Freitag, 22. Februar 2019

Die Kathedra Petri




Kathedra des heiligen Petrus: ein Fest, an dem der Papst als Lehrer gefeiert wird; an dem das Papsttum gefeiert wird, im Besitz eines unfehlbaren Stuhls, mit dem es die Welt anspricht und wahrhaftig unfehlbar ist. Es ist also die Feier der Unfehlbarkeit des Papstes, durch die das Papsttum (in Glaubens- und Sittenfragen) niemals irrt.
Sie wissen, dass Papst Pius IX., der ein großer Papst war,— von dem wir eine indirekte Reliquie haben, die ein Teilchen seines Sarges ist, und dessen Heiligsprechungsprozess eingeführt wurde —, Papst Pius IX. war in der ersten Zeit seines Pontifikats eher sehr liberal. Nicht, dass er in seinen Dokumenten einen doktrinären Fehler des Liberalismus begangen hätte, aber er nahm eine Reihe von meist extrem liberalen Maßnahmen.
So wollten, im geteilten, pittoresken, vorteilhaften und effizienten Italien jener Zeit der kleinen Königreiche, Fürstentümer und freier Städte, diejenigen, die nach einer Vereinigung Italiens strebten, einen revolutionären Schlachtruf für die Straßen haben, um die Anarchisten und die Anhänger der Sekte des Mazzini zum gemeinsamen Kampf anzulocken. Zum Anlass der Wahl Pius IX. verbreiteten sie überall den Ruf, „Viva Pio IX“ (Es lebe Pius IX.). Mit diesem Ruf rekrutierten sie auf den Straßen die Lazzaroni, die Schamlosen, die Revolutionäre, Mitglieder der Mafia, der Camorra und alles andere aus dem Untergrund der Gesellschaft, für den Kampf gegen jene kleinen Throne, deren Verschwinden wir heute noch bedauern.
In dieser schwierigen Situation, in der ein Papst schließlich ein Symbol der Revolution war, lebte ein großer Heiliger, Don Bosco. Der Ruf, „Viva Pio IX“, der Revolutionäre drang auch in die Schulen des hl. Don Bosco ein. So erschall dieser Ruf der Revolte hier und da mitten im Schulhof.
Dagegen fiel Don Bosco eine Lösung ein: Er Verbot den Schülern, „Viva Pio IX“ zu rufen. Er — ein Heiliger ... — befahl ihnen, sie sollten „Viva il Papa“ (Es lebe der Papst) rufen. Es war ein souverän intelligenter Ausweg. Weil „es lebe der Papst“, sollten wir immer rufen. Nur den Umständen entsprechend sollte der Name des Papstes genannt werden. Diese Begebenheit ist im Heiligsprechungsprozess des Don Bosco registriert, und hinderte nicht ihn im Verzeichnis der Heiligen aufzunehmen, und dass seine Arbeit von der Vorsehung in jeder Hinsicht gesegnet wurde.
Der Grund dieser Haltung ist eine sehr wichtige Unterscheidung: die Unterscheidung zwischen Papst und Papsttum; zwischen der Person des Papstes, die der menschlichen Barmherzigkeit unterworfen ist, aber auch Fehlern in allen Maßen unterliegt, die nicht durch die Unfehlbarkeit garantiert sind, und andererseits der Institution, die sich von der Person völlig unterscheidet. Und wenn es stimmt, dass man ab und zu ruft: Es lebe dieser oder jener, und man manchmal still bleibt, manchmal weint, aber immer betet, gibt es einen Ruf, den wir immer laut rufen sollten, und der ist: „Es lebe der Papst!“, „es lebe das Papsttum!“
Aus diesem Grund ist das Fest, das wir heute feiern, das Fest des Stuhls des hl. Petrus, der Kathedra Petri, ein äußerst zeitgemäßes Fest, denn es feiert den Papst als Lehrer, es feiert das Papsttum als Inhaber eines unfehlbaren Lehrstuhls, der sich an die Welt wendet und tatsächlich unfehlbar ist. Und deshalb ist die Unfehlbarkeit des Papstes, die Orthodoxie, sozusagen das, wodurch das Papsttum nie Irren kann. Und das ist der Gegenstand der heutigen Zeremonie.

Wir wissen, dass von dem Peterstuhl fast alles erhalten geblieben ist, und dieser Stuhl wird in der Peterskirche in Rom aufbewahrt. In der Apsis, wo die Gloria Berninis ist, befindet sich ein Bronzestuhl. Dieser Stuhl ist hohl und von Zeit zu Zeit wird er geöffnet, und ein kleiner Holzschemel gezeigt, von dem ich das Foto gesehen habe, und der als der Thron des hl. Petrus angesehen wird.
Das Fest der Kathedra Petri bezieht sich auf diesen „Thron“, es hat aber viel mehr im Sinn als diesen Thron angesichts der Tatsache, dass Rom der Sitz des hl. Petrus ist, und der Tatsache, dass unser Herr Jesus Christus dem Petrus einst den Charakter der Unfehlbarkeit zugeteilt hat, und der Tatsache, dass dieser unfehlbare Lehrstuhl die Heilige Apostolische und Römisch-Katholische Kirche regiert. Dies ist, was heute gefeiert wird.
Im Petersdoms gibt es im Mittelschiff eine Monument aus dunklem Material (Bronze), das den hl. Petrus als Papst darstellt mit den Schlüsseln in der Hand, auf einem Thron sitzend. Seine Füße sind genau in der Höhe des Mundes des Betrachters, so dass sie leicht mit einem Kuss verehrt werden können. Und alle Pilger, die nach Rom kommen, gehen hier vorbei und küssen den Fuß des hl. Petrus. Das Ergebnis ist, dass mit dem tausend und tausend Mal wiederholten Kuss sogar der Fuß des heiligen Petrus abgenutzt ist. Ich denke, es ist das einzige Beispiel in der Geschichte, in dem Küsse Bronze abnutzen.
Der etwas vorgerückte Fuß, der geküsst wird, ist abgenutzt und geglättet. Und was noch schöner ist, ist, dass am Fest des hl. Petrus diese Figur mit den päpstlichen Ornamenten bekleidet wird. Sie hat also eine Tiara, sie ist gekleidet, als wäre sie ein lebender Papst, um auf die großartige und offensichtliche Solidarität und Kontinuität hinzuweisen, die vom hl. Petrus bis zum Papst unserer Tage geht.
Was sollen wir heute machen? Im Geiste den Fuß dieses Bildes küssen. Das heißt, im Geiste das Papsttum, im Geiste dieses Prinzip der Weisheit oder der Unfehlbarkeit der Autorität küssen, das die katholische Kirche regiert. Und durch die Muttergottes, Unserem Herrn Jesus Christus für die Einsetzung dieser Unfehlbarkeit dieses Stuhls zu danken, der in der Tat die (tragende) Säule der Welt ist. Denn wenn es keine Unfehlbarkeit gäbe, wäre die Welt völlig verloren, die Kirche wäre zerbrochen und mit ihr wäre die Welt verloren, wie auch der Weg zum Himmel. Denn die Menschen würden den Weg in den Himmel nicht finden, wenn es keine unfehlbar regierende Autorität gäbe.
Doch eine Sache, an die wir uns erinnern müssen, ist folgende: Die Treue zum Stuhl ist unter allen Umständen nicht zu verwechseln mit der bedingungslosen Akzeptanz dessen, was die Person tut. Unser Herr Jesus Christus unterscheidet zwischen dem Stuhl und der Person. Obwohl der Papst der Meister selbst ist und die Macht des Stuhls in ihm wohnt, ist nicht alles in ihm Stuhl, und wir können uns die Kirche nicht vorstellen, wie sie von unserem Herrn Jesus Christus nicht gemacht wurde. Die Kirche wurde von unserem Herrn Jesus Christus auf diese Weise geschaffen.
Deshalb muss unsere höchste Treue zur Kathedra Petri wie folgt sein: Wenn ein Lehrmeister wie Pius IX. etwas tut, was die Kathedra nicht gelehrt hat, mit wem sollen wir bleiben? Mit dem Stuhl oder mit dem Lehrmeister? Mit dem Stuhl, bis zum Tod, mit der Gewissheit, dass der Stuhl nie den Meister verlässt; der Meister aber kann manchmal den Stuhl verlassen. Und deshalb kann man keine abstrakte Treue zum Papsttum haben, die keine konkrete Treue zum gegenwärtigen Papst ist, in jedem Maß, in dem er unfehlbar ist und die Macht hat, die katholische Kirche zu leiten und zu regieren.

Plinio Correa de Oliveira, Vortrag „Heiliger des Tages“ am 22. Februar 1964.

Freie Übersetzung aus dem Portugiesischen. Der Originaltext ist die Abschrift einer Aufzeichnung, wurde vom Urheber nicht revidiert.

Bild: https://www.flickr.com/photos/paullew/5467740334/

Donnerstag, 21. Februar 2019

Der väterliche Charakter der traditionellen Monarchie



Der Empfang für Franz I. in Wien nach dem Abzug der napoleonischen Truppen
  
   Der väterliche Charakter der mittelalterlichen Monarchie wurde weitgehend von den Herrschern des Hauses Habsburg bis zu ihrem Thronverlust im Jahre 1918 bewahrt.
   Der Herzlichkeit dieses Charakters verleiht die Rede deutlichen Ausdruck, die der Bürgermeister von Wien gehalten hat, als er kurz nach der Niederlage bei Wagram (1809) Kaiser Franz I. empfing.
   Für einen modernen Leser, der vom Geiste des Klassenkampfes durchdrungen ist, könnte diese Rede eher einem Märchenbuch entstammen, als einem geschichtlichen Ereignis.
  

Einzug des Kaisers Franz II./I. in Wien am 16. Juni 1814 nach dem Pariser Frieden



 
 »Die Anhänglichkeit [der Wiener] zeigte sich am feurigsten beim Empfang des Kaisers Franz I. nach dem verheerenden Krieg, beim Abzug der Franzosen aus Wien 20. November 1809, nach einem drückenden Aufenthalt im Lande von sechs Monaten und sieben Tagen. ...Der Wortlaut dieser Rede wird von einem unbestreitbar korrekten Berichterstatter, dem Historiker Prof. Dr. Johann Baptist von Weiß (1820-1899) wiedergegeben:

   Am 16. November zogen österreichische Truppen wieder in Wien ein, am 27. November kam der Kaiser um vier Uhr nachmittags. Schon am frühen Morgen zogen Tausende und Tausende hinaus gegen Simmering, den geliebten Kaiser zu empfangen. Ganz Wien war auf den Beinen, Kopf an Kopf harrten sie wie Kinder auf den Anblick des teuren Vaters. Endlich um vier Uhr erschien er ohne jede Leibwache, in offener Kalesche in der Uniform seines Husarenregimentes, den Obersthofmeister Grafen Wrbna an seiner Seite. Der Boden, die Luft schienen zu zittern vom Jubelruf. „Willkommen unser Vater!“ Das Schwenken der Tücher wollte kein Ende nehmen.
   Der Bürgermeister redete ihn an: „Geliebter Fürst! Wenn ein Volk im Kampf mit dem Unglück, leidend in mannigfacher Art, nur der Leiden seines Fürsten gedenkt, dann ruht die Liebe auf tiefem Grunde des Gefühls, nie vergänglich und fest. - Wir sind dieses Volk! Als unsere Söhne dahinsanken im blutigen Streite, als zerstörende Gewalt glühender Kugeln unsere Häuser stürzte, als die Grundfesten Wiens erbebten vom Donner der Schlachten, dachten wir Dein, Fürst und Vater, da dachten wir Dein in stiller Liebe. Denn Du hast diesen Krieg nicht gewollt. Nur das Verhängnis der Zeiten drang Dir ihn auf. Du hast das Beste gewollt. Der Urherber unserer Leiden warst Du nicht. Wir wissen es, daß Du uns liebst; wir wissen es, daß unser Glück Dein heiliges, festes Wollen ist. Wir haben ihn oft empfunden, den Segen Deiner väterlichen Milde. Bezeichnet hast Du Deine Wiederkehr mit neuer Wohltat. Sei darum, väterlicher Fürst, in unserer Mitte mit unveränderter Liebe gegrüßt! Wohl hat der unglückliche Erfolg des Krieges Dir einen Teil der Untertanen geraubt. Doch vergiß den Schmerz Deines Verlustes im engeren Verein Deiner Treuen. Nicht die Zahl, nur der feste, andauernde Wille, die alles bindende Liebe sind der Throne heilige Stützen. Und von diesem Geiste sind wir alle beseelt. - Wir wollen Dir ersetzen, was Du verloren! Wir wollen bleiben unseres Vaterlandes wert; denn kein Österreicher verläßt seinen Fürsten, wenn es gilt. - Mögen die Mauern, die Deine Burg umgeben, in Trümmer zerfallen, die festeste Burg sind die Herzen Deines Volkes.“
   Einen wärmeren Empfang hat wohl kein Monarch erhalten. Franz konnte nur im Schritt fahren. Das Volk küsste ihm die Hände, die Kleider, die Pferde. Bei der Burg angelangt, trug es ihn die breite Treppe empor. Am Abend war die Stadt und die Vorstädte glänzend beleuchtet.« (1)

(1) „Weltgeschichte“ von Prof. Dr. Joh. Bapt. v. Weiß. Buchdruckerei und Verlags-Buchhandlung ,Styria'. Graz, 1906, Bd. 22, S. 90-91.

Quelle: Plinio Corrêa de Oliveira: Der Adel und die traditionellen vergleichbaren Eliten in den Ansprachen von Papst Pius XII. an das Patriziat und den Adel von Rom“, TFP Österreich, 2008, S. 323

Bild: Johann Peter Krafft: Einzug des Kaisers Franz II./I. in Wien am 16. Juni 1814 nach dem Pariser Frieden, 1828–1832

Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H.

Mittwoch, 20. Februar 2019

Der Hass der Revolutionäre auf die Königstreuen in der Französischen Revolution




Heute, 2. September ist das Fest des hl. Stephan, König und Bekenner, König von Ungarn und großer Verehrer der Muttergottes. Er förderte die Bekehrung seines Volkes und gab ihm eine christliche Struktur. Sein Andenken wird an diesem Tag gefeiert, an dem das christliche Heer die Festung Buda zurückeroberte.
Sie wissen das Budapest aus zwei Städten besteht, auf der einen und anderen Seite der Donau. Buda ist eine davon.
Heute wird auch der seligen Märtyrer der Französischen Revolution gedacht. Es sind 191 Priester die heute den Märtyrertod im Jahre 1792 erlitten, weil sie sich weigerten auf die sogenannte Zivile Verfassung des Klerus den Eid abzulegen.
Diese Verfassung verordnete etliches, was von den heutigen Progressisten gefordert wird, wie z.B. die republikanische Ausrichtung der Kirche entgegen ihrer hierarchischen Struktur.
Diese 191 Priester zogen es vor, keine Kompromisse mit den Irrtümern der Französischen Revolution in dieser Angelegenheit einzugehen, und lieber zu sterben. Die katholische Kirche hat sie heiliggesprochen: 191 Märtyrer gemeinsam. Heute, um ihren Job, ihre Position nicht zu verlieren oder ihre Positionen nicht aufzugeben, akzeptieren viele Menschen das, wofür andere vorgezogen haben zu sterben, um nicht nachzugeben.
* * *
Wir lesen und kommentieren einen Text aus der uns schon bekannten „Weltgeschichte“ von Dr. Johannes Baptist Weiß. Er zeigt uns den maßlos revolutionären Hass gegen diejenigen, die sich dem revolutionären Geist der Französischen Revolution nicht beugen wollten.
Er beschreibt die Ermordung von Baron Marc-Antoine Thierry der Stadt Avray. Er war Erster Kammerdiener des Königs, später Intendant du Garde Meubles. Er war auch der erste Bürgermeister von Versailles.
Nach der Ermordung von 42 Schweizern (Leibgarde des Königs) »machte sich Maillard (der Präsident des Volksgerichts) an das Gericht. Er hatte die Gefängnisliste vor sich, in welcher mit Kreuzen jene bezeichnet waren, die fallen mussten; die anderen konnte er erwürgen lassen oder freisprechen. ... Zuerst kam die Reihe an vier Fälscher von Assignaten. Nach kurzer Verhandlung hieß es: „Bringt die Gefangenen nach (Gefängnis) La Force“. Und sie wurden erschlagen. Ein wenig wurde hierauf gerastet, denn die Mörder waren müde.«
»Unter den Gefangenen, an die es jetzt kam, war der Minister Armand Marc Montmorin de Saint Hérin. Er war nach dem 10. August in die Abtei gebracht,...«
Abtei, war ein grausames Gefängnis.
»... und erschien jetzt Stolz vor dem Gericht, dass in ihm den Vertrauten und Freund Ludwigs XVI. hasste.
Er bestritt die Kompetenz (des Gerichts ihn zu richten) und forderte vor einen gesetzlichen Richter gestellt zu werden. „Präsident, da es Ihnen gefällt sich so zu nennen! Ich hoffe Sie werden mich bald in einem Wagen fortbringen, um mich den Beschimpfungen dieser Mörder zu entziehen.“«
Es waren da einige Demagogen um ihn herum, die ihn beschimpften. Maillard erwiderte:
»„Da der Herr Euch nicht anerkennt, so bin ich dafür, dass man ihn nach La Force bringt.“ — „Gut, so beschaffen Sie mir einen Wagen!“ — „Sie sollen gleich einen haben.“ — Montmorin verlangt nach seiner Uhr, sein Taschentuch und seiner übrigen Sachen. Man antwortet, man werde sie ihm nach La Force schicken; einer kommt herbei und meldet, der Wagen sei da. Montmorin eilt gegen die Türe des Hofes, sie öffnet sich und er fällt unter den Piken und Äxten. Maillard schreibt in das Register „mort“ (tot). In seiner Tasche hatte Montmorin die Quittung Dantons über 100.000 Francs, die dieser für den Schutz Ludwigs aus seiner Hand vom König erhalten hatte, und war wohl darum ermordet. Man flehte Danton vergebens um seine Freilassung an. Der Zeuge seiner Schmach sollte verschwinden, die Toten sind stumm.«
Die Sache, in einem Wort, ist folgende: Dieser Montmorin war ein Vertrauter Ludwigs XVI. und von diesem hatte er den Auftrag bekommen, Danton aufzusuchen — einer der schlimmsten Feinde der Monarchie, ein wahrer Kommunist —, um zu fragen, ob er für hundert Tausend Francs bereit wäre den Thron, die Sache der Monarchie, zu schützen. Danton sagte zu und Montmorin übertrug ihm das Geld und erhielt eine von Danton unterschriebene Quittung. Danton ließ ihn festnehmen, um ihn zu töten. Die in einer Tasche seiner Jacke gefundene Quittung sollte verbrannt werden um so den Beweis des Verbrechens zu vernichten. Montmorin ist also nicht ermordet worden weil er ein Vertrauter des Königs war und adelig sondern auch weil er ein unangenehmer Zeuge war gegen Danton.
Sie sehen hier die enorme Ehrlosigkeit Dantons, denn er hatte Geld bekommen, um eine revolutionäre Sache zu verraten, die er angab zu unterstützen. Nachdem er das Geld erhalten hatte, befahl er die Ermordung dessen, der ihm das Geld überbracht hatte, ein Verbrechen der Veruntreuung öffentlichen Geldes. Letztlich wollte er das Opfer seiner eigenen Schande verschwinden lassen. Es ist ganz die geistige Abscheulichkeit der Mentalität, die diese Männer der Französischen Revolution antrieb.
»Nach Montmorin kam Thierry de Ville d’Avraiy, der Kammerdiener Ludwigs XVI., an die Reihe. „Wie der Herr, so der Diener, man bringe den Herrn nach La Force“ („Tel maître, tel valet; — à la Force“). Das Tor öffnet sich, Thierry stürzt über die Leiche Montmorins unter dem Rufe: „Es lebe der König!“ Überschüttet mit Hieben, eine Pike im Leib, ruft Thierry noch immer: „Es lebe der König!“ bis ihm ein Mörder mit einer brennenden Fackel den Mund schließt.«
Es sind schreckliche Dinge, die hier beschrieben sind. Einer könnte sagen: „Na gut! Aber was haben wir damit zu tun?“ Ich sage, wir haben sehr viel damit zu tun.
Sie sehen den Hass, den der Revolutionär auf den Gegenrevolutionär hat, weil diese Männer letztendlich getötet wurden, weil sie keine Revolutionäre waren. Weil sie sich mit dem König identifizierten und der König, obwohl er ein schwacher König war, war er das lebendige Symbol einer Ordnung der Dinge, die im Vergleich zur Revolution eine gegenrevolutionäre Ordnung war. Diese Männer wurden aus Hass auf den gegenrevolutionären Geist, auf die gegenrevolutionäre Doktrin mit barbarischer Vollendung ermordet.
Stellen sie sich die Situation vor: Ein Mann, dessen Körper von einem Speer durchbohrt ist, der mit Schlägen bedeckt ist, der einen erhabenen Beweis seiner Treue liefert indem er schreit „Es lebe der König“ ... Da nähert sich ihm einer dieser Teufel mit einer brennenden Fackel und drückt ihm diese Fackel in den Mund und tötet ihn damit. Denken sie an diese höchste Qual, mit der man diesen Mann umbringt.
Sie sehen, welchen Hass der Revolutionär auf den Gegenrevolutionär hat. Dies ist der Hass, dem wir ausgesetzt sind. Es gibt eine Menge Leute, die sich freuen würden, wenn sie uns einfach so töten könnten. Natürlich würden sie mich gerne töten, aber sie würden auch sehr gerne jeden einen von euch töten. Und das nur, weil wir gegenrevolutionär sind. Die Geschichte ist voll solcher Beispiele. Jeden Abend könnten wir ein Beispiel hier vortragen.
Jemand hat von solchen Fällen zwei oder dreihundert Auszüge vorbereitet, neben dem respektablen Vorrat aus anderen Quellen, die wir von solchen Fällen haben, nur von brutalen Manifestationen des Hasses der Revolutionäre gegen die Gegenrevolutionäre.
Das bedeutet nicht, dass wir die ewige Verdammnis der Revolutionäre wollen. Wir dürfen die ewige Verdammnis von niemandem wollen. Wir müssen für die ewige Erlösung aller Menschen beten. Und solange es der katholischen Sache sich nicht als schädlich erweist, sollen wir anderen, auch den Revolutionären Gutes tun, aber wir müssen vorsichtig sein. Wir dürfen nicht dumm sein.
Wir müssen wissen, welchen Hass wir erwecken, und wir müssen wissen, wie wir in der Folge handeln müssen, denn jemand, der ein solches Verbrechen nicht bekämpft, ist moralisch ein Weichling. Und Weichlinge sollten wir nicht sein. Das Böse zu bekämpfen ist eine Verpflichtung für jeden wahren Katholiken...

Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, den er am 2. September 1969 hielt. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne Überarbeitung von Seiten des Autors.

Montag, 11. Februar 2019

Gotteslästerung und Blasphemie in der Französischen Revolution


Gottelästerliche und blasfemische Parodie
einer liturgischen Zeremonie
zu Ehren eines ermordeten Revolutionärs
Wir lesen und kommentieren heute einen Text aus der „Weltgeschichte“ von Dr. Johannes Baptist Weiß. Er beschreibt ein Ereignis während der Französischen Revolution, das uns den Hass der Revolution gegen das Christentum zeigt.
»Um in der Bevölkerung die Blutgier zu steigern und den Hass gegen das Christentum zu erwecken, wurde an denselben 10. Oktober (1793), an welchem Chaumette die Tempelschändung in Paris begann, in Lyon ein Fest zu Ehren Chaliers, „des Gottes und Heilandes“, angekündigt, als ein Fest der Vernunft.«
Büste des Joseph Chalier
Chalier hatte die Rolle eines Erlösers der Menschheit übernommen. Er war ein Revolutionär, der unheimliche Gräueltaten in Lyon anrichtete und wurde daraufhin verhaftet und unter die Guillotine geköpft. Die Revolution veranstaltete daher ein Fest zu seinen Ehren, weil er von ihr als Erlöser, als der Messias gehalten wurde. Ein grausamer Henker, der als Gott verehrt wurde. Der Tag, der für seine Ehrung festgelegt wurde, war derjenige, an dem die Revolution die Göttin der Vernunft feierte. An diesem Tag holt man einen Verbrecher und ruft ihn als Gott aus! Das ist die Vernunft des Teufels!
»In der Frühe schon donnerten die Kanonen zu Ehren der neuen Gottheit. Um acht Uhr begann der Raub aller goldenen und silbernen Gefäße, die Zerstörung aller Bilder und Statuen in den Kirchen, die Vernichtung aller Dinge, die eine fromme Stimmung erwecken konnten; die geweihten Hostien wurden auf den Boden geworfen und mit Füßen getreten. Dann begann die große Prozession zu Ehren Chaliers. Voran ging die Militärmusik; vier Jakobiner trugen dann auf einer schönen Sänfte die Büste Chaliers, an der einen Seite eine Urne, in welcher seine Asche war, an der anderen Seite die Taube, mit welcher er im Gefängnis gespielt und seine letzte Freude gehabt haben soll. Eine Bande von Clubisten (Jakobiner) und Dirnen folgte unter stetem Geschrei: „Nieder mit den Aristokraten, es lebe die Republik, es lebe die Guillotine!“«
Wir sehen hier wie die Revolutionären den Zusammenhang der Dinge gut verstehen. Sie veranstalten ein Fest auf dem sie Hostien schänden, Statuen zerstören und schreien „Nieder mit den Aristokraten, es lebe die Republik, es lebe die Guillotine!“ Das alles, um die neue Gottheit anzubeten.
Vielen Katholiken aber, mit denen man über Aristokratie sprechen will, kontern sofort: „Ach, ich weiß nicht, was das mit Religion zu tun hat!“ Die Revolutionären hingegen wissen es. Der Teufel weiß es; der Verbrecher weiß es; doch der Katholik weiß es nicht... Das ist das Elend der Situation.
»Hierauf kamen die Kirchenschänder, welche mit der Raserei von Bacchanten und der Wildheit von Dämonen die geraubten heiligen Gefäße schwangen und aus den Kelchen tranken. In ihrer Mitte war ein Esel, eine Bischofsmütze auf den Kopf, einen Rauchmantel über den Rücken, ein Kruzifix, ein Altes und Neues Testament an dem Schweif; er ward an einer Stola geführt. Hinter dem Esel schritten die drei Convents-Commissäre Fouché, Collot d’Herbois und Laporte einher, andächtig tuend, wie sonst hinter dem Himmel bei der Fronleichnams-Prozession. Militär schloss den Zug, der durch viele Straßen nach dem Platze Terreaux sich bewegte.
Hier war aus Rasen ein neuer Altar errichtet, auf welchem ehrerbietig das Brustbild des neuen Gottes Chalier zur Anbetung ausgestellt wurde. Ein Kreis bildete sich um den Altar, aus welchem von den drei Gewaltboten des Convents einer nach dem anderen hervortrat, das Knie beugte, und ein Gebet im Sinne der neuen Religion des Mordes sprach. „Gott und Heiland“, hob Collot d’Herbois an, „sieh zu deinen Füßen die Nation hingeworfen, welche dich um Verzeihung bittet für das ruchlose Verbrechen, welches dem Leben des tugendhaftesten der Menschen ein Ende machte; du sollst gerächt werden; wir schwören es dir bei der Republik!“
Fouché
Fouché (ein abtrünniger Priester) seufzte zuerst tief auf, dann stieß er die Worte aus: „Märtyrer der Freiheit, die Schurken haben dich geopfert! Das Blut der Verbrecher ist das einzige Weihwasser, welches deine mit Recht gereizten Manen sühnen kann! Chalier! Chalier! Wir schwören vor deinem heiligen Bilde, Rache für deine Hinrichtung zu nehmen... Ja das Blut der Aristokraten soll dir als Weihrauch aufdampfen!“ — Der ungeschickte Laporte küsste ehrerbietig die Stirne des Bildes und brachte nur die Worte heraus: „Tod den Aristokraten!“ — Dann wurde ein Rauchfass angezündet und das Bild des Ungeheuers angeräuchert, wurden Kruzifix und Altes und Neues Testamente in ein Feuer geworfen und aus einem Kelch dem Esel zu trinken gegeben. Geweihte Hostien wurden auf den Boden geschüttet und mit Füßen getreten. Vor weiteren Ruchlosigkeiten, die wahrscheinlich getrieben worden wären, hielt ein unerwartet eintretender Platzregen ab, der die Menge zerstreute.«
Ich glaube, dass es für meine Zuhörer keine große Überraschung ist, zu hören, dass die Französischen Revolution solche Grausamkeiten verübt hat. Sie müssen daran denken, was in unseren Tagen vorgeht. Da sieht man, dass der Geist der Revolution sich nicht geändert hat. Die Französische Revolution kann nicht gesehen werden als eine Explosion des Wahnsinns, der irgendwann zu Ende gegangen ist, und dann gab es hundertfünfzig Jahre Frieden. Ganz im Gegenteil, der Geist der Französischen Revolution wurde immer radikaler und intensiver. Die Gräueltaten wiederholten sich in den folgenden Revolutionen, die sie selbst hervorgerufen hat. Um nur ein Beispiel zu nennen, die kommunistische Revolution in Russland 1917 und so viele andere kommunistische Revolutionen, die es weltweit gab. Einen Ausdruck dieser Grausamkeit konnten wir bei der jüngst geschehenen Entführung des nord-amerikanischen Botschafters in Brasilien erleben. Es ist nicht bekannt, dass er ein Verbrechen begangen hätte; nein, aus Hass wird ein Mensch entführt und unter unmenschlichen Bedingungen in einem Versteck gefangen gehalten dessen Ende ungewiss ist.

Dieser Textauszug ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, den er am 5. September 1969 hielt. Er wurde frei aus dem Portugiesischen übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne Überarbeitung von Seiten des Autors.
Zitate aus Dr. Johann Baptist Weiß: „Weltgeschichte“, Buchdruckerei und Verlags-Buchhandlung Styria, 1895. Band 18 Ss. 71-72

Sonntag, 20. Januar 2019

Heilige Maria, Mutter Gottes




Am ersten Tag eines jeden neuen Jahres, in der Oktav von Weihnachten, feiert die heilige Kirche das Hochfest der Gottesmutter Maria, um die Legitimität dieses erhabenen Titels zu bekräftigen
Im vierten Jahrhundert wagte der Häretiker Nestorius zu sagen, dass Maria nicht die Mutter Gottes (Theotokos) sei, sondern nur Mutter Christi (Christotokos, als menschliche Person).
Aufgrund dieser ketzerischen Behauptung empörten sich Katholiken in der ganzen Welt und verlangten eine Wiedergutmachung. Im Jahre 341 versammelten sich Bischöfe aus verschiedenen Ländern beim Konzil von Ephesus und verurteilten die Irrlehren des gottlosen Nestorius. Feierlich legte das Konzil diesen zentralen Punkt des Geheimnisses der Menschwerdung fest: Die Jungfrau Maria ist die Mutter Gottes, weil ihr Sohn, Christus, Gott ist. Begleitet von allen Stadtbewohnern, die Fackeln trugen, veranstalteten die Bischöfe eine große Prozession. Dabei sangen alle: "Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen ", ein Stoßgebet, das später die Kirche dem Gebet Ave Maria hinzufügte.

Nachfolgend zitieren wir einen kurzen von Plinio Corrêa de Oliveira verfassten Text, der mit dieser Wahrheit des Glaubens im Zusammenhang steht.

* * *
„In der Heiligen Jungfrau Maria findet man die unaussprechliche Quintessenz, die umfassendste Synthese von allen Müttern, von allen mütterlichen Tugenden, welche der Verstand und das Herz der Menschen erfassen können.
Mehr sogar: Sie ist die Quintessenz jener Tugendgrade, die nur Heilige mit Hilfe der Gnade erreichen können. Sie ist die Mutter aller Kinder und aller Mütter. Sie ist die Mutter aller Menschen. Sie ist die Mutter Gottes, der in ihrem jungfräulichen Schoß Mensch geworden ist, um alle Menschen zu erlösen.
Sie ist eine Mutter, die mit dem Wort mare (lat. Meer) bezeichnet werden kann. Dieses führt wiederum zu einen Namen, der ein Himmel ist: Maria.“

(Plinio Corrêa de Oliveira, Zeitschrift Catolicismo, Januar 2005

Mittwoch, 16. Januar 2019

Hodie in Terra Canunt Angeli, Laetantur Archangeli, Hodie Exsultant Justi

Erzengel Gabriel - Kirche Saint Pierre de Chauvigny


Heute singen auf Erden die Engel,

freuen sich die Erzengel;
heute jauchzen die Gerechten


In der Liturgie nimmt das Weihnachtsfest sicherlich einen beachtlichen Platz ein. Nicht jedoch ein Fest erster Größe. Zum Beispiel sind Ostern und Pfingsten Feste Duplex erster Klasse mit einer privilegierten Oktav erster Ordnung; während Weihnachten ein Duplex-Fest der ersten Klasse ist, mit einer privilegierten Oktav der 3. Ordnung. Die Frömmigkeit der Gläubigen machte jedoch aus diesem Fest eines der wichtigsten des Jahres. Und das aus mehreren Gründen.
Die Geburt des Heilands ist schon an sich eine Ehre von unendlichem Wert für das Menschengeschlecht. Das Wort Gottes hätte  sich durchaus hypostatisch mit einem der heiligsten und glänzendsten Engel der himmlischen Höhen vereinigen können. Und doch hat es das Wort vorgezogen, Mensch zu werden, Fleisch anzunehmen, in seiner Menschlichkeit der Nachkommenschaft Adams anzugehören. Völlig unverdient wurde uns diese Gnade zuteil, eine Adelung von unsagbarem Wert, ein historischer Ausgangspunkt weiterer, ebenso unergründlicher Gaben.
Die Menschwerdung des Wortes vorwegnehmend, hatte die Vorsehung bereits ein Wesen geschaffen, das in sich eine größere Vollkommenheit als die des ganzen Universums vereinigt, und in diesem Fall die unausweichlichen Folgen der Erbsünde aufgehoben. Aus den durch die Erlösung zu erwerbenden Verdiensten hatte sich die Tugend aller Gerechten des alten Gesetzes genährt. Doch die Schar der Auserwählten saß „an den Pforten des Todes“ (Ps 106, 18) und wartete darauf, dass für uns alle das Gotteslamm geopfert werde.
Doch nicht nur sie befanden sich in dieser wartenden Haltung. Die ganze Geschichte befand sich sozusagen in einem Zustand stummer Erwartung. Als Jesus Christus endlich geboren wurde, ging auf der ganzen damals bekannten Welt ein Zeitalter zu Ende. Ägypten war aufgeblüht, hatte seinen Höhepunkt erreicht und war zusammengebrochen. Das gleiche kann man auch von anderen Völkern wie den Chaldäern, Persern, Phöniziern, Skythen, Griechen und viele andere sagen. Schließlich standen auch die Römer kurz davor, in den langen Untergang einzutreten, der — durch Zeiten des rapiden Verfalls, und mehr oder weniger langen Stagnation durch eine flüchtige Reaktion —, über Augustus zu seinem entfernten Nachfolger und elenden Gleichnamigen Romulus Augustus führte.
Alle diese Reiche erreichten einen angemessenen Höhenpunkt, um die Tiefe und Vielfalt der Talente und Fähigkeiten ihrer jeweiligen Völker zu bezeugen. Doch das Niveau, auf das sich alle mehr oder weniger erhoben hatten, entsprach nicht den Wünschen der wirklich edlen Seelen ihrer Völker. Es scheint, dass diese großartigen Zivilisationen nicht so sehr deutlich gemacht haben, was sie hatten, sondern was ihnen fehlte, und die unheilbare Unfähigkeit von Talent, Reichtum und Stärke der Menschen, eine Welt zu errichten, die ihrer Würde entsprach.
All dies führte in eine erstickende Atmosphäre in Asien, Afrika oder Europa, die die Sklaven in ihrem ohnehin schon jämmerlichen Leben noch mehr unterdrückte und die Freuden und Vergnügungen der Reichen heimlich untergrub. Unwägbare, aber allgegenwärtige Unterdrückung, unfassbar, aber offensichtlich, unbeschreiblich, und doch sehr eindeutig. Der Lauf der Geschichte war in einem Sumpf der Korruption versunken, angefüllt mit den Ruinen der Vergangenheit, in der nur noch die kranken Lebensformen erkennbar waren. So verzeichnete man auf politischer Ebene ein Ende des Kampfes zwischen zwei Formen der Demagogie: Anarchie und Straßenaufstände oder Militärisch und despotisch. Auf kultureller Ebene, verschlang religiöse Skepsis alte Götzenbilder. Auf der internationalen Bühne verkamen die verschiedenen Heimatländer im Schmelztiegel des Reiches, um diesen unorganischen kosmopolitischen Moloch zu bilden, in den sich Rom verwandelte. Im moralischen Bereich dominiert die Verderbnis der Sitten den Alltag. Im sozialen Bereich wurde das Gold in zum höchsten Wert angehoben. Für die gut Eingerichteten verliefen die Dinge dem Schein nach reibungslos. Aber in solchen Zeiten sind die Wohlhabenden normalerweise der moralische und intellektuelle Auswurf des Landes. Und so leiden die Besten unter den tausend Qualen unverdienter und unangemessener Situationen.
Und was für ein Bild bot das auserwählte Volk, als das Wort Gottes Fleisch geworden ist? Herodes hatte sich zwar die Königskrone aufgesetzt, war aber tatsächlich nichts als ein kläglicher, lüsterner, grausamer Verbrecher, ein nützliches Werkzeug in den Händen der Besatzungsmacht, die damit den Juden ein im Grunde wertloses Königtum vortäuschen wollte. Die Priester waren, was ihren Glauben, ihre Ehrlichkeit und Selbstlosigkeit anging, der Abschaum der Synagoge. Das Königshaus David wurde verachtet und lebte in größter Armut und Vergessenheit. Die Gerechten lebten am Rand dieser vom Bösen beherrschten Gesellschaft, die schließlich auch den Gerechten schlechthin ausstoßen und töten sollte. Was war da noch zu erwarten? Man war am Ende.


Das Licht strahlte in der Finsternis

Aber gerade in der Dunkelheit dieses Endes, zu einem Zeitpunkt und an einem Ort, an dem man es am wenigsten erwartet hätte, leuchtete schließlich ein überaus reines Licht auf. Mit diesem Licht kündigte sich die Stunde der Menschwerdung an und damit verbunden war die Verheißung der seit langem ersehnten Erlösung und eines neuen Zeitalters, das mit einem die ganze Welt erfassenden pfingstlichen Feuersturm seinen Anfang nehmen sollte.
Es ist die Pracht dieses Lichtes, das im Dunkeln eine Morgenröte erweckt, die triumphierend zum Tag wurde; es ist das Lied der Überraschung und der Hoffnung dieser übernatürlichen Erneuerung, die Sehnsucht und der Vorgeschmack einer neuen, auf Glauben und Tugend basierenden Ordnung, die die Gläubigen aller Jahrhunderte sich erfreuen zu betrachten, wenn sie über das göttliche Kind nachdenken, das in der Krippe liegt und zärtlich zur jungfräulichen Mutter und zu ihrem keuschsten Gemahl lächelt.
Eine bezeichnende Ähnlichkeit
Auch heute lastet eine ungeheure Beklemmung auf uns. Da hilft auch kein Versuch, den Ernst der Stunde zu verschleiern. Von dem Unterschied einmal abgesehen, dass wir heute mit dem Beistand der heiligen Kirche rechnen können, befindet sich die Welt erneut in einer Lage, die auf erschreckende Weise an die Zeit des ersten Weihnachtsfestes erinnert.
Auch unter uns zeichnet sich der Kommunismus als ein Ende an. Es ist der Epilog der religiösen und moralischen Dekadenz, der im 16. Jahrhundert mit dem Protestantismus begann. In diesem Epilog schmilzt die bürgerliche Welt, die zunehmend von Synkretismus, Sozialismus und Sinnlichkeit berauscht ist, dahin. Und als ob dies nicht genug wäre, beschleunigt Russland diesen Zerfallsprozess und verbreitet seine Irrtümer in allen Ländern.
Wir haben die Kirche unter uns, das stimmt durchaus. Doch diese erhabene und übernatürliche Präsenz ist nur in dem Maße Rettung, in dem die Menschen ihren Einfluss akzeptieren. Wenn sie sie ablehnen, sind sie in gewisser Weise einer Bestrafung eher ausgesetzt als die Heiden selbst. Die Juden hatten den Gottmenschen unter sich. Sie lehnten ihn ab und wurden zu einer schrecklicheren Zerstörung bestraft, viel mehr als die Römer.
Nun aber, wie ist die Situation der Kirche in unserer Zeit? Wir möchten lächeln und doch eher weinen, wenn uns jemand einfach sagt, dass sie gut ist.
Natürlich kann diese Situation in gewisser Hinsicht als gut bezeichnet werden. Mehr oder weniger, wie man zum Palmsonntag sagen könnte, dass die Begeisterung der Juden für unseren Herrn riesig groß war.
Zu sagen aber, dass die Situation der Kirche heute im allgemeinen gut ist, unter Berücksichtigung der positiven und negativen Faktoren, ist dies ein Affront gegen die Wahrheit.
Für die Kirche ist die Situation gut, in der die Kultur, die Gesetze, die Institutionen, das häusliche und tägliche Leben des Einzelnen mit dem Gesetz Gottes übereinstimmen. Nichts ist auffälliger, dass das heute nicht der Fall ist. Warum also die Sonne mit einem Sieb abschirmen?
Dass die gut Situierten die Dauer dieser langsamen Agonie wünschen, ist verständlich. Wenn Mikroben denken könnten, würden sie es ja auch vorziehen, ihr Opfer langsam zu töten, denn die die Agonie des Opfers Garantiert ihr Wohlergehen; und sein Tod wird auch ihr Tod bedeuten. Menschen, die meist ohne eigenes Verdienst eine Stelle einnehmen, die sie nur der Gunst chaotischer Winde verdanken, haben natürlich allen Grund dazu, eine Rückkehr zur Ordnung zu fürchten, denn damit würden sie wieder in den Staub zurückfallen.
Doch auch ihnen kann das tiefe Unbehagen dieses Augenblicks nicht verborgen bleiben und auch sie erzittern wohl unter den immer häufiger aus einer aufgeladenen Atmosphäre niederfahrenden Blitzen.
Die Stimme Fatimas
Auf dem Gipfel dieses heiligen Berges, der die Kirche darstellt, erhebt sich das mütterliche, melancholische Bild Unserer Lieben Frau von Fatima, die Stirn mit dem königlichen Diadem gekrönt, durch den - von den Brasilianern geliebten - päpstlichen Legat, den die Frömmigkeit des unsterblichen Pius XII. eigens mit dieser Aufgabe betraut hat.
Und von dieser Warte aus gehen über die unterdrückte die Welt die Strahlen der Hoffnung aus, die die Königin des Universums ihr gebracht hat. Es sind Strahlen, die in unserer Mitte Hoffnungen aufkeimen lassen, die durchaus denen ähnlich sind, die die einst die Frohe Botschaft bei den Menschen des Altertums ausgelöst hat. Ähnlich ist zu wenig gesagt. Es sind nämlich Strahlen, die von der Kirche und somit von Jesus Christus ausgehen. Sie sind nichts als die Verlängerung und Verstärkung jener Strahlen, die einst die erste Weihnachtsnacht erhellt haben.
„Am Ende wir mein unbeflecktes Herz triumphieren“, hat die Jungfrau bei ihrer dritten Erscheinung in der Mulde von Iria angekündigt.
Oh Neuheidentum, tausendmal schlimmer als das alte Heidentum, deine Tage sind gezählt. Die Sowjetmacht wird stürzen, und auch im Westen wird der Einfluss der Revolution ebenfalls zusammenbrechen. Die Muttergottes hat es angekündigt. Und gegen sie sind alle Großen dieser Erde und alle Fürsten der Finsternis machtlos.
Was kann aber der Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens bedeuten, wenn nicht die vom hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort vorausgesehenen Herrschaft der allerseligsten Jungfrau Maria? Und was kann diese Herrschaft anderes andeuten, das Zeitalter der Tugend, wenn die mit Gott versöhnte Menschheit auf Erden im Schoße der Kirche nach dem Gesetz lebt und sich auf die Herrlichkeiten des Himmels vorbereitet?
Denken wir in diesem unruhigen Jahr 1957 an Heiligabend nicht an „Sputniks“ oder Wasserstoffbomben, sondern um unsere Überzeugung zu bestätigen, dass Jesus Christus den Teufel, die Welt und das Fleisch für immer besiegt hat, und dass er, wenn erst einmal die schrecklichen Prüfungen vorbei sein werden, für seine unbefleckte Mutter Tage der höchsten Verherrlichung bereit hält.

Freie Übersetzung von „Hodie in Terra Canunt Angeli, Laetantur Archangeli, Hodie Exsultant Justi“ aus Catolicismo Nr. 84, Dezember 1957.

Samstag, 12. Januar 2019

Ordnung - Harmonie - Friede - Vollkommenheit



Ordnung, Friede und Harmonie sind wesentliche Charakterzüge einer gut gebildeten Seele und einer jeden vernünftig organisierten menschlichen Gesellschaft. Diese Werte hängen aufs engste zusammen mit dem wahren Begriff der Vollkommenheit.
Jedes Wesen, sei es belebt oder unbelebt, hat ein eigenes Endziel und eine anpassungsfähige Natur zur Erreichung dieses Zieles. So nimmt jedes Glied einer Uhr zum Beispiel seine eigene Stellung ein und trägt durch seine Form und Anordnung zur Verwirklichung eines bestimmten Zweckes bei.
Ordnung ist die Disposition der Dinge gemäß ihrer Natur. So ist eine Uhr in Ordnung, wenn alle Teile ihrer Natur und ihrem Zweck entsprechend angebracht sind. In der Sternenwelt herrscht deshalb Ordnung, weil alle Himmelskörper sich mit der Natur und dem Zweck ihres Daseins in Übereinstimmung befinden.
Wenn die Beziehungen zwischen zwei Wesen der Natur und dem Endziel eines jeden von ihnen Rechnung tragen, sprechen wir von Harmonie. Die Harmonie ist das Zusammenwirken der Dinge in ihren wechselseitigen Beziehungen nach dem Bauplan der Ordnung.
Die Ordnung erzeugt Ruhe. Die Ruhe der Ordnung ist der Friede. Nicht jeder Zustand der Ruhe verdient Friede genannt zu werden, sondern nur derjenige, der aus der Ordnung hervorgeht. Der Friede eines ruhigen Gewissens entspringt einem guten Gewissen und hat nichts zu tun mit der Gleichgültigkeit eines abgestumpften Gewissens. Körperliches Wohlbefinden bringt ein Gefühl des Friedens mit sich, das weit entfernt ist von Scheineuphorie oder Mattigkeit nach dem Genuss von Rauschmitteln.
Wenn ein Wesen sich völlig nach Maßgabe seiner Natur disponiert und aufgelegt fühlt, befindet es sich im Zustande der Vollkommenheit. So wird ein junger Mensch, der ein großes Auffassungsvermögen und ein starkes Verlangen zum Studium besitzt, darauf drängen, eine Universität zu beziehen, wo ihm alle Mittel für eine wissenschaftliche Ausbildung zur Verfügung stehen; er befindet sich dann hinsichtlich seines Studiums in einer vollkommenen Lage.
Ist die Tätigkeit eines Wesens ganz seiner Natur angepasst und vollständig auf sein Endziel hin ausgerichtet, dann können wir sie mit Fug und Recht als vollkommen - perfekt - bezeichnen. So ist die Bahn der Gestirne vollkommen, weil sie ganz und gar der Natur und dem Zweck eines jeden Sternes entspricht.


Sind die Existenzbedingungen eines Wesens vollkommen, dann werden es mit großer Wahrscheinlichkeit auch seine Lebensäußerungen sein. Es wird all seine Ausdauer, Kraft und Geschicklichkeit einsetzen, um das vorgegebene Ziel zu erreichen. Ein Mensch, der vollkommene Anlagen zum Gehen besitzt, wird in untadeliger Weise gehen, sofern er es nur will.
Für die Erkenntnis der wahren Vollkommenheit des Menschen und der menschlichen Gesellschaft müssen wir uns zuerst eine genaue Vorstellung von der Natur und dem Endziel des Menschen machen. Das Gelingen, die Fruchtbarkeit, der Glanz menschlicher Werke, seien es die einzelner Personen oder solche von Gruppen, Völkern und Nationen, hängen von der Kenntnis unserer Natur und ihres Endzweckes ab. Mit anderen Worten, der Besitz der religiösen Wahrheit ist wesentliche Voraussetzung der Ordnung, der Harmonie, des Friedens und der Vollkommenheit.

(aus "Der Kreuzzug des 20. Jahrhunderts" Catolicismo, Januar 1951)