Samstag, 28. März 2020

Palmsonntag



Plinio Corrêa de Oliveira
Ein Mangel, der oft die Wirksamkeit der Meditationen mindert, die wir machen, besteht darin, die Ereignisse des Lebens unseres Herrn zu meditieren, ohne sie auf das anzuwenden, was in uns oder um uns herum geschieht. So sind wir erstaunt über den Wankelmut und die Undankbarkeit der Juden, da sie, nachdem sie mit der feierlichsten Aufnahme die Anerkennung verkündet hatten, die sie dem Erlöser schuldeten, Ihn kurz darauf mit einem Hass kreuzigten, der vielen unerklärlich erscheint.
Diese Undankbarkeit und Wankelmut gab es jedoch nicht nur bei den Juden zur Zeit des irdischen Lebens unseres Herrn. Heute muss Jesus im Herzen vieler Gläubigen diese Alternativen der Anbetung und der Schmähungen ertragen. Und das ist nicht nur im geschlossenen Inneren der Gewissen der Fall. In wie vielen Ländern wurde Unser Herr nacheinander in kurzen Abständen verherrlicht und geschmäht?
Lasst uns unsere Zeit nicht ausschließlich damit verbringen, uns über die Falschheit des damals auserwählten Volkes zu entsetzen. Für unser Heil wird es für uns sehr nützlich sein, über unsere eigene Falschheit nachzudenken. Mit den Augen auf die Güte Gottes gerichtet können wir so unser Leben verändern.
*   *   *
Niemand ignoriert die Tatsache, dass Sünde eine Beleidigung Gottes ist. Wer tödlich sündigt, vertreibt Gott aus seinem Herzen, bricht mit ihm die kindlichen Beziehungen, die er ihm als Geschöpf schuldet, und lehnt die Gnade ab.
Somit gibt es eine bemerkenswerte Analogie zwischen der Geste der Juden, den Erlöser zu töten, und unserer Situation, wenn wir in Todsünde verfallen.
Nun, wie oft und wie oft sind wir, nachdem wir unseren Herrn leidenschaftlich verherrlicht haben, für unsere Handlungen oder zumindest nachdem wir dem Schein nach ihn mit den Lippen verherrlicht haben, in Sünde gefallen sind und Ihn in unserem Herzen gekreuzigt haben!
Das gleiche gilt für viele zeitgenössische Nationen. Sie veranstalten imposante katholische Kundgebungen, in denen sie unseren Herrn öffentlich verherrlichen. Gleichzeitig planen die von ihnen an der Macht gehaltenen Staatsmänner, manchmal in der Stille, manchmal hinterlistig, den Ruin katholischer Institutionen und den Zusammenbruch der heutigen Zivilisation in ihren noch christlichen Linien! Während solche Katholiken ihre Liebe zur Kirche Christi verkünden, dulden sie durch ihre Vernachlässigung, durch ihre Lauheit, durch ihre Gleichgültigkeit, dass die Kirche langsam gefesselt, ihr Einfluss weise untergraben, ihre Tätigkeit verschleiert wird, damit am Tag, an dem die Stunde des gewalttätigen Angriffs ertönt, die Reaktion völlig unmöglich geworden ist.
Offensichtlich bereiteten solche Völker, nachdem sie Unseren Herrn als König anerkannt oder während sie dies taten, Verfolgungen und Leiden vor, die sich kaum von der großen und göttlichen Tragödie der Karwoche unterscheiden.
*   *   *
Gott sei Dank ist es jedoch nicht nur der Wankelmut und Falschheit der Juden, die heute überlebt. Es gibt auch - und wie bewegend sie sind - Gesten, die unwiderstehlich an die Frömmigkeit erinnern, die Veronica so mild gegenüber Jesus, und so überlegen gegen seine Verfolger hatte.
Wenn es wahr ist, dass unser Zeitalter von großen und unerwarteten Apostasien geprägt ist, ist es nicht weniger sicher, dass der Historiker in Zukunft eine Zeit großer Heiliger darin sehen wird, die für die Tugend der Stärke, Klugheit, Mäßigkeit und Gerechtigkeit bewundernswert ist, die die Welt scheint so radikal vergessen zu haben.
Unser Herr wird in unserer Zeit zweifellos sehr beleidigt. Lasst uns einige dieser Sühneseelen sein, die, wenn nicht aufgrund des Glanzes unserer Tugend, zumindest aber wegen der Aufrichtigkeit unserer Demut - intelligente, vernünftige, solide Demut und nicht nur Demut ausflüchtigen Geschwätzes und krummem Halses – sühnen wir an diesen heiligen Tagen, am Throne Gottes so viele Beleidigungen, die Ihm unaufhörlich zugefügt werden.


Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
„O Legionário“, Nr. 447, 6.04.1941
© Nachdruck der deutschen Fassung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Keine Kommentare: