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Freitag, 22. Juni 2018

Einige Anrufungen der Herz-Jesu-Litanei


Plinio Correa de Oliveira

Heute feiern wir die Vigil eines großen Festes: Das Fest des Heiligsten Herzen Jesu. Heute ist auch der Tag des hl. Johannes des Täufers (s. unter dem Label Tagesheilige).


Ich würde die Lektüre der Herz-Jesu-Litanei sehr empfehlen. Diese Litanei ist etwas wunderbares und ich möchte nun einige Anrufungen, die uns am meisten zusagen, hier kommentieren.


Als erstes diese wunderbare Anrufung:


Herz Jesu, im Schoße der jungfräulichen Mutter vom Heiligen Geist gebildet


Wenn wir berücksichtigen, dass das Herz Jesu, das in seiner materiellen und fleischlichen Realität Gegenstand unserer Verehrung ist, das Symbol des Willens Unseres Herren, das heißt, das Symbol seiner Liebe ist; wenn wir berücksichtigen, das das Herz Jesu im unbefleckten Schoße Mariens, mit der Substanz, die eine Mutter zur körperlichen Heranbildung ihres Kindes zur Verfügung stellt, gebildet worden ist, dann können wir annehmen, dass das allerheiligste Fleisch Jesu, in der Wesenseinheit mit Gott, das Fleisch Mariens selbst ist, das Blut Jesu Mariens Blut ist und das Herz Jesu in gewisser Hinsicht das Herz Mariens ist.

Wenn wir uns in der Betrachtung dieses wunderbaren Entstehungsprozess, in dem die Mutter sozusagen sich aufschließt und alles von sich zur Verfügung stellt, um den Körper ihres Kindes zu bilden, vorstellen, dass Jesus auf diese Weise im Schoße Mariens herangebildet wurde, und dies in einem Meer, in einem Brand der Liebe und Anbetung zu diesem Sohn, der in ihr heranwuchs, können wir verstehen in welchem Maße das Herz Jesu mit dem Unbefleckten Herzen Mariens verbunden ist. Diese innige Verbindung zeigt uns auch, welch uneingeschränkte Hoffnung wir in der erfolgreichen Fürsprache Mariens bei ihrem Sohn haben dürfen, wenn wir annehmen, dass Unser Herr einer so vollkommenen und heiligsten Mutter eigentlich nichts versagen könnte. Er hat über sie nicht nur keine Beschwerde, sondern die größte und vollkommenste Freude, die ein Schöpfer zu seinem Geschöpf haben kann, von dem Er zusätzlich weiß, dass sein eigenes Fleisch und sein eigenes Herz sozusagen Fleisch und Herz dieses Geschöpfes sind. Ein Geschöpf, das Er auserlesen hat, Seine Mutter zu sein.


Diese Anrufung hat für die Verehrer der Muttergottes eine sehr große Bedeutung.


Eine weitere wunderschöne Herz-Jesu-Anrufung ist:


Herz Jesu, von unendlicher Majestät


Der hl. Augustinus sagt: „Wo Demut ist, da ist Majestät“ (ubi humilitas, ibi majestas – Predigt 14), das heißt, beide Attribute sind unzertrennlich.


Daraus entnehmen wir, da das Herz Jesu ein Abgrund der Demut, auch deshalb ein Firmament von Majestät ist. Gerne wäre ich ein Künstler, um Unseren Herren darstellen zu können, aber nicht nur Seine Majestät und auch nicht nur Seine Demut, sondern so, dass man auf einen Blick wahrnimmt, was Majestät und Demut oder, was Demut und Majestät gemeinsam haben. Das wäre die höchste Ebene der Tugenden, wo sich diese beiden einzelnen Tugenden treffen und sich verschmelzen.


„Le Beau Dieu d'Amiens“
Hier erinnere ich mich an die Figur des „Beau Dieu d'Amiens“ (der schöne Gott von Amiens), der in dieser Hinsicht sehr ausdrucksvoll ist. Es ist eine plastische Darstellung, die nicht das Herz Jesu aufweist. Es ist aber eine Jesus-Darstellung am Portal der Kathedrale von Amiens, die mir immer diesen Eindruck gab: Ein höchst würdevoller König, ein edelster Lehrer, zugleich aber so gelassen, so sanftmütig, so Herr seiner selbst; man meint, selbst gegenüber schlimmste Beleidigungen wird Er die Ruhe bewahren, gelassen bleiben, keine Reaktion wegen verletzter Eigenliebe, wenn es die Tugend der Zeit so bestimmen würde.


Meines Erachtens nach zeigt diese Statue des „Beau Dieu d'Amiens“ auf hervorragender Weise diese wunderbare Verbindung der höchsten Majestät mit der tiefsten Demut.


Im Wissen, dass die Revolution die Demut karikiert und die Majestät verschweigt, sollten wir, als Kinder der Gegen-Revolution, dem Heiligsten Herzen Jesu bitten, unseren Herzen diese erhabene und edle Form von Majestät zu schenken, die jeder Gegenrevolutionär, der den Sinn für Königtum, für vollkommene Ordnung, für Ehre, für Hierarchie und für alles was majestätisch ist, besitzen soll, selbst wenn er der demütigste, der ärmste aller Menschen ist.

Hier möchte ich auch noch an die hervorragende Figur der hl. Ana Maria Taigi (1769-1837) erinnern. Sie war eine einfache Köchin in Rom und wollte nicht wie eine Königin erscheinen. Sie hatte aber eine dermaßen von Natur aus majestätische Haltung, dass es fast unmöglich war, sich ihr ohne eine gewisse Schüchternheit zu nähern.

Auch die hl. Theresia vom Kinde Jesu war in ihrer Anspruchslosigkeit und Freundlichkeit so majestätisch, dass ihr Vater sie immer „meine kleine Königin“ nannte.



Herz Jesu, brennender Feuerofen der Liebe


Das Herz Jesu ist ein brennender Feuerofen der Liebe Gottes. Da es ein brennender Feuerofen ist – und nicht nur ein reiner Feuerofen, was von sich aus ja schon den Gedanken an glühende Hitze hervorruft, sondern brennender Feuerofen -, drückt sehr gut den Gedanken aus, das es der Brennpunkt aller Liebe Gottes ist. Diese Anrufung des Herzen Jesu in Vereinigung mit dem Unbefleckten Herzen Mariens ist besonders geeignet für die, die bedauern lau und schwach zu sein und nur langsam im geistlichen Leben vorankommen. Diese Verehrung überträgt ihm das Feuer der Liebe Gottes.


Wenn wir also für uns und für andere die wahre Liebe Gottes erreichen wollen, ist dies die empfehlenswerteste und vortrefflichste Andacht.


Sehr wichtig für unsere Zeit scheint mir die Anrufung:


Herz Jesu, geduldig und von großer Erbarmung


Was bedeutet eigentlich geduldig? Geduldig*, ist derjenige, der leidet. Es ist das leidende und barmherzige Herz Jesu. Und weil es ein leidensfähiges Herz ist, ist es in der Lage auch all unsere Beleidigungen zu erleiden.


Der zweite Sinn von geduldig geht aus der letzten Aussage hervor. Die Bereitschaft des Herzens Jesu zu leiden, indem Es mit Liebe leidet und mit Liebe jedes Leid aufnimmt, mit dem Verständnis das das Leid das große Gesetz des Lebens ist, dass ein Leben ohne Leid nichts wert ist.


Der Wert eines Menschen kann bemessen werden an seiner Bereitschaft und Fähigkeit zu leiden.


Weil letztendlich – die Dinge aus einem gewissen Blickwinkel gesehen – ist das Leben des Menschen nur etwas Wert, in dem Maße wie er leidet und sein Leid annimmt und liebt. So haben wir hier das geduldige oder das duldende Herz Jesu.


Eine der wichtigsten Arten von Geduld in ihrem höheren Sinn ist die Geduld gegenüber unseren Nächsten: Unverschämtheiten und Sticheleien ertragen zu wissen, liebenswürdig und gütig zu sein gegenüber jenen, die uns durch ihre schlechten Veranlagungen Schwierigkeiten machen usw. Somit können wir auch die wichtige Tugend der Vergebung üben. Bitten wir also dem Heiligsten Herzen Jesu um diese Geduld. Doch diese Art von Geduld, wenn sie auch sehr wertvoll ist, ist sie jedoch nicht die wichtigste Art dieser Tugend.

Eine der größten Ausdrücke der Leidensfähigkeit ist der Unternehmungsgeist, durch den der Mensch die Trägheit, die Weichheit, den Überdruss, die Eigenliebe besiegt und sich in die Arbeit, in den Kampf, in den härtesten und feurigsten Kampf wirft, doch auch immer bereit zu einem sofortigen Rückzug, wenn die Interessen der Kirche ihn in eine andere Richtung weisen.


Dies ist die höchste Form der Geduld: Der Unternehmungsgeist und die Kampfbereitschaft durch die der Mensch all seinen Trägheiten und Nachlässigkeiten entsagt. Dies müssen wir dem geduldigen und erbarmungsvollen Herzen Jesu bitten.


Von großer Erbarmung will heißen, Mitleidig sein, anderen im Leid beistehen. Es ist ein Folgesatz der zweiten Bedeutung von Geduld. Und hier tut sich ein anderes Problem auf: Die Schwierigkeit meine so liebe junge Generation davon zu überzeugen, das Gottes Barmherzigkeit ein, zwei, zweitausend Mal vergibt und nur nicht will, das man vor der Vergebung den Mut verliert.


Um also der Vergebung Unseres Herren durch die Fürsprache des Unbefleckten Herzen Mariens zu vertrauen, ist hier eine schöne Anrufung: Herz Jesu, geduldig und von großer Erbarmung. Geduldig gegenüber meinen Fehlern und meinen Sünden; von großer Erbarmung gegenüber meinen Mängeln. Durch das Unbefleckte Herz Mariens erbarmt Es sich unser. Es ist eine ausgezeichnete Anrufung zu jeder Tageszeit, um das Vertrauen in Unseren Herren Jesus Christus nicht zu verlieren.


Zwei weitere Anrufungen:


Herz Jesu, Sühnopfer für unsere Sünden


Manchmal kommt es vor, dass wir uns äußerst unwürdig fühlen. Dieses Gefühl kann auch die reinsten und erhabensten Seelen befallen. Da begreifen wir, dass wir vor der unendlichen Gerechtigkeit Gottes absolut nichts sind, doch es gibt diese Anrufung, die auf uns beruhigend wirkt. Das Heiligste Herz Jesu ist ein Sühnopfer für unsere Sünden.


Was bedeutet es, Sühnopfer zu sein? Ich bin nichts wert. Die Opfer, die ich bringe – weil sie von mir Wertlosem kommen – haben von sich aus auch keinen Wert. Doch es gibt ein Opfer, das alles Wert ist, weil es ein makelloses Opfer ist: Unser Herr Jesus Christus, eines Wesens mit Gott, der sich für mich hingegeben hat. Alles, was ich befürchte von mir aus nicht erreichen zu können, erreicht er für mich.


Dieses reinste Opfer hat meine Sünden getragen und wegen dieser Sünden gelitten. Deshalb schäme ich mich meiner Sünden und bereue sie mit großem Vertrauen, weil EINER für mich gestorben ist und sein ganzes Blut für mich vergossen hat.


Nicht auf mich vertraue ich, sondern auf jenes unendlich kostbare Blut, das für mich vergossen worden ist. Es ist das Heiligste Herz Jesu.


Herz Jesu, Quelle vollkommenen Trostes

Dem Wort Trost kann man auch zwei Bedeutungen zuschreiben: Erstens, kann es Stärkung bedeuten; dann kann man auch so die in der Seele vernommene Freude, Milde und Salbung des Heiligen Geistes benennen. In beiden Auslegungen ist das Herz Jesu die Quelle allen Trostes. Unsere Kraft kommt von Ihm. Wenn wir uns schwach, lau, orientierungslos fühlen, vor allem wenn wir uns zu einer edlen Tat berufen fühlen, aber keinen Mut haben sie durchzuführen, dürfen wir uns nicht mit Stolz draufstürzen, mit der Vorstellung, wir könnten diese Tat auch durch uns selbst vollbringen. Nein! Das Heiligste Herz Jesu ist die Quelle aller Stärke. Ihm müssen wir, durch das Unbefleckte Herz Mariens, dem einzigen und notwendigen Weg, um zum Herzen Jesu zu gelangen, um Stärkung bitten. Nie wird unsere Bitte vergeblich sein. Irgendwann werde ich die notwendige Kraft erhalten, um noch Größeres und Schwierigeres tun zu können zum Wohle meines geistlichen Lebens.


Herz-Jesu-Litanei bei der Danksagung nach der hl. Kommunion


Wie vortrefflich ist es, zum Beispiel, die Herz Jesu Litanei bei der Kommunion zu verwenden. Jeden Tag per Zufall eine Anrufung wählen und sie während der Kommunion meditieren, in der Gewissheit, dass ich in meiner Seele wirklich das reale, physische und lebendige Herz empfange, dem ich gerade meine Betrachtung widme und das die Quelle allen Trostes ist. Ihm könnte ich zum Beispiel sagen:

„Herr, Du bist die Quelle aller Stärke; ich würde gerne tausendmal mehr Kraft haben, als ich habe, um Dir besser dienen und Deine Feinde besser bekämpfen zu können. Ich weiß, dass diese Quelle des Starkmutes jetzt in mir ist und ich weiß, dass nur Du diese Quelle bist. Gib mir Kraft gegen Deine äußeren Feinde und gegen die schlechten Neigungen, die ich in mir trage und die auch Deine Feinde sind. Herz Jesu, erbarme Dich meiner durch das Unbefleckte Herz Mariens.“
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* Im Portugiesischen gibt es das Wort „paciente“, was geduldig bedeutet und vom lateinischen „paciens“=leidender kommt.
 Anrufungen der Herz-Jesu-Litanei, Santo do Dia 26.06.1965
(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

Dienstag, 5. Juni 2018

Herz-Jesu-Verehrung

Plinio Correa de Oliveira 


Eingriff des Herzen Jesu in die Geschichte


Wir finden die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu am Beginn aller größeren und kleineren, bekannten oder weniger bekannten gegenrevolutionären Bewegungen, die im 17. Jahrhundert erschienen sind, zu der Zeit, in der die hl. Margareta Maria Alacoque die himmlischen Offenbarungen dieser Andacht erhielt. Sie erhielt den Auftrag, im Namen des Heiligsten Herzen Jesu dem König Ludwig XIV. zu sagen, er möge Frankreich dem Heiligsten Herzen Jesu weihen und im Wappen seines Königreiches das Bild des Herzen Jesu einzufügen.


Sie versprach dem König, wenn er die Feinde der Kirche bekämpfen würde, würde ihm das Herz Jesu beistehen und sein Königtum zu großem Ruhm führen... (Vgl. Marguerite-Marie Alacoque, Vie et oeuvres, Saint Paul, Paris-Fribourg, 1990, t. II, pp. 335-337, 343-344, 435-436).
Das Heiligste Herz Jesu erwartete von Ludwig XIV. eine Umkehr seiner politischen Orientierung und dass er sich an die Spitze der Gegenrevolution stellen sollte. Würde er dies tun, würde seine Herrschaft großen Ruhm und Frankreich als katholisches Reich seinen Höhepunkt erreichen. Damit hätte sich die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu über die ganze Welt verbreitet; in Frankreich hätte es dann auch ein günstiges Klima für die Predigten des hl. Ludwig von Montfort gegeben, die sich ebenfalls über die Welt verbreitet hätten – der hl. Ludwig lebte zur Zeit Ludwigs XIV. – und es hätte auch die Französische Revolution verhindert werden können. Wäre Ludwig XIV. dem Wunsche des Herzen Jesu nachgekommen, wäre die Revolution noch aufzuhalten gewesen und die schreckliche Fratze den sie mit der Französischen Revolution annahm, hätte verhindert werden können.


Deshalb hat diese Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu seit ihrem Anfang einen tiefen und deutlichen gegenrevolutionären Sinn.


Prof. Fernando Furquim de Almeida (brasilianischer Historiker und Vize-Präsident der brasilianischen TFP), der sich eingehend mit diesem Thema befasst hat, hebt hervor, dass die verschiedenen gegenrevolutionären Bewegungen, die sich im 18. und 19. Jahrhundert gebildet haben, im Zusammenhang mit der Verbreitung der Herz Jesu Verehrung stehen. Die französischen royalistischen Widerstandskämpfer gegen Napoleon, die "Chouans" in der Vendée, trugen als Abzeichen auf ihren Fahnen das Herz Jesu. Die Herz Jesu Verehrung wurde immer von den Guten verkündet, begeisterten die Guten und war für sie stets ein Grund des Mutes und der Stärke. Von den Bösen wurde sie immer gehasst.


Einwände gegen die Herz-Jesu-Verehrung


Was sagen die Böswilligen gegen die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu?
Zunächst etwas, was sie als entscheidendes Argument vorführen: „Warum das Herz Jesu anbeten? Könnte man auch nicht eine fromme Andacht der heiligen Hände Jesu einrichten? Der heiligen Augen Jesu? Man könnte doch den ganzen Leib Jesu auseinandernehmen und jeden Körperteil verehren: die Ohren, die die Bitten der Menschen hören, den Mund, der zu den Menschen sprach, die Hände, die gesegnet haben (dass sie auch die Händler im Tempel gezüchtigt haben, wird nicht erwähnt…). Wäre es also nicht angebracht diese Teilverehrungen einzuführen?“


„Außerdem“, sagen sie, „ist es eine sentimentale Verehrung. Das Herz ist das Symbol des Gefühls und führt hin zur Gefühlsduselei. Als solche hat sie überhaupt keinen theologischen Inhalt und darf also nicht geübt werden.“


Dem entgegen stellen wir fest, dass der Heilige Stuhl diese Andacht des Öfteren durch feierliche, inhaltsvolle und wunderbare päpstliche Dokumente empfohlen hat (s. z.B. die Enzyklika „Inescrutabile divinae Sapientiae“ von Pius VI. 1775). Ebenfalls wurde diese Andacht mit vielen Ablässen versehen, wie die Haltung der neun ersten Freitage, die vom Herzen Jesu selbst gewollt wurde und die Sühnekommunion für die Sünden und Beleidigungen, die gegen das Heiligste Herz Jesu begangen werden. Die Kirche versah die von ihr eingerichteten Herz-Jesu-Bruderschaften und -Erzbruderschaften mit vielen Ablässen. Sie bestätigte und förderte den Bau von Kirchen, Altäre, Bilder und Statuen zu Ehren des Heiligsten Herzen Jesu. Diese Andacht wurde im Übermaß von der Kirche gutgeheißen, so dass sie unser vollständiges Vertrauen haben kann.


Der Einwand, man könne ja dann auch alle Teile des heiligen Leibes Jesu verehren, ist vollkommen sinnlos. Man kann natürlich im Privaten die heiligen Hände Jesu verehren, wir können und sollen Ihn auch in Seinen so ausdrucksvollen, königlichen, lehreichen und rettenden Augen anbeten. Wir brauchen ja nur an die Bekehrung des Petrus denken, wozu nur ein Blick des leidenden Jesus genügte.


Doch die Kirche in ihrer Weisheit weiß, dass das Erhabene leicht ins Lächerliche führen kann: Für pöbelhafte Mentalitäten wäre es ein leichtes, so auseinandergenommene Teilandachten, die auf die menschlichen Gefühle in der Tat anstößig wirken, zu verhöhnen. Doch im Grunde steht solchen Andachten nichts entgegen, wenn sie in angemessener Weise geübt werden.


Man erzählt, z.B., von den Steinen auf dem Kreuzweg, die Fußabdrucke Jesu zeigen. Seine göttlichen Füße anbeten, als die, die über die Erde wanderten um zu lehren, die sich mit Staub bedeckten, um zu lehren und zu heilen, das Böse zu bekämpfen; diese Füße anbeten, die ihm dienten, das Kreuz zu tragen und sich mit dem Blut unseres Heils befleckten, die durch Nägel bei der Kreuzigung durchbohrt wurden…, dies ist alles wahr, richtig und notwendig.


Es ist sogar eine schöne Weise Jesus anzubeten, indem wir uns den Gesinnungen und Betrachtungen der Muttergottes anschließen, als Sie nach der Kreuzabnahme den toten Leichnam Ihres Sohnes auf Ihrem Schoß hielt. Sie betrachtete jeden Teil dieses gemarterten Leibes mit Schmerz, mit dem tiefsten Begriff der Liebe, der Andacht, der Ehrfurcht, der Zärtlichkeit. Sie sah alle Teile und betete sie an wahrscheinlich in der Erwägung der Bedeutung des Leidens eines jeden Teiles. Sie ermaß auch die Beleidigung Seiner Gottheit, die die Geißelung an all Seinen Gliedern bedeutete. Sie übte also diese Andacht aus.


Es ist also sozusagen nur eine Frage der Zweck- und Verhältnismäßigkeit, sowie vom Sinn für Äußerlichkeiten, die die Kirche davon abhält, eine Verehrung der einzelnen Teile des Leibes Jesu zu fördern.


Gegenstand der Herz-Jesu-Verehrung


Was ist eigentlich die Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu? Es ist die Verehrung eines Organs Unseres Herren, dass da ist, das Herz. Doch in der Heiligen Schrift hat das Herz nicht die sentimentale Bedeutung, die ihm gegen Ende des 18. Jahrhunderts und ganz bestimmt im Laufe des l9. Jahrhunderts angehaftet wurde. Das Herz drückt im religiösen Sinn nicht nur Gefühle aus. Wenn es in der Heiligen Schrift heißt: „Richte mein Herz darauf hin, allein deinen Namen zu fürchten!“ (Ps 86,11); oder: „Deinen Vorschriften neige mein Herz zu, doch nicht der Habgier!“ (Ps 119,36); oder: „Mein Herz richte sich ganz nach deinen Gesetzen: dann werde ich nicht zuschanden.“ (Ps 119,80); oder: „Mein Herz ist bereit, die Gesetze zu erfüllen bis ans Ende und ewig.“ (Ps 119,112), bedeutet das Herz den menschlichen Willen, einen Vorsatz, ja eigentlich die Heiligkeit des Menschen. Im Evangelium lesen wir auch über die Muttergottes: „Maria aber, bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach“ (Lk 2,19). Das Herz steht hier nicht als Gefühlsherd, sondern als Sitz des Selenlebens, wo Sie alles bewahrte. Das Herz ist Symbol für den Willen des Menschen, sein dynamisches Element, das alle von den Sinnen erfassten Dinge betrachtet und erwägt und entsprechend reagiert und wiederum nach außen wirkt. Das Heiligste Herz Jesu ist dies in Unserem Herren. Daher und in diesem Sinn wird das Heiligste Herz Jesu angebetet.


In diesem Zusammenhang steht auch die bedeutungsvolle Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens: es ist ein Schrein, in dem wir das Heiligste Herz Jesu wiederfinden.


Dieser Andacht versprach Unser Herr einen Strom von Gnaden. Das markanteste Versprechen bezieht sich auf die Übung der neun ersten Freitage, in dem Jesus denen zusichert, dass sie nicht sterben werden, ohne vorher die Gnade der Vergebung und der Reue erhalten zu haben, wenn sie die neun Freitage einmal durchgeführt haben. Das heißt nicht mit Sicherheit sofort in den Himmel zu kommen, oder, dass sie ihren Tod vorahnen werden. Jedoch, dass sie in der Stunde des Todes eine so große Gnade erhalten werden, sodass man alle Hoffnungen auf das Heil ihrer Seele haben darf.


So versteht man welch großes Anliegen es der Kirche ist, dass diese Andacht bekannt, geschätzt und mit Vernunft geübt wird, denn eine rein gefühlsmäßige Andacht macht keinen Sinn. Eine aufrechte und ernstzunehmende Andacht will auch ihre Grundlage kennenlernen und verstehen. Sie will geliebt werden auf Grund ihrer Daseinsberechtigung. So urteilen ernsthafte Seelen über Frömmigkeitsübungen. Also, darüber nachdenken, unsere Seele zum Herzen Jesu richten, das die Quelle der angebrachten Gnaden ist, für unsere Zeit der unaufhaltsamen Revolution, für schwierigere Zeiten, die noch kommen werden, und bitten, dass durch das reinigende Blut und Wasser, das aus ihm floss, uns wasche. Das wären erhabene Gedanken, die wir an jedem Freitag und vor allem am Karfreitag hegen sollten.



Wir kennen den Fall des römischen Hauptmannes, der mit einer Lanze das Heiligste Herz Jesu durchbohrt hat. Als er diese Gewalttat gegen diesen heiligen Schrein verübte, flossen aus ihm Wasser und Blut, von denen einige Spritzer auf seine Augen fielen. Er, der fast blind war, fühlte sich sofort geheilt, er konnte wieder sehen. Für uns ist dieses Wunder äußerst beredsam. Das heißt, wer das Heiligste Herz Jesu verehrt, darf eine ebensolche Gnade bitten, nicht um das körperliche Augenlicht wieder zu erhalten, das wir, Gott sei Dank, besitzen, sondern um unsere innere Blindheit zu heilen, damit wir das Gute und das Böse in uns und um uns erkennen; damit wir die Seelen unseres Nächsten erkennen, um ihm Gutes zu tun und ihm zu helfen. In all unseren Nöten dürfen und sollen wir das Herz Jesu anrufen, dass es mit einer Gnade, so wie dem römischen Hauptmann, die Blindheit unserer Seele heilt, denn wir sind geistig mit viel Blindheit geschlagen.


Bitten wir dem Heiligsten Herzen Jesu durch die Vermittlung des Unbefleckten Herzens Mariens – denn nur durch diese erlangen wir die Heilung unserer vielfältigen Blindheit – und wir werden auf dem Weg sein, eine große Gnade zu bekommen.


(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, gehalten am 4. März 1965. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

Dienstag, 3. März 2015

DIE GEGENREVOLUTIONÄRE BEDEUTUNG DES WERKES ZWEIER HEILIGEN

Plinio Corrêa de Oliveira schrieb folgenden Artikel für die katholische spanische Zeitschrift

“Cristiandad” - Barcelona - Nov. 1958
Wer die Geschichte mit den Augen des Glaubens betrachtet und in ihrem Lauf die Eingriffe der Vorsehung zu Gunsten der Heiligen Kirche herauszufinden weiß, wird die beeindruckende Übereinstimmung und Harmonie zweier Heiligen bemerken: des hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort und der hl. Margareta Maria Alacoque.

Als sich die revolutionäre Krebsgeschwulst bildete

Beide lebten in Frankreich in einer höchst wichtigen Zeit der Weltgeschichte. Im tiefsten Grund der französischen Gesellschaft entwickelten sich weiterhin mit aller Kraft die Keime der ideologischen Bewegungen des 16. Jahrhunderts. Noch unauffällig verbreiteten sich wie ein unterirdischer reißender Wasserstrom die Tendenzen in Richtung Rationalismus, Laizismus und Liberalismus in den einflussreichsten Kreisen der Gesellschaft. Der langsame aber unerbittliche Untergang der Aristokratie und der Zünfte der Handwerker und Händler, und gleichzeitigem immer sichtbareren Aufstieg des Bürgertums, bereitete von Weitem schon die gesellschaftliche Form her, die die Revolution von 1789 hervorbringen würde.
Mit einem Wort, lange im Voraus aber seit ihrem Anfang mit einer Kraft ausgestattet, die sich bald als menschlich fast unaufhaltsam erweisen sollte, wuchs die Revolution wie ein Krebsgeschwür in den Eingeweiden eines noch gesunden Organismus.
Historische Prozesse wie dieser müssten vorzüglich in ihrem Keimstadium aufgehalten werden. Denn, wenn man seine Entwicklung zulässt, wird es immer schwerer sie abzuwürgen.

Der Eingriff der Vorsehung, um die Revolution zu vermeiden

So ist es wichtig hervorzuheben, dass genau in dem Moment, in dem eine Aktion zur Abwehr der Revolution am zweckmäßigsten und wirksamsten schien, die Vorsehung in Frankreich zwei Heilige mit einer eindeutigen und speziellen Aufgabe in diese Richtung hervorrief. Eine Aufgabe, die sich hauptsächlich und direkt an die „erstgeborene Tochter“ der Kirche richtete, aber indirekt der ganzen Welt zugute kommen würde. Denn einerseits hätte die Vernichtung „in ovo“ der revolutionären Keime in Frankreich die Katastrophen der Revolution für die ganze Welt verhindern können; andererseits würde ein hervorragender Sieg der Religion in einem führenden europäischen Land im 18. Jahrhundert unvorstellbare Auswirkungen in der religiösen und kulturellen Geschichte der Menschheit hervorbringen.
König Ludwig XIV. regierte von 1643 bis 1715. Die hl. Margareta Maria lebte von 1617 bis 1690. Der hl. Ludwig von Montfort wurde 1673 geboren und starb 1716. Wie man sieht, geschahen die Mission der heiligen Nonne im Orden der Schwestern der Heimsuchung, der das Herz Jesu seine Botschaft der Liebe offenbarte und die Predigten des großen Apostels, der die „wahre Andacht zur Heiligsten Jungfrau“ gelehrt hat in der gleichen Zeit der Regierung des Sonnenkönigs.

Der antirevolutionäre Sinn der Botschaft von Paray-le-Monial

Die Leser von „Cristiandad“ kennen sicher schon die Bitten, die Unser Herr über die hl. Margareta Ludwig XIV. zukommen ließ. Sie wissen, dass das Herz Jesu für Frankreich große Prüfungen voraussagte, aber auch versprach, sie verhindern zu können, wenn seine Bitten gehört werden würden. Sie wissen auch, da Ludwig XIV. den Bitten Unseres Herren nicht nachkommen wollte – vielleicht durch heute noch nicht bekannten Informationen und Machenschaften –, versprach Ludwig XVI. während seiner Gefangenschaft im Tempel, die Bitten Jesu zu erfüllen. Doch es war zu spät. Die Revolution ging ihren eingenommenen Kurs weiter, zu unser aller Unglück.
Wichtig ist aus diesen Fakten im Moment festzuhalten, dass vom Zentrum Frankreichs, von Paray-le-Monial aus, die Vorsehung im „Christlichsten Königreich“ einen Feuerherd der Frömmigkeit und ein Brennpunkt der sittlichen Erneuerung entzünden wollte, um die später eintretenden Katastrophen zu verhindern.
Im gleichen Sinn berief die Vorsehung im Westen Frankreichs eine weitere Bewegung.

Vorläufer und Patriarch der Gegenrevolution

So wie die hl. Margareta Maria, hatte auch der hl. Ludwig von Montfort keine Spur von persönlichen politischen Gedanken. Er sah für sein Vaterland und für die Kirche große Katastrophen voraus. Aber sein Blick richtete sich ausschließlich auf die tiefen Ebenen in denen sich diese Katastrophen vorbereiteten. Seine Schriften deuten eine religiöse und sittliche Krise von großem Ausmaß an, aus der, wie aus der Büchse der Pandora, jede Art von Übel hervortreten würde. Um diese Übel zu verhindern, sprach er seine flammenden Predigten, die von den Bauern des frommen Westens gierig gehört wurden. Es waren geistliche Lehren, die er in etlichen Werken zusammenfasste, von denen die „Abhandlung von der wahren Andacht zu Maria“, der „Rundbrief an die Freunde des Kreuzes“ und „Die Liebe zur ewigen Weisheit“ die wichtigsten waren.
Diese drei monumentalen – leider wenig bekannten – Werke gründlich analysiert, sind eine Widerlegung aller Irrlehren, aus denen das Monstrum der Französischen Revolution später geboren würde. Eine Revolution „sui generis“ (einzig in ihrer Art). Die Werke des hl. Ludwig hatten nicht vorrangig das Ziel die zweifelnden, sinnlichen, naturalistischen Geister zu überzeugen, dass sie im Irrtum waren. Seine wichtigste und größte Sorge war, die eifrigen und lauen Katholiken vor diesen Irrtümern zu warnen und zu bewahren. So bestand seine ganze Dialektik die Liebe zur Weisheit seinen Lesern einzuschärfen, um sie vor dem Laizismus oder der Lauheit zu schützen; die Liebe zum Kreuz den Menschen einzuschärfen, um sie gegen die Sinnlichkeit und die tosende Genusssucht einer unsittlichen und mondänen Epoche zu bewahren; und die Verehrung Mariens durch das „heilige Sklaventum“ den Menschen einzuschärfen, um sie vor den ständigen Arglisten eines echten verdeckten Kalvinismus, wie es der Jansenismus war, zu warnen.
In all seinen Werken ist die Dialektik die gleiche. Er zeigt mit Argumenten aus der Heiligen Schrift, der Tradition, der Kirchengeschichte und dem Leben der Heiligen, dass ein Katholik keinesfalls mit dem Zeitgeist paktieren darf, und dass jede Mittelstellung zwischen diesem Geist und dem Frömmigkeitsleben nichts weiter als ein gefährliches Blendwerk der Sinne oder des Teufels ist.

Maria in den Predigten des hl. Ludwig

In diesem gesamten System muss hervorgehoben werden, dass die Verehrung der Muttergottes, besonders als Königin des Weltalls, als Muter Gottes und der Menschen und als Mittlerin aller Gnaden eine absolut zentrale Rolle spielt. Durch diese Andacht kann der Gläubige die Weisheit und die Liebe zum Kreuz von Gott erhalten. Denn Maria ist das Mittel, durch das Jesus zu uns kam und durch das wir zu ihm gehen sollen. Je mehr wir mit Maria vereint sind, desto mehr werden wir mit Jesus vereint sein. Der Heilige Geist bildet Jesus in den marianischen Seelen, die intensiv, glühend und kindlich marianisch sind. Ohne Maria scheitern die größten Bemühungen zur persönlichen Heiligung. Mit ihr aber ist alles erreichbar, was unserer Schwachheit unerreichbar scheint, alle Wege werden frei, alle Türen öffnen sich, und unsere Kräfte, die wir aus dem Kanal der Gnaden schöpfen, vervielfältigen sich. Das wichtigste ist also, ein wahrer Verehrer Mariens zu sein.
Doch es gibt auch Fälschungen dieser Andacht. Der Heilige weist sie aus und warnt uns vor den Minimalisten und vor allem vor denen, die sich mit einer hohlen Andacht, die nur aus äußerlichen Formeln und Frömmigkeitsübungen besteht. Die vollkommene Andacht lehrt er uns: Sie besteht darin, dass wir Sklaven Mariens werden und ihr alle unsere geistlichen und zeitlichen Güter übergeben und alles für sie, mit ihr und in ihr tun.

Gegenrevolutionäre Früchte der Predigten des hl. Ludwig

Der hl. Ludwig war ein großer Verfolgter. Prälaten, Fürsten der Kirche, die Regierung bekämpften ihn heftig. Nur der Papst und einige wenige Bischöfe in Frankreich unterstützten ihn. In der Bretagne, im Poitou und Aunis konnte er frei predigen, was der Bevölkerung für Generationen zur Erhaltung des Glaubens zugute kam. Als während der Revolution die christliche Zivilisation Helden benötigte, um sie in Frankreich zu verteidigen, erhoben sie sich mehr oder weniger im ganzen „Christlichsten Reich“. Aber in einer gewissen Region griff das ganze Volk zu den Waffen und bauten eine massive, kompakte, ungestüme und unbeugsame Reaktion auf. Die „Chouans“, dessen Gedenken kein Katholik ohne eine tiefe und religiöse Ergriffenheit hervorrufen kann, waren die Enkel der Bauern, die vormals der hl. Ludwig in die wahre Andacht zu Maria eingeführt hatte. Wo der hl. Ludwig gepredigt hatte und angenommen wurde, bekam die gottlose und frevelhafte Revolution keine Chance, es bildete sich, im Gegenteil, ein Kreuzzug, eine Gegen-Revolution.
 
Die Bedeutung der hl. Margareta Maria und des hl. Ludwig von Montfort in der Gegenwart

Es ist unbedeutend nachzuforschen in welchem Maße die Bewegungen von Paray-le-Monial und der Vendée im 17. Jahrhundert sich gegenseitig kannten. Die Wichtigkeit beider beschränkte sich nicht auf jene Zeit. Als Kinder der Kirche in diesem tragischen 20. Jahrhundert können und müssen wir beide Bewegungen unter einer einzigen Perspektive sehen, und in dieser Einheit sie als einen  geistlichen Schatz betrachten.
Der wesentliche Zusammenhang ist heute so klar im Gewissen eines jeden Gläubigen, dass es garnicht nötig ist, speziell darauf hinzuweisen. Die Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu ist der kostbarste, äußerste, zärtlichste Liebeserweis Unseres Erlösers uns gegenüber. Der Weg um zum Herzen Jesu zu kommen, ist die Mittlerin aller Gnaden. Und so geht man zum Herzen Jesu durch das Herz Mariens. Diese Andacht zum Herzen Mariens, die der hl. Antonius Maria Claret so sehr ins Licht setzte, scheint dem hl. Ludwig nicht bekannt gewesen zu sein. Aber es ist der Verbindungspunkt zwischen der Botschaft von Paray-le-Monial und der Verkündigung des marianischen Apostels der Vendée. Ein Verbindungspunkt, der, nebenbei gesagt, sehr in der Botschaft von Fatima hervorgehoben wurde.
Doch außer diesen grundsätzlichen Banden gibt es noch andere.
Wir können sie in einem raschen Überblick gut verstehen, wenn wir überlegen, was heute Frankreich und die christliche Zivilisation und die Welt sein könnten, wenn beide Bewegungen, Paray-le-Monial und die Vendée, in den 17. und 18. Jahrhundert siegreich hervorgegangen wären. An Stelle der Revolution mit all ihren abscheulichen Folgen, die uns bis hin zum gegenwärtigen Schlund mitgerissen haben, hätten wir ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens. „Opus justitiae pax“ liest man auf dem Wappen Pius XII. Ja, der Frieden Christi im Reiche Christi, von dem wir uns aber immer weiter entfernen.
So haben wir also die enorme Aktualität der Botschaft von Paray-le-Monial und das Werk des hl. Ludwig Maria hervorgehoben. Sie lehren uns, dass der Grund der Probleme, die die gegenwärtige Krise hervorgebracht hat, religiös und sittlich ist. Sie zeigen uns auch die übernatürlichen Mittel, durch die die weltweite Revolution unserer Tage, die die unverschämte und verderbliche Tochter der Französischen Revolution ist, erwürgt werden kann. Nur aus dem guten Gebrauch dieser Mittel können auf kultureller, sozialer und politischer Ebene die Reaktionen hervorkommen, um auf der Welt das Reich Christi durch das Reich Mariens vorzubereiten.

Plinio Corrêa de Oliveira

São Paulo, Oktober 1958


* * * * *



Freitag, 20. Juni 2014

Die Stunde der Barmherzigkeit wird kommen


Das Fest der hl. Margareta Maria Alacoque, das die Weltkirche heute (16. Oktober) feiert, brachte mir ein vergangenes Ereignis in Erinnerung, das nicht so uninteressant ist für die heutigen Tage.
Als die demütige Nonne in Frankreich lebte und ihr das Heiligste Herz Jesu erschien und so milde vertrauliche Botschaften übertrug, herrschte König Ludwig XIV., dem die weltweite Bewunderung den Titel eines Sonnenkönigs verlieh. Dieser Beiname entsprach der Wirklichkeit. Mazarin, der mit ihm eng befreundet war, sagte, dass Ludwig das Talent für fünf Könige hatte. Vom physischen wie vom moralischen Standpunkt aus verkörperte er die klassische Figur der Märchenkönige, die die Phantasie der Kinder begeistern. Seine männliche und majestätische Schönheit hervorgehoben durch perfekte adelige Haltung und Gesten und einer hervorragenden Auswahl der Kleidung, erhob ihn zum höchsten Vorbild des Edelmannes seiner Zeit. Die Eigenschaften der Intelligenz und des Charakters entsprachen dem physischen Aspekt seiner Person. Seine Intelligenz hell, umfassend, methodisch und vorbildlich ausgewogen. Sein Wille hatte eine gebieterischen Kraft, der jedes Hindernis nachgab. Er besaß eine souveräne Selbstbeherrschung, dass er sich keine extremen Äußerungen von Zorn, Freude oder Schmerz erlaubte. Im Gegenteil, alle Ereignisse trafen ihn wie immer gleich gelassen, gleich mächtig und gleich überlegen. Dermaßen hatte sich sein Wesen mit den Pflichten seines Metiers als König abgefunden, dass das Protokoll für ihn seiner Natur entsprach und selbst in seinen niedrigsten Obliegenheiten zeigte sich das hohe Bewusstsein seiner Würde und seiner Pflichten.
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Wenn Gott jemanden außerordentliche natürliche Eigenschaften schenkt, welcher Natur auch immer, bürdet er ihm auch schwere Verantwortung auf.
Es wird erzählt, dass Voltaire bei den Jesuiten seine Ausbildung erhielt. Diese waren hoch beeindruckt von der Intelligenz des Jungen, so dass sie meinten, daraus würde einmal ein Heiliger oder ein Teufel werden.
Ludwig XIV. war eine dieser privilegierten Seelen, die Gott zu großen Unternehmungen berufen hat. Solche Berufenen sind deshalb immer in Gefahr, in die tiefsten Abgründe zu fallen, wenn sie von der Berufung abweichen. Wenn Ludwig ein neuer Heiliger wie Ludwig IX. hätte sein wollen, wäre wahrscheinlich die Französische Revolution nicht ausgebrochen, hätten die Folgen der Reformation unheilbaren Schaden erlitten und der Lauf der Geschichte, statt die Abgründe zu durchschreiten, in denen wir uns befinden, wäre in eine ganz andere Richtung gegangen.
Doch Ludwig XIV. wollte kein neuer hl. Ludwig sein. Sinnlich, lustgierig, ehrgeizig und äußerst eitel, opferte er seiner Unzucht und dem, was er meinte sein Ruhm zu sein, Zeit, Mittel und Ruf auf, die Gott ihm für einen ganz anderen Zweck gegeben hatte. Durch sein schlechtes Beispiel stürzte er sein Reich ins Verderbnis, verursachte Kriege, um seine Länder zu vergrößern, spaltete die katholischen Mächte, die gegen die Ausbreitung des Protestantismus zu kämpfen hatten, traf in ein Bündnis mit dem Islam gegen das Heilige Römische Reich. Durch all dies verstieß er gegen die elementarsten Pflichten eines Königs und erhielt den verdiente den Tadel der aller echt katholischen Franzosen seiner Zeit, selbst derer, die ihm treu ergeben waren.
Der Gerechtigkeit Willen muss jedoch hinzugefügt werden, dass das Leben dieses großen Königs Höhen und Tiefen zeigte. Wenn in gewisser Hinsicht er ernsthaft seinen Verpflichtungen gegenüber der Kirche nicht nachgekommen ist, so hat er doch andererseits ihr auch gute Dienste geleistet, unter denen die weise Aufhebung des Edikt von Nantes (...).
Doch Alles in Allem, wahr ist, dass der König nicht seiner Aufgabe nachgekommen ist, zu der er von der göttlichen Vorsehung berufen worden war.
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Nun kommt die demütige Nonne aus Paray-le-Monial dazwischen. In einer Offenbarung teilte ihr der göttliche Erlöser mit, sie solle dem König sagen, er solle sich und sein Reich dem Heiligsten Herzen weihen. De Mitteilung wurde in Befehlston gesprochen und ließ deutlich vormerken, dass eine Ablehnung von Seiten des Königs, ihm und Frankreich die strengsten Leiden aufbürden würde.
Es ist eindeutig, dass das Heiligste Herz Jesu nicht nur eine Weihe „pro forma“ wollte, sondern eine echte Weihe, die eine Entsagung aller Sünden und Irrtümer des Monarchen voraussetzte.
Die hl. Margareta Maria schickte dem König die Botschaft über einen Adeligen, mit dem sie in Verbindung stand, der sie ihm überreichte. Doch Ludwig gab ihr keine Achtung, hielt sie für nicht wichtig. So wurde die Weihe nicht vollzogen.
Mit der Ablehnung dieser von der Vorsehung gesandten Gnadenquelle, schlitterte das Reich in die Abgründe der Gottlosigkeit und der Freigeisterei, bis das der Überlauf dieser Übel, die Französische Revolution, den Thron der Bourbonen zu Boden stürzte und über die ganze Welt die diabolische und zündende Fackel des Geistes der Aufruhr verbreitete.
Ludwig XVI im Gefängnis
Man weiß jedoch nicht, ob die Erinnerung an die Mitteilung der hl. Margareta in der Familie der Bourbonen sich erhalten hat oder ob folgende Handlung Ludwig XVI. eine spontane fromme Bewegung war. Es wurde nämlich unter den Papieren, die der König im Gefängnis des Tempels hinterlassen hat, ein Schriftstück gefunden, in dem er Gott versprach, falls er die Revolution lebend überstehen würde, sich und Frankreich feierlich dem Heiligsten Herzen Jesu weihen, und dass er sofort im Gefängnis diese Weihe privat vollziehen würde. So glaubte er hoffen zu können, dass das Heiligste Herz Jesu Frankreich aus den Gräueln der Revolution herausziehen würde.
Der fromme und unglückliche Monarch vollzog also im Gefängnis den Weiheakt, den sein Vorfahre sich geweigert hatte in der Pracht und Herrlichkeit des Schlosses von Versailles durchzuführen. Es scheint aber, dass die Stunde der Barmherzigkeit schon abgelaufen und es schon zu spät war, den Lauf der göttlichen Gerechtigkeit aufzuhalten.
Persönlich wurde Ludwig XVI. mit der Gnade belohnt, auf erbaulicher Weise zu sterben. Einige meinen er sei den Tod eines Märtyrers gestorben. Als er zum Schafott hinaufstieg, erzählt man, wollte der Henker seine Hände mit Stricken fesseln, was er mit aller Entschiedenheit verweigerte, so dass es zu einem kurzen Handgemenge kam. Der König wandte sich dann zu seinem Beichtvater, der ihn begleitete, und fragte, was er davon hielte. Sofort antwortete der Priester: „Wenn Eure Majestät sich fesseln lassen, wird ihr Tod ein weiteres Merkmal der Ähnlichkeit mit dem Tod unseres Erlösers haben“. Ohne zu zögern gab der König den Widerstand auf. Kurz darauf fiel sein Kopf unter der Klinge des Fallbeils. Der Priester, der ihn begleitete, rief aus: „Sohn des hl. Ludwig, steige zum Himmel hinauf“!
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Es ist möglich, dass die Stunde die Barmherzigkeit vergangen war. Doch nicht endgültig. In Frankreich gab es von dieser Zeit an zu viele Heilige, dass man sagen könnte, die Stunde der Barmherzigkeit Gottes wäre vorbei. Selbst heute, wenn Frankreich in tiefer Trauer liegt und eine Hälfte der Bevölkerung die andere nicht mehr anerkennt, kann man behaupten, dass es Heilige gibt. Wirkliche Heilige, authentische Heilige, die im Halbdunkel des Landes leben und durch ihre Buße, Gebete und Arbeit das große Frankreich von Morgen vorbereiten, das weder das liberale Frankreich von Gestern sein wird noch das totalitäre Frankreich von Vichy, aber das katholische Frankreich Unseres Herrn Jesus Christus.
Während in Europa die Gesetzgeber eine Reform der Institutionen, das Militär eine Reform der Grenzen, die Banken eine Reform der Wirtschaft ganz nach dem Geschmack der modernen Häresien durchführen, führen im Halbdunkel die Heiligen eine Reform der Seelen durch. Durch eine echte Reform der Seelen werden sie die falschen Reformen der Institutionen und der Wirtschaft zerstören.
Therese Neumann
Keinen anderen Sinn hat das Werk der großen und heiligen Therese Neumann, die die Vorsehung wie eine Blume der Hoffnung und des Trostes in Deutschland gepflanzt hat, das von einem grauen Mantel bedrückender Traurigkeit bedeckt ist. Es sind Seelen wie Therese Neumann, die die großen Siege erreichen über Menschen wie Hitler. Mit Sicherheit ist Therese Neumann nicht die einzige Sühneseele in Deutschland und es fehlen in Frankreich bestimmt nicht ähnliche wie sie...

(Legionário Nr. 423, 20. Oktober 1940 - freie Übersetzung)