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Freitag, 17. Juli 2026

Organische Gesellschaft und modernes städtisches Leben

 von Plinio Corrêa de Oliveira
in "Catolicismo", Mai 1961 


Die Piazza Santa Maria Formosa in Venedig, wie sie Canaletto in seinem berühmten Gemälde darstellt. Rechts erhebt sich ein Palazzo, von dem nur ein Teil sichtbar ist. In der Mitte befindet sich ein Brunnen. Die Menschen verteilen sich langsam über den leeren Platz. An den Seiten reihen sich Wohnhäuser – einige vornehm und von nobeler Aura, andere bescheidener. In einigen dieser Gebäude befinden sich im Erdgeschoss Geschäfte. Am anderen Ende steht die Kirche – ein bezauberndes Bauwerk, das besonders durch seinen eleganten Turm besticht.

Es wirkt wie eine friedliche, harmonische kleine Welt – in gewisser Weise in sich abgeschlossen –, in der verschiedene Gesellschaftsschichten (Adel, Kaufleute, Handwerker) Seite an Seite leben und sich um die Kirche scharen. Mit ihrem Glockenturm thront die Kirche würdevoll und mütterlich über der gesamten Szenerie und verleiht ihr eine tiefe spirituelle Note.

Dieser Mikrokosmos – feierlich und kultiviert, doch von einem Gefühl der Intimität geprägt und um einen kleinen Platz versammelt – offenbart den Geist einer Gesellschaft, in der die Menschen, weit davon entfernt, in anonymen Massen unterzugehen, organische, eigenständige Gemeinschaften bilden und so Isolation und die Auslöschung des Individuums durch die Masse vermeiden.


Wie stark kontrastiert dieser Platz – so malerisch und menschlich, so kultiviert und doch harmonisch in seiner Mischung der sozialen Schichten und so erfüllt von einer sakralen Aura, die von der kleinen Kirche ausgeht – mit manch riesigen modernen Plätzen! Dort, inmitten eines „Meeres“ aus Asphalt und verloren in einer rastlosen, in alle Richtungen strömenden Menschenmenge, begegnet der Einzelne nur bedrückenden, zyklopischen Wolkenkratzern.

[Aus “Catolicismo”, Nr. 125, Mai 1961]

 



Aus dem Italienischen "Società organica e urbanesimo" in https://www.atfp.it/

Die deutsche Fassung dieses Artikels „Gott helfe Ihnen“ ist erstmals erschienen in
www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet. 

 

Dienstag, 5. Mai 2026

Öffentliche Belohnungen und Bestrafungen ...

Stärken und fördern sie?

Oder verderben und demütigen sie? 

Plinio Corrêa de Oliveira

Ein Freund dieser Zeitung bat uns um eine Stellungnahme zu der Tatsache, dass die Tradition, die besten Schüler mit Preisen auszuzeichnen, an mehreren Schulen abgeschafft wird. Hintergrund ist die Annahme, dass die öffentliche Vergabe von Belohnungen doppelt schädlich ist: Bei den Begünstigten weckt sie Eitelkeit, bei den anderen hingegen Schuld- oder Minderwertigkeitsgefühle.

Da es bei diesem Thema im Wesentlichen um den Erhalt eines gesunden Umfelds geht, die Wertschätzung ehrwürdiger Bräuche erfordert und es grundlegend für das Leben einer Zivilisation ist, haben wir uns entschieden, es in dieser Rubrik zu behandeln.

Dieses Problem reicht zudem weit über den schulischen Bereich hinaus und berührt unmittelbar das Thema von Ehrungen und Bestrafungen in menschlichen Gesellschaften.

Nach der Lehre des hl. Thomas von Aquin ist es ein höheres Gut als Gesundheit oder Reichtum, authentische Eigenschaften zu besitzen und von der Gesellschaft als solche anerkannt und geehrt zu werden. Es steht nur hinter der Gnade Gottes, die alle Güter übersteigt (vgl. IIa. IIae., q. 129, a. 1, c.; IIa. IIae., q. 129, a. 3, c.).


Nach der Lehre des hl. Thomas von Aquin ist es ein höheres Gut als Gesundheit oder Reichtum, au-thentische Eigenschaften zu besitzen und von der Gesellschaft als solche anerkannt und geehrt zu werden. Es steht nur hinter der Gnade Gottes, die alle Güter übersteigt (vgl. IIa. IIae., q. 129, a. 1, c.; IIa. IIae., q. 129, a. 3, c.).

Den Besten die ihnen zustehenden Ehren vorzuenthalten, ist daher eine eklatante Ungerechtigkeit, denn es fügt genau denen Schaden zu, die das Gegenteil verdienen – und zwar sehr schweren.

Darüber hinaus macht die Ver-leihung von Preisen an sich wahrhaft tugendhafte Menschen nicht eitel, sondern spornt sie zu Fortschritten in der Tugend an. Und die anderen werden dadurch nicht entmutigt, sondern zu einer lobenswerten Nachahmung angeregt.

Dies lehrte der heilige Pius X. in seinem Schreiben „Multum ad excitandos“ vom 7. Februar 1905 über den Obersten Orden der Miliz Unseres Herrn Jesus Christus, gemeinhin Christusorden genannt, den höchsten Ehrenorden des Heiligen Stuhls und somit der gesamten Christenheit: „Die für Verdienste verliehenen Belohnungen tragen maßgeblich dazu bei, in den Herzen den Wunsch nach großzügigen Taten zu wecken. Denn wenn sie jene Männer, die es sich in besonderer Weise von Kirche oder Gesellschaft verdient haben, mit Ruhm schmücken, dienen sie zugleich als Ansporn für alle anderen, demselben Weg des Ruhms und der Ehre zu folgen. Nach diesem weisen Prinzip haben die römischen Päpste, unsere Vorgänger, die Ritterorden mit besonderer Liebe betrachtet, da sie so viele Anreize zum Guten boten. Auf ihre Initiative hin wurden viele Orden geschaffen, andere, bereits zuvor gestiftete, erhielten ihre ursprüngliche Würde zurück und wurden mit neuen und größeren Privilegien ausgestattet.“

In diesem Sinne hat die Heilige Kirche verschiedene Ehrungen zur Förderung der Laien eingerichtet. Sie kennt auch verschiedene Ehrentitel für Priester: Besonders charakteristisch sind die Titel Monsignore und Ehrenkanoniker.

In diesem Sinne hat die Kirche auch ihre eigenen Zeremonien, um diejenigen zu demütigen, die es verdienen. Man denke nur an das schreckliche Ritual der Priesterdegradierung oder, im Mittelalter, an die entsprechende Zeremonie, die mit für unwürdig befundenen Rittern durchgeführt wurde.

* * *

Unser erstes Bild zeigt eine Plakette des Christusordens der einfachen Klasse. Alles daran – Form, Farbe und die Tatsache, dass sie gut sichtbar auf der Brust getragen werden sollte – unterstreicht die Absicht der Kirche, sie für alle sichtbar zu machen und so die Verdienste des Trägers lautstark zu verkünden.

Das zweite Bild, die Reproduktion eines Holz-schnitts von 1565, zeigt die Degradierung eines Ritters. Rittertum war ein Sakrament. Die Degradierung eines Ritters erfolgte, wenn nicht mit Intervention der Kirche, so doch mit deren voller Zustimmung. Auf dem Bild sitzt der Ritter, der seinen Rang aufgrund eines schändlichen Verbrechens verloren hat, spöttisch auf einer Art Holzpferd, einem Zaunpfahl. In einer Ecke steht, von einem Pagen gehalten, sein Pferd, von dem er bereits absteigen musste. Die Zeremonie ist im Gange. Man hat ihm bereits Helm und Panzerhandschuhe abgenommen, die zu Boden geworfen wurden. Zwei Ritter in zeremonieller Kleidung nehmen ihm nun die Armbinden ab und werden so Stück für Stück seine gesamte Rüstung entfernen. Die am Hinrichtungsort versammelte und auch von den Fenstern aus beobachtete das Publikum die Zeremonie mit Entsetzen und zugleich Erhabenheit.

* * *

Man könnte meinen, es handle sich um Erinnerungen an vergangene Zeiten. Nein. Diese leider säkularisierte Zeremonie besteht in allen modernen Armeen in Form militärischer Degradierung fort. Und auch heute noch wendet die Heilige Kirche Schandstrafen mit großem Erfolg zur Verteidigung der öffentlichen Moral an und verleiht verdienten Laien und Geistlichen zu jeder Zeit mütterlich Ehrungen.

Die Verleihung von Ehrungen ist so bekannt und häufig, dass Beispiele überflüssig sind.

Was die Anwendung von Schandstrafen betrifft, so finden wir in unserem kolumbianischen Namensgleichen, „El Catolicismo“, vom 25. April 1958 ein aussagekräftiges Dekret S. Eminenz und Exzellenz, Kardinalerzbischof von Bogotá, von dem wir hier die wesentlichen Punkte veröffentlichen:

„Wir, Crisanto Luque, Kardinalpriester der Heiligen Römischen Kirche, mit dem Titel der Heiligen Cosmas und Damian, von Gottes Gnaden und des Heiligen Apostolischen Stuhls, Erzbischof von Bogotá und Primas von Kolumbien,

erwägen:

1) dass Kanon 2356 des Codex Iuris Canonici besagt, dass „Bigamisten … ipso facto ehrlos sind und, wenn sie die Ermahnungen des Ordinarius missachten und in ihrer unerlaubten Ehe verharren, exkommuniziert oder mit dem persönlichen Interdikt belegt werden müssen, je nach Schwere ihrer Schuld“;

… 4) dass durch öffentliche Dokumente nachgewiesen wurde, dass Dr. Hernando Diaz Rubio und Frau Olga Pardo Pardo in Ibarra, Ecuador, eine sogenannte Zivilehe geschlossen haben, … wobei Dr. Diaz Rubio durch das Band einer früheren Ehe gebunden war und Frau Pardo Pardo, Kenntnis dessen hatte;

Erklären Wir:

1.) ...durch den Versuch, eine sogenannte Zivilehe zu schließen, sind sie ehrlos und unterliegen allen kanonischen Folgen der Schande gemäß dem Gesetz (Can. 2356 und 2294, § 1 des Codex Iuris Canonici);

...3.) Dieses Dekret soll den Schuldigen zugestellt werden, die hiermit an ihre Trennungspflicht erinnert werden, verbunden mit der Warnung, dass sie exkommuniziert werden, sollten sie in ihrer unerlaubten Verbindung verharren; und es soll in der Presse veröffentlicht werden, damit es die beabsichtigte gesellschaftliche Wirkung entfaltet.“

Die unterstrichenen Wörter erscheinen so im Text von „El Catolicismo“.

* * *

Kurz gesagt: Die Verleihung öffentlicher Belohnungen und die Verhängung öffentlicher schändlicher Strafen entsprechen den Sitten und Gebräuchen der Heiligen Kirche. Eine pädagogische Maßnahme, die dies missachtet, kann unserer Ansicht nach weder als wirksam noch als gut gemeint gelten.

 


 

 Aus dem Portugiesischen in Catolicismo vom Januar 1959 „Ambiente, Bräuche, Zivilisationen“

Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in
www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.



Montag, 11. August 2025

Die Schönheit des Lebens in geselliger Runde

UMWELT, GEWOHNHEITEN, ZIVILISATIONEN

Die Cafés von 1830 hatten keinen großen architektonischen Anspruch ...
bewahrten aber eine Atmosphäre reich an Werten des gesellschaftlichen Umgangs


Plinio Corrêa de Oliveira

Alte Zeitschriften haben manchmal einen tiefen Charme. Selbst – oder gerade dann, wenn wir auch nur lose, undatierte Seiten erhalten, die uns Fetzen einer fernen Vergangenheit ins Gedächtnis rufen.

Heute veröffentlichen wir die Übersetzung eines Artikels aus „L'Illustration, Journal Universel“ aus Paris über „Regelmäßige Besucher des Café Valois“, unterzeichnet von einem Autor – A. de Belloy –, dessen Erinnerung die Zeit verschlungen hat.

Aus welcher Zeit stammen diese Seiten? Die Elemente, die sie uns liefern, sind äußerst vage: zwischen 1860 und 1870.

In jedem Fall haben sie den Verdienst, bei heutigen Lesern bestimmte Werte geselliger Runde wachzurufen, die mit der Entstehung der Großstädte des letzten Jahrhunderts verschwanden und von denen in der breiten Öffentlichkeit der heutigen Babeln (die Stadt des Turms von Babel) aus Zement, Eisen und Asphalt nicht einmal eine Spur erhalten geblieben ist. Wertvolle Werte, die soziale Interaktion menschlich machen und die sich daraus ergaben, dass sich die Zivilisation einst um die Güter der Seele (und des Geistes) statt um die des Körpers drehte. Inzwischen prägte der Materialismus zunehmend Bräuche und Institutionen.

Als Aufforderung, gegen diese Situation zu reagieren, die so viele edle Geister leiden lässt und so viel gesunde Energie schmerzlich raubt, veröffentlichen wir heute einen ausführlichen Auszug aus diesem Artikel. Nachdem der Kolumnist die malerische Atmosphäre der Pariser Cafés des zweiten Viertels des 19. Jahrhunderts beschworen hat – manche Zentren kultivierten gesellschaftlichen Lebens, andere einer reichen ideologischen Spritzigkeit –, beklagt er, dass sie durch neuere Cafés ersetzt wurden, die sich durch einen schweren und banalen Luxus auszeichnen und jeglichen Ausdruck vermissen lassen, außer dem eines Lokals, in dem die Kunden nur ans Essen und Trinken denken und die Besitzer nur ans Geld.

Im Gegensatz zu dieser materialisierten Umgebung beschwört der Artikel die malerischen Charaktere und die zutiefst freundlichen und vertrauensvollen Beziehungen herauf, die in älteren Cafés üblich waren.

Als Beispiele seien der Commendeur Odoard de La Fère und der Marquis de N. genannt, die im zweiten Viertel des letzten Jahrhunderts die „Säulen“ des Café Valois bildeten.

Die Affäre zwischen Chevalier de Lautrec und dem Besitzer desselben Lokals während der Französischen Revolution veranschaulicht die „douceur de vivre“, die das Ambiente des Cafés einst förderte.

Wir übergeben das Wort nun an Monsieur A. de Belloy.

„Lebe wohl, oh gute alte Zeit! Lebe wohl, oh das freundliche Gesicht des Besitzers, oh der lächelnde und respektvolle Empfang der Kellner! Lebe wohl, oh feierliche Auftritte, die man aus Neugierde miterlebte – unter anderem den von Commendatore Odoard de La Fère, einem würdevollen und eifrigen Stammgast des Café Valois!

Pünktlich um 12 Uhr kündigte die Kanone des Palais-Royal seine Ankunft an; er erschien in der Tür und verharrte einen Moment, während er mit freundlichem und selbstsicherem Blick durch den Raum schweifte, als nähme er wollüstig seine Gewohnheiten wieder an. Die rechte Hand fest auf seinem Stock ruhend – einem Stock mit einem weiß-blauen Porzellangriff – warf er mit einer Geste der Linken seinen alten, verblichenen braunen Umhang zurück. Aber sie lächelten nicht: Nie war ein mit Bienen oder goldenen Lilien bestickter Umhang mit einer solchen Geste abgelegt worden. Es gab einen der sah, wie der große Talma ihn verstohlen betrachtete; aber der Arme, er war kein geborener „Commendatore“!

Als der Umhang zurückgeworfen war – es war wie ein Zeichen - sprach Pierre, der Kellner, mit respektvoller Baritonstimme ernst diese Worte:

- „Commendatore Odoard de La Fère: die übliche Schokolade mit Sahne.“

Und ein anderer Kellner gab die sakramentale Formel an die Küche weiter:

- „Commendatore Odoard de La Fère: die übliche Schokolade mit Sahne.“

Der Commendatore ging dann in den hinteren Teil des Raumes, immer noch ohne niemanden zu begrüßen, sondern warf jedem von uns einen Blick zu, der zu sagen schien:

- „Meine Herren, die Damen zuerst.“

Als er an der Theke ankam, begrüßte er die junge und freundliche Henriette, und nachdem er ein paar Worte – immer dieselben – mit dem Mädchen gewechselt hatte, setzte er sich an einen Tisch, oder besser gesagt, an seinen Tisch, den Tisch des Commendatore, und dort, nachdem er uns mit einem freundlichen Nicken begrüßt hatte, begann er, die übliche Schokolade mit Sahne, d. h. eine Tasse Schokolade, in die man die Sahne goss, die in einer kochenden Milchkanne bis an die Oberfläche stieg.

Und niemand sollte denken, diese kleinen Aufmerksamkeiten seien das Privileg von Commendatore Odoard gewesen: Jeder seiner Zeitgenossen wurde auf die gleiche oder ähnliche Weise verwöhnt.

So hatte der Marquis de Rivarol (der ältere Bruder des Schriftstellers), der seinen Mokka pur, ohne die Martinique-Mischung, genoss, seine eigene Kaffeekanne.

Der Baron de Jonzac, der seine gesamte Emigration in London verbracht hatte, lobte eines Tages die Sandwiches und Krapfen seiner Gastgeberin vom Hay-Market: Am nächsten Tag fand er identische Krapfen und Sandwiches auf dem Tablett, auf dem ihm der Tee serviert wurde, und so war es von da an jeden Tag.

Der Chevalier de Aï tauchte während seines Tees gegen 3:00 Uhr nachmittags einen Marseiller Keks in eine Haselnussemulsion. Die Haselnüsse wurden in einem kleinen Achatmörser mit einem fein geschnitzten Sandelholzstößel gemahlen. Der Chevalier hatte diese Utensilien, die ausschließlich für ihn verwendet wurden, zur Verfügung gestellt.

Der ausgezeichnete und liebenswürdige Marquis de N., der, wie er sagte, nicht zu den Gewinnern gehörte, durfte schließlich zwei der vier Zuckerwürfel, die ihm zu seinem morgendlichen Café mit Milch serviert wurden, behalten. Sie wurden ihm abends zusammen mit einem Glas, einer Flasche Wasser und einem Fläschchen Orangenblütenwasser zurückgebracht.

Seine Selbstgefälligkeit war somit vor den Augen aller sicher: Er ließ den Verzehr nie aus.

Nur seltsamerweise – und das bemerkte der Marquis in seiner unglaublichen Zerstreutheit nie – waren zwei Stück Zucker abends immer größer als morgens, und zwar so auffällig, dass sie mindestens dreimal so viel wogen.

Dieses Wunder war das Werk einer guten Fee, die wir bereits beiläufig erwähnt hatten: der Tochter des Hauses, der Demoiselle an der Theke, der guten Henriette.

Und wie viele andere freundliche Tricks griff sie auf, um diesen armen, hochmütigen Kunden, deren Gefühle sie vor allem nicht verletzen durfte, kleine Freuden zu bereiten? Sie tat das Gute mit Anmut und Geschick. Und hier ist eine weitere ihrer Strategien:

„Ich kann Ihnen versichern, Monsieur le Marquis, dass Sie Ihre Rechnung letzten Dienstag bezahlt haben.“ „Habe ich die Rechnung bezahlt? Das ist gut, sehen Sie sich das an.

„Genau, Herr Marquis: letzten Dienstag, zur Kaffeezeit.“

„Aber das ist doch dein Traum, mein braves Mädchen. Letzten Dienstag hatte ich nicht … jedenfalls weiß ich, was ich meine.“

„Dann weiß ich nicht: Danke für Ihre Freundlichkeit. Zum Glück ist hier mein Buch, das authentisch ist, und Sie können sehen, dass ihr Name durchgestrichen ist. Und jetzt, was sagen Sie?“

„Ich meine, sie halten mich für ein Kind; und ich habe moralisch recht …“

„Ah! Da kommt Papa!“ „Papa, der Marquis von N. besteht darauf, dass er die Rechnung letzten Dienstagabend nicht bezahlt hat, als er ging! Zum Glück hast du es gesehen, nicht wahr, Papa?“

Und der Besitzer, durch ein Zeichen gewarnt:

„Ah! Was das betrifft, Herr Marquis, tut es mir leid, Ihnen widersprechen zu müssen, und es ist mir sehr peinlich. Aber Sie wissen ja, ich bekomme normalerweise nicht zweimal etwas. Das Mädchen ist übrigens eine Schlaue, die mir gegenüber nie einen Fehler macht“.

„Oh, das ist zu viel. Vater und Tochter spielen mit mir.“

„Hören Sie, Herr Marquis, da wir uns noch nicht wirklich geeinigt haben, teilen wir die Schwierigkeiten auf. Sie geben 9 Francs, die Hälfte von dem, was Sie zu schulden glauben. Aber ich muss Sie warnen, dass nur die Kellner von der Täuschung profitieren: Sie können mich nicht zwingen, einen Betrag einzubehalten, der mir nicht zusteht.“

„Na gut! Dann läuft es so, da Sie beide so sicher zu sein scheinen wie ich … Es ist unglaublich, ich könnte schwören … Wie auch immer, machen Sie, was Sie wollen. Hier sind 10 Francs; einer ist für die Kellner.“

Und der Marquis ging weg, während die gute Henriette, ihr Lachen kaum unterdrückend, Pierre ein Zeichen gab:

„Pierre“, sagte sie, „hier ist ein Trinkgeld vom Herrn Marquis; sagen Sie es Ihren Kollegen.“ Die 10 Francs fielen geräuschvoll in die Plaqué-Urne, die als Sparschwein diente, und der Marquis wurde mit doppeltem Respekt und Eifer bedient.

Da haben Sie es, könnten die Leser sagen, ein Cafébesitzer, der sicherlich originell war, aber wahrscheinlich kein Vermögen auf diese Weise gemacht hat.

Wir werden das später sehen, aber sagen wir gleich, dass dieser ausgezeichnete Herr in seinen Geschäftsbeziehungen keineswegs nachlässig war: Er verstand sie einfach anders als die meisten seiner Kollegen, und das machte ihn nicht schlechter dran. Dieses System war zudem in seiner Familie vererbt, ebenso wie die Freundlichkeit, die er hervorbrachte. Lesen Sie weiter.

1789 war der spätere Autor der Tage von Henriettes ein Junge von zehn oder zwölf Jahren. Sein Vater, ein ehemaliger Butler des Prinzen von Conti, betrieb dasselbe Café Valois in Paris, das damals mehr oder weniger frei von politischem oder gar lokalem Kolorit war. Unter den Stammgästen des Hauses stach der Ritter von Lautrec aus dem zweiten Zweig, ehemaliger Brigadegeneral in den Armeen des Königs, Ritter des Malteserordens, des Heiligen Ludwig, des Heiligen Mauritius und des Heiligen Lazarus, durch seine edlen Manieren, seine schöne Haltung und sein Holzbein hervor.

Chevalier de Lautrec, ein reifer Mann, lebte bescheiden, aber würdevoll von seiner Pension. Er zeigte sich selten in der Gesellschaft, machte sich aber im Palais-Royal und im Café Valois einen Namen; er war zudem ein hochkultivierter Mann und eifriger Zeitungsleser.

Wovon lebte Chevalier de Lautrec, der vorübergehend seiner Pension beraubt war, in einer Zeit, in der das Leben so schwer und das Sterben so leicht war? Das wurde nie bekannt.

Hier jedoch etwas, das etwas Licht in dieses Rätsel bringt:

Eines Morgens, nach einem sehr bescheidenen Essen im Café Valois, stand Chevalier de Lautrec wie üblich vom Tisch auf, plauderte zwanglos mit dem Besitzer hinter der Theke, winkte seinem Chef zum Abschied und verließ majestätisch das Lokal, ohne ein Wort über die Rechnung zu verlieren. Am nächsten Tag verhielt er sich genauso, und ebenso am Tag darauf und in den darauffolgenden Tagen, Monaten und Jahren, ohne dass der Besitzer des Lokals auch nur eine einzige Erklärung von ihm erhalten oder auch nur daran gedacht hätte, danach zu fragen. Doch wenige Tage nach diesem ungewöhnlichen Abschied sagte der Ritter gleichgültig zum Besitzer und warf dem Jungen einen Blick zu: „Da gibt es einen Herrn, der wenig lernt, an diesen geschlossenen Schulen. Sie sollten ihn jeden Tag zwischen 1 und 4 Uhr am Nachmittag zu mir schicken. Ich würde ihm Grundkenntnisse in Mathematik und Englisch beibringen, das ich recht gut spreche. Das wird ihm sicher nicht von Unnützen sein, wenn er jemals Ihren Platz einnehmen müsste. Außerdem habe ich nichts zu tun, und dieser Unterricht würde mich ein wenig ablenken.“

„Herr Ritter ist wirklich gütig, tausendmal gütig: Was Sie uns vorschlagen, wäre in diesen Zeiten ein unschätzbarer Dienst; aber wir dürfen Sie nicht dermaßen missbrauchen …“

„Aber ich sage, dass sie mir einen Dienst erweisen würden“, unterbrach ihn der Ritter.

Und seine Stimme war so unsicher, trotz seiner Augen voller Autorität, dass der ehrenwerte Cafébesitzer, der diesen Kontrast wirklich zu schätzen wusste, ihm seinen Sohn beinahe in die Arme geworfen hätte.

„Herr Ritter, Sie sind uns gegenüber überaus großzügig. Mein Sohn gehört Ihnen, so wie ich und mein ganzer Haushalt, heute, morgen und für immer.“

Am 7. Dezember 1817, um 11:00 Uhr, also genau 26 Jahre, Tag für Tag, Stunde für Stunde, nach diesem Gespräch – das seine natürliche Abfolge von Unterrichten hatte – betrat der inzwischen betagte Chevalier de Lautrec wie gewohnt das Café Valois. Der frühere Besitzer war fünf Jahre zuvor gestorben; sein Sohn war ihm nachgefolgt. Der Ritter, nach dem Mittagessen und mit gutem Appetit, fragte einfach nach der Rechnung, während er im „Drapeau Blanc“ stöberte.

Der Chef zuckte nicht mit der Wimper; er wechselte ein paar Worte mit seiner jungen Frau, und zehn Minuten später erhielt der Ritter eine Rechnung über 16.980 Francs für 8.490 Mittagessen, berechnet zu einem Satz von zwei Francs.

Der alte Herr warf einen Blick auf den Gesamtbetrag, öffnete seine Brieftasche, nahm den Betrag in Scheinen heraus und reichte sie dem Kellner mit der Aufforderung, das Wechselgeld, das sich auf genau 520 Francs belief zu behalten.

Dann stand er auf, wahrscheinlich fühlte er sich erleichtert, obwohl man es ihm nicht ansah. Er näherte sich, wie gewohnt, der Theke, plauderte kurz mit der Besitzerin und ging dann langsam zur Tür.

Dort, als der Besitzer, eine Serviette über dem Arm, respektvoll zur Seite trat, um ihn durchzulassen, nahm er ernsthaft seine Hand und drückte sie herzlich zwischen seinen beiden. Die stille Szene, die wir gerade beschrieben haben, entging dem Marquis de Rivarol nicht, der in diesem Moment eintraf, nachdem er seine Uhr auf das berühmte Zifferblatt des Palais-Royal eingestellt hatte.

(...) Tief fasziniert von dem, was er gesehen hatte, und es zu Recht auf ganz besondere Umstände zurückführend, tat er alles, um die erwünschte Aufklärung von der ausgezeichneten, einfältigen und etwas eitlen Frau des Besitzers zu erhalten.

Es war der Marquis selbst, der mir 1834 diese tröstliche Geschichte erzählte.

Während der Restauration hatte der Chevalier de Lautrec als Erbe eines seiner Brüder, der kurz zuvor in Koblenz gestorben war, seinen kleinen Anteil an der Milliarde Entschädigung erhalten. Obwohl beträchtlich, wurde die Summe fast vollständig für die Tilgung einiger beträchtlicher und längst überfälliger Rückstände aufgebraucht. Dank der ihm wieder ausgezahlten Pension konnte er seine Tage jedoch in angenehmem Komfort beenden und blieb dem Café Valois, zu dessen Fortschritt er, wie wir noch erläutern werden, beitrug, stets treu. Es ist klar, dass der Besitzer dieses gastfreundlichen Hauses wie kaum ein anderer heute und in der Tat zu allen Zeiten wusste, wie man ein Gläubiger ist. Mehrere Episoden, so schön wie die, die wir erzählt haben, würdigten das Leben dieses guten Mannes, ohne seinen Interessen wesentlich zu schaden. Dieser Kaufmann alten Stammes kam nicht jedem wahllos entgegen: Er besaß sowohl den Takt der Vernunft als auch des Herzens.

(...) Beim Chevalier de Lautrec konnte er seine Schulden vollständig zurückzahlen, und was die Zinsen, die nicht berücksichtigt wurden, anging, erhielt er mehr als den Gegenwert in Form von Unterricht von einem so guten Lehrer für Englisch, Rechnen und vor allem für seine guten Gefühle.

Darüber hinaus verdankte das Café Valois diesen edlen Beziehungen bald eine ebenso angesehene wie erlesene Kundschaft. Es nahm daraufhin einen immer originelleren Charakter an, ein beträchtlicher Vorteil, geradezu lebenswichtig für ein Etablissement dieser Art in der Epoche, von der wir sprechen.

In der Tat, war der Marquis de Rivarol nicht einer der eine so gute Gelegenheit für indiskretes Verhalten aus Nächstenliebe nicht entgehen ließ, und da er gute Beziehungen zu Monarchisten der Vergangenheit und der Zukunft hatte, fiel es ihm leicht, durch die Veröffentlichung dieser und einiger anderer Episoden die Interessen seines Lieblingscafés zu fördern. Dank ihm wurde der Hausbesitzer zu einer Art Kuriosität, ja sogar zu einer Belästigung – umso mehr, als man ihm seine angeborene Zartheit und väterliche Tradition auf seine glühenden politischen Überzeugungen zurückführte, die in Wirklichkeit ebenso vage wie gemäßigt waren.

So oder so kam ihm dies jedoch sehr zugute: Während das Café Lemblin zum Treffpunkt für pensionierte oder für die in die Reserve versetzten Offiziere (des Kaiserreichs) sowie für einige Republikaner und Liberale, die nicht der Armee angehörten, suchten die „Voltigeure Ludwigs XV.“ und die jungen Leibwächter das Café Valois auf…

 

 

Aus dem portugiesischen von „A doçura de viver no trato social“ in Catolicismo Nr.147, März 1963

Die deutsche Fassung dieses Artikels „Die Schönheit des Lebens in geselliger Runde“ ist erstmals erschienen in
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Samstag, 11. Mai 2024

Die hl. Therese von Lisieux und die regionalen Trachten


Bezüglich der Übertragung des Heiligen Hauses von Loretto lese ich einen kurzen Ausschnitt  aus  den „Autobiografischen Manuskripten der hl. Therese vom Kinde Jesu“. Sie sagt, dass sie glücklich war, den Weg nach Loreto auf einer Pilgerreise zu nehmen, die sie als junges Mädchen mit ihrer Familie nach Italien unternahm.

„Es überrascht mich nicht, dass die seligste Jungfrau diesen Ort ausgewählt hat, um ihr gebenedeites Haus dorthin zu verbringen, hier herrschten Friede, Freude und Armut ohne Einschränkung; alles ist schlicht und ungekünstelt, die Frauen haben ihre kleidsame italienische Tracht beibehalten und nicht wie die anderen Städten, die Pariser Mode angenommen. Kurz, Loretto hat mich entzückt!

Was soll ich vom heiligen Hause sagen? ... Ich war tief ergriffen beim Gedanken, unter dem gleichen Dache zu weilen wie die heilige Familie, die Wände zu betrachten, auf denen die göttlichen Augen Jesu geruht hatten, den Boden zu betreten, den der hl. Joseph mit seinem Schweiß getränkt hat, wo Maria Jesus auf den Armen trug, nachdem sie ihn in ihrem jungfräulichen Schoß getragen hatte... Ich legte meinen Rosenkranz in das Schüsselchen des Jesuskindes... Wie lieblich sind doch diese Erinnerungen!...“

Wir sehen, wie interessant der gesamte Kommentar der hl. Therese vom Kinde Jesu zum Thema „Ambiente, Bräuche, Zivilisationen“ ist! Das heißt, es lässt einen spüren, wie passend diese Landschaft zur Übung der Tugenden ist, die das heilige Haus um sich herum verbreiten sollte, die die Anwesenheit einer solchen Reliquie um sich herum verbreiten sollte. Und dann stellt sie fest, wie diese Landschaft und das Heilige Haus von Loreto mit den Gnaden, die es mit sich brachte, die Seele und die Bräuche der Bewohner prägten.

Und sie macht einen Kommentar, der im guten Sinne des Wortes im Wesentlichen Traditionalistisch ist. Sie zeigt, wie gut es die einheimischen Frauen getan haben, indem sie ihre Bräuche und alten Trachten bewahrt haben. Wir wissen ja, dass dies an vielen Orten in Europa immer noch geschieht; besonders in der Zeit der hl. Therese, also vor mehr oder weniger hundert Jahren. In Europa gab es viele Regionen, in denen alte Bräuche  noch erhalten bleiben.

Die hl Therese weist darauf hin und zeigt, wie gut dies war, und lobt den Regionalismus gegen den Globalismus. Wie gut taten es die Frauen, ihre schlichte Kleidung aus der Vergangenheit zu bewahren, anstatt die Pariser Mode zu verwenden, die Mode, die die Revolution allen auferlegte, als Prozess der Globalisierung der Welt und zur Beseitigung aller regionalen Eigenarten.

Daran kann man errechnen, wie viel Gegenrevolutionäres in ihrer Seele war und wie sensibel ihr Geist für die Beobachtung der Umstände des weltlichen Lebens und für das uns so teure Prinzip der Wechselbeziehung zwischen dem weltlichen und dem geistlichen Leben und wie eine gute Gestaltung der Gesellschaft die Ausübung der Tugend und der Heiligung fördert. All dies ist in diesem Ausschnitt ihrer so einfachen, so kurzgefassten, so saftigen, so dichten Beobachtung enthalten,!

Doch man kann sich ein Lächeln nicht verkneifen, wenn man bedenkt, dass sie selbst das trug, was sie Pariser Mode nannte, denn das war die Kleidung, die sie trug. Sie trug nicht die Trachten ihrer Region, weil nur Bauern den Trachten ihrer Region treu blieben und sie keine Bäuerin war. Sie war daher nach der Pariser Mode gekleidet, die damals noch eine anständige Mode war, eine Mode, die der Bescheidenheit entsprach. Darin sah sie also keine Unmoral, die auch nicht vorhanden war, sondern sie sah nur das sehr ernste Übel der Globalisierung. Das hat sie gesehen.

Wir sehen, dass es daher philosophisch gut durchdacht ist. Und dann haben wir noch einen anderen Gedanken über die Resignation, mit der die heilige Therese ihre eigene Kleidung trug, nämlich die Resignation, mit der wir unsere Kleider tragen müssen. Diese Jacke, diese Krawatte, die als so reaktionär angesehen werden, stillen nicht den Hunger und Durst nach Reaktion, die wir in unserer Seele spüren.  Wir haben das Gefühl, dass dies eine Livree (Dienerkleidung) der Revolution ist und wir sie gerne loswerden würden. Unsere Seele träumt von einer anderen Ausstattung, träumt von anderen Dingen, nicht wahr? Gut, wir müssen aber unter einer Livree, die uns aufgezwungen wird,  die Kraft haben, den Prinzipien treu zu bleiben, die dieser Livree entgegenstehen! Und dies ist unsere Position!

 

Aus dem Portugiesischen von dem Vortrag von Plinio Corrêa de Oliveira am 10. Dezember 1970 „Sta. Teresinha e os trajes típicos regionais“. Abschrift und Übersetzung wurden vom Autor nicht revidiert.

Die hl. Therese und die regionalen Trachten“ erschien erstmals in deutscher Sprache in
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Freitag, 29. Dezember 2023

Was müssen wir tun, um solche Menschenmengen anzuziehen?

 


Plinio Corrêa de Oliveira

In Angelegenheiten des Apostolats scheint das wesentliche Anliegen des „aggiornamento“ darin zu bestehen, Menschenmengen in die Kirche zu locken.

Unser Jahrhundert kann mehr als die vorherigen als das Jahrhundert der Menschenmengen bezeichnet werden. Überall sehen wir, wie sich Menschenmengen versammeln. Und für alle Zwecke: politische Kundgebungen, sportliche Wettkämpfe, heidnische Zurschaustellung weiblicher Schönheit und tausend andere Anlässe.

Wenn man diese Menschenmengen betrachtet, ist es für jemanden selbstverständlich, folgende Überlegung anzustellen: Wie gut wäre es, wenn eine gleiche Anzahl von Menschen zum Zweck der Religion, zu einem öffentlichen Gottesdienst, einer großen Predigt oder einer feierlichen Kundgebung des Glaubens zusammenkommen würde.

Und daraus ergibt sich natürlich die große Frage: Welche modernen Mittel kann man finden, welche neue Technik kann man anwenden, um solch riesige Menschenansammlungen im religiösen Sinne anzuziehen? Wie können wir beispielsweise die Menschenmenge, die im Klischee auf dieser Seite zu sehen ist, zu einer katholischen Demonstration zu bewegen?

Sobald die Frage formuliert ist, beginnen die Antworten zu fließen. Natürlich ist es, wenn moderne Menschen mit modernen Mitteln moderne Menschenmassen anlocken, zunächst einmal ratsam, die alten Methoden des Apostolats aufzuschieben, um das Aktuellste zu nutzen: In dieser Angelegenheit gibt es nichts, was modern genug ist.

Was den Einsatz moderner Mittel betrifft, so ist er großartig und es gibt nichts einzuwenden, solange er mit heiligem Geist, mit aller Würde und Erhabenheit geschieht. Aber was die Abschaffung der alten Mittel angeht, ist die Sache alles andere als einfach.

Tatsächlich sind wir der Meinung, dass die wirksamsten Mittel, Menschenmengen anzulocken, nach wie vor die alten sind: der Gottesdienst, die Kanzel, der Beichtstuhl usw. Und vor allem die Verehrung Unserer Lieben Frau.

*

Mancher fortschrittliche Leser wird sich vor Wut winden. Und er wird ausrufen: Wir brauchen neue Methoden! In der modernen Welt kann nichts erreicht werden, wenn wir uns nicht an die Moderne wenden. Unsere Liebe Frau ist vor fast zwanzig Jahrhunderten gestorben, und spielt keine Rolle mehr. Die Menschen von heute wollen nur die Menschen von heute.

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Es gibt eine moderne Obsession, die wie alle Obsessionen einen klaren Blick auf die Realität verhindert.

Moderne Massen, geplagt von Sorgen, von der Hektik des täglichen Kampfes, von der Weisheit einer ausschließlich dem Ökonomischen gewidmeten Existenz, werden zunehmend appetitlicher für das Übernatürliche. Und viele der traditionellen Methoden der Kirche, die so von Adel, Frömmigkeit und einem Sinn für das Übernatürliche geprägt sind, erweisen sich als zunehmend wirksam, wenn es darum geht, die Massen anzulocken.

Jemand wird spöttisch lächeln. Wo und wann könnten traditionelle Methoden so viele Menschen anziehen wie die auf dem Foto?

Nun... diese Menschen sind in Fátima versammelt, um der Messe beizuwohnen, die Seine Heiligkeit Papst Paul VI. zum Lob Unserer Lieben Frau in der erhabenen Schönheit des katholischen Rituals zelebriert hat.

Gegen Fakten gibt es keine Argumente. Maria zieht die Mengen an, und wenn man die Menschen anziehen möchten, müsse man sie nur einladen, Maria zu preisen. Um den Stellvertreter Christi herum betet sie inbrünstig zur Jungfrau Mutter, ohne dass es notwendig ist, um sie anzuziehen, Zugeständnisse an Bossa Nova, ié-ié-íé usw. zu machen.


Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google Übersetzer von „Que havemos de fazer para atrair multidões?“, einem Artikel von Plinio Correa de Oliveira in „Catolicismo“ vom August 1967

„Was müssen wir tun, um solche Menschenmengen anzuziehen?“ erschien erstmals auf Deutsch (vom Autor nicht revidiert) in www.p-c-o.blogspot.com

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

 


Dienstag, 19. Dezember 2023

Die Rose – die Orchidee – die Tulpe

Plinio Corrêa de Oliveira

Die Rose: Pracht der Ordnung mit Poesie

Die Orchidee: Unerwartete Schönheit

Die Tulpe: Meisterwerk der Kohärenz

 In Holland ist (oder war) es verboten, Tulpenwurzeln zu exportieren, aber einige Niederländer haben es geschafft, Tulpenwurzeln nach Brasilien zu bringen, und zwar auf einer Farm, die vollständig den Niederländern gehörte und dort gelang es ihnen, die ersten Tulpen auf brasilianischem Boden zu pflanzen, denn hier wächst alles.

Schon Pero Vaz de Caminha, als er im 16. Jahrhundert den ersten Bericht über die Entdeckung Brasiliens nach Portugal schrieb, gebrauchte den Satz – der danach berühmt wurde – in seinem ausführlichen Bericht, in schönem Portugiesisch, der zu einem Juwel der portugiesischen Sprache wurde, über die Entdeckung Brasiliens und eine Beschreibung der Schönheiten des neu entdeckten Landes: „Herr“, schrieb er dem König Dom Manuel, „das Land ist großzügig und gut, und es gedeiht alles, was man dort pflanzt.“ Das Schlimme ist, – das steht nicht im Bericht ist aber eine Folgerung der Mentalität, die hier eingeführt wurde – dass man pflanzen muss; wenn wir nicht zu pflanzen bräuchten... Alle schönen Dinge bewundern wir, aber das Problem ist, dass wir pflanzen müssen...


       Also haben sich am Ende hier die Tulpen vermehrt. Und jemand hat mich gebeten, eine kleine Beschreibung in der Art von „Ambiente, Bräuche, Zivilisationen“ der Tulpen zu machen.

Ist die Tulpe die schönste aller Blumen? Antwort: Meiner Meinung nach ist sie das nicht. Wir haben zwei Blumen, denen ich nach meinem persönlichen Geschmack den Vorzug vor den Tulpen gebe. Die erste ist offensichtlich die Rose. Ob es jemanden gefällt oder nicht, eine vollkommen schöne, perfekte und vollendete Rose ist ein Ruhm, eine



Schönheit, etwas Wunderbares, mit einer Anordnung ihrer Blätter wie keine andere. Sie belegt den ersten Platz unter den Blumen.

Nach der Rose – und hier ist eine noch persönlichere Meinung von mir, die ich glaube, nicht von vielen Menschen geteilt wird – gibt es eine Blumenart, die in auch Brasilien wunderbar wächst, – ich habe gehört, dass sie in Kolumbien noch schöner ist. Einige dieser Blumen hat mir jemand aus Kolumbien mitgebracht, die lange Zeit in unserem öffentlichen Marienoratorium ausgestellt waren – es handelt sich um Orchideen.

Die Orchidee ist jedoch eine Blume, die auf eine Schönheitsgattung hinweist, die sich grundlegend von der Rose unterscheidet. Denn wenn die Rose die Pracht der Ordnung mit sich bringt ... Die Rose ist eine überaus geordnete Blume: Die Blütenblätter sind alle in der richtigen Reihenfolge angeordnet und alle Schönheitsformen der Rose gehorchen einer Logik. In der Rose ist nichts vorgesehen; ich wäre weit davon entfernt, diesen Horror zu sagen, dass die Rose geplant ist. Aber man würde sagen, dass ein Dichter sie geplant hat. Gott, unser Herr, hat sie geplant und bestimmt, dass alles in ihr geordnet und festgelegt ist. Sie hat den Duft, der in ihrer Schönheit steckt. Die Rose hat die Schönheit einer vorhergesagten, rationalen und expliziten Ordnung. Die Rose ist eine hervorragende Erklärung des Schönheitsbegriffs.

Wenn dies über die Rose gesagt werden kann, gilt das Gegenteil für die Orchidee. Die Orchidee ist selten, sie ist einzigartig, sie hält Überraschungen bereit, sie hat Blütenblätter, die sich fast ballettartig bewegen – wie ein Pflanzenballett – in Richtungen, die man sich nicht vorstellt, und die um den Mittelteil herum von Blume zu Blume auf eine ebenfalls unterschiedliche Weise angeordnet sind. Und der zentrale Teil der Orchidee ist immer herrlich schön, wie man es aber nicht erwarten würde. Zum Beispiel, weiß am Rand und dann ein tiefes Rot und Lila, das einen geheimnisvollen Teil im Inneren erreicht, wo wir den Eindruck haben, dass es ein erhabenes Rot gibt, das sich aus einer Art Bescheidenheit sehr gehobener Dinge nicht zeigt, im Gegensatz zu ordinären Dingen, die sich zur Schau stellen.

So gibt es unvergleichliche Orchideenformen, aber alle von der Schönheit des Fantasievollen, des Unerwarteten, von hoher Vornehmheit,


aber von einer Vornehmheit, die jedem, der sie sieht, zu sagen scheint: „Gestehe, dass du keine Vorstellung von mir hattest und das ich viel erhabener bin, als alles, was du dir vorstellen konntest“. Es gibt so etwas wie „rühre mich nicht an“ an der Orchidee, das als Teil einer anderen Familie von Schönheit gehört. Es ist nicht die Schönheit der Unordnung, denn Unordnung hat gar keine Form von Schönheit, sondern es sind diese höheren Formen der Ordnung, die das Denken nicht konstruieren kann und die nur die Fantasie zu komponieren weiß, die sehr stark dem Geist der Lateinamerikanischen Nationen entspricht, und ich glaube, dass sie hauptsächlich in der Form des Geistes zweier psychologisch sehr ähnlicher Nationen bestehen, Brasilien und Kolumbien.

Manchmal, wenn ich höre, wie Kolumbiaden erzählt werden, erinnere ich mich an Brasiliaden. Die Laune, das Unerwartete, die Begeisterung, manchmal auch der Groll, die Rache, je nach Anlass die Gewalt, aber sofort gefolgt von einer liebevollen, manchmal von einer lieblichliebevollen Versöhnung. All dieses temperamentvolle Hin und Her sehe ich bei Brasilianern und Kolumbianern gemeinsam. Und da ist die Orchidee, die auf diese Weise die Besonderheiten des Geistes des Volkes markiert, die die Vorsehung eines Tages dort platzieren würde.

Was ist die Tulpe?

Die Tulpe ist eine sehr schöne Blume. Sie ist eine so schöne Blume, dass wir, wenn wir sie sehen, uns fragen, ob es etwas Schöneres als sie geben könnte. Es gibt sie in mehreren Farben. Neben anderen Farben gibt es sie auch in Schwarz. Es ist die einzige Pflanze, die ich kenne, die schwarze Blüten hervorbringt. Aber schwarz, die Farbe eines Leichensarges… Unter anderen Farben, und vielleicht die schönste, ist eine rote Weinfarbe, eine Farbe, die fast dem Bordeaux ähnelt, zumindest wenn Bordeaux gegen die Sonne gesehen wird, aber man kann sehen, dass da nichts ist von dem undefinierbaren der Farbe der Orchidee. Die Farbe der Orchidee – tatsächlich variieren die Farben der Orchidee stark – aber die häufigste Farbe der Orchidee, das Lila, hat etwas Undefinierbares. Wir haben den Eindruck, dass wir für einen Moment den Himmel schauen und dass er sich plötzlich unmerkbar verändert, man vernimmt es nicht deutlich. Die Farbe der Tulpe ist ehrlich, beständig, definiert.

Da die Orchidee eine Parasitenpflanze ist, spricht sie ganz von Selbstversorgung und Unabhängigkeit. Schauen Sie, wie stolz sie sich erhebt, wie sie dasteht und wie sie mit einer Art Ausgeglichenheit bis in die Spitze den schönsten Teil ihrer selbst trägt. Es ist eine etwas erhabene Balance, die Blätter selbst umschließen einen Stängel und lösen sich so, um einen Stängel durchzulassen, der alle Hindernisse überwindet und sich fast wie ein Speer durchsetzt. Oben sind diese Kelche, weil es echte rote Kelche sind und wenn sich der Kelch weiter öffnet, spielen die Blütenblätter ein ähnliches Spiel. Sie wenden sich etwas nach außen: sie neigen sich nach außen, um eine noch größere innere Schönheit zu offenbaren.

Was ist das Schöne an dieser Blume? Natürlich ist es die Schönheit der Farbe, aber es ist auch die Schönheit der Harmonie. Es gibt ein Verhältnis zwischen Höhe, Durchmesser und Größe jeder Blüte, was sie zu einem Meisterwerk der Kohärenz macht. Und wenn wir das bewundern, empfinden wir die Freude, ein rationales Wesen zu sein, wir spüren die Schönheit der Vernunft, wir spüren nicht die Schönheit der Fantasie. Fantasie ist dort nicht vorhanden; der Grund liegt vor. Es ist eine Ordnung der Schönheiten wie die der Rose und so vieler Schönheiten des wundervollen Europas: ausgewogen, rational, in der sie – bis auf eine berühmte Halbinsel, die bereits die Fantasie hat – einen Stiefel bildet, alles andere ist rational, ausgewogen und ohne Fantasie.

Sie werden sagen: Ist das die ganze Schönheit der Orchidee? Ich sage nein. Sie hat eine sehr gute Proportion zu allem anderen, sie belastet den Rest nicht, sie hat die exakte Größe, sie ist ein wahres Meisterwerk. Für uns, für die modernen Menschen, bringt es vor allem eine interessante Lehre mit sich, die folgende ist: Da der zeitgenössische Geist zutiefst falsch ist, in einer Werteordnung, die Gott festgelegt hat und die im Metaphysischen für den zeitgenössischen egalitären Menschen berücksichtigt werden kann: wie viele Dinge sind nicht erstklassig! Wenn sie nicht zur ersten Klasse gehören, sind sie zweiter Klasse. Und in der zweiten Klasse kommt etwas Abwertendes ins Spiel: Es ist Müll, der wertlos ist.

Können wir sagen, dass die Tulpe im Vergleich zur Rose eine Blume zweiter Klasse ist? Sie ist sicherlich nicht so schön wie die Rose, aber nicht zweitklassig im abwertenden Sinne des Wortes. Sie ist eine wunderschöne Blume, die für sich genommen ein Wunder der Blumenwelt darstellt. Sie steht direkt neben der Rose. Wenn man sie sieht, sollte man sie nicht einmal mit der Rose vergleichen, denn sie ist in ihrer Schönheit überragend, aber weniger schön als die Rose. Warum? Weil der revolutionäre Mensch von heute die dumme Vorstellung hat, dass alles, was nicht erstklassig ist, Müll ist. Im Gegenteil, es gibt sehr viele Stellen in der gesamten Abstufung der Dinge; und wir sollten die jedem Grad eigene Schönheit lieben.

Die Orchidee lehrt uns Bescheidenheit und Demut in dem Sinne, dass sie, obwohl sie nicht die Erste ist, sich in der Hierarchie der Werte so weit oben befindet und Gott, unserem Herrn, der sie erschaffen hat, eine so herrliche Ehre erweist, dass sie beweist, dass Hierarchie einen Daseinsgrund hat. Es geht nicht darum, dass Wesen sich gegenseitig vernichten, sondern vielmehr darum, einander in ihren unterschiedlichen Formen und ungleichen Brillanzniveaus zu respektieren. In diesem Sinne könnte man sagen, dass die Orchidee eine Blume des Anti-Egalitarismus ist.

Wenn die Rose eine Blume des Anti-Egalitarismus ist, indem sie Schönheit in höchstem Maße zur Schau stellt, ist die Orchidee eine Blume des Anti-Egalitarismus, indem sie die Schönheit mittlerer Grade zeigt, die der moderne Geist so wenig versteht.

Die Schwarze Tulpe, die „Königin der Nacht“

Als ich nun hörte, dass es schwarze Tulpen gibt, fragte ich mich: Was  nützt eine schwarze Blume? Kreuzkränze für Verstorbene zu basteln? Nun, es muss einen Grund für die Existenz schwarzer Tulpen geben.

Die Franzosen schmücken ihre Schaufenster mit besonderem Flair. Sie stellen zum Beispiel sogar in Schuhgeschäften Blumen aus, und man kommt vorbei und kauft schließlich in diesen Laden, weil jemand, der wirklich intelligent ist, eine Vase mit Blumen in eine Ecke gestellt hat...

Als ich mit dem Auto durch Paris fuhr, sah ich einmal in einem Schaufenster (es war kein Blumenladen) eine Vase mit Tulpen in verschiedenen Farben und einer schwarzen Tulpe in der Mitte. Wie schön, dachte ich. Und dann verstand ich, warum Gott schwarze Tulpen geschaffen hat. Sie können sich nicht vorstellen, wie dadurch die Schönheit all der anderen Tulpen zur Geltung gebracht wurde! Diese schwarze Tulpe bildete einen solchen Kontrast zum Rest, dass ich, wenn jemand versuchen würde, sie herauszunehmen, sagen würde: Tu es nicht, denn es ist eine der schönsten Noten der Vase!

Das war eine rationale Form der Fantasie, à la Französisch. Es war ein Lehrsatz über Farben. Als das Auto langsam mit der Geschwindigkeit der alten französischen Taxis vorbeifuhr, staunten meine Augen darüber und mein Verstand umso mehr, weil ich den Grund verstand, warum Gott dieses Wunder geschaffen hatte.




Teilansicht eines Stoffschaufensters in Paris

 

 









Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google Übersetzer von „A orquídea – a rosa – a tulipa“, einem Vortrag von Plinio Correa de Oliveira am 6. März 1971

„Die Orchidee – die Rose – die Tulpe“ erschien erstmals auf Deutsch (vom Autor nicht revidiert) in

www.p-c-o.blogspot.com

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Dienstag, 21. November 2023

Marie Antoinette: Überlegenheit von Tradition und Geist über die Materie


    Auf diesem Gemälde hält die Königin von Frankreich Marie Antoinette (1755-1793) eine Rose mit einer solchen eleganten Kunstfertigkeit, dass es den Anschein hat, als zeige sie die Blume denen, die das Gemälde betrachten, aber in Wirklichkeit sagt sie: Schauen Sie mich an und erkennen Sie, wie die Rose ein Symbol meiner selbst ist.

   Man merkt darin weder Stärke noch Quantität, sondern Qualität und Kategorie. Sie verfügt nicht über die Pracht der Stärke, sondern über die Überlegenheiten der Quintessenz der Zerbrechlichkeit. Hohe Kategorie, hohe Tradition, hohe Abstammung, hohe historische Vergangenheit, dargestellt in einer äußerst fragilen Person. In ihrer Zerbrechlichkeit zeigt sie jedoch die Stärke dessen, was sie darstellt. Sie spottet und scherzt fast über die Kraft und sagt: „Sehen Sie, körperlich bin ich so zerbrechlich, aber ich bin das alles, weil ich Prinzipien vertrete.“

   Im Grunde ist darin eine Lehre enthalten: Der Mensch ist viel mehr Wert aufgrund seiner Seele als seines Körpers. Er ist mehr Wert wegen der Summe der Vergangenheit und der Gegenwart, weil er in der Lage ist in der Zukunft zu erblühen, als nur in einem Augenblick im Leben.

   Wo ist hier Stärke dargestellt? An ihr ist nichts weich oder gelassen. Der gesamte Körper ist straff und aufrecht, nichts zeigt sich in einer bequemen Position, vor allem das Haupt. Der hohe Hals erhebt sich, sie blickt von oben herab, aber ohne Arroganz. So würde sie sogar ein 80-stöckiges Gebäude anschauen, das im Vergleich zu ihr auf die Größe einer Streichholzschachtel reduziert wäre.

   Der Gedanke, dass dieser Hals guillotiniert werden würde, lässt einen schaudern. Die Revolutionäre enthaupteten sie, in der Annahme sie würden dadurch die Person verkleinern. Doch die Figur Marie Antoinettes bleibt für alle Zeiten in Erinnerung, und bis zum Ende der Welt werden die Menschen über sie sprechen.

   Wenn jemand Opfer einer bestimmten Form von Brutalität gegen das Recht, die Tradition und edle Zerbrechlichkeit wird, bekommt er den Ruhm, ein Martyrium erlitten zu haben, er wächst ins Unermessliche und bleibt unauslöschlich.

   Die Versuche von Kraft und Materie sind wertlos gegen diejenigen, die den Geist repräsentieren. Die Überlegenheit von Tradition und Geist spiegelt sich in dieser Mentalität wider, die besagt: „Ich weiß genau, was ich bin. Ich bin was ich bin“.


Hinweis: Auszüge aus einem Vortrag von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira am 12. Juni 1981. Keine Rezension des Autors.

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google Übersetzer von „Maria Antonieta: Superioridade da tradição e do espírito sobre a matéria“ in „Catolicismo“, São Paulo, März 2018, Nr. 807, Seite 52. Ambiente, Bräuche, Zivilisationen.

„Marie Antoinette: Überlegenheit von Tradition und Geist über die Materie“ erschien erstmals auf Deutsch in www.p-c-o.blogspot.com

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