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Samstag, 14. Mai 2022

Eine Erfahrung, die man nicht vergessen darf

 

Plinio Corrêa de Oliveira

      Als die Alliierten 1918 versuchten, die Welt neu zu ordnen, nahmen sie als ideologische Grundlage ihres Vorhabens die humanitären, philanthropischen, leicht von evolutionistischem Optimismus durchdrungenen Konzepte, die mehr oder weniger alle Staatsmänner oder Experten jener Zeit beherrschten und die in Wodrow Wilson nicht nur ihren überzeugtesten Lehrer, sondern auch ihre charakteristischste Verkörperung fanden.

      Der Schlussstein des ganzen Gebäudes, das sich aus den Wilson'schen Grundsätzen ableitet, ist der Völkerbund, ein riesiger Rat aller Völker des Universums, in dem internationale Fragen nach Recht und Billigkeit durch Abstimmung der anwesenden Delegationen geregelt werden und nicht mehr zu Kriegen führen können, wie dieser der gerade beendet wird.

      Die alten heidnischen Völker kannten dieses Ideal nicht. Für sie konnte der Weltfrieden nur durch die Herrschaft aller Völker unter dem Zepter eines einzigen siegreichen Fürsten erreicht werden. Die gepriesene „pax romana“ war nichts anderes. Nur die katholische Kirche konnte der Welt die Lehren offenbaren, die geeignet waren, die grandiose Vorstellung einer universellen Harmonie zu begründen, die auf den gleichen Rechten aller Völker beruht. Sie allein konnte den Intelligenzen genügend Licht, den Willen genügend Kraft vermitteln, um dieses Ideal zu verwirklichen. In der Vergangenheit war sie tatsächlich allein in der Lage, die supranationale Struktur des Westens mit ihrer unerschütterlichen und unbesiegbaren Geduld zu skizzieren. Ich kenne keine Studie, die für die Lösung heutiger Probleme notwendiger wäre als die über die ideologische und rechtliche Struktur des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Dummköpfe werden über diese Aussage lächeln. Im Mittelalter kannten die Menschen weder Öl noch Wolkenkratzer oder Flugzeuge. Damals wussten die Menschen noch nicht, wie man so effizient baut oder zerstört wie heute. Die Welt war in der Betrachtung der gotischen Kunst noch zurückgeblieben, weil sie den pikanten, beweglichen und subtilen Geschmack der aerodynamischen Kunst noch nicht kennengelernt hatte. Die Behauptung, das Studium des Heiligen Reiches könne in irgendeiner Weise zur Lösung heutiger Probleme beitragen, wäre ebenso lächerlich wie die Behauptung, man solle zur Lösung der Verkehrsprobleme in New York die am Hof von Ludwig XV. verwendeten Sänften oder die Kutschen am Hof von Maria Theresia studieren. Über das Heilige Römische Reich ist nur wenig bekannt, abgesehen von dem, was Voltaire darüber sagte: „Es war weder heilig, noch ein Reich, noch römisch“, ein leichter Scherz für diejenigen, die wie Voltaire die Begriffe wörtlich nahmen und nicht wussten, aus welchem tiefen und wahren Winkel das Reich die glorreichen Beinamen „heilig“ und „römisch“ verdiente. Nach Voltaire, nach Friedrich II. kam Napoleon. Nach Napoleon: der Vertrag von Wien. Luther hatte das Reich gespalten. Voltaire hatte sich lustig gemacht über die Invalidität Luthers, die ihm sein religiöses Schisma zustieß. Friedrich II. zerbrach das politische Gleichgewicht, das durch die protestantische Häresie so stark beeinträchtigt war. Der Vertrag von Wien löschte das Heilige Römische Reich aus. Der einzige Protest gegen diese Auslöschung kam vom Apostolischen Nuntius. Auf diesem Kongress der Könige verstand nur der Botschafter des Papstes, wie viel das monarchische und christliche Westeuropa mit dieser politischen Maßnahme verlor, die den endgültigen Verzicht auf einen Plan zur Föderation aller christlichen Monarchien unter der Ägide des Heiligen Petrus bedeutete. Die Ära der Träume von universeller Brüderlichkeit schien endgültig gebrochen. Das Aussterben des Heiligen Reiches bedeutete die offizielle, ausschließliche und unverblümte Annahme der so genannten „Politik des Gleichgewichts“, die schon von weit her kam. Von keiner internationalen Organisation wurde mehr Frieden erwartet.

      Die Idee einer universellen Gerechtigkeit, um die Beziehungen zwischen den Völkern zu regeln, ist verschwunden als eine alte gotische Scharteke. Die Welt erwartete Frieden von der Bildung zweier bis an die Zähne bewaffneter Gruppen, die in allem gleich wären, im Hass, im Ehrgeiz, in der Stärke. Das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Gruppen würde einen Krieg für beide gleichermaßen riskant machen. Daher waren sie kompromisslos pazifistisch, und je zahlreicher die Kanonen, die Verbündeten und die Nachschubreserven auf jeder Seite wären, desto pazifistischer würden sie sein. Diese schöne Schimäre führte zum europäischen Krieg. Das Gleichgewicht der Kräfte hatte den Krieg nicht verhindert, sondern ein anderes, völlig unerwartetes Ergebnis hervorgebracht: die Verlängerung der Feindseligkeiten, die Ausbreitung des Krieges in der ganzen Welt.

      Es war notwendig, zum „mittelalterlichen Traum“ zurückzukehren, der aus der Flanke der Kirche geboren wurde. Das Gleichgewicht zwischen den Gegnern hatte nur Hass hervorgebracht. Wer weiß, ob eine universelle Struktur in der Lage wäre, Liebe zu erzeugen?

* * *

      Das war der tiefste Grund für die Entstehung des Völkerbundes. Die philanthropischen, humanitären und evolutionistischen Ideale des frühen 20. Jahrhunderts griffen das Thema auf und verpassten ihm einen modernen ideologischen Anstrich. Ein Überbau von Völkern würde wiederhergestellt werden. Aber das Heilige Reich war monarchisch und christlich. Die Französische Revolution hatte die Welt republikanisiert und säkularisiert. Der Völkerbund, der nach dem Bild des neuen, republikanischen und säkularen Europas geschaffen wurde, war ein Organismus mit republikanischer und säkularer Verfassung, der dazu bestimmt war, in der heutigen Welt den Teil der Aufgaben des Heiligen Reiches zu erfüllen, den die republikanische und säkulare Welt verstehen und billigen könnte.

      Mit anderen Worten, es wurde versucht, eine sehr alte und ehrwürdige Institution an die Anforderungen des modernen Gaumens anzupassen. So wurde der Völkerbund geboren.

      Diese Parallelen zwischen ihm und dem Heiligen Reich wurden von den Demiurgen, die ihn gründet hatten, offensichtlich nicht heraufbeschworen. Jeder Vergleich mit dem alten „anachronistischen“, „tyrannischen“, „gotischen“ Bauwerk des Heiligen Reiches wäre für sie die äußerste Demütigung, für ihr Werk die schwerste Beleidigung. Ein Vergleich, der so beleidigend ist wie der, ein Mädchen mit den damals üblichen Tänzen mit einer Mumie aus der Zeit von Ramses II. gleichzusetzen. Der Hintergrund der Angelegenheit ist jedoch noch immer derselbe. Der Völkerbund versuchte, ob absichtlich oder nicht, ob wissentlich oder nicht, Erbe und Weiterführer eines Teiles der großartigen Pläne sein, mit denen die Kirche das Heilige Reich ausgestattet hatte, die sie aus der Schatzkammer der Offenbarung entnahm.

* * *

      Aber der Völkerbund, Laizistisch wie er war, konnte den Heiligen Vater nicht in seine Reihen aufnehmen. Der Papst, wo auch immer er ist, ist natürlich der Meister, der Vater, der König. Welchen Platz er auch immer am Tisch der Debatten einnehmen würde, die Präsidentschaft wäre der Platz, an dem sein Vertreter sitzen würde. Nicht alle journalistischen „Leuchttürme“ um die großen Männer der Zeit, nicht alle Machenschaften hinter den Kulissen konnten dies verhindern. Der Schwerpunkt würde unweigerlich bei ihm liegen. Seine Zulassung als Vorsitzender oder seine Nichtzulassung war eine unvermeidliche Alternative.

      Ein großartiger Vorwand erschien, um ihn auszuschließen. Der Heilige Stuhl hatte kein Territorium, viele Völker erkannten den Papst nicht als Souverän an. Es wäre daher nicht möglich, ihn als solchen zuzulassen.

      Der Papst blieb also außerhalb des Bundes. Aber da er allein die Schlüssel zum Öffnen und Schließen, die Macht zum An- und Ausschalten besitzt, hat der Bund ohne ihn nichts eingeschaltet. Die Welt blieb so unzusammenhängend wie zuvor. Der Völkerbund war das größte diplomatische Versagen der Neuzeit.

      Als sich das Gebäude dem Abhang näherte, als der Tag nicht mehr fern war, an dem in den Sesseln nur noch wenige Menschen saßen, der Boden unter den Füßen der Verbliebenen knackte und eine Atmosphäre des wilden Flucht sich ausbreitete, lud der Bund den Papst ein, an seinem Zönakel teilzunehmen. Pius XI. wollte nicht. Es war zu spät...

* * *

      Benedikt XV. empfahl den Katholiken ausdrücklich, in dem Bund zwei verschiedene Aspekte zu unterscheiden. Durch seinen Säkularismus hat er sich von dem einzigen Prinzip getrennt, das ihm Vitalität verleihen könnte, nämlich dem Katholizismus. Die Idee der Gerechtigkeit und des Friedens unter den Völkern ist aus der Offenbarung geboren und wird überall dort aussterben, wo der Glaube an die Offenbarung ausgeschlossen ist. Den Frieden in einer laizistischen Welt, in einer laizistischen Organisation zu kultivieren, ist dasselbe wie Rosen oder Lilien auf den Sandbänken der Sahara zu züchten. Von dem Bund einen dauerhaften Erfolg zu erwarten, widersprach also eindeutig der katholischen Lehre.

      Aber auch wenn der Bund keine Grundlage hatte, waren viele seiner Ziele gut. Bei der Verwirklichung dieser Ziele könnte die Kirche mit dem Bund zusammenarbeiten, und die Katholiken sollten dies tun. Sie sollten dies tun, um etwas Gutes zu fördern, ein bescheidenes, vorübergehendes, aber dennoch gutes Gut. Aber niemals von dem Bund eine Rettung zu erwarten, die nur von Christus und seiner Kirche zu erwarten ist.

* * *

      Es wird viel über die Organisation der Nachkriegswelt gesprochen. Ob es den Menschen gefällt oder nicht, das Geheimnis der Dauerhaftigkeit, der Würde und des Ruhmes dieser Organisation wird in der Position liegen, die dem Papst zugewiesen wird. Wenn der Papst das Zentrum der neuen Welt ist, kann sie Bestand haben. Wenn die Welt so organisiert ist, dass die Autorität des Papstes vernachlässigt wird oder in Vergessenheit gerät, wird der Papst weitermachen, aber die Welt wird wieder einmal zusammenbrechen. Denn der Papst ist der Mittelpunkt der Erde, das Fundament der Ordnung, die Quelle des Glücks, der Tugend und der Herrlichkeit. Mit ihm, mit Christus, wird alles gedeihen. Gott bewahre, dass man die Welt ohne ihn organisieren will. Die rauchenden Trümmer Europas heute, die Verwüstung des Völkerbundes, der nach so glühenden Hoffnungen beschmutzt, verlassen und lächerlich gemacht wurde, sind die große Lehre, die wir nicht vergessen dürfen.

 

 

Aus dem Portugiesischen übersetzt mit DeepL-Übersetzer (kostenlose Version) von „Uma experiência que não deve ser esquecida“ in O „Legionário“ Nr. 599, vom 30. Januar 1944.

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Diese deutsche Fassung „Eine Erfahrung die man nicht vergessen darf“ erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com

Montag, 30. Januar 2017

Treue und Liebe zum Papst und zum Papsttum



Es ist nicht die selbe Begeisterung meiner Jugendzeit, mit der ich mich heute vor dem Heiligen Stuhl stelle. Es ist mit einer größeren, ja einer noch viel größeren Begeisterung als damals. Denn je mehr ich lebe, denke und an Erfahrung gewinne, desto mehr verstehe und liebe ich den Papst und das Papstum. (...)
Ich erinnere mich noch am Katechimusunterricht, in dem mir das Papstum erklärt wurde, seine göttliche Einrichtung, seine Macht, seine Aufgabe. Mein Kinderherz (ich war damals 9 Jahre alt) erfüllte sich mit Bewunderung, Erhebung und Begesiterung: Ich hatte das Ideal gefunden, dem ich mich für das ganze Leben widmen würde. Von damals bis heute ist die Liebe zu diesem Ideal nur gewachsen. Und ich bitte hier der Muttergottes, dass sie diese Liebe bis zu meinem letzten Atemzug mehr und mehr in mir vergrößere. Der letzte Akt meines Intellektes soll ein Glaubensakt an das Papstum sein. (...)
Plinio Correa de Oliveiras Erstkommunion

Und diese Liebe zum Papstum (...) ist in mir keine abstrakte Liebe. Sie schließt eine ganz besondere Liebe zur heiligen Person des Papstes ein, sei es der von gestern, der von heute oder der morgen. Eine Liebe der Verehrung. Eine Liebe des Gehorsams.
Ja, ich wiederhole: des Gehorsams. Ich will jedem Lehrsatz dieses Papstes, so wie denen seiner Vorgänger und Nachfolger, das ganze Maß der Annahme geben, die mir die Lehre der Kirche vorschreibt, in dem ich das für unfehlbar halte, was sie befiehlt, was für unfehlbar gehalten werden soll, und für fehlbar, was sie lehrt, was fehlbar ist. Ich will den Befehlen dieses oder irgendeines anderen Papstes gehorchen, im ganzem Maße, mit dem die Kirche Gehorsam verlangt. Das heisst, niemals meinen eigenen persönlichen Willen über sie hinwegsetzen, auch nicht die Kraft jeglicher weltlichen Macht, und nur, absolut nur dann dem Papst den Gehorsam verweigern, wenn es sich eventuell um etwas sündhaftes handeln würde. Denn in einem solch extremen Fall muss man, wie es alle Moraltheologen lehren – nach dem Beispiel des Apostels Paulus – den Willen Gottes walten lassen.
So wurde es mir im Katechismusunterricht gelehrt. So las ich es in den Traktaten, die ich studiert habe. So denke ich, so fühle ich, so bin ich. Und aus ganzem Herzen.


Plinio Correa de Oliveira, "A perfeita alegria" in Folha de São Paulo vom 12.07.1970


Montag, 10. November 2008

"Die ewige Wiederkehr des König-Papstes"

Die Tageszeitung "La República", eine der größten Tageszeitungen Italiens, bezog sich in einem Artikel über das Königtum des Papstes, unter dem Titel "L'eterno ritorno del Papa Re" (28.09.08 S. 34), in dem auch der römische Adel behandelt wurde, auf das Werk von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira, über die moderne Rolle und Aufgabe des noch bestehenden Adels und der traditionellen Eliten. Der brasilianische, katholische Autor analysiert in seinem Werk die Ansprachen, die Papst Pius XII. an den Adel und an das Patriziat Roms in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gehalten hatte. "La República" kommentierte bezüglich der gegenwärtigen Mitglieder des römischen Adels:

„Es ist indessen wahr, dass die bedeutendste Figur jener Welt der Adeligen, Elvira Pallavicini, gebieterisch und unvorhersehbar in ihrem Rollstuhl, vor einigen Jahren verstorben ist. Die noch übrig gebliebenen Adeligen, Fürst Ruspoli Zapata (...) oder Fürstin Borghese (...), erscheinen nur noch in Talkshows. Doch mit allem Respekt und Sympathie, mit Mühe, könnten sie zusammen mit den anderen Nachkommen der Colonna, der Massimo, der Orsini, Torlonia, Chigi, Buoncompagni in die Schemen eingefügt werden, in denen sie ein echter Meister des gegenrevolutionären Gedankenguts, wie Plínio Corrêa de Oliveira, in seinem Werk Adel und vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius XII. an das Patriziat und den Adel Roms aufgenommen hat."

Hier der Artikel im Original

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Widerstandserklärung 1974



DIE ENTSPANNUNGSPOLITIK DES VATIKANS

GEGENÜBER DEN KOMMUNISTISCHEN REGIERUNGEN

Die TFP vor der Frage: Schweigen oder Widerstand leisten?



I. DIE TATSACHEN

Die Bevölkerung von São Paulo wurde gestern über die Tagespresse informier, welche Ergebnisse die Reise nach Kuba des Sekretärs des Rates für die öffentlichen Angelegenheiten des Vatikans, Msgr. Agostino Casaroli gebracht hat. Diese Ergebnisse hat Msgr. Casaroli selbst in einem Interview mitgeteilt (vgl. "O Estado de São Paulo" vom 7.4.74). Seine Exzellenz versicherte, dass „die in Kuba lebenden Katholiken unter dem sozialistischen Regime glücklich sind“. - Es braucht nicht gesagt zu werden, um welche Art von sozialistischem Regime es sich da handelt; denn es ist bekannt, dass das gegenwärtige Regime in Kuba kommunistisch ist.
Über dieses Regime des Fidel Castro führte Msgr. Casaroli weiter aus: „Die Katholiken, wie überhaupt das kubanische Volk, haben nicht die geringste Schwierigkeit mit der sozialistischen Regierung“.
Vielleicht mit dem Wunsch, diesen verblüffenden Äußerungen einen gewissen Hauch von Unparteilichkeit zu geben, bedauerte Msgr. Casaroli, dass die Zahl der Priester auf Kuba ungenügend sei: nur zweihundert. Er fügte hinzu, dass er Fidel Castro um größere Möglichkeiten für den öffentlichen Gottesdienst gebeten habe, und versicherte schließlich ganz unerwartet, dass „die Katholiken der Insel in ihrem Glaubenrespektiert werden, wie alle anderen Bürger auch“.
Schon bei einer kurzen Betrachtung dieser Erklärungen merkt man bestürzt, dass Msgr. Casaroli zugibt, dass die kubanischen Katholiken Einschränkungen in ihrem öffentlichen Gottesdiensten erleiden, und gleichzeitig behauptet, dass sie „in ihrem Glauben respektiert werden“. Als ob das Recht auf öffentlichen Gottesdienst nicht eine ihrer heiligsten Freiheiten wäre.
Wenn die nichtkatholischen Untertanen des kubanischen Regimes genauso respektiert werden wie die katholischen, muss man sagen, dass in Kuba niemand respektiert wird...
Worin besteht also dieses „Glück“"‚ das die kubanischen Katholiken nach Msgr. Casaroli geniessen? Es scheint das harte Glück zu sein, welches das kommunistische Regime allen seinen Untertanen gönnt, nämlich, den Kopf zu beugen. Msgr. Casaroli behauptet nämlich, dass "die katholische Kirche in Kuba und ihre geistlichen Führer stets bemüht sind, dem sozialistischen Regime, welches die Insel regiert, keine Schwierigkeiten zu machen".
Msgr. Agostino Casaroli
Sieht man aber tiefer, so führen die Beobachtungen die der hohe Würdenträger des Vatikans auf seiner Reise gemacht hat, zu Folgerungen.
Wenn Papst Paul VI. heute mehr denn je zuvor die Wichtigkeit normaler materieller Lebensverhältnisse als eines Faktors betont, der die Ausübung der Tugend begünstigt, so ist nicht denkbar, dass Msgr. Casaroli die kubanischen Katholiken „unter dem sozialistischen Regime“ Fidel Castros für „glücklich“ halten kann, wenn diese im Elend versinken. Daher müssen wir annehmen, dass - nach den Aussagen Msgr. Casarolis - die Katholiken in Kuba eine wenigstens erträgliche wirtschaftliche Lage genießen.
Nun weiß aber jeder, das dies nicht stimmt. Und erst recht wissen es die Katholiken, die die Enzykliken von Leo XIII., Pius XI. und Pius XII. ernst nehmen, dass dies nicht so sein kann; denn diese Päpste lehren, dass das kommunistische Regime das Gegenteil der natürlichen Ordnung ist und dass der Umsturz der natürlichen Ordnung - in der Wirtschaft wie auf jedem anderen Gebiet - nur katastrophale Früchte tragen kann.
Wenn nun irgendwo auf der Welt kindlich-naive oder über die wahre Soziallehre der Kirche schlecht unterrichtete Katholiken die Ergebnisse von Msgr. Casarolis Erkundungen in Kuba lesen, werden sie zu einem der Wirklichkeit diametral entgegengesetzten Schluss kommen, nämlich, dass sie von der Einführung des kommunistischen Regimes in ihrem Land nichts zu befürchten haben. Denn in diesem falle werden sie ja vollkommen „glücklich“ sein, sei es in ihren religiösen Interessen oder in ihrer materiellen Situation.
Es ist schmerzlich, das sagen zu müssen, aber die offen zutage liegende Wahrheit ist diese: Msgr. Casarolis Kubareise endete mit einer Werbung für das Kuba Fidel Castros.
Dieses schreckliche Ereignis, wenn man es an sich betrachtet, ist ein Schritt in der Entspannungspolitik, die der Vatikan seit langem im Verhältnis zu den kommunistischen Regierungen betreibt. Verschiedene dieser Schritte sind der Öffentlichkeit wohl bekannt.
Einer davon war die Reise , die S.E. Kardinal Willebrands, der Präsident des Sekretariats für die Einheit der Christen, 1971 nach Russland unternommen hat. Der offizielle Anlass des Besuches war die Teilnahme an der Einführung von Bischof Pimen in das Amt des orthodoxen Patriarchen von Moskau. Pimen ist bei den Atheisten im Kreml der Vertrauensmann für religiöse Angelegenheiten. Schon der Besuch an sich war ein enormer Prestigegewinn für den ortodoxen Prälaten, der mit Recht als „bête noire“ aller nichtkommunistischen "Orthodoxen" der ganzen Welt angesehen wird. In einer Rede vor der Synode, die ihn gewählt hatte, behauptete Pimen, der Akt, durch den im Jahre 1595 die Ukrainer aus dem Schisma zur katholischen Kirche zurückgekehrt sind, sei ungültig gewesen. Mit anderen Worten heißt das: Er erklärte, dass die Ukrainer nicht der Jurisdiktion des Papstes unterstehen dürften, sondern der Pimens und seinesgleichen. Anstatt gegen diesen himmelschreienden Angriff auf die Rechte der katholischen Kirche und der Gewissen der ukrainischen Katholiken Stellung zu nehmen, hüllten sich Kardinal Willebrands und die Delegation, die ihn begleitete, in Schweigen. Wer schweigt, stimmt zu, lehrt das römische Recht. Entspannung...
Natürlich hat diese Kapitulation diejenigen unter den Katholiken, die mit beständiger Aufmerksamkeit die Politik des Vatikans begleiten, aufs tiefste betroffen. Der Schock war noch größer unter den Millionen ukrainischen Katholiken, die in Kanada, den USA und anderen Ländern verstreut sind. Und er hing zusammen mit den dramatischen Auseinandersetzungen zwischen dem Vatikan und S.E. Kardinal Slipyj, dem tapferen Ober-Erzbischof der Ukrainer, während der Bischofssynode in Rom im Jahre 1971.
Kardinal Slipyj
In diesem Zusammenhang ist auch das Verhalten S.E. des Kardinals Silva Henriquez, Erzbischof von Santiago (Chile), ein weiterer Akt der Entspannung mit den kommunistischen Regierungen. Wie bekannt - und die chilenische TFP hat es in einem leuchtenden Manifest, das auch in der brasilianischen Presse veröffentlicht wurde, bewiesen - hat der chilenische Kardinal das ganze Gewicht des Einflusses und der Autorität seines Amtes eingesetzt, um den Aufstieg des Marxisten Allende zur Macht, seine feierliche Amtsübernahme und seine Aufrechterhaltung an der Regierung bis zu dem tragischen Augenblick, in dem der atheistische Führer Selbstmord beging, zu unterstützen. Mit einer Geschmeidigkeit, die nicht dazu beiträgt, ein gutes Bild von ihm zu geben, versuchte Kardinal Silva Henriquez, sich durch einige öffentliche Erklärungen dem Stand der Dinge, die dem Regime Allendes folgten, anzupassen. Seine ständigen Sympathieäußerungen für die chilenischen Marxisten hörten damit aber nicht auf. Vor kurzem noch zelebrierte S.E. in der Kapelle des erzbischöflichen Palais ein Requiem für die Seele eines anderen Kommunisten, des „Genossen“ Toha, Ex-Minister Allendes, übrigens ebenfalls ein unglücklicher Selbstmörder. Dem Akt wohnten Familienangehörige und Freunde des Verstorbenen bei (vgl. "Jornal do Brasil" vom 18-3-74).
Es ist nicht sicher, dass der Purpurträger wegen all dieser Handlungen und Stellungnahmen, die wahrlich geeignet sind, die Katholiken dem Kommunismus anzunähern, die geringste Mahnung erlitten hat. Sollte jemand geglaubt haben, dass er seine Erzdiözese deswegen verlieren würde, so hätte er bis jetzt umsonst gewartet. Kardinal Silva Henriquez bleibt ruhig weiter mit der Aufgabe betraut, die Seelen seiner bevölkerungsreichen und wichtigen Erzdiözese zu Christus zu führen.
Kardinal Mindszenty - Paul VI
Während dieser Erzbischof sein Amt weiterführen darf, wurde im Zuge der Entspannungspolitik ein anderer seiner Erzdiözese enthoben. Es handelt sich um eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der Kirche im 20. Jahrhundert, deren Name mit Verehrung und Begeisterung von allen Katholiken genannt wird, die sich treu an die traditionellen wirtschaftlichen und sozialen Lehren des Heiligen Stuhles halten. Mehr noch: der Name dieses Prälaten wird mit höchstem Respekt von Personen verschiedenster Religionen geachtet. Er ist sogar eine Blüte des Ruhmes der Kirche in den Augen derer, die nicht an sie glauben. Diese Blüte wurde vor kurzem gebrochen. Seine Eminenz Josef Kardinal Mindszenty wurde von der Erzdiözese Esztergom abgesetzt, um die Annäherung an die kommunistische Regierung zu erleichtern.
Wie man sieht, schließt sich die Reise Msgr. Casarolis nach Kuba - noch ganz abgesehen von dem Interview, das er gab, als er die Insel verließ -, wie ein Glied in eine Kette von Tatsachen, die sich seit Jahren ereignen. Wo wird diese Kette hinführen? Auf welche schmerzlichen Überraschungen und auf welche neuen Anschläge auf das Gewissen müssen sich diejenigen vorbereiten, die noch an der unabänderlichen sozialen und wirtschaftlichen Lehre Leos XIII., Pius XI. und Pius XII. mit all ihren Konsequenzen festhalten? Wir sind sicher, dass unzählige Katholiken, wenn sie diese Nachrichten wiederlesen, wenn sie von der Ratlosigkeit, dem Schmerz und Entsetzen Kenntnis nehmen, welche aus diesen Zeilen sprechen, ihr eigenes inneres Drama geschildert sehen: das innerste und schmerzlichste aller Dramen, denn es betrifft nicht nur soziale und ökonomische Fragen, sondern hat darüber hinaus wesentlich religiösen Charakter. Es bezieht sich auf das, was in der Seele eines romtreuen Katholiken das Fundamentalste, Lebendigste und Zärtlichste ist: seine geistliche Bindung an den Stellvertreter Jesu Christi auf Erden.

II. RÖMISCH-APOSTOLISCHE KATHOLIKEN

Die TFP ist eine bürgerliche und nicht eine religiöse Organisation. Ihre Direktoren, Mitglieder und Mitarbeiter sind jedoch ausnahmslos römisch-katholisch. Katholisch ist deshalb auch der Geist, der sie bei allen von der TFP unternommenen Kampagnen zum Wohl des Landes beseelt.
Die grundsätzliche antikommunistische Haltung der TFP ergibt sich aus den katholischen Überzeugungen derer, die ihr angehören. Weil sie Katholiken sind, sind die Direktoren, Mitglieder und Mitarbeiter der TFP im Namen der katholischen Prinzipien Antikommunisten.
Die Entspannungsdiplomatie des Vatikans gegenüber den kommunistischen Regierungen bringt indessen die antikommunistischen Katholiken in eine Situation, die sie von Grund her berührt - viel weniger als Antikommunisten denn als Katholiken. Denn man kann ihnen jederzeit einen sehr verwirrenden Einwand entgegenhalten: Führt ihr antikommunistisches Engagement nicht zu einem Ergebnis, das dem vom Stellvertreter Jesu Christi gewünschten genau entgegengesetzt ist? Und wie kann man einen folgerichtigen Katholiken verstehen, dessen Tätigkeiten in eine entgegengesetzte Richtung führen, als die des Hirten der Hirten? Diese Frage stellt alle antikommunistischen Katholiken vor die Alternative: den Kampf aufgeben oder die eigene Haltung erklären.
Den Kampf aufgeben können wir nicht. Und wir können es nicht, weil unser Gewissen als Katholiken es uns so gebietet. Denn wenn es Pflicht eines jeden Katholiken ist, das Gute zu fördern und das Böse zu bekämpfen, dann gebietet uns unser Gewissen, die traditionelle Lehre der Kirche zu verbreiten und die kommunistische Doktrin zu bekämpfen.
Über die ganze Welt hallt heute das Wort „Gewissensfreiheit“. Es ertönt im ganzen Westen und sogar in den Kerkern Russlands... und Kubas. Vielfach erhält dieser so oft verwendete Ausdruck sogar missbräuchliche Bedeutungen. Aber unter seinem am meisten berechtigten und geheiligten Sinngehalt befindet sich das Recht des Katholiken, im religiösen wie im bürgerlichen Leben nach den Richtlinien des eigenen Gewissens zu handeln.
Wir würden uns in der Kirche gefesselter fühlen als Solschenitzyn in Russland, wenn wir nicht im Einklang mit den Dokumenten der großen Päpste, die die Christenheit mit ihrer Lehre erleuchtet haben, handeln könnten
Die Kirche ist nicht, die Kirche war nie, die Kirche wird niemals solch ein Kerker für die Gewissen sein. Das Band des Gehorsams gegenüber dem Nachfolger Petri, das wir niemals zerreißen werden, das wir aus tiefster Seele lieben, dem wir unsere beste Liebe widmen, dieses Band küssen wir im Augenblick selbst, in dem wir, durch den Schmerz zermalmt, unsere Stellung bekräftigen. Und kniend, den Blick mit Verehrung auf das Bild Seiner Heiligkeit Papst Pauls VI. geheftet, bringen wir ihm unsere vollkommene Treue zum Ausdruck.
In diesem kindlichen Akt sagen wir dem Hirten der Hirten: Unsere Seele gehört Euch, unser Leben gehört Euch. Befehlt uns, was Ihr wollt! Befehlt uns nur nicht, dass wir die Arme verschränken vor dem roten Wolf, der uns angreift! Dem widersetzt sich unser Gewissen.

III. DIE LÖSUNG - BEIM APOSTEL PAULUS


Ja, Heiliger Vater - fahren wir fort -, der hl. Petrus lehrt uns, dass es wichtiger ist, „Gott zu gehorchen als den Menschen“ (Apg 5, 29). Ihr habt den Beistand des Heiligen Geistes und seid sogar - unter den vom Vaticanum I bestimmten Bedingungen - vom Privileg der Unfehlbarkeit gestärkt. Dies schließt nicht aus, dass in bestimmten Bereichen und Umständen die Schwäche, der alle Menschen unterworfen sind, Euer Handeln beeinflussen oder sogar bestimmen kann. Einer davon ist, und vielleicht sogar recht eigentlich, die Diplomatie. Und hier befindet sich Eure Entspannungspolitik gegenüber den kommunistischen Regierungen.
Was ist da zu machen? Die Zeilen der vorliegenden Erklärung würden nicht ausreichen, um die Liste all der Kirchenväter und -lehrer, Moralisten und Kanonisten aufzuzählen - viele von ihnen wurden zur Ehre der Altäre erhoben -, die die Rechtmäßigkeit des Widerstandes bestätigen. Ein Widerstand, der keine Loslösung ist, keine Empörung, keine Anmaßung, keine Unehrerbietigkeit. Er ist im Gegenteil Treue, Vereinigung, Liebe, Unterwerfung.
„Widerstand“ ist das Wort, das wir mit Absicht wählten, denn es wird in der Apostelgeschichte vom Heiligen Geist selbst verwendet, um die Stellungnahme des hl. Paulus zu charakterisieren. Als der erste Papst, der hl. Petrus, Disziplinarmaßnahmen hinsichtlich des Weiterbestehens aus der alten Synagoge überkommener Gebräuche im katholischen Gottesdienst ergreifen wollte, sah der hl. Paulus darin eine ernste Gefahr zur Verwirrung in grundsätzlichen Dingen und zum Schaden für die Gläubigen. Deshalb erhob er sich und „widerstand“ dem hl. Petrus „ins Angesicht“ ( Gal. 2, 11). Dieser sah in der feurigen und inspirierten Tat des Völkerapostels keinen Akt der Rebellion, sondern der Einigkeit und brüderlichen Liebe. Und im genauen Wissen darüber, worin er unfehlbar war und worin nicht, gab er den Argumenten des hl. Paulus nach. Die Heiligen sind Vorbilder für die Katholiken. In dem Sinne, in dem der hl. Paulus Widerstand leistete, ist unsere Lage eine des Widerstandes.
Und darin findet unser Gewissen Frieden.

IV. WIDERSTAND

Widerstehen bedeutet, dass wir den Katholiken raten werden, den Kampf gegen die kommunistische Doktrin mit allen erlaubten Mitteln fortzusetzen zur Verteidigung des Vaterlandes und der bedrohten christlichen Zivilisation.
Widerstehen bedeutet, das wir niemals unwürdige Mittel des Protestes anwenden werden; und noch weniger werden wir Haltungen einnehmen, die in irgendeinem Punkt von der Verehrung und dem Gehorsam abweichen, die man dem „Summum Pontifex“ in den Grenzen des kanonischen Rechts schuldet.
Widerstehen bedeutet aber auch, dass wir respektvoll unsere Ansicht in solchen Fällen, wie dem Interview von Msgr. Casaroli über das „Glück“ der kubanischen Katholiken, zum Ausdruck bringen.
1968 weilte Papst Paul VI. in der blühenden kolumbianischen Hauptstadt Bogotá beim 39. Eucharistischen Weltkongress. Einen Monat später sagte er in einer Ansprache von Rom aus an die ganze Welt, dass er dort „die große Notwendigkeit einer sozialen Gerechtigkeit“ gesehen habe, „welche unermessliche Gruppen armer Leute (in Lateinamerika) in gerechtere, leichtere und menschlichere Lebensumstände versetzt soll“ (Ansprache vom 28-9-68).
Das, in dem Kontinent, in welchem die Kirche größte Freiheit genießt.
Dagegen sah Msgr. Casaroli in Kuba nur Glück.
Vor diesem Hintergrund heißt widerstehen mit ruhiger und respektvoller Offenheit zum Ausdruck bringen, dass ein gefährlicher Widerspruch zwischen den beiden Äußerungen besteht und dass der Kampf gegen die kommunistische Doktrin weitergeführt werden muss. Dies ist ein Beispiel von echtem Widerstand.

V. DIE INNERE SITUATION DER WELTKIRCHE

Es ist möglich, dass für einige brasilianische Leser die vorliegende Erklärung überraschend kommt. Aber in dem äußersten Widerstreben, öffentlich - wie wir es heute auf uns genommen haben –, Stellung zu nehmen, hat die TFP bisher nicht bekannt gemacht, wie viel Zwiespalt und Uneinigkeit unter den Katholiken der verschiedensten Länder in Bezug auf die Entspannungspolitik des Vatikans mit den kommunistischen Regierungen um sich greift. Es würde dieses schon ausgedehnte Dokument allzu sehr verlängern, wollten wir es hier tun. Wir beschränken uns darauf, als höchst freimütige Erklärung unserer Haltung wiederzugeben, was gegenwärtig unter den deutschen Katholiken vor sich geht. Darüber äußerte sich der ehemalige deutsche Bundestagsabgeordnete Hermann M. Goergen, Katholik von nüchternem Denken und Verhalten, am 23.3.74 im „Correio do Povo“‚ Porto Alegre.
Er berichtet von der Veröffentlichung zweier Bücher deutscher Autoren über die Politik des Vatikans, nämlich „Wohin steuert der Vatikan?“ von Reinhard Raffalt und „Vatikan intern“‚ herausgegeben unter dem Pseudonym „Hieronymus“. Beide Publikationen fanden solchen Anklang, dass sie „bei den deutschen Intellektuellen und Politikern auf der Tagesordnung standen“. Herr Goergen hält das Werk des „Hieronymus“ für satirisch, überkritisch und übertrieben. Dagegen findet er das von Raffalt „nüchtern“‚ mit „wohlfundierten Thesen“‚ „aus einer tiefen Liebe zur Kirche“ entstanden. Und Raffalt erklärt: „Papst Paul VI. ist ein Sozialist.“
Herr Goergen fügt hinzu, dass kurz nach dem Erscheinen des erstklassigen Werkes von Raffalt eine deutsche Zeitung eine Karikatur veröffentlichte, die Paul VI. auf einem Spaziergang in Begleitung von Gromyko zeigt. Als sie an einem Bild, das den Kardinal Mindszenty darstellt, vorübergehen, sagt Gromyko zu Paul VI.: „Ja, ja! Ein jeder hat seinen Solschenitzyn “.
Herr Goergen berichtet weiter, das ein deutscher Jesuit, Oskar Simmel, in der traditionsreichen Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“ - „konservativ und unnachgiebig als Verteidiger des Glaubens und der Päpste“ - eine Kritik veröffentlichte, die von Rom sogar als unehrerbietig angesehen wurde‚ mit dem Titel „Nein, Herr Papst!“ Weiter erklärt Herr Goergen zu der Absicht, Kardinal Mindszenty abzusetzen: „Eine wahre Welle der Unterstützung (für den Kardinal) durchlief die deutschen Katholiken.“ Die Frankfurter Allgemeine Zeitung sprach offen von den „christilich-marxistischen Träumen“ Papst Pauls VI. Und die Paulus-Gesellschaft, Sprachrohr des Dialogs zwischen Christen und Marxisten, verurteilte die Ostpolitik des Vatikans und enthüllte sie als macchiavellistisch, weil sie „der Welt einen römisch-sowjetischen Frieden aufzwingen will“. Angesicht dieser Sprache ergibt sich umso leichter, wie zurückhaltend die der TFP ist.
Wir können unseren Kommentar über den Artikel von Herrn Goergen nicht schliessen, ohne eine ernste Behauptung von ihm hervorzuheben: In Polen wie in Ungarn, in der Tschechoslowakei und in Jugoslawien haben die Kontakte und Verträge mit dem Heiligen Stuhl nicht verhindert, dass die religiöse Verfolgung intensiv weitergeführt wird. Das bestätigt auch in Bezug auf sein Vaterland Kardinal Mindszenty.
Dies erfüllt uns mit Bestürzung. Die Aussicht auf Milderung des antireligiösen Kampfes war das große (in unseren Augen ungenügende) Argument der Enthusiasten der vatikanischen Entspannung.
Die Praxis zeigt, dass solche Entspannung dieses Resultat nicht erreicht und nur die kommunistische Seite begünstigt. Kuba ist ein weiteres Beispiel dafür. Und ein maßgeblicher Förderer der Entspannung, wie Msgr. Casaroli, erklärt, dass in dem Verfolgungsregime die Katholiken glücklich leben. Da fragen wir, ob Entspannung nicht ein Synonym ist für Kapitulation.
Wenn dem so ist, wie soll und kann man der Entspannungspolitik keinen Widerstand entgegensetzen und sie öffentlich auf ihre große Unzweckmäßigkeit hinweisen?
Es ist ein weiteres Beispiel dafür, wie wir den Widerstand verstehen.

VII. SCHLUSSFOLGERUNG


Diese Erklärung war unbedingt notwendig. Sie hat den Charakter einer legitimen Verteidigung unserer Gewissen als Katholiken vor einem diplomatischen System, welches die Luft zum Atmen für sie unerträglich machte und das die antikommunistischen Katholiken in eine denkbar schmerzlichste Situation führt, nämlich die, ihren Standpunkt vor der öffentlichen Meinung nicht mehr erklären zu können. Wir wiederholen das als Epilog zum Abschluss dieser Erklärung.
Kein Schlusswort wäre indes vollständig, wenn es nicht die neuerliche Versicherung unseres uneingeschränkten und liebevollen Gehorsams, nicht nur gegenüber der Heiligen Kirche, sondern auch dem Papst, in allen Bereichen, welche von der katholischen Lehre vorgeschrieben sind, einschlösse.
Möge Unsere Liebe Frau von Fatima uns auf diesem Wege helfen, den wir aus Treue zu ihrer Botschaft gehen und in der Vorfreude, dass sich die von ihr ausgesprochene Verheißung erfüllen wird:

„Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren.“

São Paulo, den 8. April 1974

DER NATIONALRAT DER BRASILIANISCHEN GESELLSCHAFT ZUR VERTEIDIGUNG VON TRADITION, FAMILIE UND PRIVATEIGENTUM

Aus dem Portugiesischen in „Folha de S. Paulo“, 10 de abril de 1974.

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