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Freitag, 19. Mai 2023

Die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens

 



Plinio Correa de Oliveira

Getreu der bewundernswerten Berufung ihres seligen Gründers [dem heiligen Antonius Maria Claret] leisten die Herz-Mariä-Priester eine intensive Arbeit, um die größtmögliche Zahl von Weihen an das Unbefleckte Herz der Mutter Gottes zu fördern, nach dem Vorbild des Heiligen Vaters Pius XII., der ihm die ganze Welt geweiht hat.

Eines der Merkmale der Verehrung, die wir unserer Lieben Frau entgegenbringen müssen, ist zweifellos ihre Zärtlichkeit. Eine Verehrung besteht jedoch nicht nur aus Zärtlichkeit, sentimentalen und affektiven Ergüssen. Um solide zu sein, muss es auf präzisem, exaktem und logischem Wissen basieren. Nur aus der wohlbekannten Wahrheit kann dauerhafte und aufrichtige Liebe entstehen. Frömmigkeit muss auf dem Studium der katholischen Lehre basieren. Dort findet es sein bestes Fundament, seine wahre Wurzel.

Wenn die Kirche die Weihe von Nationen, Diözesen, Familien oder Einzelpersonen an das Allerheiligste Herz Jesu oder an das Unbefleckte Herz Mariens fördert, geht sie davon aus, dass die so geweihten Geschöpfe den Entschluss fassen, in besonderer Weise dem Herz Jesu oder dem Herzen Mariens zu gehören, indem sie ihren Gesetzen treuer befolgen, sie vollkommener als Vorbilder nehmen und im Gegenzug auf ganz besondere Weise ihre besondere und wachsame Aufmerksamkeit erhalten. So ist die Weihe kein bloßer Ritus, keine vage Formel, die in einem Moment frommer Gefühle vorgetragen werden wird. Es handelt sich vor allem um einen überlegten, bewussten, freiwilligen und tiefgreifenden Akt, der das Ziel einer vollkommeneren Integration in die Lehre und das Leben der Heiligen Katholischen Kirche impliziert, die die einzige wirkliche Art der Zugehörigkeit zu Jesus und Maria darstellt.

Es ist leicht zu verstehen, dass dieser Akt sowohl von Menschen mit höchster Tugend als auch von Seelen durchgeführt werden kann, die sich noch in den ersten Schritten des geistlichen Lebens befinden. Für beide wird es sehr nützlich sein, denn es wird demjenigen, der es tut, einen ganz besonderen Schutz der Vorsehung und damit ganz besondere Heilsgarantien verschaffen.

Unser Volk versteht leicht, dass jemand sich dem Heiligsten Herzen Jesu weiht. Diese großartige Übung wurde bereits häufig in die Tat umgesetzt, und Gott sei Dank gibt es heute zahlreiche Familien, die sich dem Herzen Jesu geweiht haben und damit die Absicht zum Ausdruck bringen, ihr gesamtes Leben dem Heiligen Herzen Jesu anzupassen, indem sie ein wahrhaft frommes und christliches Leben führen, die Staatspflichten heiligen, sie mit einem zutiefst übernatürlichen und gedemütigten Geist leben und sich insbesondere für den Erfolg solcher Ziele sowie für die Erlangung aller Gnaden dem göttlichen Herzen empfehlen, das die Quelle allen Guten schlechthin ist.

Allerdings kommt es bei uns seltener vor, dass die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens richtig verstanden wird. Es wird vielleicht nicht wenige geben, die in beiden Akten einen gewissen Widerspruch sehen. Wie kann man gleichzeitig zwei Herren angehören und zwei Herzen gehorchen? Wird nicht eine Weihe der anderen widersprechen oder sie zunichte machen?

Nichts ist haltloser. Die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens ist eine Ergänzung der Weihe an das Heiligste Herz Jesu; sicherlich keine überflüssige Ergänzung, sondern eine kostbare und bewundernswerte Ergänzung, die der Weihe an das Herz Jesu eine bewundernswerte Realität und Fülle verleiht.

Das Herz Mariens ist das Reich des Herzens Jesu schlechthin. Die Vereinigung beider Herzen ist so vollkommen, dass es Schriftsteller gibt, die sie sozusagen zu einem verschmelzen und sich dabei auf das Herz Jesu und Mariens beziehen. Die gesamte Marienfrömmigkeit beruht auf dieser grundlegenden Wahrheit, dass die Allerseligste Maria der Kanal ist, durch den man Jesus erreicht, sie ist die Tür, das Leben, der Weg schlechthin, wo wir unseren Herrn Jesus Christus mit größerer Sicherheit, schneller und einfacher finden. Daher ist die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens der sicherste, einfachste und schnellste Weg, die Weihe an das Heilige Herz Jesu zu erreichen.

Tatsächlich ist es einfach, einen Weiheakt auszusprechen. Sich aufrichtig, ernsthaft und gründlich zu weihen, ist viel schwieriger. Um die notwendigen Voraussetzungen für eine vollkommene Weihe an unseren Herrn zu erreichen, gibt es nichts vollkommeneres, sichereres und nützlicheres, als uns der Allerseligsten Jungfrau Maria zu weihen.

Christozentrismus besteht darin, dass Unser Herr Jesus Christus das Zentrum von allem ist. Nur der echte Christozentrismus, führt uns auf dem wahren Weg zum Zentrum. Und dieser Weg ist Unsere Liebe Frau.

Die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens ist aktueller denn je. Mehr denn je braucht die Welt, die von tausenden Wechselfällen aller Art geplagt wird, ein mütterliches Herz, das mitfühlt. Daher ist es mehr denn je notwendig, dass wir an das Herz unserer Mutter appellieren, dass wir sie anflehen und ihre empfindlichsten Fasern, ihre intimsten Saiten dazu bringen, ihre Barmherzigkeit, all ihre Liebe, all ihre Hilfe zu berühren.

Wenn der Heilige Vater Pius XII. die ganze Welt dem Herzen Mariens geweiht hat, ahmen wir ihn nach, vervollständigen wir ihn sozusagen, weihen wir uns vorbehaltlos demselben Unbefleckten Herzen. Wir werden den Wünschen des Papstes entsprechen und den Wegen der göttlichen Vorsehung entsprechen.

 

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer von „A Consagração ao Imaculado de Maria“ in Revista “Ave Maria”, São Paulo, Nr. 31, Juli 1943.

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Diese deutsche Fassung „Die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens“ erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com

 

Donnerstag, 3. Juni 2021

Weihe, die höchste Freiheit

Ein Leser schreibt mir:

„In Ihrem letzten Artikel haben Sie Frei Galvão unter anderem den Titel „Sklave Mariens“ zugeschrieben. Dies hat mich schockiert. Dieser Titel bringt weder Frei Galvão noch Maria Ruhm. Sklaverei ist die gewaltsame Unterwerfung eines Wesens unter ein anderes. Sie ergibt sich daraus, dass der Stärkere dem Schwächeren (egal ob durch körperliche Überlegenheit oder wirtschaftlichen Druck) das wesentliche Attribut der persönlichen Würde, das heißt, das Recht eines jeden einzelnen über sich zu verfügen nach seinem eigenen Verstehen und Interesse. Das Wort „Sklaventum“ erinnert an Peitsche, Geißel, Handschellen, Unterernährung und Verfolgungsjagden durch die Polizei. Wie kann Maria Sklaven haben, die Katholiken als Königin der Güte verehren? Und wie kann jemand die Ehre haben, ein Sklave zu sein, selbst wenn er es von Maria ist? Seien wir ehrlich, das ist alles Unsinn“.

Eine solche Art der Beziehung zwischen Maria und einem ihrer Anhänger wäre in der Tat absurd. Wenn aber ein vernünftiger Mensch etwas tut, das absurd erscheint, muss man logischerweise nach einer Interpretation für seine Handlung suchen, die ihn in seinem wahren Aspekt, erklärbar und vernünftig sehen lässt. Wenn der große Frei Galvão, der so offensichtlich vernünftig und tugendhaft, dachte, meinte, seine franziskanische Kutte und sein Priestertum zu ehren, indem er sich Maria zum Sklaven macht, hätte der Briefschreiber die Pflicht, anzunehmen, dass es dafür eine vernünftige und erhabene Erklärung gibt. Eine solche Erklärung findet sich leicht in ihrer besten Quelle, der „Abhandlung über die wahre Andacht zu Maria“ vom hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort, einem von der katholischen Kirche anerkannten Buch, das allgemein als eines der bedeutendsten Werke der Mariologie gilt.

Der hl. Ludwig Maria
Ich werde hier versuchen, dem Leser gegenüber zu erklären, was dieses Mariensklaventum ist, die der hl. Ludwig Maria Sklaventum der Liebe nennt und nicht – es sei angemerkt – von roher Gewalt, von Zwang.

* * *

Vor nicht allzu vielen Jahren war es eines der schönsten Komplimente, das man einem – Staatsoberhaupt, Familienvater, Priester, Magistrat oder Militär – machen konnte, ihn als „Sklaven der Pflicht“ zu bezeichnen. So sei er in der Lage gewesen, Risiken oder Verluste zu tragen, um die mit seiner Stellung verbundenen Pflichten nicht zu überschreiten. Oder auch nur das zu tun, was im Sinne sorgfältigster Erfüllung seiner Mission nur ratsam war.

Eine analoge Bedeutung war die Behauptung, dass ein Staats- oder Familienoberhaupt, ein Richter oder ein Militär seine Mission zu „einem wahren Priestertum“ gemacht habe.

Das Wort „Sklave“ hatte also eine ganz andere Bedeutung als die vom Leser erwähnte. Es qualifizierte jemanden, der, freiwillig vom Adel und Höhe seiner Pflichten und Mission überzeugt, auch freiwillig beschlossen hatte, ihr zuliebe, wenn dies der Fall war, sogar seine legitimen Rechte und seine teuersten Interessen zu opfern.

In diesem „Sklaventum“ voll Liebe zur Pflicht, zum Ideal, zur Mission ist der Mensch keineswegs ein Sklave wie die römischen Kriegsgefangenen oder die nach Brasilien zwangsverschifften Schwarzen. Im Gegenteil, er übt rational und im höchsten Grade seine Freiheit aus und macht einen ganz klaren und veredelnden Gebrauch von sich und allem, was ihm gehört.

Dies ist die Bedeutung, die der hl. Ludwig Grignion von Montfort der Weihe eines Menschen als „Sklave Mariens“ gibt.

Es ist ein Sklave der Liebe der Allerheiligsten Maria, wer, ohne jeden Zwang, von den erhabenen Vorrechten überzeugt ist, die ihr als Mutter Gottes zustehen, und von der moralischen Vollkommenheit, deren Vorbild sie ist, ihr frei und aus Liebe „seinen Leib und seine Seele, seine inneren und äußeren Güter und selbst den Wert seiner vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen guten Werke, indem er ihr alles Recht und volle Gewalt überlässt über sich und alles, was ihm gehört, ausnahmslos nach Ihrem Wohlgefallen, zur größeren Ehre Gottes in der Zeit und in Ewigkeit“ weiht; die Worte sind vom Heiligen. Und im Austausch für diese klare und freiwillige Weihe behandelt Maria, die Mutter der Barmherzigkeit, ihren Sklaven nicht im Entferntesten mit der niederen und gewalttätigen Selbstsucht des Römers oder des Sklavenhändlers, sondern mit mütterlicher Liebe, voller Zuneigung und Achtung der liebenswürdigsten, mildesten und versöhnlichsten aller Mütter.

Und hier wende ich mich einer weiteren aufschlussreichen Analogie zu. Diese Position des Liebessklaven der Muttergottes – als selbstlose Opferung der eigenen Rechte und Interessen zu Gunsten eines unantastbaren Ideals wie des Dienstes der Jungfrau Maria betrachtet – hat viel mit der Handlung gemeinsam, durch die ein Ordensmann oder eine Ordensschwester in einen religiösen Orden eintritt, bei dem er in einer überaus klaren und freien Geste auf die Verfügung über sich selbst und sein eigenes Erbe durch die Gelübde des Gehorsams, der Armut und der Keuschheit verzichtet.

Wer sich aber als Sklave Mariens weiht, ist in gewisser Weise noch freier, weil er im Gegensatz zu einem Ordensbruder oder einer Nonne keine Gelübde ablegt und so die Fähigkeit behält, sich jederzeit von dieser erhabenen Weihe zu lösen.

In jedem Land der Erde wird die Fähigkeit hierzu als Freiheit angesehen. Außer natürlich in kommunistischen Ländern. – Aber was heißt darin schon frei sein? – Es ist buchstäblich ein Sklave sein.

Und übrigens: ist der Verfasser des Briefes antikommunistisch?

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in „Folha de S. Paulo“, 29. Dezember 1974.

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

„Weihe, die höchste Freiheit“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

Montag, 31. Mai 2021

Vor 75 Jahren wurde Brasilien der Muttergottes geweiht

Am letzten Freitag (31. Mai), fand einer der bedeutendsten Akte marianischer Frömmigkeit im religiösen Leben Brasiliens statt. In Anwesenheit Seiner Eminenz. Carlos Carmelo de Vasconcelos Mota, Erzbischof von São Paulo, und einer beträchtlichen Anzahl von Erzbischöfen und Bischöfen Brasiliens, des Präsidenten der Republik und Würdenträgern des Staates, weihte Seine Eminenz Jaime de Barros Câmara, Kardinal-Erzbischof von Rio de Janeiro, unser Land dem Unbefleckten Herzen Mariens.

Diesem Akt gingen zahlreiche lokale Weihen voraus, bei denen die Bischöfe ihre Diözesen dem Herzen Mariens weihten.

Bekanntlich hat die Gottesmutter, als sie sich in Fatima den Hirtenkindern offenbarte, den Wunsch geäußert, dass sich die ganze christliche Welt ihrem reinsten Herzen weihe, um so die Katastrophen der Gegenwart zu vermeiden.

Diesem Aufruf folgend haben die Bischöfe von Brasilien beschlossen, am Festtag der Mittlerin aller Gnaden die Weihe Brasiliens zu vollziehen.

Es erübrigt sich zu erklären, mit welcher Hingabe sich das katholische Brasilien mit dieser schönsten Geste verbunden hat. Unter dem Schutz der Gottesmutter erwarten wir alle die Rettung Brasiliens vor den unzähligen Übeln, die uns in dieser Zeit bedrohen, insbesondere vor der Gefahr des Moskauer roten Faschismus.

Woche der Katholischen Aktion (K.A.) in Rio de Janeiro im Mai 1946

Die Gedenkfeiern der K.A.-Woche von Rio de Janeiro, die von der Bischöflichen Kommission der K.A. einberufen und von ihrem Nationalrat, dessen Präsident Herr Hildebrando Leal ist, organisiert wurde, sind zu einem glänzenden Abschluss gekommen.

Diese „Woche“ fiel mit der höchst erfreulichen Zeremonie der Weihe Brasiliens an das Unbefleckte Herz Mariens zusammen, bei der vierzig Erzbischöfe und Bischöfe, neben den beiden bedeutenden brasilianischen Kardinälen in Rio de Janeiro anwesend waren.

Am Ende dieser „Woche“ besuchte der Ehrwürdige Episkopat den Präsidenten der Republik, General Eurico G. Dutra. Seine Eminenz, Kardinal Erzbischof D. C. Carmelo de V. Motta von São Paulo, hatte ein paar Tage zuvor im Palast Guanabara in Begleitung des Staatsoberhauptes zu Mittag gegessen.

So lautet die schöne Weiheformel, die anlässlich der erhabenen Zeremonie in Rio de Janeiro verlesen wurde:

„O Maria, liebevollste Jungfrau und unsere Mutter, wirf einen gütigen Blick auf das Volk dieser Nation, einen bescheidenen Teil deiner großen Familie, das (Anm.d.Ü.: Druckfehler in der Zeitung - vermutlich fehlen die Worte: sich heute deinem Unbefleckten Herzen weiht). Dazu bewegt uns nicht nur unsere kindliche Zuneigung zu Dir, sondern auch das Bedürfnis nach Deinem besonderen Beistand in diesen unheilvollen Zeiten.

Sieh, o Maria, wie man versucht den Glauben in unseren Herzen durch das Eis der Gleichgültigkeit und des Unglaubens auszulöschen. Du, der Du der Sitz der Weisheit bist, bewahre uns alle vor dem eitlen Wissen der Welt und erhalte uns unerschüttert im hochheiligen Glauben Deines Sohnes.

Siehe mit welcher Hinterlist, überall gegen die guten Sitten gekämpft und alles mit der ungezügeltsten Sinnlichkeit verunreinigt wird. Reinige, o unbefleckte Jungfrau, die Erde von so vielen Unreinheiten; oder halte wenigstens unsere Familien rein.

Siehe, wie man versucht, die Gesellschaft zu erschüttern und sie in den Strudel des Aufstandes gegen jedes Gesetz und jede Autorität zu stürzen.

Bewahre also, o erhabene Königin, unter den Ständen deines Volkes die von Gott aufgestellte Ordnung und lasse nicht zu, dass die Ratschläge der Bösen sich durchsetzen. Schließlich erbarme dich der Kirche, o Hilfe der Christen, erbarme dich ihres ehrwürdigen Hauptes und beschleunige die Zeit, da die ganze Menschheit eine Herde unter einem Hirten sein wird.

Nimm daher, o gute Mutter, die Weihe an, die dieses Volk heute von sich selbst an dein mütterliches Herz vollzieht, und gewähre als Zeichen deiner gnädigen Aufnahme, dass alle deinen Schutz im Leben und im Tod vernehmen. Amen.

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von DeepL-Übersetzer in Legionário, 2. Juni 1946, Nr. 721, S. 1 und Legionário, 9. Juni 1946, Nr. 722, S. 1-2

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

„Vor 75 Jahren wurde Brasilien der Muttergottes geweiht“ erschien erstmals in deutscher Sprache in 
www.p-c-o.blogspot.com

 

Freitag, 11. September 2020

Feierlicher Schlussakt der Woche der „Katholischen Aktion“ in Rio de Janeiro

 am 9. Juni 1946

Mit großem Glanz wurde die „Woche der Katholischen Aktion“ in Rio de Janeiro beendet. Sie war einberufen worden von der Bischofskommission der K.A. und organisiert vom Nationalen Vorstand der K.A., dessen Präsident Herr Hildebrando Leal ist.

Diese „Woche“ fiel mit der erfreulichsten Zeremonie der Weihe Brasiliens an das Unbefleckte Herz Mariens in Rio de Janeiro zusammen, die in Anwesenheit von 40 Erzbischöfen und Bischöfen und den beiden brasilianischen Kardinälen stattfand.

Nach Ende der „Woche“ besuchte der gesamte Episkopat den Herrn Präsidenten der Republik, General Eurico G. Dutra. Seine Eminenz Carlos Carmelo de V. Motta, Kardinalerzbischof von São Paulo, war Tage zuvor zum Mittagessen im Guanabara-Palast vom Staatsoberhaupt eingeladen worden.

Wir geben hier die schöne Weiheformel, die anlässlich der Zeremonie in Rio de Janeiro verlesen wurde:

„O Maria, liebste Jungfrau und unsere Mutter, wirf einen gütigen Blick auf die Menschen dieser Nation, einen bescheidenen Teil Deiner großen Familie, die sich heute Deinem Unbefleckten Herzen weihen. Dazu treibt uns nicht nur unsere kindliche Zuneigung zu Dir an, sondern auch das Bedürfnis eines besonderen Beistands Deinerseits in diesen katastrophalen Zeiten.

Siehe, o Maria, wie man versucht, den Glauben in unseren Herzen mit der Kälte der Gleichgültigkeit und des Unglaubens auszulöschen. Du, der Du der Sitz der Weisheit bist, bewahre uns alle vor der eitlen Wissenschaft dieser Welt und erhalte uns unerschütterlich im heiligsten Glauben deines Sohnes.

Siehe die Fallstricke, die überall gegen die guten Sitten aufgestellt sind und alles mit der größten ungezügelten Sinnlichkeit kontaminieren. Reinige, o Unbefleckte Jungfrau, die Erde von so vielen Unreinheiten; oder zumindest halte rein unsere Familien.

Siehe, wie man versucht, die Gesellschaft zu erschüttern und in den Wirbel der Rebellion gegen jedes Gesetz und Autorität zu stürzen.

Erhalte daher, o unsere höchste Königin, unter den Klassen Deines Volkes die von Gott festgelegte Ordnung und lass nicht zu, dass die Pläne der Gottlosen siegen. Erbarme Dich schließlich der Kirche, o Hilfe der Christen; habe Erbarmen mit ihrem ehrwürdigen Oberhaupt; und beschleunige den Moment, in dem die ganze Menschheit eine Herde unter einem Hirten sein wird.

Nimm also, o gütige Mutter, die Weihe an, die dieses Volk heute Deinem mütterlichen Herzen von sich selbst macht, und als Beweis für Deine gütige Aufnahme, bewirke, dass alle Deinen Schutz im Leben und im Tod erfahren. Amen.“

 

 Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google Übersetzer in
Legionário, vom 9. Juni 1946, Nr. 722, SS. 1-2

© Nachdruck der deutschen Fassung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Freitag, 31. Juli 2020

Weihe Brasiliens an das Unbefleckte Herz Mariens

Unsere Liebe Frau wird zur Königin des Himmels und der Erde gekrönt.
Brasilien wurde ihr geweiht und empfahl sich ihrem reinsten Herzen an.
(„Die Krönung der Jungfrau“ – Gemälde von Velasquez)


Plinio Corrêa de Oliveira,
Direktor des LEGIONÁRIO

Unsere Liebe Frau ist die Königin des Himmels und der Erde — Brasilien ist ihr geweiht und empfiehlt sich ihrem reinsten Herzen.

Am vergangenen Freitag (31. Mai) fand eines der bedeutendsten Ereignisse der marianischen Frömmigkeit im religiösen Leben Brasiliens statt. In Gegenwart Seiner Emz. Kardinal Carlos Carmelo de Vasconcelos Mota, Metropolitanischer Erzbischof von São Paulo, und einer beträchtlichen Anzahl von Erzbischöfen und Bischöfen Brasiliens, des geehrten Herrn Präsidenten der Republik und Würdenträger des Staates, weihte S. Emz. Kardinal Erzbischof von Rio de Janeiro,  Jaime de Barros Câmara unser Land dem
Unbefleckten Herzen Mariens.
Der Präsident Gen. Eurico Gaspar Dutra (l)
Kardinal Jaima de Barros Câmara (r)
Diesem Akt gingen zahlreiche lokale Weihen voraus, in denen Diözesanbischöfe ihre Bistümer dem Herzen Mariens weihten.
Wie bekannt, während der Erscheinungen der Muttergottes an die Hirtenkinder in Fatima, drückte sie den Wunsch aus, dass die gesamte christliche Welt ihrem reinsten Herzen geweiht werde, als Mittel, um die angekündigten Weltkatastrophen zu vermeiden.
Als Antwort auf diesen Aufruf haben die ehrwürdigen brasilianischen Bischöfe beschlossen, an dem Tag, der der Mittlerin aller Gnaden geweiht ist, die Weihe Brasiliens durchzuführen.
Es ist überflüssig zu erklären, mit wie viel Andacht das katholische Brasilien sich dieser schönen Geste angeschlossen hat. Von dem Schutz Unserer Lieben Frau erwarten wir alle die Rettung Brasiliens aus den unzähligen Übeln, die uns derzeit bedrohen, insbesondere aus der Gefahr des roten Faschismus aus Moskau.

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
Legionário vom 2. Juni 1946, Nr. 721 S. 1.
© Nachdruck dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Donnerstag, 18. Juni 2020

Die Weihe an die Muttergottes

Plinio Corrêa de Oliveira

Ich schreibe am Vorabend unserer großen Konzentration auf dem Domplatz. Man braucht jedoch kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass zweifellos der Höhepunkt dieses Abends mit so vielen und so intensiven religiösen Emotionen sein wird, wenn die Erzdiözese São Paulo durch die Stimme ihres Erzbischofs dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht wird.
Ich behalten mich für unsere nächste Ausgabe einen vollständigen Bericht über alles vor, was in dieser großen Manifestation geschehen wird, und möchte vorab ein paar Worte darüber sagen, wie die Kirche Handlungen wie diese Weihe betrachtet.
* * *
Bis 1789 kannte die Welt die als Staatsagnostizismus bezeichnete Aberration nicht. Bei den heidnischen Völkern wie bei den Christen war es eine nicht umstrittene Überzeugung, dass alle Veranstaltungen des öffentlichen Lebens einen religiösen Charakter haben sollten. In den großen Monarchien, in den aristokratischen oder bürgerlichen Republiken wurden alle wichtigen Ereignisse des bürgerlichen Lebens auf religiöse Weise gefeiert: Investitur der Staatsoberhäupter, Feier der Nationalhelden, Verherrlichung von durch Waffen bemerkenswerten errungenen Siegen, Ausdruck großer nationaler Trauer, alles wurde mit religiösen Zeremonien gefeiert, wie Weihen, Danksagungs- oder Requiemmessen, das Te Deum usw. Wie man sieht, waren diese Handlungen nicht ausschließlich symbolisch oder allegorisch. Obwohl sie auch dazu dienten, nationales Lob, Freude oder Trauer offiziell auszudrücken, hatten sie auch einen sehr realen Inhalt, denn es war der religiöse Akt, durch den die nationale Gemeinschaft als solche dem Schöpfer ihre Freuden und Schmerzen, ihren Ruhm und ihre Heimsuchungen übertrug, indem sie sich offiziell versammelte, zu Füßen des dreimal Heiligen Gottes, Ihn anbetete, dankte, sühnte oder um Gnade bat.
Mit der Französischen Revolution begannen öffentliche Handlungen mit rein laienhaftem Charakter. Diese Handlungen versuchten, die öffentlichen religiösen Manifestationen des Ancien régime zu ersetzen – ein Ersatz der nicht selten affenartig war, wie die Anbetung einer halbnackten Schauspielerin, die die Göttin der Vernunft darstellte. Da diese Manifestationen ihres religiösen Inhalts gewaltsam beraubt wurden, reduzierten sie sich nun auf den Zustand hohler Formeln, und hatten so keinen anderen Wert als den einer kalten Allegorie.
In diesen 150 Jahren des Laizismus hat sich die Zusammensetzung der bürgerlichen Allegorien zweifellos weiterentwickelt, und nach und nach haben sich rührende Formeln wiedergefunden, Ausdruck großer literarischer oder szenischer Schönheit, die eine große Menge durchaus beeindrucken konnte. Aber von all dem bleibt am Ende immer der Eindruck von Allegorien, die nur eine flüchtige und unfassbare Figur der Realität sind, Allegorien, die sich kurz nach der Zeremonie in Nichts auflösen, und vergehen, wie alles auf Erden vergeht.
* * *
Leider hatte die religiöse Unwissenheit der Massen dort wie in allem eine unheilvolle Wirkung. Weil sie einen rein allegorischen und konventionellen Inhalt in den laizistischen Manifestationen des Staates spürten, haben die Massen diesen Eindruck fälschlicherweise auf die Zeremonien der Kirche übertragen. Eine sehr gefährliche und leicht erkennbare Tendenz, die im konkreten Fall der Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens eine schädliche Wirkung hat.


Um den Akt, mit dem die Demonstration morgen ihren Höhepunkt erreichen wird, vollständig zu verstehen, müssen wir zuerst jede Idee einer rein symbolischen und bildlichen Zeremonie aus dem Geist streichen. Die Weihe der Erzdiözese an die Muttergottes wird nicht nur ein begeisternder Ausdruck der marianischen Hingabe unseres Volkes sein. Sie wird auch nicht nur eine Haltung der kirchlichen Autorität, um die Masse mit einer größeren Andacht zur heiligsten Mutter Gottes zu imprägnieren. Diese Handlung hat etwas Reales, und das müssen wir wissen. Dieses „Quid“ des Realen ist so authentisch, so tiefgründig, so lebendig, dass selbst wenn die Weihe nicht auf den Stufen der Kathedrale, sondern in einer bescheidenen Kapelle stattfinden würde; selbst wenn sie nicht unter den Augen von Zehntausenden von Gläubigen stattfinden würde, sondern in irgendeiner Katakombenkammer; selbst wenn sie nicht in Gegenwart der Statue von Unserer Lieben Frau von Aparecida sich vollziehen würde, sondern vor einem bescheidenen und dunklen Bildchen, wird sie ihre vollständige Realität intakt beibehalten.
* * *
Wenn sich eine Erzdiözese Unserer Lieben Frau oder insbesondere ihrem Unbefleckten Herzen weiht, setzt ihre Handlung mehrere innere Dispositionen voraus, auf die wir uns konzentrieren wollen:
1. - formell auf alles verzichten, was mit der Heiligen Jungfrau unvereinbar ist, d.h. auf alle Sünden, alle Häresien, alle Nachlässigkeit bei der Ausübung der Religion;
2. – den Vorsatz, die Muttergottes auf ganz besondere Weise zu ehren, zu dienen und zu verherrlichen;
3. – und die Bitte, diese Gesinnung anzunehmen und mit ihrer besonderen Unterstützung die Person zu schützen, die sich ihr so weiht.
In der Weihe legen wir daher einen negativen Vorsatz: nichts gegen die zu tun, der wir uns weihen. Einen positiven Vorsatz: alles für sie zu tun. Es ist eine Bitte: Möge sie diese Gabe annehmen und uns ihrerseits mit ihrer besonderen Vormundschaft schützen.
Nichts davon ist symbolisch. Wenn ernsthaft gedacht, gewollt, durchgeführt, handelt es sich um eine Realität und einen transzendentalen ernstzunehmenden Akt. Diese Dinge können auch nicht ohne Reife und Klugheit vollzogen werden: Wenn man sie leichtfertig durchführt, würde man buchstäblich den Heiligen Namen Gottes missbrauchen.
Unsererseits ist die Weihe sehr ernst. Noch mehr ist sie es für Unsere Liebe Frau.
* * *
In der Tat versprach die Heilige Jungfrau den Hirtenkindern von Fatima die größten Gnaden als Ergebnis der Weihe an ihr Unbeflecktes Herz. Es ist sinnlos, auf der Wichtigkeit eines Versprechens derjenigen zu bestehen, die die Kirche die treueste Jungfrau nennt. Streng genommen ist dieses Versprechen, so tröstlich es auch sein mag, nicht unverzichtbar. Tatsächlich ist Unsere Liebe Frau eine Mutter. Welche eifrige Mutter würde abwesend und fahrlässig auf die Liebeserweise ihrer Kinder hören? Welche Mutter würde vor ihrer Familie, die sich versammelt hat, um ihr Ehre zu erweisen, gleichgültig ihre Gedanken abschweifen lassen und mit größter innerer Kälte all die Zuneigung abweisen, die ihre Kinder ihr bringen? Könnte der heiligsten Jungfrau Maria diese Weihe gleichgültig sein, wenn sie eine ganze Erzdiözese vor sich hat? Würde sie die Augen vor unseren Anliegen schließen und unsere Bitte ablehnen?
Offensichtlich niemals. Und so tiefgreifend die Vorzüglichkeit der Dispositionen der besten und heiligsten Völker ist, sich der Allerheiligsten Maria zu weihen, so wäre Ihre Entschlossenheit, unsere Weihe anzunehmen und zu erwidern noch tiefgreifender.
Daraus lässt sich ableiten, dass die Frucht der Weihe eine echte und besondere Verbindung zwischen dem Herzen Mariens und uns herstellt und dass diese Verbindung, die uns in eine privilegierte Stellung vor der Königin des Himmels bringt, in der geistlichen Ökonomie des Erzbistums einen segensreichen Einfluss haben wird.
* * *
Man könnte einwenden, wenn die Früchte dieser Weihe so stark von unseren inneren Dispositionen abhängig sind, welche Wirksamkeit können wir davon erwarten? Wer von uns vertraut sich so sehr, dass er sicher sein kann, dass seine Weihe gefallen gefunden hat?
Offensichtlich reicht ein fester gemeinsamer Vorsatz aus, damit die Weihe alle ihre Früchte trägt. Aber es gibt noch mehr. Und da berühren wir einen der neuralgischen Punkte der Frage. Solange die Weihe von demjenigen durchgeführt wird, der befugt ist, offiziell im Namen der Erzdiözese zu sprechen, hat sie eine unbestreitbare Wirksamkeit.
Nun, S. Exz., der Hochw. Erzbischof ist das Oberhaupt der spirituellen Herde von São Paulo und hat alle Befugnisse, im Namen des Erzbistums zu sprechen. Der von ihm als Erzbischof offiziell durchgeführte Weiheakt hat in den Augen der heiligsten Jungfrau Maria eine Wirksamkeit, die unsere Sünden nicht täuschen können.
Im Moment, wenn die offizielle Weiheformel von S. Exz. rezitiert wird, ist es sicher, dass sich etwas Objektives und Reales zugetragen wird: Unsere Liebe Frau nimmt die Weihe an und übernimmt die besondere Vormundschaft über das gesamte Erzbistum.
In dieser festen, einfachen, immens realen Wahrheit liegt eine so große Schönheit, dass es unnötig ist, ein Prophet zu sein, um vorherzusagen, dass der Moment der Weihe der schönste dieser großen Nacht sein wird.

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
O “Legionário” Nr. 675, 15.7.1945

© Nachdruck der deutschen Fassung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Dienstag, 1. Oktober 2019

Plinio Corrêa de Oliveira und die hl. Theresia vom Kinde Jesu

Pontifikalamt in der Kirche der Benediktinerabtei in São Paulo
Predigt von Weihbischof Athanasius Schneider im Pontifikalamt
zum Andenken an den 20. Todestag von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira
in der Kirche der Benediktinerabtei St. Benedikt in São Paulo, Brasilien

Liebe Brüder in Unserem Herrn Jesus Christus!
Nach dem Kalender der traditionellen römischen Liturgie, feiern wir heute das Fest der heiligen Theresia vom Kinde Jesu. Die göttliche Vorsehung hat dieses Fest mit dem Geburtstag von Plinio Corrêa de Oliveira zum ewigen Leben in Übereinstimmung gebracht. Die hl. Theresia war eine Prophetin der Neuzeit, als sie uns daran erinnerte, dass die Gnaden der geistigen Kindheit die wirksamsten Mittel sind, die persönliche Heiligkeit zu erreichen, und um gegen die bösen Geister und die Feinde der Kirche zu kämpfen. Die hl. Theresia hatte auch eine große Liebe zur Kirche und da Maria die Mutter der Kirche ist, war sie auch eine völlig marianische Seele. Ein authentisches Kind der Kirche zu sein bedeutet, zugleich eine marianische Seele zu sein. Die hl. Theresia schrieb: „Im Herzen meiner Mutter, der Kirche, werde ich die Liebe sein, so werde ich alles sein, so wird mein Traum in Erfüllung gehen.“
Diese feurigen Worte erklingen wie ein Echo im folgenden persönlichen Zeugnis von Plinio Corrêa de Oliveira im Jahr 1978, am Jahrestag seiner Taufe: „Das ist meine Haltung an jedem Tag, in jeder Minute, in jedem Augenblick: den Blick ständig auf die katholische Kirche gerichtet, um von ihrem Geist durchdrungen zu werden, um sie in mir zu haben. Und sollte sie von allen Menschen verlassen werden, und soweit dies möglich wäre, ohne dass sie aufhörte zu existieren, möchte ich sie vollständig in meiner Seele haben. Ich möchte nur für die Kirche leben. So dass ich in der Stunde meines Todes sagen kann: Wahrlich, ich war ein katholischer Mann, durch und durch apostolisch, römisch, römisch, römisch!“

„Vir totus catholicus et apostolicus plene Romanus.“ Die Inschrift, die wir auf seinem Grabstein lesen auf dem Friedhof Consolação (in São Paulo), gibt uns ein Überblick und eine Zusammenfassung seines gesamten geistlichen Lebens und der Mission, die ihm von Gott anvertraut wurde. Römisch, apostolisch, katholisch sein, bedeutet liebesentflammt für die Kirche sein, die Christus selbst ist als sein mystischer Leib. Die Kirche ist das Reich Christi durch Maria: „Regnum Christi per Mariam“, „Adveniat regnum tuum per Mariam“. Die Ankunft der vollständigen Verwirklichung des Reiches Christi in der Kirche durch Maria, das ist das Motto und der Kern der Lehre und den Apostolates des hl. Ludwig von Montfort. Man kann sagen, dass es der Kern, das Herz, des gesamten Lebens und Wirkens von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira war.
Einer der erfolgreichsten Wege, das geistliche Reich Christi durch Maria zu fördern, ist die vollständige Weihe an Maria, das heilige Sklaventum aus Liebe. Das heilige Sklaventum war der spirituelle Weg vieler Heiligen, die in der Schule des Heiligen Herzens, gelernt haben Gott zu lieben und seinen heiligen Willen zu tun. Heiligen wie die hll. Johannes Maria Vianney, Johannes Bosco, Dominicus Savio, Teresa, Gemma Galgani, Pius X., Pio von Pietrelcina und vielen anderen unserer Zeit haben in der vollkommenen Weihe an die Heilige Jungfrau nicht nur als eine einfache Andacht betrachtet, sondern als die perfekte Andacht, genau wie sie Jesus wollte, als er uns zu Kindern seiner heiligsten Mutter gemacht hat. Prof. Plinio hat dieses heilige Sklaventum nicht nur in aller Treue gelebt, sondern er wurde auch ein wahrer Apostel dieser totalen Hingabe an Maria.
Der hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort
Der innigste Ausdruck der Ganzhingabe an Maria, das heißt, des heiligen Sklaventums, zeigt sich in dem Wunsch nach einer vollständigen und bedingungslosen Hingabe seines Lebens als ein Opfer, um das Reich Christi zu verbreiten und das Reich des Anti-Christen zu verdrängen. Die innere Stimme der Gnade, die zur Seele von Prof. Plinio sprach, hat ihn aufgerufen, den gegenrevolutionären Kampf aufzunehmen. Es war, wie ein prophetischer Blitz der die Wolken seiner Zukunft durchbrochen hat: er sollte nicht sterben, sondern leben, um zu kämpfen. In diesem Kampf gegen das gegenwärtige anti-christliche Reich wurde Prof. Plinio, im Geist der hl. Theresia, geführt vom Wunsch der Ganzhingabe seinerselbst als Opfer für die Kirche und für die christliche Zivilisation.
Im Zweifel zwischen dem Weg der Sühne in Abgeschiedenheit, wie es die hl. Theresia tat, die er zutiefst bewunderte, und dem Weg des offenen Kampfes gegen die Revolution zu wählen, schrieb Prof. Plinio: „Ich beschloss, einen Aspekt des von der hl. Theresia gelehrten Weges zu übernehmen, der darin besteht, Gott Unserem Herrn um nichts zu bitten und nichts zu verweigern. Er besteht darin, alles zu akzeptieren, dass er mir schicken möchte. ‚Si fieri potest transeat ad me calix iste.‘ Ich beschloss, den Kelch bis zur Neige trinken, den mir Gott reichen wollte, mein Opfer bis zum Ende zu vollbringen. Also hörte ich auf, Unserem Herrn irgendetwas für mich zu erbitten, und mich ganz in die Hände Unserer Liebe Frau hingeben.“
Mit alle Fasern seiner Seele wünschte Plinio Corrêa de Oliveira für die Verteidigung der Kirche und der christlichen Zivilisation zu kämpfen. Dieser Kampf schloss die Möglichkeit nicht aus, zu sterben. Er würde sich glücklich fühlen, wenn kämpfend sterben könnte. Ein Tod ohne Kampf war seiner Seele zuwider: „Sterben ist schön. Die Märtyrer sind gestorben, die Opfer der Französischen Revolution sind gestorben. Sich selbst als Opfer darzubringen ist schön! Ein Kranker, der im Bett stirbt, kann sich als Opfer darbringen. Die hl. Theresia vom Kinde Jesu hat sich als Opferlamm angeboten. Aber der Tod im Kampf hat seine eigene besondere Schönheit.“
Bei einer anderen Gelegenheit sagte er: „Das Schöne ist nicht Gott zu bitten, er möge uns den Kampf ersparen. Genau das Gegenteil ist Sache! Nie ist meine Berufung schöner, wenn ich kämpfen muss! Hier erscheint der Kampf in all seiner Pracht. So nimmt der Kampf den Charakter einer Bestätigung des Absoluten an. Gott wohnt in der Seele die kämpft. Wer für die Kirche und für die christliche Zivilisation kämpft, spürt in der Seele die Berührung der Absolutheit Gottes. Und das ist es, was einen zum Helden werden lässt, auch wenn er zerquetscht sterben sollte.“
Der Kampf Prof. Plinio war kein physischer und blutiger Kampf, wie sie zum Beispiel die Kreuzfahrer führten, aber ein kultureller und moralischer Kampf gegen die Feinde der Kirche, der typisch für die Zeit ist, in der er lebte. In diesem Zusammenhang schrieb er: „Ich gebe nicht mein Blut hin, aber mein ganzes Leben. Es sind Stunden um Stunden der aufmerksamen Beobachtungen, der Mühen, der Eingriffe, der Einsätze. Das ist mein Leben! Das ist mein Opfer, so dass jeder Hieb der Gegenrevolution ein Treffer ist. Ich tue dies mit dem Schwung, mit dem die Kreuzfahrer sich in den Angriff auf Jerusalem warfen. Es ist diese Dynamik, die mir den Mut gibt so viele Opfer zu bringen. Ich sehe jede kleine oder große Episode des gegenrevolutionären Kampfes nicht wie eine langweilige, schwer durchzuführende Tat, eine kleine Episode in meinem täglichen Leben. Nein! Im Kampf und im Opfer ist mein tägliches Leben in ein übernatürliches Licht getaucht, und projiziert sich auf eine viel höhere und schönere Ebene. In diesem Licht sehe ich die Schönheit all dessen, was ich tue.“
Er kämpfte für die Muttergottes: „Wenn ich die Wahl hätte, so würde ich gerne die Jungfrau lobend sterben, und trotz meines Alters, würde ich gerne kämpfend sterben, zum Beispiel in der Verteidigung ihres Bildes. Ich würde gerne in einer Kirche unter dem Altar begraben werden, so dass der Priester jedes Mal wenn er die Messe feiert, sie über meinen Körper feiert.“
Plinio Corrêa de Oliveira,
Prior des 3. Ordens der Karmelitaner
Die göttliche Vorsehung hat zwei Seelen zusammengeführt, zwei blühende Blumen im geistigen Garten des Karmel: die hl. Theresia und Prof. Plinio, der lange Jahre Mitglied und Prior des Dritten Ordens der Karmelitaner war, dessen Geist er sein ganzes Leben lang beibehalten hat. Diese zwei Seelen waren sehr unterschiedlich in ihren jeweiligen Außenmissionen, wie gleichartig in ihren inneren Leben. Eine Seele war die kleine Frühlingsblume von Lisieux, eine andere die von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira, ein außergewöhnlicher ‚Miles Christi‘, ein wahrer Ritter Christi in unserer Zeit. Nur Gott könnte eine kleine Frühlingsblume und einen furchtlosen Ritter vereinen. Doch diese Seelen waren vereinigt in der flammenden Liebe zur die Kirche, zur Heiligen Jungfrau Maria, im bedingungsloser Opferbereitschaft zu unserem Herrn Jesus Christus. Sie waren vereint in der Verteidigung des Reiches Christi auf Erden durch Maria: Ad Jesum per Mariam!
Der Schlüssel zum Verständnis des intensiven geistlichen Lebens und den heroischen Eifer für das Reich Christi, dieser beiden auserwählten Seelen ist die Vermittlung Mariens. Beiden lächelte die Madonna in jungen Jahren zu und wählte sie als bescheidene Instrumente, um die Mächtigen dieser Welt und das Reich des Bösen zu verwirren.
Am Festtag der hl. Therese, den zwanzigsten Jahrestag des Ablebens von Plinio Corrêa de Oliveira, hören wir die Worte der Heiligen von Lisieux: „Ich möchte singen, o Maria, weil ich dich liebe. Dein Name ist so süß, dass er mein Herz zum Schwingen bringt. Bald fühle ich die Harmonie deiner Stimme. Bald werden wir dich im schönen Himmel sehen. Du, die du gekommen bist und mir zulächeltest in der Morgendämmerung meines Lebens, komme wieder und lächele mir noch einmal zu. Liebe Frau, der Tag neigt sich. Aber ich habe keine Angst vor dem erhabenen Glanz deiner Herrlichkeit. Mit dir habe ich gelitten und gekämpft, und jetzt will ich auf deinem Schoß singen, o Maria, weil ich dich liebe. Ich werde für alle Ewigkeit immer wiederholen: Ich bin deine Tochter!“
Amen.

Sonntag, 16. Juli 2017

Die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens


Plinio Corrêa de Oliveira


Eines der Merkmale der Verehrung, die wir unserer Lieben Frau schulden, besteht sicherlich darin, dass sie von großer Zärtlichkeit begleitet ist. Und doch besteht die Verehrung aus mehr als nur Zärtlichkeit, Überschwang und Gemütsbewegung.

Um beständig zu sein, ist es wichtig, dass die Marienverehrung auf präzise, exakte und logische Kenntnisse gründet. Nur aus der guten Kenntnis der Wahrheit kann eine dauerhafte und ehrliche Liebe hervorgehen. Die Frömmigkeit muss durch die eingehende Beschäftigung mit der katholischen Lehre bestärkt werden. In dieser wird sie nämlich ihr bestes Fundament und ihre wahre Wurzel finden.

Wenn die Kirche die Weihe von Völkern, Bistümern, Familien und Einzelpersonen an das Heiligste Herz Jesu oder an das Unbefleckte Herz Mariens fördert, so will sie damit erreichen, dass die auf diese Weise Geweihten Elemente, den Entschluss fassen, auf eine ganz besondere Art dem Herzen Jesu oder dem Herzen Mariens anzugehören, indem sie treuer die Gebote befolgen, sich die heiligen Herzen zum Vorbild nehmen und dafür im Gegenzug deren ganz besondere Gunst und Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Weihe ist daher nicht einfach ein Ritus oder eine vage Formel, die im Augenblick frommer Gemütsbewegung ausgesprochen wird. Sie ist vor allem ein wohl durchdachter, bewusster, gewollter und tiefgreifender Akt, der mit dem Vorsatz einer vollkommeneren Eingliederung in das Leben und in die Lehre der heiligen katholischen Kirche verbunden ist, denn nur so ist es möglich, wirklich Jesus und Maria anzugehören.

Es ist leicht zu verstehen, dass eine solche Weihe sowohl von äußerst tugendhaften Menschen vorgenommen werden kann, als auch von solchen, die noch die ersten Gehversuche auf dem Weg zur Vollkommenheit im geistlichen Leben machen. Für die Einen wie für die Anderen ist der Weiheakt von großem Nutzen, weil er auf den, der ihn ausführt, den ganz besonderen Schutz der göttlichen Vorsehung herabruft und ihm damit außergewöhnliche Heilsgarantien versichert.

Viele Katholiken verstehen sehr gut, dass sich jemand dem Heiligsten Herzen Jesu weiht, denn diese vortreffliche Übung ist schon sehr häufig vollzogen worden und die Zahl der dem Herzen Jesu geweihten Familien ist heute - Gott sei Dank! - sehr groß. Sie tun damit ihren festen Vorsatz kund, ihr Leben dem des Heiligsten Herzens Jesu anzupassen und ein wahrhaft frommes, christliches Leben zu führen. Auf diese Weise heiligen sie ihre Standespflichten, indem sie diese im Geiste einer übernatürlichen, opferbreiten Einstellung leben. Für den Erfolg dieser Vorsätze und den Empfang aller damit verbundenen Gnaden empfehlen sie sich ganz besonders dem göttlichen Herzen, das die eigentliche Quelle  alles Guten ist.

Doch allgemein wird der Weihe zum Unbefleckten Herzen Mariens leider weniger Verständnis entgegengebracht. Vielleicht gibt es auch einige, die in den angesprochenen Weihen einen Widerspruch sehen: Wie kann man gleichzeitig zwei Herren angehören, zwei Herzen gehorchen? Widerspricht sich das nicht? Schließt da nicht eine Weihe die andere aus?

Nichts ist haltloser als das. In Wirklichkeit ist die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens eine Ergänzung der Weihe an das Heiligste Herz Jesu. Doch nicht eine überflüssige Ergänzung sondern zweifellos eine kostbare und bewundernswerte Ergänzung, die der Weihe an das Herz Jesu eine wunderbare Wirklichkeit und Vollkommenheit verleiht.

Das Herz Mariens ist par excellence das Reich des Herzen Jesu. Die Einigkeit dieser beiden Herzen ist so vollkommen, dass es Autoren gibt, die sie sozusagen zu einem einzigen Herzen verschmelzen, in dem sie vom Herzen Jesu und Maria sprechen. Die ganze marianische Frömmigkeit gründet auf diese Grundwahrheit, das Maria der Kanal ist, durch den man zu Jesus kommt, Sie ist das Tor, das Leben, der eindeutige Weg, auf dem wir mit höchster Sicherheit, schneller, leichter Unseren Herren Jesus Christus erreichen. So ist die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens das sicherste, leichteste und schnellste Mittel die Vollkommenheit der Weihe an das Herz Jesu zu erreichen.

Einen Weiheakt zu vollziehen ist sicherlich leicht. Sich aber ehrlich, ernsthaft und gewissenhaft weihen, ist jedoch viel schwieriger. Um die notwendigen Bedingungen für eine vollkommene Weihe an Jesus zu erfüllen, ist nichts besser, sicherer, zweckmäßiger als uns Maria zu Weihen.

Christozentrisch denken bedeutet in Jesus Christus die Mitte von allem zu betrachten. Doch der wahre Christozentriker aber weiß, dass es nur einen wahren Weg gibt, der zur Mitte führt; und dieser Weg ist Maria.



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Die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens ist aktueller denn je. Mehr denn jemals zuvor braucht die von Missgeschicken jeder Art geplagte Welt ein mütterliches Herz, dass sich ihrer erbarmt. Daher ist es mehr denn je nötig, dass wir uns an das Herz unserer Mutter wenden, dass wir es anflehen, seine empfindlichsten Fasern rühren, seine innigsten Saiten schlagen, um all seine Barmherzigkeit, all seine Liebe, all seine Hilfe zu erlangen.

Wenn Papst Pius XII. die ganze Welt dem Herzen Mariens geweiht hat, so lasst uns seine Geste nachahmen und gleichsam ergänzen, indem wir uns vorbehaltlos demselben Unbefleckten Herzen weihen. Auf diese Weise werden wir dem Wunsch des Papstes entsprechen und dem von der göttlichen Vorsehung festgelegten Weg folgen.


Legionário Nr. 575,  15.8.1943

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Der befreiende Gehorsam


Plinio Corrêa de Oliveira
in „Folha de S. Paulo“, 20.9.80

Das Echo der zeitlich sehr entfernten Worte, die  der hl. Remigius sprach, als er Chlodwig, den ersten christlichen König taufte, möchte ich, lieber Leser, auffangen und Dir zu Ohren bringen: „Verbrenne, was Du angebet und bete an, was Du verbrannt hast“. Ja, verbrenne den Egoismus, den Zweifel, die Schlaftrunkenheit, und angeregt durch die Liebe Gottes, liebe und diene und kämpfe für den Glauben, für die Kirche und die christliche Zivilisation. Opfere Dich auf. Entsage Dir selbst.

Wie? — So wie es in allen Jahrhunderten diejenigen getan haben, die für Jesus Christus den „guten Kampf“ gekämpft haben (2 Tim 4,7).

Hl- Ludwig Maria Grignion von Montfort
Und noch ausgezeichneter wirst Du es vollbringen können, wenn Du die vom hl. Ludwig Maria Grignon von Montfort selbst verfasste und gerechtfertigte Methode anwendest. Es ist die „Sklavenschaft aus Liebe“ zur Heiligsten Jungfrau.

„Sklavenschaft“ ... Ein grobes und fremdes Wort, vor allem für moderne Ohren, die allzeit gewohnt sind über Unabhängigkeit und Freiheit zu hören und mehr und mehr geneigt sind zur großen Anarchie, die, wie ein Totenkopf mit einer Sichel in der Hand, die Menschen auf der Ausgangsschwelle des 20. Jahrhunderts mit seinem finsteren Lächeln erwartet.

Es gibt aber eine Sklavenschaft, die befreit und eine Freiheit, die versklavt.

Früher sagte man von einem Menschen, der seinen Verpflichtungen nachkam, er sei ein „Sklave seiner Pflichten“ (A.d.Ü.: so die übliche Art in Brasilien. Im Deutschen entsprechend „pflichttreu“). Doch in der Tat war es ein Mensch, der sich auf dem Höhepunkt seiner Freiheit befand. Durch einen ganz persönlichen Akt verstand er, welche ihm zustehende Wege er gehen musste, und fasste mit männlicher Entschlossenheit den Vorsatz sie aufzunehmen. Er überwältigte die bösen Leidenschaften, die versuchten ihn zu blenden, seinen Willen zu schwächen um damit seinen frei gewählten Weg zu versperren. Der Mensch, der diesen hohen Sieg erreicht hatte, schreitete mit sicherem Schritt dem entsprechenden Ziel entgegen. Er war frei.

„Sklave“ war im Gegensatz jener, der sich von seinen ungeordneten Leidenschaften mitreißen ließ in eine Richtung, mit der seine Vernunft nicht einverstanden war und auch sein Wille nicht bevorzugte. Diese echten Besiegten nannte man „Lastersklaven“. Weil sie sich dem Laster versklavten, „befreiten“ sie sich vom gesunden Reich der Vernunft.

Diese Begriffe von Freiheit und Sklaventum behandelte Papst Leo XIII. mit seinem eigenartigen meisterhaften Glanz in der Enzyklika „Libertas praestantissimum“.

Heute hat sich alles umgekehrt. Als Muster eines „freien“ Menschen haben wir den Hippie, der mit einer Bombe in der Hand nach seinem Gutdünken den Terror verbreitet. Doch umgekehrt, wird als zaghaft, unfrei derjenige gehalten, der im Gehorsam der Gebote Gottes und der Menschen lebt.

Nach heutiger Perspektive ist derjenige „frei“, dem das Gesetz erlaubt die Drogen zu kaufen, die er will, sie gebraucht wie es ihm gefällt und um letztendlich... sich ihnen zu versklaven. Tyrannisch und versklavend aber wird das Gesetz angesehen, das dem Bürger untersagt sich den Drogen zu versklaven.

Versklavung ist auch aus dieser schielenden Perspektive der Umkehrung der Werte, das in vollem Bewusstsein und in voller Freiheit geleistete religiöse Ordensgelübde, nach dem sich der Mönch in den Dienst der höchsten christlichen Idealen stellt, unter Ausschluss jeglicher Rückkehr. Um diese freie Entscheidung gegen die Tyrannei seiner eigenen Schwäche zu schützen, unterwirft sich der Mönch in diesem Akt der Autorität seiner wachenden Oberen. Wer sich so bindet, um sich frei zu halten von seinen schlechten Begierden, setzt sich heute aus, als ein niederträchtiger Sklave bezeichnet zu werden. So als ob der Obere ihm eine Last auflegen würde, die seinen Willen einschränken soll. Im Gegenteil, der Obere dient als Handlauf den höheren Seelen, die frei und unerschrocken anstreben bis zur letzten Stufe die Treppe der höchsten Ideale aufzusteigen, ohne der gefährlichen Höhenangst nachzugeben.

Kurz, für einige ist frei, wer mit benebelter Vernunft und gebrochenem Willen, angetrieben vom Wahnsinn der Sinne, die Fähigkeit hat, auf dem Toboggan der schlechten Sitten wollüstig herunterzugleiten. „Sklave“ ist aber der, der seiner eigenen Vernunft dient, mit der Kraft des Willens die eigenen Begierden besiegt, den göttlichen und menschlichen Gesetzen gehorcht und die Regeln der Ordnung anwendet.

Vor allem ist unter dieser Perspektive ein „Sklave“, derjenige, der sich, um seine Freiheit voll zu garantieren, entscheidet, frei sich Autoritäten zu unterwerfen, die ihn dorthin führen, wohin er ankommen will. So weit führt uns die gegenwärtige von Freudismus durchtränkte Meinung!

Mit einer ganz anderen Perspektive entwarf der hl. Ludwig Grignion von Montfort die „Sklavenschaft aus Liebe“ zur Mutter Gottes. Sie eignet sich für jedes Alter und jeden Lebensstand: Laien, Priester, Ordensleute usw.

Was macht das Wort „Liebe“, das so überraschenderweise an das Wort „Sklaventum“ geknüpft wird, da ja dieses den Gedanken einer brutalen Herrschaft eines Starken über einen Schwachen, des Egoisten über den Armen, den er ausbeutet, hervorruft? „Liebe“ ist, in der Philosophie, der Akt durch welchen der Wille in Freiheit etwas haben will. So werden im gewöhnlichen Sprachgebrauch „wollen“ und „lieben“ im gleichen Sinn benutzt. „Sklaventum aus Liebe“ ist der edelste Höhepunkt des Aktes, durch den jemand sich aus freien Stücken einem Ideal oder einer Sache widmet. Oder auch sich an einen anderen bindet.

Die heilige Zuneigung und die Pflichten des Ehebundes besitzen etwas, was bindet, verbindet und adelt. Im Spanischen nennt man Handschellen „esposas“ (A.d.Ü.: Was auf Portugiesisch „Ehegattin“ bedeutet). Der Vergleich bringt uns zum Lächeln. Den Befürwortern der Ehescheidung mag er schaudern lassen, denn er gibt einen Hinweis auf die Unauflöslichkeit der Ehe. Im Portugiesischen sprechen wir vom „Band“ oder eher wörtlicher von den „Ketten“ der Ehe.

Viel bindender als der Stand der Ehe ist jedoch der des Priesters, und in einem gewissen Sinn noch mehr ist es der Stand der Ordensperson. Je höher der frei gewählte Stand, desto stärker ist das Band und echter die Freiheit.

So empfiehlt der hl. Ludwig Grignion, der Gläubige solle sich freiwillig als „Sklave der Liebe“ der Heiligen Jungfrau weihen, indem er ihr in der Eigenschaft eines Sklaven seinen Leib und seine Seele, seine inneren und äußeren Güter und selbst den Wert aller seiner vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen guten Handlungen weiht, und Ihr alles Recht und volle Gewalt überlässt über sich und all sein Eigentum ohne Ausnahme nach Ihrem Wohlgefallen, zur größeren Ehre Gottes in der Zeit und in der Ewigkeit (vgl. „Weihegebet zur vollkommenen Hingabe an Jesus durch Maria“). Maria, als erhabene Mutter, erwirkt im Tausch für ihre „Liebessklaven“ die Gnaden Gottes, die ihren Verstand erhöht zum klaren Verständnis der höchsten Glaubenssätze, die ihren Willen engelhafte Kraft verleiht um sich frei von jeglichem Ballast in die Höhen dieser Ideale aufzuschwingen und alle inneren und äußeren Hindernisse besiegen, die sich ihnen entgegenstellen.

Doch könnte jemand fragen, wie kann ein Mönch diese durchscheinende und engelhafte Freiheit üben, da er ja durch sein Gelübde der Autorität eines Oberen unterworfen ist?

Nichts einfacher als dies. Mönch ist man durch einen Ruf Gottes („Berufung“). Es ist also Gottes Wille, dass ein Ordensmann seinen Oberen gehorcht. Der Wille Gottes ist der Wille Mariens. Wann immer also der Ordensmann sich Maria geweiht hat als ihren „Sklaven aus Liebe“, gehorcht er als Mariensklave seinem Oberen. Die Stimme des Oberen ist für ihn auf Erden, sozusagen die Stimme der Muttergottes selbst.

Der hl. Ludwig Grignion ruft alle Menschen dermaßen vorsichtig auf zu diesen Gipfeln des „Liebssklaventums“, sodass dieses viel Raum lässt für wichtige Nuancen. Sein „Sklaventum aus Liebe“, das von so großer Bedeutung ist für Menschen, die sich durch Gelübde an einen Religionsorden gebunden haben, kann gleichsam von Weltpriestern und Laien praktiziert werden. Denn im Gegensatz zu den Ordensgelübden, die für eine gewisse Zeit oder für das ganze Leben verpflichtend sind, kann der „Sklave aus Liebe“ zu jeder Zeit diesen erhabenen Zustand verlassen, ohne damit eine Sünde zu begehen. Während der Ungehorsam einer Ordensperson gegenüber der Ordensregel sündhaft ist, begeht der Laie „Sklave“ keine Sünde, wenn er der edelmütigen Hingabe widerspricht.

So verbleibt also der Laie in der Eigenschaft eines „Sklaven“ durch einen freien Akt, den er implizit oder explizit täglich, oder besser, jeden Moment wiederholt.

Für alle Gläubigen ist also das „Sklaventum aus Liebe“ diese engelhafte und höchste Freiheit, mit der Maria sie an der Schwelle zum 21. Jahrhundert erwartet: lächelnd, anziehend, sie einladend in ihr Reich, gemäß ihrem Versprechen in Fatima: „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren!“

Komm also, lieber Leser, bekehre Dich und gehe mit mir, mit allen „Sklaven aus Liebe“ zu Maria, in Richtung dieses Reiches der höchstgeordneten Freiheit und der höchstfreien Ordnung, zu dem Dich die Sklavin (ancilla) des Herrn, die Königin des Himmels einladet.

Umgehe die Schwelle in der der Teufel wartet, wie ein schaurig lachender Totenkopf, in der Hand die Sichel der extrem versklavenden Freiheit und der extrem freiheitlichen Versklavung, das heißt, der Anarchie.