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Montag, 5. Oktober 2026

Das Zweite Vatikanische Konzil: Die niemals erzählte Geschichte der Traditionalisten und ihrer Niederlage

von Andrea Tornielli

 Vom Zweiten Vatikanischen Konzil – jenem Ereignis, das die Kirchengeschichte des vergangenen Jahrhunderts geprägt hat – gibt es heute nicht mehr nur eine einzige Geschichte. Es existieren mehrere Darstellungen. Nun erscheint das Buch des Historikers Roberto De Mattei mit dem Titel „Il Concilio Vaticano II. Una storia mai scritta“ (Das Zweite Vatikanische Konzil. Eine nie geschriebene Geschichte; Verlag Lindau, 632 S., 38 Euro, Dezember 2010). Es zielt darauf ab, eine auf Quellen gestützte Rekonstruktion der großen Kirchenversammlung zu liefern, und zwar aus der Sicht der sogenannten konziliaren „Minderheit“ – also jener, die sich selbst als die Besiegten betrachteten.


Bislang hatte lediglich die „Schule von Bologna“ unter Giuseppe Alberigo und seinem Nachfolger Alberto Melloni eine umfassende und gut belegte Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils vorgelegt. Dieses Werk gilt als unverzichtbare Referenz, ist jedoch aus der Perspektive der Reformer verfasst und wird als Paradebeispiel für jene „Hermeneutik des Bruchs“ angesehen, der zufolge das Konzil einen unbestreitbaren Bruch mit der Vergangenheit markierte. Alberigos Werk stieß auf Kritik und rief eine bedeutende Gegenposition hervor, die von Erzbischof Agostino Marchetto formuliert wurde. Allerdings wurde ihr keine andere Geschichtsdarstellung mit dem Anspruch auf Vollständigkeit entgegengesetzt.

De Matteis Buch – das kürzlich in der Zeitung „Avvenire“ eine höfliche, aber scharfe Verrisskritik von Massimo Introvigne erfuhr – behandelt alle Phasen des Zweiten Vatikanischen Konzils, von der Vorbereitung bis zur Krise der Nachkonzilszeit. Der Autor legt den Schwerpunkt auf die Analyse der Debatten im Konzilsplenum und verzichtet darauf, näher auf die Arbeit der Vorbereitungskommissionen einzugehen. Breiter Raum wird der Rolle eingeräumt, die konservative Kreise spielten – etwa das Umfeld des brasilianischen Laien Plinio Corrêa de Oliveira, der in Rom ein Unterstützungsnetzwerk für die Bischöfe des „Coetus Internationalis Patrum“ organisierte, in dem auch Lefebvre mitwirkte. Es gibt eine spezifisch brasilianische Geschichte des Konzils, in der zwei traditionalistische Bischöfe wie De Castro Mayer und de Proença Sigaud einerseits und Hélder Câmara – einer der Vordenker der Reformgruppe – andererseits einander gegenüberstanden.

Laut De Mattei beeinflussten die – in der Minderheit befindlichen – progressiven Lobbys sowohl die Konklaven von Johannes XXIII. und Paul VI. als auch die Arbeit des Konzils und setzten schließlich mit verschiedenen Kniffen ihre Linie gegenüber der gesamten Versammlung durch. Gewiss ist es für den Leser überraschend, Pius XII. als einen Papst dargestellt zu sehen, der progressiven und „neomodernistischen“ Forderungen nachgab – schwach und sogar unfähig, ihnen etwas entgegenzusetzen. Ebenso auffällig ist die Einordnung von Kardinal Giuseppe Siri, dem maßgeblichen Vertreter des italienischen Anti-Progressivismus, in die sogenannte „dritte Partei“: jene Gruppe, die den Progressiven nicht entschieden genug entgegentrat und ihnen damit letztlich in die Hände spielte.

De Matteis Deutung des Konzils deckt sich schließlich mit jener von Alberigo und distanziert sich somit – wenn auch respektvoll – von der „Hermeneutik der Reform“, die Benedikt XVI. als Schlüssel zum Verständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils vorgeschlagen hatte. Für Papst Ratzinger liegt die richtige Interpretation des Konzils darin, es im Kontext einer Tradition zu sehen, die sich reformiert, um besser auf die Erfordernisse der Moderne eingehen zu können – jedoch ohne Bruch mit der Vergangenheit. Diese Interpretation unterscheidet zwischen den tatsächlich verkündeten Texten und dem sogenannten „Geist des Konzils“; in dessen Namen wollte man jahrzehntelang über den Wortlaut der Dokumente hinausgehen. Für die Bologneser Schule hingegen liegt die bedeutendste Neuerung des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht in dessen Formulierungen, sondern vielmehr „in der Tatsache an sich, dass es einberufen und abgehalten wurde“. Auch für De Mattei lassen sich die Texte nicht von dem „Ereignis“ trennen; folglich stelle das Zweite Vatikanum einen Bruch mit der Tradition dar. Seine „ungeschriebene Geschichte“ des Konzils vertritt die traditionalistische These, wonach es zwar zu Beginn der 1960er Jahre notwendig gewesen sei, ein Konzil einzuberufen, jedoch zu dem Zweck, eine aktualisierte Neuauflage des „Syllabus“ Pius’ IX. zu veröffentlichen und die Irrtümer der Moderne zu verurteilen.

 

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Dienstag, 7. Juli 2026

Fatima X Kommunismus – Ein Jahrhundert gegensätzlicher Prophezeiungen

 Von PRC am 12. November 2017

Zeitschrift CATOLICISMO, Nr. 803, November 2017

 


Im selben Jahr 1917, in dem Lenin den weltweiten Triumph des Kommunismus in Russland versprach, versicherte die Muttergottes in Fatima den Triumph ihres Unbefleckten Herzens. Ein prophetischer Konflikt, der auf ein gewaltiges Ergebnis im Jahr 2017 hindeutet.

Am 13. Juli 1917 offenbarte die Muttergottes in einem sympathischen und vergessenen Dorf in Portugal drei Hirtenkindern ein Geheimnis voller bedeutungsvoller Botschaften. Es war eine Prophezeiung, die über eine ganze historische Epoche Gericht hielt, ihre Zukunft voraussagte und einen tragischen, aber triumphalen Ausgang verkündete. Unter den vorhergesagten Ereignissen war eines für die Hirtenkinder schwer verständlich: „Wenn man meinen Bitten nachkommt wird Russland sich bekehren und Frieden herrschen; wenn nicht, wird es seine Irrtümer in der ganzen Welt verbreiten und Kriege und Verfolgungen der Kirche schüren; die Guten werden den Märtyrertod erleiden, der Heilige Vater wird viel leiden, verschiedene Nationen werden vernichtet werden; schließlich wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wird Russland mir weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt werden.“[i]

Francisco und Jacinta, die inzwischen heiliggesprochen wurden, und Lucia selbst – die Einzige, die mit der Muttergottes sprach – verstanden nicht, was dieses „Russland“ (auf Portugiesisch Rússia) bedeuten sollte. Monsignore Liberio Andreatta, Geschäftsführer der römischen Wallfahrtsorganisation, der drei- oder viermal mit Schwester Lucia sprach, Hörte von ihr: „Wir hielten es für eine Frau mit zweifelhaftem Ruf und beteten für sie. Wir wussten nicht, dass es eine Nation mit diesem Namen gab.“[ii]

Im Juli 1918 wurde der Zar, seine Familie
und die Bediensteten brutal ermordert
Der Zar und seine Familie wurden zusammen mit ihren Bediensteten in das Ipatjew-Haus in Jekaterinburg gebracht, wo sie im Juli 1918 ermordet wurden. Während die Heilige Jungfrau im äußersten Westen Europas, unweit des Atlantiks, erschien, trieben finstere Mächte am anderen Ende desselben Kontinents, in den Weiten Asiens, Russland in eine Revolution, die die Welt erschüttern würde. Am 2. März 1917 wurde Zar Nikolaus II. von den Menschewiki zur Abdankung gezwungen. Eine liberal-sozialistische Provisorische Regierung unter Alexander Kerenski hatte den Zaren und seine Familie zunächst im Palast Zarskoje Selo und später in Tobolsk im Uralgebirge gefangen gehalten. Schließlich wurden sie zusammen mit ihren Bediensteten in das Ipatjew-Haus in Jekaterinburg gebracht, wo sie in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1918 massakriert wurden. Während die Jungfrau Maria in Fatima vor der Geißel der „Irrtümer Russlands“ warnte, forderte Wladimir Lenin – das finstere Genie der blutigsten Revolution der Geschichte – in Moskau die Umsetzung dieser Irrtümer und versprach: „Wenn wir gleichzeitig in Moskau und St. Petersburg die Macht ergreifen, werden wir unfehlbar triumphieren.“ Seine Proklamation mobilisierte eine Handvoll ideologischer Aktivisten, die von dem Ausmaß der zu begehenden Verbrechen entsetzt waren. Der ursprüngliche revolutionäre Kern wurde durch Horden von Soldaten, die nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg plündernd und anarchistisch geworden waren, sowie durch Brigaden von Kriminellen und „Roten Garden“ des anarchistischen Führers Leo Trotzki verstärkt. Am 7. November 1917 (nach dem Gregorianischen Kalender) wurde die prophezeite Revolution, die alle menschlichen Vorstellungen übertraf, zur höllischen Realität: Lenin stürzte die Provisorische Regierung, und die erste marxistisch-kommunistische Revolution des 20. Jahrhunderts brachte die Bolschewiki an die Macht.

Seitdem verbreitet Russland in der ganzen Welt einen aus den Abgründen des Bösen entsprungenen Prophetentum, das alle Rebellen der Erde vereint und befehligt. „Sobald er an die Macht kam“, schreiben die Autoren des Schwarzbuchs des Kommunismus, „träumte Lenin davon, das revolutionäre Feuer in ganz Europa und dann in der ganzen Welt zu entfachen. Ursprünglich entsprach dieser Traum dem berühmten Slogan aus Marx’ Kommunistischem Manifest von 1848: ‚Proletarier aller Länder, vereinigt euch!‘“[iii]. Ziel waren alle sozialen, wirtschaftlichen, politischen, moralischen und religiösen Ungleichheiten zu vernichten. Von da an sollte sich niemand mehr moralischen oder religiösen Prinzipien unterwerfen, sondern im Gegenteil gegen jegliche Überlegenheit, Befehlsgewalt oder Einflussnahme rebellieren, die als rückwärtsgewandte Formen der „Entfremdung“ verurteilt und ausgelöscht werden müssten. Menschlich gesprochen, spiegelte dies Satans „Ich will nicht dienen“ in seiner Rebellion gegen Gott wider, der, soweit möglich, zusammen mit der Heiligen Katholischen Kirche von der Erde getilgt werden sollte.

Um diesem Giganten des Unrechts entgegenzutreten, das nach vorsichtigen Schätzungen im 20. Jahrhundert über 100 Millionen Todesopfer fordern sollte, erwählte die Muttergottes drei demütige portugiesische Hirtenkinder. Durch sie übermittelte sie ihre prophetische Botschaft und rief aufrichtige Seelen zur Umkehr und zum moralischen Widerstand auf, um die Tragödie abzuwenden, die über die Welt und die Kirche herabstürzte.

So begann 1917 ein Konflikt von zunehmend globaler Tragweite, den man den „Krieg der Propheten“ nennen könnte. Denn beide Seiten standen sich aufgrund des Widerspruchs zweier Prophezeiungen gegenüber: Auf der einen Seite die Prophezeiung von Fatima, die mit dem Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens endet, auf der anderen Seite eine höllische Prophezeiung Lenins, die Verfolgungen einleitete, um die Kirche auszulöschen und eine radikal gnostische und egalitäre Anti-Ordnung zu errichten. Auch er versprach den Triumph! Und das Geheimnis dieser düsteren Prophezeiung bildet den Kern der „Irrtümer Russlands“, wie die Muttergottes sie in Cova da Iria definierte.

Was sind die „Irrtümer Russlands“?

Die drei Hirtenkinder Francisco und Jacinta, die inzwischen heiliggesprochen sind, und ihre Cousine Lucia, denen die Muttergottes das Geheimnis über Russland und die Ausbreitung des Kommunismus offenbarte.

Doch was besagen die „Irrtümer Russlands“? Es fehlte an Predigern, Priestern, Theologen, Bischöfen oder Autoritäten von noch höherem Rang und Wissen, die den Inhalt dieser „Gegenprophezeiung“ dem Volk hätten erklären können. Wäre dieses Geheimnis von der Kirche enthüllt und verurteilt worden, hätte der scheinbar unumkehrbare Abstieg der Welt ins Chaos verhindert werden können. Tatsache ist, dass diejenigen, die davon wussten, wenig oder Garnichts lehrten. Und während die Menschheit Jahrzehnte lang den Vergnügungen des Alltags frönte, moralisch verfiel und immer optimistischer und sorgloser dahinsiechte, umkreiste das Ungeheuer sein Haus und drang durch die Hintertür ein. Die „Irrtümer Russlands“ haben sich weit verbreitet und sogar innerhalb der Kirche hochgewachsen, und heute versuchen sie einen letzten Angriff mit den ungeheuerlichsten Blasphemien und unerhörtesten Häresien und Entweihungen. Die meisten Menschen hören ihr Geheul entsetzt; einige versuchen zu reagieren, aber sie verstehen das Wesen des Bösen nicht, das sie angreift. Es ist unerlässlich, es zu verstehen, um zu wissen, was geschieht, und angemessen zu handeln.

Um nicht zu sehr ins Detail zu gehen, zitieren wir nur einige Auszüge aus der Petition, die von 213 Konzilsvätern aus 54 Ländern unterzeichnet wurde und in der sie das Zweite Vatikanische Konzil aufforderten, den Kommunismus zu verurteilen. Sie stellt eine seltene Ausnahme von dem von uns aufgezeigten destruktiven Schweigen dar und fasst die „Irrtümer Russlands“ wie folgt zusammen: „Zahlreiche Irrtümer und Denkweisen schleichen sich unter Katholiken ein, die ihren Ursprung in der Französischen Revolution haben und durch bolschewistische Propaganda verbreitet werden; sie machen die Menschen anfällig für die Annahme marxistischer Doktrinen und der sozialen und wirtschaftlichen Struktur des Kommunismus.“ (Hervorhebung hinzugefügt). […]

„Die wichtigsten Irrtümer und Abweichungen der Denkweise sind folgende:

Ungarische Bischöfe schwören
der kommunistischen Regierung die Treue

    „1 – Von Tag zu Tag gewinnt die Ansicht an Verbreitung, dass jegliche soziale oder wirtschaftliche Überlegenheit ungerecht sei, sodass nur die allmächtige Gleichheit des Vermögens unter den Menschen dem Evangelium entspräche und darüber hinaus jede andere soziale Vielfalt auslöschte. […] Diese Katholiken verstehen, dass alle anderen Menschen, die Güter genießen, die über das zum Leben Notwendige hinausgehen, nicht nur auf überflüssige Güter verzichten müssen, sondern sogar auf jene, die für sie absolut notwendig sind, um ihren ihrem sozialen Stand entsprechenden Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Daher muss für solche Katholiken jeglicher familiäre oder nationale Reichtum stets als Diebstahl und ungerechtfertigte Aneignung von Gütern betrachtet werden, die den bescheideneren Klassen zustehen. Daraus schließen sie, […] dass die bescheideneren Klassen ein striktes Recht auf die Güter haben, die als notwendig erachtet werden sollten, […] und sie sich diese mit Gewalt nehmen dürfen. Was, angewendet auf das Zusammenleben der Völker, dazu führt, dass ärmere Nationen das Recht haben, von den kultivierteren und reicheren Nationen einen Anteil an deren Gütern zu fordern, seien es kulturelle oder materielle.“ […]

„2 – Der Heilige Stuhl soll die Schätze des Vatikans und der römischen Basiliken sowie die in seinem Besitz befindlichen Kunstwerke verteilen, um den Armen und Bedürftigen zu helfen. Bischöfe, Klöster und Presbyterien sollen auf allen Reichtum verzichten und nur das behalten, was zum unbedingten Lebensunterhalt notwendig ist.

„3 – Solche Irrtümer werden von vielen Lehrern aus den Reihen des Klerus verbreitet. Unter dem Deckmantel von Gerechtigkeit und Nächstenliebe verführen sie zahlreiche Gläubige dazu, falsche Lehren und Prinzipien anzunehmen, wodurch ein Geist entsteht, der der katholischen Gesellschaftsordnung feindlich gesinnt ist und in Richtung sozialer Egalitarismus tendiert. […]

Kardinal Mindszenty, ehemaliger Erzbischof von Esztergon 
und Primas von Ungarn, war das Symbol des heldenhaften
 Widerstands gegen den Kommunismus: 
"Ein friedliches Zusammenleben zwischen Kirche 
und einem kommunistischen Regime ist unmöglich.“


„Die Schlauheit der Kommunisten wendet in den letzten Jahren eine neue strategische Methode an. Die russische Regierung proklamiert die Notwendigkeit friedlicher Koexistenz und stellt einen Scheinliberalismus zur Schau. Diese kurzzeitige Lockerung der Strenge des politischen Systems erzeugt die Illusion einer gewissen Weiterentwicklung kommunistischer Nationen hin zu einer Gesellschaftsform, die von Katholiken toleriert und sogar gewünscht werden könnte. […] Aufgrund solcher Ansichten glauben viele Katholiken, dass die sogenannte westliche Gesellschaft aufgrund der Missstände des kapitalistischen Regimes, unter dem sie leben, schlimmer sei als die kommunistische Gesellschaft. Sie halten die Missstände des Kapitalismus für irreparabel und sagen daher, es sei für die katholische Sache irrelevant, ob wir unter einem freien westlichen Regime oder unter kommunistischer Knechtschaft leben. […]

Diese allgemeine Verheerung marxistischer Ideen und Denkweisen erfordert vom Konzil unbedingt ein Wort, das das christliche Gewissen beruhigen kann. Dieses Wort, so scheint mir, kann nicht ausgelassen werden, ohne den Seelen schweren Schaden zuzufügen.“ Tatsächlich müssen Marxismus und Kommunismus als die größten und gefährlichsten Irrlehren dieses Jahrhunderts betrachtet werden; die Gläubigen wären daher bestürzt, wenn das Konzil sich nicht mit einer so bedeutsamen Frage auseinandersetzte.“

„Ich bitte […] den Heiligen Vater, die Ausarbeitung und Prüfung eines Entwurfs für eine Konzilsverfassung anzuordnen, in der:

1. die katholische Soziallehre mit großer Klarheit dargelegt und die Irrtümer des Marxismus, Sozialismus und Kommunismus aus philosophischer, soziologischer und ökonomischer Sicht verurteilt werden;

2. jene Irrtümer und jene Gesinnung verurteilt werden, die die Katholiken für die Annahme von Sozialismus und Kommunismus empfänglich machen und sie dafür anfällig machen.“ [iv]

Auf derselben großen Konzilsversammlung baten 510 Bischöfe aus 78 Ländern – mehr als ein Drittel der residierenden Bischöfe weltweit – Papst Paul VI. gemeinsam mit Bischöfen aus der gesamten katholischen Welt, dem Wunsch Unserer Lieben Frau von Fatima zu folgen und Russland ihrem Unbefleckten Herzen zu weihen. Ziel der Bitte war es, „Frieden in unseren unruhigen Zeiten zu erlangen, die tiefen Ursachen des Glaubensabfalls zu beseitigen, die Bekehrung derer zu erreichen, die dem Kommunismus anhängen, die Fürsprache jener zu erflehen, die ‚allein alle Häresien in der ganzen Welt zerschlagen hat‘, Freiheit für die Nationen zu erlangen, in denen die Kirche verfolgt wird, und reiche Früchte der Erneuerung im christlichen Leben der Gläubigen zu fördern“[v].

Wäre die Verurteilung und Weihe feierlich vollzogen worden, hätte das Zweite Vatikanische Konzil im Einklang mit den in Fatima geäußerten Wünschen der Heiligen Mutter Gottes einen glorreichen Abschluss gefunden. Die Bekehrung Russlands hätte es den Fängen der Finsternis entrissen und die immense kommunistische Geißel von der Welt beseitigt. Wir werden sehen, was geschah.

Zwei Schulen von Propheten: die Schule der Entfremdung und die Schule der Glaubwürdigkeit

Die Propheten der „Irrtümer Russlands“ verbreiteten sie in der ganzen Welt. Neben russischen Führern wie Stalin, Chruschtschow und Breschnew gab es den Chinesen Mao Zedong; die Italiener Antonio Gramsci, Palmiro Togliatti und Enrico Berlinguer; die Franzosen Maurice Thorez und Georges Marchais; die Spanier Dolores Ibarruri, La Pasionaria, und Santiago Carrillo; den Brasilianer Luís Carlos Prestes; den Kubaner Fidel Castro; den Argentinier Che Guevara und viele andere, die wir aus Platzgründen hier nicht alle aufzählen können.

Umgekehrt inspirierte die Jungfrau Maria ausgewählte Seelen, die mit prophetischem Akzent im Sinne der Botschaft von Fatima zur Welt sprachen. Ein Beispiel dafür war der heilige Maximilian Kolbe OFM, ein leidenschaftlicher Mann und Gründer der „Miliz der Immaculata“, die sich vor allem in Osteuropa weit verbreitete. Am 11. Februar 1937 erklärte er während eines Kongresses zu Ehren Unserer Lieben Frau von Lourdes in Rom in Anwesenheit von Kardinälen, Bischöfen, Adligen, Professoren und Vertretern der großen Ordensgemeinschaften: „Die Unbefleckte ist die Siegerin über den Teufel, […] sie kämpft Gottes Schlachten, um das Böse zu besiegen, für den Triumph des Guten, sie zertritt dem höllischen Ungeheuer den Kopf und vernichtet alle Irrlehren der Welt. […] Sie ist die Siegerin. Lasst uns voller Glauben den Tag erwarten, an dem ein Ritter der Immaculata im Kreml in Moskau das weiße Banner der Unbefleckten hoch hissen wird.“[vi] Auf die Frage, wann dies geschehen würde, erwähnte die Heilige stets, dass eine universelle „Blutprobe“ [vii] für die Verwirklichung dieses historischen Ereignisses notwendig sei.

Unser Herr offenbarte der seligen Schwester Elena Aiello (1895–1961), der Gründerin der Kleinen-Schwestern vom Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, mehrmals den geißelhaften Charakter Russlands. Sie empfing vom Himmel ein verstärktes Echo der Botschaft Unserer Lieben Frau von Fatima: „Russland wird alle Mächte des Bösen auf alle Nationen loslassen und den besten Teil meiner Herde vernichten; dies wird eine Läuterung erfahren, die als die schwerste Geißel der Weltgeschichte in Erinnerung bleiben wird. […] Ein Krieg wird kommen, der Völker und Nationen vernichten wird, Menschen werden über Leichen gehen […]. Die Kirche ist innerlich und äußerlich verwundet. Dann wird Finsternis die Erde bedecken, weil sie von Satan beherrscht wird. Die Mächte des Bösen rücken vor und die Mächte des Guten weichen zurück…“ [viii].


Zwischen dem 10. und 13. Mai 1931 wurden in Spanien über 100 Kirchen und Klöster niedergebrannt – Teil einer beeindruckenden Welle antiklerikaler Proteste, die bis 1936 andauerte. Auf dem Foto ist das brennende Karmeliterkloster in Madrid zu sehen.

Und weiter, hinsichtlich der Zunahme schlechter Sitten, die heute unvorstellbare Ausmaße angenommen hat und die die Muttergottes in Fatima als Ursache allen Übels und Grund für die Geißel der „Irrtümer Russlands“ bezeichnete, fuhr er fort: „Die Sünde der Unreinheit richtet verheerende Schäden an der Jugend und den Kindern an, die christliche Familie existiert nicht mehr. Sie vollziehen keine Mysterien mehr: Sie wollen Christus aus den Familien, aus den Schulen, aus den Werkstätten, aus der Gesellschaft, aus den Gewissen verbannen […]. Rom wird bestraft werden […] Russland wird sich über alle Nationen erheben, insbesondere über Italien, und die rote Fahne auf der Kuppel des Petersdoms hissen […]. Russland hat Geheimwaffen gegen die USA, gegen Frankreich und gegen Deutschland vorbereitet. […] Der Papst wird viel leiden müssen. Der brüllende Löwe wird auf den Stuhl Petri vorrücken, um seine Irrtümer zu verbreiten. Die Galle Russlands wird alle Nationen vergiften, insbesondere Italien […] Russland wird von Satan geführt, der die absolute Herrschaft über die Erde anstrebt […]. Die Kirche wird verfolgt werden…“[ix].

Diese Botschaften scheinen von Pater Pio ernst genommen worden zu sein. Zur Verwunderung seiner Zuhörer prophezeite er, die Kommunisten würden „plötzlich, ohne einen Schlag zu führen die Macht übernehmen […] Wir werden dies über Nacht wahrnehmen“. Der heilige Ordensmann sah auch voraus, dass die rote Fahne über dem Vatikan wehen würde. Er fügte jedoch hinzu: „Auch dies wird vorübergehen“, und machte damit deutlich, dass es sich um eine extreme, aber vorübergehende Episode handeln würde.[x]


Ein Jesuitenkloster in Madrid 
wurde von einem linken Mob 
in Brand gesetzt.


In den 1930er Jahren, als Russland den Spanischen Bürgerkrieg (1936–1939) anheizte und für den Märtyrertod Tausender Priester, Mönche, Nonnen und Laien verantwortlich war, litt die heilige Faustina Kowalska besonders um Russland und Spanien. Sie betete für diese Länder, für den Heiligen Vater und für die Priester. Am 16. Dezember 1936, nach der Heiligen Kommunion, sagte Jesus zu ihr über Russland: „Ich kann dieses Land nicht länger ertragen; meine Tochter, binde mir nicht die Hände.“ Und die Nonne sagte: „Ich habe verstanden, dass diese Nation ohne die Gebete der von Gott geliebten Seelen völlig vernichtet worden wäre. Oh, wie leide ich für diese Nation, die Gott aus ihren eigenen Grenzen vertrieben hat!“[xi].

Die Stimme der Päpste

Die Päpste des Jahrhunderts des „Krieges der Propheten“ erkannten die apokalyptische Tragweite dieses von diesem Kampf geprägten Jahrhunderts. So kam Pius XI. beispielsweise angesichts des weltweiten Schauspiels zu dem Schluss, dass es „so erschütternd sei, dass man darin bereits den Ausbruch jener Wehen erkennen könne, die durch den Widersacher herbeigeführt werden müssen, der sich über alles Göttliche und Heilige erhebt“ (2 Thess 2,4).[xii]

Papst Pius XI.

In einer seiner berühmten Radioansprachen warnte Pius XII. die Welt: „Angesichts der Strömung, die uns in eine totale Sozialisierung zu ziehen droht, an deren Ende das furchtbare Bild des Leviathans zur grausamen Realität werden würde, wird die Kirche bis zum Äußersten kämpfen.“[xiii]

Angesichts der unsäglichen Schrecken, die durch die Anwendung der „Irrtümer Russlands“ in der Ukraine, seinem Heimatland, entstanden, schrieb Monsignore André Scheptyskyj, Erzbischof von Lemberg und Oberhaupt des ukrainisch-griechisch-katholischen Ritus, an den Heiligen Stuhl: „Dieses Regime lässt sich nur als Fall teuflischer kollektiver Besessenheit erklären.“ Er bat auch den Papst, allen Priestern und Ordensleuten weltweit vorzuschlagen, „Sowjetrussland zu exorzisieren.“[xiv]

Die Stimme eines brasilianischen Laien

Dieser immense Konflikt zwischen der Fatima-Prophezeiung und den Seelen, die sie verbreiten und sich mit ihr identifizieren, einerseits, und der Art von „Gegenprophezeiung“ Satans, die sich in den „Irrtümern Russlands“ zusammenfassen, andererseits, wurde auch von Laien wahrgenommen, die sich mit Scharfsinn und übernatürlicher Hilfe in diesen entscheidenden Kampf des 20. Jahrhunderts einbrachten. Ein charakteristisches Beispiel ist Prof. Plinio Corrêa de Oliveira. 1929, mit nur 20 Jahren, schrieb er an den Gründer der Fakultät für Rechtswissenschaften von São Paulo, Prof. José Pedro Galvão de Souza, einen Brief, in dem er Jahre vor der Verbreitung der Botschaft von Fatima wesentliche Aspekte davon erläuterte:

Plinio Corrêa de Oliveira
   „Immer mehr verstärkt sich in mir der Eindruck, dass wir am Beginn einer Ära voller Leid und Kampf stehen,“ schrieb Dr. Plinio. „Überall wird das Leid der Kirche intensiver, und der Kampf rückt näher. […] Der Sturm ist nicht mehr fern, und ein Weltkrieg wird sein Vorspiel sein. Doch dieser Krieg wird solches Chaos in der ganzen Welt verbreiten, dass in jedem Winkel Revolutionen entstehen werden. […] Die Schattenseiten der Gesellschaft werden ans Licht kommen, und die Kirche wird überall verfolgt werden. […] Die Folge wird entweder ein neues Mittelalter sein oder das Ende der Welt.“

„Welche Rolle wird Brasilien in all dem spielen? Welche Rolle werden wir spielen? […] Anstatt wie die Apostel nachzuahmen, die auf dem Ölberg schliefen, müssen wir ‚wachen und beten‘. Das ist unsere Hauptaufgabe: Uns auf den Kampf vorzubereiten und die Kirche zu rüsten, wie der Seemann sein Schiff vor dem Sturm.“[xv]

Beim Lesen dieser Zeilen überrascht es nicht, dass der gut dokumentierte italienische Biograf Roberto de Mattei, den wir bereits zitiert haben, Professor Plinio in seiner gelehrten Biografie „Plinio Corrêa de Oliveira – Prophet des Reiches Mariens“[xvi] zu den „Propheten Unserer Lieben Frau“ zählte.

Das Schweigen des Zweiten Vatikanischen Konzils

Der „Krieg der Propheten“ führte auf fünf Kontinenten zu Ereignissen wie dem Zweiten Weltkrieg, Revolutionen und Bürgerkriegen, die die Geschichte des 20. Jahrhunderts prägten und deren Beschreibung ein enzyklopädisches Werk erfordern würde. Erlauben wir uns, nur zwei Höhepunkte dieser Auseinandersetzung zu nennen.

Der erste steht im Zusammenhang mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Schwester Lucia bat im Auftrag des Herrn und der Muttergottes die höchsten kirchlichen Autoritäten, den dritten Teil des Geheimnisses von Fatima 1960, also vor dem Konzil, zu veröffentlichen. Es wird noch immer heftig darüber debattiert, warum diese Bitte ungehört blieb und welche katastrophalen Folgen diese Unterlassung hatte. Fakt ist jedoch, dass in der optimistischen Stimmung, die in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg in der Welt und in der Kirche herrschte, die Stimmen der Heiligen, göttlicher Boten und hellseherischer Geister des Glaubens als die von „Unheilspropheten“ galten, die das besondere Glück jener Zeit nicht verstanden. In diesem Klima infiltrierten die „Irrtümer Russlands“ die Kirche, indem sie die vorgetäuschte Entspannung Moskaus ausnutzten. Sie werden in der Petition der Konzilsväter von 213 als eine der schlimmsten antichristlichen Machenschaften erwähnt.

So wurde nicht nur der Appell der Seherin von Fatima ignoriert, sondern auch die Petition der Konzilsväter geriet in irgendeiner Schublade der vatikanischen Bürokratie in Vergessenheit. Papst Paul VI. weihte Russland ebenfalls nicht gemäß den von der Muttergottes geforderten Bedingungen. Die Folge: Es kam, wie Professor Plinio Corrêa de Oliveira in einem prägnanten Kommentar zusammenfasste:

„Der größte Erfolg des lächelnden poststalinistischen Kommunismus war das rätselhafte, beunruhigende, erstaunliche und apokalyptisch tragische Schweigen des Zweiten Vatikanischen Konzils zum Kommunismus. Dieses Konzil wollte pastoral, nicht dogmatisch sein. Es fehlte ihm tatsächlich an dogmatischer Reichweite. Darüber hinaus könnte sein Schweigen zum Kommunismus dazu führen, dass es als das a-pastorale Konzil in die Geschichte eingeht. […] Handelten diejenigen, die auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil kleinere Gegner einzuschüchtern suchten und – durch Schweigen – dem größeren Gegner freie Hand ließen, als wahre Hirten? Mit modernisierten Taktiken – von denen man im Übrigen zumindest sagen kann, dass sie theoretisch fragwürdig und in der Praxis verheerend waren – versuchte das Zweite Vatikanische Konzil, sagen wir, Bienen, Wespen und Raubvögel zu verscheuchen. Sein Schweigen zum Kommunismus ließ die Wölfe, alle Freiheit. Die Arbeit dieses Konzils lässt sich nicht als tatsächlich pastoral, weder in die Geschichte noch in das Buch des Lebens einschreiben.


„Es ist schmerzlich, dies zu sagen. Doch die Faktenlage deutet in diesem Sinne darauf hin, dass das Zweite Vatikanische Konzil eine der größten, wenn nicht gar die größte Katastrophe in der Geschichte der Kirche war[xvii]. Von ihm aus drang der ‚Rauch Satans‘ in die Kirche in unvorstellbarem Ausmaß ein und breitete sich Tag für Tag mit der furchtbaren Kraft expandierender Gase aus. Zum Entsetzen unzähliger Seelen geriet der mystische Leib Christi in einen finsteren Prozess dessen, was wie Selbstzerstörung aussah.“
[xviii]

„Es ist schmerzlich, dies zu sagen. Doch die Faktenlage deutet in diesem Sinne darauf hin, dass das Zweite Vatikanische Konzil eine der größten, wenn nicht gar die größte Katastrophe in der Geschichte der Kirche war“ (Plinio Corrêa de Oliveira).

Widerstand gegen die Annäherung zwischen dem Vatikan und Moskau.

Dieses Schweigen des Konzils öffnete den Propheten der „Irrtümer Russlands“ – sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kirche – Tür und Tor, befeuerte das, was Paul VI. als „Rauch Satans“ bezeichnete, und marginalisierte die „Propheten von Fatima“. So öffnete es in der nachkonziliaren Zeit die Türen für eine aktive diplomatische Annäherung zwischen dem Heiligen Stuhl – bekannt als Ostpolitik – und den Moskauer Machthabern und ihren Anhängern, die die sozialistischen Länder unterdrückten oder versuchten die ganze Welt zu erobern. Helden des Widerstands gegen den Kommunismus, wie Kardinal Mindszenty, der selige Kardinal Stepinac und Bischof Matulionis, galten dem neuen diplomatischen Kurs als Hindernis. Die Regierungen und antikommunistischen Bewegungen – ob katholisch oder nicht –, die der Heilige Stuhl zuvor unterstützte, wurden durch Entmutigung und Vernachlässigung geschwächt. Gleichzeitig zeigten sich hochrangige Kirchenvertreter lächelnd an der Seite der „Propheten“ der „Irrtümer Russlands“ – mit Gesten, die internationale Aufmerksamkeit erregten.

Der heldenhafte Widerstand der Minderheit und der marginalisierten „Propheten von Fatima“ bündelte sich zunehmend um die zugleich kindliche und kompromisslose Stimme von Plinio Corrêa de Oliveira, die in dem eindrucksvollen Manifest „Die Entspannungspolitik des Vatikans gegenüber kommunistischen Regierungen – Für die TFP: Schweigen oder Widerstand leisten?“ ihren Ausdruck fand. Das in großen Zeitungen Amerikas und des alten Kontinents veröffentlichte Manifest bekräftigte entschieden die Position, die die Muttergottes in Fatima gegen die falschen Propheten der „Irrtümer Russlands“ gefordert hatte.

„Die Entspannungspolitik des Vatikans gegenüber kommunistischen Regierungen schafft eine Situation, die antikommunistische Katholiken tiefgreifend betrifft, weniger als Antikommunisten denn als Katholiken. […] Den Kampf aufgeben, können wir nicht. Und es ist ein Gebot unseres katholischen Gewissens, das wir das nicht können. Denn wenn es die Pflicht eines jeden Katholiken ist, das Gute zu fördern und das Böse zu bekämpfen, so zwingt uns unser Gewissen, die traditionelle Lehre der Kirche zu verbreiten und die kommunistische Lehre zu bekämpfen. […]

„Das Band des Gehorsams gegenüber dem Nachfolger Petri, dass wir niemals brechen werden, dem wir das beste unserer Liebe erweisen – dieses Band küssen wir in dem Augenblick, in dem wir, vom Schmerz überwältigt, unsere Position bekräftigen. Und auf Knien, den Blick ehrfürchtig auf die Gestalt Seiner Heiligkeit Papst Paul VI. gerichtet, bezeugen wir ihm unsere ganze Treue. In diesem Akt der kindlichen Treue sagen wir zum Hirten der Hirten: Unsere Seele gehört Euch, unser Leben gehört Euch. Befehlet uns, was Ihr wollt. Sagt uns bloß nicht, wir sollen tatenlos zusehen und nichts gegen den angreifenden roten Wolf unternehmen. Dem widersetzt sich unser Gewissen.“[xix]


Putin: der neueste „Prophet“ der „russischen Irrtümer“

In einer geschickten Propagan-dakampagne wurde Putin als Nachfolger Karls des Großen oder Kaiser Konstantins präsentiert, der aus dem Osten kam, um die Religion wiederherzustellen und dem Chaos, das die ehemals christliche westliche Welt verschlang, ein Ende zu setzen.

Die „Propheten“ des Bösen verfeinerten ihre Strategien der trügerischen Wandlung, die bereits in der unbeantworteten Petition der 213 Konzilsväter radikal angeprangert worden waren. Am Heiligabend 1991 erklärte der oberste Führer des russischen Kommunismus, Michail Gorbatschow, in einer weltweit übertragenen Zeremonie verschlagen die UdSSR für aufgelöst. Ja, die Plattform, von der sich die „russischen Irrtümer“ in der ganzen Welt verbreiteten, war „ausgestorben“! Merkwürdigerweise erklärten all jene, die bis vor Kurzem erklärt hatten, es sei unmöglich, sich dem Kommunismus zu widersetzen, und sein Sieg sei unumkehrbar, feierten diesen Umstand und senkten die Waffen und wiederholten ununterbrochen: „Der Kommunismus ist tot.“

Doch Dr. Plinio ließ sich von dieser Welle der Täuschungen nicht beirren und prangerte weiterhin die List der kommunistischen Metamorphose an, nach der dieselben Irrtümer in neuem Gewand wiederkehren würden. Und so geschah es. Nach dem verwirrenden Jahrzehnt der 1990er-Jahre begann in Russland ein neues dunkles Licht, ein Überbleibsel des alten Sowjetsystems, trügerisch zu leuchten. Es war Wladimir Putin, ein ehemaliger Oberst des sowjetischen Geheimdienstes KGB, der die Kommandoposten im Kreml erklomm und seine Kollegen vom Geheimdienst in Schlüsselpositionen der Regierung und des Moskauer Patriarchats – einer alten religiösen Institution des sowjetischen Repressionssystems – einsetzte. In einer geschickten Propagandakampagne wurde Putin als Nachfolger Karls des Großen oder Kaiser Konstantins präsentiert, der aus dem Osten komme, um die Religion wiederherzustellen und dem Chaos ein Ende zu setzen, das die ehemals christliche westliche Welt verschlinge. In der Zeit vor der Russischen Revolution war der dämonische Rasputin der große Verführer der Zarenfamilie Romanow, in deren Intimität er eindrang. Putin wird heute in der westlichen Welt zum neuesten und kühnsten „Propheten“ der „Irrtümer Russlands“ erhoben.

Doch die Prophezeiung von Fatima ist ein Schwert, das mitten ins Herz der antichristlichen Revolution gestoßen wird. Sie verweist unablässig auf die „Irrtümer Russlands“ als Mutterlauge der „größten und gefährlichsten Häresie dieses Jahrhunderts“, die die bußunwillige Menschheit geplagt hat, gemäß dem Appell der erwähnten Konzilsväter.

Im hundertsten Jahr der Botschaft von Fatima und der bolschewistischen Revolution ist diese Warnung aktueller denn je. Nach einem Jahrhundert der Konfrontation erweist sich die Wandlung der „Irrtümer Russlands“ – verkörpert durch Putins Regime und angeheizt von unzähligen Mitläufern, auch in den höchsten Kreisen der Kirche – als perfides Manöver, das die Prophezeiung der Muttergottes von Fatima als überholt und veraltet darstellen soll. In einer teuflischen Parallele tobt im Westen die Kulturrevolution gegen die Familie und die katholische Religionsausübung inmitten eines Sumpfes aus Blasphemien und Sakrilegien.

Vielleicht ist dies ein verzweifelter Versuch der „Irrtümer Russlands“, die Bastion des authentischen Katholizismus anzugreifen. Denn solch schamlose Dreistigkeit des Bösen, die sich wie eine riesige Schlange erhebt, die versucht, den Thron Gottes zu besteigen und die Gläubigen auszurotten, ist so gewaltig, dass der Himmel über den Ausgang dieses vor einem Jahrhundert begonnenen „Krieges der Propheten“ entscheiden wird. Dann wird der glorreiche und endgültige Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens folgen, den die Muttergottes den drei Hirtenkindern in Portugal verheißen hat. Ein Triumph, den gläubige Katholiken über den glimmenden Trümmern der Irrtümer der revolutionären Welt bejubeln werden, mit einem Russland, das sich endlich dem katholischen Glauben zugewandt hat, und dem Banner der Unbefleckten, das, wie vom heiligen Maximilian Kolbe vorhergesagt, auf dem Kreml weht. Dann wird eine Stimme auf Erden ertönen, die verkündet: „Am Ende hat das Unbefleckte Herz Mariens triumphiert!“


Das wird der Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens sein, mit einem Russland, das sich endlich dem katholischen Glauben zugewandt hat, und mit dem Banner der Unbefleckten, das, wie vom heiligen Maximilian Kolbe vorhergesagt, auf dem Kreml weht. [Im Bild: Der Kreml und die Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz in Moskau]

 

 Quelle: Zeitschrift CATOLICISMO, Nr. 803, November 2017

 

Fußnoten (im Original, nicht übersetzt)

[i]) Antonio Augusto Borelli Machado, Fátima: Mensagem de tragédia ou de esperança?, Artpress, São Paulo, 1997, 46ª ed., capítulo II.

[ii]) ACI Digital, 11-5-2017, http://www.acidigital.com/noticias/pastorinhos-nem-sabiam-da-existencia-da-russia-indica-sacerdote-59565/

[iii]) S. Courtois, N. Werth, J.-L. Panné, A. Paczkowski, K. Bartosek, J.-L. Margolin, O livro negro do comunismo. Crimes, terror e repressão, Bertrand Brasil, Rio de Janeiro, 1999, 917 págs.

[iv]) Catolicismo, janeiro de 1964, nº 157.

[v]) Catolicismo, março 1964, nº 159.

[vi]) Pe. Peter M. Daimian Fehlner FI, Roman Conferences of St. Maximilian M. Kolbe, Academy of the Immaculate, 2004.

[vii]) id. ibid.

[viii]) Vincenzo Speziale, Suor Elena Aiello Profeta di Dio ‒ Vita, opere e scritti della venerabile madre, Reverdito Edizioni, Trento, 1995, mensagens de 1952-1953, , págs. 50-55.

[ix]) Speziale, op. cit., mensagens de 1956 a 1961.

[x]) apud A firmeza doutrinal de Padre Pio, revista “Iesus Christus”, nº 64, 1999, http://farfalline.blogspot.com.br/2012/02/firmeza-doutrinal-de-padre-pio.html.

[xi]) Santa Maria Faustina Kowalska, Diario — La Misericordia divina nella mia anima, Libreria Editrice Vaticana, Città del Vaticano, 2001, 8ª ed., 727 páginas, p. 299.

[xii]) Encíclica Miserentissimus Redemptor, Bonne Presse, t. IV, Paris, 1932, p. 110-112.

[xiii]) Discorsi e Radiomessaggi di Sua Santità Pio XII, vol. XIV, p.314.

[xiv]) Pe. Alfredo Sáenz S.J., De la Rusia de Vladimir al hombre nuevo soviético, Ediciones Gladius, Buenos Aires, 1989, pp. 438-439.

[xv]) Roberto de Mattei, Plinio Corrêa de Oliveira – Profeta do Reino de Maria, Artpress, São Paulo 2015, p. 425.

[xvi]) id. ibid.

[xvii]) Cfr. Sermão de Paulo VI, de 29/6/1972.

[xviii]) Plinio Corrêa de Oliveira, Revolução e Contra-Revolução, Artpress, São Paulo, 2ª ed, 1982, p. 67-68.

[xix]) “Folha de S. Paulo”, 10-4-1974.

  100 anos, C, Catolicismo, Nossa Senhora de Fátima, Plinio Corrêa de Oliveira, Putin, Revolução Comunista, Rússia, URSS

 

 

Aus dem Portugiesischen übersetzt mit Hilfe des Google-Übersetzer.

Dieser Artikel erschien in Deutsch erstmals in www.p-c-o.blogspot.com

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Freitag, 19. Juni 2026

Im Hinblick auf das nächste Konzil


Einige Anzeichen der verheerenden

ideologischen Verwirrung unter Katholiken


Plinio Corrêa de Oliveira

in "Catolicismo" von Januar 1962 


Mit jeder Stunde wächst unter den Gläubigen die Sehnsucht nach dem gesegneten Tag, an dem das Zweite Vatikanische Konzil zusammentreten wird, einberufen von Papst Johannes XXIII., dem glorreich regierenden Papst.

Zu den vielen Gründen für diese sehnsüchtige und freudige Erwartung gehört zweifellos die begründete Hoffnung, dass infolge des Konzils die erschreckende Orientierungslosigkeit, die in zahlreichen katholischen Kreisen herrscht, ein Ende finden wird. Diese Orientierungslosigkeit nimmt in Brasilien und der Welt wahrhaft apokalyptische Ausmaße an und stellt meiner Ansicht nach eine der größten Katastrophen unserer Zeit dar. Im Jahr 1961 zeigte sie sich in beispiellosem Ausmaß. Und wenn selbst unter den Guten Unordnung herrscht, wie können wir dann erwarten, dass sie das Böse besiegen?


Jean-Jacques Rousseau



Das revolutionäre Frankreich, das dieses Grabmal zur Verherrlichung seines großen Propheten errichten ließ, besaß ein gewisses Anstandsgefühl und verzichtete darauf, christliche Symbole auf dem Grabmal von Jean-Jacques Rousseau (wie in dem Klischee, einem Kupferstich aus jener Zeit, dargestellt), dem Verfechter des gottlosen Dogmas der absoluten Volkssouveränität, anzubringen. Leider gibt es viele Katholiken, die dieses Dogma mit den Lehren der Kirche vermischen wollen, in einem Unterfangen, das die Revolutionäre selbst als „non sense“ betrachten.

 

 

Drei sehr unterschiedliche Sachverhalte, die wir in diesem Kommentar zusammenführen möchten, verdeutlichen, wie weit verbreitet die Verfälschung der von den Päpsten stets und konsequent gelehrten Prinzipien auch unter Katholiken selbst geworden ist.

Beginnen wir mit dem Interview, das Präsident John F. Kennedy – ein prominenter Katholik in seinem Land – am 25. November in seiner Residenz in Hyannis Port, Massachusetts, dem Chefredakteur der Moskauer Zeitung „Iswestija“, Alexei Adschubei, gab. Wir verweisen auf den vollständigen Text, der am 29. desselben Monats in „O Estado de São Paulo“ veröffentlicht wurde.


Für einen wahren Katholiken sollten die Beziehungen zwischen westlichen und kommunistischen Mächten von folgenden Prinzipien geleitet sein:

1. – Die Existenz eines Regimes, das seinem Geist und seinem konkreten Handeln nach unverkennbar kommunistisch ist, was notwendigerweise die Institutionalisierung aller Ungerechtigkeiten bedeutet. Denn er unterwirft alle Menschen einer unnatürlichen und despotischen Gleichheit und eine ganze Reihe von Gesetzen, Institutionen, Systemen und Gebräuchen schafft, die, das Eigentumsprinzip völlig missachtend, die von Gott geschaffene natürliche Ordnung fundamental verletzt.

2. – Da Eigentum und Familie eng miteinander verbunden sind, leugnet der Kommunismus, aus ähnlichen Gründen wie jenen, die ihn zur Ablehnung von Eigentum veranlassen, auch Ehe und Familie. Damit institutionalisiert er das Konkubinat und leugnet somit ipso facto das sechste und neunte Gebot des göttlichen Gesetzes.

3. – Aufgrund seines zutiefst atheistischen und materialistischen Charakters kann der Kommunismus nicht anders, als die vollständige Zerstörung der katholischen Kirche, der natürlichen Hüterin der moralischen Ordnung, anzustreben, die ohne Familie und Eigentum undenkbar wäre.

4. – Aufgrund seiner grundlegendsten Prinzipien kann sich der Kommunismus nicht damit begnügen, innerhalb der Grenzen eines Staates oder einer Staatengruppe zu existieren. Weit mehr als eine politische Partei ist er eine philosophische Strömung mit einer in sich geschlossenen Weltanschauung. Und genau aus diesem Grund, da seine Lehre eine bestimmte Weltanschauung beinhaltet, neigt sie logischerweise dazu, die ganze Welt nach ihren Prinzipien zu regieren.

5 – Innerhalb jedes Landes wie auch internationaler Ebene befindet sich der Kommunismus in einem Zustand eines unvermeidlichen, ständigen und vielschichtigen Kampfes mit der Kirche und den Staaten, die sich der marxistischen Sekte nicht unterwerfen wollen. Dieser Kampf ist so unerbittlich, umfassend und unversöhnlich wie der zwischen der Jungfrau Maria und der Schlange. Für die Kirche, die unzerstörbar ist, wird er erst mit der endgültigen Zerschlagung der kommunistischen Sekte enden. Für die christlichen Nationen, die vergänglich sind, kann er nur durch ihre Versklavung oder durch die Vernichtung des Kommunismus enden, nicht nur im Westen, sondern auf der ganzen Welt, selbst in den verborgensten Winkeln Moskaus, Pekings und anderswo.

Präsident Kennedy erklärte, dass alle Völker das Recht haben, durch freie Wahlen zwischen dem kommunistischen Regime und jedem anderen zu wählen.

6 – Dies bedeutet jedoch nicht, dass man die Hoffnung auf den Erhalt des Weltfriedens aufgeben sollte. Pius XII. tat dies, und Johannes XXIII. tut im Gegenteil weiterhin alles, was dafür getan werden kann. Doch dieses Handeln entspricht keineswegs der Vorstellung einer möglichen Versöhnung zwischen Kommunisten und Katholiken. Es entspringt der Hoffnung, dass die Wandelbarkeit der menschlichen Angelegenheiten und das gütige Wirken der Vorsehung den Weg für Ereignisse ebnen werden, die den Untergang des Marxismus ohne die Schrecken des Krieges ermöglichen. Der Niedergang des Kommunismus beispielsweise durch eine tiefgreifende Massenreaktion in Russland oder China.

7 – Trotz all dem kann jedoch nicht angenommen werden, dass die Koexistenz christlicher und kommunistischer Länder die Stabilität, Ruhe und Kohärenz des Völkerrechts, die christliche Nationen leiten sollten, gewährleisten kann. Denn das Völkerrecht setzt Redlichkeit im Umgang zwischen Völkern voraus. Redlichkeit wiederum setzt die Akzeptanz einer Moral voraus. Und es ist der kommunistischen Doktrin inhärent, dass Moral ein bloßes und leeres bürgerliches Prinzip ist.

8 – Es kann auch nicht behauptet werden, dass ein kommunistischer Staat seinen Untertanen – oder besser gesagt, seinen Sklaven – wahres Wohlergehen und echten gesellschaftlichen Fortschritt bieten kann. Er mag diese Illusion erzeugen, indem er alle Ressourcen, die aus der Zwangsarbeit von Millionen Untertanen eines sagenumwobenen Reiches wie des russischen stammen, in ein oder zwei Städten konzentriert. Doch das ist etwas ganz anderes, es ist das genaue Gegenteil davon, in allen Teilen dieses Reiches wahres kollektives und individuelles Wohlergehen zu schaffen. Diese unheilbare Unfruchtbarkeit kommunistischer Staaten für jeden wahren Fortschritt rührt daher, dass sie die „Un-ordnung“ sind, institutionalisierte Anti-Ordnung. Und wahrer Wohlstand kann nicht aus der frontalen und systematischen Verletzung so vieler Prinzipien der von Gott geschaffenen Ordnung entstehen, aus demselben Grund, aus dem eine Maschine, deren Teile durcheinander sind, nicht zufriedenstellend funktionieren kann.

9 – Zu diesem natürlichen Grund kommt ein weiterer, übernatürlicher hinzu. Völker können, wie Individuen, nicht ohne Gottes Segen auskommen. Ein Volk, das sich freiwillig zu einem kommunistischen Staat konstituiert, würde Gottes Gesetz schwerwiegend verletzen. Wie könnten sie, indem sie dem Schöpfer eine solch ungeheuerliche Beleidigung zufügen, dem göttlichen Zorn entgehen?

Der Leser möge jeden dieser Punkte prüfen und uns dann beantworten: Kann ein Katholik, der weiß, was Kommunismus ist und gleichzeitig seinen Glauben ernst nimmt, auch nur einem dieser Punkte widersprechen?


Wenn jeder Katholik so denken sollte, wie lassen sich dann einige Aussagen aus dem Interview des jungen amerikanischen Präsidenten erklären, der sich beharrlich als Katholik bezeichnet?

Betrachten wir einige Beispiele.

1 – An einer Stelle sagt er Folgendes:

„Ich denke, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten sollten friedlich zusammenleben. Wir sind große, hoch entwickelte Völker und streben ständig danach, den Lebensstandard in unseren Ländern zu verbessern. Wenn wir zwanzig Jahre lang Frieden bewahren können, wird das Leben der Menschen in der Sowjetunion und in den Vereinigten Staaten viel reicher und glücklicher sein, da der Lebensstandard stetig steigt.“

Wir fragen: Kann ein Volk, das alle natürlichen und göttlichen Gesetze verachtet, im wahrsten Sinne des Wortes „Erfolg“ erlangen, kann es authentisch zu Wohlstand gelangen? Doch jemand wird einwenden: Was ist mit der russischen Militärmacht, den Erfolgen in der Raumfahrt, der Verbreitung marxistischer Propaganda im ganzen Universum? Russlands große Militärmacht ist das Ergebnis von Versklavung und nicht der guten nationalen Ordnung. Die Erfolge in der Raumfahrt allein messen nicht den Fortschritt eines ganzen Landes, sondern nur die Arbeit eines Wissenschaftlerteams, für dessen Finanzierung ein ganzes Volk schwitzt, schuftet und stöhnt. Und der Erfolg der kommunistischen Expansion – ist das wirklich ein Erfolg? Nur wenn „Erfolg“ die Ausbeutung der niedrigsten menschlichen Instinkte bedeutet, um Hass, Klassenkampf und Zerstörung jeglicher Art in der ganzen Welt zu verbreiten.

2 – Weiter führt Herr Kennedy aus:

„Die Schwierigkeiten entstehen durch das Bestreben der Sowjetunion, die ganze Welt zu kommunisieren. Wenn die Sowjetunion lediglich ihre nationalen Interessen und ihre nationale Sicherheit schützen und anderen Ländern erlauben würde, nach ihrem Willen zu leben – in Frieden –, dann glaube ich, dass die Probleme, die jetzt so viel Spannung verursachen, verschwinden würden.“

Und kurz darauf beteuert er:

„Wenn die Sowjetunion nur ihre nationalen Interessen im Blick hätte, ihrem Volk ein besseres Leben in Frieden zu ermöglichen, gäbe es meiner Meinung nach nichts, was die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten stören könnte.“

Wie kann man nur, ohne größte Naivität und ohne völlige Vergesslichkeit dessen, was Kommunismus ist, zugeben, dass er ernsthaft und dauerhaft auf die Weltherrschaft verzichten könnte?

Und selbst wenn die UdSSR in dieser Hinsicht die formellsten Verpflichtungen eingegangen wäre, wie kann man glauben, dass sie sich verpflichtet fühlen würde, diese einzuhalten?

3 – Der kommunistische Reporter wagte es, folgende verwegene Behauptung zu machen:

„Als die Bolschewisten unter W. I. Lenin an die Macht kamen, schrie die gesamte kapitalistische Welt, sie seien Verschwörer und es gäbe keine Freiheit in Russland; doch in 44 Jahren ist unser Land zu einer Großmacht geworden.“

Warum ließ der Präsident diese unverschämte Behauptung unkommentiert? Ohne die Hilfe der Alliierten hätte Russland den Krieg gegen Hitler-Deutschland niemals gewonnen. Auch hätte es dem Vormarsch der Nazi-Truppen, die der deutsche Tyrann zur Eroberung Moskaus auserkoren hatte, nicht allein widerstehen können. Alle Fakten belegen dies. Zudem wurden russische Truppen kurz vor dem Zweiten Weltkrieg von Finnland schmachvoll geschlagen. Welche schlüssigere Schlussfolgerung gäbe es?

Wenn Russland Mitteleuropa dominierte und den Kommunismus in ganz China ausbreiten konnte, dann lag das keineswegs an der Stärke des Sowjetregimes, sondern an der immensen, unfassbaren, an Chamberlain erinnernden Naivität von Männern wie Roosevelt und Marshall.

Warum also diese Unverschämtheit, die zugleich ein Schwindel ist, unwidersprochen hinnehmen?

4 –Kennedy erklärte, alle Völker hätten das Recht, in freien Wahlen zwischen dem kommunistischen Regime und jedem anderen zu wählen. Das sind seine Worte:

„Wie ich bereits erwähnt habe, erlauben sie mir zu sagen, dass die Vereinigten Staaten und die Bevölkerung der Vereinigten Staaten die freie Wahl der Völker dieser Länder akzeptieren werden, wenn sie sich für das kommunistische, sozialistische oder ein anderes System entscheiden. Daher habe ich Britisch-Guayana als Beispiel angeführt. (...) Wie ich bereits sagte, gibt es weltweit viele Veränderungen; Völker, die anders leben möchten. Das wünschen auch wir uns. Wenn sie die Möglichkeit haben, eine Wahl zu treffen und sich für den Kommunismus entscheiden, werden wir das akzeptieren. Was wir ablehnen, ist der Versuch, den Kommunismus mit Gewalt durchzusetzen, oder eine Situation, in der einem Volk, sobald es unter kommunistische Herrschaft geraten ist, keine faire Chance auf eine andere Wahl eingeräumt wird.

„Wir hatten den Eindruck, dass das Abkommen von Jalta und das Potsdamer Abkommen den Völkern Osteuropas freie Wahlmöglichkeiten einräumten.“ Unserer Ansicht nach haben sie derzeit kein Recht auf freie Wahl. Man mag argumentieren, dass sie vielleicht unter dem Kommunismus leben wollen, aber wenn nicht, haben sie keine Möglichkeit zur Veränderung.

„Wir glauben, dass die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten sehr zufriedenstellend sein werden, wenn die Sowjetunion – ohne zu versuchen, das kommunistische System aufzuzwingen – den Völkern der Welt erlaubt, so zu leben, wie sie es wünschen. Unsere beiden Völker, die jetzt in Gefahr leben, könnten dann in Frieden und mit einem deutlich verbesserten Lebensstandard leben. Ich denke, wir verfügen in unseren beiden Ländern über so große wirtschaftliche Möglichkeiten, dass wir überlegen sollten, wie wir zusammenleben können, anstatt einander oder irgendeiner Partei unseren Willen aufzuzwingen.“

Dies läuft genau darauf hinaus, Rousseaus Prinzip zu bekräftigen, das von den Päpsten wiederholt verurteilt wurde: dass das Volk souverän und daher frei ist, das Gesetz Gottes anzunehmen oder zu übertreten.

Wäre dieses Prinzip akzeptiert worden, hätten die Juden jedes Recht gehabt, Barabbas Jesus Christus vorzuziehen und den Tod des Sohnes Gottes zu fordern. Pilatus wäre kein schwacher und unwürdiger Richter gewesen, sondern ein treuer Vollstrecker – frei von römisch-kolonialen Vorurteilen – des Willens des jüdischen Volkes, souverän wie alle Völker!

5 – Welch ein taktischer Fehler, diesen schwerwiegenden Lehrirrtum zu behaupten! Der kommunistische Reporter stellte zynisch infrage, was eine freie Wahl überhaupt sei:

„Manche Wahlen mögen als frei gelten, andere als undemokratisch. In mehreren lateinamerikanischen Ländern finden beispielsweise große revolutionäre Umbrüche statt. Die Vereinigten Staaten hielten Trujillo lange Zeit für demokratisch gewählt. Dasselbe wurde über das Regime des Schahs von Persien gesagt. Aber lassen wir die Argumente beiseite und kommen wir zur nächsten Frage.“

Und der Interviewpartner, der wohl die Brisanz seiner Aussage erkannte, schwieg.

6 – Abschließend eine allgemeine Bemerkung: Was hat der Heilige Stuhl im Gebet und im Handeln für die Kirche des Schweigens getan? Wer Kennedys Interview liest, in dem er so nachdrücklich das Recht des Kommunisten Jagan bekräftigt, in Britisch-Guyana zu tun, was er will, muss bestürzt sein angesichts seiner zaghaften Haltung gegenüber den unterdrückten Nationen Mitteleuropas, deren katholische Bevölkerung die heilige Freiheit, Christus treu zu sein, wiedererlangen würde, sobald Russland sie verlasse. Allenfalls findet sich im Interview hier und da eine sehr verhüllte Andeutung, eine explizite, aber sehr verhaltene Bestätigung, die nicht auf der Verkündigung der Rechte Jesu Christi, sondern auf dem verurteilten Prinzip der Volkssouveränität beruht. Zur Forderung nach Religionsfreiheit für Katholiken in Russland: kein Wort.

Man könnte einwenden, dies sei doch der Weg, den das amerikanische Volk wolle. Wir bezweifeln das. Aber nehmen wir an das Volk wünsche es so. Wenn Präsident Kennedy keine andere Wahl hat, sollte er zurücktreten. Ist das schwer? Vielleicht. Doch um keine falschen Prinzipien zu bekräftigen, liegt es in der Natur eines wahren Katholiken, auch schwierige Dinge zu tun. Man braucht nur die Akten der Märtyrer zu lesen... oder die hervorragenden Annalen der Kirche des Schweigens.

Das Interview mit Herrn Kennedy erinnert an ein Dokument, das sozusagen am anderen Ende des Kontinents ans Licht kam.

Ganz Brasilien weiß, dass Seine Exzellenz, deDDr Hochwürdigste Dom Vicente Scherer, Erzbischof von Porto Alegre, die „Präsenz und das Handeln militanter Kommunisten in der Staatsverwaltung und anderen Sektoren“ von Rio Grande do Sul verurteilte und warf „Elementen der Regierung von Rio Grande do Sul, zumindest dem Anschein nach, Agitationsbewegungen vor, die zunehmend die Form einer wahrhaft subversiven Mobilisierung kommunistischer Prägung annehmen, wie sie in China und anderswo stattfand, um die Macht zu erringen“.

Die Haltung Seiner Hochw. Exzellenz, löste im Land breiten Beifall aus. Hier folgt die Erklärung der Präsidenten des Zentralen Studentendirektoriums und der sechs akademischen Zentren der Päpstlichen Katholischen Universität Porto Alegre (vollständig wiedergegeben aus der katholischen Zeitung der Stadt, dem „Jornal do Dia“, vom 17. Oktober):

„Bezüglich der Probleme der öffentlichen Meinung in Rio Grande do Sul und der jüngsten Äußerungen Seiner Exzellenz, des Erzbischofs, die in der Einsetzung einer staatlichen Kommission zur Untersuchung der angeblichen „kommunistischen Unterwanderung“ der Regierung und der Universitätsklassen gipfelten, erklären die Studierenden der PUC (Katholisch-Päpstliche Universität), vertreten durch das Zentrale Studenten-Direktorium, öffentlich Folgendes:

„Vorab: Diese vom Staat eingeschlagene Richtung, die angebliche kommunistische Unterwanderung der Regierung und der Studierenden zu überprüfen, ist unbegründet, da das Verfassungsrecht die Gedankenfreiheit garantiert, die das Wesen der Demokratie ausmacht und somit allen freien Individuen die Möglichkeit bietet, sich zu dieser oder jener Ideologie zu äußern;

“ Es ist offensichtlich und allgemein bekannt, dass kommunistische Bewegungen soziale Unruhen ausnutzen, um ihre Ideen als letzte Hoffnung in der Bevölkerung zu verankern, nicht nur in Rio Grande do Sul, sondern in ganz Brasilien.

Es wird jedoch nicht verstanden, dass die Unterdrückung dieser ideologischen Ausbreitung allein auf der Annahme beruht, sie führe zur Untergrabung der sozialen Ordnung und sei somit schädlich für das demokratische System, ohne dass dabei ein Ermessensakt begangen wird.

„Daher unterstützen wir vorläufig die Auflösung dieser Kommission aus den bereits genannten Gründen und in der Überzeugung, dass dieses Vorgehen nicht nur unseren demokratischen Prinzipien widerspricht, sondern auch die uns plagenden Probleme, die diese Kontroversen auslösen, nicht lösen würde.

Die Begründung: Wir glauben, dass die Faktoren, die die Verbreitung kommunistischer Ideen im Bundesstaat und in ganz Brasilien alarmierend begünstigen, Folgen der Armut und des Elends sind, in denen die Mehrheit der brasilianischen Bevölkerung lebt. Sie ist einem Kapitalismus ausgeliefert, der durch die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und die völlige Missachtung der zuständigen Organe gekennzeichnet ist, wie etwa des Nationalkongresses. Dieser verharrt in seinem verabscheuungswürdigen Konservatismus vor all diesen Problemen und kümmert sich nie darum, die grundlegenden Reformen zu studieren, zu diskutieren und darüber abzustimmen, die das Land aufgrund seiner Armut, seiner Krankheiten und seines Analphabetismus fordert und nach denen es schreit.“

 „Wir verstehen den Kampf gegen den kommunistischen Imperialismus nicht ohne den Kampf gegen den kapitalistischen Imperialismus, noch akzeptieren wir seine Form, die im ersten Fall durch Subversion und im zweiten durch Reaktion gekennzeichnet ist, sondern vielmehr durch das wirksame und gemeinsame Handeln der etablierten Mächte und der privilegierten Klassen hin zu einer christlicheren, humaneren, weniger erniedrigenden und ungerechteren sozialen Verteilung als derjenigen, die in unserem Vaterland vorherrscht.“

 

Zu diesen bedauerlichen Anschuldigungen muss zunächst eingeräumt werden, dass die in der Verfassung verankerte Gedankenfreiheit nicht den im Manifest vorgesehenen Umfang hat.

Aber, und das ist von größter Bedeutung, Gottes Gesetz steht über den Gesetzen der Menschen. Kein Katholik kann einem Gesetz – sei es auch verfassungsrechtlich – zustimmen, dass den Kommunisten die Freiheit einräumt, ihre Irrtümer zu verbreiten. Dies ist ein feststehender Punkt der katholischen Lehre.

Darüber hinaus verstehen wir nicht, warum das Manifest nur von der Verteidigung der Demokratie spricht. Ist das einzige Übel des Kommunismus sein despotischer Charakter? Verdient von all dem, was er leugnet, angreift und mit barbarischster Gewalt zu zerstören versucht, nur die Demokratie Verteidigung? Muss nicht die gesamte immense Wertegemeinschaft der christlichen Zivilisation verteidigt werden? Man könnte einwenden, Demokratie und christliche Zivilisation seien gleichbedeutend. Dem widersprechen wir. Der heilige Pius X. lehrte genau das Gegenteil und verkündete im Apostolischen Schreiben „Notre Charge Apostolique“, dass die christliche Zivilisation nach Leo XIII. in jeder der drei Staatsformen möglich sei.

Abschließend noch eine kurze Anmerkung: Sollten wir nicht ausdrücklich religiöse Unwissenheit und den modernen Sittenverfall als Faktoren für die Ausbreitung des Kommunismus erwähnen? Pius XII. lehrte, dass die soziale Frage, in der Elend und Ungerechtigkeit unbestreitbar eine wichtige Rolle spielen, dennoch vor allem auf religiöse und moralische Probleme zurückzuführen ist (vgl. Rede vom 12. September 1948 anlässlich des 80. Jahrestages der italienischen Jugend des A.C. – „Discorsi e Radiomessaggi“, Bd. X, S. 210).

Ein weiteres Symptom der jüngsten Verunsicherung unter Katholiken ist die Teilnahme einer prominenten Militärpersönlichkeit wie Marschall Juárez Távora, der sich stets klar zu seinem Glauben bekannt hat, an der Internationalen Konferenz zur Moralischen Aufrüstung, die im Dezember in Petrópolis stattfand. Auch der katholisch geprägte Arbeiterverband nahm an der Konferenz teil. Laut „O Estado de São Paulo“ vom 6. Dezember waren weitere „prominente katholische Persönlichkeiten“ und andere „katholisch orientierte Organisationen“ anwesend. In seiner Rede zum Abschluss erklärte Marschall Juárez Távora: „Die Moralische Aufrüstung ist die letzte Revolution, die wirklich etwas bewirken wird, da sie die menschliche Natur weiterentwickelt und den Hass heilt.“

Inzwischen gibt es mehrere kirchliche Stellungnahmen, die sich gegen die Moralische Aufrüstung aussprechen (vgl. „Catolicismo“, Nr. 21 und 131). Dies erklärt, warum das Bistum Petrópolis eine Warnung an die Gläubigen vor den Irrtümern der Bewegung veröffentlichte, die unter anderem auf dem falschen Grundsatz beruht, dass „alle Religionen gut sind“.

Möge diese Warnung unsere Leser vor solchen Irrtümern schützen, die unsere gesamte Umgebung durchdringen. Und mögen sie beten und Opfer darbringen, damit die Muttergottes das Konzil segne und die wachsende Verwirrung und Finsternis vollständig vertreibe.

 

 

 

Aus dem Portugiesischen von „Na perspectiva do próximo Concílio…“ ist „Im Hinblick auf das nächste Konzil…“ erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

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