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Donnerstag, 26. März 2020

Christliche Abtötung, Lebensprinzip der Zivilisation



Zwei sehr unterschiedliche Nachrichten, deren Natur den Themen der Frömmigkeit sehr fremd ist, werden als Ausgangspunkt für unseren Artikel über die Karwoche dienen. Die erste betrifft „Rock and Roll“ in Schweden. Und die andere handelt von einem kollektiven Hirtenbrief des Schweizer Episkopats, der mit dem hohen Grad des Wohlstands zusammenhängt, den die Schweizer Republik erreicht hat.
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Die französische Zeitschrift „La Vie Catholique Illustrée“ veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom vergangenen 20. Januar (1957), folgende Meldung unter dem Titel „Jugend in Lederblouson“: „Schweden - eine Oase des Wohlbefindens und der Behaglichkeit - ist beunruhigt. Die Jugend gibt ihm Anlass zur Sorge. Eine Jugend in Lederjacke, bis zu Delirium begeistert von „Rock and Roll“, ist bereit für billige Aufruhr, Zerstörung und Grausamkeit. Worüber beklagt sich diese Jugend? Was fehlt ihr? In materieller Hinsicht fehlt ihr nichts. Aber gerade aus diesem Grund hat sie keine Erwartungen, keine Hoffnungen, letztendlich nichts weiter, wofür sie kämpfen sollte.
Aber vor allem auf der geistigen Ebene besteht ein riesiges Vakuum: Es gibt keinen Glauben mehr, keine Hoffnung. Es betrifft vor allem die Seele der schwedischen Jugend.“
Diese Meldung macht uns nachdenklich. Viele Soziologen versuchen die religiöse und moralische Krise unserer Zeit durch Elend, Unsicherheit, tiefgreifende psychische Auswirkungen dieser chaotischen Situation, durch ein Übermaß an Arbeit, verarmte Persönlichkeiten und unterwühlt von Leiden aller Art zu erklären.
Jetzt kommt uns die bestürzende Nachricht, dass die moralische Krise der schwedischen Jugend - die sich in keiner Weise von der anderer Länder in unserer normierten, standardisierten, homogenisierten Welt unterscheidet - nicht auf Armut, sondern auf Überfluss zurückzuführen ist. Wo sind wir eigentlich?
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In unserer letzten Ausgabe kommentierten wir einen Hirtenbrief des Schweizer Episkopats, anlässlich des Erntedankfests der am 16. September herauskam und in der renommierten französischen Zeitschrift „Marchons“ der priesterlichen Christ König Pfarrkooperatoren veröffentlicht wurde (Oktober 1956). Über dieses sehr wichtige Dokument möchten auch wir einige Kommentare abgeben.
Da das „Erntedankfest“ Gott unseren Dank für alle erhaltenen Wohltaten ausdrücken soll, ist es verständlich, dass es unsere Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die günstigen Aspekte der Situation lenkt, in der wir uns befinden.
Das Schweizer Episkopat zeigte eine erbauliche Ernsthaftigkeit des Geistes und beschränkte sich nicht nur darauf der Vorsehung für die vielen Gefälligkeiten zu danken, mit denen Sie diese Nation beschenkt hatte, sondern ging auch mit seltenem Mut auf die Gefahren ein, die derselbe Wohlstand für ihre Gläubigen schon jetzt mit sich bringt und bringen wird.
Und nichts ist logischer. Der authentische Ausdruck unserer Anerkennung Gottes besteht genau darin, Seine Gaben richtig zu nutzen. Ihm für seine Wohltaten zu danken, ohne diese zu Seiner größeren Ehre zu gebrauchen, wäre typisches und ausgeprägtes Pharisäertum!
Die blühende Situation in der Schweiz wird von den Prälaten folgendermaßen beschrieben: „In unserem Land läuft alles gut zum Besten; der Wohlstand entwickelt sich dank der hohen Konjunktur, die, wie es scheint, sich dauerhaft unter uns niedergelassen hat; überall herrscht Ordnung, und wir sind nicht weit davon zu glauben, dass unser Staat einer der weisesten und am besten regierten der Welt ist. Die Feierlichkeiten und die Demonstrationen der Freude, die fast ununterbrochen stattfinden, spiegeln ein mehr oder weniger allgemeines Wohlergehen wider und sind ein zweifelloser Hinweis eines relativ hohen Lebensstandards.“ Das ist sicherlich ein Bild, das keiner von uns sich wagen würde zu sagen, dass es auch für die brasilianische Realität gilt!
Lassen wir aber Brasilien beiseite und behalten die Schweiz im Auge.
In demselben Hirtenbrief sagt das Ehrwürdige Helvetische Episkopat: „Es gibt einen Gedanken, der in den Reden und Schriften des Heiligen Vaters häufig vorkommt: die tragische Situation der modernen Welt! Erst kürzlich, Anfang Juli, als er zu 25.000 Pilgern im Petersdom sprach, bekräftigte er energisch: Wir haben die Welt wiederholt gewarnt, sich am Rande des Abgrunds aufzuhalten. Diese Gefahr muss besonders ernst sein, wenn sich der Heilige Vater so stark ausdrückt. Es ist uns nicht erlaubt in diesem Warnruf eine banale Figur der Rhetorik zu erkennen“.
Diese Worte des erhabenen Stellvertreters Christi mit der Lage in der Schweiz konfrontierend, fragen die Bischöfe: „Wäre der Heilige Vater mit seinen ernsten Mahnungen vielleicht nicht ein Spaßverderber in der Schweizer Gemeinschaft?“
Dies ist ein Problem, das hier mit Kraft und Mut direkt angesprochen werden soll...
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Die vorgeschlagene Lösung ist ebenfalls deutlich und stark. Die Schweizer Bischöfe erkennen zunächst an, dass die Situation in ihrer Heimat außerordentlich gut ist, und sehen darin ein Geschenk Gottes, da materieller Wohlstand an sich und notwendigerweise keine Teufelsfalle ist. Sie erinnern jedoch daran, dass einige Vorbehalte zu machen wären, insbesondere im Hinblick auf die Konzentration des Reichtums. Dieses Thema, in das sich so viele vertiefen, verlieren und wahnsinnig werden, trübt jedoch nicht ihre Vision von „etwas viel Wichtigerem“. Und es ist dies: „Bringt uns der Wohlstand näher zu Gott?“
Von einem Thema zum anderen kommen wir also zum Mittelpunkt der Angelegenheit.
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Wir können die Schweizer Hierarchie leider nicht in all der großartigen Entwicklung, die sie dem Thema gibt, begleiten. Legen  wir jedoch einige der Fakten und Prinzipien fest, die sie anführt:
1) – „Während ein gewisser Überfluss uns helfen sollte, tugendhaft zu leben, führt uns der Wohlstand, den wir genießen, in Wirklichkeit direkt zum Materialismus. Dies ist die Gefahr! Das nicht zu erkennen, würde für uns bedeuten in einer falschen Sicherheit einzuschlafen, und so in den Abgrund zu rennen.“
2) – „Unter uns würde niemand es wagen, Gott offen zu leugnen und die Existenz der Materie als die einzige Realität zu behaupten.“ Doch „ist der Glaube an einen vergütenden Gott, der Richter über die Lebenden und die Toten ist, die Grundlage unseres Lebens, die treibende Kraft unserer Tätigkeit?“ Inspiriert die Furcht Gottes „immer noch unser öffentliches und privates Leben?“ Das Episkopat bringt das mit offensichtlichem Bedauern in Zweifel.
3) – „Der höchste Gedanke des modernen Menschen besteht darin, sich so bequem wie möglich in seinem irdischen Zuhause niederzulassen; er würde wünschen, dass es nicht nur mit dem Notwendigen, sondern auch mit dem Überflüssigen versorgt wäre, von allem was den Charme und das Vergnügen des Lebens ausmacht.“
4) – „Diese moderne, eindeutig materialistische Tendenz, die den Menschen dazu bringt, irdische Güter unter Ausschluss ewiger Güter zu suchen, ist energisch zu verurteilen. Dieser Trend ist die Wurzel der tiefgreifenden Unordnung, unter der unsere orientierungslose und unglückliche Generation leidet.“
5) - Mit diesen Worten denkt das Episkopat „besonders an das dem Geld hinterher rennen, das für viele zum höchsten Ziel des Lebens geworden ist, dem Götzen, dem alles geopfert wird und der von sich aus, alles rechtfertigt.“
6) – Die Bischöfe beziehen sich auch auf „das hecheln nach Vergnügen und Freuden, das buchstäblich so viele Unglückliche blind macht“, „auf so viele Übertretungen der Gebote Gottes“, so zahlreich, „dass man manchmal versucht wäre, dass trotz des äußeren Glanzes, das christliche Leben in Bälde nur noch eine reine Fassade darstellt.“
Wir wiederholen, dass wir Leider nicht das gesamte großartige Dokument hier wiedergeben können und nicht einmal den großartigen Teil, in dem es die Geistlichen Übungen und andere Mittel vorschlägt, um das Problem zu lösen.
Gehen wir auf das Bild ein, das uns die Schweizer Bischöfe vorgestellt haben. Eine moralische Krise, die genau aus einem Wohlstand heraus entstand, den die Menschen missbrauchten, in dem sie den Blick auf die Erde richteten und folglich eine schreckliche Leere in der Seele verursachten. In Schweden ist das durchaus der Fall... und in Brasilien ist dies zunehmend der Fall.
Denn unser armes Land, voller Elend, Übel und Krisen, leidet geistig unter dem Übel des Wohlhabenden! Wir sind nicht reich, aber unsere moralische Gefahr ist genau die der Schweiz und Schwedens. Wir haben — es gibt seltene, ehrenwerte Ausnahmen — das Geld zu unsrem Gott gemacht. Wir kümmern uns nur um Vergnügungen und Freuden. Wir leben, als wäre die Erde unser einziges Zuhause. Und deshalb sind wir bereit für „Rock and Roll“ und all die psychischen oder moralischen Störungen, von dem er ein Symbol ist. Oder, andererseits ist „Rock and Roll“ für uns schon etwas zurückgebliebenes. Deshalb fand er in Brasilien nicht einmal die Explosion der Begeisterung von tausend perversen ausgebrochenen Instinkten, die in anderen Ländern ausgelöst wurde. Denn ihm sind hier der Frevo, der Candomblé, die Macumba vorausgegangen.
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Was hat das mit der Karwoche zu tun? Alles! Gehen wir zur konkreten Tatsache. Der zeitgenössische Mensch sieht sich dem Bild einer materiellen Zivilisation gegenüber, die ihn betört. Die Wolkenkratzer, die großen asphaltierten Alleen, die funkelnden leuchtenden Werbeschilder, die Schaufenster, die großen Kinos, die Ballsäle, die Nachtclubs, die Autos, die Flugzeuge, alles fasziniert ihn, zieht ihn an und erfüllt vollständig seine Begierden.
Natürlich gibt es in all dieser Pracht unzählige Leiden, es kochen Verzweiflungen, es schäumen Aufstände. All dies bleibt jedoch im Bereich der sogenannten Marginalien. Es gibt zwar zahlreiche Ausnahmesituationen, die jedoch in keiner Weise die mentale Einstellung der Mehrheit widerspiegeln. Schlecht ernährt, schlecht geschlafen, schlecht gekleidet, unvollkommen medizinisch versorgt, bestehen die Bewohner großer Städte darauf, in ihnen zu verbleiben, um in der alltäglichen Pracht ihrer glänzenden Existenz zu leben. Der Beweis dafür ist der Unwille, ins Landesinnere zu ziehen, wo doch der Lebensrhythmus so viel friedlicher und gesünder ist. Auf der anderen Seite bedauern diejenigen vom Land meist ihre Situation und beneiden diejenigen der Großstadt. Und die Landbewohner ziehen in großen Mengen in die Städte.
Mit einem Wort, die materielle Pracht unserer Zivilisation weckt im modernen Menschen den Wunsch, das Leben zu genießen; jede Anstrengung, sich von dieser Haltung zu lösen, erscheint vergeblich.
Es geht aber genau darum: sich loszulösen. Und das nicht nur, weil diese Art von irdischem Glück für die große Mehrheit der Völker unerreichbar ist, sondern weil es, wenn sie erreicht wird, Barbaren hervorbringt. Schmerz ist im mentalen Panorama des Menschen notwendig, und dies unter allen Aspekten: Moralischer Schmerz, physischer Schmerz, Unsicherheit, Armut, Tod, alles, was den Menschen zum Stöhnen oder Weinen bringt. Es ist nicht so, dass wir denken, das Leben sei nur Schmerz. Aber ohne Schmerz ist das Leben kein Leben. Es ist Vulgarität, es ist Egoismus, es ist Niedrigkeit der Seele, es ist Schande.
Es liegt daher nicht in der Organisation einer Gesellschaft, ausschließlich gütige und erträgliche Existenzbedingungen zu schaffen. Es geht hauptsächlich darum, den Menschen erkennen zu lassen, dass der Schmerz trotz allem bestehen wird. Dass er eine zentrale Rolle in unserem Leben spielt. Und dass unser Leben nicht so viel wert ist, wegen das, was wir genossen haben, sondern wegen des vielen, das wir gelitten haben. Wegen des hohen moralischen Inhalts, der der Art und Weise innewohnt, wie wir gelitten haben.
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Nach all dem gesagten, wenn wir einerseits der Überzeugung sind, Dinge von größter Bedeutung gesagt zu haben, können wir andererseits uns nicht dem Gefühl entziehen, dass alles hohle Worte sind, eine Ansammlung gemeinsamer Orte mehr als allgemein bekannt, die aber nicht mitreißen, nicht überzeugen, nutzlos sind.
Und so ist es ziemlich genau. Niemals wird die Menschheit von sich aus diese Wahrheiten annehmen. Und die Menschen unserer Zeit noch weniger als jeder anderen.
Da unsere Generation ohne diese Wahrheit verloren geht und sogar auf der zeitlichen Ebene verloren geht, sieht man für sie kein Heilmittel und keine Rettung. Der Eisenring ist geschlossen. Die Zivilisation erzeugt den Wunsch nach Genuss, ist er befriedigt, erzeugt er die Barbarei. Also, oder bleibt der Mensch in der Barbarei oder er verlässt sie. Wenn er sie verlässt, ist es, um sich zu zivilisieren. Und wenn er zivilisiert ist, kehrt er zur Barbarei zurück. Und was für eine Barbarei! Des „Rock and Roll“ und der Wasserstoffbombe!
Wie kann man dem entkommen?
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Herr Jesus Christus, all diese Überlegungen führen mich zu den Füßen Deines Kreuzes. Mann der Schmerzen, in Deiner Seele und an Deinem Leib hast Du alles gelitten, was einem Menschen möglich ist, zu leiden.
Ich betrachte Deinen Leichnam, der vom Kreuz herabgenommen wurde, Deine Menschlichkeit wie vernichtet und Dein unendlich kostbares Blut, das während Deines Leidenswegs vergossen wurde.
Solange die Welt Welt ist, wirst Du den Schmerz am Horizont unserer Seelen darstellen. Schmerz, mit allem, was er an Adel, an Stärke, an Ernst, an Süße und an Erhabenes hat. Der Schmerz, erhoben aus dem einfachen Umfang philosophischer Überlegungen zum unendlichen Firmament des Glaubens. Der Schmerz, verstanden in seiner theologischen Bedeutung als notwendiges Sühneopfer und als unverzichtbares Mittel zur Heiligung.
Durch die unendlichen Verdienste Deines kostbaren Blutes gib unserem Geist die notwendige Klarheit, um die Rolle des Schmerzes zu verstehen, und unserem Willen die erforderliche Kraft, um ihn von ganzem Herzen zu lieben.
Nur durch das Verstehen der Rolle des Schmerzes und des Geheimnisses des Kreuzes, kann die Menschheit sich aus der enormen Krise retten, in der sie versinkt, und vor der ewigen Pein, die auf diejenigen wartet, die bis zum letzten Moment Deiner Einladung verschlossen blieben, mit Dir den Weg der Schmerzen zu gehen.
Heiligste Maria, Mutter der Schmerzen, vermehre auf Erden die Seelen, die das Kreuz lieben.
Dies ist die unbezahlbare Gnade, um die wir in der Abenddämmerung unserer Zivilisation in dieser Karwoche Dich bitten.


Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
„Catolicismo“, Nr. 76, April 1957
© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

„Christliche Abtötung...“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com


Dienstag, 9. Juli 2019

Der taube und stumme Geist


von Plinio Correa de Oliveira
Der hl. Petrus sagt in seinem zweiten Brief, dass Häresie schlimmer ist als Heidentum, das heißt, diejenigen, die zum Christentum konvertierten und dann wieder in Häresie verfallen, „haben den geraden Weg verlassen und sind in die Irre gegangen; so sind für sie die letzten Dinge ärger geworden als die ersten. Denn besser wäre es für sie, sie hätten den Weg der Gerechtigkeit nicht kennengelernt, als nach dem Erkennen sich wieder abzuwenden von dem heiligen Auftrag, der ihnen anvertraut wurde.“ (Vgl. 2. Petr 15 Ff.)
Was man von einem bloß abgefallenen Gläubigen sagen kann, kann auch von einem Volk oder von der Menschheit im Allgemeinen gesagt werden: Der heidnische Staat, der zum Christentum konvertiert und dann in Häresie verfällt, wird schlimmer sein als in seinem vormaligen heidnischen Zustand. Es wäre für ihn „besser gewesen, den Weg der Gerechtigkeit nie gekannt zu haben um ihm dann den Rücken zu kehren, nachdem er ihn erkannt hatte“.
Dies ist der Grund, warum Pius XI. in der Enzyklika „Divini Redemptoris“ erklärt, dass die Menschheit heute in einen schlechteren Zustand zu fallen droht als sie vor dem Kommen unseres göttlichen Erlösers war. Warum dass? Weil nachdem sie die Wahrheit der Evangelien kennengelernt hat, haben die Menschen sie schließlich wieder abgelehnt. So ist der gegenwärtige Zustand daher schlimmer als der frühere, das heißt, der Abfall der modernen Nationen bedeutet einen traurigeren und bedauerlicheren Zustand als den, den es gab, als die Menschheit sich noch in der Dunkelheit des alten Heidentums herumtrieb.
Der heilige Thomas von Aquin macht deutlich, dass die Häretiker vom wahren Glauben weiter entfernt sind als die Gottlosen und die Dämonen selbst, weil sie sich nicht auf Gottes Autorität stützen, sondern auf ihr eigenes Urteil. Und diese freie Entscheidung, dieser Liberalismus, diese Rebellion gegen den ausdrücklichen Willen Gottes kennzeichnen die Haltung der modernen Gesellschaft, die freiwillig dem heiligen Gebot den Rücken kehrt, das sie von Gott durch Seine Kirche erhalten hat, sowie den Mitteln der Erlösung die sie ihnen bietet.
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Trotz der Meinung derjenigen, die behaupten, dass die Menschheit dabei ist, sich von den Fesseln ihrer politischen, sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Gefangenschaft zu befreien, ist die Wahrheit für diejenigen, die keine Balken in den Augen haben, und für die, die nicht wie ein Händler auf die Stimme der Kirche hören, klar, dass immer mehr die dunklen Farben dieses Bildes stärker werden, vor dem Pius XI. fragte, ob wir nicht vor den für das Kommen des Sohnes der Missetat (Satan) auf Erden vorhergesagten Zeiten stünden.
Im Gegensatz zu den Warnungen der letzten Päpste sehen wir auf allen Seiten den Aberglauben an die rein menschlichen Mittel, die Häresie der Werke, ausgenommen der Waffen, die die göttliche Vorsehung immer als unverzichtbar für die Errettung der Menschheit anzeigte in Zeiten der Krise und des Verfalls. In diesem Reich der Klugheit des Fleisches werden die Mittel, die der Souveräne Herr aller Dinge den Menschen zur Verfügung gestellt hat, um die Strafe des Himmels für die Schmach dieser Welt abzuwenden: - Gebet und Buße - als unnötigen Schrott im Zeitalter der Atomenergie beiseite gelegt.
Dies ist die Botschaft der Erlösung die Gott, der Mittlerin aller Gnaden in seinen letzten Offenbarungen an die Menschheit anvertraut hat. In Lourdes und in Fatima hat uns die Heiligste Jungfrau nicht gebeten, große soziale Erlösungswerke zu unternehmen, die von den Wundern der modernen Technik gewirkt würden. Die selige Jungfrau empfahl uns in aller Einfachheit nur Gebet und Buße, die gleichen Waffen, die der heilige Dominikus gegen die Übel seiner Zeit einsetzte.
Damit die menschlichen Ressourcen, die auch Gaben Gottes sind, in unseren Händen Früchte bringen, ist es notwendig, dass wir unsere materiellen Werke durch dieses innere Leben der Gebete und Opfer unterbauen. Und in Anbetracht dieser himmlischen Bitte hat der Papst der Katholischen Aktion in der Enzyklika „Caritate Christi Compulsi“ vom 3. Mai 1932, nachdem er dargelegt hat, wie wir zur Verteidigung der Christenheit die legitimen uns zur Verfügung menschlichen Mittel einsetzen sollten, sich so über die Notwendigkeit der übernatürlichen Mittel ausgedrückt:
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„Gegenüber diesem satanischen Religionshass, der an das Geheimnis der Bosheit erinnert, von dem der heilige Paulus spricht, reichen die menschlichen Mittel und die Maßnahmen der Menschen nicht aus, und Wir vermeinen, ehrwürdige Brüder, Unserem Apostolischen Amte Abbruch zu tun, wollten Wir der Menschheit nicht jene wunderbaren Geheimnisse des Lichtes nahe legen, die allein in sich die Kraft bergen, die entfesselten Gewalten der Finsternis zu überwältigen. Als der Herr aus dem Glanze des Tabor herniederstieg und den vom Teufel gepeinigten Knaben heilte, den die Jünger nicht zu heilen vermocht hatten, gab er ihnen auf die demütige Frage: Warum konnten wir ihn nicht austreiben? mit den denkwürdigen Worten Auskunft: Diese Art von bösen Geistern wird nicht anders als durch Gebet und Fasten ausgetrieben.
Ehrwürdige Brüder, Uns scheint, diese göttlichen Worte seien geradezu bestimmt für die Missstände unserer Zeit, die einzig mittels Gebet und Buße beschworen werden können.
Unserer Bestimmung als wesentlich beschränkte und von einem höheren Sein absolut abhängige Wesen bewusst, wollen Wir also vor allem zum Gebete Zuflucht nehmen. Wir wissen aus dem Glauben, wie viel die Macht des schlichten, vertrauensvollen, beharrlichen Gebetes vermag. Keinem anderen frommen Werke wurden jemals von dem Allmächtigen so große, so allgemeine, so feierliche Versprechungen gegeben wie dem Gebete: Bittet, und es wird euch gegeben werden, suchet und ihr werdet finden, klopfet an, und es wird euch aufgetan werden. Wahrlich, wahrlich sage ich euch, was ihr in meinem Namen vom Vater begehren werdet, das wird er euch geben.“
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„Dem Gebete muss sich aber die Buße beigesellen, der Geist der Bußgesinnung und die Ausübung der christlichen Buße. So lehrt es uns der göttliche Meister, dessen erste Predigt ja gerade die Buße betraf: Jesus begann zu predigen und zu sagen: Tuet Buße! Dasselbe lehrt uns auch die gesamte christliche Überlieferung, die ganze Kirchengeschichte: die Gläubigen haben in den großen Bedrängnissen, in den großen Wirren der Christenheit, wenn die Notwendigkeit der Hilfe Gottes besonders groß und dringlich war, sei es spontan oder häufiger noch auf Einladung und nach dem Beispiel ihrer Oberhirten, zu den beiden kräftigsten Waffen des geistlichen Lebens gegriffen, zum Gebet und zur Buße. Dank diesem heiligen Triebe, von dem sich das christliche Volk, solange es nicht von Verführern zum Aberglauben verleitet ist, sozusagen unbewusst leiten lässt, und der gar nichts anderes ist als jener Sinn Christi, von dem der Apostel spricht, haben die Gläubigen in ähnlichen Lagen stets das Bedürfnis gefühlt, ihre Seelen von der Sünde zu reinigen, und haben deshalb stets sich bemüht, tiefe Reue zu erwecken, das heilige Bußsakrament zu empfangen und auch durch äußere Bußwerke der göttlichen Gerechtigkeit Sühne zu leisten.
Wir wissen es wohl, und mit Euch, ehrwürdige Brüder, beklagen Wir es, dass in unseren Tagen der Gedanke und sogar der Name der Sühne und der Buße bei manchen zu einem großen Teile die Kraft verloren haben, großmütige Gesinnungen und heldenhafte Tatkraft zu wecken, wie das zu anderen Zeiten der Fall war, da sie in den Augen des gläubigen Menschen mit dem heiligen Merkmal Christi und seiner Heiligen gesiegelt erschienen. Es fehlt nicht an Leuten, welche die äußeren Bußübungen als veraltete Dinge abschaffen möchten, um nicht gar vom heutigen sogenannten freien oder «autonomen Menschen» zu sprechen, der jede Buße als etwas Sklavisches stolz verachtet. Und das nimmt Uns nicht wunder, denn je mehr der Glaube an Gott dahinschwindet, umso mehr wird, der Begriff von einer Erbsünde und einer ursprünglichen Auflehnung des Menschen gegen Gott verwischt und ausgehöhlt, und noch mehr geht die Einsicht von der Notwendigkeit der Buße und der Sühneleistung verloren.
Wir aber ehrwürdige Brüder, haben aus oberhirtlicher Amtspflicht diese Begriffe und diese Auffassung reinzuhalten und sie ihrer wahren Bedeutung, in ihrem ursprünglichen Adel und mehr noch in ihrer Ausübung für das christliche Leben zu erhalten.
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Das verlangt auch die Verteidigung Gottes und der Religion selbst, die Wir übernommen haben. Denn die Buße ist ihrer Natur nach eine Anerkennung und Wiederherstellung der sittlichen Weltordnung, die auf dem ewigen Gesetz, das heißt auf Gott selbst, beruht. Wer Gott für die Sünde Genugtuung leistet, anerkennt damit ohne weiteres die Heiligkeit der höchsten Sittengesetze, ihre innere verpflichtende Macht und die Notwendigkeit einer Genugtuung gegenüber ihrer Verletzung.
Es ist sicher einer der gefährlichsten Irrtümer unserer Zeit, die Moral von der Religion trennen zu wollen, wodurch man der Gesetzgebung jede Grundlage wegnimmt. Diese Geistesverirrung konnte vielleicht unbeachtet bleiben und weniger gefährlich erscheinen, solange sie sich auf wenige beschränkte und der Gottesglaube noch allgemeines Gut der Menschheit war, und man ihn stillschweigend auch bei denjenigen noch voraussetzte, die ihn nicht mehr öffentlich bekannten.
Heute aber, da die Gottlosigkeit sich in den Volksmassen verbreitet, werden die furchtbaren Folgen, dieses Irrtums täglich greifbarer und treten mehr und mehr zutage. An Stelle der Sittengebote, die zugleich mit dem Gottesglauben verblassen, tritt die rohe Gewalt, die jedes Recht mit Füßen tritt. Die alte Zuverlässigkeit und Ehrenhaftigkeit im Handeln, wie auch die Rechtlichkeit im wechselseitigen Verkehr, die doch sogar von den Rednern und Dichtern des Heidentums gar sehr verherrlicht wurde, treten ihren Platz den gewissenlosen Spekulationen ab, sowohl in den eigenen wie in fremden Angelegenheiten. Und wie kann ein Vertrag noch aufrecht erhalten werden, und welchen Wert kann ein Abkommen noch haben, wo jede Gewissens-Garantie fehlt? Und wie kann man von Gewissens-Garantie sprechen, wo jeder Gottesglaube, jede Gottesfurcht abhanden gekommen ist? Ist diese Grundlage zerstört, so fällt auch jedes Sittengesetz dahin, und es gibt keinerlei Mittel mehr, das den schrittweisen, aber unausweichlichen Untergang der Völker, der Familien, des Staates, der menschlichen Zivilisation selber aufzuhalten vermöchte.
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Die Buße ist somit gleichsam eine wohltätige Waffe, welche in die Hand tapferer Soldaten Christi gelegt ist, die für die Verteidigung und die Wiederaufrichtung der sittlichen Weltordnung kämpfen wollen. Gerade das ist eine Waffe, die alle Missstände an der Wurzel fasst, nämlich, an der Begierlichkeit nach vergänglichen Reichtümern und zügellosen Lebensfreuden. Mittels freiwilliger Sühnopfer, mittels des Verzichtes auf Freuden, selbst wenn er schmerzlich empfunden wird, mittels der verschiedenen Bußübungen, überwältigt der wackere Christ die niederen Leidenschaften, die ihn zur Verletzung der sittlichen Ordnung verleiten wollen. Sind der Eifer für Gottes Gebote und die brüderliche Nächstenliebe in ihm so groß, wie sie es sein sollen, dann beschränkt er seine Bußübungen nicht nur auf sich und seine eigenen Sünden, sondern er opfert sie auch auf zur Sühne für die Sünden anderer nach dem großen Vorbilde der Heiligen, die sich häufig zur Sühne der Sünden ihrer Zeit zum Opfer darbrachten. Ja, sie folgen dabei dem göttlichen Erlöser selber nach, der sich zum Gotteslamm machte, das die Sünden der Welt hinwegnimmt.“

Freie Übersetzung des Artikels “O espírito surdo e mudo” von Plinio Corrêa de Oliveira in der Wochenzeitung “O Legionário“ Nr. 734, vom 1. September 1946.

Donnerstag, 19. März 2015

Die Eucharistie und das Apostolat in der modernen Welt

Während der Eucharistischen Woche des Bistums Campos im Jahr 1955 hielt Prof. Plinio Corrêa de Oliveira hierzu einen viel beachteten Vortrag, dessen Hauptgedanken wir hier vorstellen möchten.

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Die Eucharistie und das Apostolat in der modernen Welt

Es ist dies ein Thema, über das man eine ganze Reihe von Überlegungen anstellen kann. Die vier Begriffe, aus denen es sich zusammensetzt, sind zwar alle wichtig, doch unter dem Gesichtspunkt der Genauigkeit und Klarheit sind sie gleichzeitig äußerst ungleich.

Was verstehen wir denn unter „Welt“ und was sollen wir erst unter„moderner Welt“ verstehen?

Was ist die Welt?

Im Evangelium ist von der Welt die Rede. Unser Herr hat sich geweigert, für die Welt zu beten. Und doch haben die Apostel den Auftrag erhalten, alle Völker zu evangelisieren, und das heißt doch wohl, die ganze Welt evangelisieren. Was bedeutet eigentlich das Wort„Welt“?

Umgangssprachlich bezeichnet das Wort Welt den Erdball, auf dem wir leben. Sie bezeichnet einerseits die ganze Menschheit, aber auch eine bestimmte Gesellschaft zeitlichen Lebens, die sich in diesem Sinne von der Kirche unterscheidet. In einem anderen Sinne ist „Welt“ eine Art Reich der Finsternis und des Teufels. Es entspricht dies nicht eigentlich der zeitlichen Gesellschaft, sondern dem Bösen, dessen Fürst der Teufel ist, und deshalb sagen wir auch, dass der Teufel der Fürst dieser Welt ist.

Die verschiedenen Bedeutungen des Wortes „modern“

Modern. Was aber ist modern? In einem gewissen Wortsinn bedeutet„moderne Welt“ die Welt von heute im Gegensatz zur Welt von gestern. Es muss aber eingeräumt werden, dass die moderne Welt nicht allein aus modernen Dingen besteht, denn die ganze menschliche Vergangenheit ist ja auch Teil der modernen Welt. Gleichzeitig stoßen wir in der modernen Welt auf den Widerschein einer superneuen, superatomaren Ära, die sich am fernen Horizont in Richtung Zukunft abzeichnet. Und doch nehmen wir in der modernen Welt noch das Wetterleuchten der Vergangenheit mit den Anfängen unserer Zivilisation wahr, die in ihr immer noch glänzen, fortbestehen und weiterleben. Der gegenwärtige Augenblick, der moderne Augenblick, dieser Augenblick, in dem ich zu Ihnen spreche, setzt sich also aus sehr heterogenen Elementen zusammen, die von den Erfahrungen und den bleibenden Errungenschaften fernster Vergangenheit bis hin zu den Aussichten auf eine unsichere, ferne Zukunft reichen. So ist das Lebensbild eines Menschen in einem bestimmten Moment nicht nur das Bild, das er gerade vor Augen hat, sondern auch das Bild der Aussichten, Pläne und Prognosen, die er in seiner Seele trägt.

Die moderne Welt erscheint uns also als eine Welt voller widersprüchlicher, gegensätzlicher Aspekte. Da ist die Vergangenheit, aus der wir kommen und der gegenüber versucht wird, wie wir gleich sehen werden, einen Gegensatz zu dem Wort „modern“ zu bilden. Und doch ist uns so viel Glorreiches aus dieser Vergangenheit geblieben! Vor allem aber besitzen wir etwas, das mehr ist als Vergangenheit, mehr als Gegenwart, mehr als Zukunft, denn es ist göttlich. Es ist dies die heilige römisch-katholische apostolische Kirche.

Modernität der Kirche

Fast zweitausend Jahre alt, ist die Kirche die jüngste, blühendste, verheißungsvollste Institution der modernen Welt. Und in einer Zivilisation, die unter so vielen Aspekten zu zerfallen und sich auf ihren Untergang zuzubewegen scheint, gibt es nur ein Ding, das nicht vergeht, sondern vielmehr unbegrenzte Jugend verspricht – das ist die katholische Kirche. In diesem Sinn des Wortes „modern“, ist sie in allen Zeiten modern. Modern ist sie aus der göttlichen Seite Unseres Herrn Jesus Christus hervorgegangen. Und modern wird sie auch noch in den letzten Augenblicken der Menschheit sein, wenn hoch am Himmel der Menschensohn in all seiner Majestät erscheinen wird.

Eine andere Bedeutung von „modern“

Wenn wir uns aber die Bedeutung von „modern“ etwas genauer ansehen, werden wir feststellen, dass das Wort oft in einem anderen Sinne gebraucht wird, nämlich als das, was im Gegensatz zum Hergebrachten steht. Modern ist dann das, was gerade erst entstanden ist. In diesem Sinne hören Dinge jeden Augenblick auf, modern zu sein, und andere, moderne Dinge treten an ihre Stelle. Noch gestern, vorgestern, vor vierzehn Tagen hat man die Kinderlähmung auf eine bestimmte, moderne Weise behandelt, doch heute schon ist diese Behandlung überholt, weil man ein besseres, noch wirksameres Vorgehen entdeckt hat. Damit gehören nun alle vorherigen Behandlungsmethoden der Geschichte der Medizin an und bilden von dem Zeitpunkt an, als die neue Methode eingeführt wurde, eine abgestorbene Vergangenheit.

In diesem Sinn ist unsere Epoche so verrückt auf Neuheiten. Sie brüstet sich, modern zu sein und in der Umgebung einer Unmenge von Neuheiten zu leben, die es früher nicht gab und die ihr das Kennzeichen der Überlegenheit gegenüber der Vergangenheit verleihen.

Eine dritte Bedeutung des Wortes „modern“

Das Wort „modern“ besitzt aber noch einen differenzierteren, schwer zu durchschauenden Sinn, auf den es in unserer Analyse schließlich ankommt.

Man würde nicht behaupten, dass ein Land, in dem die Trennung von Kirche und Staat herrschte, mit der etwaigen Rückkehr zum System der Einheit von Kirche und Staat moderner geworden sei. Viele würden jedoch behaupten, dass ein Land, das von der Einheit zur Trennung von Kirche und Staat übergeht, moderner geworden sei. Niemand würde behaupten, dass der Übergang vom Scheidungsrecht zur Untrennbarkeit der Ehe einer Modernisierung gleichkomme. Doch viele meinen, dass die endliche Einführung des Scheidungsrechts anstelle der Untrennbarkeit eine Modernisierung sei. Man würde nicht sagen wollen, dass die Erhaltung von Eliten, die Wahrung eines hierarchischen Aufbaus der Gesellschaft, die Sorge um die Beibehaltung von Sitten und Gebräuchen, der Bestand von Institutionen, die die in jeder strukturierten Gesellschaft unentbehrliche hierarchische Ordnung festlegen, ein typisch modernes Anliegen sei. Man würde vielmehr einwenden, dass derlei Dinge zur Vergangenheit gehören und dass sich ein moderner Geist eher darum bemühe, gesellschaftliche und politische Barrieren abzubauen und die vollkommene Gleichheit anzustreben, die im Kommunismus ihre Verwirklichung finde, wo sogar wirtschaftliche Gleichheit herrsche.

„Modernität“ – die Seele der heutigen Welt

Nachdem wir so die verschiedenen Bedeutungen des Wortes „modern“beschrieben haben, können wir uns nun fragen, welche Rolle dieser Modernität innerhalb der heutigen Welt zukommt.

Und wir könnten sagen, dass die Geisteshaltung, die sich als modern bezeichnet, wenn sie auch nicht alles für sich eingenommen hat, so doch die große Antriebskraft ist, die hinter fast allen Ereignissen steckt, denn sie ist das Hauptmerkmal dieses Moments und die große Gefahr. Es wäre zwar sicher übertrieben, behaupten zu wollen, dass es in der heutigen Welt nichts als diese erbärmliche Modernität gebe, doch wäre es ebenso ein Zeichen von Blindheit und Wahnsinn, bestreiten zu wollen, dass diese erbärmliche Modernität das Kennzeichen und der Hauptzug dieser Epoche ist, in der wir leben.

Das Heil der modernen Welt

Gewiss stimmt es aber auch, dass es in der mehr und mehr von dieser Geisteshaltung beherrschten Welt einen gewissen Jemand gibt, die ewig und immer zugegen ist – es ist dies unser Herr Jesus Christus. Er ist in allen Tabernakeln dieser Welt gegenwärtig, in den goldenen Tabernakeln der Heiligtümer der Christenheit; in den ärmlichen Tabernakeln, den verborgenen Tabernakeln der Länder hinter dem Eisernen- und dem Bambusvorhang. Doch dieser Jemand, Unser Herr Jesus Christus, dessen Gegenwart nicht mit den Sinnen des Körpers wahrzunehmen ist, ist der große Apostel der heutigen Zeit. Und Er richtet sich stets an die Menschen, zwar in einer stummen, doch unendlich wirksamen Sprache, nämlich in der Sprache des Herrn, unseres Gottes. Er spricht zu ihnen fortwährend von der Notwendigkeit, ihr Leben auf Gott aufzubauen, seine Autorität anzuerkennen und sich aus ganzem Herzen zu Gott dem Herrn zu bekehren.

Früchte der heiligen Eucharistie

Und in dieser schrecklichen modernen Welt geschieht, was immer geschieht, wenn Gott herausgefordert wird: Gott vermehrt seine Wundertaten, und während die Frevelhaftigkeit ihrem Höhepunkt zusteuert, nehmen wir wunderbare Früchte der heiligen Eucharistie wahr, Früchte der Gnade, die dem Apostolat unvergleichliche Erfolge bescheren. Während sich die Menschen massenweise dem Vergnügen und dem Laster zuwenden, während sich die Menge dem Bösen gegenüber schweigend verhält und sich feige abwendet, nimmt überall die Zahl jener Seelen zu, die in ihrem Streben nach Vollkommenheit, nach uneingeschränkter Rechtgläubigkeit, nach völligem Gehorsam gegenüber der heiligen Kirche alles verlassen, auf alles verzichten und sich bereit zeigen, die Lehre der Kirche zu behaupten, aus Liebe zu dem in der heiligen Eucharistie gegenwärtigen Herrn Jesus Christus alles zu erleiden und zu besiegen.

Beispiele: Heilige Maria Goretti

In diesem Moment steigt in meiner Erinnerung die engelhafte Gestalt der heiligen Maria Goretti auf. In einer Zeit, in der sich ein neues Heidentum, das den ganzen Verfall der modernen Zivilisation zur Schau stellt, gibt dieses jungfräuliche Mädchen mit aller Entschiedenheit sein Leben hin, weil es nicht das verlieren will, das es mehr liebt als alles, mehr sogar als sein Leben: jene Jungfräulichkeit, die man als das wertvollste Geschenk des Lebens zu schätzen lernt, wenn man ein wirklich eucharistisches Herz besitzt. Die heilige Maria Goretti ist ein Höhepunkt. Ob dies wohl ein Einzelfall ist?

Das Marienkind aus Wien

Wie viele Heldentaten geschehen zur Zeit in den westlichen wie östlichen Ländern. Da gibt wes den Fall eines Mitglieds der Marianischen Kongregation in Wien, von dem ich erzählen hörte, dass er sich einer schmerzhaften Operation unterziehen musste: Seine Zunge musste amputiert werden. Kurz vor dem Eingriff macht er dem Arzt ein Zeichen, das andeutet, er wolle noch ein letztes Wort sagen, bevor ihm das Organ entnommen werde. Der Arzt stimmt zu und ein Moment der Stille und Ergriffenheit setzt ein im OP-Saal. Alle denken, der junge Mann wolle noch eine letzte Bitte äußern oder einige liebenswürdigen Worte an die Anwesenden richten, oder vielleicht eine letzte Klage von sich geben. In diesem Augenblick des Schweigens und der Besinnung, öffnet er seinen Mund und spricht mit großer Mühe ein wunderbares Wort aus: „Es lebe die Jungfrau Maria!“ Danach ging er ein in das Schweigen, das ihn alle Tage seines Leben nun begleiten würde. Seine Worte waren das Echo seiner Frömmigkeit, die ihn dazu führte den letzten Moment seiner Sprachfähigkeit zu nutzen, um die Muttergottes zu Preisen.
Der Jungfrau Maria, von so vielen vergessen, verleugnet und unterschätzt, wird durch eine einzige Geste dieser Art eine unvorstellbare Ehre erwiesen. Sie bringt auch in der modernen Welt Legionen solcher Seelen hervor.


Die Märtyrer des Tabernakels

In diesem Augenblick erinnere ich mich noch an einen anderen Fall, welcher sich hinter dem Eisernen Vorhang zugetragen hat und von dem die Zeitung Osservatore Romano berichtete. Die Kommunisten hatten in ein Dorf besetzt, in dem es eine katholische Kirche gab. Nun hatten die Buben des Dorfes gehört, dass die Kommunisten zu einer bestimmten Stunde in die Kirche eindringen wollten, um den Tabernakel aufzubrechen und die geweihten Hostien zu schänden. Es wurde Nacht und draußen hatte es geschneit. Das Mondlicht lag hell auf dem Schnee. Die Stunde des Überfalls auf die Kirche rückte immer näher. Würde der Herr wieder einmal allein auf dem Ölberg ausharren müssen? Nein. Drei Buben, die durch ein offenes Fenster in die Kirche gedrungen sind, wachen bereits stundenlang. Als die Kommunisten dann die Tür aufbrechen und vordringen, versucht einer der Buben umsonst, ihnen mit seinen kindlichen Händen den Weg zum Tabernakel zu versperren. Sie schlagen ihn nieder. Ein zweiter Junge versucht, die Kommunionbank zu verteidigen und wird ebenfalls ermordet. Der dritte Junge steigt auf den Altar, um den Tabernakel mit seiner eigenen Brust zu schützen. Doch die Barbaren töten diesen lebendigen Tabernakel, bevor sie den vergoldeten Tabernakel aufbrechen. Sie nehmen die geweihten Hostien heraus und schänden sie. Die Hölle jubelt, doch mehr noch jauchzt der Himmel ob des in der Kirche vergossenen Blutes der drei kleinen Märtyrer, das bestimmt nicht weniger Ruhm verdient als das der Märtyrer, die einst in der Arena des Kolosseums ihr Blut vergossen haben.

Der Kampf in der modernen Welt

Damit habe ich Ihnen ein Bild vom Wirken der Eucharistie in der modernen Welt vor Augen geführt. In dem Augenblick, in dem die Frevelhaftigkeit auf ihren Höhepunkt gelangt, erreichen auch Gnade und Barmherzigkeit ihren Höhepunkt. Der Stärke des Lasters und des Bösen setzt Gott die unbezwingliche Stärke des Guten entgegen. Die katholische Kirche wird über die moderne Welt triumphieren. Dieser Triumph wird gewiss aus dem gigantischen Aufeinanderprallen der geringen Kräfte des Guten und der ungeheuren Kräfte des Bösen hervorgehen. Doch vielleicht werden wir noch dieses Ereignis sehen, dass die Kirche einen der größten Siege aller Zeiten davontragen wird, und es wird dies der Sieg der heiligen Eucharistie sein, dieser Quelle der Gnaden, die durch die Vermittlung und Fürsprache unserer Lieben Frau für die Welt offensteht. Mit ihren an den eucharistischen Jesus gerichteten Bitten erwirkt uns die Gottesmutter die Gnaden, derer wir bedürfen.


Muttergottes, die Mittlerin

Diese Rolle der heiligen Eucharistie in der Modernen Welt veranlasst uns, unsere Gedanken zur Muttergottes zu erheben. Da von Triumph und Gnaden nicht sprechen kann ohne Sie zu erwähnen, denn Sie ist ja die notwendige Mittlerin zwischen Gott uns den Menschen, kann ich behaupten, dass eine der kostbarsten Gnaden, die die heilige Eucharistie der Welt schenkt, ist die Verehrung Mariens. Und diese in unserem Land des Heiligen Kreuzes so eigene und in ihm verwurzelte Marienfrömmigkeit wird unser Land, Brasilien, erretten.


Die Eucharistie hat im Apostolat zweifelsohne eine substantielle Bedeutung, denn in der Eucharistie begegnen wir dem Heiland selbst. Und durch die Kommunion empfangen wir Ihn, Er selbst kommt in unsere Herzen um uns zu heiligen und mit ihm eins zu werden. 
Quelle: „Anais da Semana Eucarística de Campos“, 
Rio de Janeiro,  17/24-04-1955, pp. 101 a 113