Montag, 21. November 2016

Drei Jahrzehnte unermüdlichen Kampfes für das katholische Litauen – 1. Teil


Bei seinem Kreuzzug für die Erneuerung der christlichen Zivilisation hat Plinio Corrêa de Oliveira mit großer Aufmerksamkeit die wechselvolle Entwicklung der litauischen Nation verfolgt, die zuerst vom Nationalsozialismus und dann vom Kommunismus ohne Erbarmen niedergetreten wurde. Als es die Umstände dann zuließen, hat sich der brasilianische Denker dann auch unverzüglich für die Sache der Unabhängigkeit Litauens eingesetzt.
Eine kurze Einführung in die Geschichte des Landes soll dazu beitragen, seine Rolle im Laufe der Ereignisse, die sich in den letzten Jahrzehnten abgespielt haben, sowie das besondere Interesse, das diesen der katholische brasilianische Denker geschenkt hat, besser zu verstehen. Dieses Interesse ist vor allem darauf zurückzuführen, dass es sich hier um eine katholische Nation handelt.

Aus dem Dunkel des Heidentums zu einem strahlenden christlichen Reich

Es ist eine ziemlich mühsame Arbeit, die den Historiker erwartet, der versucht, die Herkunft von Völkern erforschen, die in einer von Stammeskriegen erschütterten Zeit unter einem fast patriarchalischen Gesellschaftssystem und der Pflege heidnischer Bräuche lebten. Mit den Merkmalen arischer Rasse und einer mit dem Sanskrit verwandten Sprache, die noch deutlich archaische Züge trägt, hat das litauische Volk zwar seit grauer Vorzeit Spuren seines Daseins hinterlassen, jedoch lassen sich diese nur schwer mit Genauigkeit angeben.
Tatsächlich löst sich Litauen erst im 13. Jahrhundert endgültig aus den Nebelschleiern des Mittelalters und zeigt sich uns von nun an im Licht der Geschichte.
In dieser Epoche wandte sich der Deutsche Ritterorden, der seinen Sitz im polnischen Norden hatte, wo er das Land Ostpreußen geschaffen hatte, gegen Osten, um die Völker zu erobern, die an den östlichen Ufern der Ostsee siedelten. Dort lebten damals die Völker Litauens in einem Großfürstentum.
Als sich Großfürst Mindaugas bereit erklärte, die Taufe zu empfangen, sah Papst Innozenz IV. die Gelegenheit gekommen, die Litauer zum Christentum zu bekehren. Nach der Taufe Mindaugas’ und seiner Familie wies er den Bischof von Kulm an, ihn zum König von Litauen zu krönen. Scheinbar hat es Mindaugas bei seiner Bekehrung jedoch an Aufrichtigkeit gefehlt, denn er schwor später wieder dem Glauben ab und starb schließlich eines gewaltsamen Todes. Das Volk aber hielt weiterhin den heidnischen Göttern die Treue.
Unter der Herrschaft Gediminas’, des Gründers von Wilna und Eroberers weiter russischer Gebiete, die heute zu Weißrussland oder zur Ukraine gehören, erreichte das Großfürstentum Litauen große politische Bedeutung. 1323 äußerte Gediminas dann in einem Schreiben an den Papst den Wunsch, zum katholischen Glauben überzutreten. Er lud zudem die Franziskaner und Dominikaner ein, das Land zu missionieren. Unter dem ständigen Druck der Ritter des Deutschen Ordens verlegte sich Gediminas auf eine kluge Bündnispolitik mit verschiedenen Nachbarstaaten. Zum wichtigsten Partner wurde nun Polen, ein Land, das immer wieder unter den Einfällen der Preußen, der Tartaren und auch der Litauer selbst zu leiden hatte. König Wladyslaw Lokietek (1306-1333) vermochte fast ganz Polen wieder zu vereinen und gab die polnische Krone an seinen Sohn Kasimir III. den Großen (1333-1370) weiter. Gediminas, der sich mit Wladyslaw verbündet hatte, gab Kasimir seine Tochter Aldona zur Frau und schuf damit noch engere Beziehungen zwischen den beiden Herrscherhäusern.
Als Gediminas 1341 starb, erbten seine sieben Söhne das Großfürstentum. Unter diesen taten sich vor allem Algirdas und Kestutis als seine Nachfolger hervor. Vereint kämpften sie im Krieg gegen die Preußen. Algirdas starb 1377 als christlicher Mönch. Sein Nachfolger wurde sein zweiter Sohn Jogaila oder Jagiello. Im Gegensatz zur Freundschaft, die vorher seinen Vater und seinen Onkel verbunden hatte, verwickelte er sich in innere Auseinandersetzungen um die Fürstentümer Trakai und Wilna. Nach dem Abschluss eines Paktes mit dem Deutschen Orden ermordete Jagiello seinen Onkel Kestutis und nahm dessen Sohn Vytautas gefangen. 1392 wurde Vytautas jedoch von Anhängern Kestutis’ befreit und vom Adel des Landes zum Großfürsten Litauens gewählt. Der mit dem Beinamen der Große geehrte Vytautas trat zum katholischen Glauben über und wird noch heute von vielen als der eigentliche Begründer des litauischen Staates angesehen. An der Spitze eines verbündeten Heeres schlug er 1410 endgültig die Deutschordensritter und 1415 wurde er vom Konstanzer Konzil zum Oberbefehlshaber der Bündnistruppen im Kampf gegen die Türken ernannt.
Mit dem Tod Kasimirs des Großen war in Polen 1370 die Piasten-Dynastie erloschen. Die polnische Krone ging damit auf seinen Schwiegersohn Ladislaus aus dem ungarischen Königshaus über. Dieser gab 1386 Jagiello die Hand seiner Tochter Hedwig. Daraufhin bekehrte sich der litauische Fürst zum Christentum und bestieg nach seiner Taufe in Krakau den polnisch-litauischen Thron als Wladyslaw II. Er wurde damit zum Begründer des Herrscherhauses der Jagiellonen. Die beiden Länder bildeten von da an einen gemeinsamen Staat, behielten jedoch ihre je eigene Regierung. Die Bekehrung Jagiellos, der sich später mit seinem Vetter Vytautas versöhnte, trug entscheidend auch zur endgültigen Bekehrung Litauens zum katholischen Glauben bei. Einem Enkel Jagiellos und Hedwigs, Kasimir IV., wurde die Ehre der Altäre zuteil; als heiliger Kasimir ist er der Patron Litauens.
Die Dynnastie der Jagiellonen regierte bis 1572, während Litauen und Polen durch die wiederholte Ratifizierung der Personalunion noch bis 1795 vereinigt blieben. Mit dem allgemeinen Niedergang im 18. Jahrhundert verfiel auch diese Allianz. Und fast ganz Litauen kam nun 1795 unter russische Herrschaft. Die Litauer schlossen sich 1830 und 1863 den polnischen Aufständen gegen die Russen an, unter denen sie auch ihres katholischen Glaubens wegen härtesten Verfolgungen ausgesetzt waren.

Als Teil der „Nordwestlichen Provinzen“ büßte Litauen 1840 sogar seinen Namen ein. Besonders grausam war die 1863 von dem damaligen Gouverneur Muriaev  durchgeführte Unterdrückung.

Fortsetzung „Drei Jahrzehnte... 2. Teil

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