Sonntag, 4. Oktober 2026

Um was man dem Unbefleckten Herz Mariens bitten soll

Plinio Corrêa de Oliveira
Heiliger des Tages – 22. August 1970

Heute ist das Fest des Unbefleckten Herzens Mariens, und bis Mitternacht feiern wir dieses Hochfest, dieses liturgische Fest. Es wäre interessant, wenn Sie hier einige Bitten an die Muttergottes formulieren würden, die dieses Fest berücksichtigen.

* Fest des Unbefleckten Herzens Mariens: Wie betet man und worum kann man an diesem Tag bitten?

Ich habe Ihnen schon mehrmals gesagt, dass, wenn die Kirche in ihrer Liturgie ein bestimmtes Fest feiert, an diesem Tag das Geheimnis dieses Festes, das gefeierte Ereignis dieses Festes, den Gläubigen ganz besondere Gnaden zuteilwerden lässt. An diesem Tag sollten wir Gott durch den Heiligen, den Engel, der Persönlichkeit des Alten Testaments, die im Mittelpunkt steht, oder Gott selbst bitten, stets im Namen der Muttergottes, im Namen dieses oder jenes Geheimnisses seiner Passion, Geburt, Himmelfahrt, Auferstehung usw., und dann im Namen dieses Geheimnisses um die Gnaden bitten, die wir uns wünschen.

Ich weiß nicht, ob wir alle eine klare Vorstellung davon haben, wie wir um die benötigten Gnaden bitten sollen. Und vielleicht ist es ein interessanter Weg – wer möchte, kann sich das merken –, um um Gnaden zu bitten, kurz gesagt, um es Ihnen beizubringen, um darüber kurz zu meditieren. – Ich sehe jedoch einige von Ihnen hinten, so dicht gedrängt, dass ich nicht weiß, ob man schreiben kann. Wenn jemand von hinten nach vorne kommen möchte, um den anderen Platz zu machen, erlaube ich das gerne.

Nun, wir müssen … all unsere frommen Angelegenheiten, obwohl sie auf Glaubensgrundlagen beruhen, müssen zutiefst logisch und rational sein. Wenn wir eine völlig rationale Bitte äußern wollen, müssen wir wissen, wie wir es ausdrücken sollen, wir müssen wissen und verstehen, was wir brauchen und warum wir darum bitten sollten; erstens. Zweitens müssen wir wissen, an wen wir uns wenden. Drittens, auf welcher Grundlage wir bitten, welche besondere Basis wir brauchen, um mit dieser Bitte Gehör zu finden. Mit diesen drei Überlegungen gewinnt das Gebet an Konsistenz und Tiefe, die es im geistlichen Leben der Gläubigen haben muss.

Zunächst die Dinge, die wir uns wünschen sollten. Wir sollten uns vor allem das wünschen, was unsere Heiligung betrifft. Denn das Erste im Leben eines jeden Menschen ist das Heil seiner Seele, die Vollkommenheit – nicht nur die Rettung vor dem Verderben, sondern die Erreichung des vollen Grades an Heiligkeit, für den wir geschaffen wurden. Ich muss mir also folgendes vor Augen halten: Ich bin Plinio Corrêa de Oliveira und wurde erschaffen, um einen bestimmten Grad an Vollkommenheit zu erreichen. Ich muss mich fragen, wie weit ich – vermutlich und vorstellbar – von diesem Grad an Vollkommenheit entfernt bin, für den ich erschaffen wurde. Das heißt, ich muss mir in etwa Folgendes vorstellen: Angesichts meines Alters und des Vollkommenheitsgrades, für den ich vermutlich erschaffen wurde, was sollte ich sein und was bin ich? Das sollten wir uns alle vor Augen halten, wir sollten uns dessen bewusst sein. Angesichts der Zeit, die ich in der Gruppe verbracht habe, angesichts der Gnaden, die ich empfangen habe, was sollte ich sein, was bin ich? Angesichts dessen, was die Gruppe von mir erwarten könnte, was die Gruppe von jedem ihrer Mitglieder erwartet und angesichts dessen, was ich bin, welcher Unterschied besteht? Dieser Unterschied entspricht dem ersten unserer Gebete.

Deshalb sollte ich die Muttergottes inständig bitten, mich dringend zu dem zu machen, was ich sein sollte. Dass sie die Leere füllt und mich durch ihre Güte zu dem mache, was ich sein soll. – Ich weiß nicht, ob dieser Gedanke verständlich ist, besonders für die Jüngeren, oder ob jemand Fragen dazu hat.

Was die Gruppe betrifft, denke ich, es ist leicht zu verstehen. Jeder von uns weiß ungefähr, was ein gutes Gruppenmitglied ausmacht; jeder von uns weiß ungefähr, was wir sein könnten, wenn wir die Gnaden, die wir in der Gruppe empfangen haben, voll und ganz annehmen würden. Jeder von uns kann sich daher eine Vorstellung von dem Unterschied machen, der besteht, von der Kluft zwischen dem, was ist, und dem, was sein soll. Dann sollten wir die Muttergottes um die Gnaden bitten, die nötig sind, um zu erkennen, was wir sein sollen, um das zu sein, was wir sein sollen. – Ich weiß nicht, meine lieben Freunde, ob das verständlich ist, oder ob jemand Fragen dazu hat.

Nun. Mein zweiter Punkt ist folgender: Ich möchte bedenken, dass die Muttergottes einen Menschen schnell, von einem Moment auf den anderen, verändern kann. Ich muss Sie darum bitten: dass sie mir dies ganz deutlich vor Augen führt: dass sie jeden Menschen durch überwältigende Gnaden, die den Menschen im Innersten seiner Seele berühren, schnell heilen und ihn vollständig verwandeln kann.

Ich muss also um diese Gnaden für mich selbst bitten. Ich muss die Muttergottes bitten, mich zu verwandeln, aber nicht auf mein Schneckentempo zu warten; dass sie mir entgegenkommt; dass sie mich zu dem macht, was ich unmöglich sein kann.

Es mag meine Schuld sein; aber ist sie nicht meine Mutter? Sie ist meine Mutter, die mir vergibt, sie ist meine Mutter, die mich liebt, die sich meiner erbarmt. Ich trete mit Schuldgefühlen vor sie und sage: „Erbarme dich meiner und vollbringe in mir schnell, was ich schuldhafterweise so lange aufgeschoben habe. Ich richte diese Bitte an dich.“ Vor allem, wenn wir einen konkreten Mangel haben, müssen wir die Muttergottes bitten, diesen Mangel zu ändern.

Aber die meisten Menschen haben keine klare Vorstellung von ihren Hauptmängeln. Sie haben eine verschwommene Vorstellung davon; So haben sie ein Gefühl der Unwürdigkeit, der Minderwertigkeit, der Unvereinbarkeit mit dem, was sie sein sollten, aber sie haben keine klare Vorstellung davon, worin diese Unvereinbarkeit besteht. Deshalb sollten wir zu Unserer Lieben Frau sagen:

„Meine Mutter, sieh, wie viel Dunkelheit in meiner Seele ist, wie viel Unklarheit, wie viel Unsicherheit. Ich sehe mich selbst nicht einmal klar, lass mich mich selbst sehen. Lass mich mir selbst direkt in die Augen sehen. Oder, noch besser, heile meine Fehler, bevor Du sie mir zeigst; lass mich mich von einem Augenblick zum nächsten verändern und dir für eine Verbesserung danken, deren Inhalt ich nicht genau kenne.“

Wie oft geschieht dies im geistlichen Leben; wie oft habe ich dies in der Gruppe erlebt: Menschen, die beginnen, sich zu verbessern, verbessern sich, verbessern sich; es war eine Gnade Unserer Lieben Frau. Darum sollten wir bitten.

Worum sollten wir noch bitten? Wir sollten für die katholische Kirche bitten, die wir über alles auf der Welt lieben sollten; wir sollten darum bitten, weil wir die katholische Kirche lieben. Wir sollten für die TFP beten. Und wir müssen vor allem für jene Seelen beten, die in der TFP – als Erstes – die treibenden Kräfte sind, auf denen die Gruppe in erster Linie ruht; denn wenn man über ein Gebäude wacht, wacht man vor allem über die Säulen, die das Gebäude tragen.

Wir müssen auch für die Seelen in der TFP beten, die uns am nächsten stehen, mit denen wir die meisten Verpflichtungen, die meisten Beziehungen, den meisten Kontakt haben.

Wir müssen für die Seelen beten, die am meisten gefährdet sind, und dabei die einfachen Seelen nicht vergessen; die Muttergottes kann einen einfachen Menschen von einem Augenblick zum nächsten in einen Engel verwandeln.

Schließlich müssen wir zur Muttergottes für die Seelen beten, die sehr bedrängt sind, aber nicht so großzügig sind, wie sie sein sollten. – Leider ist dies nicht so selten.

Wir müssen für jene beten, die sich der TFP nähern.

Wir müssen für jene beten, die die TFP verlassen haben, dass die Muttergottes sie zurück auf den rechten Weg führen möge. Es gibt viele Seelen, die die Muttergottes sehr verherrlichen würden, wenn sie zur TFP zurückkehrten – natürlich wiedergeboren. Wir müssen für sie beten.

Sie sehen, mit einer kleinen Liste wie dieser wir lange beten können. Denken Sie über dies nach, denken Sie über jenes nach, bitten Sie die Muttergottes um etwas – das genügt für eine Stunde vor dem Bildnis hier oder dem Bildnis der Muttergottes im Reich Mariens; allein mit dieser Liste von Anliegen. Oft kommen wir gar nicht bis zum Ende. Das ist nicht schlimm. Allein die Tatsache, dass wir einen Teil dieser Meditation getan haben, macht es aus, und am Ende sagen wir zur Muttergottes: „Du bist Mutter; du siehst alles, was ich mir wünsche und worum ich dich in der Zeit nicht bitten konnte. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Es ist vollbracht, das Gebet ist gesprochen, die wichtigsten Bitten sind vorgebracht.

Nun, es gibt eine Bitte, die meiner Meinung nach zu den Dingen gehört, die wir uns in unserem geistlichen Leben am meisten wünschen sollten.

Ich sagte euch, dass wir uns um das Heil unserer Seele kümmern müssen, ich sagte euch, dass wir nach Heiligkeit streben müssen. Aber wir sollten nicht nur zu unserem eigenen Wohl nach Heiligkeit streben. Wir müssen – und hier ist die Bitte – nach Heiligkeit streben, und zwar vor allem selbstlos. Ich sollte nicht heilig sein wollen, um mich zu rühmen, sondern weil es Gott gefällt, dass ich heilig sei, um seinen heiligen Willen, den heiligen Willen der Muttergottes, zu tun. Damit er sich an mir freut und in mir ein Bild von sich selbst sieht. Deshalb. Es ist also eine selbstlose Bitte.

Gut. Warum diese Bitte am Fest des Unbefleckten Herzens Mariä?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zwei grundlegende. Wenn wir heute das Unbefleckte Herz Mariens feiern, feiern wir das, was das Herz symbolisiert: die Persönlichkeit der Muttergottes, ihren Geist, ihren Willen. Das ist es, was gefeiert, was geehrt wird. Und ich kann zu ihr sagen:

„Meine Mutter, du, die du in allen erdenklichen und unzähligen unvorstellbaren Graden der Vollkommenheit für mich strahlst; an diesem Tag, da deine Vollkommenheit allen Engeln, allen Heiligen, allen Menschen so offenbart wird, gib mir, für mich, für alle, die ich möchte, dass sie dich lieben, und für alle, die existieren, etwas von deiner unermesslichen Heiligkeit.“

Es ist der Tag, an dem sie am ehesten bereit ist zu erhören.

Zweitens sahen die Gläubigen in ihren Herzen eine besondere Offenbarung der Barmherzigkeit, der Güte, des Mitgefühls. Man kann daher sagen, dass das Mitgefühl Unserer Lieben Frau an diesem Tag besonders im Mittelpunkt steht. Es ist unser Tag. Denn wer kein Recht hat, um Mitgefühl zu bitten, wer keinen Anspruch auf irgendetwas hat, bittet um reine Barmherzigkeit. Darum sollten wir bitten. So bitten wir um Mitgefühl, wir bitten um Barmherzigkeit für das, was wir empfangen möchten. Es ist der Tag der Barmherzigkeit; an dem die Barmherzigkeit reicher sein wird als an anderen Tagen.

Hier finden Sie also einige sehr interessante und aktuelle Hinweise, damit Sie heute noch bis Mitternacht oder kurz danach zu Füßen der Muttergottes beten können. Wenn Sie heute keine Zeit dafür haben, beten Sie morgen. Bewahren Sie diese Punkte auf einer Karteikarte bei sich und denken Sie beim Rosenkranzgebet daran. Bitten Sie um diese Dinge für die verschiedenen Geheimnisse des Rosenkranzes, die Sie beten. So haben Sie sozusagen eine unerschöpfliche Quelle guter Absichten, um mit der Muttergottes zu sprechen.

Manche werden mich fragen: „Und können wir nicht auch um unsere materiellen Belange bitten?“ Ja, das können wir, aber nur, wenn wir die Interessen der Heiligen Kirche und unserer Mitmenschen über all unsere spirituellen stellen; erst dann kommen auch unsere materiellen Interessen in den Vordergrund. Wir können nicht nur bitten, sondern wir müssen es sogar. Und das kann ein eigener Punkt sein. Ich fürchte, es wird der Punkt sein, bei dem die Absichten am schnellsten auftauchen und zu dem wir die klarsten Vorstellungen haben. Ach! Möge die Muttergottes uns weiterhin verwandeln.


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Die Mission Lateinamerikas

Plinio Corrêa de Oliveira
„O Legionário“ 15.Oktober 1933


      Wir befinden uns im Spätherbst einer Zivilisation. Das alte Europa stirbt, ausgestreckt auf seinem erschöpften Boden, erschüttert von den letzten Atemzügen des Materialismus. Alle Enttäuschungen scheinen sich verschworen zu haben, um seinen letzten Becher zu verbitten. Der westliche Mensch findet keinen Reiz mehr an der Freiheit, die er missbraucht hat, an der Gleichheit, von der er geträumt hat, und an der Brüderlichkeit, die er nicht erreicht hat. Seine blühende Wirtschaft, der Stolz seiner alten Tage, ist von der Überproduktion verschlungen worden. Die Philosophie, der er in seiner Bewunderung einen Altar errichtet hatte, trinkt nun von den vergifteten Strömen, denen weder Völker noch Zivilisationen widerstehen können. Die Ruinen seiner vergangenen Herrlichkeit dienen ihm als Grabstätte. Und die einzige Fackel, die dieses fatale Bild erhellt, ist die rote Flamme, die heute in Moskau brennt, aber die morgen droht, sogar ihr eigenes Leichentuch zu verzehren.

      Zu ihren Füßen liegt die USA, ein Kind ihrer eigenen Fehler und ihres eigenen Erfindungsreichtums, inmitten ihrer Entwicklung von der fatalen Wachstumskrise überrascht. Ihr Verstand scheint von der Paranoia befallen zu sein, die man Amerikanismus nennt, während ihr Organismus – finanziell wie intellektuell, politisch wie moralisch – vorzeitig untergraben wird.

      Das jahrtausendealte Asien brennt an seiner Peripherie im selben fatalen Fieber, das den Westen befallen hat. Und die Bevölkerung im Zentrum des Kontinents verfällt weiterhin demselben orientalischen Traum, über den die Jahrhunderte langsam hinweggezogen sind, ohne etwas zu verändern.

       Afrika hat sich entweder vom Strudel der westlichen Welt mitreißen lassen oder es bleibt verdammt zur stillen und unheilbaren Stagnation der großen Wüsten und undurchdringlichen Wälder, die für die einheimische Bevölkerung, die dem wilden Reiz primitiver Zivilisationen endgültig verfallen ist, unüberwindliche Hindernisse darstellen. Das Virus der Superzivilisation lässt sie in Fieberkrämpfen erbeben, ob in Kapstadt oder Kairo. Andererseits hat die Aggressivität der Natur alle guten Absichten der Kolonisierung zunichtegemacht, sowohl in der Sahara als auch am Ufer des Sambesi.

      In diesem Nachmittag der Zivilisation, der droht, der Nachmittag der Menschheit selbst zu werden, sehen wir nur zwei Faktoren, die der Menschheit ein rettendes Fenster in die Zukunft öffnen können: auf der spirituellen Ebene die katholische Kirche und auf der irdischen Ebene Lateinamerika.

      Eine alte Legende erzählt von einem Felsen am Ufer eines Sees, der mit den Wellen wuchs, sodass er selbst in den heftigsten Stürmen niemals unterging. Heute ist dieser Felsen der Stein, der Stuhl Petri, der mit Revolutionen gewachsen ist, Ketzereien verspottet und an Stärke gewonnen hat, während der Groll seiner Widersacher wächst. Seit zwanzig Jahrhunderten besprengt er die Widersacher, die auf seinem Weg fallen, mit Weihwasser. Die gegenwärtige Krise, die uns mit ihren alptraumhaften Aspekten erschüttert, ist für sie lediglich eine Episode in der Geschichte der Menschheit, die sie schon bei anderen Gelegenheiten unter der Last derselben Irrtümer und erdrückt von denselben Leidenschaften hat ächzen sehen. Sie erlebte die Entstehung aller westlichen Länder. Sie würde sie furchtlos in ihren eigenen Tagen untergehen sehen, die nicht so kurz sind wie die Tage einer Nation.

      In ihrer göttlichen Lehre birgt sie alle spirituellen und moralischen Schätze, die zur Lösung aller Krisen notwendig sind. In diesem turbulenten Meer des 20. Jahrhunderts, in dem Menschen, Ideen und Vermögen Schiffbruch erleiden, ist und bleibt nur sie der Weg der Wahrheit und des Lebens, den die Menschheit annehmen muss, um den rettenden Flug über den Abgrund zu wagen, der sie zu verschlingen droht.

      Um zu handeln, nutzt sie jedoch auch menschliche Faktoren. Und von diesen ist Lateinamerika der vielversprechendste.

      Obwohl auch lateinamerikanische Katholiken gesündigt haben, lastet die erdrückende Schuld, die Europa und die Vereinigten Staaten tragen, nicht auf den Schultern ihrer noch jungen Nationen. Es stimmt, dass wir Lateinamerikaner alle dem Märchen vom Liberalismus erlegen sind. Es stimmt, dass der unterdrückende Pombalismus in seiner ganzen Fülle unter uns blühte. Es stimmt, dass das geheime Wirken von Sekten Intelligenz und Charakter tiefgreifend untergraben und geschwächt hat. Es stimmt, dass der Ausspruch des heiligen Augustinus auf uns als Nationen zutreffen könnte: „Tantilus puer, et tantum peccator!“ – So jung und schon so ein großer Sünder!

      Jedoch ist von hier aus nie ein Aufruf der Häresie gekommen. Wir waren immun gegen protestantische Propaganda, sei sie nun durch den Dollar oder durch trügerische Argumente untermauert, die unsere religiöse Unwissenheit so leicht hätten verführen können.

      Trotzdem bewahren unsere Sitten noch immer viel von jener sanften Weltgewandtheit, die christlichen Wesen eigen ist. Auch die häusliche Moral im Allgemeinen ist durch die Scheidung, die heuchlerischerweise die freie Liebe legalisiert, noch nicht korrumpiert worden.

      Wenn also aus dem gewaltigen Kessel, in dem die Überreste unserer Zivilisation brodeln, die Grundprinzipien einer neuen Ordnung hervorgehen, die auf der Achtung vor Kirche, Eigentum und Familie beruht, wird nur Südamerika der Welt einen Weg weisen können – mit seinen riesigen, von Wirtschaftskrisen unberührten Gebieten und seinen Völkern mit soliden moralischen Reserven, die bis dahin den Schmelztiegel des Leidens durchschritten und darin ihre Stärke als Völker geformt haben werden.

      Südamerika wird daher das große Laboratorium sein, in dem die neue katholische Zivilisation entstehen wird.

      Damit sie jedoch nicht von dieser ihr von Gott gegebenen Mission abfällt, muss sie die Monroe-Doktrin im lateinamerikanischen Sinne anwenden: Katholisches Amerika für amerikanische Katholiken. Und sie muss diese Prinzipien auf die internationale Bühne übertragen: Die Armeen Lateinamerikas nur gegen die Feinde der Lateinamerikaner.

      Gegen Moskau wie gegen Washington, die Zentren der Korruption von morgen oder heute, muss sich Lateinamerika erheben, mit dem festen Vorsatz, katholisch zu bleiben. Und General Justos (aus Argentinien AdÜ) Besuch in Brasilien war ein bedeutender Schritt auf dem verdienstvollen Weg zur Erfüllung dieser großen, von Gott gegebenen Mission!

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Freitag, 2. Oktober 2026

GOTT WIRD RICHTEN

 Plinio Corrêa de Oliveira
"Folha de S. Paulo" – 11. Juni 1972

Um das wichtigste Ergebnis des Moskauer Treffens in einer prägnanten – wenn auch etwas pedantischen – Formel zu fassen, könnte man sagen, dass sich die Beziehungen zwischen der kommunistischen und der nichtkommunistischen Welt von einer polemischen zu einer dialektischen Phase entwickelt haben.


Anders ausgedrückt: Vor Nixons Besuchen in Peking und Moskau war die Öffentlichkeit weiterhin überzeugt, dass sich die beiden Welten in einem ideologischen Kampf befanden: der Westen, gestützt auf bestimmte, ewig gültige und absolute Wahrheiten des christlichen Glaubens, und der Osten, der die Relativität und Wandelbarkeit aller Lehren – außer des Relativismus – als Dogma verkündete.

Nach den Treffen in Peking und Moskau wurde der gesamten Menschheit implizit vermittelt, dass es für die Supermächte keine Irrtümer oder absoluten Wahrheiten gibt und dass alle ideologischen Gegensätze nicht in der Polemik, sondern im Dialog gelöst werden. Ja, im Dialog. Das heißt, auf einem verschlungenen und doch fließenden Weg, in jedem Konflikt eine Zwischenlösung zu finden, in der die Parteien aufeinander zugehen. Jeder gibt ein Stück seiner Ideologie preis, und aus diesem Feilschen entsteht nicht die Wahrheit, sondern eine Art „Wahrheit“, also eine Art „Verwirrung“, die niemand so recht ernst nimmt und die die Ereignisse im großen Strom der Geschichte hinwegspülen werden.

Von diesem Geist beflügelt, rief Kissinger nach dem Abkommen aus: „Russland und die USA werden in einem Dialog stehen wie nie zuvor.“ Leonid Zamiatin, Direktor des Moskauer Pressezentrums, äußerte sich im Wesentlichen ähnlich.

Wohin wird diese dialektische Euphorie die Welt führen? Die Antwort ist einfach. Man muss sich nur ansehen, wohin sie sie jetzt führt.

Auf sowjetischer Seite wurde in einem Artikel der Prawda eine Interpretation des Abkommens präsentiert, die Raum für alles lässt. Die Zeitung erklärt, Russland habe einen diplomatischen Sieg errungen, indem es die Amerikaner dazu gebracht habe, das Ende des Kalten Krieges und den Beginn einer Friedensära zu akzeptieren. Weiter heißt es, dieser Erfolg des Kremls stehe im Einklang mit Lenins strategischen Prinzipien. Für Lenin war Frieden immer dann wünschenswert, wenn ein stärkerer Gegner im Anmarsch war. Daher galt es, den Frieden zu nutzen, um den Feind an Reichtum und Macht zu überflügeln. Sobald dies erreicht war, mussten die Kommunisten ihre Aggression wieder aufnehmen: Dies erklärt das große Interesse der Sowjets an finanzieller und technologischer Unterstützung durch die großen nichtkommunistischen Nationen wie die USA, Deutschland und Japan. In Moskau wurde vereinbart, dass der Kreml und das Weiße Haus unverzüglich Kommissionen einsetzen würden, um den Austausch zwischen den beiden Welten (den Austausch zwischen Reich und Arm!) zu fördern und Russland so die gewünschten Vorteile zu verschaffen.

Während Russland so seine Bereicherung vorantreibt, nutzt es den Frieden des Dialogs, um dem Westen einen verheerenden wirtschaftlichen Schlag zu versetzen. Die Regierung in Bagdad, der auch Kommunisten angehören, verstaatlichte (sprich: „konfiszierte“) kurz nach Nixons Besuch in Moskau die Iraqi Petroleum Company, ein westliches Unternehmen, das über Pipelines durch Syrien und den Libanon einen Großteil des Erdöls für die westliche Welt liefert.

Laut Medienberichten soll dieses Öl nun nach Russland exportiert werden. Russland wiederum will westliche Länder, denen irakisches Öl fehlt, mit russischem Öl beliefern.

Syrien konfiszierte nur Stunden nach dem Irak ebenfalls die Vermögenswerte des großen Ölkonzerns. Der konservative Libanon ist in Aufruhr. All dies geschieht in einem ohnehin schon unruhigen Nahen Osten.

Tatsächlich wurde Nixon bei seinem Besuch in Persien direkt nach Russland mit Bombenanschlägen und symbolischen Attacken empfangen – verübt von Agenten derselben Gastgeber, die ihn kurz zuvor in Moskau begrüßt hatten. Es ist der Aufstand, der im Reich des Schahs brodelt, mit dem Ziel, dort eine prokommunistische Koalitionsregierung zu errichten und anschließend die riesigen Ölreserven des Persischen Golfs in den russischen Einflussbereich zu bringen.

Wer diese beunruhigenden Nachrichten ernsthaft zur Kenntnis nimmt, wird sicherlich alarmiert sein. Ich weiß nicht, ob Nixon Angst hatte. Falls ja, dürfte seine Furcht nur von kurzer Dauer gewesen sein.

Tatsächlich flog Nixon direkt nach seinem Besuch in Persien nach Warschau. Dort wurde er von einer enthusiastischen Bevölkerung gefeiert, die in ihm den möglichen Retter des von den Kommunisten unterdrückten, armen Landes sah. Nixon hielt eine Rede. Und er konnte sich nichts Besseres vorstellen, als für die unglücklichen Warschauer die Fortschritte Polens nach dem Zweiten Weltkrieg zu loben. Das heißt, unter der kommunistischen Diktatur … Was mögen wohl die Familien der Arbeiter gedacht haben, die vor weniger als einem Jahr in Danzig aus purer Not rebelliert hatten, als sie dies hörten?

Mit diesem Schlag gegen die Befreiungshoffnungen in Polen lieferte Nixon den Beweis – und was für einen Beweis! – seiner Aufrichtigkeit im Dialog mit Moskau. In Teheran hatte er gerade den Beweis für die Heuchelei der Sowjets erhalten …

* * *

Russland nutzt den dialektischen Frieden also aus, um sich zu bereichern und seinen Gegner zu verarmen. Doch um einen Dritten Weltkrieg vorzubereiten, reicht das nicht. Es bedarf auch der Akzeptanz der Amerikaner hinsichtlich des Rückgangs ihres globalen Einflusses und ihrer militärischen Macht.

Was den Rückgang des amerikanischen Einflusses betrifft, so akzeptiert Präsident Nixon diesen in seiner euphorischen Rede vor dem Kongress zwar implizit, aber deutlich. Er erklärte, die USA verfügten weiterhin über genügend Macht, um sich gegen russische Aggression zu verteidigen. Er erwähnte die Verteidigung der übrigen freien Welt mit keinem Wort. Mit anderen Worten: Nordamerika distanziert sich von den anderen nichtkommunistischen Ländern und setzt sie damit Moskaus Zorn aus.

Insbesondere in Bezug auf Lateinamerika belegen Telegramme, dass Nixon versuchte, die Sowjets zu einer Abschwächung ihrer subversiven Bestrebungen in diesem Teil der Welt zu bewegen. Da die Sowjets sich weigerten, musste der amerikanische Präsident in der gemeinsamen Erklärung jegliche Bezugnahme auf lateinamerikanische Länder streichen.

Wie lange scheinen die Zeiten der Monroe-Doktrin her…

* * *

Gleichzeitig begannen die USA, ihre Kriegsanstrengungen konsequent zu reduzieren. Verteidigungsminister Melvin Laird ordnete umgehend die Aussetzung aller Militärprojekte an, die gegen den in Moskau unterzeichneten Vertrag zur Begrenzung strategischer Waffen verstießen.

– Welche Garantien hat Nixon, dass Russland dasselbe tun wird? Laut Kissinger sind die US-amerikanischen Mittel zur Überwachung der russischen Abrüstung wirksam. James Reston, Kolumnist der New York Times, räumt hingegen ein, dass es keine verlässlichen Mittel gibt, die Einhaltung der Abkommen durch die Russen zu überprüfen.

Dieser absolut entscheidende Punkt bleibt daher ungeklärt. Ich fürchte, die Welt wird für diese Unsicherheit einen hohen Preis zahlen!

* * *

– Aber, wird jemand fragen, ist Nixon verrückt geworden? – Diese Annahme ist eindeutig unhaltbar. James Reston hat das Problem, ohne Nixon direkt zu erwähnen, sehr deutlich formuliert. Wer auch immer glaubt, die Sowjets handelten in gutem Glauben, hat Grund zur Hoffnung, dass Nixons Politik einen Krieg verhindern wird. Wer hingegen sowjetischen guten Glauben für unmöglich hält, muss zugeben, dass Nixons Politik den Krieg nicht verhindert. Ich meinerseits füge hinzu, dass diese Politik den Krieg vorbereitet, da sie den Sowjets die Mittel gibt, sich zu stärken und dann die USA anzugreifen.

Dass Nixon, ein Mann mit wenig Doktrin und viel Pragmatismus, den sowjetischen Versprechen Glauben schenkte, trotz der zutiefst unmoralischen Natur des Marxismus, überrascht nicht. Was mir jedoch unerklärlich bleibt, ist, wie er die gesamte freie Welt, einschließlich Lateinamerikas, dem russischen Zorn ausliefern konnte und sogar vor den armen Polen für die russische Besatzung plädierte – und das alles zu einer Zeit, in der Russland im Nahen Osten einige der wichtigsten Ölreserven der Welt ausbeutet und sich so unschätzbare Ressourcen für einen neuen Krieg sichert.

Wie dem auch sei, ich beende heute meine Ausführungen zum Moskauer Konzil.

Die Geschichte wird die Fakten eines Tages aufklären und darüber urteilen.

Und vor allem wird Gott am Tag des Jüngsten Gerichts über sie richten.

*    *    * 

  


Fatima und die Hölle

Plinio Corrêa de Oliveira
Heiliger des Tages – 15. Juli 1967

 

* Kommentar zur dritten Erscheinung Unserer Lieben Frau von Fatima: Vision der Hölle


       Die Muttergottes hatte gerade zum Gebet für die Sünder aufgerufen, als die Vision der Hölle erschien. „Während sie diese Worte sprach – für die Sünder, für die Sühne usw.“, berichtet Lucia, „öffnete Unsere Liebe Frau wie in den beiden vorangegangenen Monaten ihre Hände.“

In dieser Geste, die für das Bild Unserer Lieben Frau von der Gnade typisch ist, neigten sich ihre Hände nach unten, und ein Lichtstrahl ging von ihnen aus.

„Der von ihnen ausgesandte Schein schien in die Erde einzudringen, und wir sahen gleichsam ein Feuermeer, in dem Dämonen und Seelen wie durchsichtige, schwarze Glut in menschlicher Gestalt schwebten.“

Es ist wichtig festzuhalten, dass wir wissen – um eine Vorstellung davon zu haben, was dieses Höllenfeuer ist –, dass es sich um ein reales Feuer handelt. Daher muss die modernistische Vorstellung, das Höllenfeuer sei ein symbolischer Ausdruck moralischen Leidens, zurückgewiesen werden. Zwar gibt es in der Hölle moralisches Leiden, und dieses Leiden ist furchtbar. Es ist die Trennung von Gott, es ist ewige Verzweiflung; der Mensch fühlt sich völlig fremd und in einen erschreckenden inneren Konflikt geworfen. Doch neben diesem moralischen Leiden gibt es auch physisches Leiden, das die Seele trifft. Es gibt wirkliches Feuer in der Hölle, ein wahres Feuer, und dieses Feuer verbrennt die Seele.

Man könnte einwenden: „Aber ich verstehe nicht, wie eine spirituelle Seele vom Feuer verbrannt werden kann.“ Das ist ganz einfach zu verstehen: Ist die spirituelle Seele nicht mit dem Körper verbunden? Ist sie daher nicht mit etwas Materiellem verbunden? Wenn sie mit Materie verbunden ist, warum kann sie dann nicht von etwas Materiellem verbrannt werden? Es ist offensichtlich!

Der heilige Alfons von Liguori sagt über dieses Feuer: Es ist so furchtbar, dass die schlimmste Flamme der Welt im Vergleich schwach erscheint, so wie eine Flamme auf einem Gemälde im Vergleich zu einer echten Flamme auf Erden schwach brennt. Daraus folgt: Die schlimmsten Feuer, die man hier sieht, sind nicht so schrecklich wie die Hölle.

Es ist eine sehr gute Meditation. Deshalb wollte die Muttergottes, dass dieses Feuer heute den Sündern gezeigt wird. Wenn ich eine besonders eindrucksvolle Flamme sehe, denke ich gewöhnlich an die Hölle, und das tut mir gut. Wenn ich zum Beispiel nach Santos gehe und den Schornstein von Cubatão sehe, aus dem diese beeindruckende Flamme schlägt, denke ich gern ein wenig an die Hölle. Dieses Feuer ist für mich bereitet, es ist für jeden von euch bereitet, wenn wir nicht gläubig sind.

Die heilige Teresa von Ávila hatte die Gnade, den Platz in der Hölle zu sehen, der ihr für den Fall ihrer ihre Untreue bestimmt war. Und es war ein gewaltiger Ort, wie eine Art Ofennische, ein Grab, in das sie zusammengekrümmt eintreten und für alle Ewigkeit zusammengekrümmt bleiben sollte, zusammen mit ihrem Körper, wenn die Auferstehung der Toten stattfand. Und es ist gut, zum Beispiel, wenn wir an diesen Straßen vorbeigehen, die gerade repariert werden und in denen Teer in kleinen Töpfen brennt, und wir sehen, wie das Feuer wie Teerregen herausströmt, dann ist es interessant zu denken: „Wenn ich die ganze Nacht mit nur einem brennenden Finger hier verbringen müsste, würde ich vielleicht vor Verzweiflung und Schmerz tot aufwachen!“ Und das bei einem Feuer, das winzig ist im Vergleich zum Höllenfeuer.

Das Höllenfeuer ist furchtbar und währt in alle Ewigkeit. Darüber sollte man nachdenken! „Betrachte die letzten Dinge, und du wirst in Ewigkeit nicht sündigen.“ Die letzten Dinge sind: Tod, Gericht, Hölle und Paradies. Wir müssen über diese vier Wahrheiten nachdenken, sie alle sind für uns notwendig, und hier sehen wir, wie die Muttergottes zur Meditation über die Hölle anregt.

Und dann heißt es weiter: „Ein Meer aus Feuer, eingetaucht in dieses Feuer des Schreckens und der Finsternis“ die Gestalten, „die im Feuer schwebten, getragen von den Flammen, die aus ihnen selbst hervorkamen …“

Sehen Sie sich das an, wie furchtbar das ist: sie werden von Flammen bewegt, die aus ihrem Inneren hervorgehen. Sie brennen so heftig, dass Flammen aus ihnen herausschießen! Das ist etwas anderes als ein Brennen von außen nach innen. Es ist ein Feuer in ihren eigenen Eingeweiden, das entsetzlich brennt und nichts verzehrt, und sie bewegen sich, angetrieben von dieser Hitze. Seht die Qual, die dies darstellt.

„…zusammen mit Rauchwolken, die nach allen Seiten herabfielen…“ Stellen Sie sich eine Krankheit vor, bei der ein Mensch Rauchwolken und Flammen ausstößt und dann zwischen den Flammen taumelt und umhergeht. Können Sie sich die Angst vorstellen, die diese Seuche auslösen würde? Gäbe es eine Pille, die diese Krankheit verhindern könnte, wie gut wäre das Geschäft damit, und jeder würde sie kaufen wollen! Aber sehen Sie, wie wir sind: Der Mensch ist so blind, dass er sich nicht vor dem schlimmsten Leiden in alle Ewigkeit fürchtet.

Doch diese Vision war ein Geschenk der Muttergottes. Wenn die Muttergottes diese Vision schenken wollte, dann wollte sie, dass sie sich ereignet, zum Wohl unserer Seelen. Wir müssen dies wertschätzen und Punkt für Punkt darüber nachdenken, denn das hilft uns und bringt uns Ihr näher. Und für den verhärteten Sünder, der von der Betrachtung der Hölle bewegt wird. Die Kinder der Revolution sind per Definition verhärtet, und ohne die Betrachtung der Hölle werden sie nicht gerettet. Deshalb müssen wir diese Perspektive einnehmen und Punkt für Punkt darüber nachdenken, indem wir die Muttergottes um die Tugend der Gottesfurcht bitten.

Vor einiger Zeit sagte mir ein Arzt, dass man nicht lange krank gewesen sein muss, um zu sterben. Es gibt gewisse Krankheiten, die einen von einem Moment auf den anderen befallen und tödlich sind. Das ist kein Herzinfarkt. Ein Herzinfarkt hat mehr oder weniger nahe oder ferne Ursachen; er tritt plötzlich auf, hat aber eine lange Entstehungsgeschichte im Organismus. Es gibt eine Krankheit namens Embolie – dabei löst sich ein Partikel irgendwo im Körper –, die einen Menschen sofort tötet. Und das passiert von einem Moment auf den anderen; es kann jeden von uns treffen. Wer weiß, ob einer von uns morgen tot aufwacht? Wer von uns weiß, ob wir noch leben, wenn wir aufstehen? Ein bekanntes Geschehen: Der und der ist gestorben! Sie klopften an die Tür, er öffnete nicht. Das Dienstmädchen wurde nervös, rief den Vater, rief die Mutter … sie gingen hinein, er war tot! Es ist nicht unmöglich!

Also: „…unter verzweifelten Schreien, die uns entsetzten und mit Schrecken erfüllten, erschienen die Dämonen als widerliche Gestalten furchterregender, unbekannter Tiere, durchsichtig wie schwarze Kohlen in der Glut.“

Ich habe euch ja schon erzählt, wie widerlich es ist, eine Raupe oder ein ähnliches Tier zu zerquetschen. Ein abscheulicher Schleim tritt dabei aus. Davor hat man Angst. Stellt euch einen Menschen vor, der die Ewigkeit gebadet im widerlichen Saft einer Raupe verbringen müsste! Was für ein schrecklicher Anblick! Doch das ist weniger widerlich als der Teufel selbst, denn der Teufel ist widerlich, schmutzig, entstellt und in jeder Hinsicht monströs. Und es ist dieser Feind, der uns anzieht, und wegen so vieler „Barabbasse“ ziehen wir ihn unserem Herrn Jesus Christus vor.

Die Muttergottes sagte zu Lucia: ‚Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder gehen. Um sie zu retten, möchte Gott die Verehrung meines Unbefleckten Herzens in der Welt verbreiten.“

Wenn wir gerettet also werden wollen, ist die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens unerlässlich.

„Wenn ihr tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden und es wird Frieden herrschen… Der Krieg wird enden“ usw.

Der Rest hier ist nicht von besonderem Interesse. Ich lenke die Aufmerksamkeit auf die Muttergottes – so scheint es in der Erscheinung von Fatima –, die der Verehrung ihres Unbefleckten Herzens besondere Bedeutung beimaß, eine in der Kirche relativ wenig bekannte Verehrung.


Diese Verehrung ist in der Kirche nicht sehr verbreitet. Genauer gesagt, stammt sie aus dem 16. Jahrhundert. Sie ist also eines jener Gnadenwunder, die die Muttergottes für diese Zeit der Bedrängnis aufbewahrt hat. Und sie weist insbesondere darauf hin, dass wir uns der Verehrung ihres Unbefleckten Herzens widmen sollen, um uns von unseren Sünden und insbesondere von der Sünde der Revolution und ihren Wurzeln, nämlich Stolz und Unreinheit, zu erlösen.

Wer den Dämon des Stolzes und der Unreinheit besiegen will, soll sich dem Unbefleckten Herzen Mariens weihen und ein kurzes Gebet sprechen, beispielsweise zum Herzen Mariens, ähnlich dem Gebet zum Heiligsten Herzen Jesu. Es gibt dieses wunderschöne kurze Gebet: „O Jesus, sanftmütig und demütig von Herzen, bilde mein Herz nach deinem Herzen“.



Wir können dies zur Muttergottes sagen: „O Maria, sanftmütig und demütig von Herzen, mache unsere Herzen so demütig und kämpferisch wie Deines.“

Oder: „O Maria, kämpferisch und demütig von Herzen, mache unsere Herzen so kämpferisch und demütig wie Deines.“

Und dies scheint mir das schönste Stoßgebet zu sein: „O Unbeflecktes Herz Mariens, du ohne Makel, mache mich so makellos wie Du.“

Das sind Stoßgebete, die den Dämon der Revolution in uns ausrotten.     

 

 

 

Aus dem Portugiesischen übersetzt.

 


 

Mittwoch, 30. September 2026

Was man bei der Anbetung des Allerheiligsten Sakraments erbitten sollte

Plinio Correa de Oliveira
Santo do Dia – 6. September 1965


Alle wissen, dass die heutige Welt in einem Zusammenbruch enden wird, und wie es bei Zusammenbrüchen üblich ist, brechen sich viele Menschen die Beine, die Wirbelsäule oder den Kopf. Besonders dann, wenn der Zusammenbruch während eines Kampfes geschieht.


Irgendwann wird es großen Mut erfordern, das größte Leid, die größten Qualen zu ertragen, den Mut zum Martyrium zu haben. Dieser Mut zum Martyrium entspricht einer außergewöhnlichen Gnade, um die man bitten muss. Es genügt nicht, sie sich zu wünschen; man muss demütig darum bitten, denn niemand ist ohne eine besondere Gnade fähig, das Martyrium zu ertragen. Daher ist der wesentliche Zweck der Anbetung dieser: das ausgesetzte Allerheiligste Sakrament um diese besondere Gnade des Martyriums zu bitten.


Um eine Anbetung bestmöglich zu gestalten, finden Sie hier einige Anregungen für die Zeit der Anbetung:



1. Phase – Die eigentliche Anbetung: Es ist zwar nicht ideal, aber durchaus legitim, die täglichen Gebete, wie beispielsweise den Rosenkranz, während der Anbetung zu beenden. Anschließend bleibt noch viel Zeit, die man folgendermaßen nutzen kann:


Nachdem das Allerheiligste ausgesetzt und die täglichen Gebete beendet sind, nimmt man sich etwa 5 bis 10 Minuten Zeit für die Besinnung. Man versucht nicht an Äußerlichkeiten, weltliche Dinge oder die Sorgen des Alltags zu denken. Man spüre, wie die Gedanken, Vorstellungen und alltäglichen Sorgen verschwinden, bis die Atmosphäre der Kirche uns ein wenig durchdringt und die ungreifbare, aber dennoch spürbare Wirkung der Gegenwart des Allerheiligsten auf sich einwirken lässt.


Mann spreche dann ein Gebet zur Muttergottes, indem man sich durch sie an das ausgesetzte Allerheiligste wendet und sie bitten, uns die Gnaden zu schenken, die für eine gelungene Anbetung notwendig sind, damit das Licht des Heiligen Geistes unsere Seele bewegt und uns zum Nachdenken über das Richtige anregt; damit unser Wille gestärkt wird und wir die Kraft erhalten, das zu wollen, was wir wollen sollen; damit wir durch die Bewegung unseres Verstandes und unseres Willens die Kraft erlangen, die Vorsätze zu erfüllen, die der Muttergottes gefallen.


Man beginne anschließend, das eigene Leben und das Leben der Gruppe systematisch zu überprüfen und die Hinweise zu erkennen, wie man das Gebet gestalten kann.


Zum Beispiel: Man verrichte vor dem Allerheiligsten einen Akt der Anbetung, des Respekts, des Gehorsams und der Liebe. Anbetung ist ein Akt, durch den ich meiner Seele die unendliche, unergründliche und transzendente Überlegenheit Gottes, die unbegreifliche Erhabenheit Gottes und im Vergleich dazu meine absolute Nichtigkeit und deshalb meine Abhängigkeit von Gott in allem und für alles vor Augen führe.


Das ist der Inhalt der Anbetung. Man muss bedenken, dass die Hostie, die dort ist, Leib, Blut, Seele und Gottheit unseres Herrn ist und dass sie in diesem Augenblick von der Gottesmutter, von allen Engeln und Heiligen des Himmels mit Lobgesängen von unaussprechlicher Harmonie angebetet wird, und dass diese Hostie unser Herr Jesus Christus ist, der zur Rechten Gottes des Vaters sitzt, in der unergründlichen Herrlichkeit der Heiligen Dreifaltigkeit.


Andererseits ist man mit allem Guten und Bösen konfrontiert, und man muss zunächst mit einer Verneigung beginnen, diese Überlegenheit anerkennen, ein Akt des Respekts und der Liebe.

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2. Stufe – Danksagung: Man bedenke, wie viel wir von Gott empfangen haben: die Gabe der Schöpfung, die Gabe, Kinder der Heiligen Katholischen Kirche zu sein, die einzigartige Gabe der Marienverehrung, die Gabe der Berufung zur ultramontanen Bewegung usw. Danken wir Gott Punkt für Punkt und versuchen wir, uns den Wert jedes einzelnen dieser Dinge bewusst zu machen.

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3. Stufe – Sühne: Wie hat man angesichts all dessen gehandelt? War Gott, so groß und so barmherzig, mir wirklich gegenwärtig? Habe ich seine Barmherzigkeit stets im Sinn gehabt? usw.


Und vergib mir, dass ich weder die Größe noch die Barmherzigkeit Gottes so im Sinn hatte, wie ich es hätte tun sollen. Und was ich nicht getan habe, tue ich nun: Ich werde dich anbeten, weil ich dich nicht angebetet habe; ich werde auf deine Barmherzigkeit vertrauen, weil ich ihr nicht vertraut habe.


So prüfe man sein ganzes Leben. Ich werde mich nun selbst prüfen und mich vor dem ausgesetzten Allerheiligsten nicht selbst belügen. Ich werde versuchen, meine Seele von Angesicht zu Angesicht mit Gott zu sehen, so wie er sie im Himmel sieht. Ich werde versuchen zu erkennen, ob ich mit mir selbst zufrieden bin oder nicht. Und wenn mir diese Prüfung unangenehm ist, so nehme man sich in Acht! Denn wer sich selbst nicht ansehen will, ist unzufrieden mit sich selbst, und wer sich weigert, sein Gewissen zu prüfen, hat es nicht im Reinen. Die Angst vor der Einsamkeit entspringt oft einem ungeordneten Gewissen.

Bei der Buße sollt man vor allem drei Tugenden prüfen, zu deren Ausübung ein Sohn der Gegenrevolution besonders berufen ist: die Verehrung der Gottesmutter, die Reinheit und die Demut.


Wie gehe ich mit meiner Reinheit um?

Es geht nicht nur darum, zu wissen, ob man in Blicke eingewilligt hat oder nicht, sondern viel mehr. Es geht darum, zu erkennen, ob ich in meinem Unterbewusstsein Träume habe, die mit wahrer Reinheit unvereinbar sind, Zuneigungen, Sehnsüchte, Wertschätzung oder Fantasien, die nicht mit ihr übereinstimmen. Bin ich sentimental? Versuche ich, Sentimentalität aus meiner Seele zu verbannen?


Diese Fragen sollten vor dem Allerheiligsten Sakrament geprüft werden, denn seine Gegenwart ist eine Quelle besonderer Gnaden. Und man lasse sich niemals von Schwäche entmutigen, so unzufrieden man auch mit sich selbst sein mag. Der heilige Franz Xaver sagte treffend: „Die Sünde ist nicht das Schlimmste an der Sünde, das Schlimmste an der Sünde ist die Mutlosigkeit, die nach der Sünde kommt.“ Man lasse sich niemals entmutigen; wenn wir schwach sind, bitten wir um Kraft, immer weiterzugehen.


Kurz gesagt, unsere Haltung vor dem Allerheiligsten Sakrament sollte folgende sein: Demut bedeutet für uns zu erkennen, dass Gott alles ist und wir nichts; nicht danach zu streben, mehr zu sein als andere, sondern der katholischen Sache zu dienen, ohne innerhalb der Gruppe nach Rang und Bedeutung zu suchen. Solange die Muttergottes verherrlicht wird, ist alles andere unwichtig. Das Verlangen nach Bedeutung innerhalb oder außerhalb der Gruppe kann einen Menschen ganz verderben.


Man sollte nicht nach Bedeutung streben, sondern selbstlos dienen wollen. Wenn der Dienst von Bedeutung ist, wird die Muttergottes ihn am Ende belohnen. Verweilen wir nicht bei diesem Punkt. Selbst weil wir es nicht wissen: Manchmal gibt es ein Mitglied der Gruppe, das aus Liebe zur Muttergottes und zur Sühne der Sünden anderer gar keinen Dienst leistet und sich damit abfindet, unbedeutend zu sein. Und diese Person tut mehr als viele intelligente und gebildete Menschen, die sich für wahre Giganten halten.


In Bezug auf die Gruppe: Wünsche ich mir nichts für die Gruppe? Ich werde meine Brüder in der Gruppe, die mir am nächsten stehen, betrachten: Habe ich bei diesem oder jenem nicht eine Tugend bemerkt, die mir gefällt? Ich werde die Muttergottes bitten, sie zu mehren. Habe ich nicht eine großzügige Tat von jemandem bemerkt, die mich erbaulich gemacht hat? Ich werde die Muttergottes bitten, ihm zu danken. Habe ich etwas bemerkt, das mir missfallen hat? Vielleicht habe ich mich sogar geärgert und etwas Unhöfliches zu jemandem gesagt. Ich werde die Muttergottes bitten, ihn zurechtzuweisen. So macht man es.


Wünsche ich mir für die Gruppe nicht etwas Besonderes? Zum Beispiel, dass unsere Kampagnen erfolgreich sind? Ja. Dann werde ich die Muttergottes darum bitten.


Dann erhebe ich meinen Blick zur Kirche, zur Heiligen Katholischen und Apostolischen Römischen Kirche. Es gibt eine Stelle im Alten Testament über Jerusalem: „Jerusalem, Jerusalem, ehe ich dich vergesse, soll meine Rechte verdorren und meine Zunge an meinem Gaumen kleben.“ Die Heilige Katholische Apostolische Römische Kirche, die mystische Braut unseres Herrn Jesus Christus, ist unvergleichlich wertvoller als Jerusalem.


Die katholische Kirche befindet sich heute in einer so tiefgreifenden und traurigen Lage, dass wir, die wir ihre gegenwärtigen Umstände genau kennen – und wir kennen sie –, verstehen müssen, dass die Kirche unaufhörlich jene Worte spricht, die der Prophet Jesaja, wenn ich mich nicht irre, unserem Herrn in den Mund legt und die auch Prediger der Muttergottes in den heiligsten Mund legen: „Alle, die ihr auf dem Weg vorübergeht, haltet inne und seht, ob es irgendwo einen Schmerz gibt wie meinen.“ Nicht alle Trümmer der Welt heute, nicht alles Leid der Welt, ist vergleichbar mit dem Leiden, das die Heilige Römisch-Katholische Kirche heute erträgt.


Und sie sagt es uns treffend: „O ihr alle, o du mein Sohn, geliebter als alle anderen, auserwählt unter so vielen anderen, ohne dein Verdienst, o ihr, haltet inne, das heißt, unterbrecht den Alltag, unterbrecht den Lauf der flüchtigen Gedanken, haltet inne und seht, bedenkt, analysiert, sinniert, ob es einen Schmerz gibt, der meinem Schmerz gleicht!“ Es gibt ihn nicht. Es gibt ihn nicht jetzt und es gab ihn auch nicht in der Vergangenheit. Ich glaube, dass es seit dem Leiden unseres Herrn Jesus Christus und den Tränen, die die Muttergottes damals vergoss, keinen Schmerz auf der Welt gegeben hat, der dem Schmerz der wahren Heiligen Katholischen Apostolischen Römischen Kirche heute gleichkommt.

Nun, angesichts dessen lasst uns darum bitten, dass diese Tage der Prüfung verkürzt werden, dass die ganze Welt die überreiche Gnade empfängt, um diesen Kampf zugunsten der Kirche zu gewinnen, und dass die Erhöhung der Mutter Kirche bald kommt. Möge sie von dem Elend und der Qual erlöst werden, in denen sie jetzt liegt; Königin entthront, entkrönt, zu Boden geworfen und von allen mit Füßen getreten, und möge sie wieder auf ihren Thron gesetzt werden und zurückkehren, mit dem Reich der Kirche, dem Reich Mariens. Auf dass die Kirche das sei, was die Päpste des Mittelalters von ihr sagten: „Sie war die Sonne, von der Licht und Bewegung für alle Wesen kamen, und der Staat war nichts als ein Mond, der um sie kreiste und von ihrem Glanz lebte.“

Wie anders ist das doch im Vergleich zu dem, was wir heute sehen! Wie sehr sollten wir uns das wünschen! Kurz gesagt: Bittet immer wieder, denn wer betet, bewirkt viel mehr für das Kommen des Reiches Mariens als wer arbeitet; wer leidet, bewirkt mehr als wer arbeitet; und wer seine Arbeit als Gebet und Leiden verrichtet, vollbringt etwas Wunderbares.

Schließlich sagten alle Kirchenlehrer, dass die Muttergottes durch ihre Gebete das Kommen des Messias und die Schmach, unter der die antike Welt lag, beschleunigt hat. Wir sollten sie bitten, diese Tage des Unheils zu verkürzen und ihr Unbeflecktes Herz von nun an regieren zu lassen.

Es gibt kein wohlgefälligeres Gebet zum Allerheiligsten Sakrament als dieses: Das Reich Mariens komme bald! Das Reich Mariens komme bald! Wer dieses kurze Gebet während der Anbetung wiederholt, verrichtete bereits eine wunderbare Anbetung.

Es gibt viele Möglichkeiten der Anbetung im Kloster der Karmeliten (in São Paulo); ich möchte Ihnen eine von vielen vorstellen. Vor einiger Zeit habe ich einen Beitrag verfasst, an den ich mich nicht mehr erinnere. Vielleicht werde ich etwas Ähnliches schreiben, aber es ist immer gut, bei der Anbetung ein paar Dinge zu beachten. Ich denke, die ideale Art der Anbetung ist, in die Kirche zu gehen, um zur Muttergottes zu beten und sie um etwas zu bitten. Was die Dinge betrifft, so sollte man sich überlegen, welchen Nutzen man sich von der Anbetung erhofft. Mit anderen Worten: Man sollte sich überlegen, welche Gnaden man erlangen möchte, was man dem Herrn und der Muttergottes sagen möchte und so eine Art kleines Programm erstellen, damit sich die Anbetung dann nach und nach entfalten kann.

Zum Beispiel wäre es hilfreich, die Anbetung mit einer gründlichen Gewissenserforschung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten zu beginnen. Diese Gewissenserforschung sollte sich nicht nur auf die Dinge des Tages beziehen, sondern auch den Zeitraum seit der letzten Anbetung bis zu dieser berücksichtigen, damit man sich nicht fragt: Habe ich gelogen, habe ich eine kleine lässliche Sünde begangen? Das ist nicht so wichtig, obwohl es sehr ernst und sorgfältig, ohne Nachlässigkeit, behandelt werden sollte; das ist nicht so wichtig.

Wichtig ist es, den allgemeinen Verlauf des geistlichen Lebens zu betrachten, das heißt: Kenne ich die Kernpunkte meines geistlichen Lebens? Habe ich mich in diesen Kernpunkten weiterentwickelt oder zurückentwickelt? Wie ging es mir vor einem Monat, als ich die Anbetung machte? Wie steht es um mich in Bezug auf diese Kernpunkte? Zum Beispiel in Bezug auf mein geistliches Leben und wie es sich auf jeden Katholiken bezieht. Wie steht es um die Reinheit? Habe ich mich in Fragen der Reinheit weiterentwickelt oder Rückschritte gemacht? Hatte ich Schwierigkeiten, und woher kamen diese Schwierigkeiten? Kamen sie aus Unbesonnenheit, und woher kam diese Unbesonnenheit? Oder kamen sie einfach aus Versuchungen, für die ich keine Schuld trug? Denn der Teufel ist es, der versucht, und niemand trägt die Schuld daran, vom Teufel versucht zu werden. Habe ich in diesen schwierigen Zeiten gebetet? Habe ich widerstanden, wie ich hätte widerstehen sollen? Sollte ich Maßnahmen ergreifen, um zu verhindern, dass diese Ereignisse mit solcher Heftigkeit und Gefahr für meine Seele wiederkehren?

Was Stolz und Eitelkeit betrifft: Bin ich mir meiner Stolz- und Eitelkeitsgefühle bewusst? Habe ich im letzten Monat versucht, diese Punkte zu bekämpfen? Welche Anzeichen von Eitelkeit und Stolz habe ich in letzter Zeit gezeigt? Wie weit bin ich davon entfernt?

Wächst meine Marienverehrung oder stagniert sie? Was tue ich, um diese Verehrung zu vertiefen? Hat sich meine Andacht zu Maria im letzten Monat Mariens vertieft oder nicht?

Das Allerheiligste Sakrament: Empfange ich die Heilige Kommunion? Habe ich die tägliche Kommunion ohne triftigen Grund versäumt? Empfange ich die Kommunion lauwarm oder voller Inbrunst? Kann ich eine lauwarme Kommunion von einer trockenen unterscheiden, für die ich keine Schuld trage?

Der Rosenkranz: Bete ich täglich den Rosenkranz? Bete ich den gesamten Rosenkranz mit der Sorgfalt, ihn gut zu beten? Habe ich eine bestimmte Gebetsform für den Rosenkranz?

Dies sind einige Überlegungen, die sich gut eignen, um vor dem ausgesetzten Allerheiligsten Sakrament zu meditieren. Die Atmosphäre dort ist dafür besonders geeignet, denn erstens ist unser Herr dort wahrhaft gegenwärtig, und es ist klar, dass die Realpräsenz unseres Herrn uns Gelegenheit zu vielfältigen Gnaden bietet. Andererseits befinden wir uns in einer Basilika, die Unserer Lieben Frau geweiht ist, wo ihre Fürsprache in ganz besonderer Fülle erfahrbar ist. Deshalb habe ich als Karmelit in dieser Karmeliterbasilika besondere Gründe, gründlich zu meditieren und mein Gewissen hinsichtlich meiner Fehler zu prüfen. Und es ist zum Beispiel interessant, damit zu beginnen.

Danach bitte ich den Herrn durch die Muttergottes um die Gnade, wahre Reue über das Erkannte zu empfinden. Um die Gnade des wahren Vertrauens zur Besserung. Um die nötige Inbrunst zur wahren Besserung. So schließe ich im ersten Teil der Anbetung damit ab, mich Gott ganz und gar darzulegen. Ich lege meine Seele vor ihm völlig bloß. Das wird unweigerlich göttliche Barmherzigkeit bewirken und mir gnädig sein, wenn ich dies mit der gebotenen Demut tue.


Nach diesem ersten Teil mag sich der Mensch fragen: Was soll ich die Muttergottes, was soll ich den Herrn bitten? Dann kann er sich der Frage der Berufung zuwenden. Wie steht es um meine Berufung? Pflege ich sie? Fühle ich mich der Gruppe immer stärker verbunden, engagierter, gehorsamer? Mag ich ermahnt zu werden, freue ich mich darüber? Oder fühle ich mich im Gegenteil immer belasteter, immer müder? Werde ich immer eifriger oder treffe ich Ermahnungen mit Wehmut? Kann ich mich entschuldigen, kann ich mich für eine Ermahnung bedanken?


Neue Bitten, neue Gebete, damit die Muttergottes in mir das katholische Bewusstsein, den Hass auf Gleichberechtigung, die Liebe zum Erhabenen usw., die Verehrung für sie in all ihren Formen, entfacht. Hier endet der zweite Teil, der sich mit unseren Pflichten als Mitglied der Gruppe befasst.


Danach können wir uns an den Herrn wenden.


Zuerst ein Akt der Anbetung: die Anerkennung seiner unendlichen Majestät. Ich glaube nicht, dass es eine gültige Anbetung gibt, die die Majestät des Herrn nicht mit einbezieht. Bischof Dom Mayer zitiert in seinem Pastoralbrief einen wunderbaren Satz des heiligen Augustinus über Demut: „Wo wahre Majestät ist, da ist wahre Demut; wo Demut ist, da ist wahre Majestät.“ So ist unser Herr, und in diesem Geiste muss ich ihn anbeten. Ich muss in unserem Herrn Jesus Christus das Antlitz Gottes selbst erkennen, denn wenn ich es betrachte, kann ich ihn ewig anbeten.


Dann Danksagung, Buße, Bitte. Damit werde ich Gelegenheit gehabt haben, unserem Herrn vieles zu sagen. Und vor allem ist es in all diesen Phasen meiner Anbetung wichtiger, ihn zu bitten, zu mir in meiner Seele zu sprechen, als ihm etwas zu sagen. Denn wir gehen nicht nur in die Kirche, um mit Gott zu reden, sondern um von Gott, unserem Herrn, die unschätzbare Gnade zu empfangen, dass er in unserer Seele etwas sagt. Es ist eine gute Inspiration, eine gute Bewegung, eine gute Idee, eine gute Neigung, eine gute Überlegung, die das Ergebnis dessen ist, was die Muttergottes erlangt, was der Heilige Geist in unserer Seele wirkt. Bitten Sie daher unaufhörlich. Herr, sprich zu meiner Seele, erleuchte mich hinsichtlich meiner Fehler, korrigiere mich hinsichtlich meiner Sünden, gib mir Mut, meinen geistlichen Kampf fortzusetzen usw. Dies sind ausgezeichnete Haltungen für uns in der Anbetung.


Ich habe viele Menschen in der Anbetung etwas tun sehen, was ich nicht tadele: Sie nutzen die Zeit, um versäumte Gebete nachzuholen. Ich tadele dies jedoch nur dann nicht, wenn die Person tagsüber keine Zeit zum Beten hatte. Denn wenn jemand tagsüber Zeit hatte, seine Gebete nachzuholen, ist es schwer zu verstehen, warum er dies nicht später tut, da abends ja Gottesdienst ist. Denn dann gibt es keine oder nur eine sehr geringe zusätzliche fromme Handlung. An diesem Tag der Anbetung sollten wir zusätzlich zu den üblichen Andachtsübungen eine weitere fromme Handlung vollziehen. Idealerweise sollten wir, wenn möglich, unsere Gebete bis zum aktuellen Tag erledigt haben, um diese Stunden ausschließlich der Anbetung zu widmen.


Wenn wir beten, sollten wir nicht nur für uns selbst beten, sondern auch für anderen Seelen der Gruppe und ihrer gedenken. Für jene, von denen wir wissen, dass sie Gott durch Heiligung mehr Ehre erweisen werden; beten wir für sie. Für jene, denen die Muttergottes eine besondere Zuneigung entgegenbringt und die manchmal nicht so großzügig sind; beten wir für sie. Für jene, die in Gefahr sind; beten wir für sie. Betet besonders für die Mitglieder der Gruppe. Denn wenn die Gruppe eine Seelenfamilie ist, dann gilt unsere Hauptverpflichtung offenkundig den Mitgliedern der Gruppe. Ich versichere euch, dass diese Anbetung, die wir stets in Einheit mit und durch die Muttergottes vollziehen und durch die wir uns unaufhörlich an den Herrn wenden, uns die größten Gnaden geschenkt werden.

Und dann können wir uns auf den Kern der Anbetung konzentrieren. Wissen Sie, was dieser Kern ist? Es geht darum, die Muttergottes von nun an zu bitten, dass wir in den schweren Zeiten, die wir durchleben müssen, die nötige Ausdauer haben. Wenn Ereignisse eintreten, die die Welt zu erschüttern drohen, wissen wir, wie wir leiden und dieses Leiden bis zum Ende ertragen können. Niemand kann dies ohne die Gnade der Muttergottes vollbringen. Und ohne die Muttergottes erhält man keine Gnade; ohne Gnade ist absolut nichts zu erreichen. Hier sind daher einige Anregungen für die Anbetung des Allerheiligsten.

 


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