Donnerstag, 29. Januar 2026

GEHT UND BAUT EINE NEUE WELT –

MARIA IST DAS PERFEKTE BEISPIEL FÜR EIN LEBEN MITTEN IN DER WELT 

Eine der größten Verdienste der Gotik bestand im Bau von Kirchen, die wahre Meisterwerke der Ordnung waren: eine strahlende Ordnung des Glaubens, des gesunden Menschenverstands, der erhabenen Geisteshaltung und der bezaubernden Anmut. Doch diese Ordnung – von der das Kirchenschiff von Coutances im Klischee so vollkommen zeugt – der gotische Stil drückte sich nicht nur in sakralen, sondern auch in profanen Bauwerken aus und zeigte damit, dass es keine Trennung zwischen geistlichem und weltlichem Leben, zwischen Kirche und Welt gibt. Auch das weltliche Leben muss, selbst in seinen tiefsten Aspekten, von einem glühenden Glauben inspiriert, geordnet und geprägt sein.

Das Jahr 1958 ist vorbei. Und so wird die alte, fast schon abgenutzte Praxis des Zurückblickens wieder eingeführt, gefolgt von einem ängstlich hinterfragenden Blick auf das Jahr 1959. Es wäre sinnlos, sich dieser Praxis zu entziehen, so routiniert sie auch erscheinen mag. Sie entspringt dem tiefsten Inneren der natürlichen Ordnung der Dinge. Gott selbst schuf die Zeit und wollte, dass sie für die Menschheit in Jahre unterteilt ist. Diese jährliche Dauer, eine stets in sich geschlossene Einheit, steht in bewundernswertem Verhältnis zur Länge des menschlichen Lebens und zum Rhythmus der irdischen Ereignisse. Die Vorsehung wollte, dass der unerbittliche Lauf der Jahre den Menschen in den Tagen, die als Brücke zwischen dem alten und dem neuen Jahr dienen, die Gelegenheit bietet, alles, was sich in ihnen und um sie herum verändert hat, sorgfältig zu prüfen, diese Veränderungen gelassen und objektiv zu analysieren, alte Methoden und Wege zu kritisieren, neue Methoden und Wege zu etablieren und jene Methoden und Wege zu bekräftigen, die sich nicht ändern können und sollen.

In gewisser Weise gleicht jedes Jahresende einem Gericht, in dem alles gemessen, gezählt und abgewogen werden muss, um das Schlechte zu verwerfen, das Gute zu bestätigen und in eine neue Phase einzutreten.

Die Praxis der Rückblicke und Vermutungen zum Jahresende und -beginn ist daher unvermeidlich.

Indem wir uns dieser von der Vorsehung vorgegebenen Ordnung, die in der natürlichen Ordnung der Dinge selbst liegt, anpassen, wollen wir uns unter dem Blick Mariens erneut dieser Aufgabe des Messens, Abwägens und Voraussagens widmen. Voraussagen, ja. Denn obwohl Gott gewöhnlich niemandem die Zukunft offenbart und keinem Menschen die Gabe unfehlbarer Vorhersagen gegeben ist, wünschte er dennoch, dass der menschliche Verstand genügend Erkenntnis besäße, um plausible Vermutungen anzustellen, die als wertvolles Element zur Lenkung menschlichen Handelns dienen können.

Natürlich erkennt ein katholisches Herz im Jahr 1958 drei prägende Momente. Es war das Jahr von Lourdes, in dem Freuden, Kämpfe und selbst Enttäuschungen vom übernatürlichen, sanften Licht der heiligen Grotte erhellt wurden. In diesem sanften Licht erloschen die Tage Pius’ XII., im Trost seines Lichts weinten die Gläubigen um den Papst, der sie so sehr geliebt hat und den sie so sehr liebten, und in der Pracht dieses Lichts erstrahlte der Beginn des Pontifikats Johannes’ XXIII. und erfüllte sie mit Verheißungen und Segnungen: 1958 wird uns als das Jahr von Lourdes, das Jahr des Todes Pius’ XII. und des Amtsantritts Johannes’ XXIII. in Erinnerung bleiben.

Doch wenn wir von diesen Höhen unseren Blick auf die Ereignisse richten, die vor allem die weltliche Gesellschaft betreffen, was erlebten wir im Jahr 1958? War es ein gutes Jahr? Ein schlechtes Jahr?

Auf diese Frage lassen sich, je nach Standpunkt, so viele Antworten geben, manche von so hohem, manche von so niedrigem Wert, dass man in völliges Chaos gerät. Denn jedes Jahr bringt notwendigerweise gute und schlechte Veränderungen mit sich. Und das große Problem besteht darin, ein Kriterium zu finden, um Gut und Böse zu bestimmen und abzuwägen.

Für einen Katholiken steht die Festlegung dieses Kriteriums außer Frage. Christliche Zivilisation ist die Ordnung aller weltlichen Dinge gemäß der Lehre der Kirche. Anders gesagt: Sie ist die Ordnung aller Dinge gemäß ihrer jeweiligen Natur, im Einklang mit ihrem letzten Ziel, sodass das verhältnismäßige Zusammenwirken aller zur Verwirklichung des Plans der Vorsehung führt, der die Ehre Gottes in diesem Leben und im Jenseits, also in Zeit und Ewigkeit, ist.

In Bezug auf die weltliche Ordnung besteht das größte Problem also darin zu erkennen, inwieweit die Ereignisse von 1958 zur Förderung und Entwicklung der christlichen Zivilisation beigetragen oder sie im Gegenteil untergraben und zerstört haben.

Ohne die Legitimität anderer, aus anderen Blickwinkeln vorgebrachter Überlegungen zu leugnen, muss man anerkennen, dass diese angesichts der eben dargelegten Frage von untergeordneter Bedeutung sind. Letztlich gewinnen sie nur dann an Sinn, wenn sie im Lichte des oben beschriebenen großen Problems betrachtet werden. Die christliche Zivilisation lässt sich in der Tat mit der kostbaren Perle vergleichen, von der im Evangelium die Rede ist (Mt 13,46). Um sie zu erlangen, müssen wir alles verkaufen. Denn aller Reichtum nützt uns nichts, wenn wir nicht den unschätzbaren Wert der christlichen Zivilisation besitzen. Dies zeigt sich deutlich in unserem traurigen Atomzeitalter, in dem der Mensch über einen Überfluss an materiellen Ressourcen verfügt, die ihm jedoch geistig und materiell schaden, weil ihre Verwendung nicht den Prinzipien der Kirche entspricht.

Dieses Urteil aus dem Jahr 1958 kann nur angesichts der konkreten Situation gefällt werden, in der wir uns befinden. Die christliche Zivilisation existierte im Westen in großer Pracht und Fülle. Papst Leo XIII. sagte dazu:

„Es gab eine Zeit, da die Philosophie des Evangeliums die Staaten regierte. Damals durchdrang der Einfluss christlicher Weisheit und ihrer göttlichen Tugend die Gesetze, Institutionen und Gebräuche des Volkes, aller Stände und aller Beziehungen der bürgerlichen Gesellschaft. Damals blühte die von Jesus Christus eingesetzte Religion, fest etabliert in der ihr gebührenden Würde, überall dank der Gunst der Fürsten und des legitimen Schutzes der Obrigkeit. Damals waren Priestertum und Reich durch glückliche Eintracht und freundschaftliche Gegenseitigkeit guter Dienste miteinander verbunden. So organisiert, brachte die bürgerliche Gesellschaft Früchte hervor, die alle Erwartungen übertrafen. Die Erinnerung daran besteht fort und wird fortbestehen, da sie in unzähligen Dokumenten festgehalten ist, die keine List der Widersacher verfälschen oder verdunkeln kann.“ (Enzyklika „Immortale Dei“, 1. November 1885)

... Diese einst so großartige Zivilisation geriet durch einen langen und schmerzhaften historischen Prozess in eine Krise. Dessen Hauptphasen waren im ideologischen Bereich der Naturalismus, Skeptizismus und die Hyperkritik der Humanisten, die Negationen des Protestantismus, später die Aufklärung und der Deismus, die zum heutigen Atheismus und Pantheismus führten; im weltlichen Bereich die absolutistischen und kaiserlich-papistischen Vorstellungen der Legalisten, der Säkularismus und der politische und soziale Egalitarismus der Französischen Revolution sowie der Atheismus und der soziale und wirtschaftliche Egalitarismus des Kommunismus.

Was ist heute vom alten Gebäude der christlichen Zivilisation übriggeblieben? Sehr wenig. In einem Brief an Seine Eminenz Kardinal Carlos Carmelo de Vasconcellos Mota, Erzbischof von São Paulo, erklärte der Hochwürdigste Monsignore Angelo Dell’Aqua, Substitut des Staatssekretariats des Vatikans, in der ihm obliegenden Verantwortung, dass „infolge des religiösen Agnostizismus der Staaten“ das Empfinden für die Kirche „in der modernen Gesellschaft gedämpft oder beinahe verloren gegangen“ sei. Wenn die Wurzel gleichsam vollständig abgeschnitten ist, haben die Früchte und Blüten, die am Baum verbleiben, ein Dasein, das man eher als ein Nachleben bezeichnen könnte. Das Wenige, was von der christlichen Zivilisation in der nachchristlichen Zivilisation (nennen wir sie so) unserer Zeit noch übrig ist – einige Gewohnheiten, Bräuche und Traditionen, diese oder jene Denkweise, die eine oder andere gesetzliche Bestimmung –, weist zumeist einen mehr oder weniger anachronistischen Aspekt des Überlebens auf.

Wir leugnen natürlich nicht, dass viele Seelen – vielleicht sogar mehr als vor hundert Jahren – weiterhin in inniger Verbundenheit mit der Heiligen Kirche leben und eine heldenhafte Treue beweisen, die der der Märtyrer des Kolosseums in nichts nachsteht. Trotzdem ist es wahr, dass der Rückschritt in Bezug auf soziale Sitten, Kultur, politische Institutionen und Wirtschaftsleben immer größer wird.

„Maria ist das vollkommene Beispiel für ein Leben inmitten der Welt.“

Und so ist es für das Jahr 1958 entscheidend zu wissen, ob der Rückschritt fortfuhr: „ob der Siegeszug des Neuheidentums gestoppt wurde, ob die Rückeroberung der Welt für unseren Herrn Jesus Christus bereits begonnen hat …“

Im Kontext unserer Diskussion kann die Antwort nur eine lauten: Nein.

Zunächst wäre es leichtsinnig zu behaupten, der Kommunismus habe im Westen nennenswert an Prestige verloren. Dass beispielsweise in Italien und Frankreich die Wahlen der Kommunistischen Partei etwas geschadet haben, ist nicht bedeutsamer als die Truppenbewegungen in einer langen Schlacht. Im Gegenteil, in Brasilien beispielsweise nimmt der kommunistische Einfluss deutlich zu. Wir sprachen vom kommunistischen Einfluss, nicht vom Kommunismus selbst. Tatsächlich sehe ich keinerlei Anzeichen für eine größere Offenheit der Öffentlichkeit gegenüber der Marx’schen Lehre. Aber es gibt eine wachsende Tendenz einflussreicher Männer im Land, unsere Außenpolitik an die Moskauer anzugleichen. Es ist nicht schwer zu erkennen, welche Vorteile der sowjetische Fuchs daraus in einem bestimmten Moment ziehen konnte.

Was den Osten betrifft, hofften einige, dass eine Haltung wohlwollender Trägheit und mitunter sogar positiver Zusammenarbeit der Katholiken mit nationalistischen und emanzipatorischen Bewegungen günstigere Bedingungen für das Bestehen der Kirche schaffen oder zumindest die erträglichen Verhältnisse bewahren würde, in denen sie sich befand. Natürlich gab es auch Befürchtungen. Könnte beispielsweise der Druck und vor allem die Faszination Russlands für nativistische Bewegungen gefährliche Folgen haben? Man muss anerkennen, dass die Ereignisse von 1958 fast immer dazu beitrugen, Hoffnungen zu zerstören und Befürchtungen zu bestätigen. Viele der nativistischen Bewegungen wandten sich gegen die Kirche, die nun fast überall von einer ungerechten und engstirnigen Fremdenfeindlichkeit verfolgt wurde, die von Russland geschürt wurde, trotz der überschwänglichen Bekundungen des guten Willens, die Katholiken dem Antikolonialismus entgegenbrachten.

Doch das Schlimmste liegt nicht darin. Im Laufe des vergangenen Jahres hat sich der kulturelle Verfall der westlichen Welt weiter verschärft. Die Unsittlichkeit hat stetig zugenommen. Die weltweite „Rock’n’Roll“-Epidemie ist ein Indiz dafür – ein Phänomen, das vielerorts sichtbar ist und unbestreitbar Bedeutung hat, wenn man es als akuten Ausdruck eines weitverbreiteten und allgemeinen Geisteszustands im Westen betrachtet: ein Neopaganismus, der seinen Höhepunkt erreicht und sich selbst übertrifft. Der Fortschritt eines impliziten Materialismus, der rein materielle Werte – oder zumindest Werte, die nur in ihrer materiellen Form betrachtet werden, wie Geld, Technologie, Zahlen, Masse, Sport, Gesundheit und Komfort – vergöttlicht, scheint seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Der Egalitarismus, der die Vorrangstellung von Quantität über Qualität, von Vulgärem über das im Wesentlichen Edle und Erhabene, von Materie über Geist bekräftigt, dringt immer tiefer ein und führt zu radikalster Verwirrung und Unordnung in den menschlichen Beziehungen. Die zunehmende Gleichstellung von Ehefrau und Ehemann, von Kindern und Eltern, von Schülern und Lehrern, von Jüngeren und Älteren, von Angestellten und Vorgesetzten, von Regierten und Regierenden – darauf zielt der immense Wandel der Sitten, den wir gerade erleben, unaufhaltsam ab.

Und so würde der nichtkommunistische Westen, selbst ohne Eisernen Vorhang und Bambusvorhang, hinter dem sich die ganze Welt verbirgt, durch seine eigene innere Dynamik zum Kommunismus gelangen.

Wie kann man sich gegen eine Gefahr verteidigen, die einen, fasziniert und träge, einfach auf sich zukommen lässt? Wie kann man Gottes Segen und Schutz vor einem furchterregenden Gegner erlangen, der seine eigenen Spielregeln befolgt? Wie kann man Gottes Schutz finden, wenn man Gott selbst beleidigt und Weihrauch auf den Altären des Antichristen des 20. Jahrhunderts verbrennt?

Das Jahr 1958 war schlimm…

…Und nichts deutet darauf hin, dass 1959 besser wird. Doch 1959 könnte besser werden, wenn sich die Katholiken ihrer Verantwortung bewusst werden. Weltweit zählen sie fast 500 Millionen. Dieses zahlenmäßige Argument hat Gewicht. Aber viel wichtiger ist, dass sie den mystischen Leib unseres Herrn Jesus Christus bilden, den auserwählten Teil der Menschheit, für den die Vorsehung Wunder wirken kann, wenn sie sich zur gnadenvollen Zusammenarbeit entschließt. Alles läuft schlecht. Doch nichts, absolut nichts ist verloren, wenn wir uns dennoch entscheiden, tapfer zu kämpfen und im Glauben die Hilfe des Herrn anzurufen.

Die Prognosen für 1959? Sie werden düster sein, wenn wir in Trägheit, Lauheit und Unkenntnis des Wertes des Gebets verharren. Sie können aber günstig ausfallen, wenn wir uns endlich entschließen, mit mehr Vertrauen zu beten, uns mit größerer Buße aufzuopfern und mit mehr Eifer, mehr Geschick und größerem Mut zu handeln.

Der erste Punkt eines jeden Programms in diesem Sinne ist die Inbrunst des inneren Lebens. Ohne die Vereinigung mit Gott wird nichts erreicht. Und die Vereinigung mit Gott setzt eine Vertiefung unserer Marienverehrung voraus. Denn nur wer mit Maria vereint ist, ist mit Gott vereint.

Was also ist nun konkret zu tun?

Anlässlich des II. Nationalkongresses des Dritten Ordens des Karmel in São Paulo wurde ein Dokument von höchster Bedeutung erörtert, nicht nur für Karmeliten, sondern für alle Katholiken. Es handelt sich um einen Brief, den Seine Väterlichkeit, Pater Kiliano Lynch, Generalprior des Karmeliterordens der Alten Observanz, zu diesem Anlass an die Brüder des Dritten Ordens in Brasilien verfasste. Es ist ein tiefgründiges und umfassendes Aktionsprogramm. Es spricht nicht explizit von Presse, bürgerschaftlichem Engagement, Bildungsfragen, Gewerkschaften, Sozialarbeit, Familienfragen oder der Kunst des 20. Jahrhunderts. Doch implizit umfasst es alles. Denn ohne auf konkrete Probleme einzugehen, positioniert sich dieses Programm an einem Punkt, an dem alle Fragen beleuchtet und gelöst werden. Aufgrund der glanzvollen Traditionen des ruhmreichen Ordens, dessen höchste hierarchische Figur er ist, aufgrund des außergewöhnlichen Wertes seiner persönlichen Qualitäten und aufgrund der Aktualität seiner Worte verdient der berühmte Karmelitergeneral, von allen Lesern von „Catolicismo“ gehört zu werden.

Zuallererst setzt ein Aktionsprogramm einen klaren Blick auf die Realität voraus. Keine Sofortmaßnahmen, keine Lösung der Schwierigkeiten des Apostolats allein anhand der kleinen Probleme, die in einer Sakristei oder einem Vereinshauptquartier entstehen und verstummen. Es bedarf eines umfassenden und ganzheitlichen Blicks auf unsere Zeit und ihre Tendenzen, auf das Wesen und das wahre Ausmaß der zu lösenden Probleme.

Doch dieser Blick auf unsere Zeit muss mutig sein. Wir dürfen uns nicht von einem feigen Optimismus blenden lassen, der zu einer Politik führt, die den Kopf in den Sand steckt. Die Probleme, vor denen wir stehen, sind tragisch schwerwiegend. Wir müssen sie mit offenen Augen betrachten. Und wir müssen sie klar benennen. Die unkluge Taktik, die Schwierigkeiten der Zeit aus Furcht, den Gegner zu verärgern, zu verschweigen, führt zu nichts. So beschreibt der General der Unbeschuhten Karmeliten die Situation der modernen Welt folgendermaßen:

„Da Sie außerhalb des Klosters leben, brauche ich Ihnen nicht zu sagen, wie entchristlicht die Welt heute ist, wie heidnisch das Leben geworden ist, nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Familie und im Einzelnen. Der von der modernen Kultur hervorgebrachte Säkularismus hat das menschliche Leben in all seinen Aspekten von Gott entfremdet. Das Dasein hat heute den Sinn einer tiefen und innigen Beziehung zu Gott verloren und wird nur noch als Selbstzweck betrachtet. Die Folge ist, dass es seinen wahren Sinn verloren hat und ziellos umherirrt. Das Leben wird nicht mehr im Lichte von etwas Höherem betrachtet, und wahres Glück ist verschwunden. Nie zuvor in seiner langen Geschichte hat der Mensch auf dem Weg des materiellen Reichtums so große Fortschritte gemacht und auf dem Weg des Friedens und des Glücks so große Rückschritte gemacht.“

Moderne Soziologen berichten, dass der moderne Mensch zunehmend von Angst und Mutlosigkeit geplagt wird und nicht mehr in der Lage ist, ein Leben in Würde zu führen. Alles, was ihn umgab und ihm Kraft und Licht spendete, ist verschwunden, und er ist auf sich allein gestellt. Dieses Zeitalter, das so viel versprach, endet in bitterer Ernüchterung. Trotz der Errungenschaften der Wissenschaft lebt der Mensch in Dunkelheit, und der Schatten des Todes bedroht ihn.

Wie auch immer sich die Dunkelheit der Gegenwart darstellen mag, wir dürfen niemals vergessen, dass die Mächte der Finsternis ihre Stunde hatten, Christus sie aber besiegt hat. Unser Glaube, die beständige Feier der Auferstehung, ist noch immer unser Sieg.

Es wäre jedoch ein Irrtum anzunehmen, die Schwere der Lage würde uns in Untätigkeit versetzen. Im Gegenteil, die extreme Gefahr spornt den tapferen Kämpfer an. Der berühmte Pater Kilian Lynch schreibt:

„Diese Ära“, sagte Pius XI., „ist eine der schwierigsten, die die Geschichte erlebt hat, aber auch eine der schönsten; Denn dies ist eine Zeit, in der Mittelmäßigkeit niemandem gestatten wird, in der christliches Leben in all seiner Kraft erblüht und Erfolge für die Kirche errungen werden.“ Und wie passend ist da die Weihnachtsbotschaft seines erhabenen Nachfolgers Pius XII.: „Strebt also, liebe Kinder. Schließt die Reihen. Lasst euch nicht entmutigen und verschränkt nicht die Arme. Geht und baut eine neue Welt für Christus.“ (1944)

„Geht und baut eine neue Welt auf.“ Seht, liebe Mitglieder des Dritten Ordens, unsere Botschaft an euch. Geht und gebt dem Leben christliche Form und Struktur. Prägt es mit dem Siegel Christi und seiner Heiligen Mutter, indem ihr in jeder Hinsicht ein wahrhaft christliches Leben führt. Geht und werdet „eine brennende und leuchtende Lampe“ inmitten der Finsternis und seid wie Johannes der Täufer Wegbereiter einer besseren und heiligeren Zukunft.

Das spezifische und primäre Heilmittel besteht, wie bereits erwähnt, in der Inbrunst des geistlichen Lebens. Diese Inbrunst hat jedoch eine logische Konsequenz: die Annahme eines wahren Verständnisses des irdischen Lebens und der weltlichen Gesellschaft durch den Menschen. Alles ist für uns ein Mittel, zum Schöpfer zu gelangen. Wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, dass Gott die ursächliche Ursache aller Geschöpfe ist. Gott in allen Wesen zu sehen und zu lieben, sei es in ihrem natürlichen Zustand oder nach der richtigen Verwandlung durch den Menschen, ist das Wesen katholischer Kultur und ein unschätzbares und unverzichtbares Mittel der Heiligung.

„Der erste Schritt“, fährt der Brief fort, „den Sie unternehmen müssen, um dieses Ziel (dem Leben christliche Form und Struktur zu geben) zu erreichen, besteht darin, den inneren Sinn des Lebens wiederherzustellen und ein tief verwurzeltes Bewusstsein der christlichen Berufung zu entwickeln. Der grundlegende Irrtum der heutigen Zeit ist, dass der Mensch den Grund seiner Existenz in der Welt, den Grund seiner Erschaffung durch Gott, vergessen hat.“ Wir gehören Gott im absoluten Sinne des Wortes und sind in dieser Welt, um ihm zu dienen, selbst in den unbedeutendsten Geheimnissen des Alltags.

Der Grund für das viele Unglück liegt darin, dass der moderne Mensch gegen die ihm innewohnenden und kraftvollen Kräfte ankämpft, die ihn zu Gott drängen, während er versucht, Frieden zu finden und dabei den göttlichen Plan, der in seiner eigenen Natur liegt, verachtet. Doch wer kann gegen Gott bestehen?

Wir müssen das Leben wieder im Lichte seines letzten Sinns betrachten, um das Göttliche im Materiellen, das Ewige im Zeitlichen und die Heiligkeit in allem außer der Sünde zu erkennen. Die große Aufgabe unserer Zeit ist es, alle Lebensbereiche vom Licht und der Kraft unseres Glaubens durchdringen zu lassen. Der Abgrund, den unsere Zeit zwischen Glaube und Leben geschaffen hat, muss überbrückt werden, und die göttliche Gnade muss wie Sauerteig wirken, um unser Dasein auf eine höhere Ebene zu heben.

Es steht außer Frage, dass in diesem Sinne alle Geschöpfe dazu beitragen müssen, eine Atmosphäre des Denkens und einen Handlungsrahmen zu schaffen, die auf die Ehre Gottes ausgerichtet sind. Es geht darum, die Geschöpfe zu ordnen, nicht sie zu ignorieren oder zu verachten.

Was die Sünde betrifft, so muss man ihr gegenüber absolut unnachgiebig sein. Deshalb ist die Liebe zum Sünder eine dynamische Liebe, die ihn nicht so annimmt, wie er ist, sondern ihn durch den Kampf gegen die Sünde in ihm verwandeln will. Es ist die „erlösende Liebe“:

„Im Kampf gegen die üblen Folgen des Säkularismus dürfen wir nicht ins andere Extrem verfallen (wie so viele), indem wir dem Leben und den Dingen dieser Welt ihre natürliche Güte und Würde rauben. Wir dürfen nur eines hassen: die Sünde, denn die Sünde allein wurde nicht von Gott geschaffen und geheiligt.“

Kardinal Suhard drückt es so aus: „Der Christ war nicht berufen, die Welt zu zerstören oder zu verunglimpfen, sondern sie anzunehmen, sie zu heiligen, sie Gott zu weihen …“ „Die zeitliche Wirklichkeit“, schreibt Mouroux, „ist eine verwundete Wirklichkeit, die mit erlösender Liebe geliebt werden muss … Der Christ liebt die zeitliche Wirklichkeit, weil sie ihm hilft, sich Gott zuzuwenden.“ Wir erlösen die Dinge, insofern wir das Göttliche in ihnen erkennen, insofern wir sie im Einklang mit dem göttlichen Willen nutzen.“

Ein kranker Mensch mit Urteilsvermögen kann sich nicht mit sentimentalen Erinnerungen an seine gesunden Tage zufriedengeben. Wenn er die Gesundheit wirklich liebt, muss er sie wiederherstellen. Die Sehnsucht nach christlicher Zivilisation, die nicht den Wunsch weckt, die Gültigkeit ihrer Grundprinzipien wiederherzustellen, wäre vergeblich.

In der weltlichen Gesellschaft muss der Bruder des Dritten Ordens seine ihm von Gott gegebene Mission erfüllen: das Licht der unsterblichen Prinzipien der Kirche neu zu entfachen:

„Die Mitglieder des Dritten Ordens sind daher nicht berufen, der Welt zu entfliehen oder sie zu verachten, sondern sie mit der erlösenden Liebe Christi und seiner Mutter zu lieben. Wie bei uns hat alles sein Ende in Gott. Alles preist den Allerhöchsten: Wir müssen gleichsam Herz und Stimme der Dinge sein, in der großen Harmonie, die der moderne Mensch vergessen hat.“

Wie wunderbar wäre es, wenn die Mitglieder des Dritten Ordens diese positive, schöpferische, heiligmachende, auf Gott ausgerichtete Haltung in ihrem Leben tatsächlich umsetzten.

Die – sozusagen – Wiederentdeckung des heiligen Charakters jedes Lebensweges, ungeachtet seiner jeweiligen Umstände, trägt auch zur Heiligung der Mitglieder des Dritten Ordens bei. Nicht selten begegnen wir Menschen, die den Mangel an Zeit für spirituelle Dinge beklagen. Die einzige Zeit, die sie Frömmigkeitsübungen wie Gebeten, geistlichen Lesungen, Meditationen oder Kirchgängen widmen, betrachten sie als sinnvoll genutzt. Die Stunden der häuslichen Beschäftigung mit ihren vielfältigen und kleinen Aufgaben, die gesamte Zeit, die für Familie und Beruf aufgewendet wird, sehen sie als verloren an.

Diese Vorstellung ist jedoch falsch. Tatsächlich sind all diese Lebensbereiche von Gott gewollt und, wenn sie im Einklang mit der christlichen Berufung betrachtet und ihr geweiht werden, sind sie Quellen des Lobes Gottes und des Segens für uns.

In Unserer Lieben Frau, Mutter und Glanz des Karmel, finden wir ein vollkommenes Beispiel für ein erfülltes und ganzheitliches Leben inmitten der Welt. Das Bild, das die Evangelien von ihr zeichnen, ist das einer einfachen und demütigen Zimmermannsfrau, die Gottes Willen aufmerksam folgte, um ihn von ganzem Herzen zu erfüllen. Ihr Leben war ein Lobgesang auf den Herrn, und ihr Beispiel heiligte selbst die unbedeutendsten Dinge des Alltags. Sicherlich schrieb Benedikt XV. vor dem Hintergrund Marias, dass selbst heroische Heiligkeit „in der genauen und beständigen Erfüllung der Pflichten des eigenen Standes“ besteht. Und die heilige Teresa sagt: „Wir wissen, dass Marias wahres Leben, sowohl in Nazareth als auch in den folgenden Jahren, ein ganz gewöhnliches Leben war“, aber es war zugleich ein „Magnificat“ für den Herrn, das sich unserem Verständnis entzieht und der Menschheit reiche Gnaden und Segnungen einbrachte.

„Ihr, seine Auserwählten, müsst ihrem Beispiel folgen, den Willen und das Wirken Gottes in dem Leben erkennen, zu dem ihr berufen seid, und euer Leben zu einer Antwort auf diese Berufung machen. Du musst Gottes Willen auf dieser Erde tun, wie Maria es tat, und in jedem Augenblick danach streben, genau das zu sein, was Gott von dir will.“

Die tiefgründigen Worte von Pater Kilian Lynch, O. Carm., verdienen es, in diesem turbulenten Silvesterabend bedacht zu werden. Denn sie zeigen uns, wie die Welt aussehen wird, wenn wir in der irdischen Gesellschaft nicht mutig handeln. Und vor allem zeigen sie uns, zu welchen Höhen die Welt durch die erlösende, verwandelnde Liebe aller Katholiken zum Sünder und ihren unnachgiebigen Hass auf die Sünde emporgehoben werden kann.

 

Bild: Screenshot aus dem Original

ARMUT UND PRACHT: HARMONISCHE GEGENSÄTZE IM FIRMAMENT DER KIRCHE

 

UMFELD, BRÄUCHE, ZIVILISATIONEN

Plinio Corrêa de Oliveira

Ein Aspekt der Heiligen Kirche. In einer schwach beleuchteten Zelle, vor einem Kruzifix, das an den schmerzlichsten Tod aller Zeiten erinnert,

blättert ein Kartäusermönch in einem Andachtsbuch. In ein einfaches, ärmliches Habit gekleidet und mit langem Bart, scheint dieser Ordensmann die Verkörperung all jener Elemente zu sein, die seine Umgebung durchdringen: tiefe Ernsthaftigkeit, die feste Entschlossenheit, nur für das Tiefe, Wahre und Ewige zu leben, edle Einfachheit, ein Geist der Entsagung alles Irdischen, materielle Armut und schließlich die Erleuchtung durch die übernatürlichen Spiegelungen des höchsten spirituellen Reichtums.

* * *

Ein weiterer Aspekt der Heiligen Kirche.

Im gewaltigen Mittelschiff des Petersdoms zieht die päpstliche
Prozession majestätisch dahin. Das Foto zeigt nur einen Teil davon: einige Kardinäle und die kirchlichen und weltlichen Würdenträger, die der Sedia Gestatoria unmittelbar vorausgehen. An ihrer Spitze schreitet der Papst, flankiert von den berühmten Flabelli und gefolgt von der Edel Garde. Im Hintergrund erhebt sich der Altar der Confessio mit seinen eleganten Säulen und dem prächtigen Baldachin. Und noch weiter hinten Berninis berühmte „Gloria“. Die hohen, mit bewundernswertem Marmor verkleideten und mit Reliefs geschmückten Wände, die zugleich leichten und gewaltigen Bögen, die Lichter, die wie Sterne oder funkelnde Diamanten leuchten – kurzum, alles ist von einer Erhabenheit durchdrungen, einem Reichtum, der den Gipfel dessen darstellt, was die Erde in ihrer schönsten Form zu bieten hat. Es ist der größte Prunk, zu dem der Mensch fähig ist, verstärkt durch die Pracht der Kunst und die Herrlichkeit der natürlichen Ressourcen des Steins.

Was in dem einen Bild zurückhaltende Ernsthaftigkeit ist, ist in dem anderen strahlender Glanz. Was in dem einen Armut ist, ist in dem anderen Pracht. Was in dem einen Einfachheit ist, ist in dem anderen Raffinesse. Was in dem einen Verzicht auf das Leben ist, ist in dem anderen die Fülle des Erhabensten unter ihnen.

Widerspruch? Das würden viele sagen: Kann man denn zugleich Reichtum und Armut, Einfachheit und Prunk, Pracht und Besinnlichkeit lieben? Kann man zugleich die Abkehr von allem Irdischen preisen und deren Zusammenführung für die Gestaltung eines Gemäldes, in dem die höchsten irdischen Werte erstrahlen?

Das Problem ist hochaktuell, gerade jetzt, wo sich Papst Johannes XXIII. mit so erbaulichem Eifer für die glanzvollen Traditionen des Vatikans zeigt – sehr zum Erstaunen jener, die eine Mentalität wie Aneurim Bevan verkörpern (der Labour-Chef ist ein Verfechter des Kampfes gegen jeglichen Pomp und verfolgte einen Teil der Krönungszeremonie von Königin Elizabeth II. mit dem Rücken zu ihr).

Nein, es besteht kein Widerspruch zwischen den verschiedenen Wertesystemen, außer in den Köpfen der Egalitaristen, der Gleich macherei, der Diener der Revolution. Im Gegenteil, die Kirche erweist sich als heilig, gerade weil sie mit gleicher Vollkommenheit, mit demselben übernatürlichen Genie, die Ausübung jener Tugenden zu organisieren und zu fördern weiß, die im stillen Leben des Mönchs und jene, die im erhabenen Zeremoniell des Papsttums erstrahlen, zu fördern und zu organisieren vermag. Mehr noch: Das eine gleicht das andere aus. Man könnte fast sagen, dass das eine Extrem (im positiven Sinne des Wortes) das andere kompensiert und mit ihm versöhnt wird.

Die theologische Grundlage, auf der diese beiden gegensätzlichen Heiligen sich begegnen und harmonieren, ist klar. Gott, unser Herr, gab uns Geschöpfe, damit sie uns auf dem Weg zu ihm dienen. Daher ist es notwendig, dass Kultur und Kunst, vom Glauben inspiriert, die Schönheit der irrationalen Schöpfung und den Glanz der Talente und Tugenden der menschlichen Seele hervorheben. Dies ist christliche Kultur und Zivilisation. Dadurch werden die Menschen in Wahrheit und Schönheit, in der Liebe zum Erhabenen, zur Hierarchie und zur Ordnung geformt, die im Universum die Vollkommenheit dessen widerspiegeln, der es geschaffen hat. So dienen die Geschöpfe tatsächlich unserem Heil und der göttlichen Ehre. Andererseits sind sie aber vergänglich; nur Gott ist absolut und ewig. Dies gilt es zu bedenken. Deshalb ist es gut, sich von den Geschöpfen zu distanzieren, damit man in ihrer Verachtung allein an den Herrn denkt. Auf dem einen Weg, indem man alles betrachtet, was die Geschöpfe sind, erhebt man sich zu Gott; auf dem anderen Weg nähert man sich ihm, indem man bedenkt, was sie nicht sind. Die Kirche lädt ihre Kinder ein, beide Wege gleichzeitig zu beschreiten, durch das erhabene Schauspiel ihrer Pracht und durch die Betrachtung der bewundernswerten Entsagungen, zu denen nur sie inspirieren und die sie wirksam herbeiführen kann.

 

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer ins Deutsche.

Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in
http.www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.


Bilder: Screenshot vom Original

 

Mittwoch, 21. Januar 2026

Meine Beziehung zum Papsttum

 


 von Plinio Corrêa de Oliveira

Wie hat unser Herr Jesus Christus das Papsttum eingesetzt? In den Evangelien steht geschrieben, dass unser Herr zu Petrus sagte: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“ Dieser Satz enthält die göttliche Verheißung, dass das Papsttum bis zum Ende der Zeiten nicht irren wird. Er enthält auch die Bestätigung der Unfehlbarkeit des Papstes als Oberhaupt der Kirche und der Unfehlbarkeit der Kirche in der Einheit mit dem Papst.

Meine Begeisterung für das Papsttum

Ich erinnere mich, dass ich als Jugendlicher, als mein Glaube von der mir bei der Taufe geschenkten, angeborenen Stufe zur bewussteren und rationaleren Stufe des Erwachsenenalters reifte, viel über diesen Punkt nachdachte, der in mir eine unglaubliche Begeisterung weckte: die Unfehlbarkeit der Kirche und insbesondere der Kirche in der Person des Papstes. Ich war etwa 14 Jahre alt und hatte bereits genug Lebenserfahrung, um die Torheiten zu erkennen, die die Welt bald heimsuchen würden.

Ich hatte eine vage, aber sehr reale Ahnung, wohin die Welt steuerte. Mir war vollkommen bewusst, dass wir auf den Abgrund zusteuerten. Ich wusste auch, dass inmitten des Verfalls der Welt die einzigen Worte der Ordnung – Frieden, Glaube, Weisheit, Moral, Anstand und Reinheit – aus einer einzigen Quelle kamen: dem Lehramt der Heiligen Katholischen Kirche.

Ich dachte: Wie schön, gut und heilig ist es doch, dass unser Herr Jesus Christus einen Mann an die Spitze der Hierarchie gesetzt hat, der mit Hilfe des Heiligen Geistes unfehlbar ist. So dass er, wenn er spricht und sich auf das Charisma der Unfehlbarkeit beruft, nicht irrt. Wir gelangen nicht zur Wahrheit, indem wir die Bischöfe der Welt versammeln, um alles zu diskutieren. Manchmal gelingt es, ausnahmsweise. Aber das letzte Wort hat immer der Papst. Er ist es, der das Schiff Petri lenkt.

Sie können sich meine Begeisterung angesichts dieser Aussicht nicht vorstellen! Ich bin von Natur aus enthusiastisch. Ich bewundere gern. Wenn ich etwas Bewundernswertes finde, sei es groß oder klein, fühle ich mich wohl. Bewunderung ist der Kern meiner Seele. Ich bin zum Bewundern geboren. Ich kann sagen, dass ich im Laufe meines langen Lebens vieles bewundert habe und es so sorgfältig ausgewählt habe, dass Enttäuschungen selten waren. Ich bewundere nicht alles. Ich bin sehr, sehr wählerisch.

Ich kann sagen, dass ich auf dieser Erde nichts so sehr bewundert habe wie die Unfehlbarkeit des Papsttums. Ich glaube, dass das Papsttum als Institution diese Bewunderung verdient. Und ich habe es mit jeder Faser meines Wesens bewundert.

Über das Papsttum hinaus bewundere ich die Muttergotttes. Wenn man von der Muttergottes spricht, versagt einem die Stimme, der Blick schweift gen Himmel. Aber es gibt etwas noch Bewundernswerteres. Die menschliche Sprache vermag nicht die Bewunderung auszudrücken, die ich für die Heilige Eucharistie empfinde, vor der ich mich ehrfürchtig verneige.

Deshalb fühlte sich meine jugendliche Seele verletzt, als mich ein Atheist wegen der angeblich unmoralischen Päpste der Renaissance tadelte. Oder als ich von unappetitlichen Episoden aus dem Leben mancher Päpste hörte. Obwohl ich die historischen Fakten nicht kannte, reagierte ich empört und stritt sie mit aller Kraft ab. Bis ich eines Tages dasselbe von einem Jesuitenpater hörte, einem sehr gebildeten und intelligenten Mann. Es war, als hätte mich jemand in die Seite gestochen. Ich dachte: Gibt die Kirche also solche Dinge über sich selbst zu? Ist sie dann keine makellose Dame? Keine Königin von großer Schönheit ohne Falten oder Makel? Ist die Kirche auch so ein schreckliches Ding? Ich war schockiert.

Nach reiflicher Überlegung entschied ich jedoch, dass dies mein Bild von der Kirche, der Quelle aller Schönheit, nicht trüben durfte. So begann ich, ihre Geschichte und ihr Lehramt sorgfältig zu studieren. Und wie es mir immer mit den Dingen der Heiligen Katholischen Kirche ergangen ist, geschah es auch diesmal. Wenn ich aus irgendeinem Grund etwas in ihrer Lehre fand, dass ich nicht verstand, verharrte ich in einer Haltung gelassener Hoffnung. Da die Kirche nicht irren kann und ich schon, dachte ich, dass das, was ich in diesem Moment nicht verstand, keineswegs ein Makel sein würde, sondern, sobald ich es verstand, ein Schatz an Weisheit sein würde, den es zu lieben gilt. So ging ich weiter, in der Gewissheit, dass die Kirche mich einmal mehr überraschen würde.

So verhielt es sich auch mit dem Papsttum.

Die Grenzen der Unfehlbarkeit

Beim Studium der Enzyklika Pastor Aeternus entdeckte ich, dass unser Herr das Charisma der Unfehlbarkeit begründet hat, wenn der Papst ex cathedra spricht, das heißt, wenn er als Nachfolger des heiligen Petrus ausdrücklich seine Absicht erklärt, eine Glaubenswahrheit zu definieren. Mit anderen Worten: Gemäß der katholischen Lehre selbst gibt es bestimmte Bedingungen für die Ausübung dieses Charismas. Wenn ein Papst diese Bedingungen erfüllt, ist er absolut unfehlbar. Der Heilige Geist bewahrt seinen Verstand vor jedem Irrtum.

Außerhalb dieser Bedingungen: Ist der Papst unfehlbar? Ist beispielsweise eine Enzyklika, in der der Papst dieses Charisma nicht erwähnt, unfehlbar? Wäre eine päpstliche Bulle oder eine Apostolische Konstitution unfehlbar? Kann der Papst sich in einem solchen Dokument irren? Wie lautet die Lehre der Kirche dazu?

Selbst in einem Dokument, das nicht unter die Unfehlbarkeitsgarantie fällt, hat der Papst in der Regel Recht. Nur aus sehr starken, stichhaltigen Gründen, die jemand, der sich eingehend mit dem Thema auseinandergesetzt hat, und mit tiefem katholischem Glauben vorbringen kann, lassen sich Zweifel an einem päpstlichen Dokument aufkommen. Normalerweise muss man davon ausgehen, dass man sich irrt und das Dokument korrekt ist.

Es gibt jedoch einen Umstand, unter dem sich ein Irrtum in einem päpstlichen Dokument leicht erkennen lässt: wenn es im Widerspruch zu den Lehren der Päpste der Vergangenheit steht – mit anderen Worten, wenn es der Tradition widerspricht. Wenn alle Päpste im Laufe der Jahrhunderte dieselbe Wahrheit gelehrt haben, kann ein Papst nicht das Gegenteil lehren. Eine lange Tradition päpstlicher Dokumente des ordentlichen Lehramtes kann keinen Irrtum lehren. Anders gesagt: Kontinuität in der Tradition begründet Unfehlbarkeit.

Man könnte einwenden: Wäre es nicht schöner gewesen, wenn unser Herr ein Papsttum eingesetzt hätte, das stets unfehlbar wäre, selbst in alltäglichen Kleinigkeiten? Es wäre viel sicherer.

Eine erste Antwort lautet: Gott hat das Papsttum nicht so geschaffen, und wir müssen lernen, die Schönheit seiner Schöpfung und ihrer Schöpfungsweise zu bewundern.

Aber es gibt noch eine andere Antwort. Der Papst ist ein Mensch. Er wurde in Erbsünde empfangen. Daher ist er, so weise er auch sein mag, dem Irrtum unterworfen. Der heilige Thomas von Aquin, der zwar nicht Papst, aber der einzige der Kirchenlehrer war und dessen Name in der Kirche unvergleichlich ist, bekräftigte, dass die Jungfrau Maria in Erbsünde empfangen wurde. Jahrhunderte später definierte die Kirche das Gegenteil. Ein Mann kann sich irren, auch wenn er ein großer Heiliger ist.

Ich glaube, es entspricht dem Plan der göttlichen Vorsehung, dass manche Päpste irren, insbesondere wenn sie nicht ex cathedra sprechen, um die Schwäche des Menschen aufzuzeigen. Nur Gott ist stark. Das Charisma der Unfehlbarkeit garantiert, dass, sobald die notwendigen Bedingungen erfüllt sind, unser Herr selbst durch seinen Stellvertreter spricht. Und Gott kann nicht irren. Außerhalb dieser Bedingungen kann aber der Mensch irren. Wenn ich das nicht verstehe, irre ich mich.

Deshalb kann ein Gläubiger, mit gebührendem Respekt, gebührender Ehrfurcht und gebührender Vorsicht, wenn er Grund zur Annahme hat, dass ein Dokument einen Fehler enthält, seine Zweifel äußern und um ein Gespräch mit der Autorität bitten. Das sollte niemanden überraschen.

Kann ein Papst in Irrlehre verfallen?

Es gibt Episoden in der Kirchengeschichte, die dies veranschaulichen. Die Apostelgeschichte berichtet beispielsweise, dass der heilige Petrus den sogenannten „Judaisten“ – also Juden, die zum katholischen Glauben konvertiert waren, aber ihre eigenen Riten und Gebräuche beibehielten – wohlgesinnt war. Der heilige Paulus vertrat die gegenteilige Meinung, da er dies als Gefahr für ihre christliche Glaubensbildung ansah. Er suchte daher das Gespräch mit dem heiligen Petrus und schrieb selbst: „Ich widerstehe ihm ins Gesicht.“ Schließlich akzeptierte der heilige Petrus seine Argumente und änderte seine Meinung. Der Heilige Geist sprach zuerst durch den heiligen Paulus und dann durch den heiligen Petrus. Durch den heiligen Paulus, als er den heiligen Petrus tadelte; durch den heiligen Petrus, als dieser seinen Irrtum eingestand.

Ein anderes Beispiel ist Papst Marcellinus im 4. Jahrhundert, der angesichts des Martyriums unter Diokletian lieber den heidnischen Göttern opferte und ihnen Weihrauch darbrachte. Ein wahrer Glaubensabfall! Wie lässt sich das erklären? Offenbar handelte es sich um eine persönliche Handlung, nicht um eine geistliche Deklaration. Bei dieser Gelegenheit verfiel er der Ketzerei und verließ den wahren Glauben. Als Papst lehrte er jedoch nicht, dass diese Götter wahr seien. Man muss sagen, dass er dies bitter bereute. Von Reue geplagt, weinte er über seine Sünde und bat die Kirche um Vergebung. Dann bekannte er öffentlich seinen Glauben und erlitt den Märtyrertod. Seine Sünde wurde im Blut abgewaschen, und die Kirche verehrt ihn heute als Heiligen. Heiliger Marcellinus, bitte für uns!

Einer der streitbarsten und feurigsten Heiligen war der heilige Hieronymus, Kirchenlehrer. Dennoch behauptet er in einem Dokument, dass der Papst seiner Zeit, Liberius, der Ketzerei verfallen sei. Wäre es Ketzerei zu sagen, dass ein Papst der Ketzerei verfallen könne, wäre er kein Kirchenlehrer.

Laut Augustinus verfiel Papst Zosimus der pelagianischen Häresie. Er verteidigte Pelagius sogar auf einer Synode. Angesichts neuer Dokumente änderte Zosimus seine Position und verurteilte die Häresie schließlich. Ähnlich verhält es sich mit Papst Vigilius, der im 6. Jahrhundert die monophysitische Häresie verteidigte. Historiker verweisen daher auf weitere Beispiele von Päpsten, die aus Schwäche oder Täuschung gelegentlich Häresien unterstützten. Keiner von ihnen gab jedoch eine Definition ex cathedra. Sie irrten als Einzelpersonen, sündigten als Einzelpersonen und wurden als Einzelpersonen vergeben. Ich hoffe, sie sind alle im Himmel, zusammen mit dem hl. Zosimus und dem hl. Marcellinus. So sehen wir, wie schön die Geschichte der Kirche in all ihrer Komplexität ist.

Es gibt ein Buch eines Bekannten von mir zum Thema des Novus Ordo Missae. Es ist ein sehr durchdachtes und gut recherchiertes Werk. Gestützt auf bedeutende Heilige, Theologen und Dokumente des Lehramtes analysiert das Buch die theologische Hypothese, dass ein Papst in Häresie verfallen kann, und untersucht deren Folgen. Es herrscht nahezu Einigkeit darüber, dass ein Papst in Häresie verfallen kann. So erklärt beispielsweise der hl. Robert Bellarmin, ein Vorkämpfer gegen den Protestantismus, eindeutig, dass ein Papst in Häresie verfallen kann. Auch andere bedeutende Theologen wie Torquemada, Cajetan, Báñez, Cano, Gratian und Suárez bestätigen dies. Nicht zu vergessen zeitgenössische Theologen wie Matteucci, Bouix, Billot, Salaverri und andere.

Andere Theologen vertreten die Ansicht, dass ein Papst zwar prinzipiell in Häresie verfallen kann, hoffen aber, dass die göttliche Barmherzigkeit dies verhindern wird. Mit anderen Worten: Sie akzeptieren die Möglichkeit theoretisch, hoffen aber, dass sie sich in der Praxis niemals verwirklichen wird.

Ohne die Debatte darüber zu führen, ob dieser oder jener Papst der Häresie verfallen sein mag, ist diese gesamte theoretische Lehre von großer Bedeutung für das Verständnis unserer Position zur Modernismuskrise.

Wie entstand die Modernismuskrise in der Kirche?

Die Modernismuskrise

Der hl. Pius X., Papst von 1903 bis 1914, veröffentlichte am 8. September 1907 die Enzyklika „Pascendi dominici gregis“. Darin prangerte er eine Strömung pantheistischer Häretiker an, die ihre Lehren heimlich innerhalb der Kirche verbreiten wollten. Diese Häretiker untergruben das katholische Dogma in seinen Grundfesten. Darüber hinaus bildeten sie eine Geheimgesellschaft, die vom Papst selbst verurteilt wurde. Es handelte sich um die Sekte der Modernisten.

Der hl. Pius X. erklärte, die Modernisten seien der schlimmste Feind, dem die Kirche je gegenübergestanden habe, da sie nicht von außen, sondern von innen angriffen, wie ein Gift, das im Blut der Kirche zirkuliere. Er reagierte äußerst entschieden und belegte viele Modernisten, darunter Priester und Bischöfe, mit sehr strengen Strafen. Einige, wie Pater Ernesto Buonaiuti, wurden „excommunicati vitandi“ genannt, was so viel bedeutet wie „zu meiden“. Diese Exkommunikation ist so schwerwiegend, dass selbst die physische Nähe des Häretikers vermieden werden musste.

Von Papst Pius X. verurteilt, tauchte die modernistische Sekte noch tiefer in den Untergrund ab und schmiedete während des Pontifikats von Benedikt XV. weiterhin im Verborgenen Pläne, um dann unter Papst Pius XI. wieder in Erscheinung zu treten und sich unter Pius XII. überall auszubreiten.

Mein erstes Buch, „Zur Verteidigung der katholischen Aktion“, dass ich 1943 verfasste, war eine Anklage gegen die modernistische Verschwörung. Die Ähnlichkeit der damaligen Irrtümer mit denen des Modernismus war so groß, dass ich das Apostolische Schreiben „Notre Charge Apostolique“ von Pius X. als Anhang veröffentlichte. Ich habe stets betont, dass der heutige Progressismus nichts anderes ist als ein wiederauflebender Modernismus, der die Kirche zu jenen Irrtümern hinreißen will, die sie damals dank der Wachsamkeit von Pius X. nicht durchsetzen konnte. Angesichts dieser Bedrohung ergriff Pius XI. einige Maßnahmen. Pius XII. führte dann drastischere Maßnahmen ein. Doch sie reichten nicht aus, um den Irrtum zu stoppen. Ist es respektlos gegenüber diesen Päpsten, zu sagen, dass die von ihnen ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichten, um den Irrtum aufzuhalten? Ganz und gar nicht. Das sind die Fakten. Daran besteht kein Zweifel. Auch sie handelten nicht unfehlbar. Tatsache ist, dass sie in der Verwaltung der Macht der Kirche – aus Gründen, für die sie bereits vor Gott Rechenschaft abgelegt haben – nicht die Entschlossenheit an den Tag legten, die die Umstände zu erfordern schienen.

Ich persönlich war der Überzeugung, dass diese Entschlossenheit notwendig gewesen wäre. Hatten sie einen triftigen Grund, es nicht zu nutzen? Vielleicht. Überlassen wir dieses Urteil Gott. Ich kann nur die Fakten darlegen. Sie zeigten eine gewisse Energie, die sich als unzureichend erwies. Und nun befinden wir uns in der schrecklichen Lage, in der wir uns heute befinden.

So durchdrang der Neomodernismus die theologischen Kreise der heutigen Welt derart, dass man die Situation der Kirche heute beobachten kann.

Dass sich die Kirche gegenwärtig in einer schweren Krise befindet, ist nicht nur mein Eindruck. Alle Päpste der Gegenwart haben davon gesprochen. Kardinal Joseph Ratzinger, Präfekt der Glaubenskongregation, beschrieb in seinem berühmten Interview mit dem Schriftsteller Vittorio Messori die Situation der Kirche nach dem Konzil mit folgenden Worten:

„Es ist unbestreitbar, dass die letzten zwanzig Jahre für die katholische Kirche ausgesprochen ungünstig waren. Die Folgen des Konzils scheinen den Erwartungen aller, angefangen bei denen von Papst Johannes XXIII. und später Paul VI., grausam zu widersprechen. (...) Die Päpste und die Konzilsväter erwarteten eine neue katholische Einheit und stießen stattdessen auf einen Dissens, der – um es mit den Worten Pauls VI. zu sagen – von Selbstkritik zur Selbstzerstörung zu führen schien. Sie erwarteten neuen Enthusiasmus, doch stattdessen verfielen sie allzu oft in Langeweile und Mutlosigkeit. Sie erwarteten einen großen Fortschritt, sahen sich aber stattdessen einem fortschreitenden Niedergang gegenüber. (...) Die nachkonziliare Bilanz ist eindeutig negativ. Es muss klar gesagt werden, dass eine wirkliche Reform der Kirche eine unmissverständliche Abkehr von den Irrwegen voraussetzt, die zu unbestreitbar negativen Folgen geführt haben.“

Schauen wir uns also an, wie diese maßgebliche Stimme klar darlegt, dass die nachkonziliare Zeit für die Kirche negativ war und sie in eine tiefe Krise ohne absehbares Ende gestürzt ist.

Diese Diagnose ist so fundiert und durch Fakten belegt, dass ihr weder Respektlosigkeit gegenüber der Kirche noch gegenüber den Päpsten, die sie in den letzten Jahrzehnten geleitet haben, vorgeworfen werden kann. Ich stimme der Meinung Kardinal Ratzingers voll und ganz zu.

Ich bin auch der Ansicht, dass bestimmte Handlungen und Lehren der konziliaren und nachkonziliaren Päpste, die nicht unter das Privileg der Unfehlbarkeit fallen, den Lehren und Beispielen einer langen Reihe vorkonziliarer Päpste von Pius XII. bis zum heiligen Petrus widersprechen. Mit anderen Worten: Wir befinden uns in einer Situation, in der wir feststellen müssen, dass bestimmte neuere Dokumente, die nicht unter das Charisma der Unfehlbarkeit fallen, nicht mit der Tradition übereinstimmen. Dies geschieht aus Pflichtgefühl gegenüber dem Papsttum und der Treue zu ihm. Dem gegenwärtigen Papst, aber allen Päpsten durch die Jahrhunderte hindurch.

Wir sind stolz auf diese Treue, die uns durch die Gnade der allerseligsten Jungfrau Maria zuteilwurde. Wir lieben diese Treue mehr als das Licht unserer Augen, mehr als unser eigenes Leben. Im Namen dieser Treue können wir, in Bezug auf bestimmte gegenwärtige Lehren, ehrfürchtig die Füße dessen küssen, der sie verkündet hat, aus Liebe zum Papsttum, aus Liebe zu dieser langen Reihe römischer Päpste: Sie stimmen nicht mit dem Lehramt der Kirche überein! Dies ist unsere kindliche Überzeugung. Es ist Sache der Autoritäten zu entscheiden, ob wir im Unrecht sind oder nicht.

Dies ist meine Position, dies ist die Position der TFP. Eine loyale und ehrwürdige Position, die heute von vielen Theologen weltweit geteilt wird.

 

 

Aus dem Italienischen von „I miei rapporti col Papato“

Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Auszüge aus einer Konferenz für Freunde und Unterstützer der brasilianischen TFP, São Paulo, Brasilien, 26. Januar 1985. Entnommen aus der Tonaufnahme, vom Autor nicht überarbeitet. Die Untertitel sind von der Redaktion.

Mittwoch, 14. Januar 2026

Fest des Allerheiligsten Namens Jesu



 Plinio Correa de Oliveira
Tagesheiliger 1. Januar 1965


Heute feiern wir das Fest des Allerheiligsten Namens Jesu. Gemäß dem Introitus der Messe heißt es: „Dass sich im Namen Jesu jedes Knie beugen soll, im Himmel, auf Erden und in der Hölle.“

Warum feiern wir den Allerheiligsten Namen Jesu? Selbstverständlich verdient alles, was sich auf unseren Herrn Jesus Christus bezieht, unsere Ehrerbietung, unsere Verehrung und somit ein Fest.

Doch warum diese besondere Betonung des Namens Jesu? Warum vertrieben große Heilige der Kirche Dämonen mit dem Namen Jesu? Welcher Name ist hier gemeint? Sagen wir nicht auch „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“? Wenn wir etwas sehr Wichtiges tun, zum Beispiel zu Beginn der Messe, wenn der Priester das Kreuzzeichen macht, oder wenn beim Verlesen eines Testaments gesprochen wird: „Im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, verfasse ich, [Name], meinen Willen.“

Gemäß der durch die Erbsünde gestörten, tiefgründigen Ordnung der Dinge war die menschliche Sprache fähig, Dinge angemessen auszudrücken und ihnen einen passenden Namen zu geben. Dieser Name war ein Wort, das das Innerste, Wesentlichste, Charakteristischste und Intimste des Wesens definierte, dem der Name gegeben wurde.

So berichtet die Genesis, dass Adam jedem Tier, das vor ihm vorüberzog, einen Namen gab. Diese Namensgebung bedeutete, durch ein Wort – durch eine natürliche, nicht nur konventionelle Beziehung zwischen Wort und Sache – angemessen auszudrücken, was das Wesen, dem der Name gegeben wurde, angemessen zum Ausdruck brachte.

Nehmen wir zum Beispiel den Adler … Wir nennen ihn Adler, aber es besteht kein notwendiger Zusammenhang zwischen dem Wort „Adler“ und dem Wesen des Adlers, dem, was ihn ausmacht. Es ist eine rein konventionelle Sache. In der Sprache Adams jedoch nicht. Zwischen dem Wort „Adler“, seinem Klang, seiner Struktur und der Wirklichkeit des Adlers bestand ein wahrer und tiefgründiger Zusammenhang.

So ist der Allerheiligste Name Jesu auf geheimnisvolle Weise die Definition dessen, was in der anbetungswürdigen Person unseres Herrn Jesus Christus am deutlichsten zum Ausdruck kommt, am besten geeignet ist, sein Wesen zu beschreiben.

In diesem Sinne ist der Name ein Abbild der Person, ein Symbol der Person, und der Name Jesu – von dem das Evangelium übrigens mit großer Sorgfalt spricht – ist ein Symbol Jesu und ein überaus heiliges Symbol, das als solches die Kraft besitzt, uns alle Gnaden zuteilwerden zu lassen und Dämonen zu erschrecken. Und der Name Jesu ist in diesen drei Initialen – IHS, (Jesus Hominum Salvator) Jesus der Menschen Erlöser – zusammengefasst, die auf Dokumenten, bestimmten Papieren und unter dem Kreuz zu finden sind. Das Kreuz und der Name Jesu sind die zwei vollkommenen Symbole.

Die Gegenrevolution ist der Sieg des Namens Jesu.

Hat dies eine besondere Bedeutung für uns? Natürlich. Der Name Jesu, das Wort, das seine Herrlichkeit verkündet, ist die Offenbarung seiner Herrlichkeit. Und wir wollen die Verherrlichung des Namens Jesu, wir wollen die Verherrlichung des Namens Marias. Eines der Banner, die beim Anbruch des Reiches Mariens gehisst werden, wird gewiss ein Banner sein, das den Namen Jesu in seiner ganzen Pracht trägt, und ein anderes, das den Namen Marias in seiner ganzen Pracht trägt.

Was will die Kirche, wenn sie den Namen Jesu verherrlicht? Sie will, dass Jesus Ehre zuteilwird, dass der Name Jesu über allem steht und dass alles ihm untertan ist. Sie wünscht sich eine heilige Ordnung, eine auf dem Glauben gegründete Ordnung, auf dem einzig wahren Glauben, dem katholischen, apostolischen und römischen; sie wünscht sich eine Ordnung, die nichts Weltliches, nichts Demokratisches, nichts Egalitäres an sich hat, und das Fest des Namens Jesu ist eines der vielen Feste der Heiligkeit, der Hierarchie und der christlichen Zivilisation.

Diese Gedanken sollten uns morgen leiten, und wir sollten darum bitten, dass der Name Jesu von aller Herrlichkeit umgeben sei. Das heißt: dass Jesus von allen Menschen erkannt, angebetet und verehrt werde, mit Ehrfurcht vor allem, was ihm entspricht. Möge die Revolution niedergeschlagen und die Gegenrevolution siegen, denn die Gegenrevolution ist der eigentliche Sieg des Namens Jesu.

 

 

 

Aus dem portugiesischen von „O Santíssimo Nome de Jesus“.

Die deutsche Fassung dieses Artikels „Der Allerheilgste Name Jesu“ ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

 

Samstag, 10. Januar 2026

Vor 2000 Jahren...


...wurde der Herr des Himmels und der Erde in einer schlichten Krippe geboren

Meditation von Plinio Corrêa de Oliveira

 

Freuden, Reichtümer, Ehren: Was nützen sie dem Menschen,
wenn er seine Seele verliert?

 

Unser göttlicher Erlöser, edler Nachkomme Davids, Schöpfer und Herr des Universums, wählte dennoch, in einem einfachen Stall geboren zu werden. Er gab uns das höchste Beispiel, dass alle Güter dieser Welt nur dann Wert besitzen, wenn sie der Liebe Gottes untergeordnet sind; und dass wir alles tun müssen für das Heil unserer Seele. Sie ist ewig, und um sie zu erlösen, kam unser Herr vor 2000 Jahren auf die Erde.

Plinio Corrêa de Oliveira


Während der Weihnachtsfeiertage war es im Umfeld der TFP üblich, Professor Plinio Corrêa de Oliveira zu bitten, der in seinen beliebten, viermal wöchentlich gehaltenen Vorträgen für die Mitglieder und Mitarbeiter der Organisation, Themen rund um das Heilige Weihnachtsfest zu behandeln.

Im Dezember 1973 erfüllte er großzügig eine Bitte und verfasste zwei Meditationen über die Geburt des Jesuskindes.

In einer davon – die in der Dezemberausgabe 1996 von Catolicismo veröffentlicht wurde – ging der bedeutende katholische Denker ausführlicher auf die Größe und Majestät des Jesuskindes ein. Und wie wir Katholiken, die wir vor einer heiligen Krippe beten, uns das göttliche Kind in einer strahlenden, höfischen Atmosphäre vorstellen können – nicht in einer ärmlichen, wie sie tatsächlich war, sondern in einer prächtigen Krippe, reich wie ein goldener Thron, erleuchtet vom Stern von Bethlehem. Als wäre das göttliche Kind in einem prachtvollen Palast geboren worden, der ihm gebührte, da er von Prinzen aus dem Geschlecht König Davids abstammte.

In dieser mythischen Geburtsszene würde die reinste Jungfrau als die majestätischste Königin – wie sie es wahrhaftig ist – dargestellt, die ihren göttlichen Sohn anbetet, begleitet von ihrem keuschen Gemahl, dem großen Patriarchen Josef, einem Angehörigen des höchsten Adels jener Zeit, und dem strahlenden Hofstaat der Heiligen Drei Könige, Caspar, Melchior und Balthasar, die in kostbare Gewänder gekleidet sind und alle ihre königlichen Insignien tragen.

In jetzigen Artikel bieten wir den Lesern eine weitere Betrachtung an, die Professor Plinio zu demselben Anlass verfasste, jedoch aus einer völlig anderen Perspektive.


*     *     *

In der Heiligen Kirche gibt es verschiedene geistliche Schulen, die alle von ihr gebilligt und zumeist von Heiligen begründet und befolgt werden – deshalb sind sie wunderbar. Jeder sollte derjenigen folgen, nach der sich seine Seele sehnt.

Meine Seele ist zutiefst ignatianisch. Die Methode des hl. Ignatius von Loyola begeistert mich: einfache, klare, unmissverständliche Argumentation, die zu Schlussfolgerungen führt und ohne Umschweife oder Spitzfindigkeiten auskommt. Das begeistert mich.

Doch jeder soll so sein, wie Gott ihn zu seiner Ehre geschaffen hat. Solange es also im Rahmen der Offenbarung und der Theologie bleibt, kann ich mir sogar vorstellen, „mit offenen Segeln“ wahre Überlegungen anzustellen.

Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass eine Meditation logisch sein muss – ohne Logik gibt es keine Meditation.

Meditation nach der Schule des heiligen Ignatius

Die Weihnachtsmeditation, die ich entwickeln werde, besitzt eine sehr hohe Autorität, da sie direkt vom heiligen Ignatius von Loyola stammt. Ich werde versuchen, es etwas abzuwandeln, da er es nüchtern und ohne Schnörkel formuliert. Ich werde es etwas ausschmücken.

Der heilige Ignatius sagt, dass unser Herr Jesus Christus am Weihnachtsfest den Menschen eine Lehre erteilen wollte. Er fügt hinzu, dass die Menschen dieser Welt – also all die selbstsüchtigen Menschen, die nicht für Gott, sondern für sich selbst leben (die überwiegende Mehrheit, besonders in Zeiten des Verfalls, wie es zu Lebzeiten unseres Herrn und auch heute der Fall ist) – nach einem der folgenden drei Ziele streben: Vergnügen, Reichtum und Ehre.

„Vergnügen“

Unter Vergnügen versteht der heilige Ignatius die Freuden, die die Sinne schenken können. Dies sind in erster Linie sinnliche Freuden; dann die Freuden des Geschmacks, des Sehens, des Riechens und des Hörens; schließlich alles, was ein Leben im Luxus an Angenehmem und Genussvollem zu bieten hat.

„Reichtum“

Unter Reichtum versteht er etwas anderes: den bloßen Besitz von Geld. Es ist die Habgier jener, die Geld nicht wegen der damit verbundenen Freuden suchen, sondern aus reiner Gier nach Geld an sich, nach Reichtum an sich. Diese Menschen nutzen ihr Vermögen nicht. Sie leben mitunter ein unscheinbares, eintöniges, banales, vielleicht sogar elendes Leben und haben nichts weiter als die Freude, sich ständig im Besitz einer großen Summe Geldes zu fühlen.

„Ehren“

Schließlich gibt es die Freuden der Ehre. Sie werden weniger von Menschen angestrebt, die nach Geld oder einem angenehmen Leben streben, sondern vielmehr nach der Anerkennung anderer. Sie wollen Gegenstand großer Verehrung, großer Aufmerksamkeit, großer Ehrfurcht sein – was sie suchen, ist Prestige.

Diese Einteilung des heiligen Ignatius ist sehr treffend. Denn letztlich kennt der Egoismus des Menschen einen dieser drei Pole.

Jemand könnte einwenden: „Dr. Plinio, eine solche Einteilung ist zu schematisch. Man kann alle drei Dinge gleichzeitig anstreben: Geld, Vergnügen und Ansehen in höchstem Maße genießen.“

Das stimmt, antworte ich, doch es liegt in der Natur des Menschen, eines dieser Dinge viel mehr zu genießen als die anderen. Nachdem der Mensch sie alle erfahren hat, legt er sich schließlich auf eines fest und macht es zum Sinn seines Lebens.

Der hl. Thomas von Aquin lehrt uns, dass der Mensch eine Einheit besitzt, durch die er neben der ontologischen Einheit (er ist ein Sein) auch eine Einheit des Ziels hat (er will ein Ziel erreichen). Und wenn er nicht nach Gott strebt, sucht er notwendigerweise eines dieser drei Vergnügen als sein höchstes Ziel.

In der weiteren Betrachtung zeigt der Gründer des Jesuitenordens, dass unser Herr Jesus Christus in die Welt kam, um zu beweisen, dass solche Vergnügen (als Ziel) wertlos sind.

Die unendliche Macht des göttlichen Schöpfers des Universums

Der heilige Ignatius schlägt daraufhin eine Weihnachtsmeditation vor, da die Menschen Gott aufgrund eines von drei abgöttischen Zielen vergessen: Geld, Vergnügen oder Ehre.

Welchen Wert haben die Reichtümer dieser Welt? Was lehrt uns unser Herr Jesus Christus in der Krippe?

Gott schuf Himmel und Erde. Er schuf somit auch alle Reichtümer, die es auf Erden gibt. Alles Wunderbare, Schöne, alles, was den Wohlstand eines Menschen begründet, hat er geschaffen. Kein Mensch kann einen Reichtum besitzen, der mit dem Reichtum Gottes vergleichbar ist.

Er schuf nicht nur alle existierenden Reichtümer, sondern besitzt auch die unerschöpfliche Macht, so viele weitere zu erschaffen, wie er will – und dies ohne die geringste Anstrengung. Er ist allmächtig und übt seine Allmacht mit vollkommener Leichtigkeit aus. Wir brauchen nur die Sterne am Himmel zu betrachten, um zu verstehen, wie leicht Gott alles erschafft. Er ist so unendlich reich, dass er alles Existierende und noch viel mehr unerschöpflich mit derselben Leichtigkeit erschaffen konnte, mit der er ein Sandkorn formte.

Ablassen von irdischen Gütern

Und weit mehr als die Fähigkeit, Reichtümer zu erschaffen, ist er reich an seinem Wesen.

Nun, dieser unendlich reiche Gott wollte als armer Mensch auf die Erde kommen. Er wollte von einem Zimmermann als Vater und einer Hausfrau als Mutter geboren werden; er wollte in einem Stall geboren werden, dem ärmlichsten Ort, den man sich vorstellen kann; zur Wärme wünschte er sich nur den Atem einiger Tiere und die Kleidung, die die Muttergottes für ihn anfertigte; als Unterkunft wollte er keine Menschenwohnung, sondern eine Tierunterkunft (denn der Stall war der Ort, an dem die Tiere fraßen).

An einem solchen Ort wurde das Wort Gottes geboren!

Er wollte auf diese Weise zeigen, wie gleichgültig der Mensch gegenüber Reichtum sein sollte im Vergleich zum Dienst an Gott. Und so sollte man vor allem nicht leben, um reich zu sein, nicht um großen Reichtum zu besitzen, sondern um Gott zu dienen, ihn zu lieben, ihn zu preisen und ihm auf dieser Erde zu dienen und ihn dann im Himmel in alle Ewigkeit anzubeten.

Reichtum mehr lieben als Gott: Eine Umkehrung der Werte

Wir sehen um uns herum Menschen, die dem Geld wie besessen nachjagen; die seinen Besitz zum einzigen Mittelpunkt ihres Lebens machen und Gespräche darüber zum angenehmsten, attraktivsten und interessantesten Thema; die ihr ganzes Glück in dem Gefühl suchen, Geld zu besitzen, und in der Illusion, niemals arm, sondern immer reicher zu sein. Solche Menschen sind vollkommene Narren. Denn diese Güter, wie wertvoll sie auch sein mögen, machen nur einen winzigen Bruchteil dessen aus, was im Universum existiert. Und was bedeuten sie Gott anderes als ein wenig Staub und Schlamm?

Stellen wir uns den reichsten Mann der Welt vor, einen Magnaten. Stellen wir uns vor, die Liste seines Besitzes füllt ein Verzeichnis von der Größe eines Telefonbuchs: Immobilien, Geld, Wertpapiere, Kredite, Wertgegenstände usw. Was bedeutet all das im Vergleich zu Gott, unserem Herrn? Nichts, absolut nichts.

Diejenigen, die ausschließlich oder hauptsächlich für Geld leben und dessen Besitz zum einzigen Lebensziel machen, handeln wie wahre Narren, denn sie missachten die Lehre, die unser Herr Jesus Christus ihnen in der Krippe gab. Sie verstehen nicht, dass unser Herr uns dort lehrte, dass es dem Menschen erlaubt ist, Reichtum zu begehren, zu erwerben und zu behalten, solange er ihn nicht zum höchsten Ziel seines Lebens macht. Das höchste Ziel muss die Ehre Gottes, der katholischen Kirche sein; also der Sieg der Gegenrevolution über die Revolution (*). Finanzielle Belange müssen zwangsläufig Nebensache sein, sonst handelt man wie ein wahrer Wahnsinniger, indem man die Werteordnung umkehrt, mehr liebt, was man weniger lieben sollte, und weniger liebt, was man intensiver lieben sollte.

Es ist Wahnsinn, vergänglichen Besitz zum Hauptzweck des Lebens zu machen.

Unser Herr Jesus Christus hätte, wenn er es gewollt hätte, den Engeln befohlen, die herrlichste Seide und die lieblichsten Düfte in die Krippe zu legen; er hätte die schönste Musik erklingen lassen.

Wenn die Engel schon für die Hirten sangen, wie viel mehr Freude hätten sie dann erst für das Jesuskind gesungen! Und keine irdische Musik kann sich auch nur annähernd mit Engelsgesang vergleichen.

Das Jesuskind hätte auch besonders wärmende Kleidung tragen und von Anfang an mit den besten Speisen genährt werden können; kurzum, es hätte vom ersten Augenblick seines irdischen Lebens an mit Freuden erfüllt sein können.

Doch was tat es? Das Gegenteil. Er wollte auf Stroh geboren werden, einem Material, dessen Berührung dem Körper keinerlei Vergnügen bereitet; er wollte in einer Krippe liegen, deren Geruch, so sehr die Muttergottes und der heilige Josef sie auch reinigen mochten, wohl kaum angenehm gewesen wäre; er wollte vor Kälte zittern und wählte die Geburt um Mitternacht in einem Wintermonat; als Musik wünschte es sich nichts als das Muhen der Tiere.

Letztlich wollte er das Gegenteil einer angenehmen Situation. Und so wollte er den Menschen zeigen, wie töricht es ist, sie zum Hauptzweck des Lebens zu machen.

Die Lehre, die er uns lehren wollte, ist daher das Gegenteil des Strebens nach Vergnügungen: Solange es dem Seelenheil dient, solange es zur Ehre Gottes ist, müssen wir uns aller Freuden entsagen und nur nach dem Guten streben, selbst wenn es uns viel Opfer und Verzicht kostet.

Als Prinz geboren, aber in einem Stall

Unser Herr Jesus Christus wollte frei von allem geboren werden, was Eitelkeit mit sich bringen kann. Zwar wurde er als Prinz aus dem königlichen Hause Davids geboren, doch wollte er auch Sohn eines Zimmermanns und einer Mutter sein, die – wie bereits erwähnt – den Haushalt führte. Er wollte zu einer Zeit geboren werden, als das Haus Davids seine politische Macht, sein gesellschaftliches Ansehen und seinen Reichtum verloren hatte; als es daher in der irdischen Ordnung absolut nichts mehr bedeutete.

Und mehr noch: Er wollte als Ausgestoßener außerhalb der Stadt geboren werden, denn niemand dort nahm seine Eltern auf. Sie gingen von Haus zu Haus und baten um Unterkunft, doch man gewährte ihnen keine. Er wurde in einem Stall geboren, um den Menschen zu beweisen, wie töricht jene sind, die den Wunsch nach Wichtigkeit zu einer fixen Idee erheben, anstatt der katholischen Sache zu dienen; die Torheit jener, die nach mehr streben und diese Eitelkeit zum Ziel ihres Lebens machen.

Ein Katholik sollte sich diese Erkenntnis zunutze machen, indem er sie auf andere und auf sich selbst anwendet.

Anwendung auf andere: Wen soll man bewundern?

Wenn ein Katholik beim Anblick eines Menschen, der nicht nach Gottes Gesetz und nicht zu seiner Ehre, sondern einzig und allein zu seinem eigenen Vorteil lebt – sei es ein Freund der Familie, ein Nachbar oder ein Kollege, der aus diesem oder jenem Grund Ansehen genießt, ein luxuriöses Leben führt oder über viel Geld verfügt –, geneigt ist, ihn allein aus diesen Gründen zu bewundern, sollte er denken:

„Nein! Solches Verhalten verurteilt unser Herr im Evangelium. Unser Herr, der König, die ewige Weisheit, lehrte uns das Gegenteil. Er lehrte uns, dass solche Dinge zweitrangig sind und dass diese Menschen, die all ihre Kraft darauf verwenden, unvernünftig handeln und dafür am Jüngsten Tag verurteilt werden. Selig hingegen sind jene, die auf Reichtum, Vergnügen und Ehre verzichtet haben; oder die Reichtum, Vergnügen und Ehre besessen haben, aber jederzeit bereit sind, darauf zu verzichten, sollte es die katholische Sache erfordern. Diese werde ich bewundern – die auf alles verzichten. Ich werde andere verachten und mir keine Bewunderung für jemanden erlauben, der nicht so lebt, wie er leben sollte.

Anwendung auf mich selbst: vollkommene Hingabe

Was suche ich in meinen Beziehungen zu anderen? Suche ich nach Anerkennung für meinen Reichtum? Oder für meinen verschwenderischen Lebensstil? Oder gar für irgendeinen Titel der Überlegenheit, den ich besitze? Dann muss ich schlussfolgern, dass ich wertlos bin. Denn ich sollte nicht danach streben, dass andere mich beachten, sondern dass sie Gott lieben. Ich sollte sie zur Liebe Gottes führen und ihre Aufmerksamkeit nicht auf mich lenken. Indem ich so handle, stehle ich, was Gott zusteht. Und ich sollte mich allein der vollkommenen Hingabe widmen, die meine Seele Gott, unserem Herrn, der Gottesmutter und der Heiligen Katholischen Kirche schuldet.

Schluss der Meditation: Kampf und Gebet

Deshalb müssen wir uns gemäß der Schule des hl. Ignatius – der wahren Schule – diese Gedanken Tag und Nacht vor Augen halten und mit der Kraft eines Unkrautjäters die weltlichen Begierden aus unseren Seelen verbannen, die uns dazu verleiten, Geld, Vergnügen und Ehre anzubeten.

Dies erfordert natürlich viel Gebet, denn ein solches Ziel lässt sich nicht allein durch Willenskraft erreichen. Dieser Gedanke ist dem Menschen oft so schmerzlich, dass es ihm schwerfällt, ihn stets vor Augen zu haben. Und selbst wenn er ihn verinnerlicht hat, fällt es ihm schwer, solchen Dingen zu entsagen. Er muss beten, er braucht die Gnade, er muss sich selbst abtöten, um ihnen entsagen zu können. Wenn er so handelt, wird er Erfolg haben und so Gott gefallen.

 

Anmerkung:

(*) Zusammenfassend bezeichnet Plinio Corrêa de Oliveira in seinem Hauptwerk „Revolution und Gegenrevolution“ die Revolution als den Jahrhunderte alten Prozess, der die Christenheit seit dem Niedergang des Mittelalters – jener Zeit, in der das katholische Gesellschaftsideal seiner Verwirklichung am nächsten kam – zerstört. Die Gegenrevolution versteht er als die organisierte Reaktion, die sich der Revolution entgegenstellt und die Wiederherstellung der Christenheit zum Ziel hat.

 

Aus dem portugiesischen von „Há 2000 anos o Senhor do céu e da terra nascia numa singela manjedoura“.

Die deutsche Fassung dieses Artikels „Vor 2000 Jahren wurde der Herr des Himmels und der Erde in einer schlichten Krippe geboren“ ist erstmals erschienen in
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