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Mittwoch, 26. Juni 2024

Christlicher Ruhm und weltlicher Ruhm

 

Legionário Nr. 801, 14.12.1947

Heute präsentieren wir unseren Lesern den ersten Teil der Enzyklika Mediator Dei, von uns direkt aus dem „Osservatore Romano“ übersetzt und der freundlicherweise von einem Freund dieses Blattes, der in der Ewigen Stadt wohnt, zugeschickt.

Damit wollten wir auf das brennende Interesse reagieren, das in allen religiösen Kreisen Brasiliens durch die Nachricht geweckt wurde, dass der Papst einen an die ganze Welt gerichteten Brief veröffentlicht hatte, in dem er sich mit der Heiligen Liturgie befasste und die Fehler des Liturgizismus verurteilte. Dieses Interesse war so groß, dass man sagen kann, dass es in unserer Religionsgeschichte nur wenige päpstliche Dokumente gab, deren Text hier mit gleicher Spannung erwartet wurde.

Stellen wir zunächst fest, wie lobenswert dieses Gefühl ist. Ein Volk, in dessen Mitte religiöse Themen so viel Schwingung erwecken können, ist ein Volk, das weder dem Glauben noch den geistigen Dingen gegenüber tot ist. Ein Volk, das mit solcher Spannung auf das Wort des römischen Papstes wartet, ist ein Volk, das den endgültigen Wert aller Verlautbarungen des Stuhls des heiligen Petrus kennt und anerkennt. Dieses Interesse ist daher würdig und tröstlich, und es liegt an der katholischen Presse, darauf zu reagieren, indem sie der Enzyklika und den darin angesprochenen Themen größte Aufmerksamkeit und Publizität schenkt.

Die Bedeutung dieser Öffentlichkeitsarbeit liegt auf der Hand. Wenn die Enzyklika Mediator Dei das große und bemerkenswerte Interesse geweckt hat, auf das wir gerade angespielt haben, dann deshalb, weil die darin behandelten Themen in den letzten zehn Jahren das katholische Brasilien mit Sorge und zugleich mit Begeisterung verfolgt wurden. Es ist nicht nötig, hier daran zu erinnern, was jeder weiß: Laien von höchster Bedeutung in der katholischen Bewegung in Brasilien, berühmte Priester, selbst die ernsthaftesten kirchlichen Obrigkeiten haben weder um Applaus für die liturgische Erneuerungsbewegung gefeilscht, die unter uns stattfand, noch Verbargen sie ihre Befürchtungen angesichts der ungewöhnlichen Tendenzen, die diese Bewegung einnahm. Wir wissen, dass der klare und wachsame Geist des verstorbenen Kardinals Leme den Ernst dieser Situation gut verstand und wie sehr sie seine letzten Tage verbitterte. Die Angelegenheit erregte auch die Aufmerksamkeit des Ehrwürdigen Episkopats von São Paulo, der ein Rundschreiben darüber in der REB (Brasilianische Kirchen-Zeitung) veröffentlichte. Der berühmte Pater J. M. Penido wies in seinem Buch über den mystischen Leib Christi auch – ohne die geringste kontroverse Absicht – auf die schwerwiegenden Lehrfehler von Autoren hin, deren Bücher zu diesem Thema unter uns weit verbreitet und einige sogar ins Portugiesische übersetzt wurden. Die Kirchenkammer von Rio de Janeiro hielt es für notwendig, ebenfalls zu dieser Angelegenheit Stellung zu nehmen, was sie durch eine Mitteilung an diejenigen tat, die das private Gebet verneinten oder herabsetzten: genau einer der Fehler, auf die die Enzyklika Mediator Dei hinweist und verurteilt. Und da wir die Reaktion der kirchlichen Autoritäten erwähnt haben, können wir nicht umhin, in diesen Zeilen einen bewegenden Hinweis auf das fruchtbare und bewundernswerte Apostolat aufzunehmen, das in diesem Sinne von einem Bischof, – damals noch einfacher Priester -, dem Hochwürdigsten Herrn Dom Geraldo von Proença Sigaud, S.V.D., entwickelt wurde. Es wäre ebenso unfair, hier das ausgezeichnete Buch des Priesters aus Bahia, Pater F. de Salles Brasil, nicht zu erwähnen, das sich mit einigen Aspekten des Themas befasst.

Wir halten es für angebracht und sogar für unerlässlich, an diese hervorragenden Zeugnisse zu erinnern, dass die liturgische Frage unter uns konkret existierte. Tatsächlich sind Kontroversen an dieser Stelle überflüssig. Nachdem Petrus gesprochen hat, bleibt nur noch eines zu tun: Seine Lehre in jeder Hinsicht aufzunehmen und zu verbreiten. Um genau dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, dass nichts ausgelassen wird, was den Brasilianern ein Gefühl geben kann, wie wichtig die Enzyklika für die lebendigen aktuellen Ereignisse ist. Sie müssen klar und ohne den geringsten Zweifel verstehen, dass der Brief des Stellvertreters Christi den Problemen entspricht, die unter uns bestehen, und nicht nur in einem fernen und sagenumwobenen Bessarabien oder in einem kalten und fernen Norwegen. Wenn wir wirklich unter dem Übel leiden, auf das der Papst hinweist, müssen wir es kennen und gut im Gedächtnis behalten, damit wir die päpstlichen Lehren mit der Sorgfalt aufnehmen können, mit der ein Kranker die seiner Krankheit entsprechende Medizin anwendet, nicht auf die Krankheit eines anderen. Andernfalls würden wir zwangsläufig zu der Überzeugung kommen, dass wir daran arbeiten, die Wirkung der Worte des Papstes abzuschwächen, und dabei die ganz besondere Bedeutung dieser heute äußerst notwendigen apostolischen Anstrengung außer Acht lassen, die darin besteht, die Mediator Dei in allen Ecken und Winkeln unseres riesigen Landes zu verbreiten. Es gibt viele Enzykliken und viele sind ihre Lehren. Es lohnt sich, sie alle zu verbreiten, aber die Dringlichsten und die, die am engsten mit unserer nationalen Realität verbunden sind, müssen offensichtlich und zwangsläufig am weitesten verbreitet werden. Bedecken wir die Erinnerung, wie sehr das katholische Brasilien unter der liturgischen Frage gelitten, gekämpft und geblutet hat, und wir werden ipso facto dazu beitragen, dass sich der Kranke weniger dazu verpflichtet fühlt, seine Medikamente einzunehmen.

* * *

Dies ist die unausweichliche Regel der menschlichen Psychologie. Wir müssen sie in Anspruch nehmen, andernfalls widersprechen wir den offensichtlichen Zielen des Heiligen Vaters.

Wir bestehen auf dieser Angelegenheit, weil wir befürchten, dass uns bei dieser Gelegenheit ein Ausbruch des berühmten „Eigenstolz“ angreifen wird.

Wir müssen die Wahrheit mehr als alles andere lieben, mehr als den Ruhm und erst recht mehr als alle „Gloriolen“. Es ist Gloriole, es ist falscher Patriotismus, es ist Eigenstolz, mit dem zu prahlen, was wir nicht haben. Stimmt es, dass es in Brasilien nie zu religiösen Fehlern gekommen ist? Ohne unseren allgegenwärtigen Liberalismus zu vergessen, den Einfluss, den der Jansenismus hier hatte, und den Regalismus, gegen den Dom Vital fast allein kämpfte, erinnern wir uns an den traurigen Makel der (schismatischen) „Brasilianischen Katholischen Kirche“, dann müssen wir verstehen, dass die Fehler, die in andren Ländern entstanden sind, hier erklärbare Auswirkungen hatten und noch haben. In diesem Fall steht der Liturgizismus. Wir sind nicht unfehlbar, und wenn sich die Fehler der Liturgizismus in Ländern mit einer viel größeren religiösen Kultur verbreiten konnten, was Wunder, dass er sich auch in unserem Land verbreitete? Wenn schließlich billiger Patriotismus ein Recht ist, kann jedes Land seinen eigenen haben. Und wenn jedes Land die Schwäche hat zu behaupten, dass der Liturgizismus nur im Nachbarland existierte, wird dieser Irrtum, der aus einer Bewegung hervorgegangen ist, wie der Papst ausdrücklich sagte, die im In- und Ausland sich verbreitet hatte, dann wird er am Ende nirgendwo existiert haben und scheinbar ein bloßes Gespenst zu sein, das aus dem Geist des Papstes geboren wurde!

Als die Lehren von Jansenius verurteilt wurden, sagten seine Anhänger, dass die vom Heiligen Stuhl angeprangerten Irrtümer weder vom traurig berühmten Bischof von Ypern noch von seiner Schule unterstützt wurden. Das patriotische Gehabe könnte uns zu einem fast identischen Ergebnis führen.

Die Ausgeglichenheit besteht also darin, die Wahrheit nicht zu leugnen. Wir haben diese Fehler gemacht und wir werden gemeinsam gegen sie arbeiten. Arbeiten diejenigen gegen sie, die sich nie zu ihnen bekannten. Arbeiten diejenigen mit ganz besonderem und ausgeprägtem Enthusiasmus gegen sie, die zuvor möglicherweise in ihre Tentakel gefallen sind: Damit werden sie die Aufrichtigkeit ihrer Änderung und die Kraft ihrer Buße beweisen. Die Buße ist auch in der Kirche Gottes ein wahrer Ruhm. Selig, tausendmal selig sind diejenigen, die dadurch zu den Höhen eines Cyprianus oder eines Augustinus aufsteigen.

 

 

Aus dem Portugiesischen übersetzt mit Hilfe von Google Übersetzer von „Glória cristã e gloriola mundana“ in “Legionário” vom 14. Dezember 1947.

Diese deutsche Fassung „Christlicher Ruhm und weltlicher Ruhm“ erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Freitag, 7. Mai 2021

Pius X., Modell der Entschiedenheit

3. JUNI 1951

SELIGSPRECHUNG PIUS' X.

Eine dramatische Episode aus seinem Leben: „Die schlimmsten Feinde der Kirche schmieden ihre verderblichen Pläne nicht außerhalb, sondern in ihrem Innern, - es ist sozusagen in ihren eigenen Adern und Eingeweiden, in denen sich die Gefahr befindet.

( Enzyklika „Pascendi“ ) 


Plinio Corrêa de Oliveira (zugeschrieben)

Mit der Seligsprechung Pius' X. will die Kirche bekräftigen, dass dieser Papst zu Lebzeiten in heldenhaftem Maße die göttlichen Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe sowie die Kardinaltugenden der Gerechtigkeit, der Klugheit, der Tapferkeit und der Mäßigung geübt hat und dass er deshalb im Himmel die entsprechende Herrlichkeit genießt. Damit erlaubt die Kirche, dass er an bestimmten Orten öffentlich verehrt werden darf.

Diese Verkündigung hat als unmittelbaren und ausdrücklichen Gegenstand die Person von Papst Pius X. selbst. Implizit geht es aber in gewisser Weise um eine Würdigung seiner Art, die Kirche zu leiten. Denn wenn der Papst in den Kardinaltugenden heldenhaft war, so deshalb, weil er sich bei der Leitung der höchsten geistlichen Interessen der Christenheit weder ungerecht, noch unklug, noch schwach, noch unmäßig zeigte. Im Gegenteil, er zeichnete sich durch die Ausübung dieser Tugenden aus, nicht nur als Privatmann, sondern auch als Papst. Und sein Handeln, sowohl als Mensch als auch als Papst, kann und sollte uns als ein nachahmenswertes Modell vorgeschlagen werden.

Es ist daher sehr angebracht, das Verhalten des heiligen Papstes in einer absolut denkwürdigen Episode im Leben der Kirche in unserem Jahrhundert zu analysieren und daraus wertvolle Lehren für unsere Heiligung zu ziehen.


Eine brennende Frage

Die Kirche befindet sich heute in einer der dramatischsten Phasen ihrer Geschichte. Ihre Feinde waren noch nie so mächtig, so radikal, so militant. Erinnern wir uns zunächst an die sowjetische Welt, die sich von Indochina bis nach Deutschland erstreckt und damit ein Reich bildet, das größer ist als das von Alexander oder Karl dem Großen. Es ist sinnlos, die Augen vor der Realität zu verschließen: Diese „Welt“ bildet die größte atheistische Zyste, die es je auf Erden gab. Innerhalb der Grenzen, die der Eiserne Vorhang umschreibt, sterben Kardinäle, Erzbischöfe, Priester, Missionare, Schwestern und einfache Gläubige in Gefängnissen, Konzentrationslagern und anderen Gefängnissen, die vielleicht besser getarnt, aber nicht weniger grausam sind. Ein Achtel der katholischen Weltbevölkerung ist somit einer direkt und offiziell atheistischen Regierung unterworfen, deren offizielle und erklärte Absicht es ist, die Religion auszulöschen. Und diese riesige kommunistische Zyste bildet nur den Kopf der Krake. Ihre Tentakel reichen bis in die Nachbarregionen, nach Indonesien, Indien, Persien, das unglückliche Österreich, Westdeutschland, und sind in aktive Verästelungen aufgeteilt, die wie in einem Netzwerk ganz Westeuropa, Nord- und Südamerika und einen großen Teil Afrikas einbeziehen. In den Universitäten, in den Parlamenten, in der Presse, im Kino, im Radio, in den Gewerkschaften - die Verzweigungen dieses Netzwerks vervielfältigen sich ständig. Der Feind steht nicht „vor den Toren“. Er ist in unseren eigenen Eingeweiden installiert.

Und wenn es nur dieser eine wäre! Angesichts des Umfangs an massiven Lehren des Kommunismus, seiner eisernen Organisation, ist nichts flüssiger, inkonsistenter, weniger organisch als das Amalgam von Prinzipien, Institutionen und Völkern, das gewöhnlich als antikommunistisch betrachtet wird.

Das extreme Gegenteil des Kommunismus ist der Katholizismus. Und so stellt alles, was zur Schwächung des Einflusses des Katholizismus beiträgt, eine wertvolle - wenn auch manchmal unbeabsichtigte - Zusammenarbeit mit der kommunistischen Expansion dar. Und die westliche Gesellschaft wird von allerlei Ungeziefer zerfressen, das so für den Sieg des Gegners arbeitet. Die unmoralische Literatur und Veranstaltungen, die die Widerstandskräfte der christlichen Familie verunsichern; die sozialistische Propaganda, die unter dem Vorwand der sozialen Gerechtigkeit in Wirklichkeit die Armen gegen die Reichen aufhetzt, das Prinzip der Autorität untergräbt und den Geist der Revolution sät; die höheren oder sekundären Bildungsstätten, die das Universum als ein großes Ganzes lehrt, das in sich selbst die Kräfte seiner gigantischen und unendlichen Evolution enthält, ein Ganzes, das von keinem persönlichen Gott geschaffen wurde und in dem der Mensch nicht zu einem übernatürlichen, außerirdischen und ewigen Glück tendiert; all dies verletzt die christliche Zivilisation in ihrer Seele, die die katholische Kirche ist, und bereitet das Feld für das Aufkommen des Kommunismus.

Wenn man also die Kräfte, die gegen die Kirche arbeiten, in ihrer Gesamtheit betrachtet, in einer immensen Offensive, manchmal gewaltsam, manchmal subtil, manchmal versüßt (das ist z.B. bei den Sozialisten so oft der Fall), in der der Gegner mit jeder Waffe, vom Schießpulver bis zum Zucker, Positionen erobert, was sollte die katholische Haltung sein?

Mit anderen Worten, was soll man tun: sich der Welle stellen oder versuchen, auf ihr mitzugleiten?

Verschiedene Aspekte des Themas

Wie würde man der Welle begegnen? Indem man sehr deutlich den Unterschied zwischen dem Geist der Kirche und den tausend und einer Manifestationen des neuheidnischen Geistes unserer Tage hervorhebt, von den brutalen Manifestationen des russischen Kommunismus bis zu den sanftesten Schmeicheleien der versöhnlichen Flügel des Sozialismus, Protestantismus oder Liberalismus: auf die wirksamste Weise gegen den neuheidnischen Geist und für die Lehre der Kirche zu argumentieren, die sich in ihrer Gesamtheit, in der Kühnheit ihres Adels, in der nackten und manchmal tragischen Erhabenheit ihrer Strenge zeigt; den Seelen zeigen, dass sie nicht in der Mitte zwischen zwei ideologischen Positionen stehen können; alles Mögliche tun und sogar das Unmögliche versuchen, um sie in die Kirche Jesu Christi zu bringen.

Wie würde man sich auf der Welle mitgleiten lassen? Indem man es vermeidet, offen mit irgendetwas nicht einverstanden zu sein: Menschen, Fakten, Doktrinen. Versuchen überall das Gute, das in allem ist, zu loben (denn selbst der Teufel, in der tiefsten Hölle, total schlecht vom moralischen Standpunkt aus, hat dennoch einen Punkt, in dem er gelobt werden kann: es ist die Tatsache, dass er ein Geschöpf Gottes ist). Den Katholizismus so vollständig wie möglich, an den Geschmack des Jahrhunderts anzupassen: Träumen von der Abschaffung des Priesterkleidung und des kirchlichen Zölibats, sich sehnen nach der Aufhebung der rein kontemplativen Orden, sich wünschen dass die Wahl des Papstes nicht mehr vom Kardinalskollegium durchgeführt wird, sondern vom römischen Volk; die Beteiligung der Gläubigen an der liturgischen Feier befürworten, mehr als zu irgendeiner anderen Zeit im Leben der Kirche; die Einführung sehr einfacher liturgischer Gewänder oder sogar die Erlaubnis für Priester in Arbeits-„Blaumänner“ zu zelebrieren, befürworten; unverblümte Unterstützung des Kampfes gegen alle Unterschiede von Reichtum und Vermögen oder der sozialen Klassen, usw., usw., usw. In Lehrfragen besteht das Gleiten auf der Welle darin, die katholische Lehre so nah wie möglich an den Irrtümern der Person, mit der wir uns unterhalten, darzustellen. Wenn er Pantheist ist, sollten wir über den Mystischen Leib so sprechen, dass er, ohne unsere Lehre klar zu leugnen, darin ein wenig pantheistisches „Salz“ spürt. Wenn er ein Sozialist ist, lasst uns energischer als er gegen alle Unterschiede der sozialen Klasse brüllen. Wenn er Protestant ist, sollten wir in seiner Gegenwart die Grenzen des Lehramtes der Kirche so weit wie möglich einschränken.

Zwei Lebenssysteme

Ohne dem Thema vorzugreifen, wollen wir hier einen grundlegenden Punkt in Erinnerung rufen. Es ist, dass es mit einem ganz heiklen Problem des Charakters und des geistigen Temperaments zusammenhängt.

Wenn jemand ein Freund der Logik, der Klarheit, der Offenheit ist; wenn er sich für die katholische Lehre begeistert und es ihn schmerzt, die Straflosigkeit des Irrtums zu sehen; wenn er idealistisch ist und deshalb bereit ist, für die Bejahung der Prinzipien, zu denen er sich bekennt, zu kämpfen und zu leiden, wird er die Taktik der Konfrontation mit der Welle befürworten.

Wenn im Gegenteil jemand am „Komplex“ (die Leser werden den barbarischen Ausdruck verzeihen) der Schüchternheit leidet; wenn er sich seiner Meinungen nicht absolut sicher ist und nicht den Mut hat, sie zu behaupten; wenn es ihn nicht schmerzt oder stört, dass andere das Laster oder den Irrtum verherrlichen und propagieren; wenn er vor allem ein Freund des sozialen Ansehens ist und sich gern als freundlich, modern, verständnisvoll, aufgeklärt ausgibt; wenn er schließlich die Ruhe liebt und zu allem Schweigen bereit ist, um in keine Streitereien und Diskussionen einzugehen, dann wird er ein Parteigänger des „Vorbeiziehenlassens der Welle“, oder sich von ihr treiben lassen und eine Politik der „vorsichtigen“ und weitgehenden „Anpassung“ betreiben.

Zusammenfassend lässt sich sagen: es gibt Katholiken, die dem Gegner mit dem flammenden Schwert des Erzengels Michael entgegentreten; andere hingegen meinen, es besser zu machen, wenn sie den Gebrauch des Regenschirms eines Chamberlain empfehlen.....

Erweiterung des Horizonts

Dieses Problem ist nicht neu. Und es stellt sich auch nicht nur auf religiösem Feld. Denn dieser Unterschied in Charakter und Temperament wirkt sich auf alle Bereiche des menschlichen Handelns aus. Angesichts des Protestantismus verkörperte Philipp II. von Spanien die Haltung derer, die sich der Gefahr stellen, und in der Tat, wenn der Protestantismus Europa nicht eroberte, war es - zumindest menschlich gesehen - diesem großen König zu verdanken. Ludwig XVI. hingegen suchte sich der Revolution anzupassen. Auch Nikolaus II. Sie waren Vorläufer von Chamberlain... der seinerseits Anhänger hatte und immer haben wird.

Während des Pontifikats Pius' X.

Letztlich ist die Frage, wie man sieht, sehr alt. In der Tat ist sie sogar älter als Philipp II. Sie reicht bis in die Anfänge der Menschheit zurück. Von Zeit zu Zeit, also in dem, was die Franzosen treffend „les tournants de l'Histoire“ (Wendepunkten der Geschichte) nennen, taucht sie auf.

Zur Zeit Pius' X. hatte die damalige Offensive gegen die Kirche noch nicht ihren heutigen Höhepunkt erreicht, aber sie war bereits offen in ihrer Entwicklung. Nicht alle religiösen Probleme der damaligen Zeit waren so gelagert wie heute. Aber zumindest in den groben Zügen könnte die Situation so gesehen werden, wie wir sie heute sehen. Es gab bereits eine starke kommunistische Bewegung, der Sozialismus verbreitete sich im ganzen Westen, die Verderbnis der Sitten war bereits tief eingedrungen, sogar in „christlichen“ Familien, der Geist der Rebellion war bereits überall verbreitet. Materialismus, Pantheismus und Evolutionismus waren bereits an der Tagesordnung.

Aus diesem Grund hatten sich die beiden Temperamente auch unter den Katholiken bereits voll ausgeprägt. Einige sprachen sich für den Kampf aus. Andere sprachen sich für eine Anpassung aus. Diese versuchten, den Katholizismus zu „modernisieren“.

Die „Modernisten“

Es waren die sogenannten „modernistischen“ Katholiken. Sie bildeten eine „Bewegung“, die eine Doktrin, eine Strategie, klar definierte Ziele, ein Netzwerk von Institutionen zu ihren Diensten und eine ganze Galerie von großen Männern hatte, die sie führten. Wie jede „Bewegung“, die etwas auf sich hält, hatten auch die Modernisten ihre „Tabus“.

Die Doktrin

Die modernistische Doktrin bestand letztlich aus einer langen Reihe von Strategemen (Geschicklichkeiten) und Kunstgriffen, die darauf abzielten, den Katholizismus an die religiösen Vorstellungen der Zeit anzupassen.

Wie gesagt, übernahmen diese Vorstellungen die Idee eines unpersönlichen Gottes, der in allen Kräften des Universums latent vorhanden ist und der sich letztlich mit der „Natur“ identifizierte. Dieser im Kosmos verankerte Gott lenkte alle Kräfte in Richtung eines unendlichen Fortschritts, in dem der Kosmos selbst und insbesondere das Menschengeschlecht sich vervollkommnen würden. Vorhanden in allen Wesen wie Wasser in einem Schwamm oder Tinte in einem Löschblatt, ist dieser unpersönliche Gott auch im Menschen „eingebettet“. Eine Kraft, die in uns innere Empfindungen, Sehnsüchte von mehr oder weniger vagem religiösem Charakter erzeugt. Jeder versucht, diese Sehnsüchte zu befriedigen, indem er eine Religion schmiedet, die zu ihm passt, oder indem er eine der verschiedenen bereits bekannten Religionen wählt. Dies vorausgeschickt, sind alle bestehenden oder noch zu entstehenden Religionen gleichermaßen legitim, insofern sie ihre Aufgabe erfüllen, und die religiösen Bestrebungen der Menschen, die sie hervorgebracht haben, befriedigen. Nach dieser Auffassung ist es vollkommen gleichgültig, ob die Dogmen dieser oder jener Religion wahr sind. In Wirklichkeit sind alle Dogmen falsch, Produkte des menschlichen Geistes, der sie zu seiner eigenen Befriedigung erdacht hat. Sie sind für Erwachsene mehr oder weniger das, was Märchen für Kinder sind. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, hat der Katholizismus zwei Aspekte. Einerseits einen sehr guten: als eine Religion, die von einer großen Anzahl von Menschen zur Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse hervorgebracht wurde. Auf der anderen, eine sehr schlechte Seite: solange man wollte, das unsere Dogmen wirklich wahr sind, weil wir es so behaupten, sind sie jedoch genauso offensichtlich falsch wie die jeder anderen Religion. Und dann kam eine ganze Erklärung von Einwänden gegen die katholische Lehre: die Göttlichkeit Jesu Christi wurde geleugnet, die Existenz des Übernatürlichen, die Existenz eines persönlichen Gottes, die Wahrhaftigkeit der in den Heiligen Büchern erzählten Tatsachen, usw., usw. Würde man einen Weisen dieser Schule fragen, ob er ein Feind des Katholizismus sei, so würde er es verneinen, dass er es aber vollkommen lächerlich fände, in ihm eine objektiv wahre Religion zu sehen. Seine Dogmen sind falsch, sie sind wandelbar, in der Tat waren sie etwas zu Beginn des Christentums und wurden etwas anderem im Laufe der Zeit.

Was taten die Modernisten angesichts dieser Tatsachen? Anstatt die neue Lehre zu entlarven und zu zeigen, dass sie letztlich alle Religionen, auch die katholische, verleugnete, haben sie sie geduldet:

a) - einige, „gemäßigtere“, beschränkten sich darauf, den gottlosen Schriftstellern in „sekundären“ Punkten beizustimmen, d.h. die Echtheit ehrwürdiger Reliquien und hagiographischer Tatsachen zu leugnen, die bisher als unanfechtbar galten; verfängliche Auslegungen der Heiligen Schrift anzunehmen, die dazu neigten, diesem oder jenem Thema eine „vernünftigere“ Bedeutung zu geben; plädierten für eine Anpassung der gesamten Kirchenordnung an die Sitten und Gebräuche des zwanzigsten Jahrhunderts;

b) - andere, gewagtere, deuteten die Möglichkeit an, das Dogma selbst in Punkten zu reformieren, die als „weniger wichtig“ angesehen wurden, mit der Behauptung, dass einige von ihnen den Fortschritt der Wissenschaften begleiten sollten. Sie forderten auch die „Reform“ bestimmter moralischer Punkte, wie z.B. die Unauflöslichkeit der Ehe, die sie für offensichtlich anachronistisch hielten;

e) - andere schließlich, die für ihre Dreistigkeit keine Grenzen mehr kannten, präsentierten in ihren Büchern in verschleierter Sprache die ganze Lehre der gottlosen Schriftsteller.

Die „Bewegung“

Der „katholische“ Modernismus verbreitete sich in den kirchlichen Kreisen Europas und Amerikas mit der Geschmeidigkeit und Schnelligkeit eines Ölflecks. Als Pius X. den päpstlichen Thron bestieg, stellte diese ideologische Bewegung bereits eine Macht dar, die auf die Mitarbeit von Universitätsprofessoren, Schriftstellern, Journalisten, Aktivisten, gesellschaftlichen Persönlichkeiten aller Art zählte.

Gab es ein Direktorium, das all diese Bemühungen leitete? Es ist schwierig, diese Frage zu beantworten, aber es ist sicher, dass viele Dinge passiert sind, als ob dieses Direktorium existierte. So pflegten die Modernisten aller Länder eine enge Korrespondenz untereinander, lobten sich gegenseitig mit Inbrunst und arbeiteten eng für das gleiche Ziel zusammen... alles mit einer solchen Präzision, einer solchen Harmonie, einer solchen Beschwörung aller für das gemeinsame Ziel, dass man wirklich in bestimmten Momenten den Eindruck hatte, dass in so viel Arbeit etwas Koordiniertes steckte.

Die Strategie

Dieser Eindruck drängte sich jedem auf, der die modernistische Strategie aufmerksam beobachtete:

a) - zunächst haben sie dies und jenes geheim gehalten. Um besser „die Fährte zu verwischen“, vermieden sie früher eine systematische und logische Darstellung ihrer Lehre. Sie schienen sogar untereinander in dem einen oder anderen Punkt uneinig zu sein. Es bedurfte einer sehr reifen Analyse, um zu erkennen, dass diese Diskrepanzen entweder völlig zufällig waren oder gar nicht existierten; und dass inmitten dieses scheinbaren Durcheinanders eine perfekte Einheit des Denkens bestand;

b) - auf der anderen Seite, äußerten die mehr gewagten, nicht vollständig ihre Gedanken. Sie sprachen durch Metaphern und Umschreibungen. Eine Art Einweihung war notwendig, um zu einer vollständigen Kenntnis ihrer Denkweise zu gelangen;

c) - Um jeglicher päpstlichen Verurteilung zu entgehen, veröffentlichten sie Bücher mit den Namen angeblicher Autoren, was es einem gleichen Autor erlaubte, mehrere Masken zu tragen und die Leichtgläubigen leichter zu täuschen;

d) - schließlich, wenn sie aufgefordert wurden, sich zu erklären, widerriefen sie sich mit aller Leichtigkeit, um später, in einem anderen Werk, den gleichen Irrtum wieder zu predigen.

Es ist schmerzlich, zu sagen, aber diese Strategie wurde nicht nur von Laien, sondern sogar von Priestern verfolgt, so dass der modernistische Fanatismus die Gewissen ausgelöscht hat.

e) - wenn jemand ihre Doktrinen angriff, führten sie einen „totalen Krieg“ gegen ihn, der von der Widerlegung der Doktrinen bis zu einer Kampagne persönlicher Diffamierung reichte. Und wenn sie lehrmäßig oder persönlich nichts zu beanstanden hatten, organisierten sie eine Kampagne des Schweigens gegen den Angreifer. Den so „Bestraften“ wurden alle Tribünen, alle Zeitungsredaktionen, die Türen aller Zeitschriften und sogar vieler religiöser Vereinigungen verschlossen. Es war Ächtung.

Die Ziele

Die Ziele der Bewegung waren klar. Es ging darum, die Kirche von innen heraus zu verändern. Es handelte sich um eine Entwicklung, die sanft, ohne Schocks und Lärm, durchgeführt werden sollte, die aber letztlich die größte aller Umgestaltungen sein sollte, die die Kirche in ihrer zwanzigfachen säkularen Geschichte erlebt hat. Dazu war es unerlässlich, dass die Modernisten im katholischen Umfeld blieben; dass sie katholische Lehrstühle, Kanzeln, Zeitungen und Zeitschriften besetzten; dass sie immer im Namen der katholischen Meinung sprächen. In unserer Zeit würde man dies eine fünfte Kolonne nennen. Aber zur Zeit Pius' X. gab es diesen Ausdruck noch nicht. Auffällig ist der Fall eines modernistischen Priesters, dessen Buch verurteilt wurde. Er wurde gefragt, ob er sich empöre und die Soutane ablegen würde oder seinen Ideen abschwöre. Er lächelte und wies darauf hin, dass er weder das eine noch das andere tun würde, und antwortete: „Ich werde mir eine neue Soutane kaufen“.

Die Position von Pius' X.

Was würde der Papst tun? Würde er vor dem Modernismus die Augen schließen? Viele Gründe schienen für diese Taktik zu sprechen:

a) - Einige der modernistischen Führer waren intelligent, fähig zu intensivster apostolischer Tätigkeit, von unzweifelhafter Redlichkeit des Lebens. Es wäre äußerst schmerzhaft, Menschen zu schlagen, die eine solch hohe Wertschätzung verdienen;

b) – Nach dem Schlag würde man nicht Gefahr laufen, sie zum Abfall zu verleiten? Wenn man bedenkt, dass unter den potentiellen Abtrünnigen nicht wenige Priester, auch Ordensleute wären, wäre das nicht ein beachtlicher Skandal in den Augen der Gläubigen?

c) – Würde es sich lohnen, die Katholiken in einer Zeit der Kämpfe zu spalten?

d) - Der Papst ist ein Vater der Barmherzigkeit. Wirkt es sich gut auf sein Amt aus, wenn er mit Strenge gegen eine Strömung vorgeht, in deren Reihen sich möglicherweise viele wohlmeinende Menschen befinden?

Dieser letzte Punkt erforderte besondere Aufmerksamkeit. Pius X. war von einer engelhaften Güte. Keiner näherte sich ihm, ohne die Ausstrahlungen seiner Güte zu erfahren. Würde er mit einer Strenge handeln, die seinem Temperament so sehr zu widersprechen schien?

Die Lösung eines Heiligen

Mit väterlicher Güte ermahnte Pius X. zunächst privat die Hauptverantwortlichen, beriet sie, ermahnte sie, warnte sie. Angesichts der Nutzlosigkeit dieser Bemühungen begann er, öffentlich zu handeln, indem er sich mit einer Energie voller strenger Prognosen auf die Angelegenheit bezog. Am 3. Juli 1907 veröffentlichte die Heilige Römische und Universelle Inquisition das berühmte Dekret „Lamentabili“, in dem die wichtigsten modernistischen Doktrinen zusammengefasst waren, die alle von der Kirche verurteilt wurden. Doch das war noch nicht genug. Pius X. schlug dann den fulminanten Schlag mit der Enzyklika „Pascendi Dominici Gregis“ vom 8. September 1907, in der er mit einer Energie, die man herkulisch nennen könnte, wenn sie viel mehr als dass, nicht übernatürlich wäre, den Modernismus anprangerte und stigmatisierte.

In dieser Enzyklika entlarvt Pius X. ausführlich die gesamte modernistische Lehre, zeigt ihre Identität mit dem gottlosen Gedankengut, das im zwanzigsten Jahrhundert en vogue war, schildert die Ursprünge der Bewegung, ihre Taktik, die Perfidie ihrer Vorgehensweise, die Unaufrichtigkeit ihrer Handlungsprozesse und zeigt schließlich die Heilmittel für diese „Sturzflut sehr schwerer Irrtümer, die offen und im Geheimen anschwillt“.

Eine Reihe schwerster Exkommunikationen, die viele Führer der Bewegung aus den katholischen Reihen ausschlossen, führte schließlich dazu, dass das ganze System der modernistischen Verkrustung in den Reihen der Kirche zerschlagen wurde.

Die Aktualität des Beispiels

Beachten wir zunächst, wie Pius X. sich in eine Position stellte, die dem Lager derjenigen völlig entgegengesetzt ist, die meinen, es sei besser, sich vor dem Gegner zurückzuziehen und unter ihm hindurchzugehen, als sich ihm zu stellen. Dies ist das erste Beispiel, das wir sorgfältig betrachten sollten.

Auf der anderen Seite sollten wir beachten, wie Pius X. - eben jener Papst, dem die Menschen eine Güte nachsagten, die eher der eines Engels als der eines Menschen glich - es verstand, im Angesicht des Bösen von unbesiegbarer Energie zu sein. Die Güte schließt die Energie nicht aus, im Gegenteil, sie vervollständigt sie. Und gegen diejenigen, die hartnäckig im Bösen sind, muss man in dem Maße energisch sein, wie es nötig ist, um sie daran zu hindern, ihre Irrtümer zu verbreiten und die Guten in die Irre zu führen. So handelt der Gute Hirte gegenüber dem Wolf im Schafspelz...

Betrachten wir schließlich das Vertrauen von Pius X. in das Übernatürliche. Die Kraft der Kirche kommt nicht von Menschen, sondern von Gott. Bei der Erfüllung ihrer Mission hat sie weder Tyrannen noch Menschenmassen zu fürchten. Im Vertrauen auf Gott kann sie mit evangelischer Furchtlosigkeit vorgehen, denn der Sieg wird ihr gehören.

Diese Beispiele haben eine tiefgreifende Anwendung auf unser aller Leben. Wenn wir gegen die modernen Irrtümer ankämpfen müssen, mit denen die Umwelt, die wir alle frequentieren, gesättigt ist, werden wir wissen, dass es unsere Pflicht ist, zu reagieren und nicht, uns zurückzuziehen. Wenn ein falsches Ideal der Güte Feigheit angesichts triumphierender Gottlosigkeit suggeriert, werden wir wissen, dass die Güte nicht darin besteht, den Bösen zu erlauben, unsere Brüder nach Belieben zu dezimieren. Wenn es uns scheint, dass der Kampf zu ungleich ist, werden wir sogar mit verdoppelter Kraft weiterkämpfen, weil wir wissen, dass unser Sieg von Gott kommt und nicht von uns.

 

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Deepl-Übersetzer von „Pio X, modelo de energia“ in Catolicismo Nr. 6 – Juni 1951 – São Paulo, Brasilien.

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„Pius X., Modell der Entschiedenheit“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

Donnerstag, 19. November 2020

Interne Feinde (der Kirche)

Aus den in unseren letzten beiden Ausgaben wiedergegebenen Dokumenten haben wir gesehen, wie unter den verschiedenen Maßnahmen, die die Geheimkräfte zu Beginn des 19. Jahrhunderts für den systematischen Kampf gegen die Heilige Kirche ergriffen haben, zwei von zentraler Bedeutung sind: - interne Korruption durch Infiltration von Pseudo-Katholiken und die Vorsichtsmaßnahme, offene Verfolgung zu vermeiden, um keine Märtyrer zu machen.

Etwas weniger als ein Jahrhundert, nachdem in Rom von den päpstlichen Behörden die bekannte „Anweisung“ einer Großloge abgefangen worden war, veröffentlichte der damals glorreich regierende Heilige Vater Papst Pius X. die Enzyklika „Pascendi Dominici Gregis“, in der er die Irrtümer der Modernisten niederschmetterte.


Wir geben heute einige Streiflichter dieser sehr wichtigen Enzyklika wieder, in denen wir sehen werden, dass die von den Modernisten angewandte Taktik Punkt für Punkt mit den „Anweisungen“ der Geheimkräfte an ihre Beauftragten übereinstimmt.

Mehr noch. Wir werden aus diesen Auszügen, die wir zitieren werden, den allgemeinen Charakter der modernistischen Bewegung und den einheitlichen Aspekt ihrer Lehre ersehen, was darauf hindeutet, dass dieses „Sammelbecken aller Häresien“ in den Augen des Heiligen Vaters Pius X. die Proportionen einer breiten Verschwörung gegen die Heilige Kirche annimmt, die in ihrem eigenen Schoß aktiv ist.

Diese Enzyklika ist ein klarer Beweis für die Änderung der Taktik der Feinde der Kirche, die sich nach Angaben des Heiligen Vaters Pius X. für eine „ganz neue und souverän perfide Kunst“ einsetzen würden, um „das Reich Jesu Christi vollständig zu untergraben“.

Lassen wir die Texte von selbst sprechen:

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»Die Herde des Herrn zu weiden ist das Uns durch Gott übertragene Amt, welches von Christus vor allem die Aufgabe zugewiesen erhalten hat, den Schatz des überlieferten heiligen Glaubens auf sorgfältigste Weise zu hüten und profane Neuerungen und Einwendungen einer falschen Wissenschaft zurückzuweisen. Zu aller Zeit war diese Sorge des Obersten Hirten für das katholische Volk ein notwendiges Anliegen, denn dem Feind des Menschengeschlechtes hat es niemals an Leuten gefehlt, die Verkehrtes reden, die mit ihren nichtigen Reden zu Verführern werden, oder an betrogenen Betrügern. Man kann es nicht leugnen, daß in der letzten Zeit die Zahl der Feinde des Kreuzes Christi um eine große Anzahl gewachsen ist. Mit neuen, hinterlistigen Taten versuchen sie die Lebenskraft der Kirche zu brechen und, wenn es ihnen möglich ist, das Reich Christi selbst von Grund auf zu zerstören. Deshalb dürfen Wir nicht länger schweigen, um Unserer heiligsten Aufgabe nicht die Treue zu brechen und um die Milde, welche Wir bisher in der Hoffnung walten ließen, daß man sich eines Besseren besinnen würde, Uns nicht als Pflichtvergessenheit anlasten zu lassen.

Wir sind nun gezwungen, Unser Zögern nicht weiter auszudehnen, da die Verfechter dieser Irrtümer bereits nicht mehr nur ausschließlich unter den öffentlichen Feinden zu finden sind. Zu Unserem größten Schmerz und Unserer höchsten Beschämung müssen wir die Worte gebrauchen: Sie lauern bereits im Inneren der Kirche selbst, wörtlich gesprochen, am Busen und im Schoße der Kirche. Sie sind umso gefährlicher, je weniger sie bekannt sind. Ehrwürdige Brüder, Wir sind der Meinung, daß sich viele aus der katholischen Welt der Laien und – noch viel schlimmer – sogar aus den Reihen des Klerus, die sich unter dem Deckmantel der Liebe zur Kirche verstecken, ohne Grundlage einer soliden Philosophie und Theologie, vergiftet durch falsche Lehren, die sie aus dem Munde der Feinde zu hören bekamen, und jede Bescheidenheit beiseite rückend als Reformatoren der Kirche aufspielen. Kühn versammeln sie sich in ihren Reihen, greifen das Heiligste des Werkes Christi an und verschonen dabei nicht einmal die göttliche Person des Erlösers selbst, den sie mit blasphemischer Frechheit zu einem armseligen Menschen herabwürdigen.

Diese Leute mögen sich wundern, wenn Wir sie zu den Feinden der Kirche zählen. Über das Innerste ihres Herzens wird nur Gott alleine richten. Wem jedoch ihre Lehren, ihre Redewendungen und ihre Handlungsweisen bekannt sind, der kann sich darüber nicht wundern. Es entspricht absolut der Wahrheit, daß sie schlimmer sind als alle anderen Feinde der Kirche. Wie bereits erwähnt, schmieden sie ihre Pläne, die Kirche ins Verderben zu stürzen, nicht nur außerhalb, sondern auch im Inneren der Kirche. Im Blute der Kirche, in ihrem tiefsten Inneren, hat sich diese Gefahr festgesetzt. Deshalb wird ein Schaden für die Kirche umso sicherer, je genauer sie die Kirche kennen. Dazu kommt noch, daß sie nicht nur an die Äste und Zweige, sondern tief an die Wurzel ihre Hand legen: an den Glauben und an die tiefsten Fasern des Glaubens. Ist aber diese Wurzel des Lebens einmal getroffen, dann werden sie das Gift in dem ganzen Baum verbreiten. An der katholischen Wahrheit werden sie kein Stück unberührt oder unverdreht lassen. Sie kennen viele tausend Arten, um Schaden anzurichten.

Dabei verhalten sie sich äußerst gewandt und schlau. Abwechselnd spielen sie die Rolle des Rationalisten und des Katholiken in einer derart gewandten Weise, daß sie jeden harmlos Denkenden mit Leichtigkeit zu ihrem Irrtum bekehren können. Auch läßt ihre Verwegenheit sie vor keinen Konsequenzen zurückschrecken. Mit frecher Stirn und kaltem Blut drängen sie sogar dazu. Dazu kommt noch ihr äußerst tätiges Leben, ihre ständige, eifrige Beschäftigung mit gelehrten Arbeiten aller Art und oft eine zur Schau getragene Sittenstrenge. Dies alles trägt umso leichter dazu bei, sich in ihnen zu täuschen. Mit ihren Fachstudien sind sie schließlich an einem Punkt angekommen, an dem sie keine Autorität mehr anerkennen und sich keine Beschäftigungen mehr gefallen lassen wollen. Auf diese Weise haben sie ihr eigenes Gewissen getäuscht und möchten das Wahrheitsdrang nennen. In Wirklichkeit handelt es sich dabei nur um Stolz und Hartnäckigkeit. Man sollte dabei fast an jedem Heilmittel zweifeln.

Wir hatten gehofft, daß Wir diese Männer doch noch zur Besinnung bringen könnten. So haben Wir sie zuerst mit väterlicher Milde behandelt, dann mit Strenge; schließlich sahen Wir Uns gezwungen, öffentlich gegen sie einzuschreiten. Euch ist bekannt, ehrwürdige Brüder, daß alle Mühen vergeblich waren. Kaum hatten sie für einen Augenblick den Nacken gebeugt, erhoben sie ihn erneut mit noch größerer Kühnheit. Wenn es sich nur um sie handeln würde, könnte man dies vielleicht durchgehen lassen. Da jedoch der katholische Glaube selbst gefährdet ist, wäre es eine große Sünde, wenn wir noch länger Schweigen würden. Wir müssen reden und ihnen vor der gesamten Kirche die Maske vom Gesicht reißen, die doch ihr wahres Wesen nur halb verhüllt.

Die Modernisten – so werden sie im Allgemeinen sehr richtig bezeichnet – gebrauchen den schlauen Kunstgriff, ihre Lehren nicht systematisch und einheitlich, sondern stets nur vereinzelt und ohne Zusammenhang vorzutragen. Dadurch erwecken sie den Anschein des Suchens und Tastens, während sie davon fest und entschieden überzeugt sind. Deshalb ist es gut, ehrwürdige Brüder, diese Lehren zunächst im Überblick darzustellen, um aufzuzeigen, in welchem Zusammenhang sie stehen. Erst danach ist es angebracht, nach dem Grund des Übels zu suchen und die Mittel vorzuschreiben, durch welche das Unheil abgewendet werden kann.

Um aber in dieser schwierigen Frage schrittweise vorzugehen, merken Wir an dieser Stelle zunächst an, daß jeder Modernist sozusagen mehrere Rollen in einer Person spielt. Er ist Philosoph, Gläubiger, Theologe, Historiker, Kritiker, Apologet und Reformator. Diese Rollen müssen gut unterschieden werden, wenn man das System richtig verstehen und die Prämissen und Konsequenzen ihrer Lehren durchschauen will.«

-oOo-

Nachdem er den modernistischen Philosophen und den modernistischen Gläubigen untersucht, schreibt Pius X. weiter:

»Noch deutlicher ist dies zu erkennen, wenn man die Handlungsweise der Modernisten betrachtet, welche in besonders guter Weise zu ihrer Lehre paßt. Ihre Schriften und Reden sind voll von scheinbaren Widersprüchen, so daß man leicht glauben kann, sie würden schwanken und wären ihrer Sache nicht sicher. Dies geschieht jedoch aus voller Überlegung. Es ist der Ausfluß ihrer Anschauungen über die Trennung von Glauben und Wissen. Manche Ausführungen in ihren Büchern könnte ein Katholik vollständig unterschreiben. Wenn man jedoch das Blatt wendet, könnte man glauben, ein Rationalist führt die Feder.«

* * *

In Fortsetzung der Aufzählung modernistischer Irrtümer werden die egalitären Tendenzen dieser inneren Feinde der Kirche in einem bestimmten Abschnitt wie folgt angeprangert:

»Bei dem religiösen Kult sind die äußeren Observanzen, also die herkömmliche Befolgung der eingeführten Regeln, einzuschränken. Es ist dafür zu sorgen, daß sie nicht noch zunehmen. Andere allerdings, denen der Symbolismus mehr zusagt, sind in diesem Bereich gnädiger. Das kirchliche Regiment soll in jeder Beziehung, besonders nach der disziplinären und dogmatischen Seite, reformiert werden. Es hat sich innerlich und äußerlich ihrem modernen Bewußtsein, das ganz und gar zur Demokratie neigt, anzupassen. Der niedere Klerus und ebenso die Laienwelt müssen deshalb ihren Anteil am Regiment, also am Mitspracherecht, erhalten. Die über alle Maßen zentralisierte Autorität muß dezentralisiert werden. Die römischen Kongregationen für die verschiedenen kirchlichen Bereiche, besonders die Bereiche des heiligen Offiziums und des Index, müssen gleichfalls geändert werden. Dies betrifft auch die Haltung der Kirchenbehörde in politischen und sozialen Fragen. Sie soll sich nicht in bürgerliche Verhältnisse einmischen, sondern sich ihnen anpassen, um sie so mit ihrem Geiste zu durchdringen.

Innerhalb der Moral eignet man sich den Grundsatz des Amerikanismus an. Dabei gehen die aktiven Tugenden den passiven voran. Ihre Übung muß vor den anderen gefördert werden. Vom Klerus verlangt man Demut und Armut, wie dies in der Vorzeit herrschte. Dabei soll er in Tat und Gesinnung den modernistischen Ideen folgen.«

Und weiterhin die modernistische Taktik aufdeckend, schreibt Pius X.:

»Aus der Verbindung der falschen Philosophie mit dem Glauben ist dann ihr System mit allen seinen groben Irrtümern gewachsen.

Würde doch nur auf seine Verbreitung weniger Eifer und Sorge verwandt! Dagegen ist ihre Rührigkeit groß. Unermüdlich verrichten sie ihre Arbeit, daß es einem wirklich leid tut, so viele Kräfte mißbraucht zu sehen, welche die Kirche verderben, die bei richtig angewendetem Gebrauch ihre beste Hilfe sein könnte. Sie benutzen ein doppeltes Vorgehen, um die Leute zu überrumpeln. Zunächst versuchen sie, jedes Hindernis ihrer Ziele auszuräumen, dann raffen sie alles mit dem größten Eifer zusammen und wenden unermüdlich und unverdrossen jedes Mittel an, das ihnen in irgendeiner Form eine Hilfe sein kann. Vor allem sind es drei Dinge, von denen ihnen bekannt ist, daß sie ihren Bestrebungen entgegengesetzt sind: Die scholastische Methode in der Philosophie, die Autorität und die Tradition der Väter sowie das kirchliche Lehramt. Diesen gilt ihr verbissenster Kampf.«

Und als eines der Elemente dieses Krieges zitiert der Heilige Vater die Kampagne, vor allem des Schweigens, die modernistische Sektierer gegen Katholiken führen, die energisch für die Kirche kämpfen:

...

»Bei dieser Lage der Dinge ist es nicht verwunderlich, ehrwürdige Brüder, wenn die Modernisten den Katholiken, die entschieden für die Kirche eintreten, ihren ganzen Groll und Unwillen fühlen lassen. Ihnen wird keine Art von Beleidigungen erspart. Ständig wiederholen sie den Vorwurf der Unwissenheit und Hartnäckigkeit. Wenn ihnen die Gelehrsamkeit und Schlagfertigkeit eines Gegners Respekt einflößt, so schweigen sie wie auf Verabredung und versuchen mit dieser Haltung die Antwort wirkungslos zu machen. Katholiken auf diese Art zu behandeln ist um so mißgünstiger, als sie ihre eigenen Parteigänger zur gleichen Zeit mit maßlosen, nicht enden wollenden Lobsprüchen überschütten, und deren Bücher, die von Anfang bis zum Ende mit Neuerungen gefüllt sind, mit lautem Beifall begrüßen und bestaunen. Je kühner jemand das Althergebrachte umstößt, die Überlieferung und die kirchliche Lehre von sich weist, desto gelehrter gilt er. Wenn schließlich jemand die kirchliche Verurteilung getroffen hat, so wird er nicht nur, zum Entsetzen aller guten Katholiken, von der ganzen Schar laut und öffentlich gelobt, sondern fast als Märtyrer der Wahrheit verehrt. Die jungen Leute lassen sich schließlich von dem ganzen Lärm dieser Lob- und Schmähreden verwirren und verführen. Da sie nicht als Ignoranten gelten wollen, streben sie nach dem Ruf der Gelehrsamkeit. Gedrängt von ihrer Neugierde und ihrem Stolz lassen sie sich nur zu oft fangen und schließen sich dem Modernismus an.

Das gehört bereits zu den Kunstgriffen der Modernisten, um ihre Ware an den Mann zu bringen. Sie lassen nichts unversucht, um die Zahl ihrer Anhänger zu vermehren. An den Priesterseminarien und Universitäten lauern sie auf Professoren, um sie dann bald in Lehrstühle des Verderbens zu verkehren. In der Kirche tragen sie die Lehre in ihren Predigten, vielleicht auch nur in versteckter Weise vor. In Versammlungen sprechen sie freier. Bei sozialen Veranstaltungen flechten sie ihre Lehren ein und preisen sie an. Unter eigenem oder fremdem Namen lassen sie ihre Bücher, Zeitungen und Abhandlungen erscheinen. Ein und derselbe Schriftsteller benutzt häufig verschiedene Namen, um Unvorsichtige durch Vorspiegelung vieler Autoren zu täuschen. In ihrer Aktivität, in Wort und Schrift, überall, entfalten sie eine wahrhaft fieberhafte Tätigkeit. Was ist das Ergebnis? Bedauerlicherweise ist eine große Anzahl junger Leute, welche die größten Hoffnungen erweckten und für das Wohl der Kirche so viel Gutes tun könnten, vom rechten Weg abgewichen. Auch diese Tatsache berührt Uns schmerzlich. Viele, die zwar nicht so weit gehen, wurden doch von der schlechten Atmosphäre angesteckt und haben es sich angewöhnt, mit einer Ungebundenheit zu denken, zu reden und zu schreiben, die für einen Katholiken unpassend ist.«

Und nachdem der Heilige Vater gezeigt hat, wie diese Erneuerer „so viel wie möglich die frommen Volkstraditionen zerstören“, beginnt er mit den folgenden Worten, die Maßnahmen aufzuzählen, die ergriffen werden müssen, um das von ihnen verursachte Böse zu ersticken:

» Unser Vorgänger seligen Andenkens, Leo XIII., hat sich in Wort und Tat besonders in der Bibelfrage mannhaft gegen diesen Strom grober Irrtümer entgegengestellt, der insgeheim und offen einzudringen versuchte. Wie wir jedoch erkennen können, lassen sich die Modernisten nicht so leicht durch eine solche Abwehr abschrecken. Gegen die Worte des Papstes haben sie zwar die größte Ehrfurcht und Unterwürfigkeit zur Schau getragen, diese dabei jedoch zu ihren Gunsten verdreht und sein Einschreiten auf irgendwelche anderen Leute bezogen. Das Übel ist somit von Tag zu Tag schlimmer geworden. Deshalb haben Wir beschlossen, ehrwürdige Brüder, nicht länger zuzusehen, sondern energischere Maßnahmen zu ergreifen. Euch aber bitten und beschwören Wir, es in dieser Angelegenheit nicht an äußerster Wachsamkeit, Eifer und Festigkeit fehlen zu lassen. Was Wir von Euch wünschen und erwarten, das wünschen und erwarten Wir ebenso von den übrigen Seelsorgern, von den Erziehern und Lehrern des jungen Klerus, und in besonderer Weise von den Generaloberen der religiösen Orden.«

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Damit endet der Teil der Darstellung modernistischer Taktiken und Fehler, um mit der Aufzählung der Maßnahmen zu beginnen, die ergriffen werden müssen, um das zu bekämpfen, was der Heilige Vater Pius X. als „Sammelbecken aller Häresien“ genannt hat.

Und durch diese einfachen Zitate können unsere Leser verstehen, was wir oben gesagt haben, d.h. auf den verallgemeinerten und einheitlichen Aspekt dieser in der Heiligen Kirche unseres Herrn Jesus Christus vorhandenen gewaltigen Verschwörung, die bis heute fortbesteht, in ihrer vernunftwidrigen Aufgabe das Heilswerk der Menschheit, das seit so vielen Jahrhunderten von Petrus und seinen Nachfolgern ausgeführt wurde, zu zerstören versuchen.

Stehen wir nicht vor der Verwirklichung der am Beginn des 19. Jahrhunderts entworfenen Pläne der Geheimkräfte für die innere Zerstörung der Kirche?

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in

Legionário, 23. Juli 1944, Nr. 624, S. 5

in der Artikelserie “Nova et Vetera” unter dem Titel „Inimigos internos“

Der deutsche Text der Enzyklika wurde der Wortlautveröffentlichung in www.Kathpedia.com entnommen.

Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.


Dienstag, 10. November 2020

 

Die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu: (II)

Der Papst löst Einwände auf

Das Heiligste Herz, ein gut gewähltes Symbol für die immense Nächstenliebe des Erlösers

„Die Verehrung des Herzens Jesu ist nicht irgendeine Form von Frömmigkeit, die unterschätzt und übersehen werden darf“

Plinio Corrêa de Oliveira

Wir schließen heute die in unserer letzten Ausgabe begonnene Zusammenfassung der Enzyklika „Haurietis Aguas“ vom 15. Mai 1956 ab, einem bewundernswerten Dokument, das der regierende Heilige Vater Pius XII. zum Anlass des hundertsten Jahrestages der Einsetzung des liturgischen Festes des Heiligen Herzens Jesu durch Leo  XIII. herausgegeben hat.

(Hier wurde auf die deutsche Fassung der Webseite des Vatikans zurückgegriffen wurde. [s. Link unten*]. Untertitel sind von diesem Blog.)

*     *     *

 


III - AKTIVER UND TIEFER ANTEIL DES HEILIGEN HERZENS JESUS IM WERK DER ERLÖSUNG UNSERES HEILANDES

Das Herz Jesu Symbol der vollkommenen, empfindsamen, spirituellen (menschlichen und göttlichen) Liebe während seines irdischen Lebens.

Dieses Thema der Enzyklika stellt eine bewundernswerte Meditation über die Liebe unseres Herrn dar, die sich in allen Episoden seines irdischen Lebens gemäß den Aussagen der Heiligen Evangelien zum Ausdruck kam. In Anbetracht des anbetungswürdigen Herzens Jesu Christi vom Augenblick der Verkündigung bis zum Moment des Todes beschreibt der Heilige Vater auf rührende Weise die Liebe, die unser göttlicher Erlöser während seines Lebens auf Erden in all seine Handlungen gezeigt hat.

Die Eucharistie, die Jungfrau Maria, das Priestertum
sind Gaben des liebenden Herzens Jesu Christi.

»Auch als Christus der Herr vor dem Letzten Abendmahl mit seinen Jüngern wusste, dass er das Sakrament seines Leibes und Blutes einsetzen würde, seines Blutes, durch dessen Vergießung der Neue Bund zu schließen war – hatte er sein Herz von mächtiger Bewegung erregt gefühlt, wie er es seinen Aposteln mit folgenden Worten zu erkennen gab: „Sehnlichst habe ich danach verlangt, dieses Ostermahl mit euch zu halten, bevor ich leide“ [1]; diese Empfindungen waren zweifellos noch stärker, als er „das Brot nahm, dankte, es brach und es ihnen reichte mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Andenken. Ebenso nahm er nach dem Mahle den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blute, das für euch vergossen wird“ [2]

»Man kann darum mit Recht behaupten: die heilige Eucharistie, als Sakrament und als Opfer, deren eines er den Menschen mitteilt, deren anderes er aber selbst ständig darbringt „vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang“ [3], und ebenso das Priestertum sind wirklich Geschenke des heiligsten Herzens Jesu.«

»Ein sehr kostbares Geschenk des heiligsten Herzens ist auch, wie Wir sagten, Maria, die hehre Mutter Gottes und unser aller liebevollste Mutter. Sie, die ja unseren Heiland dem Fleische nach gebar und seine Gefährtin war bei der Rückführung der Kinder Evas zum göttlichen Gnadenleben, sie ist mit Recht als geistige Mutter des ganzen Menschengeschlechts gegrüßt worden. Im Hinblick darauf schreibt der hl. Augustinus über sie: „Ganz Mutter der Glieder des Heilandes, die wir sind, weil sie mitgewirkt hat in Liebe, dass Gläubige in der Kirche geboren würden, die Glieder jenes Hauptes sind“.« [4]


»Der unblutigen Gabe seiner selbst unter den Gestalten von Brot und Wein wollte unser Heiland Jesus Christus als besonderen Erweis seiner innigen und grenzenlosen Liebe das blutige Opfer des Kreuzes beifügen. Gerade durch diese Tat gab er das Beispiel jener erhabenen Huld, die er seinen Jüngern als höchstes Ziel der Liebe hingestellt hatte mit den Worten: „Eine größere Liebe hat niemand als wer sein Leben hingibt für seine Freunde.“ [5] ... Und wirklich ist unser göttlicher Heiland mehr durch die Liebe als die Gewalt der Henker ans Kreuz geheftet worden; sein freiwilliges Ganzopfer ist das hochwertigste Geschenk, das er jedem einzelnen Menschen gab nach dem ausdrucksvoll kurzen Wort des Apostels: „Er hat mich geliebt und sich für mich hingeopfert“.« [6]

Die Kirche und die Sakramente sind ebenfalls Gaben
des Heiligsten Herzens


»Es kann darum kein Zweifel bestehen, dass das heiligste Herz ... auch das rechtmäßige Sinnbild jener unermesslichen Liebe ist, aus der unser Erlöser durch Vergießung seines Blutes den geheimnisvollen Ehebund mit der Kirche einging: „Aus Liebe hat er für die ihm als Braut zu verbindende Kirche gelitten.“ [7] Aus dem verwundeten Herzen des Erlösers also ist die Kirche, die Handreicherin des Blutes der Erlösung, geboren, und aus demselben ist die Gnade der Sakramente, aus der die Kinder der Kirche das übernatürliche Leben schöpfen, überreich geflossen, wie wir in der heiligen Liturgie lesen.« Nachdem der Heilige Vater den hl. Thomas zitiert, folgert er: »Die Wunde des heiligsten Herzens Jesu ist, auch nach seinem Tode, durch die Jahrhunderte ein lebendiges Bild jener freien Tat der Liebe, mit der Gott seinen Eingeborenen Sohn hingab zur Erlösung der Menschen, und mit der Christus uns alle so sehr geliebt hat, dass er sich für uns auf Kalvaria zum blutigen Opfer hingab: „Christus hat uns geliebt und sich für uns Gott als Opfergabe hingegeben zum lieblichen Wohlgeruch“.« [8]

Der Heilige Vater spricht in der Folge vom Heiligsten Herzen, als Symbol seiner dreifachen Liebe zur Menschheit während seines glorreichen Lebens im Himmel. Zur Rechten des Vaters sitzend, »besitzt er in seinem Herzen, wie in einem kostbaren Schrein geborgen, jene unermesslichen Schätze von Verdiensten, die Früchte des gleichen dreifachen Triumphes, die er dem erlösten Menschengeschlecht freigebig mitteilt

Die Gaben des Heiligen Geistes sind auch Gaben
des Heiligsten Herzen Jesu

Sich auf Pfingsten beziehend, schreibt Pius XII.: »Die Eingießung dieser göttlichen Liebe geschah auch von dem Herzen unseres Heilandes aus, „in dem alle Schätze der Weisheit und Wissenschaft verborgen sind“ [9]. Es ist ja diese Liebe ein Geschenk des Herzens Jesu und seines Geistes; und er ist der Geist des Vaters und des Sohnes, von dem der Ursprung der Kirche und ihre wunderbare Ausbreitung zu allen Heidenvölkern ausgeht, zu der Heidenweit, die Götzendienst, Bruderhass, Sittenverderbnis und Gewalttätigkeit befleckt hatten. Diese göttliche Liebe ist das kostbarste Geschenk des Herzens Christi und seines Geistes; sie rüstete die Apostel und Blutzeugen mit jener Tapferkeit aus, in deren Kraft sie gekämpft haben bis zum Tod, einem Tod nach Heldenart, um die Wahrheit des Evangeliums zu verkünden und mit ihrem Blut zu bezeugen; sie erfüllte die Kirchenlehrer mit einem wahren Feuereifer, den katholischen Glauben klarzulegen und zu verteidigen; sie nährte die Tugend der Bekenner und eiferte diese an zu höchst zweckmäßigen und bewundernswerten Werken, die ihrem eigenen und der übrigen ewigem und zeitlichem Heil dienen sollten; sie legte endlich den Jungfrauen nahe, freiwillig und hochgemut auf Sinnengenuss zu verzichten und sich ganz der Liebe des himmlischen Bräutigams zu weihen.«

Der Kult zum Heiligsten Herzen Jesu
ist ein Kult zur Person des Fleischgewordenen Wortes

»Das Herz unseres Heilandes gibt also irgendwie ein Bild der göttlichen Person des Wortes wieder, ebenso der doppelten, menschlichen und göttlichen Natur; und in ihm können wir nicht nur das Sinnbild, sondern auch die Zusammenfassung des ganzen Geheimnisses unserer Erlösung erblicken. Wenn wir das heiligste Herz Jesu Christi anbeten, so beten wir in ihm und durch es die ungeschaffene Liebe des Göttlichen Wortes, wie zugleich seine menschliche Liebe, seine übrigen Gesinnungen und Tugenden an, da ja diese zweifache Liebe unseren Heiland bewog, sich für uns und die ganze Kirche, seine Braut, hinzuopfern nach dem Worte des Apostels.« Und weiter: »... und diese Liebe ist es, die ihn gewiss zu unserem Fürsprecher [10] bestimmt, uns Gnade und Erbarmen vom Vater zu erbitten, „da er ja immerdar lebt, um Fürsprache für uns einzulegen“ [11]. Die Gebete, die seiner unerschöpflichen Liebe entstammen und zum Vater emporsteigen, finden niemals eine Unterbrechung. Wie „in den Tagen seines Erdenlebens“ [12], fleht er nun, im Himmel triumphierend, den himmlischen Vater mit gleicher Wirkung an.«

»Deshalb besteht kein Zweifel, dass der himmlische Vater, „der auch seines eigenen Sohnes nicht schonte, sondern für uns alle ihn dahingab“ [13], von einem so mächtigen Fürsprecher mit so stürmischer Liebe angegangen, durch ihn jederzeit die reiche Fülle göttlicher Gnaden auf die ganze Menschheit wird herniederströmen lassen.«

IV – URSPRUNG UND FORTSCHREITENDE ENTWICKLUNG DES KULTES ZUM HEILIGSTEN HERZEN JESU

Erste Anzeichen des Kultes zum Heiligsten Herzen Jesu
bei der Verehrung der fünf Wunden des Gekreuzigten

Zu Beginn dieses Vierten Teiles der Enzyklika zeigt der Heilige Vater, dass die vorhergegangen Darlegungen zur Genüge bewiesen haben, dass die Herz-Jesu-Verehrung letztendlich »in ihrem Wesen nichts anderes ist als die Verehrung der göttlichen und menschlichen Liebe des fleischgewordenen Wortes, und wieder nichts anderes als die Verehrung jener Liebe, mit der auch der himmlische Vater und der Heilige Geist die sündigen Menschen umhegen; denn wie der Engelgleiche Lehrer (Thomas) sagt, ist die Liebe der Heiligsten Dreifaltigkeit der Ursprung der menschlichen Erlösung, sofern sie sich in überreicher Fülle in den menschlichen Willen Jesu Christi und sein anbetungswürdiges Herz ergoss und ihn kraft der gleichen Liebe zur Hingabe seines Blutes veranlasste, um uns von der Gefangenschaft der Sünde freizukaufen: [14] „Ich muss mit einer Taufe getauft werden, und wie drängt es mich, bis sie vollbracht ist“.« [15]

»Wir sind darum überzeugt, dass der Kult, den wir der Liebe Gottes und Jesu Christi zu den Menschen unter dem heiligen Zeichen des durchbohrten Herzens des gekreuzigten Erlösers weihen, dem Gebetsleben der Gläubigen nie ganz fremd war.«

»In Wirklichkeit — heißt es weiter in der Enzyklika — hat es zu jeder Zeit Gott besonders treu ergebene Menschen gegeben, die nach dem Beispiel der hehren Gottesmutter, der Apostel und hervorragender Kirchenväter die heiligste menschliche Natur Christi und besonders die Wunden, die seinen Leib in der heilbringenden Erduldung der Qualen zerfleischten, zum frommen Gegenstand anbetender Verehrung, der Danksagung und Liebe machten.«

»Enthalten außerdem gerade die Worte des Apostels Thomas, „Mein Herr und mein Gott“ [16], die seine Wendung vom Ungläubigen zum Gläubigen ausdrückten, nicht ein unzweifelhaftes Bekenntnis des Glaubens, der Anbetung und Liebe, das von der die Wundmale tragenden menschlichen Natur des Herrn aufsteigt zur Majestät der göttlichen Person?«

Der Papst zeigt indessen, dass »es doch zugegeben ist, dass die besondere Verehrung dieses Herzens erst allmählich und gewissermaßen fortschreitend Boden gewann als Bild der göttlichen und menschlichen, dem fleischgewordenen Wort innewohnenden Liebe.«

Ursprung und Fortschritt der Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu
im Mittelalter und in den folgenden Jahrhunderten

Unter dieser Überschrift erinnert der Papst wie diese Andachtsform »die nichtöffentlich und Schritt für Schritt in den Ordensgenossenschaften mehr und mehr an Boden gewann.« Um Beispiele anzuführen, nennt er große Namen, wie der hll. Bonaventura, Albert der Große, Gertrud, Katharina von Siena, der sel. Heinrich Seuse, die Heiligen Petrus Canisius und Franz von Sales, Johannes Eudes, der der Urheber des ersten liturgischen Stundengebets zu Ehren des heiligsten Herzens Jesu war. »Doch nimmt sicher den ersten Platz unter denen, die diese würdige Andachtsform gefördert haben, die hl. Margareta Maria Alacoque ein, die mit Hilfe ihres Seelenführers, des sel. Claudius de la Colombière, von heiligem Eifer entflammt, es dahin brachte, daß diese Kultform, so sehr gefördert, unter starker verehrender Zustimmung der Christgläubigen eingeführt und durch die auszeichnenden Merkmale der Liebe und Sühne von den übrigen Formen christlicher Frömmigkeit unterschieden wurde.« [17]

»Man soll also nicht sagen, so der Papst, dass dieser Kult seinen Ausgang von einer göttlichen Privatoffenbarung genommen habe, noch dass er in der Kirche plötzlich dagewesen sei; er ist vielmehr wie von selbst erblüht aus lebendigem Glauben und inniger Andacht, die begnadete Menschen zum anbetungswürdigen Erlöser und seinen verklärten Wundmalen beseelte, jene das Menschenherz tief und mächtig ergreifenden Zeugen seiner unermesslichen Liebe.

Es haben also augenscheinlich die Offenbarungen an die hl. Margareta Maria keine neuen Elemente zur katholischen Glaubenslehre hinzugefügt. Ihre Bedeutung liegt vielmehr darin, dass Christus der Herr – sein heiligstes Herz zeigend – in außerordentlicher und eigenartiger Weise die Menschen zur Betrachtung und Verehrung des Geheimnisses der erbarmungsvollen Liebe Gottes gegen das Menschengeschlecht aufrufen wollte. Denn in dieser Sonderoffenbarung hat Christus mit ausdrücklichen und wiederholten Worten auf sein Herz hingewiesen als auf das Sinnbild, das die Menschen der Erkenntnis und Anerkenntnis seiner Liebe gewinnen sollte; zugleich hat er es zum Zeichen und Unterpfand der Erbarmungen und der Gnade für die Nöten der Kirche in unserer Zeit bestimmt.«

Päpstliche Genehmigung für die Einführung des
Festtages des Heiligsten Herzen Jesu

Der Papst hebt hervor, dass »ohne eigentlich irgendeiner privaten göttlichen Offenbarung Rechnung zu tragen, sondern den Bitten der Gläubigen gütig entgegenkommend, gestattete die Heilige Ritenkongregation mit Erlass vom 25. Januar 1765, der von Unserem Vorgänger Klemens XIII. am 6. Februar des gleichen Jahres bestätigt wurde, den Bischöfen Polens und der sogenannten Römischen Erzbruderschaft vom Heiligsten Herzen Jesu die liturgische Feier des Festes. ... Dieser ersten Gutheißung folgte nach ungefähr einem Jahrhundert ein Erlass von weit größerer Bedeutung und in feierlicherer Form der Heiligen Ritenkongregation vom 23. August 1856, durch den Unser Vorgänger unvergesslichen Andenkens Pius IX. den Bitten der Bischöfe Frankreichs und fast der ganzen katholischen Welt entsprechend, das Fest des Heiligsten Herzens Jesu auf die ganze Kirche ausdehnte und dessen regelrechte Feier anordnete.« [18] So stieg aus der Frömmigkeit der ganzen Kirche dieses liturgische Fest hervor.«

Spiritualität und Adel der Verehrung des Heiligsten Herzens

Nachdem Pius XII. noch mal darauf hinweist, dass die vorgegangenen Betrachtungen ausreichen, die Spiritualität und den Adel des Herz-Jesu-Kultes zu beweisen, schließt die Enzyklika: »Es ist also unrecht, zu behaupten, die Betrachtung des leiblichen Herzens Jesu hindere daran, zur inneren Gottesliebe zu kommen, und die Seele werde auf dem Wege zur höchsten Tugend aufgehalten. Diese falsche mystische Lehre verwirft die Kirche durchaus, wie sie durch Unseren Vorgänger seligen Andenkens Innozenz XI. auch das Gerede derer zurückgewiesen hat, die solches daherredeten: „Auch dürfen sie (die Seelen dieses inneren Weges) keine Liebesakte zur allerseligsten Jungfrau, den Heiligen oder der Menschheit Christi erwecken; denn, da diese Gegenstände sinnlich sind, ist es auch die Liebe zu ihnen. Kein Geschöpf, auch nicht die allerseligste Jungfrau, noch die Heiligen dürfen einen Platz haben in unserem Herzen: Gott allein will es einnehmen und besitzen.“ [19] Die so denken, meinen offenbar, das Bild des Herzens Christi bezeichne weiter nichts als eine sinnliche Liebe, und es fehle ihm darum die Eignung, gleichsam ein neues Fundament zu sein für den Kult der Anbetung, der nur auf das geht, was seiner Natur nach göttlich ist. Dass aber eine so geartete Erklärung der heiligen Bilder einfachhin falsch ist, sieht jeder ein, da ihre transzendetale Bedeutung durch enge Grenzen umschrieben wird. ... Denn aus dem Glauben an die Vereinigung der menschlichen und göttlichen Natur in der Person Christi können wir die engen Beziehungen erfassen, die zwischen der sinnlichen Liebe des leiblichen Herzens Jesu und seiner doppelten geistigen Liebe, der menschlichen und göttlichen, bestehen. Von diesen zwei Arten der Liebe ist nicht nur zu sagen, dass sie in der anbetungswürdigen Person des göttlichen Heilandes zusammen bestehen, sondern dass sie auch durch eine natürliche Verknüpfung miteinander verbunden sind, insofern die menschliche und sinnliche der göttlichen untergeordnet sind und deren analoge Ähnlichkeit wiedergeben. Wir behaupten aber nicht, das Herz Jesu sei so zu verstehen, dass in ihm enthalten sei und angebetet werde das sogenannte „formale Bild“, beziehungsweise das vollkommene und absolute Zeichen seiner göttlichen Liebe, da ja dessen innerstes Wesen in keiner Weise durch irgendein geschaffenes Bild angemessen dargestellt werden kann; aber wenn der gläubige Christ das Herz Jesu verehrt, so verehrt er anbetend zusammen mit der Kirche das Zeichen und gleichsam die Spur der göttlichen Liebe, die so weit gegangen ist, dass sie auch mit dem Herzen des fleischgewordenen Wortes die mit so viel Schuld befleckte Menschheit liebte.

Bei diesem Lehrpunkt, der von solcher Bedeutung ist und genaue Einsicht heischt, muss sich ein jeder immer gegenwärtig halten, dass der Wahrheitsgehalt des natürlichen Sinnbilds, durch welches das körperliche Herz Jesu zur Person des Wortes in Beziehung tritt, ganz aufruht auf der grundlegenden Wahrheit der hypostatischen Union; wer dies aber leugnen wollte, würde falsche, von der Kirche wiederholt verworfene Meinungen aufstellen, Meinungen, die der einen Person in Christus bei Trennung und Unversehrtheit der beiden Naturen widersprechen würden. ...

So kommen wir leicht zu dem Schluss, dass die Verehrung des heiligsten Herzens Jesu dem Wesen der Sache nach der Kult der Liebe ist, mit der Gott uns durch Jesus geliebt hat, und zugleich die Übung unserer Liebe zu Gott und den übrigen Menschen. Mit anderen Worten, diese Verehrung geht auf die Liebe Gottes zu uns, auf Ihn, der angebetet, dem Dank gesagt und in dessen Nachahmung gelebt werden soll.«

V - ERMAHNUNGEN ZU EINER AUFGKLÄRTEREN ÜBUNG UND DER VERBREITUNG DES HERZ JESU VEREHRUNG

Aufforderung zu einem besseren Verständnis und Übung der Andacht zu Ehren des Heiligsten Herzen Jesu

Der Papst schreibt: »Wenn die erwähnten Gründe, auf die sich die Verehrung des durchbohrten Herzens Jesu stützt, richtig erwogen werden, ist es sicher allen klar, dass es hier nicht um eine gewöhnliche Andachtsform geht, die jeder nach Gutdünken den übrigen nachsetzen oder geringachten darf, sondern um eine Hingabe an Gott, die mächtig hilft zur Erlangung der christlichen Vollkommenheit.«

»Es besteht also kein Zweifel, dass, wenn die Christgläubigen dem heiligsten Erlöserherzen huldigen, sie einer schweren Verpflichtung nachkommen, durch die sie Gott zu dienen gehalten sind, und zugleich dem Schöpfer und Erlöser sich und alles Ihrige weihen: was sie innerlich denken oder was sie nach außen hin tun, und so jenem göttlichen Gebot gehorchen: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deinem ganzen Gemüte und mit allen deinen Kräften.“ [20] Sie haben außerdem noch die sichere Gewissheit, dass der beherrschende Grund ihrer Gottesverehrung nicht ihr persönlicher Vorteil ist, der Leib oder Seele, gegenwärtiges oder ewiges Leben angeht, sondern die Gutheit Gottes selbst, dem sie huldigen wollen, indem sie ihn wiederlieben, ihn anbeten und ihm den schuldigen Dank leisten. Wenn es nicht so wäre, entspräche die Herz-Jesu-Verehrung nicht dem wahren Wesen der christlichen Religion, weil der Mensch in seiner Hingabe nicht vorzüglich die göttliche Liebe verehrte; ja nicht mit Unrecht werden manchmal die einer zu großen Eigenliebe und Sorge für sich selbst beschuldigt, die diese edle und würdige Andachtsform falsch verstehen oder nicht richtig üben. Darum sollen alle fest überzeugt sein, dass in der Verehrung des heiligsten Herzens Jesu nicht die äußeren Werke der Frömmigkeit den ersten und wichtigsten Platz einnehmen, noch dass sie ihren Hauptgrund in den Wohltaten habe, für die sich Christus der Herr darum in privaten Versprechen verbürgte, damit die Menschen die beherrschenden religiösen Pflichten ihres katholischen Glaubens, nämlich die der Liebe und Sühne, mit glühenderem Eifer erfüllten und so dann auch am besten für ihr seelisches Wohl sorgten.«

Höchster Nutzen der Herz Jesu Verehrung in de gegenwärtigen Nöten der Kirche

Der Heilige Vater zeigt wie ihm die Lauheit so unzähliger Kinder der Streitenden Kirche schmerzt, und fügt hinzu: »so quälen Uns noch viel mehr die Machenschaften ruchloser Menschen, die, wie aufgehetzt vom höllischen Feind, jetzt besonders von unversöhnlichem und offenem Hass glühen gegen Gott, gegen die Kirche, und besonders noch gegen Ihn, der auf Erden der Vertreter des göttlichen Erlösers ist und dessen Liebe zu den Menschen vergegenwärtigt.«

»In Wahrheit ist ja der Hass gegen Gott und die rechtmäßigen Stellvertreter Gottes das größte Verbrechen, das der Mensch je begehen kann, er, der nach dem Bild und Gleichnis Gottes erschaffen und bestimmt ist zum Genuss seiner vollkommenen und ewig im Himmel dauernden Freundschaft.«

»Da man nun leider beobachten kann, wie die Zahl derer, die sich stolz Feinde des ewigen Gottes nennen, da und dort zunimmt, wie ebenso die lügnerischen Lehren des Materialismus in Theorie und Praxis Verbreitung finden, wie die zügellose Freiheit des Trieblebens weithin angepriesen wird, was nimmt es da wunder, wenn in den Herzen vieler die Liebe erkaltet, die oberstes Gesetz der christlichen Religion, das feste Fundament wahrer und vollkommener Gerechtigkeit und der Hauptquell des Friedens und reiner Freuden ist?«

Die Andacht zum Herzen Jesu ist die Standarte der Rettung selbst für die moderne Welt

»Wo nun, Ehrwürdige Brüder, ist gegen das viele Böse, das, wenn überhaupt je, so besonders heute die Einzelmenschen, die Familien, die Nationen und den ganzen Erdkreis in bedrückende Unordnung versetzt, Hilfe zu suchen? Gibt es eine Andacht, die hochwertiger wäre als die Herz-Jesu-Verehrung, die genauer der Eigenart des katholischen Glaubens entspräche, die angepasster den heutigen Nöten der Kirche und der Menschheit entgegenkäme? Welche Gottesverehrung wäre würdiger, ansprechender und heilsamer als sie, da der Kult, um den es geht, ganz auf die Liebe [21] Gottes ausgerichtet ist?

»Es ist auch Unser brennender Wunsch, dass alle, die mit Stolz sich Christen nennen und angestrengt für die Errichtung des Reiches Christi auf Erden kämpfen, die andächtige Verehrung des Herzens Jesu zum Wahrzeichen und zur Quelle der Einheit, des Heiles und Friedens wählen. Doch soll niemand glauben, dass durch diese Andacht den anderen Frömmigkeitsformen, in denen das christliche Volk unter Führung der Kirche den göttlichen Erlöser ehrt, irgendwie Abbruch getan wird. Im Gegenteil wird eine innige Herz-Jesu-Andacht die Verehrung des heiligen Kreuzes und die Liebe zum hochheiligen Altarsakrament ohne Zweifel nur stark fördern.«

»In dem drängenden Wunsch endlich, den ruchlosen Machenschaften der Hasser Gottes und der Kirche einen Riegel vorzuschieben, wie auch die häusliche und bürgerliche Gemeinschaft zur Gottes- und Nächstenliebe zurückzuführen, behaupten Wir ohne Bedenken, das die Verehrung des heiligsten Herzens Jesu die wirkungsvollste Schule der Gottesliebe ist; der Liebe zu Gott, auf die sich das in den Einzelmenschen, in den Familien, in den Nationen zu errichtende Reich Gottes stützen muss...«

»Damit sich aber aus dem Kult des heiligsten Herzens Jesu auf die christliche Familie, ja die ganze Menschheit ein reicherer Segen ergieße, mögen die Christgläubigen mit ihr auch die Verehrung des unbefleckten Herzens der Gottesmutter eng verbinden. Denn da nach dem Willen Gottes bei der Durchführung des Erlösungswerks der Menschheit die allerseligste Jungfrau Maria mit Christus derart untrennbar verbunden war, dass das Heil uns aus der innigen Verbindung der Liebe und der Leiden Christi mit der Liebe und den Schmerzen auch der Mutter kam, ist es recht und angebracht, dass durch das christliche Volk, das ja sein göttliches Leben von Christus durch Maria empfangen hat, nach der gebührenden Andacht zum heiligsten Herzen Jesu auch dem liebevollen Herzen der himmlischen Mutter Erweise der Anhänglichkeit, der Liebe, dankbarer und sühnender Gesinnung beigefügt werden. Diesem göttlich weisen und liebenswürdigen Ratschluss der hl. Vorsehung entspricht so recht die denkwürdige Weihe, durch die Wir selbst die heilige Kirche und die ganze Welt dem unbefleckten Herzen der allerseligsten Jungfrau Maria in feierlicher Form zugeeignet haben.« [22]

Mit diesen Gedanken beendet der glorreich regierende Heilige Vater seine monumentale Enzyklika, und erteilt den Apostolischen Segen.

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Anmerkungen:

*) http://www.vatican.va/content/pius-xii/de/encyclicals/documents/hf_p-xii_enc_15051956_haurietis-aquas.html

1) Lk 22, 15.

2) Lk 22, 19-20.

3) Mal 1, 11.

4) De sancta virginitate, VI: P. L. XL, 399.

5) Joh 15, 13.

6) Gal 2, 20.

7) Sum. Theol. Suppl. q. 42, a. 1 ad 3m; ed. Leon. tom. XII, 1906, p. 81.

8) Eph 5, 2.

9) Kol 2, 3.

10) Vgl. 1 Joh 2, 1.

11) Hebr 7, 25.

12) Hebr 5, 7.

13) Röm 8, 32.

14) Cfr. Sum. Theol. III, q. 48, a. 5a ed. Leon. tom. XI, 1903, p. 467.

15) Lk 12, 50.

16) Joh 20, 28.

17) Vgl. Litt. Enc. Miserentissimus Redemptor: A. A. S. XX, 1928, pp. 167-168.

18) Vgl. Decr. S. C. Rit. apud N. Nilles, De rationibus festorum Sacratissimi Cordis lesu et purissimi Cordis Mariae, 5a. ed. Innsbruck, 1885 tom. 1, p. 167.

19) Innocentius XI, Constit, Ap. Coelestis Pastor, 19 Novembris 1687, Bullarium Romanum, Romae, 1734, tom. VIII, p: 443.

20) Mk 12, 30; Matth. 22, 37.

21) Vgl. Enc. Miserentissimus Redemptor: A. A. S. XX, 1928, p. 166.

22) Vgl. A. A. S. XXXIV, 1942, p. 345 sq.

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Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in

„Catolicismo”, Nr. 69, September 1956, S. 3f.

Dieser Beitrag erschien in deutscher Sprache zuerst im Blog „Plinio Corrêa de Oliveira zum  100. Geburtstag“.

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