Freitag, 2. Oktober 2026

GOTT WIRD RICHTEN

 Plinio Corrêa de Oliveira
"Folha de S. Paulo" – 11. Juni 1972

Um das wichtigste Ergebnis des Moskauer Treffens in einer prägnanten – wenn auch etwas pedantischen – Formel zu fassen, könnte man sagen, dass sich die Beziehungen zwischen der kommunistischen und der nichtkommunistischen Welt von einer polemischen zu einer dialektischen Phase entwickelt haben.


Anders ausgedrückt: Vor Nixons Besuchen in Peking und Moskau war die Öffentlichkeit weiterhin überzeugt, dass sich die beiden Welten in einem ideologischen Kampf befanden: der Westen, gestützt auf bestimmte, ewig gültige und absolute Wahrheiten des christlichen Glaubens, und der Osten, der die Relativität und Wandelbarkeit aller Lehren – außer des Relativismus – als Dogma verkündete.

Nach den Treffen in Peking und Moskau wurde der gesamten Menschheit implizit vermittelt, dass es für die Supermächte keine Irrtümer oder absoluten Wahrheiten gibt und dass alle ideologischen Gegensätze nicht in der Polemik, sondern im Dialog gelöst werden. Ja, im Dialog. Das heißt, auf einem verschlungenen und doch fließenden Weg, in jedem Konflikt eine Zwischenlösung zu finden, in der die Parteien aufeinander zugehen. Jeder gibt ein Stück seiner Ideologie preis, und aus diesem Feilschen entsteht nicht die Wahrheit, sondern eine Art „Wahrheit“, also eine Art „Verwirrung“, die niemand so recht ernst nimmt und die die Ereignisse im großen Strom der Geschichte hinwegspülen werden.

Von diesem Geist beflügelt, rief Kissinger nach dem Abkommen aus: „Russland und die USA werden in einem Dialog stehen wie nie zuvor.“ Leonid Zamiatin, Direktor des Moskauer Pressezentrums, äußerte sich im Wesentlichen ähnlich.

Wohin wird diese dialektische Euphorie die Welt führen? Die Antwort ist einfach. Man muss sich nur ansehen, wohin sie sie jetzt führt.

Auf sowjetischer Seite wurde in einem Artikel der Prawda eine Interpretation des Abkommens präsentiert, die Raum für alles lässt. Die Zeitung erklärt, Russland habe einen diplomatischen Sieg errungen, indem es die Amerikaner dazu gebracht habe, das Ende des Kalten Krieges und den Beginn einer Friedensära zu akzeptieren. Weiter heißt es, dieser Erfolg des Kremls stehe im Einklang mit Lenins strategischen Prinzipien. Für Lenin war Frieden immer dann wünschenswert, wenn ein stärkerer Gegner im Anmarsch war. Daher galt es, den Frieden zu nutzen, um den Feind an Reichtum und Macht zu überflügeln. Sobald dies erreicht war, mussten die Kommunisten ihre Aggression wieder aufnehmen: Dies erklärt das große Interesse der Sowjets an finanzieller und technologischer Unterstützung durch die großen nichtkommunistischen Nationen wie die USA, Deutschland und Japan. In Moskau wurde vereinbart, dass der Kreml und das Weiße Haus unverzüglich Kommissionen einsetzen würden, um den Austausch zwischen den beiden Welten (den Austausch zwischen Reich und Arm!) zu fördern und Russland so die gewünschten Vorteile zu verschaffen.

Während Russland so seine Bereicherung vorantreibt, nutzt es den Frieden des Dialogs, um dem Westen einen verheerenden wirtschaftlichen Schlag zu versetzen. Die Regierung in Bagdad, der auch Kommunisten angehören, verstaatlichte (sprich: „konfiszierte“) kurz nach Nixons Besuch in Moskau die Iraqi Petroleum Company, ein westliches Unternehmen, das über Pipelines durch Syrien und den Libanon einen Großteil des Erdöls für die westliche Welt liefert.

Laut Medienberichten soll dieses Öl nun nach Russland exportiert werden. Russland wiederum will westliche Länder, denen irakisches Öl fehlt, mit russischem Öl beliefern.

Syrien konfiszierte nur Stunden nach dem Irak ebenfalls die Vermögenswerte des großen Ölkonzerns. Der konservative Libanon ist in Aufruhr. All dies geschieht in einem ohnehin schon unruhigen Nahen Osten.

Tatsächlich wurde Nixon bei seinem Besuch in Persien direkt nach Russland mit Bombenanschlägen und symbolischen Attacken empfangen – verübt von Agenten derselben Gastgeber, die ihn kurz zuvor in Moskau begrüßt hatten. Es ist der Aufstand, der im Reich des Schahs brodelt, mit dem Ziel, dort eine prokommunistische Koalitionsregierung zu errichten und anschließend die riesigen Ölreserven des Persischen Golfs in den russischen Einflussbereich zu bringen.

Wer diese beunruhigenden Nachrichten ernsthaft zur Kenntnis nimmt, wird sicherlich alarmiert sein. Ich weiß nicht, ob Nixon Angst hatte. Falls ja, dürfte seine Furcht nur von kurzer Dauer gewesen sein.

Tatsächlich flog Nixon direkt nach seinem Besuch in Persien nach Warschau. Dort wurde er von einer enthusiastischen Bevölkerung gefeiert, die in ihm den möglichen Retter des von den Kommunisten unterdrückten, armen Landes sah. Nixon hielt eine Rede. Und er konnte sich nichts Besseres vorstellen, als für die unglücklichen Warschauer die Fortschritte Polens nach dem Zweiten Weltkrieg zu loben. Das heißt, unter der kommunistischen Diktatur … Was mögen wohl die Familien der Arbeiter gedacht haben, die vor weniger als einem Jahr in Danzig aus purer Not rebelliert hatten, als sie dies hörten?

Mit diesem Schlag gegen die Befreiungshoffnungen in Polen lieferte Nixon den Beweis – und was für einen Beweis! – seiner Aufrichtigkeit im Dialog mit Moskau. In Teheran hatte er gerade den Beweis für die Heuchelei der Sowjets erhalten …

* * *

Russland nutzt den dialektischen Frieden also aus, um sich zu bereichern und seinen Gegner zu verarmen. Doch um einen Dritten Weltkrieg vorzubereiten, reicht das nicht. Es bedarf auch der Akzeptanz der Amerikaner hinsichtlich des Rückgangs ihres globalen Einflusses und ihrer militärischen Macht.

Was den Rückgang des amerikanischen Einflusses betrifft, so akzeptiert Präsident Nixon diesen in seiner euphorischen Rede vor dem Kongress zwar implizit, aber deutlich. Er erklärte, die USA verfügten weiterhin über genügend Macht, um sich gegen russische Aggression zu verteidigen. Er erwähnte die Verteidigung der übrigen freien Welt mit keinem Wort. Mit anderen Worten: Nordamerika distanziert sich von den anderen nichtkommunistischen Ländern und setzt sie damit Moskaus Zorn aus.

Insbesondere in Bezug auf Lateinamerika belegen Telegramme, dass Nixon versuchte, die Sowjets zu einer Abschwächung ihrer subversiven Bestrebungen in diesem Teil der Welt zu bewegen. Da die Sowjets sich weigerten, musste der amerikanische Präsident in der gemeinsamen Erklärung jegliche Bezugnahme auf lateinamerikanische Länder streichen.

Wie lange scheinen die Zeiten der Monroe-Doktrin her…

* * *

Gleichzeitig begannen die USA, ihre Kriegsanstrengungen konsequent zu reduzieren. Verteidigungsminister Melvin Laird ordnete umgehend die Aussetzung aller Militärprojekte an, die gegen den in Moskau unterzeichneten Vertrag zur Begrenzung strategischer Waffen verstießen.

– Welche Garantien hat Nixon, dass Russland dasselbe tun wird? Laut Kissinger sind die US-amerikanischen Mittel zur Überwachung der russischen Abrüstung wirksam. James Reston, Kolumnist der New York Times, räumt hingegen ein, dass es keine verlässlichen Mittel gibt, die Einhaltung der Abkommen durch die Russen zu überprüfen.

Dieser absolut entscheidende Punkt bleibt daher ungeklärt. Ich fürchte, die Welt wird für diese Unsicherheit einen hohen Preis zahlen!

* * *

– Aber, wird jemand fragen, ist Nixon verrückt geworden? – Diese Annahme ist eindeutig unhaltbar. James Reston hat das Problem, ohne Nixon direkt zu erwähnen, sehr deutlich formuliert. Wer auch immer glaubt, die Sowjets handelten in gutem Glauben, hat Grund zur Hoffnung, dass Nixons Politik einen Krieg verhindern wird. Wer hingegen sowjetischen guten Glauben für unmöglich hält, muss zugeben, dass Nixons Politik den Krieg nicht verhindert. Ich meinerseits füge hinzu, dass diese Politik den Krieg vorbereitet, da sie den Sowjets die Mittel gibt, sich zu stärken und dann die USA anzugreifen.

Dass Nixon, ein Mann mit wenig Doktrin und viel Pragmatismus, den sowjetischen Versprechen Glauben schenkte, trotz der zutiefst unmoralischen Natur des Marxismus, überrascht nicht. Was mir jedoch unerklärlich bleibt, ist, wie er die gesamte freie Welt, einschließlich Lateinamerikas, dem russischen Zorn ausliefern konnte und sogar vor den armen Polen für die russische Besatzung plädierte – und das alles zu einer Zeit, in der Russland im Nahen Osten einige der wichtigsten Ölreserven der Welt ausbeutet und sich so unschätzbare Ressourcen für einen neuen Krieg sichert.

Wie dem auch sei, ich beende heute meine Ausführungen zum Moskauer Konzil.

Die Geschichte wird die Fakten eines Tages aufklären und darüber urteilen.

Und vor allem wird Gott am Tag des Jüngsten Gerichts über sie richten.

*    *    * 

  


Fatima und die Hölle

Plinio Corrêa de Oliveira
Heiliger des Tages – 15. Juli 1967

 

* Kommentar zur dritten Erscheinung Unserer Lieben Frau von Fatima: Vision der Hölle


       Die Muttergottes hatte gerade zum Gebet für die Sünder aufgerufen, als die Vision der Hölle erschien. „Während sie diese Worte sprach – für die Sünder, für die Sühne usw.“, berichtet Lucia, „öffnete Unsere Liebe Frau wie in den beiden vorangegangenen Monaten ihre Hände.“

In dieser Geste, die für das Bild Unserer Lieben Frau von der Gnade typisch ist, neigten sich ihre Hände nach unten, und ein Lichtstrahl ging von ihnen aus.

„Der von ihnen ausgesandte Schein schien in die Erde einzudringen, und wir sahen gleichsam ein Feuermeer, in dem Dämonen und Seelen wie durchsichtige, schwarze Glut in menschlicher Gestalt schwebten.“

Es ist wichtig festzuhalten, dass wir wissen – um eine Vorstellung davon zu haben, was dieses Höllenfeuer ist –, dass es sich um ein reales Feuer handelt. Daher muss die modernistische Vorstellung, das Höllenfeuer sei ein symbolischer Ausdruck moralischen Leidens, zurückgewiesen werden. Zwar gibt es in der Hölle moralisches Leiden, und dieses Leiden ist furchtbar. Es ist die Trennung von Gott, es ist ewige Verzweiflung; der Mensch fühlt sich völlig fremd und in einen erschreckenden inneren Konflikt geworfen. Doch neben diesem moralischen Leiden gibt es auch physisches Leiden, das die Seele trifft. Es gibt wirkliches Feuer in der Hölle, ein wahres Feuer, und dieses Feuer verbrennt die Seele.

Man könnte einwenden: „Aber ich verstehe nicht, wie eine spirituelle Seele vom Feuer verbrannt werden kann.“ Das ist ganz einfach zu verstehen: Ist die spirituelle Seele nicht mit dem Körper verbunden? Ist sie daher nicht mit etwas Materiellem verbunden? Wenn sie mit Materie verbunden ist, warum kann sie dann nicht von etwas Materiellem verbrannt werden? Es ist offensichtlich!

Der heilige Alfons von Liguori sagt über dieses Feuer: Es ist so furchtbar, dass die schlimmste Flamme der Welt im Vergleich schwach erscheint, so wie eine Flamme auf einem Gemälde im Vergleich zu einer echten Flamme auf Erden schwach brennt. Daraus folgt: Die schlimmsten Feuer, die man hier sieht, sind nicht so schrecklich wie die Hölle.

Es ist eine sehr gute Meditation. Deshalb wollte die Muttergottes, dass dieses Feuer heute den Sündern gezeigt wird. Wenn ich eine besonders eindrucksvolle Flamme sehe, denke ich gewöhnlich an die Hölle, und das tut mir gut. Wenn ich zum Beispiel nach Santos gehe und den Schornstein von Cubatão sehe, aus dem diese beeindruckende Flamme schlägt, denke ich gern ein wenig an die Hölle. Dieses Feuer ist für mich bereitet, es ist für jeden von euch bereitet, wenn wir nicht gläubig sind.

Die heilige Teresa von Ávila hatte die Gnade, den Platz in der Hölle zu sehen, der ihr für den Fall ihrer ihre Untreue bestimmt war. Und es war ein gewaltiger Ort, wie eine Art Ofennische, ein Grab, in das sie zusammengekrümmt eintreten und für alle Ewigkeit zusammengekrümmt bleiben sollte, zusammen mit ihrem Körper, wenn die Auferstehung der Toten stattfand. Und es ist gut, zum Beispiel, wenn wir an diesen Straßen vorbeigehen, die gerade repariert werden und in denen Teer in kleinen Töpfen brennt, und wir sehen, wie das Feuer wie Teerregen herausströmt, dann ist es interessant zu denken: „Wenn ich die ganze Nacht mit nur einem brennenden Finger hier verbringen müsste, würde ich vielleicht vor Verzweiflung und Schmerz tot aufwachen!“ Und das bei einem Feuer, das winzig ist im Vergleich zum Höllenfeuer.

Das Höllenfeuer ist furchtbar und währt in alle Ewigkeit. Darüber sollte man nachdenken! „Betrachte die letzten Dinge, und du wirst in Ewigkeit nicht sündigen.“ Die letzten Dinge sind: Tod, Gericht, Hölle und Paradies. Wir müssen über diese vier Wahrheiten nachdenken, sie alle sind für uns notwendig, und hier sehen wir, wie die Muttergottes zur Meditation über die Hölle anregt.

Und dann heißt es weiter: „Ein Meer aus Feuer, eingetaucht in dieses Feuer des Schreckens und der Finsternis“ die Gestalten, „die im Feuer schwebten, getragen von den Flammen, die aus ihnen selbst hervorkamen …“

Sehen Sie sich das an, wie furchtbar das ist: sie werden von Flammen bewegt, die aus ihrem Inneren hervorgehen. Sie brennen so heftig, dass Flammen aus ihnen herausschießen! Das ist etwas anderes als ein Brennen von außen nach innen. Es ist ein Feuer in ihren eigenen Eingeweiden, das entsetzlich brennt und nichts verzehrt, und sie bewegen sich, angetrieben von dieser Hitze. Seht die Qual, die dies darstellt.

„…zusammen mit Rauchwolken, die nach allen Seiten herabfielen…“ Stellen Sie sich eine Krankheit vor, bei der ein Mensch Rauchwolken und Flammen ausstößt und dann zwischen den Flammen taumelt und umhergeht. Können Sie sich die Angst vorstellen, die diese Seuche auslösen würde? Gäbe es eine Pille, die diese Krankheit verhindern könnte, wie gut wäre das Geschäft damit, und jeder würde sie kaufen wollen! Aber sehen Sie, wie wir sind: Der Mensch ist so blind, dass er sich nicht vor dem schlimmsten Leiden in alle Ewigkeit fürchtet.

Doch diese Vision war ein Geschenk der Muttergottes. Wenn die Muttergottes diese Vision schenken wollte, dann wollte sie, dass sie sich ereignet, zum Wohl unserer Seelen. Wir müssen dies wertschätzen und Punkt für Punkt darüber nachdenken, denn das hilft uns und bringt uns Ihr näher. Und für den verhärteten Sünder, der von der Betrachtung der Hölle bewegt wird. Die Kinder der Revolution sind per Definition verhärtet, und ohne die Betrachtung der Hölle werden sie nicht gerettet. Deshalb müssen wir diese Perspektive einnehmen und Punkt für Punkt darüber nachdenken, indem wir die Muttergottes um die Tugend der Gottesfurcht bitten.

Vor einiger Zeit sagte mir ein Arzt, dass man nicht lange krank gewesen sein muss, um zu sterben. Es gibt gewisse Krankheiten, die einen von einem Moment auf den anderen befallen und tödlich sind. Das ist kein Herzinfarkt. Ein Herzinfarkt hat mehr oder weniger nahe oder ferne Ursachen; er tritt plötzlich auf, hat aber eine lange Entstehungsgeschichte im Organismus. Es gibt eine Krankheit namens Embolie – dabei löst sich ein Partikel irgendwo im Körper –, die einen Menschen sofort tötet. Und das passiert von einem Moment auf den anderen; es kann jeden von uns treffen. Wer weiß, ob einer von uns morgen tot aufwacht? Wer von uns weiß, ob wir noch leben, wenn wir aufstehen? Ein bekanntes Geschehen: Der und der ist gestorben! Sie klopften an die Tür, er öffnete nicht. Das Dienstmädchen wurde nervös, rief den Vater, rief die Mutter … sie gingen hinein, er war tot! Es ist nicht unmöglich!

Also: „…unter verzweifelten Schreien, die uns entsetzten und mit Schrecken erfüllten, erschienen die Dämonen als widerliche Gestalten furchterregender, unbekannter Tiere, durchsichtig wie schwarze Kohlen in der Glut.“

Ich habe euch ja schon erzählt, wie widerlich es ist, eine Raupe oder ein ähnliches Tier zu zerquetschen. Ein abscheulicher Schleim tritt dabei aus. Davor hat man Angst. Stellt euch einen Menschen vor, der die Ewigkeit gebadet im widerlichen Saft einer Raupe verbringen müsste! Was für ein schrecklicher Anblick! Doch das ist weniger widerlich als der Teufel selbst, denn der Teufel ist widerlich, schmutzig, entstellt und in jeder Hinsicht monströs. Und es ist dieser Feind, der uns anzieht, und wegen so vieler „Barabbasse“ ziehen wir ihn unserem Herrn Jesus Christus vor.

Die Muttergottes sagte zu Lucia: ‚Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder gehen. Um sie zu retten, möchte Gott die Verehrung meines Unbefleckten Herzens in der Welt verbreiten.“

Wenn wir gerettet also werden wollen, ist die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens unerlässlich.

„Wenn ihr tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden und es wird Frieden herrschen… Der Krieg wird enden“ usw.

Der Rest hier ist nicht von besonderem Interesse. Ich lenke die Aufmerksamkeit auf die Muttergottes – so scheint es in der Erscheinung von Fatima –, die der Verehrung ihres Unbefleckten Herzens besondere Bedeutung beimaß, eine in der Kirche relativ wenig bekannte Verehrung.


Diese Verehrung ist in der Kirche nicht sehr verbreitet. Genauer gesagt, stammt sie aus dem 16. Jahrhundert. Sie ist also eines jener Gnadenwunder, die die Muttergottes für diese Zeit der Bedrängnis aufbewahrt hat. Und sie weist insbesondere darauf hin, dass wir uns der Verehrung ihres Unbefleckten Herzens widmen sollen, um uns von unseren Sünden und insbesondere von der Sünde der Revolution und ihren Wurzeln, nämlich Stolz und Unreinheit, zu erlösen.

Wer den Dämon des Stolzes und der Unreinheit besiegen will, soll sich dem Unbefleckten Herzen Mariens weihen und ein kurzes Gebet sprechen, beispielsweise zum Herzen Mariens, ähnlich dem Gebet zum Heiligsten Herzen Jesu. Es gibt dieses wunderschöne kurze Gebet: „O Jesus, sanftmütig und demütig von Herzen, bilde mein Herz nach deinem Herzen“.



Wir können dies zur Muttergottes sagen: „O Maria, sanftmütig und demütig von Herzen, mache unsere Herzen so demütig und kämpferisch wie Deines.“

Oder: „O Maria, kämpferisch und demütig von Herzen, mache unsere Herzen so kämpferisch und demütig wie Deines.“

Und dies scheint mir das schönste Stoßgebet zu sein: „O Unbeflecktes Herz Mariens, du ohne Makel, mache mich so makellos wie Du.“

Das sind Stoßgebete, die den Dämon der Revolution in uns ausrotten.     

 

 

 

Aus dem Portugiesischen übersetzt.

 


 

Mittwoch, 30. September 2026

Was man bei der Anbetung des Allerheiligsten Sakraments erbitten sollte

Plinio Correa de Oliveira
Santo do Dia – 6. September 1965


Alle wissen, dass die heutige Welt in einem Zusammenbruch enden wird, und wie es bei Zusammenbrüchen üblich ist, brechen sich viele Menschen die Beine, die Wirbelsäule oder den Kopf. Besonders dann, wenn der Zusammenbruch während eines Kampfes geschieht.


Irgendwann wird es großen Mut erfordern, das größte Leid, die größten Qualen zu ertragen, den Mut zum Martyrium zu haben. Dieser Mut zum Martyrium entspricht einer außergewöhnlichen Gnade, um die man bitten muss. Es genügt nicht, sie sich zu wünschen; man muss demütig darum bitten, denn niemand ist ohne eine besondere Gnade fähig, das Martyrium zu ertragen. Daher ist der wesentliche Zweck der Anbetung dieser: das ausgesetzte Allerheiligste Sakrament um diese besondere Gnade des Martyriums zu bitten.


Um eine Anbetung bestmöglich zu gestalten, finden Sie hier einige Anregungen für die Zeit der Anbetung:



1. Phase – Die eigentliche Anbetung: Es ist zwar nicht ideal, aber durchaus legitim, die täglichen Gebete, wie beispielsweise den Rosenkranz, während der Anbetung zu beenden. Anschließend bleibt noch viel Zeit, die man folgendermaßen nutzen kann:


Nachdem das Allerheiligste ausgesetzt und die täglichen Gebete beendet sind, nimmt man sich etwa 5 bis 10 Minuten Zeit für die Besinnung. Man versucht nicht an Äußerlichkeiten, weltliche Dinge oder die Sorgen des Alltags zu denken. Man spüre, wie die Gedanken, Vorstellungen und alltäglichen Sorgen verschwinden, bis die Atmosphäre der Kirche uns ein wenig durchdringt und die ungreifbare, aber dennoch spürbare Wirkung der Gegenwart des Allerheiligsten auf sich einwirken lässt.


Mann spreche dann ein Gebet zur Muttergottes, indem man sich durch sie an das ausgesetzte Allerheiligste wendet und sie bitten, uns die Gnaden zu schenken, die für eine gelungene Anbetung notwendig sind, damit das Licht des Heiligen Geistes unsere Seele bewegt und uns zum Nachdenken über das Richtige anregt; damit unser Wille gestärkt wird und wir die Kraft erhalten, das zu wollen, was wir wollen sollen; damit wir durch die Bewegung unseres Verstandes und unseres Willens die Kraft erlangen, die Vorsätze zu erfüllen, die der Muttergottes gefallen.


Man beginne anschließend, das eigene Leben und das Leben der Gruppe systematisch zu überprüfen und die Hinweise zu erkennen, wie man das Gebet gestalten kann.


Zum Beispiel: Man verrichte vor dem Allerheiligsten einen Akt der Anbetung, des Respekts, des Gehorsams und der Liebe. Anbetung ist ein Akt, durch den ich meiner Seele die unendliche, unergründliche und transzendente Überlegenheit Gottes, die unbegreifliche Erhabenheit Gottes und im Vergleich dazu meine absolute Nichtigkeit und deshalb meine Abhängigkeit von Gott in allem und für alles vor Augen führe.


Das ist der Inhalt der Anbetung. Man muss bedenken, dass die Hostie, die dort ist, Leib, Blut, Seele und Gottheit unseres Herrn ist und dass sie in diesem Augenblick von der Gottesmutter, von allen Engeln und Heiligen des Himmels mit Lobgesängen von unaussprechlicher Harmonie angebetet wird, und dass diese Hostie unser Herr Jesus Christus ist, der zur Rechten Gottes des Vaters sitzt, in der unergründlichen Herrlichkeit der Heiligen Dreifaltigkeit.


Andererseits ist man mit allem Guten und Bösen konfrontiert, und man muss zunächst mit einer Verneigung beginnen, diese Überlegenheit anerkennen, ein Akt des Respekts und der Liebe.

*

2. Stufe – Danksagung: Man bedenke, wie viel wir von Gott empfangen haben: die Gabe der Schöpfung, die Gabe, Kinder der Heiligen Katholischen Kirche zu sein, die einzigartige Gabe der Marienverehrung, die Gabe der Berufung zur ultramontanen Bewegung usw. Danken wir Gott Punkt für Punkt und versuchen wir, uns den Wert jedes einzelnen dieser Dinge bewusst zu machen.

*

3. Stufe – Sühne: Wie hat man angesichts all dessen gehandelt? War Gott, so groß und so barmherzig, mir wirklich gegenwärtig? Habe ich seine Barmherzigkeit stets im Sinn gehabt? usw.


Und vergib mir, dass ich weder die Größe noch die Barmherzigkeit Gottes so im Sinn hatte, wie ich es hätte tun sollen. Und was ich nicht getan habe, tue ich nun: Ich werde dich anbeten, weil ich dich nicht angebetet habe; ich werde auf deine Barmherzigkeit vertrauen, weil ich ihr nicht vertraut habe.


So prüfe man sein ganzes Leben. Ich werde mich nun selbst prüfen und mich vor dem ausgesetzten Allerheiligsten nicht selbst belügen. Ich werde versuchen, meine Seele von Angesicht zu Angesicht mit Gott zu sehen, so wie er sie im Himmel sieht. Ich werde versuchen zu erkennen, ob ich mit mir selbst zufrieden bin oder nicht. Und wenn mir diese Prüfung unangenehm ist, so nehme man sich in Acht! Denn wer sich selbst nicht ansehen will, ist unzufrieden mit sich selbst, und wer sich weigert, sein Gewissen zu prüfen, hat es nicht im Reinen. Die Angst vor der Einsamkeit entspringt oft einem ungeordneten Gewissen.

Bei der Buße sollt man vor allem drei Tugenden prüfen, zu deren Ausübung ein Sohn der Gegenrevolution besonders berufen ist: die Verehrung der Gottesmutter, die Reinheit und die Demut.


Wie gehe ich mit meiner Reinheit um?

Es geht nicht nur darum, zu wissen, ob man in Blicke eingewilligt hat oder nicht, sondern viel mehr. Es geht darum, zu erkennen, ob ich in meinem Unterbewusstsein Träume habe, die mit wahrer Reinheit unvereinbar sind, Zuneigungen, Sehnsüchte, Wertschätzung oder Fantasien, die nicht mit ihr übereinstimmen. Bin ich sentimental? Versuche ich, Sentimentalität aus meiner Seele zu verbannen?


Diese Fragen sollten vor dem Allerheiligsten Sakrament geprüft werden, denn seine Gegenwart ist eine Quelle besonderer Gnaden. Und man lasse sich niemals von Schwäche entmutigen, so unzufrieden man auch mit sich selbst sein mag. Der heilige Franz Xaver sagte treffend: „Die Sünde ist nicht das Schlimmste an der Sünde, das Schlimmste an der Sünde ist die Mutlosigkeit, die nach der Sünde kommt.“ Man lasse sich niemals entmutigen; wenn wir schwach sind, bitten wir um Kraft, immer weiterzugehen.


Kurz gesagt, unsere Haltung vor dem Allerheiligsten Sakrament sollte folgende sein: Demut bedeutet für uns zu erkennen, dass Gott alles ist und wir nichts; nicht danach zu streben, mehr zu sein als andere, sondern der katholischen Sache zu dienen, ohne innerhalb der Gruppe nach Rang und Bedeutung zu suchen. Solange die Muttergottes verherrlicht wird, ist alles andere unwichtig. Das Verlangen nach Bedeutung innerhalb oder außerhalb der Gruppe kann einen Menschen ganz verderben.


Man sollte nicht nach Bedeutung streben, sondern selbstlos dienen wollen. Wenn der Dienst von Bedeutung ist, wird die Muttergottes ihn am Ende belohnen. Verweilen wir nicht bei diesem Punkt. Selbst weil wir es nicht wissen: Manchmal gibt es ein Mitglied der Gruppe, das aus Liebe zur Muttergottes und zur Sühne der Sünden anderer gar keinen Dienst leistet und sich damit abfindet, unbedeutend zu sein. Und diese Person tut mehr als viele intelligente und gebildete Menschen, die sich für wahre Giganten halten.


In Bezug auf die Gruppe: Wünsche ich mir nichts für die Gruppe? Ich werde meine Brüder in der Gruppe, die mir am nächsten stehen, betrachten: Habe ich bei diesem oder jenem nicht eine Tugend bemerkt, die mir gefällt? Ich werde die Muttergottes bitten, sie zu mehren. Habe ich nicht eine großzügige Tat von jemandem bemerkt, die mich erbaulich gemacht hat? Ich werde die Muttergottes bitten, ihm zu danken. Habe ich etwas bemerkt, das mir missfallen hat? Vielleicht habe ich mich sogar geärgert und etwas Unhöfliches zu jemandem gesagt. Ich werde die Muttergottes bitten, ihn zurechtzuweisen. So macht man es.


Wünsche ich mir für die Gruppe nicht etwas Besonderes? Zum Beispiel, dass unsere Kampagnen erfolgreich sind? Ja. Dann werde ich die Muttergottes darum bitten.


Dann erhebe ich meinen Blick zur Kirche, zur Heiligen Katholischen und Apostolischen Römischen Kirche. Es gibt eine Stelle im Alten Testament über Jerusalem: „Jerusalem, Jerusalem, ehe ich dich vergesse, soll meine Rechte verdorren und meine Zunge an meinem Gaumen kleben.“ Die Heilige Katholische Apostolische Römische Kirche, die mystische Braut unseres Herrn Jesus Christus, ist unvergleichlich wertvoller als Jerusalem.


Die katholische Kirche befindet sich heute in einer so tiefgreifenden und traurigen Lage, dass wir, die wir ihre gegenwärtigen Umstände genau kennen – und wir kennen sie –, verstehen müssen, dass die Kirche unaufhörlich jene Worte spricht, die der Prophet Jesaja, wenn ich mich nicht irre, unserem Herrn in den Mund legt und die auch Prediger der Muttergottes in den heiligsten Mund legen: „Alle, die ihr auf dem Weg vorübergeht, haltet inne und seht, ob es irgendwo einen Schmerz gibt wie meinen.“ Nicht alle Trümmer der Welt heute, nicht alles Leid der Welt, ist vergleichbar mit dem Leiden, das die Heilige Römisch-Katholische Kirche heute erträgt.


Und sie sagt es uns treffend: „O ihr alle, o du mein Sohn, geliebter als alle anderen, auserwählt unter so vielen anderen, ohne dein Verdienst, o ihr, haltet inne, das heißt, unterbrecht den Alltag, unterbrecht den Lauf der flüchtigen Gedanken, haltet inne und seht, bedenkt, analysiert, sinniert, ob es einen Schmerz gibt, der meinem Schmerz gleicht!“ Es gibt ihn nicht. Es gibt ihn nicht jetzt und es gab ihn auch nicht in der Vergangenheit. Ich glaube, dass es seit dem Leiden unseres Herrn Jesus Christus und den Tränen, die die Muttergottes damals vergoss, keinen Schmerz auf der Welt gegeben hat, der dem Schmerz der wahren Heiligen Katholischen Apostolischen Römischen Kirche heute gleichkommt.

Nun, angesichts dessen lasst uns darum bitten, dass diese Tage der Prüfung verkürzt werden, dass die ganze Welt die überreiche Gnade empfängt, um diesen Kampf zugunsten der Kirche zu gewinnen, und dass die Erhöhung der Mutter Kirche bald kommt. Möge sie von dem Elend und der Qual erlöst werden, in denen sie jetzt liegt; Königin entthront, entkrönt, zu Boden geworfen und von allen mit Füßen getreten, und möge sie wieder auf ihren Thron gesetzt werden und zurückkehren, mit dem Reich der Kirche, dem Reich Mariens. Auf dass die Kirche das sei, was die Päpste des Mittelalters von ihr sagten: „Sie war die Sonne, von der Licht und Bewegung für alle Wesen kamen, und der Staat war nichts als ein Mond, der um sie kreiste und von ihrem Glanz lebte.“

Wie anders ist das doch im Vergleich zu dem, was wir heute sehen! Wie sehr sollten wir uns das wünschen! Kurz gesagt: Bittet immer wieder, denn wer betet, bewirkt viel mehr für das Kommen des Reiches Mariens als wer arbeitet; wer leidet, bewirkt mehr als wer arbeitet; und wer seine Arbeit als Gebet und Leiden verrichtet, vollbringt etwas Wunderbares.

Schließlich sagten alle Kirchenlehrer, dass die Muttergottes durch ihre Gebete das Kommen des Messias und die Schmach, unter der die antike Welt lag, beschleunigt hat. Wir sollten sie bitten, diese Tage des Unheils zu verkürzen und ihr Unbeflecktes Herz von nun an regieren zu lassen.

Es gibt kein wohlgefälligeres Gebet zum Allerheiligsten Sakrament als dieses: Das Reich Mariens komme bald! Das Reich Mariens komme bald! Wer dieses kurze Gebet während der Anbetung wiederholt, verrichtete bereits eine wunderbare Anbetung.

Es gibt viele Möglichkeiten der Anbetung im Kloster der Karmeliten (in São Paulo); ich möchte Ihnen eine von vielen vorstellen. Vor einiger Zeit habe ich einen Beitrag verfasst, an den ich mich nicht mehr erinnere. Vielleicht werde ich etwas Ähnliches schreiben, aber es ist immer gut, bei der Anbetung ein paar Dinge zu beachten. Ich denke, die ideale Art der Anbetung ist, in die Kirche zu gehen, um zur Muttergottes zu beten und sie um etwas zu bitten. Was die Dinge betrifft, so sollte man sich überlegen, welchen Nutzen man sich von der Anbetung erhofft. Mit anderen Worten: Man sollte sich überlegen, welche Gnaden man erlangen möchte, was man dem Herrn und der Muttergottes sagen möchte und so eine Art kleines Programm erstellen, damit sich die Anbetung dann nach und nach entfalten kann.

Zum Beispiel wäre es hilfreich, die Anbetung mit einer gründlichen Gewissenserforschung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten zu beginnen. Diese Gewissenserforschung sollte sich nicht nur auf die Dinge des Tages beziehen, sondern auch den Zeitraum seit der letzten Anbetung bis zu dieser berücksichtigen, damit man sich nicht fragt: Habe ich gelogen, habe ich eine kleine lässliche Sünde begangen? Das ist nicht so wichtig, obwohl es sehr ernst und sorgfältig, ohne Nachlässigkeit, behandelt werden sollte; das ist nicht so wichtig.

Wichtig ist es, den allgemeinen Verlauf des geistlichen Lebens zu betrachten, das heißt: Kenne ich die Kernpunkte meines geistlichen Lebens? Habe ich mich in diesen Kernpunkten weiterentwickelt oder zurückentwickelt? Wie ging es mir vor einem Monat, als ich die Anbetung machte? Wie steht es um mich in Bezug auf diese Kernpunkte? Zum Beispiel in Bezug auf mein geistliches Leben und wie es sich auf jeden Katholiken bezieht. Wie steht es um die Reinheit? Habe ich mich in Fragen der Reinheit weiterentwickelt oder Rückschritte gemacht? Hatte ich Schwierigkeiten, und woher kamen diese Schwierigkeiten? Kamen sie aus Unbesonnenheit, und woher kam diese Unbesonnenheit? Oder kamen sie einfach aus Versuchungen, für die ich keine Schuld trug? Denn der Teufel ist es, der versucht, und niemand trägt die Schuld daran, vom Teufel versucht zu werden. Habe ich in diesen schwierigen Zeiten gebetet? Habe ich widerstanden, wie ich hätte widerstehen sollen? Sollte ich Maßnahmen ergreifen, um zu verhindern, dass diese Ereignisse mit solcher Heftigkeit und Gefahr für meine Seele wiederkehren?

Was Stolz und Eitelkeit betrifft: Bin ich mir meiner Stolz- und Eitelkeitsgefühle bewusst? Habe ich im letzten Monat versucht, diese Punkte zu bekämpfen? Welche Anzeichen von Eitelkeit und Stolz habe ich in letzter Zeit gezeigt? Wie weit bin ich davon entfernt?

Wächst meine Marienverehrung oder stagniert sie? Was tue ich, um diese Verehrung zu vertiefen? Hat sich meine Andacht zu Maria im letzten Monat Mariens vertieft oder nicht?

Das Allerheiligste Sakrament: Empfange ich die Heilige Kommunion? Habe ich die tägliche Kommunion ohne triftigen Grund versäumt? Empfange ich die Kommunion lauwarm oder voller Inbrunst? Kann ich eine lauwarme Kommunion von einer trockenen unterscheiden, für die ich keine Schuld trage?

Der Rosenkranz: Bete ich täglich den Rosenkranz? Bete ich den gesamten Rosenkranz mit der Sorgfalt, ihn gut zu beten? Habe ich eine bestimmte Gebetsform für den Rosenkranz?

Dies sind einige Überlegungen, die sich gut eignen, um vor dem ausgesetzten Allerheiligsten Sakrament zu meditieren. Die Atmosphäre dort ist dafür besonders geeignet, denn erstens ist unser Herr dort wahrhaft gegenwärtig, und es ist klar, dass die Realpräsenz unseres Herrn uns Gelegenheit zu vielfältigen Gnaden bietet. Andererseits befinden wir uns in einer Basilika, die Unserer Lieben Frau geweiht ist, wo ihre Fürsprache in ganz besonderer Fülle erfahrbar ist. Deshalb habe ich als Karmelit in dieser Karmeliterbasilika besondere Gründe, gründlich zu meditieren und mein Gewissen hinsichtlich meiner Fehler zu prüfen. Und es ist zum Beispiel interessant, damit zu beginnen.

Danach bitte ich den Herrn durch die Muttergottes um die Gnade, wahre Reue über das Erkannte zu empfinden. Um die Gnade des wahren Vertrauens zur Besserung. Um die nötige Inbrunst zur wahren Besserung. So schließe ich im ersten Teil der Anbetung damit ab, mich Gott ganz und gar darzulegen. Ich lege meine Seele vor ihm völlig bloß. Das wird unweigerlich göttliche Barmherzigkeit bewirken und mir gnädig sein, wenn ich dies mit der gebotenen Demut tue.


Nach diesem ersten Teil mag sich der Mensch fragen: Was soll ich die Muttergottes, was soll ich den Herrn bitten? Dann kann er sich der Frage der Berufung zuwenden. Wie steht es um meine Berufung? Pflege ich sie? Fühle ich mich der Gruppe immer stärker verbunden, engagierter, gehorsamer? Mag ich ermahnt zu werden, freue ich mich darüber? Oder fühle ich mich im Gegenteil immer belasteter, immer müder? Werde ich immer eifriger oder treffe ich Ermahnungen mit Wehmut? Kann ich mich entschuldigen, kann ich mich für eine Ermahnung bedanken?


Neue Bitten, neue Gebete, damit die Muttergottes in mir das katholische Bewusstsein, den Hass auf Gleichberechtigung, die Liebe zum Erhabenen usw., die Verehrung für sie in all ihren Formen, entfacht. Hier endet der zweite Teil, der sich mit unseren Pflichten als Mitglied der Gruppe befasst.


Danach können wir uns an den Herrn wenden.


Zuerst ein Akt der Anbetung: die Anerkennung seiner unendlichen Majestät. Ich glaube nicht, dass es eine gültige Anbetung gibt, die die Majestät des Herrn nicht mit einbezieht. Bischof Dom Mayer zitiert in seinem Pastoralbrief einen wunderbaren Satz des heiligen Augustinus über Demut: „Wo wahre Majestät ist, da ist wahre Demut; wo Demut ist, da ist wahre Majestät.“ So ist unser Herr, und in diesem Geiste muss ich ihn anbeten. Ich muss in unserem Herrn Jesus Christus das Antlitz Gottes selbst erkennen, denn wenn ich es betrachte, kann ich ihn ewig anbeten.


Dann Danksagung, Buße, Bitte. Damit werde ich Gelegenheit gehabt haben, unserem Herrn vieles zu sagen. Und vor allem ist es in all diesen Phasen meiner Anbetung wichtiger, ihn zu bitten, zu mir in meiner Seele zu sprechen, als ihm etwas zu sagen. Denn wir gehen nicht nur in die Kirche, um mit Gott zu reden, sondern um von Gott, unserem Herrn, die unschätzbare Gnade zu empfangen, dass er in unserer Seele etwas sagt. Es ist eine gute Inspiration, eine gute Bewegung, eine gute Idee, eine gute Neigung, eine gute Überlegung, die das Ergebnis dessen ist, was die Muttergottes erlangt, was der Heilige Geist in unserer Seele wirkt. Bitten Sie daher unaufhörlich. Herr, sprich zu meiner Seele, erleuchte mich hinsichtlich meiner Fehler, korrigiere mich hinsichtlich meiner Sünden, gib mir Mut, meinen geistlichen Kampf fortzusetzen usw. Dies sind ausgezeichnete Haltungen für uns in der Anbetung.


Ich habe viele Menschen in der Anbetung etwas tun sehen, was ich nicht tadele: Sie nutzen die Zeit, um versäumte Gebete nachzuholen. Ich tadele dies jedoch nur dann nicht, wenn die Person tagsüber keine Zeit zum Beten hatte. Denn wenn jemand tagsüber Zeit hatte, seine Gebete nachzuholen, ist es schwer zu verstehen, warum er dies nicht später tut, da abends ja Gottesdienst ist. Denn dann gibt es keine oder nur eine sehr geringe zusätzliche fromme Handlung. An diesem Tag der Anbetung sollten wir zusätzlich zu den üblichen Andachtsübungen eine weitere fromme Handlung vollziehen. Idealerweise sollten wir, wenn möglich, unsere Gebete bis zum aktuellen Tag erledigt haben, um diese Stunden ausschließlich der Anbetung zu widmen.


Wenn wir beten, sollten wir nicht nur für uns selbst beten, sondern auch für anderen Seelen der Gruppe und ihrer gedenken. Für jene, von denen wir wissen, dass sie Gott durch Heiligung mehr Ehre erweisen werden; beten wir für sie. Für jene, denen die Muttergottes eine besondere Zuneigung entgegenbringt und die manchmal nicht so großzügig sind; beten wir für sie. Für jene, die in Gefahr sind; beten wir für sie. Betet besonders für die Mitglieder der Gruppe. Denn wenn die Gruppe eine Seelenfamilie ist, dann gilt unsere Hauptverpflichtung offenkundig den Mitgliedern der Gruppe. Ich versichere euch, dass diese Anbetung, die wir stets in Einheit mit und durch die Muttergottes vollziehen und durch die wir uns unaufhörlich an den Herrn wenden, uns die größten Gnaden geschenkt werden.

Und dann können wir uns auf den Kern der Anbetung konzentrieren. Wissen Sie, was dieser Kern ist? Es geht darum, die Muttergottes von nun an zu bitten, dass wir in den schweren Zeiten, die wir durchleben müssen, die nötige Ausdauer haben. Wenn Ereignisse eintreten, die die Welt zu erschüttern drohen, wissen wir, wie wir leiden und dieses Leiden bis zum Ende ertragen können. Niemand kann dies ohne die Gnade der Muttergottes vollbringen. Und ohne die Muttergottes erhält man keine Gnade; ohne Gnade ist absolut nichts zu erreichen. Hier sind daher einige Anregungen für die Anbetung des Allerheiligsten.

 


*     *     * 


Dienstag, 29. September 2026

Karl der Große, der Begründer der Christenheit

Plinio Correa de Oliveira
Heiliger des Tages – 30. Oktober 1972

 

Wir haben für heute einen Text über Karl den Großen, entnommen aus der „Weltgeschichte“ von Johann Baptist Weiß.


„Im Jahr 772, im Alter von 30 Jahren, übernahm Karl der Große die Regierung des Frankenreichs. Er wurde zu Recht der Große genannt. Diesen Beinamen verdiente er sich als Feldherr und Eroberer, als Organisator und Gesetzgeber seines riesigen Reiches und als Förderer des geistlichen Lebens im Westen“.

„Unter seiner Herrschaft errangen die christlichen Ideen Siege über die Barbaren. Sein Leben war ein ständiger Kampf gegen die Rohheit und Barbarei, die die katholische Religion und die entstehende neue Kultur bedrohten.

Nicht weniger als 53 Feldzüge unternahm er, nämlich: achtzehn gegen die Sachsen, einen gegen Aquitanien, fünf gegen die Langobarden, sieben gegen die Araber Spaniens, einen gegen die Thüringer, vier gegen die Awaren, zwei gegen die Briten, einen gegen die Bayern, vier gegen die Slawen, fünf gegen die Sarazenen Italiens, drei gegen die Dänen und zwei gegen die Griechen.

Am Weihnachtstag des Jahres 800 erhob ihn Papst Leo III. zum Kaiser und gründete damit die höchste weltliche Institution der Christenheit, das Heilige Römische Reich. Am 28. Januar 814 starb Karl nach dem Empfang der Heiligen Kommunion. Der Legende nach wurde er in einer Nische des Aachener Doms beigesetzt, aufrecht sitzend auf einem Thron, mit einem Schwert umgürtet und das Evangelienbuch in den Händen. Er gilt als Vorbild katholischer Kaiser, als Prototyp des Ritters und als zentrale Figur in den meisten mittelalterlichen Epen.

*    *    *

Wenn von Karl dem Großen die Rede ist, von seinen Taten und seiner Größe, so weiß ich nicht warum, kommt mir unweigerlich die außergewöhnliche Gestalt des Moses in den Sinn, ebenfalls mit seinen Taten und seiner Größe. Moses schuf Ordnung unter dem auserwählten Volk, das ein Vorbild der Christenheit war. Er empfing die Offenbarung der Zehn Gebote, führte das auserwählte Volk zu den Toren des Gelobten Landes, befreite es aus der Gefangenschaft und legte damit den Grundstein dafür, dass es sich dort niederlassen und der Erlöser aus ihm geboren werden konnte.

Karl der Große hatte eine Aufgabe, die im Wesentlichen der des Moses entsprach. Er führte das wahre auserwählte Volk, das nicht länger die Juden waren, sie ein Vorbild des auserwählten Volkes waren. Doch das wahre Volk, das katholische Volk, das von seinen schlimmsten Feinden in unmittelbare Knechtschaft geriet und in einem gewaltigen Kampf all diese Feinde besiegte und die Grundlagen der christlichen Zivilisation legte.

Um uns ein Bild von Karls des Großen Aufgabe zu machen, müssen wir die Verhältnisse seiner Zeit betrachten. Sie wissen, dass das Weströmische Reich bis zum 5. Jahrhundert n.Chr. ganz Westeuropa umfasste. Grob gesagt erstreckte es sich vom Rhein und der Donau bis nach Portugal im Westen, bis nach England im Norden und bis nach Italien im Süden. Es war also ein gewaltiges Gebiet. Umso gewaltiger, als die Kommunikationsmittel damals viel langsamer waren als heute, was es einem Kaiser sehr schwer machte, dieses riesige Gebiet zu regieren. Die Dimensionen eines solchen Reiches, im Verhältnis zum Verwaltungs- und Politikapparat, der es zusammenhalten musste, waren wahrlich gigantisch.

Dieses Reich wurde gestürzt durch die Lawine der Barbaren. Wie Sie wissen, waren die Barbaren entweder Arianer oder Heiden. Der Arianismus war eine Häresie, die man grob mit dem Protestantismus vergleichen kann. Die Arianer waren ebenso antikatholisch wie die Protestanten, das heißt, von der Kirche ausgeschlossen, Ketzer, exkommuniziert, Feinde. Ein arianischer Bischof namens Ulfilas hatte die heidnischen Barbaren zum Arianismus bekehrt. So war ein Großteil der Barbaren, die in das katholische Römische Reich einfielen, Arianer, die mit der Absicht kamen, den Arianismus einzuführen. Andere waren Heiden, deren Absicht es war, das Heidentum zu verbreiten. Beide Gruppen waren Barbaren. Und als Barbaren waren sie aufgrund ihrer Gewohnheit, ihrer Psychologie und ihrer natürlichen Neigung mit der Zivilisation unvereinbar. Sie siedelten sich im Weströmischen Reich an und zerstörten „volens nolens“ die Zivilisation.

Um Ihnen eine Vorstellung davon zu geben, wie barbarisch diese Menschen wirklich waren, genügt es zu sagen, dass sie im Allgemeinen auf den öffentlichen Plätzen der Städte schliefen, weil sie in den Häusern unter Atemnot litten; sie verstanden nicht, wie man in Häuser schlafen konnte. Doch es gab ein barbarisches Volk, einen Stamm, dem selbst in der Stadt die Luft wegblieb. Bei Einbruch der Nacht ließen sie die Stadttore öffnen und schliefen in den Wäldern, weil sie auf dem öffentlichen Plätzen nicht atmen konnten. Mehr muss man dazu nicht sagen.

Ein sehr ernstes Problem, mit dem die Barbaren konfrontiert waren, war die Frage, ob es sich für sie lohnte, lesen und schreiben zu lernen. Sie sahen, dass die Römer zwar lesen und schreiben konnten, aber dennoch dekadent, korrupt und schlechte Soldaten waren. Sie glaubten, dies sei auf die Bildung zurückzuführen. Daher verachteten sie den Gebildeten zutiefst. Der Gebildete galt als verweichlicht, man würde heute im Portugiesischen sagen: „maricas“, und ich glaube, im Spanischen: „maricón“; es sind ähnliche Begriffe.

Und man kann die wirren Vorstellungen dieser Menschen verstehen. Als die Barbaren begannen, sich auf europäischem Boden anzusiedeln und ihre verabscheuungswürdige Tyrannei zu errichten, stellten sie fest, dass die Kirche im zerfallenden Reich standhaft blieb. Das Weströmische Reich verschwand, aber die Kirche mit ihren Diözesen, Klöstern usw. bestand weiterhin.

Und so gab es einen Hoffnungsschimmer, dem Abgrund zu entkommen. Das Ziel war es, den Einfluss der Kirche zu stärken und so Europa aus ihrer desolaten Lage zu befreien. Doch dann folgte eine neue Katastrophe. Die Iberische Halbinsel wurde aufgrund der Schwäche und der Fünfte-Kolonne der Ostgoten, die Spanien bewohnten, von Muslimen überfallen. Fast ganz Spanien wurde erobert, und die arabische Welle begann, von den Pyrenäen ausgehend, dass teils römische, teils barbarische Europa zu überrennen. Viele Muslime kamen nicht einmal durch Spanien.

Sie bestiegen Schiffe, landeten in Italien und Südfrankreich und begannen auch dort ihre Invasionen. So wurde Europa, diese offene Wunde jener Zeit, von den Muslimen heimgesucht.

In diesem Moment, als alles verloren schien, erweckte Gott diesen außergewöhnlichen Mann: Karl den Großen. Einen Mann, der in meinen Augen ein wahrer Prophet war. Mit anderen Worten: Er war ein Mann, der das Reich Gottes erschuf, weil er die Gabe besaß, dessen Wesen zu verstehen und andere zu vereinen, um dieses Ziel zu erreichen. Er hatte auch die Gabe, Hindernisse zu überwinden und aus dem Weg zu räumen, die diesem Ziel im Wege standen.

Karl der Große entstammte einer Familie, die das Frankenreich seit zwei Generationen beherrschte. Diese Familie war jedoch durch interne Kriege und Machtkämpfe gespalten und genoss unter den Franken eine gewisse Vormachtstellung. Die Franken waren nur eines der vielen Völker Europas, die als „Barbaren“ galten.

Karl der Große führte die Franken an und führte, wie bereits erwähnt, eine Reihe von Kriegen – etwa fünfzig Feldzüge –, in denen er die Barbaren vernichtend schlug. Anschließend zügelte er auch die Macht der Muslime. Damit öffnete er die Tore der Geschichte. Die Geschichte schien das romanische Volk unwiderruflich dem Untergang unter germanischem und muslimischem Druck auszusetzen. Karl der Große rettete das romanische Volk. Und indem er das Lateinische rettete, rettete er den Katholizismus.

Dieser Mann, der solch außergewöhnliche Taten vollbrachte, war, wie allgemein beschrieben, ein Herkules. Großgewachsen, mit sehr ebenmäßigen und markanten Gesichtszügen, bewahrte er sich bis ins hohe Alter etwas von seiner Jugendlichkeit, flößte aber gleichzeitig in seiner Jugend, mit einer Reife des Alters, Respekt ein, als wäre er ein alter Mann. Und er verstand es, im Alter noch Begeisterung zu entfachen, als wäre er ein junger Mann.

Er war ein so gütiger und sanfter Mann, dass der Volksglaube besagte, dass Blumen in seinem weißen Bart erblühten, wenn er lächelte, und dass sein Bart voller Blüten war. Er wurde der König des blühenden Bartes genannt. Daran kann man sich die Vielschichtigkeit dieser Persönlichkeit vorstellen: Furchterregend im Kampf – wenn die Gegner wussten, dass Karl der Große an der Front war, hatten sie bereits die Hälfte der Schlacht verloren –, aber gleichzeitig so gütig und sanftmütig, dass andere glaubten, Blumen aus seinem Bart sprießen zu sehen.

Dieser große Krieger war auch eine bedeutende Führungspersönlichkeit. Er formte eine Gruppe von Männern, die als die zwölf Gefolgsleute Karls des Großen in die Geschichte eingingen. Wenn wir von einem Gefolgsmann Karls des Großen sprechen, meinen wir eine ideale Beziehung. Nie zuvor – in der weltlichen Ordnung natürlich – war das Verhältnis zwischen einem Herrscher und seinen Untertanen so edel, so erhaben, so stark, nie war der Status als Untertan so eindeutig und zugleich so Ausdruck von Größe wie der eines Gefolgsmanns Karls des Großen. Denn zwischen Karl dem Großen und seinen Gefolgsleuten bestand eine besondere Ebene, ein Unterschied.

Und er war eine so einzigartige Gestalt, dass alle Paare zusammen ihm nicht ebenbürtig waren. Doch ein Paar Karls des Großen war wie eine Projektion eines Aspekts seiner Persönlichkeit, wie ein Sohn und Botschafter Karls des Großen, der all seine karlischen Eigenschaften in sich trug und an dessen Majestät, Stärke und Größe teilhatte. Sie waren andere „er selbst“, obwohl er unverkennbar war.

Genau in dieser Beziehung lag die Schönheit des Bandes, das ihn mit ihnen verband. Ebenso bemerkenswert war die Solidarität dieser Paare, eine Solidarität ohne Größenwahn, ohne Neid, eine Solidarität, die allein dem Dienst am Kaiser galt. Und im Dienst des Kaisers dienten sie der Sache der christlichen Zivilisation und damit der katholischen Kirche, der Gottesmutter und unseres Herrn Jesus Christus im Himmel durch eine Reihe von Vermittlungen, denen Karl der Große diente. Aus diesem Grund waren sie eng miteinander verbunden. Das Idealbild edler, starker, männlicher, bescheidener und loyaler Freundschaft ist jene, die Karls des Großen Standesgenossen einte.

Aus diesem Grund strebte der Hochadel in allen europäischen Ländern, gemäß einer christlichen Tradition, nach dem Titel „Paar“, genauer gesagt nach dem Titel „Peer of the Realm“ in Großbritannien und „Pair de France“ in Frankreich. Er war ein Abbild Karls des Großen und seiner Standesgenossen, der die vollkommene Beziehung zu seinen Untertanen verkörperte. Er erhob einige von ihnen in den Stand seiner Söhne, andere wiederum selbst, obwohl er sie gleichzeitig in der Stellung seiner Untertanen beließ.

Dieser Mann von tiefer Frömmigkeit war zugleich Analphabet. Dieser Analphabetismus zeigt uns, wie wenig es bedeutet, Lesen und Schreiben zu lernen. Es gibt ein Laster für diejenigen, die Lesen und Schreiben lernen: die Vorstellung, das Denken beginne im Buch. Der erste Gedanke, wenn jemand bereit ist, über etwas nachzudenken, ist, sich ein Buch zu kaufen, etwas zu lesen und über das Gelesene nachzudenken. So könnte man annehmen, Karl der Große habe weder lesen noch schreiben können und habe die Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Er besaß ein solches Verständnis, eine solche Intelligenz, dass er, obwohl er weder lesen noch schreiben konnte, im ganzen Reich Unterricht organisierte und Männer wie Alkuin berief, die dazu fähig waren… (Aufnahmefehler, einige Wörter fehlen)

… es gab Bischofskonzilien, an denen er teilnahm. Er überließ die Entscheidung den Bischöfen, denn sie entscheiden über die Angelegenheiten der Kirche, aber er ergriff dennoch das Wort. Und er beteiligte sich an den theologischen Debatten der Bischöfe. Und das meist mit Erfolg. Er war derjenige, der die richtige theologische Formel hatte. Und er war ein Mann, der kein Priesterseminar besucht hatte.

Man versteht, was für ein Mann er war. Er war die Stütze der Kirche, der Stolz der Kirche, er war der Sohn der Kirche. Er verletzte nicht die Rechte der Kirche, er respektierte ihre Souveränität und erkannte ihre gesamte Macht an. Deshalb wurde er auch von der Kirche gekrönt.

Jeder kennt die schöne Begebenheit, dass er sich im Jahr 800 in der Laterankirche befand – der Ort, an dem er kniend betete, bevor der Papst zur Mitternachtsmesse eintrat, ist dort noch heute zu sehen –, als der Papst mit einer goldenen Krone erschien. Er verkündete ihm, dass er persönlich das zerfallende Römische Reich wiederherstelle und ihn zum Kaiser des Römischen Reiches ausrufe. Aus Bescheidenheit lehnte er ab. Der Papst bestand jedoch darauf und führte ihn auf einen Balkon, wo die ganze Menge ihm zujubelte: „Es lebe Karl der Große, unser Kaiser!“ So wurde das Römische Reich wiederhergestellt, das etwa tausend Jahre, genauer gesagt tausend Jahre, Bestand haben sollte.

Diese Geste war wahrlich eine schöne Geste. Es ist die Kirche, die auf Erden denjenigen anerkennt und krönt, den Gott gewiss im Himmel krönen wird. Doch sie hat auch eine schöne Seite: die Idee der Macht des Papstes. Das Römische Reich ist eine Institution, die nicht von den Päpsten, sondern vom Römischen Senat geschaffen wurde. Der Römische Senat begründete die römische Größe, und die römischen Kaiser gingen aus dem Niedergang der Römischen Republik hervor – einer heidnischen Institution also, die jedoch mit Konstantin christianisiert wurde. Der Papst sah sich bevollmächtigt, das Römische Reich wiederaufzubauen. Er tat dies und gründete das Heilige Römische Reich, das zur Verteidigung des Glaubens geschaffen wurde.

Dort fand jenes geheimnisvolle Wort, jener geheimnisvolle Dialog zwischen unserem Herrn und dem heiligen Petrus statt, in dem Augenblick, als unser Herr verhaftet wurde. Theologen haben ihn stets so gedeutet. Unser Herr fragte den heiligen Petrus bei seiner Verhaftung, ob er Waffen, Schwerter bei sich habe. Der heilige Petrus antwortete: „Ich habe zwei.“ Unser Herr erwiderte: „Das genügt.“ In diesem Sinne – wir wissen nicht genau, was es in diesem Kontext bedeutet – bekräftigt der heilige Petrus, dass er zwei Schwerter in der Hand hielt: das Schwert der Kirche, die Exkommunikation, und das Schwert des Staates, die Macht des Militärs, um Ketzerei zu bekämpfen und das Böse zu beseitigen. Diese beiden Schwerter genügten dem heiligen Petrus, um seine Mission zu erfüllen.

In jener Weihnachtsnacht hatte Petrus sich gerade ein goldenes Schwert geschmiedet, das das Heilige Römische Reich symbolisierte, mit dem Auftrag, den Glauben in der gesamten Christenheit zu verteidigen.

Wunderbar, welch eine Schönheit! Sie erinnern uns an so andere Zeiten, an die Zeiten, in denen wir leben, in denen alles genau umgekehrt ist. In der die Achse Washington-Moskau bereit ist, die Welt zu beherrschen, und die Achse Peking-Tokio auf der anderen Seite die Herrschaft jener Achse auf der anderen Seite der Erde zu vollenden scheint. Und wir haben überall Heidentum, und auf einer Seite nur was? Den Schmutz des Protestantismus.

Doch es gibt Ideale, die niemals sterben, weil sie direkt aus dem Glauben abgeleitet sind und wie der Glaube unsterblich sind! Und wenn wir diese Tatsachen hören, verstehen wir, dass die Geschichte der Welt nicht so enden kann. Und dass sie nicht einfach mit einer Niederlage enden kann. Es muss eine gewaltige Rache geben. Und die Revolution muss so niedergeschlagen werden, dass das Reich Mariens entsteht, für das die Welt geschaffen wurde. Die Welt wurde von Gott geschaffen, damit zu einem bestimmten Zeitpunkt sein Reich über die Welt vollendet sei. Dies muss verwirklicht werden.

Und so schöpfen wir aus der Erinnerung an diese Ereignisse Hoffnung für die Zukunft. Und das, was – um den amerikanischen Ausdruck zu verwenden, den ich so treffend fand und den ich hier am vergangenen Samstag bereits erwähnte – als kreativer Anachronismus bezeichnet wird. Nichts ist anachronistischer als das Reich Karls des Großen, doch es ist ein kreativer Anachronismus. Die Erinnerung an dieses Reich schafft eine Zukunft, schafft Hoffnung auf eine Zukunft, schafft die Gewissheit einer Zukunft. Wir bewegen uns auf die Wiederherstellung jener Ordnung zu, deren Symbol Karl der Große war.

Wir können Karl den Großen bitten, für uns zu beten. Nicht alle Episoden aus Karls Leben sind völlig klar. Die Kirche hat sich nicht eindeutig dazu geäußert, ob er ein Heiliger ist oder nicht. Doch in manchen Regionen Europas ist es üblich, ein Fest des seligen Karl des Großen zu feiern. Und die Vorfahren der Progressisten wollten zur Zeit Pius’ IX., vom Eifer ergriffen – denn in solchen Zeiten sind Progressisten eifrig –, das Fest Karls des Großen abschaffen. Und Pius IX. erließ ein Breve, in dem er erklärte, dass der Kult an Orten, wo Karl der Große als selig galt und verehrt wurde, fortgeführt werden könne.

Wir können daher heute Abend, wenn nicht öffentlich, so doch in der Tiefe unserer Seelen, Karl den Großen um jene unbesiegbare Kraft bitten, damit wir das Reich Mariens gründen können, so wie er das Mittelalter gründete, dessen Eckpfeiler er war.

Dies ist die Intention des heutigen Heiligen des Tages.

(Nebenbei bemerkt: Was die Verehrung Karls des Großen betrifft, so ist es angebracht, sich an die Worte der heiligen Johanna von Orléans zu erinnern: Ihre Mission verdankte sie den Gebeten des heiligen Ludwig und des heiligen Karl des Großen, nicht wahr?).

Gibt es etwas Schöneres? Umso mehr, da die heilige Johanna von Orléans Offenbarungen vom Himmel empfing und daher genau wusste, wo sich der heilige Ludwig und der heilige Karl der Große aufhielten, nicht wahr? So lasst uns, wie die heilige Johanna von Orléans, sagen: Monseigneur Saint Louis und Monseigneur Saint Charlemagne, beten wir, dass diese Sache ein Ende nehme und das Reich Mariens bald komme!