Bevor wir eine umfassende Antwort auf den Artikel „Auf wessen Seite steht der Papst“ des Dekans von Canterbury geben, veröffentlichen wir hier einige punktuelle Anmerkungen zu einzelnen seiner Themenbereiche.
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Der Autor beginnt damit, der katholischen Meinung zu schmeicheln. In süßlichem Tonfall erklärt er: „Die Politik des Vatikans auf der Weltbühne ist einer der dunkelsten, faszinierendsten und verwirrendsten Aspekte des gegenwärtigen Krieges. Was tut der Papst? Was erhofft sich der Papst von diesem Krieg? Auf welche Seite hat sich der Papst in diesem blutigen Kampf um Freiheit und Leben der sogenannten christlichen Völker unserer heutigen Welt geschlagen? Dies sind drei spezifische Fragen von mehr als grundlegender Bedeutung, deren Beantwortung jedoch äußerst schwierig ist, da uns nur wenige Daten zur Verfügung stehen, um in die subtilen und jahrhundertealten Überlegungen des Papstes und seiner Diplomatie einzudringen – einer Diplomatie, die im weitesten Sinne die vollendetste, raffinierteste und erfahrenste aller Zeiten ist.“
Wie man sieht: ein Blumenfeld, das Gift verströmt. Um sich mit dem Anschein der Unparteilichkeit zu umgeben, erkennt der Autor an, was ohnehin offensichtlich ist: die grundlegende Bedeutung, die jede Haltung des Papsttums für das internationale Leben unserer Zeit hat. Seit wie vielen Jahrhunderten verkünden Protestanten bereits den Niedergang der „Kirche von Rom“, ihre völlige Unvereinbarkeit mit den heutigen Lebensbedingungen des Menschen usw.? Doch im Jahr 1943 muss der Dekan von Canterbury – Vertreter einer der angesehensten englischen protestantischen Kirchen – anerkennen, dass das Ansehen des Heiligen Stuhls so groß ist, dass die Analyse seiner Haltung für das Verständnis der Ereignisse unerlässlich ist. Der Dekan ist so beeindruckt, dass er sogar zur Hyperbel greift: Die Untersuchung der Haltung des Papstes sei nicht nur wesentlich, sondern „mehr als wesentlich“. Wir überlassen es dem Dekan, seinen Lesern zu erklären, was in der Philosophie eine „mehr als wesentliche Sache“ sein mag... nämlich die Auseinandersetzung mit der Haltung des Papstes. Uns genügt die Erkenntnis des hohen Maßes an Ansehen, Einfluss und Autorität, dass sich die rein geistige Kraft des Papsttums in diesem Zeitalter von Minerva und Mammon bewahrt hat.
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Doch der
Text, den wir hier wiedergeben, weist seine Schattenseiten auf. Geschickt
gesetzte Schatten. Zarte Schatten. Aber giftige Schatten. Es geht um einen
Konflikt, in dem Leben und Freiheit der „sogenannten christlichen“ Völker auf
dem Spiel stehen. Ganz nebenbei möchten wir fragen, welche Völker das wohl
sind, denen der Dekan die Ehre abspricht, Christen zu sein. Etwa die
Katholiken? Ist es jedenfalls nicht sonderbar, dass sich nicht sagen lässt,
welche Haltung das Oberhaupt der gesamten Christenheit in diesem Kampf
eingenommen hat? Warum eine solch seltsame Zurückhaltung? Der Vatikan schätzt
„subtile Gedankengänge“. Seine Diplomatie gilt als die „vollendetste Diplomatie
aller Zeiten“. Seltsam! Diese Worte bedeuten nicht zwangsläufig, dass die Diplomatie
des Vatikan machiavellistisch sei. Doch sie erwecken einen Eindruck, der dem
sehr nahekommt. Dennoch folgt auf sie keinerlei Erklärung, die eine solch
unvorteilhafte Auslegung ausschließen würde. Nun gut, fahren wir fort...
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„Der Papst
hat sich bereits vielfach zu diesem Krieg geäußert, doch die Unklarheit und
Mehrdeutigkeit seiner Erklärungen spiegeln sich treffend darin wider, dass
sowohl die Alliierten als auch die Achsenmächte seine Worte als für sich
günstig und für den Feind ungünstig betrachten“, erläutert „Rev.“ Johnson. Doch
wie ist das möglich? Besitzt der Papst denn keinerlei Ehrlichkeit? Warum führt
„Rev.“ Johnson kein Beispiel zur Untermauerung dieser „mehrdeutigen“ Äußerung
des Pontifex an? Für einen Vorwurf von solch weitreichender Bedeutung genügt dem
„Rev.“ Johnson eine Tatsache: Sowohl die Nazis als auch die Alliierten
behaupten, der Papst stehe auf ihrer Seite. Weiß „Rev.“ Johnson denn nicht,
dass die Nazis den Geist der Lüge schlechthin verkörpern – dass Pius XI. sie
als „die fleischgewordene Lüge“ bezeichnete –, und dass sie daher, auch wenn
sie sehr wohl verstehen, dass die Heilige Kirche ihnen nur eine vernichtende
Niederlage wünschen kann, entgegen aller offensichtlichen Tatsachen lügen und
das Gegenteil behaupten würden? Kennt „Rev.“ Johnson die Enzyklika „Mit
brennender Sorge“ von Pius XI., in der der Papst den Nationalsozialismus
radikal verurteilte? Und ist ihm entgangen, dass sich die Nazis selbst danach
noch zynisch als Freunde der Kirche ausgaben?
Letztendlich
stützt Herr Johnson seine Anschuldigung gegen das Papsttum auf eine Behauptung
der Nazis – die größten Lügner der Welt. Offen gesagt: Schlechter könnte man
nicht argumentieren.
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„Rev.“
Johnson spürt nur allzu deutlich, dass sein Hass auf Rom ihn verraten hat und
dass seine letzten Worte ihn aus der ursprünglichen Gelassenheit seiner
Anschauungen herausgeführt haben. Nun folgt – gleichsam um in die offene Wunde
zu blasen – dieses Lob, das wie ein Glaubensbekenntnis an die Göttlichkeit der
Kirche anmutet: „... die römische Kirche steht, in ewiger Perspektive
betrachtet, über den Kämpfen der Nationen, über Kriegen und allem Zeitlichen.
Sie ging der Demokratie voraus, ging dem Nationalsozialismus voraus, ging allen
Regierungsformen der modernen Welt voraus; das politische Antlitz der Welt hat
sich bisweilen radikal gewandelt, doch die römische Kirche hat stets überlebt,
wenn auch unter fortschreitendem Kraftverlust. Es ist mehr als gewiss, dass die
römische Kirche immer überdauern wird, ganz gleich, welche Gestalt die Welt zu
irgendeinem Zeitpunkt annehmen mag ...“ Doch wer hasst, dem geht beim
Pusten schnell der Atem aus. Der Dekan ermattet rasch bei diesen süßlichen und ausgeklügelten
Lobpreisungen. Und gleich darauf schränkt er ein: „Die einzige Möglichkeit,
dass es anders käme, wäre ein weltweiter Sieg des Kommunismus. Doch in diesem
Punkt kämpft die römische Kirche nicht allein.“ Ein eklatanter Widerspruch!
Noch wenige Zeilen zuvor hatte der Autor behauptet, die Kirche sei
unzerstörbar; nun aber erklärt er, sie könne vernichtet werden, und deutet
sogar an, sie sei so schwach, dass ihre Siegeschancen darauf beruhten, dass sie
„nicht allein kämpft“. Dennoch räumt der Dekan selbst ein, dass sie in der
heutigen Welt eine solche Autorität genieße, dass die Analyse ihrer Haltung von
„mehr als grundlegender“ Bedeutung sei. Widerspruch über Widerspruch. Doch der
Dekan ist ein guter Protestant: Er fühlt sich inmitten von Widersprüchen wohl.
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So geht
der Artikel weiter, wobei er sich auf Schritt und Tritt eifrig selbst
widerspricht und seine Anschuldigungen gewunden zwischen mehrdeutigen, blumigen
Lobpreisungen vorbringt. Doch kommen wir gleich zum Kernpunkt. Mit Nachdruck,
mit Genugtuung und in der Gewissheit der Wirkung, die sie erzielen wird,
schleudert der Dekan diese ungeheuerliche Behauptung hinaus: „Der einzige
Einwand des Papsttums gegen den Nationalsozialismus – wie es bereits mehrfach
dargelegt hat – ist dessen Heidentum und die Verfolgung der Kirche.“ Wenn
es eine konkrete Behauptung gibt, die ideal dem Begriff der „Lüge“
entspricht, dann ist es diese! Man muss nur flüchtig einen Blick in die
Sozialenzykliken der Päpste werfen – insbesondere in „Mit brennender Sorge“
–, um zu erkennen, dass die vom Nationalsozialismus propagierte politische und
gesellschaftliche Struktur selbst dann von der Kirche verurteilt worden wäre,
wenn er ihr völlige Freiheit gewährt hätte. Jeder Studienanfänger im Bereich
der Sozialwissenschaften weiß das. Der Dekan von Canterbury scheut sich nicht,
klipp und klar das Gegenteil zu behaupten. Er hat recht, würde ihm der alte
Voltaire sagen: „mentez, mentez, il restera toujours quelquer chose“
(„Lügt, lügt nur; irgendetwas bleibt immer hängen.“)
Und nun
folgt eine weitere Lüge. Mit Bezug auf die Lateranverträge behauptet der Dekan:
„wenn der Faschismus dem Papst zu geben weiß, was des Papstes ist, und er dem
Faschismus zu geben weiß, was des Faschismus ist, einschließlich der Freiheit
vieler Millionen von Individuen.“ Ignoriert der Dekan etwa, dass die
korporative Auffassung des Faschismus von der Kirche verurteilt wurde – nicht,
weil sie irgendein Recht der Kirche verletzt hätte, sondern weil sie, da sie
dem Naturrecht widerspricht, die gerechte Freiheit „vieler Millionen von
Individuen“ beschnitt? Ignoriert der Dekan, dass die Staatslehren von Gentile
und Croce wegen ihres totalitären Charakters von der Kirche verurteilt wurden?
Sieht er nicht, dass die Kirche auf diese Weise all das verteidigte, was
gerecht und edel am Wort „Freiheit“ ist – ein Wort, mit dem er, der Dekan, und
seine Anhänger so abscheulichen Missbrauch zu treiben pflegen? Und wie kann man
dann behaupten, der Vatikan habe mit dem Naturrecht, dessen Hüterin die Kirche
ist, Handel getrieben? Wo bleibt da der gute Glaube? Was Franco betrifft, so
stellt ihn der Dekan als den Mann der „Römischen Kirche“ dar – als einen niederträchtigen
Militärmensch und Komplizen niederträchtiger Prälaten, die darauf aus waren,
einen Religionskrieg anzuzetteln, der der vatikanischen Diplomatie gelegen
käme!
Ignoriert
der „Dekan“, dass Franco keineswegs ein Werkzeug in den Händen der Kirche ist,
sondern derart gespannte Beziehungen zum Vatikan unterhält, dass das erwartete
Konkordat zwischen Spanien und dem Heiligen Stuhl bis heute nicht zustande
gekommen ist? Denn der „Caudillo“ will der Kirche nicht einmal jene Freiheit
gewähren, die sie in Ländern genießt, in denen Kirche und Staat getrennt sind.
Ist das nicht allgemein bekannt? Steht das nicht in den Nachrichten aller
Zeitungen?
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Und so
geht es mit den Unwahrheiten weiter. Man müsste ein ganzes Buch schreiben, um
sie eine nach der anderen zu widerlegen. Kommen wir direkt zum Schluss.
Worauf
will der Dekan hinaus? Am Ende seines Artikels behauptet er, angesichts des
diplomatischen Triumphs des Vatikan „wisse man noch nicht, was die
demokratischen und revolutionären Kräfte der Welt gewinnen werden“; sie
würden im Papsttum „eines der größten Hindernisse“ vorfinden... ... auf ihre
Ausdehnung hin, wie es praktisch der antisowjetische Block in Mitteleuropa
andeutet, den die römische Kirche seit mehr als einem Jahr zu bilden sucht.“
Darin
liegt der Grund für den Zorn! Wir wissen nicht, was dieser „antisowjetische
Block“ sein soll. Doch fest steht: So entschieden die Kirche auch gegen den
Nationalsozialismus eingestellt ist, so entschieden ist sie auch gegen den
Kommunismus. Gewiss wird sie vom Sieg der Alliierten stark profitieren. Die
Katholiken müssen einen solchen Sieg herbeiwünschen, und genau in diesem Sinne
hat sich auch der „Legionário“ stets geäußert. Dennoch bleibt es eine
Tatsache, dass die Kirche weiterhin ein gewaltiges Hindernis für die
kommunistische Expansion darstellen wird. Und genau das ist es, was der Dekan
nicht will und nicht ertragen kann.
Hierin
liegt der Grund für seinen ganzen Zorn als kommunistischer „Rädelsführer“, der
sich als Seelsorger „getarnt“ hat.
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