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Donnerstag, 29. Oktober 2020

„Irridebit“


Plinio Corrêa de Oliveira

Es war einmal ein intelligentes und starkes Volk, das in einer wunderschönen Region lebte. Alles würde seine Existenz erleichtern in Richtung einer glorreichen Zukunft, wenn da nicht die unzähligen Jahrhunderte der Barbarei wären, die es belastet. Zu der Barbarei kamen noch, die primitiven und rohen Glaubenssätze, heidnische Bräuche, die Sucht, durch Raubkriege auf Kosten der Nachbarn zu leben.

Das war rund um das Jahr 1000. Erstaunt über das erreichte Alter kam sich die zivilisierte Welt schon alt vor. Und einige Extravagante dachten, das Ende stehe bereits bevor.

Nun aber, wurde die Welt - genauer gesagt der Westen – gerade zu dieser Zeit geboren für alle Herrlichkeiten der Zivilisation, die in ihr anschließend glänzten.

Ein wenig überall begannen tapfere Männer, die Völker auf Wegen zu leiten, die zu Wohlstand und Größe führen würden.

Unter diesen Männern waren viele Heilige. Denn die prominenten Männer dieser Zeit waren sich einig, dass der höchste Wert eines Mannes im Wesentlichen darin besteht, ein Heiliger zu sein. Ein Krieger, ein Weiser, ein Monarch oder ein Papst würden nur dann ihr volles Maß erreichen, wenn ihre Weisheit, ihr Heldentum, ihre Fähigkeit, Seelen oder Nationen zu regieren, durch die unübertroffene Kraft des Antriebs der Heiligkeit auf ihren Höhepunkt gebracht würden.

Wir stehen kurz vor dem Jahr 2000. Die Welt war damals im Jahr 1000! Wie hat sich alles verändert! Wo sind heute an der Spitze großer menschlicher Aktivitäten die Männer, die voll von christlichem Saft getränkt sind, die im Jahr 1000 die Welt emporhoben?

Aber – könnte jemand einwenden - wie viel größer ist doch der Fortschritt der Welt in dieser letzten Erwartung des Jahres 2000! ... - Ich werde nicht auf diese bauschige und langatmige Frage eingehen. Jeder, der klar sieht, braucht keine Erklärung. Und für diejenigen, die nicht klar sehen, helfen die Erklärungen auch nicht.

Wie auch immer, in diesem fernen Jahr 1000 hatte die Kirche das Glück, von einem großen Papst regiert zu werden: Silvester II. Seine Seelsorge - oh, wie authentisch sie war! - deckte die gesamte zivilisierte Welt ab und durchforschte die barbarische Welt auf der Suche nach Seelen zur Bekehrung. So vernahm er inmitten dieses barbarischen Volkes eine echte Blüte, die aus den Nächten des Barbarentums hervorging. Es war der junge Herzog Stephan, der die Kirche nach dem Königstitel ersuchte und nach seinem kürzlich konvertierten Land - Ungarn – um die Gnade der Einrichtung einer kirchlichen Hierarchie.

Silvester II. schickte mit seiner väterlichen Zustimmung an die Ufer der Donau, ein Meisterwerk, wie es die Goldschmiedekunst der Zeit nicht hätte schöner machen können. Es war eine königliche Krone, auf deren Gold eingefasste Perlen und Edelsteine in verschiedenen Farben glitzerten. Der junge König übernahm die Krone mit dem Vorsatz, die Hoffnungen des Papstes zu erfüllen. Und vom Jahr 1000 bis heute war kein König von Ungarn größer als er. Die Kirche hat ihn heiliggesprochen und setzte ein Festtag für ihn in ihrem Kalender ein. Und seitdem erhebt sich an diesem Festtag auf der ganzen Welt aus den Herzen der Gläubigen die gleiche Bitte: „Heiliger Stephan, bitte für uns“.

Während dieser tausend Jahre wurde die Krone des hl. Stephan vom ungarischen Volk ohne Unterbrechung als Symbol für die Souveränität des Landes angenommen. Nur derjenige, der sie besaß, wurde als authentischer König akzeptiert.

Und das ist bis heute so geblieben.

Nach dieser Beschreibung gehen wir über — oder besser stürzen wir — vom ungarischen Buchmalereipanorama des hl. Stephan ins ungarischen Albtraumpanorama des Janos Kadar hinab. Der hl. Stephan, unter dem erhabenen und väterlichen Einfluss von Silvester II. auf der einen Seite. Auf der anderen Janos Kadar, ferngesteuert von Breschnew. Könnte der Fall schwindelerregender sein?

Kommunisten der ganzen Welt behaupten, dass mit dem Einmarsch sowjetischer Truppen Ende 1944 in Ungarn und der Errichtung des atheistisch-kommunistischen Regimes im Land die Menschen vom Joch ihrer traditionellen Strukturen endlich befreit wurden. Und erkannten in echter Freiheit - das heißt in der des Kommunismus - das wahre Licht, das heißt das des Atheismus. Ab 1945 hat das ungarische kommunistische Regime nichts anderes getan, als die Religionsfreiheit einzuschränken und alle Formen von psychologischem und polizeilichem Druck einzusetzen, um alles, wofür die Krone ein Symbol war, aus dem nationalen Geist zu entfernen.

Die Fakten belegen jedoch, dass die Bemühungen der neuen Herrscher wenig eingebracht haben.

So hielt die ungarische Regierung Kardinal Mindszenty, den Primas von Ungarn, jahrelang gefangen in der US-Botschaft in Budapest. Dieser betagte, isolierte Prälat, dem im Land des hl. Stephan das schwerste Schweigen auferlegt worden war, störte den Schlaf der Herrscher, trotz der Unterstützung der ganzen Macht ihrer Kanonen, ihrer Zensur und ihrer Polizei. Und sie ruhten nicht, bis sie es schafften, das Paul VI. zum Gehorsam griff - der einzigen Kraft, vor die sich der große antikommunistische Kardinal verneigte —, um ihn aus Ungarn zu entfernen.

Das war aber nicht genug. Die kommunistische Regierung schaffte es dann erneut mit Unterstützung des Heiligen Stuhls, dass alle ungarischen Bischöfe dem Staat die Treue schwören (s. Bild links). Es war das Ungarn von Kadar, oder besser das Pseudo-Ungarn von Kadar, das sich auf die Überreste oder den Schein des Ungarn des hl. Stephan stützte, um zu versuchen, zu überleben.

Der letzte Schritt dieser Politik wurde gerade getan.

Jeder weiß, dass am Vorabend des Aufstiegs des kommunistischen Regimes in Ungarn, haben Ungaren, deren Namen von den Zeitungen nicht veröffentlicht werden, das Symbol der Legitimität aller Macht in Ungarn, d.h. die Krone des Heiligen Stephan, verhindert, dass sie in die Krallen des Eindringlings falle. Sie wurde einer irdischen Macht anvertraut, der größten und reichsten, die die Geschichte jemals gekannt hat.

Indessen konnten Breschnews Prokonsule in Budapest weiterhin nicht ruhig schlafen. Denn die Menschen in Ungarn erkannten beharrlich die Macht dieser Abenteurer nicht an, auf deren Stirn die St.-Stephans-Krone nicht glänzte.

Wie konnten sie mit ihren Kanonchen die Amerikaner mit deren Superkanonen erschrecken, um die Herausgabe der unvergleichlichen Reliquie zu erpressen?

Es ist nicht sicher, ob Breschnew darüber angefragt wurde. Wenn ja, wird er auf jeden Fall gelächelt und gesagt haben: „Na, na, Kanonen! Gibt es etwas Älteres und Nutzloseres in dieser Zeit der „Entspannung“, „Ostpolitik“, Carter und Paul VI.? Mit Schmeichelei wird man viel leichter die Zugeständnisse erhalten, die sie uns machen möchten.“

Und da sind die Fakten. Um den ungarischen Kommunisten zu helfen, an der Macht zu bleiben, händigt der höchste Potentat der mächtigsten Demokratie des Westens Kadar die Krone aus, die Reliquie, die der amerikanischen Nation als Ehrenverwahrer anvertraut wurde. Carter schickt Außenminister Vance, um sie in einer spektakulären Zeremonie dem Mann zu übergeben, der das Gegenteil des apostolischen Königs ist, d.h. dem materialistischen Despoten.

In diesem Zusammenhang gab ein Sprecher des Vatikans ein Kommentar ab, der ein mehrdeutiges und vielleicht etwas verlegenes Flüstern wert ist. Um allen Ungarn zu demonstrieren, dass die Kirche der Übergabe der Reliquie an den kommunistischen und atheistischen Diktator zugestimmt hatte, war Kardinal Leckai, Erzbischof von Ezstergom, bei der Übergabe der Krone anwesend. Der Nachfolger – „horresco referens“ - von Kardinal Mindszenty.

Beide - Vance und Leckai - rufen den Ungarn vor den Augen Gottes, der Welt und der Geschichte zu: „Die Kirche und die Vereinigten Staaten unterstützen, dass euer Genick als Getaufte und mit ihm eure Herrlichkeit als souveränes und christliches Volk von den atheistischen Kommunisten, Moskauer Prokonsuln, zerschlagen wird“.

Wir sind sicher, dass unzählige Ungaren innerhalb und außerhalb Ungarns ihrerseits unter Tränen der Empörung auf diesen Schrei antworteten: „Hl. Stephan, bitte für uns“.

Dasselbe sagen in den Tiefen der Seele unzählige Brasilianer, von denen einige aufgrund der Apathie, die in die gesündesten Meinungsbereiche eingedrungen ist, schlafen.

Diese Bitte wird nicht umsonst im Himmel angekommen sein. Mit Wiedereinführung der Reliquie in Ungarn schuf Kadar einen wertvollen Umstand, um die Fürsprache des hl. Stephan für sein Volk noch brennender zu machen. Mit der unbekümmerten Hilfe von Carter und Paul VI. kam die Symbol-Krone, die Reliquien-Krone, nach Ungarn, deren Anwesenheit möglicherweise Legionen von Engeln und Gnadenflüssen auf das Land herab ruft, so dass das ungarische Volk das Joch abschütteln wird, unter dem es liegt.

Meine Gedanken richten sich auf die Verantwortlichen der Rückkehr der Krone. Und ein Satz kommt mir auf die Lippen: „Qui habitat in coelis irridbit eos“. Der im Himmel wohnt lacht; der Herr spottet ihrer“, sagt die Heilige Schrift (Ps 2,4).

„Irridebit“ (spottet): das ist das rechte Wort!

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in „Folha de S. Paulo“ vom 16. Januar 1978

 

© Nachdruck der deutschen Fassung dieses Beitrags ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Dieser Beitrag erschien in deutscher Sprache zuerst im Blog „Plinio Corrêa de Oliveira zum  100. Geburtstag“.

Bild Stephanskrone: https://www.fotomarburg.de/gaeste/szelenyi/zoom01/html in Ökumenisches Heiligenlexikon

Samstag, 24. März 2018

Wir unterstützen unsere katholischen verfolgten Glaubensbrüder in China - Brief an Kardinal Zen Ze-kiun


 
Kardinal Zen Ze-kiun

Eminenz
Joseph Kardinal Zen Ze-kiun
Hong Kong – VRChina

Hochw. Eminenz,

Das Institut Plinio Corrêa de Oliveira, eine Bürgervereinigung, die das Werk des angesehenen Professors forsetzt, dessen Namen es trägt, und autonome Schwestervereine in den fünf Kontinenten, widmen sich der Verteidigung der grundlegenden Werte der christlichen Zivilisation. Ihre Direktoren, Mitglieder und Sympathisanten sind römisch-katholisch, die gegen die Angriffe von Kommunismus und Sozialismus kämpfen.
Der heroische Widerstand der romtreuen Untergrundkirche
Die fundamental antikommunistische Haltung, die sich aus den katholischen Überzeugungen der Mitglieder unserer Organisationen ergibt, wurde bestärkt durch den heroischen Widerstand der chinesischen romtreuen „Untergrundkirche“, deren Bischöfe, Priester und Millionen Katholiken sich weigern, der sogenannten Patriotischen Kirche, die gegenüber Rom schismatisch und von der zentralen Macht Pekings völlig abhängig ist, sich zu unterwerfen
„Selig die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen, denn ihrer ist das Himmelreich!“ (Mt 5,10); „Wenn die Welt euch hasst, so wisst, sie hat mich vor euch gehasst. Wäret ihr von der Welt, würde die Welt euch als das Ihrige lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch auserwählt habe aus der Welt, darum hasst euch die Welt“ (Joh 15,18-19).
Widerstandserklärung von Plinio Corrêa de Oliveira in Jahre 1974
Diese göttlichen Worte Unseres Herrn Jesus Christus drücken unsere Bewunderung für die einzige katholische Kirche in China aus, die heute unter dem kommunistischen Stiefel steht und in Eurer Eminenz ein ausgezeichnetes Mitglied und Sprecher besitzt. Wir sehen in diesen verfolgten Katholiken weitere Brüder im Glauben, an die die von dem bedeutenden brasilianischen katholischen Denker und Mann der Tat Plinio Corrêa de Oliveira (1908-1995) verfasste Widerstandserklärung gerichtet ist. Corrêa de Oliveira ist der Gründer der Brasilianischen Gesellschaft zur Verteidigung von Tradition, Familie und Privateigentum (TFP) und Inspirator der TFPs und verwandten Organisationen in den fünf verschiedenen Kontinenten. Das Dokument trägt den Titel Die Enstspannungspolitik des Vatikans mit kommunistischen Regierungen - für die TFP: sich enthalten? Oder widerstehen? (1)
Wie E. Eminenz in dieser Erklärung von 1974 sehen können, bemühte sich die vatikanische Diplomatie um eine listige Politik der Annäherung an die kommunistischen Regime in Osteuropa und in Lateinamerika, die den wahren Katholiken schwer schaden und zur Unterwerfung der katholischen Kirche unter die roten Despoten führen würde.
Sympathien gegenüber den Kommunistischen Regimes: Ratlosigkeit unter den Katholiken
Am 7. April 1974 gab die Presse der größten Stadt Südamerikas (siehe „O Estado de S. Paulo“) ein Interview mit Msgr. Agostino Casaroli heraus, in dem dieser behauptete, dass auf der unglücklichen Insel Kuba, unterdrückt vom Fidel-Castro-Kommunismus, „die Katholiken glücklich sind innerhalb des sozialistischen Regimes“. Und weiter sagte Msgr. Casaroli: „Die kubanische katholische Kirche und ihr geistlicher Leiter versuchen immer, dem sozialistischen Regime, das die Insel regiert, keine Probleme zu bereiten.“
Diese Äußerungen des hohen vatikanischen Gesandten, — die mit Positionen anderer Prälaten, die mit dem Kommunismus zusammenarbeiteten, übereinstimmten —, riefen bei den Katholiken, die der unveränderlichen sozialen und wirtschaftlichen Lehre Leos XIII., Pius XI. und Pius XII. folgten schmerzhafte Überraschungen und moralische Traumata hervor. Diese Ostpolitik, wie sie benannt wurde, war eine Quelle der Ratlosigkeit und der Sorge und erweckte im Innersten vieler Seelen die schmerzlichsten Dramen. Denn weit über die sozialen und wirtschaftlichen Belange hinaus erreichten sie das grundlegendste, lebendigste und zärtlichste in der Seele eines römisch-apostolischen Katholiken: seine geistliche Bindung an den Stellvertreter Jesu Christi.
Die Entspannungsdiplomatie des Vatikans mit den kommunistischen Regierungen warf eine äußerst peinlichen Gewissensfrage auf: Ist es den Katholiken erlaubt, eine vom Heiligen Stuhl empfohlene Richtung nicht einzugehen? Ist es legitim, den Widerstand gegen den Kommunismus aufzugeben?
China heute: Bischöfe werden zum Rücktritt bedrängt
Heutzutage befinden wir uns in einer ähnlichen, doch wesentlich gefährlicheren Situation, angesichts der Politik des Vatikans bezüglich der sogenannten Peking-hörigen Patriotischen Kirche.
In der Tat war die katholische Welt schockiert über den China-Besuch einer vatikanischen Delegation unter der Leitung von Erzbischof Claudio Maria Celli, der im Auftrag von Papst Franziskus die legitimen Hirten der Diözesen Shantou und Mindong bat, ihre Diözesen und Herden den unrechtmäßigen, von der kommunistischen Regierung ernannten und somit von Rom getrennten Bischöfen zu übergeben.
Merkwürdige Lobeshymnen und mitschuldiges Schweigen
Als erschreckende und verstärkte Wiederholung der Äußerungen von Msgr. Casaroli auf Kuba wurden die Worte von Msgr. Marcelo Sánchez Sorondo, Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften und der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften, bekannt als enger Berater des Heiligen Vaters, vernommen. Laut der Turiner Zeitung La Stampa vom 2. Februar diesen Jahres sagte er: „In diesem Moment sind jene, die die Soziallehre der Kirche am besten verwirklichen, die Chinesen [...]. Die Chinesen suchen das Gemeinwohl, unterordnen die Dinge dem Allgemeinwohl.“
Nach dem Besuch des Landes, das von einer noch härteren Diktatur zerschlagen wurde als das Kubanische, hat Msgr. Sánchez Sorondo, weiter in der Art von Msgr. Casaroli erklärt: „Ich habe ein ausgezeichnetes China vorgefunden; was die Menschen nicht wissen, ist, dass das zentrale chinesische Prinzip Arbeit, Arbeit, Arbeit ist. Es gibt keine Slums, keine Drogen, die Jugend hat keine Drogen [...] [China] verteidigt die Würde der Person [...]”.
Kein einziges Wort über die religiöse Verfolgung, die der Kommunismus unseren Glaubensbrüdern auferlegt — Bischöfen, Priestern und eingesperrten Gläubigen —, und auch nicht über die systematische und universelle Verletzung der Grundrechte des nach dem Ebenbild Gottes geschaffenen Menschen.
Die umstrittenen und falschen Aussagen dieses hochrangigen vatikanischen Prälaten gehen weit hinaus über die Äußerungen von Msgr. Casaroli im Jahre 1974 auf Kuba hinaus, und verletzen viel tiefer das aufrichtige christliche Gewissen.
Vor dem Kommunismus: Widerstand
Das Drama der gegenwärtigen Situation der chinesischen Katholiken ist das gleiche aller Gläubigen, die vor dem kommunistischen Leviathan durchhalten wollen. Heute wie gestern, unter dem Druck der Diplomatie des Heiligen Stuhls, um ein ungehöriges Abkommen mit dem kommunistischen Regime zu akzeptieren, stehen sie vor einem sehr ernsten Gewissensproblem: Ist es erlaubt, Nein zum Ostpolitik des Vatikans zu sagen und weiterhin, wenn es notwendig sein wird, dem Kommunismus bis zum Martyrium zu widerstehen?
Plinio Corrêa de Oliveira, Gründer der TFP Brasiliens
In der erwähnten Erklärung des Widerstandes, bekräftigte Prof. Plinio Corrêa de Oliveira (ohne Einspruch von Paul VI. oder seinen Nachfolgern erhalten zu haben), dass es für Katholiken nicht nur ein Recht, sondern sogar eine Pflicht ist, die Haltung des Widerstands des Apostels Paulus gegenüber dem ersten Papst Petrus nachzuahmen:
„Als der erste Papst, der hl. Petrus, Disziplinarmassnahmen hinsichtlich des Weiterbestehens aus der alten Synagoge überkommener Gebräuche im katholischen Gottesdienst ergreifen wollte, sah der hl. Paulus darin eine ernste Gefahr zur Verwirrung in grundsätzlichen Dingen und zum Schaden für die Gläubigen. Deshalb erhob er sich und „widerstand“ dem hl. Petrus „ins Angesicht“ ( Gal. 2, 11). Dieser sah in der feurigen und inspirierten Tat des Völkerapostels keinen Akt der Rebellion, sondern der Einigkeit und brüderlichen Liebe. Und im genauen Wissen darüber, worin er unfehlbar war und worin nicht, gab er den Argumenten des hl. Paulus nach. Die Heiligen sind Vorbilder für die Katholiken. In dem Sinne, in dem der hl. Paulus Widerstand leistete, ist unsere Lage eine solche des Widerstandes.
Widerstehen bedeutet, dass wir den Katholiken raten werden, den Kampf gegen die kommunistische Doktrin mit allen erlaubten Mitteln fortzusetzen zur Verteidigung des Vaterlandes und der bedrohten christlichen Zivilisation.
Widerstehen bedeutet, das wir niemals unwürdige Mittel des Protestes anwenden werden; und noch weniger werden wir Haltungen einnehmen, die in irgendeinem Punkt von der Verehrung und dem Gehorsam abweichen, die man dem Summum Pontifex in den Grenzen des kanonischen Rechts schuldet.
Die Kirche ist nicht, die Kirche war nie, die Kirche wird niemals solch ein Kerker für die Gewissen sein. Das Band des Gehorsams gegenüber dem Nachfolger Petri, das wir niemals zerreißen werden, das wir aus tiefster Seele lieben, dem wir unsere beste Liebe widmen, dieses Band küssen wir zur gleichen Zeit, in der wir, durch den Schmerz zermalmt, unsere Haltung bekräftigen. Und kniend, den Blick mit Verehrung auf das Bild Seiner Heiligkeit Papst Pauls VI. geheftet, bringen wir ihm all unsere Treue zum Ausdruck.
In diesem Akt kindlicher Verehrung und Gehorsamkeit sagen wir dem Hirten der Hirten:
Unsere Seele gehört Euch, unser Leben gehört Euch. Befehlt uns, was Ihr wollt! Befehlt uns nur nicht, dass wir die Arme verschränken vor dem roten Wolf, der uns angreift! Dem widersetzt sich unser Gewissen.
Der furchtlose Widerstand des damaligen Kardinals Paul Yü Pin
Schon in den siebziger Jahren hatten wir die Freude, in der glorreichen Reihe des chinesischen Episkopats den furchtlosen Widerstand des berühmten Landsmanns Eurer Eminenz, des Kardinals Paul Yü Pin, zur Kenntnis zu nehmen, als er noch Erzbischof von Nanjing und Rektor der Katholischen Universität von Taipei, Formosa war (vgl. „The Herald of Freedom“vom 15.2.1974, nach einer Pressemiteilung der Religious News Service).
Der Kardinal sagte der oben genannten Agentur (wie Eure Eminenz jetzt ratifizieren), dass es eine Illusion wäre zu erwarten, dass das kommunistische China seine antireligiöse Politik ändern würde.
Präsident Xi Jinping selbst bestätigt diese Behauptung, als er auf dem 19. Kongress der KP Chinas betonte, dass „die Kultur ... für die Sache des Sozialismus in Übereinstimmung mit der Orientierung des Marxismus verwendet werden sollte“; und deswegen die Religion eine „chinesische Orientierung“ haben und sich an die sozialistische Gesellschaft, die von der Partei geleitet wird, anpassen muss. („The Washington Post“, 18.10.2017).
China: Glaubensunterricht im Untergrund
Der Dialog mit dem Kommunismus ist eine Illusion
Zurück zu Kardinal Yü Pin: Vor 40 Jahren fügte er hinzu: „Wir wollen den ewigen Werten der internationalen Gerechtigkeit treu bleiben [...] Der Vatikan kann anders handeln, das würde uns aber wenig beeindrucken. Ich denke, die Hoffnung, dass ein Dialog mit Peking den Christen auf dem [chinesischen] Kontinent helfen würde, illusorisch ist. [...] Der Vatikan erreicht nichts für die Christen in Osteuropa. [...] Wenn der Vatikan die Religion nicht schützen kann, hat er nicht viel Grund, das Thema weiter zu verfolgen. [...] Wir wollen unserem Mandat treu bleiben, aber wir sind Opfer der kommunistischen Repression. Unter einer solchen Annäherung [des Vatikans mit dem kommunistischen China] würden wir unsere Freiheit verlieren. Als Chinesen müssen wir für unsere Freiheit kämpfen.“
Zu diesen klaren und kraftvollen Bemerkungen, die an den „Widerstand“ des hl. Paulus „im Angesicht“ des hl. Petrus erinnern (Gal 2, 11), fügte der Prälat diese bewegende Vorhersage hinzu: „Es gibt eine Untergrundkirche in China. Die Kirche in China wird überleben, wie die frühen Christen in den Katakomben überlebt haben. Und das könnte für die Chinesen eine echte christliche Wiedergeburt bedeuten.“
Mutergottes, Kaiserin von China. Auf der ersten Synode der chinesischen Bischöfe in Shanghai 1924 weihten Erzbischof Celso Constantini, Apostolischer Legat in China und 150 Bischöfe China, die Mongolei, Tibet und die Mandschurei der Jungfrau Maria.

Bekunden, Behaupten, Erheben
Das Institut Plinio Corrêa de Oliveira und die angeschlossenen Vereine aus der ganzen Welt sowie die Tausenden Katholiken, die sich dieser Botschaft der moralischen Unterstützung mit ihrer Unterschrift anschließen:
1. Bekunden Eurer Eminenz, der gesamten Hierarchie, dem Klerus und dem katholischen Volke Chinas ihre Bewunderung und moralischen Solidarität in dieser Stunde, in der es eilt, den Widerstand gegen den kommunistischen Moloch und die Vatikanische Ostpolitik zu erheben. Die Bischöfe und Priester der verfolgten Kirche im Untergrund in China, die jetzt Widerstand leisten, sind für die ganze Welt ein lebendiges Symbol des „guten Hirten, der sein Leben für die Schafe hingibt“.
2. Behaupten, dass sie aus dem epischen Beispiel der gegenwärtigen Märtyrer, die in China beharrlich durchhalten, Stärke, Kraft und unbesiegbare Hoffnung schöpfen. Unsere katholischen Seelen rufen diesen edlen Opfer zu: „Tu gloria Jerusalem, tu laetitia Israel, tu honorificentia populi nostri“ (Jdt 15,9) Diese Märtyrer sind der Stolz der Kirche, die große Freude der Gläubigen, der große Ruhm und die Ehre derer, die den heiligen Kampf fortsetzen.
3. Erheben ihre Gebete zur Muttergottes, der Kaiserin von China, damit sie mit mütterlicher Fürsorge ihren Kindern zur Hilfe komme und ihnen Mut gebe, treu zu bleiben in diesem Kampf unter so grausamen feindlichen Umständen.

São Paulo, den 25. Februar 2018
Institut Plinio Corrêa de Oliveira

(1) Den Wortlaut der Widerstandserklärung zur Ostpolitik des Vatikans 1974 können Sie hier lesen:

Dieser Brief wird auch unterstützt und Unterzeichnet von:
Deutsche Gesellschaft zum Schutze von Tradition, Familie und Privateigentum (TFP) – Frankfurt am Main — http://www.tfp-deutschland.de

Deutsche Vereinigung für eine Christliche Kultur (DVCK) e.V. – Frankfurt am Main — http://www.dvck.de

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Widerstandserklärung 1974



DIE ENTSPANNUNGSPOLITIK DES VATIKANS

GEGENÜBER DEN KOMMUNISTISCHEN REGIERUNGEN

Die TFP vor der Frage: Schweigen oder Widerstand leisten?



I. DIE TATSACHEN

Die Bevölkerung von São Paulo wurde gestern über die Tagespresse informier, welche Ergebnisse die Reise nach Kuba des Sekretärs des Rates für die öffentlichen Angelegenheiten des Vatikans, Msgr. Agostino Casaroli gebracht hat. Diese Ergebnisse hat Msgr. Casaroli selbst in einem Interview mitgeteilt (vgl. "O Estado de São Paulo" vom 7.4.74). Seine Exzellenz versicherte, dass „die in Kuba lebenden Katholiken unter dem sozialistischen Regime glücklich sind“. - Es braucht nicht gesagt zu werden, um welche Art von sozialistischem Regime es sich da handelt; denn es ist bekannt, dass das gegenwärtige Regime in Kuba kommunistisch ist.
Über dieses Regime des Fidel Castro führte Msgr. Casaroli weiter aus: „Die Katholiken, wie überhaupt das kubanische Volk, haben nicht die geringste Schwierigkeit mit der sozialistischen Regierung“.
Vielleicht mit dem Wunsch, diesen verblüffenden Äußerungen einen gewissen Hauch von Unparteilichkeit zu geben, bedauerte Msgr. Casaroli, dass die Zahl der Priester auf Kuba ungenügend sei: nur zweihundert. Er fügte hinzu, dass er Fidel Castro um größere Möglichkeiten für den öffentlichen Gottesdienst gebeten habe, und versicherte schließlich ganz unerwartet, dass „die Katholiken der Insel in ihrem Glaubenrespektiert werden, wie alle anderen Bürger auch“.
Schon bei einer kurzen Betrachtung dieser Erklärungen merkt man bestürzt, dass Msgr. Casaroli zugibt, dass die kubanischen Katholiken Einschränkungen in ihrem öffentlichen Gottesdiensten erleiden, und gleichzeitig behauptet, dass sie „in ihrem Glauben respektiert werden“. Als ob das Recht auf öffentlichen Gottesdienst nicht eine ihrer heiligsten Freiheiten wäre.
Wenn die nichtkatholischen Untertanen des kubanischen Regimes genauso respektiert werden wie die katholischen, muss man sagen, dass in Kuba niemand respektiert wird...
Worin besteht also dieses „Glück“"‚ das die kubanischen Katholiken nach Msgr. Casaroli geniessen? Es scheint das harte Glück zu sein, welches das kommunistische Regime allen seinen Untertanen gönnt, nämlich, den Kopf zu beugen. Msgr. Casaroli behauptet nämlich, dass "die katholische Kirche in Kuba und ihre geistlichen Führer stets bemüht sind, dem sozialistischen Regime, welches die Insel regiert, keine Schwierigkeiten zu machen".
Msgr. Agostino Casaroli
Sieht man aber tiefer, so führen die Beobachtungen die der hohe Würdenträger des Vatikans auf seiner Reise gemacht hat, zu Folgerungen.
Wenn Papst Paul VI. heute mehr denn je zuvor die Wichtigkeit normaler materieller Lebensverhältnisse als eines Faktors betont, der die Ausübung der Tugend begünstigt, so ist nicht denkbar, dass Msgr. Casaroli die kubanischen Katholiken „unter dem sozialistischen Regime“ Fidel Castros für „glücklich“ halten kann, wenn diese im Elend versinken. Daher müssen wir annehmen, dass - nach den Aussagen Msgr. Casarolis - die Katholiken in Kuba eine wenigstens erträgliche wirtschaftliche Lage genießen.
Nun weiß aber jeder, das dies nicht stimmt. Und erst recht wissen es die Katholiken, die die Enzykliken von Leo XIII., Pius XI. und Pius XII. ernst nehmen, dass dies nicht so sein kann; denn diese Päpste lehren, dass das kommunistische Regime das Gegenteil der natürlichen Ordnung ist und dass der Umsturz der natürlichen Ordnung - in der Wirtschaft wie auf jedem anderen Gebiet - nur katastrophale Früchte tragen kann.
Wenn nun irgendwo auf der Welt kindlich-naive oder über die wahre Soziallehre der Kirche schlecht unterrichtete Katholiken die Ergebnisse von Msgr. Casarolis Erkundungen in Kuba lesen, werden sie zu einem der Wirklichkeit diametral entgegengesetzten Schluss kommen, nämlich, dass sie von der Einführung des kommunistischen Regimes in ihrem Land nichts zu befürchten haben. Denn in diesem falle werden sie ja vollkommen „glücklich“ sein, sei es in ihren religiösen Interessen oder in ihrer materiellen Situation.
Es ist schmerzlich, das sagen zu müssen, aber die offen zutage liegende Wahrheit ist diese: Msgr. Casarolis Kubareise endete mit einer Werbung für das Kuba Fidel Castros.
Dieses schreckliche Ereignis, wenn man es an sich betrachtet, ist ein Schritt in der Entspannungspolitik, die der Vatikan seit langem im Verhältnis zu den kommunistischen Regierungen betreibt. Verschiedene dieser Schritte sind der Öffentlichkeit wohl bekannt.
Einer davon war die Reise , die S.E. Kardinal Willebrands, der Präsident des Sekretariats für die Einheit der Christen, 1971 nach Russland unternommen hat. Der offizielle Anlass des Besuches war die Teilnahme an der Einführung von Bischof Pimen in das Amt des orthodoxen Patriarchen von Moskau. Pimen ist bei den Atheisten im Kreml der Vertrauensmann für religiöse Angelegenheiten. Schon der Besuch an sich war ein enormer Prestigegewinn für den ortodoxen Prälaten, der mit Recht als „bête noire“ aller nichtkommunistischen "Orthodoxen" der ganzen Welt angesehen wird. In einer Rede vor der Synode, die ihn gewählt hatte, behauptete Pimen, der Akt, durch den im Jahre 1595 die Ukrainer aus dem Schisma zur katholischen Kirche zurückgekehrt sind, sei ungültig gewesen. Mit anderen Worten heißt das: Er erklärte, dass die Ukrainer nicht der Jurisdiktion des Papstes unterstehen dürften, sondern der Pimens und seinesgleichen. Anstatt gegen diesen himmelschreienden Angriff auf die Rechte der katholischen Kirche und der Gewissen der ukrainischen Katholiken Stellung zu nehmen, hüllten sich Kardinal Willebrands und die Delegation, die ihn begleitete, in Schweigen. Wer schweigt, stimmt zu, lehrt das römische Recht. Entspannung...
Natürlich hat diese Kapitulation diejenigen unter den Katholiken, die mit beständiger Aufmerksamkeit die Politik des Vatikans begleiten, aufs tiefste betroffen. Der Schock war noch größer unter den Millionen ukrainischen Katholiken, die in Kanada, den USA und anderen Ländern verstreut sind. Und er hing zusammen mit den dramatischen Auseinandersetzungen zwischen dem Vatikan und S.E. Kardinal Slipyj, dem tapferen Ober-Erzbischof der Ukrainer, während der Bischofssynode in Rom im Jahre 1971.
Kardinal Slipyj
In diesem Zusammenhang ist auch das Verhalten S.E. des Kardinals Silva Henriquez, Erzbischof von Santiago (Chile), ein weiterer Akt der Entspannung mit den kommunistischen Regierungen. Wie bekannt - und die chilenische TFP hat es in einem leuchtenden Manifest, das auch in der brasilianischen Presse veröffentlicht wurde, bewiesen - hat der chilenische Kardinal das ganze Gewicht des Einflusses und der Autorität seines Amtes eingesetzt, um den Aufstieg des Marxisten Allende zur Macht, seine feierliche Amtsübernahme und seine Aufrechterhaltung an der Regierung bis zu dem tragischen Augenblick, in dem der atheistische Führer Selbstmord beging, zu unterstützen. Mit einer Geschmeidigkeit, die nicht dazu beiträgt, ein gutes Bild von ihm zu geben, versuchte Kardinal Silva Henriquez, sich durch einige öffentliche Erklärungen dem Stand der Dinge, die dem Regime Allendes folgten, anzupassen. Seine ständigen Sympathieäußerungen für die chilenischen Marxisten hörten damit aber nicht auf. Vor kurzem noch zelebrierte S.E. in der Kapelle des erzbischöflichen Palais ein Requiem für die Seele eines anderen Kommunisten, des „Genossen“ Toha, Ex-Minister Allendes, übrigens ebenfalls ein unglücklicher Selbstmörder. Dem Akt wohnten Familienangehörige und Freunde des Verstorbenen bei (vgl. "Jornal do Brasil" vom 18-3-74).
Es ist nicht sicher, dass der Purpurträger wegen all dieser Handlungen und Stellungnahmen, die wahrlich geeignet sind, die Katholiken dem Kommunismus anzunähern, die geringste Mahnung erlitten hat. Sollte jemand geglaubt haben, dass er seine Erzdiözese deswegen verlieren würde, so hätte er bis jetzt umsonst gewartet. Kardinal Silva Henriquez bleibt ruhig weiter mit der Aufgabe betraut, die Seelen seiner bevölkerungsreichen und wichtigen Erzdiözese zu Christus zu führen.
Kardinal Mindszenty - Paul VI
Während dieser Erzbischof sein Amt weiterführen darf, wurde im Zuge der Entspannungspolitik ein anderer seiner Erzdiözese enthoben. Es handelt sich um eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der Kirche im 20. Jahrhundert, deren Name mit Verehrung und Begeisterung von allen Katholiken genannt wird, die sich treu an die traditionellen wirtschaftlichen und sozialen Lehren des Heiligen Stuhles halten. Mehr noch: der Name dieses Prälaten wird mit höchstem Respekt von Personen verschiedenster Religionen geachtet. Er ist sogar eine Blüte des Ruhmes der Kirche in den Augen derer, die nicht an sie glauben. Diese Blüte wurde vor kurzem gebrochen. Seine Eminenz Josef Kardinal Mindszenty wurde von der Erzdiözese Esztergom abgesetzt, um die Annäherung an die kommunistische Regierung zu erleichtern.
Wie man sieht, schließt sich die Reise Msgr. Casarolis nach Kuba - noch ganz abgesehen von dem Interview, das er gab, als er die Insel verließ -, wie ein Glied in eine Kette von Tatsachen, die sich seit Jahren ereignen. Wo wird diese Kette hinführen? Auf welche schmerzlichen Überraschungen und auf welche neuen Anschläge auf das Gewissen müssen sich diejenigen vorbereiten, die noch an der unabänderlichen sozialen und wirtschaftlichen Lehre Leos XIII., Pius XI. und Pius XII. mit all ihren Konsequenzen festhalten? Wir sind sicher, dass unzählige Katholiken, wenn sie diese Nachrichten wiederlesen, wenn sie von der Ratlosigkeit, dem Schmerz und Entsetzen Kenntnis nehmen, welche aus diesen Zeilen sprechen, ihr eigenes inneres Drama geschildert sehen: das innerste und schmerzlichste aller Dramen, denn es betrifft nicht nur soziale und ökonomische Fragen, sondern hat darüber hinaus wesentlich religiösen Charakter. Es bezieht sich auf das, was in der Seele eines romtreuen Katholiken das Fundamentalste, Lebendigste und Zärtlichste ist: seine geistliche Bindung an den Stellvertreter Jesu Christi auf Erden.

II. RÖMISCH-APOSTOLISCHE KATHOLIKEN

Die TFP ist eine bürgerliche und nicht eine religiöse Organisation. Ihre Direktoren, Mitglieder und Mitarbeiter sind jedoch ausnahmslos römisch-katholisch. Katholisch ist deshalb auch der Geist, der sie bei allen von der TFP unternommenen Kampagnen zum Wohl des Landes beseelt.
Die grundsätzliche antikommunistische Haltung der TFP ergibt sich aus den katholischen Überzeugungen derer, die ihr angehören. Weil sie Katholiken sind, sind die Direktoren, Mitglieder und Mitarbeiter der TFP im Namen der katholischen Prinzipien Antikommunisten.
Die Entspannungsdiplomatie des Vatikans gegenüber den kommunistischen Regierungen bringt indessen die antikommunistischen Katholiken in eine Situation, die sie von Grund her berührt - viel weniger als Antikommunisten denn als Katholiken. Denn man kann ihnen jederzeit einen sehr verwirrenden Einwand entgegenhalten: Führt ihr antikommunistisches Engagement nicht zu einem Ergebnis, das dem vom Stellvertreter Jesu Christi gewünschten genau entgegengesetzt ist? Und wie kann man einen folgerichtigen Katholiken verstehen, dessen Tätigkeiten in eine entgegengesetzte Richtung führen, als die des Hirten der Hirten? Diese Frage stellt alle antikommunistischen Katholiken vor die Alternative: den Kampf aufgeben oder die eigene Haltung erklären.
Den Kampf aufgeben können wir nicht. Und wir können es nicht, weil unser Gewissen als Katholiken es uns so gebietet. Denn wenn es Pflicht eines jeden Katholiken ist, das Gute zu fördern und das Böse zu bekämpfen, dann gebietet uns unser Gewissen, die traditionelle Lehre der Kirche zu verbreiten und die kommunistische Doktrin zu bekämpfen.
Über die ganze Welt hallt heute das Wort „Gewissensfreiheit“. Es ertönt im ganzen Westen und sogar in den Kerkern Russlands... und Kubas. Vielfach erhält dieser so oft verwendete Ausdruck sogar missbräuchliche Bedeutungen. Aber unter seinem am meisten berechtigten und geheiligten Sinngehalt befindet sich das Recht des Katholiken, im religiösen wie im bürgerlichen Leben nach den Richtlinien des eigenen Gewissens zu handeln.
Wir würden uns in der Kirche gefesselter fühlen als Solschenitzyn in Russland, wenn wir nicht im Einklang mit den Dokumenten der großen Päpste, die die Christenheit mit ihrer Lehre erleuchtet haben, handeln könnten
Die Kirche ist nicht, die Kirche war nie, die Kirche wird niemals solch ein Kerker für die Gewissen sein. Das Band des Gehorsams gegenüber dem Nachfolger Petri, das wir niemals zerreißen werden, das wir aus tiefster Seele lieben, dem wir unsere beste Liebe widmen, dieses Band küssen wir im Augenblick selbst, in dem wir, durch den Schmerz zermalmt, unsere Stellung bekräftigen. Und kniend, den Blick mit Verehrung auf das Bild Seiner Heiligkeit Papst Pauls VI. geheftet, bringen wir ihm unsere vollkommene Treue zum Ausdruck.
In diesem kindlichen Akt sagen wir dem Hirten der Hirten: Unsere Seele gehört Euch, unser Leben gehört Euch. Befehlt uns, was Ihr wollt! Befehlt uns nur nicht, dass wir die Arme verschränken vor dem roten Wolf, der uns angreift! Dem widersetzt sich unser Gewissen.

III. DIE LÖSUNG - BEIM APOSTEL PAULUS


Ja, Heiliger Vater - fahren wir fort -, der hl. Petrus lehrt uns, dass es wichtiger ist, „Gott zu gehorchen als den Menschen“ (Apg 5, 29). Ihr habt den Beistand des Heiligen Geistes und seid sogar - unter den vom Vaticanum I bestimmten Bedingungen - vom Privileg der Unfehlbarkeit gestärkt. Dies schließt nicht aus, dass in bestimmten Bereichen und Umständen die Schwäche, der alle Menschen unterworfen sind, Euer Handeln beeinflussen oder sogar bestimmen kann. Einer davon ist, und vielleicht sogar recht eigentlich, die Diplomatie. Und hier befindet sich Eure Entspannungspolitik gegenüber den kommunistischen Regierungen.
Was ist da zu machen? Die Zeilen der vorliegenden Erklärung würden nicht ausreichen, um die Liste all der Kirchenväter und -lehrer, Moralisten und Kanonisten aufzuzählen - viele von ihnen wurden zur Ehre der Altäre erhoben -, die die Rechtmäßigkeit des Widerstandes bestätigen. Ein Widerstand, der keine Loslösung ist, keine Empörung, keine Anmaßung, keine Unehrerbietigkeit. Er ist im Gegenteil Treue, Vereinigung, Liebe, Unterwerfung.
„Widerstand“ ist das Wort, das wir mit Absicht wählten, denn es wird in der Apostelgeschichte vom Heiligen Geist selbst verwendet, um die Stellungnahme des hl. Paulus zu charakterisieren. Als der erste Papst, der hl. Petrus, Disziplinarmaßnahmen hinsichtlich des Weiterbestehens aus der alten Synagoge überkommener Gebräuche im katholischen Gottesdienst ergreifen wollte, sah der hl. Paulus darin eine ernste Gefahr zur Verwirrung in grundsätzlichen Dingen und zum Schaden für die Gläubigen. Deshalb erhob er sich und „widerstand“ dem hl. Petrus „ins Angesicht“ ( Gal. 2, 11). Dieser sah in der feurigen und inspirierten Tat des Völkerapostels keinen Akt der Rebellion, sondern der Einigkeit und brüderlichen Liebe. Und im genauen Wissen darüber, worin er unfehlbar war und worin nicht, gab er den Argumenten des hl. Paulus nach. Die Heiligen sind Vorbilder für die Katholiken. In dem Sinne, in dem der hl. Paulus Widerstand leistete, ist unsere Lage eine des Widerstandes.
Und darin findet unser Gewissen Frieden.

IV. WIDERSTAND

Widerstehen bedeutet, dass wir den Katholiken raten werden, den Kampf gegen die kommunistische Doktrin mit allen erlaubten Mitteln fortzusetzen zur Verteidigung des Vaterlandes und der bedrohten christlichen Zivilisation.
Widerstehen bedeutet, das wir niemals unwürdige Mittel des Protestes anwenden werden; und noch weniger werden wir Haltungen einnehmen, die in irgendeinem Punkt von der Verehrung und dem Gehorsam abweichen, die man dem „Summum Pontifex“ in den Grenzen des kanonischen Rechts schuldet.
Widerstehen bedeutet aber auch, dass wir respektvoll unsere Ansicht in solchen Fällen, wie dem Interview von Msgr. Casaroli über das „Glück“ der kubanischen Katholiken, zum Ausdruck bringen.
1968 weilte Papst Paul VI. in der blühenden kolumbianischen Hauptstadt Bogotá beim 39. Eucharistischen Weltkongress. Einen Monat später sagte er in einer Ansprache von Rom aus an die ganze Welt, dass er dort „die große Notwendigkeit einer sozialen Gerechtigkeit“ gesehen habe, „welche unermessliche Gruppen armer Leute (in Lateinamerika) in gerechtere, leichtere und menschlichere Lebensumstände versetzt soll“ (Ansprache vom 28-9-68).
Das, in dem Kontinent, in welchem die Kirche größte Freiheit genießt.
Dagegen sah Msgr. Casaroli in Kuba nur Glück.
Vor diesem Hintergrund heißt widerstehen mit ruhiger und respektvoller Offenheit zum Ausdruck bringen, dass ein gefährlicher Widerspruch zwischen den beiden Äußerungen besteht und dass der Kampf gegen die kommunistische Doktrin weitergeführt werden muss. Dies ist ein Beispiel von echtem Widerstand.

V. DIE INNERE SITUATION DER WELTKIRCHE

Es ist möglich, dass für einige brasilianische Leser die vorliegende Erklärung überraschend kommt. Aber in dem äußersten Widerstreben, öffentlich - wie wir es heute auf uns genommen haben –, Stellung zu nehmen, hat die TFP bisher nicht bekannt gemacht, wie viel Zwiespalt und Uneinigkeit unter den Katholiken der verschiedensten Länder in Bezug auf die Entspannungspolitik des Vatikans mit den kommunistischen Regierungen um sich greift. Es würde dieses schon ausgedehnte Dokument allzu sehr verlängern, wollten wir es hier tun. Wir beschränken uns darauf, als höchst freimütige Erklärung unserer Haltung wiederzugeben, was gegenwärtig unter den deutschen Katholiken vor sich geht. Darüber äußerte sich der ehemalige deutsche Bundestagsabgeordnete Hermann M. Goergen, Katholik von nüchternem Denken und Verhalten, am 23.3.74 im „Correio do Povo“‚ Porto Alegre.
Er berichtet von der Veröffentlichung zweier Bücher deutscher Autoren über die Politik des Vatikans, nämlich „Wohin steuert der Vatikan?“ von Reinhard Raffalt und „Vatikan intern“‚ herausgegeben unter dem Pseudonym „Hieronymus“. Beide Publikationen fanden solchen Anklang, dass sie „bei den deutschen Intellektuellen und Politikern auf der Tagesordnung standen“. Herr Goergen hält das Werk des „Hieronymus“ für satirisch, überkritisch und übertrieben. Dagegen findet er das von Raffalt „nüchtern“‚ mit „wohlfundierten Thesen“‚ „aus einer tiefen Liebe zur Kirche“ entstanden. Und Raffalt erklärt: „Papst Paul VI. ist ein Sozialist.“
Herr Goergen fügt hinzu, dass kurz nach dem Erscheinen des erstklassigen Werkes von Raffalt eine deutsche Zeitung eine Karikatur veröffentlichte, die Paul VI. auf einem Spaziergang in Begleitung von Gromyko zeigt. Als sie an einem Bild, das den Kardinal Mindszenty darstellt, vorübergehen, sagt Gromyko zu Paul VI.: „Ja, ja! Ein jeder hat seinen Solschenitzyn “.
Herr Goergen berichtet weiter, das ein deutscher Jesuit, Oskar Simmel, in der traditionsreichen Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“ - „konservativ und unnachgiebig als Verteidiger des Glaubens und der Päpste“ - eine Kritik veröffentlichte, die von Rom sogar als unehrerbietig angesehen wurde‚ mit dem Titel „Nein, Herr Papst!“ Weiter erklärt Herr Goergen zu der Absicht, Kardinal Mindszenty abzusetzen: „Eine wahre Welle der Unterstützung (für den Kardinal) durchlief die deutschen Katholiken.“ Die Frankfurter Allgemeine Zeitung sprach offen von den „christilich-marxistischen Träumen“ Papst Pauls VI. Und die Paulus-Gesellschaft, Sprachrohr des Dialogs zwischen Christen und Marxisten, verurteilte die Ostpolitik des Vatikans und enthüllte sie als macchiavellistisch, weil sie „der Welt einen römisch-sowjetischen Frieden aufzwingen will“. Angesicht dieser Sprache ergibt sich umso leichter, wie zurückhaltend die der TFP ist.
Wir können unseren Kommentar über den Artikel von Herrn Goergen nicht schliessen, ohne eine ernste Behauptung von ihm hervorzuheben: In Polen wie in Ungarn, in der Tschechoslowakei und in Jugoslawien haben die Kontakte und Verträge mit dem Heiligen Stuhl nicht verhindert, dass die religiöse Verfolgung intensiv weitergeführt wird. Das bestätigt auch in Bezug auf sein Vaterland Kardinal Mindszenty.
Dies erfüllt uns mit Bestürzung. Die Aussicht auf Milderung des antireligiösen Kampfes war das große (in unseren Augen ungenügende) Argument der Enthusiasten der vatikanischen Entspannung.
Die Praxis zeigt, dass solche Entspannung dieses Resultat nicht erreicht und nur die kommunistische Seite begünstigt. Kuba ist ein weiteres Beispiel dafür. Und ein maßgeblicher Förderer der Entspannung, wie Msgr. Casaroli, erklärt, dass in dem Verfolgungsregime die Katholiken glücklich leben. Da fragen wir, ob Entspannung nicht ein Synonym ist für Kapitulation.
Wenn dem so ist, wie soll und kann man der Entspannungspolitik keinen Widerstand entgegensetzen und sie öffentlich auf ihre große Unzweckmäßigkeit hinweisen?
Es ist ein weiteres Beispiel dafür, wie wir den Widerstand verstehen.

VII. SCHLUSSFOLGERUNG


Diese Erklärung war unbedingt notwendig. Sie hat den Charakter einer legitimen Verteidigung unserer Gewissen als Katholiken vor einem diplomatischen System, welches die Luft zum Atmen für sie unerträglich machte und das die antikommunistischen Katholiken in eine denkbar schmerzlichste Situation führt, nämlich die, ihren Standpunkt vor der öffentlichen Meinung nicht mehr erklären zu können. Wir wiederholen das als Epilog zum Abschluss dieser Erklärung.
Kein Schlusswort wäre indes vollständig, wenn es nicht die neuerliche Versicherung unseres uneingeschränkten und liebevollen Gehorsams, nicht nur gegenüber der Heiligen Kirche, sondern auch dem Papst, in allen Bereichen, welche von der katholischen Lehre vorgeschrieben sind, einschlösse.
Möge Unsere Liebe Frau von Fatima uns auf diesem Wege helfen, den wir aus Treue zu ihrer Botschaft gehen und in der Vorfreude, dass sich die von ihr ausgesprochene Verheißung erfüllen wird:

„Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren.“

São Paulo, den 8. April 1974

DER NATIONALRAT DER BRASILIANISCHEN GESELLSCHAFT ZUR VERTEIDIGUNG VON TRADITION, FAMILIE UND PRIVATEIGENTUM

Aus dem Portugiesischen in „Folha de S. Paulo“, 10 de abril de 1974.

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