Donnerstag, 25. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 – 9. Tag – 24. Dezember

Der Weihnachtstag

Plinio Corrêa de Oliveira

„Heilige des Tages“, 23. Dezember 1968

 

In der Weihnachtsnacht die höchste Vereinigung

der Jungfrau Maria mit ihrem Sohn

 

Alles deutet darauf hin – gemäß dem Gesetz der Gegenseitigkeit und der Analogie –, dass, als die Gottesmutter ihren Leib dem Herrn schenkte, der Herr ihr sozusagen ihr seinen Geist schenkte. Und dass sie in der Vereinigung mit ihm auf wunderbare, unergründliche Weise wuchs, auf eine Weise, die wir uns nicht einmal vorstellen können. Es steht jedoch fest, dass die Gottesmutter fähig war, in der Tugend zu wachsen, und dass sie bis zum letzten Augenblick ihres Lebens nicht aufhörte, sich weiterzuentwickeln. Daher durchlief sie während dieser ganzen Zeit der Schwangerschaft einen tiefen, unergründlichen, wunderbaren Fortschritt, der dem Fortschritt der Schwangerschaft entsprach, die in ihr stattfand.

In dem Maße wie sie Fleisch und Blut gab, um die heiligste Menschheit des Sohnes Gottes zu formen, gab Gott sich auch ihrer Seele hin. Und sozusagen – natürlich in Anführungszeichen – vergöttlichte sich ihre Seele. So als das reinste Werk ihres Leibes in der Weihnachtsnacht geboren werden sollte, hatte ihre Vereinigung mit Ihm einen unermesslichen Höhepunkt erreicht. Und sie war dann bereit, in jeder Hinsicht die Mutter des Erlösers zu sein.

Man kann also gewissermaßen sagen, dass sie als Mutter den Sohn hervorbrachte, aber auch, dass Er als Sohn in ihr die vollkommene Mutter vorbereitete und dass, sozusagen paradoxerweise, der Sohn die Mutter zeugte, aber dass die Seele, die sie brauchte, um die Allerheiligste Mutter unseres Herrn Jesus Christus zu sein, ihre ganze Vollkommenheit für die Rolle der Mutter Gottes genau in dem Augenblick erreichte, als sie den Sohn Gottes gebar.

Wir verstehen daher, dass der Augenblick der jungfräulichen Geburt unseres Herrn Jesus Christus in der Weihnachtsnacht wohl der Augenblick einer unermesslichen Ekstase war, in der die Gottesmutter zu einer überragenden Vertrautheit mit der Heiligen Dreifaltigkeit erhoben wurde. Und natürlich gebar sie in diesem Augenblick jungfräulich das Wort.

Wir dürfen uns die Gottesmutter nicht so vorstellen, wie sie manchmal in Gemälden dargestellt wird – nicht unberechtigt, denn die Malerei kann nicht alles abbilden –, als läge sie halb schlafend mit ihrem neugeborenen Sohn neben sich. Es ist nicht falsch, dies so darzustellen, doch die dahinterliegende spirituelle Wirklichkeit wird in der Darstellung nicht erhalten. Die Darstellung ist vielmehr eine Ekstase, eine Verzückung, wie sie im Leben keiner Heiligen zu finden war und wie wir sie uns nicht einmal vorstellen können. In dieser Verzückung erreichte ihre Seele eine Art Fülle, auf die weitere Füllen folgen sollten, denn sie stieg von Fülle zu Fülle, und hier, ja, im heiligsten Sinne des Wortes, von Veredelung zu Veredelung, zur Vollkommenheit der Heiligkeit, die sie im letzten Augenblick ihres Lebens empfing.

Was wir nur durch den Glauben wissen, ist, dass die Gottesmutter vor, während und nach der Geburt Jungfrau war.

Mit diesen Überlegungen verstehen wir die Vereinigung zwischen unserem Herrn und der Gottesmutter noch besser: es ist für den menschlichen Verstand völlig unbegreiflich, man kann sich nicht vorstellen, wie sie gewesen sein muss. Und wir sind so besser darauf vorbereitet, uns der Gottesmutter und damit dem Jesuskind zuzuwenden. Wir verstehen ihre Rolle als Mittlerin und Fürsprecherin noch besser; wir erkennen, wie wir uns ihr zuwenden und so jemandem nähern, dem Gott außerordentlich nahe ist, so nahe, wie Gott einem Geschöpf nur sein kann. Und so bereiten wir uns darauf vor, im Geiste des heiligen Ludwig Maria Grignion de Montfort neben der Krippe zu meditieren.

Das heißt, wir betrachten die Anwesenheit des Bildes der Gottesmutter neben der Krippe nicht nur als historische Tatsache, sondern erkennen dahinter die übernatürliche und mystische Bedeutung: Sie ist die Pforte des Himmels, sie ist die Bundeslade. Und so wie das Kind durch sie zu uns kam, können auch wir es nur durch sie erreichen. Und unsere Blicke in der Krippenszene sollten auf sie gerichtet sein, auf Ihn durch sie, mit den Augen des Geistes, wie jemand, der Jesus in Maria betrachtet.

Um zu verstehen, dass Jesus da ist, der die Quelle ist, und dass die Gottesmutter da ist, die den Kanal bildet.

Und in der Nähe ist auch der hl. Josef. Welche Rolle spielt der hl. Josef? So mächtig die Fürsprache der Gottesmutter auch sein mag, die Vorsehung wollte, dass wir weitere Fürsprecher haben, und einer dieser Fürsprecher ist der heilige Josef. Der heilige Josef durchlitt, wie wir wissen, eine gewaltige Prüfung aufgrund seiner Verwirrung als er die Schwangerschaft Mariens sah. Es sollte nicht die einzige Prüfung seines Lebens bleiben. Wir kennen zwei. Er muss viele weitere durchgemacht haben. Auch die Prüfung, die er durch den Verlust des Jesuskindes im Tempel erlitt, war eine schreckliche Prüfung.

So wie die Gottesmutter auf ihre Rolle als Mutter Gottes vorbereitet wurde, musste auch der heilige Josef auf seine Rolle als Adoptivvater des Jesuskindes vorbereitet werden. Er war weit mehr als ein Adoptivvater im herkömmlichen Sinne, denn im herkömmlichen Sinne ist eine Adoption vertraglich geregelt. Ein Vater adoptiert ein Kind, und das Kind, sofern es volljährig ist, stimmt der Adoption zu. Wenn nicht das Kind selbst, dann sind es zumindest die Eltern, die es einem anderen Vater übergeben. Doch es ist eine vertragliche Vereinbarung. Es gibt nichts weiter als das. Es besteht keine Bindung natürlichen Charakters.

 Obwohl der heilige Josef nicht der leibliche Vater des Jesuskindes war, hatte er als Ehemann der Gottesmutter ein Anrecht auf das Kind ihres Leibes. Es war keine konventionelle, keine festgelegte Vaterschaft, sondern eine Vaterschaft, die sich in gewisser Weise aus der natürlichen Ordnung der Dinge ergab. Nicht weil er der leibliche Vater des Kindes war, sondern weil er ein wirksames Recht auf die Frucht des heiligsten Leibes seiner Frau hatte. Das war sein Recht als Ehemann. So ist klar, dass auch seine Seele darauf vorbereitet wurde. Und wir müssen anerkennen, dass der heilige Josef in der Weihnachtsnacht ebenfalls außergewöhnliche Gnaden empfing. ...

In diesem Geiste sollten wir uns der Weihnachtsnacht nähern und uns auf die Gnaden dieser Nacht vorbereiten. Es hieße, die Tradition zu verfälschen und vom rechten Weg abzuweichen, wenn wir uns Gedanken über die Weihnachtsnacht machten, die nicht im Einklang mit den Gnaden stünden, die Weihnachten schenkt.

Weihnachten schenkt Gnaden der Versöhnung, Weihnachten schenkt Gnaden der Entspannung. Wenn die Weihnachtsnacht anbricht, haben alle Menschen bis jetzt – und ich habe den Eindruck, dass dieses Gefühl zunehmend schwächer wird – gespürt, als ob ein Friede auf die Erde herabgestiegen wäre und als ob ein Bund zwischen Himmel und Erde erneuert würde. So dass alle ruhig, freudig und unbeschwert neben der Krippe wandelten. Und es gab eine Art Entspannung der Seelen, ein gegenseitiges und christliches Wachsen der Zuneigung unter allen Menschen.

Natürlich können wir dies nicht mit den Mächten der Finsternis haben. Aber es ist gewiss, dass wir dies untereinander haben sollten. Die Weihnachtsnacht sollte uns mehr denn je spüren lassen, dass wir Kinder Jesu, Kinder Mariens, Kinder des heiligen Josef, angenommene Kinder der Heiligen Familie sind, also Brüder und Schwestern füreinander. Und deshalb sollten wir uns wünschen, in dieser Nacht die gegenseitige Zuneigung zu stärken, jene Bande zu festigen, die die Vorsehung so deutlich unter uns knüpfen möchte und die uns zur gegenseitigen Vergebung führen, zur Großzügigkeit, zum Vergessen von Fehlern, zur Erneuerung unseres Wohlwollens gegenüber anderen, das vielleicht etwas müde ist von den Strapazen des Alltags.

Möge die Muttergottes uns dies alle gewähren und möge sie auch mir die Erneuerung eures Wohlwollens schenken. Möge diese Weihnachtsnacht uns tief verbinden, damit wir auch ihr näherkommen und mit ihr verbundener sind. Dies ist der Wunsch, den ich nach dieser Betrachtung des Herzens Mariens ablege, während Sie das unendlich kostbare Fleisch und Blut unseres Erlösers trug.

  

Dienstag, 23. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 – 8. Tag – 23. Dezember

 Eine Weihnachtsmeditation:

Die Größe des Augenblicks der Geburt unseres Herrn

Plinio Correa de Oliveira

Heiliger des Tages – 21. Dezember 1965

 


     Der Heilige Abend rückt immer näher; lasst uns hier das Weihnachtsfest selbst betrachten.

Wie war die geistige Stimmung der Muttergottes in Bezug auf Weihnachten? Was bedeutete Weihnachten für sie Neues? Schließlich hatte die Muttergottes unseren Herrn, den sie wie einen Tabernakel in sich trug, und verband mit ihm die größte Vertrautheit, die offenkundig eine Seelengemeinschaft war. Denn es ist gewiss, dass Unser Herr bereits im Mutterleib denken konnte. Er konnte denken vom ersten Augenblick seines Daseins an und hatte daher eine ständige Verbindung mit ihr, eine Verbindung nicht nur als Person der Heiligen Dreifaltigkeit, sondern auch als Gottmensch mit der Muttergottes als seiner Mutter.

Unter diesen Umständen sollten wir nicht meinen, die Geburt unseres Herrn sei für die Muttergottes ein Akt gewesen, durch den sie sich des Sohnes bewusst wurde. Sie besaß dieses Wissen bereits, und zwar innig und voller Inbrunst. Was also bedeutete Weihnachten für die Muttergottes auf neue Weise?

Zunächst einmal liegt natürlich der Gedanke nahe: Weihnachten war der Moment, als die Muttergottes Jesus der Welt schenkte. Der Herr verließ den Mutterleib, kam in die Welt durch ihre Arme Mariens. Und natürlich muss der Augenblick der Geburt des Herrn, als er auf geheimnisvolle Weise und ohne die Jungfräulichkeit der Muttergottes zu beeinträchtigen, ein überaus erhabener Moment gewesen sein. Es muss ein Augenblick tiefster Freude gewesen sein, ein Augenblick innigster Seelenverbindung zwischen Ihm und Ihr.

Und es muss ein Akt innigster Liebe gewesen sein, der Augenblick der Geburt des Herrn, als sie gewiss zu einer unbeschreiblich hohen Mystik geführt wurde und zugleich mit der Göttlichkeit des Herrn Kontakt aufnahm.

Dieser Akt, diese Geburtsszene, muss von den drei Personen der Heiligen Dreifaltigkeit und allen Engeln des Himmels mit Gesang und Feierlichkeiten begleitet und analysiert worden sein. Das heißt, der Augenblick der Geburt, das Geschehen der Geburt unseres Herrn, muss eines der größten Feste gewesen sein, die je im Himmel stattgefunden haben, und einer der größten Triumphe in der Geschichte der Menschheit. Und die Muttergottes verband dies mit einer Intimität und einer Vereinigung mit Gott, die wahrlich unvorstellbar ist!

Natürlich war dies für die Muttergottes von größter Bedeutung. Aber war das alles? Ich habe den Eindruck, dass da noch etwas anderes war: Die Muttergottes hatte das heilige Antlitz unseres Herrn noch nicht gesehen. Sie hatte weder das Antlitz noch den Leib unseres Herrn gesehen.

Und in der physischen Wirklichkeit, einem Symbol der spirituellen Wirklichkeit, die Gesichtszüge, besonders bei unserem Herrn, der vollkommen war und in dem es keinerlei Betrug, Täuschung, Unzulänglichkeit oder irgendetwas Unrechtes gab. Wenn bei den Menschen im Allgemeinen, wenn auch verworren, das Gesicht den Ausdruck der Seele trägt, können wir uns das heiligste Antlitz unseres Herrn und seinen ganzen Leib vorstellen, die den Ausdruck seiner Seele trugen!

So erlangte die Gottesmutter einen neuen Titel der Erkenntnis unseres Herrn, nämlich: Sie erkannte Unseren Herrn in seinem Antlitz, in seinem Blick, in jedem einzelnen Glied seines Leibes, die bereits seine ganze Mentalität, seine ganze Seele widerspiegelten. Und darin lag ein neuer Titel für die Liebe, ein neuer Titel für die Vereinigung, gewiss ein Ansporn für die unaussprechliche Anbetung, die die Gottesmutter unserem Herrn in der Weihnachtsnacht darbrachte.

Bedenken Sie, dass nicht nur jedes Merkmal des Gesichts Ausdruck einer Mentalität ist, sondern vor allem der Blick. Und dies drücken auf seine Weise auch verschiedene andere Körperteile aus: der Hals, die Schultern, die Hände, die Füße – verschiedene Teile davon zeugen von einer Mentalität, vor allem aber dies als Ganzes. Wir können uns dann vorstellen, wie die Muttergottes diesen offenkundigen Ausdruck der psychologischen und übernatürlichen Wirklichkeit Unseres Herrn betrachtet und ihn innig verehrt.

...

Und aus all dem ist Weihnachten die erste Offenbarung, und in all dem mündete die Anbetung der Muttergottes. Die Anbetung der Muttergottes, die Anbetung des heiligen Josef, der ihr nahe war und als ihr Gemahl und Vater des Jesuskindes an diesem Akt der Anbetung teilnahm. Dass die Muttergottes in dieser Seelenvereinigung mit Unserem Herrn eine Beziehung hatte, die wir nicht einmal vollständig begreifen, ist offenkundig. Wir können uns die Zärtlichkeit, den Respekt, die Begeisterung, die Anbetung und die Ehrfurcht des heiligen Josef vorstellen, als er dieses Kind sah, von dem er wusste, dass es der Sohn des Heiligen Geistes und der Muttergottes war – rechtlich gesehen aber sein Sohn, der in seiner Person zum Teil zum Sohn Davids wurde und die Prophezeiungen erfüllte. Er blickte dieses Kind an und dachte, dass dieses Kind schließlich sein Gott und der Gott aller Menschen war; und zugleich sein Sohn, der Sohn seiner Frau. Was bedeutet das angesichts der Heiligkeit Unseres Herrn, die von der ganzen Krippe, ja vor allem von seiner ganzen Person ausstrahlte?

Diese Vorstellung von der Offenbarung des Menschen, des Leibes unseres Herrn Jesus Christus, an Weihnachten als Ausdruck seiner Seelenheiligkeit – einer Heiligkeit, die Ausdruck der mit der menschlichen Natur vereinten Würde ist – sollte uns, so mein Eindruck, tief berühren! Und genau darüber sollten wir in der Weihnachtsnacht besonders nachdenken.

Viele Heiligenbilder zeigen die Weihnachtsnacht, die Szene mit der hell erleuchteten Krippe des Jesuskindes und dem kleinen, liebenswerten Kind mit seinem süßen Gesichtchen. Das Licht lag nicht im Stroh, sondern im Kind selbst, vor allem in seinen Zügen, in seinem heiligsten Antlitz.

Dies scheint mir eine wertvolle Meditation für Weihnachten zu sein, die wir in diesen Tagen der Frömmigkeit widmen können. Bitten wir die Muttergottes und den heiligen Josef, uns dies tiefgründig zu verständlich zu machen und uns zu einem wahrhaft besinnlichen und frommen Weihnachtsfest in diesem durch diesen Gedanken geschaffenen Geheimnis zu ermutigen.

 

Montag, 22. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 – 7. Tag – 22. Dezember

 Fest des Friedens und der Ehre

„Catolicismo“ Nr. 108, Dezember 1959

[Fortsetzung]

Es heißt oft, die Armut der Heiligen Familie in Bethlehem lehre uns die Loslösung von irdischen Gütern, und das ist tausendfach wahr. Es sei jedoch hinzugefügt, dass das heilige Weihnachtsfest auch eine erhabene und klare Lehre über den Wert himmlischer Güter und moralischer Güter enthält, die auf Erden wie ein Abbild himmlischer Güter wirken.

Und in dieser Hinsicht gilt es vielleicht, ein Missverständnis auszuräumen.

Gott schuf das Universum zu seiner äußeren Ehre. Daher streben alle unvernünftigen Geschöpfe gänzlich nach der Verherrlichung Gottes. Und der Mensch, mit Intelligenz und freiem Willen ausgestattet, hat die Pflicht, die Kräfte seiner Seele und seines ganzen Wesens für dasselbe Ziel einzusetzen. Sein höchstes Ziel ist nicht ein bequemes, üppiges und sorgloses Leben, sondern Gott die Ehre zu geben.

Der Mensch erreicht dies, indem er all sein inneres und äußeres Handeln so ausrichtet, dass er stets die unendliche Vollkommenheit und die souveräne Macht des Schöpfers erkennt und verkündet. Als Ebenbild Gottes geschaffen, verherrlicht er ihn, indem er als Geschöpf so gut wie möglich dessen Wesen nachzuahmen sucht. So macht uns die Ausübung der Gottesliebe, indem sie uns ihm ähnlicher macht, auch Teilhaber an seiner Herrlichkeit.

Dies erklärt den immensen Respekt, den die Heiligen stets hervorriefen, selbst bei denen, die sie hassten und verfolgten. Eine einfache Köchin wie die selige Anna Maria Taigi beeindruckte die Passanten durch ihre Würde, als sie durch die Straßen Roms ging. In allen Marienerscheinungen offenbart sich die Muttergottes als überaus mütterlich, liebevoll und gütig, zugleich aber auch unbeschreiblich würdevoll, ehrwürdig und von königlicher Majestät erfüllt. Und was lässt sich über unseren Herrn, den Ursprung aller Heiligkeit, sagen? Er war so gütig, dass er sogar den Aposteln die Füße wusch! Doch er war so unendlich majestätisch, dass ein einziges Wort von ihm alle Soldaten, die ihn verhaften wollten, zu Boden warf (vgl. Joh 18,6).

Jesus Christus ist unser Vorbild. Auch die Heiligen, die ihm so bewundernswert nachgeeifert haben, sind unser Vorbild. Daher sollte jeder wahre Katholik nach hoher Würde, Ernsthaftigkeit, Standhaftigkeit und Erhabenheit streben, die ihn von Vulgarität, Schmutzigkeit und der Verschwendungssucht all dessen unterscheiden, was unter die Herrschaft Satans fällt.

Und dies ist nicht nur eine Frage des Glanzes, der aus der Ausübung von Tugend erwächst. Alle Macht kommt von Gott (vgl. Röm 13,1), die des Königs ebenso wie die des Adligen, des Vaters, des Vorgesetzten oder des Lehrers. Und in gewisser Weise sollte der Amtsinhaber für seine Untertanen gleichsam ein Abbild Gottes sein. Jeder Macht wohnt eine Würde inne, die ein Spiegelbild göttlicher Majestät ist. In einer christlichen Gesellschaft muss sich der Inhaber einer wichtigen Position aufgrund dieser Position selbst achten. Und er muss diesen Respekt auch bei denen wecken, die mit ihm zu tun haben. So erstrahlt die christliche, weltliche Gesellschaft in vollem Glanz von Gottes Herrlichkeit. Sie besingt sie auf ihre Weise, ebenso wie die geistliche Gemeinschaft, die die heilige katholische, apostolische und römische Kirche ist. Und hier auf Erden ist das Leben des Menschen ein Vorbild jenes Lobgesangs, den er im Himmel in alle Ewigkeit singen wird.

* * *

Wir wissen wohl, dass ein subtiler Stolz den Menschen oft täuschen kann und ihm den Eindruck vermittelt, er suche aus Liebe zu Gott nach einer Ehre, die er in Wirklichkeit nur aus Selbstliebe begehrt. Um dieser leider sehr realen Gefahr zu entgehen, ist es notwendig zu beten, die Sakramente regelmäßig zu empfangen, zu meditieren, sich Opfer zu bringen, sich strengen Gewissensprüfungen zu unterziehen und sich geistlicher Begleitung zu unterziehen. Das Heilmittel liegt in der Anwendung dieser hochwirksamen Mittel und niemals darin, einen Grundsatz zu verleugnen, der an sich wahr ist.

* * *

Und die Güte? Besteht sie nicht darin, sich selbst zu „demokratisieren“, sich auf eine Stufe mit denen unter uns zu stellen, um ihre Liebe zu gewinnen? Einer der verhängnisvollsten Irrtümer unserer Zeit ist die Annahme, Respekt und Liebe schlössen sich gegenseitig aus und ein König, ein Vater, ein Lehrer werde umso mehr geliebt, je weniger Respekt er genießt. Doch die Wahrheit liegt im Gegenteil. Hohes Ansehen, sofern es von wahrer Gottesliebe durchdrungen ist, kann nur die Achtung und das Vertrauen rechtschaffener Menschen gewinnen. Und wenn dies nicht geschieht, liegt es nicht daran, dass das Ansehen zu hoch ist, sondern daran, dass es nicht auf der Liebe Gottes gründet.

Die Lösung liegt nicht in der Herabsetzung, sondern in der Übernatürlichkeit. Wahrhaft übernatürliche Würde erniedrigt sich, ohne sich selbst zu erniedrigen. Selbstsüchtige und eitle Würde will und weiß nicht, wie sie sich herablassen kann, ohne dabei ihre Integrität zu verlieren. Wenn sie sich stark fühlt, erniedrigt sie andere. Wenn sie sich schwach fühlt, erniedrigt sie sich aus Angst selbst.

Stellen wir uns also eine weltliche Gesellschaft vor, die gänzlich von dieser erhabenen, majestätischen und kraftvollen Noblesse durchdrungen ist, einem Abbild der Erhabenheit Gottes. Eine Gesellschaft, in der diese Erhabenheit untrennbar mit unermesslicher Güte verbunden ist, sodass mit zunehmender Stärke und Majestät auch Mitgefühl und Güte wachsen. Welch eine Sanftmut, welch eine Liebe – kurzum, welch eine Ordnung! Ja, welch eine Ordnung … und welch ein Friede! Denn was ist Friede anderes als Ruhe in Ordnung (vgl. Augustinus, XIX De Civ. Dei, Kap. 13)?

Stagnation in Irrtum und Bösem, Einigkeit mit den Streithähnen Satans, die scheinbare Versöhnung von Licht und Finsternis, gerade weil sie dem Bösen Bürgerschaft verleihen, bringen nur Unordnung und erzeugen eine Ruhe, die eine Karikatur wahren Friedens ist. Wahrer Friede existiert nur unter Menschen guten Willens, die von ganzem Herzen die Ehre Gottes suchen. Und deshalb verbindet die Weihnachtsbotschaft das eine mit dem anderen:

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens!“ (Lukas 2,14)

 

 

Sonntag, 21. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 – 6. Tag – 21. Dezember

Fest der Ehre und des Friedens 

„Catolicismo“ Nr. 108, Dezember 1959

 


„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen guten Willens!“ (Lukas 2,14)! Es ist für keinen Katholiken möglich, das heilige Weihnachtsfest zu betrachten, ohne an die harmonischen und erleuchtenden Worte zu denken, mit denen die Engel singend die frohe Botschaft von der Ankunft des Erlösers verkündeten – Worte, die uns beinahe ins Ohr flüstern. So wollen wir, in Verbindung mit diesen Worten, neben der Krippe, zu Füßen des Jesuskindes und in enger Verbundenheit mit der allerseligsten Jungfrau Maria unsere Weihnachtsmeditation gestalten.

„Ehre!“ Wie sehr verstanden die Alten die Bedeutung dieses Wortes, wie viele strahlende und ergreifende moralische Werte sahen sie darin? Um sie zu erobern, weiteten so viele Könige ihre Reiche aus, so viele Heere stellten sich dem Tod, so viele Weise widmeten sich den schwierigsten Studien, so viele Entdecker wagten sich in die entlegensten Winkel der Welt, so viele Dichter schufen ihre größten Werke, so viele Musiker schöpften aus tiefstem Herzen ihre strahlendsten Töne und so viele Geschäftsleute stürzten sich schließlich in die gewaltigsten Unternehmungen. Ja, denn selbst im Reichtum suchte man nicht nur Fülle, Komfort und Sicherheit, sondern auch Macht, Prestige – kurzum, Ehre.

Doch welche Elemente umfasste dieser Begriff von Ehre? Manche waren der Person innewohnend: hohe Intelligenz, herausragende Tugend, das Ausüben von entsprechendem Handeln. Andere waren mit dem verbunden, was wir heute öffentliche Meinung nennen. Ehre, aus diesem Blickwinkel betrachtet, wäre die weitverbreitete, unüberhörbare Anerkennung der herausragenden Eigenschaften einer Person.

Welchen Wert hat die Ehre? Inwiefern adelt das Streben nach Ehre die Seele?

Die Frage lässt sich leicht beantworten, indem man einen nach Ehre strebenden Menschen mit einem anderen vergleicht, dessen Wünsche sich auf Güter ganz anderer Art konzentrieren: lange Nächte in einem weichen Bett, sich mit Genuss und Überfluss zu ernähren, sich vor Risiken und Unsicherheiten sicher zu fühlen, ein Leben ohne Kampf und Anstrengung zu führen, in Vergnügungen und Vergnügen zu schwelgen usw.

Es besteht kein Zweifel, dass materielle Güter für unseren Gebrauch geschaffen wurden und dass der Mensch sie in angemessenem Maße und mit gebührender Überlegung begehren darf. Doch was sagt man von ihm, wenn er sie zu den höchsten Werten des Daseins erhebt? Dass er ein niederträchtiger, selbstsüchtiger, engstirniger Geist ist. Kurz gesagt, dass er zu jener Kategorie gehört, die die Heilige Schrift mit einem bedeutsamen Stigma belegt: Sie haben ihren eigenen Bauch zum Gott (vgl. Phil 3,19). Geister, die nur verstehen, was dem Körper dient, die alle wahren Güter der Seele ignorieren und die, wenn sie könnten, – wie Paul Claudel schrieb – die Sterne vom Himmel fallen und zu Kartoffeln werden lassen würden.

...

Doch für Millionen von Menschen ist dies die größte Versuchung, der sie ausgesetzt sind, weil sie in einer Welt leben, in der das Wort „Ehre“ fast bedeutungslos geworden ist. Es findet sich zwar noch in Wörterbüchern und wird vereinzelt im Alltag verwendet – beispielsweise gibt es in Rio einen Hügel der Ehre, ein Viertel namens „Ehre“, ein Hotel namens „Glória“, und manche rauchen „Glória de Cuba“-Zigarren –, man könnte fast sagen, dass das Wort außerhalb dieser Verwendung tot ist. Und mit dem Verschwinden dieses Wortes verschwinden auch andere, die damit verwandt sind: Ruhm, Prestige, Anstand ...

...

Betrachten wir die Heilige Familie im Hinblick auf ihren guten Platz im Leben. Eine Dynastie, die ihren Thron und ihren Reichtum verloren hat, hat in dem heiligen Josef einen Nachkommen, der in Armut lebt. Die Jungfrau Maria nimmt diese Situation mit vollkommenem Frieden an. Beide streben in dieser Armut nach einem geordneten und besonnenen Leben, doch ihre Gedanken kreisen nicht um wirtschaftlichen Aufstieg, Komfort und Vergnügen, sondern um Gott, unseren Herrn. Für ihren Sohn präsentiert die Heilige Familie eine Grotte als erste Wohnstätte und eine Futterkrippe als Wiege. Doch der Sohn ist das fleischgewordene Wort Gottes, zu dessen Geburt die Nacht erleuchtet wird, der Himmel sich öffnet und die Engel singen, und Könige voller Weisheit, die von den Enden der Erde kommen, um Gold, Weihrauch und Myrrhe darzubringen…

Wie viel Armut und wie viel Ehre! Wahre Ehre, denn sie ist nicht eine bloße Wertung der utilitaristischen und pharisäischen Männer Jerusalems, die andere nach ihrem Reichtum beurteilen, sondern eine Ehre, die dem Abbild der einzig wahren Ehre gleicht: der Ehre Gottes im höchsten Himmel.


Fortsetzung folgt


Samstag, 20. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 – 5. Tag – 20. Dezember

 Freude und Trauer im Lichte von Weihnachten

 Heiliger des Tages 26.12.1965

 

Stellen wir uns vor, wir würden einen Mann mit solcher Weisheit kennen, dass die Sterne staunend innehielten, wenn er sich bewegte; von solcher Macht, dass sich die Blumen ihm zuwandten, die gefährlichen Tiere fliehen, die Pflanzen und Kräuter sich nach seinen Füßen ausstreckten, um wenigstens von ihm zertreten zu werden; der Wind ihm entgegenwehte, und das Wasser in das sich sein Blick spiegelte, vor Freude erbebte.

Stellen wir uns diesen Mann, diesen Erz-Menschen, vor, wie er in einer Krippe liegt, und wir erhalten eine blasse, unvollkommene, unheilbar blasse und unheilbar unvollkommene Vorstellung vom Gotteskind, geboren von der Jungfrau Maria, das in einer Krippe in Bethlehem weinte und lächelte.

Und warum? Weil in Wahrheit er all dies war, ja, er war all dies, und das Flehen der Kreuzfahrer und die Barmherzigkeit all der Heiligen, die im Laufe der Geschichte geistliche und weltliche Werke der Nächstenliebe predigten, all dies entsprang aus ihm, all dies war in seiner Seele auf eine Weise unvorstellbar, bevor es sich in den Seelen der Heiligen widerspiegelte, deren Namen uns beim Aussprechen mit Ehrfurcht und Respekt erfüllen – allein schon beim Aussprechen der Namen des heiligen Franz von Assisi, des heiligen Benedikt…

Denken wir an all dies, so bekommen wir eine vage Ahnung davon, was all dies unser Herr war: Es waren alles Funken unseres Herrn, Funken von so großer Schönheit, dass wir sie angesichts seines Antlitzes nicht einmal annähernd beschreiben können, Funken von so geringer Größe, dass sie unbedeutend erscheinen, und erst dann verstehen wir, was die Vollkommenheit unseres Herrn war.

Doch Gott wollte es – und darin liegt der Zauber von Weihnachten –, dass wir erkennen, in welchem Maße dieser Gottmensch alle möglichen Schönheiten des Menschen in sich vereinte. Gott wollte, dass die Weihnachtsbetrachtung eines jeden Menschen dort beginnt, wo dieser Erz-Mensch im Kleinen göttlich groß war. Und jenen, dessen Größe wir eben noch besungen haben, indem wir sagten, der Himmel sei zu klein, um ihn zu fassen, betrachten wir nun in einer Krippe, schwach, anvertraut dem Eifer der Menschen – Maria, Josef –, der Anbetung der Heiligen Drei Könige, der Anbetung der Hirten, dem Atem der Tiere, der ihn in jener kalten Winternacht wärmte. Das heißt: Er, der die Sonne erschaffen hat, wurde nicht von der Sonne selbst, sondern vom Atem der Tiere gewärmt.

Eine unvergessliche Lektion für uns: So klein, um die Größe all dessen zu zeigen, was klein ist, um zu zeigen, dass alles, was geboren wird, alles, was keimt, dass sich alles von einem bestimmten Punkt aus entwickelt, warum nicht die Größe historischer Epochen in dem Moment, in dem sie aus dem Kampf, aus dem heiligen Zorn, aus den unversöhnlichen Gegensätzen einer kleinen Gruppe von Menschen geboren werden. Darin liegt die Schönheit und Erhabenheit all dessen, was keimt.

Wir beten vor der Krippe, knien vor ihr und betrachten das Jesuskind, dass es uns unermessliche Ehrfurcht schenke, eine heilige Ehrfurcht, die von Zärtlichkeit und Mitgefühl begleitet wird. Diese Verschmelzung von Ehrfurcht und Mitgefühl – die auf den ersten Blick unvereinbar scheinen – durchdringt das Stille Nacht von Anfang bis Ende.

Wenn wir das Stille Nacht singen hören, haben wir den Eindruck, in das Weise und Unbefleckte Herz Mariens einzutreten und ihr eigenes Lied zu vernehmen: „Mein Sohn, mein Gott, so jung, so klein, so groß und so liebenswert! Wie ich dich anbete, wie ich dich bemitleide! Wie ich dich achte, dich beschütze! Wie ich dich liebe!“

 

Freitag, 19. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 – 4. Tag, 19. Dezember

Weihnachten: Eine Nacht der Freude selbst in den

schwierigsten Zeiten


Nähern wir uns in dieser heiligen Nacht der Heiligen Krippe und versuchen wir in unseren Seelen das größtmögliche Vermögen an Andacht, an Vertrauen und an Freude zu finden. Die Weihnachtsnacht ist eine Nacht der Freude, und so wird es bis zum Ende der Welt bleiben, selbst in den schwierigsten Zeiten der Kirche.

Denken wir nur, in den Katakomben Roms, im alten Rom, wurde die Weihnachtsnacht mit dem Echo des Engelsgesangs vom Himmel gefeiert: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.“

Am nächsten Tag funktionierte vielleicht der „Circo maximo“, wo die Märtyrer von wilden Tieren verschlungen wurden. Doch Friede, Friede, Friede: Jenseits der Qualen erwartet uns im Himmel!

Es geht nicht mehr nur darum, in die Vergangenheit zu blicken, sondern in die Zukunft. Dieser Blick in die Zukunft bedeutet, unsere Überlegungen durch die Botschaften gnadenvoller und inspirierter Stimmen zu erhellen.

Wir wissen, was die Muttergottes in Fatima dazu sagte, wir wissen, was sie über die Strafen sagte, die diese Welt erwarten, wenn sie sich nicht bessert und sich Ihr nicht genau so weiht, wie Sie es angedeutet hat.

Es ist bedauerlich, aber wahr: Die Zeichen mehren sich, dass diese Weihe nicht stattfinden wird, dass die Änderung der Sitten nicht erfolgen wird und dass wir uns daher langsam dem explosiven Grund des Abgrunds nähern, in den wir seit 1917 unaufhörlich hinabsteigen, als die Muttergottes, von Portugal aus in der Cova da Iria zur Welt sprechend, ihre prophetische Verkündigung machte.

Wir wissen auch, was der heilige Ludwig Maria Grignion von Montfort sagt, nicht über das Chaos, sondern über das Reich Mariens, über dieses Reich, das ein Reich der Herrlichkeit, der Tugend und des Glanzes sein wird. Dass die Heiligen, die zu jener Zeit kommen werden, eine größere spirituelle Vollkommenheit besitzen werden als die Heiligen der Vergangenheit, so sehr, dass die ersten, die kommen werden, mit denen verglichen werden, die gekommen sind und die in den Augen der Menschen mit den Zedern des Libanon verglichen wurden, im Vergleich zu den ersten wie Grashalme erscheinen.

Wir können uns dann vorstellen, welch Großartiges diejenigen erwartet, die die gegenwärtigen Wirren durchstehen, wir können uns vorstellen, was fast jeder von uns normalerweise sehen wird, wenn wir treu bleiben.

Lasst uns daher die Nöte der Erde betrachten und die Muttergottes, unsere notwendige Mittlerin nach dem Willen Gottes, bitten, die stets von ihm erhört wird. Lasst uns die Muttergottes bitten, gewiss um unsere unmittelbaren Bedürfnisse, die Bedürfnisse eines jeden, geistliche wie irdische – das ist legitim –, aber vor allem lasst uns um die große Gnade der Beharrlichkeit in der Berufung, der Beharrlichkeit in der Tugend bitten, sodass wir alle, wenn die Stunde kommt, in der ein Engel spricht: „Der Kampf ist geschlagen, und, Kinder der Heiligen Jungfrau, Ihr Augenblick ist gekommen“, dort sein mögen mit denen, die die Muttergottes in diesem gesegneten Augenblick unter ihr Banner führen möchte. Möge dies unser Wunsch sein, dem neugeborenen Jesuskind mit unseren innigen Küssen zu Füßen gelegt zu werden, durch die Fürsprache dieser Darstellung Josefs und Marias.

 

Donnerstag, 18. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 - 3. Tag, 18. Dezember

 Unsere Liebe Frau der Erwartung, der Hoffnung oder

der O-Antiphonen

 Heiliger des Tages, 18. Dezember 1965

 

Am 18. Dezember beginnt die letzte Adventswoche. Die Kirche nennt diese Woche die Woche der Erwartung.

Erwartung, weil nur noch eine Woche bis zur Geburt unseres Herrn verblieb. In dieser Zeit stellt sich die Kirche die Freude und Hoffnung Unserer Lieben Frau vor, die auf die Geburt des Messias wartete und darauf, endlich das gesegnete Antlitz des Sohnes zu sehen, den sie in ihrem reinen Schoß trug.

Unsere Liebe Frau, die Gott gebeten hatte, die Geburt des Messias zu beschleunigen, und deren allmächtiges Gebet bewirkt hatte, dass der Termin tatsächlich vorverlegt wurde; Unsere Liebe Frau, die später berufen wurde, Mutter des Wortes zu sein und diese Berufung angenommen hatte, indem sie das fleischgewordene Wort in ihrem Schoß trug; Unsere Liebe Frau sieht nicht nur den Augenblick nahen, in dem sie das Antlitz ihres Sohnes sehen und so eine neue Herrlichkeit seiner Seele und seiner ganzen Persönlichkeit erkennen wird; nicht nur das, sie sieht die Erlösung der Welt nahen.

Sie sieht den Augenblick, in dem die Herrlichkeit Gottes nicht länger durch den Zustand der Erbsünde ohne Erlösung beleidigt wird; jenes Reich des Teufels, das die Welt in besonderer Weise 4000 Jahre oder länger war und das zwischen der Erbsünde und dem Augenblick der Menschwerdung des Wortes lag.

Sie ist überzeugt, dass all dies ein Ende haben wird; sie spürt, dass das Reich unseres Herrn Jesus Christus nahe ist, dass nur noch eine Woche bis zum Beginn des Endes des Reiches des Teufels verbleibt, durch die Geburt des Wortes und des Erlösers, der das Reich des Teufels beenden wird, wenn er am Kreuz geopfert wird.

Dies erfüllt die Seele der Muttergottes mit Hoffnung, und deshalb wird sie in dieser Zeit auch Unsere Liebe Frau der Erwartung, Unsere Liebe Frau der Hoffnung oder Unsere Liebe Frau des O genannt. Denn an jedem dieser Tage vor Weihnachten findet sich im Brevier eine Antiphon, die mit einem Ausruf beginnt, einem Ausruf, der einem „Oh, so etwas!“ entlehnt ist. Daher der Name Unsere Liebe Frau vom O (nach den „O-Antiphonen“).

Dieser Ausruf gründet sich auf Gedanken aus dem Alten Testament, der Heiligen Schrift oder eine fromme Vorstellung. Es wäre interessant, hier die folgenden Anrufungen zu betrachten:

O Adonai, Tochter des Hauses Israel, die du Mose im Feuer des brennenden Dornbuschs erschienen bist und ihnen das Gesetz auf dem Berg Sinai gegeben hast, (komm) erlöse uns mit der Kraft deines Armes.“

Vor Tausenden von Jahren dachte das hebräische Volk über die Erscheinung Gottes vor Mose nach und wusste, dass Gott nur dem auserwählten Volk auf eine viel realere, greifbarere Weise erscheinen würde als Mose. So, eine Bitte vor tausend, zweitausend Jahren – ich weiß nicht einmal genau, wie lange das Ereignis her ist: „Komm nun und erneuere dieses Ereignis, aber mit unvergleichlich größerer Herrlichkeit, o Gott, der du Mose erschienen bist.“

Dann folgt:

O Wurzel Jesse, die du zum Zeichen für die Völker gesetzt bist, vor der alle Könige gehorchen und die alle Völker anrufen werden, komm und erlöse uns, zögere nicht.“

Genau darum geht es: Wir bitten unseren Herrn Jesus Christus, der von der Wurzel Jesse, der Muttergottes, geboren wurde; unseren Herrn Jesus Christus, vor dem alle Könige schweigen und den alle Völker der Erde anrufen werden, zu uns zu kommen, damit er nicht zögere, denn die Menschheit seufzt und will nicht länger warten.

Schließlich, als viertes:

O Schlüssel Davids und Zepter des Hauses Israel, der du öffnest und niemand schließt, der schließt und niemand öffnet, komm und erlöse den Gefangenen aus dem Gefängnis, der in Finsternis und Todesschatten gefangen ist.“

Unser Herr Jesus Christus schließt und niemand öffnet, öffnet und niemand schließt, das heißt, er herrscht über alles. So komm und erlöse uns aus den Schatten des Todes.

Und dann eine weitere Anrufung:

O Osten, Glanz des ewigen Lichts und Sonne der Gerechtigkeit!“ Gerechtigkeit ist die Tugend, es ist ein Wort, das alle Tugenden, den Zustand der Gnade, bezeichnet. Jesus Christus ist ein Abglanz des ewigen Lichts. Und zugleich ist er die Sonne aller Tugenden, die jene erleuchtet, die in Finsternis und Todesschatten leben. Wahrlich, unser Herr kam, erleuchtet, und aus dieser Erleuchtung wurde die christliche Zivilisation geboren.

Sechstens:

O König der Völker, von ihnen ersehnter Eckstein, der die beiden Pole vereint, komm und rette den Menschen, den du aus dem Staub der Erde geformt hast!“

Unser Herr Jesus Christus ist der Eckstein aller menschlichen Ordnung, und in ihm sind alle Zwietrachten beigelegt – wahrhaftig beigelegt, nicht nur im negativen Sinne eines „ökumenischen“ Dialogs. So rette den Menschen, sein Geschöpf, das er aus dem Staub der Erde geformt hat.

Die letzte Anrufung, dann ist Weihnachten schon fast da:

O Immanuel“ – Immanuel bedeutet Messias, der Erlöser – „O Immanuel, unser König und Gesetzgeber, Hoffnung und Heil der Völker, komm und rette uns, Herr, unser Gott!“

Man kann Christus fast schon spüren, nur noch wenige Stunden trennen uns. Dann wendet sich die Freude aller Völker, die auf ihn hoffen, die auf ihren Erlöser hoffen, ihm zu und ruft: „Herr, unser Gott, komm und rette uns!“

 

Mittwoch, 17. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 - 2. Tag, 17. Dezember

 In der „Dämmerung“ der Sonne der Gerechtigkeit

„Folha de São Paulo“, 1. Januar 1979


[Fortsetzung]

Weihnachten ist endlich da. Versammeln sich die Familien noch immer um eine Krippe? Manchmal ja. Doch in vielen Fällen finden sie sich nicht mehr an der Krippe wieder, wo das Christuskind die Arme der tief bewegten Jungfrau Maria entgegenstreckt, unter dem nachdenklichen und freudig-kontemplativen Blick des hl. Josef. Sondern an einem Tisch, an dem Süßigkeiten, Champagner für die Wohlhabenden und bescheidene Getränke für die Bedürftigen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, die einst der Geburt des Erlösers galt.

In wie vielen Familien verbreitet die Reduzierung und zunehmende Transparenz der Kleidung eine Atmosphäre der Sinnlichkeit, die die Bedeutung dieser Nacht unübertroffener Reinheit zutiefst verzerrt?

Es gibt Feierlichkeiten, unter deren Einfluss die Nächstenliebe schrumpft und sich immer weniger auf die Häuser derer erstreckt, die nichts haben. In diesen Kontexten wird die einst von christlicher Gerechtigkeit und Nächstenliebe getragene Großzügigkeit durch das Zischen „katholischer“ Subversion ersetzt, die sich unter dem Deckmantel von Weihnachten durch die Stimme eines Vertreters irgendeiner einer Basis-Gemeinde Gehör verschafft. Oder etwas Ähnlichem.

In Wirklichkeit hat das säkulare Neo-Weihnachten jedoch noch eine weitere Dimension. Der Tourismus-Taifun reißt unzählige Familien aus ihren Häusern, die neben der Hauptkirche den besonderen Rahmen für den Heiligen Abend bilden sollten. Und er zerstreut sie in Hotels, an den Stränden oder aufs Land, inmitten eines weltlichen Treibens, in dem die engelsgleichen Stimmen, die „Gloria in excelsis Deo“ singen, nicht mehr zu hören sind.

Doch die Säkularisierung hört damit nicht auf. Sie verfolgt Weihnachten selbst in den erhabenen Echos, mit denen sie sich auf die folgenden Feierlichkeiten ausdehnt. Neujahrstag, Drei-Könige…

Die Neujahrsfeier ist, religiös betrachtet, das Fest der Beschneidung, das an unseren Herrn Jesus Christus erinnert, der, bewegt von Liebe zur Menschheit, in seiner frühen Kindheit Tropfen seines unendlich kostbaren Blutes für die Menschheit vergoss. So denkt man bereits an das erhabene Opfer, das die Menschen von der Sünde erlöst, sie dem ewigen Tod entreißt und ihnen den Weg zum Himmel öffnet.

Denn diese religiöse Feier des Gotteskindes überlagert das heilsame Gedenken an eine höchst säkulare, universelle Verbrüderung der Völker. Eine hoffnungslos leere Verbrüderung, wie alles Säkulare, die von den Mauern aus Stahl und Bambus, die Völker entzweien, dem Terrorismus, der sie in Angst und Schrecken versetzt, der drohenden atomaren Vernichtung, die wie eine bleierne Wolke auf ihnen lastet, und der immer heftiger werdenden Auseinandersetzung zwischen Feindseligkeiten und Hass, zwischen unvereinbaren und unversöhnlichen Ideen und Interessen zynisch verhöhnt zu werden scheint.

Kurz gesagt: Wenn die Sonne untergeht, kommen die wilden Tiere aus ihren Höhlen und durchstreifen den Dschungel. Der Säkularismus präsentiert Jesus Christus der Welt als untergehende Sonne. Was überrascht da noch, dass sich alles Schädliche in den Spelunken entchristlichter Herzen, in den verrückten Städten und in der Einsamkeit, wo Laster und Verbrechen lauern, vermehrt und ausbreitet, um die Verfeinerung um der Verfeinerung willen nach Belieben zu vermehren?

Aber – so wird jemand fragen – warum sollte man sich in dieser freudigen Zeit all dessen erinnern? Warum dieses Gejammer, wo die Menschen doch lachen und feiern wollen? Um zu protestieren. Und wenn dieser Protest für manche, die vom Lärm der modernen Welt abgestumpft sind, wie Gejammer klingt, liegt der Fehler nicht im Protest selbst. Der Fehler liegt bei denen, die darin nichts anderes erkennen als das, was er nicht ist: Gejammer.

Denn Gejammer ist feige, es klingt nach Niederlage und Kapitulation. Während der Protest, inspiriert von der Liebe zu Christus, dem siegreichen König, und zu Maria, „ut castrorum acies ordinata“ (wie ein Heer in Schlachtordnung), sich furchtlos inmitten des Unverständnisses erhebt, ist er ein Ruf nach Wiedergutmachung, ein Bekenntnis zum Nonkonformismus und mehr noch, ein Vorbote des Sieges.

 

 


Weihnachtsnovene 2025 - 1. Tag, 16. Dezember

 

In der „Dämmerung“ der Sonne der Gerechtigkeit

aus „Folha de São Paulo“, 1. Januar 1979

 

Dieses Weihnachtsfest in São Paulo im Jahr 1978 markiert, im Vergleich zu den vorherigen, die Verschärfung eines Phänomens, das an sich nicht existieren dürfte. Doch wenn es existiert, sollte es zumindest die Feier der Geburt des Erlösers verschonen.

Ich spreche von der allgemeinen Säkularisierung der Mentalitäten, der Kultur, der Kunst, der Beziehungen, kurzum, des Lebens. Säkularisierung bedeutet in diesem Zusammenhang im eigentlichen Sinne Heidentum. Denn während der Gottmensch in den Schatten gedrängt wird, wird der von ihm hinterlassene Platz mit sehr konkreten und greifbaren „Werten“ gefüllt, die jedoch mitunter verherrlicht werden, als wären sie verschwenderische Abstraktionen: die WIRTSCHAFT, die GESUNDHEIT, der SEX, die MASCHINE und so vieles mehr (die anachronistische Großschreibung dient dazu, meine Aussage zu verdeutlichen). Offensichtlich geht es um materielle „Werte“. Und diese werden durch eine propagandistische Inszenierung, durchdrungen von Marxismus, Freudismus usw., noch verstärkt.

Anders als in der Antike werden diese „Werte“ – selbstverständlich – nicht in Göttern personifiziert oder in Statuen verkörpert. Das ändert jedoch nichts daran, dass sie die wahren heidnischen Götzen unserer unglücklichen, säkularisierten Welt sind.

Der Einfluss des säkularen Neuheidentums durchdringt zunehmend das moderne Weihnachtsfest. Ein schleichender, aber unübersehbarer Prozess. Auf welche Weise? Nicht nur auf eine, sondern gleichzeitig auf jede erdenkliche Weise.

Beginnend mit dem Advent. Diese Zeit, die im Kirchenjahr die vier Wochen vor Weihnachten umfasst, war für die Christenheit ein Teil des Jahres, der der Besinnung, der stillen Reue und der pulsierenden Hoffnung auf die große Freude gewidmet war, die die Geburt des Messias bringen würde. So bereiteten sich alle darauf vor, das Gotteskind willkommen zu heißen, das im jungfräulichen Mutterschoß Tag für Tag dem gesegneten Augenblick näherkam, in dem es sein heilbringendes Zusammenleben mit den Menschen beginnen würde.

In dieser dichten und tiefreligiösen Atmosphäre wandelte sich die Stimmung allmählich. Als die heiligste aller Nächte nahte, wich die Reue der Freude. Bis zu dem Augenblick, als in der festlichen Pracht der Mitternachtsmesse Familien, Völker und Nationen die heilige Freude spürten, die vom Himmel herabkam; und in jeder Stadt, in jedem Haus, in der Tiefe jeder Seele sich wie ein Balsam himmlischen Duftes ausbreitete, der Eindruck, dass der Friedensfürst, der mächtige Gott, der Löwe von Juda, Immanuel, soeben wiedergeboren worden war. „Stille Nacht, heilige Nacht“ … das berühmte Lied, das in unserer Sprache weniger ausdrucksstark als „Noite Feliz“ (glückliche Nacht) übersetzt wurde … Was bleibt von all diesen Vorbereitungen? Wer denkt schon an den Advent, außer einer winzigen Minderheit? Und wie viele dieser winzigen Minderheit lassen sich von wahrer katholischer und traditioneller Theologie leiten und nicht von den zweideutigen und wirren Theologien, die die christliche Welt heute wie Fieberkrämpfe erschüttern?

Doch lassen wir diese Minderheit einmal beiseite und denken wir an die vielen Menschen, die in den Großstädten in Aufruhr sind. Für sie spielt der Advent keine Rolle. Der Alltagstrubel geht weiter, verstärkt durch die anstehenden Ausgaben, die zu verschickenden Geschenke, die zu besuchenden Familien und die zu organisierenden Feste und Feiern. Kurz gesagt: Alle blicken auf Weihnachten nicht als ein Datum voller Vorfreude, sondern als einen geschäftigen, teuren und in mancher Hinsicht sogar komplizierten Tag, den man froh sein wird, „hinter sich zu lassen“.

Es stimmt, dass in den Städten, und vielleicht besonders in den Großstädten, die Vorweihnachtszeit durch die vielen bunten Lichter in den Gärten der Wohngebiete, die langen Lichterketten an den Hauptstraßen und die prächtig geschmückten Schaufenster deutlich wird. Es ist jedoch nicht schwer zu spüren, dass die eigentümliche Freude, die all dies hervorruft – eine Freude, die, wohlgemerkt, rein künstlich erzeugt ist –, aus dem Wunsch nach Konsum, Genuss und Feiern entspringt. Nichts oder fast nichts von all diesen elektrischen Lichtern erinnert an den Messias, der bald kommen wird. Alles erinnert vielmehr an eine Wirtschaft, die nach Überaktivität giert: Der Handel pulsiert, um den Absatz seiner Waren zu steigern, und die Industrie vervielfacht ihre Produkte (und ihre Gewinne), um die durch den gestiegenen Konsum leeren Regale in den Geschäften zu füllen. Kurz gesagt, es ist der Wirtschafts-Götze, der zum großen Zentrum der Erwartungen, Sehnsüchte und Weihnachtsfeierlichkeiten am Ende dieses Jahrhunderts wird. Mammon. Der Magen. Die Materie. – Jesus, nein!...

 

[Fortsetzung folgt]

Donnerstag, 11. Dezember 2025

UNTER DEM ZEICHEN DER VERWIRRUNG UND DER HOFFNUNG

 

Plinio Corrêa de Oliveira

Schon oft wurde ich beauftragt, den klassischen Silvesterartikel für eine Zeitung zu schreiben, in dem der Leser einen geordneten Rückblick auf die Eindrücke des vergangenen Jahres und einige Vorhersagen für das neue Jahr erwartet. Ich gestehe, dass mir diese Aufgabe nie schwergefallen ist. Mit etwas Erinnerungsvermögen, soliden Prinzipien und logischem Denken ist es in der Regel nicht schwer, Fakten zu analysieren und zu systematisieren. Diese erscheinen auf den ersten Blick fast immer verwirrender, als sie tatsächlich sind. Es genügt, den richtigen Blickwinkel zu finden – in diesem Fall die katholische Lehre –, um sie sofort zu verstehen. Und so kann der katholische Journalist ohne große Mühe die berechtigten Erwartungen seiner Leser zu Beginn eines jeden Jahres erfüllen.

Diesmal jedoch gestehe ich, dass ich fürchte, die Schwierigkeit dieser Aufgabe nicht bewältigen zu können. Es gibt viel zu sagen. Und gleichzeitig fast nichts. Denn das Gesamtbild des Jahres 1951 ist wahrlich verwirrend. Ich betone diesen Punkt besonders. Es gibt interessante Verwirrungen: es sind oberflächliche Verwirrungen, die in ihrer Tiefe eine tiefere Bedeutung offenbaren, die es zu ergründen gilt. Doch es gibt auch fade Verwirrungen, da sie keine Tiefe besitzen, keine tiefere Logik im Kern der Fakten verbergen und sich durch keine Interpretation in Ordnung und Klarheit bringen lassen. Was das Jahr 1951 betrifft, befinden wir uns in der letzteren Kategorie. Die Verwirrung an sich ist brutal und unauflöslich. Man kann sie nur so akzeptieren, wie sie ist, und darüber nachdenken. Gibt es etwas, das weniger Diskussionsstoff bietet als Verwirrung? Und gibt es etwas, das zu mehr Weitschweifigkeit zwingt als Verwirrung, wenn man unbedingt darüber sprechen muss? Wie Sie sehen, ist die Aufgabe schwierig. Gehen wir sie jedoch an, ohne einen vorgefassten Plan zu haben, denn selbst dies lässt die Verwirrung nicht zu.

* * *

Richten wir unseren Blick auf die ideologische Landkarte der Welt, denn es sind die Ideen, die uns am meisten interessieren. Was brachte uns das Jahr 1951 im Kontext des größten Kulturkonflikts unserer Zeit? Verwirrung.

Auf der einen Seite setzte sich im Westen der massive Angriff moderner religiöser Strömungen auf die Kirche fort. Der Katholik, der Protestantismus oder Spiritismus noch immer als Hauptgegner des Glaubens in den großen Kulturzentren betrachtet, ist so rückständig wie jemand, der die unförmigen und klobigen Automobile des Jahres 1900 für die effizientesten und ästhetisch ansprechendsten Transportmittel hält. Der wahre Gegner liegt im Pantheismus in seinen vielfältigen Ausprägungen. Kratzt man an irgendeinem philosophischen System, das sich als neuartig ausgibt, an jeder mehr oder weniger aktuellen Form des „Spiritualismus“, so findet man direkt unter der Oberfläche den Pantheismus. Das Universum ist göttlich, und die Menschheit, ein integraler Bestandteil des Universums, ist ebenfalls göttlich. Das Glück des Menschen besteht darin, sich seines göttlichen Wesens bewusst zu werden und in sich die gelebte Empfindung seiner eigenen Göttlichkeit zu erwecken. Dies gelingt ihm durch eine Reihe mentaler Übungen oder mehr oder weniger magischer liturgischer Formeln, deren Modalitäten je nach System variieren und – wie es in der Magie üblich ist – im Allgemeinen nur wenigen Eingeweihten bekannt sind. Diese Manifestation göttlicher Energien in den Tiefen unseres Seins bietet uns nicht nur allerlei nützliche und beglückende innere psychische Dienste, sondern ist auch für den Kosmos selbst von großem Nutzen. Denn je mehr wir göttliche Energien in uns erwecken, desto mehr werden sie in anderen Wesen aktiviert. Und während sie in anderen Wesen aktiviert werden, schreitet das gesamte Universum voran, dessen Entwicklung im Wesentlichen in der Entfaltung der göttlichen Energien besteht, die in ihnen vorhanden sind, vergleichbar mit dem Wind im Raum.

Dieses System führt offenkundig zum Tod der Intelligenz. Wenn der Mensch Gott erkennen und mit ihm kommunizieren will, darf er weder studieren noch denken. Es genügt, wenn er die Methoden kennt, die in ihm die sinnliche Erfahrung der Gegenwart und Wirkung universeller und göttlicher Energien in sich erwecken können.

Selbst der Wille verliert in diesem System seine Daseinsberech- tigung. Eine wirkliche Vereinigung mit dem Göttlichen findet nicht durch Willensanstrengungen statt, die auf das Tun des Guten und das Meiden des Bösen gerichtet sind. Es genügt, wenn der Mensch durch geeignete Methoden in sich die Erfahrung erwecken kann, dass sein Wesen von Natur aus von göttlichen Kräften durchdrungen ist; was zudem nicht so schwierig ist, da jeder Eingeweihte diese Methoden kennt und anwenden kann.

* * *

Es ist klar, dass all dies ohne den Schleier des Geheimnisvollen weder verführerisch noch charmant wirken könnte. So erfand die wiederauflebende Magie des 20. Jahrhunderts nicht nur Wörter, sondern ganze Vokabulare – neu und kompliziert –, ein ganzes literarisches System voller vager und prunkvoller Bilder, in dem diese fundamentalen Aussagen, deren Details von Schule zu Schule schier unendlich variieren, für die arme, verweichlichte, betäubte und abgestumpfte Christenheit des 20. Jahrhunderts in Umlauf gebracht wurden.

Daher herrscht offenkundig eine immense Verwirrung an Begriffen, Systemen und Strömungen. Im Laufe des Jahres 1951 hielt diese Verwirrung an und nahm sogar noch zu.

So herrscht außerhalb der Grenzen der Kirche eine Religiosität vor, die letztlich zutiefst gottlos ist. Und in katholischen Kreisen? Während wir diese Frage stellen, beschleicht uns ein Gefühl der Traurigkeit. Die Wahrheit gebietet uns, zu sagen, dass auch dort Verwirrung herrscht.

Mit der Wachsamkeit eines Hirten, der Weisheit eines Meisters und der Sanftmut eines Vaters hat der Heilige Vater Pius XII. seit etwa zehn Jahren in wiederholten Schreiben auf die Existenz von Lehren hingewiesen, „die sich unter die Gläubigen einschleichen“, wie es im ältesten dieser Schreiben, „Mystici Corporis“, heißt. Diese Lehren versuchen, unter dem Deckmantel der Frömmigkeit und Orthodoxie die Gläubigen zu schwerwiegenden Irrtümern in Glaubens- und Sittenfragen zu verleiten, darunter auch zum Pantheismus selbst. Nach „Mystici Corporis“ folgten „Mediator Dei“, „Bis Saeculari“, „Humani Generis“, die jüngste päpstliche Ansprache an die Mitglieder des Weltkongresses des Laienapostolats und nun die Ansprache an die Familienväter, die wir heute veröffentlichen und die Warnungen von beinahe tragischer Schwere enthält. In all diesen Dokumenten, teils explizit, teils implizit, spricht der Heilige Vater Pius XII. die Irrtümer an, die heimlich unter den Gläubigen kursieren und bei denen, die das ganze Ausmaß der Tatsachen erkennen, Überraschung und Verzweiflung auslösen. 1951 setzte sich dieser schleichende Angriff fort und wurde immer mehr verbreitet und aktiver. Doch… hier liegt der Gipfel der Verwirrung: Nur wenige, die sich von der erhabenen Sphäre der päpstlichen Lehre zum Alltag bewegen, sind in der Lage, den allumfassenden und stetigen Fortschritt neuer Strömungen zu erkennen. Daher verschränken viele, selbst in guter Absicht, die Arme und tadeln sogar diejenigen, die sich über das Übel Sorgen machen. Damit spielen sie, obwohl sie es nicht wollen, denjenigen in die Hände, die Verwirrung stiften.

* * *

Dieses Spiel der Verwirrung erkennen alle Kräfte der Gottlosigkeit, genau wissend, wie vorteilhaft es ihnen ist. Zum Beispiel Russland. Im Laufe des Jahres 1951 bemühten sie sich in Ungarn, Polen, Rumänien und China eifrig, nicht etwa Kirchen zu schließen und jeglichen Gottesdienst auszurotten – was eine verabscheuungswürdige, aber klare und nachvollziehbare Haltung gewesen wäre –, sondern vielmehr, mithilfe verkommener abtrünniger Priester überall „Nationalkirchen“ in den Diensten der Sowjets zu errichten. Was erwarteten die Sowjets von solchen „Kirchen“? Offenbar Verwirrung. Die Riten blieben intakt, die Sakramente dieselben, zumindest dem Anschein nach, die Lehre vielleicht in ihren Grundzügen. Es wurde die Illusion erzeugt, es gäbe keinen Konflikt zwischen Kommunismus und Katholizismus, sondern nur zwischen einigen hohen Prälaten, die „an die Kapitalisten verkauft“ worden seien, und den russischen Machthabern. Und diese Lüge wurde mit der „konkreten Tatsache“ der Unterstützung gerechtfertigt, die die kommunistischen Machthaber den „Nationalkirchen“ gewährten, die in all ihren äußeren Formen dem Katholizismus selbst glichen.

POLITISCHE VERWIRRUNG: TITO, DER ANTISOWJETISCHE KOMMUNIST

Vom Religiösen zum Politischen Parkett zu wechseln, betrachten wir ein Thema, das beides zugleich ist: Marschall Tito.

Vor wenigen Tagen wurde die relative Freilassung von Monsignore Stepinack bekannt. Daraufhin spekulierten mehrere Zeitungen über eine mögliche vollständige Normalisierung der Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Jugoslawien, insbesondere zwischen diesem Land und den lokalen kirchlichen Autoritäten. Letztlich wird im Verborgenen der Boden bereitet, damit die katholische Öffentlichkeit das kommunistische Regime in seiner „titoistischen“ Form akzeptiert, obwohl sie es in seiner „stalinistischen“ Form weiterhin ablehnt.

Was steckt in all dem anderes als Verwirrung? Wenn wir unter Kommunismus die Lehre von Marx verstehen, was genau ist dann der stalinistische Unterton des Marxismus? Offenbar die konkrete Anwendung, die Stalin den Prinzipien von Marx geben will oder gegeben hat. Doch abgesehen von ein, zwei allgemeinen Punkten, was wissen wir darüber? Nichts, eben weil niemand genau weiß, was in Russland vor sich geht. Andererseits ist es lächerlich, von einer Tito-Interpretation der marxistischen Lehre in Jugoslawien zu sprechen. Marschall Tito, der von vornherein ein Schein- und Verwirrungsmarschall ist, da er nie eine reguläre Ausbildung für einen so hohen Rang absolviert hat und auch nicht von einer rechtmäßigen Regierung zum Marschall befördert wurde, ist kein Denker, sondern allem Anschein nach ein ehrgeiziger und hemmungsloser Politiker, wie so viele heute. Er spielt ein doppeltes Spiel zwischen den Amerikanern und den Sowjets, worauf wir später noch eingehen werden. Letztendlich: Was sind seine Lehren? Wahrscheinlich hat er gar keine. Falls er sie hat, wann hat er sie geäußert, wo sind sie zu finden und wie setzt er sie in die Praxis um? Niemand weiß es, da Nachrichten über Jugoslawien praktisch genauso spärlich sind wie jene über Russland.

Trotzdem herrscht heute so viel Oberflächlichkeit, dass es in Clubs, Cafés und Buchhandlungseingängen nicht an Kommentatoren mangelt, die ihre Einschätzungen und politischen Kalkulationen auf klugen Unterscheidungen zwischen Tito-Kommunismus und Stalin-Kommunismus gründen. Verwirrung …

Mit dieser Verwirrung verbunden, ja, wie aus ihr geboren, gibt es eine weitere, nicht minder schwerwiegende.

Während des gesamten Krieges vermittelten die Reden der alliierten Führer die Vorstellung, ihre jeweiligen Nationen kämpften gegen den Nationalsozialismus, in einer Art universellem Kreuzzug für die christliche Zivilisation. Ich war während dieser Zeit aktiv in der Presse tätig und habe mir, noch bevor Brasilien in den Weltkrieg eintrat, stets leidenschaftlich die Zerschlagung des Nationalsozialismus gewünscht. Dieser Umstand gibt mir genügend Berechtigung, jetzt eine Frage zu stellen. Ist es nur gegenüber dem Nationalsozialismus, dass die USA und Großbritannien ihre christliche Spiritualität so stark empfinden, oder auch gegenüber dem Kommunismus? Im ersten Fall: Welchen Sinn hat ihr Kampf gegen die UdSSR? Im zweiten Fall: Warum akzeptieren sie Marschall Tito als Verbündeten? In der Hoffnung, ihn zu täuschen, ihn im Moment auszunutzen und den sogenannten „Titoistischen Kommunismus“ nach dem Sieg zu vernichten? Wenn die USA und Großbritannien in diesem Bündnis gegen den „Titoismus“ Hintergedanken haben, ist es berechtigt zu fragen, ob Marschall Tito diese auch hegt. Wäre es dann nicht ratsam, die Hypothese eines Jugoslawiens in Betracht zu ziehen, dass dank amerikanischer Hilfe über immensen materiellen Wohlstand und militärische Stärke verfügt und sich auf dem Höhepunkt des Kampfes unerwartet den Moskauer Kommunisten anschließt? Warum setzen die Staatsmänner Washingtons so großes Vertrauen in Tito? Verwirrung pur… Und als ob das nicht schon genug wäre, lässt sich in diesem Bereich noch eine weitere Verwirrung feststellen. Weltweit sind kommunistische Kreise gespalten. Auf der einen Seite stehen die Stalinisten, auf der anderen die Antistalinisten, mehr oder weniger Trotzkisten, mehr oder weniger Titoisten. Erstere bereiten sich darauf vor, die Russen im Kriegsfall überall zu unterstützen. Letztere, gegen sie zu kämpfen. Offensichtlich nehmen viele antikommunistische Elemente diese Spaltung ernst und begrüßen bereitwillig die Zusammenarbeit der kommunistischen Führer, die einen Bruch mit Moskau herbeigeführt haben. Wie viel ist die Aufrichtigkeit dieses Schismas wert? Wie viel ist die Aufrichtigkeit dieser neuen Zusammenarbeit wert? Bedeutet die Aufnahme dieser neuen Verbündeten im Herzen des antikommunistischen Widerstands nichts anderes, als die Mauern für etwas Ähnliches wie ein trojanisches Pferd zu öffnen und die Verwirrung nur noch zu vergrößern?

Wir wollen nicht voreilig Schlüsse ziehen. Es erscheint jedoch angebracht, an die Strategie zu erinnern, die in bestimmten Regionen des Landes von einigen Familien angewendet wurde, um sich stets die Gunst der Regierung zu sichern. Die Familie spaltet sich. Ein Teil bleibt in der Regierung, der andere in der Opposition. Und so steht, ungeachtet des Wahlausgangs, der einheimische Clan stets an der Spitze. Hätte Stalin das Überleben einer starken und angesehenen internationalen Kommunistischen Partei, selbst im Falle einer Niederlage der UdSSR, sichern wollen, hätte er nicht anders gehandelt. Sollte der Kampf zu seinen Gunsten verlaufen, wird Marschall Tito die Angloamerikaner im richtigen Moment verraten und den Sieg beschleunigen. Sollte er jedoch scheitern, stünde Tito vor der Aufgabe, den internationalen Kommunismus zu retten, ihm einen Platz im öffentlichen Bewusstsein zu sichern und neue Möglichkeiten für Kampf und Sieg in der Nachkriegswelt zu eröffnen. Mit dieser Annahme, so meinen wir, lüftet sich der Schleier der Verwirrung ein wenig.

SOZIALE VERWIRRUNG: ANTI-SOZIALISTISCHE KOMMUNISTEN

Nie wurde so viel gegen den Kommunismus geredet, nie wurde der Sozialismus so gepriesen und so weit vorangetrieben wie 1951. Und das ist dem Handeln der meisten Verfechter des Antikommunismus zu verdanken. Was ist Sozialismus? Ein langsamer und schrittweiser Prozess hin zum Kommunismus. Sozialisten und Kommunisten unterscheiden sich daher nicht im Endziel ihres politischen Handelns, sondern nur in ihren jeweiligen Methoden. Kommunisten sind bekanntlich Verfechter gewaltsamer und unmittelbarer Aktionen.

Wie lässt sich erklären, dass sich eine Welt, die sich bis an die Zähne gegen den Kommunismus bewaffnet, unmerklich auf ihn zubewegt und zunehmend sozialisiert wird? Wieder einmal müssen wir uns eingestehen: Verwirrung.

Zum einen trägt dazu die ständige Kriegsgefahr bei, in der Moskau die westliche Welt hält. Die Kriegsvorbereitung setzt eine vollständige Anpassung und damit gewissermaßen eine tiefgreifende Verfälschung der industriellen, kommerziellen und sogar landwirtschaftlichen Aktivitäten eines jeden Volkes voraus. Diese Anpassung – die durch die Gefahr absolut notwendig wird – kann nur durch ständige staatliche Eingriffe in die Wirtschaft erreicht werden. Andererseits bringt diese Verfälschung Krisen mit sich, die wiederum in der gegenwärtigen politischen Struktur des Westens nur vom Staat gelöst werden können. Von dort aus übernimmt der Staat nach und nach die Kontrolle über alles.

Gleichzeitig ist die westliche Welt von den Prinzipien der Französischen Revolution berauscht. Man könnte sogar sagen, dass das Wesen des westlichen politischen und sozialen Denkens die Ideologie der Revolution selbst ist. Diese war, scheinbar liberal, in Wirklichkeit zutiefst sozialistisch. Gracchus Babeuf, der während der Französischen Revolution einen kommunistischen Staatsstreich versuchte, war das logische und letztendliche Produkt der revolutionären Mentalität. Wenn sich also manche christliche Traditionen den Westen noch immer dem Kommunismus entgegenstellen, führen andere, dem Christentum feindlich gesinnte ideologische Strömungen, die tief in die moderne Seele eingedrungen sind, tatsächlich zur totalen Kollektivierung des Lebens. Dieser gleichzeitige Einfluss zweier antagonistischer Doktrinen ist die Wurzel unserer großen Verwirrung.

ÜBERLEGUNGEN AM RANDE DER VERWIRRUNG

Es ist nicht ratsam, hier ins Detail zu gehen. Wir wissen jedoch, dass der internationale Kommunismus unsere Schwächen und den Nutzen revolutionärer Ideen für ihn genau kennt. Indem er das Kriegsrisiko aufrechterhält, weiß er, dass er uns auf dem Weg zum Sozialismus weit vorantreibt. Dieser Kurs kann ihm nur gefallen. Ist die Aufrechterhaltung des Risikos nicht eine Strategie, um dieses Ziel zu erreichen? Jeder, der sich dem Problem direkt stellt, wird versucht sein, dies zu bejahen…

Eine weitere Überlegung: Der internationale Kommunismus weiß, dass die Kirche das einzige ernsthafte Hindernis ist, dem er auf seinem Weg begegnet. Der Vormarsch des mystischen und sinnlichen Pantheismus ist für jene, die die Kirche stürzen wollen, zweifellos von großem Vorteil. Noch vorteilhafter ist die Verbreitung verschleierter Irrtümer unter Katholiken, die manche in den Abgrund der Ketzerei stürzen, andere entmutigen und verwirren. Wer profitiert, so fragen wir, von der Verbreitung dieser Irrtümer, vom Schaden, von der Unordnung, die sie überall säen, von der unbeschreiblichen Schwierigkeit, die sie selbst den treuesten Dienern der Orthodoxie bereiten? Offenbar der internationale Kommunismus. Ist es daher nicht gewiss, dass das anhaltende Fortbestehen dieser Verbreitung nur jenen nützt, die die christliche Zivilisation stürzen wollen?

Es stimmt also, dass in diesem Bild viel Verwirrung herrscht. Doch es stimmt auch: Wenn wir, anstatt nach Logik zu suchen, wo keine ist, die Verwirrung als unbestreitbare Tatsache akzeptieren und uns damit abfinden, jenseits dieser Verwirrung zu argumentieren, um zu prüfen, wem sie nützt und wohin sie führt, bleibt die Antwort immer dieselbe. Man könnte sagen, dass der lauwarme und dunkle Hauch des Geistes des Bösen durch die Welt weht und mit geheimnisvoller Erlaubnis Gottes über Menschen und Dinge nach Belieben verfügt.

HOFFNUNGEN: „NOLITE TIMERE“

Dennoch ist hier eine Reflexion angebracht. Warum appelliert der Geist des Bösen an die Verwirrung? Weil es in dieser chaotischen und dekadenten Welt, vielleicht sogar an Orten, die oberflächlichen Beobachtern verborgen bleiben, noch immer viele Seelen gibt, die das Böse verabscheuen. Denn wenn sich der Teufel verbirgt, um voranzukommen, dann deshalb, weil er weiß, dass ihm viele den Weg versperren würden, wenn er offen handelte. Darin liegt der ermutigende Funke des Augenblicks. Einst entrollten die Heerscharen der Gottlosigkeit im Sonnenlicht das satanische Motto „écrazez l'Infàme“ (Zerschmettert die Schändliche)(*). Heute marschieren sie weiterhin siegreich … aber mit eingerollten Fahnen! Das bedeutet, dass es heute mehr Streiter Gottes gibt, die bereit sind, in der Stunde der größten Prüfungen zu kämpfen.

Und dieser Lichtstrahl, der den dunklen Horizont durchbricht, ist nicht der einzige. Inmitten der Verwirrung der Erde öffnete sich der Himmel, und die Jungfrau Maria erschien in Fatima, um den Menschen die Wahrheit zu verkünden. Eine strenge Wahrheit der Ermahnung und Buße, aber eine Wahrheit voller Heilsverheißungen. Das Wunder von Fatima wiederholte sich beinahe am Ende dieses traurigen und beschämenden Jahres der Verwirrung in den Augen des Stellvertreters Christi, um zu bezeugen, dass Gottes Drohungen weiterhin über den Menschen schweben, der Schutz der Jungfrau Maria die Kirche und ihre wahren Kinder aber niemals verlassen wird.

Wird uns das Jahr 1952 die schrecklichen Strafen bringen, die in Fatima prophezeit wurden? Wenn sie eintreten, wird es niemanden überraschen. Die Sünden haben ihren Höhepunkt erreicht, die Verschwörung des Bösen beherrscht die Erde.

Doch diejenigen, die auf die Heilige Jungfrau Maria vertrauen, haben allen Grund, nichts zu fürchten. Wir verlassen das Jahr 1951 und treten in das Jahr 1952 ein mit dem Eindruck, dass aus Fatima und dem Vatikan die Stimme der Jungfrau Maria in unsere Herzen dringt: „Nolite timere, pusillus grex“ (Lk 12,32). Fürchte dich nicht, du kleine Herde.

(*) „Die Schändliche“ Bezeichnung der Französischen Revolution für die Katholischen Kirche



Verwirrung ist das Werk des Teufels, des Vaters der Lüge. Von Natur aus kann sich der Geist des Bösen nur selten offenbaren. Das sicherste Zeichen seines Wirkens und seiner Gegenwart ist Verwirrung, Widerspruch, Chaos, in dem er wirken kann, ohne sich deutlich zu zeigen. Im Gegenteil, Logik, Kohärenz, Harmonie und Klarheit sind notwendige Merkmale jeder Umgebung, in der der Heilige Geist wirkt. Daran lässt sich messen, wie stark der Hauch des Geistes der Finsternis in der unruhigen und dämmerigen Welt ist, in der wir leben.

Doch die Gottesmutter, der die Aufgabe anvertraut wurde, der Schlange immer wieder den Kopf zu zertreten, erwirkt für die Kirche – nicht selten in Momenten höchster Not – die glorreichen Triumphe, die in kurzer Zeit die uralten Pläne Satans zunichtemachen.

Einen dieser Triumphe erwarten wir als Ausgang der tragischen Krise unserer Tage. Und wieder einmal wird das unsterbliche Rom des heiligen Petrus zum Mittelpunkt des Lebens aller Völker werden. Denn nur mit dem Triumph des Papsttums kann die Welt aus der Dunkelheit, der Verwirrung und der Qual, in der sie sich befindet, erwachen.  


Aus dem Portugiesischen „Sob o signo da confusão e da esperança” in „Catolicsimo“ von Januar 1952
Die deutsche Fassung dieses Artikels „Unter dem Zeichen der Verwirrung und der Hoffnung“ ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

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