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Freitag, 11. Oktober 2024

Die drei Rosen:

Die Verehrung der Eucharistie, unserer Lieben Frau und des Papsttums


Gern beantworte ich die Frage, die gerade gestellt wurde. Schon öfters habe ich bemerkt, dass eine keineswegs geringe Anzahl von vortrefflichen Menschen sich in ihre Wohnungen zurückziehen, weil sie meinen, dass die moderne Welt unverbesserlich sei. Sie beschränken daher ihren Umgang auf die Familie und kümmern sich lediglich um ihre eigenes geistiges Leben, ohne sich einer Sache anzunehmen, die man allgemein gesprochen als die katholische Sache bezeichnen könnte, das heißt die Sache der römisch-katholischen apostolischen Kirche und die Sache der christlichen Zivilisation.

Ich hätte etwas zur Sache der christlichen Zivilisation zu sagen, denn was die katholische Sache bedeutet, ist leicht zu verstehen: Es ist das Anliegen, um das es geht, wenn man dafür kämpft, der Kirche die Voraussetzungen zu gewährleisten, die sie benötigt, um ihr Apostolat auszuüben, und wenn man der kirchlichen Hierarchie hilft, dieses Apostolat zum Heil der Seelen zu verwirklichen. Auf Erden wird dieses Ziel durch ein Leben der Tugend erreicht, deren wichtigste die Liebe ist.

Mit dieser Klarstellung lässt sich gut verstehen, was die katholische Sache ist. Was ist aber unter christlicher Zivilisation zu verstehen, und wie hängt sie mit der katholischen Sache zusammen?

Was ist eine Zivilisation?

Es geht mir hier nicht um die Analyse der verschiedenen Bedeutungen, die der Begriff „Zivilisation“ haben kann. Ich beschränke mich vielmehr auf einen Bestandteil, der allen Bedeutungen des des Wortes „Zivilisation“ gemeinsam ist, nämlich auf den Gedanken einer bestimmten Ordnung der Dinge in ihrer Gesamtheit, angefangen von ihren erhabeneren Aspekten auf religiöser Ebene bis hin zu ihren gewöhnlichen Aspekten auf rein materieller Ebene.

Fußt diese Ordnung der Dinge auf bestimmten Prinzipien, bildet sie eine charakteristische Zivilisation, die sich von anderen Zivilisationen unterscheidet, die von anderen Grundsätzen geleitet werden. Eine christliche Zivilisation wird von den großen Überzeugungen, den großen Eingebungen, den großen Erwartungen, das heißt den großen sittlichen Normen gestaltet wird, die unser Herr Jesus Christus auf die Erde gebracht hat und deren unfehlbare Interpretin, Mutter, Führerin die katholische Kirche ist die ihnen durch die Sakramentenspendung Leben verleiht.

Die christliche Zivilisation schafft die Voraussetzungen dafür, dass die Seelen die Kirche besser kennenlernen können. Die Kirche ist für die christliche Zivilisation mehr oder weniger das, was die Seele für den Körper ist (es handelt sich hier um eine Analogie, die selbstverständlich genauso unvollkommen ist wie alle Analogien). Ohne eine Zivilisation könnte man daher die Kirche in gewisser Hinsicht einer Seele ohne Körper vergleichen. Und eine Zivilisation ohne Kirche ist unbedingt einem seelenlosen Körper vergleichbar.

Die vollkommene Ordnung besteht darin, dass die Kirche eine Zivilisation bildet, die es ihr ermöglicht, den Menschen alles Gute zu tun – eine zeitliche Ordnung also, die ihr dabei hilft, das Gut des Menschen zu fördern. Andererseits muss es diese Zivilisation verdienen, christlich genannt zu werden. Das bedeutet, dass sie alle Voraussetzungen zu bieten hat, die unser Herr Jesus Christus für das menschliche Leben fordert und vorschreibt.

Nun ist es heute so, dass wir zwar die Kirche, aber keine christliche Zivilisation haben. Und die Kirche selbst hat sich in unseren Tagen mit der größten Krise in ihrem Innern auseinanderzusetzen, die sie in all den Jahrhunderten ihrer Existenz je erlebt hat. Und hinzu kommt noch die ungeheure äußere Krise. Viele meinen daher, dass sie sich in ihre vier Wände einschließen können, ja dies sogar tun müssen, ohne sich weiter um das zu kümmern, was draußen vorgeht. So erwarten sie für möglichst bald die in Fatima angekündigte Strafe, denn die Welt hat sich ja nicht geändert und die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens ist ja auch nicht genau unter den Bedingungen vorgenommen worden, die unsere Liebe Frau in Fatima gestellt hat. Also warten sie auf die Strafe. Bis es aber zu dieser Strafe kommt, bleibt man gelassen zu Hause und wartet.

Für die, die so handeln, ist der Eifer schwer zu verstehen, mit dem echt konservative Katholiken in Zeitungen, im Rundfunk und im Fernsehen dagegen ankämpfen, dass noch gottlosere und pantheistischere Zivilisationsformen eingeführt werden, beziehungsweise sich für die Bewahrung der Überreste der christlichen Zivilisation einsetzen, die es auf der Welt noch gibt.

Wozu soll das nützen, wenn am Ende doch alles in der tragischen Sturzflut der Strafen untergehen wird, die nach ihrer Meinung wie eine neue Sintflut über die Erde kommen und alles hinwegspülen wird, um eine neue Ordnung der Dinge zu schaffen?

Ich meine, dass man vor allem bedenken sollte, dass sowohl für die Kirche als auch für die christliche Zivilisation jenes herrliche Wort der Heiligen Schrift aus dem Alten Testament gilt, denn wir schulden beiden die gleiche Liebe, die schon die Juden des Alten Testaments dem Tempel von Jerusalem weihten – sie liebten den Tempel von Jerusalem. Ein Psalmist bringt dies deutlich zum Ausdruck: Er liebt nicht nur den Tempel, denn sollte der Tempel einmal zerstört werden, wird er auch noch die Steine lieben, die von seinem Abbruch übrig bleiben. Und selbst wenn diese Steine einmal zu Staub zerfallen, wird er auch noch den Staub der zerfallenen Steine lieben.

Ich weiß sehr wohl, dass die Kirche nicht zerstört ist, denn sie ist schließlich unvergänglich. Und doch ist man fast versucht zu fragen, ob der geheimnisvolle Vorgang der Selbstzerstörung, in dem sie sich befindet und auf den Paul VI. so ausdrucksvoll hingewiesen hat, nicht doch schon abgeschlossen ist.

Er kann nie ganz zum Abschluss kommen, denn es heißt „portae inferi non praevalebunt“ – die Pforten der Hölle werden die Kirche nicht überwältigen. Und doch möchte man dies fast infrage stellen.

Was aber die christliche Zivilisation angeht, wissen wir, dass sie zerstört wurde. Es sind weder ihr Gebäude noch die Steine übrig geblieben. Was bleibt, ist nur noch ihr Staub. Doch gilt uns dieser Staub nicht so viel, wie der Tempel den einstigen Juden? Lieben sie etwa nicht diesen Staub und erwarten sie nicht den Wiederaufbau des Tempels?

Ich spreche hier von den Juden, die vor unserem Herrn Jesus Christus gelebt haben und die den Tempel wiederaufbauen wollten, als dieser das wahre Haus Gottes und das Bindeglied zwischen den Menschen und dem Himmel war.

Auch wir denken so. Wir wollen die Staubkörner wieder zusammenfügen und Steine daraus machen und mit diesen Steinen das Gebäude errichten.

Da wird einer lachen: „Ihr seid wohl verrückt? Wie wenig könnt ihr doch erreichen!“ Und ich antworte darauf, dass ich das sehr gut wisse. Wenn wir aber ein paar Seelen zu retten vermögen, wenn wir Gesetze verhindern können, die gegen die christliche Zivilisation verstoßen und für viele Seelen Gelegenheit zur Sünde werden könnten, und auf diese Weise einige Seelen retten können, wenn wir es schaffen, dass am Tag des Strafgerichts die Zahl der Gläubigen ein bisschen größer ist, dann können wir auch sicher sein, dass eine größere Anzahl von Gläubigen das Strafgericht überstehen wird, um dann das Reich Mariens wiedererstehen zu lassen.

Nicht nur der Staub des Tempels, auch das Leid muss dazu beitragen, dass aus dem Staub etwas wiederersteht, auf dass daraus wieder Steine werden und dass diese Steine sich in lebendige Steine des Gotteshauses verwandeln.

Es will mir scheinen, dass sich in diesem Sinne gewiss viele Heiden und auch viele Juden bekehren werden. Aber wir müssen diese Bekehrung der Heiden, der Juden, der Muslime usw. herbeisehnen, müssen mit unserer ganzen Seelenkraft dafür arbeiten. Unsere Brüder im Glauben aber müssen wir lieben, jene Völker nämlich, die einst im Schoße der Kirche lebten, bevor es zu der großen Krise kam, die zum Ende des Mittelalters führte. Viele von ihnen sind aber auch im Schoße der Kirche verblieben. Wir wollen sie lieben und dafür Sorge tragen, dass sich eine möglichst große Zahl von ihnen ins Reich Mariens hinüberretten kann.

Damit dies geschehe, müssen wir stets Anregung in einer Haltung suchen, die Msgr. de Ségur als die drei Rosen der Seligen bezeichnete: In der Liebe zur heiligen Eucharistie, zu unserer Lieben Frau und zum Papst.

Liebe zur heiligen Eucharistie, der wir eine inständige, beharrliche Verehrung schulden. Wir setzen uns für den täglichen Kommunionempfang und für die Verehrung unseres Herrn unter seinen verschiedenen Anrufungen ein, und vor allem bringen wir viele Menschen in die kirchliche Gemeinschaft.

Liebe zu unserer Lieben Frau: Damit wir mit allem Eifer gegen den Kommunismus, den Sozialismus, gegen die großen Gegner der christlichen Zivilisation ankämpfen können, bedürfen wir des Rosenkranzgebets und weiterer Formen der Verehrung unserer Lieben Frau, gemäß dem Vorbild des heiligen Ludwig Maria Grignion von Montfort, des großen marianischen Apostels der Neuzeit, dessen Botschaft gerade in unseren Tagen einen besonders großen Widerhall findet.

Liebe zum Papst: Wenn ich dieses hehre Wort – der Papst – ausspreche, kommt es mir vor, als würde ich aus der Tiefe der Jahrhunderte die göttliche Stimme unseres Herrn Jesus Christus vernehmen, der da spricht: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“

Wenn ich hier vom Papst spreche, meine ich natürlich die Päpste aller Jahrhunderte, das Papsttum im Lauf der Geschichte, seine großartige Aufgabe, die wunderbare Abfolge der wahren Päpste seit dem heiligen Petrus, dem von unserem Herrn auserwählten Fundament.

So gesehen ist der Papst die Achse der Geschichte, die Achse der Kirchengeschichte. Da diese die Achse der Weltgeschichte ist, bildet der Papst auch die Achse der Weltgeschichte.

Die Verehrung des Papstes bedeutet im Grunde Verehrung des Papsttums, Verehrung des unfehlbaren Heiligen Stuhles der Wahrheit. Angesichts der Kontinuität der wahren Lehre, wie sie vom wahren Lehramt der Kirche gelehrt wird, schulden die Katholiken dieser Lehre eine Hingabe, einen Eifer, eine Anhänglichkeit, eine Unterwerfung ohne Grenzen.

Mit dem Fortschritt der Fertigkeiten des Menschen im Bereich der Mechanik wurde dieser schließlich in die Lage versetzt, mechanische Uhren zu bauen. Wie Sie wissen, geschah dies im Mittelalter. Von nun an begann die Kirche, ihre Kirchtürme mit Glocken zu versehen, denn sie sah darin ein Symbol voller Poesie: Die Kirche zeigt die richtige Zeit des menschlichen Denkens.

Alle wenden sich ihr zu, um ihre persönliche Uhr – ihren Geist – nach ihr zu richten. Wenn es darum geht, dem Menschengeschlecht eine Ordnung zu geben, eine christliche Zivilisation zu schaffen und die Menschen in den Himmel zu führen, kann es für das Menschengeschlecht nichts Kostbareres geben als die Unfehlbarkeit der Kirche, die vor allem in den Verlautbarungen der Päpste ihren Ausdruck findet, sofern in diesen unter Berufung auf die höchste Lehrautorität eine allgemein verpflichtende Lehrentscheidung gemäß dem Kirchenrecht getroffen wird.


Dies vorausgesetzt beziehe ich mich voller Ergriffenheit auch auf den Papst und die drei Rosen der Seligen, von denen bei Msgr. de Ségur die Rede war.

Indem ich das Augenmerk auf diese Trilogie richte, die unserem Geist so angenehm klingt, habe ich den Eindruck, dass uns diese Darstellung auf natürliche, harmonische Weise zu drei Themen führt, bei denen unser Verstand und unsere Herzen zusammenfinden werden.


Aus dem Portugiesischen übersetzt von „As três rosas: a devoção à Eucaristia, a Nossa Senhora e ao Papado“ in „O Legionário“ vom 10. November 1929.

Diese deutsche Fassung „Die drei Rosen: Die Verehrung der Eucharistie, unserer Lieben Frau“ erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.



Sonntag, 28. Januar 2024

Warum verteidigen wir einen dekadenten Westen?

 

von John Horvat I
24. Januar 2024

Ein Zusammenstoß monumentalen Ausmaßes scheint wahrscheinlich, da die liberale Nachkriegsordnung zusammenbricht. Dies könnte passieren, wenn sich die aktuellen Krisenherde in der Ukraine, Israel, Nordkorea und Taiwan ausweiten und die Großmächte mit ihren Einflusssphären einbeziehen.

Daher betrachten viele Analysten die Beteiligung Amerikas an den heutigen Konflikten zu Recht als eine Verteidigung des Westens. Es steht in der Tat viel auf dem Spiel, da jeder Ausbruch nicht einzelne Nationen, sondern den gegenwärtigen Zustand der Welt bedroht.

Den Westen verteidigen

Bestimmte Strömungen sehen den Kampf jedoch nicht so. Sie stellen den Zweck in Frage, den Westen in seinem gegenwärtigen Zustand der Dekadenz zu verteidigen. Sie könnten sogar mit den iranischen Ayatollahs und anderen Gegnern des Westens sympathisieren, die Amerika als den „Großen Satan“ betrachten, der für das Übel der Welt verantwortlich ist.

Tatsächlich scheinen westliche Nationen mit ihren globalisierten Netzwerken, unmoralischen Moden und dekadenten Kulturen viel zur Korruption der Welt beigetragen zu haben. Ein von Davos geleitetes Establishment fördert überall die „woke“ und ökologische Agenda. Andere antiwestliche Mächte wie Russland und China behaupten, Kulturen zu vertreten, die sich diesen alarmierenden Trends widersetzen.

Daher behaupten einige fälschlicherweise, dass man den Westen wegen dieser Dekadenz nicht verteidigen dürfe. Sie halten es für besser, sich in den Isolationismus zurückzuziehen und das globalisierte System mit seinen korrupten Eliten auseinanderfallen zu lassen.

Eine universelle Revolution, die jeden betrifft

Eine solche Einstellung ist falsch. Sie berücksichtigt nicht drei Hauptpunkte, die diesen großen Kampf ins rechte Licht rücken.

Der erste Punkt ist, dass eine universelle weltweite Krise die ganze Welt betrifft. Weder Ost noch West sind von seiner Dominanz ausgenommen. Sie greift in unterschiedlichem Ausmaß alle Staaten, Kulturen und Systeme an.

Der brasilianische Denker und Tatmensch Prof. Plinio Corrêa de Oliveira nannte diese Krise die „Revolution“, einen historischen Prozess, der mit der protestantischen Revolution begann und mit der Französischen und Kommunistischen Revolution fortschritt. Heute manifestiert sie sich in der Kulturrevolution. Ihr Ziel ist es, alle Spuren des Christentums auszulöschen.

Diese moralische Krise tief in der Seele des modernen Menschen wird von Bewegungen des Stolzes und der Sinnlichkeit angetrieben. Es ist eine Auflehnung gegen Gott, die jeden betrifft. Die heutigen globalisierten Netzwerke erleichtern ihre weltweite Verbreitung und lassen niemanden unberührt.

Zu behaupten, dass einige Regionen wie Russland, China oder der Iran von ihrem Einfluss ausgenommen seien, ist eine Illusion. Tatsächlich findet man an diesen Orten und überall die moralische Geißel der Abtreibung, der Pornografie und der Promiskuität. Irreligion, Egalitarismus und Nihilismus sind auf beiden Seiten dieser Konflikte ebenfalls weit verbreitet.

Daher muss dieser Kampf in diesem Kontext gesehen werden, in dem beide Seiten vom gleichen Keim dieser Revolution infiziert sind, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung.

Die Revolution ist nicht der Westen

Zweitens kann diese Revolution nicht mit dem Westen gleichgesetzt werden. Das Hauptziel der Revolution ist vielmehr die westliche christliche Zivilisation. Sie bettet sich in die westlichen Strukturen ein, die die Welt beherrschen. Wie ein Krebsgeschwür vergiftet und verbreitet sie Metastasen ihrer ideologischen Keime über die ganze Welt.

Die eigentliche Krise liegt also viel mehr innerhalb dieser westlichen Strukturen als in einem Zusammenstoß zwischen Ost und West. Was die Welt derzeit erlebt, ist die Zerstörung, die durch Philosophien des 19. Jahrhunderts wie Sozialismus, Liberalismus und Hegelianismus verursacht wurde und die Seelen aller Nationen, Ost und West, verdorben hat. Nihilismus und „woke“-Ideen zielen auf westliche Narrative, Identitätsvorstellungen und soziale Strukturen ab und zerstören sie, wo immer sie vorkommen.

Dieselbe Revolution regt auch andere Kulturen dazu an, den Westen anzugreifen. Sie werden aufgefordert, nicht die Revolution zu zerstören (was eine sehr gute Sache wäre), sondern die christliche Zivilisation, die der Westen einst so lebendig repräsentierte.

Wenn die Welt wieder in Ordnung kommen soll, müssen alle den gemeinsamen Feind angreifen, nämlich diese moralische Revolution. Um dies zu erreichen, besteht der eigentliche Kampf darin, die radikalsten Erscheinungsformen der Revolution, die ihren zerstörerischen Prozess vorantreiben, zu identifizieren und zu bekämpfen.

Den Westen verteidigen – oder was davon noch übrig bleibt

Deshalb muss Amerika den Westen verteidigen – oder besser gesagt, was davon übrig bleibt. Solange der Westen als Ideal existiert, bedroht er diese Revolution.

Der Westen als Ideal repräsentiert die Familie von Nationen, insbesondere in Europa, die von christlichen Moralvorstellungen und Überzeugungen beeinflusst wurden. Der Punkt der dynamischen Einheit des Westens war die Christenheit unter der Führung der katholischen Kirche. Diese Nationen schlossen sich um die Person unseres Herrn Jesus Christus zusammen und veränderten mit seinem Evangelium die Welt.

Derselbe Westen hat christliche Institutionen, Philosophien, Künste, Kultur und Lebensweisen hervorgebracht, die noch heute im täglichen Leben verankert sind. Der gegenwärtige Stand der Revolution versucht, diese Dinge zu zerstören. Diese gesellschaftlichen Strukturen sind weit mehr Ziel russischer, chinesischer und iranischer Anfeindungen als die zu Recht verurteilte moralische Dekadenz, die auch bei Aktivisten im Westen auf großen Widerstand stößt.

Aus diesem Grund haben die westlichen Nationen die besseren Voraussetzungen, die Revolution mit ihren Überresten der christlichen Zivilisation zu bekämpfen, als die antiwestlichen Länder, die alle diese Überreste zusammen mit dem Westen unterdrücken würden. Darüber hinaus gibt es im Westen immer noch Seelen, die bereit sind, für diese Ideale zu kämpfen, sich der Revolution zu widersetzen und die Hilfe der Gnade Gottes anzuflehen.

Das Bündnis zwischen dem chinesischen Kommunismus, dem politischen Islam Irans und Russlands mystischer „Vierter politischer Theorie“, die die Philosophie beherrscht, stellt einen Fortschritt im revolutionären Prozess dar. Sein düsterer Triumph würde eine gegenrevolutionäre Reaktion ernsthaft gefährden.

Deshalb muss Amerika dieses vage christliche Ideal des Westens verteidigen, selbst in seinem gegenwärtigen Zustand des Verfalls. Der Westen bleibt die Plattform, auf der mit Hilfe der Gnade Gottes immer noch Widerstand geweckt und genährt werden kann.

Solange noch einige glühende Überreste der christlichen Zivilisation vorhanden sind, kann eine Gegenrevolution sie wieder in ein tobendes Feuer verwandeln, wodurch die Revolution aller Bedingungen beraubt wird, um sich durchzusetzen, und so eine Rückkehr zur Ordnung sichergestellt wird.

 

 

Aus dem Englischen mit Hilfe von Google-Übersetzer von „Why Are We Defending a Decadent West?“ in https://www.tfp.org/why-are-we-defending-a-decadent-west/

Diese deutsche Fassung „Warum verteidigen wir einen dekadenten Westen?“ erschien erstmals in
www.p-c-o.blogspot.com

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Sonntag, 11. Dezember 2022

„Et vocabitur Princeps pacis, cujus regni non erit finis“


Giotto di Bondone – Geburt Jesu
Cappella Scrovegni, Pádua (1304-06)


„Sein Name lautet: Friedensfürst,
sein Reich nimmt nimmer ein Ende“

Plinio Corrêa de Oliveira

     In einer geschichtlichen Perspektive gesehen, stellt das Weihnachtsfest den ersten Lebenstag der christlichen Zivilisation dar. Noch war es zwar ein aufkeimendes, erst an seinem Anfang stehendes Leben, vergleichbar der aufgehenden Sonne, doch dieses Leben barg bereits all die unvergleichlich reichen Bestandteile der herrlichen Reife seiner Bestimmung in sich.

Denn, wenn wir bedenken, dass sich alle Reichtümer der christlichen Zivilisation in unserem Herrn Jesus Christus als ihrer einzigen, unendlich vollkommenen Quelle enthalten sind, und dass sich das Licht, das für die Menschen in Bethlehem zu strahlen begann, immer weiter erstrecken sollte, bis es die ganze Welt erleuchtete und die Gesinnungen verwandelte, Sitten aufhob und neue begründete, allen Kulturen einen neuen Geist einflößte, alle Zivilisationen auf eine höhere Stufe erhob, dann kann man auch sagen, dass der erste Tag Christi auf Erden von Anfang an der erste Tag eines neuen Zeitalters war.

Wer hätte das geahnt? Es gibt kein schwächeres Menschenwesen als ein Kind, keine ärmlichere Wohnstatt als eine Grotte, keine rohere Wiege als eine Krippe. Und doch wird dieses Kind in dieser Grotte, in dieser Krippe den Lauf der Geschichte verändern.

Und was für eine Veränderung! Die schwierigste von allen, denn es ging nicht einfach darum, den Lauf der Dinge in der Richtung zu beschleunigen, die sie genommen hatten, sondern die Menschen auf den Weg zu leiten, der ihren Neigungen am deutlichsten entgegenstand, auf den Weg der Strenge, des Opfers, des Kreuzes. Es handelte sich darum, eine durch Aberglauben, religiösen Synkretismus und totale Skepsis verrottete Welt auf den Weg des Glaubens zu führen, eine Menschheit zur Gerechtigkeit zu bewegen, die allen möglichen Formen der Bosheit verfallen war: der despotischen Herrschaft des Starken über den Schwachen, der Massen über die Eliten und der Plutokratie, die die Fehler der bereits genannten in sich vereint, über die Masse. Es sollte eine Welt zur Entsagung angehalten werden, die sich allein dem Vergnügen in allen seinen Formen hingab. Es ging darum, der Reinheit in einer Welt Raum zu schaffen, in der alle Laster bekannt, geübt und gut geheißen wurden. Natürlich musste diese Aufgabe unlösbar erscheinen, und dennoch hat sie das göttliche Kind vom ersten Augenblick seines Erscheinens auf Erden an in Angriff genommen, und weder der Hass eines Herodes, noch die Gewalt der römischen Herrschaft und die Macht der menschlichen Leidenschaften vermochten es aufzuhalten.

Zweitausend Jahre nach der Geburt Christi scheint es, dass wir wieder zum Ausgangspunkt zurückgekommen sind. Die Anbetung des Geldes, die Vergöttlichung der Massen, die grundlose Sucht nach den eitelsten Vergnügungen, die despotische Herrschaft der brutalen Gewalt, der religiöse Synkretismus, der Skeptizismus, alles in allem, das Neuheidentum in all seinen Erscheinungen hat sich wieder über die ganze Welt verbreitet.

Er käme einer Gotteslästerung gleich, wer hier behaupten wollte, dass dieses höllengleiche Durcheinander von Korruption, Revolte, Gewalt, das wir vor uns haben, die christliche Kultur, das Reich Christi auf Erden sei. Nur hier und da überlebt der eine oder andere große Umriss der ehemaligen Christenheit verletzt in der heutigen Welt. Doch in ihrer vollständigen und globalen Wirklichkeit existiert die Christenheit nicht mehr, und von dem großen Licht, das in Bethlehem zu leuchten anfing, erleuchten nur einige wenige Strahlen die Gesetze, die Sitten, die Institutionen und die Kultur des 20. Jahrhunderts. Wie ist es dazu gekommen? Hat das Wirken Jesu Christi – genauso gegenwärtig in unseren Tabernakeln, wie damals in der Krippe in Bethlehem – an Wirksamkeit verloren? Keinesfalls!

Wenn die Ursache nicht bei Ihm ist und bei Ihm nicht sein kann, dann ist sicherlich bei den Menschen zu suchen. Jesus kam in eine äußerst dekadenten Welt, doch dann fand Er und nach Ihm die Heilige Kirche Seelen, die sich der Verkündigung des Evangeliums öffneten. Heute wird das Evangelium in der ganzen Welt gepredigt. Doch die Zahl derjenigen, die hartnäckig sich weigern, das Wort Gottes zu hören, wird erschreckend immer größer. Ebenso derer, die durch ihre Gedanken oder Sitten sich am entgegengesetzten Pol der Kirche befinden. „Lux in tenebris lucet, et tenebrae eam non comprehenderunt“.

Das und nur das ist der Grund des Verfalls der christlichen Kultur auf der Welt. Denn, wenn der Mensch nicht Katholisch ist und es nicht sein will, wie kann die Zivilisation, die seine Hände hervorbringen soll, christlich sein?

Es ist erstaunlich, dass so viele Menschen sich fragen, welches der Grund der titanischen Krise ist, in der sich die Welt herumschlägt. Man braucht sich doch nur vorzustellen, die Menschheit würde die Gebote Gottes befolgen, um zu verstehen, dass die Krise sich auflösen würde. Das Problem liegt also an uns, an unserem freien Willen. Es liegt an unserem Verstand, der sich der Wahrheit verschließt; an unserem Willen, der von den Trieben beansprucht, sich dem Guten verweigert. Die Umkehr des Menschen ist heute die wichtigste und unerlässlichste zu vollziehende Reform. Mit ihr wäre alles gelöst. Ohne sie, werden alle Mühen nutzlos sein.

Dies ist die große Wahrheit, die man zu Weihnachten betrachten sollte. Es reicht nicht, dass wir uns vor dem Jesuskind verneigen unter den Klängen liturgischer Musik, eingestimmt in die Freude der Gläubigen. Jeder von uns muss sich um seine eigene Umkehr kümmern, und auch um die Umkehr des Nächsten, damit die gegenwärtige Krise eine Lösung finde, damit das Licht, das in der Krippe leuchtet, freien Lauf bekommt, um über die ganze Welt erstrahlt.

Doch wie soll man das erreichen? Wo sind die Kinos, Rundfunksender, Zeitungen, Organisationen? Wo sind unsere Atombomben, Trompetenstöße, Heere? Wo sind unsere Banken, unsere Schätze, unsere Vermögen? Wie, gegen die ganze Welt kämpfen?

Diese Frage ist naiv. Unser Sieg kommt im Wesentlichen und vor allem von Unserem Herrn Jesus Christus. Banken, Radios, Kinos, Organisationen sind wichtig und gut und wir haben die Pflicht sie für die Ausbreitung des Reiches Gottes einzusetzen. Aber nichts von dem ist absolut notwendig. Mit anderen Worten, wenn die katholische Sache mit diesen Mitteln nicht rechnen kann, nicht aus Nachlässigkeit oder durch Mangel an unsere Großherzigkeit, aber ohne eigenes Verschulden, wird der göttliche Heiland das Notwendige tun, damit wir auch ohne alldem siegen. Das Beispiel geben uns die ersten Jahrhunderte der Kirche: Ist sie nicht siegreich aus allen Schwierigkeiten und Verfolgungen hervorgegangen, trotz aller Mächte der Welt, die sich gegen sie verbündet hatten?

Vertrauen in Unserem Herrn Jesus Christus, vertrauen in das Übernatürliche, das ist die kostbare Lehre, die uns Weihnachten erteilt.

Beenden wir diese Betrachtungen nicht ohne noch eine Lehre wie milden Honig hieraus zu schöpfen. Ja, wir haben gesündigt. Ja, enorm sind die Schwierigkeiten auf diesem Rückweg, beim Aufsteigen. Ja, unsere Vergehen, unsere Treulosigkeit rufen den Zorn Gottes auf uns herab. Doch an der Krippe haben wir die gütigste Mittlerin. Sie ist nicht Richterin sondern Fürsprecherin, die für uns jedes Mitleid, jede Zärtlichkeit, jede Nachsicht einer vollendeten Mutter hat.

Mit dem Blick auf Maria, mit ihr vereint, bitten wir durch sie an diesem Weihnachten um die einzig wirklich wesentliche Gnade: Das Reich Christi komme in uns und um uns.

Alles andere wird uns dazugegeben.

* * *

      

Aus dem Portugiesischen übersetzt mit Hilfe von DeepL-Übersetzer von „Et vocabitur Princeps pacis, cujus regni non erit finis“ aus „Catolicismo“ Nr. 24 von Dezember 1952

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Diese deutsche Fassung „Sein Name lautet: Friedensfürst, sein Reich nimmt nimmer ein Ende“ erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com

Mittwoch, 15. Juni 2022

Excellenz und „Douceur de Vivre“



von Gabriel Wilson

Zivilisation bedeutet die Suche nach Fortschritt, das Streben nach dem Erhabensten, dem Schönsten, dem Angemessensten, dem, was der von Gott geschaffenen Ordnung des Universums am meisten entspricht.

In diesem Artikel sollen die Werke und Denkmäler der christlichen Zivilisation im Laufe der Jahrhunderte vorgestellt werden. Aber was ist „Zivilisation“?

Prof. Plinio Correa de Oliveira - Gründer der brasilianischen Gesellschaft zur Verteidigung von Tradition, Familie und Eigentum und Inspirator von 28 Schwestergesellschaften auf 5 Kontinenten - definiert Zivilisation so:

Ohne in die unerschöpfliche Debatte über die Bedeutung der Zivilisation, der Kultur, des künstlerischen Stils einzutreten, wollen wir hier die soziale Kultur als den kollektiven Geisteszustand, die kollektive Seele bezeichnen, die mindestens so sehr von der intellektuellen Arbeit befruchtet und geordnet wird, wie die charakteristische Note, die die intellektuelle Arbeit kennzeichnet. Nennen wir die Zivilisation die Gesamtheit der Institutionen, der Gesetze, der Sitten und Gebräuche, schließlich die gesamte kollektive, von der Kultur geprägte Lebensweise.

Ein zivilisierter Mensch ist also jemand, der die für das Leben in der Gesellschaft erforderlichen Eigenschaften besitzt. Der Wilde lebt mehr oder weniger wie ein Tier: Er hat keine Regeln, er weiß nicht, was Erziehung ist, was Freundlichkeit ist, was Nächstenliebe ist. Er ist ein Untier. Ohne die heiligmachende Gnade können die Auswirkungen der Erbsünde ihn sogar unter das Niveau mancher Tiere fallen lassen.

Die Vervollkommnung aller Dinge ist eine Verpflichtung

Zur Zivilisation gehört daher die Suche nach dem Fortschritt hin zum Erhabensten, Schönsten, Angemessensten, der von Gott geschaffenen Ordnung des Universums am meisten Entsprechenden. Der Schöpfer hat dem Menschen eine wunderbare Welt geschenkt: die Symmetrie der Sterne, die Tag und Nacht bilden; die Schönheit der Blumen, der Vögel und der Tiere, den Duft der Pflanzen und Früchte und vieles andere mehr.

Der Mensch, der als Ebenbild Gottes geschaffen wurde, kann sich nicht mit dem zufrieden geben, was die Natur ihm bietet. Er hat die Pflicht, dem Schöpfer einen Dienst der Unterwerfung und Dankbarkeit zu erweisen und ihn auf dieser Erde nachzuahmen, indem er die Gebote des Gesetzes Gottes erfüllt. Deshalb ist es seine Pflicht, sich weiterzuentwickeln, immer besser zu werden, das Vollkommenste und Schönste zu suchen, immer mit dem Gedanken an den Übergang von diesem sterblichen Leben zum ewigen Leben.

Ein Wort drückt die Bedeutung dieser Suche nach dem Vollkommensten im rein natürlichen Bereich gut aus: Exzellenz. Das heißt, die extreme Sehnsucht nach einem Gefühl, einer Gewohnheit, einer Eigenschaft. Gott gibt jedem Menschen - und auch Familien und Völkern - bestimmte Eigenschaften, die erworben oder in Gewohnheiten umgewandelt werden und ihre spezifischen Früchte hervorbringen. Die Suche nach dem Vollkommensten, dem Besten, dem Höchsten ist Exzellenz. Und wenn diese Vollkommenheit erreicht ist, ist die Exzellenz erreicht.

Ein Volk oder eine Person, die Exzellenz erreicht, bringt die besten Früchte hervor, die sie von anderen Völkern oder Personen unterscheiden. In diesem Sinne glaube ich, dass wir die Zivilisation als das Produkt des Strebens einer Person, einer Familie oder einer sozialen Gruppe nach Exzellenz betrachten können. Durch menschliche Beziehungen wird die Exzellenz allmählich von anderen Komponenten übernommen (oder abgelehnt, je nach freiem Willen): Familie, Stadt, Region, Land.

Wenn wir von „christlicher Zivilisation“ sprechen, meinen wir das, was sich als beste Eigenschaft in einer bestimmten Gesellschaft oder einem bestimmten Volk durch den Einfluss der Gnaden, die unser Herr Jesus Christus durch die von der Kirche gespendeten Sakramente gewährt, entwickelt hat. Wenn die Diener der Kirche heilig sind, bewirken sie wahre Wunder durch die Bekehrung von Barbarenvölkern. Wenn sie in ihre alten Gewohnheiten zurückgefallen sind oder, was noch schlimmer ist, Ketzer sind, hinterlassen sie bei diesem Volk die Spuren ihrer Fehler, und es wird niemals etwas Wertvolles hervorbringen.

Man könnte einwenden, dass verschiedene heidnische Völker außergewöhnliche Dinge geschaffen haben, die man als zivilisiert bezeichnen konnte. Das ist richtig. Sie haben diese Dinge geschaffen, weil sie der natürlichen Ordnung treu waren. Und deshalb waren sie, ohne die katholische Lehre zu kennen, der göttlichen Gnade treu. Oft aber vermischen sich die schönen Werke des Heidentums mit Abnormitäten, weil die Geister der Finsternis leicht von denen Besitz ergreifen, die nicht getauft sind.

Wo hat sich die christliche Zivilisation entwickelt?

Unser Herr Jesus Christus hat das Evangelium in Judäa und Palästina gepredigt, und seine Früchte wurden bald im Nahen Osten, in Nordafrika und im Mittelmeerraum gefunden. Der Kontinent, der der Kirche am meisten Heilige geschenkt hat, war sicherlich Europa. Das Irland des heiligen Patrick und des heiligen Columban hatte den Ruhm, das klösterliche Leben auf dem gesamten Kontinent zu verbreiten. England wurde „die Insel der Heiligen“ genannt. Andere große Heilige bekehrten ganze Länder im Osten: Der heilige Stephan von Ungarn, der heilige Wenzel von Böhmen, die heilige Jadwiga von Litauen und Polen sind Beispiele dafür, ganz zu schweigen von Italien, Portugal und Spanien, die wir gut kennen.

Im Reich Karls des Großen im achten Jahrhundert entwickelte sich in weiten Teilen Europas die christliche Zivilisation. In diesem Garten gab es ein beliebtes Blumenbeet, in dem die schönsten Blumen blühten: Frankreich, das genau aus diesem Grund das christlichste Königreich genannt wird. Auch heute noch sind dort die schönsten Juwelen der christlichen Zivilisation zu finden, trotz der satanischen und egalitären Revolution von 1789.

Trotz der Revolution ... die die vom Satan geführte Klaue ist. Er war der Anführer der Revolution unter den Engeln, der Feind der katholischen Nationen. Bereits im sechzehnten Jahrhundert lehnten sich Deutschland und Nordeuropa gegen die katholische Kirche auf und verbreiteten die Irrtümer Luthers und anderer Ketzer. Die englische Revolution ging der französischen mit verfeinerten Formen des Bösen voraus. Und von dort kam der Protestantismus von Cromwell. Noch heute lehnt die Kirche diese Irrtümer ab, die in ihren eigenen Mauern durch die „progressive“ Ökumene wiederbelebt werden.

Die gleichen weltlichen Ergebnisse der christlichen Zivilisation existieren noch immer als Zeugnisse der Vergangenheit: Kathedralen, Schlösser, volkstümliche Traditionen, guter Geschmack...

Die „Süße des Lebens“: Belohnung für das Streben nach Vollkommenheit

In unserer Zeit modernisieren sich die Städte überall und werden immer hässlicher, aber es gibt immer noch Denkmäler der Vergangenheit, die von der alten Ordnung erzählen. In verschiedenen Regionen sind bezaubernde Dörfer erhalten geblieben, und die Landschaft selbst scheint die christliche Ordnung widerzuspiegeln. Auf französischem Gebiet ist dies besonders deutlich zu spüren. Auch einige alte Bräuche und Überreste dessen, was man einst die „douceur de vivre“ (die Süße des Lebens) nannte, haben sich erhalten, von einem Kochrezept bis zu einem ländlichen Brauch oder einer Familientradition. Diese Süße des Lebens ist die Belohnung für das Streben nach Vollkommenheit. Wenn diese Anstrengung fortgesetzt wird, bringt sie Exzellenz hervor, die sich nicht nur in der Behandlung, der Konversation, dem Vokabular und den Umgangsformen manifestieren kann, sondern auch in sehr spezifischen Traditionen, wie der Herstellung eines besonderen Käses, der Qualität eines bestimmten Weins, eines Liedes oder auch eines regionalen Gerichts. Man könnte sogar sagen, dass sich Exzellenz im Allgemeinen in lokalen Traditionen manifestiert.

Folglich ist es richtig, einen guten Geschmack zu haben, elegant und höflich, ohne snobistisch zu sein, gut zu essen, ohne gierig zu sein, sich gut zu kleiden, ohne eitel zu sein, die wahre Kultur zu lieben, einen guten Wortschatz und eine verfeinerte Sprache zu pflegen, ohne lächerlich zu sein.

Das Streben nach Perfektion aus Liebe zu Gott

Inspiriert von den unvergleichlichen „Ambiente, Sitten und Kulturen“ von Plinio Correa de Oliveira möchten wir unseren Lesern die guten Dinge vermitteln, die es noch aus früheren Zeiten gibt; die Vortrefflichkeit und die Süße des Lebens, die noch zu finden sind.

Selbst die Feinde von Dr. Plinio erkannten, dass er ein brillanter Schriftsteller war. Heute jedoch sind nicht nur die Schriftsteller, sondern auch das Publikum heruntergekommen. Wer weiß noch die Schönheit der Melodie und des Textes von „Stille Nacht“ zu schätzen und kann sie in Worte fassen? Wie kann man den Genuss eines einfachen Gerichts wie der beliebten brasilianischen Feijoada (Schwarze-Bohnen-Eintopf), des portugiesischen Meeresfrüchtereis, der spanischen Paella oder des köstlichen französischen Gebäcks beschreiben?

Es ist gut, diese süßen Früchte der christlichen Zivilisation zu schätzen, die uns in der Liebe zu Gott und in der Liebe zum Nächsten, in der Annehmlichkeit der sozialen Beziehungen und in der christlichen Nächstenliebe gedeihen lassen. Wir sollten sie als eine Treppe sehen, die uns zum Himmel führt, und nicht als ein Objekt der Völlerei, das uns zum Gegenteil führt. Ein gutes Buch oder eine gute Musik, einen Eintopf oder ein Kunstwerk zu schätzen, kann ein Mittel zum Fortschritt, ja sogar eine Tugend sein. Diese tugendhaften Freuden des Geistes halten uns nicht nur von trivialen Banalitäten oder primitiven fleischlichen Reizen fern, sondern machen uns auch offen für Spitzenleistungen und belohnen uns, wenn wir schon auf dieser Erde sind, mit der Süße des Lebens.

Die Frustrationen der modernen Welt

Im Gegensatz dazu werden wir die Flachheit des amerikanischen Lebensstils (der heute universell ist) sowie die grausame und abscheuliche Barbarei des muslimischen Terrorismus erkennen - eine Folge der unverständlichen Religion des Islam. Wir sehen auch die brutale Gefühllosigkeit der kommunistischen Diktaturen und die Frustrationen der modernen Welt mit ihren leeren und sinnlosen Partys, den nutzlosen Trankopfern, die in einem Kater enden, ihren Ausschweifungen, die mit Langeweile (und manchmal mit Verzweiflung, die zu Drogen oder Selbstmord führt ... ) belohnt werden.

Ecce quam bonum est habitare fratres in unum ist ein lateinisches Sprichwort. In der Familie, unter dem Blick der Eltern; in der Ordensgemeinschaft, unter der Obhut der Oberen; in der Gesellschaft, unter der zivilen Autorität - alles ist leichter und weniger schwierig, wenn die Seelen wie mit dem sanften Öl der christlichen Nächstenliebe gesalbt sind.

Der heilige Ludwig, König von Frankreich, hörte sich im Schatten einer Eiche im Wald von Vincennes die Klagen oder Bitten seiner Untertanen aus allen Schichten an; und bei dieser Gelegenheit ganz besonders die der Ärmsten!

Dies führt nicht zu einer Gleichheit im sozialistischen Sinne des Wortes. Im Gegenteil, es erfordert die Liebe des Vorgesetzten, seine Hingabe und Aufopferung, ja sogar die Selbstaufopferung zum Wohle derer, die ihm untergeordnet sind. Vom Untergebenen verlangt dies Dankbarkeit, Bewunderung, Verzückung, Hingabe und Dienst für das, was er vom Vorgesetzten erhält.

Sehnsucht nach einer wahrhaft christlichen Zivilisation

Schauen wir uns ein einfaches Beispiel an. Der gute Lehrer bereitet seinen Unterricht gut vor, er ist an den Fortschritten der Schüler interessiert, er erwartet Disziplin und ihr Engagement beim Lernen, er lehnt sich nicht zurück. Er wird mit der Freude belohnt, wenn er die Fortschritte des Schülers sieht. Das ist seine „Erfüllung“. Ein anderes Beispiel: Der Bürgermeister einer Stadt, der Gouverneur einer Region oder eines Landes hat die Verpflichtung, sein Leben für seine Untertanen einzusetzen. Er ist von dem Gedanken durchdrungen, dass er eine öffentliche Person ist, und deshalb wird er sich außerhalb der Intimität seines Hauses keine Freiheiten erlauben, die seine Stellung herabsetzen. Mit anderen Worten, ein König, ein Präsident der Republik, ein Herrscher, ein Abgeordneter ... muss bereit sein, wie die Inkarnation des Volkes zu sein, welches er vertritt, und sich für die Erfüllung der damit verbundenen Pflichten aufzuopfern.

Ich spüre das fast sarkastische Lächeln einiger Leser, wenn sie an bestimmte moderne Herrscher denken. Und um kein Staatsoberhaupt an der Macht zu beleidigen, betrachte diejenigen, die ihre Positionen verlassen haben...

Wie anders ein hl. Ludwig, König von Frankreich, im Schatten einer Eiche im Wald von Vincennes, wo er die Beschwerden oder Bitten seiner Untertanen aus allen Schichten anhörte; und bei dieser Gelegenheit vor allem die am meisten Benachteiligten!

Kurzum, wie weit sind wir von einer christlichen Zivilisation entfernt! Heute sind wir alle Sklaven eines Staates, der uns von allen Seiten mit Tausenden von Gesetzen bestraft, der uns durch Steuern ausbluten lässt und der direkt oder indirekt versucht, die Aktivitäten aller Bürger, ob reich oder arm, zu kontrollieren. In den meisten modernen Ländern, die erklärtermaßen sozialistisch sind, lässt der Staat seine Bürger im Stich...

 

 

Aus dem Englischen übersetzt mit Hilfe von Deepl-Übersetzer (kostenlose Version) von „Longing for a truly Christian civilisation“ in „TFP Viewpoint“ der TFP des Vereinigten Königreichs.

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Diese deutsche Fassung „Exzellenz und Douceur de Vivre“ erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com

Montag, 24. Mai 2021

Christliche Zivilisation

Ein Telegramm aus New York, das unsere Tagespresse veröffentlichte, übermittelte einen klugen Kommentar einer Zeitung dieser großen amerikanischen Stadt, der sich auf die Verwaltungsmethoden einiger untergeordneter Besatzungsbehörden in den von den alliierten Truppen eroberten Gebieten in Nordafrika bezog. Der kluge Kolumnist zeigte, dass der Kriegszustand zwar Einschränkungen der individuellen Freiheit rechtfertigt und sogar erzwingt, dass aber die von den Alliierten eingesetzten Verwaltungsprozesse unter keinem Vorwand die Nazi-Mentalität übernehmen sollten.

Die Beobachtung ist eine der wichtigsten und verdient sicherlich einen Kommentar. In der Tat lohnt es sich nicht, aus Liebe zum Kampf die Gründe für den Kampf zu verlieren, und die Erhaltung der Ideale, mit denen wir in den Kampf eingetreten sind, muss für uns ein heiliges Anliegen sein.

In einem Interview mit der Presse erklärte der Gouverneur von São Paulo, Fernando Costa, kürzlich, dass Brasilien in den Krieg zog, um die christliche Zivilisation zu verteidigen. Da diese Worte von einer so hochgestellten Autorität kommen, verdienen sie es, von der katholischen Meinung sorgfältig registriert zu werden, weil sie eine endgültige Tragweite haben. Sie bestätigen als verdienstvolle Kriegsanstrengung alles, was getan wird, um die Prinzipien, zu deren Verteidigung Brasilien jetzt mobilisiert, klar und lebendig zu halten.

Aus diesem Grund kann es der „Legionário“ nicht versäumen, seinen Lesern einige lehrmäßige Prinzipien bezüglich der christlichen Zivilisation zu geben.

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Es wäre überflüssig, hier auf eine Analyse der vielen Definitionen von Zivilisation einzugehen, die von den verschiedenen philosophischen Strömungen vorgelegt werden. In allen von ihnen finden wir einen gemeinsamen Nenner, der für die Entwicklung des Konzepts von Zivilisation alle Äußerungen des menschlichen Geistes dient. Die Phänomene wirtschaftlichen, politischen, sozialen und künstlerischen Charakters können nur in dem Maße als Ausdruck einer Zivilisation betrachtet werden, wenn sie eine Tendenz, eine Haltung oder eine Definition des menschlichen Geistes widerspiegeln.

Aus diesem Grund ist eine christliche Zivilisation eine, die aus dem Geist entspringt, der tief von der Lehre unseres Herrn Jesus Christus durchdrungen ist. Und da diese Lehre in erster Linie und im Wesentlichen eine Zivilisation ist, ist es unmöglich, dass eine christliche Zivilisation existiert, in der sich die Menschen nicht zur Religion unseres Herrn Jesus Christus bekennen.

Indessen kann die Religion unseres Herrn Jesus Christus nicht jede irgendwelche Religion sein, die sich christlich bezeichnet, oder beansprucht christlich zu sein. Wenn unser Herr Jesus Christus tatsächlich nur eine einzige wahre Kirche eingesetzt hat, dann sind nur die Menschen, die ihr angehören, vollständig christlich. Als Katholiken, die der heiligen katholischen, apostolischen und römischen Kirche in allen Dingen gefügig sind, halten wir die andersgläubigen  Kirchen, die sie mit ihrem Bannstrahl verurteilt hat, für häretisch und des Ausschlusses würdig.

Das führt uns zu einer Schlussfolgerung von höchster Bedeutung: Brasilien wird nur dann wirklich und echt christlich sein, wenn es katholisch, apostolisch, römisch ist. Und deshalb wird unsere Zivilisation nur christlich bleiben, wenn Brasilien im Schoß der Heiligen Römischen Kirche bleibt.

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Katholisch sein, besteht darin, an die (Lehre der) Heiligen Katholischen, Apostolischen Römischen Mutter Kirche zu glauben und zu praktizieren. Und die Kirche gebietet uns nicht nur, die Artikel des Glaubensbekenntnisses zu glauben, sondern sie verlangt, dass wir ihre ganze Lehre in ihrer Gesamtheit annehmen, einschließlich der Konsequenzen politischer, wirtschaftlicher und sozialer Art, die eine solche Lehre mit sich bringt; das bedeutet, dass die wesentliche Bedingung für jedes Land, eine christliche Zivilisation zu haben, darin besteht, dass es die Lehre der Kirche in ihrer Gesamtheit annimmt.

 

Aus dem Portugiesischen übersetzt mit Hilfe von DeepL.com in Legionário Nr. 546, vom 24. Januar 1943

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„Christliche Zivilisation“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com



Dienstag, 21. Juli 2020

Christliche Bildung und christliche Kultur


von Plinio Correa de Oliveira
Dieser Zustand der menschlichen Gesellschaft, der, erwachsen aus Ordnung und Vollkommenheit, eher als ein übernatürlicher und himmlischer denn als eine irdische Erscheinung anzusehen ist, war dennoch einst lichtvolle Wirklichkeit, in die Geschichte eingegangen unter der Bezeichnung «christliche Kultur» (oder christlich-abendländische Kultur), Produkt einer jahrhundertelangen christlichen Erziehungsarbeit, welche im wesentlichen von der katholischen Kirche geleistet worden ist. Ihr Ziel war die christliche Bildung und Gesittung des Menschen, dessen Seele nicht dem ungeordneten, spontanen Spiel ihrer Einzelkräfte — Verstand, Wille, Gefühl — überlassen ist, sondern der im Gegenteil durch redliches Bemühen auf geordnetem Fundament eine Bereicherung und Stärkung dieser Kräfte erfährt. Die Seele eines solchen Menschen ist einem kultivierten Stück Land vergleichbar, das nicht alle Samen gedeihen lässt, welche der Wind chaotisch darin niederlegte, sondern das durch die sachkundige Arbeit der Menschen gute und nützliche Früchte hervorbringt.
In diesem Sinne ist katholische Bildung die Pflege und der Einsatz aller Kräfte des Verstandes, des Willens und des Gefühls in Übereinstimmung mit den Regeln der katholischen Moral. Wie wir oben gesehen haben, befindet sich eine nach diesen Grundsätzen geformte Seele im Zustand der Vollkommenheit. Wenn die sittliche Bildung in der Allgemeinheit einer Gesellschaft zum Tragen kommt, (obwohl nach Grad und Art bei den einzelnen Mitgliedern verschieden, entsprechend der sozialen Stellung und dem Alter eines jeden), wird sie zu einem sozialen Faktor und damit zum wichtigsten Element der sozialen Vollkommenheit.
Kultur ist der Zustand einer menschlichen Gesellschaft, die eine sittliche Bildung besitzt und sich nach deren grundlegenden Normen eine Gesamtheit von Gebräuchen, Gesetzen, Institutionen, von literarischen und künstlerischen Stilmustern geschaffen hat.
Eine Kultur ist katholisch, wenn sie aus einer katholischen Gesittung und Bildung ihrer Teilhaber erwächst und wenn der Geist der Kirche als die eigentliche Richtschnur, die lebensnotwendige Norm für die Gebräuche, Gesetze, Institutionen und Stilanschauungen dieser Gesellschaft wirkt.
Da Jesus Christus das wahre Ideal und der Inbegriff der Vollkommenheit ist, muss eine Gesellschaft, die seine Gesetze anwendet, eine vollkommene Gesellschaft sein. Deshalb auch muss die Gesittung beziehungsweise die Kultur, welche aus der Kirche Christi geboren wurde, mit Notwendigkeit nicht nur die beste, sondern die einzig wahre Lebens - beziehungsweise Gesellschaftsform sein. Der Heilige Vater Papst Pius X. sagt es uns: «Es gibt keine wahre Kultur ohne moralische Bildung und es gibt keine wahre moralische Bildung außer durch die wahre Religion» (Brief an das französische Episkopat vom 28. August 1910 über «Le Sillon»). Daraus ersehen wir, kristallklar, daß es keine wahre Kultur gibt, wenn sie nicht aus der wahren Religion erwachsen ist.

Übersetzt ins Deutsche aus dem Portugiesischen "A Cruzada do século XX" („Der Kreuzzug des 20. Jahrhunderts“) in Catolicismo, Januar 1951

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Mittwoch, 8. Juli 2020

Die Kirche und die christliche Kultur


von Plinio Correa de Oliveira
Es wäre eine arge Täuschung zu meinen, die Erziehungsarbeit der Kirche sei nur individuell und auf die Heranbildung christlicher Persönlichkeiten gerichtet, nicht aber auf Völker, Zivilisationen und Kulturen.
In Wirklichkeit hat Gott den Menschen als soziales Wesen geschaffen und ihn dazu bestimmt, in Gemeinschaft mit anderen an der gegenseitigen Heiligung zu arbeiten. Deshalb machte er ihn auch beeinflussbar. Wir spüren alle durch den Geselligkeitstrieb in uns die Neigung, unsere Ideen in gewissem Masse anderen mitzuteilen und Anregungen von ihnen zu bekommen. Das gilt für die Beziehungen von Mensch wie für die vom einzelnen zur Gesellschaft. Die Umwelt, die Gesetze und Institutionen, in denen wir leben, üben ihren Einfluss auf uns aus, haben eine pädagogische Wirkung auf uns.
Diesem Milieu und seiner Denkweise, die den Manschen durchdringt wie durch Osmose und wie durch die Haut, sich notfalls völlig zu entziehen, ist das Werk einer hohen und schwierigen Tugend. Die ersten Christen sind so dadurch, daß sie ihre katholische Überzeugung trotz der heidnischen Umgebung, in der sie lebten, vollständig bewahrten, nicht weniger zu bewundern als in dem Moment, wo sie den wilden Tieren im Kolosseum gegenübertraten.
So bilden die Kultur und Zivilisation eines Volkes wichtige Mittel, um auf die innere Haltung der Menschen Einfluss zu nehmen. Sind die Lebens - und Gesellschaftsform heidnisch, so tragen sie bei zum Zusammenbruch der Seelen, sie dienen zu ihrer Rettung, wenn sie katholisch sind.
Die Kirche kann also nicht uninteressiert daran sein, eine christliche Kultur hervorzubringen und sich damit begnügen, nur individuell Seelen zu betreuen.
Dennoch ist auch dies sehr wichtig, denn jede Seele ist durch die Einwirkung der Kirche, der sie bereitwillig Folge leistet, ein Licht oder ein Samenkorn dieser Kultur, deren Verbreitung und Förderung sie aktiv und energisch dient. Die Tugend leuchtet nicht nur selbst, sondern entzündet ihr Licht auch in anderen Menschen. Sie wirkt ansteckend, breitet sich aus und tendiert zu ihrer eigenen Umwandlung von der vorbildlichen Haltung des einzelnen über die Gesittung der Gesellschaft zu einer von katholischem Geist getragenen Kultur und Zivilisation.
Wie wir sehen, ist es eine Eigenheit der Kirche, eine christliche Lebens- und Gesellschaftsform hervorzubringen. Sie will ihre Früchte in einer sozialen Atmosphäre austeilen, die ganz und gar katholisch ist. Der Katholik muss nach einer katholischen Kultur streben, wie ein Mensch, in verschlossenem Keller sich nach Luft und Sonne sehnt und der gefangene Vogel nach freier Bewegung im Himmelsraum verlangt.
Das ist unser Endziel, unser großes Ideal. Wir gehen einer katholischen Kultur entgegen, die aus dem Materialismus der heutigen Welt erstehen kann, wie aus der Übersättigung und Zerfall der römischen Welt die mittelalterliche Kultur hervorging. Wir schreiten der Eroberung dieses Ideals entgegen mit Mut und Ausdauer, entschlossen, allen Hindernissen entgegenzutreten, sie alle zu besiegen, so wie die Kreuzritter nach Jerusalem gezogen sind. Denn wenn unsere Vorfahren zu sterben wussten, um das Grab Christi zu erobern, wie wollen nicht wir, Kinder der Kirche wie sie, kämpfen und sterben, um das zu restaurieren, was unendlich mehr wert ist als das kostbare heilige Grab des Heilandes, nämlich seine Herrschaft über die Seelen und Gesellschaften, die er geschaffen und errettet hat, damit sie ihn ewig lieben?

Übersetzt ins Deutsche aus dem Portugiesischen "A Cruzada do século XX" („Der Kreuzzug des 20. Jahrhunderts“) in Catolicismo, Januar 1951
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Samstag, 12. Januar 2019

Ordnung - Harmonie - Friede - Vollkommenheit



Ordnung, Friede und Harmonie sind wesentliche Charakterzüge einer gut gebildeten Seele und einer jeden vernünftig organisierten menschlichen Gesellschaft. Diese Werte hängen aufs engste zusammen mit dem wahren Begriff der Vollkommenheit.
Jedes Wesen, sei es belebt oder unbelebt, hat ein eigenes Endziel und eine anpassungsfähige Natur zur Erreichung dieses Zieles. So nimmt jedes Glied einer Uhr zum Beispiel seine eigene Stellung ein und trägt durch seine Form und Anordnung zur Verwirklichung eines bestimmten Zweckes bei.
Ordnung ist die Disposition der Dinge gemäß ihrer Natur. So ist eine Uhr in Ordnung, wenn alle Teile ihrer Natur und ihrem Zweck entsprechend angebracht sind. In der Sternenwelt herrscht deshalb Ordnung, weil alle Himmelskörper sich mit der Natur und dem Zweck ihres Daseins in Übereinstimmung befinden.
Wenn die Beziehungen zwischen zwei Wesen der Natur und dem Endziel eines jeden von ihnen Rechnung tragen, sprechen wir von Harmonie. Die Harmonie ist das Zusammenwirken der Dinge in ihren wechselseitigen Beziehungen nach dem Bauplan der Ordnung.
Die Ordnung erzeugt Ruhe. Die Ruhe der Ordnung ist der Friede. Nicht jeder Zustand der Ruhe verdient Friede genannt zu werden, sondern nur derjenige, der aus der Ordnung hervorgeht. Der Friede eines ruhigen Gewissens entspringt einem guten Gewissen und hat nichts zu tun mit der Gleichgültigkeit eines abgestumpften Gewissens. Körperliches Wohlbefinden bringt ein Gefühl des Friedens mit sich, das weit entfernt ist von Scheineuphorie oder Mattigkeit nach dem Genuss von Rauschmitteln.
Wenn ein Wesen sich völlig nach Maßgabe seiner Natur disponiert und aufgelegt fühlt, befindet es sich im Zustande der Vollkommenheit. So wird ein junger Mensch, der ein großes Auffassungsvermögen und ein starkes Verlangen zum Studium besitzt, darauf drängen, eine Universität zu beziehen, wo ihm alle Mittel für eine wissenschaftliche Ausbildung zur Verfügung stehen; er befindet sich dann hinsichtlich seines Studiums in einer vollkommenen Lage.
Ist die Tätigkeit eines Wesens ganz seiner Natur angepasst und vollständig auf sein Endziel hin ausgerichtet, dann können wir sie mit Fug und Recht als vollkommen - perfekt - bezeichnen. So ist die Bahn der Gestirne vollkommen, weil sie ganz und gar der Natur und dem Zweck eines jeden Sternes entspricht.


Sind die Existenzbedingungen eines Wesens vollkommen, dann werden es mit großer Wahrscheinlichkeit auch seine Lebensäußerungen sein. Es wird all seine Ausdauer, Kraft und Geschicklichkeit einsetzen, um das vorgegebene Ziel zu erreichen. Ein Mensch, der vollkommene Anlagen zum Gehen besitzt, wird in untadeliger Weise gehen, sofern er es nur will.
Für die Erkenntnis der wahren Vollkommenheit des Menschen und der menschlichen Gesellschaft müssen wir uns zuerst eine genaue Vorstellung von der Natur und dem Endziel des Menschen machen. Das Gelingen, die Fruchtbarkeit, der Glanz menschlicher Werke, seien es die einzelner Personen oder solche von Gruppen, Völkern und Nationen, hängen von der Kenntnis unserer Natur und ihres Endzweckes ab. Mit anderen Worten, der Besitz der religiösen Wahrheit ist wesentliche Voraussetzung der Ordnung, der Harmonie, des Friedens und der Vollkommenheit.

(aus "Der Kreuzzug des 20. Jahrhunderts" Catolicismo, Januar 1951)

Mittwoch, 28. November 2018

Brasilien – ein zur Größe berufenes Land



      
Als Stefan Zweig in den dreißiger Jahren Brasilien besuchte, war er von dem Land derart beeindruckt, daß er es dazu bestimmt sah, „einer der bedeutsamsten Faktoren der künftigen Entwicklung unserer Welt zu werden“ (7).
      Was einen an Brasilien zuallererst beeindruckt ist die Weite des Landes und der Horizonte. Die Ausdehnung dieses Landes mit seinen 8.511.965 Quadratkilometern Fläche entspricht mehr als der Hälfte ganz Südamerikas. Die unmittelbar zum Meer hin abfallenden hohen Gebirge, die üppigen Urwälder, der wasserreiche Amazonasstrom, der mit seinem über fünf Millionen Quadratkilometer großen Becken das ausgedehnteste Einzugsgebiet der Erde bildet, all das vermittelt uns das Bild von einem Land, das alles im Übermaß besitzt: Natur, Licht, Farben, sodaß man durchaus den Vergleich Rocha Pitas heranziehen und von einem wahren „irdischen Paradies“ sprechen kann.
      „In keiner anderen Region zeigt sich der Himmel so heiter, noch steigt schöner der Morgen herauf; in keinem anderen Erdteil strahlt die Sonne goldener, noch leuchtet ihr Widerschein kräftiger in der Nacht; die Sterne funkeln milder und zeigen sich immer fröhlich; der Horizont ist immer klar, einerlei ob die Sonne auf- oder untergeht; das reinste Wasser kann man sowohl aus den Quellen in Feld und Wiese trinken als auch aus den Zuleitungen in den Ortschaften; mit anderen Worten, Brasilien ist das entdeckte irdische Paradies.“ (8)
      Das riesige Land ist unaufhörlich in Licht getaucht und „glänzt wie ein Diamant im Schatten der Unendlichkeit. (...) Sein Abglanz lässt im Schweigen der Räume eine unerlöschliche, dunkelgelbe, glühende, sanfte oder blasse Verklärtheit aufscheinen. Immer ist alles Licht. Von der Sonne steigt es in leuchtenden, blendenden Wellen hernieder und hält die Erde in tiefer Stille. Das Licht durchdringt alles, schluckt alles“ (9).
      Dieses Licht, das eine unerlöschliche Klarheit ausstrahlt und die Erde in einer Stimmung zurückgezogener Stille zu halten scheint, taucht die großen Räume in eine geheimnisvolle geistige Dimension. Fast könnte man sagen, daß die leuchtende Ausdehnung der Horizonte die Seele für eine sublime Berufung empfänglich macht.
      Die Geburtsstunde Brasiliens schlug am 22. April 1500, als die Schiffe der portugiesischen Flotte mit ihren weißen Segeln, auf denen das Kreuz des Christusordens leuchtete, unter dem Kommando von Pedro Alvares Cabral vor der brasilianischen Küste Anker warfen. Als erstes pflanzten die Entdecker ein Kreuz am Strand auf und ließen das unblutige Kalvarienopfer im neuentdeckten Land feiern. Seit diesem
Tag ist Brasilien das Land des Heiligen Kreuzes (10). Das Kreuz des Südens schien die Szene, die sich für immer in die brasilianische Seele eingeprägt hat, am Himmel zu besiegeln. „Das Kreuz des Südens, Wappenzeichen des Vaterlandes, erinnert nachts mit seinem süßen Licht für immerwährende Zeiten an den Fortbestand dieses Bundes. Es richtet an die christliche Nation, die im Lande des Heiligen Kreuzes lebt, Worte unvergänglicher Hoffnung.“ (11) Seither, so bemerkte ein italienischer Diplomat, „hat sich der vom Christentum ausgehende Duft über alle Teile Brasiliens ausgebreitet, als ob es ein für allemal besprengt worden wäre“ (12).
     
Das Kreuz, erinnert P. Serafim Leite S.J., „war ein Wahrzeichen und eine Verheißung. Aber es war noch nicht das Saatkorn. Dieses sollte erst ein halbes Jahrhundert später, nämlich im Jahre 1549, mit der Einrichtung des Generalgouvernements und der Ankunft der Jesuiten fruchtbar und reichlich eintreffen“ (13). In dem genannten Jahr begleiteten sechs Missionare der gerade erst vom Heiligen Ignatius gegründeten Gesellschaft den Gouverneur Tomé de Souza, dem König Johann III. von Portugal die Missionierung des neuen Landes aufgetragen hatte (14). Nach Stefan Zweig brachten sie „das Kostbarste, was ein Volk und ein Land zu seiner Existenz benötigt: eine Idee und zwar die eigentlich schöpferische Idee Brasiliens“ (15).
      Die Jesuiten flößten dem potentiell äußerst – nicht nur an materiellen Gütern - reichen, bis zu diesem Zeitpunkt jedoch schlafenden Land eine Seele ein. „Dieses Land ist unsere Aufgabe “ (16), erklärte P. Manuel da Nóbrega (17), der zusammen mit P. José de Anchieta (18) als Gründer Brasiliens angesehen werden kann. Seit der Entdeckung bis in unsere Tage entwickelten die Missionare in brasilianischen Landen ein Werk der Christianisierung und gleichzeitig der Zivilisierung, das „in der Geschichte einzigartig dasteht“ (19).
P. Joseph Anchieta nimmt Indianer in Schutz
Die Jesuiten katechisierten die in Siedlungen zusammengeführten Ureinwohner, richteten die ersten Schulen ein, bauten Unterrichtsstätten, Kirchen, Straßen und Städte (20). Als die Hugenotten sich des neuen Landes bemächtigen wollten, waren es die Jesuitenpatres Nóbrega und Anchieta, die militärische Maßnahmen gegen die in der Guanabara-Bucht gelandeten französischen Protestanten veranlassten (21). Inmitten der  herrlichen 
Küste, von den Portugiesen zurückeroberten Bucht (22) wurde eine kleine Stadt gegründet, aus der später einmal die Hauptstadt des Landes hervorgehen sollte: Rio de Janeiro, die Stadt, die in einer unvergleichlichen Synthese die ganze Naturschönheit Brasiliens in sich vereinigt: Berge, Hügel, Wälder, Wasser, Inseln, Buchten (23). Die erste Hauptstadt der portugiesischen Besitzungen in Südamerika, São Salvador da Bahia, bildete zusammen mit São Paulo, São Sebastião do Rio de Janeiro und den Kapitanaten von Pernambuco und Maranhão eine der „Urzellen“ (24) Brasiliens.
      Das ungeheuer große Land wurde in zwölf Erbkapitanate aufgeteilt, von denen die meisten Bundesstaaten der heutigen brasilianischen Föderation ausgehen (25). Die mit weitgehenden Vorrechten und Gunstbezeigungen versehenen Lehensträger wurden vom König von Portugal unter den „besten Leuten, ehemaligen Seefahrern, Hofherren“ (26) ausgewählt. Brasilien blieb weiterhin Bestandteil des portugiesischen Reiches, auch während des Zeitraums, in dem die portugiesische Krone mit der spanischen vereint war (1580–1640).
      Das brasilianische Nationalbewusstsein begann sich schließlich im Kampf gegen die Holländer zu bilden, die sich in Bahia (1624–1625) und dauerhafter in Recife (1630–1654) festsetzen konnten (27). Als sich dieser letzte holländische Posten dem portugiesisch-brasilianischen Heer ergab, konnte man bereits von einem einigen Volk sprechen. „Die holländischen Kriege hatten den Vorzug, daß sie die unterschiedlichen Elemente der Kolonisierung auf eine bis dahin nicht gekannte Weise festigten.“ (28).
      Der erste aristokratische „Typus“ Brasiliens war der des Zuckermühlen-Herrn, des Zuckerrohranbauers, dessen Produktion während der ganzen Kolonialzeit im feudalen Rahmen der Kapitanate das typisch brasilianische Erzeugnis bildete. (29)
      Zuckerrohrpflanzungen und Mühlen – kleine, an Wasserläufen errichtete Raffinerien, die von Sklaven betrieben wurden – legten die Grundlagen der brasilianischen Landwirtschaft. Das angestammte Herrenhaus des Gutsbesitzers glich einer Festung (30). Um die Mühlenherren sammelten sich die Widerstandskräfte gegen die holländischen Invasoren, Feinde des Glaubens und des Königs (31). Es war bereits der Landadel gewesen, der die Verteidigung gegen die Franzosen und die Engländer organisiert hatte, als diese sich in der Vergangenheit in Brasilien festsetzen wollten.
      Anbau und Verarbeitung des Zuckerrohrs bildeten während der ersten zwei Jahrhunderte die wichtigste landwirtschaftliche und industrielle Tätigkeit des Landes. Im 18. Jahrhundert wurde dann das Gold, nach seiner unerwarteten Entdeckung in Minas Gerais, zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor des Landes.
      Die Bandeirantes-Expeditionäre (32), unmittelbare Nachkommen der Entdecker, lösten mit ihrem außerordentlichen Mut und Abenteuergeist das Zeitalter des Goldes und der Edelsteine aus.
      In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, nach Abschluss der sozialen und wirtschaftlichen Zyklen des Zuckers und des Goldes, nahm dann ein drittes Zeitalter seinen Anfang, das des Kaffees, der bis 1930 die Hauptquelle des Reichtums der brasilianischen Wirtschaft sein sollte.
Kaiser Pedro I. ruft die
Unabhängigkeit Brasiliens aus
      Im 19. Jahrhundert erreichte Brasilien seine Unabhängigkeit, aber auf eine andere Art und Weise als die übrigen südamerikanischen Nationen: Nicht mit Waffengewalt, sondern durch die Errichtung eines Kaiserreichs, dessen Thron Dom Pedro I. von Bragança, Sohn des Königs von Portugal, bestieg.
      Am 7. September 1822 proklamierte Dom Pedro in São Paulo die Unabhängigkeit Brasiliens, und zwei Jahre darauf erhielt das Land seine erste Verfassung. Der Nachfolger, Dom Pedro II. (33) war ein außerordentlich gebildeter und unternehmungslustiger Herrscher, dessen lange, friedvolle Regierungszeit mit der republikanischen Revolution gleich nach der Abschaffung der Sklaverei (34) endete. Das
Kaiser Pedro II. von Brasilien
Kaiserreich verlor die Unterstützung der Landaristokratie, für die die Sklavenbefreiung ein Fehler oder aber verfrüht war. Am 15. November 1889 wurde in Rio de Janeiro nach einem unblutigen Staatsstreich die Republik ausgerufen.
      „Die Brasilianer“, schrieb der italienische Historiker Guglielmo Ferrero, „sahen die Monarchie sanft fallen, ohne Blutvergießen, so wie die schönen Sommertage zu Ende gehen, ruhig und leuchtend“ (35).
      1891 wurde aus dem Kaiserreich Brasilien die Bundesrepublik der Vereinigten Staaten von Brasilien, auf deren neuer Flagge nun das positivistische Motto „Ordnung und Fortschritt“ zu lesen war (36). „Brasilien stand damals am Anfang einer Epoche, die den ‚Fortschritt‘ zum Gott und die ‚Wissenschaft‘ zu einer Göttin ihrer geistigen Eliten erheben sollte“ (37). Die Republik bestand aus einer Föderation autonomer Staaten, die alle ihr eigenes Parlament und eine eigene Regierung hatten. Es kam zur Trennung zwischen Staat und Kirche, die standesamtliche Trauung (Zivilehe) wurde eingeführt, die Wirtschaftspolitik wurde geändert. Die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts zeichnen sich in Brasilien durch ein Klima der Euphorie und des Optimismus aus, was nicht zuletzt auf die Hoffnungen zurückzuführen war, die der institutionelle Wandel und der wirtschaftliche und soziale Fortschritt des Landes ausgelöst hatte (38). Es waren die „goldenen Jahre“ der 1. Republik (39).

Quelle: Roberto de Mattei: „Der Kreuzritter des 20. Jahrhunderts: Plinio Corrêa de Oliveira. TFP-Büro Deutschland und DVCK e.V., Frankfurt, 2004, Kapitel I, Abschnitt 2, SS 22-29.
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Fußnoten:
(7) Stefan ZWEIG, Brasilien,  ein Land der Zukunft, Insel Verlag, Frankfurt am Main 1981, S. 8. Vgl. auch Ernani SILVA BUENO, História e Tradições da Cidade de São Paulo, Livraria José Olympio Editora, Rio de Janeiro 1954, 3 Bde.; Affonso DE FREITAS, Tradições e reminiscências paulistanas, Governo do Estado de São Paulo, São Paulo 1978 (3. Aufl.); Luiz GONZAGA CABRAL, S.J., Influência dos Jesuítas na colonização do Brasil, in Jesuítas no Brasil, Bd. III, Companhia Melhoramentos de S. Paulo, São Paulo 1925.
(8) Sebastião DA ROCHA PITA (1660 – 1783), História da América Portuguesa, in E. WERNECK, Antologia Brasileira, Livraria Francisco Alves, Rio de Janeiro 1939, S. 210.
(9) José PEREIRA DA GRAÇA ARANHA (1868 – 1931), A esthética da vida, Livraria Garnier, Rio de Janeiro – Paris 1921, S. 101.
(10) „Brasilien ist christlich geboren: ‚Insel des Wahren Kreuzes‘ nannte es sein erster Geschichtsschreiber, der gleichzeitig auch einer der Entdecker war“ (P. Serafim LEITE, S.J., Páginas de Història do Brasil, Companhia Editora Nacional, São Paulo 1937, S. 11). Der Chronist der Expedition, Pero Vaz de Caminha, richtet folgende Worte an den König: „Bis jetzt konnten wir noch nicht erfahren, ob es Gold oder Silber oder Metallsachen oder Eisen gibt; wir sahen nichts dergleichen. An und für sich ist das Land aber reich (...) Der größte Gewinn, den man indessen von ihm haben kann, ist meiner Meinung nach die Errettung der Seelen seiner Einwohner“ (nach Roger BASTIDE, Il Brasile, italien. Übersetzung, Garzanti, Mailand 1964, S. 13; der Text des Briefes des Pero Vaz de Caminha ist zu finden in Jaime CORTESÃO, A expedição de Pedro Álvares Cabral, Livrarias Ailland e Bertrand, Lissabon 1922, S. 233 – 256).
(11) Yves DE LA BRIÈRE, Le règne de Dieu sous la Croix de Sud, Desclée de Brouwer, Brügge – Paris 1929, S. 20.
(12) Roberto CANTALUPO, Basile euro-americano, Istituto per gli Studi di Politica Internazionale, Mailand 1941, S. 89.
(13) P. S. LEITE, S.J., Páginas de História do Brasil, a.a.O., S. 12 – 13. „Ohne andere Faktoren ausschließen zu wollen, kann man ohne weiteres folgende Behauptung aufstellen: Im 16. Jahrhundert deckt sich die Geschichte der Gesellschaft Jesu in Brasilien mit der Geschichte der Entwicklung des Landes selbst in seinen katechetischen, sittlichen, geistigen, erzieherischen und großenteils kolonialen Elementen. Der Beitrag anderer religiöser Faktoren ändert das Ergebnis nur unmerklich“ (S. 14).
(14) In der Verordnung vom 17. Dezember 1548, mit der der König von Portugal, Johannes III., seinem Gouverneur die Regeln vorschrieb, an die er sich in Brasilien halten sollte, steht geschrieben: „Der Hauptgrund, der mich veranlasst hat, dieses Land Brasilien besiedeln zu lassen, ist der, daß sich die Menschen, die dort leben, zu unserem katholischen Glauben bekehren“ (Regimento de Tomé de Souza, Nationalbibliothek Lissabon, Marinearchiv, Buch 1 der amtlichen Schreiben, 1597 – 1602). Vgl. auch P. Armando CARDOSO, S.J., O ano de 1549 na história do Brasil e da Companhia de Jesus, in Verbum, Nr. 6 (1949), S. 368-392.
(15) S. ZWEIG, a.a.O., S. 32. Vgl. Carlos SODRÉ LANNA, Gênese da Civilização Cristã no Brasil, in Catolicismo Nr. 519 (März 1994), S. 23 –24; Ders., A epopéia missionária na formação da Cristandade luso-brasileira, in Catolicismo Nr. 533 (Mai 1995), S. 22 – 23.
(16) Zitiert nach Antonio DE QUEIROZ FILHO, A vida heróica de José de Anchieta, Edições Loyola, São Paulo 1988, S. 43.
(17) P. Manuel da Nóbrega ist am 18. Oktober 1517 in Minho (Portugal) geboren und starb am 18. Oktober 1570 in Rio de Janeiro. Er hatte Kirchenrecht und Philosophie in Coimbra studiert, bevor er 1544 in die Gesellschaft Jesu eintrat und 1549 vom Heiligen Ignatius nach Brasilien entsandt wurde, wo er der erste Obere und Provinzial der Jesuitenmission werden sollte. Seine Missionsarbeit erstreckte sich über zwanzig Jahre bis zu seinem Tode.
(18) Der Selige José de Anchieta ist am 19. März 1534 in La Laguna (Kanarische Inseln) geboren und am 9. Juni 1597 in Reritiba (heute Anchieta) gestorben. Er trat 1551 in die Gesellschaft Jesu ein und fuhr zwei Jahre später mit einer Gruppe von Missionaren im Gefolge des portugiesischen Gouverneurs Duarte da Costa nach Brasilien. Als er 1566 zum Priester geweiht wurde, war er bereits an der Gründung der Stadt São Paulo (1554) beteiligt gewesen und sah auch Rio de Janeiro (1567) entstehen. 1578 wurde er Ordensprovinzial für Brasilien und entwickelte sein Apostolat so unermüdlich, daß ihm später der Titel „Apostel der Neuen Welt“ zuerkannt wurde. 1980 wurde er von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Vgl. ALVARES DO AMARAL, O Padre José Anchieta e a fundação de São Paulo, Conselho Estadual de Cultura, São Paulo 1971.
(19) S. LEITE, S.J., História da Companhia de Jesus no Brasil, Livraria Portugália, Lissabon 1938, Bd. I.
(20) Neben den Jesuiten gingen auch die Benediktiner (1582), die Karmeliter (1584), die Kapuziner (1612) und andere Orden ihrem Apostolat nach. Nachdem die Jesuiten 1760 durch Pombal vertrieben worden waren, kehrten sie erst 1842 wieder nach Brasilien zurück. Über die 40 Märtyrer aus den Reihen der Jesuiten s. Mauricio GOMES DOS SANTOS, S.J., Beatos Inácio de Azevedo e 39 companheiros mártires, in Didaskalia Nr. 8 (1978), S. 89 – 155; S. 331 – 366 (Übersetzung der Studie der Geschichtlichen Abteilung der Heiligenkongregation).
(21) Berater der Patres Nóbrega und Anchieta war ein italinischer Adliger namens Guiseppe Adorno aus der Genueser Dogenfamilien, der Leben und Vermögen in den Dienst seines neuen Vaterlandes Portugal gestellt hatte, nachdem er aus seiner Heimatstadt vertrieben worden war. Neben Adorno kamen im 16. Jahrhundert auch die Acciaiuoli (Accioly), die Doria, die Fregoso und die Cavalcanti (Cavalcanti d’Albuquerque) nach Brasilien.
(22) C. SODRÉ LANNA, A expulsão dos franceses do Rio de Janeiro, in Catolicismo Nr. 509 (Mai 1993), S. 22–24.
(23) „Vom Panorama her gesehen, kann man Rio de Janeiro als eine Synthese Brasiliens betrachten. Hier schlägt weiterhin das Herz Brasiliens, obwohl die Hauptstadt nun offiziell nach Brasilia verlegt wurde. Man stößt hier auf eine geheimnisvolle Synthese des Landes, eine Einladung für eine Zukunft voller geheimnisträchtiger Versprechen“ (Plinio CORRÊA DE OLIVEIRA, Meditando sobre as grandezas do Brasil, in Catolicismo Nr. 454 (Oktober 1988).
(24) „Der hervorragende Kenner der brasilianischen Geschichte, João Ribeiro, bezeichnet mit energischer Genauigkeit die folgenden Punkte des Landes als Urzellen Brasiliens: Bahia, Pernambuco, São Paulo, Rio und Maranhão. Von den erwähnten fünf  Urzellen sind zwei (...) ausschließlich das Werk der Gesellschaft Jesu: São Paulo, das sie mit eigenen Händen geschaffen hat, und Rio de Janeiro, dessen Gründung sie gegen alles und gegen alle durchgesetzt hat. Die anderen drei – Bahia, Pernambuco, Maranhão – verdanken den Jesuiten ihre größte Ausdehnung.“ (L. G. CABRAL, S.J., Jesuítas no Brasil (século XVI), Companhia Melhoramentos de São Paulo, São Paulo 1925, S. 266).
(25) Homero BARRADAS, As capitanias hereditárias. Primeiro ensaio de um Brasil orgânico, in Catolicismo Nr. 131 (November 1961).
(26) Pedro CALMON, História do Brasil, Livraria José Olympio Editora, Rio de Janeiro 1959, Bd. I, S. 170.
(27) Vgl. Lúcio MENDES, Calvinistas holandeses invadem cristandade luso-americana, in Catolicismo Nr. 427 (Juli 1986), S. 2 – 3; Ders. Martírio e heroísmo na resistência ao herege invasor, in Catolicismo Nr. 429 (September 1986), S. 10–12; Diego LOPES SANTIAGO, História da Guerra de Pernambuco, Fundação do Patrimônio Histórico e Artístico de Pernambuco, Recife 1984. In diesem Zeitraum kämpften in Brasilien viele italienische, vor allem neapolitanische Offiziere (vgl. Gino DORIA, I soldati napoletani nelle guerre del Brasile contro gli olandesi (1625 – 1641), Riccardo Ricciardi Editore, Neapel 1932). Als 1624 die Ostindische Kompagnie Bahia besetzen ließ, schickte Philipp IV. eine Flotte, der auch ein neapolitanisches Kontingent unter der Führung von Carlo Andrea Caracciolo, Marquis von Torrecuso, angehörte. Ein weiterer neapolitanischer Führer war Gian Vincenzo Sanfelice, Graf von Bagnoli, der 1638 erfolgreich Bahia gegen die Invasion der holländischen Kalvinisten verteidigte, die in Südamerika einen protestantischen Staat gründen wollten. Zwischen Brasilien und dem Reich Neapel bestand stets ein fruchtbarer Austausch (vgl. z. B. Paolo SCARANO, Rapporti politici, economici e sociali tra il Regno delle Due Sicilie e il Brasile (1815 – 1860), Società Napoletana di Storia Patria, Neapel 1958).
(28) P. CALMON, Storia della Civiltà brasiliana, italien. Übersetzg. Industria Tipografica Italiana, Rio de Janeiro 1939, S. 52.
(29) Zuckerrohr, das ideale landwirtschaftliche Erzeugnis eines Landes, das am Anfang seiner Entwicklung steht, wurde seit Ende des 16. Jahrhunderts in Nord- und Südbrasilien angepflanzt. Das Hauptanbaugebiet war jedoch Pernambuco, dessen Hafenstadt Recife im 17. Jahrhundert zum größten Zuckerhandelsplatz der Welt wurde (P. CALMON, Storia della civiltà brasiliana, loc. cit., S. 85). Vgl. auch Plinio CORRÊA DE OLIVEIRA, No Brasil Colônia, no Brasil Império e no Brasil República: gênese, desenvolvimento e ocaso da Nobreza da terra, Anhang zur portugiesischen Ausgabe von Nobreza e elites tradicionais análogas nas alocuções de Pio XII ao Patriciado e à Nobreza Romana, Livraria Civilização Editora, Porto 1993, S. 159–201.
(30) Gilberto FREYRE, Casa Grande e Senzala, Editora José Olympio, São Paulo 1946 (5. Aufl.), Bd. I, S. 24.
(31) Die Eroberung der Ländereien ist vor allem kriegerischer Natur. „Jedes gerodete Stück Land, jeder ‚bevölkerte‘ Landstrich, jeder bebaute Raum, jede ‚fabrizierte‘ Zuckermühle setzt eine schwierige militärische Unternehmung voraus. Von Norden nach Süden werden landwirtschaftliche Gründungen und Viehzucht mit dem Schwert in der Hand durchgeführt“ (Francisco José de OLIVEIRA VIANA, O povo Brasileiro e sua Evolução, Ministério da Agricultura, Indústria e Comércio, Rio de Janeiro 1922, S. 19).
(32) Vgl. zum Thema Bandeirantes die imposante História Geral das Bandeiras Paulistas (São Paulo 1924 – 1950, 11 Bände) von Affonso DE TAUNAY, zusammengefasst in História das Bandeiras Paulistas, Edições Melhoramentos, São Paulo 1951, 2 Bde.; vgl. auch J. CORTESÃO, Raposo Tavares e a formação territorial do Brasil, Ministério da Educação e Cultura, Rio de Janeiro 1958; Ricardo ROMÁN BLANCO, Las Bandeiras, Universidade de Brasília, Brasília 1966.
(33) Dom Pedro II. (1825–1891) heiratete 1843 die Prinzessin Teresa Cristina, Schwester Ferdinando II., des Königs beider Sizilien. Seine älteste Tochter, Isabel (1846–1921) heiratete den Prinzen Gastão de Orléans, Graf d’Eu, dem sie drei Söhne schenkte: Pedro de Alcântara, Luís und Antônio. Da der Erstgeborene 1908 auf die Nachfolgerechte für sich und seine Nachkommen verzichtet hatte, ging das Thronfolgerecht auf dessen Bruder Dom Luís de Orléans und Bragança (1878–1920) über, der mit der Prinzessin Maria Pia de Bourbon-Sicilia verheiratet war (vg. Armando Alexandre DOS SANTOS, A Legitimidade Monárquica no Brasil, Artpress, São Paulo 1988). Zu Dom Pedro II. vgl. Heitor LYRA, História de dom Pedro II.: 1825–1891, Editora Nacional, São Paulo 1940. „Dom Pedro war ein großmütiger, gütiger und gerechter Herrscher, ein Vorbild der Vaterlandsliebe und Kultur, des Eifers und der Rechtschaffenheit, der Duldsamkeit und Einfachheit. Er war weise und menschenfreundlich. Als Mitglied des Institut de France und der wichtigsten wissenschaftlichen und literarischen Gesellschaften des Auslandes war er ein Förderer der Künste, der Wissenschaften und der Literatur. Er unterstützte mit materieller Hilfe viele berühmte Brasilianer; der große Mäzen verschloss ihnen nie den Beutel“ (S. RANGEL DE CASTRO, Quelques Aspects de la civilisation brésilienne, Les Presses Universitaires de France, Paris o. J., S. 29f). Vgl. auch Leopoldo B. XAVIER, Dom Pedro e a gratidão nacional, in Catolicismo Nr. 491 (Dezember 1991).
(34) Ein erstes Gesetz, das den Beinamen „Gesetz des freien Leibes“ erhielt, gewährte 1871 den von einer Sklavin geborenen Kindern im Alter von 21 Jahren die Freiheit. 1885 wurde dann das „Sechzigjährigen-Gesetz“ erlassen, das alle mehr als 65-jährigen Sklaven in die Freiheit entließ. Am 13. Mai 1888 sanktionierte die Gräfin d’Eu und kaiserliche Regentin, Prinzessin Isabel, unter dem konservativen Ministerium João Alfredo Corrêa de Oliveiras während der Abwesenheit ihres Vaters, de sich auf einer Europa-Reise befand, das Gesetz, mit dem die Sklaverei dann endgültig abgeschafft wurde. Auf die damalige Bevölkerung Brasiliens von 14 Millionen Mesnchen kamen 700.000 Sklaven; tatsächlich war die Einrichtung der Sklaverei bereits spontan am Erlöschen. Zur Abschaffung der Sklaverei vgl. PLINIO CORRÊA DE OLIVEIRA, A margem do 13 de maio, in Legionário Nr. 296 (15. Mai 1938). Vgl. auch Robert CONRAD, Os últimos anos da escravatura no Brasil, 1850–1888, Civilização Brasileira, Rio de Janeiro 1978 (2. Aufl.); Emilia VIOTTI DA COSTA, A abolição, Global, São Paulo 1982.
(35) Zitiert bei S. RANGEL DE CASTRO, Quelques aspects de la civilisation brésilienne, a.a.O., S. 29.
(36) Guglielmo Ferrero berichtet, daß er in Rio de Janeiro, in der Benjamin Constant-Straße, den „Menscheitstempel“ besucht und sich dort angenehm mit dem Hohen Priester, Herrn Teixeira Mendes, unterhalten habe (G. FERRERO, Fra i due mondi“, Fratelli Treves Editori, Mailand 1913, S. 187).
(37) G. FREYRE, Order and Progress. A Political History of Brazil, Westview Press, Boulder (Colorado) 1991.
(38) An der Spitze des Staates folgten aufeinander Prudente de Moraes (1894–1898), Campos Sales (1898–1902), Rodrigues Alves (1902–1906), Afonso Pena (1906–1909), Nilo Peçanha (1909–1910), Hermes da Fonseca (1910–1914), die brasilianische Außenpolitik aber verblieb während dieser ganzen Periode in den Händen des Barons von Rio Branco (1845–1912) .
(39) „Es waren die ‚goldenen Jahre‘ der Ersten Republik, wenn wir diesem Zeitabschnitt eine Bezeichnung geben wollen, wie sie bei den alten Historikern üblich war ...“ (Plinio DOYLE, Brasil 1900-1910, Biblioteca Nacional, Rio de Janeiro 1980, Bd. I, S. 14). Zu Anfang des Jahrhunderts lebten in Brasilien 17.318.556 Einwohner, 60% davon auf dem Land.