In diesem Vortrag werden wir versuchen, einige der im Aufsatz „Revolution
und Gegenrevolution“ enthaltenen Prinzipien weiterzuentwickeln und konkret
anzuwenden.
Das historische Verhängnis der Revolution
Angesichts von Revolutionen und modernen Ereignissen überkommt uns ein
seltsames Gefühl, denn wir haben den Eindruck, dass eine Art historisches
Verhängnis, eine schmerzliche Tatsache, auf den guten Anliegen unserer Tage
lastet. Immer wenn es einen Kampf zwischen Gut und Böse gibt, sehen wir, dass
das Gute an Boden verliert. Wann immer es zu Auseinandersetzungen zwischen
Revolutionären und Gegenrevolutionären kommt, siegen die ersteren, wenn nicht
immer, so doch in den allermeisten Fällen.
Bei Wahlen siegen im Allgemeinen die Linken, und wenn das nicht der Fall
ist, nutzt die Linke dies letztlich aus, selbst wenn sie nicht gewonnen hat.
Große Männer, große Persönlichkeiten und bekannte Autoren sind in der Regel
linksgerichtet.
Der Verlauf der politischen Ereignisse begünstigt zunehmend die Linke. Wenn
sich beispielsweise ein Amerikaner und ein Russe treffen, ist der Russe links
und – paradoxerweise – der Amerikaner rechts. Mittlerweile gibt es kein
internationales Treffen zwischen den beiden, bei dem die Russen nicht einen
Vorteil und die Amerikaner einen Nachteil erlangen würden.
Und so ließen sich die Fakten vervielfachen, die darauf schließen lassen,
dass in unseren Tagen eine Art unerbittliches Schicksal auf den guten Zwecken
zu Lasten scheint.
Die konservativen Parteien etwa - denen wir selbstverständlich unsere ganze
Sympathie entgegenbringen - erwecken heute den Eindruck, als würde ein Baum aus
den Tropen, beispielsweise ein Gummibaum aus dem Amazonasgebiet, in Alaska kultiviert.
Das Klima ist so feindselig, die Umstände, die Umwelt, kurz gesagt, alles ist
so widrig, dass man den Eindruck bekommt, der Baum kämpfe gegen das Klima, aber
das Klima unaufhaltsam die Lebenskräfte des Baumes entzieht und erschöpft, so dass
man befürchtet, der Baum werde irgendwann aufgeben.
Die Unvermeidlichkeit der drei Revolutionen
Dieses Phänomen ist sehr alt. Wenn wir die Geschichte vom Ende des
Mittelalters bis zur Gegenwart studieren und uns in die Perspektive der drei
Revolutionen versetzen, also des Protestantismus, der Französischen Revolution
und des Kommunismus, haben wir immer den Eindruck, dass die Lage so düster war,
dass die Revolution unvermeidlich war.
Als beispielsweise der Protestantismus ausbrach, war das Klima gegenüber
der katholischen Kirche bereits so feindselig, dass der päpstliche Legat in
Deutschland anlässlich von Luthers Abfall vom Glauben einen Brief an den Papst
schrieb, in dem er sagte: „Heiliger Vater, 95 Prozent Deutschlands rufen: ‚Es
lebe Luther!‘; die restlichen fünf Prozent rufen: ‚Nieder mit Rom!‘ Dies war
das Panorama Deutschlands zur Zeit des Ausbruchs des Luthertums.“
Anlässlich der Französischen Revolution ist der Eindruck derselbe. Wenn man
ein Gemälde von Ludwig XVI. in all der Pracht königlicher Majestät, mit der
einem König gebührenden Überlegenheit, mit Juwelen geschmückt und in solch
prächtiger Kleidung betrachtet, entsteht die Vorstellung eines Monarchen von
großer Macht, der fest auf seinem Thron sitzt. Doch wenn man sich mit der
Französischen Revolution beschäftigt, gewinnt man zunächst den Eindruck, dass, als
Ludwig XVI. zwanzig Jahre vor der Revolution den Thron bestieg, dies bereits
mehr oder weniger unvermeidlich war.
Wenn man jene politischen Ereignisse untersucht und sich fragt, was man
hätte tun können, um die Revolution zu verhindern, kommt man zu dem Schluss,
dass die einzig mögliche Lösung vielleicht die „berühmte“ Taktik wäre, die
Revolution von oben zu machen, bevor sie von unten gemacht würde.
Die Revolution von oben zu machen, bevor sie von unten gemacht wird – wenn eine
Revolution nicht gemacht werden soll – ist dasselbe, wie Selbstmord aus Angst
vor dem Sterben zu begehen.
Stellen wir uns vor, dass morgen in Brasilien die Gefahr einer
kommunistischen Revolution eintrifft. Es wäre derselbe Fehler, den Menschen zu
raten, den Kommunismus zu praktizieren, um eine kommunistische Revolution zu
vermeiden. Man darf niemandem sagen, er solle das Böse tun, damit es jemand
anderes nicht tue.
Diese Unvermeidlichkeit haben wir während der kommunistischen Revolution in
Russland gespürt. Wenn man die Situation des Zarentums und den Ausbruch des
Kommunismus betrachtet, hat man denselben Eindruck, nämlich dass der Druck der
Umstände so groß war, dass das Zarentum zwangsläufig fallen müsste. Es war dem
Untergang geweiht, eine Art Schicksal, das auf das Zarentum lastete.
Die Politik der Konzessionen: Nachgeben, um
nicht zu verlieren
Den gleichen Eindruck haben wir heute, wenn wir den Kampf mit den
Kommunisten analysieren. Es gibt zahllose Leute, die sagen: „Der Kommunismus wird
früher oder später siegen. Lasst uns Zugeständnisse machen, um zu verhindern,
dass er zu früh siegt. Vielleicht wird er durch gewisse Zugeständnisse nicht so
irritiert und kommt langsamer, denn kommen wird er jedenfalls.“
Dies wäre bei einer sozialistischen oder kommunistischen Revolution der
Fall. Man gewährt hier, dann dort, morgen ein Stück weiter. Eines Tages hat man
so viel nachgegeben, dass durch das Zugeständnis alles gegeben wurde. Wenn ich
einen Laib Brot habe und ein Stück davon abgebe und dann noch ein und noch ein
Stück, wird es bald nicht mehr existieren: Es ist vollständig aufgegessen.
Diese Überzeugung, dass man aufgeben muss, spiegelt die Überzeugung wider, dass
das Spiel verloren ist und dass es keine andere Möglichkeit gibt, als
aufzugeben. Zahlreiche Landwirte, Händler und Industrielle in São Paulo meinen,
das Beste sei, immer weiter nachzugeben, bis der letzte Moment kommt, in dem
keine Reaktion mehr möglich ist.
Die tiefen Gründe für diese scheinbare
Unvermeidlichkeit muss man kennen
Stelle wir uns nun vor folgenden Punkt: Wenn dem so ist, fragen wir uns, ob
dieses „Schicksal“ oder diese „Bestimmung“ wirklich existiert.
Wenn ja, müssen wir uns fragen, warum die Lage für diejenigen, die die gute
Sache vertreten, immer dann, wenn eine große Revolution ausbricht, bereits schon
ein wenig verloren erscheint.
Was ist der tiefere Grund dafür? Es muss irgendeinen geben. Und wir müssen ihn
analysieren, denn wir können nur dann erfolgreich kämpfen, wenn wir die Natur
dieses Phänomens kennen und uns ihm entgegenstellen. Solange wir uns seiner
Natur nicht bewusst sind und uns ihm widersetzen, wird unser Kampf wirkungslos
sein.
Wenn Sie die katholische Bewegung Brasiliens beobachten, werden Ihnen im
Großen und Ganzen großartige Dinge auffallen. Die Zahl der katholischen Werke
vervielfacht sich enorm, sie leisten viel Gutes, sie helfen vielen Kranken, sie
unterstützen viele Benachteiligte, sie verbreiten Religionsunterricht. Ihr
Engagement ist so groß, dass man sich Brasilien ohne sie nicht vorstellen kann,
da sie den Abriss der noch stehenden Mauer verhindern.
Auch wenn diese Werke tatsächlich enormes Gutes bewirken, müssen wir
dennoch anerkennen, dass der Prozess der Heidentumbildung Brasiliens, also die
Heidentumbildung von Ideen, Bräuchen und Institutionen, dadurch keineswegs zum
Stillstand kommt und dass Brasilien zunehmend heidnisch wird. Man kommt daher
zu dem Schluss, dass sie viel Gutes bewirken, dieses Gute jedoch nicht so groß
ist, wie es die Umstände erfordern. Es müsste mehr getan werden. Und was müsste
sonst noch getan werden? Welchen Punkt sollte man erreichen?
Um diese Frage zu beantworten, muss man die tiefen Gründe für diesen
Prozess der Heidentumbildung, diesen Revolutionsprozess kennen. Was ist das
Spiel der Seelen, was ist die tiefe Bewegung der Geister, was sind die
Organismen, die diesen Prozess auf diese Weise berühren. Wenn wir den Feind und
seine Manöver kennen, können wir nicht nur Gutes tun, sondern auch das Böse
effizient bekämpfen. Es reicht nicht aus, Gutes zu tun. Es ist auch notwendig,
das Böse zu bekämpfen.
Mit einer Hand bauen und mit der anderen
kämpfen
Als die Stadt Jerusalem nach der babylonischen Gefangenschaft wiederaufgebaut
wurde, bauten diejenigen, die sie errichteten, mit einer Hand, mit der anderen
hielten sie das Schwert zum Kämpfen, heißt es in der Bibel. Das ist es, was wir
tun müssen. Oft bauen wir jedoch mit beiden Händen und das Schwert ist weit
weg. Das Ergebnis ist, dass wir hier bauen und der Gegner es dort niederreißt.
Und da wir nur an unseren Bau denken, merken wir nicht, dass der Rest der Mauer
bereits abgerissen und umzingelt wird.
Aus diesem Grund verfügen wir über eine außergewöhnliche Reihe von Werken,
die den Prozess der Heidentumisierung (Einführung des Heidentums) jedoch nicht
aufhalten. Und manchmal dringt dieser Prozess der Heidentumisierung sogar in
unsere Werke ein, und das ist unvermeidlich.
Stellen wir uns den besten Priester vor, einen Heiligen, der in einer Stadt
in Brasilien oder Spanisch-Amerika eine katholische Schule gründet. Kann er
verhindern, dass der Einfluss von schlechtem Kino, Fernsehen, Radio und
schlechten Zeitungen auf seine Schule übergreift? Er bildet die Schüler aus,
aber die äußere Umgebung deformiert sie, und die Folge ist, dass die erzielten Ergebnisse
viel geringer ausfallen als sie sein könnten, denn während er aufbaut, zerstört
jemand. Also reicht es nicht aus, etwas aufzubauen, man muss auch wissen, wie
man zerstört.
Allgemein wird vom „Konstruktivismus“ gesprochen, also der Gewohnheit, aufzubauen,
ohne zu kämpfen, positive Dinge zu tun, ohne negative Dinge zu tun.
„Destruktivismus“, also die Gewohnheit, zu zerstören, ohne aufzubauen, sollte
vermieden werden. Aber auch der „Konstruktivismus“ muss vermieden werden. Wir
müssen mit einer Hand aufbauen und mit der anderen das Schwert zur Zerstörung
benutzen.
Heutzutage ist es sehr einfach, Katholiken zu finden, die (das Gute)
aufbauen, aber sehr schwierig, Katholiken zu finden, die (das Übel) zerstören.
Der Mangel an Kampfgeist des brasilianischen
Temperaments
Der brasilianische Geist hingegen, den wir von den Portugiesen geerbt
haben, zeichnet sich durch ein süßes, sanftes Temperament aus. Um den
Unterschied zwischen dem Portugiesen und Spaniern und den daraus resultierenden
Unterschied zwischen Portugiesisch-Amerikanischem und Spanisch-Amerikanischem
besser zu verstehen, betrachten wir ein symbolisches Beispiel: den
portugiesischen und spanischen Stierkampf.
Beim spanischen Stierkampf kommt es zwischen Stier und Stierkämpfer zu
einem Kampf auf Leben und Tod. Der Stier will den Stierkämpfer erledigen –
sofern man einem Tier überhaupt einen Willen zuschreiben kann – und der
Stierkämpfer hat den ausdrücklichen Wunsch, dem Stier den Rest zu geben. Und
die Tribünen wiederum bestehen darauf, dass der Stierkämpfer den Stier tötet,
weil sie kein Mitleid zu diesem haben.
Beim portugiesischen Stierkampf empfinden sowohl das Publikum als auch der
Stierkämpfer ein gewisses Mitleid mit dem Stier, und auch der Stier nimmt den
Kampf mit dem Stierkämpfer nicht so ernst. Man hat den Eindruck, dass sogar der
portugiesische Stier weniger wild ist als der spanische! Außerdem sägten die
Portugiesen die Hörner des Tieres ein wenig ab, um den Torero nicht zu
verletzen. Stierkampf ist also ein Kampf zwischen Freunden ..., ganz anders als
die kämpferische und zerstörerische Natur des spanischen Stierkampfs.
Wenn wir brasilianischen Katholiken oder Brasilianer jeglicher Art
gegeneinander kämpfen, führen wir aufgrund unseres guten Temperaments, einer
Eigenschaft, die in allen Episoden unserer Geschichte zu sehen ist, immer
Stierkämpfe im portugiesischen Stil durch.
Die Ausrufung der Republik in Brasilien im Jahr 1889 erinnert uns gut an
diesen Aspekt des brasilianischen politischen Lebens und den portugiesischen
Stil unserer Stierkämpfe. Wenn wir uns beispielsweise ansehen, wie in
Frankreich die Republik entstand, wenn wir an den Typ spanischer Republikaner
denken, - der in der Lage war, Bomben auf Alfons XIII. zu werfen, - und sie mit
den Republikanern Brasiliens vergleichen, sind wir erstaunt.
Lassen Sie uns dies anhand einer Tatsache veranschaulichen: Die
republikanische Regierung setzt den Kaiser ab, ist jedoch gleichzeitig besorgt
über die Lebensbedingungen von D. Pedro II. im Exil und bewilligt einen Betrag
von 5.000 Contos – heute einige Milliarden Cruzeiros –, damit er sich bequem im
Exil niederlassen und bis ans Ende seiner Tage dort leben kann! Der Kaiser
hatte tatsächlich die Würde, dieses Angebot abzulehnen. Doch eine solche
Haltung zeigt uns, was für Republikaner das sind, die den Kaiser vom Thron
stürzen, ihm aber beim Abstieg helfen, damit ihm nichts passiert! …
All dies ist portugiesischer Stierkampf, es ist das Gegenteil des in der
Genesis dargelegten Grundsatzes: „Ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und
der Frau und zwischen deinen Nachkommen und ihren Nachkommen“ (Genesis III,
15).
Der heilige Ludwig von Montfort, der große Theologe Unserer Lieben Frau,
macht folgende Bemerkung: „Unser Herr sagt „Inimicitias
ponam“ im Plural und nicht „Inimicitiam
ponam“, das heißt, ich werde nicht nur eine Feindschaft setzen, sondern ich
werde Feindschaften setzen – eine
Menge Feindschaften. Da es von Gott bestimmt wurde, ist die Feindschaft
zwischen Unserer Lieben Frau und der Schlange unüberwindbar. Die Feindschaft
zwischen den Kindern des Lichts und den Kindern der Finsternis ist eine
Feindschaft, die bestehen muss.
Daher müssen wir im Umgang mit Brasilianern auf den destruktiven Aspekt
hinweisen – und das tun wir in diesem Artikel –, weil wir genau diesen Aspekt
gerne vergessen. Wir bestehen kaum auf der konstruktiven Seite, weil dies von
selbst geschieht. Man schließe einfach die Augen, und alles beginnt, sich von
selbst aufzubauen. Wir müssen daher die vergessenen Wahrheiten verkünden, weil für
die bekannten Wahrheiten gibt es andere, die sie verkünden.
Versetzen wir uns daher in die Gegenwart unseres Gegners und versuchen wir
herauszufinden, wie er ist, wie er vorgeht und wie er ein so beeindruckendes
Ergebnis erzielt, dass er eine Schlacht, wenn sie beginnt, schon zur Hälfte
gewonnen hat, noch bevor sie überhaupt geschlagen wurde. Mit diesem Problem
müssen wir uns in dieser Arbeit befassen.
Ein Eingreifen auf den Staat ist sehr wichtig und sogar unverzichtbar, aber
es ist bei weitem nicht die einzige und wichtigste Maßnahme.
Viele haben den Eindruck, dass wir diesem Phänomen Einhalt gebieten
könnten, wenn wir einen rein katholischen Staat mit kirchenkonformen Gesetzen
schaffen würden. Unsere Hauptwirkung sollte sich daher auf den Staat beziehen.
Nachdem man ihn in Besitz genommen hat, wird er durch gute Gesetze reformiert
und das Problem wird gelöst. Es würde ausreichen, das Land einfach mit einer
guten Polizei auszustatten. Dies würde schlechte Filme, schlechte Zeitungen und
Orte unmoralischer Unterhaltung verbieten. Der Rest würde dann ein Kloster
werden. Die Kirchenglocken beginnen zu läuten, alle gehen andächtig beten, gute
Bräuche gedeihen und das Problem ist gelöst.
Die Lösung ist daher sehr einfach: Es wird eine politische Aktion
organisiert, diese Aktion übernimmt den Staat und mit Hilfe der Macht des
Gesetzes und der Polizei werden die Fermente der Zerstörung beseitigt. Alles
wird gelöst sein.
Es ist ohne Zweifel sehr wichtig, auf den Staat einzuwirken. Es ist sogar
unverzichtbar, aber bei weitem nicht die einzige Maßnahme und sogar bei weitem
nicht die wichtigste. Neben der Einwirkung auf den Staat – und darüber hinaus –
gibt es eine ganze Reihe wichtigerer Probleme, die wir berücksichtigen müssen.
Den konkreten Beweis hierfür finden wir in einer historischen Tatsache, die
nicht geleugnet werden kann. Im 13. Jahrhundert, auf dem Höhepunkt des
Mittelalters, verfügte die Kirche über alles oder fast alles, um eine Aktion
dieser Art durchzuführen: Die Gesetze waren katholisch; die Institutionen waren
es auch; die Tätigkeit des Staates unterdrückte die Häresien und das Böse. Wir
wissen, dass auf diese Weise die Albigenser-Häresie besiegt wurde. Auch im
Mittelalter wurde der Manichäismus verfolgt. Damals war eine viel geschmähte,
aber großartige Institution tätig: die Heilige Inquisition, gegen die
Niedertracht der Ketzer. Wie alles auf der Welt gab es auch hier einige
Missstände, aber die Institution an sich war großartig.
Obwohl alles in den Händen des Staates lag, der heilige Ludwig König von
Frankreich und zur gleichen Zeit der heilige Ferdinand König von Kastilien war
– zwei Heilige also, die über benachbarte Länder, zwei der wichtigsten Länder
Europas zu dieser Zeit, regierten – obwohl Heilige auf dem Thron Englands, auf
dem Thron des Heiligen Römischen Reiches und auf dem Thron Ungarns saßen,
begann diese Organisation trotz allem irgendwann zu zerfallen.
Und was war das Ergebnis? Weder die Gesetze noch die öffentliche Gewalt des
Staates konnten den bis heute anhaltenden Niedergang verhindern.
Wenn der Staat alles tun könnte, hätte das, was passiert ist, nie passieren
dürfen. Daraus schließen wir, dass der Staat nicht alles tun kann und dass es
eine subtilere und wichtigere Tätigkeit als die des Staates gibt, die wir hier
berücksichtigen müssen.
II.
Schauen wir uns die tiefere Erklärung für diese ständigen Misserfolge an,
die auf dem Sieg der Leidenschaften, des Stolzes und der Sinnlichkeit beruhen,
und analysieren wir die enormen Veränderungen, die im Laufe der Jahrhunderte in
der menschlichen Seele stattgefunden haben.
Das Verbindungsglied zwischen den Revolutionen
Ausgehend von dem Problem, wie es dargestellt wurde, müssen wir eine Frage
formulieren. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass der heilige Ludwig im Jahr
1270 starb. 1517 brach die protestantische Revolution aus; 1789 die
Französische Revolution; und 1917 die russische. Wer sich mit Geschichte
beschäftigt, hat daher auf den ersten Blick den Eindruck, es handele sich um
drei Revolutionen, die kaum einen Zusammenhang miteinander haben.
Welches Bindeglied verbindet diese Revolutionen? Auf welche Weise hat eine
die andere erreicht? Welche Phänomene haben dazu geführt? Dies ist die Studie,
die wir durchführen müssen.
Wenn wir den Niedergang des Mittelalters untersuchen, stellen wir fest,
dass der Heilige Ludwig 1270 starb; vierzehn Jahre später, im Jahr 1284,
bestieg Bonifatius VIII. den päpstlichen Thron und starb im Jahr 1303. Von 1270
bis 1303 sind es dreiunddreißig Jahre. In dieser kurzen Zeitspanne nach dem Tod
des Heiligen Ludwig ereignete sich also die berühmte Episode von der Ohrfeige
in Agnani. Wie kam es zu diesem Ereignis?
Philipp der Schöne, Enkel des heiligen Ludwig IX., besteigt den
französischen Thron und gerät bald in Konflikt mit dem Papst, weil er praktisch
die gesamte Macht über den französischen Klerus an sich reißen will. Und er behauptet
weiter, dass der Papst keine universelle Gerichtsbarkeit über das Christentum
habe, was im Widerspruch zur katholischen Lehre steht.
Es war also eine Auflehnung des Königs gegen den Papst. Und so kam es, nur
33 Jahre nach dem Tod des heiligen Ludwig, zu diesem schrecklichen Ereignis:
Vertreter Philipps des Schönen drangen in die Stadt Agnani ein, wo sich
Bonifatius VIII. aufhielt, und nachdem sie den ihn vor einer wütenden Menge
beleidigt hatten, bekam er eine Ohrfeige. Kurz darauf starb Bonifatius VIII.,
der sich außergewöhnlich würdevoll verhalten hatte, vor Kummer!
Es handelte sich um einen Akt der Auflehnung eines Königs gegen einen
Papst, doch er zeugte von der Existenz einer ganzen Strömung, die – wie wir später
noch untersuchen werden – das Klima für diese Gehorsamsverweigerung schuf,
obwohl es einen Heiligen Ludwig gab. Und es ist diese Strömung, die den ersten
Ausbruch der Revolution erklärt. Was war das für eine Strömung?
Die erste Explosion der Revolution
Bei der Beantwortung dieser Frage werden wir sehen, wie eine große Ordnung
der Dinge, wie etwa das Mittelalter, aufgrund kleiner Tatsachen zugrunde gehen
kann.
An den juristischen Fakultäten der damaligen Zeit, insbesondere in Paris
und Bologna, gab es etablierte Legisten,
das heißt Gelehrte des römischen Rechts, die wahrscheinlich durch eine geheime
Vereinigung miteinander verbunden waren und die behaupteten, das römische Recht
sei das wahre Prinzip der Staatsorganisation. Die Wünsche eines Fürsten haben
Gesetzeskraft. Sie waren Absolutisten. Und aus diesem Grund sind sie gegen alle
mittelalterlichen, organischen und christlichen Strukturen und für eine
anorganische und heidnische Struktur.
Wie wir wissen, bestand das Mittelalter aus einem Staat, zusammengesetzt aus
autonomen Organismen, die in Bezug auf alles, was in ihren eigenen
Einflussbereich fiel, dem König gegenüber autonom waren und die königliche
Autorität nur in Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse akzeptierten. Die Legisten wollten eine Ordnung der Dinge,
in der der König sollte befehlen können, wie der römische Kaiser. Und dann
begannen sie, den Einfluss der Kirche zu bekämpfen, die der königlichen
Autorität Grenzen setzte. Andererseits bekämpfen sie den Adel, der ebenfalls
eine Schranke der Macht darstellt. So kehrte man in den heidnischen Staat
zurück.
Während die Legisten für diesen
neuen Zustand kämpften, fanden sie bei den Königen ein dankbares und
aufmerksames Ohr.
Die Veränderung des Verhaltens der Könige
Die Haltung mittelalterlicher Könige war nicht immer diese. Die Ursache
dieser Veränderung liegt im nachfolgend beschriebenen Phänomen.
Wir stellen einen deutlichen Unterschied zwischen den Ritterromanen des
Spätmittelalters und denen seiner Blütezeit fest. Der Ritter des goldenen Zeitalters
ist ein Kreuzritter. Er kämpft für eine Sache, und diese Sache hat immer etwas
mit der katholischen Kirche zu tun. Sei er ein fahrender Ritter sein, der durch
Täler und Berge reist, um Witwen und Waisen zu verteidigen, im Geiste, ein Werk
der Barmherzigkeit zu vollbringen; sei er ein Ritter, der in den Kreuzzügen
kämpft, um das Grab Christi zu befreien, aber was seinen Geist immer
kennzeichnet, ist Selbstlosigkeit und Entsagung. Er kämpft, aber aus Liebe zum
Kreuz.
Die Ritterromantik verändert sie langsam: Der Ritter hört auf, ein Idealist
zu sein und wird zu einem eitlen Mann. Man fängt an absurde Fabeln zu erzählen,
in denen von einem Ritter die Rede ist, der in den Kampf zieht und mit
demselben Schwert fünf Mauren durchbohrt, als wären sie fünf Würste. Oder das
eines anderen Ritters, der gegen einen Felsen kämpfte und ihn mit einem Hieb
zerschmetterte. Es ist der Geist dieser und anderer Tatsachen, die Cervantes in
der Person des Don Quijote lächerlich machte.
Zur gleichen Zeit, als das Ideal nicht mehr darin besteht, dem Kreuz zu
dienen, sondern Stärke und Mut zu demonstrieren, erscheint im Roman eine
weitere Figur: die Dame. Diese ist noch eine sehr klare durchsichtige und reine
Frau, wird bereits die romantische Dame, für die der Ritter schwärmt und für
die er kämpft, um seine Liebe zu bezeugen. Und das Anliegen des Ritters ist
nicht mehr Christus, sondern die der Sentimentalität, und der Sinnlichkeit. Die
Dame ersetzt das Kreuz. Das Rittertum wird zu einem Element der Lebensgenüsse.
Die Leidenschaften des Stolzes und der
Sinnlichkeit
So werden die beiden Hauptleidenschaften des Menschen ins Spiel gebracht:
Stolz und Sinnlichkeit. Das äußert sich in Eitelkeit, in der Demonstration von
Stärke, im Prunk des Lebens; Sinnlichkeit, in der Geburt des Geistes der
Kurtisanerie und der Liebe
Nehmen wir einen jungen König, der von diesen Ideen durchdrungen ist, und
wir werden verstehen, dass er herrschen will. Stellen wir uns vor, ein Anwalt
sagt zu diesem jungen König: „Eure Majestät hat das Recht, über die ganze Welt
zu herrschen.“ Diese Aussage klingt wie Musik in seinen Ohren. In seinem Herzen
antwortet er: „Dieser Rechtsgelehrte hat Recht.“ Es ist leicht zu verstehen,
wie ein Ding das andere anspricht und wie sie zusammenkommen, um einen einzigen
Geisteszustand zu bilden.
Gleichzeitig verändert die Gotik ihr Erscheinungsbild. Im 13. Jahrhundert
ist sie streng; im 14. Jahrhundert beginnt sie an zu lächeln; es erscheint der
als Flamboyant bezeichnete neue gotische Stil, der überall mit Blüten verziert
ist und ein spielzeugartiges Aussehen annimmt. Es scheint, als würde die Gotik
anfangen zu tanzen. Während Institutionen und Bräuche allmählich heidnisch
werden, wird auch die Architektur fröhlich und verspielt.
Es handelt sich um eine tiefgreifende Veränderung der Geisteshaltung, die
eine Verschiebung darstellt. Die Idee, Gott zu dienen, für ein Ideal, für das
Kreuz zu leben, verschwindet und wird in den tiefsten Schichten des Menschen
durch die Sorge um das Vergnügen ersetzt. Der Mensch denkt nicht mehr an Pflicht,
sondern an Vergnügen. Er möchte das Leben genießen.
Von diesem Moment an kam es natürlich zu Reibereien mit den alten
Institutionen. In seiner Seele nistet sich ein brennender Wunsch nach etwas
Neuem, nach einer Veränderung ein. Dieser Wunsch, der keine erzwungene Idee,
sondern eine ungezügelte Leidenschaft ist, dieser Wunsch, der in der gesamten
Masse lebendig ist, führt nicht nur zum Protestantismus, sondern zu einem
Phänomen, das alle katholischen Länder betrifft. Und dieses Phänomen nennt man Renaissance.
Die Renaissance bringt den ungezügelten Wunsch
nach Lebensfreude mit sich
Protestantismus und Renaissance sind eng miteinander verbundene Tatsachen.
Wenn wir uns ansehen, was die Renaissance mit sich bringt, finden wir die
Befriedigung eines unbändigen Verlangens, das Leben zu genießen. Natürlich gab
es eine christliche Renaissance, aber darüber werden wir später sprechen. Wenn
wir die Punkte analysieren, in denen sich die Renaissance von der
mittelalterlichen Kultur unterscheidet, stellen wir fest, dass sie alle diesem
Impuls gehorchen, dem Wunsch, das Leben zu genießen.
Nehmen wir das erste Merkmal der Renaissance: den Naturalismus. Wir alle
wissen, dass die menschliche Vernunft sehr leidenschaftlich und sehr irritiert
reagiert, wenn sie das Übernatürliche akzeptieren muss. Das Merkmal eines
stolzen Menschen besteht darin, dass er es nicht akzeptieren will. Und wie man
sieht, beginnt der Mensch, wenn er sich den Freuden des Lebens hingibt, das
Übernatürliche in all seinen Erscheinungsformen ablehnen zu wollen und die Herrrschaft
seiner Vernunft geltend machen zu wollen. Das Gegenteil erfordert von ihm
Anstrengung, erfordert Kampf, und dieser Kampf irritiert ihn sehr und macht ihn
somit zu einem Naturalisten.
Wenn wir nun die Kunst der Renaissance mit der des Mittelalters
vergleichen, sehen wir, dass bestimmte Künstler des Mittelalters tief vom
Übernatürlichen durchdrungen waren. Ein Fra Angelico, ein Giotto, in seinen
Gemälden hat man fast den Eindruck, das Übernatürliche sei dort dargestellt. In
den Gemälden der Renaissance fällt auf, dass selbst bei Raffael, dem Maler der
„Madonnen“, der Sinn für das Übernatürliche unvergleichlich geringer und viel
schwächer ist – wenn überhaupt vorhanden – und oft überhaupt nicht vorhanden
ist. In der Renaissancemalerei taucht häufig ein unverhüllter heidnischer
Charakter auf.
Ein großer italienischer Renaissancemaler wurde einmal gebeten, für eine
Kirche einen heiligen Johannes den Täufer zu malen. Innerhalb von drei Tagen
präsentierte der Maler das Gemälde. Wie konnte er es so schnell und so
vollständig malen? Die Sache ist, dass die Leinwand bereits bemalt war. Es
handelte sich um einen Bacchus, den der Künstler nur geringfügig veränderte,
indem er die Insignien des heiligen Johannes des Täufers hinzufügte! …
Dieser Bacchus, der die Rolle des heiligen Johannes des Täufers spielt, ist
das Symbol für diese Art von Fehler der Renaissance, ein Fehler, der für einen
guten Analytiker jedoch kein Fehler ist, sondern ein Hintergrund des
Heidentums, das aufkam, geboren wurde und sich allen Geistern aufdrängte.
Tatsächlich kann man von der spanischen Renaissance nicht dasselbe sagen
wie von anderen Erscheinungsformen der Renaissance. Wenn wir uns beispielsweise
die Gemälde eines Zurbaran ansehen, ist es unmöglich, in ihnen nicht einen
starken Hauch von Spiritualität zu bemerken. An dieser Stelle müssen wir jedoch
sagen, dass die spanische Renaissance einfach nur gemäßigter ist als die
anderen.
Die Gesellschaft am Vorabend der Französischen
Revolution
Am Vorabend der Französischen Revolution präsentierte die Gesellschaft
einen Menschentyp, der sich bereits grundlegend vom Menschentyp der Renaissance
unterschied und sich noch stärker vom Menschentyp des Mittelalters unterschied.
Das Werk des Absolutismus und Legismus ist vollendet. Die königliche Macht war
vollständig etabliert und absorbierte fast alle Erscheinungsformen des
Landeslebens. Alles ist zentralisiert. Frankreich präsentiert sich als ein
Kopf, in dem sich alles konzentriert und in dem, sobald ein Schlag erfolgt, alles
zusammenbricht.
Andererseits entwickelte sich der Naturalismus der Renaissance weiter und
bewegt sich nun in Richtung Deismus.
Was ist Deismus?
Aus der Kraft, das Übernatürliche nicht anerkennen zu wollen, entsteht eine
Art Religion, die behauptet, dass Gott existiert, aber nur der Gott der
Vernunft, der Gott, den die menschliche Vernunft verstehen kann. Es gibt keine
andere Form der Religion. Jesus Christus ist nicht Gott. Es gibt nur einen
Gott, der sich in den Wolken verliert und von dem niemand weiß, was man von ihm
denken soll.
Ein Deist dieser Art ist
beispielsweise Voltaire, der sagte, er glaube an Gott, aber leugnete, dass
Jesus Christus Gott sei. Seine Briefe endeten immer mit dem Ausdruck „Ecrâsons l'infâme“: „vernichten wir die
Berüchtigte!“ Es ist notwendig, Jesus Christus, den großen Urheber des
Aberglaubens, zu vernichten. Für Voltaire ist der Klerus eine Gruppe von
Männern, die davon leben, die Leichtgläubigkeit der Öffentlichkeit auszunutzen.
Der Adel ist eine Gruppe von Ausbeutern, die von der Ausplünderung der Armen
leben. Es gibt keinerlei Hierarchie und vor allem verliert sich Gott in den
Wolken.
Daneben gibt es den Enzyklopädismus. Was ist Enzyklopädismus? Es handelt
sich um eine Gruppe weiser Männer, die zusammenkommen, um eine Enzyklopädie zu
erstellen, also eine Zusammenstellung allen Wissens, das zu dieser Zeit
existierte, das jedoch vollständig von der Vorstellung geprägt war, dass man
über Gott nichts wissen könne und dass alle Religionen falsch seien. Der
Deismus erzeugt dann eine Form der Kultur, die ebenfalls atheistisch ist.
Da es immer einen Mittelweg gibt, finden wir Jansenisten und Gallikaner,
die Katholiken sind und, ohne den Deismus zu erreichen, innerhalb der
katholischen Kirche leben, aber als eine Art fünfte Kolonne. Die Jansenisten
sind getarnte Protestanten und die Gallikaner leugnen die Autorität des Papstes
über die Kirche Frankreichs.
Die Umwandlung des Adeligen
Nachdem wir den Aufstand gegen die Religion untersucht haben, wollen wir
nun sehen, wie sich die Lust am Vergnügen in der Umwandlung des menschlichen
Typs äußerte.
Wie war der Adlige am Vorabend der Revolution? Es ist was man sich als ein
völlig Unterschiedlicher von dem alten Adligen nur vorstellen kann. Der
mittelalterliche Edelmann ist ein starker, kampfbereiter Krieger. Sein
Nachkomme, der kleine Marquis am Vorabend der Revolution, ähnelt eher einem Nippes
als einem Krieger. Sein Hauptanliegen besteht nicht darin, mutig oder
heldenhaft zu sein, sondern anmutig, graziös.
Er ist „zerbrechlich“, trägt hochhackige Lackschuhe. Das Schöne ist, kleine
Füße, weiße und dünne Hände und manchmal lackierte Nägel zu haben. Er trägt
einen Spitzenkragen, Seidenkleidung und gepudertes Haar. Seine Kleider sind
voller Blumen, die Knöpfe bestehen aus Edelsteinen. Er duftet gut und feminin.
Niemand verbeugt sich wie er, lächelt und ist sehr freundlich. Er sieht aus wie
ein kleines Spielzeug, das wie ein Mondstrahl im Boden steckt. Er fährt in
einer Kutsche, die eher wie eine Bonbonière ähnelt. Man könnte sagen, dass es
eher zur Aufbewahrung von Schokolade als von Menschen gedacht ist: Alles ist
golden, alles ist mit Kristallen verziert und obendrauf sind Federn; er trägt
einen Dreispitz, ebenfalls mit Federn; dahinter kommen zwei gefiederte Lakaien;
vorne zwei andere; den Pferden wird das richtige Gehen beigebracht und so geht
es durch die Straßen.
Es ist leicht zu verstehen, dass dieser Menschentyp im Laufe einer langen
historischen Entwicklung fast ausschließlich auf das Vergnügen ausgerichtet
war. Es gibt keine Ideale mehr, für die es sich zu kämpfen lohnt, und keine
Prinzipien mehr, denen es sich zu dienen lohnt. Sein einziges und größtes
Anliegen ist es, das Leben zu genießen und dabei elegant, gutaussehend,
angenehm und lustig zu sein.
Die Folge ist, dass er bei aufziehendem Sturm von niemandem mehr Respekt
genießt. Ein Mann kann einen anderen Mann respektieren, aber kein Spielzeug.
Man findet es vielleicht lustig, es tut einem vielleicht sogar leid, es zu
brechen, aber niemand folgt ihn oder dient ihm als Vorgesetzter.
Am Vorabend der Revolution lebten die Adligen nicht mehr auf ihrem Landsitz,
sondern in Paris. Sie lebten weit weg von ihren Bauern. Nur in einer einzigen
Region Frankreichs behielt der Adlige sein altes Vaterbild gegenüber den Bauern
bei, lebte unter ihnen und versuchte, ihre Probleme zu lösen. Es war in der
Vendée.
Mit Ausnahme dieser Region, die als einzige gegen die Revolution kämpfte
und in der es einen gegenrevolutionären Zusammenhalt gab, war in allen
Provinzen Frankreichs ein echter Niedergang zu verzeichnen, weil der Sinn für
das Lebensvergnügen alle Tugenden und Qualitäten aufgesogen hatte.
Der sanfte, angenehme, anmutige Mann, der von Natur aus den Thron unterstützte,
war nicht länger in der Lage, sich der Revolution entgegenzustellen. Was hatte
ihn zerfressen? Der Geschmack des Vergnügens.
Die Umwandlung des Bürgerlichen
Neben ihm stand der Bürger, dessen Physiognomie sich stark von der des
Adligen unterschied. Die eigentliche Sache der Bourgeoisie bestand darin, in
der Wirtschaft zu leben und sich mit wirtschaftlichen Angelegenheiten zu
befassen. Aus diesem Grund, während der Adel danach strebte, schlank und
elegant zu sein, war der Bourgeois dick und wohlgenährt und neigte zu
Fettleibigkeit. Leib und Bourgeois schienen miteinander verwandt zu sein. Und
das ist gar nicht so falsch, denn die Heilige Schrift berichtet von denen, die
ihren eigenen Bauch als Gott betrachten!
Der Bourgeois war ein stabiler Mann: große Schuhe, strapazierfähige
Kleidung, stark, sparsam; bei guter Gesundheit, ruhig, einfach, fleißig, aber
gleichzeitig mit sich selbst zufrieden. Im Vergleich zum Adligen war er wie die
Ente im Vergleich zum Hahn.
Er war ein Mann, der aufsteigen wollte, und er wollte das, weil er dachte,
er hätte alles und alles, was er brauchte, sei, von Adel zu sein, um der Erste
in der Gesellschaft zu sein. Dann sehen wir, wie er sich gegen den Adligen
erhebt, um ihn aus einem ähnlichen Grund zu stürzen, wie die Adligen zur Zeit
Philipps des Schönen zum Sturz des Papstes motiviert hatten.
Der Adlige wollte das Leben genießen und der Erste sein. Doch im Laufe
einiger Jahrhunderte ist dieser Status soweit geschwächt worden, dass es heute
die Bourgeoisie ist, die nach den Freuden des Lebens strebt und danach, die
Ersten zu sein.
Und dann organisiert die Bourgeoisie eine Revolution, angetrieben nicht nur
von Voltaires Ideen, die verführerisch sind, weil sie an die menschliche
Vernunft appellieren, sondern auch vom Wunsch zu befehligen, vom Wunsch zu
dominieren. Und da haben wir den Aufstand der Bourgeoisie gegen den Adel.
Diese Ideenbewegung ist so stark, die Umwandlung der Bourgeoisie und ihr
Wunsch zu herrschen sind so stark, dass die Karten sozusagen schon ausgespielt
sind, als die Französische Revolution beginnt. Die alten Institutionen, in
denen Menschen lebten, die ihren Geist verloren hatten, rechtfertigten sich
nicht mehr. Der Bürgerliche erscheint auf der Weltbühne voller Kraft. In dem
Moment, in dem er beschließt, die Gesellschaft aufzurütteln, fallen alle
Institutionen zusammen, als wären sie eine herabfallende Theaterkulisse. Es ist
die Präsenz eines neuen Geistes und einer neuen Mentalität, die alles auf den
Kopf stellt.
III
Letzte Umwandlungen der Bourgeoisie
Wir gehen nun zu einer anderen Phase über, die durch eine Reihe von
Bewegungen die Französische Revolution mit der kommunistischen Revolution
verband.
Der im Vordergrund stehende Bürgerliche wird im Laufe der Jahre selbst von
der Lust am Lebensgenuss zerfressen. Und diese Lust verändert ihn. Während er
vor der Französischen Revolution oder zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein
ausgeglichener, vernünftiger und fleißiger Mann war, wird sein Sohn ein
Lebensgenießer sein. Er wird versuchen, das Aussehen eines Dandys, eines
eleganten Mannes zu haben. Wenn er beginnt, diesen Aspekt anzunehmen, wird er
zu einem oberflächlichen, leeren Element und verliert die guten Eigenschaften,
die seine Abstammung groß gemacht haben.
Der Enkel des Bürgers ist der Playboy. Bei diesem hier hat man den
Eindruck, dass er völlig an Stabilität und Gewicht verloren hat. Seine
Geschwindigkeit ist verrückt; er geht nicht, er rennt. Oder legt sich hin und
schläft. Er verfügt weder über die Geschwindigkeit der Ruhe noch über Ideen.
Der Sinn für die Koordinierung der Gedanken ist völlig verschwunden. Springt
ohne Zusammenhang von einem Ausdruck zum anderen. Er hat keine Gewohnheiten. Ändert
seine Art zu existieren und zu sein jeden Tag aufs Neue. Sein Leben ist eine
ständige Kette von Freuden. Treibt Sport und dann Rock‘n Roll. Er will einfach
nur Spaß haben.
Die Lust am Vergnügen explodiert in der
Arbeiterklasse
Der Playboy ist ein extremes Phänomen, aber Tatsache ist, dass die Masse
der Bourgeoisie zu dem neigt, was wir als „Playboytum“ bezeichnen können. Es
bietet der Mehrheit der Arbeiterklasse und des Proletariats das berauschende
Schauspiel eines Lebens voller Vergnügen, das von außen betrachtet blendend,
von innen jedoch frustrierend ist.
Was ist das Ergebnis? Wenn wir vereinfachen und den Horizont verkürzen,
gelangen wir schließlich zur Diskreditierung der Bourgeoisie gegenüber dem
Arbeiter. Doch in diesem wird die Lust geweckt, das bürgerliche Leben zu
genießen. Also dieser Art von Drang der Massen den wir kennen, den Drang, sich
die Freuden zu sichern, die das Leben der Bourgeoisie ausmachen.
Andererseits wird dieser Drang durch eine gewisse Modernisierung eines
Teils des Klerus verstärkt. Pius XII. bringt in seinen Dokumenten in über zehn
wichtigen Aussagen seine Traurigkeit zum Ausdruck, die ihm diese Abweichung
eines Teils des Klerus bereitete. Diese Tendenz ist also eine Tatsache, die in
päpstlichen Dokumenten nachvolziehbar ist.
Und dann haben wir die verschiedenen Tendenzen unserer Zeit zum Atheismus,
zum Pantheismus, zum Liturgizismus, zum Sozialismus; und darüber hinaus die
verrückten Kunstformen wie der Kubismus oder der Dadaismus, die alle diese Arten
von Sehnsucht nach Vergnügen zum Ausdruck bringen, ein ungezügeltes Verlangen,
das eine Transformation darstellt, vor der alle politischen und sozialen
Veränderungen nichts weiter als bloße Konsequenzen sind.
Die Dynamik dieses Verlangens nach Vergnügen
Das große Problem besteht darin, wie man es schafft, genau in dem Moment
etwas zu bewahren, wenn dieser gewaltige Geist des Heidentums und der Drang zum
Vergnügen am stärksten und ungehemmtesten wehen.
Und da dieser Drang enorm ist, da diese neuheidnische Tendenz kolossal ist
und nur durch das befriedigt werden kann, was Stolz und Sinnlichkeit
befriedigen kann, erhält ein Autor jedes Mal Beifall, wenn er ein Buch
schreibt, das den Stolz begünstigt, und wenn sein Buch im Gegenteil auf
Hierarchie und Demut ausgerichtet ist, wirken seine Worte melancholisch, wirken
traurig und entmutigend. Der Autor findet keine Popularität. Dieser Drang nach
Vergnügen führt die Menschen auf die Seite der Revolution.
Nehmen wir einen zutiefst moralischen, schönen und edlen Roman an. Was wird
das Ergebnis sein, wenn der Autor mit einem unmoralischen Buch konkurrieren
will? Der unmoralische Roman, die bestimmte Leidenschaften befriedigt, die auf
Nahrung und die Möglichkeit warten, sich auszubreiten, wird sicherlich
gewinnen. Der moralische Roman, der nur die Vernunft anspricht und uns an die
Pflicht erinnert, ist nicht gefällig, weil es in der Leserschaft nur Appetit
auf die Idee des Vergnügens, der Sinnlichkeit gibt.
Ein Redner, der ein Vortrag zugunsten der Ehescheidung hält, wird von allen
beklatscht werden, denn es gibt unzählige Leidenschaften, die auf der Suche
nach freier Liebe sind. Spricht sich ein Redner jedoch gegen die Scheidung aus,
wird er auf ein Publikum stoßen, das ihm zwar zustimmt, das aber mit einem
traurigen Gefühl nach Hause geht, dass es die Scheidung durchführen musste, und
das bedauert, dass die Logik des Redners es eingeschränkt hat. Die Zuhörer
werden den Vortrag mit dem Gefühl verlassen, um etwas betrogen worden zu sein.
Stellen wir uns einen Redner vor, der sich normalerweise gegen den
Egalitarismus (Gleichmacherei) ausspricht. Wenn er im Gegenteil bekräftigen
würde, wie schön und edel es ist, andere vor Leid zu bewahren; wie schön ist
daher der Mensch, der seine Überlegenheit ablegt, um diejenigen zu trösten, die
geringer sind als er, und der, angetrieben von einem erhabenen Geist
christlicher Nächstenliebe, es versteht, sich mit allen gleichzustellen und auf
Augenhöhe mit ihnen zu stehen. Der ganze Saal applaudiert. Warum?
Denn jeder Mensch hat den Wunsch, diese Barrieren zu beseitigen, die in der
Welt ständig Reibungspunkte verursachen, und genau deshalb hat jeder ein
offenes Ohr für solche Ideen.
Gründen wir zum Beispiel eine politische Partei mit dem Namen „Revolutionäre
Radikal Progressive Partei“. Es gibt tausend Schlangen, die gierig auftauchen.
Wenn wir sie jedoch die Partei der regenerativen Reaktion nennen, werden wir
nur die Stimmen einiger alter Frauen, einiger vernünftiger Männer und des
kleinsten Teils der Wählerschaft bekommen, weil die Mehrheit bereits für die
andere Seite gewonnen wurde. Für die Gründung unserer Partei werden wir nur die
Stimmen von einem halben Dutzend rückständiger Bauern bekommen. Aber die „Radikal
Progressive Revolutionäre Partei“, diese ja wird alle Stimmen bekommen! Warum? Weil
eine politische und ideologische Entschlossenheit bereits im Bewusstsein der
Öffentlichkeit vorhanden ist, noch vor den Ideen.
Die Genusssucht der katholischen Bevölkerung
Wie können wir erklären, dass Brasilien als Nation mit 70.000.000 Katholiken
und einer unbedeutenden Minderheit an Protestanten, Atheisten und Schismatikern
dennoch mit der größten moralischen Krise konfrontiert ist? Das brasilianische
Volk ist katholisch und eng mit den christlichen Traditionen verbunden, die es
von seinen Vorfahren übernommen hat. Andererseits ist es aber durch eine viel
dynamischere Bewegung seiner Seele mit den losen Kräften des Neuheidentums
verbunden. Es hat Appetit auf Vergnügen; und Appetit auf diese aufgestaute und
explosive Form des Vergnügens, die die Zerstörung aller Ordnung, aller
Hierarchie, unserer gesamten christlichen Vergangenheit darstellt.
Was ist das Ergebnis? Wenn wir in die Kirche gehen und uns an die Brust schlagen
und bei der Volkszählung angeben, dass wir katholisch sind, werden unsere
Seelen zunehmend von katholischem Inhalt entleert. Und das in einem solchen
Ausmaß, dass das große Problem für Brasilien – und wir glauben, dass dies für
alle katholischen Nationen der Welt dasselbe ist – nicht darin besteht, die
Protestanten in diesen Ländern zu bekehren. Wenn wir die Katholiken dieser
Nationen „katholisieren“, haben wir unser beunruhigendes Problem gelöst.
Was nützt es, die 5 % der Protestanten zu bekehren, während die Spaltung in
unseren Seelen, die seit der ersten Revolution besteht und sich immer weiter
verschärft, das doppelte Erbe ist, dass wir mit dem portugiesischen oder
spanischen Blut, von dem wir abstammen, erhalten haben: das Erbe des Glaubens
und das Erbe der Revolution? Und während wir sehen, dass aufgrund eines
erschreckenden Phänomens der Seele alles, was den Glauben repräsentiert, jeden
Tag schwächer wird, während gleichzeitig alles, was die Revolution
repräsentiert, stärker wird?
Im Zentrum dieser Krise steht ein Seelenproblem, ein innerer Kampf, und in
diesem Kampf repräsentieren die Kräfte ungezügelter Leidenschaften die
Revolution. Dies sind dynamische Kräfte. Andererseits sind die Kräfte, die
Tradition, Tugend und Glauben repräsentieren, Kräfte im Niedergang, schläfrig
und geschwächt. Und wenn wir auf der einen Seite Dynamik und auf der anderen
Trägheit haben, auf der einen Seite Leben und auf der anderen Seite Tod haben,
wird die Zeit kommen, in der diese Trennung aufhört. Das Lebendige wird am Ende
das Tote verschlungen haben.
Die Revolution bereitete auf ungemein kluge Weise den Zusammenbruch des
Westens vor. Wir müssen das Gegenteil tun: die Gegenrevolution vorbereiten, die
in erster Linie eine Gegenrevolution des Kreuzes sein muss.
Welche praktische und positive Situation haben
wir also erreicht?
Die Revolution bereitete in ihrer überaus weisen Art den Untergang des Westens durch spezielle Regeln vor, die alle auf dem Prinzip basierten, dass man, um den Menschen in die Irre zu führen, Leidenschaften schüren müsse. Wir könnten, indem wir die Prinzipien anwenden, die wir in unserem Buch „Revolution und Gegenrevolution“ entwickelt haben, eine Studie darüber durchführen, wie die Revolution durch ein System der Insufflation (einflößen) begann, den Geschmack des Vergnügens irgendwo in moderatem Maße zu verbreiten. Nachdem dies die Lust an der Gottlosigkeit geweckt hatte, begann es sich auch auf andere Bereiche auszubreiten und so wurde in allen Bereichen der Gesellschaft ein gewaltiges Feuer entfacht.
Was sollen wir tun? Genau das Gegenteil. Wir müssen die Gegenrevolution
vorbereiten, die in erster Linie eine Gegenrevolution des Kreuzes sein muss.
Und was bedeutet die Gegenrevolution des Kreuzes?
Heute befinden wir uns möglicherweise in der besten Zeit überhaupt, um die Gegenrevolution
durchzuführen.
Die Evangelien erzählen uns das Gleichnis vom verlorenen Sohn, der,
getrieben von einem Geist, den man als revolutionär bezeichnen könnte, das Haus
seines Vaters verlässt, um das Leben in der Stadt zu genießen und die Autorität
seines Vaters nicht länger zu tolerieren. Dann gibt er seinen gesamten Reichtum
aus und lebt schließlich von den Eicheln, die man den Schweinen gibt. Und in
diesem Gleichnis, des Evangeliums, steckt etwas äußerst Psychologisches.
Solange dieser Mann vom Geld lebte, erinnerte er sich nicht an seinen Vater,
aber als er den schlechten Geschmack von Schweineeicheln in seinem Mund und die
Leere unbefriedigender Mahlzeiten in seinem Magen spürte, erinnerte er sich an
seinen Vater. Mit anderen Worten: Die Zeit des Leidens ist die Zeit der Besserung,
die Zeit der Buße.
Die heutige Welt befindet sich genau in dieser Situation, sie ist in der Zeit
des Leidens und der Buße. Wenn wir durch die großen modernen Städte gehen,
bemerken wir eine Atmosphäre geschäftigen Lebens. Die Gesichter sind düster,
die Menschen eilen zur Arbeit, es gibt Hunger, das Leben ist hart und vor allem
sind die Seelen sind. Sie merken nicht, dass sie leer sind, doch das hat nichts
zu sagen; tatsächlich aber sind sie leer. Und dieses Gefühl der Frustration der
Seele führt zu den Neurosen, Psychosen und der Verzweiflung, die für Großstädte
so charakteristisch sind. Wir alle spüren, dass wir uns in einem jener Momente
der Geschichte befinden, in denen die Menschheit von einer Katastrophe bedroht
wird. Und die Wasserstoffbombe ist die kleinste davon. Tief im Inneren zittert
die ganze Welt und vernimmt eine undefinierbare Frage.
Und aufgrund dessen, aufgrund dieses Schmerzes, der die Folge dessen ist,
was der Teufel den Menschen versprochen hat – er versprach Vergnügen und gab
ihnen schließlich die Schweinseicheln, weil der Teufel immer lügt –, aufgrund
dieser Tatsache bemerken wir etwas völlig Neues.
Anzeichen einer großen Chance für die Gegenrevolution
Vor 20 Jahren hätte eine gegenrevolutionäre Bewegung als Utopie gegolten.
Wer die katholische Bewegung von damals bis heute kennt, kann sagen, dass die
Möglichkeiten einer gegenrevolutionären Bewegung noch nie so groß waren wie
heute. Nicht, weil die Krise nicht ihren Höhepunkt erreicht hätte, sondern
gerade, weil sie ihren Höhepunkt erreicht hat, denn damit beginnt auch die
Verzweiflung und dann die Reaktion.
Und aus diesem Grund, aus einer Art tiefer Bitterkeit und Ernüchterung, die
jeder von uns - aber vor allem die Jugend - verspürt, beobachten wir diese
fantastische Tatsache, die uns alle überrascht hat. Als wir die Pläne für das
Buch „Agrarreform – eine Gewissensfrage“ machten, hatten wir mit einer Auflage
von 5.000 Exemplaren kalkuliert. Innerhalb von zwei Monaten wurden 12.000 Einheiten
des Buches veröffentlicht, und es stieß in ganz Brasilien auf eine so große
Nachfrage, dass man sofort daran dachte, eine Neuauflage von 18.000 Bänden zu
drucken und so wurden in kürzester Zeit 30.000 Exemplare hergestellt, von denen
fast alle bereits verkauft sind, was für ein „wütend reaktionäres“ Buch, wie
man nannte, ein wahrer Rekord ist.
Was bedeutet das nicht alles als ein Begehren nach einer Reaktion; eine
völlig neue Tatsache, die es während der gesamten vorherigen Periode nicht gab?
Es handelt sich um eine Tatsache, die in der oberen Zone der Revolution A stattfindet und die viel
wichtiger ist als ein rein institutionelles Ereignis. Es handelt sich um eine
Tatsache, ein Phänomen in der Seele der Mernschen, im kollektiven Leben des
Volkes, das aus dem Wunsch besteht, über die Extreme der Revolution
hinauszugehen, einem Wunsch nach etwas Positivem, Idealem und Leidens.
Aus diesem Grund gibt es so viele junge Menschen, die in Europa eine
wundervolle Zeit verbringen könnten, die luxuriösesten Autos kaufen, den
feinsten Champagner trinken, das luxuriöseste und unbeschwerteste Leben führen
könnten und die jedoch ihr Leben dem Kampf gegen die Revolution widmen. Aus
diesem Grund könnten auch viele andere, die nicht reich sind, versuchen, Geld
zu verdienen – was der größte Wunsch des modernen Menschen ist –, doch sie „verschwenden“
ihre Zeit und gefährden ihre wirtschaftliche Zukunft durch gegenrevolutionäre
Arbeit.
Unseren Herrn Jesus Christus mit einem Geist
der Aufopferung, des Verzichts und der Pflichterfüllung zu folgen, im Gegensatz
zu allem, was bisher getan wurde: von Männern, die von diesem Geist
durchdrungen sind, wird die Morgendämmerung eines neuen Mittelalters kommen
Was ist der Grund für diese wunderbare Tatsache? Es sind Menschen, die auf
der Suche nach dem Kreuz Unseres Herrn Jesus Christus leben. Sie wollen etwas
über Pflicht und Ideal hören, wissen aber, dass die Worte Pflicht und Ideal
keine Bedeutung haben, außer in Verbindung mit Seinen Worten. Denn Unser Herr
Jesus Christus, das höchste Gut, ist das einzig vollkommene Ideal, und alle
Ideale, die in ihm enthalten sind, sind wahr, und alle Ideale, die von ihm
abweichen, sind Lügen, Abscheulichkeiten, Sünden.
Und dann die tiefe Bedeutung dieser Seelenbewegung verstehen und warum sie
das hat, was wir Mystik nennen könnten, nämlich die Mystik Unseres Herrn Jesus
Christus mit einem Geist der Aufopferung, des Verzichts und der Erfüllung
seiner Pflicht zu folgen, im Gegensatz zu allem, was bisher getan wurde. Von
Männern, die von diesem Geist durchdrungen sind, wird die Morgendämmerung eines
neuen Mittelalters kommen. Solange die Menschen einen anderen Geist haben,
nämlich den Geist des Vergnügens und des Lebensgenusses, kann es nur
Abscheulichkeiten und Heidentum geben.
In einer Zeit, in der die christliche Zivilisation im Sterben liegt, aber
auch wiedergeboren werden kann, wollen wir nichts verschleiern, was im Kreuz Unseres
Herrn Jesus Christus bewundernswert wahr, logisch, schlüssig, tiefgründig und
aufrichtig ist. Es ist notwendig, aus Liebe zu Unserem Herrn Jesus Christus ein
Leben der Pflicht, des Kampfes, der Arbeit und der Ernsthaftigkeit zu führen.
Das sind schreckliche Worte!
Auf den Spuren unseres Herrn und unter dem
Blick der Heiligen Jungfrau
Doch die Schrecklichkeit dieser Worte wird durch zwei Überlegungen
gemildert. Es gab eine Heilige, der unser Herr erschien, das Kreuz auf einem
Dornenpfad tragend, und sie einlud, ihm zu folgen. Sie ging denselben Weg
weiter, aber ihre Füße hielten es nicht aus. Dann sagte sie: „Herr, ich kann
nicht weiter.“ Er wandte sich ihr zu und warnte sie: „Du machst nicht, was ich
mache, du trittst nicht in meine Fußstapfen. Wenn Du gehst und tretest, wo ich
getreten bin, dann wirst auch Du gehen können“.
Es genügt also nicht, leiden zu wollen, sondern es ist notwendig, Unserem
Herrn genau zu folgen, unsere Füße dorthin zu setzen, wo er sie hingesetzt hat,
in enger und inniger Verbindung mit ihm zu leben, dann ist dieser Weg
tatsächlich gangbar. Besonders wenn uns auf diesem Weg zur Hilfe unserer
Schwächen und zum Trost unserer Herzen das Süßeste im Himmel und auf Erden zur
Verfügung steht: das unbeschreibliche Lächeln der Heiligsten Jungfrau Maria!
Aus dem portugiesischen von „Revolution und Gegenrevolution
in Sitten, Umgebungen und Institutionen“. Vortrag von Prof. Plínio Corrêa
de Oliveira am 15. Januar 1964
Die deutsche Fassung dieses Vortages ist erstmals
erschienen in www.p-c-o.blogspot.com
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