Dienstag, 7. September 2021

Gebet zum einhundertfünfzigjährigen Jubiläum

 

von Plinio Corrêa de Oliveira

Anm. d. Ü.: Am 7. September des Jahres 1972, feierte Brasilien 150 Jahre Unabhängigkeit von Portugal. Zu diesem Anlass verfasste Prof. Plinio Corrêa de Oliveira ein Gebet zum Dank, zur Vergebung und der Bitte an die von der Heiligen Kirche dem Land zugesprochene Königin, Unsere Liebe Frau von Aparecida.
Zum 7. September dieses Jahres 2021 wiederholte das Institut Plinio Corrêa de Oliveira die Veröffentlichung dieses Gebets, um den besonderen Schutz der Patronin Brasiliens in der gegenwärtigen turbulenten Zeit der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen zu erflehen.

 

O Liebe Frau von Aparecida.

Mit dem Näherrücken des Datums, an dem wir anderthalb Jahrhunderte Unabhängigkeit unsers Landes feiern, erheben sich unsere Seelen zu dir, Königin und Mutter Brasiliens.

Einhundertfünfzig Lebensjahre sind für ein Volk gleichbedeutend mit fünfzehn für einen Menschen: das heißt, der Übergang vom Kindesalter mit seiner Vitalität, seinen Unsicherheiten und seinen Hoffnungen zur Jugendzeit mit seinem Idealismus, seiner Kühnheit und seiner Leistungsfähigkeit.

An dieser Schwelle zwischen zwei historischen Epochen überschreiten wir auch einen weiteren Meilenstein. Denn wir treten in die Liste der Nationen ein, die aufgrund ihrer Bedeutung den Lauf der Gegenwart bestimmen und die Fäden in der Hand haben, mit denen die Zukunft der Völker gewoben wird.

Danksagung

In diesem hoffnungs- und ruhmreichen Moment kommen wir, oh Herrin, um Dir für die Wohltaten zu danken, die Du, immer hörende Mittlerin, uns vom allmächtigen Gott erhalten hast.

Wir danken Dir für das Land von kontinentaler Größe und für die Reichtümer, die Du darin angelegt hast.

Wir danken Dir für die Einheit des Volkes, dessen unterschiedliche Rassenzusammensetzung sich so gut [in diesem] großen ethnischen Strom portugiesischen Ursprungs einfügte – und dessen kulturelles Umfeld, inspiriert vom lateinischen Genie, die Beiträge der Bewohner aller Breitengrade so gut aufgenommen hat.

Wir danken Dir für den katholischen Glauben, mit dem wir seit dem gesegneten Moment der Ersten Heiligen Messe ausgezeichnet wurden.

Wir danken Dir für unsere Geschichte, die so heiter und harmonisch verlief, und aus viel mehr Kultur, Gebete und Arbeit bestand, als Meinungsverschiedenheiten und Kriege.

Wir danken Dir für unsere gerechten Kriege, die immer vom Nimbus des Sieges umstrahlt waren.

Wir danken Dir für unsere Gegenwärtige Zeit, die so voller Errungenschaften und Hoffnungen auf Größe ist.

Wir danken Dir für die Völker dieses Kontinents, die Du uns zu Nachbarn gegeben hast, die mit uns im Glauben und ethnisch, in der Tradition und in der Hoffnung in die Zukunft Seite an Seite mit uns in immer engerer Freundschaft den gleichen Weg des Aufstiegs und des Erfolgs gehen.

Wir danken Dir für unser friedliches und desinteressiertes Wesen, das uns dazu neigt zu verstehen, dass die erste Mission der Großen darin besteht, zu dienen, und dass unsere Größe, die sich herausbildet, uns nicht nur zu unserem eigenen sondern zum Wohle aller gegeben wurde.

Wir danken Dir, dass Du uns auf diese Stufe unserer Geschichte hast kommen lassen, in einer Zeit, in der Stürme um die Welt wehen, sich Probleme anhäufen und schreckliche Optionen auf Schritt und Tritt über Einzelpersonen und Völker lauern. Denn dies ist für uns die Zeit, der Welt zu dienen, indem wir die christliche Mission der jungen Nationen dieser Hemisphäre erfüllen, die berufen sind, in den Augen der Welt das wahre Licht erstrahlen zu lassen, das die Finsternis niemals auslöschen wird.

Ein Bittgebet

Unser Gebet, Liebe Frau, ist jedoch nicht das des stolzen und unredlichen Pharisäers, der an seine guten Eigenschaften erinnert, aber seine Fehler nicht wahrnimmt.

Wir haben gesündigt. In vielerlei Hinsicht ist unser heutiges Brasilien nicht das zutiefst christliche Land, von dem Nóbrega und Anchieta* geträumt haben. Im öffentlichen wie im Privaten Leben machen sich schreckliche Verwesungskeime bemerkbar, die alle klaren und wachsamen Geister in Sorge versetzen.

Für all dies, o Mutter, bitten wir um Verzeihung.

Und zusätzlich bitten wir Dich um Kraft. Denn ohne Deine Hilfe können weder die Schwachen ihre Schwächen überwinden, noch die Guten die Gewalt und die Intrigen der Bösen aufhalten.

Mit der Vergebung, o Mutter, bitten wir auch um Deinen Segen.

Wie sehr vertrauen wir ihm!

Wir wissen, dass der Segen der Mutter eine kostbare Bedingung dafür ist, dass das Gebet des Kindes erhört wird, seine Seele stark und großzügig, seine Arbeit ehrlich und fruchtbar, sein Zuhause rein und glücklich, seine Kämpfe edel und verdienstvoll, seine Schicksale ehrvoll machen und die Heimsuchungen würdig verlaufen.

Wie reich an diesen und allen anderen erdenklichen Gaben ist dein Segen, o Maria, Mutter der Mütter, Mutter aller Menschen, jungfräuliche Mutter des Gottmenschen!

Ja, o Maria, segne uns, erfülle uns mit Gnaden und gewähre uns vor allem die Gnade der Gnaden. Oh Mutter, vereinige dein Brasilien innig mit dir.

Liebe es immer mehr.

Mache, dass der großzügige Schutz, den Du uns gewährt hast, immer mütterlicher werde.

Gib, dass die Vergebung, die du uns immer gewährt hast, immer breiter und barmherziger werde.

Erweitere deine Freigebigkeit, was die Güter der Erde betrifft, aber vor allem erhöhe unsere Seele in der Sehnsucht nach den Gütern des Himmels.

Mache uns immer friedliebender und immer stärker im Kampf für den Friedensfürsten Jesus Christus, deinen Sohn und unseren Herrn.

Damit, immer bereit, alles zu verlassen, um ihm treu zu sein, die göttliche Verheißung des Hundertfachen auf dieser Erde und der ewigen Seligkeit in uns erfüllt wird.

*   *   *

O liebe Frau von Aparecida, Königin von Brasilien! Mit welchen Worten des Lobes und der Zuneigung darf ich Dich am Ende dieses Dank- und Bittgebets begrüßen? Wo sind sie zu finden, wenn nicht in den Heiligen Büchern selbst, da Du jedem menschlichen Lobpreis überlegen bist?

Von Dir rief das auserwählte Volk prophetisch Worte aus, die wir hier liebevoll wiederholen:

„Tu gloria Jerusalem,
     tu laeticia Israel,
     tu honorificentia populi nostro“.

Du bist der Ruhm Jerusalems, Du bist die Freude Israels, Du bist die Ehre dieses Volkes, das Dich liebt.

*   *   *

Die Aussicht auf das hundertfünfzigjährige Jubiläum hat dieses Gebet in mein brasilianisches Herz gelegt. Ich beschloss, die Veröffentlichung nicht zu verschieben.

 

Anm.: * Die Patres Manoel da Nóbrega SJ und José de Anchieta SJ waren die ersten großen portugiesischen Missionare, die die Urvölker Brasiliens zum katholischen Glauben führten und die Grundlage für die größte katholische Nation der Welt legten.

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in “Folha de S. Paulo” vom 16. Januar 1972: “Prece do sesquicentenário”.

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

„Gebet zum einhundertfünfzigjährigen Jubiläum“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

Dienstag, 31. August 2021

„Du, der Du das Beispiel gekannt hast...“

 
Plinio Corrêa de Oliveira

      In der katholischen Welt gibt es niemanden, der nicht vom berühmten Marienheiligtum von Tschenstochau in Polen gehört hat.

      Aufgrund des kontinuierlichen Zustroms von Pilgern, den die unwirsche Kampagne der Atheisten nicht mindern kann, ist das Heiligtum meist so voll, dass die katholische Bevölkerung überlegt hat, in einem neuen Viertel der Stadt eine Kapelle zu bauen. Natürlich kann eine solche Initiative unter dem kommunistischen Regime nicht ohne Zustimmung der Behörden durchgeführt werden. Und obwohl die Bitte von 90% der Gläubigen unterstützt wurde, wurde sie von der Regierung ignoriert. Der örtliche Pfarrer, der sich auf der Höhe seines geistlichen Dienstes zeigte, improvisierte jedoch in einem Privathaus eine kleine Kapelle und ein Zentrum für den Katechismusunterricht.

      Diese Initiative von eher schüchternem Ausmaß entfesselte die Wut der Polizei, die das Haus durchsuchte und beschlagnahmte. Kurz darauf beschlossen die Behörden, es abzureißen, offensichtlich als Zeichen der Abscheu gegen den religiösen Zweck, für den es eingerichtet worden war.

      Unerschrocken bat der Pfarrer, ihm einen anderen Platz zur Verfügung zu stellen. Wie vorherzusehen war, wurde auch diese Bitte ignoriert. Einige Zeit später schickten die Behörden Traktoren, um das „verdammte“ Haus dem Boden gleich zu machen.

      Was aber war die Überraschung der Abrissverantwortlichen, als sie sahen, dass das ganze Gebäude voller Katholiken war, die mit dem Pfarrer an ihrer Spitze dort beteten. Entweder würde der Abriss mit dem anschließenden Tod aller Anwesenden erfolgen, oder man musste darauf verzichten. Eine nicht durchführbare Lösung war es, auf die Leerung des Gebäudes zu warten, um es dann niederzuwalzen, da die Katholiken Tag und Nacht darin blieben und um die Hilfe der Muttergottes baten.

      Angesichts so viel Glaubens und so viel Standhaftigkeit zogen sich die Traktoren zurück. Aus Angst, die öffentliche Meinung zu empören, wagten die Behörden nicht, das Verbrechen zu begehen.

      Außerdem hielten es die Kommunisten nach erbitterten Diskussionen mit dem Ortsbischof für sinnvoller, dem Pfarrer ein anderes Gebäude für seine Kapelle und sein Katechismuszentrum zu gewähren.

* * *

      Unter den vielen Kirchen – einige scheußliche –, die gegenwärtig gebaut werden, glaube ich, dass es keine so bedeutende gibt wie diese. Denn sie wurde bereits mit einer Episode geboren, die den höchsten Epochen des kirchlichen Lebens würdig war. Kompromissloser Mut bei der Verteidigung der Rechte des guten Volkes Jesu Christi zwang den kommunistischen Drachen seine Klauen einzuziehen.

      Die Tatsache würde sich für alle möglichen Würdigungen eignen, um ihre flammende Pracht zu steigern. Die Grenzen dieses Artikels lassen es nicht zu.

      Ich beschränke mich auf einen kurzen Kommentar, der aber den Vorteil hat, praktisch zu sein.

      Das mutige Verhalten des Pfarrers und seiner bewundernswerten Herde beweist, dass die einzige Politik, die funktioniert, darin besteht, keine Zugeständnisse zu machen. Wäre der Pfarrer der berühmten Maxime „nachgeben, um nicht zu verlieren“ gefolgt, wäre er zum Schweigen gebracht worden und seine Herde zerstreut.

      Er stellte sich dem Gegner, und dort steht nun seine Kapelle und sein katechetisches Zentrum.

      Episoden wie diese, dürfen nicht einfach nur bewundert werden. Es ist notwendig, sie nachzuahmen. Vor allem in einem Land wie unserem, wo das Gesetz die Freiheit der Kirche garantiert.

      Am Tag des Jüngsten Gerichts wird Gott uns fragen, welchen Gebrauch wir in unseren Kämpfen vom guten Beispiel dieses mutigen Pfarrers gemacht haben. Wir, die wir die Freiheit hatten, die ihm fehlte...

      Und die gleiche Frage wird uns die Geschichte im Voraus stellen, warum wir angesichts von Korruption und Gottlosigkeit nicht eine Kühnheit hatten, die mindestens derjenigen dieses Priesters gegenüber der Bedrohung durch kommunistische Traktoren entspricht.

      Dieser Reflexion fehlt weder Traurigkeit noch Bitterkeit. Ich registriere es jedoch hier mit der Absicht, schlummernde Energien zu erwecken und feige Taktiken scharf zu tadeln.

      Wenn ich es nicht täte, würde Gott am Tag des Gerichts mich fragen: Du, der du das edle Beispiel meines erhabenen Priesters kanntest, warum hast du es nicht verbreitet?

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in “Folha de S. Paulo” vom 20. Januar 1974: “Tu que conheceste o exemplo”.

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

„Du, der du das Beispiel kanntest…“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

Montag, 30. August 2021

„Die Vatikanische Ostpolitik begünstigt Moskau“

 

Plinio Corrêa de Oliveira

      Die Haltung der TFP zur Annäherungspolitik des Vatikans mit den Regierungen kommunistischer Länder weckt viel mehr Solidaritätsbekundungen, als ich es mir vorgestellt hatte. Und das ist völlig erklärbar, da unser Volk sowohl zutiefst katholisch als auch radikal antikommunistisch ist.

      Neben dem vollständig Erklärbaren gibt es jedoch das Paradoxe. Und das besteht darin, dass, wenn uns so viele zustimmen, sehr wenige ihre Stimme in der Öffentlichkeit erheben, um sich uns anzuschließen. Ich gehe nicht auf die Analyse der Ursachen dieses Paradoxons ein. Es existiert, und es muss berücksichtigt werden.

      Das Ergebnis der normalen wie auch der paradoxen Reaktion war, dass ich mich verpflichtet fühlte, immer wieder auf das Thema zurückzukommen. Einerseits, weil mich das Echo, das ich finde, dazu einlädt, andererseits und vor allem, weil fast nur ich spreche. Und so bin ich wieder hier in diesem Widerstand, den ich mit so viel Schmerz in meinem Herzen weiterführen muss.

* * *

      Heute biete ich dem Leser ein Zeugnis von erster Bedeutung zu diesem Thema. Ich bringe Auszüge aus einem Artikel über die Ostpolitik des Vatikans von einem angesehenen deutschen Katholiken. Es ist Dr. Bernhard Vogel, Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken und Kultusminister des Landes Rheinland-Pfalz (Beliner Morgenpost, 28.4.74). Der Artikel trägt den Titel „Die Ostpolitik des Vatikan begünstigt Moskau“.

      Ich übergebe nun an Dr. Vogel.

      »Die Tatsache ist nicht mehr zu übersehen: Die Ostpolitik des Vatikans ist ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Dem Fachmann wird immer klarer, dass es die Lage der Kirche in den kommunistischen Staaten nicht verbessert, sondern Moskaus Position im Spiel um Europa stärkt.

      Sehr aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang das allgemeine Kommuniqué über Casarolis Besuch in Polen. Darin heißt es, dass die Delegation des Heiligen Stuhls der polnischen Regierung ihre hohe Wertschätzung für ihren „konstruktiven Beitrag zur Normalisierung der Beziehungen in Europa und zum Frieden in der Welt“ zum Ausdruck brachte. Dies ist mehr als ein Gemeinplatz der diplomatischen Sprache. Man darf nicht vergessen, dass dieser Beifall einer Regierung zuteil wurde, deren Vertreter auf der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Helsinki auf Geheiß des kommunistischen Blocks die Forderung der westlichen Länder nach Meinungsfreiheit und Wahrung der Menschenrechte scharf kritisierten.

      Wenn in diesem Dokument immer noch steht, dass beide Seiten „ihr großes Interesse an der Konsolidierung des Entspannungsprozesses in der Welt“ bekräftigen und den Wunsch äußern, „dass dieser Prozess einen wirklich universellen Charakter annimmt“, bedeutet dies, eine Sprache aufzunehmen, die die spezifischen Inhalte und Ziele der kommunistischen Politik zum Ausdruck bringt.

      Diese Tatsache wird noch deutlicher in dem Teil des Kommuniqués, in dem die polnische Seite die Bemühungen des Heiligen Stuhls als unschätzbar bezeichnet, „die von gutem Willen durchdrungen sind, das friedliche Zusammenleben der Nationen und die Gerechtigkeit in den internationalen Beziehungen zu fördern“. Vergeblich würde man im gesamten Dokument nach so grundlegenden Prinzipien wie Freiheit und Menschenrechten suchen.

      Angesichts solcher Demonstrationen wie im „Fall Mindszenty“, der Ernennung von Bischöfen in der Tschechoslowakei und der aufgekommenen Gerüchte über die Verhandlungen zur Einrichtung einer Nuntiatur in Ost-Berlin kommt die Befürchtung auf, dass der Vatikan noch auf gewisse Lockerungen für die Kirche in den östlichen Staaten wartet, und im Gegenzug die sowjetischen Vorstellungen von der Normalisierung der Beziehungen in Europa akzeptiert und nicht ausreichend moralische und religiöse Positionen betont, auf die man nicht verzichten kann.

      Natürlich ist es nicht unsere Aufgabe, Verhandlungen und Verträge als solche zu verurteilen. Aber es ist notwendig, (...) jeden Anschein zu vermeiden, dass die Kirche sich einem System anpasst, das nach wie vor nur Unfreiheit, Ausbeutung und Unterdrückung kennt und den Kampf gegen die Religion als Uraufgabe sieht.«

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in “Folha de S. Paulo” vom 9. Juni 1974: “A Ostpolitik do Vaticano favorece Moscou”.

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

„Die Ostpolitik des Vatikans begünstigt Moskau“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

Donnerstag, 26. August 2021

Bewertung der spektakulären Wirkung der konservativ-religiösen Bewegungen



John Horvat II

18. August 2021

Eine der Schwierigkeiten, konservativ zu sein, besteht darin, dass die liberalen Medien gerne den Eindruck erwecken, dass unsere Aktionen in einem Vakuum stattfinden. Je liberaler die Medien, desto eindringlicher wird behauptet, konservatives Handeln sei wirkungslos. Folglich, je konservativer die Organisation, desto weniger ist günstige oder gar negative Berichterstattung vom Mainstream zu erwarten.

Dies galt insbesondere vor dem Aufkommen des Internet, als die Nachrichten von den großen Medien stärker kontrolliert wurden. Wenn wir unsere eigenen Geschichten schreiben, müssen wir uns daher mit der offiziellen Berichterstattung konfrontieren, die uns keine Bedeutung beimisst. Wenn wir auf unserer Rolle bei der Gestaltung der öffentlichen Politik beharren, riskieren wir, anmaßend zu erscheinen und keine offiziellen Beweise aus der Vergangenheit zu haben.

Eine andere Quelle erzählt unsere Geschichte

Das Buch „Moral Majorities across the Americas: Brazil, the United States, and the Creation of the Religious Right (University of North Carolina Press, 2021) ist eine geschichtliche Darstellung, die die Blockade durchbricht. Der liberale Autor Benjamin Cowan erzählt die Geschichte der religiösen Konservativen, die sich über zwei Kontinente ab den 1960er Jahren ausbreitete.

Da er nichts von unserer Perspektive teilt, erzählt er unsere Geschichte für uns. Er befreit uns von einem anmaßenden Versuch, unsere Geschichte selbst zu schreiben. Seine Darstellung enthält Fehler, Missverständnisse und Feindseligkeit gegenüber unserer Sache. Das Buch bestätigt jedoch unser Vorgehen im Laufe der Jahre, indem es die Wirksamkeit desselben dokumentiert. Es hilft uns, zu sehen, dass sich unsere Bemühungen gelohnt haben.

Das politisch und kulturell einflussreichste Phänomen unserer Zeit

Das war natürlich nicht seine Absicht. Ganz im Gegenteil. Seine Absicht ist eher zu warnen als zu informieren. Er spürt, wie stark der religiöse Konservatismus heute ist, und versucht, eine Antwort auf die Frage zu geben: Wie sind wir dazu gekommen?

So präsentiert der Assistenzprofessor für Geschichte an der Universität von California-San Diego eine der spektakulärsten politischen Geschichten des späten zwanzigsten Jahrhunderts. Es ist eine nicht erzählte Geschichte, die, wie der Autor zugibt, von der akademischen Welt ignoriert wird. Dennoch erkennt er die Bedeutung des „Aufbaus des heutigen transnationalen christlichen Konservatismus, der vielleicht das politisch und kulturell einflussreichste Phänomen unserer Zeit geworden ist“.

„Vor einem halben Jahrhundert war vieles von dem, was heute unbestritten als Konservativer Mainstream gilt, die Agenda einer reaktionären und fundamentalistischen Randgruppe“, so der Autor weiter. „Die brasilianischen Konservativen legten in Zusammenarbeit mit ihren Gleichgesinnten im Ausland den Grundstein für die Normalisierung dieser Agenda, durch die Aufnahme von Grundsätzen der heutigen religiösen Rechten.“

Aktionen während des Konzils

Der Autor beschreibt die entscheidende Rolle der Katholiken bei der Entstehung dieser „bedrohlichen“ Bewegung und liefert eine ausführliche Chronik der Aktionen der Gesellschaften zur Verteidigung von Tradition, Familie und Eigentum (TFP) und des brasilianischen TFP-Gründers Prof. Plinio Corrêa de Oliveira.

Er führt das Wiederaufleben der katholischen Konservativen auf den „Coetus“ (Coetus Internationalis Patrum AdÜ) zurück, eine Gruppe, die die TFP als Sammelbecken für konservative Ansichten organisierte, um das Zweite Vatikanische Konzil zu beeinflussen. Diese Bemühungen bildeten die Grundlage für ein Programm, das „Antikommunismus, Moralismus, Anti-Ökumene, Hierarchismus“ und eine „Affinität für das Übernatürliche Angesichts des festgestellten Säkularismus“ umfasste, so Cowan.

Diese antimodernistische Plattform sollte später Unterstützung und „Verbündete innerhalb und außerhalb Brasiliens sowie innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche“ finden.

Die New Right*-Bewegung gründet Netzwerke

Zwei Strategien veränderten den Verlauf der Debatte in den 1980er Jahren. Die erste war die Zusammenführung des wirtschaftlichen Liberalismus mit sozialen, kulturellen und religiösen konservativen Themen. Die zweite war die Bildung breiter Netzwerke von Konservativen, die sich im Kampf gegen den Kommunismus, die Unmoral und den Säkularismus vereinigen konnten, während sie in Fragen der Religion, nicht einer Meinung waren.

Wichtige Akteure in diesem Kampf waren die amerikanischen Aktivisten Paul Weyrich und Morton Blackwell, die die (amerikanische) New Right* Bewegung der Reagan-Ära bildeten. In Brasilien spielte die TFP eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung ähnlicher Netzwerke. Sie alle arbeiten immer noch zusammen, wie es linke Netzwerke schon seit Jahrzehnten tun. Prof. Cowan warnt, dass diese Fähigkeit zur „effektiven Formulierung von Strategien und Botschaften“ Liberale dazu bringen sollte, die Konservative Bewegung in unseren Tagen ernst zu nehmen.

Die detaillierte Auflistung der Namen, Orte und Umstände dieser Vernetzungsbemühungen zeigt, dass diese Aktionen nicht in einem Vakuum stattfanden. Einige Leute nahmen Kenntnis davon und ihre Wirkung und Bedeutung wahrgenommen.

„Spektakularisierter mittelalterlicher Pomp“

So erfreulich diese Anerkennung auch sein mag, eine letzte Bemerkung sollte diejenigen, die sich für unsere Sache einsetzen, ermutigen. Der Autor kritisiert die enorme Anziehungskraft der Botschaft der religiösen Rechten und zeigt sie doch auf.

Er führt diese Anziehungskraft auf unsere Fähigkeit zurück, „die Entmythifizierung oder Entmystifizierung“ der modernen Welt und „die Demontage alter Hierarchien“ anzusprechen. Die Konservativen nehmen „die Trauer über eine Welt ohne Geheimnisse“ wahr.

Natürlich sieht er diese Zustände als etwas Negatives an. Das Leben der Gnade, „Mystik und der alltägliche Sinn des Göttlichen“ sind Konzepte, die nicht in seine säkulare Denkweise passen. Daher neigt er dazu, sie als nostalgische Vorstellungen von einer mittelalterlichen sakralen Vergangenheit abzutun.

Dieser Glaube an eine Welt voller Geheimnisse und Wunder ist jedoch „der Kitt“, der die religiösen Konservativen  zusammenhält, die „eine Rückkehr zu mittelalterlichen kulturellen und religiösen Formen“ anstrebt. Der Autor gesteht also die enorme Anziehungskraft dieser spirituellen Dimension ein. Gleichzeitig macht er sich über die TFP lustig, weil sie in den 1960er Jahren „den mittelalterlichen Pomp spektakularisiert hat und danach durch extravagante Straßendemonstrationen berühmt wurde“.

Alternativen erforschen

Eine solch tiefgreifende Weltanschauung sollte nicht abgelehnt, sondern begrüßt werden. Die verfallende liberale Ordnung ist steril und deprimierend. Ihre Erzählungen, die einst Familien, Gemeinschaften und Nationen einten, haben in unserer postmodernen Einöde keinen Bestand mehr. Säkulare Erklärungen des Lebens berauben es seines Sinns und Zwecks. Die gegenwärtige Unordnung bietet wenig Hoffnung für die Zukunft.

Traditionelle Katholiken müssen sich also nicht für ihre Faszination für Geheimnis und Gnade entschuldigen. Das nachdrückliche Beharren von Prof. Cowan auf der Kraft dieser Konzepte dient dazu, sie als wahr und nicht als falsch zu erweisen. Eine gut strukturierte soziale Ordnung, die auf Rechtsstaatlichkeit, christlicher Nächstenliebe und einem Sinn für Wunder beruht, ist die gültige Alternative zu den trostlosen Fehlschlägen der Postmoderne.

Die Welt dürstet nach dem Göttlichen und sehnt sich nach Legenden und Mythen. Davon sind wir überzeugt. Dennoch ist es hilfreich, wenn andere es von jemandem hören, der unsere Geschichte erzählt — wenn auch aus der Sicht der anderen Seite.

 

Aus dem Englischen mit Hilfe von Google- und Deepl-Übersetzer in
https://www.tfp.org/evaluating-the-spectacular-impact-of-the-religious-right/ vom 18.08.2021
eingesehen am 24.08.2021.

*) Der Autor dieses Artikels sowie der genannte Buchautor analysieren konservativen Tendenzen aus amerikanischer Perspektive, in der die Bezeichnung „New Right“ nicht gleichzusetzen ist mit dem, was man in Deutschland als „Neue Rechte“ bezeichnet. Siehe hierzu: 
https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Rechte und
https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/284268/was-die-neue-rechte-ist-und-was-nicht

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Samstag, 14. August 2021

Die wunderbare Aufnahme Mariens im Himmel

 



„Die unbefleckte, immerwährend jungfräuliche Gottesmutter Maria ist, nachdem sie ihren irdischen Lebenslauf vollendet hatte, mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen worden.“

Mit diesen unsterblichen Worten definierte der Heilige Vater Pius XII. das Dogma der Himmelfahrt der Heiligen Jungfrau mit Leib und Seele, das am 1. November 1950 in der dogmatischen Konstitution „Munificentissimus Deus“ feierlich verkündet wurde. Das wichtigste Marienfest dieses Monats ist die Feier dieser herrlichen Himmelfahrt. Zur Erinnerung an dieses große Geschehen, legen wir unseren Lesern folgenden Auszug aus einem Vortrag von  Plinio Corrêa de Oliveira, am 14.08.1965:

* * *

„Das Dogma der Himmelfahrt Unserer Lieben Frau wurde von katholischen Seelen auf der ganzen Welt heiß begehrt, denn es ist eine weitere Bestätigung über die Mutter Gottes, die sie völlig aus der Parallele mit jedem anderen bloßen Geschöpf stellt und den Kult der Hyperdulie rechtfertigt, den die Kirche ihr widmet.

„Unsere Liebe Frau hatte einen sehr sanften Tod, so sanft, dass er von den Autoren mit einem sehr schönen Sprachvermögen, dem „Schlaf der seligen Jungfrau Maria“ (Dormitio Beatae Mariae Virgine) bezeichnet wird, was darauf hinweist, dass sie einen so sanften Tod hatte, so nah an der Auferstehung, dass es zwar den wahren Tod darstellt, aber dennoch eher einem einfachen Schlaf gleicht. Unsere Liebe Frau ist nach dem Tod auferstanden wie Unser Herr Jesus Christus, sie wurde von Gott wieder zum Leben gerufen und in Gegenwart aller am Grabe versammelten Apostel und vieler Gläubigen in den Himmel aufgenommen.“

Die Freude der triumphierenden Kirche (im Himmel), der streitenden Kirche (auf Erden) und der leidenden Kirche (im Fegefeuer)

„Diese Himmelfahrt stellt für die selige Jungfrau eine wahre Verherrlichung in den Augen der Menschen und der ganzen Menschheit bis zum Ende der Welt dar sowie ein Voraussicht der Verherrlichung, die sie im Himmel empfangen sollte.

„Die ganze triumphierende Kirche empfängt sie mit allen Chören der Engel; Unser Herr Jesus Christus heißt sie willkommen; der hl. Joseph beobachtet die Szene; dann wird Sie von der Heiligen Dreifaltigkeit gekrönt. Es ist die Verherrlichung Unserer Lieben Frau in den Augen der ganzen triumphierenden Kirche und in den Augen der gesamten streitenden Kirche. Gewiss hat die leidende Kirche an diesem Tag auch eine Ausgießung außergewöhnlicher Gnaden erhalten. Und es ist nicht verwegen zu denken, dass an diesem Tag fast alle Seelen, die im Fegefeuer waren, von Unserer Lieben Frau freigelassen wurden, so dass auch dort eine enorme Freude herrschte. Wir können uns also vorstellen, wie der Ruhm unserer Königin war.

„Etwas davon wird sich, glaube ich, wiederholen, wenn das Reich Mariens errichtet wird, wenn wir sehen, wie sich die ganze Welt verändert und die Herrlichkeit Unserer Lieben Frau auf der Erde erstrahlt“…

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in Original veröffentlicht am 14. August 2021 in

https://www.abim.inf.br/a-maravilhosa-assuncao-de-nossa-senhora-2/

 © Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

„Die wunderbare Aufnahme Mariens im Himmel“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

Donnerstag, 12. August 2021

Der unverzichtbare Widerstand

Plinio Corrêa de Oliveira

      Die Leser haben natürlich die Erklärung der TFP zum Widerstandsprogramm gegen die Annäherungspolitik des Heiligen Stuhls zu den kommunistischen Regierungen zur Kenntnis genommen. Bezüglich der Gründe und Art unserer Haltung ist nichts hinzuzufügen. Ebenso scheint mir alles über einen Hauptpunkt der Sache gesagt zu haben, auf den wir äußerst großen Wert legen, nämlich die Beständigkeit unserer ganzen und liebevollen Einigkeit mit dem Heiligen Vater Paul VI. in vollem Maße in der von der katholischen Lehre geforderten Untertänigkeit. Es steht aber noch an, über die Zweckmäßigkeit unserer Haltung etwas zu sagen.

 

Papst Paul VI. und Kardinal Silva Henriquez
von Santiago, Chile
     Ich gehe natürlich nicht davon aus, dass die Stellungnahme der TFP die Ausrichtung der Diplomatie Pauls VI. ändern wird. Die von uns dargelegten Gründe sind dermaßen offensichtlich, dass der Papst und seine unmittelbaren Berater sie nicht schon vor langer Zeit in Erwägung gezogen haben.

      Kommen wir zum taktischen Standpunkt: Es gibt keinen möglichen Vergleich zwischen den Vorteilen, die der Vatikan mit der Unterstützung des Molochs, der kommunistischen Welt, zu nutzen glaubt, und den Unannehmlichkeiten, die sich aus dem Widerstand der geistlichen Kinder ergeben können, die er in der TFP hat, und über fast ganz Amerika und einigen Nationen Europas verbreitet sind, zwar voller Glauben, aber ohne die Macht, die auf der kommunistischen Seite übrig bleibt. Unser eigener Glaube ist ein Faktor, der bei einer rein politischen Bewertung die Reichweite unserer Position im Maßstab der Diplomatie noch schmälert. Denn der Vatikan ist sich sicher, absolut sicher, dass die Heilige Kirche von uns keinen Abfall vom Glauben zu befürchten hat.

      — Was hat dann unsere Haltung für einen Nutzen?

      Die Entspannungspolitik des Vatikans kommt von weitem. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil vernimmt man eine allmähliche Änderung der Haltung der Episkopate weltweit gegenüber der roten Gefahr. Von einer distanzierten, wachsamen und nicht selten sogar kämpferischen Haltung wurde diese weitgehend tonlos, schweigsam und irgendwie unbedacht. Es scheint, dass das kommunistische Problem plötzlich nicht mehr existierte. Vor diesem Hintergrund begannen nicht wenige Prälaten mit neuen Nuancen die ruhmreiche und uralte Sehnsucht der Kirche nach einer Veränderung der Lebensbedingungen der armen Schichten auszudrücken. Man muss in dieser Hinsicht nur die Sprache eines heiligen Pius X. mit der Sprache einiger Bischofskonferenzen und gewisser Prälaten vergleichen, um zu messen, wie feinfühlig dieser Wandel war. Die neue Sprache vieler kirchlicher sozialer Forderungen ist nun manchmal so, dass sie, ohne definitiv marxistisch zu sein, vom Vokabular und Stil der Kommunisten inspiriert zu sein scheint. Wie leider bekannt ist, gibt es noch mehr. Bestimmte Prälaten, die brausende und ungestrafte Ausnahmen darstellen, unterstützen die kommunistischen Heerscharen entschieden. Das markanteste Beispiel unter ihnen ist Kardinal Silva Henriquez in Chile. Hinzu kommen dieser immensen Menge an Fakten die geheimen Kontakte des Heiligen Vaters mit roten Staatsoberhäuptern, die diplomatischen Reisen, die Msgr. Casaroli – der Kissinger des Vatikan – ständig in kommunistischen Ländern unternimmt usw. und man fragt sich, welche Auswirkung dies alles hat auf die Wachsamkeit und Kampfbereitschaft vor der kommunistischen Gefahr der Katholiken des Westens (um nur von diesen zu sprechen). Offensichtlich hat die Entspannungspolitik des Vatikans die Wirkung einer psychologischen Demobilisierung der 500 Millionen Katholiken gegenüber der kommunistischen Gefahr.

      Das sind Tatsachen, die absolut unanfechtbar sind.

      Jetzt, genau zu diesem Zeitpunkt, wird die kommunistische Gefahr ernsthafter. Russlands diplomatische und militärische Macht wächst ständig, und die kommunistische Propaganda wird hinterhältiger, umfassender, verführerischer. Die explizit kommunistischen Intellektuellen oder Politiker werden nun in die Folklore und Vorgeschichte des Kommunismus geschoben. Der linke Politiker mit kommunistischer Neigung, der Intellektuelle, der schlecht über den Kommunismus spricht, aber ein vorkommunistisches Klima schafft, das sind die effizientesten und modernsten Agenten der roten Propaganda.

      Kurz gesagt, der Höhepunkt der katholischen Demobilisierung fällt mit dem Höhepunkt des polymorphen Ansturms des Kommunismus zusammen. Das Ergebnis: mittelfristige, wenn nicht kurzfristige Katastrophe.

      Und das Gegenmittel, das Katholiken schützt? — Es kann nur eine spezialisierte antikommunistische Aktion sein, die Katholiken auf der Grundlage der traditionellen Lehre der Kirche entwickeln, die zu ihren Glaubensbrüdern sprechen, um sie zu warnen und zum Kampf gegen die rote Gefahr führen. Jede andere Form von Gegengift ist nutzlos oder kontraproduktiv.

      Dieser Aufgabe hat sich die TFP verschrieben. Eine absolut unentbehrliche Aufgabe, solange die „Ostpolitik“ des Vatikans andauert. Dies ist die Nützlichkeit unseres mühsamen, aber unverzichtbaren – und wie untertänigen – Widerstands.

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google Übersetzer in „Folha de S. Paulo“, 14 April 1974.

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

„Der unverzichtbare Widerstand“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

„Das Blut, über das nicht verhandelt werden kann“

 

Plinio Corrêa de Oliveira

      Unsere Öffentlichkeit ist umfassend über die Entspannung der amerikanischen Nationen mit Kuba informiert. Paradoxerweise wird seit einiger Zeit nichts mehr über Irreligion (Atheismus), Despotismus und das Elend, dem das kubanische Volk ausgesetzt ist, berichtet. Außerdem weiß dieselbe Öffentlichkeit nichts von den Leiden, die diese Entspannung den Anti-Kastristen in Kuba oder im Exil zufügt.

      Wird diese Entspannung die Leiden der Kubaner lindern oder verschlimmern? – Wer kann dieser Frage gegenüber unempfindlich sein?

* * *

      Wenn Fidel Castro die aktuelle kubanische Realität bekannt machen wollte, würde es genügen, ein internationales Treffen von Journalisten aller Tendenzen einzuberufen, um ihnen die Ergebnisse seines Regimes und seiner Regierung zu zeigen. Natürlich tut er das nicht. Und das hat sehr gute Gründe.

      Mangels Informationen kommen die zuverlässigsten Zeugnisse über Kuba von den Exilkubanern, die die Verfolgung über die Inseln und entlang der Karibikküste verstreute. In Miami bilden sie eine beträchtliche Ansammlung an Zahl und Einfluss. Außerdem haben sie in anderen nordamerikanischen Städten kleinere Zentren.

      Natürlich machen sie nichts anderes, als all die Mitteilungen zu hören, die von der geliebten Heimatinsel kommen: Nachrichten, die von der Presse auf der ganzen Welt gefiltert werden, Informationen von internationalen Persönlichkeiten, die in Kuba an Land zugelassen wurden, und, bescheidener, Nachrichten von Flüchtlingen, die es schaffen zu fliehen.

      Mehr als jeder andere auf der Welt hätten diese Kubaner ein Interesse an einer Entspannung, die das unglückselige Regime verwässern und ihnen die Rückkehr in ihre Heimat ermöglichen würde. Doch sie – und nur sie weltweit – führen vor allem in Miami, der kubanischen Exilhauptstadt, imposante Proteste gegen die Entspannung durch.

      Was zeigt, welche schlechten Nachrichten sie über Kuba sammeln.

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      Laut Miamis „Diário las Américas“ (19. Februar) – dem großen Organ der Exilkubaner – fand eine „Demonstration von etwa fünfzehntausend Kubanern gegen jede Form der Koexistenz mit Fidel Castro“ statt. Nachdem sie dreißig Wohnblocks hinter sich hatten, erreichten die Demonstranten den Beyfront Park, wo mehr als zehntausend Landsleute auf sie warteten. Neben einem großen Kruzifix sprach P. Ramón O’Farril sie mit einer Predigt an, aus der ich Auszüge hier wiedergebe:

      „In diesem schmerzhaften Marsch sind wir den Hang des Kalvarienbergs hinaufgestiegen, um dich, o Christus Jesus, zu bitten, uns den Starkmut zu geben, damit wir aufrecht bleiben und mit Würde das Land verteidigen, das du uns als unser Vaterland gegeben hast. Gemeinsam mit denen, die jeden Tag fallen, im Kampf für das Reich deiner Liebe, Gerechtigkeit und Freiheit (…) angesichts des Verrats verkünden wir: Gemeinsam werden wir triumphieren, zerstreut werden wir verschwinden. Alle sollen rufen: Lieber tot als rot!“

      Gleichzeitig schickten der Bürgermeister und der Stadtrat von Miami eine Meldung an Nixon, in der sie ihn aufforderten, den Boykott gegen Kuba fortzusetzen.

      Eine Petition mit fünfzigtausend Unterschriften von Kubanern aus Miami wurde an Nixon geschickt, in der gebeten wird, keine Entspannung mit Castro einzuleiten.

      In San Juan de Puerto Rico veranstaltete ein Kongress der 65 kubanischen Organisationen in der Karibik eine Protestkampagne gegen die Wiederaufnahme von Beziehungen zu Castro. An alle Präsidenten und Kanzler der amerikanischen Länder wurden Botschaften geschickt und ein besonderer Appell an Nixon gerichtet.

      Vierzig Mütter junger Menschen, die von Castro erschossen wurden, schickten Telegramme an alle Präsidenten Amerikas und forderten sie auf, keine „Öffnungen“ mit der unglücklichen Insel zu initiieren und nicht zu vergessen „das Blut, das von Tausenden unserer Märtyrer vergossen wurde; über dieses Blut kann nicht verhandelt werden...“...

      Das sind Fakten, die unser Publikum nicht ignorieren darf...

 

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google Übersetzer in „Folha de S. Paulo“, 17 März 1974.

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

„Das Blut, über das nicht verhandelt werden kann“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com