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Montag, 9. Januar 2023

Wahrer technischer Fortschritt: kluges Handeln der universellen Ordnung

Pius XII. verurteilt diejenigen, die sich den Angriffen des totalen Pessimismus beugen

Plinio Corrêa de Oliveira



Die Schöpfungsordnung, die sich hier in ihrer höchsten Ausprägung, dem Himmlischen Hof, zeigt, bestimmt auch den Menschen in seiner irdischen Existenz. Es ist der Plan der Vorsehung, dass der Mensch, der nach dieser Ordnung handelt, durch das Werk seiner Hände die Vortrefflichkeit der Schöpfung in gewisser Weise vervollständigen soll. Wenn die Technik sich ganz von der Lehre der Kirche leiten lässt, trägt sie zu einem echten Fortschritt bei, der sich von dem immensen Chaos unterscheidet, in das uns der neuheidnische Technizismus geführt hat. – Das Bild: Miniatur von Jean Fouquet, 15. Jahrhundert.


Wir schließen heute den Kommentar ab zu den päpstlichen Gedanken in der Weihnachtsbotschaft von 1957.(1)

Unsere Leser werden sich daran erinnern, dass sich Seine Heiligkeit bei der Darlegung seiner leuchtenden Lehre vor allem an diejenigen wendet, die angesichts der immensen Katastrophe des modernen Technizismus sowohl auf individueller als auch auf kollektiver Ebene zu dem dramatischen Schluss gekommen sind, dass es keine Lösung für die menschlichen Probleme mehr gibt.

Indem er diesen Irrtum widerlegt, macht Pius XII. deutlich, dass ein wichtiger Teil der Wahrheit darin enthalten ist. Dieser Teil besteht in der Kritik an den sehr schwerwiegenden Schäden, die die Anbetung der Technik in der Welt angerichtet hat. Wir haben die monumentale Analyse dieses Schadens durch den Papst bereits in unseren früheren Kommentaren behandelt. (s.) Heute wollen wir aufzeigen, was der Heilige Vater an der Lehre derjenigen für falsch hält, die angesichts der Krise der Technik alles Böse auf sie schieben, sich gegen jeden Fortschritt auflehnen und schließlich behaupten, das Universum sei ein Chaos, eine Unordnung ohne Zusammenhang und Sinn. Was zählt, ist die Behauptung, dass es keinen Gott gibt oder dass Gott nicht gut ist. Es sind „diejenigen, die sich - in der Formulierung der Botschaft - den Angriffen des totalen Pessimismus beugen, die in der Welt nichts anderes sehen können als ein Meer von Grausamkeiten und Schmerzen, das den einzelnen Menschen und die Völker zerreißt und das direkt oder indirekt die Errungenschaften des äußeren Fortschritts begleitet“. Weitere Gründe, die diesen Pessimismus zu rechtfertigen scheinen, sind:

1) der Wahn nach Neuem, der zur Verachtung der „authentischen Werte ..., die der menschlichen Gesellschaft zugrunde liegen“ führt (2);

2) die fortschreitende innere Verrohung des modernen Menschen, die mit seinem ständigen materiellen Fortschritt einhergeht;

3) Der vorherrschende materielle Fortschritt „hat das harmonische und glückliche Ganze des Menschen zerrüttet und seine Empfindsamkeit für die elementarsten moralischen Grundsätze gleichsam verstümmelt“.

Daraus ergibt sich für den Menschen unserer Tage eine ungeheure „Selbstbewunderung“, die aus einer „Art Rausch, der durch die Errungenschaften der modernen Technik hervorgerufen wird“, und eine „uneingeschränkte Bewunderung für jedes materielle Produkt“.

Eine genauere Betrachtung des Themas führt jedoch zu den folgenden Schlussfolgerungen:

1) Es ist nicht wahr, dass das Universum ein Chaos ist: Es ist im Gegenteil ein geordnetes und ausgezeichnetes Werk Gottes;

2) Folglich kann der technische Fortschritt an sich der Menschheit nur Vorteile bringen.

3) Wenn er sie nicht gebracht, sondern sogar dazu beigetragen hat, die Probleme der Menschen in hohem Maße zu verschärfen, so ist dies darauf zurückzuführen, dass der heutige Fortschritt in vielerlei Hinsicht kein echter Fortschritt mehr ist: Er hat sich von falschen Lehren inspirieren und leiten lassen und ist so, zwar nicht in seiner Gesamtheit, aber doch auf verschiedene Weise, zu einem Faktor geworden, der den Menschen deformiert und seine Probleme verschlimmert;

4) Diese dramatische Abweichung vom Fortschritt war möglich, weil in der Menschheit ein Faktor der Unordnung existiert, der durch die Erbsünde und die aktuellen Sünden verursacht wurde. Dieser Faktor, von dem sich der Fortschritt, wie wir gesehen haben, so oft hat beherrschen und korrumpieren lassen, ist nicht das Werk Gottes, sondern des Menschen;

5) das Heilmittel für dieses Übel besteht in Jesus Christus, dem Sohn Gottes und unserem Erlöser. Hätte sich der Mensch nicht von ihm abgewandt, hätte der Fortschritt nicht eine so tragische Wendung genommen. Wenn der Mensch zu seinem göttlichen Erlöser zurückkehrt, wird der Fortschritt von seinen Irrtümern befreit und die besten Früchte hervorbringen.

* * *

Pius XII. legt diese Wahrheiten nicht in dieser Reihenfolge dar, sondern in der sehr hohen und kostbaren Perspektive der Beziehung zwischen dem menschlichen Fortschritt und dem fleischgewordenen Wort, die uns das Weihnachtsfest in der Krippe von Bethlehem vor Augen führt. In Anbetracht des außerordentlichen lehrmäßigen Reichtums dieses Dokuments erscheint es uns angebracht, für unsere Arbeit so weit wie möglich eine schematische Form zu wählen.

So lautet die Hauptthese der Pontifikaladresse:

„Der neugeborene Christus offenbart sich und bietet sich der Welt von heute an:

1) als Trost für diejenigen, die die Disharmonien beklagen und an der Harmonie der Welt verzweifeln;

2) als Unterpfand für die Harmonie der Welt

3) als Licht und Weg jeder Bemühung des Menschengeschlechts, Harmonie in der Welt herzustellen“.

Diese These wird anhand der folgenden Punkte entwickelt:

1) Die Heilige Dreifaltigkeit und die Harmonie des Universums

Der Heilige Vater entwickelt das Thema der Beziehung zwischen der Heiligen Dreifaltigkeit und der Harmonie des Universums mit diesen grandiosen Worten:

»Die Allmacht dessen, der, „was immer ihm gefällt, vollbringt er“ (Ps 115,3), unterstützt von seiner unendlichen Weisheit, die sich „kraftvoll erstreck von einem Ende zum anderen und leitet das All vortrefflich“ (Weish 8,1), hat das große Gesetz der Harmonie geschaffen, das die Welt erfüllt und ihre Ereignisse erklärt. Der Geist Gottes, der von Anfang an der Schöpfung aus der Höhe vorstand, ist gleichsam in sie hineingeströmt; und als in der Fülle der Zeit das ewige Wort selbst durch das Werk der barmherzigen Liebe, indem es Fleisch wurde, sich persönlich in sie einfügte, nahm es sie sichtbar und endgültig in Besitz. „Jesus Christus, gestern und heute und in Ewigkeit“ (Hebr 13,8). Das Universum erscheint so als eine wunderbare Symphonie, die vom Geist Gottes diktiert wird und deren Grundakkord der Verschmelzung der göttlichen Vollkommenheiten entspringt: Weisheit, Liebe und Allmacht. „Domine, Dominus noster, quam admirabile est nomen tuum in universa terra“ – Herr unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde! - (Ps, 8,2)«

2) Der Mensch, Gottes Mitarbeiter bei der Aufrechterhaltung dieser Harmonie

Diese universelle Harmonie ist „ein einzigartiges und geniales Thema“, das die Menschheit als großes Orchester unter der Leitung unseres Herrn Jesus Christus, der ewigen und fleischgewordenen Weisheit, auszuführen hat.

3) Diese Zusammenarbeit ist nicht nur eine Freude, sondern eine Pflicht

Gott hat dem Menschen das Königtum über das Universum verliehen. Die ordnungsgemäße Ausübung dieses Königtums ist eine sehr ernste Pflicht für den Menschen, die darin besteht, die Harmonie zu bewahren oder wiederherzustellen, auch wenn dies mit großen Anstrengungen verbunden ist. Der göttliche Erlöser hat ihm dafür ein wunderbares Beispiel gegeben.

4) Diese Pflicht bedeutet nicht nur Arbeit, sondern auch Kampf.

»Das Werk der Wiederherstellung, das Jesus Christus vollbracht hat, wurde von ihm selbst als Kampf gegen den „Fürsten dieser Welt“ definiert, und sein Epilog als Sieg: „Ego vici mundum“ – Ich habe die Welt überwunden - (Joh 12,31; 16,33)«.

Die Welt, und nicht nur die Welt, sondern auch der Teufel und das Fleisch, sind die großen Feinde, die der Christ in diesem Kampf besiegen muss.

5) Die Moral und die universelle Harmonie

Das Gesetz, aus dem sich die universelle Harmonie ableitet, ist der Wille Gottes. Je mehr dieses Gesetz befolgt wird, desto vollkommener ist die Harmonie. Und je mehr sie übertreten wird, desto größer wird die Kakophonie.

6) Die Welt kann und muss durch Jesus Christus wieder zur Harmonie gebracht werden

Die Herrlichkeit Gottes, das Ziel der Schöpfung und der Menschwerdung, kann in Unordnung und Chaos nicht verwirklicht werden. Also will Gott die Harmonie des Universums.

7) Der Mensch ist kein Sklave der Naturkräfte

Der antike Fatalismus verfiel dem Irrtum, der Mensch sei der Sklave der Naturkräfte. Unter solchen Bedingungen wäre er aufgrund seiner Unwissenheit und Schwäche ein willfähriger Spielball seiner Leidenschaften und der bösen Geister.

Der heutige Mensch ist aufgrund seines Wissens über die Natur noch anfälliger dafür, von ihr beherrscht zu werden, weil er dazu neigt, ihre Wunder zu verehren. Aber die Hilfe des fleischgewordenen Wortes kann ihn vor dieser Gefahr bewahren.

8) Das fleischgewordene Wort, Zentrum der Geschichte

Das Zentrum, um das sich die ganze Geschichte dreht, ist also unser Herr Jesus Christus:

»Im Einklang mit der christlichen Vorstellung von einem durch die schöpferische Weisheit Gottes geformten und folglich einheitlichen, geordneten und harmonischen Kosmos steht, vielleicht einige Jahrhunderte entfernt, die Vorhersage eines feierlichen Ereignisses, wenn „in den neuen Himmeln und auf der neuen Erde“ (vgl. 2 Petr 3,13) „das Zelt Gottes unter den Menschen (errichtet wird)! (und Er) bei ihnen wohnen wird. ... Er wird jede Träne wegwischen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, und nicht Trauer und Klage und Mühsal; denn das Frühere ist vergangen“ (Offb 21, 1-4); mit anderen Worten, die gegenwärtigen Disharmonien werden überwunden sein. Bedeutet das aber, dass die Erfüllung des harmonischen Schöpfungsplans völlig aufgeschoben ist? Hätte Gott, der bei der Schöpfung den Menschen „über alles Irdische herrschen ließ“ (Sir 17,3), sein Wort zurückgenommen? Sicherlich nicht. Gott hat dem Menschen die Macht, über die Erde zu herrschen, nicht genommen, sondern an dem Tag bestätigt, an dem er seinen eingeborenen Sohn mit menschlichem Fleisch bekleidet hat, da er „nach seinem huldvollen Ratschluss, den er im voraus gefasst hat in ihm, um eintreten zu lassen die Fülle der Zeiten und alles zusammenzufassen in Christus, was im Himmel und was auf Erden.“ (Eph 1,10). So bezeugt Jesus Christus, das fleischgewordene Wort, der Gottmensch, der in die Welt kam, vom ersten Augenblick seiner sichtbaren Existenz an, dass die Herrschaft über die Welt in unterschiedlichem Maße Gott und dem Menschen gehört und dass sie folglich nur im Geiste Gottes erlangt werden kann.

»„In Jesus Christus wohnt nämlich die ganze Fülle des Gottseins in leibhafter Weise“ (vgl. Kol 2,9), der am Anfang der Zeit sagte: „Es werde Licht! Und es ward Licht“ (Gen 1,3); derselbe göttliche Geist, der allen geschaffenen Dingen als unauslöschliches Siegel aufgeprägt ist, ist für alle, leblose und lebendige, das Bindeglied, das ihre Einheit begründet, der Keim der Ordnung, die grundlegende Übereinstimmung«.

9) Die wahre Philosophie und der Fortschritt

Schon vor der Verbreitung des Evangeliums wussten die Griechen und Römer von der Existenz der menschlichen Seele. Die christliche Philosophie warf mehr Licht auf diese Erkenntnis. Der menschliche Geist, „Abbild des Geistes Gottes, ist das Bindeglied, das die Dinge innerlich miteinander verbindet und zusammenschweißt“.

Die Techniker, die sich weigern, in ihren Studien die Existenz der unsterblichen Seele zu berücksichtigen, arbeiten gegen die Ordnung des Universums.

Wenn die Menschwerdung und die Spiritualität der Seele abgelehnt werden, wird die Welt sinnlos:

„Wird dagegen diese Grundlage des Geistes beseitigt und infolgedessen das Bild (im Menschen) und die Spur (in den vernunftlosen Geschöpfen) des ewigen göttlichen Wesens in den geschaffenen Dingen, so geht die Harmonie der Beziehungen des Menschen zur Welt verloren. Der Mensch würde auf einen einfachen Standort einer anonymen und irrationalen Vitalität reduziert. Er würde nicht mehr in der Welt sein wie in seinem eigenen Haus. Die Welt würde für ihn zu etwas Fremdem, Obskurem, Gefährlichem werden, immer ausgesetzt, den Charakter eines Instruments zu verlieren und sich in seinen Feind zu verwandeln.

„Und was wären die regulierenden Beziehungen des Lebens in der Gesellschaft ohne das Licht des göttlichen Geistes und ohne die Berücksichtigung der Beziehung Jesu Christi zur Welt? Auf diese Frage antwortet leider die bittere Realität derjenigen, die die Finsternis der Welt vorziehen und sich zu Anbetern der äußeren Werke des Menschen erklären. Ihre Gesellschaft schafft es dank der eisernen Disziplin des Kollektivismus nur, die anonyme Existenz der einen neben der der anderen aufrechtzuerhalten. Wie anders ist das soziale Leben, das sich auf das Beispiel der Beziehungen Jesu Christi zur Welt und zu den Menschen gründet: ein Leben der brüderlichen Zusammenarbeit und der gegenseitigen Achtung vor den Rechten der anderen, ein Leben, das des ersten Grundsatzes und des letzten Ziels eines jeden menschlichen Wesens würdig ist.“

10) Jesus Christus überwindet die Erbsünde, die Wurzel aller Disharmonien

So sagt der Papst:

»Aber die dunkle und tiefe Disharmonie, die Wurzel aller anderen, die das fleischgewordene Wort zu erhellen und wiederherzustellen kam, bestand in dem durch die Erbsünde hervorgerufenen Bruch, der die ganze menschliche Familie und die Welt, ihre Wohnstätte, in ihre bitteren Folgen hineinzog. Der gefallene Mensch, dessen Geist sich verfinstert hat, sieht um sich herum nicht mehr eine unterwürfige Welt, ein gefügiges Instrument seines Schicksals, sondern die Verschwörung einer rebellischen Natur, den unbewussten Vollstrecker des Dekrets, das seinen ersten Herrn enterbte. Dennoch ist im Menschen und in der Welt die Sehnsucht nach einer Rückkehr zum Urzustand, zur göttlichen Ordnung, nie erloschen; sie drückt sich nach dem Wort des Apostels im Seufzen und Wehen aller Geschöpfe aus (vgl. Röm 8, 22), denn trotz der Sklaverei der Sünde bleibt der Mensch immer das Bild des göttlichen Geistes und die Welt das Eigentum des Wortes. Jesus Christus ist gekommen, um das wiederzubeleben, was der Sündenfall abgetötet hat, um das zu heilen, was er verwundet hat, um das zu erleuchten, was er verdunkelt hat, sowohl im Menschen als auch in der Welt, indem er dem einen die Herrschaft über die Natur gemäß dem Geist Gottes wiedergibt und das andere dem schuldhaften Missbrauch des Menschen entzieht. Doch auch wenn der Bruch an der Wurzel geheilt wurde, bleiben bestimmte Folgen, Zweifel, Schwierigkeiten und Schmerzen das Erbe der menschlichen Natur. Aber selbst für diese Früchte der Sünde ist Jesus Christus das Pfand der Erlösung und Wiederherstellung.

11) Verurteilung der progressiven Immanenz

Es ist klar, dass diese Auffassung, die die Geschichte zum Ergebnis des Handelns des freien Willens macht, indem sie die Hilfe Gottes akzeptiert oder ablehnt, die Verurteilung einer Immanenz impliziert, demzufolge die Geschichte nichts als ein fataler Prozess der Entwicklung blinder Kräfte wäre.

12) Verurteilung des Kultes des Absurden und des Bösen

Wir geben hier die Worte des Papstes zu dieser sehr wichtigen Frage wieder:

„Diese Wechselseitigkeit der Beziehungen (zwischen Geist und Harmonie) weist auf die Verurteilung derjenigen hin, die im literarischen und künstlerischen Bereich den Kult der Disharmonie und, wie sie selbst behaupten, des Absurden propagieren. Was würde aus der Welt und dem Menschen werden, wenn der Geschmack und die Wertschätzung für Harmonie verloren gingen? Das aber ist das Ziel derer, die versuchen, das Schändliche, Sündhafte und Böse in Schönheit und Verführung zu kleiden. Mehr noch: Über die Ästhetik hinaus verletzen sie die Würde des Menschen, der als Abbild des göttlichen Geistes im Wesentlichen für Harmonie und Ordnung geschaffen ist. Es wird jedoch nicht geleugnet, dass das Böse selbst im Lichte der wahren Kunst dargestellt werden kann, vorausgesetzt, dass seine Darstellung dem Geist und den Sinnen als ein dem Geist entgegengesetzter Widerspruch erscheint, als Zeichen seiner Abwesenheit. Die Würde der Kunst leuchtet umso mehr auf, je mehr sie den Geist des Menschen, das Ebenbild Gottes, widerspiegelt und folglich ihre schöpferische Fruchtbarkeit, ihre volle Reife offenbart, wenn sie das göttliche Thema der Einheit und der Harmonie durch ihre Handlungen und durch die verschiedenen Aspekte ihres Lebens entwickelt.“

* * *

Zum Abschluss dieses bewundernswerten Lehrpfades warnt der Heilige Vater die Menschen und Nationen vor den Gefahren eines nicht von der Weisheit inspirierten Pseudo-Fortschritts:

»Heute verleitet eine fast blinde Verführung des Fortschritts die Nationen dazu, offensichtliche Gefahren zu vernachlässigen und über nicht unerhebliche Verluste hinwegzusehen. Wer sieht denn nicht, dass die Entwicklung und Anwendung gewisser Erfindungen fast überall Verluste mit sich bringt, die in keinem Verhältnis zu den Vorteilen, auch politischer Art, stehen, die durch andere Mittel mit weniger Kosten und Gefahren erreicht oder auf bessere Zeiten verschoben werden könnten? Wer könnte den wirtschaftlichen Verlust des Fortschritts, der nicht von Weisheit inspiriert ist, in Zahlen ausdrücken?«

* * *

Und diese Überlegung veranlasst den erhabenen Pontifex, an das Wettrüsten und die drohenden Gefahren eines Atomkriegs zu denken. Mit einem glühenden Appell für den Frieden schließt Seine Heiligkeit seine großartige Botschaft.

Anmerkungen:

(1) Die Weihnachtsbotschaft wurde in vollem Wortlaut in unserer Ausgabe Nr. 87 und 88 von „Catolicismo“ in portugiesischer Sprache wiedergegeben. Die ersten Kommentare zur Botschaft des Papstes wurden in der Nr. 89 von „Catolicismo“ veröffentlicht, und sind auf Deutsch unter folgenden Link verfügbar:

(2) Alle kursiv gedruckten und in Anführungszeichen gesetzten Zitate in diesem Beitrag stammen aus der Weihnachtsbotschaft von 1957.

 

 

Aus dem Portugiesischen übersetzt mit Hilfe von Deepl-Übersetzer (kostenlose Version)von „O verdadeiro progresso técnico: sábia atuação da ordem universal“ in „Catolismo“ Nr. 91 - Juli 1958.

„Wahrer technischer Fortschritt: kluges Handeln der universellen Ordnung“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Sonntag, 8. Januar 2023

Bewundernswerter Fortschritt, zweifelhafte Ersetzung von Werten


 »Betrachtet zum Beispiel die zweifelhafte Ersetzung von Werten, die durch den bewundernswerten Fortschritt der mechanischen Geschwindigkeit bewirkt wird. Fasziniert von dieser und die Vorteile der schnellen Bewegung auf Dinge übertragend, die keine Vollkommenheit als Folge der schnellen Veränderungen erwarten, sondern erlangen im Gegenteil ihre Fruchtbarkeit in der Stabilität und Treue zu den Traditionen, neigt der Mensch der „verrückten Geschwindigkeiten“ dazu, im Leben wie ein vom Wind geschütteltes Schilfrohr zu werden, unfruchtbar an dauerhaften Werken und unfähig, sich und andere zu tragen“. Pius XII.

     Die monumentale Weihnachtsbotschaft des Heiligen Vaters Pius XII., die wir in unseren letztem Ausgaben (Nr. 87 und 88, März und April 1958) veröffentlicht haben, verdient es, von der ganzen katholischen Welt eingehend studiert zu werden. Als Hilfestellung für diese Studie möchten wir einige Anmerkungen zu dem päpstlichen Dokument machen.

     Außer in spezialisierten Kreisen, in denen die taumelnden Fortschritte der sogenannten modernen Philosophie mit Interesse verfolgt werden, rufen die Fortschritte der Technik gleichzeitige und unterschiedliche Eindrücke hervor, in denen eine lebhafte und arglose, an Anbetung grenzende Begeisterung mit einer gewissen angehenden, wenn auch bereits heftigen Enttäuschung koexistieren. Diese Eindrücke sind jedoch noch nicht so weit, dass sie sich in konkrete philosophische Haltungen verwandeln. Und dies ist gerade der Moment sie mit dem Licht des Glaubens und des gesunden Menschenverstands zu klären, um künftige Katastrophen zu vermeiden. Und für Menschen, die sich in diesem Zustand befinden, ist das päpstliche Dokument reich an „Aperçus“ von höchstem Wert.

Die grundlegende Tatsache

     Der Papst hat in seiner Botschaft ein kulturelles Phänomen im Blick, das in Europa und den Vereinigten Staaten besonders akut ist. Auf der einen Seite haben die Irrtümer der vom Glauben abgefallenen Philosophie, bestimmte Schulen systematisch zu einem totalen Pessimismus bezüglich der Existenz und des Universum geführt. Andererseits schaffen die heutigen Lebensbedingungen in vielen Seelen eine große Empfänglichkeit für diese philosophische Tendenz. Der Geschmack für das Absurde in bestimmten „dünkelhaften“ Milieus, in anderen Kreisen das Gefühl, dass die Technik das tägliche Leben immer schmerzhafter, ja unerträglicher macht, die immer noch lebendige Erinnerung an die Tragödien des Zweiten Weltkriegs und schließlich die Aussicht auf eine kosmische Hekatombe, die durch die Technik zu einen möglichen Dritten Weltkrieg führen wird, erzeugen in bestimmten Köpfen die Vorstellung, dass der Fortschritt unweigerlich zur Katastrophe führt, dass die Wissenschaft schädlich ist und dass das Universum letztlich schlecht konstruiert ist. Denn wenn selbst der Fortschritt zur Katastrophe führt, dann deshalb, weil es keine Ordnung im Kosmos gibt.

     Nimmt man zu diesem Bild noch die Vision einer unbestreitbaren moralischen und intellektuellen Dekadenz der Massen hinzu, eine Absenkung des Niveaus auf allen Gebieten, die umso stärker ist, je mehr der technische Fortschritt voranschreitet, so wird man leicht verstehen, dass enttäuschte Menschen geneigt sind, die mit einiger literarischer Kraft vorgetragenen Aufklärungen von Sartre aufzugreifen, der ein lediglicher Verbreiter von den Ideen Kirkegaards ist, einem tiefgründigeren Denker, der aber in einem weniger vorbereiteten Zeitalter viel weniger allgemeinen Ruhm hatte.

     Angesichts dieser Geisteshaltung großer Teile der westlichen Öffentlichkeit und der philosophischen Lehren, mit denen sie sich zu schützen versuchen, bekräftigte Pius XII. den Grundsatz, dass das Universum einzig und gut aufgebaut ist, das Werk eines unendlich weisen, guten und mächtigen Gottes. Anschließend weist er auf die Rolle unseres Herrn Jesus Christus in der universalen Ordnung hin, und schließlich auf die Rolle des Glaubens und der Sittenlehre bei der Ausrichtung eines Fortschritts, der nur schädlich sein kann, wenn er von der Lehre der Kirche abweicht.

     Versuchen wir, die verschiedenen Lehren oder Geisteshaltungen aufzulisten, vor denen der Heilige Vater in seiner oben erwähnten Ansprache die Gläubigen direkt oder indirekt warnt.

1 - Die Anbetung oder Berauschung der Technik

     An erster Stelle steht die „Technolatrie“, d.h. eine solche Bewunderung der Technik und des Fortschritts, dass sie zu einem echten Glaubensabfall führen kann: »Andere, die die gewaltige Entwicklung der modernen Wissenschaft betrachten, die das Wissen und die Macht des Menschen bis in den außerweltlichen Kosmos ausgedehnt hat, die fasziniert und geblendet von den Ergebnissen, die sie erzielt haben, können nur die „Größe des Menschen“ bewundern und verschließen vorsätzlich ihre Augen vor den „Größen Gottes“. Sie ignorieren oder vergessen, dass Gott sogar höher ist als der Himmel selbst und dass sein Thron auf dem Gipfel der Sterne ruht (vgl. Job 22,12), sie verstehen nicht mehr die Wahrheit und den Sinn der von den Engeln über dem Stall von Bethlehem gesungenen Hymne, wo sich die allerhöchste göttliche Größe gezeigt hat: „Gloria in excelsis Deo“; sie sind im Gegenteil versucht, sie durch ein „Ehre sei dem Menschen auf Erden“ zu ersetzen, dem Menschen, der so viele Dinge erfindet und vollbringt, dem „homo faber“, wie ihn manche Philosophen nennen, weil er seine Größe in Werken offenbart hat, die jedes menschliche Maß zu übertreffen scheinen.«

     Wie man sieht, kann die Überschätzung der Technik genauso weit von Gott wegführen wie eine irrende philosophische Sekte.

     Natürlich wird diese Anbetung von den Menschen, die ihr frönen, oft nicht bemerkt. Wäre es im Hinblick auf das Erste Gebot nicht angebracht, in die Gewissenserforschung die Frage einzubeziehen: Habe ich die Technik auf übertriebener Weise geliebt oder gar verehrt?

     Diese Begeisterung für die Technik braucht nicht unbedingt zu solcher Übertreibung führen. Es ist vielleicht keine Anbetung, aber „eine Art Rausch“, wie der Heilige Vater zu Recht sagt. In diesem Fall wird es natürlich weniger schwerwiegende Auswirkungen haben.

     Einige dieser Auswirkungen können sein:

     a) Desinteresse an den Angelegenheiten der Religion und Unlust für das Geistliche, weil sie den Geist aus dem der Technik eigenen Umfeld entfernen;

     b) Vertrauen in die Technologie, um alle Probleme des Menschen und der Gesellschaft zu lösen, weil Religion und Moral auf eine zweitrangige Ebene zurückgedrängt werden

     c) Verachtung der Vorteile, die Philosophie, Literatur und Kunst dem Menschen bieten: nur die Früchte der Technik sind unverzichtbar, alles andere ist überflüssig;

     d) Der wahre Ruhm gehört dem „homo faber“, denn sein Geist ist gestärkt durch die Gewissheiten der technischen Wissenschaft und der Erfahrung; sein starker und kühner Wille ist auf dem Weg zur Eroberung des Universums; der Theologe, der Philosoph, der Literat und der Künstler sind schwache Geister, die im Schatten von Halbgewissheiten leben, von Gefühlen geleitet werden, der praktischen Realität verschlossen und daher nicht in der Lage sind, energisch am Kampf um die Unterwerfung des Universums teilzunehmen.

     Wie man sieht, sind diese weniger schwerwiegenden Folgen dennoch äußerst gravierend. Der Rausch der Technik könnte neben der Anbetung der Technik ein sehr nützlicher Punkt sein, um das eigene Gewissen im Hinblick auf das erste Gebot zu prüfen.

     Der Kampf gegen die Technolatrie (Abgötterei der Technik) ist der offizielle Wunsch des Papstes: „Es ist an der Zeit, die Selbstbewunderung des modernen Menschen wieder ins rechte Lot zu bringen.“

     Es geht nicht darum, dem Technologen den Wert abzusprechen, der ihm rechtmäßig zusteht. Aber wir müssen erkennen, dass der Techniker unwiderruflich hoffnungslos unvollständig sein wird, solange er, versklavt an jene „Art von Rausch, die durch die Eroberungen der Technik hervorgerufen wird“, sich allein der Technik zuwendet und sich weigert, das Knie vor der Welt des Geistes und insbesondere vor der übernatürlichen Ordnung zu beugen: „... Die Verehrer des „homo faber“ sollten sich überzeugen, dass sie, wenn sie in der Haltung der Bewunderung und Anbetung vor der Krippe des Gotteskindes verweilen, ihren Weg des Fortschritts nicht aufhalten, sondern ihn mit der Vollkommenheit des „homo sapiens“ krönen würden.

2 – Technolatrische Arglosigkeit

     Viele Mentalitäten in Brasilien haben die naive Vorstellung, dass jeder technische Fortschritt, nur weil er in einem bestimmten Bereich einen Fortschritt darstellt, in anderen Bereichen keine Nachteile mit sich bringt und bringen kann.

     Diese Arglosigkeit kommt aus einer kindlichen Verblendung angesichts bestimmter unmittelbarer Ergebnisse der Technologie. So betören uns die großen Städte, deren Straßen tagsüber von prächtigen Autos wimmeln und deren Himmel nachts von blinkenden Leuchtreklamen erhellt wird, die Wolkenkratzer, die den Palästen von Giganten gleichen, die Zurschaustellung von Reichtum. Und obwohl wir wissen, dass der Bau von Großstädten mit tausend Unannehmlichkeiten verbunden ist, bauen wir sie hartnäckig weiter. Warum? Unbesiegbare Einfalt: das ist alles so „schön“, so „fortschrittlich“, so „modern“, dass wir nicht ernsthaft glauben, dass daraus gravierende Übel ausgehen können.

     Der Papst zeigt uns im Gegenteil, dass die Technik nach einem Moment des Staunens so große Überraschungen bereithalten kann, dass sie bei manchen Menschen sogar Angst auslöst: »Deshalb ermutigte der Engel, der den Hirten die Wunder der Weihnacht ankündigte, sie zunächst: „Fürchtet euch nicht! Denn ich verkündige euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll“ (Lk 2,10). Die Gefühle, die durch die Nachricht von den neuen Wundern der Technik geweckt werden, sind sehr unterschiedlich. Nachdem die erste Welle des Jubels vorüber ist, werden die Menschen von heute angesichts der unerwarteten Entwicklung ihres Wissens und der sich daraus ergebenden Konsequenzen, angesichts dieser beispiellosen Invasion im Mikro- und Makrokosmos, von einer gewissen Angst gequält und fragen sich, ob sie die Welt beherrschen werden oder ob sie ihrem eigenen Fortschritt zum Opfer fallen werden«.

3 - Panische Technophobie

     Diese Angst selbst kann und hat sogar zu einem Fehler geführt, der sich im entgegengesetzten Extrem befindet. Es ist die Vorstellung, dass jeder technische Fortschritt an sich ein Angriff auf die von der Vorsehung geschaffene Ordnung des Universums ist.

     Technik und Vorsehung wären notwendigerweise, radikal und unausweichlich gegensätzliche Begriffe. Und die Technik wäre der Selbstmord des Menschen: „Die unvorhersehbaren Veränderungen, zu denen die von der modernen Wissenschaft und Technik eröffneten neuen Wege führen, werden von den einen als etwas Disharmonisches angesehen, das dazu bestimmt ist, Unruhe und Unordnung in die aus Ordnung und Harmonie bestehende Einheit zu bringen, die das Wesen der menschlichen Vernunft ausmacht; von den anderen hingegen werden diese Veränderungen als Gründe für eine ernsthafte Besorgnis um das Überleben ihrer Urheber angesehen. Der Mensch fängt an, die Welt zu fürchten, die er endlich in Händen zu haben glaubt; er fürchtet sie mehr denn je, und besonders dort, wo Gott nicht wirklich in den Seelen und Herzen lebt...“

4 - Technische Selbstvergötterung

     Dann haben wir die technische Selbstvergötterung. Das ist nur ein Aspekt des Rausches der Technologie. Der „Homo faber“ „bewundert nur sich selbst“. Heute „besteht die Menschheit größtenteils aus solchen Menschen“.

     Angesichts der Technik „beginnen sie, sich selbst zu fürchten“, und das ist der Grund, warum sie beginnen eine technophobische Panik zu spüren.

     Das ist die gerechte Strafe für die technolatrische Apostasie. Wenn man Gott verleugnet, fühlt sich der technische „Riese“ wie eine Ameise.

     Die Wurzel dieses Gefühls der eigenen Unbedeutsamkeit liegt in der Erbsünde und ihren Folgen.

     Es gibt eine offensichtliche und wunderbare Vollkommenheit im Universum: »Seit seinem ersten Kontakt mit dem Universum wurde der Mensch von dessen unvergleichlichen Schönheit und Harmonie überwältigt. Der lichtdurchflutete oder sternenübersäte Himmel, die Ozeane von unermesslicher Weite und Farbtönen, die unzugänglichen Gipfel der schneebedeckten Berge, die grünen Wälder, die vor Leben strotzen, die regelmäßige Abfolge der Jahreszeiten, die mannigfaltige Vielfalt der Lebewesen entlockten seiner Brust einen Ausruf der Bewunderung! Da er selbst an dieser Schönheit teilhatte, sah er sie sogar in den entfesselten Elementen als Ausdruck der Macht des Schöpfers: „Potentior aestibus maris, potens in excelsis est Dominus“ – gewaltiger als die Brandung des Meeres, ist der Herr gewaltig in Himmelshöhen - (Ps 92,4); „Tonabit Deus in voce sua mirabiliter“ – Gott dröhnt mit seiner Stimme wunderbar - (Hiob 37,5). Mit gutem Grund fand ein Volk der Antike von hoher Zivilisation kein passenderes Wort zur Bezeichnung des Universums als „Kosmos“, d.h. Ordnung, Harmonie, Schönheit«.

     Doch in allem, was der Mensch tut, in seiner irdischen Existenz und in seinem Wesen selbst, gibt es eine Unvollkommenheit, die von der Erbsünde und den darauf folgenden Sünden herrührt: »Doch jedes Mal, wenn der Mensch sich selbst betrachtete und sein eigenes Streben mit seinen Werken verglich, brach er in ein Stöhnen des Entsetzens aus wegen der Widersprüche, Disharmonien und zahlreichen Störungen, die sein Leben zerrissen. Wie sein Vorfahre schwankt auch der moderne Mensch zwischen ekstatischem Staunen über die Welt der Natur, die er bis in ihre tiefsten und fernsten Winkel erforscht hat, und dem bitteren Entsetzen über die chaotische Existenz, für die er selbst verantwortlich ist. Der Gegensatz zwischen der Harmonie der Natur und der Disharmonie des Lebens scheint sich mit der Entwicklung der Erkenntnis- und Handlungsfähigkeit nicht zu lockern, sondern ihn im Gegenteil wie ein unheimlicher Schatten zu begleiten. In der Einsamkeit, in der er gefangen ist, hört der moderne Mensch nicht auf, die Klagen des leidenden von Hus zu wiederholen: „Wenn ich ,Gewalttat‘ schreie, find’ ich kein Gehör, wenn ich um Hilfe rufe, gibt es doch kein Recht!“ (Hiob 19,7)«.

5 - Panische Technophobie kann zu Atheismus oder Gnosis führen

     Gerade die „Seelen, die für den weitesten und sogar absurdesten Optimismus offen sind“, sind die häufigsten Opfer einer panischen Technophobie. Ihr Irrtum besteht darin, „das unbestreitbare Fehlen an Zusammenhalt (Inkohärenzen), das die Welt aufweist und für die der Schöpfer selbst verantwortlich ist, auf den gesamten Kosmos und seine grundlegenden Gesetze auszudehnen“.

     Daher die Tatsache, dass „bei einem Teil der gegenwärtigen Menschheit der Anblick der Disharmonien der Welt zu einer Verurteilung der gesamten Schöpfung führt, als ob die Disharmonie ihr notwendiges Kennzeichen, ihr unvermeidliches Schicksal wäre, vor dem dem Menschen nichts anderes übrig bleibt, als die Arme zu verschränken und zu resignieren...“.

     Wie man weiß, nimmt die Gnosis die Existenz zweier Götter an, von denen einer, nämlich der Schöpfer des Universums, böse ist. Wenn man einen bösen Gott annimmt, was wirklich absurd ist, fällt man in den Atheismus, und auch in ein Leben der Orgie, denn was bleibt, ist „sich mit ein paar flüchtigen Vergnügungen zu erfreuen, die der herrschenden Unordnung selbst entrissen werden“.

6 - Einseitiger und materialistischer technischer Fortschritt

     Der technische Fortschritt ist im Wesentlichen materiell. Technolatrie und Technikrausch führen zum Aufbau einer „materialisierten“ Welt, wenn man es so nennen kann. Daraus resultiert eine schreckliche moralische und kulturelle, mit einem Wort, eine menschliche Dekadenz: „Wie ist so viel Gleichgültigkeit gegenüber dem Recht der anderen auf Leben, so viel Verachtung für menschliche Werte, so viel Entwertung im Ton der wahren Zivilisation zu erklären, wenn nicht dadurch, dass der vorherrschende materielle Fortschritt das harmonische und glückliche Ganze des Menschen zerbrochen und seine Sensibilität für diese Ideen und Werte gleichsam verstümmelt hat, indem er ihn nur in einer bestimmten Richtung vervollkommnet hat?“

     Diese Dekadenz hat die Welt „in ein Meer von Grausamkeiten und Schmerzen verwandelt, das Individuen und Völker zerreißt und das direkt oder indirekt die Errungenschaften des äußeren Fortschritts begleitet“.

7 - Das technische Monster, der „Roboter“ aus Fleisch und Blut

     In diesem von technischem Materialismus gesättigten Umfeld entsteht ein „Roboter“ aus Fleisch, ein wahres Monster: „Einem Menschen, der in einem Klima rigoroser Technizität geboren und erzogen wurde, wird zwangsläufig ein Teil seiner Gesamtheit fehlen, und zwar nicht der unwichtigste, so als ob sie unter dem Einfluss von Bedingungen verkümmert wäre, die ihrer natürlichen Entwicklung entgegenstehen. So wie eine Pflanze, die auf einem Boden wächst, dem die lebenswichtigen Substanzen entzogen wurden, zwar die eine oder andere Qualität aufweist, aber nicht den ganzen und harmonischen Typus reproduziert, so endet auch die „fortschrittliche“, d.h. rein materialistische Zivilisation, die bestimmte Werte und Elemente, die für das Leben von Familien und Völkern notwendig sind, verbannt, indem sie dem Menschen die authentische Fähigkeit zu denken, zu urteilen und zu handeln nimmt“.

8. die Oberflächlichkeit und technische Instabilität

     Wer hat nicht schon einmal diese beiden Mängel des modernen Menschen beklagt: Instabilität und Oberflächlichkeit? Pius XII. setzt sie mit einer brillanten Vision in Beziehung zur Vergötterung oder Berauschung der Technik: „Diese (die authentische Fähigkeit zu Denken, zu Urteilen und zu Handeln) erfordert, um das Wahre, das Gerechte, das Ehrliche zu erfassen, um, mit einem Wort, ,menschlich‘ zu sein, die maximale Ausdehnung, und zwar in jedem Sinne. Im Gegenteil, wenn der technische Fortschritt den Menschen in seinen Fesseln gefangen hält und ihn vom Rest des Universums, insbesondere vom geistigen und inneren Leben, trennt, passt er ihn an seine eigenen Eigenschaften an, von denen die bemerkenswertesten die Oberflächlichkeit und die Instabilität sind“.

     Der Heilige Vater weist jedoch auch auf eine im Wesentlichen moralische Ursache für dieses Übel hin, nämlich die Lust an Neuem. Es gibt heute viele Menschen, die verständlicherweise beunruhigt sind, die „so stark von der Anziehungskraft des Neuen verführt werden, dass sie andere authentische Werte verachten, insbesondere diejenigen, die die menschliche Gesellschaft tragen“.

     Als letzte Wurzel dieser Übel verweist Pius XII. stets mit weiser Beharrlichkeit auf die Erbsünde mit ihrer traurigen Kette von Folgen: „Der Prozess dieser Deformation wird nicht rätselhaft erscheinen, wenn man die Neigung des Menschen bedenkt, Zweideutigkeiten und Irrtümer zu akzeptieren, wenn sie ihm ein leichteres Leben versprechen“.

9 - Das Revolutionäre der verrückten Geschwindigkeiten

     Aus dieser Wunde erwächst eine ständige Neigung, die weisen und heiligen Schranken zu zerstören, die die christliche Tradition bewahrt hat, um die unbändigen Wege des Geistes und des Fleisches zu bändigen.

     Diese Barrieren werden von einem Wirbelsturm der Innovation und Revolution hinweggefegt, einem regelrechten Neuheitswahn, auf dessen Zusammenhang mit der Technik der Papst mit großartigem Scharfsinn hinweist: »Betrachtet zum Beispiel den falschen Ersatz von Werten, die durch den bewundernswerten Fortschritt der mechanischen Geschwindigkeit hervorgerufen wird. Fasziniert von ihr und die Vorteile der schnellen Bewegung auf Dinge übertragend, die ihre Vollkommenheit nicht als Folge der schnellen Veränderungen erwarten, sondern im Gegenteil ihre Fruchtbarkeit in Stabilität und Treue zu den Traditionen erlangen, neigt der Mensch „der verrückten Geschwindigkeiten“ dazu, im Leben wie ein vom Wind geschütteltes Schilfrohr zu werden, unfruchtbar in dauerhaften Werken und unfähig, sich selbst und andere zu unterstützen“.

10 - Wissenschaftliche Unintelligenz

     Diese irrtümliche Übertragung des technizistischen Umfelds auf andere Sphären führt zu einem unintelligenten Szientifizismus, in dem die Sinne eine vorherrschende Rolle spielen und die Intelligenz in eine traurigen Dämmerung aufgelöst wird: „Einen ähnlichen Irrtum ergibt sich aus der an sich bewundernswerten Entwicklung der Effizienz der Sinne, denen die erstaunlichen modernen Forschungsinstrumente die Macht geben, zu sehen, zu hören, zu messen, was existiert, was sich bewegt und verwandelt, fast bis in die letzten Winkel des Universums. Stolz auf eine so gesteigerte Macht, die fast völlig aufgenommen wird von der Ausübung der Sinne, wird der Mensch, der „alles sieht“, ohne es zu merken, dazu verleitet, die Anwendung der vollständig geistigen Fähigkeit, in den Dingen zu lesen, d.h. der Intelligenz, zu verringern und immer weniger in der Lage sein, die wahren Ideen reifen zu lassen, von denen sich das Leben nährt.“

11 - Der Massenmensch, ein technisches Schaf

     Am Ende entsteht ein Menschentyp ohne Persönlichkeit, ohne Initiative, ein bloßes der Maschine versklavtes Zubehör, ein Schaaf von automatischer und dämlicher Fügsamkeit, ein idealer und anonymer Bürger des egalitären und sozialistischen Staates: „Auch die vielfältigen Anwendungen der materiellen Energie, die in bewundernswerter Weise zunehmen, neigen von Tag zu Tag mehr dazu, das menschliche Leben in ein mechanisches System einzuschließen, das alles von selbst und auf eigene Kosten tut, und so die Anreize zu verringern, die den Menschen früher dazu zwangen, seine persönliche Energie zu entwickeln“. Wir werden in einem nächsten Artikel sehen, wie der Heilige Vater auf unseren Herrn Jesus Christus als das Heilmittel für diese Übel hinweist, und auf den wahren Katholiken, der durch die Erbsünde verwundet, aber durch die Gnade gestärkt ist, den Menschen, der fähig ist, die Technik ohne die schrecklichen Entgleisungen zu benutzen, mit denen sie im 19. und 20. gehandhabt wurde.

 

 

Aus dem Portugiesischen übersetzt mit Hilfe von Deepl-Übersetzer (kostenlose Version)von „Admirável progresso, substituição equívoca de valores“ in „Catolicismo Nr. 89, Mai 1958.

„Bewundernswerter Fortschritt, zweifelhafte Ersetzung von Werten“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

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