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Freitag, 16. Oktober 2026

Manifest der A.U.C. – Katholische Universitätsaktion

 „O A.U.C.“, Jahrgang I, Nr. 1, Oktober 1930

Zur Verteidigung der höchsten Interessen
der Kirche, der Zivilisation und des brasilianischen Vaterlandes.

Die „Ação Universitária Católica“ (Katholische Universitätsaktion) von São Paulo ist gegründet worden – eine Vereinigung, die sich die Bekräftigung, Verbreitung, praktische Umsetzung und Verteidigung katholischer Prinzipien zum Ziel gesetzt hat; dies nicht nur im Austausch unter Studierenden, sondern auch in deren Wirken gegenüber der Familie und dem Vaterland.

An die Studierenden im Allgemeinen und die katholischen Studierenden im Besonderen richtet sich dieses Manifest, das das Ziel der A.U.C. umfasst. Viele haben bereits eine Vorstellung von dieser großartigen Bewegung zur geistigen Erneuerung der brasilianischen Gesellschaft. Jene, die sie mit Sympathie aufgenommen haben, tragen gewiss die folgenden Worte – die wie ein Weckruf klingen – in ihrem Bewusstsein: Es ist ein entscheidender Augenblick. Doch auch jene, die ihr skeptisch, gleichgültig oder atheistisch mit der ihnen eigenen Kühle begegnet sind, wissen – vielleicht sogar besser als die Gläubigen –, dass es einen solchen entscheidenden Augenblick gibt: nämlich jenen Moment, in dem die Überzeugung des Menschen zwischen zwei Extremen schwankt – dem Irrtum und der Wahrheit. Genau in einem solchen Augenblick befindet sich unsere Zivilisation heute.

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Die katholische akademische Jugend bekennt sich in ihrer Gesamtheit zu den Dogmen der Heiligen Kirche

Ein Blick auf die Geschehnisse in Brasilien führt zu der unumstößlichen Erkenntnis, dass es nicht länger möglich ist, in einer Trennung von religiösem und bürgerlichem Bewusstsein zu leben – als ob sich Letzteres nicht von Ersterem inspirieren lassen müsste. Dies gilt ebenso für das Verhältnis zwischen akademischem und religiösem Bewusstsein, zwischen dem Bewusstsein des Lehrenden und dem des katholischen Gläubigen, sowie zwischen dem Bewusstsein der Regierenden und dem der Regierten, die zur Selbstführung berufen sind. Denn das gesamte gesellschaftliche Leben leidet unter den Übeln, die aus der Abkehr von jenen unvergänglichen Prinzipien resultieren – Prinzipien, die der Menschheit jene Leitlinien gaben, an denen sie sich bis heute orientiert. In Brasilien hat sich leider ein Übel ausgebreitet, da die übersteigerte Trennung von Kirche und Staat zu einem gefährlichen Vorurteil gegen den Katholizismus geworden ist.

Seit der Ausrufung der Republik wurde der Katholizismus aus dem Bewusstsein der Bürger und Regierenden verdrängt – eine Folge jenes verhängnisvollen Vorurteils, wonach ein guter Bürger nur derjenige sei, der im zersetzenden Laizismus geprägt wurde und diesen im öffentlichen Leben zu seinem Banner macht.

Hierin liegt die Ursache für die Auflösung der Charaktere und die Gefahr eines drohenden Zerfalls unserer geistigen Einheit – jenes entscheidenden Faktors für den nationalen Zusammenhalt.

Aus diesem erschlafften, konturlosen und bedrohlichen Umfeld erhebt sich heute die katholische akademische Jugend. Ihr katholisches Bewusstsein wurde durch die Enttäuschungen und beschämenden Kapitulationen geweckt, die sie in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens beobachten muss. Gestützt auf die zwanzig Jahrhunderte alte Autorität der römisch-katholischen Kirche, bekennt sie sich uneingeschränkt und ohne jeden Vorbehalt zu deren Dogmen. Sie erklärt, dass sie niemals einen anderen Weg als den des katholischen Glaubens einschlagen wird und dass sie sich mit entschlossenem Handeln jener Lehre und jenen Ansprüchen entgegenstellen wird, die die Kehrseite des Problems bilden, welches das Christentum beunruhigt und bedroht: der Bolschewismus und seine abgemilderten Formen.

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Entweder sind wir durch und durch katholisch, oder wir fungieren als Bindeglied zwischen Katholizismus und Bolschewismus

Angesichts dieser prekären Lage – wobei einerseits das Bewusstsein der gesamten zivilisierten Menschheit noch in Trägheit verharrt, während andererseits die tragischste Erfahrung einer ganzen Gemeinschaft vor Augen steht – gelangen wir zu der festen Überzeugung, dass es ein Übel gibt, das ganz und gar unser eigenes ist: ein Produkt der verbrecherischen Vernachlässigung unserer selbst durch uns selbst. Dieses Übel besteht in der Verdrängung – im Bereich des öffentlichen Lebens – der unerlässlichsten Glaubensbekundungen des Katholizismus, und zwar in all jenen Bereichen, in denen der Staat auf die Erziehung der neuen Generationen einwirkt. Da er gezwungen ist, den Anschein eines Organismus zu wahren, der vollkommen an unsere moralischen Gegebenheiten angepasst ist, hat sich der agnostische Staat zu einem Laboratorium für schädliche politisch-religiöse Heuchelei entwickelt.

Die A.U.C. beweist durch unmissverständliche Taten und feste Handlungsprinzipien, dass der Katholizismus über allen Parteien stehen muss – in deren wechselhafte Belange sie sich nicht einmischt. Gerade deshalb muss er jedoch der unumgängliche Maßstab für all jene sein, die bereit sind, in edlen Auseinandersetzungen für das Wohl der Gemeinschaft zu kämpfen. Wo immer also ein kollektives Organ tätig ist, dort muss auch das katholische Gewissen präsent sein – kompromisslos gegenüber jeglichem Paktieren mit dem Irrtum oder mit niederen Eigeninteressen. Unser besonderes Augenmerk gilt der Jugend, deren Indifferentismus wir den totalen Krieg erklären. Ebenso erklären wir den Krieg jenen, die sich durch Anmaßung oder geistige Willensschwäche auszeichnen; jenen, die sich zwar als Katholiken bezeichnen, aber Autoren wie Wilde, Anatole [France], Ibañez und viele andere – Wegbereiter des Anarchismus – zu ihrem Lebensprogramm machen. Wir kennen keinen Pessimismus und keine Scheu vor dem Opfer – jene Übel, die – neben egoistischen Sorgen – den wertvollen Anlagen so vieler junger Menschen mit katholischer Prägung und moralischen Reserven entgegenstehen. Diese Reserven dürfen nicht länger ungenutzt bleiben; denn entweder sind wir Katholiken im vollen Sinne, oder aber wir fungieren lediglich als Bindeglied zwischen dem Katholizismus und dem Bolschewismus.

Mit diesem Manifest beabsichtigt die A.U.C., die Lauwarmen auf das Klima idealistischer Illusionen aufmerksam zu machen, an dessen Aufrechterhaltung sie mitschuldig sind; die katholischen Studenten, die sich noch nicht zum Handeln entschließen konnten, dazu zu bewegen, nun endlich Stellung zu beziehen; und diejenigen, die bereits zum Kampf bereit sind, dazu aufzurufen, sich unverzüglich der A.U.C. anzuschließen – wofür die entsprechenden Verpflichtungserklärungen unterzeichnet werden müssen, die in Kürze an dieser Hochschule verteilt werden.

Wir stehen nicht allein. Wir stützen uns auf die Leitlinien, die unserer geistigen Bildung zugrunde liegen. Wir stehen auf der Seite jener Religion, gegen die sich die Irrtümer und der Hochmut des Menschen niemals durchsetzen konnten. Wir vertreten somit die höchsten Interessen der Zivilisation und des brasilianischen Vaterlandes.

Interessenten können sich an den jeweiligen Fakultäten an die folgenden Herren wenden: Adolpho de Mello Junior, Alberto Maricato, Archimedes Barros Pimentel, Clovis Siqueira, Guilherme Lyra, Henrique Chabassus, Luiz Lins de Vasconcellos, Svend Kok, Tasso de Moraes Junior und Telemaco van Langendonk (Polytechnische Fakultät); Angelo Simões de Arruda, Augusto de Souza Queiroz, Edgard Pinto de Souza, José Pedro Galvão de Sousa, Joaquim Paes de Barros Netto, Milton de Souza Meirelles, Roberto Caldas, Plinio Corrêa de Oliveira und Walter Torres (Juristische Fakultät); Arthur Wolf Netto, Altenfelder Silva, Hugo Ribeiro de Almeida, João Noel von Sonleitner, Oswaldo Pedroso, Paulo de Carvalho e Castro, Pedro Moncau Junior und Vasco Ferraz Costa (Medizinische Fakultät).

 

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Das Aktions- und Kampfprogramm der „Ação Universitária Católica“ (Katholische Universitätsaktion)

„O A.U.C.“, Jahrgang I, Nr. 1, Oktober 1930, S. 1 und 3

Hiermit beginnt das Öffentliche Wirken von
Plinio Corrêa de Oliveira im Jahr 1930 als Student der
der Rechtswissenschaftlichen Universität in São Paulo, BR


Das Programm der A.U.C. (Ação Universitária Católica)

Angesichts des gewaltigen ideellen Fundaments, über das die A.U.C. verfügt, mangelt es uns nicht an nützlichen und patriotischen Initiativen, die wir ergreifen können.

Dazu zählt – als zentraler Punkt – das Apostolat unter den Kommilitonen. Das Mitglied der A.U.C. ist im Wesentlichen ein leidenschaftlicher Verfechter katholischer Prinzipien – sei es durch das Wort oder durch das eigene Beispiel. Kommilitonen, die sich von der Kirche entfernt haben, wieder an sie heranzuführen, Zweifel auszuräumen (die fast immer aus einem eklatanten Mangel an religiöser Bildung herrühren) und die katholische Moral – die in ihrer unnachgiebigen Strenge so erhaben ist – zu verbreiten: Das sind die vornehmlichen Aufgaben des A.U.C.-Mitglieds im Umgang mit seinen Kommilitonen.

Doch damit endet seine Aufgabe nicht. Indem das A.U.C.-Mitglied das Licht des Glaubens auch auf den juristischen Bereich ausdehnt, soll es sein Studium stets an seinen katholischen Überzeugungen ausrichten. Es soll dafür sorgen, dass die weisen und zahlreichen juristischen Richtlinien der Kirche bekannt gemacht – und in der Folge von allen Kommilitonen angenommen und geschätzt – werden. Zu diesem Zweck wird die A.U.C. die Einfuhr katholischer juristischer Fachliteratur in die Wege leiten und deren Verbreitung nach Kräften fördern.

Im akademischen Leben wird die A.U.C. stets in erster Linie die katholischen Interessen im Blick behalten.

Darüber hinaus wird das A.U.C.-Mitglied bestrebt sein, dem akademischen Leben ein eindeutig katholisches Gepräge zu verleihen. Anstatt sich von gemeinschaftlichen Veranstaltungen oder dem akademischen Leben fernzuhalten, wird es sich aktiv in alle Debatten einbringen, die für die Studierendenschaft von Bedeutung sind, und sich als leidenschaftliches und engagiertes Mitglied in das Zentrum einbringen. Ihr Hauptanliegen werden jedoch stets die katholischen Prinzipien und Interessen sein, für die sie sich mit Eifer und Disziplin einsetzen wird.

Man sollte nicht behaupten, dass die im „Centro“ (Zentrum) erörterten Themen für die katholischen Prinzipien irrelevant seien. Zwar werden dort häufig Fragen diskutiert, die uns als Katholiken gleichgültig lassen – etwa Anträge zu den meisten außenpolitischen Problemen oder Fragen, die die Beziehungen zwischen den politischen Gruppierungen der Fakultät betreffen. Es gibt jedoch viele andere Angelegenheiten, bei denen katholische Interessen unmittelbar auf dem Spiel stehen und in die die A.U.C. zweifellos eingreifen wird.

Was politische Probleme betrifft, so sind für die A.U.C. nur jene von Belang, die einen religiösen Bezug aufweisen.

Aus diesem Grund ist das Bestreben der A.U.C., herzliche Beziehungen zum „Centro“ zu pflegen, ebenso verständlich wie das Interesse, das die Wahl für bestimmte Ämter in dessen Vorstand hervorruft.

Es liegt auf der Hand, dass der Vorsitzende, der Redner oder ein Mitglied des Redaktionsausschusses uns sehr nützen oder aber schaden können. Daher hat die A.U.C. beschlossen, in die Wahlkämpfe einzugreifen, indem sie die Stimmen ihrer Mitglieder auf jene Kandidaten lenkt, die dem Programm der A.U.C. am wohlgesonnensten sind.

I) Die A.U.C. wird für ihre Mitglieder nur jene Ämter anstreben, die für die Umsetzung ihres Programms von Bedeutung sind.

II) Obwohl sie – um den Erhalt der angestrebten Ämter zu erleichtern – selbstverständlich eine Absprache mit einer der Parteien treffen mag, wird sie mit keiner von ihnen verschmelzen; ebenso wenig wird sie Vereinbarungen eingehen, die über den Wahlkampf und bestimmte Aspekte der Amtsführung des unterstützten Kandidaten hinausgehen.

III) Eine solche Vereinbarung schließt die A.U.C. nur mit einer der Parteien ab, nachdem sie deren Vorrang aus katholischer Sicht festgestellt hat.

IV) Die A.U.C. greift in politische Angelegenheiten ein; doch sofern ein *Modus vivendi* gefunden werden kann, der ihre Interessen derart absichert, dass ein solches Eingreifen nicht mehr erforderlich ist, verpflichtet sie sich schon jetzt dazu, jegliches Handeln im Kontext des politischen Kampfes einzustellen.

V) Obwohl die A.U.C. einzelne Kandidaten unterstützt, stellt sie folglich keine Partei dar:

a) da ihr Einfluss im „Centro“ für sie lediglich ein Mittel und keinen Selbstzweck darstellt.

b) da sie sich bei politischen Fragestellungen ausschließlich für jene interessiert, die einen religiösen Bezug aufweisen – während eine ordnungsgemäß organisierte Partei sich mit sämtlichen Problemen befassen muss, die das Gemeinwesen betreffen.

c) Daraus folgt: Während die Parteien der Fakultät bei allen gemeinschaftlichen Fragen – mit Ausnahme religiöser Belange – eine gewisse Parteidisziplin auszuüben pflegen, wird die A.U.C. ihre Disziplin auf Fragen religiöser Natur beschränken, ihren Mitgliedern hingegen in rein politischen Angelegenheiten volle Freiheit gewähren.

Die Vorteile

In Frankreich gibt es keine katholische Partei; dennoch beschloss die „Katholische Sozialaktion“ (Ação Social Católica) bei den letzten Wahlen, dass ihre Mitglieder nur für Abgeordnete stimmen sollten, die gegen die „Einheitsschule“ (Escola Única) eingestellt waren. Durch diese Taktik stieg die Zahl der Abgeordneten, die sich gegen das Vorhaben aussprachen, auf 277 – eine Gesamtzahl, die andernfalls niemals erreicht worden wäre.

Hier drängt sich eine Frage auf: Hätten die brasilianischen Katholiken stets so gehandelt – wäre es dann zu jener Reihe ungerechter Maßnahmen gekommen, mit denen die Kirche in Brasilien bedrängt wurde?

Ein Punkt zur Klarstellung

Es ist möglich, dass einige der Parteien an der Hochschule – ungeachtet der herzlichen Beziehungen, die die A.U.C. zu ihnen pflegen möchte – der Ansicht sind, sie könnten keine Studenten in ihren Reihen dulden, die sich verpflichten, für Kandidaten zu stimmen, die von der A.U.C. und nicht von der jeweiligen Partei benannt wurden. Wir wollen ihnen dies nicht verübeln; sie haben das Recht, gemäß ihren eigenen Interessen zu handeln. Dennoch könnte der Eindruck entstehen, die A.U.C. verleite ihre Mitglieder dazu, bereits eingegangene parteipolitische Verpflichtungen zu brechen.

Lassen Sie uns dies erläutern. Die A.U.C. ist eine neue Vereinigung. Als die jungen Männer den anderen Parteien beitraten, kannten sie die A.U.C. noch gar nicht. Nun ist eine neue Vereinigung entstanden; ich frage: Haben sie nicht das Recht, sich ihr anzuschließen – vorausgesetzt, sie entspricht ihren Idealen umfassender als jene Gruppierung, der sie zuvor angehörten? Selbstverständlich haben sie dieses Recht. Wäre dem nicht so, dann gehörten wir heute noch immer den liberalen oder konservativen Parteien der Monarchie an.

Schlussfolgerung

Damit ist unsere Haltung offen und aufrichtig dargelegt. Wir glauben nicht, dass sich jemand ernsthaft dagegen auflehnen kann.

Wir können auf unsere Vergangenheit verweisen; gegen die jungen Männer, die nun die A.U.C. gründen, lässt sich nichts vorbringen. Auch die Zukunft wird auf unserer Seite stehen. Gebt der Zeit Zeit, und ihr werdet unser Programm besser verstehen, wenn ihr seht, dass es mit aufrichtiger Ehrlichkeit umgesetzt wird.

Es bleibt uns nur noch, ein weiteres Mal zu bekräftigen, dass wir allen Parteien mit Wohlwollen begegnen. Wir sind mit keiner von ihnen verschmolzen. Wir bekämpfen keine von ihnen.

Wir werden für gute Ideale eintreten und gegen schlechte Ideale kämpfen. Für uns zählen keine Personen, sondern Ideen.

Und, fest in unserem Entschluss und der eingeschlagenen Richtung, bleibt uns nur eines: zu handeln – unter dem Segen Unserer Lieben Frau von Aparecida, der Patronin Brasiliens, und des heiligen Aloisius von Gonzaga, des Sinnbilds der Reinheit und der katholischen Jugend –, im Vertrauen auf die Zukunft der Kirche und unseres Vaterlandes, das wir von ganzem Herzen lieben.

Plinio Corrêa de Oliveira

 

Aus dem Portugiesischen in https://www.pliniocorreadeoliveira.info/

Dienstag, 13. Oktober 2026

Prof. Plinio Corrêa de Oliveira, glühender Sohn der Heiligen Kirche...

... und Anführer der Wiederherstellung der Christenheit


Am zweiten Jahrestag des Todes von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira ist es an der Zeit, sich auf die Rolle zu konzentrieren, die sein Werk und das Beispiel seines Lebens als Leitfaden für die Bewältigung der Krise unserer Tage spielen, in dem Moment, in dem sie eine Schwere erreicht, die vor einigen Jahren nur wenige hätten vorhersagen können.


Sein Leben war eine kontinuierliche, befreite und wachsende Verwirklichung des Gebots, das der heilige Paulus den Katholiken aller Generationen „nolite conformari huic saeculo“ gegeben hatte, sich nicht der Welt anzupassen (Röm. 12, 2), das heißt, sich nicht von den Fehlern, Sünden und Tendenzen mitreißen zu lassen, die in jeder Epoche sozusagen den Punkt darstellen, durch den der Teufel sie am meisten beeinflusst und die Menschen von den Plänen Gottes entfernt.

Dies war eine umso bewundernswerte Leistung, als in katholischen Kreisen lange Zeit die gegensätzlichen Wünsche der Anpassung an die Welt vorherrschten, so dass es leider, so kann man sagen, heute keine Verirrung mehr gibt, die nicht in einer etwas abgeschwächten, vermeintlich katholischen Version vorliegt, die bei den Gläubigen immensen Schaden anrichtet.

Das Hauptwerk von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira, „Revolution und Gegenrevolution“, das 1959 veröffentlicht wurde, wendet diesen Grundsatz des Apostels auf die heutige Realität an, erklärt den Prozess, der die Geschichte der letzten Jahrhunderte verfolgte, und gibt die Normen an, die befolgt werden müssen, damit der katholische Geist die Gesellschaft vollständig durchdringt, anstatt dass der Geist der Welt die Kirche und die Seelen verunreinigt und die wahre Zivilisation zerstört.

Dieses Prinzip der Nichtkonformität mit dem Jahrhundert hatte in verschiedenen Formulierungen in vielen Situationen und Zeiten große Auswirkungen auf das Leben der Kirche und trug umso mehr Früchte, je tiefer es in die Mentalität der Menschen eingeprägt war. Als sie in ihn eindrangen, brachten sie großartige und erhabene Kulturen, Errungenschaften und Heldentaten hervor, gerade weil der göttliche Einfluss in irgendeiner Weise in ihnen vorhanden war. Mit anderen Worten: dass sich die Kirche, sich nicht der Welt anpasste, führte dazu, dass sich diese der Kirche anpasste.

Aus dieser Perspektive waren die Lehren des hl. Agustinus in der „Stadt Gottes“ jahrhundertelang ein wahrer Leuchtturm, der kürzlich konvertierten – und manchmal sogar neu gegründeten – Nationen bei den ersten Schritten des Glaubens, den sie empfingen, und den Zivilisationen, die sie zu bilden begannen, leitete. Nach diesen Lehren kämpfen die beiden Städte, die Stadt Gottes und die Stadt der Welt, geleitet von der Liebe des Schöpfers bzw. von der Liebe der Menschen zu sich selbst, gegeneinander. Dies sind die beiden Pole, um die sich die Menschen versammeln, einer unter dem Banner Gottes und der Führung der Kirche und der andere unter der Schirmherrschaft des Teufels.

Wie „Revolution und Gegenrevolution“ zeigt, durchdrang die Anwendung dieses Prinzips seit dem Untergang des Römischen Reiches die Bevölkerung Europas mit christlichem Einfluss und inspirierte Institutionen, Gesetze, Bräuche und Traditionen, die letztendlich aus dem Gesetz Gottes hervorgingen.

So entstand die Christenheit, eine Familie von Nationen, die im Lichte der Lehren der Heiligen Kirche dachten, wollten und kämpften. Doch seit dem Niedergang des Mittelalters hat der revolutionäre Prozess die Christenheit zersetzt und die Welt zu aufeinanderfolgenden Höhepunkten von Neuheidentum, Amoralität, Egalitarismus und Korruption geführt, sich auf den spirituellen und weltlichen Bereich ausgewirkt und kirchliche Umgebungen oft ihrer Reaktionsfähigkeit beraubt.

Zu Beginn dieses Jahrhunderts, als Prof. Plinio Correa de Oliveira seinen Kampf für die Kirche und die Christenheit begann, griff die Gottlosigkeit die Katholiken heftig an, da sie eine Folge des Liberalismus und Säkularismus darstellte, der seit der Französischen Revolution weite Teile der Welt heimgesucht hatte. Die Menschheit hatte mehr als ein Jahrhundert fast ununterbrochener Stürme, jedoch unterschiedlicher Stärke, durchgemacht, die kurz darauf einerseits zu einer Explosion des Hasses auf die christliche Zivilisation, den Kommunismus, und andererseits zu einer feurigen und unerschrockenen katholischen Reaktion führen würden.

Diese Angriffe hatten vielen Gläubigen Angst gemacht, die mit Schüchternheit und Menschenfurcht zu kämpfen hatten oder sich von den in der Welt vorherrschenden Trends verführen ließen; das heißt, einige folgten dem Fehler, sich der Welt anzupassen, manchmal völlig, indem sie sich von der Gottlosigkeit mitreißen ließen, manchmal, ohne bis zu diesem Extrem zu gehen, in einer scheinbar katholischen, aber mittelmäßigen Position zu zittern, was dazu beitrug, die Kirche als Ziel ständiger Angriffe zu halten und viele feurige Seelen von ihr zu entfremden, die diese Schüchternheit nicht verstand.

Allerdings den Lehren und dem Beispiel des Hl. Papstes Pius X. folgend, der seinen Plan verkündet hatte, alles in Unserem Herrn Jesus Christus zu erneuern, kam es zu einer heftigen Reaktion seitens der Katholiken, die verstanden hatten, dass der Göttliche Erlöser und die Kirche nicht nur die begeisterte Unterstützung der Seelen, sondern auch der Gesellschaft verdienen, wobei spürbar ist, dass es dafür entscheidend ist, dass diejenigen, die die unvergleichliche Gnade des Glaubens empfangen haben, dies mit Unerschrockenheit verkünden, denn dies wird die Feinde der Kirche zurückweichen lassen.

Diese kämpferische Geisteshaltung hatte in Prof. Plínio Corrêa de Oliveira bereits in den ersten Jahren seines öffentlichen Lebens ihren Hauptvertreter, der der lebhaften Bewegung der Marianischen Kongregation einen beispiellosen Impuls gab, in entscheidender Weise zur Entstehung des Katholischen Wählerbundes beitrug, der für die Geschichte Brasiliens so große Bedeutung haben sollte, und den Eifer der Massen entfachte, indem er zeigte, dass die Heilige Kirche eine kolossale Macht war, nicht nur durch die Hilfe göttlicher Kraft, sondern auch durch den feurigen Anschluss unzähliger Gläubiger. Mit einem Wort: Nach mehr als einem Jahrhundert antikatholischer Offensive war die Kirche ungeschlagen und ihre Feinde zermürbt.

Eine Reaktion gegen Glaubensgegner und mittelmäßigen Katholiken

Der angesehene katholische Führer beschrieb 1944, 17 Jahre nachdem er die Führung des „Legionário“ übernommen hatte, das Ideal, das ihn durch dieses Epos leitete, das so viel dazu beigetragen hatte, den Schwung der brasilianischen katholischen Jugend wiederherzustellen: „Wir befanden uns in der endgültigen Liquidierung des liberalen Regimes. Durchdrungen von Skeptizismus, Latitudinarismus, Materialismus, deformiert durch die niedrige und deprimierende Sprache der Presse, durch den ausschweifenden Geist von Theater und Kino, durch die Umgebung von krasser Trivialität, in der sich die Jugend entwickelte, strebten wir alle nach einem höheren Ideal. Wir hatten keinen Zweifel über dieses Ideal. Es war der Katholizismus, der die Fülle aller wahren und edlen Ideale war. In der Atmosphäre, die wir einatmeten, trennten uns zwei Umstände von diesem Ideal. Einerseits die offensichtlichen Feinde der Religion: die Freimaurer, die Spiritisten, die Protestanten, die Atheisten. Andererseits, die Billiganbieter des christlichen Geistes: die die halb-Katholiken, Vielbeter und… Vielsünder. Menschen, die glaubten aber nicht praktizierten, Menschen die an diesem Dogma glaubten, aber nicht an jenem; Menschen mit christlichem Etikett, die alle Symptome der Bequemlichkeit, der Vernachlässigung, der Gleichgültigkeit des weltlichen Geistes beibehielten. Katholiken schließlich, für die die Kirche eine Last war, die sie ohne Begeisterung trugen, ein Ideal mit dem sie sich selbst betrogen, eine Geisteshaltung, die sie auf aller Art und Weise versuchten dem Zeitgeist anzupassen, damit sie auch einen üppigen und bequemen Platz bekämen an der großen Festtafel Baltasars, die die letzten Jahre der liberalen Demokratie waren.

„Protestanten, Spiritisten, Freimaurer, zutiefst verachtete Katholiken der gegenwärtigen Art. Sie wussten im Voraus, dass er der große Verlierer war, denn im richtigen Moment würde er die Last des Katholizismus abwerfen, um so die Freude am Leben zu retten. Unter diesen Menschen, die zwei Kerzen anzündeten, eine für Gott und die andere für den Teufel, wurde Gottes Kerze schwächer, brannte nieder und flackerte. Die Kerze des Dämons war neu, weiß, hart, ihre Flamme war fett und funkelnd. An dem Tag, als Gottes Kerze begann, den Bürgern die Finger zu verbrennen, zweifelten weder der Spiritist noch der Freimaurer noch der Protestant daran, was der selbstgefällige Bürger mit dieser unbequemen Zündschnur anfangen würde. Wir befanden uns in der letzten Dämmerung des Sonnenuntergangs der Christenheit.

„In der Reaktion, die den Horizont klärte, gab es zwei implizite Reaktionen. Eine gegen die Gegner des Glaubens, die aus der Härte der Schläge, die sie erhielten, lernen sollten, dass ihnen das Feld nicht mehr vorbehaltlos offenstand, für ihre Unverschämtheit, ihre Kühnheit, ihre zynische Verachtung des Katholizismus. Eine andere gegen die Katholiken der halben Maßstäbe – „Café au lait-Katholiken“, hieß es damals –, die mit dem Skandal ihrer Lauheit konfrontiert waren verbreitete überall die Vorstellung, dass der Katholizismus vor Schwäche sterben würde“ (O Legionário Nr. 616, 28. V. 1944, „17 Jahre“)

Der Kampf gegen die Feinde der Kirche war jedoch noch weit vom Sieg entfernt, denn da sie eine Niederlage im offenen Kampf vorhersahen, begannen sie eine Doppeloffensive: Einerseits förderten sie Bewegungen, die dem Nazi-Faschismus ähnelten, um kämpferische Katholiken anzuziehen und abzulenken, und andererseits korrodierten sie die Katholische Aktion mit Einflüssen, Ideen, Initiativen und Tendenzen, die die modernistischen Fehler widerspiegelten, die der hl. Pius X. als Synthese aller Häresien verurteilt hatte, und so die Grundlagen der Verteidigung der Kirche gegen die Laster und Angriffe der Welt untergruben..

Gegen beide Irrtümer führte Prof. Plinio Corrêa de Oliveira einen unaufhörlichen Kampf, sei es auf den Seiten des Legionário oder im direkten Apostolat, indem er Schlüsselpersonen aufklärte und polemisierte, wobei er immer zeigte, dass Katholiken die Standarte des Glaubens mit all seinen natürlichen Konsequenzen im weltlichen Bereich erheben sollten, ohne ihn zu verharmlosen und vor allem ohne ihn gegen die von der Welt propagierten neuheidnischen Fahnen einzutauschen.

Sein Werk „Em Defesa da Ação Católica“ (Zur Verteidigung der Katholischen Aktion) – veröffentlicht, um diese vor eingedrungenen Irrtümern zu bewahren und zu verhindern, dass sie weiterhin zu einem Instrument der Entchristlichung umgeformt wurde – war ein mutiger Warnruf. von dessen Auswirkungen sich der Progressivismus bis heute nicht erholt hat; denn er hörte auf, ein Phänomen zu sein, das den Katholizismus als Ganzes zu erfassen drohte, und wurde stattdessen zu einem bloßen Problem der Sakristeien. Die Urheber dieser Zersetzung rächten sich jedoch an dem Verfasser der Anklage durch jahrzehntelanges Raunen und Gerede, ungeachtet der Ermutigung, die er von hohen kirchlichen Würdenträgern und sogar vom Heiligen Stuhl erfahren hatte.

Würde auch nur eine einzige der Wahrheiten, die die Heilige Kirche lehrt, verfälscht, so verlöre sie ihre Identität.

Zugleich warnten seine unermüdlichen Anklagen gegen die Irrtümer des Nationalsozialismus und Faschismus – gerade als diese ihren Höhepunkt erreichten – Hirten und Gläubige vor dieser Form der Verheidlichung und verhinderten, dass sie weiter um sich griff und die katholische Weltmeinung zersetzte. Dass diese Warnungen in katholischen Kreisen – sowohl in Brasilien als auch im Ausland – Gehör fanden, führte für den Verfasser – wiederum aufgrund seines leidenschaftlichen Eintretens für die Treue zur Kirche – zu einer zunehmenden Isolierung; dies geschah gerade deshalb, weil bedeutende Prälaten eine Anpassung der Kirche an das wünschten, was einige Jahrzehnte später als „Zeichen der Zeit“ bezeichnet werden sollte. Im Eintreten für eine integre und entschlossene Verteidigung der katholischen Lehre schrieb er 1941 im „Legionário“: „Die Kirche wird niemals diese Gabe verlieren, die Seelen anzuziehen. Sie zu leugnen, hieße zu leugnen, dass Jesus Christus Gott ist oder dass die Evangelien inspirierte Bücher sind. Sie zu leugnen, bedeutet folglich, die Religion selbst zu leugnen. Doch besitzen alle diese Wahrheit, die doch alle anerkennen, im gleichen Maße? Sehen alle sie mit gleicher Klarheit? Ziehen alle daraus dieselben Schlussfolgerungen?

„In den düsteren Tagen, die wir durchleben – da wir sehen, wie sich die (nazi-faschistische) Häresie über ganz Europa ausbreitet und die ganze Welt bedroht –, wie viele Menschen halten die Kirche für so gefährdet, dass sie zu Zugeständnissen in Glaubensfragen gegenüber den gegenwärtigen Weltherrschern neigen? Heutzutage ist die allgemeine Verheidnisierung der Sitten in alle Bereiche der Gesellschaft eingedrungen und hat einen Abgrund geschaffen, der immer tiefer wird: einen Abgrund zwischen dem Geist der Kirche und dem Zeitgeist. Angesichts dessen raten ihr viele zu moralischen Zugeständnissen, um sie mit jener Gesellschaft zu versöhnen, ohne deren Unterstützung man einen Zusammenbruch der Kirche in der Welt befürchtet – einen Zusammenbruch, der, wäre er nicht der Tod, zumindest einer lang anhaltenden Ohnmacht gleichkäme.

„(...) Was ist eigentlich die katholische Lehre? Sie ist eine Gesamtheit von Wahrheiten. Würde auch nur eine einzige dieser Wahrheiten verfälscht, wäre die katholische Lehre nicht mehr sie selbst. Sie also anpassen, zurechtbiegen oder gefällig machen zu wollen, bedeutet, darauf hinzuarbeiten, dass sie ihre Identität verliert – mit anderen Worten: es ist der Versuch, sie zu töten. Es bedeutet zu glauben, das Apostolat sei ohne diese Anpassung nicht möglich; es bedeutet zu glauben, die Kirche könne nur siegen, indem sie stirbt!“ („Legionário“ Nr. 448, 13. April 1941, „Nós também“ Auch wir).

Diejenigen, die starben, waren offensichtlich die Irrtümer des Nationalsozialismus und Faschismus; sie wurden postum von vielen ihrer einstigen Verbündeten angegriffen. Die Kirche hingegen überstand diese Gefahren mühelos, gerade weil sie sich weder einschüchtern noch beeinflussen ließ, als diese Ideologien scheinbar die Oberhand hatten. Doch schon bald regte sich erneut die Versuchung, sich mit Feinden einzulassen – diesmal mit anderen Irrtümern: dem Sozialismus und dem Kommunismus, die nach Kriegsende eine beispiellose Machtfülle erlangten.

Tatsächlich gerieten die kategorischen Verurteilungen des Kommunismus durch die Päpste im Laufe des letzten halben Jahrhunderts zunehmend in Vergessenheit und wurden missachtet. Viele Hirten glaubten, in dieser Ideologie ein vermeintliches Streben nach sozialer Gerechtigkeit und dem Wohlergehen des Volkes zu erkennen; einige schlossen sich sogar der „roten Sekte“ im Kampf gegen das Eigentumsrecht und andere Grundprinzipien der traditionellen katholischen Lehre – sowohl im moralischen als auch im sozioökonomischen Bereich – an.

Mehr noch: Innerhalb der Kirche gewann die Tendenz zur Entspannung gegenüber kommunistischen Regimen an Boden. Dabei unterließ man bisweilen die eigentlich gebotene Kritik am Kollektivismus und an der religiösen Verfolgung durch die „roten Henker“, in der Hoffnung, diese würden auf solche Gesten mit einer Mäßigung ihrer Angriffe auf die Kirche reagieren. Dies war die sogenannte „Ostpolitik“ des Vatikans, die den Katholiken nahelegte, ihren Widerstand gegen die kommunistische Offensive aufzugeben.

Als diese Vorgänge im Jahr 1974 eine Stetigkeit und ein Ausmaß annahmen, die einer Norm zu entsprechen schienen, veröffentlichte Prof. Plinio Corrêa de Oliveira gemeinsam mit allen TFP-Organisationen die „Erklärung des Widerstands“. Darin wurde proklamiert, dass die Gläubigen – dem Beispiel des heiligen Paulus folgend, der dem heiligen Petrus „ins Angesicht widerstand“ – gemäß der traditionellen katholischen Lehre das Recht haben, ihren Standpunkt respektvoll zu äußern.

Der Zusammenbruch des Sowjetregimes anderthalb Jahrzehnte später bewies, wie schwach dieses Regime war, wie heftig sich die betroffenen Bevölkerungen dagegen auflehnten und wie ungerechtfertigt folglich das Entgegenkommen gegenüber dem roten Feind gewesen war. Dies war ein erneuter Beweis für die Notwendigkeit, die oben zitierte, überaus weise Weisung des heiligen Paulus auf das heutige Leben anzuwenden.

Auf dem Höhepunkt des Verfalls, dem wir uns nähern – in einer Zeit, da man schwerwiegendsten moralischen Verirrungen Freiheit und Schutz gewähren und die Heilige Kirche daran hindern will, ihre Pflicht zur Verkündigung und Verteidigung ihrer Lehre (das heißt des Willens Gottes) zu erfüllen; da der Irrtum der Wahrheit das Recht auf Ausbreitung streitig macht und man der Sünde völlige Straffreiheit gewähren will.

Trotz aller Verfolgungen wird die Heilige Kirche triumphieren, denn sie ist göttlichen Ursprungs.

Es ist daher angebracht, heute jene Worte zu wiederholen, die ein bedeutender katholischer Kämpfer vor mehr als einem Jahrhundert niederschrieb – zu einer Zeit, als, genau wie heute, fast nur Stimmen zu hören waren, die nach Anpassung und Kompromissbereitschaft riefen:

„Als Unser Herr Jesus Christus starb, versiegelten die Juden sein Grab und bewachten es mit Soldaten; sie glaubten, alles sei nun zu Ende.

In ihrer Gottlosigkeit leugneten sie, dass Unser Herr der Sohn Gottes sei, dass er imstande wäre, das Grabgefängnis, in dem er lag, zu sprengen, und dass er vor allem die Kraft besäße, vom Tod zum Leben überzugehen. Nun, all dies ist geschehen. Unser Herr ist ohne jegliches menschliches Zutun auferstanden; unter Seiner Herrschaft bewegte sich der schwere Grabstein leicht und rasch beiseite, wie eine Wolke. Und Er ist auferstanden.

„Ebenso kann auch die unsterbliche Kirche scheinbar verlassen, geschmäht und verfolgt werden. Sie mag – dem Anschein nach besiegt – unter der Grabeslast schwerster Prüfungen liegen. Doch sie birgt in sich eine innere, übernatürliche Kraft, die von Gott stammt und ihr einen Sieg sichert, der umso glanzvoller ist, je unerwarteter und vollkommener er ausfällt“ (Legionário, Nr. 660, 1. April 1945, „Ostern“).

 

 

 Aus dem Portugiesischen von „Catolicismo“ Oktober 1997


Mittwoch, 25. März 2026

Plinio Corrêa de Oliveira und der Coetus Internationalis Patrum

Die Rolle Plinio Corrêa de Oliveiras in der Reaktion des konservativ-traditionalistischen Lagers während des Zweiten Vatikanischen Konzils und insbesondere im Coetus Internationalis Patrum wird zunehmend beleuchtet. Nach den Büchern von Roberto de Mattei und Benjamin Cowan folgt hier die Arbeit von Professor Philippe Roy-Lysencourt.


von Julio Loredo

Mit der Veröffentlichung neuer, bisher unveröffentlichter Dokumente wird die wichtige Rolle Plinio Corrêa de Oliveiras und der TFP (Tradition, Familie, Eigentum) in der Reaktion des konservativ-traditionalistischen Lagers während des Zweiten Vatikanischen Konzils und insbesondere im Coetus Internationalis Patrum, der Gruppe der Konzilsväter, die diese Reaktion anführten, immer deutlicher. Im Anschluss an die Bücher von Professor Roberto de Mattei [1] und Professor Benjamin Cowan [2] folgt hier die Arbeit von Professor Philippe Roy-Lysencourt. Philippe Roy-Lysencourt ist Professor an der Universität Laval in Québec und Gründer des Instituts für Christentumsforschung in Straßburg [3].

Vom „Kleinen Komitee“ zum Coetus

„Seit Oktober [1963] hatte der brasilianische Anführer ein Sekretariat in Rom eingerichtet, das aus vierzehn Personen bestand“, schreibt de Mattei. Er fährt fort: „Die beiden brasilianischen Bischöfe [Bischof Sigaud und Bischof de Castro Mayer] pflegten mit der organisatorischen Unterstützung und den strategischen Vorschlägen von Professor de Oliveira enge Kontakte zu konservativen Kreisen in Rom“ [4].

Aus diesen Kontakten ging das sogenannte „Kleine Komitee“ hervor, das sich später zum Coetus, dem Zentrum der traditionell-konservativen Reaktion am Konzil, entwickelte.

DAS SCHWEIGEN IST GEBROCHEN

Laut Cowan, Geschichtsprofessor an der University of California, San Diego, „haben Wissenschaftler dem entscheidenden Handeln einer geschlossenen Gruppe von Brasilianern [aus der TFP], die während und nach dem Konzil gegen die Reformbewegung kämpften, bisher nicht die gebührende Bedeutung beigemessen. (…) Die zentrale Rolle der Brasilianer wird meist vernachlässigt“ [5].

Das Schweigen um Plinio Corrêa de Oliveira und die TFP lässt sich nicht allein durch wissenschaftliche Forschung erklären: „Obwohl diese Gruppe während und nach dem Konzil sowohl national als auch transnational eine führende und in gewisser Weise wegweisende Rolle in der Politik des traditionalistischen Katholizismus spielte, werden Mayer, Sigaud und die aufsehenerregende TFP in der Geschichtsschreibung zur Entstehung der erzkonservativen katholischen Reaktion weltweit oft außer Acht gelassen. (…) Forscher haben diesen brasilianischen Beitrag weitgehend ignoriert“ [6]. 

Cowan möchte dieses Schweigen brechen, indem er bisher unveröffentlichte Dokumente publiziert. Es sei angemerkt, dass er ein Liberaler, also ein Mann der Linken, ist. Sein Interesse ist akademischer Natur.

„Die Brasilianer“, so Cowan, „waren in gewisser Hinsicht die treibende Kraft hinter dem konservativen Widerstand gegen das Zweite Vatikanische Konzil, und diese wurde bisher übersehen.“ [7] Sogar ein Großteil der Finanzierung des Coetus stammte aus brasilianischen Quellen, ganz zu schweigen von den dort tätigen Freiwilligen, fast alle aus der TFP. Monsignore Marcel Lefebvre selbst bezeichnete die TFP als „Lenkungsausschuss“ des Coetus. [8] 

Die Studien von Professor Philippe Roy-Lysencourt beleuchten die Rolle des brasilianischen katholischen Führers weiter. In dem fast zweitausend Seiten umfassenden Werk wird Plinio Corrêa de Oliveira nicht weniger als 61 Mal zitiert. Betrachten wir einige Passagen.

BEKANNTE PERSON

Roy-Lysencourt zeigt zunächst auf, dass Plinio Corrêa de Oliveira bereits in Italien und Europa eine bekannte Persönlichkeit war, wohin er in den 1950er Jahren mehrmals gereist war. Dies belegt beispielsweise sein Briefwechsel mit Msgr. Antonio Piolanti, Rektor der Lateranuniversität, einem Vertreter der römischen Schule in theologischen Fragen und einer führenden Figur des italienischen konservativ-traditionellen Lagers; mit Abbé Luc Lefèvfre, dem Direktor von La Pensée Catholique; mit Jean Ousset, dem Gründer von La Cité Catholique; und anderen. Er kommt zu dem Schluss, dass Plinio Corrêa de Oliveira in engem Kontakt „mit den wichtigsten Netzwerken des vorkonziliaren, unnachgiebigen Katholizismus“ stand, darunter die brasilianische TFP und die von ihm selbst gegründete Zeitschrift Catolicismo [9].

Unter den von Roy-Lysencourt zitierten Dokumenten befindet sich ein Brief aus dem Jahr 1961, in dem Msgr. Piolanti Dr. Plinio zur Veröffentlichung des Buches Revolution und Konterrevolution gratuliert [10].

Der französische Professor bemerkt: „Die Verbindungen zwischen der Cité Catholique und der brasilianischen Bewegung des Catolicismo, später Tradition Familie Eingentum, sind unverkennbar. Diese Verbindungen bestanden auch persönlich zu Plinio Corrêa de Oliveira.“ Der brasilianische Anführer wurde sogar eingeladen, 1960 an der Konferenz der Cité Catholique in Issy-les-Moulineaux teilzunehmen. Da er nicht reisen konnte, sandte er einen schriftlichen Bericht [11].

Laut Roy-Lysencourt entstand der Coetus genau aus der Vernetzung dieser Netzwerke, die er als „Zentren der Unnachgiebigkeit in der Welt“ bezeichnet [12].

DIE ANFÄNGE DES COETUS IN BRASILIEN: O LEGIONÁRIO, CATOLICISMO UND DIE TFP

Auf der Suche nach den Wurzeln des Coetus geht Roy-Lysencourt bis in die 1930er Jahre zurück.

„Die erste brasilianische Struktur, die die Vorgeschichte des Coetus in diesem Land erklären kann, ist die Zeitschrift O Legionário“, schreibt der kanadische Professor [13]. Diese katholische Wochenzeitung machte Plinio Corrêa de Oliveira aus einer Pfarrzeitung zum wichtigsten katholischen Organ Brasiliens mit internationaler Reichweite. Um diese Zeitschrift herum gründete er in den 1930er Jahren die „Legionario-Gruppe“, den Vorläufer der späteren brasilianischen TFP [14]. Roy-Lysencourt schildert anschließend die Geschichte des Legionário, seine nationale und internationale Bedeutung, die Ernennung von Plinio Corrêa de Oliveira zum Präsidenten der Katholischen Aktion in São Paulo, die Veröffentlichung des Anklagebuches „Zur Verteidigung der Katholischen Aktion“ und die darauffolgende bösartige Verleumdungskampagne. Zwei Priester stachen durch ihre Unterstützung für Plinio Corrêa de Oliveira in dieser Angelegenheit hervor: Pater Geraldo de Proença Sigaud und Pater Antonio de Castro Mayer. Zunächst zusammen mit dem Autor bestraft, wurden sie später von Pius XII. zu Bischöfen ernannt. Alles deutet darauf hin, dass dies als Gegenleistung für ihre Unterstützung des Anklagebuches geschah. Roy-Lysencourt hebt ihre enge Freundschaft und Zusammenarbeit mit Plinio Corrêa de Oliveira hervor. Beide sollten später zu zentralen Figuren des Coetus werden. 1947 erhielt Plinio Corrêa de Oliveira selbst ein Empfehlungsschreiben von Pius XII., unterzeichnet von Msgr. Giovanbattista Montini [15].

Roy-Lysencourt setzt seine Untersuchung der Ursprünge des Coetus fort und widmet einen Abschnitt der Zeitschrift „Catolicismo“, die 1951 von Plinio Corrêa de Oliveira unter der Schirmherrschaft von Msgr. de Castro Mayer gegründet wurde. Um sie herum entstand eine einflussreiche Bewegung, die 1960 zur brasilianischen TFP wurde.

Der Autor schreibt: „Catolicismo besaß ein grundlegendes Merkmal des vorkonziliaren, unnachgiebigen Katholizismus: den Wunsch, für die soziale Königsherrschaft Christi zu kämpfen, genau wie die anderen zuvor vorgestellten Zeitschriften und Bewegungen.“ Der Essay „Revolution und Konterrevolution“ wurde in der Ausgabe 100 dieser Zeitschrift veröffentlicht und „in mehrere Sprachen übersetzt, darunter 1960 ins Französische“ [16].

Ein weiterer Abschnitt widmet sich der Geschichte der TFPs, angefangen bei der ersten, der brasilianischen, bis hin zu ihrer Entwicklung zu einer internationalen Gemeinschaft mit Präsenz auf allen Kontinenten: „Im Gefolge der Zeitschriften O Legionário und Catolicismo sowie des sich um sie gebildeten Freundeskreises gründete Plinio Corrêa de Oliveira am 26. Juli 1960 in São Paulo die Brasilianische Gesellschaft zur Verteidigung von Tradition, Familie und Eigentum (TFP). Dies war die Grundlage einer Organisation, die nach dem Rat bald global werden sollte, mit zahlreichen Sektionen, die ab 1967 auf der ganzen Welt entstanden. Ende des 20. Jahrhunderts war die TFP in 25 Ländern vertreten.“ [17]

Nachdem der Autor die verschiedenen Kampagnen der TFP, beispielsweise gegen die sozialistische Agrarreform, aufgelistet hat, konzentriert er sich auf Initiativen gegen die fortschreitende Unterwanderung der Kirche: „Die spektakulärste dieser Demonstrationen fand 1968/69 statt, als die TFP eine Petition mit 1.600.368 Unterschriften startete“, in der Papst Paul VI. aufgefordert wurde, Maßnahmen gegen die kommunistische Infiltration der Kirche zu ergreifen [18].

Dies führt uns zum Konzil: „Während des Konzils wurde in Rom ein TFP-Büro eingerichtet, um die Arbeit der TFP zu organisieren“ [19].

DIE STIMMEN DER BRASILIANISCHEN PRÄLATE

In Vorbereitung auf das Zweite Vatikanische Konzil forderte Kardinal Domenico Tardini, Staatssekretär und Vorsitzender der Vorbereitungskommission, die Bischöfe der Welt auf, Vorschläge, sogenannte Voten, einzureichen. Professor Roy-Lysencourt hat ein Buch verfasst, in dem er die Voten der wichtigsten Mitglieder des Konzils analysiert. Nachdem er die Voten von Msgr. Marcel Lefebvre, der von Msgr. Luigi Maria Carli, Bischof von Segni, und der von Dom Jean Prou, Abt von Solesmes, Roy-Lysencourt untersucht, spricht von denen von Msgr. Proença Sigaud und Msgr. de Castro Mayer:

DIE „VOTA“ DER BRASILIANISCHEN PRÄLATEN

Im Vorfeld des Zweiten Vatikanischen Konzils bat Kardinalstaatssekretär und Präsident der Vorbereitungskommission, Domenico Tardini, die Bischöfe der Welt, Vorschläge, sogenannte Vota, einzureichen. Professor Roy-Lysencourt hat ein Buch verfasst, in dem er die Vota der wichtigsten Mitglieder des Konzils analysiert. Nach der Untersuchung der Vota von Erzbischof Marcel Lefebvre, Erzbischof Luigi Maria Carli, Bischof von Segni, und Dom Jean Prou, Abt von Solesmes, erörtert Roy-Lysencourt jene von Erzbischof Proença Sigaud und Erzbischof de Castro Mayer:

„Die Perspektive der beiden brasilianischen Prälaten war unterschiedlich. Ihre Texte waren geprägt von der Anklage einer umfassenden antichristlichen Verschwörung und ihrer Instrumente (Freimaurerei, Kommunismus, internationales Judentum, Revolution), mit denen sich das Konzil zu bekämpfen rüsten sollte. Ihre Texte ähneln sich so sehr, dass eine gemeinsame Beratung wahrscheinlich ist. Weitere Quellen wären natürlich nötig, um dies zu belegen, doch ihre gemeinsame Geschichte und die gemeinsam verfassten Schriftsätze zu den im Juli 1962 an alle Konzilsväter gesandten Schemata könnten diese Hypothese bestätigen. Fest steht jedenfalls, dass ein unbestreitbarer Zusammenhang zwischen ihren brasilianischen Auseinandersetzungen innerhalb des Konzils besteht.“ Die oben genannten Netzwerke und ihre Gelübde. Es ist sogar durchaus plausibel, dass sie sich bei der Abfassung ihrer Texte von Professor Plinio Corrêa de Oliveiras Buch „Revolution und Konterrevolution“ inspirieren ließen. Die Ähnlichkeiten sind jedenfalls unbestreitbar“ [20].

Auch Professor de Mattei schreibt über die Vota von Msgr. Sigaud: „Der Text von Msgr. Sigaud offenbart deutlich die Inspiration, ja vielleicht sogar die Handschrift Plinio Corrêa de Oliveiras, dessen erstes Werk „Revolution und Konterrevolution“ gerade erschienen war“ [21]. 

Ein erster Unterschied zwischen den Vota der beiden brasilianischen Prälaten und denen der anderen Traditionalisten bestand darin, dass letztere – zu Recht – einzelne Irrtümer anprangerten, während erstere ein umfassendes historisch-strategisches Panorama präsentierten, das vom Phänomen der Revolution dominiert wurde. In diesem Panorama sind alle Irrtümer miteinander verbunden, bedingen und verschärfen sich gegenseitig. Es wäre wenig sinnvoll gewesen, diesen oder jenen Fehler zu beheben, ohne dessen Wurzel, nämlich die Revolution als Ganzes, anzugreifen.

Ein weiterer Unterschied liegt in der Bedeutung, die kulturellen und sozialen Phänomenen beigemessen wird – dem fruchtbaren Boden, auf dem Irrtümer entstehen. Die Vota der beiden brasilianischen Prälaten beschränkten sich nicht auf theologische und liturgische Bereiche. Roy-Lysencourt kommentiert beispielsweise die Verurteilung moderner Tänze, Mode, Schönheitswettbewerbe, des Kinos, unmoralischer Bücher usw. durch Msgr. Sigaud [22]. Msgr. Mayer hingegen schlug vor, das Konzept der christlichen Zivilisation zu lehren. Roy-Lysencourt schreibt: „Da die Strukturen der Zivilgesellschaft zum Seelenheil beitragen oder es behindern können, schlug Msgr. Mayer vor, die Beschreibung einer zeitgenössischen katholischen Gesellschaft in die christliche Lehre aufzunehmen“ [23].

Ein weiterer, wesentlicher Unterschied zu den Abstimmungen anderer einflussreicher Vertreter der konservativ-traditionellen Linie besteht darin, dass die von Msgr. Sigaud und Msgr. Mayer „zeigte nicht nur die zu vermeidenden Fehler auf, sondern schlug auch konkrete Wege zur Wiederherstellung der christlichen Stadt vor“. Kurz gesagt, sie appellierten eindringlich an die Gegenrevolution [24].

„Das Leitfaden ihrer Vota“, schreibt der kanadische Professor, „ist ein allgemeiner Aufruf zum gegenrevolutionären Kampf, für den sie den Vatikan aufforderten, einen konkreten Aktionsplan vorzulegen“ [25].

Der Autor erwähnt anschließend mehrere Initiativen während des Konzils, die auf die Inspiration von Plinio Corrêa de Oliveira zurückgeführt werden können. Zum Beispiel die Bitte, die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen, und die Bitte, den Kommunismus zu verurteilen: „Die Brasilianer initiierten, wie später erläutert wird, eine Petition, in der sie die Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens forderten, sowie eine erste Petition, in der sie die Verurteilung des Kommunismus forderten“ [26].

ZWEI INITIATIVEN

Plinio Corrêa de Oliveira war der Initiator zweier wichtiger Initiativen während des Konzils. Roy-Lysencourt schreibt: „Die Brasilianer verfassten eine Petition, in der sie die Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens forderten. Diese Petition wurde während der zweiten Sitzungsperiode vorgelegt, ebenso wie eine erste Petition, in der sie die Verurteilung des Kommunismus forderten. Diese Petition wurde am Ende der zweiten Sitzungsperiode eingereicht.“ [27]

Während des Konzils veröffentlichte Plinio Corrêa de Oliveira auch das Buch „Die Freiheit der Kirche im kommunistischen Staat“. Der Autor argumentierte, dass Katholiken kein Zusammenleben mit dem Kommunismus akzeptieren könnten, dass einen Verzicht auf die Verteidigung wesentlicher Grundsätze der katholischen Lehre, wie etwa das Eigentumsrecht, bedeuten würde. Diese These wurde übrigens von mehreren Konzilsvätern vehement bekräftigt.

Roy-Lysencourt berichtet unter Berufung auf De Mattei: „Der ins Spanische, Französische und Italienische übersetzte Essay wurde an die 2200 Konzilsväter und 450 Journalisten aus aller Welt in Rom verteilt. Seine Arbeit überwand den Eisernen Vorhang.“ [28]

Das Buch wurde von Msgr. Castro Mayer an Msgr. Pericle Felici, den Generalsekretär des Konzils, überreicht, zusammen mit einem Schreiben, in dem er um „seine wertvolle Meinung“ bat. [29]

Diese beiden Initiativen, wie von De Mattei und Roy-Lysencourt dokumentiert, sorgten im progressiven Lager für erhebliche Unruhe, da sie einen eklatanten Widerspruch im Konzil offenbarten: Obwohl es sich als „pastoral“ darstellte, vermied es sorgfältig, die größte Bedrohung für das spirituelle Leben der Gläubigen zu verurteilen: den Kommunismus. Zu dieser Zeit war das Abkommen von Metz, ein 1962 zwischen dem Vatikan und dem Moskauer Patriarchat (UdSSR) geschlossener Geheimvertrag, noch nicht bekannt. Mit diesem Pakt verpflichtete sich der Vatikan im Gegenzug für die Entsendung orthodoxer Beobachter zum Konzil, den Kommunismus nicht zu verurteilen. Die von Plinio Corrêa de Oliveira angestoßene und von 213 Konzilsvätern unterzeichnete Petition drohte, dieses Gleichgewicht zu stören.

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 Abschließend lässt sich festhalten, dass die Studien von Philippe Roy-Lysencourt, die an die Arbeiten von Roberto de Mattei und Benjamin Cowan anknüpfen, die wichtige Rolle von Plinio Corrêa de Oliveira und der TFP in der traditionalistischen Reaktion während des Zweiten Vatikanischen Konzils zunehmend verdeutlichen.

 

 Die Anmerkungen werden als Anhang ohne Übersetzung, wie im Original am Ende wiedergegeben. 

 

Aus dem Italienischen übersetzt.

Die Deutsche Übersetzung erschien erstmals in http://www.p-c-o.bogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

  Coetus Internationalis Patrum

Anmerkungen

[1] Roberto de Mattei, Il Concilio Vaticano II, una storia mai scritta, Lindau, Torino 2010.

[2] Benjamin A. Cowan, Moral Majorities Across the Americas. Brazil, the United States and the Creation of the Religious Right, University of North Carolina Press 2021.

[3] Philippe Roy-Lysencourt, Le Coetus Internationalis Patrum, un groupe d’opposants au sein du Concile Vatican II, Université Laval, Québec, Vol. I, 2011, Vol. 2, 2019; Id., Recueil de documents du Coetus Internationalis Patrum pour servir à l’histoire du Concile Vatican II, Institut d’Étude du Christianisme, Strasbourg 2019.

[4] Roberto de Mattei, Il Concilio Vaticano II, una storia mai scritta, p. 228. Si veda anche Id., Il crociato del secolo XX. Plinio Corrêa de Oliveira, Piemme, Casale Monferrato 1996, pp. 259ss.

[5] Benjamin A. Cowan, Moral Majorities across the Americas, pp. 16-17.

[6] Ibid., pp. 17-19.

[7] Ibid., pp. 17-19.

[8] Ibid., p. 24. Cfr. Julio Loredo, “Il ruolo di Plinio Corrêa de Oliveira nella creazione della destra religiosa internazionale”, Tradizione Famiglia Proprietà, dicembre 2021.

[9] Philippe Roy-Lysencourt, Le Coetus Internationalis Patrum, p. 179

[10] Ibid., p. 191.

[11] Ibid., p. 247.

[12] Ibid., p. 244.

[13] Ibid., p. 261.

[14] Cfr. Roberto de Mattei, Il crociato del secolo XX. Plinio Corrêa de Oliveira, pp. 56ss.

[15] Philippe Roy-Lysencourt, Le Coetus Internationalis Patrum, p. 264.

[16] Ibid., p. 265.

[17] Ibid., p. 267.

[18] Ibid., p. 268.

[19] Ibid., p. 269.

[20] Ibid., p. 311.

[21] Roberto de Mattei, Il Concilio Vaticano II, p. 138.

[22] Philippe Roy-Lysencourt, Les vota préconciliaires des dirigeants du Cœtus Internationalis Patrum, Institut d’étude du Christianisme, Strasbourg 2015, pp. 63-64

[23] Ibid., p. 78.

[24] Philippe Roy-Lysencourt, Le Coetus Internationalis Patrum,p. 305.

[25] Philippe Roy-Lysencourt, Les vota préconciliaires des dirigeants du Cœtus Internationalis Patrum, p. 52.

[26] Philippe Roy-Lysencourt, Le Coetus Internationalis Patrum, p. 312.

[27] Id., Les vota préconciliaires des dirigeants du Cœtus Internationalis Patrum, p. 91.

[28] Philippe Roy-Lysencourt, Recueil de documents, p. 248.

[29] Ibid., p. 249.


Freitag, 25. Juli 2025

Plinio Corrêa de Oliveira, eine Berufung in der zeitlichen Ordnung

 

„Ich bin überzeugter Thomist. Der Aspekt der Philosophie, der mich am meisten interessiert, ist die Geschichtsphilosophie.“

Mit diesen Worten beginnt Professor Plinio Corrêa de Oliveira sein 1997 erschienenes „Philosophisches Selbstporträt“. Sein Interesse an der Geschichtsphilosophie war nicht nur intellektuell, sondern auch handlungsorientiert: „Hier finde ich den Punkt, der die beiden Tätigkeitsarten verbindet, denen ich mich mein Leben lang gewidmet habe: Studium und Handeln.“ Letzteres verfolgte er „nicht nur mit dem Charakter des Dialogs, sondern auch der Polemik, so anachronistisch der Begriff und das Wort auch erscheinen mögen.“

Das Ziel dieser Polemik wird in seinem Meisterwerk „Revolution und Gegegnrevolution“ beschrieben, das er als „den Aufsatz, in dem ich die Essenz meines Denkens zusammenfasse und der zugleich die Bedeutung meines Handelns erklärt“ definiert.

Dies ist die Revolution, genauer gesagt der historische Prozess, der seit der Dekadenz des Mittelalters und in klar definierten Phasen die christliche Zivilisation allmählich zerstörte: Humanismus, Renaissance, Protestantismus, Aufklärung, Französische Revolution, Liberalismus, Sozialismus, Kommunismus, bis hin zur gegenwärtigen revolutionären Ära, die mit dem Mai 1968 begann.

Eine Berufung in der weltlichen Ordnung

Neben einigen höchst originellen Erkenntnissen – wie der Betonung der tendenziellen Elemente des revolutionären Prozesses statt der doktrinären – wird bei der Lektüre dieses Buches sofort ein grundlegender Punkt deutlich: Während der Autor die Zentralität der Kirche anerkennt und sie sogar als das ultimative Ziel der Revolution definiert, konzentriert er seine Aufmerksamkeit fast ausschließlich auf die weltliche Ordnung. Auch sein Handeln war auf die weltliche Ordnung ausgerichtet. Was eine gewisse Ratolsigkeit aufkommen lässt.

Wenn die Kirche tatsächlich der mystische Leib Christi ist, gegründet zur Erlösung der Menschheit, Mutter und Lehrerin der Wahrheit, Mittelpunkt des sakramentalen und geistlichen Lebens, kurz gesagt, das Alpha und Omega von allem, was die Menschheit auf dieser Erde betrifft, fragt man sich, warum ein bewusster und militanter Katholik wie Plinio Corrêa de Oliveira, der ein Leben in Vollkommenheit wählte und sogar zölibatär blieb, um sich ganz seiner Mission zu widmen, nicht den Kirchenstand vorzog.

Und doch war er in diesem Punkt sehr deutlich. Er erkannte den Primat des Kirchenstands an und verbrachte sein gesamtes Leben im bürgerlichen Stand: von seinem Engagement in den Marianischen Kongregationen und der Katholischen Aktion über seine Karriere als Politiker, Professor und Journalist bis hin zur Gründung der Gesellschaften zur Verteidigung von Tradition, Familie und Eigentum, die bürgerliche, nichtkanonische Vereinigungen sind. Im ersten Artikel der Statuten der brasilianischen TFP heißt es, sie habe „bürgerlichen und kulturellen Charakter“. „Wir fühlen uns nicht als Geistliche“, wiederholte Plinio Corrêa de Oliveira, „wir fühlen uns der bürgerlichen Ordnung zugehörig.“

Was sind die Gründe für diese Entscheidung?

Der Dreh- und Angelpunkt der Revolution verschiebt sich

Der revolutionäre Prozess entfaltete sich im politischen und kulturellen Bereich mit dem Humanismus und einer gewissen Renaissance, die die Mentalität des mittelalterlichen Menschen radikal untergrub und den historischen Prozess auslöste, der später mit der „Moderne“ identifiziert wurde. Im 16. Jahrhundert, vielleicht im Glauben, der Boden sei bereits bereitet, versuchte die Revolution einen großen Coup: Mit dem Protestantismus griff sie die Kirche direkt an und versuchte, ihre organische Verfassung, ihre Lehre, ihre Liturgie und ihre Disziplin zu zerstören. „Papsttum, lebendig war ich deine Pest! Tot werde ich dein Tod sein!“, waren die letzten Worte Martin Luthers, einer emblematischen Figur dieser Revolution.

Die Reaktion der Kirche war unmittelbar, tiefgreifend und umfassend: eine Gegenreformation, deren Zentrum das Ökumenische Konzil von Trient war und die von einer Schar seit Jahrhunderten unbekannter Heiliger angeführt wurde, allen voran Papst Pius V. Die Kirche ging das Problem aus allen Blickwinkeln an: theologisch, liturgisch, kulturell, künstlerisch usw. Der Sieg war so überwältigend, dass die Kirche, die aus der Gegenreformation hervorging, bis in die 1960er Jahre weitgehend unbeschadet überlebte.

Nach ihrer Niederlage änderte die Revolution ihre Herangehensweise und übte ihren schädlichen Einfluss verstärkt im weltlichen Bereich aus, um sich dann in die Kirche einzuschleichen. Die Mentalität der Katholiken – von denen 99 % in der Zivilgesellschaft leben – wurde allmählich von den Irrtümern und revolutionären Tendenzen geprägt, die sich im gesamten zivilen Bereich ausbreiteten, von der Aufklärung und der Französischen Revolution bis hin zum Kommunismus und der 68er-Bewegung.

Von diesem Bereich aus war es dann leicht, die Kirche zu beeinflussen. Eine Analyse der Irrtümer und Häresien, die die Braut Christi in den letzten zwei Jahrhunderten geplagt haben – vom liberalen Katholizismus über den Modernismus und die Nouvelle Théologie bis zum Progressivismus – zeigt, dass sie ausnahmslos auf das Eindringen von Irrtümern und Tendenzen im weltlichen Bereich zurückzuführen sind, und zwar immer unter dem Vorwand, die Kirche „an die Zeit anzupassen“. Mit anderen Worten: Revolutionäre Vorstellungen im zivilen Bereich sind zur Matrix der Transformationen im religiösen Bereich geworden. Über den zivilen Bereich wirken sich die Irrtümer der Revolution schließlich auf die Kirche aus. Ein Beispiel unter tausend. Die Liturgiereform von 1969 – der Novus Ordo Missae – wurde weniger als Ergebnis theologischer Reifung präsentiert, sondern vielmehr als „Anpassung an unsere Zeit“ (1), d. h. als notwendig, um der neuen Mentalität gerecht zu werden, die sich in den letzten Jahrzehnten unter den Gläubigen herausgebildet hatte. Eine Mentalität, so bemerken wir, die in 99 % der Fälle durch revolutionäre Veränderungen in der Zivilgesellschaft und nicht durch die Lektüre innovativer Theologen geprägt wurde.

Die theologische Begründung des Novus Ordo Missae, der vom Konzil von Trient abwich, wurde nicht als Wahrheit ex se präsentiert, sondern als „ein Wort, das in einer ganz anderen Epoche des Weltlebens [als dem 16. Jahrhundert] widerhallt“, ein Wort, das „vier Jahrhunderte zuvor undenkbar“ war (2). Mit anderen Worten: Der Lehrrahmen des Konzils von Trient wäre heute überholt, einfach weil sich „das Leben der Welt“ verändert hat.

So wie sich der Fokus revolutionärer Aktionen verschoben hat, hat sich auch der der Reaktion verschoben. Hatte die Vorsehung gegen die erste Revolution einen religiösen Orden, die Jesuiten, und eine Schar kirchlicher Heiliger ins Leben gerufen, so traten gegen die späteren Revolutionen vor allem Laienfiguren auf, von Joseph de Maistre und Juan Donoso Cortés bis hin zu Jean Ousset und Plinio Corrêa de Oliveira. Dies war die leuchtende gegenrevolutionäre katholische Schule, die fast ausschließlich aus Laien bestand. So waren es – mit der einzigen brillanten Ausnahme von Kardinal Fabrizio Ruffo di Calabria – Laien, die der Revolution auf dem Schlachtfeld gegenüberstanden: von den französischen Vendéenern über die italienischen „Briganti“ und die spanischen Karlisten bis hin zu den mexikanischen Cristeros.

Bedeutung der weltlichen Ordnung

Die Verlagerung des Schwerpunkts revolutionären Handelns vom religiösen in den weltlichen Bereich berücksichtigt den Mechanismus, durch den die Mentalität der Menschen geformt wird.

Die Gesellschaft des Menschen, zu der er von Natur aus gehört und die auf seiner Statur und Proportion beruht, ist die weltliche Gesellschaft. Dann wurde der Mensch durch göttliche Barmherzigkeit ins Übernatürliche erhoben, wodurch er am Leben Gottes teilhat. Sein Bestes lebt daher im Übernatürlichen. Doch das tägliche Leben entfaltet sich im Zeitlichen.

Der Mensch lebt in einer zeitlichen Gesellschaft, gehört ihr an, und alles, was mit ihr zusammenhängt, ist das ständige Thema seiner Gedanken. In dieser Gesellschaft öffnet sich der Mensch dem Leben, zunächst im familiären Umfeld, dann im sozialen, kulturellen, politischen usw. Und dies beruht eher auf tendenziellen als auf doktrinären Einflüssen.

Da Gott geheimnisvolle und wundersame Beziehungen zwischen bestimmten Formen, Farben, Klängen, Düften, Aromen und bestimmten Geisteszuständen geschaffen hat, ist es klar, dass diese Mittel die Mentalitäten tiefgreifend beeinflussen und Einzelpersonen, Familien und Völker zu einem spirituellen Zustand veranlassen können – im Guten wie im Schlechten. Die Umgebungen, Gesetze und Institutionen, in denen wir leben, üben einen Einfluss auf uns aus, erfüllen eine pädagogische Funktion für uns. Ihr Einfluss dringt quasi durch Osmose und durch unsere Poren in uns ein. Soziales Umfeld, Kultur und Zivilisation sind daher mächtige Mittel, Seelen zu beeinflussen. Sie wirken zu ihrem Verderben, wenn Kultur und Zivilisation revolutionär sind. Zu ihrer Erbauung und Rettung, wenn sie katholisch sind.

Die Aufgabe, die weltliche Ordnung zu gestalten und sie auf das geistliche Wohl auszurichten, liegt naturgemäß bei den Laien. Ihnen obliegt es, eine politische Ordnung, eine Gesellschaft, eine Kultur, eine Kunst zu schaffen – kurz gesagt, einen gesellschaftlichen Lebensraum, der den Seelen ein günstiges Klima bietet, um das Wirken der Kirche voll zu empfangen. Andernfalls wird alles Gute, das die Kirche in ihrem eigenen Bereich tun kann, durch einen feindseligen gesellschaftlichen Lebensraum zunichte gemacht. Die weltliche Gesellschaft muss zur geistlichen Gesellschaft führen, wie das Seminar zum Priesterleben führt.

Deshalb widmete Plinio Corrêa de Oliveira seine besten intellektuellen Bemühungen der Klärung der Merkmale eines solchen Lebensraums, nämlich einer christlichen Zivilisation, die heilig und der Kirche dienend ist. Von seinem programmatischen Manifest „Der Kreuzzug des 20. Jahrhunderts“ (1951) über seinen Essay „Anmerkungen zum Begriff des Christentums“ (1953) und sein monumentales (und leider unvollendetes) Werk „Das Christentum: Der silberne Schlüssel“ bis hin zu seinem letzten Buch „Adel und analoge traditionelle Eliten“ (1993) können wir dies als das wahre Leitmotiv von Plinio Corrêa de Oliveiras Denken und Handeln betrachten.

Eine weltliche Berufung

In „Revolution und Gegenrevolution“ erklärt Plinio Corrêa de Oliveira, dass „die Kirche etwas viel Höheres und viel Umfassenderes ist als Revolution und Konterrevolution.“ Doch da die Revolution ihren Höhepunkt der Schädlichkeit erreicht hat, „ist es im Interesse des Seelenheils, ist es von größter Bedeutung für die größere Ehre Gottes, dass die Revolution vernichtet wird.“

Die Kirche ist die Seele dieser Reaktion. Gegegnrevolutionäres Handeln erfordert jedoch eine Neuordnung der weltlichen Gesellschaft angesichts der Ruinen, mit denen die Revolution die ganze Welt bedeckt hat. Diese Aufgabe einer gegenrevolutionären Neuordnung der weltlichen Gesellschaft muss einerseits vollständig von der Lehre der Kirche inspiriert sein, beinhaltet andererseits aber unzählige konkrete und praktische Aspekte, die speziell die gesellschaftliche Ordnung betreffen. So überschreitet die Gegenrevolution den kirchlichen Bereich, bleibt aber durch ihr Lehramt und ihre indirekte Macht stets eng mit der Kirche verbunden.

Angesichts des Ausmaßes der Krise und der enormen Bedeutung gegenrevolutionären Handelns für das Seelenheil ist es logisch, dass dieses Handeln als Berufung verstanden werden kann. Und so beschrieb Plinio Corrêa de Oliveira die TFP als „eine bürgerliche Vereinigung mit religiösem Zweck“, im Einklang mit der consacratio mundi, die Pius XII. als Berufung der Laien begründete und die Johannes Paul II. im Dekret Apostolicam auctositatem weiter präzisierte. Darin erkannte er an, dass es Bereiche des Apostolats gibt, die „weitgehend nur den Laien zugänglich“ und nicht dem Klerus sind.

Dies erklärt vollkommen, wie Plinio Corrêa de Oliveira – der von sich selbst sagte: „Nicht mehr ich lebe, sondern die Kirche lebt in mir“ und „die Kirche ist die Seele meiner Seele“ – sein Bestes intellektuelles Bemühen und Handeln der weltlichen Ordnung widmete, im Vertrauen darauf, der Kirche damit einen unersetzlichen Dienst zu leisten.

Anmerkungen
1. Institutio Generalis Missale Romanum, Nr. 12.
2. Ebenda, Nr. 10.

 

 

Aus dem Italienischen in
https://www.atfp.it/rivista-tfp/2011/96-marzo-2011/490-plinio-correa-de-oliveira-una-vocazione-nellordine-temporale

 https://www.atfp.it/rivista-tfp/2011/96-marzo-2011/490-plinio-correa-de-oliveira-una-vocazione-nellordine-temporale

Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in

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