Mittwoch, 1. April 2026

Gründonnerstag: Einsetzung der hl. Eucharistie

 

Heiliger des Tages vom 8. April 1971
Plinio Correa de Oliveira

 

Heute ist der Tag der Einsetzung der Heiligen Eucharistie. Denken wir an das Letzte Abendmahl, was mir einmal in den Sinn kam: Wenn ein Mensch die Kreuzigung unseres Herrn Jesus Christus miterlebt und alles so geschehen sieht, wie es geschah – ein Mensch, der Glauben hat und weiß, dass Jesus Gott ist –, dann könnte er sich nach der Kreuzigung, im Wissen um die bevorstehende Auferstehung und Himmelfahrt, fragen: Wird er nach der Himmelfahrt nie wieder auf die Erde kommen? Wird er dann bis zum Ende der Welt von der Erde fernbleiben? Ist das architektonisch? Ist das vernünftig? Wenn Er schon das alles für die Menschheit, für die Welt, getan hat, was Er getan hat?

Wenn Er schon sein Leben auf diese grausame Weise aufopferte, wenn Er schon die ganze Menschheit loskaufte, wenn Er schon diese besondere Beziehung mit der Menschheit einging, nach der Er das Haupt des Mystischen Leibes, dass die Kirche ist und dauerhaft durch die Gnade bei allen Menschen ist, bis ans Ende der Welt. So dass Er die Seele unserer eigenen Seele sein würde, die Triebkraft unseres ganzen Lebens sein würde, in dem was sie am edelsten, am gehobensten hat, das ist das übernatürliche Leben, das geistige Leben. Wenn dem so ist, dann müssten wir annehmen, dass Er wirklich in den Himmel auffuhr und das seine reale Gegenwart nie mehr auf Erden gespürt und nie wieder beobachtet würde?

Alles rief, alles flehte, dass unser Herr nicht unwiderruflich von den Menschen getrennt werden möge. Das heißt, so viel Verbundenheit auf der einen Seite und eine so Vollständige, so langanhaltende, so unheilbare Trennung auf der anderen Seite? Ich will damit nicht sagen, dass die Erlösung und das Opfer am Kreuz Gott logischerweise die Einsetzung der Heiligen Eucharistie auferlegt hätten, wenn man so sprechen kann. Mir scheint, eine solche Aussage wäre übertrieben. Aber man kann sagen, dass alles aufschrie, alles rief, alles flehte, dass unser Herr sich nicht auf diese Weise von den Menschen trennen möge.

Und ein Mensch mit architektonischem Verständnis sollte voraussehen, dass unser Herr einen Weg schaffen würde, immer gegenwärtig zu sein, immer bei jedem der von ihm Erlösten. So dass es die Himmelfahrt geben würde, während er gleichzeitig immer im Himmel auf dem ihm gebührenden Thron der Herrlichkeit weilte, dass er aber jeden Menschen auf seinem leidvollen Weg hier auf Erden Schritt für Schritt begleiten würde. So dass er jedem Menschen in allen Leiden des Lebens beistehen würde, bis zu dem Augenblick, in dem der Mensch seinerseits sagen würde: „Es ist vollbracht.“

Die wunderbare Gemeinschaft unseres Herrn mit den Seelen

Wie würde dieses Wunder vollbracht werden? Niemand konnte es erahnen. Doch dieser Mensch sollte äußerst misstrauisch werden, wenn ein solches Wunder geschehen könnte. Es entspricht in höchstem Maße der Qualität des Erlösers unseres Herrn Jesus Christus, unseres Vaters, unseres Beschützers, unseres Arztes, unseres göttlichen Freundes, dieses Wunder für uns zu vollbringen.

Und ich glaube, wenn ich die Kreuzigung miterlebt und von der Himmelfahrt gewusst hätte, selbst wenn ich die Eucharistie nicht kennen würde, würde ich beginnen, Jesus Christus auf Erden zu suchen, weil ich mich nicht davon überzeugen könnte, dass er nicht mehr unter den Menschen weilt.

Diese wahrhaft wunderbare Gemeinschaft wird gerade durch die Eucharistie ermöglicht. An allen Orten der Erde, zu allen Zeiten, ist er gegenwärtig. Er ist gegenwärtig in prächtigen Kathedralen, er ist gegenwärtig in ärmlichen kleinen Kirchen. Wie oft finden wir auf unseren Reisen entlang der Landstraßen kümmerliche, winzige Kapellen, groß genug, um nur zwanzig oder dreißig Landbewohnern Schutz zu bieten, verstreut inmitten weiter Felder. Wir fahren daran vorbei und sind bewegt von dem Gedanken: Unser Herr Jesus Christus war, ist oder wird noch immer wahrhaftig in dieser Kapelle gegenwärtig sein. In dieser kleinen Kapelle war er gegenwärtig mit der ganzen Herrlichkeit des Berg Tabor, mit der ganzen Erhabenheit des Golgota, mit dem ganzen Glanz der Göttlichkeit. So vervielfachte er seine anbetungswürdige Gegenwart auf der ganzen Erde.

Wir sehen die Menschen, denen wir in einer Kirche begegnen, und denken: Dieser empfängt die Kommunion, jener empfängt die Kommunion, jener empfängt auch die Kommunion. Ob würdig oder unwürdig, unser Herr Jesus Christus war in diesem Menschen gegenwärtig. Vielleicht diese Woche. Vielleicht heute. Vielleicht wird er morgen gegenwärtig sein. Wir denken: Hier ist ein Mensch, in dem unser Herr Jesus Christus gestern gegenwärtig war. Er wird morgen gegenwärtig sein. Er wird so oft gegenwärtig sein. Ein Mensch, der, und sei es nur für Minuten, in ein lebendiges Tabernakel verwandelt wird. Aber weit mehr als ein Tabernakel, denn das Tabernakel enthält die Gestalten, aber er kommuniziert sie nicht. Wir aber werden die heiligen Gestalten empfangen, die in uns auf die Zunge gelegt werden.

Da können wir das gewaltige Werk der Barmherzigkeit, dass unser Herr mit der Einsetzung der Heiligen Eucharistie vollbrachte, richtig ermessen. So wie seine Gegenwart unendlich wertvoll ist, so ist auch die Tatsache, dass er unter den heiligen Gestalten auf der ganzen Erde und in allen Menschen, die bereit sind, ihn zu empfangen, wahrhaft gegenwärtig ist, von unendlichem Wert.

Und es ist auch von großem Wert, sich die unzähligen Stunden vorzustellen, die er verlassen in den Tabernakeln verbringt, angebetet nur von den Engeln, den Heiligen des Himmels und der Gottesmutter. Die Menschen sind abwesend und fern. Er, der darauf wartet, dass ein Mensch kommt und ihn empfangen will. So unterwirft sich das Unendliche dem Endlichen, er, der Reinheit und Vollkommenheit in Person ist, den guten Gesinnungen und, was noch schlimmer ist, manchmal den schlechten Gesinnungen derer, die ihn unwürdig empfangen.

Ein kurzer Gedanke an die Eucharistie, und unsere Seele wird von Erkenntnis, Freude und Dankbarkeit erfüllt

Ein kurzer Gedanke daran genügt, und unsere Seele wird von Erkenntnis, Freude und Dankbarkeit für das erfüllt, was unser Herr beim Letzten Abendmahl vollbracht hat. Nur göttliche Intelligenz konnte die Heilige Eucharistie ersinnen und sich dieses Mittel vorstellen, allgegenwärtig zu sein und alle Menschen zu erreichen. Nur Gott konnte dies vollbringen.

 

Und an dem Tag, an dem dieses Sakrament eingesetzt wurde, ist es, so bekannt diese Wahrheiten auch sein mögen, unerlässlich, ja verpflichtend, dass wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten und durch die Muttergottes Gott unermesslich für die Einsetzung der Heiligen Eucharistie danken.

Nur durch die Muttergottes? Sollen wir sie nur als Mittlerin für diese Gnaden benutzen? Wenn es stimmt, dass jede Gabe des Himmels an die Menschheit eine Gabe ist, um die sie gebeten hat, denn ohne diese Bitte wäre die Gabe nicht gegeben worden, dann stimmt es auch, dass die Muttergottes die Einsetzung der Heiligen Eucharistie von unserem Herrn Jesus Christus erbeten hat. Und durch ihre Fürsprache hat er sie eingesetzt.

Es ist daher wahr, dass wir ihr auch für die Heilige Eucharistie danken müssen. Ihm, der sich herabließ, die Eucharistie einzusetzen, ihr, die, von Gnade bewegt, Gott um diese überaus hohe Gnade bat und sie für uns erlangte. Dieser Gedanke muss uns in diesem Augenblick unweigerlich begleiten.

Ein gläubiger Mensch, der die Kreuzigung miterlebt hat, würde es auch als architektonisches Meisterwerk betrachten, dass ein solcher Akt wiederholt wird. Genau das geschieht in der Messe. Doch es gibt noch einen zweiten Gedanken, der ebenfalls präsent sein muss. Er betrifft die Messe selbst. Die Eucharistie ist sozusagen eine Folge der Messe. Sie alle wissen sehr wohl, dass die Wandlung in dem Moment geschieht, in dem unser Herr Jesus Christus sein Leiden erneuert. Das heißt, das Wesen der Messe, die Erneuerung des Leidens unseres Herrn Jesus Christus, das Wesen der Messe wird in der Wandlung gegeben. Es ist der Akt, durch den Brot und Wein durch die sakramentalen Worte des Priesters zum Leib und Blut unseres Herrn Jesus Christus werden. Es ist dieser Akt, der zugleich Opfergabe, Aufopferung und der bestimmende Akt der Realpräsenz ist, die dann in den heiligen Gestalten, in den Tabernakeln, aufbewahrt wird.

Wir müssen an den unendlichen Wert der Erneuerung des Kreuzesopfers denken. Das Kreuzesopfer selbst hat einen unendlichen Wert. Und jedes Mal, wenn es von unserem Herrn Jesus Christus dem Ewigen Vater erneut dargebracht wird, wiederholt sich das Kreuzesopfer.

So würde ein Mensch, der nach dem „Consummatum est“, nachdem die heiligen Frauen den Leichnam empfangen hatten, nachdem er einbalsamiert worden war, nachdem die Muttergottes über ihn geweint hatte, nachdem er zum Grab gebracht worden war, nachdem das Kreuz allein auf den Höhen von Golgatha gestanden hatte und nachdem alle gegangen waren, ein Mensch, der dort allein mit einem Herzen voller Glauben stünde, versteht, dass dieses Kreuz das Symbol eines Aktes war, der ebenfalls wiederholt werden musste, eines Aktes, der, nach derselben Logik, unbedingt vervielfältigt werden musste. Und von einer Tat, die sich in der Tat auf ungeheure Weise auf der ganzen Erde ausbreitete und bis zum Ende der Welt andauerte.

Theologen sagen, dass das Messopfer einen so unschätzbaren und absolut wörtlichen Wert besitzt, dass, wenn an einem bestimmten Tag die Feier der Heiligen Messe eingestellt würde, Gottes Gerechtigkeit über die Welt hereinbrechen und alles vernichten würde.

Es gab also einen Maler – ich erinnere mich nicht mehr, welcher –, der ein wunderschönes Bild malte, das die letzte Messe auf Erden darstellte. Inmitten von Chaos und Unordnung feierte ein Priester die Messe und brachte Gott das Opfer dar. In diesem Augenblick waren alle Engel bereit, auf die Erde herabzusteigen, um Gottes Rache am Ende der Welt zu vollstrecken. Doch sie hielten inne und warteten, bis die letzte Messe gefeiert war. Denn so groß ist Gottes Ehrfurcht vor dem Opfer, das er selbst darbrachte und ihm dargebracht wurde, dass nicht einmal die Notwendigkeit, die Welt zu beenden, Gott dazu bewegen konnte, seine Rache zu beschleunigen, bevor das Folgende vollendet war.

Wir müssen auch bedenken, dass dies der Tag der Einsetzung des Priestertums war. Die Weihevollmacht wurde den Aposteln bei dieser Gelegenheit verliehen. Es gab also drei miteinander verbundene Wunder, zu denen die Fußwaschung hinzukommt. All dies geschah an dem Tag, an dem unser Herr Jesus Christus sozusagen die Reihe der Wunder, die seine Kirche ist, vollendete.

Ein Tag der Freude, durchzogen von Trauer

Doch der Tag der Eucharistie, der ein Tag der Freude sein sollte, der Tag der ersten Messe, der ein Tag des Jubels sein sollte, ist ein Tag der Freude, durchzogen von Trauer. Trauer angesichts des nahenden Leidens unseres Herrn, Trauer angesichts des satanischen und bestialischen Hasses, der selbst im Abendmahlssaal brodelte, wo unser Herr Jesus Christus sein Werk vollendete. Trauer angesichts der Lauheit der Apostel, ihrer Schwäche, die dennoch die ersten und unmittelbarsten Nutznießer all dieser Wunder waren. Trauer angesichts des Sohnes des Verderbens, der unter den Aposteln saß und das abscheuliche Verbrechen begehen sollte, das schlimmste Verbrechen der Geschichte: unseren Herrn Jesus Christus für dreißig Silberlinge zu verkaufen.

Unser Herr Jesus Christus, Gott, der alles vorhergesehen hatte, was geschehen sollte, zögerte dennoch nicht, so viele Wunder über diese armen Menschen zu bringen, die bald all das tun würden, was sie taten, und über den Schurken schlechthin, der all das tat, was er tat.

Eine unerschütterliche Gnade Gottes, die durch nichts erschüttert oder aufgehoben werden kann. Bitten wir die Muttergottes, uns so zu behandeln, wie sie die Apostel behandelte.

Dort sehen wir, was Berufung bedeutet. Dort sehen wir, was für eine unerschütterliche Gnade Gottes ist, die durch nichts erschüttert oder aufgehoben werden kann. Er wollte diese Apostel zu den Säulen seines Reiches machen. Er wollte das Reich auf Erden errichten. Tatsächlich überschüttete er diese Apostel mit Gaben. Sie waren untreu, aber diese Gaben gingen nicht verloren. Die Apostel wurden schließlich treu, und die Absichten unseres Herrn Jesus Christus, sein Plan, erfüllten sich.

Hier haben wir eine Vorstellung davon, was Gnade für diejenigen sein kann, denen die Muttergottes eine große Berufung geschenkt hat. Und wir haben Grund, uns inmitten unserer unzähligen Schwächen selbst zu ermutigen. Die Muttergottes hat uns im gleichen Maße mit wahren Wundern beschenkt. Doch welchen Beitrag haben wir zu dieser Berufung geleistet?

Wie viele Gründe gibt es heute, uns an die Brust zu schlagen! Wie viele Gründe gibt es, über unsere hastigen Beichten, unsere mechanisch und hastig empfangenen Kommunionen ohne wahre Frömmigkeit nachzudenken? Wie viele Gründe gibt es, an die tausend Male zu denken, in denen wir unserer Berufung nicht gerecht geworden sind?

Doch die Muttergottes beschützt uns weiterhin, hilft uns weiterhin und schenkt uns weiterhin Gnaden jeder Art. Wir dürfen hoffen, dass sie in ihrer Barmherzigkeit die Absicht hat, uns trotz all unserer Unzulänglichkeiten, unserer Bedürfnisse und unserer Untreue für immer als ihre Apostel zu bewahren, für die Errichtung des Reiches Mariens.

So müssen wir uns vor ihr verneigen und sie bitten, uns so zu behandeln, wie sie die Apostel behandelt hat, und dass sie uns eine ähnliche Behandlung von unserem Herrn Jesus Christus erbittet. Das heißt, dass sie unsere Schwächen und unser vergangenes und gegenwärtiges Leid, ja sogar unser zukünftiges, nicht übersieht, damit sie den Bund der Barmherzigkeit, den sie mit uns schließen wollte, nicht bricht. Damit sie diesen Bund bewahrt und bald den tausendfach glücklichen Tag bringt, an dem sie unsere Treue bestätigt. Und an dem wir ihr endlich Grund zu einer beständigen, dauerhaften, tiefen und unversehrten Freude sein können, dank unserer großen Treue.

Um diese Gnade sollten wir besonders am Gründonnerstag bitten. Denn sobald die Seelen lau werden, kann keine Offenbarung der Barmherzigkeit Gottes sie mehr bewegen, weil sie verhärtet sind.

Hier seht wir das Wunder der Liebe Gottes und zugleich den Schrecken menschlicher Lauheit. Das heißt, während unser Herr sprach, wurde er gütiger, liebevoller, als ob er ihnen sein Innerstes offenbarte. Und so wurde er erleuchtet, dass er in den Augen aller wie eine vollkommen leuchtende, ja fast widersprüchliche Gestalt erschien. Dadurch wurde seine Göttlichkeit verständlich, ja sichtbar. Wie nahmen die Apostel dies wahr? Gleichgültig. Was alle anderen Jahrhunderte in Erstaunen versetzt hatte, bedeutete ihnen nichts. Sie dachten an ihre Beliebtheit in der Stadt, an die Palmsonntagsprozession, die ins Stocken geraten war und ihnen nicht die irdische Bedeutung verliehen hatte, die ihnen zustand. Und deshalb waren sie weit entfernt von dem Wunder, das unser Herr zu ihren Gunsten bewirkte.

Wir sehen, wie sich die Analogien wiederholen und wie oft sich die Offenbarungen seiner Güte in unserer Gruppe vervielfachen, wodurch immer deutlicher und transparenter wird, dass die Gruppe Ihre Gruppe ist, dass die Gruppe, die von ihr geliebte und von ihr berufene Gruppe ist, eine große Mission zu erfüllen.

Doch während die Gebete schwächer werden, beginnen die Menschen, über irdische Dinge nachzudenken. Sie denken über ihre menschliche Rolle nach, darüber, was dieser oder jener denkt, über ihr erbärmliches kleines Selbst. Und von dem Moment an, in dem die Seelen in diese Reihe treten, gibt es keine Wunder mehr, die sie bewegen, keine Offenbarungen von Gottes Barmherzigkeit, die sie berühren, denn sie sind verhärtet. Warum verhärtet? Sie lieben etwas anderes. Was lieben sie sonst noch? Sie lieben sich selbst. Und deshalb lieben sie es, vor anderen eine große Rolle zu spielen. Hier liegt der Größenwahn, hier liegt die Quelle der Lauheit. So wird eine der erhabensten Taten der neutestamentlichen Geschichte, eine der schönsten Taten, in der unser Herr diese Seelen zu bewegen sucht, indem er mit immer größerer Zuneigung zu ihnen spricht, von ihnen mit der Gleichgültigkeit aufgenommen, die sie Stunden später im Garten Gethsemane an den Tag legen werden. Sie erinnern sich nicht einmal mehr an all die Gaben, die ihnen zuteilwurden. Sie hatten nur einen Gedanken: schlafen. Sie wollten sich ausruhen. Sie konnten nicht eine Stunde lang mit unserem Herrn wachen, der ihnen kurz zuvor das Wunder der Heiligen Eucharistie offenbart hatte.

Selbst dort kann sich die Gleichgültigkeit breitmachen. Das heißt: verächtliche Gleichgültigkeit gegenüber den Gaben Gottes, ungeheure Seelenhärte, die ausschließliche Beschäftigung mit sich selbst, mit sich selbst, mit sich selbst. Es ist erschreckend!

Ein Anliegen für die morgige Kommunion: dass die Muttergottes uns die andächtigste, ehrfürchtigste und zärtlichste Kommunion unseres Lebens gewähre.

Sie haben die Reihe wunderbarer Taten unseres Herrn bei dieser Gelegenheit gesehen. Sie hatten die Möglichkeit, besser zu verstehen, mit welcher Ehrfurcht und welchem Respekt sie sich morgen dem Allerheiligsten Sakrament nähern sollen.

Morgen findet keine Messe statt, aber die Heilige Kommunion wird in allen Kirchen ausgeteilt. Lesen Sie morgen früh oder morgen vor der Kommunion bitte das Evangelium und die Konkordanz der Heiligen Evangelien, insbesondere den Abschnitt, der sich damit befasst. Bitten wir die Muttergottes, in Ihren Seelen all die Gnaden neu zu entfachen, die Sie bei früheren Kommunionen nicht empfangen haben. Bitten Sie die Muttergottes darum – und dies ist mein Anliegen für morgen –, dass die morgige Kommunion alle Gnaden der schönsten Kommunion Ihres Lebens in sich birgt.

Seien Sie darüber hinaus noch ehrgeiziger. Bitten Sie die Muttergottes, dass die morgige Kommunion die schönste Ihres Lebens sei. Dass Sie, im Gedenken an diese wunderbaren Ereignisse, im Gedenken an den erhabenen Tod unseres Herrn Jesus Christus, im Gedenken an all diese Ereignisse, morgen die besinnlichste, die ehrfurchtsvollste und die zärtlichste Kommunion Ihres ganzen Lebens empfangen mögen. Sie könnten die Muttergottes um keine größere Gnade bitten.

Der Beweis dafür, dass diese Gnade empfangen wurde, liegt darin, dass ihr danach großzügiger seid, weniger an euch selbst denkt, weniger an eure kleinlichen Interessen, eure Belanglosigkeiten, eure Eitelkeiten, eure Selbstliebe, und nicht mehr im Mittelpunkt stehen wollt. Vielmehr soll die Heilige Jungfrau Maria, die Heilige Katholische Kirche, die von unserem Herrn Jesus Christus eingesetzt wurde, im Mittelpunkt stehen. Kümmert euch wenig um euch selbst, ob ihr wichtig seid oder nicht, ob ihr als zentrale Figuren anerkannt werdet oder nicht, ob andere euch ausnutzen oder nicht. Seid allein auf die größere Ehre Gottes bedacht, gemäß dem Motto des heiligen Ignatius von Loyola: „Zur größeren Ehre Gottes – Ad maiorem Dei gloriam“.

Das empfehle ich euch für morgen.

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Die Heiligkeit des Karfreitags: Die gesamte Christenheit zieht sich in eine Art tiefe Stille zurück.

Ich wollte Sie an die Atmosphäre erinnern, die laut alter Traditionen den Karfreitag umgab. Ich erinnere mich noch gut daran – ich weiß nicht, wie es in spanischsprachigen Ländern ist –, als der Karfreitag ein so heiliger Tag war, ein Tag der Besinnung, dass jeglicher Lärm auf den Straßen verboten war. Die Lokomotiven, die die Züge zogen – damals das wichtigste Transportmittel; Straßen hatten, zumindest in Brasilien, noch nicht begonnen, die Eisenbahn zu ersetzen –, pfiffen nur kurz, und zwar nur dann, wenn es unbedingt nötig war, um Unfälle oder Ähnliches zu vermeiden.

Autos hupten nur, wenn es absolut notwendig war. Die Menschen gingen in Schwarz gekleidet durch die Straßen, sprachen leise und vermieden es, Freude zu zeigen. Trafen sich beispielsweise zwei Bekannte oder zwei befreundete Familien, vermieden sie es, zu viel zu lächeln oder bestimmte laute Ausdrücke zu verwenden wie: „Hallo, wie geht’s?“

Zu Hause durften Kinder nicht lachen, sie durften kein Spielzeug basteln, das Geräusche machte. Die Menschen verbrachten den ganzen Tag mehr oder weniger in Stille und sprachen nur über Dinge, die nicht allzu profan waren.

So gedachten sie des Todes Jesu Christi und der Tatsache, dass sich sein Tod an diesem Tag in gewisser Weise wiederholte. Dieser Gedanke durchdrang die gesamte Atmosphäre. Und dass wohl die gesamte Christenheit in tiefer Besinnung war und sich in einen tiefen Rückzug begab.

Gegen halb drei begannen die Familien, die zu Mittag gegessen hatten, sich in die Kirchen zu begeben, die bis auf den letzten Platz gefüllt waren, um die Stunde, in der unser Herr Jesus Christus starb – also drei Uhr –, in der Kirche, neben dem Grab, zu verbringen. Ein Priester hielt eine Predigt über die Todesangst unseres Herrn. Lange Predigten, die großen Predigten dieses Anlasses, in denen die sieben letzten Worte unseres Herrn am Kreuz erläutert wurden.

Und als der Prediger schließlich verkündete, dass unser Herr gestorben sei, knieten er und die ganze Gemeinde nieder, die Rasseln klangen usw. Die Glocken verstummten. Die Altäre waren ohne Schmuck, ohne Blumen, ohne alles. Das ganze Land war in tiefer Trauer um das Leiden unseres Herrn Jesus Christus.

Diese Trauer war natürlich vollkommen gerechtfertigt. Doch tatsächlich war es nicht nur eine Trauerfeier. Nicht nur wurde das Leiden unseres Herrn Jesus Christus in gewissem Sinne an diesem Tag mit der Kommunion der am Vortag konsekrierten Hostien vollendet. Es ist auch wahr, dass die Kirche zu jedem liturgischen Fest eine besondere Gnade spendet. Und so breiteten sich all die besonderen Gnaden des unendlich kostbaren Todes unseres Herrn Jesus Christus in besonderer Großmut in der ganzen Kirche aus, um in den Gläubigen jene Seelenhaltung zu erwecken, die sie hätten haben sollen, wären sie auf Golgatha gewesen, im Augenblick des Todes unseres Herrn.

 

Die Idee ist folgende: Jeder soll die Szene von Golgatha nachempfinden. Und jeder soll in Bezug auf die Passion genau die Seelenhaltung einnehmen, die er gehabt hätte, wäre er selbst dabei gewesen. So sollte die Christenheit über die Jahrhunderte hinweg mit dem Leiden unseres Herrn verbunden werden. Und was bedeutet das? Unser Herr sah vom Kreuz herab alles, was geschah. Nicht nur das, was dort geschah und was er durch menschliches Wissen erkannte, sondern auch, durch offenbartes und göttliches Wissen, alles, was in den folgenden Jahrhunderten geschehen würde. Er sah daher nicht nur alle Verbrechen gegen die Eucharistie, die begangen werden würden, sondern auch alle Akte der Anbetung, die vollzogen werden würden, all die Liebe, die ihm aufgrund seines Tuns in diesem Augenblick entgegengebracht werden würde. Er sah dann, wie ihn durch die Zeitalter hindurch alle Völker der Erde anbeteten.

 

 

Dieser Text ist die Abschrift eines Vortrags von Professor Plinio Corrêa de Oliveira über den Gründonnerstag.

Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in
www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

 

Dienstag, 31. März 2026

Die Muttergottes der Schmerzen und die Heilige Kirche

Plinio Correa de Oliveira 

Santo do Dia – 17. März 1967 

Obwohl der heutige liturgische Kalender die Schmerzensmutter am 15. September begeht, wurde sie gemäß der ältesten Tradition der Kirche auch am Freitag vor Palmsonntag, während der sogenannten Passionszeit, verehrt. Dies ist kein unbedeutendes Detail: Es bedeutet anzuerkennen, dass Marias Schmerz keine ferne Erinnerung ist, sondern in den Tagen unmittelbar vor Christi Leiden lebendig gegenwärtig. Daher erschien es uns angesichts der bevorstehenden Karwoche besonders angebracht, diese Betrachtung heute zu wiederholen: Denn der Blick auf die Schmerzensmutter hilft uns, tiefer in das Geheimnis des Kreuzes einzutauchen und unsere Herzen mit ihrem Schmerz und ihrer Liebe zu ihrem Sohn zu vereinen.

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Heute ist ein sehr bedeutsamer Tag für uns, denn es ist der 17. März, das Fest der Sieben Schmerzen Mariens, das am Freitag nach dem Passionssonntag gefeiert wird.

Was wir über die Schmerzen Mariens sagen können, ist im Wesentlichen Folgendes: Wer glaubt, Maria hatte in ihrem Leben einen Moment des Schmerzes erlitten und das dieser Schmerz wahrlich unermesslich war; er war der größte Schmerz, der je im Universum empfunden wurde, geringer natürlich als der unermessliche Schmerz unseres Herrn Jesus Christus in seiner heiligen Menschheit. Er war so ein gewaltiger Schmerz, der alle Schmerzen des Universums und all das Leid der Menschheit seit dem Sündenfall Adams und bis zum letzten Augenblick ihres Daseins auf Erden in sich aufnahm. Doch all das wird unvergleichlich geringer sein als die Schmerzen der Mutter Gottes.

Diesen Schmerz erlitt sie jedoch nur während ihrer Passion. Außerhalb der Passion litt sie nicht unter diesen Schmerzen. So, das man meine könnte, sie führte ein freudvolles, ruhiges und erfülltes Leben, überfließend von Zufriedenheit und der Freude, die Mutter des Erlösers zu sein. Plötzlich überkam sie den stechenden Schmerz der Passion, der jedoch nur etwa 24 Stunden anhielt. Dann, sagen wir bis zur Auferstehung unseres Herrn, also noch etwas länger, litt sie, doch dann ging das Leiden vorüber, und sie lebte wieder ein freudvolles Leben.

In Wirklichkeit verlief dies nicht so, und es ist eine völlig falsche Sichtweise auf die Leiden Mariens. Unser Herr Jesus Christus wurde von einem der Propheten, wenn ich mich nicht irre, von Jesaja, „Vir dolorem“, der Schmerzensmensch, genannt. Der Mensch, dessen Natur es war zu leiden, der voller Schmerzen war und diese Schmerzen sein ganzes Leben lang in seiner heiligsten Seele trug. So dass das Leiden unseres Herrn Jesus Christus kein isoliertes Ereignis in seinem Leben war, sondern der Höhepunkt einer unermesslichen Leidenskette, die mit dem ersten Augenblick seines Daseins begann und bis zu dem Moment andauerte, als er unter einem Schwall von Schmerzen das schreckliche „Consumatum est“ ausstieß. Während dieser ganzen Zeit litt er unaufhörlich.

Da die Gottesmutter ein Spiegel der Weisheit und der Gerechtigkeit ist und in sich alles widerspiegelt, was unser Herr Jesus Christus ist, muss man von ihr sagen, dass sie die „Mulier Dolorem“, die Schmerzensfrau, die Schmerzensmutter, war. Auch sie war ihr ganzes Leben lang von Schmerz durchdrungen, sie litt ihr ganzes Dasein lang. Gewiss war dieser Schmerz ein Schmerz, der der unermesslichen Kraft entsprach, die ihr die Gnade verlieh. Es ist gewiss, dass es ein von der Vorsehung auferlegter Schmerz war und dass er, so qualvoll er auch gewesen sein mag, nicht zu jenen Schmerzen gehörte, die alles ins Wanken bringen, alles auf die Probe stellen, eine Seele vernichten.

Es waren immense Schmerzen, aber sehr heilsame, sehr weise Schmerzen, Schmerzen, die mit bewundernswerter Seelenruhe ertragen wurden, sodass, wie Jesaja unserem Herrn die Worte zuschrieb: „Siehe, mein sehr bitterer Kummer hat Frieden gefunden“, so auch von der Gottesmutter gesagt werden kann: „Siehe, mein bitterer Kummer hat Frieden gefunden.“

Inmitten eines Ozeans des Schmerzes war alles im Gleichgewicht, alles war durchdacht, reflektiert und mit Liebe und unvergleichlicher Seelenruhe ertragen worden, ohne übertriebene Emotionen, aber mit einem fast unendlichen Maß an Empfindung. Ohne Jubel, ohne Panik, aber mit großer Furcht, mit großer Angst und in manchen Augenblicken mit einer Schwere des Schmerzes, die sie beinahe zerbrach.

Unsere Liebe Frau war ihr ganzes Leben lang eine große Leidende. Eine Leidende, die Momente der Freude erlebte – nicht nur einzelne Momente, sondern Freude durch ihr ganzes Leben hindurch. Sie erfuhr Freuden, wie sie kein anderer Mensch je erfahren hat. Und alle Freuden der Welt, vom ersten Augenblick der Geburt des Menschen im Paradies bis zum letzten Augenblick seines Daseins auf Erden, reichen zusammen nicht an die unermessliche Freude Unserer Lieben Frau heran. Doch diese Schmerzen und Freuden waren untrennbar miteinander verbunden, und Unsere Liebe Frau trug die Last unermesslicher Schmerzen und wurde zugleich von bewundernswerter Freude erlöst. Angesichts dieser moralischen, unergründlich heiligen Erscheinung Unserer Lieben Frau ist es gut für uns, sie so zu sehen, besonders in ihren Leiden.

Was waren die Leiden Unserer Lieben Frau? Im Grunde begann Unsere Liebe Frau bereits zu leiden, bevor sie wusste, dass sie die Mutter Gottes war. Und sie begann einen Schmerz zu erleiden, der für eine eifrige Seele unermesslich ist, ein Schmerz, der unzählige Heilige quälte. Ich glaube, er quälte alle Heiligen, und dass sie ihn natürlich in höchstem Maße erfuhr.

Die Liebe Frau, die ohne Erbsünde empfangen wurde, dachte und wusste vom ersten Augenblick ihres Daseins an, noch im Schoß der heiligen Anna, im Tabernakel der heiligen Anna, was geschah. Dort begann sie ihr mystisches Leben mit Visionen, erhabenen Ekstasen und großartigen Offenbarungen. Und dort hatte sie bereits Kenntnis von der Sünde der Menschen. Sie wusste bereits um all die Untreue der Menschen.

Und sie, die so sehr für die Ehre Gottes brannte, dass sie tausend Leben hingab, um eine Todsünde zu verhindern, Sie erlitt diesen unermesslichen Schmerz, die gesamte Menschheit in Sünde versunken zu sehen. Sie sah all die Seelen, die starben, unzählige in die Hölle fuhren, und jene, die nicht in die Hölle fuhren, im traurigen Zwischenreich verweilten und Jahrhunderte lang auf unseren Herrn Jesus Christus warteten.

Mehr noch, die Gottesmutter sah die Sünden, die zur Zeit des Kommens des Messias geschehen würden. Sie sah die Sünden, die nach dem Messias bis zum Ende der Welt folgen würden. Und diese Sünden verursachten ihr eine Qual, die wir uns kaum vorstellen können. Es gab einen Heiligen, ich weiß nicht, ob es der heilige Ignatius von Loyola war, der sagte: Wenn er sein ganzes Leben nur dem Zweck widmen müsste, einen Menschen vor einer Todsünde und der damit verbundenen Höllenqual zu bewahren – also nicht, um diese Seele zu retten, sondern um ihr den Schmerz der Todsünde zu ersparen –, dann würde er all das Leid seiner Existenz als gut investiert betrachten, so unergründlich ist die Todsünde.

Aber wenn dieser Heilige so dachte, was dachte dann erst die Gottesmutter? Vor ihr ist der kleinste Heilige, ja der größte, weniger als ein Tropfen Wasser im Vergleich zu allen Meeren der Welt, weniger als ein Staubkorn im Vergleich zu allen Universen. Die Heiligkeit der Gottesmutter ist unermesslich. Wir können das Missverhältnis zwischen der Heiligkeit der Gottesmutter und der aller Engel und Heiligen zusammen nicht bemessen. Welche Qualen muss sie also ertragen?

Später erhielt sie die wunderbare Nachricht, dass sie die Mutter des fleischgewordenen Wortes werden würde. Man kann sich die Freude vorstellen, die sie empfand, als sie den menschgewordenen Gott in dem Augenblick anbetete, als sie ihn durch das Wirken des Heiligen Geistes empfing. Man kann sich aber auch ihren Schmerz vorstellen, als ihr sofort bewusst wurde, dass dieser Messias so leiden würde, wie der Prophet Jesaja es beschreibt. Manche glauben, sie habe nichts vom Kreuz gewusst und erst in diesem Moment vom Tod unseres Herrn erfahren; ich bestreite das nicht. Wenn sie aber durch den Propheten Jesaja wusste, dass er unbeschreibliche Schmerzen erleiden würde, steht das außer Zweifel.

Maria von Agreda berichtet, dass es in ihrem Haus in Nazareth einen Raum gab, der als Gebetsraum diente. Mehrmals fand die Muttergottes in diesem Raum unseren Herrn kniend, ausgestreckt vor Gott, blutüberströmt vor Furcht vor dem bevorstehenden Leiden, vor der Undankbarkeit, mit der die Menschen sein Leiden aufnehmen würden. Man kann sich vorstellen, wie glaubwürdig, wie nachvollziehbar der Schmerz der Muttergottes war, als sie sah, wie ein fünfjähriges Kind, dann ein zehnjähriges, dann ein fünfzehnjähriges, dann ein zwanzigjähriger junger Mann und schließlich ein erwachsener Mann von fünfundzwanzig, dreißig Jahren immer wieder vor Gott kniete, litt und Blut schwitzte angesichts der kommenden Qualen.

Man kann sich vorstellen, was sie, die ihren Sohn nicht nur wie eine Mutter ihr Kind, sondern wie eine Mutter ihren Sohn – Gott – liebte, darunter litt. Wahrscheinlich kniete sie neben ihm. Sie warf sich neben ihm nieder und litt seine Schmerzen. Und es ist kein Wunder, dass sie Blut schwitzte, wie er selbst.

Nun, dann beginnt sein öffentliches Wirken. Die Muttergottes durchleidet den Schmerz der Trennung von ihm. Und dann beginnen seine Wunder, seine Siege, es ist eine Zeit der Freude. Doch bald darauf beginnt die Undankbarkeit. Der Sturm der Ungerechtigkeiten, der unseren Herrn zur Passion führte, braute sich zusammen. Dann kommt der Moment der Passion. Sie leidet unter all dem, der Undankbarkeit, deren Opfer er überall war.

Die Stunde der Passion schlägt, und das Unaussprechliche geschieht: Im Augenblick der Passion sieht sie endlich alles, was unser Herr erlitten hat; was hat sie in jeder Trance erlitten? All das ist nichts. Wenn es Heilige gibt, die in Ohnmacht fielen, als ihnen offenbart wurde, was mag dann erst die geringste Episode der Passion für die Gottesmutter bedeutet haben?

Schließlich erreicht sie die Höhe des Golgotha, wo das Kreuz aufgepflanzt wird, und das Leiden unseres Herrn erreicht ein unbeschreibliches, ein unergründliches Ausmaß. Da steht sie vor diesem Dilemma: Einerseits wünscht sie sich seinen schnellen Tod, um sein Leiden zu lindern, andererseits wünscht sie sich, sein Leben würde verlängert. Erstens, weil jede Mutter das Leben ihres Kindes verlängern möchte; zweitens, weil sie glaubt, dass er so mehr leiden würde und es den armen Sündern besser ginge. Und sie hält an der Passion fest, sie hält an der Verlängerung dieses Leidens fest und beschließt, der Opferung unseres Herrn zuzustimmen, jedoch in jener äußersten Stunde, nach all dem Leiden, das er zu ertragen hatte. 

Maria von Agreda berichtet, dass sie der Macht des Teufels über unseren Herrn nur ein oder zwei Grenzen setzte. Sie sah, wie der Teufel diesen verabscheuungswürdigen Mob gegen unseren Herrn aufhetzte. Sie ist die Königin des Himmels und der Erde, und mit einem Wort hätte sie all das Leiden unseres Herrn beenden können, indem sie die Dämonen berührte und die Anwesenden vernichtete. Doch sie wollte es nicht. Sie wollte, dass diese Menschen handelten, zur Formung unserer Seelen. Nur ein oder zwei extreme Situationen verhinderte sie.

Maria von Agreda berichtet, dass die Dämonen folgenden Plan ausgeheckt hatten: Als unser Herr hoch am Kreuz erhöht war und seine Todesangst in ihren verschiedenen Stadien bis zur letzten Qual begann, wollten sie in einem bestimmten Augenblick das Kreuz zu Boden stürzen, sodass sein heiliges Antlitz auf die Erde aufschlug und in Stücke zerbrach. Angesichts der ungeheuren Schmach einer solchen Absicht verbot sie dem Dämon, dies zu tun. Und sie verbot dem Dämon zwei oder drei solcher extremen Dinge; alles Weitere ließ sie geschehen.

Warum aber ließ sie es zu? Weil sie die Erlösung unserer Seelen so sehr liebte, ja, die Seele jedes Einzelnen von uns, dass sie wollte, dass ihr Sohn all das für jeden von uns durchlitt. Sie wollte das für mich. Und sie liebt meine Seele so sehr, sie liebt die Seele jedes Einzelnen von euch so sehr, dass sie selbst dann, wenn nur einer von euch in dieser Zeit des Leidens gerettet werden könnte, gewollt hätte, dass ihr Sohn dies durchleidet, um diese Seele zu retten.

Versteht ihr, was das bedeutet? Stellt euch vor, wie sie alles sah, wie zum Beispiel die Dornenkrone die Stirn unseres Herrn durchbohrte und Nervenschäden verursachte, die seinen ganzen Körper vor Schmerzen erzittern ließen; wie die Dornenkrone sogar seine heiligen Augen verletzte; wie sein Körper so ausgestreckt war, dass seine Arme halb von seinen Schultern gerissen waren, um in sie dem Balken des Kreuzes anzupassen; den unermesslichen Durst; Das Blut, das von allen Seiten floss, das hohe Fieber, das Todesröcheln seines ganzen Körpers, der sich vor Schmerzen bei jeder Bewegung krümmte.

Sie wusste all dies, sie ahnte all dies, und dennoch wollte sie all dies. Sie wünschte es sich so. Sie war wie eine Opfernde, eine Priesterin, die das göttliche Opfer auf den Höhen von Golgatha darbringt. Sie wollte es so, denn wenn dies der Preis für die Rettung einer Seele war, wollte sie, dass ihr Sohn das erlitt, was er erlitt.

Das heißt, darin liegt die Größe der Gottesmutter. Sie liegt nicht so sehr in der Unermesslichkeit ihrer Schmerzen, sondern darin, dass sie das erleiden wollte, was sie erlitt. Sie wollte, dass ihr Sohn dieses gewaltige und bewundernswerte Opfer brachte, und sie tat dies aus Liebe zu uns, denn Gott liebt uns so sehr, dass er seinen eingeborenen Sohn opfern wollte. Sie liebte uns so sehr, dass sie diese Opferrolle annahm. Sie wollte ihren eingeborenen Sohn für jeden von uns opfern.

Die Karwoche, meine lieben Freunde, naht: Es ist Zeit für jeden von uns, darüber nachzudenken. Ich habe hier bereits darüber nachgedacht, doch diese Betrachtung sollte der katholischen Seele niemals genügen. Egal wie viel man nachdenkt, man kann sich dieser Betrachtung nicht entziehen. Allein vor dem Kruzifix zu stehen, allein vor dem Bild der Schmerzensmutter zu stehen und die ganze Welt zu vergessen, denn vor Gott existiert die ganze Welt aus einer bestimmten Perspektive nicht für mich. Gott existiert und ich existiere, und alles andere ist nichts.

Und dann vor Gott diese Frage zu stellen: Bin ich, Plinio, mir bewusst, was meine Erlösung gekostet hat? Habe ich eine Ahnung von den Seufzern, den Schmerzen, die all die Gnaden, die ich empfangen habe, gekostet haben? Wie schwer lastete dies auf dem Unbefleckten Herzen Mariens? Habe ich eine Ahnung, dass es für mich so viel bedeutete, dass all dies geschehen wäre, selbst wenn es nur für mich gewesen wäre? Habe ich eine Ahnung, dass unser Herr Jesus Christus am Kreuz an jeden einzelnen Menschen beim Namen dachte – vom Anfang bis zum Ende der Welt? Und was ging ihm wohl durch den Kopf, mit Gedanken der Barmherzigkeit, der Güte und des Heils?

Mein Name – Plinio Corrêa de Oliveira – ging vorbei, dass Er mich im Sinn hatte, nicht nur meinen Namen, sondern meine Seele, mein Wesen, mein ganzes Sein. Er liebte mein von Ihm geschaffenes Wesen und tat in einem Akt der Liebe zu mir, was Er wollte, zu meinem Heil. Habe ich eine Ahnung, dass mich das mein Heil gekostet hat? Und habe ich eine Ahnung, wie ich darauf reagiert habe? Habe ich eine Ahnung, wie undankbar ich war? Wie viele Fehler habe ich begangen, oft aus Unbesonnenheit, nur weil ich einer Gelegenheit nicht ausweichen wollte, weil ich keine kleine Buße tun wollte! Ich nahm das Blut Christi und warf es so in den Abgrund. Es wurde für mich vergossen, und ich brachte mich selbst in einen Zustand des Verderbens. Und Gott ertrug mich dennoch in diesem Leben, hatte Geduld mit mir und erwartete mich mit anderen neuen Gnaden, die sogar noch größer waren als jene, die ich empfangen hatte.

Und nun bin ich wieder in diesem Augenblick: Die Karwoche ist da, eine Zeit der Gnade für jeden von uns. Die Seite unseres Herrn Jesus Christus ist offen, ergießt sich in Fülle über uns alle und ruft uns zur Reue, zur Buße, zur wunderbaren Versöhnung mit ihm. Es gibt einen unvorstellbaren Strom der Güte und Liebe zu uns. Deshalb sollte ich in der Karwoche zuerst an meine Seele denken. Ohne Furcht, ohne Panik, denn Gott ist der Vater der Barmherzigkeit und die Gottesmutter die Mutter und der Kanal aller Barmherzigkeit. Aber ernsthaft, tiefgründig nachdenken, mich vor dieses fließende Blut Christi stellen und fragen: Was habe ich mit diesem Blut getan?

Unser Herr fragte während seiner Passion – und Maria von Agreda sagt, es sei eines seiner größten Leiden gewesen –: „Quae utilitas in sanguine Meo?“ Letztendlich: Was nützt mein Blut? Das heißt, er dachte an so viele Seelen, die sein Blut leichtfertig und töricht mit Füßen treten würden, für eine Kleinigkeit, für ein Lachen wie das eines Mädchens wie der heilige Petrus … für dreißig Silberlinge wie Judas, aus Faulheit, aus Schlafsucht wie die anderen Apostel, aus Angst, aus Opportunismus, aus Sinnlichkeit – aus wie vielen Gründen würden Seelen ihn verwerfen!

Doch das genügt noch nicht. Unser Herr hatte unsere Zeit im Sinn, und die Gottesmutter auch. Er hatte all den Verrat unserer Zeit im Sinn, all die Verlassenheit unserer Zeit, er hatte all das im Sinn, was priesterliche Seelen – und, lasst uns höher steigen als priesterliche Seelen – ihm zufügten. Könnt ihr euch vorstellen, wenn die Sünde eines Plinio Corrêa de Oliveira unserem Herrn so viel Leid zugefügt hat? Welches Leid würde dann erst die Sünde eines Bischofs, die Sünde eines Kardinals, die Sünde eines Papstes unserem Herrn zufügen? … Ein anderer heiliger Petrus … David klagt über jemanden, der ihm Unrecht getan hat: „Wenn ein anderer mir getan hätte, was du getan hast, ich könnte mich verbergen vor ihm; Du aber, mein Gefährte, mein Vertrauter und Bekannter, die wir zusammen süße Gemeinschaft erlebten …?“ (Psalm 54,13–15). Wie konnte unser Herr so etwas sagen? Nun, alles, was in unserer Zeit geschieht, ist vorhergesehen worden. In dem Augenblick, als dies erkannt wurde, wurde auch mit Liebe erkannt, dass durch das Produkt dieses unendlich kostbaren Blutes eine besondere Gnade für einige gewirkt werden würde. Für einige, die genauso schlecht sind wie andere, und manchmal sogar schlimmer als andere, die aber durch eine besondere Gnade berufen wurden, in dieser Stunde des Unglaubens treu zu sein. Sie sollen wie der Evangelist Johannes am Kreuz stehen, Seite an Seite mit der Orthodoxie, Seite an Seite mit der wahren Lehre, in der Stunde, als die ganze Welt sie verließ; sie sind es, die das Martyrium der Kirche verstehen, die Tragödie der Kirche, die innerlich vom Fortschrittsdenken zerfressen und ihren schlimmsten Feinden ausgeliefert wurde. Sie waren berufen, für sie zu kämpfen, sie waren berufen, ihren Schmerz zu verstehen, sie waren berufen, über diesen Schmerz zu meditieren und ihn zu leben, damit auch sie Menschen des Leidens werden.

Der Schmerz der Heiligen Katholischen Kirche in unseren Tagen muss ein Schmerz sein, mit dem wir morgens erwachen und abends einschlafen. Es ist ein Schmerz, der uns im tiefsten Schlaf bedrückt. Die Heilige Römisch-Katholische Apostolische Kirche, von Jesus Christus gegründet, die auf einer Wolke vom Himmel herabstieg wie eine vollkommene Stadt … Was haben sie aus ihr gemacht?! …

(Doktor Plinio wird ergriffen)

Dieser Schmerz ist so groß, dass er mich hindert weiterzusprechen. Lasst uns die Muttergottes bitten, uns dies bis in die Tiefen unserer Seelen spüren zu lassen...

 


Aus dem portugiesischen von „Nossa Senhora das Dores e a Santa Igreja“.

Die deutsche Fassung dieses Artikels „Die Muttergottes der Schmerzen und die Heilige Kirche“ ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.


Die Verschwörung der Cäsaren und des Sanhedrins *

von Plinio Corrêa de Oliveira
Legionário, 20. März 1938


Das dramatische Verschwinden des katholischen Österreichs von der europäischen Landkarte, brutal und mit krimineller Gewalt unter dem Stiefel der Nazis niedergedrückt, macht eine politische Rückschau angebracht, die wir mit empörten Seelen und blutenden Herzen unternehmen.

Mehr als jedes Argument wird diese Rückschau die Solidarität beweisen, mit der die totalitären Cäsaren und des liberalen Sanhedrins zusammenarbeiten, um den Erlöser, heute repräsentiert durch die Heilige Kirche, erneut zu kreuzigen.


Das obige Porträt zeigt treffend den österreichischen Bundeskanzler Schuschnigg, und seine unvergesslichen Worte nach seiner Entmachtung offenbaren seinen Charakter: „Der heutige Tag hat uns vor eine ernste und entscheidende Lage gestellt. Ich bin beauftragt, das österreichische Volk über diese Ereignisse zu unterrichten. Die deutsche Regierung hat dem österreichischen Bundespräsidenten ein Ultimatum gestellt und gefordert, dass er einen ihrer Kandidaten zum Bundeskanzler ernennt und ein neues Kabinett nach den Vorschlägen der Reichsregierung bildet. Sollten diese Forderungen nicht erfüllt werden, werden deutsche Truppen nach Ablauf des Ultimatums in österreichisches Gebiet einmarschieren. – Der Bundespräsident hat General Schilhawski zum Oberbefehlshaber des Heeres ernannt. Er wird für die Weiterleitung weiterer Anweisungen an die Truppen verantwortlich sein. Ich für meinen Teil verabschiede mich vom österreichischen Volk mit einem deutschen Wort und den Wünschen meines Herzens: ‚Gott schütze Österreich.‘“
– Im Wiener Rundfunk, dessen Studio zu dieser Stunde mit Mitarbeitern überfüllt war, wurde die kurze Erklärung mit unbeschreiblicher Rührung vernommen. Viele weinten, und als der Reichskanzler geendet hatte, ertönte aus dem Saal ein Ruf: „Heil Schuschnigg!“


* * *

I – Kaiser Wilhelm II. erkannte die verzweifelte Lage der deutschen Truppen und gab den verlockenden Versprechungen der im Verborgenen agierenden Mächte nach. Er ließ Lenin heimlich aus der Schweiz, wo dieser sich aufhielt, nach Russland bringen. Der Transport erfolgte in einem geschlossenen Stahlwaggon, um die Verbreitung des kommunistischen Virus in Deutschland zu verhindern.

Die ersehnte Revolution brach in Russland aus, und die Kommunisten belohnten Wilhelm II. mit der Unterzeichnung des für Deutschland vorteilhaften Friedensvertrags von Brest-Litowsk.

Doch Gott hat seine Zeit. Für Wilhelm II. ließ diese Zeit nicht lange auf sich warten.

In der Endphase des Ersten Weltkriegs verwüstete eine schreckliche Katastrophe Russland. Nach dem Friedensschluss erwartete man, dass die Großmächte in Russland intervenieren würden.

II – England und Frankreich betrachteten den kommunistischen Sieg in Russland mit Gleichgültigkeit und unternahmen, abgesehen von platonischen Protesten, keinerlei Geste des Schutzes der verfolgten christlichen Bevölkerung. Stattdessen setzten sie die Zarenfamilie wieder auf den Thron, deren Oberhaupt auf klägliche Weise ermordet worden war.

Christlich verriet die englische Monarchie die Sache Christi und das monarchische Prinzip.

Christlich verriet auch die Bourgeoisie, die Frankreich regierte, die Sache Christi und das Prinzip des Privateigentums.

Denn sie hatten keine Zeit, über Christus und seine Zivilisation nachzudenken. Sie lagen da, bereit, eingesperrt zu werden, die noch immer pulsierenden Überreste der besiegten Reiche.

Es galt, die Früchte des Sieges zu ernten. Christus hingegen sollte warten und sich so gut wie möglich zurechtfinden. Und damit wurden 155 Millionen Seelen schutzlos atheistischer Propaganda und religiöser Verfolgung ausgesetzt.

Doch Gott hat seine Zeit. Und für England und Frankreich ließ Gottes Zeit nicht lange auf sich warten.

III – Der kommunistische Virus breitete sich von Russland nach Deutschland und Österreich-Ungarn aus. Wilhelm II. musste mit Bedauern feststellen, dass das Feuer, das er im Haus seines Nachbarn gelegt hatte, nun auch auf sein eigenes Haus und die seiner Verbündeten übergegriffen hatte.

Die stolze Monarchie Bismarcks stürzte, und mit ihr der Kaiser.

Frankreich, England und die Vereinigten Staaten jubelten insgeheim über die Ausbreitung des Sozialismus in Mitteleuropa, da er zur Schwächung und Demoralisierung der Besiegten beitrug.

Was Christus betrifft, so soll er sich selbst helfen.

Und die Kirche? Ist sie nicht unsinkbar? Warum zwischen Meer und Haien wählen? Wäre es nicht besser, einfach bei der Kirche zu bleiben, die keine Flutwelle versenken kann?

IV – Im Versailler Vertrag wird Deutschland territorial und moralisch geschwächt. Die Auflösung der deutschen Kolonien und die unerträgliche Last der Reparationszahlungen erdrücken das deutsche Volk. Damit einher gehen Unzufriedenheit und der Sozialismus.

Der Heilige Stuhl bittet um Gnade für die Besiegten, doch die Strippenzieher im Hintergrund lächeln: Der große Besiegte ist nicht Deutschland, sondern Christus, gegen den sich in Russland und Mitteleuropa der kommunistische Zorn entfesselt.

V – Österreich wird stärker verfolgt als Deutschland. Ersteres bietet in den Augen der Strippenzieher den wertvollen mildernden Umstand einer protestantischen Mehrheit. Letzteres hingegen ist des unverzeihlichen Verbrechens schuldig, katholisch zu sein.

Die Ungleichbehandlung Deutschlands und Österreichs durch die Alliierten ist eklatant.

Deutschland wird gedemütigt und geschwächt, aber es überlebt. Die österreichisch-ungarische Monarchie zerfällt, und nur das germanische Österreich bleibt übrig, das kaum allein bestehen kann.

Die Stunde Gottes naht für die Alliierten: Sie haben den Anschluss selbst herbeigeführt.

Während Wilhelm II., von den Alliierten selbst der Kriegsverantwortung beschuldigt, in Doorn in Saus und Braus lebt, stirbt Kaiser Karl von Österreich auf Madeira an Tuberkulose – arm wie Hiob, aber wie dieser bewundernswert ergeben.

Kein Herrscher der Welt wagt es, ihm beizustehen. Von allen verlassen, stirbt der letzte Kaiser des Hauses Österreich als Ausgestoßener. Nur die Kirche spendet ihm Trost in seiner Qual. Da er erst nach Kriegsende den Thron bestiegen hat, kann er nicht für den Weltkrieg verantwortlich gemacht werden. Sein einziges Verbrechen ist sein katholischer Glaube. Doch die Stunde Gottes wird kommen.

VI – Gott aber ist barmherzig und warnt, bevor er straft, mit väterlicher Zuneigung.

Deshalb entfacht er in Mitteleuropa eine lebhafte antikommunistische Reaktion, in der Katholiken eine führende Rolle spielen. Mit Brüning in Deutschland und Seipel und Dollfuß in Österreich ist es das katholische Element, das Mitteleuropa regiert.

Diese ehrlichen und respektablen Regierungen fordern gemäßigt eine Überprüfung der ungerechten Verträge von Versailles, Trianon und Saint-Germain, unterstützt von Ungarn, wo Horthy mit Hilfe der Katholiken den Kommunisten Béla Kun besiegte.

Die Forderungen sind gemäßigt. Was die Besiegten fordern, ist schlicht das Recht zu atmen.

Doch der Völkerbund ignoriert diese berechtigten Forderungen. Im erschöpften Österreich entsteht der Wunsch nach einem Zusammenschluss mit Deutschland.

VII – Die päpstliche Diplomatie tritt erneut für die Besiegten ein und betont, dass die Sieger, unbeschadet der ihnen zustehenden gerechten Entschädigungen, das von Christus auferlegte Gebot der Nächstenliebe beachten müssen.

Doch der Völkerbund ignoriert die päpstliche Diplomatie.

Entstanden aus dem idealistischen und unpolitischen Geist Präsident Wilsons, strebt der Völkerbund nach dem Weltfrieden, einem erhabenen christlichen Ideal, das seinen Ursprung in der Verkündigung des Evangeliums hat und wie dieses selbst unsterblich ist.

Doch Wilson wollte Gottes Werk ohne Gottes Hilfe und mit Verachtung für die von ihm gegründete Heilige Katholische Kirche vollbringen. Der Völkerbund ist säkular. Ideologisch basiert er auf einer eitlen und falschen Philosophie und verleugnet töricht das Evangelium, die einzige dauerhafte Grundlage für den Frieden zwischen den Völkern.

Was den Papst betrifft, so nimmt der Völkerbund ihn nicht in seine Reihen auf, unter dem Vorwand, er leugne die Souveränität des Heiligen Stuhls.

Doch Gott hat seine Zeit…

VIII – Verschärft durch das Elend und die Ungerechtigkeit, denen sie zum Opfer fallen, vergiftet seit über einem Jahrhundert durch philosophische Prinzipien, die einen wahnhaften Nationalismus nähren, und seit vier Jahrhunderten von protestantischer Verderbnis befallen, wenden sich die Deutschen massenhaft einer Partei zu, die sich gerade formiert und die vollständige und gewaltsame Zerstörung des Versailler Vertrags befürwortet. Die philosophischen, politischen und moralischen Irrtümer der Ideologie dieser Partei sind ebenso schwerwiegend wie jene des Kommunismus. Geheime Mächte fördern die Entwicklung dieses heidnischen Aufbruchs im Verborgenen. Und der Hitlerismus breitet sich aus…

Gegen diese Gefahr, die Europa, die Welt und die Zivilisation selbst bedroht, kämpft Brüning, der katholische Abgeordnete an der Spitze der deutschen Regierung, allein.

Die Alliierten könnten Brünings Ansehen in Deutschland festigen, indem sie ihm eine faire Revision des Versailler Vertrags gewähren. Damit könnten sie vielleicht den Hitlerismus verhindern.

Doch England ist grenzenlos gierig, und der französische Jakobinismus ist blind. Die von den Regierungen Brüning und Seipel geforderten Zugeständnisse werden nicht gemacht, und Hitler gewinnt an Einfluss.

Ein Judas – von Papen, der Verräter der deutschen Katholiken – verhilft Adolf Hitler zur Macht.

Gottes Stunde naht für Frankreich und England…

IX – Was Frankreich und England der Religion, dem Recht und der Vernunft verweigert hatten, gewähren sie nun, aus Angst und mit Gewalt. Jeder Tag bedeutet einen Vormarsch für Deutschland. Der Versailler Vertrag wird in seinen wichtigsten Klauseln schwerwiegend verletzt. Verbündet mit Italien, zerschlägt Deutschland den Völkerbund, das Instrument der englischen Hegemonie in der Welt. England verliert sichtbar an Einfluss, und Frankreich zittert vor Angst.

Und während der Völkerbund im Abgrund verschwindet, erringt der Heilige Stuhl glänzende diplomatische Triumphe. Nachdem die italienische Regierung die Souveränität des Vatikans anerkannt hat, bittet der Völkerbund den Papst, Italien in die von Wilson gegründete Genfer Institution aufzunehmen.

Nun ist es der Papst, der sich weigert. Für den Völkerbund ist Gottes Zeit gekommen…

X – Die Aufmerksamkeit der ganzen Welt richtet sich auf zwei Männer, die die Hoffnung auf eine bessere Zukunft in sich zu vereinen scheinen: Mussolini und Hitler.

Sie entwickeln eine reaktionäre Politik gegen den schwindenden Liberalismus, fördern die Umsetzung eines grandiosen Programms der Verwaltungsreform und sprechen mit Nachdruck eine kraftvolle und mutige diplomatische Sprache, zu der die verkümmerten liberalen Politiker nicht mehr fähig sind. Damit begeistern sie die Welt.

Mussolini 1929, Hitler 1933 unterzeichnen hervorragende Konkordate mit dem Heiligen Stuhl.

Sowohl in Italien als auch in Deutschland sind Katholiken bereit, loyal mit dem neuen Regime zusammenzuarbeiten.

XI – Doch dieser Glanz hat dunkle Flecken. Verborgene Manöver hinter den Kulissen, die sich allmählich zu einer positiven und sogar arroganten Haltung wandeln, leiten eine heftige Religionsverfolgung in Deutschland ein, die das Konkordat von 1933 offen und eklatant verletzt.

Nach und nach wird die erschreckende Realität deutlich: Hitler ist nicht der Erneuerer der Zivilisation, sondern einer ihrer mächtigsten Zerstörer. In Wahrheit wird immer deutlicher, dass es das Heidentum war, das Deutschland an dem Tag eroberte, als es sich Hitlers Joch beugte.

Als Hohn auf die menschliche Intelligenz werden ebendiese heidnischen Götter, die das Christentum vor fast zweitausend Jahren entthront hat, in Deutschland erneut verehrt! Im Herzen Europas, im Herzen Deutschlands, in diesem sogenannten Zeitalter der Aufklärung, werden falsche Götter angebetet wie in der afrikanischen Wildnis!

XII – Hitler bricht nicht nur sein Wort gegenüber dem Heiligen Stuhl, sondern demoralisiert auch die internationale Politik und entwertet Verträge und Ehre auf ein Minimum.

Entsetzt über das Gesehene werden die österreichischen Katholiken zu entschiedenen Feinden des „Anschlusses“ und zählen auf die Unterstützung Italiens, Frankreichs und Englands. Mussolini präsentiert sich als Verteidiger des katholischen Österreichs gegen das Heidentum.

An der Spitze der österreichischen Regierung schlägt Dollfuß, der politische Führer der Katholiken, eine gewaltige kommunistische Revolution in Wien und alle dort auftretenden Nazi-Aufstände nieder.

Hitler jedoch, für den Moral bedeutungslos ist, entwickelt eine diplomatische Strategie, die dazu führt, dass deutsche und österreichische Nazis Dollfuß barbarisch ermorden und die Tat später von den Nationalsozialisten offen gebilligt wird.

Mussolini, der große Verfechter Österreichs, Frankreichs und Englands, schluckt diese Demütigung ohne wirksamen Protest hin.

XIII – 1938, mit der Festigung der Achse Rom-Berlin, beginnt Hitler, die Annexion Österreichs durch Deutschland mit Nachdruck zu fordern. Italien signalisiert diskret seine Zustimmung. Die englischen und französischen Kanzleien sind missbilligend gestimmt.

Schuschingg, der unsterbliche Nachfolger Dollfuß', leistet so gut er kann Widerstand. Doch in einer abrupten und unerwarteten Geste, die alle Prinzipien verletzt und den Stolz ganz Europas auf ungeheuerliche Weise schändet, reißt Hitler, der neue Julian der Abtrünnige, das unglückliche Österreich an sich.

Sofort beginnt die Verheidnischung. Zwei Erzbischöfe werden inhaftiert, alle katholischen Jugendverbände aufgelöst, heidnische Nazis in die Regierung eingesetzt und alle Mittel zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung in die Hände dieser Heiden gelegt. So sieht die Lage in Österreich aus!

XIV – Was unternimmt England? Während deutsche Truppen den Einmarsch in Österreich vorbereiten und Schuschnigg ganz Europa gegen die Arroganz seines Heimatlandes anklagt, gibt Reichsaußenminister von Ribbentrop in London einen pompösen Empfang mit 600 Persönlichkeiten der „englischen Elite“. „Delenda est Britannia…“

Frankreich, die glorreiche Erstgeborene der Kirche, allseits geliebt und mutig wie kein anderes Land, ist an der Wahrung der österreichischen Unabhängigkeit von entscheidender Bedeutung, kann aber nicht eingreifen. Denn die Kommunisten haben es sich zur Aufgabe gemacht, in Frankreich eine Ministerkrise herbeizuführen, genau in dem Moment, in dem dies ihrem vermeintlichen Gegner, Herrn Hitler, in die Hände spielen wird. Seinen Erfolg verdankt er größtenteils den französischen Kommunisten und Herrn Hitler.

Was Mussolini betrifft, in dessen Händen die Führung eines der edelsten und katholischsten Völker der Erde liegt… über ihn ist es besser, nicht einmal zu sprechen. Ein wohlwollendes und großzügiges Telegramm des Führers belohnt ihn: „Mussolini, ich werde Ihre Geste nicht vergessen.“

Auch Gott wird nicht vergessen … und seine Zeit wird kommen.

XV – Was ist die wichtigste Lehre aus diesen Ereignissen?

Die Kirche ist allein. Katholiken werden immer irren, wenn sie naiv versuchen, sich auf die Mitte zu verlassen, um die Linke zu bekämpfen, auf die Rechte, um die Linke zu bekämpfen, und so weiter. Wie in einer großen, gut einstudierten Komödie agierten die Marionetten der Linken und der Rechten sowie jene der liberal-demokratischen Mitte, die einander ungeheure Feindschaft entgegenbrachten, einheitlich so, dass sie der Kirche stets und überall schadeten und den Eindruck erweckten, ihre gegenseitige Feindschaft sei vorgetäuscht und Christus ihr wahrer und einziger Feind.

Auch der Sanhedrin (*) arbeitete mit dem römischen Prokonsul zusammen, um den einzigen Feind zu verraten, zu verurteilen und zu töten … der in Wirklichkeit der einzige Freund seiner Verfolger war.

Katholiken sollten sich allein auf Gott verlassen und nur untereinander ein Bündnis schmieden. Alles andere führt nur zu Irrtum und Schaden.

XVI – Es wäre angebracht, diese tragischen Worte mit einer Anekdote zu beschließen, die die Nerven beruhigen kann. Man erzählt sich, dass auf einem Floß, auf dem Schiffbrüchige verschiedener Nationalitäten gefunden wurden, ein Portugiese plötzlich von Panik ergriffen wurde. Er ignorierte, dass ein Floß niemals sinkt, hielt sich für hoffnungslos verloren und begann über die zwei großen Gefahren nachzudenken, denen er sich gegenübersah: das Meer und die Haie. Was wäre besser? Sich vor den Fluten im Maul eines Hais zu verstecken? Oder sich vor dem Hai in den Tiefen des Meeres zu verbergen?

Wir wissen nicht, für welche Lösung er sich entschied. Nach langem Grübeln traf er seine Wahl und stürzte sich entschlossen ins Wasser. Seine Gefährten berichten, dass ihn, sobald er untergegangen war, ein Hai angriff und einen Teil seines Körpers fraß. Der Rest trieb im Wasser und wurde schließlich vom Meer verschluckt. Seine Gefährten wurden gerettet. Das Floß war unsinkbar.

Weil er dies ignorierte, starb der Portugiese, verschlungen von den Fluten und den Haien zugleich. So verhalten sich Katholiken, wenn sie darüber streiten, was besser sei, Nationalsozialismus oder Kommunismus, um sich vor dem einen Feind in den Klauen des anderen zu verstecken.

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(*) Der Sanhedrin (vom griechischen synedrion, „Ratsversammlung“) war der höchste jüdische Rat, das oberste religiöse, politische und juristische Gremium im antiken Judäa, insbesondere zur Zeit des Zweiten Tempels. Das Gremium bestand aus 71 Mitgliedern – Hohepriester, Älteste und Schriftgelehrte – und tagte in Jerusalem, wobei es über Tora-Auslegungen und wichtige Rechtsfragen entschied.
Der Sanhedrin spielte eine Schlüsselrolle in den Prozessen, die zur Kreuzigung Jesu führten.

 

 

Aus dem Portugiesischen in „Legionário“ vom 20. März 1938

Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in
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