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Mittwoch, 19. Februar 2025

... und auf dich ist die Kirche erbaut

Plinio Correa de Oliveira

Es gibt wohl kein katholisches Herz in Brasilien, das sich nicht über die enorme Aufmerksamkeit gefreut hätte, die die Tagespresse allen möglichen Themen nicht nur der Krankheit und dem Tod des Heiligen Vaters Johannes XXIII., sondern auch der Wahl und Krönung des neuen Nachfolgers des Heiligen Petrus, Papst Paul VI., widmete. Ausnahmslos alle Zeitungen interessierten sich für die Details dieser großen Ereignisse und berichteten ausführlich darüber. Und wie die Fakten, so auch die Kommentare. Alle Folgen des Todes des betrauerten Papstes Johannes XXIII. und der Wahl des angesehenen Kardinal-Erzbischofs von Mailand wurden von der Presse bis ins kleinste Detail analysiert und untersucht. Mit einer Akribie, die mitunter an Übertreibung und blanke Fantasie grenzte. So wurde mehr oder weniger alles gesagt, was zu diesem Thema gesagt werden musste … und sogar mehr, als die Objektivität zuließ. 

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AN SEINE HEILIGKEIT PAPST PAUL VI.

Bischof von Rom, Stellvertreter Jesu Christi, Nachfolger des Apostelfürsten, oberster Pontifex der Universalkirche, die glühende kindliche Liebe, die tiefe Verehrung, der bedingungslose Gehorsam, die absolute Treue der Redaktion, der Mitarbeiter, der Angestellten, der Propagandisten und der Leser, all derer, die die große Seelenfamilie der Zeitschrift „Catolicismo“ bilden.


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      Zu dieser Haltung der säkularen Mainstream-Presse ist eine erste Anmerkung angebracht. Wenn die großen Verfechter des Säkularismus vor hundert Jahren, die mit großem Getöse das Verschwinden der katholischen Kirche im 20. Jahrhundert prophezeiten, sähen, wie sehr die Welt heute am Tod des einen und dem Aufstieg des anderen Papstes interessiert ist, was würden sie wohl sagen? Was würden sie insbesondere sagen, wenn sie sähen, wie die säkulare Presse, das Radio und das Fernsehen – von denen sie vor hundert Jahren nicht einmal zu träumen wagten – ihre besten Sendezeiten und ihre kühnsten technischen Ressourcen der Berichterstattung über diese Ereignisse widmen?

     Zeitungen, Radio und Fernsehen beeinflussen zweifellos die öffentliche Meinung. Aber sie werden ihrerseits auch stark von ihr beeinflusst. In dem Maße, wie die Öffentlichkeit von den Themen interessiert ist, wird darüber berichtet. Wenn säkulare Medien so ausführlich über die Ablösung des 261. Nachfolgers des heiligen Petrus durch den 262. berichten, liegt dies im Wesentlichen weniger an der Sympathie und dem Interesse der Leiter, Mitarbeiter und Redakteure dieser Medien, sondern vielmehr an der Verehrung, Bewunderung und dem kindlichen Vertrauen der Öffentlichkeit gegenüber dem Heiligen Stuhl und seinen unsterblichen Amtsinhabern.

      Diese Haltung der öffentlichen Meinung zeugt vom Sieg des Papsttums über die immense Propagandaoffensive, die im 19. und einem Großteil des 20. Jahrhunderts gegen es entfesselt wurde. Jene, die seinen Untergang prophezeit hatten, liegen auf Friedhöfen und erwarten die Auferstehung und das Jüngste Gericht. Das Schiff des heiligen Petrus segelt weiterhin glorreich durch die mal friedlichen, mal stürmischen Gewässer der Geschichte, und seine Steuermänner – gestern Johannes XXIII. und heute Paul VI. – repräsentieren keineswegs eine verkümmerte und sterbende spirituelle Kraft, sondern gelten als Schlüsselfiguren, die den Lauf der Menschheit bestimmen. Die strahlende und übernatürliche Unsterblichkeit des Papsttums, in der das Pontifikat Pauls VI. in der Geschichte glorreich erstrahlt. Wir freuen uns, dies hier festzuhalten, als Ausdruck unserer Bewunderung und Begeisterung für den unbesiegbaren Stuhl Petri.

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           Und nun zu einem weiteren Kommentar

       Wenn die ungeheure Entwicklung der Tagespresse Wochen- und Monatszeitschriften auch nicht ihrer Daseinsberechtigung beraubt, so stellt sie sie doch vor einige komplexe Probleme.

         Wenn also schon so viel Gutes und sogar Ausgezeichnetes über die großen Ereignisse, mit denen wir uns befassen, gesagt wurde, was kann man dann noch sagen, was die Öffentlichkeit nicht schon gelesen hat?

        Wie der Leser sieht, ist das Problem heikel.

       Ja, vielleicht für andere Zeitungen. Aber nicht für den „Catolicismo“. Sind wir nicht die Zeitung der „vergessenen Wahrheiten“? Ist es nicht unsere Aufgabe, diese verborgenen Schwestern der großen, erhabenen Wahrheiten, an die sich jeder erinnert, respektvoll an die Hand zu nehmen und sie neben diese zu stellen, an den ihnen gebührenden Platz im hellen Licht allgemeiner Bekanntheit und Verehrung?

      So liegt es an uns, uns an das zu erinnern, was in Vergessenheit geraten ist, das zu bekräftigen, was nicht bekräftigt wurde, und so das Loblied zu vollenden, das von der Krankheit Johannes XXIII. bis zur glorreichen Krönung Pauls VI. zum Thron des heiligen Petrus emporgestiegen ist.

       Die Erfüllung dieser Pflicht ist uns heute besonders erfreulich. Denn, wie sich zeigen wird, bietet uns die Durchführung dieser Zeremonie eine hervorragende Gelegenheit, unsere bedingungslose Treue, unsere grenzenlose Liebe und unseren vollkommenen Gehorsam nicht nur gegenüber dem Apostolischen Stuhl, sondern auch gegenüber den erhabenen Persönlichkeiten seines gestrigen und seines heutigen Amtsinhabers zu bezeugen.

Auch wenn die rasante Entwicklung der Tagespresse, den Wochen- und Monatszeitungen keineswegs ihre Existenzberechtigung nimmt, bringt sie für sie doch einige komplexe Probleme mit sich.

Wenn also so viele gute und sogar großartige Dinge über die großen Ereignisse gesagt wurden, mit denen wir uns befassen, was können wir jetzt noch sagen, was die Öffentlichkeit nicht bereits gelesen hat?

Wie der Leser sehen kann, ist das Problem peinlich.

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Gekleidet mit päpstlichen Gewändern und bewacht von der Adeligen Garde wird der Leichnam des Heiligen Vaters Johannes XXIII. zur Verehrung der Gläubigen aufgebahrt.

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       Ja, vielleicht für andere Zeitungen. Aber nicht für den „Catolicismo“. Sind wir nicht die Zeitung der „vergessenen Wahrheiten“? Ist es nicht unsere Aufgabe, diese verborgenen Schwestern der großen, erhabenen Wahrheiten, an die sich jeder erinnert, respektvoll an die Hand zu nehmen und sie neben diese zu stellen, an den ihnen gebührenden Platz im hellen Licht allgemeiner Bekanntheit und Verehrung?

     So liegt es an uns, uns an das zu erinnern, was in Vergessenheit geraten ist, das zu bekräftigen, was nicht bekräftigt wurde, und so das Loblied zu vollenden, das von der Krankheit Johannes XXIII. bis zur glorreichen Krönung Pauls VI. zum Thron des heiligen Petrus emporgestiegen ist.

       Die Erfüllung dieser Pflicht ist uns heute besonders erfreulich. Denn, wie sich zeigen wird, bietet uns die Durchführung dieser Zeremonie eine hervorragende Gelegenheit, unsere bedingungslose Treue, unsere grenzenlose Liebe und unseren vollkommenen Gehorsam nicht nur gegenüber dem Apostolischen Stuhl, sondern auch gegenüber den erhabenen Persönlichkeiten seines gestrigen und seines heutigen Amtsinhabers zu bezeugen.

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         Es muss anerkannt werden, dass die Presse vergangener Zeiten eine gewisse Tendenz hatte, die persönlichen Qualitäten der Päpste zu leugnen, während die heutige Presse diese Angewohnheit nicht mehr pflegt.

         Es war eine Freude zu sehen, mit welchem Eifer die Zeitungen in nahezu allen westlichen Ländern die Eigenschaften priesen, die Papst Johannes XXIII. so sehr betrauerten: seine liebenswürdige und einnehmende Schlichtheit, der ein Hauch von zugleich diplomatischer und väterlicher Boshaftigkeit einen besonderen Charme verlieh; die ihm eigene, leuchtende Intelligenz, die sich subtil und unmissverständlich den großen Problemen unserer Zeit zuwandte; jene unvergessliche Mischung aus Stabilität und Kühnheit, aus Gelassenheit und Tatkraft, die den gesamten Rhythmus seines Wirkens prägte. Dieses stets gelassene und bescheidene Antlitz, mit dem er sich präsentierte, sei es im alltäglichen Leben oder im Glanz seiner erhabenen Ämter, bei der pompösen Eröffnung und dem Abschluss der ersten Phase des Zweiten Vatikanischen Konzils oder beim allseits gelobten „Mater et Magistra“ oder „Pacem in Terris“.

        Ebenso bemerkenswert waren die Lobreden, mit denen die großen Presseorgane anlässlich des Todes von Johannes XXIII. an die noch so junge Gestalt seines Vorgängers erinnerten.

       Der aristokratische Ton Pius’ XII., sein enzyklopädisches Wissen, sein Ansehen in der Bevölkerung, sein außergewöhnliches Wirken im Krieg – kurzum, alles, was den erhabenen Papst auszeichnete, wurde mit Ehrfurcht und Sehnsucht in Erinnerung behalten.

      Mit der Wahl Kardinal Montinis zum Papst hätte der allgemeine Empfang nicht enthusiastischer sein können. Und es wurde sofort deutlich, dass das Konklave einen Papst von außergewöhnlicher Persönlichkeit gewählt hatte. Seine scharfsinnige Intelligenz, sein diplomatisches Geschick, das ihm eine herausragende Stellung unter den großen Staatsmännern seiner Zeit sicherte, seine entschlossene, furchtlose und dynamische Persönlichkeit wurden gleichermaßen gepriesen. Die enge Zusammenarbeit mit Pius XII. als Prostaatssekretär und mit Johannes XXIII. als geschätztem und einflussreichem Berater wurde hervorgehoben.

***

      Wie zu erwarten, bemühte sich die Presse, die legitimen Unterschiede zwischen diesen so vielschichtigen Persönlichkeiten zu betonen. Sie verglich den aristokratischen Papst, der sich intensiv mit Glaubensfragen auseinandersetzte, mit dem Papst von ehrenwerter und bescheidener Herkunft, der sich ganz der praktischen Seelsorge widmete, und schließlich mit dem diplomatischen Papst, einem gebildeten und weitsichtigen Staatsmann, der das Schiff mit besonderer Entschlossenheit durch die zunehmend turbulenten Gewässer des 20. Jahrhunderts steuern würde.

     Aus der Analyse dieser Unterschiede leiteten einige Medien unmerklich die Behauptung ab, es gäbe Widersprüche zwischen den drei Päpsten. Der eine sei so dogmatisch gewesen, dass er auf praktisches Handeln verzichtet habe. Der zweite sei so pragmatisch gewesen, dass er der Lehre keine wirkliche Bedeutung beigemessen habe. Der dritte habe die beiden vorherigen korrigiert, ähnlich wie eine Synthese These und Antithese korrigiert. Dies wurde in mehreren Nachrichtenberichten und Kommentaren angedeutet.

            Die Vorliebe, die Unterschiede oder vermeintlichen Widersprüche zwischen den drei Päpsten zu erforschen, grenzte mitunter ans Kindische: Es mangelte nicht an solchen, die betonten, dass einem schlanken Papst ein sehr korpulenter folgte, dem wiederum ein schlanker abgelöst wurde…

         Dabei wurde ein anderer Gegensatz, der nicht frei von einem Hauch des Klassenkampfgeistes war, nicht gegenübergestellt: der edle und vermeintlich reaktionäre Papst einem Papst, der ein Sohn des Volkes und somit per se als fortschrittlich galt!

***

           Diese Beobachtungen waren unerlässlich, um die Erhabenheit, die transzendente Bedeutung und die strahlende Schönheit der vergessenen – oder vielmehr halbvergessenen – Wahrheit zu verstehen, die wir hervorheben möchten.

        „Es ist wahrlich würdig und recht, vernünftig und heilsam“, die persönlichen Qualitäten der verschiedenen Päpste, auf die wir uns soeben bezogen haben, zu betonen. Es ist legitim, die harmonische und reiche Vielfalt unter ihnen hervorzuheben. Diese Vielfalt sollte jedoch nicht so weit übertrieben werden, dass ein Widerspruch entsteht, der nicht existierte. Pius XII., ein Verfechter der Lehre, dem die Kirche Dokumente von unübertroffener Bedeutung verdankt, war jedoch unbestreitbar ein Papst von tiefgreifendem und universellem Wirken. Auch Johannes XXIII., ein Papst der Tat, vernachlässigte die Lehre keineswegs. Denn befassen sich nicht die beiden berühmten und vielgerühmten Enzykliken, die er verfasste, ausführlich mit der Lehre?

           Zweifellos entstammte Pius XII. einer angesehenen Familie, und Johannes XXIII. war der Sohn von Bauern. Wie absurd ist es doch, im ersten einen Sulla und im zweiten einen Marius zu sehen, die nacheinander an die Spitze der Kirche gesetzt wurden!

     Und vor allem sind diese persönlichen Aspekte, die im Zusammenhang mit dem soeben stattgefundenen großen Ereignis an der Spitze der Kirche Christi hervorgehoben werden, so legitim und verdienstvoll sie auch sein mögen, nichts weiter als Nebensächlichkeiten.

       Die große, ursprüngliche Wirklichkeit, die nicht ausreichend beachtet wurde, die große und höchste Wirklichkeit, glorreich und unzerstörbar, die jedem Papstwechsel zugrunde liegt, ist nicht der Wechsel des Papstes, sondern gerade die Unveränderlichkeit des Papstes. Pius XI. mag sterben und von Pius XII. abgelöst werden; Pius XII. mag sterben und von Johannes XXIII. ersetzt werden; Johannes XXIII. mag aus der Zahl der Lebenden ausscheiden und nach ihm den Stuhl des heiligen Petrus, Paul VI., besteigen – in jedem Fall vergehen die Menschen, aber der Papst bleibt. Es ist der heilige Petrus, der stets derselbe bleibt, stets Jesus Christus treu, von den Anfängen der Kirche bis heute und bis zum Ende der Zeiten: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen ist die Kirche gebaut, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“ Dies sagt Jesus Christus zu jedem Papst, der ihn vertreten hat, zu dem, der ihn vertritt, und zu denen, die ihn bis zum Ende der Zeiten vertreten werden.

         Und wenn ein neuer Papst den Stuhl Petri besteigt, kann unsere Freude über die neuen Gaben des neuen Papstes niemals unsere innige und, sozusagen, überragende Begeisterung übertreffen, deren tiefer Grund nicht im Wandel liegt, sondern gerade im Unveränderlichen. Die unerschütterliche Treue des Papstes zu Jesus Christus, der sich durch die Jahrhunderte nicht ändert – „Christus heri et hodie, ipse et in saecula“ (Hebr. 13,8) –, ist der Hauptgrund für unsere tiefe, strahlende Freude.

***

        Nachdem ich nun die große, fast vergessene Wahrheit formuliert habe, die es in ihrer ganzen Pracht hervorzuheben galt, darf ich nun zu einer bescheideneren und persönlicheren Gedankenebene übergehen, die in Bezug auf Seine Heiligkeit Papst Paul VI. meine persönliche Verbundenheit mit den Motiven der Verehrung, des Gehorsams und der Liebe zum Ausdruck bringt, die aus dem soeben genannten Grundprinzip entspringen?

        „Catolicismo“ wollte dem zwanzigsten Jahrestag meines Buches „Zur Verteidigung der katholischen Aktion“ („Catolicismo“, Nr. 150, Juni 1963) eine ganze Ausgabe widmen. In dieser Ausgabe wurde selbstverständlich auch das Lobesschreiben hervorgehoben, das mir der Heilige Vater Pius XII. für diese Arbeit zukommen ließ. Die väterlichen Gefühle des Papstes wurden mir durch den damaligen Staatssekretär, Monsignore Giovanni Battista Montini, übermittelt. Monsignore Montini ist heute Papst Paul VI.

      Während meines Aufenthalts in Rom im Jahr 1950 konnte ich miterleben, wie aufmerksam und interessiert der bereits angesehene Prälat die Angelegenheiten Brasiliens verfolgte. Mit dieser Haltung steigt er nun offensichtlich auf den höchsten Thron.

           Der große Bischof von Campos befand sich zur selben Zeit wie ich in der Ewigen Stadt. Selbstverständlich war es seine Pflicht, dem Staatssekretär einen Besuch abzustatten. Da ich selbst Gegenstand des kürzlich eingegangenen Schreibens dieses Prälaten war, verpflichtete mich die Höflichkeit zu einem ähnlichen Besuch. Seine Exzellenz, der Hochwürdigste Bischof Antônio de Castro Mayer, und ich begaben uns daher in den Vatikan.

        Nachdem wir Monsignore Montinis Sekretär unsere Visitenkarten übergeben hatten, erschien er nach kurzem Warten wieder und teilte uns mit, dass Seine Exzellenz uns in Kürze empfangen würde und dass er uns aufgrund unserer Freundschaft gemeinsam empfangen würde! So gut kannte sich dieser Prälat, dessen Geist von zahlreichen und komplexen Problemen aus aller Welt erfüllt war, in brasilianischen Angelegenheiten aus!

       Nachdem wir Monsignore Montinis Sekretär unsere Visitenkarten übergeben hatten, erschien er nach kurzem Warten wieder und teilte uns mit, dass Seine Exzellenz uns in Kürze empfangen würde und dass er uns aufgrund unserer Freundschaft gemeinsam empfangen würde! So gut kannte sich dieser Prälat in brasilianischen Angelegenheiten aus, und gleichzeitig beschäftigten ihn zahlreiche und komplexe Probleme der ganzen Welt!

      In Monsignore Montinis Büro wurden wir herzlich empfangen. Nachdem er den Bischof begrüßt hatte, wandte er sich an mich: „Professor, ich möchte Ihnen versichern, dass mein Brief an Sie keine bloße Formalität war. Jeder einzelne Punkt darin wurde sorgfältig abgewogen. Ich freue mich, Ihnen dies hier in Gegenwart von Bischof Mayer zu erklären.“ Daraufhin entspann sich ein lebhaftes und angeregtes Gespräch. Das Thema war Brasilien, und der hochverehrte Prälat sprach mit einer Herzlichkeit und Zuneigung über Institutionen und Angelegenheiten unseres Landes, die uns tief berührte. Es schlug 13 Uhr. Um diese Zeit endet die Arbeit im Vatikan. Wir wollten gehen, doch Monsignore Montini hielt uns noch eine Weile auf. Schließlich, nach der Audienz, überreichte er uns Gedenkmedaillen zum Bischofsjubiläum von Pius XII. Am folgenden Tag erhielt ich – mit besonderer Aufmerksamkeit Seiner Hochwürdigsten Exzellenz, – eine Einladung, mit einem Freund, dem Ingenieur Adolpho Lindenberg, zur diplomatischen Tribüne des Petersdoms zu gehen, um der Heiligsprechung der heiligen Vinzenz Maria Strambi beizuwohnen.

        Kleine Erinnerungen, vorwiegend von persönlichem Interesse, die aber mein Herz erfüllen und die ich hier wie eine kleine Blume am Fuße der großen, fast vergessenen Wahrheit festhalte, die ich in diesem Artikel mit enthusiastischer Liebe und tiefer Verehrung für den Stellvertreter Christi hervorheben wollte.



 

Aus dem portugiesischen „E sobre ti está edificada a Igreja” in “Catolicismo” Nr. 151, Juli 1963.

Auf deutsche erstmals in www.p-c-o.blogspor.com

Nachdruck oder Veröffentlichung mit Angabe dieses Blogs erlaubt.

 


Sonntag, 27. Oktober 2024

Die Rückkehr der Tradition und die Rolle von Plinio Corrêa de Oliveira bei der Schaffung der internationalen religiösen Rechten

 von Julio Loredo

Blog „Duc in Altum“ von Aldo Maria Valli, 30. September 2021

In der revolutionären Mythologie bewegt sich der historische Prozess ständig „vorwärts“, das heißt hin zu immer liberaleren, egalitäreren, toleranteren, weltlicheren, integrativeren, kurzum „moderneren“ Formen des Denkens, Fühlens und Lebens. Mit anderen Worten: Es geht immer nach links. Unerbittlich.

Von „Niedergeschlagenheit“ zur „Wiederbelebung“

An der Wende der 1960er und 1970er Jahre schien dies eine unumstößliche Wahrheit zu sein. Während im kulturellen Bereich die Gifte von 1968 die moralischen und psychologischen Grundlagen des Westens zerstörten, schritt der Kommunismus im gesellschaftspolitischen Bereich unbeirrt voran. Die Vereinigten Staaten, der faktische Führer der nichtkommunistischen Welt, war auf dem Rückzug, insbesondere nach der Vietnam-Katastrophe. Das amerikanische Volk verfiel psychologisch in das, was Analysten als „Malaise“ bezeichneten, das als Zeichen eines nicht allzu fernen Todes interpretiert wurde. Dieses „Niedergeschlagenheit“ breitete sich dann in der gesamten westlichen Welt aus.

Im kirchlichen Bereich siegten die Verfechter der sogenannten Hermeneutik des Bruchs und der Diskontinuität, die das Zweite Vatikanische Konzil als Geburt einer neuen Kirche interpretierten. In der Kirche herrschte die sogenannte „Euphorie des Dissens“ (Meinungsgegensätze). Die progressive Linie siegte überall. Der Traditionalismus wurde fast wörtlich auf vier Looser reduziert.

1979 begann sich jedoch alles zu ändern.

Im Mai gewann Margaret Thatcher die Wahlen in Großbritannien und leitete damit einen konservativen Aufschwung ein, der innerhalb weniger Jahre den sozialistischen Apparat demontierte, der das Land mehr als ein halbes Jahrhundert lang beherrscht hatte. Dann, im November 1980, gewann Ronald Reagan die amerikanischen Wahlen und führte die konservative Bewegung an die Macht. Und auch hier erlebte das Land eine kopernikanische Wende. „The Sixties are Over!“ „Die Sechziger sind weg!“, war einer der am häufigsten wiederholten Slogans. Es war der Beginn der konservativen Wiederbelebung, der konservativen Wiedergeburt, die sich dann über die ganze Welt ausbreitete und der Regierung in vielen Ländern ein neues Recht auf klare religiöse Inspiration einbrachte.

Im kirchlichen Bereich markierte das Pontifikat von Johannes Paul II., wenn auch mit Licht und Schatten, gleichermaßen einen Wendepunkt, wofür das Motu proprio Ecclesia Dei (1988) ein Beispiel war, das erneut die Türen zur tridentinischen Messe öffnete. Der Traditionalismus begann überall zu wachsen, insbesondere unter jungen Menschen. Es entstanden verschiedene religiöse und kirchliche Institute mit konservativer/traditionalistischer Ausrichtung. Die Auswüchse der progressiven Theologie wurden verurteilt. Dieser Wendepunkt wurde im Pontifikat von Benedikt XVI. noch verstärkt, beispielsweise mit dem Motu proprio Summorum Pontificum, was zu Situationen wie in Frankreich führte, wo fast die Hälfte der geweihten Priester dem traditionellen Ritus angehörten.

Die konservative Wiederbelebung wurde sowohl in ihren zeitlichen als auch in ihren religiösen Aspekten von vielen Intellektuellen eingehend und eingehend untersucht. Wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema gibt es in Hülle und Fülle. Dennoch gibt es einen Punkt, der noch nicht ausreichend erforscht ist: die Rolle Brasiliens und insbesondere von Professor Plinio Corrêa de Oliveira bei der Entstehung und Entwicklung dieser Reaktion. 

Um diese Lücke zu füllen, veröffentlichte Benjamin A. Cowan kürzlich das Buch „Moral Majorities across the Americas – Brazil, the United States and the Creation of the Religious Right“ (University of North Carolina Press, 2021, 294 S.). Professor Cowan ist Absolvent der Harvard-Universität und Professor für Geschichte an der University of California in San Diego.

Die Forschungsarbeit ist umfangreich. Nicht weniger als 824 Fußnoten zeugen von der Fülle an Referenzen, mit denen der Autor sein Werk bereichern wollte. Die meisten Quellen sind unveröffentlicht: das persönliche Archiv von Msgr. Geraldo von Proença Sigaud; Berichte der brasilianischen Geheimdienste; die Paul Weyrich Papers aus der Manuskriptabteilung der Library of Congress; die Diözesanarchive von São Paolo und Diamantina (Brasilien); das Archiv des brasilianischen Außenministeriums und so weiter.

Wie in jeder historischen Analyse sollten einige Unterscheidungen getroffen werden, insbesondere bei Personen wie mir, die an einigen der erzählten Ereignisse teilgenommen haben oder engen Kontakt zu denen hatten, die daran teilgenommen haben. Dennoch handelt es sich um ein umfangreiches Werk, das dazu bestimmt ist, die akademische Forschung zu diesem Thema zu beeinflussen. Es sei daran erinnert, dass Professor Cowan ein Liberaler ist und sich daher in einer ideologischen Position befindet, die der der untersuchten Realitäten entgegengesetzt ist. Weit davon entfernt, sich zu entschuldigen, ist es vielmehr eine Kritik, manchmal sogar bissig.

Das Zweite Vatikanische Konzil

Das erste Kapitel ist dem Zweiten Vatikanischen Konzil gewidmet.

Trotz der umfangreichen Bibliographie, die jetzt über das Konzil verfügbar ist, behauptet Cowan, dass Wissenschaftler dem „entschlossenen Handeln einer zusammenhängenden Gruppe von Brasilianern, die während und nach dem Konzil daran gearbeitet haben, die Reformwelle einzudämmen“, noch nicht die gebührende Bedeutung beigemessen haben. (…) Die zentrale Rolle der Brasilianer [in der Reaktion der Traditionalisten] liegt wie üblich im Schatten“ [1]. Beispielsweise wurden die Interventionen von Msgr. José Maurício da Rocha, Bischof von Bragança Paulista, „Monarchist, entschiedener antimodernist, antikommunist und antiliberal“ übersehen. Bekannter, aber immer noch nicht gut untersucht, ist die Aktion von Msgr. Geraldo de Proença Sigaud, Erzbischof von Diamantina, und Msgr. Antonio de Castro Mayer, Bischof von Campos.

Diese „zusammenhaltende Gruppe von Brasilianern“ bestand aus den beiden letztgenannten Konzilsvätern und wurde von den Mitgliedern der TFP, die zu diesem Anlass zwei Büros in der Ewigen Stadt eröffnet hatten, ermutigt und unterstützt. Der Inspirator und die treibende Kraft der Gruppe war zweifellos Professor Plinio Corrêa de Oliveira.

Obwohl diese Gruppe während und nach dem Konzil „eine wichtige und in gewissem Sinne Pionierrolle in der Politik des katholischen Traditionalismus auf nationaler und internationaler Ebene innehatte, werden Mayer, Sigaud und die sensationelle TFP in der Geschichtsschreibung über die Entstehung der erzkonservativen katholischen Reaktion in der Welt oft außer Acht gelassen.“ (…) Forscher haben diesen brasilianischen Beitrag weitgehend ignoriert. (…) In diesem ersten Kapitel möchte ich diesen Aktivismus konservativer Brasilianer während des Zweiten Vatikanischen Konzils als Element im Aufbau und in der Entwicklung des transnationalen katholischen Traditionalismus skizzieren. (…) Die Brasilianer waren in gewisser Hinsicht die wichtigste – und bisher vernachlässigte – Kraft hinter dem konservativen Widerstand im Zweiten Vatikanischen Konzil“ [2].

Offensichtlich behauptet Cowan nicht, dass dies die einzige Komponente der traditionalistischen Reaktion während des Konzils war. Er behauptet lediglich, dass dem bisher nicht die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Die antiprogressistische Aktion von Plinio Corrêa de Oliveira begann laut Cowan in den 1930er Jahren mit der Gründung der um die Wochenzeitung „O Legionário“ Gruppe des Legionário und setzte sich in den 1940er Jahren mit seinem Widerstand gegen den Neomodernismus innerhalb der Katholischen Aktion und mit der Gründung der Bewegung um die Monatszeitung „Catolicismo“ in den Fünfziger fort. An der Wende der sechziger Jahre hatte Plinios antimodernistisches Werk „in Brasilien großen Widerhall [und hatte auch] erhebliche internationale Auswirkungen, die dazu beitrugen, die weltweite katholische Reaktion gegen Modernisierung und Säkularisierung zu bilden und aufrechtzuerhalten“ [3].

Als Doktor Plinio 1962 in Rom ankam, hatte er daher bereits sehr klare Vorstellungen und einen perfekt ausgearbeiteten Schlachtenplan, im Gegensatz zu vielen anderen Konservativen, die „von der progressiven Wende des Konzils überrascht wurden“ [4]. Tatsächlich, erklärt Cowan, „hat die TFP die Ausrichtung des Konzils vorweggenommen und begonnen, sich zu organisieren, bevor dieser begann“ [5]. Das Privatarchiv von Msgr. Sigaud enthält den Bericht über die Treffen mit Plinio Corrêa de Oliveira, um den Plan der Opposition gegen den fortschreitenden Angriff auf das Konzil vorzubereiten, bevor er in die Ewige Stadt eintraf.

Dieser Plan ist in dem Votum enthalten, das Msgr. Sigaud dem Konzil vorgelegt hat, das aber inspiriert und vielleicht teilweise geschrieben von Plinio Corrêa de Oliveira war: „Die Kirche muss den Kampf gegen die Revolution auf globaler Ebene organisieren“ [6]. Dr. Plinios realistisch besorgte Vision stand in deutlichem Kontrast zu dem „Jubel“, den viele Konservative über die Einberufung des Konzils empfanden und darin eine Chance für eine „konservative Erneuerung“ sahen, während Dr. Plinio befürchtete, dass es zu einem Debakel kommen würde [7].

Während des Konzils versammelten sich die Traditionalisten im Coetus Internationalis Patrum. Aus dem Archiv von Msgr. Sigauds wird die zentrale Rolle zur Entstehung des Coetus deutlich, dass dieser immer wieder durch Plinio Corrêa de Oliveira ermutigt wurde. Beispielsweise stammen die Manuskripte mit „den Plänen für die Struktur, Tagungen, Veröffentlichungen, Aktivitäten und Finanzierung“ des Coetus von ihm. In einem Brief an den brasilianischen Außenminister, in dem er ihn um finanzielle Unterstützung bittet, schreibt Msgr. Sigaud: „Ich finde [in Rom] keine selbstlosen und zuverlässigen Mitarbeiter. Im Gegensatz dazu arbeiten brasilianische Aktivisten einfach aus Hingabe an unsere Sache, mit großer Effektivität und Diskretion. (…) Sie sind Spezialisten, jeder in einem Aspekt des Konzils. (…) Das Rückgrat von Coetus war schon immer und muss auch weiterhin diesen brasilianischen Aktivisten anvertraut werden“ [8]. Cowan kommt zu dem Schluss: „Der Aktivismus der TFP erreichte eine zentrale Bedeutung bei der Mobilisierung des konservativen Blocks.“

Msgr. Marcel Lefèbvre selbst definierte die TFP als das „Verwaltungskomitée“ des Coetus [9]. Er teilte die Meinung des französischen Historikers Henri Fesquet. Abschließend stellt Cowan fest: „Wie wir gesehen haben, gehörten Marcel Lefèbvre und seine Anhänger zu denen, die die Brasilianer für die Hauptakteure, ja sogar Helden auf diesem Gebiet hielten“ [10].

Wir übergehen ein langes Kapitel mit dem Titel „Die Schönheit der Hierarchien“, in dem Cowan die Lehren erklärt, die der TFP zugrunde liegen. Es ist jedoch interessant festzustellen, wie die TFP laut Cowan aus ihrer katholischen Vision nicht nur eine antiprogressive Vision im religiösen Bereich, sondern auch eine traditionalistische Konzeption der weltlichen Gesellschaft ableitet, die eng mit der ersten verknüpft ist. Daher ihre Kämpfe auf politischem, sozialem, kulturellem, moralischem und religiösem Gebiet. Interessant ist auch Cowans Beharren auf der „ästhetischen Dimension“ der von der TFP gewünschten Gegegenrevolution.

Professor Cowan kommt zu dem Schluss: „Obwohl der katholische Traditionalismus das Feld ist, in dem diese [TFP-]Aktivisten die direkteste und anerkannteste Wirkung hatten, erstreckt sich ihr Einfluss auch auf das breitere Feld des modernen religiösen Konservativismus.“ Darauf werde ich in den nächsten Kapiteln eingehen. (…)  Der Aktivismus [der TFP] machte Brasilien zu einem wichtigen Ort für die Entwicklung dieser besonderen Art von religiösem Konservativismus, der später innerhalb und außerhalb Brasiliens Widerhall finden sollte“ [11].

Entstehung der „Transnationalen Neuen Rechten“

Im vierten Kapitel möchte Cowan „die Rolle Brasiliens als Hauptkern in dem Netzwerk nachzeichnen, das die transnationale Neue Rechte hervorgebracht hat“ [12]. Es muss sofort klargestellt werden, dass die „Neue Rechte“, auf die er sich bezieht, nichts mit der europäischen Nouvelle Droite neoheidnischen Ursprungs zu tun hat. Die Grundlagen dieser Neuen Rechten waren laut Cowan der Antikommunismus, die Verteidigung moralischer Werte und der westlichen Kultur. Gerade die allgemeine Abneigung gegen den Kommunismus – damals der schlimmste Feind der westlichen christlichen Zivilisation – veranlasste viele Gruppen und Bewegungen, ihre Kräfte zu bündeln. Cowan zeigt, dass die TFP dabei eine Hauptrolle spielte: „Brasilien wurde zu einem Eckpfeiler für die Entstehung und Akkreditierung [Ermächtigung] rechter Persönlichkeiten und Bewegungen, deren Bedeutung über nationale Grenzen hinausgehen würde“ [13].

Basierend auf größtenteils unveröffentlichten Dokumenten analysiert der Autor insbesondere die Beziehungen zwischen der TFP und der amerikanischen Neuen Rechten. Um sie zu verstehen, müssen wir einen Schritt zurücktreten.

Ende der 1940er Jahre nahm mit der Veröffentlichung von Burkes Politics [14] in den Vereinigten Staaten das Gestalt an, was später als Konservative Bewegung [15] bezeichnet wurde. Nach einer Zeit der doktrinären Ausarbeitung und einem verfrühten und daher gescheiterten Wahlversuch mit Barry Goldwater im Jahr 1964 landete diese Bewegung Ende der 1960er Jahre in Washington, wo sie Denkfabriken wie die Heritage Foundation und Strukturen für Aktionspolitik wie die Free Congress Foundation gründete. Die Seele dieser Initiativen war Paul Weyrich, ein Katholischen Traditionalist österreichischer Herkunft [16]. 1980 trug diese Neue Rechte dazu bei, dass Ronald Reagan, der erste „konservative“ Präsident wurde. Dann begann ein tiefgreifender und kraftvoller konservativer Aufschwung, der sich nicht nur auf die Politik, sondern auch auf die Kultur auswirkte [17].

Zusätzlich zu politischen und kulturellen Aktionen starteten die Katholiken der Neuen Rechten (tatsächlich die vorherrschende Stimme) eine Kampagne des Widerstands gegen den Progressivismus innerhalb der Kirche. Zu diesem Zweck gründeten sie das Katholische Zentrum, um „die linksgerichtete progressive Bewegung in der Kirche zu bekämpfen“ [18]. Aus dieser Schmiede kam es zum Beispiel 1986 zum ersten Mal, dass die Homosexuellen-Lobbys angeprangert wurde [19]. Ebenso wurden mehrere Studien gegen die sogenannte Befreiungstheologie veröffentlicht [20]. Es ist kein Zufall, dass es heute im Großraum Washington D.C. nicht weniger als fünfzehn Messen im alten römischen Ritus gibt. Es ist die lange Welle der konservativen Erneuerung.

Professor Plinio Corrêa de Oliveira war sich der Entwicklungen bewusst, die auf eine potenziell gegenrevolutionäre Reaktion hinweisen könnten, und legte großen Wert auf den Aufstieg dieser Neuen Rechten, sowohl wegen ihrer konkreten Wirkung als auch vor allem wegen dem, was sie als Veränderung im nordamerikanischen ideologischen Panorama der USA darstellte. Um die Beziehungen zu ihr zu stärken, verstärkte die amerikanische TFP ihre Präsenz in der Hauptstadt mit dem TFP Washington Bureau, dem Cowan beträchtlichen Raum einräumte.

Im Juni 1981 erhielt Plinio Corrêa de Oliveira in São Paulo Besuch von James Lucier, Berater des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des US-Senats, und Francis Bouchey, Vizepräsident des Interamerikanischen Sicherheitsrats, beide führende Vertreter der Neuen Rechten. Dann, im Jahr 1988, wurde er von Führern der Neuen Rechten besucht, darunter Paul Weyrich und Morton Blackwell. In seiner Rede vor den Mitgliedern und Mitarbeitern der brasilianischen TFP gestand Weyrich: „Die Gespräche, die ich mit Ihrem Präsidenten [Plinio Corrêa de Oliveira] geführt habe, waren die außergewöhnlichsten meiner gesamten politischen Karriere“ [21].

Cowan interessiert sich vor allem für die Internationalisierung dieser Neuen Rechten. Anschließend widmet er mehrere Seiten der Geschichte des International Policy Forum, einer Allianz konservativer Vereinigungen, die von Paul Weyrich ins Leben gerufen wurde und deren Vorsitzender Morton Blackwell ist. „Der Aufbau einer transnationalen Neuen Rechten – erklärt Cowan – erfolgte durch speziell zu diesem Zweck gegründete Organisationen. (…) Das International Policy Forum (IPF) war eine dieser Organisationen, vielleicht das paradigmatische Beispiel. (…) IPF hat relativ wenig akademische Aufmerksamkeit erhalten“ [22]. Das erste Treffen fand 1985 in Washington statt.

„Mehr als zwei Jahrhunderte lang hatten linke Intellektuelle und Aktivisten ihre internationalen Netzwerke aufgebaut, während die Konservativen ihre Kollegen in anderen Ländern überhaupt nicht kannten“, lesen wir in einem IPF-Dokument [23]. Der Verweis auf „mehr als zwei Jahrhunderte“ ist interessant und zeigt, dass IPF-Mitglieder nicht ausschließlich antikommunistisch waren, sondern eine umfassendere Vision des revolutionären Prozesses hatten.

Die Idee einer „konservativen Transnationalen“ war nicht neu. Tatsächlich bildeten die Gesellschaften zur Verteidigung von Tradition, Familien und Eigentum (TFP), die mittlerweile in zwanzig Ländern vertreten sind, bereits eine Art „Gegenrevolutionäre Internationale“. Genau auf Anregung von Plinio Corrêa de Oliveira und inspiriert vom Beispiel der TFP konzipierte Paul Weyrich die IPF und lud den brasilianischen TFP-Vorsitzenden daher ein, Mitglied des Gouverneursrats zu werden: „Weyrich baute eine enge und fruchtbare Beziehung auf mit der Brasilianischen Gesellschaft zum Schutze von Tradition, Familie und Eigentum (TFP), oder besser gesagt, mit dem transnationalen Netzwerk der TFP-Verbände“ [24]. Tatsächlich wurde der Führer der Neuen Rechten auf vielen seiner internationalen Reisen, um Kontakt mit konservativen/traditionalistischen Realitäten aufzunehmen, von Mitgliedern der TFP begleitet, die „Weyrich in das Netzwerk lokaler Freunde einführten“.

All diese Bemühungen, erklärt Cowan, „bauten internationale Koalitionen zur Verteidigung des traditionellen Christentums auf“ [25].

Cowan kommt oft auf die Idee der „Zentralrolle der TFP“ zurück: „TFP verbreitete sich geografisch und gründete Niederlassungen in der gesamten atlantischen Welt.“ Noch wichtiger ist, dass TFP Beziehungen zu den meisten Bewegungen der Neuen Rechten und Extremisten [sic] pflegte und sich so in den Mittelpunkt der Bemühungen stellte, internationale Bindungen der Zusammenarbeit zu schaffen“ [26].

Auf diese Weise nahm das Gestalt an, was Cowan eine „transnationale Neue Rechte“ nennt. Der kalifornische Professor erklärt: „Diese Vertreter der brasilianischen Rechten waren die Pioniere bei der Schaffung von Kooperationsnetzwerken mit ähnlichen Realitäten im Norden, eine Zusammenarbeit, die den Grundstein für die Konstitution einer transnationalen Neuen Rechten legte“ [27].

Anschließend zählt der Autor die Grundideen dieser Neuen Rechten auf: „Nostalgie für die Vergangenheit, vorzugsweise mittelalterlich; übernatürliche Vision; Antikommunismus; Antimodernismus; Moralismus; Antiökumenismus; Verteidigung von Hierarchien; Verteidigung des Privateigentums und der freien Initiative“ [28]. Laut dem Autor war „TFP der Hauptakteur bei der Entwicklung dieses neokonservativen Kreuzzugs auf dem Kontinent und auf der ganzen Welt.“

Es ist wichtig anzumerken, dass Cowan selbst zugibt, dass die TFP während dieser Verhandlungen stets ihre Identität als „militante Katholiken“ bewahrt hat, ohne jemals Kompromisse einzugehen und ohne jemals zu verbergen, dass ihr Ziel die Gegenrevolution war, d. h. die Wiederherstellung der christlichen Zivilisation in ihrer Integrität.

Zusätzlich zu diesen Bemühungen, die Galaxie der Neuen Rechten zu verbinden, beschreibt Cowan, wenn auch kurz, die Bemühungen, mit den europäischen Traditionalisten in Kontakt zu treten, wie Alleanza Cattolica in Italien und Lecture et Tradition in Frankreich.

Benjamin Cowan schließt mit der Hoffnung, dass die bedeutende Rolle von TFP und Prof. Plinio Corrêa de Oliveira für die Entstehung der antiprogressiven Reaktion in der Welt von Spezialisten besser untersucht werden könnte.

 

Fussnoten:

[1] Benjamin A. Cowan, Moral Majorities across the Americas. Brazil, the United States and the Creation of the Religious Right, University of North Carolina Press, 2021, pp. 16-17.

[2] Ibid., pp. 17-19.

[3] Ibid., p. 18.

[4] Ibid., p. 25.

[5] Ibid., p. 25

[6] Ibid., p. 230.

[7] Ibid., p. 234.

[8] Ibid., p. 23.

[9] Ibid., p. 24.

[10] Ibid., p. 59.

[11] Ibid., p. 59.

[12] Ibid., p. 137.

[13] Ibid., p. 137.

[14] Hoffman, Ross J. S., and Paul Levak (Eds.). Burke’s Politics: Selected Writings and Speeches of Edmund Burke on Reform, Revolution, and War. Pp. xxxvii, 536. New York: Alfred A. Knopf, 1949.

[15] La letteratura sul Conservative Movement è vastissima. Un riassunto si trova in Modern Age, vol. 26, n° 3-4, 1982.

[16] Cfr. Patriottismo, combattività e appetenza del soprannaturale. Intervista a Paul Weyrich, Tradizione Famiglia Proprietà, marzo 2002. https://www.atfp.it/rivista-tfp/2002/103-marzo-2002/733-intervista-a-paul-weyrich

[17] In realtà, la New Right si collocava assai più a destra di Reagan, a cui rinfacciava di fare troppo poco.

[18] Benjamin A. Cowan, Moral Majorities across the Americas, p. 146.

[19] Enrique T. Rueda, The Homosexual Network. Private Lives and Public Policy, Devin Adair, 1986.

[20] Enrique T. Rueda, The Marxist Character of Liberation Theology, The Catholic Center, 1986.

[21] Benjamin A. Cowan, Moral Majorities across the Americas, p. 151.

[22] Ibid., p. 144.

[23] Ibid., p. 146.

[24] Ibid., p. 151.

[25] Ibid., p. 152.

[26] Ibid., p. 153.

[27] Ibid., p. 60.

[28] Ibid., pp. 154-155.


Die Hervorhebungen sind von der Seite www.pliniocorreadeoliveira.info

Aus dem Italienischen Übersetzt in

https://www.pliniocorreadeoliveira.info/IT_20210930_destra_religiosa_internazionale.htm

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Diese deutsche Fassung „Die Rückkehr der Tradition...“ erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com