auf, sich einem einfachen Test zu unterwerfen und die Wundertätige
Medaille zu tragen. Erschrocken, aber um die Unwirksamkeit solchen religiösen Tands
zu beweisen, stimmte Ratisbonne zu und erlaubte der jungen Tochter des Barons, die
Medaille um seinen Hals zu legen. Baron de Bussières bestand auch darauf, dass Ratisbonne
jeden Tag einmal das Memorare beten sollte. Ratisbonne versprach es und sagte: „Wenn
es mir nicht gut tut, schaden wird es mir wenigstens auch nicht“.
Der Baron und ein enger Kreis der aristokratischen Freunde
vermehrten ihre Gebete für den skeptischen Juden. Bemerkenswert unter ihnen war
ein frommer Katholik, der ernsthaft krank war, Graf Laferronays, der sein Leben
für die Bekehrung des jungen Juden angeboten hat. Am selben Tag ging er in eine
Kirche und betete mehr als 20 Memorare für dieses Anliegen. Kurz darauf erlitt er
einen Herzinfarkt, bekam noch die letzten Sakramente und starb.
Am nächsten Tag war sein Freund Baron de Bussières auf dem
Weg, um die Beerdigung des Grafen in der Basilika St. Andrea delle Fratte zu vereinbaren,
als er Ratisbonne traf. Er bat ihn, ihn zu begleiten und in der Kirche zu warten,
bis er einige Sachen mit dem Priester in der Sakristei besprochen hatte.
Ratisbonne begleitete seinen Freund nicht in die Sakristei.
Er wandelte durch die Kirche und bewunderte den schönen Marmor und verschiedene
Kunstwerke. Als er vor einem Seitenaltar stand, der dem Heiligen Erzengel Michael
gewidmet war, erschien ihm plötzlich Unsere Liebe Frau. Es war der 20. Januar 1842.
Die Muttergottes erschien stehend über dem Altar, mit einer
Krone und einer einfachen, langen, weißen Tunika mit einem juwelenbesetzten Gürtel
um ihre Taille und einen blau-grünem Mantel, der über ihre linke Schulter drapiert
war. Sie sah ihn freundlich an. Aus ihren offen ausgebreiteten Händen strömten Gnadenstrahlen
herab. Ihre Haltung war sehr königlich, nicht nur wegen der Krone, die sie trug.
Vielmehr verlieh ihre Größe und Eleganz den Eindruck einer hohen Dame, die sich
ihrer eigenen Würde bewusst war. Sie strahlte zugleich Größe und Barmherzigkeit
aus in einer Atmosphäre von großem Frieden. Sie hatte einige der Eigenschaften der
Gnadenfrau der wundertätigen Medaille. Alphonse Ratisbonne sah diese Gestalt und
verstand, dass er vor einer Erscheinung der Muttergottes war. Er kniete sich vor
ihr nieder und bekehrte sich.
Als der Baron von der Sakristei zurückkehrte, war er überrascht,
den Juden vor dem Altar des Heiligen Erzengel Michaels inbrünstig betend auf den
Knien zu sehen. Er half seinem Freund aufstehen, und Ratisbonne bat sofort, um einen
Beichtvater, damit er die Taufe empfangen könnte. Elf Tage später, am 31. Januar,
erhielt er Taufe, Firmung und seine erste heilige Kommunion aus den Händen von Kardinal
Patrizi, dem Vikar des Papstes.
Seine Bekehrung hatte enorme Auswirkungen auf die ganze Christenheit.
Die gesamte katholische Welt nahm Kenntnis von ihr und war höchst beeindruckt. Später
wurde Ratisbonne Jesuitenpriester. Zehn Jahre später gründeten er und sein Bruder
Theodore, der sich auch aus dem Judentum bekehrt hatte, eine religiöse Gemeinde,
die „Kongregation von Sion“, die sich der Bekehrung der Juden widmete.
![]() |
| Alphonse Ratisbonne (r) und sein Bruder Theodore |
Die Bedeutung des Wunders
Kurz nach der Erscheinung, wurde ein Bild gemalt, das Unsere
Liebe Frau darstellte, so wie sie, nach der Beschreibung von Fr. Ratisbonne, ihm
damals in Sant 'Andrea delle Fratte erschienen war. Als das Bild fertig war, sah
er es an und sagte, dass es nur sehr vage die Schönheit der Erscheinung, die er
gesehen hatte, wiedergab. Das ist nicht schwer zu glauben, denn die eigentliche
Schönheit Unserer Lieben Frau übertrifft notwendigerweise weit jede menschliche
Darstellung. Das Bild wurde genau an der Stelle augestellt, wo sie ihm erschienen
war, und wurde bekannt als „Madonna del Miracolo“, Unserer Lieben Frau vom Wunder,
was sich auf das zweifache Wunder, ihre Erscheinung und die sofortige Bekehrung
von Alphonse Ratisbonne, bezog.
Natürlich war diese Erscheinung von großem Vorteil für die
Seele von Ratisbonne. Es war aber auch ein Vorteil für die katholische Kirche mit
der Gründung der Kongregation von Sion, mit seiner besonderen Aufgabe, für die Bekehrung
der Juden zu arbeiten. Dieser Orden drückt die Haltung der Kirche gegenüber den
Juden sehr gut aus. Ihre Position ist nicht, die Juden zu hassen, sondern sich gegen
ihre Angriffe zu verteidigen. In dem Maße wie sie die Kirche angreifen, verteidigt
sie sich. Vor allem aber wünscht sie ihre Bekehrung, die Auflösung des Judentums
als eine Religion und den Eintritt der Juden in die katholische Kirche, die die
wahre Fortsetzung des auserwählten Volkes ist.
Aber im doktrinären und psychologischen Kontext der damaligen
Zeit hatte das Ratisbonne-Wunder eine tiefere Bedeutung. Im 19. Jahrhundert förderte
die Revolution stark den Rationalismus, eine Denkschule, die heute veraltet erscheint.
Damit betonte die Revolution folgendes: Der rationale Mensch, der Mensch, der versucht,
alles nach der Vernunft zu bestimmen, kann nicht die notwendige Unterstützung in
der Vernunft finden, um zu glauben, dass Gott existiert, dass die katholische Kirche
die wahre Religion ist und dass sie von Jesus Christus gegründet wurde. Damit kam
die Revolution zu dem Schluss, dass die menschliche Vernunft das ganze Bauwerk der
katholischen Lehre nicht akzeptieren kann.
Diese revolutionären Behauptungen waren nur Mythen, wie die
römische Mythologie oder die Legenden der indigenen und afrikanischen Völker. Die
meisten der rationalistischen Argumente waren Schikanen oder Sophismen, die von
spitzfindigen Argumenten ausgingen. Weil aber die Revolution unermüdlich auf diesen
Punkten bestand und eine Flut von Einwänden gegen die katholische Lehre vorstellte,
verloren viele Menschen dieser Zeit ihren Glauben.
Um dieser unerbittlichen Welle der Angriffe gegen den katholischen
Glauben entgegenzuwirken, erschien die Gottesmutter an mehreren Orten und bestätigte
ihre Erscheinungen durch eklatante Wunder.
Das Wunder der Bekehrung Ratisbonne‘s in Rom, erschütterte
die ganze Christenheit. In jenen Zeiten gab es nicht diesen verheerenden Ökumenismus,
den wir heute erleben. Damals war die Trennung der Religionen viel gründlicher und
dementsprechend war auch die Schlucht tiefer, die die Wahrheit vom Irrtum und das
Gute vom Bösen trennte. Ein reicher und einflussreicher Jude, der absolut kein Grund
hatte, die katholische Kirche zu begünstigen, bekehrte sich plötzlich, weil er die
Muttergottes gesehen hatte. Er bezeugte seine Aufrichtigkeit, indem er seine Positionen
in der Welt und sein vorteilhaftes Engagement aufgab. Er umarmte das religiöse Leben
und gründete eine religiöse Gemeinde, um andere Juden zu bekehren und das Judentum
zu bekämpfen. Es ist unmöglich, sich einen objektiveren Beweis für die Wahrhaftigkeit
der Erscheinung vorzustellen. Diese Episode hatte enorme Auswirkungen in Italien
und Frankreich und in der ganzen katholischen Welt.
Es war offensichtlich ein Wunder, ein Wunder, das vom Himmel
fiel, wie ein Tropfen Wasser auf einer ausgedörrten Menschheit, die unter dem Einfluss
der rationalistischen Mythen der Revolution stand.
Die göttliche Vorsehung hatte schon 1830 etwas Ähnliches mit
den Erscheinungen in der Rue du Bac (Paris) an die hl. Katharina Labouré gemacht.
Dort hat unter anderem die Gottesmutter der Welt die wundertätige Medaille gegeben
und einen Strom von Gnaden und Wundern der Menschheit eröffnet. Die Muttergottes
erschien auch 1858 in der Grotte von Lourdes, und bald darauf gab es Berichte über
viele Heilungswunder für diejenigen, die im dortigen Quellwasser ein Bad nahmen.
Die Wunder von Lourdes bilden die längste Reihe von Wundern, die jemals in der Geschichte
der Kirche aufgetreten ist. In diese Folge von Erscheinungen reiht sich auch die
der „Madonna del Miracolo“ an Alphonse Ratisbonne in Rom ein.
Diese Reihe von Erscheinungen und Wundern war der Schlag zu
dem sich Unserer Lieben Frau entschied, der Revolution in dieser Zeit zu geben.
Es war ein geschickter strategischer und gut berechneter Gegenangriff. Es war ihr
Weg, den Kopf der Schlange zu zertreten. Der Kopf des Judentums wurde von dem öffentlichen
Zeugnis eines bedeutenden Juden zerschlagen, der nun behauptete, die katholische
Kirche ist die wahre Kirche.
Wir sollten also die Wunder analysieren, die die göttliche
Vorsehung uns schickt, auf der Suche nach höheren Regeln, mit denen sie regiert.
Wunder werden in den Zeiten häufiger, in denen sie notwendiger sind.
Das Wunder, das wir heute brauchen
Heute haben wir die Situation erreicht, wo die Aktion des
Teufels mit jedem Tag deutlicher wird. Ich spreche nicht über UFOs und die Hippie-Revolution.
Meiner Meinung nach ist es klar, dass diese Phänomene mit einem außernatürlichen
Einfluss verbunden sind.
Ich beziehe mich aber auf das Aussterben der Vernunft in der
öffentlichen Meinung. Dass die Menschen effektiv aufgehört haben, ihre Vernunft
zu benutzen — wie in den 80er und 90er Jahren — und nur noch durch temperamentale
Impulse handeln, ist etwas, was man nicht erklären kann, außer durch eine besondere
Aktion des Teufels. Er macht eine enorme Anstrengung, die Revolution in Gang zu
halten, ungeachtet ihres Versagens, die öffentliche Meinung zu überzeugen. Da wir
diese außernatürliche Handlung nicht erklären können, ist es auch schwierig, sie
effizient zu bekämpfen. Sie wächst weiter und erreicht ein Ausmaß, wonach es mir
scheint, dass ein außerordentliches Wunder Not tut.
Was für ein Wunder soll es sein? Welches Wunder könnte den
zeitgenössischen Menschen bewegen, um zum katholischen Glauben zurückzukehren? Die
geheimnisvollen Absichten Gottes sind jenseits der Erkenntnis des Menschen. Aber
das hindert uns nicht daran, nachzudenken, was Er in der Vergangenheit getan hat.
Der zeitgenössische Mensch ist dermaßen hartherzig, dass er
nicht einmal mehr von Wundern berührt wird, wie es Ratisbonne erlebt hat, oder von
den spektakulären Wundern von Lourdes.
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| Der Altar auf dem die Muttergottes erschien Vorne rechts und links die Marmorbüsten der beiden Brüder Ratisbonne |
Meiner Meinung nach sind zwei Wunder notwendig:
Als erstes brauchen wir ein Wunder, das die guten Katholiken
dazu bewegen würde, nicht mit der vorherrschenden Meinung des revolutionären Milieus
einverstanden zu sein. Sie sollten dieser Meinung gleichgültig gegenüberstehen.
Außerdem sollten sie die Offensive gegen das revolutionäre Gedankengut ergreifen. Dies ist der erste Teil dessen, was
notwendig ist. Es ist, was zu Pfingsten geschehen ist: Feuerzungen erschienen über
den Aposteln, und sie verließen das Zönakel mit dem Mut, allen entgegenzutreten.
Vorher waren sie ängstlich, nun aber wurden sie unbesiegbare Kämpfer.
War es etwas Innerliches oder Äußerliches, was dort stattfand?
Ich weiß es nicht. Die ganze Stadt Jerusalem hörte ein gewaltiges Brausen, das aus
dem Zönakel kam. Es scheint also, dass es nicht nur ein inneres Geschehen in ihren
Seelen war, sondern dass ein äußeres Wunder dem entweder vorausging oder folgte.
Was wirklich passiert ist, wissen wir nicht. Aber da wir heute der „Madonna del
Miracolo“ gedenken, sollten wir die Muttergottes bitten, in uns ein ähnliches Wunder
zu wirken, um uns in die Apostel der Endzeit zu verwandeln, wie sie vom hl. Ludwig
Grignon von Montfort vorhergesagt wurden.
Zweitens. könnte dieses göttliche Eingreifen eine Strafe für
die Welt sein, wegen der Annahme der Revolution und aller Zugeständnisse an sie
und vor allem für die in der katholischen Kirche begangenen Sünden. Um klarer zu
sein, für die Akzeptanz des Progressismus innerhalb der Kirche sogar in ihren höchsten
Gipfeln.
Ich beziehe mich auf die Züchtigung, die die Muttergottes
in Fatima vorausgesagt hat, in der viele Nationen verschwinden werden. Das Sonnenwunder,
bei dem sie ihre Umlaufbahn verlassen und auf die Erde zu fallen schien, scheint
eine kosmische Züchtigung vorauszusagen, in der das Gleichgewicht der Sonne auf
Geheiß der Gottesmutter verändert werden kann. Was wäre die Konsequenz in unserem
Sonnensystem, wenn die Sonne tatsächlich wanken und ihren Kurs für eine kurze Zeit
ändern würde? Ein solches kosmisches Ungleichgewicht könnte alle Arten von meteorologischen
Katastrophen auf der Erde hervorbringen und unzählige Dinge und Menschen zerstören.
Selbst danach werden viele der Menschen, die diese Katastrophen
überleben, noch das Wunder einer Bekehrung wie die, die Ratisbonne erlebt hat, nötig
haben.
Beide Perspektiven deuten auf grandiose Wunder hin, die notwendig
sind, um die gegenwärtige Menschheit auf den richtigen Weg zu bringen und die Herrschaft
Marias zu ermöglichen, wie sie sie in Fatima voraussagt hat.
Um auf solche Wunder vorbereitet zu sein, würde ich raten,
das Memorare zu beten, das Gebet, das Ratisbonne vor seiner Bekehrung betete. Wir
sollten es oft beten und die „Madonna del Miracolo“ bitten, uns diese beiden Wunder
und den Sieg der Heiligen Kirche über die Revolution zu geben.
Freie Übersetzung aus dem Englischen bei TIA
Sonntag, 16. Juli 2017
Die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens
Plinio Corrêa de Oliveira
Eines der Merkmale der Verehrung, die wir unserer Lieben Frau schulden, besteht sicherlich darin, dass sie von großer Zärtlichkeit begleitet ist. Und doch besteht die Verehrung aus mehr als nur Zärtlichkeit, Überschwang und Gemütsbewegung.
Um beständig zu sein, ist es wichtig, dass die
Marienverehrung auf präzise, exakte und logische Kenntnisse gründet. Nur aus
der guten Kenntnis der Wahrheit kann eine dauerhafte und ehrliche Liebe hervorgehen.
Die Frömmigkeit muss durch die eingehende Beschäftigung mit der katholischen
Lehre bestärkt werden. In dieser wird sie nämlich ihr bestes Fundament und ihre
wahre Wurzel finden.
Wenn die Kirche die Weihe von Völkern, Bistümern,
Familien und Einzelpersonen an das Heiligste Herz Jesu oder an das Unbefleckte
Herz Mariens fördert, so will sie damit erreichen, dass die auf diese Weise
Geweihten Elemente, den Entschluss fassen, auf eine ganz besondere Art dem
Herzen Jesu oder dem Herzen Mariens anzugehören, indem sie treuer die Gebote
befolgen, sich die heiligen Herzen zum Vorbild nehmen und dafür im Gegenzug
deren ganz besondere Gunst und Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Weihe ist
daher nicht einfach ein Ritus oder eine vage Formel, die im Augenblick frommer
Gemütsbewegung ausgesprochen wird. Sie ist vor allem ein wohl durchdachter,
bewusster, gewollter und tiefgreifender Akt, der mit dem Vorsatz einer
vollkommeneren Eingliederung in das Leben und in die Lehre der heiligen
katholischen Kirche verbunden ist, denn nur so ist es möglich, wirklich Jesus
und Maria anzugehören.
Es ist leicht zu verstehen, dass eine solche Weihe sowohl
von äußerst tugendhaften Menschen vorgenommen werden kann, als auch von
solchen, die noch die ersten Gehversuche auf dem Weg zur Vollkommenheit im
geistlichen Leben machen. Für die Einen wie für die Anderen ist der Weiheakt
von großem Nutzen, weil er auf den, der ihn ausführt, den ganz besonderen
Schutz der göttlichen Vorsehung herabruft und ihm damit außergewöhnliche
Heilsgarantien versichert.
Viele Katholiken verstehen sehr gut, dass sich jemand dem
Heiligsten Herzen Jesu weiht, denn diese vortreffliche Übung ist schon sehr
häufig vollzogen worden und die Zahl der dem Herzen Jesu geweihten Familien ist
heute - Gott sei Dank! - sehr groß. Sie tun damit ihren festen Vorsatz kund,
ihr Leben dem des Heiligsten Herzens Jesu anzupassen und ein wahrhaft frommes,
christliches Leben zu führen. Auf diese Weise heiligen sie ihre
Standespflichten, indem sie diese im Geiste einer übernatürlichen, opferbreiten
Einstellung leben. Für den Erfolg dieser Vorsätze und den Empfang aller damit
verbundenen Gnaden empfehlen sie sich ganz besonders dem göttlichen Herzen, das
die eigentliche Quelle alles Guten ist.
Doch allgemein wird der Weihe zum Unbefleckten Herzen
Mariens leider weniger Verständnis entgegengebracht. Vielleicht gibt es auch
einige, die in den angesprochenen Weihen einen Widerspruch sehen: Wie kann man
gleichzeitig zwei Herren angehören, zwei Herzen gehorchen? Widerspricht sich
das nicht? Schließt da nicht eine Weihe die andere aus?
Nichts ist haltloser als das. In Wirklichkeit ist die
Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens eine Ergänzung der Weihe an das Heiligste
Herz Jesu. Doch nicht eine überflüssige Ergänzung sondern zweifellos eine
kostbare und bewundernswerte Ergänzung, die der Weihe an das Herz Jesu eine
wunderbare Wirklichkeit und Vollkommenheit verleiht.
Das Herz Mariens ist par excellence das Reich des Herzen
Jesu. Die Einigkeit dieser beiden Herzen ist so vollkommen, dass es Autoren
gibt, die sie sozusagen zu einem einzigen Herzen verschmelzen, in dem sie vom
Herzen Jesu und Maria sprechen. Die ganze marianische Frömmigkeit gründet auf
diese Grundwahrheit, das Maria der Kanal ist, durch den man zu Jesus kommt, Sie
ist das Tor, das Leben, der eindeutige Weg, auf dem wir mit höchster
Sicherheit, schneller, leichter Unseren Herren Jesus Christus erreichen. So ist
die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens das sicherste, leichteste und
schnellste Mittel die Vollkommenheit der Weihe an das Herz Jesu zu erreichen.
Einen Weiheakt zu vollziehen ist sicherlich leicht. Sich
aber ehrlich, ernsthaft und gewissenhaft weihen, ist jedoch viel schwieriger.
Um die notwendigen Bedingungen für eine vollkommene Weihe an Jesus zu erfüllen,
ist nichts besser, sicherer, zweckmäßiger als uns Maria zu Weihen.
Christozentrisch denken bedeutet in Jesus Christus die
Mitte von allem zu betrachten. Doch der wahre Christozentriker aber weiß, dass
es nur einen wahren Weg gibt, der zur Mitte führt; und dieser Weg ist Maria.
*****
Die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens ist aktueller
denn je. Mehr denn jemals zuvor braucht die von Missgeschicken jeder Art
geplagte Welt ein mütterliches Herz, dass sich ihrer erbarmt. Daher ist es mehr
denn je nötig, dass wir uns an das Herz unserer Mutter wenden, dass wir es
anflehen, seine empfindlichsten Fasern rühren, seine innigsten Saiten schlagen,
um all seine Barmherzigkeit, all seine Liebe, all seine Hilfe zu erlangen.
Wenn Papst Pius XII. die ganze Welt dem Herzen Mariens
geweiht hat, so lasst uns seine Geste nachahmen und gleichsam ergänzen, indem
wir uns vorbehaltlos demselben Unbefleckten Herzen weihen. Auf diese Weise
werden wir dem Wunsch des Papstes entsprechen und dem von der göttlichen
Vorsehung festgelegten Weg folgen.
Legionário Nr. 575,
15.8.1943
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Herz Jesu,
Herz Mariä,
Weihe an Maria
Sonntag, 2. Juli 2017
Mariä Heimsuchung - Das Magnifikat
Plinio Corrêa de Oliveira
Das Fest Mariä Heimsuchung ist
verbunden mit dem Magnifikat, das die Muttergottes bei dieser Gelegenheit
gesungen hat.
Das
Magnifikat scheint mir ein Meisterwerk von folgernden Überlegungen, die den Geist
Mariens sehr klar anschaulich machen, das heißt, es zeigt uns die logische
Struktur ihres Geistes. Es zeigt uns auf erstaunlicher Weise, wie sie im
äußersten Zustand der Freude und Verzückung die rationale Struktur eines
Gedankenganges beibehielt.
Es ist schön festzustellen, wie sie alle
Eigenschaften Gottes vor allem im Hinblick auf seine Macht und Größe besungen
hat. Dies ist einer falschen süßlichen Frömmigkeit ganz fremd, die sich fast
ausschließlich auf die Barmherzigkeit Gottes fixiert. Sicherlich müssen wir
auch die Barmherzigkeit Gottes rühmen auf Ewig, denn ohne seine Barmherzigkeit
wären wir nichts. Doch darf man nicht einer Einseitigkeit verfallen und damit
die göttliche Macht und Größe beiseite lassen oder gar vergessen. Beides, Barmherzigkeit
und Macht, muss man in gleicher Weise immer berücksichtigen.
Und das sieht
man im Magnifikat: Es spricht von Größe und Macht aber auch von der
Barmherzigkeit, als eine der Äußerungen der Größe Gottes.

Ich werde also das Magnifikat unter diesen zwei Aspekten kommentieren: 1. Es ist in seinem Gedankengang ein äußerst rationaler und strukturierter Text, der eine These beinhaltet, ganz im Gegensatz zu einer nur emotionalen Frömmigkeit. 2. Die Hervorhebung der Größe Gottes, jedoch mit einem glühenden Hinweis auf seine Barmherzigkeit.
Das
Magnifikat hat die Eigenschaften einer These.
Die ersten
zwei Verse sind die These:
„Meine Seele
preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.“
Dann kommen
die Gründe.
Erster Grund:
„Denn auf die
Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig
alle Geschlechter!“
Sie preist
Gott, weil er ein großes Werk vollbracht hat: Aus einer einfachen, demütigen Magd
hat er eine Königin gemacht, die alle Geschlechter seligpreisen werden. Dies
ist eine Äußerung der Macht Gottes.
Ein anderer
Grund:
„Denn der
Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilige.“
Er hat an ihr
Großes getan, dies veranschaulicht seine
Größe. Deshalb preist sie den Herrn.
Ein weiterer
Grund:
„Er erbarmt
sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.“
Sie preist ihn, weil seine Barmherzigkeit sich über die Geschlechter, die ihn fürchten, hinweg ausbreitet. Auch dies ist eine Äußerung der Größe und der Barmherzigkeit Gottes.
Man beachte,
dass Gott sich nur derer erbarmt, die ihn fürchten, die also um seine Größe
wissen und vor dieser Größe sich fürchten. Diese Furcht bedeutet nicht
Ängstlichkeit sondern es ist eine ehrerbietige Furcht, Ehrfurcht genannt. Es
ist die Furcht, die aus der Einsicht und Annerkennung der Größe, der Heiligkeit
und der Güte Gottes kommt.
Der nächste
Vers gibt einen weiteren Grund, die Größe des Herrn zu loben:
„Er
vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten; er zerstreut, die im Herzen voll
Hochmut sind“.
Gott ist groß
und mächtig, nicht im Verhältnis zu denen, die ihn fürchten, sondern zu denen,
die ihn nicht fürchten. Diesen gegenüber hat er die Macht seines Armes kund
getan und zerstreut die Bösen, in deren Herzen sich hochmütige Gedanken bilden.
Gott ist groß
in seiner Fähigkeit diejenigen zu treffen, die ihn nicht fürchten.
Hier
offenbart sich die Größe Gottes in seinem Zorn, nachdem die Größe seiner
Barmherzigkeit gelobt wurde.
Wir sehen
hier, wie dieser Lobgesang ausgeglichen ist, wie er die Größe Gottes in all
seinen Eigenschaften verkündet. Wie ist das doch verschieden von der
Einseitigkeit der süßlichen Frömmigkeit, die Gott nur unter der Sicht der
Barmherzigkeit und der Nachgiebigkeit betrachtet, ohne den Ausdruck seiner
Größe einzubeziehen.
Ein weiterer
Grund:
„Er stürzt
die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“.
Die Mächtigen
von ihrem Thron stoßen, bedeutet nicht, jemanden, der auf eine Thron sitzt und
Macht hat, herunterzustürzen und durch einen Niedrigen zu ersetzen. Dies wäre
ein Unsinn, denn dieser Niedrige würde ja sofort mächtig sein und müsste
ebenfalls dann gestürzt werden. Wenn der Vers sagen würde, er stürzt die
Mächtigen vom Thron und macht alle gleich, dann hätte es einen schlechten Sinn,
wäre aber doch sinnvoll.
Aber diese
Art von Riesenrad von der Erhöhung der Niedrigen und dem Sturz der Mächtigen,
um dann die mächtig gewordenen Niedrigen wiederum zu stürzen, macht keinen
Sinn. So darf das nicht verstanden werden.
Wer ist dann
der Mächtige und wer der Niedrige? Der Niedrige oder Demütige ist der, der sich
so verhält wie Maria in diesem Lobgesang: Er erkennt Gott alles zu, sieht Gott
als den Ursprung alles Guten, die Quelle aller Macht, ohne dem wir in der
übernatürlichen aber auch in der natürlichen Ordnung nichts vermögen. Er ist
die Mitte aller Dinge und der Herr, der über alles gebietet.
Niedrig waren zum Beispiel die Mächtigen,
von denen Maria abstammte und dadurch auch Jesus abstammte. David war ein
mächtiger König, der in seiner Machtausübung starb. Er war aber demütig
(niedrig), weil er ein Diener Gottes war und alles das einsah.
Die
Mächtigen, von denen im Lobgesang der Muttergottes die Rede ist, sind
diejenigen, die das nicht einsehen, die meinen ihre Macht ohne den Beistand
Gottes ausüben zu können.
Deshalb
stürzt Gott die Mächtigen und erhebt die Niedrigen. Dies ist ein Ausdruck der
Größe Gottes, der über jede menschliche Macht lacht und spottet. (vgl. Ps 2,4)
Er überträgt
Macht dem Demütigen und dieser wird mächtig; er nimmt die Macht des
Hochmütigen, der nur sich selbst vertraut, und er wird zu Nichts.
Es ist die Größe Gottes, neben der
menschliche Größen nichts sind.
Nächster
Vers:
„Die
Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.“
Die
Hungernden, die Armen im Geiste, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten,
diese beschenkt er reichlich mit Gaben. Die, die nicht nach Gerechtigkeit
hungern und dürsten, die den irdischen Gütern behaftet sind, lässt er leer
ausgehen. Das heißt, die Reichen sind nichts für ihn. Gott macht aus Reiche
Arme und aus Arme Reiche wie es ihm beliebt.
Im nächsten
Vers vernehmen wir einen weiteren Ausdruck von Gottes Größe: Den Schutz, den er
dem auserwählten Volk verleiht.
„Er nimmt
sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unseren Vätern
verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“
Das heißt,
auch in dem, was Gott verspricht, ist er großzügig: Er erhält seinen Bund bis
ans Ende.
Wir stellten
also fest, wie dieser Lobgesang eine These beinhaltet, die bis zum Schluss
begründet wird und wie ausgeglichen die Größe und Barmherzigkeit Gottes
besungen werden. Die Größe Gottes in seiner Barmherzigkeit; die Größe Gottes in
seiner Gerechtigkeit; die Leere aller Menschen im Angesicht Gottes; die
Herrschaft Gottes über das ganze Universum. Es ist eine Triumphhymne an die
Größe Gottes.
Als Elisabeth
Maria begrüßte und sie als gesegnet unter allen Frauen und Mutter des Herrn
preiste, zeigte sie, dass sie sich als ein Nichts vor der unendlichen Größe
Gottes betrachtete. Sie gab dies auf hervorragende Weise in dem Lobgesang zum
Ausdruck, mit einer Ausgeglichenheit der Gefühle, in einem rationellen Aufbau
der Begründungen ihres Lobpreises, dass man ihn mit dem Argumentenaufbau der
Summa Theologica des Thomas von Aquin vergleichen kann.
Diesen
Lobgesang dichtete sie unter Eingebung des Heiligen Geistes, als sie von
Elisabeth gegrüßt wurde. Doch in ihren wenigen Äußerungen, die im Evangelium
registriert sind, ist die rationale, logische Eigenschaft ebenfalls sichtbar.
Als ihr, zum Beispiel, durch den Engel mitgeteilt wurde, dass sie die Mutter
des Erlösers sein würde, antwortete sie mit einem reinen rationalen Einwand:
„Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ Sie hatte ja das
Jungfräulichkeitsgelübde abgelegt. Als der Engel ihr erklärte, wie es geschehen
sollte, antwortet sie fast wie in einem Syllogismus: „Siehe, ich bin die Magd
des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort“.
Ihre Antwort
ist ein Folgesatz: Sie erwähnt ein Prinzip und die entsprechende Folgerung.
Ebenso als
sie den Knaben Jesus im Tempel wiederfindet: Ihre voll Kummer und Angst
gestellte Frage, erfordert wiederum eine Erklärung: „Kind, wie konntest du uns
das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.“
Hier verstehen
wir, dass der katholische Geist rational sein muss, voller Vernunft,
Denkvermögen und Dichte in allem, was er tut und sagt.

Hier haben
wir ein Bild vom Geist Mariens, der viel erhabener ist, als die läppische
Gefühlsduselei und leere Begeisterung einer sentimentalen Frömmigkeit. Es ist
etwas, was aus der Vernunft entspringt und nicht aus dem Eifer der Gefühle oder
einer unüberlegten Spontaneität.
So verstehen
wir auf beschreibender Art, dass, was wir auf anderer Weise über die
Muttergottes wissen: Sie ist der Sitz der Weisheit. Wir verstehen nun auch, was
es heißt, den Geist Mariens zu besitzen und ihr Diener oder Sklave (wie es der
hl. Ludwig von Montfort bezeichnet) zu sein. Es bedeutet, sich bemühen diese
Weisheit, diese Ausgewogenheit, zu
besitzen, bei der die Vernunft vom Glauben beherrscht und geleitet wird und die
Gefühle im Dienste der Vernunft stehen. So dass die Gefühle schwingen, wenn es
die Vernunft zulässt und ihr Schwingen einstellen, wenn die Vernunft es so
befiehlt. Und wenn die Gefühle nicht mit der Vernunft zum Schwingen kommen, so
ist es die Vernunft die obsiegt und nicht die Gefühle. Dies sind geistige
Regeln für die Nachfolge Mariens aus ihrem geistigen Hauptwerk, dem Magnifikat.
An einem
anderen Punkt möchte ich noch erinnern: Als Maria Elisabeth begrüßte und das
Kind (Johannes) ihre Stimme hörte, hüpfte es in ihrem Leib vor Freude.
Welche Freude
empfinden wir, wenn wir die Stimme Mariens in unserem Herzen hören?
Bitten wir
der Muttergottes, dass sie neben den Prüfungen, die sie uns schickt, uns an
diesem Feste außer den Gnaden, die sie uns schenken möge, uns auch Worte
vernehmen lasse, die unser Herz mit Freude erfüllen und uns ermutigen alle
Kreuze zu tragen, die uns auferlegt werden, um aufrichtig für sie bis ans
Lebensende zu leiden.
Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag
von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, den er am 2. Juli 1963 hielt. Er
wurde übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne seine
Überarbeitung.
Labels:
Betrachtungen,
Heimsuchung,
Magnifikat,
Maria
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