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| Sankt Sebastian vor dem Kaiser Diokletian |
Plinio Correa de Oliveira
Heiliger des Tages, 19. Januar 1967
Heute, am 19., ist das Fest des heiligen Königs Knut und
des seligen Märtyrers Germanicus. Morgen, am 20., ist das Fest des heiligen
Märtyrers Sebastian und vor allem das Fest Unserer Lieben Frau vom Wunder, denn
an diesem Tag erschien die Muttergottes im 19. Jahrhundert Alfons Ratisbonne in
der Kirche Sant’Andrea delle Frate in Rom.
Der heilige Märtyrer Sebastian. Dom Guéranger schreibt
über ihn: Sankt Sebastian stammte aus einer Adelsfamilie und war im 3.
Jahrhundert Kohortenführer im römischen Heer. Dom Guérangers Kommentar lautet
also wie folgt:
„Er erscheint uns als junger Mann, der sich von allen
Fesseln seiner Heimat Mailand löste, allein weil die Verfolgung dort nicht
heftig genug war, während der Sturm in Rom seinen Höhepunkt erreichte. Er hatte
Angst um die Standhaftigkeit der Christen. Doch er weiß, dass die Streiter
Christi, gehüllt in die Rüstungen der Cäsaren, erneut in die Gefängnisse
eingedrungen sind und die Herzen der Gläubigen neu entfacht haben. Dies ist die
Mission, nach der er strebt, in der Hoffnung, eines Tages selbst den
Märtyrertod zu erleiden. Er kam, um das zu verteidigen, was die Tränen seiner
Eltern erschüttert hatten. Die Gefängniswärter (...?...) stellen das Reich
seines Glaubens und seiner Wunder mit dem Martyrium in Frage, und der römische
Magistrat bittet darum, in der Lehre unterwiesen zu werden, die den Menschen so
viel Macht verleiht.
Von Diokletian und Maximilian Hercules mit Gunst überhäuft,
übt Sebastian einen so heilsamen Einfluss in Rom aus, dass Papst Caius ihn zum
Verteidiger der Kirche ausruft. Nachdem er zahlreiche Märtyrer in den Himmel befördert
hat, erlangt der Held endlich die Krone, das Ziel seiner Wünsche. Wegen seines
mutigen Bekenntnisses zieht er sich das Missfallen Diokletians zu, und gibt dem
himmlischen Kaiser, dem er ebenfalls unter Helm und Mantel diente, den Vorzug.
Unter den Bogenschützen Mauretaniens wird er entkleidet, gefesselt und mit
Pfeilen durchbohrt. Wenn ihn die fromme Fürsorge Irenes wieder zum Leben
erweckt, so ist es nur um unter weiteren Schlägen im Hippodrom zu sterben.
Ja, für einen Athleten von Sebastians Statur war ein
einziges Martyrium nicht genug. Vergebens rammen die Bogenschützen ihre Eisen
in seine Glieder. Das Leben blieb ihm, und so ist das Opfer für eine zweite
Opferung bereit. So waren die Christen der ersten Zeit, und wir sind ihre
Kinder. O Verteidiger der Kirche, so von einem Heiligen zum Martyrium berufen,
erhebe dein Schwert, um sie zu verteidigen, schlage ihre Feinde nieder,
enthülle ihre perfiden Pläne, gewähre uns jenen Frieden, den die Kirche so
selten genießt und in dem sie sich auf neue Kämpfe vorbereitet, und segne die
christlichen Waffen an dem Tag, an dem wir gegen äußere Feinde kämpfen müssen.“
Sie sehen, dass sich aus dieser beredten Anrede an den
heiligen Sebastian, verfasst im etwas rhetorischen Stil des 19. Jahrhunderts,
aus dieser Anrede von Dom Guéranger, wertvolle biographische Daten gewinnen
lassen.
Man sieht, dass der heilige Sebastian ein junger Mann
war, der in Mailand lebte, und dass die von Diokletian entfesselte Verfolgung
der Katholiken in Mailand weitaus weniger intensiv war als in Rom. Und er, der
in Mailand lebte, beschloss dann, nach Rom zu ziehen. Mit welcher Absicht? Weil
er wusste, dass in römischen Gefängnissen zahlreiche Katholiken auf ihren
Prozess oder, noch sicherer, auf die Hinrichtung, die Todesstrafe, warteten,
die dort das Martyrium fürchteten und die natürlich unter all den Schwächen litten,
die die Angst vor dem Martyrium hervorrufen kann. Sie müssen berücksichtigen,
dass wir gewöhnlich von Katholiken sprechen, die den Märtyrertod erlitten
haben; es gab, zum Ruhm der Kirche, eine sehr große Anzahl von ihnen. Aber es
gab auch eine große Zahl derer, die als Abtrünnige bezeichnet wurden, die sich
nicht trauten, den Märtyrertod zu erleiden, die Angst hatten und deshalb dem
Glauben abschworen und später, elend, von Sünde befleckt und voller Scham, in
die Katakomben zurückkehrten, um Vergebung zu bitten.
Und es gab Menschen, die zwei- oder dreimal durch die
Arena gingen und jedes Mal dem christlichen Glauben abschworen, und es gab
viele, die nach ihrem Glaubensabfall nicht in die Katakomben zurückkehrten. Sie
gaben den Glauben auf und kehrten einfach zu ihrem früheren Götzendienst
zurück. So bestand für diese in den Katakomben und in speziellen Gefängnissen
inhaftierten Katholiken ein sehr ernstes moralisches Risiko.
Für sie bestand die große Gefahr des Glaubensabfalls. So
gab es zahlreiche Fälle von Katholiken, die sich der kaiserlichen Armee
angeschlossen haben, um Angehöriger der römischen Armee, geschützt durch ihre
Uniformen, die Gefängnisse besuchten und mit den Katholiken sprachen, um sie zu
ermutigen, ihnen Trost zu spenden, mit ihnen über Glaubensfragen zu sprechen
und ihnen Zuversicht zu geben. Genau das tat auch der heilige Sebastian.
Er gehörte der römischen Armee an und folgte dem Beispiel
anderer, indem er sich ins Zentrum der Verfolgung begab, dorthin, wo die
Verfolgung am heftigsten war. Er ging mit der besonderen Absicht dorthin,
anderen zu helfen. Natürlich wusste er, dass er sich damit selbst der
Verfolgung aussetzte.
Es begab sich jedoch, dass er bei einem der Kaiser hohes
Ansehen genoss, so hohes Ansehen, dass er zum Anführer der kaiserlichen Kohorte
ernannt wurde. Diese kaiserliche Kohorte war eine Truppe, die den Kaiser am
engsten beschützte und eskortierte. Die Aufgaben des Anführers dieser Truppe
beschränkten sich jedoch nicht nur auf deren Führung, sondern umfassten auch
die Leitung der Armeen des gesamten Römischen Reiches. Er wurde somit zu einer
Art Kriegsminister.
Doch er geriet in Konflikt mit dem Kaiser selbst; als
dieser ihn in Frage stellte, hielt er an seinem Glauben fest, erlitt zum ersten
Mal das Martyrium, er leistete Widerstand. Daraufhin wurde er an den
berüchtigten Pranger geführt, wo er von Pfeilen durchbohrt wurde und
schließlich starb.
Hier liegt der Ruhm des heiligen Sebastian. Es ist der
große Ruhm des Kriegers, es ist der große Ruhm des Helden, der den ruhigsten
Posten verließ, um den gefährlichsten zu beschreiten; der, allein von der Liebe
zu den Seelen getrieben, von geringerem zu größerem Risiko ging. Und um viele
Seelen in den Himmel zu führen, setzte er sich selbst dem Martyrium aus, gegen
dessen Schrecken er seinen Glaubensbrüdern beistand.
So können wir uns den heiligen Sebastian in der Blüte
seines Lebens vorstellen, den heiligen Sebastian in der Pracht der römischen
Uniform, den heiligen Sebastian im Glanz des Hauptmannsamtes der kaiserlichen
Kohorte, den heiligen Sebastian in der Macht des Kriegsministeramtes. Der
heilige Sebastian, der sich einschleicht und aufgrund seiner Stellung keinen
Widerstand der Gefängniswärter erfährt, betritt die Gefängnisse und Verliese
und speist mit seinem Mut die Alten, die alten Frauen, die Jungen beiderlei
Geschlechts, Menschen aller Stände, die dort eingesperrt waren.
Der heilige Sebastian, der weiß, dass dies ihm
zwangsläufig das Martyrium einbringen wird, und dass er mit dieser
Gelassenheit, mit dieser Besonnenheit, mit dieser erhabenen Hingabe an das
Kreuz unseres Herrn Jesus Christus dem Martyrium entgegengeht, das ihn nicht
zittern lässt und ihn während all dieser Gefahren stets heldenhaft, stets
tapfer und Herr über sich selbst bleiben lässt, während der beiden Martyrien,
die er erlitt, bis er sich mit militärischer Ruhe vor dem Tod ergibt – wie ein
Streiter der Miliz Unserer Lieben Frau und unseres Herrn Jesus Christus – er
übergibt seine Seele Gott.
Ich kann nicht über den heiligen Sebastian sprechen, ohne
an das kleine Bild des heiligen Sebastian zu erinnern – einige der Anwesenden
kennen es –, das in der Kirche, in der wir die Kommunion empfangen, neben dem
Altar Unserer Lieben Frau aufgestellt wurde. So einer wäre niemals ein
Kohortenführer im Kaiserreich, niemals ein römischer Legionär. Er ist ein
bartloser, schwacher Narr mit kränklicher Ausstrahlung, der aussieht, als würde
er sterben, ohne zu wissen warum. Er ist unfähig zu festem Willen, unfähig zu
klugen Entscheidungen und lässt sich aus Faulheit zu fliehen, ein wenig
zerfleischen. Das ist der Heilige Sebastian der heutigen Ikonographie.
Wir müssen dieses Bild in unseren Köpfen verändern, um an
den wahren Heiligen Sebastian zu denken. Wir müssen uns das Bild eines
klassischen römischen Legionärs vorstellen, mit all den militärischen Tugenden,
die das römische Heer unbesiegbar machten. Und wir müssen uns vorstellen, wie
der Glaube in einer solchen Seele und einem solchen Körper wohnt und in dieser
Seele und diesem Körper Heldentaten entfacht, zu denen das Römische Reich in
seinem Heer, so unbezwingbar es auch war, nie fähig war. So bekommen wir eine
Vorstellung davon, was dieser große Heilige war.
Um was sollten wir den Heiligen Sebastian bitten? Wir
müssen den heiligen Sebastian bitten, uns zuallererst dieses Verständnis des
moralischen Charakters des wahren katholischen Helden zu schenken; dass er uns
helfe, die „weiße Häresie“ zu bekämpfen, die sein Bild in den Augen der
modernen Menschen so sehr entstellt; und dass er von der Gottesmutter durch
ihren souveränen Willen erbitte, dass die Verantwortlichen für die „weiße
Häresie“, die so viel Verwüstung in der Welt anrichtet, zerstreut, vernichtet
und vom Angesicht der Erde getilgt würden.
Dies sind die Gebete, die wir heute Abend, am Vorabend
des Festes des heiligen Sebastian, sprechen sollten.
Aus dem
Portugiesischen
Erstmals
auf Deutsch „Sankt Sebastian, ein wahrer katholischer Held“ in
www.p-c-o.blogspot.com

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