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Sonntag, 4. Dezember 2022

Fest der Ehre und des Friedens


Plinio Corrêa de Oliveira

„EHRE sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen, die guten Willens sind“!
(Lk. 2, 14)


      Es ist für jeden Katholiken unmöglich, über die Heilige Weihnacht zu meditieren, ohne dass ihm die harmonischen und er
leuchtenden Worte in den Sinn, ja fast in die Ohren kommen, mit denen die Engel singend den Menschen die große Nachricht von der Ankunft des Erlösers verkündeten. Mit diesen Worten wollen wir unsere weihnachtliche Besinnung in der Nähe der Krippe, zu Füßen des Gotteskindes und in enger Verbundenheit mit der heiligsten Maria halten.

      „Ehre“. Wie haben die Alten die Bedeutung dieses Wortes verstanden, und wie viele großartige und inspirierende moralische Werte haben sie darin gesehen. Um sie zu erobern, haben so viele Könige ihre Herrschaftsgebiete ausgedehnt, so viele Armeen dem Tod ins Auge geblickt, so viele Weise haben sich den mühsamsten Studien gewidmet, so viele Pioniere haben sich in die furchterregendsten Einsamkeiten gestürzt, so viele Dichter haben ihre höchsten Werke geschaffen, so viele Musiker haben ihre lebhaftesten Töne aus ihrem tiefsten Inneren herausgezupft, und so viele Geschäftsleute haben sich schließlich in die maßloseste Arbeit gestürzt. Ja, denn auch im Reichtum suchte man nicht nur einen Faktor des Überflusses, des Komforts und der Sicherheit, sondern auch der Macht, des Ansehens – mit einem Wort, der Ehre und Ruhm.

      Doch welche Elemente waren in diesem Begriff der Ehre enthalten? Einige waren der Person inhärent: hohe Mentalität, herausragende Tugenden, die Ausübung entsprechender Handlungen. Andere waren mit dem verknüpft, was man heute als öffentliche Meinung bezeichnet. So gesehen wäre Ehre die berühmt-berüchtigte, weitreichende, hochtrabende Anerkennung der herausragenden Qualitäten einer Person.

      Was ist Ehre wert? Inwiefern vergrößert der Wunsch nach Ehre die Seele?

      Die Frage lässt sich leicht beantworten, wenn man einen Menschen, der nach Ehre giert, mit einem anderen vergleicht, der all seine Wünsche in Güter anderer Art steckt: viele lange Nächte in einem weichen Bett schlafen, sich mit Genuss und Überfluss ernähren, sich vor Risiken und Ungewissheiten sicher fühlen, ohne Kampf und Anstrengung leben, in Vergnügungen und Belustigungen eintauchen, usw.

      Es besteht kein Zweifel daran, dass die materiellen Güter zu unserem Nutzen geschaffen wurden und dass der Mensch im richtigen Maß und mit der richtigen Anpassung diese Güter genießen darf. Aber wenn er sie zu höchsten Werten der Existenz erhebt, was soll man dann von ihm sagen? Dass er ein niedriger, egoistischer, engstirniger Geist ist. Mit einem Wort, er gehört zu der Kategorie derer, die die Heilige Schrift mit einem bedeutenden Makel belegt: Ihr Gott ist ihr eigener Bauch (vgl. Phil 3,19). Geister, die nur das verstehen, was für den Körper wichtig ist, die alle wahren Güter der Seele ignorieren und die, wenn sie könnten, – wie Claudel schrieb – die Sterne vom Himmel fallen lassen und sie in Kartoffeln verwandeln würden.

      Wir erinnern uns an all dies, weil in den Unwägbarkeiten des Besuchs von Chruschtschow in den Vereinigten Staaten und zwischen den Zeilen der unzähligen Kommentare, die in der ganzen Welt zugunsten dieses Besuchs veröffentlicht wurden, genau diese Weltanschauung angedeutet wird. Die menschliche Gesellschaft hätte als einziges solides, greifbares, authentisches Ziel, ein reiches und angenehmes Leben zu fördern. Alle religiösen, philosophischen, künstlerischen usw. Fragen wären nur von untergeordneter Bedeutung oder sogar völlig unwichtig. Wenn also die Welt in eine kommunistische „Hemisphäre“ und eine nicht-kommunistische „Hemisphäre“ aufgeteilt ist, dann ist nicht die ideologische Divergenz, sondern der Widerspruch der wirtschaftlichen Interessen ausschlaggebend für die Aufteilung. Was die materiellen Vorteile betrifft, so ist es das Wichtigste, einen Krieg zu vermeiden. Und dies selbst dann, wenn sich die Welt stillschweigend mit einer schrittweisen Bolschewisierung abfindet. Was der Westen vor allem bewahren muss, ist die friedliche Koexistenz der Völker. Der Frieden muss um jeden Preis erreicht werden, denn die Wiedergutmachung von Kriegsschäden ist unbezahlbar.

      Ob uns das ein Leben in Schande beschert, ist nicht von Bedeutung. Wir werden Sklaven des allmächtigen Staates sein, verloren in einer unermesslichen Masse anonymer Menschen, entstellt durch eine „Kultur“, die Persönlichkeiten auslöschen und die Menschen vereinheitlichen will, die die Moral, die Existenz der Seele und sogar eines gerechten und barmherzigen Gottes leugnet: das ist nicht wichtig. Zumindest werden wir für uns und unsere Kinder die Verwüstungen und Entbehrungen des Krieges vermeiden. Die Schande ist ein gut bezahlter Preis für die Vermeidung so vieler Übel. Und aus diesem Grund ist es besser, jede Polemik mit dem Kommunismus einzustellen.

      Wenn nun alles getan wird, um einen Krieg zu vermeiden, indem alle Mittel der Diplomatie, einschließlich Gipfeltreffen, eingesetzt werden, wird kein christliches Herz seine glühende Zustimmung verweigern. Dass man aber, um ein solches Ergebnis zu erreichen, eine allgemeine Demobilisierung der Gemüter in Bezug auf die kommunistische Gefahr wünscht und damit Moskau die Möglichkeit gibt, die leichte und effiziente ideologische Durchdringung seiner Irrtümer in der ganzen Welt zu fördern, kann man keineswegs zustimmen.

      Hierin liegt jedoch für Millionen von Seelen die größte Versuchung, der sie ausgesetzt sind, weil sie in einer Welt leben, für die das Wort „Herrlichkeit“ („Glorie“) fast keine Bedeutung hat. Es existiert noch in Wörterbüchern, es wird bis zu einem gewissen Grad in der Alltagssprache verwendet – es gibt zum Beispiel in Rio de Janeiro einen Outeiro da Glória, ein Glória-Hügel, ein Glória-Hotel, es gibt Leute, die „Glória de Cuba“-Zigarren rauchen – man könnte fast sagen, dass das Wort außerhalb dieser Anwendungen tot ist. Und mit dem Verschwinden dieses Wortes verschwinden auch andere, die damit zusammenhängen: Ehre, Prestige, Anstand...

      Es wäre interessant, eine Zeitung von vor hundert Jahren zu lesen, um zu sehen, welche Rolle diese Werte in den zwischenmenschlichen Beziehungen spielten – zwischen Einzelpersonen, Familien, sozialen Gruppen oder Nationen. Schlage man heute eine Zeitung auf und man wird feststellen, dass die meisten Menschen sich aus ganz anderen Gründen verbünden oder Krieg führen: Exporte, Importe, Devisen, Zölle und dergleichen.

      In dieser Welt, in der die Bedeutung dessen, was zu einem materiellen Leben in Fülle, Größe und Sicherheit führt, bis zum Delirium hypertrophiert ist, erteilt uns unser Herr anlässlich der Heiligen Weihnacht eine doppelte Lektion von größter Tragweite.

      Betrachten wir die Heilige Familie unter dem Gesichtspunkt eines guten Platzes im Leben. Eine Dynastie, die ihren Thron und ihren Reichtum verloren hat, hat im hl. Joseph einen Spross, der in Armut lebt. Die Heilige Jungfrau nimmt diese Situation mit vollkommenem Frieden hin. Sie bemühen sich beide, in dieser Armut ein geordnetes und ruhiges Leben zu führen, aber ihre Gedanken sind nicht von Plänen für wirtschaftlichen Aufstieg, Bequemlichkeit und Vergnügen erfüllt, sondern von Gedanken über Gott, unseren Herrn. Für ihren Sohn stellt die Heilige Familie eine Höhle als erste Behausung und eine Krippe als Wiege zur Verfügung. Der Sohn aber ist das fleischgewordene Wort selbst, um dessen Geburt die Nacht erleuchtet ist, die Himmel sich öffnen und die Engel singen, und zu dem von den Enden der Erde Könige voller Weisheit kommen und Gold, Weihrauch und Myrrhe darbringen....

      Wie viel Armut, und wie viel Ruhm und Ehre! Wahre Herrlichkeit deshalb, weil sie kein „Zitat“ der bloß utilitaristischen und pharisäischen Menschen von Jerusalem ist, die andere nach dem Maß ihres Reichtums schätzen, sondern eine Herrlichkeit, die wie ein Abglanz der einzig wahren Herrlichkeit ist: der Herrlichkeit Gottes im höchsten Himmel.

      Es wird oft gesagt, dass die Armut der Heiligen Familie in Bethlehem uns die Loslösung von irdischen Gütern lehrt, und das ist tausendmal wahr. Es muss jedoch hinzugefügt werden, dass die Heilige Weihnacht darüber hinaus eine hohe und klare Lehre über den Wert der himmlischen Güter und der moralischen Güter enthält, die auf der Erde wie ein Abbild der himmlischen Güter sind.

      Und in dieser Hinsicht gibt es vielleicht eine Verwirrung, die es zu klären gilt.

      Gott schuf das Universum zu seinem äußeren Ruhm. Alle irrationalen Geschöpfe streben also ausschließlich nach der Verherrlichung Gottes. Und der Mensch, der mit Intelligenz und freiem Willen ausgestattet ist, ist verpflichtet, die Kräfte seiner Seele und sein ganzes Wesen für denselben Zweck einzusetzen. Sein Endziel besteht nicht darin, in Vergnügen, Überfluss und Leichtigkeit zu leben, sondern darin, Gott die Ehre zu geben.

      Der Mensch erreicht dies, indem er alle seine inneren und äußeren Handlungen so ausrichtet, dass er stets die unendlichen Vollkommenheiten und die souveräne Macht des Schöpfers anerkennt und verkündet.

      Als Ebenbild Gottes geschaffen, gibt er ihm die Ehre, indem er sich bemüht, ihn in seiner Natur als bloßes Geschöpf so weit wie möglich nachzuahmen.

      Und so macht uns die Ausübung der Liebe Gottes, die uns ihm ähnlich macht, auch zu Teilhabern an seiner Herrlichkeit.

      Das erklärt die große Ehrfurcht, die die Heiligen stets erweckt haben, selbst bei denen, die sie hassten und verfolgten. Eine einfache Köchin wie die selige Anna-Maria Taigi, wenn sie durch die Straßen von Rom ging die Passanten durch ihre Ehrbarkeit beeindruckte. In allen Erscheinungen der Heiligen Jungfrau wird sie als äußerst mütterlich, gütig und herablassend, aber gleichzeitig unsagbar würdevoll, respektvoll und von königlicher Majestät strahlend dargestellt. Was können wir über unseren Herrn, die Quelle aller Heiligkeit, sagen? Er war so herablassend, dass er den Aposteln sogar die Füße wusch! Aber so unendlich majestätisch, dass ein Wort von ihm alle Soldaten, die kamen, um ihn zu verhaften, zu Boden niederwarf (vgl. Joh 18,6).

      Jesus Christus ist unser Vorbild. Die Heiligen, die ihn so vortrefflich nachgeahmt haben, sind auch unser Vorbild. Und so muss jeder wahre Katholik zu einer hohen Ehrbarkeit, einem Ernst, einer Festigkeit, einer Erhabenheit neigen, die ihn von der Vulgarität, der Albernheit, der Extravaganz all dessen unterscheiden muss, was unter die Herrschaft Satans fällt.

      Und hier geht es nicht nur um den Glanz, der aus der Ausübung der Tugend entsteht. Alle Macht kommt von Gott (vgl. Röm 13,1), die des Königs wie die des Adligen, des Vaters, des Meisters oder des Lehrers. Und in gewisser Weise muss der Inhaber eines Amtes als solcher für seine Untertanen ein Abbild Gottes sein. Jeder Macht wohnt eine Würde inne, die ein Spiegelbild der göttlichen Majestät ist. So muss in einer christlichen Gesellschaft der Inhaber einer wichtigen Position sich selbst aufgrund dieser Position respektieren. Und er muss diesen Respekt auf diejenigen übertragen, die mit ihm zu tun haben. Auf diese Weise erstrahlt die christliche, weltliche Gesellschaft im Glanz der Herrlichkeit Gottes. Sie singt es auf ihre Weise, wie auch die geistliche Gesellschaft, die die heilige katholische, apostolische und römische Kirche ist, mit unaussprechlichen Akzenten. Und das Leben des Menschen hier auf der Erde ist ein Vorgeschmack auf das Lied der Herrlichkeit, das er im Himmel in alle Ewigkeit singen wird.

*    *    *

      Aber, wird jemand sagen, ist diese Liebe eines jeden zu seinem eigenen Ruhm nicht Hochmut?

      Alles in allem: Nein, tausendmal nein.

      Wenn jemand seinen eigenen Ruhm liebt und nicht den von Gott, dann ist das Stolz. Wenn ein Mensch seine eigene Herrlichkeit liebt, nicht weil sie ein Abglanz der Herrlichkeit Gottes ist, sondern nur, weil sie ein Mittel ist, um Ehre zu erlangen, Herrschaft über andere auszuüben und den Lauf der Dinge nach seinem eigenen Willen zu lenken, dann ist das Hochmut. Wenn aber ein Mensch die Achtung seines Nächsten nur deshalb verdienen will, damit er dadurch von Gott verherrlicht wird, zeigt er Seelengröße und wahre Demut.

      Wir wissen sehr wohl, dass subtiler Stolz einen Menschen oft täuschen kann, indem er den Eindruck erweckt, dass er aus Liebe zu Gott nach einer Herrlichkeit strebt, die er in Wirklichkeit nur um seiner selbst willen begehrt. Um dieses leider sehr reale Risiko zu vermeiden, müssen wir beten, die Sakramente empfangen, meditieren, uns kasteien, strenge Gewissensprüfungen vornehmen und uns einer geistlichen Begleitung unterziehen. Die Abhilfe liegt in der Anwendung dieser wirksamsten Mittel und niemals in der Leugnung eines an sich sehr wahren Grundsatzes.

*    *    *

      Und die Güte? Besteht sie nicht darin, sich zu „demokratisieren“, sich auf eine Stufe mit den Unteren zu stellen, um ihre Liebe zu gewinnen?

      Einer der verhängnisvollsten Irrtümer unserer Zeit ist die Vorstellung, dass Respekt und Liebe sich gegenseitig ausschließen und dass ein König, ein Vater, ein Lehrer umso mehr geliebt wird, je weniger er respektiert wird. Die Wahrheit ist jedoch das Gegenteil. Hohe Ehrbarkeit kann, wenn sie von wahrer Gottesliebe durchdrungen ist, nur die Wertschätzung und das Vertrauen aufrechter Menschen gewinnen. Und wenn dies nicht geschieht, dann nicht, weil die Anständigkeit zu hoch ist, sondern weil sie nicht auf der Liebe Gottes beruht.

      Die Lösung liegt nicht in der Herabsetzung, sondern in der Übernatürlichung.

      Eine wirklich übernatürliche Würde senkt sich, ohne sich selbst zu erniedrigen.

      Die egoistische und eitle Würde will und kann sich nicht herablassen, indem sie sich für unbescholten hält. Wenn sie sich stark fühlt, erniedrigt sie andere. Wenn sie sich schwach fühlt, erniedrigt sie sich aus Angst.

      Man stelle sich also eine weltliche Gesellschaft vor, die von diesem hohen, majestätischen und starken Adel, einem Abglanz der Erhabenheit Gottes, durchdrungen ist. Eine Gesellschaft, in der so viel Erhabenheit untrennbar mit unermesslicher Güte verbunden ist, und zwar so, dass mit zunehmender Stärke und Majestät auch das Mitgefühl und die Güte zunehmen. Welche Sanftheit, welche Süße – mit einem Wort, welche Ordnung! Welche Ordnung, ja ... und welcher Frieden. Denn was ist der Friede anderes als die Ruhe in der Ordnung? (vgl. Augustinus, XIX De Civ. Dei, Kap. 13).

      Die Stagnation im Irrtum und im Bösen, die Eintracht mit den Soldaten Satans, die scheinbare Versöhnung zwischen Licht und Finsternis bringen, gerade weil sie dem Bösen das Bürgerrecht verleihen, nur Unordnung und erzeugen eine Ruhe, die eine Karikatur des wahren Friedens ist.

      Wahren Frieden gibt es nur unter Menschen guten Willens, die von ganzem Herzen die Ehre Gottes suchen.

      Und deshalb verbindet die Weihnachtsbotschaft das eine mit dem anderen:

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden
den Menschen guten Willens“
 (Lk 2,14).

  

Aus dem Portugiesischen übersetzt mit Hilfe von Deepl-Übersetzer (kostenlose Version) von „Festa de Glória e de Paz“ in CATOLICISMO vom Dezember 1959.

Die deutsche Fassung dieses Artikels, „Fest der Ehre und des Friedens“ ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.


Mittwoch, 18. Dezember 2019

Ist die Herrlichkeit Gottes im Himmel nur eine Nebensächlichkeit von Weihnachten?




Plinio Corrêa de Oliveira
Du ruhest, o Herr, in deiner elendsten und erhabensten Krippe unter den Augen der Jungfrau, deiner Mutter, die die unerschütterlichen Schätze ihrer Verehrung und Milde auf dich niederlassen. Niemals hat ein Geschöpf seinen Gott mit so tiefer und respektvoller Demut angebetet. Nie hat ein mütterliches Herz ihr Kind zärtlicher geliebt. Umgekehrt hat Gott nie ein bloßes Geschöpf so sehr geliebt. Und niemals hat ein Sohn seine Mutter so sehr, so vollkommen, so gänzlich, so überreichlich geliebt. Die ganze Realität dieses erhabenen Dialogs der Seelen kann in jenen Worten enthalten sein, die auf einen ganzen Ozean des Glücks hinweisen, und die du bei einer ganz anderen Gelegenheit eines Tages vom Gipfel des Kreuzes aus sagen würdest: Mutter, siehe da deinen Sohn. Sohn, siehe deine Mutter (vgl. Joh 19, 26). Und angesichts der Vollkommenheit dieser gegenseitigen Liebe zwischen dir und deiner Mutter spüren wir das Engelslied, das aus den Tiefen jeder christlichen Seele aufsteigt: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen guten Willens“ (Lk 2,14).
*   *   *
„Friede auf Erden den Menschen guten Willens“: Durch das komplizierte, aber schnelle Spiel der Bildassoziationen habe ich sofort das Gefühl, dass ich im letzten Jahr mehrmals vom Frieden und von Menschen guten Willens gehört habe. Merkwürdig... Mir ist klar, dass ich wenig und immer weniger von der Herrlichkeit Gottes im Himmel gehört habe. Tatsächlich habe ich kaum davon gehört. Nicht einmal implizit; denn implizit spricht man von der Herrlichkeit Gottes, wenn man seine souveränen Rechte über die gesamte Schöpfung geltend macht, und von der Erfüllung seines Gesetzes durch Einzelpersonen, Familien, Berufsgruppen, soziale Schichten, Regionen, Nationen und die ganze internationale Gesellschaft. Warum dieses Schweigen? Warum wollen die Menschen so sehr den Frieden? Warum rühmen sich so viele Menschen ihres guten Willens? Und warum gibt es so wenige, denen die Herrlichkeit Gottes am Herzen liegt und sich brüsten für sie zu handeln und zu kämpfen?
Mit anderen Worten, ist das Wesentliche deines heiligen Weihnachtsfestes, Herr, nur den Friede auf Erden für Menschen guten Willens zu bringen? Und die Herrlichkeit Gottes im höchsten Himmel wäre für die Menschen nur eine entfernte, verwirrende und fade Nebensache des großen Ereignisses von Bethlehem?
Nochmals mit anderen Worten, ist der Frieden den Menschen mehr wert als die Herrlichkeit Gottes? Ist die Erde mehr wert als der Himmel? Ist der Mensch dann mehr wert als Gott? Und kann Frieden auf Erden erreicht, bewahrt und sogar gesteigert werden, ohne dass dies etwas mit der Herrlichkeit Gottes zu tun hat?
Schließlich, was ist ein Mensch guten Willens? Ist es der, der nur den Frieden auf Erden will, dem die Herrlichkeit Gottes im Himmel gleichgültig ist?
All diese Fragen laden zu einer genaueren Analyse des Engelsliedes ein.
*   *   *
Bewundernswerte Tiefe eines jeden inspirierten Wortes! So einfach, dass selbst ein Kind es verstehen kann, doch das Lied der Engel von Bethlehem enthält tiefste Wahrheiten.
Wie fruchtbar ist es dann, den Geist mit diesen Worten zu nähren, um an den Festen der heiligen Weihnachten angemessen teilzunehmen!
Hilf uns, Heiligste Gottesmutter, Sitz der Weisheit, mit deinen Gebeten, damit wir, erleuchtet durch das Licht, das von Jesus ausgeht, das Engelslied verstehen können, das der vollkommenste und maßgeblichste Kommentar der Weihnachten ist.
*   *   *
„Mensch guten Willens“: Was bedeutet dies für so viele unserer Zeitgenossen?
Um es zu wissen, reicht es zu fragen: Guten Willens für wen? Die Antwort springt ungestüm und ungeduldig hervor, wie es nur geschieht, wenn die Frage etwas Müßiges zum Nachforschen von fast Offensichtlichem hat. Nun, werden viele unserer Zeitgenossen sagen, guten Willen gegenüber unserem Nächsten. Derjenige, der als Atheist oder Gläubiger einer Religion, egal welcher Art, ein Anhänger des Privateigentums, des Sozialismus oder des Kommunismus ist, möchte, dass alle Menschen freudig, in Fülle, ohne Krankheit, ohne Kampf, ohne Risiko leben und dieses Leben aufs bestmöglichste ausnutzen, dieser ist ein Mensch guten Willens.
In diesem Licht ist der Mann des guten Willens ein Friedensstifter. Ein Sprichwort lautet: „Zu Hause, wo es an Brot mangelt, zanken sich alle und niemand hat Recht.“ Wo also Brot vorhanden ist, hat jeder Recht und es herrscht Frieden. Wo Brot, Dach, Medizin, Sicherheit ist, ist mit Sicherheit Frieden.
*   *   *
Und die Herrlichkeit Gottes? Für den so konzipierten „Menschen des guten Willens“ ist sie ein überflüssiges Element in Bezug auf den Frieden auf Erden. Denn aus der richtigen Ordnung der Wirtschaft entsteht eine gute Ordnung im sozialen und politischen Leben und damit der Frieden.
„Überflüssig“ heißt, wenig über die Herrlichkeit Gottes im Himmel zu sagen, wenn man sie in Bezug auf den Frieden auf Erden betrachtet. Da einige Menschen an Gott glauben und andere nicht, und da unter denen, die glauben, es eine Vielfalt in der Art gibt, Gott zu verstehen, kann letzterer als gefährlicher Urheber von Spaltungen, Diskussionen und Kontroversen auftreten. Gott ist ein, seit Tausenden von Jahren zu sehr in Kontroversen verwickelter Herr, dass man über ihn die ganze Zeit spricht. Um Frieden auf Erden zu haben, ist es besser, nicht die ganze Zeit über Gott und seine Herrlichkeit im Himmel zu sprechen.
Und dann ... ist ja der Himmel so vage, so weit weg, so unsicher! Dass die Engel von ihm sprechen, na ja! sie leben ja dort. Aber wir Menschen kümmern uns um die Erde.
Himmlische Herrlichkeit mit irdischem Frieden zu vereinen, ist für den „Menschen guten Willens“ ebenso falsch, überflüssig und beladen von Streitigkeiten, wie es zum Beispiel unklug ist, Kirche und Staat zu vereinen. Die vom Staat befreite Kirche und der von der Kirche befreite Staat sind eine sehr typische Sehnsucht des „Menschen guten Willens“. Der irdische Frieden befreit sich von religiösen Verwicklungen, und Gott in seinem Himmel und seiner Herrlichkeit, der mit verschränkten Armen zur friedlichen Erde herunterlächelt, aus einer Entfernung, die nicht einmal Lunik erreicht, das ist das Ideal des „Menschen des Guten Willens“.
*   *   *
Dies sind die Überlegungen des „Menschen guten Willens“ in Anführungszeichen, dessen Herz weit vom Himmel entfernt und dessen Blick nur auf die Erde gerichtet ist.
Wie sehr weichen sie jedoch von der eigentlichen und natürlichen Bedeutung des Engelsgesangs ab!
In der Tat, wenn Weihnachten Gott im höchsten Himmel die Ehre gibt und gleichzeitig die Quelle des Friedens für Menschen guten Willens auf Erden ist - und das haben die Engel in ihrem Lied verkündet -, kann man nicht eins vom anderen trennen. Ohne Menschen, die Gott die Ehre geben, gibt es keinen Frieden auf der Welt. Und Krieg ist, wenn vom schuldigen Angreifer aus betrachtet, mit der Herrlichkeit Gottes unvereinbar.
Du, Herr Jesus, der Gottmensch, du bist der Fürst des Friedens unter den Menschen. Ohne dich ist Frieden eine Lüge und schließlich wird alles zum Krieg.
Und das liegt daran, dass die Menschen das nicht verstehen, die mit allen Mitteln den Frieden suchen, aber der Frieden wohnt nicht unter ihnen.
Was ist dann der Mensch guten Willens, wenn nicht der, der seinen Nächsten liebt? Ist es der, der seinen Nächsten hasst?
Dem Pharisäer, der dich als guten Meister bezeichnete fragtest du: Warum nennst du mich gut, wenn nur Gott gut ist? (vgl. Lk 18,19)
Wenn nur Gott gut ist, ist der wahre gute Wille alles, was sich an Gott wendet und den Nächsten liebt, nicht um des Nächsten willen, sondern um der Liebe Gottes willen. Der Mensch ist so beschaffen, dass er seinen Nächsten nicht um seinen Nächsten lieben kann. Oder liebt er ihn um seiner selbst willen, und das ist Selbstsucht. Oder er liebt ihn um Gottes Willen, und das ist die wahre Liebe.
Infolgedessen sind das agnostische „Wohlwollen“ und der irdische Frieden, den er begründet, weder wahres Wohlwollen noch wahrer Frieden.
Und der falsche „Mensch guten Willens“ ist letztendlich ein Kriegssämann und ein Ruinenstifter.
*   *   *
Jemand könnte sagen, wie kann Jesus die Grundlage des Friedens sein, wenn niemand wie er so viel Hass erregt hat? Sein Volk, das er mit geistigen und materiellen Gefälligkeiten aller Art überhäufte, bevorzugte Barabbas, einen Verbrecher. Ist das nicht Hass? Die Kaiser verübten gegen ihn grausame Verfolgungen. Die Arier mobilisierten gegen ihn alle Mächte der Erde. Dann kamen die Mohammedaner. Und danach all den großen Sturzwellen der Geschichte, bis hin zum Nationalsozialismus und Kommunismus. Vielleicht würde jemand noch hinzufügen, dass Simeon diese Wahrheit gut ausgedrückt hat als er prophezeite, dass er im Laufe der Geschichte ein Stein des Anstoßes sein würde, ein Zeichen des Widerspruchs zum Tod und zur Auferstehung vieler (vgl. Lk 2,34). Er selbst sagte von sich, er bringe das Schwert auf die Erde (vgl. Mt 10,34). So gut dies auch sein mag, könnte ein „Mensch guten Willens“ argumentieren, für wahren Frieden, das heißt, eine vollständige Demobilisierung der Geister, eine vollständige Einstellung nicht nur aller Kriege, sondern aller Kontroversen, ist mit Jesus Christus nicht möglich. Frieden ist nur dann authentisch, wenn er von allen Kontroversen ablässt, einschließlich derer, denen Jesus Christus - ohne Selbstschuld, gesteht der „Mensch guten Willens“ — Anlass gibt.
*   *   *
Ja? Würde das ein Mann von echtem Wohlwollen sagen, das heißt, ein Mensch, der mit allen Wahrheiten seiner Seele Gott liebt.
In diesem Fall nennt die Schrift Jesus Christus aus Neckerei den Fürsten des Friedens (vgl. Jes 9, 6), und die Kirche, die den Täufer wiederholt (vgl. Joh 1, 29 und 36), stellt ihn als sanftmütiges Lamm dar, dem die Menschen um die Gabe des Friedens bitten sollten: „Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, dona nobis pacem.“
Oder liegt es daran, dass wahrer Friede den Kampf des Guten gegen das Böse, die Polemik zwischen Licht und Finsternis, das immerwährende Zermalmen des Kopfes der Schlangen durch die makellose Jungfrau, die Feindseligkeit zwischen der Rasse der Jungfrau und der Rasse der Schlange nicht ausschließt? Frieden ist die Ordnung Christi im Reiche Christi. Der Friede hat daher den Kampf der Nachfolger Christi gegen die Feinde Christi zur Bedingung. Der Friede Christi ist keineswegs mit dem falschen Frieden ohne Kampf oder Kontroversen des so genannten „Menschen guten Willens“ gleichzusetzen.
*   *   *
Drei großartige Lektionen, o Gotteskind, entnehmen wir aus deinem heiligen Weihnachtsfest. Wir lernen, dass es keinen Frieden auf Erden ohne dich gibt. Das ein Mensch von echtem Wohlwollen nicht einer ist, der den Menschen um den Menschen liebt, sondern jener, der ihn aus Liebe zu dir liebt. Und dass dein Friede die Beendigung aller Kämpfe beinhaltet, mit Ausnahme deines unaufhörlichen und ruhmreichen Krieges gegen den Teufel und seine Verbündeten, die Welt und das Fleisch.
Jungfrau Maria, Mittlerin aller Gnaden, in Anbetung auf das Gotteskind niedergebeugt, gib uns ein umfassendes Verständnis all dieser Wahrheiten.
Und gib, dass wir, für die Perspektiven, die sie entfalten, mit dir und mit allen himmlischen und irdischen Kreaturen, deren Königin du bist, singen,
Ehre sei Gott im höchsten Himmel und Friede auf Erden den Menschen guten Willens.

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
Catolicismo Nr. 156 – Dezember 1963 – A glória de Deus no Alto dos Céus, aspecto secundário do Natal?
© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe gestattet.

Dienstag, 25. Dezember 2018

Ein Fest der Ehre und des Friedens




Plinio Correa de Oliveira
Die Verkündigung an die Hirten. Gemälde von Thomas Cole, 1834.


„Ehre sei Gott in der Höhe
 und auf Erden Friede 
unter den Menschen guten Willens“
(Lk 2, 14).
Jedem Katholiken, der sich in die Betrachtung des heiligen Weihnachtsfestes vertieft, kommen über kurz oder lang die harmonievollen, erleuchteten Worte in den Sinn — fast würden wir sagen ins Ohr — mit denen die Engel den Menschen die große Neuigkeit der Ankunft des Erlösers singend verkündet haben. Und so wollen wir sie auch an der Krippe zu Füßen des Jesuskindes und in innigster Vereinigung mit Maria zum Leitfaden unserer Weihnachtsbetrachtung machen.
„Ehre“. Wie gut verstanden die Alten die Bedeutung dieses Begriffs, wie viele glanzvolle, mitreißende sittliche Werte sahen sie in ihm! Um sie zu erobern, hat so mancher König seine Herrschaft ausgebaut, hat so manches Heer dem Tode ins Auge geschaut, hat so mancher Weise sich mühevollen Studien hingegeben, hat so mancher Forscher sich in die furchtbarsten Einöden gewagt, hat so mancher Dichter seine schönsten Werke geschrieben, hat so mancher Musiker die klangvollsten Töne aus seinem tiefsten Innern hervorgeholt und hat sich schließlich so mancher Geschäftsmann an die gewaltigste Arbeit gemacht. Denn selbst im Reichtum sah man nicht nur den Aspekt des Überflusses, des Komforts und der Sicherheit, sondern auch den der Macht, des Prestiges - in einem Wort: der Ehre.
Welche Bestandteile gehörten aber zu dem Begriff der Ehre? Einige waren Teil der Person selbst: hohes Streben, hervorragende Tugend, Ausübung besonderer Taten. Andere hatten mit dem zu tun, was wir heute die öffentliche Meinung nennen. Die Ehre wäre unter diesem Gesichtspunkt die allseitige, laut zum Ausdruck gebrachte Anerkennung der außerordentlichen Begabungen eines Menschen.
Was ist die Ehre wert? Inwieweit trägt der Wunsch nach Ehre dazu bei, eine Seele zu bereichern?
Ohne Zweifel wurden die materiellen Güter zu unserem Nutzen geschaffen, und der Mensch darf sie mit rechtem Maß und Ziel durchaus anstreben. Was wird man aber sagen, wenn er sie zu den höchsten Werten seines Daseins macht? Man wird ihn einen Krämer, einen Egoisten, einen Engherzigen heißen. Kurz gesagt, er wird denen zugerechnet, die in der heiligen Schrift mit dem Hinweis gebrandmarkt werden, ihr Gott sei der eigene Bauch (Phil 3, 19). Ihr Geist kümmert sich nur um das Körperliche, die wahren Güter der Seele verkennen sie und, wenn sie könnten, würden sie - wie Claudel einmal schrieb - die Sterne vom Himmel holen, um sie in Kartoffeln zu verwandeln.
Das einzig echte, feste, greifbare Ziel der menschlichen Gesellschaft würde in diesem Falle darin bestehen, ein sattes, angenehmes Leben zu ermöglichen. Alle Fragen, die sich um Religion, Philosophie, Kunst usw. drehen, wären lediglich von zweitrangiger, wenn nicht von überhaupt keiner Bedeutung.
Gerade hierin liegt für Millionen von Menschen die größte Versuchung, leben sie doch in einer Welt, für die der Begriff „Ehre“ fast völlig seinen Sinn verloren hat. Zwar gibt es das Wort noch in den Wörterbüchern und kommt manchmal sogar noch in der Umgangssprache vor, man könnte jedoch durchaus behaupten, dass es ein totes Wort ist. Und so wie dieses Wort außer Gebrauch gekommen ist, verschwinden nach uns nach auch die entsprechenden Bezugswörter wie Ruhm, Ansehen, Würde ...
In einer Welt, in der alles, was zu einem materiell abgesicherten, reichen und satten Leben beiträgt, bis zum Aberwitz aufgewertet ist, erteilt uns der Herr bei Gelegenheit des Weihnachtsfestes eine höchst angebrachte, doppelte Lektion.
Betrachten wir einmal unter dem Gesichtspunkt eines bequemen Lebens die Heilige Familie. Der heilige Josef, Nachkomme eines königlichen Geschlechts, das längst Thron und Besitz eingebüßt hat, lebt in Armut. Die allerseligste Jungfrau findet sich in vollkommener Ergebenheit mit dieser Lage ab. Beide sind bemüht, in dieser Armut ein ordentliches, bescheidenes Leben zu führen, denn all ihr Sinnen und Trachten ist nicht auf wirtschaftlichen Aufstieg, Komfort und Vergnügen gerichtet, sondern allein Gott dem Herrn zu gefallen. Ihrem Kind hat die Heilige Familie als erste Wohnstätte nicht mehr zu bieten als eine Grotte, und ein Trog hat als Wiege zu dienen. Dennoch ist dieses Kind das menschgewordene Wort, bei dessen Geburt die Nacht zu leuchten beginnt, der Himmel sich öffnet und die Engel singen. Und aus weiter Ferne eilen weise Könige herbei, um ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe zu Füßen zu legen ...
Welche Armut, und doch welche Ehre! Wirkliche Ehre, denn es geht nicht um das Angesehensein bei Menschen, die nur auf ihr Vorteil aus sind und andere lediglich nach ihrem Reichtum beurteilen, sondern um eine Ehre, die eine Art Abglanz der einzig wahren Ehre, nämlich der Ehre Gottes im höchsten Himmel, ist.
Man pflegt zu sagen, dass uns die Armut der Heiligen Familie in Bethlehem die Loslösung von den Gütern dieser Erde lehrt, und dies ist tausendmal richtig. Das heilige Weihnachtsfest ist aber außerdem ein klarer und deutlicher Hinweis auf die erhabene Lehre vom Wert sowohl der himmlischen als auch der sittlichen Güter, die ja auf Erden eine Art Abbild der himmlischen Güter sind.
Und die Güte? Verlangt sie nicht von einem, dass man „demokratisch“ denkt, sich mit den Unteren auf eine Stufe stellt, um ihre Liebe zu gewinnen?
Einer der verhängnisvollsten Irrtümer unserer Zeit liegt in der Vorstellung, dass sich Liebe und Respekt gegenseitig ausschließen, und dass ein König, ein Vater oder ein Lehrer umso mehr geliebt werden, je weniger Respekt ihnen gezollt wird. Das Gegenteil ist der Fall. Ein hohes Maß an Respektabilität kann, wenn sie von wahrer Gottesliebe durchdrungen ist, nur die Achtung und das Vertrauen der redlichen Menschen auf sich ziehen. Und wenn dies nicht geschieht, so liegt es nicht daran, dass die Respektabilität zu groß ist, sondern dass sie nicht auf Gottesliebe gegründet ist.
Die Lösung ist nicht in der Herabsetzung, sondern in der Erhebung ins Übernatürliche zu suchen.
Die wahrhaft übernatürliche Würde beugt sich hernieder, ohne sich herabzusetzen.
Die eigensüchtige, eingebildete Würde versteht es nicht, entgegenkommend zu sein und dennoch die Würde zu wahren. Wenn sie sich stark fühlt, erniedrigt sie die andern. Wenn sie sich schwach fühlt, erniedrigt sie sich aus Furcht selbst.
Stellen wir uns nun eine weltliche Gesellschaft vor, die von diesem hehren, majestätischen, starken Adel, dem Abglanz der Erhabenheit Gottes, ganz und gar durchdrungen ist. Eine Gesellschaft, in der so viel Hoheit unauflöslich mit einer unermesslichen Güte verbunden ist, dass mit wachsender Kraft und Hoheit auch die Barmherzigkeit und Güte zunehmen. Welch eine Sanftheit, welch eine Wonne - mit einem Wort, welch eine Ordnung! Jawohl, welch eine Ordnung ... und welch ein Friede! Denn, was ist der Friede anderes als die Ruhe in der Ordnung? (vgl. Hl. Augustinus, XIX De Civ. Dei, Kap. 13)
Das Bestehen auf Irrtum und Bosheit, das Einigsein mit den Soldaten Satans, die scheinbare Verständigung zwischen Licht und Finsternis bringen, eben weil sie dem Bösen die Staatsbürgerschaft zugestehen, nichts als Unordnung und schaffen einen Zustand der Ruhe, der nur noch ein Zerrbild des wahren Friedens ist.
Den wahren Frieden finden wir allein bei den Menschen guten Willens, die aus ganzem Herzen die Ehre Gottes suchen.
Und deshalb verbindet die Weihnachtsbotschaft das Eine mit dem Anderen:

„Ehre sei Gott in der Höhe 
und auf Erden Friede 
unter den Menschen guten Willens.“ 
(Lk 2, 14)

Originaltitel: „Festa de glória e de paz“ in Catolicismo Nr. 108, Dezember 1959.