Donnerstag, 8. Oktober 2026

„Auf wessen Seite steht der Papst?“ (1)

Plinio Corrêa de Oliveira
„Legionário“,  7. November 1943 

      Bevor wir eine umfassende Antwort auf den Artikel „Auf wessen Seite steht der Papst“ des Dekans von Canterbury geben, veröffentlichen wir hier einige punktuelle Anmerkungen zu einzelnen seiner Themenbereiche.

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      Der Autor beginnt damit, der katholischen Meinung zu schmeicheln. In süßlichem Tonfall erklärt er: „Die Politik des Vatikans auf der Weltbühne ist einer der dunkelsten, faszinierendsten und verwirrendsten Aspekte des gegenwärtigen Krieges. Was tut der Papst? Was erhofft sich der Papst von diesem Krieg? Auf welche Seite hat sich der Papst in diesem blutigen Kampf um Freiheit und Leben der sogenannten christlichen Völker unserer heutigen Welt geschlagen? Dies sind drei spezifische Fragen von mehr als grundlegender Bedeutung, deren Beantwortung jedoch äußerst schwierig ist, da uns nur wenige Daten zur Verfügung stehen, um in die subtilen und jahrhundertealten Überlegungen des Papstes und seiner Diplomatie einzudringen – einer Diplomatie, die im weitesten Sinne die vollendetste, raffinierteste und erfahrenste aller Zeiten ist.“

      Wie man sieht: ein Blumenfeld, das Gift verströmt. Um sich mit dem Anschein der Unparteilichkeit zu umgeben, erkennt der Autor an, was ohnehin offensichtlich ist: die grundlegende Bedeutung, die jede Haltung des Papsttums für das internationale Leben unserer Zeit hat. Seit wie vielen Jahrhunderten verkünden Protestanten bereits den Niedergang der „Kirche von Rom“, ihre völlige Unvereinbarkeit mit den heutigen Lebensbedingungen des Menschen usw.? Doch im Jahr 1943 muss der Dekan von Canterbury – Vertreter einer der angesehensten englischen protestantischen Kirchen – anerkennen, dass das Ansehen des Heiligen Stuhls so groß ist, dass die Analyse seiner Haltung für das Verständnis der Ereignisse unerlässlich ist. Der Dekan ist so beeindruckt, dass er sogar zur Hyperbel greift: Die Untersuchung der Haltung des Papstes sei nicht nur wesentlich, sondern „mehr als wesentlich“. Wir überlassen es dem Dekan, seinen Lesern zu erklären, was in der Philosophie eine „mehr als wesentliche Sache“ sein mag... nämlich die Auseinandersetzung mit der Haltung des Papstes. Uns genügt die Erkenntnis des hohen Maßes an Ansehen, Einfluss und Autorität, dass sich die rein geistige Kraft des Papsttums in diesem Zeitalter von Minerva und Mammon bewahrt hat.

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      Doch der Text, den wir hier wiedergeben, weist seine Schattenseiten auf. Geschickt gesetzte Schatten. Zarte Schatten. Aber giftige Schatten. Es geht um einen Konflikt, in dem Leben und Freiheit der „sogenannten christlichen“ Völker auf dem Spiel stehen. Ganz nebenbei möchten wir fragen, welche Völker das wohl sind, denen der Dekan die Ehre abspricht, Christen zu sein. Etwa die Katholiken? Ist es jedenfalls nicht sonderbar, dass sich nicht sagen lässt, welche Haltung das Oberhaupt der gesamten Christenheit in diesem Kampf eingenommen hat? Warum eine solch seltsame Zurückhaltung? Der Vatikan schätzt „subtile Gedankengänge“. Seine Diplomatie gilt als die „vollendetste Diplomatie aller Zeiten“. Seltsam! Diese Worte bedeuten nicht zwangsläufig, dass die Diplomatie des Vatikan machiavellistisch sei. Doch sie erwecken einen Eindruck, der dem sehr nahekommt. Dennoch folgt auf sie keinerlei Erklärung, die eine solch unvorteilhafte Auslegung ausschließen würde. Nun gut, fahren wir fort...

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      „Der Papst hat sich bereits vielfach zu diesem Krieg geäußert, doch die Unklarheit und Mehrdeutigkeit seiner Erklärungen spiegeln sich treffend darin wider, dass sowohl die Alliierten als auch die Achsenmächte seine Worte als für sich günstig und für den Feind ungünstig betrachten“, erläutert „Rev.“ Johnson. Doch wie ist das möglich? Besitzt der Papst denn keinerlei Ehrlichkeit? Warum führt „Rev.“ Johnson kein Beispiel zur Untermauerung dieser „mehrdeutigen“ Äußerung des Pontifex an? Für einen Vorwurf von solch weitreichender Bedeutung genügt dem „Rev.“ Johnson eine Tatsache: Sowohl die Nazis als auch die Alliierten behaupten, der Papst stehe auf ihrer Seite. Weiß „Rev.“ Johnson denn nicht, dass die Nazis den Geist der Lüge schlechthin verkörpern – dass Pius XI. sie als „die fleischgewordene Lüge“ bezeichnete –, und dass sie daher, auch wenn sie sehr wohl verstehen, dass die Heilige Kirche ihnen nur eine vernichtende Niederlage wünschen kann, entgegen aller offensichtlichen Tatsachen lügen und das Gegenteil behaupten würden? Kennt „Rev.“ Johnson die Enzyklika „Mit brennender Sorge“ von Pius XI., in der der Papst den Nationalsozialismus radikal verurteilte? Und ist ihm entgangen, dass sich die Nazis selbst danach noch zynisch als Freunde der Kirche ausgaben?

      Letztendlich stützt Herr Johnson seine Anschuldigung gegen das Papsttum auf eine Behauptung der Nazis – die größten Lügner der Welt. Offen gesagt: Schlechter könnte man nicht argumentieren.

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      „Rev.“ Johnson spürt nur allzu deutlich, dass sein Hass auf Rom ihn verraten hat und dass seine letzten Worte ihn aus der ursprünglichen Gelassenheit seiner Anschauungen herausgeführt haben. Nun folgt – gleichsam um in die offene Wunde zu blasen – dieses Lob, das wie ein Glaubensbekenntnis an die Göttlichkeit der Kirche anmutet: „... die römische Kirche steht, in ewiger Perspektive betrachtet, über den Kämpfen der Nationen, über Kriegen und allem Zeitlichen. Sie ging der Demokratie voraus, ging dem Nationalsozialismus voraus, ging allen Regierungsformen der modernen Welt voraus; das politische Antlitz der Welt hat sich bisweilen radikal gewandelt, doch die römische Kirche hat stets überlebt, wenn auch unter fortschreitendem Kraftverlust. Es ist mehr als gewiss, dass die römische Kirche immer überdauern wird, ganz gleich, welche Gestalt die Welt zu irgendeinem Zeitpunkt annehmen mag ...“ Doch wer hasst, dem geht beim Pusten schnell der Atem aus. Der Dekan ermattet rasch bei diesen süßlichen und ausgeklügelten Lobpreisungen. Und gleich darauf schränkt er ein: „Die einzige Möglichkeit, dass es anders käme, wäre ein weltweiter Sieg des Kommunismus. Doch in diesem Punkt kämpft die römische Kirche nicht allein.“ Ein eklatanter Widerspruch! Noch wenige Zeilen zuvor hatte der Autor behauptet, die Kirche sei unzerstörbar; nun aber erklärt er, sie könne vernichtet werden, und deutet sogar an, sie sei so schwach, dass ihre Siegeschancen darauf beruhten, dass sie „nicht allein kämpft“. Dennoch räumt der Dekan selbst ein, dass sie in der heutigen Welt eine solche Autorität genieße, dass die Analyse ihrer Haltung von „mehr als grundlegender“ Bedeutung sei. Widerspruch über Widerspruch. Doch der Dekan ist ein guter Protestant: Er fühlt sich inmitten von Widersprüchen wohl.

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      So geht der Artikel weiter, wobei er sich auf Schritt und Tritt eifrig selbst widerspricht und seine Anschuldigungen gewunden zwischen mehrdeutigen, blumigen Lobpreisungen vorbringt. Doch kommen wir gleich zum Kernpunkt. Mit Nachdruck, mit Genugtuung und in der Gewissheit der Wirkung, die sie erzielen wird, schleudert der Dekan diese ungeheuerliche Behauptung hinaus: „Der einzige Einwand des Papsttums gegen den Nationalsozialismus – wie es bereits mehrfach dargelegt hat – ist dessen Heidentum und die Verfolgung der Kirche.“ Wenn es eine konkrete Behauptung gibt, die ideal dem Begriff der „Lüge“ entspricht, dann ist es diese! Man muss nur flüchtig einen Blick in die Sozialenzykliken der Päpste werfen – insbesondere in „Mit brennender Sorge“ –, um zu erkennen, dass die vom Nationalsozialismus propagierte politische und gesellschaftliche Struktur selbst dann von der Kirche verurteilt worden wäre, wenn er ihr völlige Freiheit gewährt hätte. Jeder Studienanfänger im Bereich der Sozialwissenschaften weiß das. Der Dekan von Canterbury scheut sich nicht, klipp und klar das Gegenteil zu behaupten. Er hat recht, würde ihm der alte Voltaire sagen: „mentez, mentez, il restera toujours quelquer chose“ („Lügt, lügt nur; irgendetwas bleibt immer hängen.“)

      Und nun folgt eine weitere Lüge. Mit Bezug auf die Lateranverträge behauptet der Dekan: „wenn der Faschismus dem Papst zu geben weiß, was des Papstes ist, und er dem Faschismus zu geben weiß, was des Faschismus ist, einschließlich der Freiheit vieler Millionen von Individuen.“ Ignoriert der Dekan etwa, dass die korporative Auffassung des Faschismus von der Kirche verurteilt wurde – nicht, weil sie irgendein Recht der Kirche verletzt hätte, sondern weil sie, da sie dem Naturrecht widerspricht, die gerechte Freiheit „vieler Millionen von Individuen“ beschnitt? Ignoriert der Dekan, dass die Staatslehren von Gentile und Croce wegen ihres totalitären Charakters von der Kirche verurteilt wurden? Sieht er nicht, dass die Kirche auf diese Weise all das verteidigte, was gerecht und edel am Wort „Freiheit“ ist – ein Wort, mit dem er, der Dekan, und seine Anhänger so abscheulichen Missbrauch zu treiben pflegen? Und wie kann man dann behaupten, der Vatikan habe mit dem Naturrecht, dessen Hüterin die Kirche ist, Handel getrieben? Wo bleibt da der gute Glaube? Was Franco betrifft, so stellt ihn der Dekan als den Mann der „Römischen Kirche“ dar – als einen niederträchtigen Militärmensch und Komplizen niederträchtiger Prälaten, die darauf aus waren, einen Religionskrieg anzuzetteln, der der vatikanischen Diplomatie gelegen käme!

      Ignoriert der „Dekan“, dass Franco keineswegs ein Werkzeug in den Händen der Kirche ist, sondern derart gespannte Beziehungen zum Vatikan unterhält, dass das erwartete Konkordat zwischen Spanien und dem Heiligen Stuhl bis heute nicht zustande gekommen ist? Denn der „Caudillo“ will der Kirche nicht einmal jene Freiheit gewähren, die sie in Ländern genießt, in denen Kirche und Staat getrennt sind. Ist das nicht allgemein bekannt? Steht das nicht in den Nachrichten aller Zeitungen?

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      Und so geht es mit den Unwahrheiten weiter. Man müsste ein ganzes Buch schreiben, um sie eine nach der anderen zu widerlegen. Kommen wir direkt zum Schluss.

      Worauf will der Dekan hinaus? Am Ende seines Artikels behauptet er, angesichts des diplomatischen Triumphs des Vatikan „wisse man noch nicht, was die demokratischen und revolutionären Kräfte der Welt gewinnen werden“; sie würden im Papsttum „eines der größten Hindernisse“ vorfinden... ... auf ihre Ausdehnung hin, wie es praktisch der antisowjetische Block in Mitteleuropa andeutet, den die römische Kirche seit mehr als einem Jahr zu bilden sucht.“

      Darin liegt der Grund für den Zorn! Wir wissen nicht, was dieser „antisowjetische Block“ sein soll. Doch fest steht: So entschieden die Kirche auch gegen den Nationalsozialismus eingestellt ist, so entschieden ist sie auch gegen den Kommunismus. Gewiss wird sie vom Sieg der Alliierten stark profitieren. Die Katholiken müssen einen solchen Sieg herbeiwünschen, und genau in diesem Sinne hat sich auch der „Legionário“ stets geäußert. Dennoch bleibt es eine Tatsache, dass die Kirche weiterhin ein gewaltiges Hindernis für die kommunistische Expansion darstellen wird. Und genau das ist es, was der Dekan nicht will und nicht ertragen kann.

      Hierin liegt der Grund für seinen ganzen Zorn als kommunistischer „Rädelsführer“, der sich als Seelsorger „getarnt“ hat.

 

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„Auf wessen Seite steht der Papst?“ (2)

 Plinio Corrêa de Oliveira
„O Legionário“,  21. November 1943

Im vorherigen Artikel hatten wir bereits auf die zahlreichen Widersprüche und die Falschheit des protestantischen Dekans von Canterbury gegenüber der Politik des Vatikans hingewiesen. Wir hätten dieses Thema noch weitaus eingehender behandeln können. Doch der Platz in mehreren Artikeln hätte nicht ausgereicht, um die vielen Sophismen des „Dekans“ aufzuzeigen und zu entwirren. Die Beispiele, die wir unseren Lesern geliefert haben, genügen. Wir wollen das Thema daher abschließen, indem wir den eigentlichen Kern des Artikels jenes berühmten „Dekans“ analysieren.

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Die Frage „Auf wessen Seite steht der Papst?“, wie sie der „Dekan“ in seinem speziellen Sinne stellte, setzt die Vorstellung voraus, dass der Papst notwendigerweise auf der Seite von irgendjemandem stehen müsse. Und gerade, weil er diese Voraussetzung als unbestreitbar betrachtet, widmet sich der Dekan einer äußerst eifrigen Untersuchung der Angelegenheit – nur um am Ende zu gestehen, dass er nichts verstanden hat. Das verwundert nicht. Um die Haltung des Vatikans in der gegenwärtigen Notlage zu begreifen, müsste man eine ganze Reihe von Prinzipien kennen und anerkennen, die der „Dekan“ entweder leugnet oder nicht kennt. Betrachten wir diese Prinzipien.

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Bevor wir fragen: „Auf wessen Seite steht der Papst?“, sollten wir uns ansehen: „Wer ist der Papst?“ Der Papst ist der Stellvertreter unseres Herrn Jesus Christus, der unfehlbare Lehrer der Wahrheit, der Spender der Schätze der Erlösung, der Inhaber der Schlüssel, die binden und lösen – jener Schlüssel also, die die Welt regieren.

Lehrer einer unveränderlichen Wahrheit; Herrscher über ein unzerstörbares geistiges Reich; oberster Hierarch des gesamten Universums. Der Heilige Vater repräsentiert all das, was göttlich, überirdisch, unveränderlich und ewig ist. Während sich alles wandelt, bleibt er beständig. Während alles Vergängliche dem Wandel unterworfen ist, sind nur er und das, was er vertritt, unveränderlich. In Bezug auf das Kreuz hat sich folgender Grundsatz herausgebildet: „stat Crux dum volvitur orbis“ (Das Kreuz steht, während sich die Welt dreht). Dasselbe ließe sich vom römischen Pontifex sagen: „stat Petrus, dum volvitur orbis“ – nur Petrus bleibt unveränderlich bestehen, während die ganze Welt in Bewegung ist und sich wandelt.

Wenn nun der Papst die wesentliche und unveränderliche Wahrheit repräsentiert, wenn er für die Ewigkeit steht, dann lautet die eigentliche Frage nicht: „Auf wessen Seite steht der Papst?“ Diese Frage mag angebracht sein, wenn man die politische Lage irgendeiner erst gestern entstandenen kleinen Kirche analysiert – oder die Gottlosigkeit und Wollust eines Heinrich VIII., genauer gesagt: der Kirche des Dekans von Canterbury. Natürlich fragt sich der Dekan – als Besatzungsmitglied eines so jungen und schwachen Schiffes –, welche Strömungen es erfassen und wohin diese Strömungen es treiben. Der Papst hingegen ist der unveränderliche Fels. Er fragt nicht, welchen Strömungen er folgen soll.

Geht es um den obersten Pontifex, so kann die Frage nur lauten: „Wer steht auf der Seite des Papstes?“ Weil er diese Wahrheit nicht begriff, bezichtigte der Dekan die vatikanische Diplomatie der Treulosigkeit. Treulos, weil sie sich von Prinzipien leiten lässt, die ihm fremd sind; weil sie aus diesen Prinzipien eine Zurückhaltung in Gebärden und Haltung ableitet, die er nicht versteht. Und arrogant, weil sie weiterhin so handeln wird, ganz gleich, ob dies dem Dekan missfällt.

Und der Papst steht allein. Er blickt höher, tiefer und klarer. Er hat weder Verbündete noch Freunde, sondern nur Gegner – mal erbittertere, mal weniger erbitterte. Deshalb erwartet er ruhig den Lauf der Dinge und erklärt, dass er auf keiner Seite steht. Es wird der Tag kommen, an dem die Symbole der Nationalsozialisten, Faschisten und Kommunisten in demselben Staub liegen werden wie jene anderen Gegner, die gegen die Kirche zu Felde gezogen sind. An diesem Tag würde der Dekan verstehen, auf wessen Seite der Papst steht: Er steht weder auf der Seite Hitlers noch auf der Stalins. Der Papst steht auf der Seite Jesu Christi, auf der Seite der Unvergänglichkeit und der Ewigkeit. Und der Papst ist es, der siegen wird.

Damit sind wir beim Kern der Frage angelangt: Wer steht auf der Seite des Papstes?

Vom Nationalsozialismus und vom Kommunismus braucht man gar nicht erst zu sprechen. Beide verkörpern Irrtümer, die einander nahestehen und der katholischen Kirche unversöhnlich gegenüberstehen. Würde allein Russland oder allein Deutschland siegen, so wäre der Heilige Vater der große Verlierer (sofern man das Unzerstörbare überhaupt besiegen kann). In einer Welt, die entweder Stalin oder Hitler vollkommen unterworfen wäre, würde unser Herr Jesus Christus aus der zeitgenössischen Gesellschaft verbannt werden.

Der Dekan – ein verkappter Kommunist – sieht dies nicht oder stellt sich zumindest so, als sähe er es nicht. Er misst dem Konflikt zwischen Kommunismus und Nationalsozialismus eine Tragweite und Bedeutung bei, die dieser für den Papst – den Stellvertreter Jesu Christi – bei Weitem nicht besitzt. Es verhält sich wie im Streit zwischen Herodes und Pilatus. Auf wessen Seite stand der Erlöser in diesem Konflikt? Eine unsinnige Frage. Der Erlöser stand auf keiner der beiden Seiten. Er war kein politischer Kleinfürst, der sich mit Pilatus gegen Herodes oder mit Herodes gegen Pilatus verbündete. Ob Herodes oder Pilatus – das war für den Erlöser unerheblich. Beide verkörperten einen Geist, der dem seinen entgegengesetzt war. Der Sieg des einen wie des anderen hätte vor allem seine eigene Niederlage bedeutet. Und genau das zeigt sich darin, dass sich die beiden gegen ihn versöhnten.

Wir sehen, wie der Dekan irrt, wenn er glaubt, das große Problem der Kirche in unserer Zeit bestehe darin, sich entweder gegen Hitler oder gegen Stalin zu entscheiden. Sie strebt mehr an: Durch das Gebet der Jungfrauen und Mönche, die er dem Herrn weiht; durch die Arbeit der Missionare; durch die Evangelisierungstätigkeit ihrer Geistlichen; durch das Apostolat der Katholischen Aktion will der Papst eine Welt aufbauen, die das Gegenteil dessen darstellt, was Hitler oder Stalin anstreben.

Der Papst würde seine Mission verraten, wenn er sich für den einen oder den anderen entschiede. Seine Haltung könnte nur lauten: „Weder der eine noch der andere.“

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Doch weder Hitler noch Stalin stehen allein. Der Sieg eines der beiden würde auch den Sieg einer Reihe „gemäßigterer“ Verbündeter bedeuten. Mit dem Kommunismus würde der Sozialismus aller Schattierungen siegen – bis hin zum behäbigen, auf das Familienleben ausgerichteten Bürgertum. Mit dem Nationalsozialismus würden der Faschismus, der Falangismus und der „Salazarismus“ siegen. Fragen wir nicht nach den Absichten: Fest steht, dass sich in den Händen vieler dieser Parteien Weihwasser befindet... Man muss also verstehen, dass der Sieg der einen oder anderen Kriegspartei nicht zwangsläufig den unbestreitbaren, radikalen und vollständigen Sieg weder des Kommunismus noch des Nationalsozialismus bedeuten würde. Die eigentliche Wahl bestünde nicht zwischen zwei Extremen, sondern zwischen zwei Blöcken, die jeweils mit verhängnisvollen Extremen behaftet sind. Betrachten wir diesen neuen Aspekt des Problems.

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Halten wir zunächst fest, dass diese Zwischenströmungen ihren jeweiligen Extremen zustreben, so wie das Wasser dem Meer zustrebt. Wer zweifelt daran, dass der Sozialismus letztlich in den Kommunismus mündet? Wer zweifelt daran, dass das Bürgertum zwangsläufig den Sozialismus hervorbringt? Wer erkennt andererseits nicht, dass Hitler in einer von seinen Satellitenstaaten beherrschten Welt für die „Duces“ aller Breitengrade das wäre, was Ludwig XIV. für die Könige seiner Zeit war: das vollkommene, totale, unübertreffliche Vorbild – der Maßstab, an dem sich alle anderen ausrichten müssten, um zur Vollendung zu gelangen?

So wird dieser Sieg der mittleren Strömungen – wie jeder Sieg der mittleren Strömungen – zwangsläufig in den Sieg der Extreme münden. Und am Ende kommen wir über die ursprüngliche Fragestellung nicht hinaus: Für wen soll man sich entscheiden – für Hitler oder für Stalin?

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Fahren wir fort. Angesichts der Tatsache, dass wir uns zwischen zwei verheerenden Extremen befinden, lautet die einzig logische Antwort: „Weder der eine noch der andere.“ Die verbleibende Frage ist lediglich: Welcher der beiden möglichen Sieger ließe sich leichter zu Fall bringen? Dessen Sieg ist es, den man sich wünschen muss. Doch das bedeutet nicht, „auf der Seite“ des einen oder des anderen zu stehen. Es geht vielmehr darum, festzustellen, wem der Papst ablehnender gegenübersteht – dem einen oder dem anderen.

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Vergleicht man konkret Kommunismus und Nationalsozialismus, so stellt man fest, dass Ersterer – in jeder Hinsicht ebenso teuflisch wie der Nationalsozialismus – dennoch weniger schädlich ist. Er ist rein negativ und übt weniger Anziehungskraft aus als ein System mit positiver Lehre. Er ist – oder war es zumindest bis vor Kurzem – offen und bekennend feindselig. Wie stark er auch sein mag: Wir werden alle vereint gegen ihn stehen.

Anders verhält es sich beim Nationalsozialismus und seinen Ablegern. Sie bekämpfen uns heimtückisch. Sie benetzen mit Weihwasser jene Hände, mit denen sie die Stricke drehen, an denen wir gehängt werden sollen. Sie versuchen, unsere Reihen von innen heraus zu zersetzen, zu spalten und zu desorganisieren, bevor sie uns angreifen. Mit bewundernswertem Geschick verstehen sie es, den naiven Patrioten, den unerfahrenen Träumer und den banalen Ehrgeizling ausfindig zu machen, die ihnen innerhalb unserer eigenen Reihen den Weg ebnen werden. Sie werden uns erst dann angreifen, wenn wir völlig betäubt sind. Und sie werden uns glauben machen, dass das Betäubungsmittel, das sie uns in die Adern zu injizieren suchen, kein Rauschgift, sondern ein echtes Heilmittel sei. Wer ist schlimmer? Der weniger Gefährliche. Der alte Stalin! Ein alter Dämon mit einer offenkundig widerwärtigen Lehre und einem denkbar schlechten Ruf; ein Name, bei dem anständige Menschen empört sind, Fromme sich bekreuzigen und katholische Jünglinge den Drang verspüren, ihn zu erwürgen. Oh, alter, entlarvter und schrecklicher Dämon, wie viel weniger furchterregend bist du doch als jener politische Taktierer vom Schlage eines Von Papen, der seinen Glauben an die Cäsaren der jeweiligen Zeit verschachert und den undankbaren Auftrag erhält, uns mit dem Judaskuss zu besiegen.

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Das bedeutet im Grunde: Wenn der Vatikan die Dinge aus einer Perspektive betrachtet, die völlig losgelöst von nationalen Streitigkeiten ist, so liegt das kleinere Übel für ihn dennoch im Sieg des antitotalitären Blocks. Genau das wünscht sich der Papst von ganzem Herzen.

Der Dekan hingegen versteht davon rein gar nichts. Er will kein kleineres Übel. Er bejubelt... in Stalin ein Gut. Er macht sich zum Verteidiger des Kommunismus. Er zieht jene Herden, die Heinrich VIII. von der wahren Kirche abgespalten hatte, mit sich in den Sumpf des Kommunismus hinab. Er hat sich bereits entschieden. Er will den Bolschewismus. Er verrät das Christentum auf klägliche Weise. Er klatscht Beifall, ist zufrieden; er hat Verbündete, Freunde und mächtige Helfer.

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Mittwoch, 7. Oktober 2026

Rückblick auf 365 Tage - 1943

Plinio Corrêa de Oliveira
„Legionário“ vom 1. Januar 1944

Als die letzten Mitternachtsschläge das Jahr 1943 beendeten, schloss der „Legionário“ – mit vor Dankbarkeit überströmendem Herzen und kaum unterdrücktem Seufzer der Erleichterung – vor Gott eines der stürmischsten und zugleich fruchtbarsten Jahre seines bereits nicht mehr ganz kurzen Bestehens ab.

Eine Zeitung ist stets eine große Familie – eine geistige Familie, die sich aus all jenen zusammensetzt, die dazu beitragen, ihr Denken zu formen, ihre Ausrichtung zu bestimmen, ihre Lehren zu verbreiten und ihre aufeinanderfolgenden Ausgaben zu erstellen. In dieser großen Familie fehlt es – wie auf dem Feld, von dem das Evangelium spricht – nicht am Unkraut. Neben dem eifrigen Freund, dem entschlossenen und aufrichtigen Mitstreiter in guten wie in schlechten Zeiten, gibt es den opportunistischen Leser, jenen, der aus bloßer Pose applaudiert, jenen, der es weder wagt zu applaudieren noch zu kritisieren, und jenen, der kritisiert und nicht applaudieren will. Für den katholischen Journalisten sind sie alle Mitglieder jener geistigen Familie, die die Zeitung darstellt. Sie alle sind Seelen, die Gott, unser Herr, uns anvertraut hat, damit wir sie informieren, aufklären und ihnen nahe sein mögen. Ob gute oder schlechte Brüder – in jedem Fall sind es Brüder. Ihre Schläge mögen tiefer verletzen; doch je mehr sie uns zum Bluten bringen, desto enthusiastischer bringen wir unsere Leiden für sie dar. In dieser Stunde der Ergriffenheit und der Erwartung, die den Anbruch eines neuen Jahres markiert, haben sie alle einen Platz in unseren Gebeten, in unserer Zuneigung, in unserer Dankbarkeit oder in unserer Vergebung. Und so wird der „Legionário“ – allen gegenüber wie gegenüber Brüdern – Bilanz über das vergangene Jahr ziehen, sowohl in geistiger als auch in moralischer Hinsicht.

Das Ergebnis dieser Bilanz konnte, wie bereits erwähnt, nur eines sein: ein Akt tief empfundener Dankbarkeit gegenüber der Vorsehung und ein Seufzer der Erleichterung.

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Wenden wir uns zunächst den großen Interessen der Heiligen Kirche zu. Der Katholik muss einen universellen Blick haben. Vor allem liegt ihm am Herzen, was die Ehre Gottes berühren kann. Die großen Probleme, aus denen sich die Struktur der Zukunft ergibt und von denen die gewaltige Frage abhängt – wird die Welt von morgen eine echte Christenheit, ein Reich Christi sein? Oder wird es das Reich des Teufels sein? –, diese großen Probleme entscheiden sich im Chaos der Schlachtfelder und im Geheimnis der Kanzleien. Da uns vor allem anderen das Heil der Seelen am Herzen liegt, galt ihnen im Jahr 1943 unser vorrangiges Augenmerk.

Es fehlte nicht an Ratgebern, die uns sagten, wir sollten uns ausschließlich oder fast ausschließlich mit „unseren“, also „brasilianischen“, religiösen Fragen befassen, anstatt ausländische Themen zu behandeln. Uns interessiert nicht in erster Linie das, was „uns“ betrifft: Wir gehören nicht zur Stadt des Teufels, die – nach den Worten des heiligen Augustinus – auf der Selbstliebe erbaut ist. Wir befassen uns vor allem mit den Fragen, die „Jesu Sache“ sind. Diese sind es, die vor allem anderen „unsere“ Angelegenheiten sind. Denn alle Katholiken gehören zu Jesus. So beschäftigte die internationale Politik den „Legionário“ auch im Jahr 1943 weiterhin intensiv.

Getreu unserer Linie traten wir auch im vergangenen Jahr für die Sache der Demokratien ein. Nicht, dass wir im demokratischen System ein Gut an sich gesehen hätten, wohl aber ein weitaus geringeres Übel als den nationalsozialistisch-faschistischen Totalitarismus, der sich auf tausenderlei Weise über die Welt ausbreiten wollte. Schon lange vor diesem Krieg hatten wir diese Haltung eingenommen, die im Wesentlichen von den Interessen der Heiligen Kirche geleitet war. Zu diesen Gründen kamen weitere hinzu. Im Jahr 1943 stand Brasilien bereits auf der Seite der Alliierten. Wieder einmal verschmolzen die Interessen von Kirche und Vaterland im Verlauf unserer Geschichte. Es erübrigt sich zu erwähnen, welche Genugtuung diese Tatsache für uns bedeutete.

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Auf dem Gebiet der internationalen Politik brachte das Jahr 1943 tiefgreifende Veränderungen mit sich. Zunächst verschob sich das Kräfteverhältnis – nunmehr unbestreitbar – zugunsten der Alliierten. Hitler, vom italienischen Volk im Stich gelassen, das das faschistische Joch abgeschüttelt hatte, kämpft nun allein. Niemand weiß, wie lange sein wahnsinniger Widerstand noch andauern wird. Ob kurz oder lang – er wird vergeblich sein und den letzten Akt des Wahnsinns in seiner irren und blutigen weltpolitischen Laufbahn darstellen. Der Lauf der Ereignisse warf ein gnadenloses Licht auf das faschistische Regime, seine Protagonisten und seine Taten. Das Ergebnis war eine bittere Enttäuschung, und die letzten Zuckungen des Widerstands um Mussolini beweisen überdeutlich, dass der „Duce“ stets nichts weiter als ein gefügiger und effekthascherischer Satellit des „Führers“ gewesen war.

Gleichzeitig sanken in den übrigen besetzten Ländern Europas die „Quislings“ aller Couleur tiefer als je zuvor. Ihre Verbindungen zu Berlin waren offenkundig geworden. Mussert, Degrelle, Seys-Inquart und Hacha nehmen in der öffentlichen Verachtung denselben Platz ein wie Goebbels, Göring, von Papen, Himmler und die übrigen Satelliten Hitlers. Sie harren voller Angst der menschlichen Gerichtsbarkeit – sofern sie nicht zuvor von der göttlichen Gerechtigkeit ereilt werden.

Pétain hält sich noch. Doch De Gaulles Einfluss wächst von Augenblick zu Augenblick, und seine inzwischen siegreiche Bewegung zeigt deutlich, dass die französische Öffentlichkeit keine Rechtfertigungen zugunsten des alten Marschalls akzeptieren wird.

Das im Ausland. In Brasilien scheint die öffentliche Meinung in jenen Kreisen, die dem Totalitarismus einst wohlgesinnt waren, einen radikalen Wandel durchlaufen zu haben. Plötzlich waren alle schon immer dagegen, hatten es schon immer gewollt oder nie daran gezweifelt. Hört man ihnen zu, könnte man meinen, sie hätten diverse Komplotte zur Ermordung Hitlers geschmiedet und nur deshalb keine Bombe auf Mussolini geworfen, weil dieser nie nach Brasilien kam.

Das Ende der totalitären Herrschaft und die völlige Entlarvung der totalitären Strömungen Europas – all dies bestätigt die Prognosen, die Ausrichtung und die politische Linie des „Legionário“. Ein unbestreitbarer Triumph: Die einen schweigen dazu, die anderen applaudieren, doch niemand würde es wagen, ihn zu leugnen.

Wo sind nun jene „Ratgeber“, die sich auf evangelische „Klugheit“ und „Nächstenliebe“ beriefen und uns auf tausend Arten, Kanälen und mit tausend Kniffen kritisierten und bekämpften – ja, uns sogar vorwarfen, es an „Nächstenliebe gegenüber Hitler“ fehlen zu lassen? Hören wir sie uns jetzt an: Viele von ihnen erlauben sich gegenüber der sterbenden Hydra eine Wortwahl, wie sie der „Legionário“ niemals gebraucht hat. Oh Phädrus, wärst du doch hier, um uns von den Heldentaten des Esels gegenüber dem sterbenden Raubtier zu erzählen!

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Nach langem Kampf nun ein Moment des Aufatmens an dieser Front. Doch der „Legionário“ ist zum Kämpfen geboren. Und so hat er die Waffen bereits wieder zur Hand genommen und denkt schon an die Probleme von morgen.

Diese stellen sich als gewaltig dar. Da ist vor allem der sowjetische Einfluss, der sich im stetig wachsenden Gewicht der UdSSR in der internationalen Politik manifestiert. Dann die Machenschaften, die die „untergegangene“ Internationale überall auf der Welt vorantreibt. Schließlich die Tendenz zum Staatssozialismus, die in den Reden, Plänen und Programmen zahlreicher britischer und amerikanischer Politiker überaus deutlich zutage tritt. Jene, die sich mit dem Nationalsozialismus einlassen wollten – jene Partei der Pseudo-Barmherzigen und Pseudo-Besonnenen, die uns verabscheuten, weil wir die falschen Rechten bekämpften –, beginnen nun, uns erneut missbilligende Blicke zuzuwerfen. Sie verabscheuten den Kommunismus, fürchteten den Sozialismus und schmähten die Demokratien. Gegen diese Gegner ließen sie keinerlei Barmherzigkeit walten. Heute haben sich die Dinge gewandelt. Da sind sie nun, erfüllt von „Nächstenliebe“, „Besonnenheit“ und allerlei Salben oder verkrusteten Haltungen dieser Art; sie versuchen, mit dem Moloch der Stunde eine „gemeinsame Basis“ zwischen Wahrheit und Irrtum zu finden – jenes Dämmerlicht, das für ihre kurzsichtigen Augen und ihr träges Temperament unerlässlich ist. Deshalb verabscheuen sie den „Legionário“. Gegen ihn kennen sie weder Besonnenheit noch Barmherzigkeit noch Mäßigung.

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Was die Innenpolitik betrifft, so bestand die Pflicht aller wahren Patrioten im Jahr 1943 – und sie wird dies bis zum Ende bleiben – darin, auf jede erdenkliche Weise die Bereitstellung jener Ressourcen zu unterstützen, die gegen die Feinde von Kirche und Vaterland mobilisiert werden müssen.

Der „Legionário“ hat wirksam zu diesem Ziel beigetragen, indem er die katholische Öffentlichkeit auf gefährliche Keime der Zwietracht hinwies, die man gerade in dieser kritischen Phase unter den Brasilianern zu säen versuchte.

Zunächst unternahm die Kampagne für die Einführung der Scheidung einen neuen Vorstoß. Durch die Antwort des Justizministers, der die Lösung des Problems auf die Zeit nach dem Krieg vertagte, ruhte die Angelegenheit vorerst. Der „Legionário“ legte auf vielfältige Weise dar, welch unerträglicher Angriff auf das katholische Brasilien in dieser Scheidungskampagne liegt und wie völlig unangebracht das Thema ist, da es Brasilianer in einen unheilbaren und dauerhaften Meinungsstreit gegeneinander treiben würde. Zweitens gab es eine nicht minder verabscheuungswürdige Kampagne gegen den ausländischen Klerus. Wir ziehen es vor, uns hierbei zu beschränken und die Augen vor einigen der Persönlichkeiten zu verschließen, die in diese Kampagne hineingezogen wurden – Persönlichkeiten, die weder vor vagen und gerade deshalb unbeweisbaren Verleumdungen noch vor Lügen zurückschreckten, welche auf den Titelseiten einer bestimmten Presse mit der offensichtlichen Absicht abgedruckt wurden, den Klerus zu diskreditieren. Diese Kampagne verletzte die empfindsame Seele des katholischen Brasiliens zutiefst und lenkte die Geister von ihrem wesentlichen Ziel in jener Zeit ab: dem Krieg. „O Legionário“ hielt standhaft dagegen und stemmte sich gegen diese Machenschaften unserer Gegner.

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Das Jahr 1943 war ein Jahr der Trauer für die Erzdiözese, die ihren verstorbenen Erzbischof unter bewegter Wehmut beweinte. Es bedarf keiner Worte, um die ganze Tiefe der öffentlichen Trauer zu beschreiben, die sich getreu in den Artikeln, Reportagen und der umfangreichen Berichterstattung von „O Legionário“ widerspiegelte. Noch heute, wenn die Krypta der Kathedrale geöffnet wird, versammeln sich Gruppen von Gläubigen im Gebet am Grab ihres verstorbenen Hirten. Man gedenkt der Vergangenheit, nicht der Gegenwart. Doch die Trauer von São Paulo um Dom José Gaspar gehört nicht der Vergangenheit an; sie ist Gegenwart und bedarf keines bloßen Gedenkens.

Mit ihm und an seiner Seite – beweint mit denselben Tränen und vereint in der Sehnsucht des Volkes, so wie sie es im Leben und im Tode waren – gedenken wir Monsignore Alberto Pequeno und Pater Nelson Norberto de Souza Vieira. Der eine war der Lehrer, der andere der Schüler von Dom José. Möge Gott sie in seiner Herrlichkeit aufnehmen.

Auch das katholische São Paulo nahm bewegt Kenntnis von einem weiteren Todesfall: dem des hochwürdigen Paters Irineu Cursino de Moura. Und wenige Tage später folgte die Nachricht vom Tod des hochwürdigen Paters Eustachio van Lieshout. Es waren zwei Persönlichkeiten, die die katholische Seele São Paulos tief bewegten. Sie starben kurz vor beziehungsweise kurz nach Dom José. Sie leben im Gedenken des Volkes fort. Auch der Tod des hochwürdigen Paters Lindolfo Esteves im Jahr 1943 wurde schmerzlich empfunden. Und dieser kurze Rückblick auf die Verstorbenen wäre unvollständig, ohne die tiefe Trauer zu erwähnen, die der Tod von Manuel Lubambo im ganzen Land auslöste.

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Neben all dieser Trauer gab es auch einen Grund zur Freude: die Neubesetzung des durch den großen Kardinal Dom Sebastião Leme vakant gewordenen Amtes. Der Ruf von Tugendhaftigkeit, Tatkraft und Führungsstärke, der Seiner Exzellenz Dom Jaime de Barros Câmara vorauseilte, erfüllte all jene mit Genugtuung, die von seiner Ernennung erfuhren. Sein Wirken in Rio de Janeiro – umsichtig, entschlossen, gelassen und von einem glühenden Geist des Glaubens beseelt – stieß allenthalben auf respektvolle Anerkennung. Sein wunderbares Hirtenschreiben, das der „Legionário“ in einer Sonderausgabe veröffentlichte, hinterließ bei den Gläubigen einen tiefen Eindruck.

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Der „Legionário“ führte in diesem Jahr einen weiteren großen Kampf, der ebenfalls von überaus erfreulichen Erfolgen gekrönt war: die Veröffentlichung des Buches „Em Defesa da Ação Católica“ (Zur Verteidigung der Katholischen Aktion). Wie zu erwarten, löste dieses Werk bei jenen, deren waghalsige Lehren es widerlegte, großen Unmut aus. Seine Veröffentlichung war ein Gebot der Stunde. Es war absolut notwendig, vielen Unbedarften die Augen für jene kluge, schrittweise und raffinierte Kampagne zu öffnen, die von Norden bis Süden des Landes zur Verbreitung irrtümlicher Lehren betrieben wurde. Es war notwendig, dass ein Alarmruf erscholl und dass alle, die das Übel erkannten, ihre Kräfte vereinten, um es ein für alle Mal zu beseitigen. Als Alarmruf und Sammelappell zugleich erhielt das Buch „Em defesa da Ação Católica“ (Zur Verteidigung der Katholischen Aktion) – versehen mit einem Vorwort des Apostolischen Nuntius – wärmste Anerkennung, sowohl von zahlreichen führenden Vertretern des nationalen Episkopats als auch von Klerus und Laienschaft. Wir haben den Großteil der diesbezüglichen Zustimmungsschreiben veröffentlicht. Sie alle zeugen von tiefer Sorge angesichts der zunehmenden Übel sowie von offener und uneingeschränkter Zustimmung zu der Lehre, die wir glücklicherweise vertreten durften.

In jüngster Zeit veröffentlichten wir – unter voller Unterstützung durch dieses Blatt – die brillanten Artikel von Pater Arlindo Vieira über das Werk von Jacques Maritain mit dem Titel „Les Droits de l'Homme“ (Die Menschenrechte). Wieder eine Kampagne, gefolgt von den – ohnehin unvermeidlichen – Missverständnissen, aber auch von großem Nutzen für die Seelen.

Unter den vielfältigen Anzeichen der Verwirrung, in der wir leben, sei ein Kommentar zu unseren Veröffentlichungen über Maritains Werk erwähnt: „Das Thema falle in den ausschließlichen Zuständigkeitsbereich von Priestern, weshalb Laien dazu schweigen sollten.“ Maritain ist ein Laie. Laien sind auch fast all jene, die hierzulande eine von seinen Ideen inspirierte Strömung tragen. Warum also dürfen sich Laien nicht frei zu diesem Thema äußern? Existiert die Freiheit der Laien nur, um Maritain zu beklatschen? Oder nicht einmal dazu? Was ist Maritain in diesem Fall: ein Laienschriftsteller, der darauf spezialisiert ist, für Priester zu schreiben? Und inmitten all dieses Kampfes – wie ein kristallklarer Lichtstrahl, der vom Himmel auf die Verwirrung der Gegenwart herabfällt – erschien die großartige Enzyklika *Mystici Corporis Christi*. Sie bestätigte vollauf die Existenz schwerwiegender Irrtümer in liturgischen Fragen, auf die „Legionário“ bereits hingewiesen hatte, und klärte die Gläubigen endgültig über die komplexe und bewundernswerte Lehre vom Mystischen Leib auf – eine Lehre, mit der so viel Missbrauch getrieben worden war.

Dies war vielleicht die größte Gnade des Jahres 1943.

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Und nun der unerlässliche Akt der Reue. Die heilige Liturgie lehrt uns, dass Gott, indem Er unsere Verdienste krönt, seine eigenen Gaben krönt. Das Gute, das wir tun, kommt von Gott; das Böse von uns selbst.

Logik, Konsequenz und die Liebe zu einer klaren Haltung veranlassen uns dazu, hier und öffentlich erneut die volle Verantwortung für alles zu übernehmen, was wir veröffentlicht oder geschrieben haben. Wir haben darin keinen Irrtum gefunden. Hätte es besser sein können? Sicherlich. Der Mensch bleibt stets hinter den Gnaden Gottes zurück.

Mit dem Blick auf die freigebigen und jungfräulichen Hände Mariens, der Mittlerin aller Gnaden, sind wir über die Schwelle zum Jahr 1944 getreten. Was die göttliche Vorsehung für uns bereithält? Wir wissen es nicht. Doch möge es ein Jahr des noch eifrigeren Dienstes, der noch vollkommeneren und kraftvolleren Rechtgläubigkeit und der noch größeren Selbstverleugnung sein. Mit einem Wort: Möge alles zur größeren Ehre Gottes geschehen.

 

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Eine Erfahrung, die nicht vergessen werden darf

Plinio Corrêa de Oliveira
„O Legionário“  vom 30. Januar 1944

Als die Alliierten im Jahr 1918 daran gingen, die Welt neu zu ordnen, legten sie ihrem Unterfangen humanitäre und philanthropische Konzepte als ideologische Grundlage zugrunde – Konzepte, die leicht von einem evolutionistischen Optimismus durchdrungen waren, der das Denken fast aller Staatsmänner und Rechtsgelehrten jener Zeit beherrschte und in Woodrow Wilson nicht nur seinen überzeugtesten Verfechter, sondern auch seine charakteristischste Verkörperung fand.

Der Schlussstein, der das gesamte, auf den Prinzipien Wilsons beruhende Gebäude krönte, war der Völkerbund: ein umfassender Rat aller Völker der Erde, in dem internationale Fragen, auf der Grundlage von Gerechtigkeit und Billigkeit, durch die Abstimmung der anwesenden Delegationen gelöst werden sollten, auf dass nie wieder Kriege nach dem Muster des gerade beendeten Konflikts entstehen könnten.

Die heidnischen Völker des Altertums kannten dieses Ideal nicht. Für sie war Weltfrieden nur durch die Unterwerfung aller Völker unter das Zepter eines einzigen siegreichen Herrschers zu verwirklichen. Die vielgepriesene „Pax Romana“ war nichts anderes. Nur die katholische Kirche konnte der Welt jene Lehren offenbaren, die geeignet waren, die großartige Konzeption einer universellen Harmonie auf der Basis der Gleichberechtigung aller Völker zu begründen. Nur sie konnte dem menschlichen Verstand genügend Licht und dem Willen genügend Kraft verleihen, um dieses Ideal zu verwirklichen. Tatsächlich war sie es, die in der Vergangenheit als Einzige die supranationale Struktur des Abendlandes klar zu skizzieren und mit ihrer unerschütterlichen, unbezwingbaren Geduld auch zu verwirklichen vermochte. Ich kenne keine Untersuchung, die für die Lösung der heutigen Probleme notwendiger wäre als jene, die sich mit der ideologischen und rechtlichen Struktur des Heiligen Römischen Reiches befasst. Toren mögen über diese Behauptung lächeln. Schließlich kannten die Völker des Mittelalters weder Erdöl noch Wolkenkratzer oder Flugzeuge. Damals verstand man es weder zu bauen noch zu zerstören mit der Effizienz von heute. Die Welt verweilte noch in der Betrachtung der gotischen Kunst, weil sie den pikanten, flinken und subtilen Reiz der aerodynamischen Kunst noch nicht gekostet hatte. Zu behaupten, das Studium des Heiligen Römischen Reiches könne in irgendeiner Weise zur Lösung heutiger Probleme beitragen, wäre ebenso lächerlich, wie vorzuschlagen, zur Lösung der Verkehrsprobleme in New York die Kutschen am Hofe Ludwigs XV. oder jene am Hofe Maria Theresias zu studieren. Über das Heilige Römische Reich weiß man kaum mehr als das, was Voltaire darüber sagte: „Es war weder heilig, noch ein Reich, noch römisch“ – ein leichtes Wortspiel für jemanden, der wie Voltaire die Begriffe wörtlich nahm und nicht erkannte, unter welch tiefgründigem und wahrem Aspekt das Reich die glorreichen Bezeichnungen „heilig“ und „römisch“ durchaus verdiente. Nach Voltaire, nach Friedrich II., kam Napoleon. Nach Napoleon folgte der Wiener Kongress. Luther hatte das Reich gespalten. Voltaire hatte sich über die durch die religiöse Spaltung bedingte Schwäche lustig gemacht. Friedrich II. hatte das politische Gleichgewicht zerstört, das durch die protestantische Häresie bereits schwer erschüttert war. Der Wiener Kongress besiegelte das Ende des Heiligen Römischen Reiches. Der einzige Protest gegen diese Auflösung kam vom Apostolischen Nuntius. Auf jenem Fürstenkongress begriff allein der Botschafter des Papstes das ganze Ausmaß dessen, was das monarchische und christliche Westeuropa mit dieser politischen Maßnahme verlor: Sie bedeutete den endgültigen Verzicht auf den Plan einer Föderation aller christlichen Monarchien unter der Schirmherrschaft des Heiligen Petrus. Die Ära der Träume von universeller Brüderlichkeit schien endgültig vorbei zu sein. Die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches markierte die offizielle, ausschließliche und unverhüllte Hinwendung zur sogenannten „Gleichgewichtspolitik“, die sich bereits lange zuvor abgezeichnet hatte. Man erwartete Frieden nicht mehr von irgendeiner internationalen Instanz. Die Idee einer universellen Gerechtigkeit zur Regelung der Beziehungen zwischen den Völkern war als Relikt aus der Gotik verschwunden. Die Welt erhoffte sich Frieden durch die Bildung zweier bis an die Zähne bewaffneter Blöcke, die einander in jeder Hinsicht ebenbürtig waren – sei es an Hass, an Machtstreben oder an militärischer Stärke. Das Gleichgewicht dieser beiden Gruppen sollte den Krieg für beide Seiten gleichermaßen riskant machen. Daraus erwuchs ein kompromissloser Pazifismus – ein Pazifismus, der umso ausgeprägter war, je mehr Kanonen, Verbündete und Vorräte die jeweilige Seite aufbot. Diese schöne Chimäre mündete jedoch in den europäischen Krieg. Das Kräftegleichgewicht hatte den Krieg nicht verhindert, sondern ein völlig unerwartetes Ergebnis gezeitigt: die Verlängerung der Feindseligkeiten und die Ausweitung des Krieges auf die ganze Welt.

Man musste zu jenem „mittelalterlichen Traum“ zurückkehren, der aus dem Schoße der Kirche hervorgegangen war. Das Gleichgewicht zwischen den Gegnern hatte nur Hass hervorgebracht. Wer weiß, ob eine universelle Struktur imstande wäre, Liebe zu erzeugen?

                                   *  *  *

Dies war der tiefere Ursprung des Völkerbundes. Die philanthropischen, humanitären und evolutionistischen Ideale des frühen 20. Jahrhunderts nahmen sich des Themas an und verliehen ihm ein modernes ideologisches Gewand. Es sollte eine Überstruktur der Völker wiederhergestellt werden. Doch das Heilige Römische Reich war monarchisch und christlich geprägt. Die Französische Revolution hatte die Welt republikanisch und laizistisch gestaltet. Der Völkerbund, geschaffen nach dem Ebenbild des neuen, republikanischen und laizistischen Europas, war eine Organisation republikanischer und laizistischer Prägung; er war dazu bestimmt, in der heutigen Welt jene Funktionen des Heiligen Römischen Reiches zu erfüllen, für die die republikanische und laizistische Welt Verständnis und Zustimmung aufzubringen vermochte.

Mit anderen Worten: Man versuchte, eine sehr alte und ehrwürdige Institution den Anforderungen des modernen Geschmacks anzupassen. Daraus entstand der Völkerbund.

Natürlich wurden diese Parallelen zwischen ihm und dem Heiligen Römischen Reich von den Demiurgen, die ihn gründeten, nicht herangezogen. Für sie wäre jeder Vergleich mit dem alten, „anachronistischen“, „tyrannischen“ und „gotischen“ Gebilde des Heiligen Römischen Reiches die größte Demütigung und für ihr Werk die schwerste Beleidigung gewesen. Ein beleidigender Vergleich, etwa so, als würde man eine „Girl“ aus den damals modischen Tanzlokalen mit einer Mumie aus der Zeit Ramses’ II. gleichsetzen. Doch im Kern blieb es dabei. Letztlich versuchte der Völkerbund – ob absichtlich oder nicht, ob bewusst oder unbewusst –, das Erbe jener großartigen Pläne anzutreten und fortzuführen, mit denen die Kirche das Heilige Römische Reich aus dem Schatz der Offenbarung ausgestattet hatte.

                                   *  *  *

Doch der Völkerbund konnte als laizistische Organisation den Heiligen Vater nicht in seine Mitte aufnehmen. Wo immer sich der Papst aufhält, ist er naturgemäß der Lehrer, der Vater, der König. Welchen Platz man ihm auch am Beratungstisch zugewiesen hätte – der Vorsitz wäre dort gewesen, wo sein Vertreter saß. Weder das ganze mediale Rampenlicht, das auf die großen Männer der Zeit gerichtet war, noch alle Machenschaften hinter den Kulissen hätten dies verhindern können. Er wäre unweigerlich der Mittelpunkt des Geschehens gewesen. Ihn als Vorsitzenden anzuerkennen oder nicht: Das war die unausweichliche Alternative.

Man fand einen vortrefflichen Vorwand, um ihn auszuschließen: Der Heilige Stuhl verfüge über kein Territorium, und viele Völker erkennten den Papst nicht als Souverän an. Folglich sei es nicht möglich, ihn in dieser Eigenschaft zuzulassen.

So blieb der Papst außen vor. Doch da nur er die Schlüssel besitzt, die öffnen und schließen, die Macht, zu binden und zu lösen, vermochte der Völkerbund ohne ihn nichts zu verbinden. Die Welt blieb so zerstritten wie zuvor. Der Völkerbund war das größte diplomatische Scheitern der Neuzeit.

Als das Gebäude bereits dem Verfall nahe war, als jener Tag nicht mehr fern schien, an dem die Sessel sich leerten und der Boden unter den Füßen der Verbliebenen zu bersten drohte – als sich eine Stimmung der Flucht und Auflösung ausbreitete –, da lud der Völkerbund den Papst ein, sich seinem Kreis anzuschließen. Pius XI. lehnte ab. Es war zu spät...

                                   *  *  *

Benedikt XV. legte den Katholiken nachdrücklich ans Herz, bei der Betrachtung des Völkerbundes zwischen zwei Aspekten zu unterscheiden. Aufgrund seines laizistischen Charakters war er von jenem einzigen Prinzip abgeschnitten, das ihm Lebenskraft hätte verleihen können: dem Katholizismus. Die Idee von Gerechtigkeit und Frieden zwischen den Völkern ist der Offenbarung entsprungen; sie stirbt überall dort ab, wo der Glaube an die Offenbarung ausgeschlossen wird. Frieden in einer laizistischen Welt, in einer laizistischen Organisation pflegen zu wollen, gleicht dem Versuch, Rosen oder Lilien im Sand der Sahara zu züchten. Von der Liga (der Nationen) einen dauerhaften Erfolg zu erwarten, hieß somit, der katholischen Lehre geradezu zuwiderzuhandeln.

Doch auch wenn die Liga keine tragfähige Grundlage besaß, waren viele ihrer Ziele gut. Bei der Verwirklichung dieser Ziele konnte die Kirche mit der Liga zusammenarbeiten, und die Katholiken sollten dies auch tun. Sie sollten es tun, um ein gewisses Gut zu fördern – ein bescheidenes, vergängliches Gut zwar, aber immerhin ein Gut. Niemals jedoch durfte man von der Liga ein Heil erwarten, das allein von Christus und seiner Kirche zu erhoffen ist.

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Viel ist von der Neuordnung der Welt nach dem Krieg die Rede. Ob die Menschen es wollen oder nicht: Das Geheimnis der Beständigkeit, der Würde und des Ruhms dieser Ordnung wird in der Stellung liegen, die darin dem Papst eingeräumt wird. Ist der Papst der Mittelpunkt der neuen Welt, so kann sie Bestand haben. Ordnet sich die Welt unter Missachtung oder Vergessen der päpstlichen Autorität, so wird der Papst zwar fortbestehen, die Welt aber wird erneut in Trümmer fallen. Denn der Papst ist der Mittelpunkt der Erde, das Fundament der Ordnung, die Quelle des Glücks, der Tugend und des Ruhms. Mit ihm, mit Christus, wird alles aufblühen. Gott bewahre uns davor, die Welt ohne ihn ordnen zu wollen. Die rauchenden Trümmer des heutigen Europa und das Elend des Völkerbundes – einst mit so glühenden Hoffnungen verbunden, nun geschändet, verlassen und verspottet – sind uns eine große Lehre, die wir nicht vergessen dürfen.

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Montag, 5. Oktober 2026

Das Zweite Vatikanische Konzil: Die niemals erzählte Geschichte der Traditionalisten und ihrer Niederlage

von Andrea Tornielli

 Vom Zweiten Vatikanischen Konzil – jenem Ereignis, das die Kirchengeschichte des vergangenen Jahrhunderts geprägt hat – gibt es heute nicht mehr nur eine einzige Geschichte. Es existieren mehrere Darstellungen. Nun erscheint das Buch des Historikers Roberto De Mattei mit dem Titel „Il Concilio Vaticano II. Una storia mai scritta“ (Das Zweite Vatikanische Konzil. Eine nie geschriebene Geschichte; Verlag Lindau, 632 S., 38 Euro, Dezember 2010). Es zielt darauf ab, eine auf Quellen gestützte Rekonstruktion der großen Kirchenversammlung zu liefern, und zwar aus der Sicht der sogenannten konziliaren „Minderheit“ – also jener, die sich selbst als die Besiegten betrachteten.


Bislang hatte lediglich die „Schule von Bologna“ unter Giuseppe Alberigo und seinem Nachfolger Alberto Melloni eine umfassende und gut belegte Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils vorgelegt. Dieses Werk gilt als unverzichtbare Referenz, ist jedoch aus der Perspektive der Reformer verfasst und wird als Paradebeispiel für jene „Hermeneutik des Bruchs“ angesehen, der zufolge das Konzil einen unbestreitbaren Bruch mit der Vergangenheit markierte. Alberigos Werk stieß auf Kritik und rief eine bedeutende Gegenposition hervor, die von Erzbischof Agostino Marchetto formuliert wurde. Allerdings wurde ihr keine andere Geschichtsdarstellung mit dem Anspruch auf Vollständigkeit entgegengesetzt.

De Matteis Buch – das kürzlich in der Zeitung „Avvenire“ eine höfliche, aber scharfe Verrisskritik von Massimo Introvigne erfuhr – behandelt alle Phasen des Zweiten Vatikanischen Konzils, von der Vorbereitung bis zur Krise der Nachkonzilszeit. Der Autor legt den Schwerpunkt auf die Analyse der Debatten im Konzilsplenum und verzichtet darauf, näher auf die Arbeit der Vorbereitungskommissionen einzugehen. Breiter Raum wird der Rolle eingeräumt, die konservative Kreise spielten – etwa das Umfeld des brasilianischen Laien Plinio Corrêa de Oliveira, der in Rom ein Unterstützungsnetzwerk für die Bischöfe des „Coetus Internationalis Patrum“ organisierte, in dem auch Lefebvre mitwirkte. Es gibt eine spezifisch brasilianische Geschichte des Konzils, in der zwei traditionalistische Bischöfe wie De Castro Mayer und de Proença Sigaud einerseits und Hélder Câmara – einer der Vordenker der Reformgruppe – andererseits einander gegenüberstanden.

Laut De Mattei beeinflussten die – in der Minderheit befindlichen – progressiven Lobbys sowohl die Konklaven von Johannes XXIII. und Paul VI. als auch die Arbeit des Konzils und setzten schließlich mit verschiedenen Kniffen ihre Linie gegenüber der gesamten Versammlung durch. Gewiss ist es für den Leser überraschend, Pius XII. als einen Papst dargestellt zu sehen, der progressiven und „neomodernistischen“ Forderungen nachgab – schwach und sogar unfähig, ihnen etwas entgegenzusetzen. Ebenso auffällig ist die Einordnung von Kardinal Giuseppe Siri, dem maßgeblichen Vertreter des italienischen Anti-Progressivismus, in die sogenannte „dritte Partei“: jene Gruppe, die den Progressiven nicht entschieden genug entgegentrat und ihnen damit letztlich in die Hände spielte.

De Matteis Deutung des Konzils deckt sich schließlich mit jener von Alberigo und distanziert sich somit – wenn auch respektvoll – von der „Hermeneutik der Reform“, die Benedikt XVI. als Schlüssel zum Verständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils vorgeschlagen hatte. Für Papst Ratzinger liegt die richtige Interpretation des Konzils darin, es im Kontext einer Tradition zu sehen, die sich reformiert, um besser auf die Erfordernisse der Moderne eingehen zu können – jedoch ohne Bruch mit der Vergangenheit. Diese Interpretation unterscheidet zwischen den tatsächlich verkündeten Texten und dem sogenannten „Geist des Konzils“; in dessen Namen wollte man jahrzehntelang über den Wortlaut der Dokumente hinausgehen. Für die Bologneser Schule hingegen liegt die bedeutendste Neuerung des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht in dessen Formulierungen, sondern vielmehr „in der Tatsache an sich, dass es einberufen und abgehalten wurde“. Auch für De Mattei lassen sich die Texte nicht von dem „Ereignis“ trennen; folglich stelle das Zweite Vatikanum einen Bruch mit der Tradition dar. Seine „ungeschriebene Geschichte“ des Konzils vertritt die traditionalistische These, wonach es zwar zu Beginn der 1960er Jahre notwendig gewesen sei, ein Konzil einzuberufen, jedoch zu dem Zweck, eine aktualisierte Neuauflage des „Syllabus“ Pius’ IX. zu veröffentlichen und die Irrtümer der Moderne zu verurteilen.

 

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Sonntag, 4. Oktober 2026

Um was man dem Unbefleckten Herz Mariens bitten soll

Plinio Corrêa de Oliveira
Heiliger des Tages – 22. August 1970

Heute ist das Fest des Unbefleckten Herzens Mariens, und bis Mitternacht feiern wir dieses Hochfest, dieses liturgische Fest. Es wäre interessant, wenn Sie hier einige Bitten an die Muttergottes formulieren würden, die dieses Fest berücksichtigen.

* Fest des Unbefleckten Herzens Mariens: Wie betet man und worum kann man an diesem Tag bitten?

Ich habe Ihnen schon mehrmals gesagt, dass, wenn die Kirche in ihrer Liturgie ein bestimmtes Fest feiert, an diesem Tag das Geheimnis dieses Festes, das gefeierte Ereignis dieses Festes, den Gläubigen ganz besondere Gnaden zuteilwerden lässt. An diesem Tag sollten wir Gott durch den Heiligen, den Engel, der Persönlichkeit des Alten Testaments, die im Mittelpunkt steht, oder Gott selbst bitten, stets im Namen der Muttergottes, im Namen dieses oder jenes Geheimnisses seiner Passion, Geburt, Himmelfahrt, Auferstehung usw., und dann im Namen dieses Geheimnisses um die Gnaden bitten, die wir uns wünschen.

Ich weiß nicht, ob wir alle eine klare Vorstellung davon haben, wie wir um die benötigten Gnaden bitten sollen. Und vielleicht ist es ein interessanter Weg – wer möchte, kann sich das merken –, um um Gnaden zu bitten, kurz gesagt, um es Ihnen beizubringen, um darüber kurz zu meditieren. – Ich sehe jedoch einige von Ihnen hinten, so dicht gedrängt, dass ich nicht weiß, ob man schreiben kann. Wenn jemand von hinten nach vorne kommen möchte, um den anderen Platz zu machen, erlaube ich das gerne.

Nun, wir müssen … all unsere frommen Angelegenheiten, obwohl sie auf Glaubensgrundlagen beruhen, müssen zutiefst logisch und rational sein. Wenn wir eine völlig rationale Bitte äußern wollen, müssen wir wissen, wie wir es ausdrücken sollen, wir müssen wissen und verstehen, was wir brauchen und warum wir darum bitten sollten; erstens. Zweitens müssen wir wissen, an wen wir uns wenden. Drittens, auf welcher Grundlage wir bitten, welche besondere Basis wir brauchen, um mit dieser Bitte Gehör zu finden. Mit diesen drei Überlegungen gewinnt das Gebet an Konsistenz und Tiefe, die es im geistlichen Leben der Gläubigen haben muss.

Zunächst die Dinge, die wir uns wünschen sollten. Wir sollten uns vor allem das wünschen, was unsere Heiligung betrifft. Denn das Erste im Leben eines jeden Menschen ist das Heil seiner Seele, die Vollkommenheit – nicht nur die Rettung vor dem Verderben, sondern die Erreichung des vollen Grades an Heiligkeit, für den wir geschaffen wurden. Ich muss mir also folgendes vor Augen halten: Ich bin Plinio Corrêa de Oliveira und wurde erschaffen, um einen bestimmten Grad an Vollkommenheit zu erreichen. Ich muss mich fragen, wie weit ich – vermutlich und vorstellbar – von diesem Grad an Vollkommenheit entfernt bin, für den ich erschaffen wurde. Das heißt, ich muss mir in etwa Folgendes vorstellen: Angesichts meines Alters und des Vollkommenheitsgrades, für den ich vermutlich erschaffen wurde, was sollte ich sein und was bin ich? Das sollten wir uns alle vor Augen halten, wir sollten uns dessen bewusst sein. Angesichts der Zeit, die ich in der Gruppe verbracht habe, angesichts der Gnaden, die ich empfangen habe, was sollte ich sein, was bin ich? Angesichts dessen, was die Gruppe von mir erwarten könnte, was die Gruppe von jedem ihrer Mitglieder erwartet und angesichts dessen, was ich bin, welcher Unterschied besteht? Dieser Unterschied entspricht dem ersten unserer Gebete.

Deshalb sollte ich die Muttergottes inständig bitten, mich dringend zu dem zu machen, was ich sein sollte. Dass sie die Leere füllt und mich durch ihre Güte zu dem mache, was ich sein soll. – Ich weiß nicht, ob dieser Gedanke verständlich ist, besonders für die Jüngeren, oder ob jemand Fragen dazu hat.

Was die Gruppe betrifft, denke ich, es ist leicht zu verstehen. Jeder von uns weiß ungefähr, was ein gutes Gruppenmitglied ausmacht; jeder von uns weiß ungefähr, was wir sein könnten, wenn wir die Gnaden, die wir in der Gruppe empfangen haben, voll und ganz annehmen würden. Jeder von uns kann sich daher eine Vorstellung von dem Unterschied machen, der besteht, von der Kluft zwischen dem, was ist, und dem, was sein soll. Dann sollten wir die Muttergottes um die Gnaden bitten, die nötig sind, um zu erkennen, was wir sein sollen, um das zu sein, was wir sein sollen. – Ich weiß nicht, meine lieben Freunde, ob das verständlich ist, oder ob jemand Fragen dazu hat.

Nun. Mein zweiter Punkt ist folgender: Ich möchte bedenken, dass die Muttergottes einen Menschen schnell, von einem Moment auf den anderen, verändern kann. Ich muss Sie darum bitten: dass sie mir dies ganz deutlich vor Augen führt: dass sie jeden Menschen durch überwältigende Gnaden, die den Menschen im Innersten seiner Seele berühren, schnell heilen und ihn vollständig verwandeln kann.

Ich muss also um diese Gnaden für mich selbst bitten. Ich muss die Muttergottes bitten, mich zu verwandeln, aber nicht auf mein Schneckentempo zu warten; dass sie mir entgegenkommt; dass sie mich zu dem macht, was ich unmöglich sein kann.

Es mag meine Schuld sein; aber ist sie nicht meine Mutter? Sie ist meine Mutter, die mir vergibt, sie ist meine Mutter, die mich liebt, die sich meiner erbarmt. Ich trete mit Schuldgefühlen vor sie und sage: „Erbarme dich meiner und vollbringe in mir schnell, was ich schuldhafterweise so lange aufgeschoben habe. Ich richte diese Bitte an dich.“ Vor allem, wenn wir einen konkreten Mangel haben, müssen wir die Muttergottes bitten, diesen Mangel zu ändern.

Aber die meisten Menschen haben keine klare Vorstellung von ihren Hauptmängeln. Sie haben eine verschwommene Vorstellung davon; So haben sie ein Gefühl der Unwürdigkeit, der Minderwertigkeit, der Unvereinbarkeit mit dem, was sie sein sollten, aber sie haben keine klare Vorstellung davon, worin diese Unvereinbarkeit besteht. Deshalb sollten wir zu Unserer Lieben Frau sagen:

„Meine Mutter, sieh, wie viel Dunkelheit in meiner Seele ist, wie viel Unklarheit, wie viel Unsicherheit. Ich sehe mich selbst nicht einmal klar, lass mich mich selbst sehen. Lass mich mir selbst direkt in die Augen sehen. Oder, noch besser, heile meine Fehler, bevor Du sie mir zeigst; lass mich mich von einem Augenblick zum nächsten verändern und dir für eine Verbesserung danken, deren Inhalt ich nicht genau kenne.“

Wie oft geschieht dies im geistlichen Leben; wie oft habe ich dies in der Gruppe erlebt: Menschen, die beginnen, sich zu verbessern, verbessern sich, verbessern sich; es war eine Gnade Unserer Lieben Frau. Darum sollten wir bitten.

Worum sollten wir noch bitten? Wir sollten für die katholische Kirche bitten, die wir über alles auf der Welt lieben sollten; wir sollten darum bitten, weil wir die katholische Kirche lieben. Wir sollten für die TFP beten. Und wir müssen vor allem für jene Seelen beten, die in der TFP – als Erstes – die treibenden Kräfte sind, auf denen die Gruppe in erster Linie ruht; denn wenn man über ein Gebäude wacht, wacht man vor allem über die Säulen, die das Gebäude tragen.

Wir müssen auch für die Seelen in der TFP beten, die uns am nächsten stehen, mit denen wir die meisten Verpflichtungen, die meisten Beziehungen, den meisten Kontakt haben.

Wir müssen für die Seelen beten, die am meisten gefährdet sind, und dabei die einfachen Seelen nicht vergessen; die Muttergottes kann einen einfachen Menschen von einem Augenblick zum nächsten in einen Engel verwandeln.

Schließlich müssen wir zur Muttergottes für die Seelen beten, die sehr bedrängt sind, aber nicht so großzügig sind, wie sie sein sollten. – Leider ist dies nicht so selten.

Wir müssen für jene beten, die sich der TFP nähern.

Wir müssen für jene beten, die die TFP verlassen haben, dass die Muttergottes sie zurück auf den rechten Weg führen möge. Es gibt viele Seelen, die die Muttergottes sehr verherrlichen würden, wenn sie zur TFP zurückkehrten – natürlich wiedergeboren. Wir müssen für sie beten.

Sie sehen, mit einer kleinen Liste wie dieser wir lange beten können. Denken Sie über dies nach, denken Sie über jenes nach, bitten Sie die Muttergottes um etwas – das genügt für eine Stunde vor dem Bildnis hier oder dem Bildnis der Muttergottes im Reich Mariens; allein mit dieser Liste von Anliegen. Oft kommen wir gar nicht bis zum Ende. Das ist nicht schlimm. Allein die Tatsache, dass wir einen Teil dieser Meditation getan haben, macht es aus, und am Ende sagen wir zur Muttergottes: „Du bist Mutter; du siehst alles, was ich mir wünsche und worum ich dich in der Zeit nicht bitten konnte. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Es ist vollbracht, das Gebet ist gesprochen, die wichtigsten Bitten sind vorgebracht.

Nun, es gibt eine Bitte, die meiner Meinung nach zu den Dingen gehört, die wir uns in unserem geistlichen Leben am meisten wünschen sollten.

Ich sagte euch, dass wir uns um das Heil unserer Seele kümmern müssen, ich sagte euch, dass wir nach Heiligkeit streben müssen. Aber wir sollten nicht nur zu unserem eigenen Wohl nach Heiligkeit streben. Wir müssen – und hier ist die Bitte – nach Heiligkeit streben, und zwar vor allem selbstlos. Ich sollte nicht heilig sein wollen, um mich zu rühmen, sondern weil es Gott gefällt, dass ich heilig sei, um seinen heiligen Willen, den heiligen Willen der Muttergottes, zu tun. Damit er sich an mir freut und in mir ein Bild von sich selbst sieht. Deshalb. Es ist also eine selbstlose Bitte.

Gut. Warum diese Bitte am Fest des Unbefleckten Herzens Mariä?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zwei grundlegende. Wenn wir heute das Unbefleckte Herz Mariens feiern, feiern wir das, was das Herz symbolisiert: die Persönlichkeit der Muttergottes, ihren Geist, ihren Willen. Das ist es, was gefeiert, was geehrt wird. Und ich kann zu ihr sagen:

„Meine Mutter, du, die du in allen erdenklichen und unzähligen unvorstellbaren Graden der Vollkommenheit für mich strahlst; an diesem Tag, da deine Vollkommenheit allen Engeln, allen Heiligen, allen Menschen so offenbart wird, gib mir, für mich, für alle, die ich möchte, dass sie dich lieben, und für alle, die existieren, etwas von deiner unermesslichen Heiligkeit.“

Es ist der Tag, an dem sie am ehesten bereit ist zu erhören.

Zweitens sahen die Gläubigen in ihren Herzen eine besondere Offenbarung der Barmherzigkeit, der Güte, des Mitgefühls. Man kann daher sagen, dass das Mitgefühl Unserer Lieben Frau an diesem Tag besonders im Mittelpunkt steht. Es ist unser Tag. Denn wer kein Recht hat, um Mitgefühl zu bitten, wer keinen Anspruch auf irgendetwas hat, bittet um reine Barmherzigkeit. Darum sollten wir bitten. So bitten wir um Mitgefühl, wir bitten um Barmherzigkeit für das, was wir empfangen möchten. Es ist der Tag der Barmherzigkeit; an dem die Barmherzigkeit reicher sein wird als an anderen Tagen.

Hier finden Sie also einige sehr interessante und aktuelle Hinweise, damit Sie heute noch bis Mitternacht oder kurz danach zu Füßen der Muttergottes beten können. Wenn Sie heute keine Zeit dafür haben, beten Sie morgen. Bewahren Sie diese Punkte auf einer Karteikarte bei sich und denken Sie beim Rosenkranzgebet daran. Bitten Sie um diese Dinge für die verschiedenen Geheimnisse des Rosenkranzes, die Sie beten. So haben Sie sozusagen eine unerschöpfliche Quelle guter Absichten, um mit der Muttergottes zu sprechen.

Manche werden mich fragen: „Und können wir nicht auch um unsere materiellen Belange bitten?“ Ja, das können wir, aber nur, wenn wir die Interessen der Heiligen Kirche und unserer Mitmenschen über all unsere spirituellen stellen; erst dann kommen auch unsere materiellen Interessen in den Vordergrund. Wir können nicht nur bitten, sondern wir müssen es sogar. Und das kann ein eigener Punkt sein. Ich fürchte, es wird der Punkt sein, bei dem die Absichten am schnellsten auftauchen und zu dem wir die klarsten Vorstellungen haben. Ach! Möge die Muttergottes uns weiterhin verwandeln.


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