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Donnerstag, 20. Januar 2022

Selbst wenn er arm ist, bewundert ein anti-egalitärer Mensch das Erhabene


Ein kleiner Junge bewundert
 eine Ritterrüstung
       Der Gipfel des Egalitarismus ist, z.B. zu sagen: „Soviel ist auch nicht notwendig. Es hätte ein gewöhnliches Rad sein können. Warum hat diese anmaßende Frau [die Königin von Dänemark] dieses Kristallrad angeschafft?“ — Es ist das Rasseln des Schwanzes der Viper des Egalitarismus.

       Es ist die Eigenschaft einer anti-egalitären Mentalität, immer das Erhabenere, das Höhere zu wollen, zu sehen, zu wünschen und zu lieben und es so vom weniger Erhabenen, vom Gewöhnlichen zu trennen.

       Der anti-egalitäre, hierarchische Geist sucht das Höchste, aber er verachtet und hasst einfache Dinge nicht, und wenn ein nicht egalitärer Mensch arm ist, lebt er gelassen in seiner Armut, ohne diese zu verachten. Der Anti-egalitäre verachtet also nicht den Armen sondern das Vulgäre.

Das Innere des heiligen Hauses Mariens,
der Mutter Gottes, so wie es heute
in Loreto, Italien, zu sehen ist. (Foto: Privat)
     Das Haus der Heiligen Familie in Nazareth war extrem arm, aber nicht vulgär. Alles war übersichtlich, ordentlich, alles in Ordnung, alles sauber, alles akkurat, alles erhaben, wenn auch in der Armut. Das ist es nicht, was der Anti-Egalitäre verachtet. Er hält sogar die würdige Armut selbst für eine gute Sache. Was er hasst, was er verachtet, ist das Zerzauste, das Unordentliche, das Gewöhnliche aus Liebe zum Schmutzigen, aus Liebe zum Vulgären, aus Liebe zum Ordinären, aus Liebe zum Gewöhnlichen. Genau das hasst er.

       Hier wäre also ein erster Punkt: Mann sollte sich selbst prüfen und dann versuchen ständig in sich selbst, diesen Geisteszustand kultivieren, der wiederum unseren Geist zu den Höhen der Liebe Gottes führt. Dies ist also die erste Note des anti-egalitären Geistes.

1. Bild:  Von bygoneamericana. Foto von Wayne Miller, USA, 1955.

Aus dem Portugiesischen. Auszug eines Vortrages „Santo do Dia“ vom 19. April 1966

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Diese deutsche Fassung „Selbst wenn er arm ist…“ erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com

Donnerstag, 8. Juli 2021

Gnosis: der Pol der egalitären Verschwörung des Teufels - Teil II

 


von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira

Link zu Teil I

Die vernünftige Reaktion angesichts des Unglücks

Die vernünftige Reaktion ist erstens, dass dieser Mensch nur in dem Maße auf seine Befreiung hoffen kann, wie die konkreten Umstände eine solche Hoffnung zulassen. Wenn es unter den gegebenen Umständen Grund zur Hoffnung gibt, wird er hoffen. Wenn nicht, wird er keine Hoffnung nähren, die größer ist, als es die Umstände erlauben. Diese Haltung ermöglicht es ihm, sich auf die neue Situation einzustellen, in der er sich befindet:

„Dies ist mir widerfahren. Obwohl ich unschuldig bin, muss ich als Sträfling leben. Da es äußerst unwahrscheinlich ist, dass ich hier herauskomme, muss ich mich dieser Situation anpassen und mich wie ein Mensch verhalten. Im Gefängnis werde ich einige Zeit damit verbringen, darüber nachzudenken, was ich tun sollte, um herauszukommen. Wenn etwas Vernünftiges getan werden kann, werde ich es tun. Wenn nicht, werde ich verstehen, dass es keinen Ausweg aus meiner Situation gibt und werde das Beste daraus machen. Ich bin zu Unrecht verurteilt worden, aber ich akzeptiere diese Realität und passe mich ihr an, ich nehme diese Rolle an und werde nicht auf meinem Zellenbett liegen und über irgendeine ideale, aber unwahrscheinliche Situation fantasieren.“

Sel. Erzbischof Teofilius Matulionis, Litauen,
1933 inhaftiert und während der
sowjetisch-kommunistischen Besatzung gefoltert.

Tagträumerei bedeutet Nichtübereinstimmung mit der Realität

Stellen wir uns nun die umgekehrte Situation vor: »Ich höre, wie sich die Türen des Zellenblocks öffnen, und der Gefängnisdirektor kommt zu mir und sagt: „Ah, tausendmal Verzeihung! Ich bin hier im Namen des Justizministeriums, um Ihnen die Medaille für große Verdienste zu verleihen. Ihre Familie ist hier, Ihre Ehre wurde anerkannt, und Sie werden hiermit entlassen. Sie gehen nach Hause an einen Tisch, der mit allerlei Süßigkeiten gedeckt ist, Ihre Freunde werden um Sie herum sein, und Ihre Geschichte wird in den Zeitungen erscheinen.“ Und ich antworte bescheiden: „Nein, ich habe nur meine Pflicht getan usw.“«

Verstehen wir das Elend solcher Phantasien? Nehmen wir an, ich träume das alles, und dann klingelt es und es ist Zeit für mich, die Böden zu schrubben. Niemand hat sich gemeldet, niemand hat mir Gerechtigkeit widerfahren lassen. Die Jahre vergehen, meine Tagträume wachsen und werden mit immer mehr träumerischen Details angereichert, und tief im Innern finde ich mich nicht mit dem Leben im Gefängnis ab und verbringe meine Zeit damit, irgendwelche Dummheiten zu fantasieren, zutiefst unglücklich darüber, verurteilt worden zu sein. Es ist meine Art, mich aufzulehnen und meine Situation abzulehnen.



Kardinal Josef Mindszenty, Fürst-Erzbischof von Esztergom und
Regent-Primas von Ungarn, Diener Gottes, 1892 - 1975.
Kardinal Mindszenty wurde von der pro-nazistischen Pfeilkreuzlerpartei
inhaftiert. Nach dem Krieg stellte er sich gegen den Kommunismus
und dessen Verfolgung in Ungarn. Infolgedessen wurde er gefoltert
und in einem Schauprozess 1949 zu lebenslanger Haft verurteilt,
was weltweite Verurteilung zur Folge hatte (hier abgebildet).
Nach acht Jahren im Gefängnis wurde er in der ungarischen Revolution
von 1956 befreit und erhielt politisches Asyl in der US-Botschaft
in Budapest, wo er die nächsten fünfzehn Jahre lebte.
1971 durfte er schließlich das Land verlassen.
Er starb 1975 im Exil in Wien, Österreich.


Die Reaktion eines Menschen, der die Schande, die ihm widerfahren ist, nicht fühlt

Bisher habe ich zwei Haltungen aufgezeigt, eine des gesunden Realismus und eine der Tagträumerei. Es gibt noch eine dritte Haltung, die von Menschen mit einer Art kurzsichtigem und unmittelbarem Realismus eingenommen wird. Der gesunde Realismus mit hohen Horizonten ist der, den ich anfangs beschrieben habe: „Ich werde meinem Leben einen höheren Sinn geben. Ich werde leiden, wie ein unschuldiger Mensch leidet, aber dieses Leben wird großartig sein.“ Der zweite Fall zeigt eine Unmittelbarkeit der Verzweiflung. Und ein Mensch in der Mitte ist weder das eine noch das andere. Er betritt das Gefängnis wie ein Tier und denkt nicht darüber nach, was mit ihm geschieht. Er spürt kaum die Schande, die ihm widerfahren ist.

Diese drei Geisteshaltungen koexistieren im modernen Menschen

Im Allgemeinen sind dies die drei Haltungen, mit denen der moderne Mensch dem Leben gegenübertritt. Meiner Meinung nach nehmen die meisten Menschen keine dieser Haltungen vollständig an. Die Unausgeglichenen nehmen eine Haltung der Unwirklichkeit ein; diejenigen, die die Haltung der heilsamen Akzeptanz einnehmen, sind sehr selten. Die meisten Menschen haben einen Teil der Zeit eine heilsame Akzeptanz, dann eine gute Zeit, in der sie ihre Situation ohne viel Nachdenken akzeptieren, und dann eine gute Dosis von Tagträumerei und Unwirklichkeit. Ich erlaube mir zu sagen, dass ein Großteil der modernen Unausgeglichenheit und Verrücktheit genau daher kommt, dass in unzähligen Köpfen eine Art Tagtraumzone existiert.

Der Fallstrick des Tagträumerei und Fantasierens

Ich glaube, dass es für das geistliche Leben nichts Wichtigeres gibt, als jede Art von Fantasie aus dem eigenen Geist zu verbannen. Machen wir uns keine Illusionen: Solange ein Mensch Phantasien in seinem Geist hat, ist sein spirituelles Leben nicht ernsthaft. Alle Tagträumereien müssen eliminiert werden, als ob sie der Teufel selbst wären. Wir müssen die Dinge sowohl realistisch als auch mit einem erhabenen Blick auf die konkreten Umstände, in denen wir uns befinden, betrachten.

(...)

Auf jeden Fall können wir sagen, dass das Unglück die erste Phase des Tagtraumprozesses ist. In der zweiten Phase wird die Phantasie als Heilmittel für dieses Unglück gebildet. Und in der dritten Phase, der schwierigsten, beginnt die Phantasie, sich zu verwirklichen. Dies ist die Phase der Narrheit.

Zum Beispiel phantasiert jemand über Geschäftsabschlüsse oder stellt sich vor, er sei der Präsident einer Aktiengesellschaft. In seiner Fantasie ist das erste, was er tut, nicht diese Firma zu gründen, sondern ihren Präsident zu spielen, indem er Kleidung und Möbel kauft und die Allüren eines CEOs annimmt. Dann beginnt er, die Firma zu gründen, sucht sich ein lukratives Geschäft aus und wählt Partner aus, die die Rolle des Vorstands spielen. Die Sorge um den Profit kommt zuletzt. Das Ergebnis: Da er nur eine Rolle spielt und die anderen dazu da sind, ihn zu schröpfen, erleidet er schwere Verluste und geht bankrott.



Eine andere Reihenfolge der Phantasien würde von jemandem kommen, der eine lustige Person kennt und beschließt, dass auch er lustig sein wird, weil er es vorteilhaft findet. Im ersten Moment bewundert er sie. Im zweiten beneidet er sie, im dritten beginnt er, davon zu träumen, und schließlich setzt er die Fantasie in Gang. Dadurch entsteht ein Vakuum um ihn herum, und er ist derjenige, der anderen hinterherläuft. Dies ist darauf zurückzuführen, dass er versucht hat, seine Fantasie zu verwirklichen.

Damit die Tagträume eines Menschen eine gewisse Vitalität haben, müssen sie eine gewisse Möglichkeit haben, wahr zu werden. Man träumt nie von völlig unmöglichen Dingen. Sie müssen zumindest metaphorisch möglich sein.

Warum träumt ein Mensch? Er tut es aus einer Bewegung heraus, die tief aus seinem Inneren kommt, wenn er die Situation, in der er sich befindet, nicht akzeptieren will. Um jenes Glück zu verwirklichen, nach dem er auf jede erdenkliche Weise strebt, bereitet er eine Art Phantasie vor, ein Schloss, eine Illusion, in der er sich sicher fühlt.

Der unmögliche Traum des Teufels

Die Schande des Teufels ist so tief, dass er nicht einmal das haben kann. Der Teufel ist ein höchst lichtvoller Engelsgeist und weiß ganz genau, dass er es nicht schaffen kann, sich über seine eigenen Verhältnisse - die er selbst geschaffen hat - hinwegzutäuschen. Aber in gewisser Weise ist auch er in der Lage, seine eigene Phantasie zu haben. Das geschieht, wenn er merkt, dass es ihm gelingt, durch seine List und Lüge viele Menschen an das glauben zu lassen, was er gerne hätte, dass das Universum so sei, wie er es gerne hätte, und so viele Menschen für ihn im Hinblick auf seiner umfassenden Fantasie, die er geschaffen hat, leben zu sehen. Dies wäre in gewisser Weise die Verwirklichung dessen, wonach er strebt.



Kommunistische Jugend bei einer Demonstration in Berlin.

Wenn die Revolutionären (*) in der Lage wären, alle Menschen in einem bestimmten Land dazu zu bringen, die gleiche Art von Kleidung zu tragen, um keine Hierarchie zu etablieren, würden sie dies tun, um so viel wie möglich Einheitlichkeit zu erreichen. Und die gnostische Lehre gibt zu, dass diese Einheitlichkeit im nächsten Leben erreicht wird, indem alles auf die primitive Einheit, den Abgrund usw. reduziert wird.

(*) Diejenigen, die die Revolution vorantreiben (im Sinn von „Revolution und Gegenrevolution“ des Autors)

 

Aus dem Englischen Übersetzt mit DeepL.com/Translator (kostenlose Version) in
https://nobility.org/2018/07/19/gnosis-the-pole-of-the-devils-egalitarian-conspiracy-part-ii/
Vom 19. Juli 2018

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Gnosis: der Pol der egalitären Verschwörung des Teufels - Teil II erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

Bilder: aus dem englischen Artikel übernommen.

Mittwoch, 7. Juli 2021

Gnosis: der Pol der egalitären Verschwörung des Teufels - Teil I

 


Von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira

Wir sollten die Tatsache nicht aus den Augen verlieren, dass, obwohl Gott das Universum und alle Wesen regiert, wollte Er, dass die Menschen frei sind, und gab auch den Engeln einen Intellekt und einen [freien] Willen. Obwohl der Teufel in die Hölle geworfen wurde und dazu verdammt ist, ewig zu leiden, hat er immer noch seine engelhafte Intelligenz und ist mit einem Willen ausgestattet. Es gilt also, mit den intellektuellen Daten, die wir haben, zu fragen, warum er eine solche Verschwörung [der Gleichmacherei] machen will. Erstens, was sieht er und zweitens, was will er; was motiviert ihn, diese ganze Verschwörung zu betreiben.


Die Engel dienen und huldigen ihren Schöpfer

Die Untersuchung dieser Frage ist für uns sehr wichtig. Zunächst einmal können wir feststellen, dass der Teufel die treibende Kraft (der Motor) dieser Verschwörung ist, und es ist von entscheidender Bedeutung, zu wissen, wohin dieser Motor steuert, um herauszufinden, wohin diese Verschwörung führen wird.

Vor allem ist es wichtig, dass wir gründlich verstehen, dass die Gnosis, in dem Sinne wie sie verstanden werden sollte, sozusagen der notwendige Pol ist, zu dem die Verschwörung des Teufels hin tendiert. In der Tat, aufgrund der logischen und unausweichlichen Umstände, in denen er sich befindet, muss der Teufel eine gnostische Menschheit wollen. Er ist nicht so sehr daran interessiert, dass die Menschheit in irgendeine Irrlehre fällt, sondern dass die Menschheit in die gnostische Irrlehre fällt.

Der Teufel, der ewige Verlierer

Um dies gut zu verstehen, müssen wir uns natürlich vor eine Vorüberlegung stellen: der Teufel ist ein böser, besiegter Engel, der sich in einer völlig selbstwidersprüchlichen Situation befindet. Er ist Widerspruch, Schwäche und Niederlage; er ist der Zerschlagene. Gott hat ihn von der Höhe seines Throns in den Abgrund der Hölle geworfen. Obwohl er weiter existiert, besteht sein erster Widerspruch darin, dass er weiß, dass Gott Gott ist, würdig aller Huldigung und Anbetung, aber bewegt von einer ungeordneten Eigenliebe, weigert sich der Teufel, Gott zu huldigen. Der Teufel würde Gott nicht anbeten wollen, selbst wenn Gott es ihm erlauben würde. Gott erlaubt es nicht, und auch der Teufel will Gott nicht anbeten. Er ist in der Hölle aus seinem eigenen freien und spontanen Willen her, weil er sich weigerte, eine Realität zu akzeptieren, die, anthropomorphisch (menschlich) gesprochen, durch seine Poren eindringt.

Nun ist ein Wesen, das sich in einer solchen Position befindet, sozusagen ein verkehrtes Wesen, von seinem richtigen und wahren Ziel abgewandt und auf etwas ausgerichtet, von dem es weiß, dass es nicht sein Ziel ist. Er weiß, dass dies nicht richtig ist, dass er die Selbstverehrung nicht verdient, aber er will sie, weil er sie will. Wir sehen also, dass im Teufel ein gewaltiger Widerspruch existiert.

St. Michael, der den Satan besiegt
— Messbuch und Stundenbuch, Lombardei um 1385-1390

Es ist im Hinblick auf dieser widersprüchlichen Situation, dass wir eine Erklärung für den Plan des Teufels für die ganze [egalitäre] verschwörerische Bewegung im Universum suchen müssen. Warum sollte ein Wesen, das sich in einer so widersprüchlichen Situation befindet, diese [gnostische] Irrlehre verbreiten wollen, und wie können wir seinen Wunsch verstehen, seinen gesamten Plan auszuführen, wenn wir den tiefen Widerspruch sehen, in dem er sich befindet?

Um dies besser zu verstehen, müssen wir uns zunächst daran erinnern, dass der Teufel genau weiß, dass alles, was er tut, letztendlich zur Ehre Gottes beiträgt; und dass er in seinem ständigen Kampf gegen Gott der ewig Besiegte ist.

Er ist unfähig, irgendeine Handlung zu denken, zu wollen oder auszuführen, deren direkte oder indirekte Wirkung nicht zur Ehre Gottes zurückfließt. Es ist also zu fragen: Wenn der Teufel von Hass auf Gott getrieben ist (und er unfähig ist, irgendetwas anderes zu tun als aus diesem Hass heraus), würde er dann nicht intelligenter handeln, indem er sich ewig untätig, ewig unbeweglich hält? Wäre diese „perpetuum immobile“ (ewige Unbeweglichkeit) nicht ein effektiveres Mittel, um die Herrlichkeit Gottes zu schmälern? Wie ist es zu erklären, dass er meint, mit diesem konspirativen Plan gegen die Herrlichkeit Gottes zu arbeiten?

Tagträumerei

Für unser Verständnis dieses ganzen Plans des Teufels hielt ich es für interessant, eine Theorie zu entwickeln, die sehr viel mit dem Wettbewerb zu tun hat, wie er sich in den Köpfen der Menschen abspielt. Sie wird die Tagtraum-Theorie genannt.

Als er auf dem Sterbebett lag und seine mit Goldmünzen gefüllten Säcke brachte,
rief er aus, indem er sie mit seinen Händen streichelte:
„Ach, ich muss euch verlassen, meine lieben Lämmer“.

Es handelt sich nicht um eine Erklärung des Träumens im Schlaf. Hier beziehen wir uns auf „Traum“ nur in seinem analogen Sinn, d.h. auf Tagträumerei, diese Manie, die manche Menschen haben, mit offenen Augen zu phantasieren, Menschen zu „treffen“, die sie nie getroffen haben, zu denken, dass sie ein Leben leben, das sie in Wahrheit nicht leben, Dinge zu tun, die sie nicht tun, oder sich Menschen vorzustellen, die sie kennen, als das, was sie nicht sind.

Tagträumer stellen sich selbst in Situationen vor, die imaginär sind, und agieren in einer nicht realen Welt.

Es gibt eine Reihe von Situationen, die dies hervorrufen können. Zum Beispiel eine Person, die die Tatsache anerkennt, dass sie arm ist, oder dass sie unintelligent ist, oder dass es ihr an sozialen Umgangsformen mangelt, usw., die sich aber einbildet, dass sie ein Genie ist, höchst originell, höchst interessant, aber umgeben von unbedeutenden Menschen, Narren, die ihr nicht die gebührende Aufmerksamkeit schenken. Sie ist also eine Art Genie, das von allen ignoriert wird und unter „Rüben“ und „Zwiebeln“ lebt, und doch phantasiert sie mit dem Kopf in den Wolken, dass sie sich in einer Welt befindet, in der sie geschätzt wird, usw. An diesem Punkt tritt eine vollwertige „Seelenschwester“ ein, ein perfekter Freund, ein perfekter Ehepartner, usw. Und er denkt bei sich: „Wenn doch nur mein Vater und meine Mutter anders wären! Wenn nur meine Brüder und Freunde anders wären! Und vor allem, wenn ich nur eine junge Dame finden könnte, die mich versteht und ganz eins mit mir wird, usw.“

Ein träumender Junge, der Seifenblasen pustet.

Oder diese Person könnte eine Marotte für Geld haben. So stellt sie sich vor, wie sie an der Börse große Geschäfte macht, Millionen verdient, umgeben von Männern, die ihn sehr bewundern. Ein Supergenie! Wenn nicht das, dann ist sie ein großer Redner, dem Publikum und Galerien applaudieren! Oder dann ist sie die feinste, die eleganteste, die edelste; mit einem einzigen Blick fallen ihr die Menschen Scharen zu Füßen.

Es gibt alle Arten von Marotten. Solche Wahnvorstellungen gibt es auf der ganzen Linie. Und so kommt es, dass dieser Mensch anfängt zu phantasieren, mit offenen Augen zu träumen von einem Leben, das nicht das wirkliche Leben ist und nicht sein kann.

Tagträumerei ist ein Mittel, um dem Unglück zu entfliehen

Wie kommt es zu diesen Phantasien? Im Allgemeinen beginnen sie mit einem schweren und dauerhaften Unglück. Kleine Missgeschicke erzeugen keine Phantasien. Im Allgemeinen wird die Tagträumerei durch ein schweres Unglück verursacht, auch wenn es unwirklich ist. Und es muss ein dauerhaftes Unglück sein, denn wenn der Mensch merkt, dass es bald vorübergehen wird, phantasiert er nicht darüber, sondern denkt an die Realität. Wenn er aber in einer schlechten Situation feststeckt und sieht, dass sie andauern wird, ist für ihn (und für viele) der Ausweg das Phantasieren.

Fantasien von William Savage Cooper.


Ein Mann, der auf diese Weise zum Phantasieren angeregt wird, kann diese Phantasien auf verschiedene Weise ausleben. Zum Beispiel kann ein Mensch beginnen, mit sehr definierten, artikulierten Dingen zu phantasieren, oder er kann über Musik phantasieren; es gibt nichts Artikuliertes an seiner Musik, dennoch komponiert er etwas, von dem er träumt, als ein Mittel, um einer gegebenen Situation zu entkommen, die er nicht akzeptieren will. Er schafft eine Fantasie, in der er lebt.

Stellen Sie sich eine Situation wie diese vor: Ein Laie geht in der Nähe eines Beichtstuhls vorbei und hört versehentlich einen Teil der Beichte von jemandem. Dadurch wird er durch das sakramentale Siegel des Beichtgeheimnis gebunden. Nun wird er aufgrund eines bestimmten Umstandes in eine Situation verwickelt, in der dieses Siegel ihn daran hindert, den Urheber eines Verbrechens zu offenbaren, dessen er beschuldigt wird. Und am Ende kommt er ins Gefängnis.

Diesem Mann droht also ein sehr ernstes Übel: Er wird verurteilt, verliert seine Freiheit, wird in ein Zuchthaus geschickt und hat seine Ehre in den Augen aller verloren. Alles an seiner Situation ist höchst unangenehm.

Was ist die gesunde Reaktion, und was sind die unheilsamen Reaktionen, die ein Mensch in einem solchen Fall haben kann?

Fortsetzung folgt HIER

 

 

Aus dem Englischen Übersetzt mit DeepL.com/Translator (kostenlose Version) in
https://nobility.org/2018/07/12/gnosis-the-pole-of-the-devils-egalitarian-conspiracy/
Vom 12. Juli 2018

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Gnosis: der Pol der egalitären Verschwörung des Teufels - Teil I erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

Bilder: aus dem englischen Artikel übernommen.

Dienstag, 23. Februar 2021

Ein Jahrhundert des Krieges, des Todes und der Sünde

Fatima, die Welt und die Sünde

Die Botschaft von Fatima wirft eine Frage auf, mit der man sich, wenn man die Botschaft wahrhaftig verstehen möchte, tiefer auseinandersetzen sollte. Man könnte sie gewissermaßen folgend formulieren: Gibt es in der Botschaft eine Lehre, die die Muttergottes der Welt darreichen wollte? Wenn ja, welche sind deren Hauptmerkmale?

Wer die Botschaft von Fatima aufmerksam liest, der kann unmittelbar die Motive der Haltung Unserer Lieben Frau gegenüber der Welt feststellen: a) daß die religiöse und sittliche Lage der Welt katastrophal ist; b) daß die Menschheit sich von der Sünde entfernen, Buße tun und beten muß; c) daß, wenn die Menschen sich nicht bekehren, werden sie gestraft werden durch Kirchenverfolgungen und Kriege.

Dies bedenkend und um den Ernst der Lage hervorzuheben, zögerte Maria sogar nicht davor, den Hirtenkindern die Hölle zu zeigen und zu betonen: „Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder gehen.“

Im Gegensatz zu der Muttergottes versucht heutzutage eine große Anzahl von Religionslehrern die Sünde und das Bestehen der Hölle  zu verschleiern und sogar zu bestreiten. Das ist nicht die Lehre, die uns die Muttergottes erteilte. Ganz im Gegenteil. Sie sprach von Sünde, von menschlicher Bosheit, sie zeigte Kindern im Alter von nur  7, 9 und 10 Jahren die ewigen Qualen der Hölle.

Wie ist die Sünde der heutigen Welt näher zu beschreiben? Ist sie dermaßen schwerwiegend, daß sie nur durch Strafen gesühnt werden kann? (*)

Die Antwort auf diese Frage gab Prof. Dr. Plinio Correa de Oliveira in einem in der Monatszeitschrift „Catolicismo“ veröffentlichten Artikel.

Wer sich näher mit diesem Thema befassen möchte, sollte den lehrreichen Bestseller von Prof. Correa de Oliveira, „Revolution und Gegenrevolution“ (DVCK e.V., Frankfurt, 1995 und 2013), lesen.

A. Faoro

Ein Jahrhundert des Krieges,
des Todes und der Sünde

Plinio Correa de Oliveira

Papst Leo XIII. lehrt uns in seinem Rundschreiben „Annum ingressi sumus“ (1902), daß die heutige Welt mit ihrem Fortschritt, ihren Krisen, ihrem Reichtum und ihrer Schwachheit eine Frucht von zwei nicht nur verschiedenen, sondern sogar entgegengesetzten Einflüssen ist. Zu einem besteht die von der Kirche erbaute christliche Zivilisation auf dem Fundament des Glaubens, der Keuschheit, der Disziplin und des Heroismus, die die Missionare des Frühmittelalters in die rauhen Seelen der Barbaren eingepflanzt haben. Zum anderen findet man die skeptische, sinnliche, egoistische und stets zur Aufwiegelung  bereite Welt, die, durch die Häresie von Luther entstanden ist, in der Französischen Revolution sich behauptete, und heute durch den Triumph des Kommunismus eine Ordnung der Dinge einführen will, die ganz im Einklang mit ihrer geistigen Gesinnung steht.

Dieser tiefe Gedanke von Leo XIII., der eigentlich das Leitmotiv beim Unterricht der mittelalterlichen, modernen und zeitgenössischen Geschichte in den katholischen Schulen und Universitäten sein sollte, erklärt das Wesentliche der großen Krise unserer Zeit.

Die christliche Auffassung
von Gott und Schöpfung

Beginnen wir mit der Festlegung einiger Merkmale der katholischen Lehre und der christlichen Zivilisation, wie sie im Mittelalter stattfanden. Zunächst stellen wir fest, dass die katholische Auffassung von Gott und Schöpfung wesentlich und tief hierarchisch ist:

1. — Nach katholischer Lehre ist Gott ein persönliches, transzendentales  Wesen, das Wesen schlechthin, das alles Leben und alle Vollkommenheit in sich birgt. Alle anderen Wesen wurden aus dem Nichts von Gott erschaffen und würden zum Nichts zurückkehren, wenn Gott ihr Bestehen nicht ununterbrochen erhalten würde. Ihre Eigenschaften sind nicht mehr als eine Spiegelbild der Vollkommenheiten Gottes. Ihr einziger Zweck besteht darin, Gott zu dienen und ihn zu verherrlichen. Zwischen Gott und den Geschöpfen besteht also die größte Ungleichheit, die man sich vorstellen kann.

2. — Die Kreaturen wiederum sind einander ungleich. Die Engel sind reine Geister. Unter ihnen sind die Menschen, die zugleich geistig als auch materiell sind. Dann kommen in absteigender Rangordnung die Tiere, die Pflanzen und die Mineralien. In jeder dieser Kategorien gibt es noch zahlreiche Hierarchien. Um nur von intelligenten Wesen zu sprechen, die Engel sind in neun übereinander stehende ungleiche Chöre unterteilt. Die in der Kirche versammelten Menschen wurden von Gott für verschiedene Grade der Heiligkeit geschaffen und nehmen gemäß ihrer Entsprechung zu diesem göttlichen Plan ungleiche Positionen in den Augen Gottes ein, in den Reihen der glorreichen, leidenden oder streitenden Kirche. Diese Ungleichheiten kommen in einem Kult zum Ausdruck. Der Mensch erweist Gott den Kult der „Latrie“ der Anbetung), den Engel und Heiligen der „Dulie“ (der Verehrung).

3. — Innerhalb dieser Ungleichheiten kann die göttliche und menschliche Person unseres Herrn Jesus Christus nicht unerwähnt bleiben. Als nicht erschaffenes Wort — „Deum de Deo, Lumen de Lumine“ — ist Er allen Kreaturen unendlich überlegen aber in seiner Menschlichkeit von der Natur her ist Er den Engeln unterlegen. Er verdient aber von den Engeln nicht nur in Seiner Gottheit, sondern auch in Seiner Menschlichkeit angebetet zu werden. Und Unsere Liebe Frau, die als Mutter des Gottmenschen Jesus, obwohl sie Gott unendlich unterlegen und von Natur aus den Engeln unterlegen ist, ist Sie aber in den Augen Gottes diesen als Mutter und als Heilige unermesslich überlegen ist und verdient es, von den Engeln als Königin gedient zu werden!

4. — Ihrerseits wie viele Ungleichheiten gibt es in der Struktur der streitenden Kirche! Die Kirche ist in zwei radikal unterschiedliche Klassen unterteilt: die Hierarchische, der das Lehren, Regieren und Heiligen zusteht, und dem Volke, dem regiert, gelehrt und geheiligt werden zusteht. So klar diese Ungleichheit auch ist, sie lässt dennoch Raum für ein weiteres Element der Verschiedenartigkeit und Abstufung. Zwischen der Hierarchie und den Gläubigen „mischt sich der Zustand des religiösen Lebens ein, der seinen Ursprung in der Kirche selbst hat und seine Existenzberechtigung und seinen Wert in engem Zusammenhalt mit dem Zweck der Kirche hat, das darin besteht, alle Menschen zur Heiligkeit zu führen” (Pius XII., Ansprache vom 8.12.1950 an die Mitglieder des I Internationalen Kongresses der Ordensleute).

5. — Als ob diese Ungleichheiten in der Struktur der Kirche nicht genug wären, wie viele Ebenenunterschiede gibt es im Herzen der Hierarchie selbst, sowohl vom Standpunkt der Befugnis als auch der Ehre: vom einfachen Minoristen (der nur die niederen Weihen erhalten hat) bis zum Diakon und von diesem zum Priester, den Kanoniker, den Monsignore, den Bischof, den Erzbischof, den Patriarchen, den Kardinal. Gehen wir weiter ohne weitere Hinweise auf die Unterschiede zwischen dem Ehren- und dem Universitätskanonikern, den verschiedenen Formen der Monsignoren, der Titular-, Weih- Hilfs-, Diözesanbischöfe, Bischöfe, Erzbischöfe, und Metropoliten, die Kardinalbischöfe, bis hinauf zum Papst, der die Fülle der Regierung, der Lehre, des Priestertums und der Ehre innehat. Wie viele Grade, wie viele Schattierungen, was für ein unerschöpflicher Reichtum an Ungleichheiten!

6. — Wir sind hier am Prüfstein dieses Teils unserer Darstellung angekommen. Es gibt eine Tugend, durch die der Mensch die unendliche Überlegenheit Gottes und die eingeschränkt Überlegenheit der Geschöpfe liebt, die Gott über ihm als Talent, Schönheit, Macht, Reichtum oder Tugend konstituiert hat: Es ist die Demut. Diese Tugend gibt, dass wir Freude empfinden für das, was andere mehr haben als wir. In einer Welt, in der es Demut gibt, ist nichts liebevoller und verständlicher als Hierarchie. Sobald es keine Demut mehr gibt, ist nichts unvermeidlicher als der Hass auf Hierarchie, der Durst nach Nivellierung und folglich die Revolution. Demut und Hierarchie; Hochmut und Revolution sind daher verwandte Begriffe. Daher die Tatsache, dass die erste Revolution das „Non serviam“ (ich Diene nicht) des ersten, des großen, des ewigen Hochmütigen war.

7. — Was hat der Protestantismus mit seiner Explosion im Schoß einer hierarchischen Kirche in all ihren Vorstellungen, in all ihren Lehren, in ihrem ganzen Wesen verursacht? Das Werk des Hochmuts und der Revolte: Er ebnete alle Sekten ein, indem er die freie Auslegung der Schrift einführte. Er hat das Lehramt der Kirche verleugnet und jeden Menschen zum eigenen Papst erklärt. Aufgrund ihrer Ansichten über das Messopfer und das Priestertum reduzierten sie den Geistlichen auf einen bloßen Delegierten der Gläubigen und machte jeden Gläubigen zu seinem eigenen Priester. Zum Schein gibt es unter den Protestanten weiterhin Geistliche und Laien. Dies ist jedoch nur ein zufälliger Unterschied und nicht der Unterschied, der in der katholischen Kirche den gesalbten des Herrn vom Rest der Gläubigen trennt. In diesem in ihrem Wesen so verminderten Klerus übten die Protestanten noch die Verwüstung ihrer Nivellierungsaktion aus. Nach der Abschaffung des Papstums gab es Sekten, die die Bischöfe abschafften, und andere gingen so weit, auf Priester zu verzichten. Ordensgemeinschaften wurden ausgelöscht. Selbst in den Beziehungen zwischen der Triumphierenden Kirche und der streitenden Kirche trat der egalitäre Wut ein, der Kult der Engel und Heiligen wurde geleugnet, so wie das Königtum Mariens über die gesamte Schöpfung.

8. — Die bürgerliche Gesellschaft war im Mittelalter sichtbar ähnlich organisiert wie die Kirche. An der Spitze ein höchstes Oberhaupt, der deutsche römische Kaiser. Unter ihm waren die Könige und nacheinander die verschiedenen Stufen der feudalen Aristokratie und die Bürger selbst in verschiedene soziale und wirtschaftliche Ebenen unterteilt, sogar der Knecht in der Landwirtschaft oder in der Industrie, der Lehrling in den Innungen.

Da dem Protestantismus staatliches Existenzrecht in Europa verliehen wurde und daher der Geist der Revolte und der Nivellierung, wäre es vorhersehbar, dass er auf weltlicher Ebene eine Art Organisation unangetastet ließe, die er gerade im kirchlichen Bereich gestürzt hatte?

Die tiefste Ursache der Französischen Revolution liegt darin. Das „Dogma“ der freien Auslegung der Schrift würde früher oder später das „Dogma“ der Volkssouveränität hervorrufen. Der Untergang des Heiligen Römischen Reiches, die Verallgemeinerung des republikanischen Systems in Europa, die Aufhebung der Privilegien der Aristokratie und des Adels, die Einführung der absoluten Gleichheit im politischen Bereich durch das allgemeine Wahlrecht: all dies geschah unter dem Hauch eines egalitären politischen Mystizismus, der offensichtlich eine Brut der protestantischen egalitären religiösen Mystik ist.

9. — Die einzige Ungleichheit, die nach der Französischen Revolution bestehen blieb, war die finanzielle. Welcher Erbe der Revolution hat die Nivellierung auf diese Sphäre ausgedehnt? Der Kommunismus. An dem Tag, an dem dieser gewinnen würde, hätte Luthers Nivellierungsarbeit auf der ganzen Linie gesiegt. Es würde auf der Welt keine Geistlichen, keine Adligen und keine Arbeitgeber geben. Gott schuf das hierarchische Universum. Der Teufel hätte die Hierarchie in der menschlichen Gesellschaft abgeschafft.

Der Glaube und die Revolution

Der Glaube, ein weiteres wesentliches Merkmal der mittelalterlichen Seele, auch er ist in gewisser Weise ein Akt der Demut. Der Mensch akzeptiert die Wahrheiten, die Gott ihm offenbart, nicht weil er sie durch die bloßen Kräfte seiner Vernunft oder seiner Sinne entdeckt hat, sondern einfach weil Gott sie offenbart hat.

Natürlich würde sich der Hochmut gegen die Offenbarung auflehnen. Daher die protestantische Weigerung, an die reale Gegenwart Christi im Altarsakrament zu glauben, die die Sinne nicht wahrnehmen. Daher auch die Weigerung, im Lehramt des Papstes eine Unfehlbarkeit zuzugeben, vor der sich die Vernunft verneigen muss. Daher auch die Bildung einer zunehmend rationalistischen biblischen Exegese, die letztendlich die Göttlichkeit unseres Herrn Jesus Christus und die Existenz eines persönlichen Gottes leugnete. Der Protestantismus ist zum Deismus verkommen, der Deismus zum Pantheismus. Und was ist der Pantheismus, wenn nicht die Behauptung, dass alles Gott ist, d.h. der Triumph der Gleichheit im Kosmos? Denn wenn alles vom Wesen her, von Natur aus göttlich ist, ist alles wesentlich, natürlich, gleich unter sich ist, ist alles wesentlich und natürlich gleich Gott.

Es ist zum Mare magnum (großen Gewässer) des Pantheismus wohin auch alle Strömungen der modernen Philosophie fließen, die direkt oder indirekt aus dem protestantischen Rationalismus und Skeptizismus stammen und in diesem Sinne parallel zu dem reformistischen Denken verlaufen, aus dem die moderne Welt geboren wurde.

Reinheit und Revolution

Um dieses Bild zu vervollständigen, muss nur noch ein Wort über Keuschheit gesagt werden.

Nach katholischer Lehre sind die Beziehungen zwischen den Geschlechtern nur in der Ehe rechtmäßig. Diese ist wiederum monogam und unauflöslich. Der Zustand der vollkommenen Keuschheit wird von Geistlichen und Ordensleuten gefordert und ist für Laien sehr lobenswert. Diese Lehre ist der Triumph der Disziplin der Sinne.

Der im Wesentlichen revolutionäre Protestantismus und damit ein Feind aller gezügelten Einschränkungen schaffte den priesterlichen und religiösen Zölibat ab und führte Ehescheidung ein. Luther erlaubte sogar der Polygamie, wenn es sich um Fürsten handelte. Die Französische Revolution begann mit der Bestrebung, die Ehescheidung in die Zivilgesetzgebung der katholischen Länder einzuführen. Nur ein Schritt fehlte noch, und den tat Marx entschlossen: die Ehe selbst abzuschaffen. Es ist der Höhepunkt der Auflehnung der Sinne gegen jede Autorität, jeden Zügel, jedes Gesetz.

Der Epilog

Pantheismus, absoluter politischer, sozialer und wirtschaftlicher Egalitarismus, freie Liebe: Dies ist das dreifache Ende, zu dem uns eine alte Bewegung von mehr als vier Jahrhunderten führt.

Welche genaue Rolle spielt unser Zeitalter in dieser tragischen Kette von Ereignissen?

Was diese vierhundert Jahre alte Revolution auszeichnet, ist der überaus schrittweise Entwicklungsprozess. Im 16., 17. und 18. Jahrhundert war sie überwiegend religiös: Die politischen Institutionen blieben mehr oder weniger intakt. Von 1789 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war sie im Wesentlichen politisch. Von da an drang sie in die Wirtschaft ein, das einzige Feld des sozialen Lebens, das noch zu erschüttern war. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert ging man Parallel dazu vom Christentum zum Deismus über. Das 19. Jahrhundert markierte den Höhepunkt des Atheismus. Das 19. Jahrhundert ist durchaus das Jahrhundert des Pantheismus. Vom Ende des 16. bis zum 19. Jahrhundert war die Ära der Ausweitung des Ideals der Ehescheidung. Das 20. Jahrhundert ist das große Jahrhundert für die Ausbreitung der freien Liebe.

Diese große Revolution macht keine Sprünge. Es brauchte vierhundert Jahre, um bis dort hinzukommen, wo sie nun ist. Und man muss unbedingt erkennen, dass sie jetzt ihrem Ziel sehr nahe zu sein scheint.

Der große Kampf

Dies ist der Punkt, der beachtet werden muss, wenn wir eine genaue Vorstellung von den Tagen haben wollen, in denen wir leben. Alle Nivellierungs- und Revolutionstrends der letzten Jahrhunderte haben heute den Höhepunkt ihrer Erbitterung erreicht. In der Linie des Hochmuts und der Revolution kann man nicht radikaler sein, als die Gleichheit zwischen Gott und den Menschen und die totale Gleichheit der Menschen im politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bereich zu verkünden. Man kann die Zügellosigkeit nicht weiter bringen, als die freie Liebe einzuführen.

Es stimmt, dass diese Trends ihren vollständigen Triumph noch nicht erreicht haben. Um mit den Nebensächlichen oder sogar den äußerst Nebensächlichen zu beginnen, stellen wir zunächst fest, dass selbst außerhalb der Kirche nicht alles Pantheismus, Egalitarismus und freie Liebe ist. Und vor allem sei angemerkt, dass die Heilige Kirche in gewisser Weise üppiger denn je ist, in der Pracht ihrer Heiligkeit, ihrer Einheit, ihrer Katholizität. Vier Jahrhunderte eines zyklopischen Angriffs hinderten sie nicht daran, sich inmitten unermesslicher Rückschläge und Schmerzen weiterhin auszubreiten.

Ein Konflikt zwischen der Revolution, die kein Halt machen, sich nicht zurückziehen kann, und der Kirche, die sie dennoch nicht überwinden konnte, schein in unseren Tagen unvermeidbar zu sein. In der Vergangenheit gab es in verschiedenen Phasen der Revolution schwere Zusammenstöße zwischen der Kirche und der Revolution. Da aber das revolutionäre Virus nicht den Höhepunkt seines Anfalls erreicht hatte, war es möglich, Anpassungen, Rückzüge und Vereinbarungen zu erreichen, ohne die Prinzipien tatsächlich zu verletzen. Heute ist dies unmöglich, weil die revolutionäre Erbitterung die Dinge so weit gebracht hat, dass es keine andere Möglichkeit gibt als den Kampf um die Ausrottung. Es braucht nicht viel Einsicht, um eine Beziehung zwischen diesem Titankonflikt und der großen Ära der Kriege und Umwälzungen zu erkennen, die sich uns zu nähern scheinen? Die Heerscharen des roten Antichristen decken das gesamte Gebiet von Indochina bis zur Elbe ab. Zahlreiche und organisierte kommunistische Parteien rühren sich in den Eingeweiden der westlichen Welt. Mehr noch: die Institutionen westlicher Länder entwickeln sich zum Sozialismus, der nichts anderes als ein getarnter Kommunismus ist. Die westliche Philosophie und Kultur tendiert zum Pantheismus.

Die dekadenten Bräuche des Westens tendieren zur freien Liebe. Und — was noch trauriger ist — innerhalb der katholischen Reihen selbst sind die Infiltrationen dieses Geistes so tiefgreifend, dass sie forderten, dass Pius XII. eine Reihe von Maßnahmen ergriff, um die Gläubigen vor diesem schrecklichen Übel zu bewahren.

Es wäre daher sehr naiv, sich vorzustellen, dass alles, was antikatholisch ist, jenseits der Elbe liegt.

Sicher ist jedoch, dass der Sieg der Roten heute eine Katastrophe für den Westen sein würde, ebenso wie für den Sieg Mao-Tse-Tung über Chang-Kai-Chec für den Osten.

Religionskrieg

Krieg, Tod und Sünde kündigen sich an um die Welt wieder zu verwüsten, diesmal in größerem Ausmaß als je zuvor. 1513 stellte Dürers unvergleichliches Talent sie in Form eines Ritters dar (Bild oben), der in voller Rüstung in den Krieg zieht und von Tod und Sünde begleitet wird, wobei letztere durch einen Einhorn dargestellt wird. Damals bewegte sich Europa, das bereits in die Umwälzungen vor der Reformation eingetaucht war, in Richtung der tragischen Ära religiöser, politischer und sozialer Kriege, die der Protestantismus ausgelöst hatte.

Der nächste Krieg, ohne explizit und direkt ein Religionskrieg zu sein, wird die heiligsten Interessen der Kirche so beeinflussen, dass ein wahrer Katholik in ihm insbesondere den religiösen Aspekt nicht übersehen kann. Und das Gemetzel, das sich entfesseln wird, wird sicherlich unvergleichlich verheerender sein als in den vergangenen Jahrhunderten.

Wer wird siegen? Die Kirche?

Die Wolken, die wir vor uns haben, sind nicht rosig. Aber eine unbesiegbare Gewissheit ermutigt uns, dass nicht nur die Kirche — wie es angesichts der göttlichen Verheißung offensichtlich ist — nicht untergehen wird, sondern dass sie in unseren Tagen einen größeren Triumph als den von Lepanto im 16. Jahrhundert erzielen wird.

Wie? Wann? Die Zukunft gehört Gott. Es gibt viel Grund zur Trauer und Besorgnis, sogar wenn wir einige Brüder im Glauben betrachten. In der Hitze des Kampfes ist es möglich und sogar wahrscheinlich, dass wir schreckliche Enttäuschungen haben werden. Aber es ist sicher, dass der Heilige Geist in der Kirche weiterhin bewundernswerte und unbezwingbare geistige Energien des Glaubens, der Reinheit, des Gehorsams und der Hingabe hervorrufen wird, die im richtigen Moment den christlichen Namen wieder mit Ruhm bedecken werden.

Das 21. Jahrhundert wird nicht nur das Jahrhundert des großen Kampfes sein, sondern vor allem das Jahrhundert des immensen Triumphs.

 

Anmerkung
(*) Jetzt werden sogar die letzten Schranken beseitigt, die die Menschen von den schlimmsten Sünden trennten. Durch die Abtreibung, die Euthanasie und das Klonen maßt sich der Mensch das Gott einzig und allein gehörende Recht auf Verfügung über das Leben an. Durch die Legalisierung der Homosexualität vergewaltigt er die Ordnung der Natur, der alle Menschen folgen müssen. Und durch die esoterischen und satanischen Rituale, die sich rasant bei unserer Jugend verbreiten, beginnt er damit, den Teufel anstelle Gottes anzubeten.


Übersetzung entnommen aus dem Mitteilungsblatt „Allianz mit Maria“ Nr. 1/2000 der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“ der DVCK e.V.

Das Original Portugiesisch erschien in der Zeitschrift Catolicismo Nr. 2 – Februar 1951

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet. 


 

Donnerstag, 16. März 2017

Legitimität der Ungleichheiten

Legitimität und sogar Notwendigkeit gerechter und angemessener Ungleichheiten unter den Gesellschaftsschichten

Die marxistische Doktrin vom Klassenkampf behauptet, daß alle Ungleichheit ungerecht und schädlich sei und daß es daher der unteren Klasse erlaubt sei, sich weltweit für die Abschaffung der oberen Schichten einzusetzen: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ Mit diesem allseits bekannten Aufruf schlossen Marx und Engels 1848 ihr Kommunistisches Manifest.(1)
Demgegenüber behauptet die traditionelle katholische Lehre, daß gerechte und angemessene Ungleichheiten unter den Menschen nicht nur legitim, sondern sogar notwendig seien.(2) Deshalb verurteilt sie auch den Klassenkampf.
Diese Verurteilung erstreckt sich selbstverständlich nicht auf die Bemühungen oder unter Umständen sogar auf den Kampf einer Klasse um Anerkennung des ihr zustehenden Platzes im gesellschaftlichen beziehungsweise im politischen Ganzen. Sie spricht sich jedoch dagegen aus, daß die an sich legitime Notwehr einer angegriffenen Klasse in einen Ausrottungskrieg gegen andere Klassen ausartet oder auch nur zur Ablehnung der Rollen führt, die einer jeden Klasse im Gesellschaftskörper zukommen.
Ein Katholik muß sich für Eintracht und Frieden zwischen den Klassen einsetzen, nicht aber für den chronischen Kampf zwischen ihnen, vor allem wenn es bei diesem Kampf um die Errichtung eines Regimes völliger, radikaler Gleichheit geht.
Dies alles würde besser verstanden, wenn die bewundernswerten Lehren Pius´ XII. über Volk und Masse überall im Westen die ihnen gebührende Verbreitung gefunden hätten.
„Freiheit, wie viele Verbrechen werden in deinem Namen begangen!“(3) – soll die berühmte französische Revolutionärin Madame Roland ausgerufen haben, bevor sie auf eine Entscheidung des Terrorregimes hin enthauptet wurde.
Ähnlich könnte man auch angesichts der Geschichte unseres verworrenen 20. Jahrhunderts ausrufen: „Volk, o Volk, wie viele Torheiten, wie viel Unrecht, wie viele Verbrechen werden in deinem Namen von den revolutionären Demagogen unserer Zeit begangen.“
Gewiss liebt die Kirche das Volk und ist stolz darauf, es seit ihrer Gründung durch ihren göttlichen Meister ganz besonders geliebt zu haben.
Was aber ist das Volk? Sicher ist es etwas ganz anderes als die Masse, die wie ein aufgepeitschtes Meer gar leicht zur Beute revolutionärer Demagogie wird.
Als Mutter versagt die Kirche auch den Massen nicht ihre Liebe. Aber gerade weil sie sie liebt, wünscht sie ihnen als kostbares Gut den Übergang vom Zustand der Masse in den des Volkes.
Geht es in dieser Behauptung aber nicht um ein bloßes Wortspiel? Was bedeutet denn Masse? Was heißt denn „das Volk“?

 Fussnoten
1 Karl Marx und Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, London 1848, S. 30.
2 Vgl. Dokumente V. „Die kirchliche Lehre über die sozialen Unterschiede“ in „Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen von Papst Pius XII. an das Patriziat und den Adel von Rom“, TFP-Deutschland e.V., Frankfurt.
3 Vgl. J. TULARD, J.F. FAYARD und A. FIERRO, História da Revolução Francesa, Edição Livros do Brasil, Lisboa. 1989, Bd. II, S. 341

Quelle: PLINIO CORREA DE OLIVEIRA. „Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen von Papst Pius XII. an das Patriziat und den Adel von Rom“, TFP-Deutschland e.V., Frankfurt. Kap. III, 1. S. 49 ff.