Posts mit dem Label Betrachtungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Betrachtungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 9. August 2023

Das ewige Thema des Glücks…

 


Um glücklich zu sein? Reicht es nicht aus, nur zu fühlen, es ist auch notwendig, zu denken...

„Eine der großen Lügen einiger einflussreicher Cliquen ist, dass Glück durch den mehr oder weniger übertriebenen Genuss sinnlicher Freuden erreicht wird.“

Von Carlos Castro

 

    Kaffe Foto: Karl Fredrickson auf Unplash

    Betrachten wir heute ein Thema unter einem Aspekt und vom natürlichen Standpunkt aus, indem wir vom Übernatürlichen abstrahieren (was immer gefährlich ist, aber ohnehin nur pädagogischen Zwecken dient).

    Eine der großen Lügen einiger einflussreicher Cliquen besteht darin, dass Glück durch den mehr oder weniger übertriebenen Genuss sinnlicher Freuden erreicht wird.

    Das ist eine Lüge, die von der Werbung überall wiederholt wird. Es ist fast eine unveränderliche Formel, die sie anwendet: „Trink die Limo so und so, und du wirst glücklich.“ Ahh... schau, wie köstlich!‘. „Glück ist, an einem Strand zu sein, im Schatten der Palmen, bei einem Likör so und so oder in einem Hotel so und so.“ „Probiere doch einmal die Nudeln der Marke so und so, so und so zubereitet, Deiner Familie wird es schmecken“, und Du wirst glücklich sein….

    Indem sie sich jedoch nur auf sinnliche Freuden als Quelle des Glücks konzentriert, verbreitet die Werbung eine subtile, aber sehr tiefe Lüge, eine wahre Lüge: sie vergisst, dass der Mensch nicht ein Gefühlswesen ist, das nur von Sensibilität bestimmt wird, sondern auch Verstand und Wille ist und entweder werden diese beiden Fähigkeiten auch berücksichtigt, oder der Mensch wird unter einer sehr tiefen Unzufriedenheit leiden.

    Der menschliche Verstand dürstet nach Wissen, er will immer mehr und mehr kennen lernen, was im Grunde ein Wunsch ist, das Unendliche kennen zu lernen, das am Ende des Weges Gott selbst ist. Und der Mensch hat einen Willen, ein Verlangen zu lieben oder abzulehnen, das nicht nur von den begehrenswerten Objekten angezogen wird, die ihm sein Gefühl zeigt, sondern er will das Unendliche lieben und auch danach strebt, von dem, was ihm sein Verstand offenbart, informiert zu werden.

Wer nicht denkt, ist wie jemand, der Augen hat, aber nichts sieht.

    Deshalb, WENN DER MENSCH NICHT DENKT, wenn er die Fähigkeit zu wissen nicht übt, wird er nicht glücklich werden: seine Hauptfähigkeit wird vernachlässigt. Das ist etwas, was uns die Werbung nicht sagt, und deshalb lügt sie wegen dieser großen Unterlassung.

    Eines Tages erklärte Prof. Plinio Corrêa de Oliveria, dass der Verzicht auf den Verstand, also nicht Überlegen, nicht Denken und keine Urteile äußern so sei, als ob jemand, der über die fünf Körpersinne – Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen – verfügt, nur den Geschmack oder das Fühlen nutzen würde und nicht das Sehen und Hören. Es wäre absurd, uns die Ausübung des höchsten Sinns, des Sehens, zu verweigern, der es uns ermöglicht, einen Sonnenuntergang zu betrachten und den Flug eines Adlers zu bewundern. Es ist also schlimmer, den Verstand nicht zu nutzen, der viel höher ist als das Sehen und deren Ausübung natürlicherweise eine tiefere Freude bereiten kann.

    Es gibt sogar Mittel und Wege, die eigenen sinnlichen Freuden zu genießen: mit reiner Tierhaftigkeit oder mit Vernunft.

    Tierhaftig wird der Mensch einen mit Kaviar bedeckten Keks schlucken, wie jemand, der sich schnell Mehl mit Tomatensoße durch die Kehle spült.

    Andererseits wird er mit Verstand versuchen, ihn zu genießen, zu schmecken, und wenn es das erste Mal ist, dass er Kaviar probiert, wird er versuchen, Analogien zu anderen Lebensmitteln, mit anderen Geschmacksrichtungen, mit Gerüchen herzustellen, er wird versuchen die körperliche Freude, die er verspürt, in Worte zu fassen, er sagt zum Beispiel „köstlich“, aber auch so etwas wie „Überraschungseigeschmack“, „Intensität, die nicht süßlich schmeckt“ oder „einzigartige glasige Textur“. Auf diese Weise wird der Einsatz seiner sensiblen Fähigkeit, der Geschmack, auch durch die Intelligenz veranschaulicht, und er wird dadurch eine vollkommenere Freude genießen, die dem vernünftigen Menschen angemessener ist, weil nicht nur der Geschmack, sondern auch der Geruch, das Sehvermögen, ins Spiel kam und Verstand sowie Willenskraft, die so den Adel des Kaviars noch mehr schätzen werden.

    Es ist das wunderbare Spiel, Eindrücke in Worte zu fassen, bloße Empfindungen in Ideen, in Vergleiche, in Urteile umzuwandeln: das ist die Ausübung des Verstands; um wirklich ein Mensch zu sein und nicht nur ein kleines Tier, Sklave seiner Empfindungen. Um die Freiheit des Menschen zu haben und in die Welt zu fliegen, die jenseits der Sterne liegt, aber in Reichweite der höchsten menschlichen Fähigkeiten ist.

    Denken ist erhellen, denken ist entdecken, was mir verborgen blieb, denken und somit entdecken bedeutet, neue Kontinente zu besiedeln. Ein größerer Schatz als der Besitz von Reichtum ist die Anhäufung von Wissen, als Frucht der Reflexion; Wissen, das Sicherheit gibt und den verwirrten Weg des Lebens leitet. Wer nicht denkt, ist schlimmer als der Blinde, weil er blind ist für das Licht seines Verstandes. Und dieser Blinde wird nicht glücklich sein können, auch wenn er den ganzen Tag am Strand mit Mojitos und Muscheln lebt, denn letztendlich... ist er blind.

    Viel glücklicher ist derjenige, der beispielsweise in einem Café sitzt, eine Kirche betrachtet und mit seinen Gedanken die verborgene Botschaft ihrer Architektur entdeckt. Ich erinnere mich an eine Gelegenheit, als ich mit zwei intelligenten Freunden in einem Straßencafé vor der Kirche von Chartres war, die für viele die schönste der Welt ist. Der Nachmittag war herrlich, sonnig, ein intensives Blau ohne einen weißen Fleck. Die Türme von Chartres erwiesen sich als sehr hoch und zerrissen den Himmel, denn tatsächlich befanden wir uns sehr nahe am Fuß der Kathedrale und die Türme schienen sich im unendlichen Himmel zu verlieren. Sein grauer Stein wirkte cremeweiß, und das war in meinen Augen mit der Reliquie verbunden, über die wir bald nachdenken würden, dem Schleier der Jungfrau, Symbol ihrer makellosen Reinheit, dessen gotisches Reliquiar Chartres war. Es waren Momente der Wonne.

   

Kathedrale von Chartres

    Foto: Mick Haupt auf Unplash

    Glücklicher als das kleine Tier, das sich am Strand ausstreckt (natürlich kann man die Köstlichkeiten des Meeres auch intelligent betrachten...), ist zum Beispiel derjenige, der von einem Café aus die vorbeiziehenden Gesichter betrachtet und in seine intelligente Beobachtung versucht die Geheimnisse der Herzen zu enthüllen und in Worte und Urteile zu fassen: „Sehen Sie sich das Gesicht einer Dame mit festen Gesichtszügen an, die vom Leid geformt wurden. Allerdings behält sie eine gewisse Freude, der Schmerz hat sie nicht ausgelöscht, woran liegt das?“ oder „Diese Augen sind nicht nur tief, sondern offenbaren auch einiges an Intelligenz. Es ist eine Intelligenz, die vielleicht zu selbstbewusst ist, das Gesicht ist etwas hart, dieser Mensch hat bereits bewiesen, dass seine Intelligenz es ihm ermöglicht, mit einer gewissen Überlegenheit auf dem Lebensweg zu spielen. Wird diese stolze Seele dort noch Platz für Gott haben?“, denn Denken ist nicht nur Antworten, sondern vor allem Fragen.

    Wahrlich, so sagte auch Prof. Plinio, der glücklichste Mensch sei nicht derjenige, der wahnsinnig nach unzureichenden sinnlichen Freuden strebe, noch derjenige, der lebt, um zu arbeiten, Geld zu verdienen, um sich später... sinnliche Freuden zu gönnen, sondern derjenige, der harmonisch seine Fähigkeiten entwickelt und nutzt, insbesondere zum Nachdenken.

Bedingungen, Anforderungen

    Aber um DENKEN zu können, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt werden.

    Erregung, Unruhe, Schnelligkeit lässt kein Nachdenken zu. Wer rennend lebt, denkt nicht viel; Wer rennt, fühlt nur, reflektiert nicht.

    Denken erfordert eine sorgfältige Betrachtung der Realität, die wir Beobachtung nennen können. Diese Beobachtung liefert die Voraussetzungen des Denkens. Wer nicht innehält, um zu beobachten, hat keinen Stoff, über den er später nachdenken kann.

    Das Denken wird in Momenten der Stille genährt und entwickelt. Wer ständig unter dem Einfluss von Sinnesreizen steht (z. B. übermäßiger Lärm oder Bilder), führt dazu, dass die Sinne die Intelligenz übertönen und so die Reflexion verhindert.

    Eine der höchsten natürlichen Freuden ist ein gutes Gespräch, der gegenseitige Austausch von Ideen, Wünschen und Gefühlen. Gespräche sind nicht nur Anlass zu großer Freude, sondern auch eine Notwendigkeit, denn sie sind eine der wichtigsten Formen der Beziehung zwischen Menschen, die auch soziale Wesen sind.

    Aber wer nicht denkt, hat nicht viel zu erzählen, sein Gespräch ist eintönig und er beschränkt sich auf die heute so alltäglichen Fragen: „Wie kalt ist es doch, nicht wahr?“. Oder er bleibt bei einem oberflächlichen und animalischen Zusammenleben, wie es bei bestimmten Konzerten moderner Musik üblich ist.

    Es ist der Gedanke, der der Seele Tiefe verleiht. Eine Seele, die nicht denkt, ist oberflächlich. Und die oberflächliche Seele verfügt am Ende über weniger Elemente, um eine tiefere Beziehung zu anderen Menschen aufzubauen.

    Andererseits hat derjenige, der denkt, überlegt, in sich ein großartiges „Spielzeug“ entdeckt, das ihm nicht nur beste Unterhaltung und Freuden bescheren wird, sondern auch wertvolle Elemente für den Kampf des Lebens (vergessen wir nicht, dass der Kampf, wenn er richtig verstanden wird, wen er auch schmerzhaft ist, ist er auch eine Quelle des Glücks).

    Es ist klar: über dem Denken steht die Beziehung zu Gott, der die Gnade und das göttliche Leben bringt.

    Aber selbst die Beziehung zu Gott wird durch den richtigen Gebrauch dieser wunderbaren Fähigkeit, die Gott uns gegeben hat, nämlich der Möglichkeit des Nachdenkens, gefestigt.

 

 

Aus dem Spanischen mit Hilfe von Google-Übersetzer von „¿Para ser feliz? No sirve solo sentir, sino que es preciso Pensar…” in https://es.gaudiumpress.org/content/para-ser-feliz-no-sirve-solo-sentir-sino-pensar/ Redaktion (08.07.2023, Gaudium Press)

Die deutsche Übersetzung „Das ewige Thema des Glücks…“ erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com

Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Dienstag, 11. Januar 2022

Gebet an der Krippe vor dem Festessen am Heiligabend 1993

 

O Herr Jesus,  wie zahlreich sind die Widersprüche, mit denen Du  die tausendfach glorreiche Nacht Deiner heiligen Weihnacht krönen wolltest!

„Krönen“, ja,  das ist das Wort, das mit vollkommener Genauigkeit angebracht ist,  diese Gesamtheit von Umständen,  mit denen Du die Stunde umgeben wolltest,  die so reich an Symbolen der Herrlichkeit und des Leids ist,  in der Du, aus dem Schoß der jungfräulichen Mutter geboren,  den herrlichen weiten Weg antreten wolltest,  der Dich vom Stall von Bethlehem bis zu den Höhen des Tabor führte  und von diesem bis  zum Golgatha,  um in dem herrlichen und furchtbaren Augenblick zu gipfeln, in dem Du  du den Antichristen vernichten wirst,  die letzten Sterblichen auslöschen wirst,  durch ein furchtbares Vernichtungsdekret  die Geschichte der Menschheit zu Ende bringen,  und auf die Erde kommen wirst, um das letzte Gericht über alle Menschen zu beginnen!

Indem wir all diese Szenen des Schmerzes und des Sieges,  der höchsten Verherrlichung wie auch der unerbittlichen und äußersten Verurteilung betrachten,  stellen wir das Fest deiner heiligen Weihnacht  in seine volle historische Perspektive.  Ja, eine Perspektive, in der Gott und der Teufel,  Himmel und Hölle,  in unerbittlichem Gegensatz,  in einem extremen Kampf,  ihre Schläge austeilen werden, in dem Moment,  in dem die Geschichte zu Ende geht,  nur noch das Gute und das Böse einander gegenüberstehen,  die einen von der ewigen Gerechtigkeit zu allem Glück bestimmt,  vollkommen, in Herrlichkeit und ohne Ende,  und die anderen zum ewigen und unergründlichen Abgrund des Schmerzes,  der Schmach und Schande,  wo alles nur Niederlage,  Versagen, Seufzen und völlig nutzlose Aufruhr ist!

Man sollte meinen, dass dies nicht der Fall ist,   denn in der Stillen Nacht singen die Engel „Ehre sei Gott in der Höhe,  und auf Erden Friede den Menschen guten Willens“.

Ja, für die Menschen guten Willens,  aber es gab schon unter dem Himmelsgewölbe,  von Sternen übersät,  die Menschen schlechten Willens,  und es würde sie geben bis zum letzten Augenblick des letzten Tages.  Die Verkündigung des Friedens war gewiss nicht für sie,  die Verworfenen und Verdammten,  sondern die Ansage der unerbittlichen und totalen Glücklosigkeit.

Du hast gewollt, dass Deine Krippe umgeben sei,  nicht nur von der blendenden Herrlichkeit,  die Dir deiner unendlichen Heiligkeit zusteht,  sondern die unergründliche Süße des vollkommenen Herzens einer Mutter,  die Dich vom ersten Augenblick Deines Daseins an angebetet hat.

Es ist im Gipfel all dieser Vollkommenheiten,  in dem unsere Augen heute, in der Weihnachtsnacht, Dich anschauen.

Aus so vielen Widersprüchen, die zugleich großartig und erhaben,  schillernd und schrecklich sind,  ergibt sich eine Lehre,  die wir dich bitten,  in unsere Herzen einzuprägen.  Auch die heutige Welt ist von Widersprüchen durchdrungen.  Wir sehen den Widerspruch zwischen Wahrheit und Irrtum,  Gut und Böse,  Du, Herr Jesus, und Deine heilige Mutter,  an deren Seite die Heiligkeit Josefs leuchtet – einerseits –  und auf der anderen Seite das Meer der Schändlichkeiten,  der Verbrechen,  der Widerwärtigkeiten, in das die Welt heute sich stürzt,  „totus positus in maligno“.

Wohin wir auch blicken,  gibt es etwas, das wir sehen,  etwas, das wir hören, das Dich beleidigt,  Dich empört und sich gegen Dich verschwört;  es gibt nicht heute,  es gibt nicht morgen,  etwas, das sich nicht gegen Dich wendet, um dich zu verspotten,  dich zu schlagen,  dich bluten zu lassen und dich ans Kreuz zu zerren.

Alles um Dich herum ist Widerspruch  in dem Sinne, dass es um Dich herum fast nur Böses gibt  und das Böse ist im Grunde widersprüchlich.

Gib, o Schmerzensmutter,  dass wir diese Stunde des Widerspruchs verstehen,  indem wir kniend am Fuße des Kreuzes verharren,  aber gleichzeitig aufrecht und furchtlos wie Krieger, wie Engel, auf offenem Schlachtfeld.

Unerbittliche Krieger, mit brennenden Herzen aus Liebe zu Dir und zu Deinem göttlichen Sohn, um das Böse zu vernichten, um die Widersprüche zu zerstören, um Dich auf die Höhe der Herrlichkeit Deines Reiches zu erheben, o Maria!

Ut adveniat regnum Christi,  adveniat regnum Mariae!

 

 [Gebet, das von Dr. Plinio Corrêa de Oliveira am 23.12.93 auf Wunsch mehrerer Gruppen verfasst wurde und vor dem Weihnachtsessen gebetet werden sollte]

Aus dem Portugiesischen übersetzt mit DeepL.com/Translator (kostenlose Version) von „Oração de Natal“ vom 23. Dezember 1993.

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Diese deutsche Fassung von „Gebet vor dem Weihnachts-Festessen 1993“ erschien erstmals in
www.p-c-o.blogspot.com

Dienstag, 24. November 2020

Zu Weihnachten

 Betrachtung beim Jesuskind in der Krippe

Plinio Corrêa de Oliveira


Stellen wir uns die Ankunft der Heiligen Drei Könige mit ihren Karawanen, ihren Prozessionen, den mit Schätzen beladenen Tieren, dem Stern von Bethlehem vor, und diese Souveräne - der schwarze König Baltasar und die beiden anderen, Melchior und Kaspar - opfern dem Jesuskind in einer Haltung der Anbetung, Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Im göttlichen Kind können wir unter anderem seine unendliche Größe auf der einen Seite betrachten; andererseits seine unendliche Zugänglichkeit; und schließlich sein unendliches Mitgefühl. Unter welchem Aspekt würden wir uns dem göttlichen Kind näher fühlen?

Die Größe des Jesuskindes und seiner heiligsten Mutter

Wenn wir seine unendliche Größe betrachten, können wir uns eine riesige, hohe Höhle vorstellen, die so groß ist wie eine Kathedrale, die keine bestimmte Architektur hat, bei der jedoch die Bewegung der Steine uns die Bögen einer Kathedrale des künftigen Mittelalters vage erspüren ließ.

Wir können uns auch noch die Krippe vorstellen, die als Wiege für das Gotteskind diente, aufgestellt an einem majestätischen Punkt der Höhle. Und ein himmlisches goldenglänzendes Licht in diesem Moment über sie leuchtete.


Das göttliche Kind ruht in seiner Krippe, mit der Majestät eines wahren Königs, obwohl es noch ein neugeborenes Kind ist. Er, König aller Majestät und aller Herrlichkeit. Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, Mensch gewordener Gott. Er war vom ersten Moment Seines Seins an - also bereits im Schoß Unserer Lieben Frau - Inhaber von mehr Majestät, Größe, mehr Äußerungen von Stärke und Macht als alle Menschen in der gesamten Geschichte der Menschheit. Er, der über alle Dinge Bescheid wusste und unvergleichlich mehr wusste als jeglicher Wissenschaftler. Er äußerte diese aus Weisheit, Heiligkeit, Wissenschaft und Macht bestehende Majestät, in seinem sich ständig ändernden Antlitz.

Stellen wir uns vor, wir nehmen all das wahr, was angesichts dieses Kindes auf mysteriöse Weise zum Ausdruck kommt. Manchmal, wenn er sich bewegt, erscheint in der Bewegung seine Facette des Königs. Wenn er seine Augen öffnet, äußert sein Blick eine so tiefes leuchten, dass wir in ihm einen großen Weisen ahnen. Es umgibt ihn eine Atmosphäre der Heiligkeit, die alle, die sich ihm nähern, umhüllt. Eine Atmosphäre von solcher Reinheit, dass die Menschen sich diesem Ort nicht nähern, ohne vorher um Vergebung ihrer Sünden zu bitten; fühlen sich aber gleichzeitig durch die Heiligkeit dieses Ortes angezogen, sich zu bessern.

Stellen wir uns auch die Muttergottes zu Füßen des Jesuskindes in der Krippe vor, auch Sie als wahre Königin - denn sie war und ist es - mit einer solchen Würde und Erhabenheit, dass sie sogar auf edle Kleidung verzichten kann, um ihre Majestät zum Leuchten zu bringen.

Majestät als Folge der Heiligkeit

Von der hl. Therese vom Kinde Jesu wird erzählt, dass sie so imposant war, dass ihr Vater sie meine kleine Königin nannte.

Der Gärtner des Karmels von Lisieux berichtete während des Heiligsprechungsprozesses, dass er einmal eine Nonne vom Rücken gesehen habe, die etwas getan habe und er erkannte, dass es Therese war. Der Advokat des Teufels fragte dann: „Woher wussten sie von hinten, dass diese Nonne Schwester Teresa war?“ Die Antwort war sehr bedeutsam: „Wegen ihrer majestätischen Haltung, keine der anderen Schwestern hatte eine solche Majestät“.

Wenn so die hl. Therese war, wie war dann Unsere Liebe Frau?

Stellen wir uns die Muttergottes majestätisch, transzendent und reinste Frau vor, die zum Gotteskind betet. Unsichtbare Engel singen Lieder der Verherrlichung und die herrschende Atmosphäre ist so mit Werten gesättigt, dass man sagen könnte, in diesem Armseligen Stall herrsche eine Atmosphäre eines edelsten Hofes.

Stellen wir uns vor, wir nähern uns der Krippe und spüren die Größe des göttlichen Kindes. Und als Gegenrevolutionäre verehren wir alles, was edel ist, alles, was schön ist, alles, was heilig, kompromisslos und kämpferisch ist. Wir beten das Kind an, das gleichzeitig alle Formen der Größe anzieht, die von ihm ausgehen und die nichts als Widerscheine seiner selbst sind; alle Formen der Reinheit, alle Formen der Heiligkeit, die nur eine Teilhabe an seiner Heiligkeit sind.

So verstößt er die Sünde, den Irrtum, die Unordnung, das Chaos und die Revolution, und diese wagen es nicht sich aufzurichten, und nicht einmal die Augen zu dieser großartigen Szene im Stall zu erheben, wo Ordnung, Hierarchie, Prunk und Pracht in Fülle herrschen.

Unermessliche Zugänglichkeit des Gotteskindes

Stellen wir uns nun einen anderen Aspekt vor: die unendliche Zugänglichkeit.

Es ist legitim, sich das vorzustellen, denn - wie ich später erklären werde - sollten dieser und viele andere Aspekte in der Krippe nebeneinander existieren.

Stellen wir uns das Jesuskind vor, das ungemein zugänglich ist. Dieser König, so voller Majestät, öffnet zu uns irgendwann seine Augen. Wir bemerken, dass sein reinster, intelligentester und klarster Blick unsere Augen durchdringt. Er sieht die tiefsten unserer Mängel wie auch das Beste unserer guten Eigenschaften. Und in diesem Moment berührt sein Blick unsere Seele, wie er den hl. Petrus berührte während seiner Passion, und gibt uns eine tiefe Traurigkeit über unsere Sünden.

Die Evangelien berichten, dass der Blick unseres Herrn zum hl. Petrus so durchdringend war, dass er hinausging und bitterlich weinte. Und sein ganzes Leben lang vergaß der Apostelfürst nie den rührenden Blick, der ihn immer wieder zum Weinen brachte.

Dieser Blick verursacht eine tiefe Traurigkeit über unsere Sünden. Er gibt uns eine Abscheu zu unseren Sünden.

Doch wenn ein solcher Blick in uns eindringt, bringt der neugeborene Erlöser auch seine Liebe nicht nur zu unseren guten Eigenschaften zum Ausdruck, sondern auch durch den Zustand, dass wir von ihm geschaffene Kreaturen sind. Eine Liebe, die er uns erweist trotz unserer Fehler, weil wir von ihm geschaffen worden sind und zu einer Heiligkeit und Vollkommenheit bestimmt sind, die schon in uns vorhanden sein kann und die er kennt und liebt.


Und wenn der Sünder es am wenigsten erwartet, lächelt er ihn an, auf eine liebevolle Bitte seiner Mutter. Und mit diesem Lächeln spüren wir trotz all seiner Majestät, wie die Entfernungen verschwinden, die Vergebung in unsere Seele eindringt und etwas, das uns anzieht. Und so angezogen, gehen wir zu ihm und verweilen an seiner Seite. Das göttliche Kind umarmt uns liebevoll und spricht unseren Namen aus.

- „Mein N, ich liebte dich so sehr und ich liebe dich so sehr! Ich wünsche dir so viele Dinge und ich vergebe dir so viele andere. Denk nicht mehr an deine Sünden! Denke von nun an nur noch daran, mir zu dienen. Und in allen Zeiten deines Lebens, wenn du irgendwelche Zweifel hast, erinnere dich an diese Nachgiebigkeit, diese Liebenswürdigkeit, diese Güte, die ich dir jetzt erweise, und wende dich an mich durch meine Mutter, ich werde dich erhören. Ich werde dein Schutz sein, deine Stärke, und diese werden dich in den Himmel bringen, um dort an meiner Seite für alle Ewigkeit zu regieren.“

Unendliches Erbarmen

Stellen wir uns jetzt die Barmherzigkeit des Jesuskindes vor, nicht nur um uns Gutes zu tun und wegen dass, was es in uns gutes uns schlechtes gibt, sondern auch unter Berücksichtigung des elenden Zustands jedes Menschen auf Erden.

Er analysiert unsere Traurigkeit und das Leiden, das jeder von uns mit sich trägt: vergangenes Leiden, gegenwärtiges Leiden und zukünftiges Leiden, das er bereits kennt, weil er Gott ist. Und er sieht auch die Gefahr, die unsere Seele läuft in die Hölle zu kommen, denn der Mensch als Wanderer auf Erden ist der Gefahr ausgesetzt, in den ewigen Qualen der Hölle gestürzt zu werden.

Stellen wir uns auch das Jesuskind vor, das das Fegefeuer und die Qualen betrachtet, die uns dort erwarten, wenn wir nicht ganz treu sind.

Dann wird sein Blick ein Blick des Mitleids und der tiefen Teilnahme an unserem Schmerz sein; mit dem Wunsch, diesen Schmerz so weit wie möglich zu beseitigen im Hinblick auf unsere Heiligung; mit dem Wunsch, uns die Kraft zu geben, denselben Schmerz selbst zu ertragen, soweit dies für unsere Heiligung notwendig ist.

Wir sehen in Ihm das, was den Menschen so tröstet: vollkommenes Mitgefühl.

Es gehört zur menschlichen Natur - und es ist eine richtige Haltung -, dem Menschen in der Stunde des Leidens Trost zu spenden; dass es jemanden gibt, der Mitleid mit ihm hat. Mitgefühl teilt und verringert daher das Leiden. Der Mensch ist so beschaffen, dass in Momenten in denen er glücklich ist, und seine Freude mit andren teilt, er seine eigene Freude verdoppelt. Doch wenn er traurig ist und seine Traurigkeit mitteilt, teilt er sie.

So sind wir auch in Bezug auf das Jesuskind, wenn wir vollkommenes Mitgefühl in ihm finden.

In all den Leiden unseres Lebens, wenn der zu trinkende Kelch sehr bitter ist, müssen wir durch Unsere Liebe Frau sein Gebet wiederholen: „Mein Vater, wenn es dein Wille ist, so lass diesen Kelch an mir vorüber gehen; doch nicht mein Wille geschehe, sondern der deine!“

So können wir jederzeit bitten, dass der Schmerz vorübergehe. Aber wenn es sein Wille ist, dass er uns widerfährt, sind wir sicher, dass wir während unseres Leidens Seinen barmherzigen Schmerz finden werden. Und er wird uns sagen: „Mein Sohn, ich leide mit dir! Lass uns zusammen leiden, weil ich für dich gelitten habe. Der Moment wird kommen, in dem du für immer an meiner Freude teilnehmen wirst“. Und wir können sicher sein, dass der mitfühlende Blick Jesu uns in keinen Moment unserer Existenz verlassen wird.

Daher müssen wir in den Schicksalsschlägen des täglichen Lebens diese dreifache Erinnerung - die der unendlichen Majestät, die der unendlichen Zugänglichkeit und die des unbegrenzten Mitgefühls - des Gotteskindes uns gegenüber bewahren. Und dies muss eine gefühlte Erinnerung sein, denn wir versuchen, in unserer Vorstellung das genaue Bild herzustellen, in dessen Lage unsere Seele sich gerührt fühlte.

Bestehen drei Aspekte in der Seele des neugeborenen Erlösers nebeneinander?

Die menschliche Natur unseres Herrn umfasst Vollkommenheiten, Geisteszustände, die alle vollkommen sind und je nach den Umständen seines Lebens in unterschiedlichem Maße gleichzeitig existieren. Er war von dem Moment an, als er Mensch wurde, voller Majestät, voller Zugänglichkeit, Güte und Mitgefühl zu den Menschen.

Und es ist natürlich, dass auch als Kind gemäß den Seelen, die sich ihm näherten, mal ein Aspekt, mal ein anderer seiner menschlichen Natur sich zeigte.

Es wäre sehr schön, wenn in einer Kirche statt nur einer, drei Krippen auf drei verschiedenen Altären aufgestellt würden, in denen die Figuren und die gesamte Umgebung jeden dieser Aspekte repräsentierten, wodurch jeder Seele die Meditation erleichtert würde, die ihn am meisten berührte.

* * *

Hier ist eine Meditation über Weihnachten, die auf einer sehr sensiblen Wiederherstellung der Szene basiert, von der wir am leichtesten berührt werden.

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer eines informellen Vortrags von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, den er am 29. Dezember 1973 hielt. Er wurde übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne Überarbeitung des Autors.

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Diese deutsche Fassung erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com

Freitag, 3. April 2020

Überlegungen für die Karwoche


Plinio Corrêa de Oliveira
Wahre Frömmigkeit muss die ganze Seele des Menschen durchdringen und daher auch Emotionen wecken und anregen. Aber Frömmigkeit ist nicht nur Emotion, und es ist nicht einmal hauptsächlich Emotion. Frömmigkeit entspringt der Intelligenz, die ernsthaft gebildet wurde durch ein sorgfältiges Studium des Katechismus, durch eine genaue Kenntnis unseres Glaubens und folglich der Wahrheiten, die unser inneres Leben bestimmen sollen. Die Frömmigkeit liegt auch noch im Willen. Wir müssen ernsthaft das Gute wollen, das wir kennen. Es reicht zum Beispiel nicht aus zu wissen, dass Gott vollkommen ist. Wir müssen die Vollkommenheit Gottes lieben, und deshalb müssen wir uns etwas von dieser Vollkommenheit wünschen: Es ist das Streben nach Heiligkeit. „Wünschen“ bedeutet nicht nur vage und sterile Gefühle zu empfinden. Wir wollen ernsthaft nur dann etwas, wenn wir bereit sind, alle Opfer zu bringen, um das zu bekommen, was wir wünschen. So wünschen wir nur ernsthaft unsere Heiligung und die Liebe Gottes, wenn wir bereit sind, alle Opfer zu bringen, um dieses höchste Ziel zu erreichen. Ohne diese Bestimmung ist alles „Wünschen“ nichts als Illusion und Lüge. Wir können größte Zärtlichkeitsgefühle haben, wenn wir die Wahrheiten und Geheimnisse der Religion betrachten: wenn wir daraus keine ernsthaften und wirksamen Vorsätze treffen, wird unser Frömmigkeit wertlos sein.
Dies muss besonders in den Tagen der Passion Unseres Herrn gesagt werden. Es reicht nicht, die verschiedenen Ereignisse der Passion mit Rührung zu verfolgen: das wäre ausgezeichnet, aber nicht genug. Wir müssen unserem Herrn heutzutage aufrichtige Beweise unserer Andacht und Liebe geben.
Wir geben diese Beweise, durch den Vorsatz unser Leben zu ändern und mit aller Kraft für die heilige katholische Kirche zu kämpfen.
Die Kirche ist der mystische Leib Christi. Als unser Herr den heiligen Paulus auf dem Weg nach Damaskus erschien, fragte er ihn: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du Mich?“ Saulus verfolgte die Kirche. Unser Herr aber sagte ihm, dass er Ihn selbst verfolgte.
Wenn die Verfolgung der Kirche bedeutet, Jesus Christus zu verfolgen, und wenn auch heute die Kirche verfolgt wird, wird heute Christus verfolgt. Die Passion Christi wiederholt sich in gewisser Hinsicht auch in unseren Tagen.
Wie wird die Kirche verfolgt? Wenn ihre Rechte angefochten werden oder daran gearbeitet wird, die Seelen von ihr fernzuhalten. Jede Tat, durch die eine Seele von der Kirche entfernt wird, ist ein Akt der Verfolgung Christi. Jede Seele ist in der Kirche ein lebendiges Mitglied. Eine Seele aus der Kirche zu entfernen bedeutet, ein Mitglied des mystischen Leibes Christi von ihm zu trennen. Eine Seele aus der Kirche reißen bedeutet in gewissem Sinne unserem Herrn dasselbe anzutun, wenn uns der Augapfel herausgerissen würde.
Wenn wir also mit der Passion unseres Herrn Jesus Christus leiden wollen, meditieren wir darüber, was Er in den Händen der Juden gelitten hat, aber vergessen wir nicht, was heute alles noch getan wird, um das göttliche Herz zu peinigen.
Dies gilt umso mehr, als unser Herr während seiner Passion alles vorausgesehen hat, was bis zum Ende der Welt geschehen würde. Er sah alle Sünden aller Zeiten und auch die Sünden unserer Tage im Voraus. Er sah unsere Sünden im Voraus und litt im Voraus für sie. Wir waren im Ölgarten als Henker anwesend und als Henker folgten wir seine Passion Schritt für Schritt bis zum Gipfel des Golgatha.
Bereuen und weinen wir also.


Die leidende, verfolgte, verachtete Kirche, steht hier vor unseren gleichgültigen oder grausamen Augen. Sie steht vor uns wie Jesus vor Veronica stand. Haben wir Mitleid mit ihren Schmerzen. Trösten wir mit unserer Zärtlichkeit die Heilige Kirche in allem, was sie leidet. Wir können sicher sein, dass wir damit Christus einen Trost geben werden, der dem Trost der Veronica gleich ist.

Ungläubigkeit
Beginnen wir mit dem Glauben. Bestimmte Wahrheiten in Bezug auf Gott und unser ewiges Schicksal können wir aus der normalen Vernunft erkennen. Andere kennen wir, weil Gott sie uns gelehrt hat. In seiner unendlichen Güte offenbarte sich Gott den Menschen im Alten und im Neuen Testament und lehrte uns nicht nur, was unsere Vernunft nicht enthüllen konnte, sondern auch viele Wahrheiten, die wir rational erkennen konnten, die aber die Menschheit durch eigene Schuld nicht wirklich erkannt hatte. Die Tugend, durch die wir an die Offenbarung glauben, ist der Glaube. Niemand kann einen Akt des Glaubens ohne die übernatürliche Hilfe der Gnade Gottes vollbringen. Diese Gnade gibt Gott allen Menschen und in strömender Fülle den Mitgliedern der katholischen Kirche. Diese Gnade ist die Bedingung ihrer Erlösung. Niemand wird zur ewigen Glückseligkeit kommen, wenn er den Glauben ablehnt. Durch den Glauben wohnt der Heilige Geist in unseren Herzen. Den Glauben ablehnen bedeutet, den Heiligen Geist ablehnen, Jesus Christus aus der Seele vertreiben.
Schauen wir jetzt um uns herum, wie viele Katholiken den Glauben ablehnen. Sie wurden getauft, aber im Laufe der Zeit haben sie den Glauben verloren. Verloren durch ihre eigene Schuld, denn niemand verliert den Glauben ohne Schuld und zwar durch schwere Schuld. Und siehe, gleichgültig oder feindselig, denken, fühlen und leben sie wie Heiden. Es sind unsere Verwandten, unsere Nachbarn, vielleicht unsere Freunde! Ihr Unglück ist immens. Unauslöschlich ist das Zeichen der Taufe in ihnen. Sie sind für den Himmel gezeichnet und fahren zur Hölle. In ihren erlösten Seelen ist das Zeichen des Blutes Christi. Niemand kann es löschen. Es ist in gewisser Weise das Blut Christi selbst, das sie entweihen, wenn sie in dieser erlösten Seele Prinzipien, Maximen und Normen akzeptieren, die der Lehre der Kirche widersprechen. Der abtrünnige Katholik hat etwas Analoges zum abtrünnigen Priester. Er schleppt die Überreste seiner Größe mit sich, entweiht sie, erniedrigt sie und erniedrigt sich mit ihnen. Aber er verliert sie nicht.
Was ist mit uns? Geht uns das was an? Leiden wir darunter? Beten wir, dass diese Seelen sich bekehren? Tun wir Buße? Machen wir Apostolat? Wo ist unser Rat? Wo sind unsere Argumente? Wo ist unsere Nächstenliebe? Wo ist unsere mutige und energische Verteidigung der Wahrheiten, die sie leugnen oder verletzen?
Das Heilige Herz blutet damit. Es blutet wegen dem Abfall vom Glauben und wegen unserer Gleichgültigkeit. Eine doppelt tadelnswerte Gleichgültigkeit, weil es Gleichgültigkeit gegenüber unserem Nächsten und vor allem Gleichgültigkeit gegenüber Gott ist.
Verschwörung
Wie viele Seelen auf der ganzen Welt verlieren den Glauben? Denken wir an die unkalkulierbare Anzahl gottloser Zeitungen, gottloser Radiosendungen, die täglich die Welt überschwemmen. Denken wir an die unzähligen Handlanger des Teufels, die auf den Lehrstühlen, in den Familien, an den Orten der Versammlungen oder Vergnügungen ruchlose Ideen verbreiten. Wer wird von all diesen Bemühungen des Teufels zugeben, dass sie keine Wirkung haben? Die Auswirkungen all dessen liegen vor uns. Täglich werden die Institutionen, Bräuche und die Kunst entchristlicht, ein unverkennbares Zeichen dafür, dass die Welt selbst für Gott verloren geht.
Ist in all dem keine große Verschwörung? So viele Bemühungen, harmonisch miteinander verbunden, einheitlich in ihren Methoden, in ihren Zielen, in ihrer Entwicklung, kann das nur das Werk von Zufällen sein? Wo und wann brachten nicht artikulierte Absichten die gewaltigste artikulierte ideologische Offensive hervor, die in der Geschichte bekannt ist, die vollständigste, geordnetste, umfangreichste, genialste, einheitlichste in ihrem Wesen, in ihren Zielen, in ihrer Entwicklung?
Wir denken nicht darüber nach. Wir bemerken es nicht einmal. Wir schlafen in der Müdigkeit unseres alltäglichen Lebens. Warum sind wir nicht wachsamer? Die Kirche leidet unter allen Qualen, ist aber allein. Weit, weit weg von ihr dösen wir dahin. Es ist die Szene des Ölgartens, die sich wiederholt.

Tatsächlich hatte die Kirche nie so viele Feinde und paradoxerweise nie so viele „Freunde“. Hören wir die Spiritisten: Sie sagen, dass sie keinen Krieg gegen die Religion führen und gegen den Katholizismus noch weniger als jeder andere. Doch das Leben aller Kommunisten, Spiritisten und Protestanten ist von morgens bis abends nichts anderes als eine Verschwörung gegen die Kirche. Auch sie haben ihre Lippen bereit für den Kuss, obwohl sie in ihren Gedanken längst beschlossen haben, die Kirche Gottes zu vernichten.
Lauheit
Und unter uns? Diesen Glauben, den so viele bekämpfen, verfolgen, verraten, Gott sei Dank, wir haben ihn.
Welchen Gebrauch machen wir von ihm? Lieben wir ihn? Verstehen wir, dass unser größtes Glück im Leben darin besteht, Mitglieder der Heiligen Kirche zu sein, dass unsere größte Ehre der Titel eines Christen ist?
Wenn ja - und wie selten sind diejenigen, die mit gutem Gewissen dies bejahen könnten - sind wir bereit, alle Opfer zu bringen, um den Glauben zu bewahren?
Sagen wir nicht in einem romantischen Aufschwung, ja. Seien wir positiv. Werfen wir einen kalten Blick auf die Fakten. Steht nicht neben uns der Henker, der uns die Alternative des Kreuzes oder des Abfalls stellt? Aber jeden Tag erfordert die Bewahrung des Glaubens Opfer von uns. Tun wir sie?
Ist es in etwa wahr, dass wir, um den Glauben zu bewahren, alles vermeiden, was ihn gefährden könnte? Vermeiden wir Lektüren, die ihn beleidigen könnten? Vermeiden wir die Gesellschaft, mit der er der Gefahr ausgesetzt ist? Suchen wir nach Umgebungen, in denen der Glaube gedeiht und Wurzeln schlägt? Oder leben wir um weltliche und flüchtige Freuden zu genießen in Umgebungen, in denen der Glaube verkümmert und in Trümmer zu fallen droht?
Jeder Mensch neigt aufgrund des Geselligkeitsinstinkts dazu, die Meinungen anderer zu akzeptieren. Im Allgemeinen sind heutzutage die vorherrschenden Meinungen unchristlich. In Fragen der Philosophie, Soziologie, Geschichte, positiven Wissenschaften und der Kunst kurz, in allem wird kirchenwidrig geurteilt. Unsere Freunde folgen dem Strom. Haben wir den Mut, nicht zuzustimmen? Schützen wir unseren Geist vor dem Eindringen falscher Ideen? Denken wir mit der Kirche in allem und für alles? Oder geben wir uns damit zufrieden, sorglos weiterzuleben und alles zu akzeptieren, was der Geist der Welt in uns einprägt, und einfach, weil er ihn uns einprägt?
Es kann sein, dass wir Unseren Herrn nicht aus unserer Seele vertrieben haben. Aber wie behandeln wir diesen göttlichen Gast? Ist er das Objekt aller Aufmerksamkeit, das Zentrum unseres intellektuellen, moralischen und affektiven Lebens? Ist er der König? Oder gibt es einfach für Ihn einen kleinen Raum, um Ihn als sekundären, uninteressanten Gast zu tolerieren, der etwas ungelegen ist?
Als der göttliche Meister während der Passion stöhnte, weinte und Blut schwitzte, wurde er nicht nur von körperlichen Schmerzen gequält, nicht einmal von dem Leiden, das durch den Hass derer verursacht wurde, die ihn im Moment verfolgten. Er litt alles, was wir ihm und der Kirche an Schmerzen in den kommenden Jahrhunderten zufügen würden. Er weinte um den Hass aller Gottlosen, aller Arius, Nestorius, Luthers, aber er weinte auch, weil er vor sich die endlose Prozession lauwarmer Seelen, gleichgültiger Seelen sah, die, ohne ihn zu verfolgen, ihn nicht liebten, wie sie sollten.
Es ist die unzählige Phalanx derer, die ihr Leben ohne Hass und ohne Liebe verbracht haben und laut Dante aus der Hölle ausgeschlossen werden, weil es nicht einmal einen geeigneten Ort in der Hölle für sie gab.
Sind wir in dieser Prozession?
Dies ist die große Frage, die wir mit Gottes Gnade in diesen Tagen der Einkehr, Frömmigkeit und Buße, in die wir jetzt eintreten, beantworten müssen.


Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
„Legionário“, Nr. 764, 30. März 1947

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

„Überlegungen für die Karwoche“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com


Samstag, 28. März 2020

Palmsonntag



Plinio Corrêa de Oliveira
Ein Mangel, der oft die Wirksamkeit der Meditationen mindert, die wir machen, besteht darin, die Ereignisse des Lebens unseres Herrn zu meditieren, ohne sie auf das anzuwenden, was in uns oder um uns herum geschieht. So sind wir erstaunt über den Wankelmut und die Undankbarkeit der Juden, da sie, nachdem sie mit der feierlichsten Aufnahme die Anerkennung verkündet hatten, die sie dem Erlöser schuldeten, Ihn kurz darauf mit einem Hass kreuzigten, der vielen unerklärlich erscheint.
Diese Undankbarkeit und Wankelmut gab es jedoch nicht nur bei den Juden zur Zeit des irdischen Lebens unseres Herrn. Heute muss Jesus im Herzen vieler Gläubigen diese Alternativen der Anbetung und der Schmähungen ertragen. Und das ist nicht nur im geschlossenen Inneren der Gewissen der Fall. In wie vielen Ländern wurde Unser Herr nacheinander in kurzen Abständen verherrlicht und geschmäht?
Lasst uns unsere Zeit nicht ausschließlich damit verbringen, uns über die Falschheit des damals auserwählten Volkes zu entsetzen. Für unser Heil wird es für uns sehr nützlich sein, über unsere eigene Falschheit nachzudenken. Mit den Augen auf die Güte Gottes gerichtet können wir so unser Leben verändern.
*   *   *
Niemand ignoriert die Tatsache, dass Sünde eine Beleidigung Gottes ist. Wer tödlich sündigt, vertreibt Gott aus seinem Herzen, bricht mit ihm die kindlichen Beziehungen, die er ihm als Geschöpf schuldet, und lehnt die Gnade ab.
Somit gibt es eine bemerkenswerte Analogie zwischen der Geste der Juden, den Erlöser zu töten, und unserer Situation, wenn wir in Todsünde verfallen.
Nun, wie oft und wie oft sind wir, nachdem wir unseren Herrn leidenschaftlich verherrlicht haben, für unsere Handlungen oder zumindest nachdem wir dem Schein nach ihn mit den Lippen verherrlicht haben, in Sünde gefallen sind und Ihn in unserem Herzen gekreuzigt haben!
Das gleiche gilt für viele zeitgenössische Nationen. Sie veranstalten imposante katholische Kundgebungen, in denen sie unseren Herrn öffentlich verherrlichen. Gleichzeitig planen die von ihnen an der Macht gehaltenen Staatsmänner, manchmal in der Stille, manchmal hinterlistig, den Ruin katholischer Institutionen und den Zusammenbruch der heutigen Zivilisation in ihren noch christlichen Linien! Während solche Katholiken ihre Liebe zur Kirche Christi verkünden, dulden sie durch ihre Vernachlässigung, durch ihre Lauheit, durch ihre Gleichgültigkeit, dass die Kirche langsam gefesselt, ihr Einfluss weise untergraben, ihre Tätigkeit verschleiert wird, damit am Tag, an dem die Stunde des gewalttätigen Angriffs ertönt, die Reaktion völlig unmöglich geworden ist.
Offensichtlich bereiteten solche Völker, nachdem sie Unseren Herrn als König anerkannt oder während sie dies taten, Verfolgungen und Leiden vor, die sich kaum von der großen und göttlichen Tragödie der Karwoche unterscheiden.
*   *   *
Gott sei Dank ist es jedoch nicht nur der Wankelmut und Falschheit der Juden, die heute überlebt. Es gibt auch - und wie bewegend sie sind - Gesten, die unwiderstehlich an die Frömmigkeit erinnern, die Veronica so mild gegenüber Jesus, und so überlegen gegen seine Verfolger hatte.
Wenn es wahr ist, dass unser Zeitalter von großen und unerwarteten Apostasien geprägt ist, ist es nicht weniger sicher, dass der Historiker in Zukunft eine Zeit großer Heiliger darin sehen wird, die für die Tugend der Stärke, Klugheit, Mäßigkeit und Gerechtigkeit bewundernswert ist, die die Welt scheint so radikal vergessen zu haben.
Unser Herr wird in unserer Zeit zweifellos sehr beleidigt. Lasst uns einige dieser Sühneseelen sein, die, wenn nicht aufgrund des Glanzes unserer Tugend, zumindest aber wegen der Aufrichtigkeit unserer Demut - intelligente, vernünftige, solide Demut und nicht nur Demut ausflüchtigen Geschwätzes und krummem Halses – sühnen wir an diesen heiligen Tagen, am Throne Gottes so viele Beleidigungen, die Ihm unaufhörlich zugefügt werden.


Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
„O Legionário“, Nr. 447, 6.04.1941
© Nachdruck der deutschen Fassung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Die heilige Traurigkeit des göttlichen Gekreuzigten


Plinio Corrêa de Oliveira
Die katholische Liturgie feiert in diesem Monat das Leiden und Sterben Unseres Herrn Jesus Christus. Zum Anlass veröffentlicht die Zeitschrift „Catolicismo“ in dieser Ausgabe einige Bilder eines prächtigen barocken Kruzifixes - ein authentisches Kunstwerk aus unserer Kolonialzeit -, das im Sitz des Nationalrates der Gesellschaft zur Verteidigung von Tradition, Familie und Eigentum - TFP in São Paulo verehrt wird. Diese Bilder eignen sich zur frommen Meditation über die unaussprechlichen Leiden unseres Erlösers.
Was an diesem Kunstwerk am meisten beeindruckt, ist der Schmerz und die Traurigkeit des göttlichen Gekreuzigten. Die Misshandlungen durch die Henker trugen zu diesem Schmerz bei, die ohne die schändliche praeternatürliche (aus der Unterwelt) Hilfe nicht in der Lage gewesen wären, die Grausamkeit zu einem solchen Ausmaß zu führen.
Der Gottmensch litt in seiner menschlichen Natur. Jeder Mensch wäre ohne die besondere Hilfe des himmlischen Vaters und der Engel nicht in der Lage, solches Leiden zu ertragen. Und es ist angebracht zu betonen, dass die Traurigkeit des Erlösers mehr auf die Sünden der Menschheit zurückzuführen war, die durch seine Passion und seinen Tod erlöst wurden, als auf die physischen Qualen, die er durch Seine Peiniger erlitten hat.
In früheren Zeiten wie auch in unserer Zeit ist es für treue Seelen besonders beeindruckend, den am Kreuz leidenden Jesus Christus zu betrachten. Obwohl es während der Passion viele andere ehrwürdige und bewegende Ereignisse gab - zum Beispiel die Geißelung und die Dornenkrönung -, zieht es die Frömmigkeit der echten Katholiken am meisten an, den am Kreuz genagelten göttlichen Erlöser auf dem Höhepunkt seines Leidens zu betrachten.
Diese Stimmung der Seele ist der weltlichen Freude diametral entgegengesetzt, die in besonderer Weise von der Atmosphäre dominiert wird, die in unseren Tagen von den Medien und dem Kino geschaffen wurde: künstliche unruhige Freude, bis zur Verzweiflung, durstig nach Sünde oder bereits von ihr schon durchtränkt.
Es gibt Leute, die sagen, dass der Katholik immer ein heiteres Gesicht und überschäumende Zufriedenheit zeigen muss, und sich auf einen Gedanken des Heiligen Franz von Sales berufen, um eine solche Haltung zu rechtfertigen: „Ein trauriger Heiliger ist ein heiliger Trauriger“. Es ist jedoch notwendig zu wissen, wie man zwischen gesunder und ungesunder Traurigkeit unterscheidet. Derselbe Heilige macht das in seiner Arbeit „Tröstende Gedanken“ deutlich, indem er sich auf die Lehre des heiligen Thomas von Aquin beruft: „Traurigkeit kann gut oder schlecht sein, je nachdem, welche Auswirkungen sie auf uns hat.“ So kann das eigentliche einer tugendhaften Seele selbst darin bestehen, gute Traurigkeit zu erfahren und sie sogar im Gesichtsausdruck anmerken lassen, denn sie kann damit auf den anderen erbaulich wirken. Diese Traurigkeit hat Unser Herr erfahren und im Ölgarten gezeigt, als er sagte: „Meine Seele ist traurig bis in den Tod.“ Und auch von der Höhe des Kreuzes aus berührte und bekehrte der menschgewordene Gott durch seine Traurigkeit und Angst Seelen wie die des guten Schächers Dimas und den Soldaten Longinus. Ebenso kann die Traurigkeit, die bei tugendhaften Menschen aus ihrem Antlitz durchschimmert, andere anziehen und erbauen. Es ist auf diese Traurigkeit, die der Heilige Geist anspielt: „Wegen der Traurigkeit, die auf dem Antlitz erscheint, wird das Herz des Verbrechers gewandelt.“
So wie zwei Arten von Traurigkeit unterschieden werden kann, kann man auch von einer heiligen Freude sprechen, die sich aufbaut, und von einer weltlichen Freude, die Anstoß erregt. Es ist diese letzte Freude, auf die sich der Heilige Geist bezieht, wenn er sagt: „Wie das Knistern der Dornen, die unter einen Topf brennen, so ist auch das Lachen des Narren; aber auch das ist Eitelkeit“.
Leider überwiegt in den Tagen der Torheit und des Wahnsinns, in denen wir leben, diese falsche Freude in fast allen Geistern und Umgebungen. Eine Zeit erschüttert durch eine immense religiöse und moralische Krise, die mehrere Bilder Unserer Lieben Frau in verschiedenen Regionen der Welt zum Vergießen von Tränen geführt hat.
In Anbetracht dessen versteht es sich, dass der wahre Katholik, obwohl er eine gesunde Freude fühlen und ausdrücken kann, nicht versäumen wird, besonders in seiner Seele einen Hauch von würdiger, männlicher Traurigkeit zu erfahren, die denen eigen ist, die das Leiden unseres Herrn bis hin zum Kalvarienberg begleiten. Und noch genauer, geeignet für diejenigen, die sich heute mit der Heiligen Passion verbinden, der Passion der Kirche - der mystische Leib Christi. Und für jeden Katholiken, der unter dem „mysteriösen Prozess der Selbstzerstörung“ der Kirche leidet, haben die Schmerzen in diesem Ausdrucksvollen Antlitz dieses Gekreuzigten eine tiefgreifende Bedeutung!
*   *   *
Es gibt zwei Aspekte der Skulptur, in denen die künstlerische Arbeit und insbesondere der physiognomische Ausdruck sich verfeinern. Erstens sind es die offenen Lippen, zwischen denen die Zähne leicht zum Vorschein kommen. Das leicht herabhängende Kinn vermittelt den Eindruck einer solchen Verlassenheit von Kräften, dass diese nicht einmal ausreichen, um die Lippen geschlossen zu halten. Dann die Augen, die etwas Trauriges sehen. Doch paradoxerweise scheinen sie jedoch nicht sehen zu können. Der Blick ist fern, als würde er etwas anderes in Betracht ziehen, das Ihn untröstlich macht.
Aber trotz dieses äußersten Schmerzes - eher moralischer als physischer Natur – vernimmt man einen Frieden, eine Barmherzigkeit, eine Zärtlichkeit des Gefühls, in der die Wut nicht vorhanden ist. Die Traurigkeit ist in allem vorhanden. Aber die Traurigkeit dieses zum Tode Verurteilten ist dermaßen groß, seine Haltung so erhaben, dass sie bei weitem die Majestät eines Königs übertrifft!
Der Künstler wusste sehr gut, die Haare unseres Herrn darzustellen. Sie sind nicht ordentlich gekämmt, denn das hätte keinen Sinn, nach allem, was er erlitten hat. Sie sind jedoch wunderschön zerzaust, so dass sie sehr schöne Locken bilden. Der Bart ist so klein, dass er kaum zerzaust sein kann. Er fällt ordentlich und umrahmt das Gesicht.
Abgerundet wird das Bild durch einen silbernen Schein auf dem göttlichen Kopf, in dessen Mitte ein Topas funkelt, mit der stummen Sprache der Edelsteine. Ohne Topas würde etwas fehlen, was nicht explizit angegeben werden könnte. Der Topas, ein golden scheinender Stein, könnte vielleicht anzeigen, dass hinter dem Schmerz und höher als dieser etwas trotz allem leuchtet: die himmlische Glorie!
*   *   *
Der Ausdruck ist vielleicht noch beeindruckender als der des vorherigen Bildes. Es wurde aus einem Winkel aufgenommen, in dem man fast den Eindruck hat, von einem Moment zum nächsten in das Sichtfeld dieses Blicks einzutreten. Die Note der Traurigkeit ist noch rührender. Die Dornenkrone ist besser zu sehen. Große Dornen durchbohren die Stirn Unseres Herrn. Auf der Stirn über dem linken Auge ist eine schwere Wunde zu erkennen. Man hat den Eindruck, dass ein Dorn diese Stelle durchbohrte und eine tiefe Wunde hinterließ, die durch einen Rubin dargestellt wird. Das Blut, das mit einer gewissen Zartheit fließt, gleitet so auf den göttlichen Körper, dass sich lange Fäden bilden, an deren Enden der Tropfen von einem Rubin dargestellt wird.
*   *   *
Obwohl eine Beschreibung wie diese etwas subjektiv sein kann, scheint mir, dass der Eindruck von Trostlosigkeit und Hilflosigkeit hier stärker ausgeprägt ist als in den vorhergehenden Bildern. Es ist ein Schmerz, der als unheilbar, grenzenlos erscheint und unaufhaltsam in den Tod enden muss. Dies wird nicht mit dem vorweggenommenen Trost des Himmels angekündigt, sondern in tiefe Trostlosigkeit gehüllt. Weil der Gekreuzigte die Bosheit der Menschen im Blick hat, die sich gegen ihn werfen.
Es gibt natürlich einen Unterschied zwischen diesem Gesicht und dem des guten Schächers, als er den tröstlichen Satz des Erlösers hörte: „Heute noch wirst du bei mir im Paradies sein“. Unser Herr versicherte zuallererst, dass er auch dort sein, und dass der gute Schächer ihn dort treffen würde. Er, Dimas, war daher der erste heiliggesprochene Mensch in der Geschichte. Der gute Dieb bat um Vergebung, und der Erlöser vergab ihm. In diesem Moment wollte Unser Herr ihm diese Befriedigung geben, damit er mutig die schrecklichen Schwellen des Todes überwinden konnte. Eine solche Freude macht sich jedoch in diesem Gesicht nicht bemerkbar. Und das ist verständlich, denn Unser Herr wollte den Kelch des Leidens bis zum Ende trinken. Das Gefäß mit Galle, wollte Er ganz trinken und alles leiden, was zu leiden möglich war. Aber dem Leidensgefährten wollte der göttliche Meister zum Zeitpunkt des letzten Schritts Trost gewähren.
Bald darauf erlebte Er selbst erhabene Freude, als seine allerheiligste Seele, die hypostatisch mit der Heiligen Dreifaltigkeit verbunden war, sich vom Körper löste und sich von körperlichem und geistigem Leiden befreite. Consummatum est! Das aus Liebe für uns freiwillig angenommene Opfer voll und ganz  ertragen, kam zu seinem Ende.
*   *   *
Auf diesem Profilfoto wirkt die Trostlosigkeit noch tiefer. Man könnte sagen, dass der Tod bald eintrifft. Und die moralische Verwüstung, verursacht durch die Sünden der ganzen Menschheit, scheint diesem Gesicht besonders eingeprägt. Die körperlichen Leiden wurden durch eine solche Verwüstung weitgehend übertroffen, man könnte sagen, dass der physiognomische Ausdruck, der eine gewisse Ratlosigkeit widerspiegelt, eine stumme Trauerklage vermittelt: „Kann die Boshaftigkeit der Menschen diesen Höhepunkt erreichen?“

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
„Catolicismo“, März 1986
© Nachdruck der deutschen Fassung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Freitag, 19. April 2019

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 7. Teil


von Plinio Corrêa de Oliveira

Dreizehnte Betrachtung



»Und als er ihn herabgenommen hatte, wickelte er ihn in Linnen und setzte ihn bei in einem ausgehauenen Grab, in dem noch kein anderer gelegen war« (Lk 23,53).

Herr Jesus, ich betrachte deinen vom Kreuz herabgenommen Leib, deine Menschlichkeit wie zerschmettert, und dein unendlich kostbares Blut, dass du während deinem Leidensweg vergossen hast. Oh, Mann der Leiden, deine Seele und dein Leib litten so viel wie ein Mensch nur hat leiden können.
Solange diese Welt existiert, wirst du unser Vorbild sein im Leiden mit all seinem Adel, Kraft, Ernsthaftigkeit, Süße und Erhabenheit sein. Dies ist ein Vorbild des Leidens, nicht nur rational betrachtet, sondern auch aus der unendlichen Perspektive des Glaubens; ein Leid, das theologisch verstanden wird, als notwendige Buße und ein wesentliches Mittel der Heiligung.

Durch die unendlichen Verdienste deines kostbarsten Blutes, gib unseren Geist die notwendige Klarheit, die Rolle des Leidens in unserem Leben zu verstehen und gib uns die notwendige Kraft, das Leiden wirklich zu lieben.
Die Menschheit kann sich nur aus der enormen Krise retten, in der sie sich befindet, wenn sie die Rolle des Leidens und des Geheimnisses des Kreuzes versteht. Es ist nur dieses Verständnis von Leiden, das auch diejenigen vor der ewigen Strafe retten kann, die selbst in der Stunde des Todes, deiner Einladung, dich auf der Via Dolorosa zu begleiten, nicht nachgekommen sind.
Vermehre auf Erden die Seelen, die das Kreuz lieben. Dies ist die wunderbare Gnade, um die wir dich in dieser Karwoche in dieser Zeit der Dämmerung unserer Zivilisation bitten.