Dienstag, 13. Oktober 2026

Prof. Plinio Corrêa de Oliveira, glühender Sohn der Heiligen Kirche...

... und Anführer der Wiederherstellung der Christenheit


Am zweiten Jahrestag des Todes von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira ist es an der Zeit, sich auf die Rolle zu konzentrieren, die sein Werk und das Beispiel seines Lebens als Leitfaden für die Bewältigung der Krise unserer Tage spielen, in dem Moment, in dem sie eine Schwere erreicht, die vor einigen Jahren nur wenige hätten vorhersagen können.


Sein Leben war eine kontinuierliche, befreite und wachsende Verwirklichung des Gebots, das der heilige Paulus den Katholiken aller Generationen „nolite conformari huic saeculo“ gegeben hatte, sich nicht der Welt anzupassen (Röm. 12, 2), das heißt, sich nicht von den Fehlern, Sünden und Tendenzen mitreißen zu lassen, die in jeder Epoche sozusagen den Punkt darstellen, durch den der Teufel sie am meisten beeinflusst und die Menschen von den Plänen Gottes entfernt.

Dies war eine umso bewundernswerte Leistung, als in katholischen Kreisen lange Zeit die gegensätzlichen Wünsche der Anpassung an die Welt vorherrschten, so dass es leider, so kann man sagen, heute keine Verirrung mehr gibt, die nicht in einer etwas abgeschwächten, vermeintlich katholischen Version vorliegt, die bei den Gläubigen immensen Schaden anrichtet.

Das Hauptwerk von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira, „Revolution und Gegenrevolution“, das 1959 veröffentlicht wurde, wendet diesen Grundsatz des Apostels auf die heutige Realität an, erklärt den Prozess, der die Geschichte der letzten Jahrhunderte verfolgte, und gibt die Normen an, die befolgt werden müssen, damit der katholische Geist die Gesellschaft vollständig durchdringt, anstatt dass der Geist der Welt die Kirche und die Seelen verunreinigt und die wahre Zivilisation zerstört.

Dieses Prinzip der Nichtkonformität mit dem Jahrhundert hatte in verschiedenen Formulierungen in vielen Situationen und Zeiten große Auswirkungen auf das Leben der Kirche und trug umso mehr Früchte, je tiefer es in die Mentalität der Menschen eingeprägt war. Als sie in ihn eindrangen, brachten sie großartige und erhabene Kulturen, Errungenschaften und Heldentaten hervor, gerade weil der göttliche Einfluss in irgendeiner Weise in ihnen vorhanden war. Mit anderen Worten: dass sich die Kirche, sich nicht der Welt anpasste, führte dazu, dass sich diese der Kirche anpasste.

Aus dieser Perspektive waren die Lehren des hl. Agustinus in der „Stadt Gottes“ jahrhundertelang ein wahrer Leuchtturm, der kürzlich konvertierten – und manchmal sogar neu gegründeten – Nationen bei den ersten Schritten des Glaubens, den sie empfingen, und den Zivilisationen, die sie zu bilden begannen, leitete. Nach diesen Lehren kämpfen die beiden Städte, die Stadt Gottes und die Stadt der Welt, geleitet von der Liebe des Schöpfers bzw. von der Liebe der Menschen zu sich selbst, gegeneinander. Dies sind die beiden Pole, um die sich die Menschen versammeln, einer unter dem Banner Gottes und der Führung der Kirche und der andere unter der Schirmherrschaft des Teufels.

Wie „Revolution und Gegenrevolution“ zeigt, durchdrang die Anwendung dieses Prinzips seit dem Untergang des Römischen Reiches die Bevölkerung Europas mit christlichem Einfluss und inspirierte Institutionen, Gesetze, Bräuche und Traditionen, die letztendlich aus dem Gesetz Gottes hervorgingen.

So entstand die Christenheit, eine Familie von Nationen, die im Lichte der Lehren der Heiligen Kirche dachten, wollten und kämpften. Doch seit dem Niedergang des Mittelalters hat der revolutionäre Prozess die Christenheit zersetzt und die Welt zu aufeinanderfolgenden Höhepunkten von Neuheidentum, Amoralität, Egalitarismus und Korruption geführt, sich auf den spirituellen und weltlichen Bereich ausgewirkt und kirchliche Umgebungen oft ihrer Reaktionsfähigkeit beraubt.

Zu Beginn dieses Jahrhunderts, als Prof. Plinio Correa de Oliveira seinen Kampf für die Kirche und die Christenheit begann, griff die Gottlosigkeit die Katholiken heftig an, da sie eine Folge des Liberalismus und Säkularismus darstellte, der seit der Französischen Revolution weite Teile der Welt heimgesucht hatte. Die Menschheit hatte mehr als ein Jahrhundert fast ununterbrochener Stürme, jedoch unterschiedlicher Stärke, durchgemacht, die kurz darauf einerseits zu einer Explosion des Hasses auf die christliche Zivilisation, den Kommunismus, und andererseits zu einer feurigen und unerschrockenen katholischen Reaktion führen würden.

Diese Angriffe hatten vielen Gläubigen Angst gemacht, die mit Schüchternheit und Menschenfurcht zu kämpfen hatten oder sich von den in der Welt vorherrschenden Trends verführen ließen; das heißt, einige folgten dem Fehler, sich der Welt anzupassen, manchmal völlig, indem sie sich von der Gottlosigkeit mitreißen ließen, manchmal, ohne bis zu diesem Extrem zu gehen, in einer scheinbar katholischen, aber mittelmäßigen Position zu zittern, was dazu beitrug, die Kirche als Ziel ständiger Angriffe zu halten und viele feurige Seelen von ihr zu entfremden, die diese Schüchternheit nicht verstand.

Allerdings den Lehren und dem Beispiel des Hl. Papstes Pius X. folgend, der seinen Plan verkündet hatte, alles in Unserem Herrn Jesus Christus zu erneuern, kam es zu einer heftigen Reaktion seitens der Katholiken, die verstanden hatten, dass der Göttliche Erlöser und die Kirche nicht nur die begeisterte Unterstützung der Seelen, sondern auch der Gesellschaft verdienen, wobei spürbar ist, dass es dafür entscheidend ist, dass diejenigen, die die unvergleichliche Gnade des Glaubens empfangen haben, dies mit Unerschrockenheit verkünden, denn dies wird die Feinde der Kirche zurückweichen lassen.

Diese kämpferische Geisteshaltung hatte in Prof. Plínio Corrêa de Oliveira bereits in den ersten Jahren seines öffentlichen Lebens ihren Hauptvertreter, der der lebhaften Bewegung der Marianischen Kongregation einen beispiellosen Impuls gab, in entscheidender Weise zur Entstehung des Katholischen Wählerbundes beitrug, der für die Geschichte Brasiliens so große Bedeutung haben sollte, und den Eifer der Massen entfachte, indem er zeigte, dass die Heilige Kirche eine kolossale Macht war, nicht nur durch die Hilfe göttlicher Kraft, sondern auch durch den feurigen Anschluss unzähliger Gläubiger. Mit einem Wort: Nach mehr als einem Jahrhundert antikatholischer Offensive war die Kirche ungeschlagen und ihre Feinde zermürbt.

Eine Reaktion gegen Glaubensgegner und mittelmäßigen Katholiken

Der angesehene katholische Führer beschrieb 1944, 17 Jahre nachdem er die Führung des „Legionário“ übernommen hatte, das Ideal, das ihn durch dieses Epos leitete, das so viel dazu beigetragen hatte, den Schwung der brasilianischen katholischen Jugend wiederherzustellen: „Wir befanden uns in der endgültigen Liquidierung des liberalen Regimes. Durchdrungen von Skeptizismus, Latitudinarismus, Materialismus, deformiert durch die niedrige und deprimierende Sprache der Presse, durch den ausschweifenden Geist von Theater und Kino, durch die Umgebung von krasser Trivialität, in der sich die Jugend entwickelte, strebten wir alle nach einem höheren Ideal. Wir hatten keinen Zweifel über dieses Ideal. Es war der Katholizismus, der die Fülle aller wahren und edlen Ideale war. In der Atmosphäre, die wir einatmeten, trennten uns zwei Umstände von diesem Ideal. Einerseits die offensichtlichen Feinde der Religion: die Freimaurer, die Spiritisten, die Protestanten, die Atheisten. Andererseits, die Billiganbieter des christlichen Geistes: die die halb-Katholiken, Vielbeter und… Vielsünder. Menschen, die glaubten aber nicht praktizierten, Menschen die an diesem Dogma glaubten, aber nicht an jenem; Menschen mit christlichem Etikett, die alle Symptome der Bequemlichkeit, der Vernachlässigung, der Gleichgültigkeit des weltlichen Geistes beibehielten. Katholiken schließlich, für die die Kirche eine Last war, die sie ohne Begeisterung trugen, ein Ideal mit dem sie sich selbst betrogen, eine Geisteshaltung, die sie auf aller Art und Weise versuchten dem Zeitgeist anzupassen, damit sie auch einen üppigen und bequemen Platz bekämen an der großen Festtafel Baltasars, die die letzten Jahre der liberalen Demokratie waren.

„Protestanten, Spiritisten, Freimaurer, zutiefst verachtete Katholiken der gegenwärtigen Art. Sie wussten im Voraus, dass er der große Verlierer war, denn im richtigen Moment würde er die Last des Katholizismus abwerfen, um so die Freude am Leben zu retten. Unter diesen Menschen, die zwei Kerzen anzündeten, eine für Gott und die andere für den Teufel, wurde Gottes Kerze schwächer, brannte nieder und flackerte. Die Kerze des Dämons war neu, weiß, hart, ihre Flamme war fett und funkelnd. An dem Tag, als Gottes Kerze begann, den Bürgern die Finger zu verbrennen, zweifelten weder der Spiritist noch der Freimaurer noch der Protestant daran, was der selbstgefällige Bürger mit dieser unbequemen Zündschnur anfangen würde. Wir befanden uns in der letzten Dämmerung des Sonnenuntergangs der Christenheit.

„In der Reaktion, die den Horizont klärte, gab es zwei implizite Reaktionen. Eine gegen die Gegner des Glaubens, die aus der Härte der Schläge, die sie erhielten, lernen sollten, dass ihnen das Feld nicht mehr vorbehaltlos offenstand, für ihre Unverschämtheit, ihre Kühnheit, ihre zynische Verachtung des Katholizismus. Eine andere gegen die Katholiken der halben Maßstäbe – „Café au lait-Katholiken“, hieß es damals –, die mit dem Skandal ihrer Lauheit konfrontiert waren verbreitete überall die Vorstellung, dass der Katholizismus vor Schwäche sterben würde“ (O Legionário Nr. 616, 28. V. 1944, „17 Jahre“)

Der Kampf gegen die Feinde der Kirche war jedoch noch weit vom Sieg entfernt, denn da sie eine Niederlage im offenen Kampf vorhersahen, begannen sie eine Doppeloffensive: Einerseits förderten sie Bewegungen, die dem Nazi-Faschismus ähnelten, um kämpferische Katholiken anzuziehen und abzulenken, und andererseits korrodierten sie die Katholische Aktion mit Einflüssen, Ideen, Initiativen und Tendenzen, die die modernistischen Fehler widerspiegelten, die der hl. Pius X. als Synthese aller Häresien verurteilt hatte, und so die Grundlagen der Verteidigung der Kirche gegen die Laster und Angriffe der Welt untergruben..

Gegen beide Irrtümer führte Prof. Plinio Corrêa de Oliveira einen unaufhörlichen Kampf, sei es auf den Seiten des Legionário oder im direkten Apostolat, indem er Schlüsselpersonen aufklärte und polemisierte, wobei er immer zeigte, dass Katholiken die Standarte des Glaubens mit all seinen natürlichen Konsequenzen im weltlichen Bereich erheben sollten, ohne ihn zu verharmlosen und vor allem ohne ihn gegen die von der Welt propagierten neuheidnischen Fahnen einzutauschen.

Sein Werk „Em Defesa da Ação Católica“ (Zur Verteidigung der Katholischen Aktion) – veröffentlicht, um diese vor eingedrungenen Irrtümern zu bewahren und zu verhindern, dass sie weiterhin zu einem Instrument der Entchristlichung umgeformt wurde – war ein mutiger Warnruf. von dessen Auswirkungen sich der Progressivismus bis heute nicht erholt hat; denn er hörte auf, ein Phänomen zu sein, das den Katholizismus als Ganzes zu erfassen drohte, und wurde stattdessen zu einem bloßen Problem der Sakristeien. Die Urheber dieser Zersetzung rächten sich jedoch an dem Verfasser der Anklage durch jahrzehntelanges Raunen und Gerede, ungeachtet der Ermutigung, die er von hohen kirchlichen Würdenträgern und sogar vom Heiligen Stuhl erfahren hatte.

Würde auch nur eine einzige der Wahrheiten, die die Heilige Kirche lehrt, verfälscht, so verlöre sie ihre Identität.

Zugleich warnten seine unermüdlichen Anklagen gegen die Irrtümer des Nationalsozialismus und Faschismus – gerade als diese ihren Höhepunkt erreichten – Hirten und Gläubige vor dieser Form der Verheidlichung und verhinderten, dass sie weiter um sich griff und die katholische Weltmeinung zersetzte. Dass diese Warnungen in katholischen Kreisen – sowohl in Brasilien als auch im Ausland – Gehör fanden, führte für den Verfasser – wiederum aufgrund seines leidenschaftlichen Eintretens für die Treue zur Kirche – zu einer zunehmenden Isolierung; dies geschah gerade deshalb, weil bedeutende Prälaten eine Anpassung der Kirche an das wünschten, was einige Jahrzehnte später als „Zeichen der Zeit“ bezeichnet werden sollte. Im Eintreten für eine integre und entschlossene Verteidigung der katholischen Lehre schrieb er 1941 im „Legionário“: „Die Kirche wird niemals diese Gabe verlieren, die Seelen anzuziehen. Sie zu leugnen, hieße zu leugnen, dass Jesus Christus Gott ist oder dass die Evangelien inspirierte Bücher sind. Sie zu leugnen, bedeutet folglich, die Religion selbst zu leugnen. Doch besitzen alle diese Wahrheit, die doch alle anerkennen, im gleichen Maße? Sehen alle sie mit gleicher Klarheit? Ziehen alle daraus dieselben Schlussfolgerungen?

„In den düsteren Tagen, die wir durchleben – da wir sehen, wie sich die (nazi-faschistische) Häresie über ganz Europa ausbreitet und die ganze Welt bedroht –, wie viele Menschen halten die Kirche für so gefährdet, dass sie zu Zugeständnissen in Glaubensfragen gegenüber den gegenwärtigen Weltherrschern neigen? Heutzutage ist die allgemeine Verheidnisierung der Sitten in alle Bereiche der Gesellschaft eingedrungen und hat einen Abgrund geschaffen, der immer tiefer wird: einen Abgrund zwischen dem Geist der Kirche und dem Zeitgeist. Angesichts dessen raten ihr viele zu moralischen Zugeständnissen, um sie mit jener Gesellschaft zu versöhnen, ohne deren Unterstützung man einen Zusammenbruch der Kirche in der Welt befürchtet – einen Zusammenbruch, der, wäre er nicht der Tod, zumindest einer lang anhaltenden Ohnmacht gleichkäme.

„(...) Was ist eigentlich die katholische Lehre? Sie ist eine Gesamtheit von Wahrheiten. Würde auch nur eine einzige dieser Wahrheiten verfälscht, wäre die katholische Lehre nicht mehr sie selbst. Sie also anpassen, zurechtbiegen oder gefällig machen zu wollen, bedeutet, darauf hinzuarbeiten, dass sie ihre Identität verliert – mit anderen Worten: es ist der Versuch, sie zu töten. Es bedeutet zu glauben, das Apostolat sei ohne diese Anpassung nicht möglich; es bedeutet zu glauben, die Kirche könne nur siegen, indem sie stirbt!“ („Legionário“ Nr. 448, 13. April 1941, „Nós também“ Auch wir).

Diejenigen, die starben, waren offensichtlich die Irrtümer des Nationalsozialismus und Faschismus; sie wurden postum von vielen ihrer einstigen Verbündeten angegriffen. Die Kirche hingegen überstand diese Gefahren mühelos, gerade weil sie sich weder einschüchtern noch beeinflussen ließ, als diese Ideologien scheinbar die Oberhand hatten. Doch schon bald regte sich erneut die Versuchung, sich mit Feinden einzulassen – diesmal mit anderen Irrtümern: dem Sozialismus und dem Kommunismus, die nach Kriegsende eine beispiellose Machtfülle erlangten.

Tatsächlich gerieten die kategorischen Verurteilungen des Kommunismus durch die Päpste im Laufe des letzten halben Jahrhunderts zunehmend in Vergessenheit und wurden missachtet. Viele Hirten glaubten, in dieser Ideologie ein vermeintliches Streben nach sozialer Gerechtigkeit und dem Wohlergehen des Volkes zu erkennen; einige schlossen sich sogar der „roten Sekte“ im Kampf gegen das Eigentumsrecht und andere Grundprinzipien der traditionellen katholischen Lehre – sowohl im moralischen als auch im sozioökonomischen Bereich – an.

Mehr noch: Innerhalb der Kirche gewann die Tendenz zur Entspannung gegenüber kommunistischen Regimen an Boden. Dabei unterließ man bisweilen die eigentlich gebotene Kritik am Kollektivismus und an der religiösen Verfolgung durch die „roten Henker“, in der Hoffnung, diese würden auf solche Gesten mit einer Mäßigung ihrer Angriffe auf die Kirche reagieren. Dies war die sogenannte „Ostpolitik“ des Vatikans, die den Katholiken nahelegte, ihren Widerstand gegen die kommunistische Offensive aufzugeben.

Als diese Vorgänge im Jahr 1974 eine Stetigkeit und ein Ausmaß annahmen, die einer Norm zu entsprechen schienen, veröffentlichte Prof. Plinio Corrêa de Oliveira gemeinsam mit allen TFP-Organisationen die „Erklärung des Widerstands“. Darin wurde proklamiert, dass die Gläubigen – dem Beispiel des heiligen Paulus folgend, der dem heiligen Petrus „ins Angesicht widerstand“ – gemäß der traditionellen katholischen Lehre das Recht haben, ihren Standpunkt respektvoll zu äußern.

Der Zusammenbruch des Sowjetregimes anderthalb Jahrzehnte später bewies, wie schwach dieses Regime war, wie heftig sich die betroffenen Bevölkerungen dagegen auflehnten und wie ungerechtfertigt folglich das Entgegenkommen gegenüber dem roten Feind gewesen war. Dies war ein erneuter Beweis für die Notwendigkeit, die oben zitierte, überaus weise Weisung des heiligen Paulus auf das heutige Leben anzuwenden.

Auf dem Höhepunkt des Verfalls, dem wir uns nähern – in einer Zeit, da man schwerwiegendsten moralischen Verirrungen Freiheit und Schutz gewähren und die Heilige Kirche daran hindern will, ihre Pflicht zur Verkündigung und Verteidigung ihrer Lehre (das heißt des Willens Gottes) zu erfüllen; da der Irrtum der Wahrheit das Recht auf Ausbreitung streitig macht und man der Sünde völlige Straffreiheit gewähren will.

Trotz aller Verfolgungen wird die Heilige Kirche triumphieren, denn sie ist göttlichen Ursprungs.

Es ist daher angebracht, heute jene Worte zu wiederholen, die ein bedeutender katholischer Kämpfer vor mehr als einem Jahrhundert niederschrieb – zu einer Zeit, als, genau wie heute, fast nur Stimmen zu hören waren, die nach Anpassung und Kompromissbereitschaft riefen:

„Als Unser Herr Jesus Christus starb, versiegelten die Juden sein Grab und bewachten es mit Soldaten; sie glaubten, alles sei nun zu Ende.

In ihrer Gottlosigkeit leugneten sie, dass Unser Herr der Sohn Gottes sei, dass er imstande wäre, das Grabgefängnis, in dem er lag, zu sprengen, und dass er vor allem die Kraft besäße, vom Tod zum Leben überzugehen. Nun, all dies ist geschehen. Unser Herr ist ohne jegliches menschliches Zutun auferstanden; unter Seiner Herrschaft bewegte sich der schwere Grabstein leicht und rasch beiseite, wie eine Wolke. Und Er ist auferstanden.

„Ebenso kann auch die unsterbliche Kirche scheinbar verlassen, geschmäht und verfolgt werden. Sie mag – dem Anschein nach besiegt – unter der Grabeslast schwerster Prüfungen liegen. Doch sie birgt in sich eine innere, übernatürliche Kraft, die von Gott stammt und ihr einen Sieg sichert, der umso glanzvoller ist, je unerwarteter und vollkommener er ausfällt“ (Legionário, Nr. 660, 1. April 1945, „Ostern“).

 

 

 Aus dem Portugiesischen von „Catolicismo“ Oktober 1997


Montag, 12. Oktober 2026

Über die Größe der Berufung Portugals

 Gespräch mit Plinio Corrêa de Oliveira
am 10. August 1983

Die Sache verhält sich so: Portugal war eine Nation mit einer ganz besonderen Berufung. Es empfing – gemeinsam mit Spanien (Schwestervölker, die sich in der Vergangenheit wohl weniger hätten bekriegen sollen, als sie es tatsächlich taten – wohlgemerkt: es wurde von beiden Seiten weit mehr zugeschlagen, als nötig gewesen wäre; eine Vorstellung davon dürften Sie von beiden Seiten her haben) –Portugal bekam eine doppelte Gnade: erstens die Vertreibung der Mauren, um das katholische Europa von den Mohammedanern zu säubern; zweitens den Ruhm der Seefahrt und der Verbreitung des Namens Unseres Herrn Jesus Christus sowie des Namens Mariens in all diesen neuen Welten, und darüber hinaus in Indien, China und Japan. Sie wissen, wie viel unsere gemeinsamen portugiesischen Vorfahren in dieser Hinsicht geleistet haben.

Dann gibt es noch etwas, das in der Leistungsbilanz Portugals – des katholischen Portugals, denn nur das katholische Portugal interessiert mich; das andere bedeutet mir nichts – selten erwähnt wird. Natürlich: Das Einzige, was ich auf Erden wahrhaft liebe, ist die katholische Kirche. Nationen und Menschen haben nur insoweit einen Wert, als sie katholisch sind oder wieder katholisch werden können (...).

Doch ich sage es noch einmal: Dem katholischen Portugal ist noch etwas anderes hoch anzurechnen – und als Brasilianer freue ich mich, dies sagen zu können: Ein Land mit geringer Bevölkerungszahl und kleinem Territorium, dem die Vorsehung die Aufgabe anvertraute, eine riesige Nation wie diese (Brasilien) zu besiedeln – das ist etwas Kolossales. Und doch ist Brasilien im Grunde von Nachkommen der Portugiesen bevölkert. Es ist eine heldenhafte Anstrengung, ein wunderbares Werk: „Gehet hin und vermehret euch, nehmt die ganze Erde in Besitz.“

Die „Bandeirantes“ aus São Paulo, die ankamen – ihr wisst schon: zu Fuß quer durch Südamerika, bis sie sich sogar im Pazifischen Ozean ihre Hände waschen konnten –, waren letztlich Portugiesen; denn sie waren Söhne oder Enkel von Portugiesen, wenngleich in Brasilien geboren. Damals unterschied man nicht zwischen Brasilianern und Portugiesen: Sie waren Portugiesen. Und all dem messe ich große Bedeutung bei.

Doch vor allem gilt: Portugal ist das Gefäß der brasilianischen Traditionen. Die Quintessenz der brasilianischen Traditionen sind die portugiesisch-katholischen Traditionen. Und unsere besten Traditionen aus alter Zeit sind jene, die uns Portugal am nächsten bringen.

Daher ist es nur recht und billig, dass Brasilien sich mit besonderer Freude über alles Gute freut, das Portugal widerfährt; und unter allem Guten, das in Portugal geschieht, gibt es nichts Kostbareres als die Unversehrtheit des Glaubens, wie sie Unsere Liebe Frau in Fátima verheißen hat. Zu dieser Unversehrtheit des Glaubens trägt der katholische Geist der TFP maßgeblich bei – oder kann zumindest maßgeblich dazu beitragen.

Und der Gedanke, dass durch das Bemühen hier auf dieser Seite des Ozeans die von der anderen Seite empfangenen Traditionen gestärkt werden können... Es ist wie bei einem Echo: Man ruft hier, der Ruf gelangt dorthin und verstärkt sich; er verliert sich nicht durch das Widerhallen, sondern wächst an. So lassen wir auf beiden Seiten des Atlantiks dieselbe Tradition widerhallen. Das gefällt mir.

Seliger Nuno Álvares Pereira

Ich wünsche mir also – und bitte Unsere Liebe Frau darum –, eine portugiesische TFP, tief katholisch und ganz im Geiste des Seligen Nuno Álvares Pereira: ein Vorbild an Heiligkeit sowie ein Vorbild des Ritters und Kriegers. Ihr solltet sein Leben lesen, es gut kennen und Bilder von ihm in eurem Zentrum haben – kurzum: ihm jede Form der Verehrung entgegenbringen. Hin und wieder dorthin zu gehen, wo er begraben liegt, usw., um Gnaden für euch und für uns alle zu erlangen – das empfehle ich sehr.

[beim Betrachten eines Bildes] Ah, hier ist der selige Nuno Álvares Pereira! Ich kenne ihn – ich setze nur kurz die Brille auf, um mich genau zu erinnern –, aber das ist das berühmteste der Bilder: Es wurde kurz nach seinem Tod gemalt, nicht wahr? Genau so ist es: heilig und zugleich ungestüm. Ein gewaltiges Schwert dort. Eigentlich ist es eine Art Hellebarde, die er in der Hand hält, ein Mittelding zum Schwert. Und seht nur seine selbstbewusste Haltung, das Bein so nach vorn gestellt.

Doch in seinen letzten Lebensjahren – nachdem der König ihn mit Gnaden, Ehrenbezeugungen usw. überhäuft hatte – wurde er Laienbruder, ein „Geringster“ (Minderbruder), wenn ich mich nicht irre, im Karmeliterorden oder bei den Franziskanern. (Bei den Karmelitern.)

Bei den Karmelitern. Und als „Minderbruder“, als einfacher Bruder, endete dieser Löwe. Der Löwe hatte seine ruhmreiche Laufbahn hinter sich und endete aus Liebe zu Unserer Lieben Frau wie ein Lamm.

(...) Wenn man wissen will, wer das TFP-Mitglied ist, das sich tapfer gegen den äußeren Gegner behauptet, so halte man Ausschau nach jenen, die Intern am umgänglichsten sind. Wenn ihr wissen wollt, wer draußen ein Feigling ist, so sucht nach denen, die sich Intern arrogant verhalten. Man täuscht sich da nicht. Wer draußen ein Löwe ist, ist drinnen ein Lamm; wer drinnen den Löwen spielt, der kneift draußen vor den Feinden und taugt keinen Pfifferling.


*     *     * 

Donnerstag, 8. Oktober 2026

„Auf wessen Seite steht der Papst?“ (1)

Plinio Corrêa de Oliveira
„Legionário“,  7. November 1943 

      Bevor wir eine umfassende Antwort auf den Artikel „Auf wessen Seite steht der Papst“ des Dekans von Canterbury geben, veröffentlichen wir hier einige punktuelle Anmerkungen zu einzelnen seiner Themenbereiche.

* * *

      Der Autor beginnt damit, der katholischen Meinung zu schmeicheln. In süßlichem Tonfall erklärt er: „Die Politik des Vatikans auf der Weltbühne ist einer der dunkelsten, faszinierendsten und verwirrendsten Aspekte des gegenwärtigen Krieges. Was tut der Papst? Was erhofft sich der Papst von diesem Krieg? Auf welche Seite hat sich der Papst in diesem blutigen Kampf um Freiheit und Leben der sogenannten christlichen Völker unserer heutigen Welt geschlagen? Dies sind drei spezifische Fragen von mehr als grundlegender Bedeutung, deren Beantwortung jedoch äußerst schwierig ist, da uns nur wenige Daten zur Verfügung stehen, um in die subtilen und jahrhundertealten Überlegungen des Papstes und seiner Diplomatie einzudringen – einer Diplomatie, die im weitesten Sinne die vollendetste, raffinierteste und erfahrenste aller Zeiten ist.“

      Wie man sieht: ein Blumenfeld, das Gift verströmt. Um sich mit dem Anschein der Unparteilichkeit zu umgeben, erkennt der Autor an, was ohnehin offensichtlich ist: die grundlegende Bedeutung, die jede Haltung des Papsttums für das internationale Leben unserer Zeit hat. Seit wie vielen Jahrhunderten verkünden Protestanten bereits den Niedergang der „Kirche von Rom“, ihre völlige Unvereinbarkeit mit den heutigen Lebensbedingungen des Menschen usw.? Doch im Jahr 1943 muss der Dekan von Canterbury – Vertreter einer der angesehensten englischen protestantischen Kirchen – anerkennen, dass das Ansehen des Heiligen Stuhls so groß ist, dass die Analyse seiner Haltung für das Verständnis der Ereignisse unerlässlich ist. Der Dekan ist so beeindruckt, dass er sogar zur Hyperbel greift: Die Untersuchung der Haltung des Papstes sei nicht nur wesentlich, sondern „mehr als wesentlich“. Wir überlassen es dem Dekan, seinen Lesern zu erklären, was in der Philosophie eine „mehr als wesentliche Sache“ sein mag... nämlich die Auseinandersetzung mit der Haltung des Papstes. Uns genügt die Erkenntnis des hohen Maßes an Ansehen, Einfluss und Autorität, dass sich die rein geistige Kraft des Papsttums in diesem Zeitalter von Minerva und Mammon bewahrt hat.

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      Doch der Text, den wir hier wiedergeben, weist seine Schattenseiten auf. Geschickt gesetzte Schatten. Zarte Schatten. Aber giftige Schatten. Es geht um einen Konflikt, in dem Leben und Freiheit der „sogenannten christlichen“ Völker auf dem Spiel stehen. Ganz nebenbei möchten wir fragen, welche Völker das wohl sind, denen der Dekan die Ehre abspricht, Christen zu sein. Etwa die Katholiken? Ist es jedenfalls nicht sonderbar, dass sich nicht sagen lässt, welche Haltung das Oberhaupt der gesamten Christenheit in diesem Kampf eingenommen hat? Warum eine solch seltsame Zurückhaltung? Der Vatikan schätzt „subtile Gedankengänge“. Seine Diplomatie gilt als die „vollendetste Diplomatie aller Zeiten“. Seltsam! Diese Worte bedeuten nicht zwangsläufig, dass die Diplomatie des Vatikan machiavellistisch sei. Doch sie erwecken einen Eindruck, der dem sehr nahekommt. Dennoch folgt auf sie keinerlei Erklärung, die eine solch unvorteilhafte Auslegung ausschließen würde. Nun gut, fahren wir fort...

* * *

      „Der Papst hat sich bereits vielfach zu diesem Krieg geäußert, doch die Unklarheit und Mehrdeutigkeit seiner Erklärungen spiegeln sich treffend darin wider, dass sowohl die Alliierten als auch die Achsenmächte seine Worte als für sich günstig und für den Feind ungünstig betrachten“, erläutert „Rev.“ Johnson. Doch wie ist das möglich? Besitzt der Papst denn keinerlei Ehrlichkeit? Warum führt „Rev.“ Johnson kein Beispiel zur Untermauerung dieser „mehrdeutigen“ Äußerung des Pontifex an? Für einen Vorwurf von solch weitreichender Bedeutung genügt dem „Rev.“ Johnson eine Tatsache: Sowohl die Nazis als auch die Alliierten behaupten, der Papst stehe auf ihrer Seite. Weiß „Rev.“ Johnson denn nicht, dass die Nazis den Geist der Lüge schlechthin verkörpern – dass Pius XI. sie als „die fleischgewordene Lüge“ bezeichnete –, und dass sie daher, auch wenn sie sehr wohl verstehen, dass die Heilige Kirche ihnen nur eine vernichtende Niederlage wünschen kann, entgegen aller offensichtlichen Tatsachen lügen und das Gegenteil behaupten würden? Kennt „Rev.“ Johnson die Enzyklika „Mit brennender Sorge“ von Pius XI., in der der Papst den Nationalsozialismus radikal verurteilte? Und ist ihm entgangen, dass sich die Nazis selbst danach noch zynisch als Freunde der Kirche ausgaben?

      Letztendlich stützt Herr Johnson seine Anschuldigung gegen das Papsttum auf eine Behauptung der Nazis – die größten Lügner der Welt. Offen gesagt: Schlechter könnte man nicht argumentieren.

* * *

      „Rev.“ Johnson spürt nur allzu deutlich, dass sein Hass auf Rom ihn verraten hat und dass seine letzten Worte ihn aus der ursprünglichen Gelassenheit seiner Anschauungen herausgeführt haben. Nun folgt – gleichsam um in die offene Wunde zu blasen – dieses Lob, das wie ein Glaubensbekenntnis an die Göttlichkeit der Kirche anmutet: „... die römische Kirche steht, in ewiger Perspektive betrachtet, über den Kämpfen der Nationen, über Kriegen und allem Zeitlichen. Sie ging der Demokratie voraus, ging dem Nationalsozialismus voraus, ging allen Regierungsformen der modernen Welt voraus; das politische Antlitz der Welt hat sich bisweilen radikal gewandelt, doch die römische Kirche hat stets überlebt, wenn auch unter fortschreitendem Kraftverlust. Es ist mehr als gewiss, dass die römische Kirche immer überdauern wird, ganz gleich, welche Gestalt die Welt zu irgendeinem Zeitpunkt annehmen mag ...“ Doch wer hasst, dem geht beim Pusten schnell der Atem aus. Der Dekan ermattet rasch bei diesen süßlichen und ausgeklügelten Lobpreisungen. Und gleich darauf schränkt er ein: „Die einzige Möglichkeit, dass es anders käme, wäre ein weltweiter Sieg des Kommunismus. Doch in diesem Punkt kämpft die römische Kirche nicht allein.“ Ein eklatanter Widerspruch! Noch wenige Zeilen zuvor hatte der Autor behauptet, die Kirche sei unzerstörbar; nun aber erklärt er, sie könne vernichtet werden, und deutet sogar an, sie sei so schwach, dass ihre Siegeschancen darauf beruhten, dass sie „nicht allein kämpft“. Dennoch räumt der Dekan selbst ein, dass sie in der heutigen Welt eine solche Autorität genieße, dass die Analyse ihrer Haltung von „mehr als grundlegender“ Bedeutung sei. Widerspruch über Widerspruch. Doch der Dekan ist ein guter Protestant: Er fühlt sich inmitten von Widersprüchen wohl.

* * *

      So geht der Artikel weiter, wobei er sich auf Schritt und Tritt eifrig selbst widerspricht und seine Anschuldigungen gewunden zwischen mehrdeutigen, blumigen Lobpreisungen vorbringt. Doch kommen wir gleich zum Kernpunkt. Mit Nachdruck, mit Genugtuung und in der Gewissheit der Wirkung, die sie erzielen wird, schleudert der Dekan diese ungeheuerliche Behauptung hinaus: „Der einzige Einwand des Papsttums gegen den Nationalsozialismus – wie es bereits mehrfach dargelegt hat – ist dessen Heidentum und die Verfolgung der Kirche.“ Wenn es eine konkrete Behauptung gibt, die ideal dem Begriff der „Lüge“ entspricht, dann ist es diese! Man muss nur flüchtig einen Blick in die Sozialenzykliken der Päpste werfen – insbesondere in „Mit brennender Sorge“ –, um zu erkennen, dass die vom Nationalsozialismus propagierte politische und gesellschaftliche Struktur selbst dann von der Kirche verurteilt worden wäre, wenn er ihr völlige Freiheit gewährt hätte. Jeder Studienanfänger im Bereich der Sozialwissenschaften weiß das. Der Dekan von Canterbury scheut sich nicht, klipp und klar das Gegenteil zu behaupten. Er hat recht, würde ihm der alte Voltaire sagen: „mentez, mentez, il restera toujours quelquer chose“ („Lügt, lügt nur; irgendetwas bleibt immer hängen.“)

      Und nun folgt eine weitere Lüge. Mit Bezug auf die Lateranverträge behauptet der Dekan: „wenn der Faschismus dem Papst zu geben weiß, was des Papstes ist, und er dem Faschismus zu geben weiß, was des Faschismus ist, einschließlich der Freiheit vieler Millionen von Individuen.“ Ignoriert der Dekan etwa, dass die korporative Auffassung des Faschismus von der Kirche verurteilt wurde – nicht, weil sie irgendein Recht der Kirche verletzt hätte, sondern weil sie, da sie dem Naturrecht widerspricht, die gerechte Freiheit „vieler Millionen von Individuen“ beschnitt? Ignoriert der Dekan, dass die Staatslehren von Gentile und Croce wegen ihres totalitären Charakters von der Kirche verurteilt wurden? Sieht er nicht, dass die Kirche auf diese Weise all das verteidigte, was gerecht und edel am Wort „Freiheit“ ist – ein Wort, mit dem er, der Dekan, und seine Anhänger so abscheulichen Missbrauch zu treiben pflegen? Und wie kann man dann behaupten, der Vatikan habe mit dem Naturrecht, dessen Hüterin die Kirche ist, Handel getrieben? Wo bleibt da der gute Glaube? Was Franco betrifft, so stellt ihn der Dekan als den Mann der „Römischen Kirche“ dar – als einen niederträchtigen Militärmensch und Komplizen niederträchtiger Prälaten, die darauf aus waren, einen Religionskrieg anzuzetteln, der der vatikanischen Diplomatie gelegen käme!

      Ignoriert der „Dekan“, dass Franco keineswegs ein Werkzeug in den Händen der Kirche ist, sondern derart gespannte Beziehungen zum Vatikan unterhält, dass das erwartete Konkordat zwischen Spanien und dem Heiligen Stuhl bis heute nicht zustande gekommen ist? Denn der „Caudillo“ will der Kirche nicht einmal jene Freiheit gewähren, die sie in Ländern genießt, in denen Kirche und Staat getrennt sind. Ist das nicht allgemein bekannt? Steht das nicht in den Nachrichten aller Zeitungen?

* * *

      Und so geht es mit den Unwahrheiten weiter. Man müsste ein ganzes Buch schreiben, um sie eine nach der anderen zu widerlegen. Kommen wir direkt zum Schluss.

      Worauf will der Dekan hinaus? Am Ende seines Artikels behauptet er, angesichts des diplomatischen Triumphs des Vatikan „wisse man noch nicht, was die demokratischen und revolutionären Kräfte der Welt gewinnen werden“; sie würden im Papsttum „eines der größten Hindernisse“ vorfinden... ... auf ihre Ausdehnung hin, wie es praktisch der antisowjetische Block in Mitteleuropa andeutet, den die römische Kirche seit mehr als einem Jahr zu bilden sucht.“

      Darin liegt der Grund für den Zorn! Wir wissen nicht, was dieser „antisowjetische Block“ sein soll. Doch fest steht: So entschieden die Kirche auch gegen den Nationalsozialismus eingestellt ist, so entschieden ist sie auch gegen den Kommunismus. Gewiss wird sie vom Sieg der Alliierten stark profitieren. Die Katholiken müssen einen solchen Sieg herbeiwünschen, und genau in diesem Sinne hat sich auch der „Legionário“ stets geäußert. Dennoch bleibt es eine Tatsache, dass die Kirche weiterhin ein gewaltiges Hindernis für die kommunistische Expansion darstellen wird. Und genau das ist es, was der Dekan nicht will und nicht ertragen kann.

      Hierin liegt der Grund für seinen ganzen Zorn als kommunistischer „Rädelsführer“, der sich als Seelsorger „getarnt“ hat.

 

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„Auf wessen Seite steht der Papst?“ (2)

 Plinio Corrêa de Oliveira
„O Legionário“,  21. November 1943

Im vorherigen Artikel hatten wir bereits auf die zahlreichen Widersprüche und die Falschheit des protestantischen Dekans von Canterbury gegenüber der Politik des Vatikans hingewiesen. Wir hätten dieses Thema noch weitaus eingehender behandeln können. Doch der Platz in mehreren Artikeln hätte nicht ausgereicht, um die vielen Sophismen des „Dekans“ aufzuzeigen und zu entwirren. Die Beispiele, die wir unseren Lesern geliefert haben, genügen. Wir wollen das Thema daher abschließen, indem wir den eigentlichen Kern des Artikels jenes berühmten „Dekans“ analysieren.

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Die Frage „Auf wessen Seite steht der Papst?“, wie sie der „Dekan“ in seinem speziellen Sinne stellte, setzt die Vorstellung voraus, dass der Papst notwendigerweise auf der Seite von irgendjemandem stehen müsse. Und gerade, weil er diese Voraussetzung als unbestreitbar betrachtet, widmet sich der Dekan einer äußerst eifrigen Untersuchung der Angelegenheit – nur um am Ende zu gestehen, dass er nichts verstanden hat. Das verwundert nicht. Um die Haltung des Vatikans in der gegenwärtigen Notlage zu begreifen, müsste man eine ganze Reihe von Prinzipien kennen und anerkennen, die der „Dekan“ entweder leugnet oder nicht kennt. Betrachten wir diese Prinzipien.

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Bevor wir fragen: „Auf wessen Seite steht der Papst?“, sollten wir uns ansehen: „Wer ist der Papst?“ Der Papst ist der Stellvertreter unseres Herrn Jesus Christus, der unfehlbare Lehrer der Wahrheit, der Spender der Schätze der Erlösung, der Inhaber der Schlüssel, die binden und lösen – jener Schlüssel also, die die Welt regieren.

Lehrer einer unveränderlichen Wahrheit; Herrscher über ein unzerstörbares geistiges Reich; oberster Hierarch des gesamten Universums. Der Heilige Vater repräsentiert all das, was göttlich, überirdisch, unveränderlich und ewig ist. Während sich alles wandelt, bleibt er beständig. Während alles Vergängliche dem Wandel unterworfen ist, sind nur er und das, was er vertritt, unveränderlich. In Bezug auf das Kreuz hat sich folgender Grundsatz herausgebildet: „stat Crux dum volvitur orbis“ (Das Kreuz steht, während sich die Welt dreht). Dasselbe ließe sich vom römischen Pontifex sagen: „stat Petrus, dum volvitur orbis“ – nur Petrus bleibt unveränderlich bestehen, während die ganze Welt in Bewegung ist und sich wandelt.

Wenn nun der Papst die wesentliche und unveränderliche Wahrheit repräsentiert, wenn er für die Ewigkeit steht, dann lautet die eigentliche Frage nicht: „Auf wessen Seite steht der Papst?“ Diese Frage mag angebracht sein, wenn man die politische Lage irgendeiner erst gestern entstandenen kleinen Kirche analysiert – oder die Gottlosigkeit und Wollust eines Heinrich VIII., genauer gesagt: der Kirche des Dekans von Canterbury. Natürlich fragt sich der Dekan – als Besatzungsmitglied eines so jungen und schwachen Schiffes –, welche Strömungen es erfassen und wohin diese Strömungen es treiben. Der Papst hingegen ist der unveränderliche Fels. Er fragt nicht, welchen Strömungen er folgen soll.

Geht es um den obersten Pontifex, so kann die Frage nur lauten: „Wer steht auf der Seite des Papstes?“ Weil er diese Wahrheit nicht begriff, bezichtigte der Dekan die vatikanische Diplomatie der Treulosigkeit. Treulos, weil sie sich von Prinzipien leiten lässt, die ihm fremd sind; weil sie aus diesen Prinzipien eine Zurückhaltung in Gebärden und Haltung ableitet, die er nicht versteht. Und arrogant, weil sie weiterhin so handeln wird, ganz gleich, ob dies dem Dekan missfällt.

Und der Papst steht allein. Er blickt höher, tiefer und klarer. Er hat weder Verbündete noch Freunde, sondern nur Gegner – mal erbittertere, mal weniger erbitterte. Deshalb erwartet er ruhig den Lauf der Dinge und erklärt, dass er auf keiner Seite steht. Es wird der Tag kommen, an dem die Symbole der Nationalsozialisten, Faschisten und Kommunisten in demselben Staub liegen werden wie jene anderen Gegner, die gegen die Kirche zu Felde gezogen sind. An diesem Tag würde der Dekan verstehen, auf wessen Seite der Papst steht: Er steht weder auf der Seite Hitlers noch auf der Stalins. Der Papst steht auf der Seite Jesu Christi, auf der Seite der Unvergänglichkeit und der Ewigkeit. Und der Papst ist es, der siegen wird.

Damit sind wir beim Kern der Frage angelangt: Wer steht auf der Seite des Papstes?

Vom Nationalsozialismus und vom Kommunismus braucht man gar nicht erst zu sprechen. Beide verkörpern Irrtümer, die einander nahestehen und der katholischen Kirche unversöhnlich gegenüberstehen. Würde allein Russland oder allein Deutschland siegen, so wäre der Heilige Vater der große Verlierer (sofern man das Unzerstörbare überhaupt besiegen kann). In einer Welt, die entweder Stalin oder Hitler vollkommen unterworfen wäre, würde unser Herr Jesus Christus aus der zeitgenössischen Gesellschaft verbannt werden.

Der Dekan – ein verkappter Kommunist – sieht dies nicht oder stellt sich zumindest so, als sähe er es nicht. Er misst dem Konflikt zwischen Kommunismus und Nationalsozialismus eine Tragweite und Bedeutung bei, die dieser für den Papst – den Stellvertreter Jesu Christi – bei Weitem nicht besitzt. Es verhält sich wie im Streit zwischen Herodes und Pilatus. Auf wessen Seite stand der Erlöser in diesem Konflikt? Eine unsinnige Frage. Der Erlöser stand auf keiner der beiden Seiten. Er war kein politischer Kleinfürst, der sich mit Pilatus gegen Herodes oder mit Herodes gegen Pilatus verbündete. Ob Herodes oder Pilatus – das war für den Erlöser unerheblich. Beide verkörperten einen Geist, der dem seinen entgegengesetzt war. Der Sieg des einen wie des anderen hätte vor allem seine eigene Niederlage bedeutet. Und genau das zeigt sich darin, dass sich die beiden gegen ihn versöhnten.

Wir sehen, wie der Dekan irrt, wenn er glaubt, das große Problem der Kirche in unserer Zeit bestehe darin, sich entweder gegen Hitler oder gegen Stalin zu entscheiden. Sie strebt mehr an: Durch das Gebet der Jungfrauen und Mönche, die er dem Herrn weiht; durch die Arbeit der Missionare; durch die Evangelisierungstätigkeit ihrer Geistlichen; durch das Apostolat der Katholischen Aktion will der Papst eine Welt aufbauen, die das Gegenteil dessen darstellt, was Hitler oder Stalin anstreben.

Der Papst würde seine Mission verraten, wenn er sich für den einen oder den anderen entschiede. Seine Haltung könnte nur lauten: „Weder der eine noch der andere.“

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Doch weder Hitler noch Stalin stehen allein. Der Sieg eines der beiden würde auch den Sieg einer Reihe „gemäßigterer“ Verbündeter bedeuten. Mit dem Kommunismus würde der Sozialismus aller Schattierungen siegen – bis hin zum behäbigen, auf das Familienleben ausgerichteten Bürgertum. Mit dem Nationalsozialismus würden der Faschismus, der Falangismus und der „Salazarismus“ siegen. Fragen wir nicht nach den Absichten: Fest steht, dass sich in den Händen vieler dieser Parteien Weihwasser befindet... Man muss also verstehen, dass der Sieg der einen oder anderen Kriegspartei nicht zwangsläufig den unbestreitbaren, radikalen und vollständigen Sieg weder des Kommunismus noch des Nationalsozialismus bedeuten würde. Die eigentliche Wahl bestünde nicht zwischen zwei Extremen, sondern zwischen zwei Blöcken, die jeweils mit verhängnisvollen Extremen behaftet sind. Betrachten wir diesen neuen Aspekt des Problems.

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Halten wir zunächst fest, dass diese Zwischenströmungen ihren jeweiligen Extremen zustreben, so wie das Wasser dem Meer zustrebt. Wer zweifelt daran, dass der Sozialismus letztlich in den Kommunismus mündet? Wer zweifelt daran, dass das Bürgertum zwangsläufig den Sozialismus hervorbringt? Wer erkennt andererseits nicht, dass Hitler in einer von seinen Satellitenstaaten beherrschten Welt für die „Duces“ aller Breitengrade das wäre, was Ludwig XIV. für die Könige seiner Zeit war: das vollkommene, totale, unübertreffliche Vorbild – der Maßstab, an dem sich alle anderen ausrichten müssten, um zur Vollendung zu gelangen?

So wird dieser Sieg der mittleren Strömungen – wie jeder Sieg der mittleren Strömungen – zwangsläufig in den Sieg der Extreme münden. Und am Ende kommen wir über die ursprüngliche Fragestellung nicht hinaus: Für wen soll man sich entscheiden – für Hitler oder für Stalin?

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Fahren wir fort. Angesichts der Tatsache, dass wir uns zwischen zwei verheerenden Extremen befinden, lautet die einzig logische Antwort: „Weder der eine noch der andere.“ Die verbleibende Frage ist lediglich: Welcher der beiden möglichen Sieger ließe sich leichter zu Fall bringen? Dessen Sieg ist es, den man sich wünschen muss. Doch das bedeutet nicht, „auf der Seite“ des einen oder des anderen zu stehen. Es geht vielmehr darum, festzustellen, wem der Papst ablehnender gegenübersteht – dem einen oder dem anderen.

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Vergleicht man konkret Kommunismus und Nationalsozialismus, so stellt man fest, dass Ersterer – in jeder Hinsicht ebenso teuflisch wie der Nationalsozialismus – dennoch weniger schädlich ist. Er ist rein negativ und übt weniger Anziehungskraft aus als ein System mit positiver Lehre. Er ist – oder war es zumindest bis vor Kurzem – offen und bekennend feindselig. Wie stark er auch sein mag: Wir werden alle vereint gegen ihn stehen.

Anders verhält es sich beim Nationalsozialismus und seinen Ablegern. Sie bekämpfen uns heimtückisch. Sie benetzen mit Weihwasser jene Hände, mit denen sie die Stricke drehen, an denen wir gehängt werden sollen. Sie versuchen, unsere Reihen von innen heraus zu zersetzen, zu spalten und zu desorganisieren, bevor sie uns angreifen. Mit bewundernswertem Geschick verstehen sie es, den naiven Patrioten, den unerfahrenen Träumer und den banalen Ehrgeizling ausfindig zu machen, die ihnen innerhalb unserer eigenen Reihen den Weg ebnen werden. Sie werden uns erst dann angreifen, wenn wir völlig betäubt sind. Und sie werden uns glauben machen, dass das Betäubungsmittel, das sie uns in die Adern zu injizieren suchen, kein Rauschgift, sondern ein echtes Heilmittel sei. Wer ist schlimmer? Der weniger Gefährliche. Der alte Stalin! Ein alter Dämon mit einer offenkundig widerwärtigen Lehre und einem denkbar schlechten Ruf; ein Name, bei dem anständige Menschen empört sind, Fromme sich bekreuzigen und katholische Jünglinge den Drang verspüren, ihn zu erwürgen. Oh, alter, entlarvter und schrecklicher Dämon, wie viel weniger furchterregend bist du doch als jener politische Taktierer vom Schlage eines Von Papen, der seinen Glauben an die Cäsaren der jeweiligen Zeit verschachert und den undankbaren Auftrag erhält, uns mit dem Judaskuss zu besiegen.

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Das bedeutet im Grunde: Wenn der Vatikan die Dinge aus einer Perspektive betrachtet, die völlig losgelöst von nationalen Streitigkeiten ist, so liegt das kleinere Übel für ihn dennoch im Sieg des antitotalitären Blocks. Genau das wünscht sich der Papst von ganzem Herzen.

Der Dekan hingegen versteht davon rein gar nichts. Er will kein kleineres Übel. Er bejubelt... in Stalin ein Gut. Er macht sich zum Verteidiger des Kommunismus. Er zieht jene Herden, die Heinrich VIII. von der wahren Kirche abgespalten hatte, mit sich in den Sumpf des Kommunismus hinab. Er hat sich bereits entschieden. Er will den Bolschewismus. Er verrät das Christentum auf klägliche Weise. Er klatscht Beifall, ist zufrieden; er hat Verbündete, Freunde und mächtige Helfer.

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Mittwoch, 7. Oktober 2026

Rückblick auf 365 Tage - 1943

Plinio Corrêa de Oliveira
„Legionário“ vom 1. Januar 1944

Als die letzten Mitternachtsschläge das Jahr 1943 beendeten, schloss der „Legionário“ – mit vor Dankbarkeit überströmendem Herzen und kaum unterdrücktem Seufzer der Erleichterung – vor Gott eines der stürmischsten und zugleich fruchtbarsten Jahre seines bereits nicht mehr ganz kurzen Bestehens ab.

Eine Zeitung ist stets eine große Familie – eine geistige Familie, die sich aus all jenen zusammensetzt, die dazu beitragen, ihr Denken zu formen, ihre Ausrichtung zu bestimmen, ihre Lehren zu verbreiten und ihre aufeinanderfolgenden Ausgaben zu erstellen. In dieser großen Familie fehlt es – wie auf dem Feld, von dem das Evangelium spricht – nicht am Unkraut. Neben dem eifrigen Freund, dem entschlossenen und aufrichtigen Mitstreiter in guten wie in schlechten Zeiten, gibt es den opportunistischen Leser, jenen, der aus bloßer Pose applaudiert, jenen, der es weder wagt zu applaudieren noch zu kritisieren, und jenen, der kritisiert und nicht applaudieren will. Für den katholischen Journalisten sind sie alle Mitglieder jener geistigen Familie, die die Zeitung darstellt. Sie alle sind Seelen, die Gott, unser Herr, uns anvertraut hat, damit wir sie informieren, aufklären und ihnen nahe sein mögen. Ob gute oder schlechte Brüder – in jedem Fall sind es Brüder. Ihre Schläge mögen tiefer verletzen; doch je mehr sie uns zum Bluten bringen, desto enthusiastischer bringen wir unsere Leiden für sie dar. In dieser Stunde der Ergriffenheit und der Erwartung, die den Anbruch eines neuen Jahres markiert, haben sie alle einen Platz in unseren Gebeten, in unserer Zuneigung, in unserer Dankbarkeit oder in unserer Vergebung. Und so wird der „Legionário“ – allen gegenüber wie gegenüber Brüdern – Bilanz über das vergangene Jahr ziehen, sowohl in geistiger als auch in moralischer Hinsicht.

Das Ergebnis dieser Bilanz konnte, wie bereits erwähnt, nur eines sein: ein Akt tief empfundener Dankbarkeit gegenüber der Vorsehung und ein Seufzer der Erleichterung.

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Wenden wir uns zunächst den großen Interessen der Heiligen Kirche zu. Der Katholik muss einen universellen Blick haben. Vor allem liegt ihm am Herzen, was die Ehre Gottes berühren kann. Die großen Probleme, aus denen sich die Struktur der Zukunft ergibt und von denen die gewaltige Frage abhängt – wird die Welt von morgen eine echte Christenheit, ein Reich Christi sein? Oder wird es das Reich des Teufels sein? –, diese großen Probleme entscheiden sich im Chaos der Schlachtfelder und im Geheimnis der Kanzleien. Da uns vor allem anderen das Heil der Seelen am Herzen liegt, galt ihnen im Jahr 1943 unser vorrangiges Augenmerk.

Es fehlte nicht an Ratgebern, die uns sagten, wir sollten uns ausschließlich oder fast ausschließlich mit „unseren“, also „brasilianischen“, religiösen Fragen befassen, anstatt ausländische Themen zu behandeln. Uns interessiert nicht in erster Linie das, was „uns“ betrifft: Wir gehören nicht zur Stadt des Teufels, die – nach den Worten des heiligen Augustinus – auf der Selbstliebe erbaut ist. Wir befassen uns vor allem mit den Fragen, die „Jesu Sache“ sind. Diese sind es, die vor allem anderen „unsere“ Angelegenheiten sind. Denn alle Katholiken gehören zu Jesus. So beschäftigte die internationale Politik den „Legionário“ auch im Jahr 1943 weiterhin intensiv.

Getreu unserer Linie traten wir auch im vergangenen Jahr für die Sache der Demokratien ein. Nicht, dass wir im demokratischen System ein Gut an sich gesehen hätten, wohl aber ein weitaus geringeres Übel als den nationalsozialistisch-faschistischen Totalitarismus, der sich auf tausenderlei Weise über die Welt ausbreiten wollte. Schon lange vor diesem Krieg hatten wir diese Haltung eingenommen, die im Wesentlichen von den Interessen der Heiligen Kirche geleitet war. Zu diesen Gründen kamen weitere hinzu. Im Jahr 1943 stand Brasilien bereits auf der Seite der Alliierten. Wieder einmal verschmolzen die Interessen von Kirche und Vaterland im Verlauf unserer Geschichte. Es erübrigt sich zu erwähnen, welche Genugtuung diese Tatsache für uns bedeutete.

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Auf dem Gebiet der internationalen Politik brachte das Jahr 1943 tiefgreifende Veränderungen mit sich. Zunächst verschob sich das Kräfteverhältnis – nunmehr unbestreitbar – zugunsten der Alliierten. Hitler, vom italienischen Volk im Stich gelassen, das das faschistische Joch abgeschüttelt hatte, kämpft nun allein. Niemand weiß, wie lange sein wahnsinniger Widerstand noch andauern wird. Ob kurz oder lang – er wird vergeblich sein und den letzten Akt des Wahnsinns in seiner irren und blutigen weltpolitischen Laufbahn darstellen. Der Lauf der Ereignisse warf ein gnadenloses Licht auf das faschistische Regime, seine Protagonisten und seine Taten. Das Ergebnis war eine bittere Enttäuschung, und die letzten Zuckungen des Widerstands um Mussolini beweisen überdeutlich, dass der „Duce“ stets nichts weiter als ein gefügiger und effekthascherischer Satellit des „Führers“ gewesen war.

Gleichzeitig sanken in den übrigen besetzten Ländern Europas die „Quislings“ aller Couleur tiefer als je zuvor. Ihre Verbindungen zu Berlin waren offenkundig geworden. Mussert, Degrelle, Seys-Inquart und Hacha nehmen in der öffentlichen Verachtung denselben Platz ein wie Goebbels, Göring, von Papen, Himmler und die übrigen Satelliten Hitlers. Sie harren voller Angst der menschlichen Gerichtsbarkeit – sofern sie nicht zuvor von der göttlichen Gerechtigkeit ereilt werden.

Pétain hält sich noch. Doch De Gaulles Einfluss wächst von Augenblick zu Augenblick, und seine inzwischen siegreiche Bewegung zeigt deutlich, dass die französische Öffentlichkeit keine Rechtfertigungen zugunsten des alten Marschalls akzeptieren wird.

Das im Ausland. In Brasilien scheint die öffentliche Meinung in jenen Kreisen, die dem Totalitarismus einst wohlgesinnt waren, einen radikalen Wandel durchlaufen zu haben. Plötzlich waren alle schon immer dagegen, hatten es schon immer gewollt oder nie daran gezweifelt. Hört man ihnen zu, könnte man meinen, sie hätten diverse Komplotte zur Ermordung Hitlers geschmiedet und nur deshalb keine Bombe auf Mussolini geworfen, weil dieser nie nach Brasilien kam.

Das Ende der totalitären Herrschaft und die völlige Entlarvung der totalitären Strömungen Europas – all dies bestätigt die Prognosen, die Ausrichtung und die politische Linie des „Legionário“. Ein unbestreitbarer Triumph: Die einen schweigen dazu, die anderen applaudieren, doch niemand würde es wagen, ihn zu leugnen.

Wo sind nun jene „Ratgeber“, die sich auf evangelische „Klugheit“ und „Nächstenliebe“ beriefen und uns auf tausend Arten, Kanälen und mit tausend Kniffen kritisierten und bekämpften – ja, uns sogar vorwarfen, es an „Nächstenliebe gegenüber Hitler“ fehlen zu lassen? Hören wir sie uns jetzt an: Viele von ihnen erlauben sich gegenüber der sterbenden Hydra eine Wortwahl, wie sie der „Legionário“ niemals gebraucht hat. Oh Phädrus, wärst du doch hier, um uns von den Heldentaten des Esels gegenüber dem sterbenden Raubtier zu erzählen!

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Nach langem Kampf nun ein Moment des Aufatmens an dieser Front. Doch der „Legionário“ ist zum Kämpfen geboren. Und so hat er die Waffen bereits wieder zur Hand genommen und denkt schon an die Probleme von morgen.

Diese stellen sich als gewaltig dar. Da ist vor allem der sowjetische Einfluss, der sich im stetig wachsenden Gewicht der UdSSR in der internationalen Politik manifestiert. Dann die Machenschaften, die die „untergegangene“ Internationale überall auf der Welt vorantreibt. Schließlich die Tendenz zum Staatssozialismus, die in den Reden, Plänen und Programmen zahlreicher britischer und amerikanischer Politiker überaus deutlich zutage tritt. Jene, die sich mit dem Nationalsozialismus einlassen wollten – jene Partei der Pseudo-Barmherzigen und Pseudo-Besonnenen, die uns verabscheuten, weil wir die falschen Rechten bekämpften –, beginnen nun, uns erneut missbilligende Blicke zuzuwerfen. Sie verabscheuten den Kommunismus, fürchteten den Sozialismus und schmähten die Demokratien. Gegen diese Gegner ließen sie keinerlei Barmherzigkeit walten. Heute haben sich die Dinge gewandelt. Da sind sie nun, erfüllt von „Nächstenliebe“, „Besonnenheit“ und allerlei Salben oder verkrusteten Haltungen dieser Art; sie versuchen, mit dem Moloch der Stunde eine „gemeinsame Basis“ zwischen Wahrheit und Irrtum zu finden – jenes Dämmerlicht, das für ihre kurzsichtigen Augen und ihr träges Temperament unerlässlich ist. Deshalb verabscheuen sie den „Legionário“. Gegen ihn kennen sie weder Besonnenheit noch Barmherzigkeit noch Mäßigung.

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Was die Innenpolitik betrifft, so bestand die Pflicht aller wahren Patrioten im Jahr 1943 – und sie wird dies bis zum Ende bleiben – darin, auf jede erdenkliche Weise die Bereitstellung jener Ressourcen zu unterstützen, die gegen die Feinde von Kirche und Vaterland mobilisiert werden müssen.

Der „Legionário“ hat wirksam zu diesem Ziel beigetragen, indem er die katholische Öffentlichkeit auf gefährliche Keime der Zwietracht hinwies, die man gerade in dieser kritischen Phase unter den Brasilianern zu säen versuchte.

Zunächst unternahm die Kampagne für die Einführung der Scheidung einen neuen Vorstoß. Durch die Antwort des Justizministers, der die Lösung des Problems auf die Zeit nach dem Krieg vertagte, ruhte die Angelegenheit vorerst. Der „Legionário“ legte auf vielfältige Weise dar, welch unerträglicher Angriff auf das katholische Brasilien in dieser Scheidungskampagne liegt und wie völlig unangebracht das Thema ist, da es Brasilianer in einen unheilbaren und dauerhaften Meinungsstreit gegeneinander treiben würde. Zweitens gab es eine nicht minder verabscheuungswürdige Kampagne gegen den ausländischen Klerus. Wir ziehen es vor, uns hierbei zu beschränken und die Augen vor einigen der Persönlichkeiten zu verschließen, die in diese Kampagne hineingezogen wurden – Persönlichkeiten, die weder vor vagen und gerade deshalb unbeweisbaren Verleumdungen noch vor Lügen zurückschreckten, welche auf den Titelseiten einer bestimmten Presse mit der offensichtlichen Absicht abgedruckt wurden, den Klerus zu diskreditieren. Diese Kampagne verletzte die empfindsame Seele des katholischen Brasiliens zutiefst und lenkte die Geister von ihrem wesentlichen Ziel in jener Zeit ab: dem Krieg. „O Legionário“ hielt standhaft dagegen und stemmte sich gegen diese Machenschaften unserer Gegner.

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Das Jahr 1943 war ein Jahr der Trauer für die Erzdiözese, die ihren verstorbenen Erzbischof unter bewegter Wehmut beweinte. Es bedarf keiner Worte, um die ganze Tiefe der öffentlichen Trauer zu beschreiben, die sich getreu in den Artikeln, Reportagen und der umfangreichen Berichterstattung von „O Legionário“ widerspiegelte. Noch heute, wenn die Krypta der Kathedrale geöffnet wird, versammeln sich Gruppen von Gläubigen im Gebet am Grab ihres verstorbenen Hirten. Man gedenkt der Vergangenheit, nicht der Gegenwart. Doch die Trauer von São Paulo um Dom José Gaspar gehört nicht der Vergangenheit an; sie ist Gegenwart und bedarf keines bloßen Gedenkens.

Mit ihm und an seiner Seite – beweint mit denselben Tränen und vereint in der Sehnsucht des Volkes, so wie sie es im Leben und im Tode waren – gedenken wir Monsignore Alberto Pequeno und Pater Nelson Norberto de Souza Vieira. Der eine war der Lehrer, der andere der Schüler von Dom José. Möge Gott sie in seiner Herrlichkeit aufnehmen.

Auch das katholische São Paulo nahm bewegt Kenntnis von einem weiteren Todesfall: dem des hochwürdigen Paters Irineu Cursino de Moura. Und wenige Tage später folgte die Nachricht vom Tod des hochwürdigen Paters Eustachio van Lieshout. Es waren zwei Persönlichkeiten, die die katholische Seele São Paulos tief bewegten. Sie starben kurz vor beziehungsweise kurz nach Dom José. Sie leben im Gedenken des Volkes fort. Auch der Tod des hochwürdigen Paters Lindolfo Esteves im Jahr 1943 wurde schmerzlich empfunden. Und dieser kurze Rückblick auf die Verstorbenen wäre unvollständig, ohne die tiefe Trauer zu erwähnen, die der Tod von Manuel Lubambo im ganzen Land auslöste.

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Neben all dieser Trauer gab es auch einen Grund zur Freude: die Neubesetzung des durch den großen Kardinal Dom Sebastião Leme vakant gewordenen Amtes. Der Ruf von Tugendhaftigkeit, Tatkraft und Führungsstärke, der Seiner Exzellenz Dom Jaime de Barros Câmara vorauseilte, erfüllte all jene mit Genugtuung, die von seiner Ernennung erfuhren. Sein Wirken in Rio de Janeiro – umsichtig, entschlossen, gelassen und von einem glühenden Geist des Glaubens beseelt – stieß allenthalben auf respektvolle Anerkennung. Sein wunderbares Hirtenschreiben, das der „Legionário“ in einer Sonderausgabe veröffentlichte, hinterließ bei den Gläubigen einen tiefen Eindruck.

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Der „Legionário“ führte in diesem Jahr einen weiteren großen Kampf, der ebenfalls von überaus erfreulichen Erfolgen gekrönt war: die Veröffentlichung des Buches „Em Defesa da Ação Católica“ (Zur Verteidigung der Katholischen Aktion). Wie zu erwarten, löste dieses Werk bei jenen, deren waghalsige Lehren es widerlegte, großen Unmut aus. Seine Veröffentlichung war ein Gebot der Stunde. Es war absolut notwendig, vielen Unbedarften die Augen für jene kluge, schrittweise und raffinierte Kampagne zu öffnen, die von Norden bis Süden des Landes zur Verbreitung irrtümlicher Lehren betrieben wurde. Es war notwendig, dass ein Alarmruf erscholl und dass alle, die das Übel erkannten, ihre Kräfte vereinten, um es ein für alle Mal zu beseitigen. Als Alarmruf und Sammelappell zugleich erhielt das Buch „Em defesa da Ação Católica“ (Zur Verteidigung der Katholischen Aktion) – versehen mit einem Vorwort des Apostolischen Nuntius – wärmste Anerkennung, sowohl von zahlreichen führenden Vertretern des nationalen Episkopats als auch von Klerus und Laienschaft. Wir haben den Großteil der diesbezüglichen Zustimmungsschreiben veröffentlicht. Sie alle zeugen von tiefer Sorge angesichts der zunehmenden Übel sowie von offener und uneingeschränkter Zustimmung zu der Lehre, die wir glücklicherweise vertreten durften.

In jüngster Zeit veröffentlichten wir – unter voller Unterstützung durch dieses Blatt – die brillanten Artikel von Pater Arlindo Vieira über das Werk von Jacques Maritain mit dem Titel „Les Droits de l'Homme“ (Die Menschenrechte). Wieder eine Kampagne, gefolgt von den – ohnehin unvermeidlichen – Missverständnissen, aber auch von großem Nutzen für die Seelen.

Unter den vielfältigen Anzeichen der Verwirrung, in der wir leben, sei ein Kommentar zu unseren Veröffentlichungen über Maritains Werk erwähnt: „Das Thema falle in den ausschließlichen Zuständigkeitsbereich von Priestern, weshalb Laien dazu schweigen sollten.“ Maritain ist ein Laie. Laien sind auch fast all jene, die hierzulande eine von seinen Ideen inspirierte Strömung tragen. Warum also dürfen sich Laien nicht frei zu diesem Thema äußern? Existiert die Freiheit der Laien nur, um Maritain zu beklatschen? Oder nicht einmal dazu? Was ist Maritain in diesem Fall: ein Laienschriftsteller, der darauf spezialisiert ist, für Priester zu schreiben? Und inmitten all dieses Kampfes – wie ein kristallklarer Lichtstrahl, der vom Himmel auf die Verwirrung der Gegenwart herabfällt – erschien die großartige Enzyklika *Mystici Corporis Christi*. Sie bestätigte vollauf die Existenz schwerwiegender Irrtümer in liturgischen Fragen, auf die „Legionário“ bereits hingewiesen hatte, und klärte die Gläubigen endgültig über die komplexe und bewundernswerte Lehre vom Mystischen Leib auf – eine Lehre, mit der so viel Missbrauch getrieben worden war.

Dies war vielleicht die größte Gnade des Jahres 1943.

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Und nun der unerlässliche Akt der Reue. Die heilige Liturgie lehrt uns, dass Gott, indem Er unsere Verdienste krönt, seine eigenen Gaben krönt. Das Gute, das wir tun, kommt von Gott; das Böse von uns selbst.

Logik, Konsequenz und die Liebe zu einer klaren Haltung veranlassen uns dazu, hier und öffentlich erneut die volle Verantwortung für alles zu übernehmen, was wir veröffentlicht oder geschrieben haben. Wir haben darin keinen Irrtum gefunden. Hätte es besser sein können? Sicherlich. Der Mensch bleibt stets hinter den Gnaden Gottes zurück.

Mit dem Blick auf die freigebigen und jungfräulichen Hände Mariens, der Mittlerin aller Gnaden, sind wir über die Schwelle zum Jahr 1944 getreten. Was die göttliche Vorsehung für uns bereithält? Wir wissen es nicht. Doch möge es ein Jahr des noch eifrigeren Dienstes, der noch vollkommeneren und kraftvolleren Rechtgläubigkeit und der noch größeren Selbstverleugnung sein. Mit einem Wort: Möge alles zur größeren Ehre Gottes geschehen.

 

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