Dienstag, 31. März 2026

Die Muttergottes der Schmerzen und die Heilige Kirche

Plinio Correa de Oliveira 

Santo do Dia – 17. März 1967 

Obwohl der heutige liturgische Kalender die Schmerzensmutter am 15. September begeht, wurde sie gemäß der ältesten Tradition der Kirche auch am Freitag vor Palmsonntag, während der sogenannten Passionszeit, verehrt. Dies ist kein unbedeutendes Detail: Es bedeutet anzuerkennen, dass Marias Schmerz keine ferne Erinnerung ist, sondern in den Tagen unmittelbar vor Christi Leiden lebendig gegenwärtig. Daher erschien es uns angesichts der bevorstehenden Karwoche besonders angebracht, diese Betrachtung heute zu wiederholen: Denn der Blick auf die Schmerzensmutter hilft uns, tiefer in das Geheimnis des Kreuzes einzutauchen und unsere Herzen mit ihrem Schmerz und ihrer Liebe zu ihrem Sohn zu vereinen.

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Heute ist ein sehr bedeutsamer Tag für uns, denn es ist der 17. März, das Fest der Sieben Schmerzen Mariens, das am Freitag nach dem Passionssonntag gefeiert wird.

Was wir über die Schmerzen Mariens sagen können, ist im Wesentlichen Folgendes: Wer glaubt, Maria hatte in ihrem Leben einen Moment des Schmerzes erlitten und das dieser Schmerz wahrlich unermesslich war; er war der größte Schmerz, der je im Universum empfunden wurde, geringer natürlich als der unermessliche Schmerz unseres Herrn Jesus Christus in seiner heiligen Menschheit. Er war so ein gewaltiger Schmerz, der alle Schmerzen des Universums und all das Leid der Menschheit seit dem Sündenfall Adams und bis zum letzten Augenblick ihres Daseins auf Erden in sich aufnahm. Doch all das wird unvergleichlich geringer sein als die Schmerzen der Mutter Gottes.

Diesen Schmerz erlitt sie jedoch nur während ihrer Passion. Außerhalb der Passion litt sie nicht unter diesen Schmerzen. So, das man meine könnte, sie führte ein freudvolles, ruhiges und erfülltes Leben, überfließend von Zufriedenheit und der Freude, die Mutter des Erlösers zu sein. Plötzlich überkam sie den stechenden Schmerz der Passion, der jedoch nur etwa 24 Stunden anhielt. Dann, sagen wir bis zur Auferstehung unseres Herrn, also noch etwas länger, litt sie, doch dann ging das Leiden vorüber, und sie lebte wieder ein freudvolles Leben.

In Wirklichkeit verlief dies nicht so, und es ist eine völlig falsche Sichtweise auf die Leiden Mariens. Unser Herr Jesus Christus wurde von einem der Propheten, wenn ich mich nicht irre, von Jesaja, „Vir dolorem“, der Schmerzensmensch, genannt. Der Mensch, dessen Natur es war zu leiden, der voller Schmerzen war und diese Schmerzen sein ganzes Leben lang in seiner heiligsten Seele trug. So dass das Leiden unseres Herrn Jesus Christus kein isoliertes Ereignis in seinem Leben war, sondern der Höhepunkt einer unermesslichen Leidenskette, die mit dem ersten Augenblick seines Daseins begann und bis zu dem Moment andauerte, als er unter einem Schwall von Schmerzen das schreckliche „Consumatum est“ ausstieß. Während dieser ganzen Zeit litt er unaufhörlich.

Da die Gottesmutter ein Spiegel der Weisheit und der Gerechtigkeit ist und in sich alles widerspiegelt, was unser Herr Jesus Christus ist, muss man von ihr sagen, dass sie die „Mulier Dolorem“, die Schmerzensfrau, die Schmerzensmutter, war. Auch sie war ihr ganzes Leben lang von Schmerz durchdrungen, sie litt ihr ganzes Dasein lang. Gewiss war dieser Schmerz ein Schmerz, der der unermesslichen Kraft entsprach, die ihr die Gnade verlieh. Es ist gewiss, dass es ein von der Vorsehung auferlegter Schmerz war und dass er, so qualvoll er auch gewesen sein mag, nicht zu jenen Schmerzen gehörte, die alles ins Wanken bringen, alles auf die Probe stellen, eine Seele vernichten.

Es waren immense Schmerzen, aber sehr heilsame, sehr weise Schmerzen, Schmerzen, die mit bewundernswerter Seelenruhe ertragen wurden, sodass, wie Jesaja unserem Herrn die Worte zuschrieb: „Siehe, mein sehr bitterer Kummer hat Frieden gefunden“, so auch von der Gottesmutter gesagt werden kann: „Siehe, mein bitterer Kummer hat Frieden gefunden.“

Inmitten eines Ozeans des Schmerzes war alles im Gleichgewicht, alles war durchdacht, reflektiert und mit Liebe und unvergleichlicher Seelenruhe ertragen worden, ohne übertriebene Emotionen, aber mit einem fast unendlichen Maß an Empfindung. Ohne Jubel, ohne Panik, aber mit großer Furcht, mit großer Angst und in manchen Augenblicken mit einer Schwere des Schmerzes, die sie beinahe zerbrach.

Unsere Liebe Frau war ihr ganzes Leben lang eine große Leidende. Eine Leidende, die Momente der Freude erlebte – nicht nur einzelne Momente, sondern Freude durch ihr ganzes Leben hindurch. Sie erfuhr Freuden, wie sie kein anderer Mensch je erfahren hat. Und alle Freuden der Welt, vom ersten Augenblick der Geburt des Menschen im Paradies bis zum letzten Augenblick seines Daseins auf Erden, reichen zusammen nicht an die unermessliche Freude Unserer Lieben Frau heran. Doch diese Schmerzen und Freuden waren untrennbar miteinander verbunden, und Unsere Liebe Frau trug die Last unermesslicher Schmerzen und wurde zugleich von bewundernswerter Freude erlöst. Angesichts dieser moralischen, unergründlich heiligen Erscheinung Unserer Lieben Frau ist es gut für uns, sie so zu sehen, besonders in ihren Leiden.

Was waren die Leiden Unserer Lieben Frau? Im Grunde begann Unsere Liebe Frau bereits zu leiden, bevor sie wusste, dass sie die Mutter Gottes war. Und sie begann einen Schmerz zu erleiden, der für eine eifrige Seele unermesslich ist, ein Schmerz, der unzählige Heilige quälte. Ich glaube, er quälte alle Heiligen, und dass sie ihn natürlich in höchstem Maße erfuhr.

Die Liebe Frau, die ohne Erbsünde empfangen wurde, dachte und wusste vom ersten Augenblick ihres Daseins an, noch im Schoß der heiligen Anna, im Tabernakel der heiligen Anna, was geschah. Dort begann sie ihr mystisches Leben mit Visionen, erhabenen Ekstasen und großartigen Offenbarungen. Und dort hatte sie bereits Kenntnis von der Sünde der Menschen. Sie wusste bereits um all die Untreue der Menschen.

Und sie, die so sehr für die Ehre Gottes brannte, dass sie tausend Leben hingab, um eine Todsünde zu verhindern, Sie erlitt diesen unermesslichen Schmerz, die gesamte Menschheit in Sünde versunken zu sehen. Sie sah all die Seelen, die starben, unzählige in die Hölle fuhren, und jene, die nicht in die Hölle fuhren, im traurigen Zwischenreich verweilten und Jahrhunderte lang auf unseren Herrn Jesus Christus warteten.

Mehr noch, die Gottesmutter sah die Sünden, die zur Zeit des Kommens des Messias geschehen würden. Sie sah die Sünden, die nach dem Messias bis zum Ende der Welt folgen würden. Und diese Sünden verursachten ihr eine Qual, die wir uns kaum vorstellen können. Es gab einen Heiligen, ich weiß nicht, ob es der heilige Ignatius von Loyola war, der sagte: Wenn er sein ganzes Leben nur dem Zweck widmen müsste, einen Menschen vor einer Todsünde und der damit verbundenen Höllenqual zu bewahren – also nicht, um diese Seele zu retten, sondern um ihr den Schmerz der Todsünde zu ersparen –, dann würde er all das Leid seiner Existenz als gut investiert betrachten, so unergründlich ist die Todsünde.

Aber wenn dieser Heilige so dachte, was dachte dann erst die Gottesmutter? Vor ihr ist der kleinste Heilige, ja der größte, weniger als ein Tropfen Wasser im Vergleich zu allen Meeren der Welt, weniger als ein Staubkorn im Vergleich zu allen Universen. Die Heiligkeit der Gottesmutter ist unermesslich. Wir können das Missverhältnis zwischen der Heiligkeit der Gottesmutter und der aller Engel und Heiligen zusammen nicht bemessen. Welche Qualen muss sie also ertragen?

Später erhielt sie die wunderbare Nachricht, dass sie die Mutter des fleischgewordenen Wortes werden würde. Man kann sich die Freude vorstellen, die sie empfand, als sie den menschgewordenen Gott in dem Augenblick anbetete, als sie ihn durch das Wirken des Heiligen Geistes empfing. Man kann sich aber auch ihren Schmerz vorstellen, als ihr sofort bewusst wurde, dass dieser Messias so leiden würde, wie der Prophet Jesaja es beschreibt. Manche glauben, sie habe nichts vom Kreuz gewusst und erst in diesem Moment vom Tod unseres Herrn erfahren; ich bestreite das nicht. Wenn sie aber durch den Propheten Jesaja wusste, dass er unbeschreibliche Schmerzen erleiden würde, steht das außer Zweifel.

Maria von Agreda berichtet, dass es in ihrem Haus in Nazareth einen Raum gab, der als Gebetsraum diente. Mehrmals fand die Muttergottes in diesem Raum unseren Herrn kniend, ausgestreckt vor Gott, blutüberströmt vor Furcht vor dem bevorstehenden Leiden, vor der Undankbarkeit, mit der die Menschen sein Leiden aufnehmen würden. Man kann sich vorstellen, wie glaubwürdig, wie nachvollziehbar der Schmerz der Muttergottes war, als sie sah, wie ein fünfjähriges Kind, dann ein zehnjähriges, dann ein fünfzehnjähriges, dann ein zwanzigjähriger junger Mann und schließlich ein erwachsener Mann von fünfundzwanzig, dreißig Jahren immer wieder vor Gott kniete, litt und Blut schwitzte angesichts der kommenden Qualen.

Man kann sich vorstellen, was sie, die ihren Sohn nicht nur wie eine Mutter ihr Kind, sondern wie eine Mutter ihren Sohn – Gott – liebte, darunter litt. Wahrscheinlich kniete sie neben ihm. Sie warf sich neben ihm nieder und litt seine Schmerzen. Und es ist kein Wunder, dass sie Blut schwitzte, wie er selbst.

Nun, dann beginnt sein öffentliches Wirken. Die Muttergottes durchleidet den Schmerz der Trennung von ihm. Und dann beginnen seine Wunder, seine Siege, es ist eine Zeit der Freude. Doch bald darauf beginnt die Undankbarkeit. Der Sturm der Ungerechtigkeiten, der unseren Herrn zur Passion führte, braute sich zusammen. Dann kommt der Moment der Passion. Sie leidet unter all dem, der Undankbarkeit, deren Opfer er überall war.

Die Stunde der Passion schlägt, und das Unaussprechliche geschieht: Im Augenblick der Passion sieht sie endlich alles, was unser Herr erlitten hat; was hat sie in jeder Trance erlitten? All das ist nichts. Wenn es Heilige gibt, die in Ohnmacht fielen, als ihnen offenbart wurde, was mag dann erst die geringste Episode der Passion für die Gottesmutter bedeutet haben?

Schließlich erreicht sie die Höhe des Golgotha, wo das Kreuz aufgepflanzt wird, und das Leiden unseres Herrn erreicht ein unbeschreibliches, ein unergründliches Ausmaß. Da steht sie vor diesem Dilemma: Einerseits wünscht sie sich seinen schnellen Tod, um sein Leiden zu lindern, andererseits wünscht sie sich, sein Leben würde verlängert. Erstens, weil jede Mutter das Leben ihres Kindes verlängern möchte; zweitens, weil sie glaubt, dass er so mehr leiden würde und es den armen Sündern besser ginge. Und sie hält an der Passion fest, sie hält an der Verlängerung dieses Leidens fest und beschließt, der Opferung unseres Herrn zuzustimmen, jedoch in jener äußersten Stunde, nach all dem Leiden, das er zu ertragen hatte. 

Maria von Agreda berichtet, dass sie der Macht des Teufels über unseren Herrn nur ein oder zwei Grenzen setzte. Sie sah, wie der Teufel diesen verabscheuungswürdigen Mob gegen unseren Herrn aufhetzte. Sie ist die Königin des Himmels und der Erde, und mit einem Wort hätte sie all das Leiden unseres Herrn beenden können, indem sie die Dämonen berührte und die Anwesenden vernichtete. Doch sie wollte es nicht. Sie wollte, dass diese Menschen handelten, zur Formung unserer Seelen. Nur ein oder zwei extreme Situationen verhinderte sie.

Maria von Agreda berichtet, dass die Dämonen folgenden Plan ausgeheckt hatten: Als unser Herr hoch am Kreuz erhöht war und seine Todesangst in ihren verschiedenen Stadien bis zur letzten Qual begann, wollten sie in einem bestimmten Augenblick das Kreuz zu Boden stürzen, sodass sein heiliges Antlitz auf die Erde aufschlug und in Stücke zerbrach. Angesichts der ungeheuren Schmach einer solchen Absicht verbot sie dem Dämon, dies zu tun. Und sie verbot dem Dämon zwei oder drei solcher extremen Dinge; alles Weitere ließ sie geschehen.

Warum aber ließ sie es zu? Weil sie die Erlösung unserer Seelen so sehr liebte, ja, die Seele jedes Einzelnen von uns, dass sie wollte, dass ihr Sohn all das für jeden von uns durchlitt. Sie wollte das für mich. Und sie liebt meine Seele so sehr, sie liebt die Seele jedes Einzelnen von euch so sehr, dass sie selbst dann, wenn nur einer von euch in dieser Zeit des Leidens gerettet werden könnte, gewollt hätte, dass ihr Sohn dies durchleidet, um diese Seele zu retten.

Versteht ihr, was das bedeutet? Stellt euch vor, wie sie alles sah, wie zum Beispiel die Dornenkrone die Stirn unseres Herrn durchbohrte und Nervenschäden verursachte, die seinen ganzen Körper vor Schmerzen erzittern ließen; wie die Dornenkrone sogar seine heiligen Augen verletzte; wie sein Körper so ausgestreckt war, dass seine Arme halb von seinen Schultern gerissen waren, um in sie dem Balken des Kreuzes anzupassen; den unermesslichen Durst; Das Blut, das von allen Seiten floss, das hohe Fieber, das Todesröcheln seines ganzen Körpers, der sich vor Schmerzen bei jeder Bewegung krümmte.

Sie wusste all dies, sie ahnte all dies, und dennoch wollte sie all dies. Sie wünschte es sich so. Sie war wie eine Opfernde, eine Priesterin, die das göttliche Opfer auf den Höhen von Golgatha darbringt. Sie wollte es so, denn wenn dies der Preis für die Rettung einer Seele war, wollte sie, dass ihr Sohn das erlitt, was er erlitt.

Das heißt, darin liegt die Größe der Gottesmutter. Sie liegt nicht so sehr in der Unermesslichkeit ihrer Schmerzen, sondern darin, dass sie das erleiden wollte, was sie erlitt. Sie wollte, dass ihr Sohn dieses gewaltige und bewundernswerte Opfer brachte, und sie tat dies aus Liebe zu uns, denn Gott liebt uns so sehr, dass er seinen eingeborenen Sohn opfern wollte. Sie liebte uns so sehr, dass sie diese Opferrolle annahm. Sie wollte ihren eingeborenen Sohn für jeden von uns opfern.

Die Karwoche, meine lieben Freunde, naht: Es ist Zeit für jeden von uns, darüber nachzudenken. Ich habe hier bereits darüber nachgedacht, doch diese Betrachtung sollte der katholischen Seele niemals genügen. Egal wie viel man nachdenkt, man kann sich dieser Betrachtung nicht entziehen. Allein vor dem Kruzifix zu stehen, allein vor dem Bild der Schmerzensmutter zu stehen und die ganze Welt zu vergessen, denn vor Gott existiert die ganze Welt aus einer bestimmten Perspektive nicht für mich. Gott existiert und ich existiere, und alles andere ist nichts.

Und dann vor Gott diese Frage zu stellen: Bin ich, Plinio, mir bewusst, was meine Erlösung gekostet hat? Habe ich eine Ahnung von den Seufzern, den Schmerzen, die all die Gnaden, die ich empfangen habe, gekostet haben? Wie schwer lastete dies auf dem Unbefleckten Herzen Mariens? Habe ich eine Ahnung, dass es für mich so viel bedeutete, dass all dies geschehen wäre, selbst wenn es nur für mich gewesen wäre? Habe ich eine Ahnung, dass unser Herr Jesus Christus am Kreuz an jeden einzelnen Menschen beim Namen dachte – vom Anfang bis zum Ende der Welt? Und was ging ihm wohl durch den Kopf, mit Gedanken der Barmherzigkeit, der Güte und des Heils?

Mein Name – Plinio Corrêa de Oliveira – ging vorbei, dass Er mich im Sinn hatte, nicht nur meinen Namen, sondern meine Seele, mein Wesen, mein ganzes Sein. Er liebte mein von Ihm geschaffenes Wesen und tat in einem Akt der Liebe zu mir, was Er wollte, zu meinem Heil. Habe ich eine Ahnung, dass mich das mein Heil gekostet hat? Und habe ich eine Ahnung, wie ich darauf reagiert habe? Habe ich eine Ahnung, wie undankbar ich war? Wie viele Fehler habe ich begangen, oft aus Unbesonnenheit, nur weil ich einer Gelegenheit nicht ausweichen wollte, weil ich keine kleine Buße tun wollte! Ich nahm das Blut Christi und warf es so in den Abgrund. Es wurde für mich vergossen, und ich brachte mich selbst in einen Zustand des Verderbens. Und Gott ertrug mich dennoch in diesem Leben, hatte Geduld mit mir und erwartete mich mit anderen neuen Gnaden, die sogar noch größer waren als jene, die ich empfangen hatte.

Und nun bin ich wieder in diesem Augenblick: Die Karwoche ist da, eine Zeit der Gnade für jeden von uns. Die Seite unseres Herrn Jesus Christus ist offen, ergießt sich in Fülle über uns alle und ruft uns zur Reue, zur Buße, zur wunderbaren Versöhnung mit ihm. Es gibt einen unvorstellbaren Strom der Güte und Liebe zu uns. Deshalb sollte ich in der Karwoche zuerst an meine Seele denken. Ohne Furcht, ohne Panik, denn Gott ist der Vater der Barmherzigkeit und die Gottesmutter die Mutter und der Kanal aller Barmherzigkeit. Aber ernsthaft, tiefgründig nachdenken, mich vor dieses fließende Blut Christi stellen und fragen: Was habe ich mit diesem Blut getan?

Unser Herr fragte während seiner Passion – und Maria von Agreda sagt, es sei eines seiner größten Leiden gewesen –: „Quae utilitas in sanguine Meo?“ Letztendlich: Was nützt mein Blut? Das heißt, er dachte an so viele Seelen, die sein Blut leichtfertig und töricht mit Füßen treten würden, für eine Kleinigkeit, für ein Lachen wie das eines Mädchens wie der heilige Petrus … für dreißig Silberlinge wie Judas, aus Faulheit, aus Schlafsucht wie die anderen Apostel, aus Angst, aus Opportunismus, aus Sinnlichkeit – aus wie vielen Gründen würden Seelen ihn verwerfen!

Doch das genügt noch nicht. Unser Herr hatte unsere Zeit im Sinn, und die Gottesmutter auch. Er hatte all den Verrat unserer Zeit im Sinn, all die Verlassenheit unserer Zeit, er hatte all das im Sinn, was priesterliche Seelen – und, lasst uns höher steigen als priesterliche Seelen – ihm zufügten. Könnt ihr euch vorstellen, wenn die Sünde eines Plinio Corrêa de Oliveira unserem Herrn so viel Leid zugefügt hat? Welches Leid würde dann erst die Sünde eines Bischofs, die Sünde eines Kardinals, die Sünde eines Papstes unserem Herrn zufügen? … Ein anderer heiliger Petrus … David klagt über jemanden, der ihm Unrecht getan hat: „Wenn ein anderer mir getan hätte, was du getan hast, ich könnte mich verbergen vor ihm; Du aber, mein Gefährte, mein Vertrauter und Bekannter, die wir zusammen süße Gemeinschaft erlebten …?“ (Psalm 54,13–15). Wie konnte unser Herr so etwas sagen? Nun, alles, was in unserer Zeit geschieht, ist vorhergesehen worden. In dem Augenblick, als dies erkannt wurde, wurde auch mit Liebe erkannt, dass durch das Produkt dieses unendlich kostbaren Blutes eine besondere Gnade für einige gewirkt werden würde. Für einige, die genauso schlecht sind wie andere, und manchmal sogar schlimmer als andere, die aber durch eine besondere Gnade berufen wurden, in dieser Stunde des Unglaubens treu zu sein. Sie sollen wie der Evangelist Johannes am Kreuz stehen, Seite an Seite mit der Orthodoxie, Seite an Seite mit der wahren Lehre, in der Stunde, als die ganze Welt sie verließ; sie sind es, die das Martyrium der Kirche verstehen, die Tragödie der Kirche, die innerlich vom Fortschrittsdenken zerfressen und ihren schlimmsten Feinden ausgeliefert wurde. Sie waren berufen, für sie zu kämpfen, sie waren berufen, ihren Schmerz zu verstehen, sie waren berufen, über diesen Schmerz zu meditieren und ihn zu leben, damit auch sie Menschen des Leidens werden.

Der Schmerz der Heiligen Katholischen Kirche in unseren Tagen muss ein Schmerz sein, mit dem wir morgens erwachen und abends einschlafen. Es ist ein Schmerz, der uns im tiefsten Schlaf bedrückt. Die Heilige Römisch-Katholische Apostolische Kirche, von Jesus Christus gegründet, die auf einer Wolke vom Himmel herabstieg wie eine vollkommene Stadt … Was haben sie aus ihr gemacht?! …

(Doktor Plinio wird ergriffen)

Dieser Schmerz ist so groß, dass er mich hindert weiterzusprechen. Lasst uns die Muttergottes bitten, uns dies bis in die Tiefen unserer Seelen spüren zu lassen...

 


Aus dem portugiesischen von „Nossa Senhora das Dores e a Santa Igreja“.

Die deutsche Fassung dieses Artikels „Die Muttergottes der Schmerzen und die Heilige Kirche“ ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.


Die Verschwörung der Cäsaren und des Sanhedrins *

von Plinio Corrêa de Oliveira
Legionário, 20. März 1938


Das dramatische Verschwinden des katholischen Österreichs von der europäischen Landkarte, brutal und mit krimineller Gewalt unter dem Stiefel der Nazis niedergedrückt, macht eine politische Rückschau angebracht, die wir mit empörten Seelen und blutenden Herzen unternehmen.

Mehr als jedes Argument wird diese Rückschau die Solidarität beweisen, mit der die totalitären Cäsaren und des liberalen Sanhedrins zusammenarbeiten, um den Erlöser, heute repräsentiert durch die Heilige Kirche, erneut zu kreuzigen.


Das obige Porträt zeigt treffend den österreichischen Bundeskanzler Schuschnigg, und seine unvergesslichen Worte nach seiner Entmachtung offenbaren seinen Charakter: „Der heutige Tag hat uns vor eine ernste und entscheidende Lage gestellt. Ich bin beauftragt, das österreichische Volk über diese Ereignisse zu unterrichten. Die deutsche Regierung hat dem österreichischen Bundespräsidenten ein Ultimatum gestellt und gefordert, dass er einen ihrer Kandidaten zum Bundeskanzler ernennt und ein neues Kabinett nach den Vorschlägen der Reichsregierung bildet. Sollten diese Forderungen nicht erfüllt werden, werden deutsche Truppen nach Ablauf des Ultimatums in österreichisches Gebiet einmarschieren. – Der Bundespräsident hat General Schilhawski zum Oberbefehlshaber des Heeres ernannt. Er wird für die Weiterleitung weiterer Anweisungen an die Truppen verantwortlich sein. Ich für meinen Teil verabschiede mich vom österreichischen Volk mit einem deutschen Wort und den Wünschen meines Herzens: ‚Gott schütze Österreich.‘“
– Im Wiener Rundfunk, dessen Studio zu dieser Stunde mit Mitarbeitern überfüllt war, wurde die kurze Erklärung mit unbeschreiblicher Rührung vernommen. Viele weinten, und als der Reichskanzler geendet hatte, ertönte aus dem Saal ein Ruf: „Heil Schuschnigg!“


* * *

I – Kaiser Wilhelm II. erkannte die verzweifelte Lage der deutschen Truppen und gab den verlockenden Versprechungen der im Verborgenen agierenden Mächte nach. Er ließ Lenin heimlich aus der Schweiz, wo dieser sich aufhielt, nach Russland bringen. Der Transport erfolgte in einem geschlossenen Stahlwaggon, um die Verbreitung des kommunistischen Virus in Deutschland zu verhindern.

Die ersehnte Revolution brach in Russland aus, und die Kommunisten belohnten Wilhelm II. mit der Unterzeichnung des für Deutschland vorteilhaften Friedensvertrags von Brest-Litowsk.

Doch Gott hat seine Zeit. Für Wilhelm II. ließ diese Zeit nicht lange auf sich warten.

In der Endphase des Ersten Weltkriegs verwüstete eine schreckliche Katastrophe Russland. Nach dem Friedensschluss erwartete man, dass die Großmächte in Russland intervenieren würden.

II – England und Frankreich betrachteten den kommunistischen Sieg in Russland mit Gleichgültigkeit und unternahmen, abgesehen von platonischen Protesten, keinerlei Geste des Schutzes der verfolgten christlichen Bevölkerung. Stattdessen setzten sie die Zarenfamilie wieder auf den Thron, deren Oberhaupt auf klägliche Weise ermordet worden war.

Christlich verriet die englische Monarchie die Sache Christi und das monarchische Prinzip.

Christlich verriet auch die Bourgeoisie, die Frankreich regierte, die Sache Christi und das Prinzip des Privateigentums.

Denn sie hatten keine Zeit, über Christus und seine Zivilisation nachzudenken. Sie lagen da, bereit, eingesperrt zu werden, die noch immer pulsierenden Überreste der besiegten Reiche.

Es galt, die Früchte des Sieges zu ernten. Christus hingegen sollte warten und sich so gut wie möglich zurechtfinden. Und damit wurden 155 Millionen Seelen schutzlos atheistischer Propaganda und religiöser Verfolgung ausgesetzt.

Doch Gott hat seine Zeit. Und für England und Frankreich ließ Gottes Zeit nicht lange auf sich warten.

III – Der kommunistische Virus breitete sich von Russland nach Deutschland und Österreich-Ungarn aus. Wilhelm II. musste mit Bedauern feststellen, dass das Feuer, das er im Haus seines Nachbarn gelegt hatte, nun auch auf sein eigenes Haus und die seiner Verbündeten übergegriffen hatte.

Die stolze Monarchie Bismarcks stürzte, und mit ihr der Kaiser.

Frankreich, England und die Vereinigten Staaten jubelten insgeheim über die Ausbreitung des Sozialismus in Mitteleuropa, da er zur Schwächung und Demoralisierung der Besiegten beitrug.

Was Christus betrifft, so soll er sich selbst helfen.

Und die Kirche? Ist sie nicht unsinkbar? Warum zwischen Meer und Haien wählen? Wäre es nicht besser, einfach bei der Kirche zu bleiben, die keine Flutwelle versenken kann?

IV – Im Versailler Vertrag wird Deutschland territorial und moralisch geschwächt. Die Auflösung der deutschen Kolonien und die unerträgliche Last der Reparationszahlungen erdrücken das deutsche Volk. Damit einher gehen Unzufriedenheit und der Sozialismus.

Der Heilige Stuhl bittet um Gnade für die Besiegten, doch die Strippenzieher im Hintergrund lächeln: Der große Besiegte ist nicht Deutschland, sondern Christus, gegen den sich in Russland und Mitteleuropa der kommunistische Zorn entfesselt.

V – Österreich wird stärker verfolgt als Deutschland. Ersteres bietet in den Augen der Strippenzieher den wertvollen mildernden Umstand einer protestantischen Mehrheit. Letzteres hingegen ist des unverzeihlichen Verbrechens schuldig, katholisch zu sein.

Die Ungleichbehandlung Deutschlands und Österreichs durch die Alliierten ist eklatant.

Deutschland wird gedemütigt und geschwächt, aber es überlebt. Die österreichisch-ungarische Monarchie zerfällt, und nur das germanische Österreich bleibt übrig, das kaum allein bestehen kann.

Die Stunde Gottes naht für die Alliierten: Sie haben den Anschluss selbst herbeigeführt.

Während Wilhelm II., von den Alliierten selbst der Kriegsverantwortung beschuldigt, in Doorn in Saus und Braus lebt, stirbt Kaiser Karl von Österreich auf Madeira an Tuberkulose – arm wie Hiob, aber wie dieser bewundernswert ergeben.

Kein Herrscher der Welt wagt es, ihm beizustehen. Von allen verlassen, stirbt der letzte Kaiser des Hauses Österreich als Ausgestoßener. Nur die Kirche spendet ihm Trost in seiner Qual. Da er erst nach Kriegsende den Thron bestiegen hat, kann er nicht für den Weltkrieg verantwortlich gemacht werden. Sein einziges Verbrechen ist sein katholischer Glaube. Doch die Stunde Gottes wird kommen.

VI – Gott aber ist barmherzig und warnt, bevor er straft, mit väterlicher Zuneigung.

Deshalb entfacht er in Mitteleuropa eine lebhafte antikommunistische Reaktion, in der Katholiken eine führende Rolle spielen. Mit Brüning in Deutschland und Seipel und Dollfuß in Österreich ist es das katholische Element, das Mitteleuropa regiert.

Diese ehrlichen und respektablen Regierungen fordern gemäßigt eine Überprüfung der ungerechten Verträge von Versailles, Trianon und Saint-Germain, unterstützt von Ungarn, wo Horthy mit Hilfe der Katholiken den Kommunisten Béla Kun besiegte.

Die Forderungen sind gemäßigt. Was die Besiegten fordern, ist schlicht das Recht zu atmen.

Doch der Völkerbund ignoriert diese berechtigten Forderungen. Im erschöpften Österreich entsteht der Wunsch nach einem Zusammenschluss mit Deutschland.

VII – Die päpstliche Diplomatie tritt erneut für die Besiegten ein und betont, dass die Sieger, unbeschadet der ihnen zustehenden gerechten Entschädigungen, das von Christus auferlegte Gebot der Nächstenliebe beachten müssen.

Doch der Völkerbund ignoriert die päpstliche Diplomatie.

Entstanden aus dem idealistischen und unpolitischen Geist Präsident Wilsons, strebt der Völkerbund nach dem Weltfrieden, einem erhabenen christlichen Ideal, das seinen Ursprung in der Verkündigung des Evangeliums hat und wie dieses selbst unsterblich ist.

Doch Wilson wollte Gottes Werk ohne Gottes Hilfe und mit Verachtung für die von ihm gegründete Heilige Katholische Kirche vollbringen. Der Völkerbund ist säkular. Ideologisch basiert er auf einer eitlen und falschen Philosophie und verleugnet töricht das Evangelium, die einzige dauerhafte Grundlage für den Frieden zwischen den Völkern.

Was den Papst betrifft, so nimmt der Völkerbund ihn nicht in seine Reihen auf, unter dem Vorwand, er leugne die Souveränität des Heiligen Stuhls.

Doch Gott hat seine Zeit…

VIII – Verschärft durch das Elend und die Ungerechtigkeit, denen sie zum Opfer fallen, vergiftet seit über einem Jahrhundert durch philosophische Prinzipien, die einen wahnhaften Nationalismus nähren, und seit vier Jahrhunderten von protestantischer Verderbnis befallen, wenden sich die Deutschen massenhaft einer Partei zu, die sich gerade formiert und die vollständige und gewaltsame Zerstörung des Versailler Vertrags befürwortet. Die philosophischen, politischen und moralischen Irrtümer der Ideologie dieser Partei sind ebenso schwerwiegend wie jene des Kommunismus. Geheime Mächte fördern die Entwicklung dieses heidnischen Aufbruchs im Verborgenen. Und der Hitlerismus breitet sich aus…

Gegen diese Gefahr, die Europa, die Welt und die Zivilisation selbst bedroht, kämpft Brüning, der katholische Abgeordnete an der Spitze der deutschen Regierung, allein.

Die Alliierten könnten Brünings Ansehen in Deutschland festigen, indem sie ihm eine faire Revision des Versailler Vertrags gewähren. Damit könnten sie vielleicht den Hitlerismus verhindern.

Doch England ist grenzenlos gierig, und der französische Jakobinismus ist blind. Die von den Regierungen Brüning und Seipel geforderten Zugeständnisse werden nicht gemacht, und Hitler gewinnt an Einfluss.

Ein Judas – von Papen, der Verräter der deutschen Katholiken – verhilft Adolf Hitler zur Macht.

Gottes Stunde naht für Frankreich und England…

IX – Was Frankreich und England der Religion, dem Recht und der Vernunft verweigert hatten, gewähren sie nun, aus Angst und mit Gewalt. Jeder Tag bedeutet einen Vormarsch für Deutschland. Der Versailler Vertrag wird in seinen wichtigsten Klauseln schwerwiegend verletzt. Verbündet mit Italien, zerschlägt Deutschland den Völkerbund, das Instrument der englischen Hegemonie in der Welt. England verliert sichtbar an Einfluss, und Frankreich zittert vor Angst.

Und während der Völkerbund im Abgrund verschwindet, erringt der Heilige Stuhl glänzende diplomatische Triumphe. Nachdem die italienische Regierung die Souveränität des Vatikans anerkannt hat, bittet der Völkerbund den Papst, Italien in die von Wilson gegründete Genfer Institution aufzunehmen.

Nun ist es der Papst, der sich weigert. Für den Völkerbund ist Gottes Zeit gekommen…

X – Die Aufmerksamkeit der ganzen Welt richtet sich auf zwei Männer, die die Hoffnung auf eine bessere Zukunft in sich zu vereinen scheinen: Mussolini und Hitler.

Sie entwickeln eine reaktionäre Politik gegen den schwindenden Liberalismus, fördern die Umsetzung eines grandiosen Programms der Verwaltungsreform und sprechen mit Nachdruck eine kraftvolle und mutige diplomatische Sprache, zu der die verkümmerten liberalen Politiker nicht mehr fähig sind. Damit begeistern sie die Welt.

Mussolini 1929, Hitler 1933 unterzeichnen hervorragende Konkordate mit dem Heiligen Stuhl.

Sowohl in Italien als auch in Deutschland sind Katholiken bereit, loyal mit dem neuen Regime zusammenzuarbeiten.

XI – Doch dieser Glanz hat dunkle Flecken. Verborgene Manöver hinter den Kulissen, die sich allmählich zu einer positiven und sogar arroganten Haltung wandeln, leiten eine heftige Religionsverfolgung in Deutschland ein, die das Konkordat von 1933 offen und eklatant verletzt.

Nach und nach wird die erschreckende Realität deutlich: Hitler ist nicht der Erneuerer der Zivilisation, sondern einer ihrer mächtigsten Zerstörer. In Wahrheit wird immer deutlicher, dass es das Heidentum war, das Deutschland an dem Tag eroberte, als es sich Hitlers Joch beugte.

Als Hohn auf die menschliche Intelligenz werden ebendiese heidnischen Götter, die das Christentum vor fast zweitausend Jahren entthront hat, in Deutschland erneut verehrt! Im Herzen Europas, im Herzen Deutschlands, in diesem sogenannten Zeitalter der Aufklärung, werden falsche Götter angebetet wie in der afrikanischen Wildnis!

XII – Hitler bricht nicht nur sein Wort gegenüber dem Heiligen Stuhl, sondern demoralisiert auch die internationale Politik und entwertet Verträge und Ehre auf ein Minimum.

Entsetzt über das Gesehene werden die österreichischen Katholiken zu entschiedenen Feinden des „Anschlusses“ und zählen auf die Unterstützung Italiens, Frankreichs und Englands. Mussolini präsentiert sich als Verteidiger des katholischen Österreichs gegen das Heidentum.

An der Spitze der österreichischen Regierung schlägt Dollfuß, der politische Führer der Katholiken, eine gewaltige kommunistische Revolution in Wien und alle dort auftretenden Nazi-Aufstände nieder.

Hitler jedoch, für den Moral bedeutungslos ist, entwickelt eine diplomatische Strategie, die dazu führt, dass deutsche und österreichische Nazis Dollfuß barbarisch ermorden und die Tat später von den Nationalsozialisten offen gebilligt wird.

Mussolini, der große Verfechter Österreichs, Frankreichs und Englands, schluckt diese Demütigung ohne wirksamen Protest hin.

XIII – 1938, mit der Festigung der Achse Rom-Berlin, beginnt Hitler, die Annexion Österreichs durch Deutschland mit Nachdruck zu fordern. Italien signalisiert diskret seine Zustimmung. Die englischen und französischen Kanzleien sind missbilligend gestimmt.

Schuschingg, der unsterbliche Nachfolger Dollfuß', leistet so gut er kann Widerstand. Doch in einer abrupten und unerwarteten Geste, die alle Prinzipien verletzt und den Stolz ganz Europas auf ungeheuerliche Weise schändet, reißt Hitler, der neue Julian der Abtrünnige, das unglückliche Österreich an sich.

Sofort beginnt die Verheidnischung. Zwei Erzbischöfe werden inhaftiert, alle katholischen Jugendverbände aufgelöst, heidnische Nazis in die Regierung eingesetzt und alle Mittel zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung in die Hände dieser Heiden gelegt. So sieht die Lage in Österreich aus!

XIV – Was unternimmt England? Während deutsche Truppen den Einmarsch in Österreich vorbereiten und Schuschnigg ganz Europa gegen die Arroganz seines Heimatlandes anklagt, gibt Reichsaußenminister von Ribbentrop in London einen pompösen Empfang mit 600 Persönlichkeiten der „englischen Elite“. „Delenda est Britannia…“

Frankreich, die glorreiche Erstgeborene der Kirche, allseits geliebt und mutig wie kein anderes Land, ist an der Wahrung der österreichischen Unabhängigkeit von entscheidender Bedeutung, kann aber nicht eingreifen. Denn die Kommunisten haben es sich zur Aufgabe gemacht, in Frankreich eine Ministerkrise herbeizuführen, genau in dem Moment, in dem dies ihrem vermeintlichen Gegner, Herrn Hitler, in die Hände spielen wird. Seinen Erfolg verdankt er größtenteils den französischen Kommunisten und Herrn Hitler.

Was Mussolini betrifft, in dessen Händen die Führung eines der edelsten und katholischsten Völker der Erde liegt… über ihn ist es besser, nicht einmal zu sprechen. Ein wohlwollendes und großzügiges Telegramm des Führers belohnt ihn: „Mussolini, ich werde Ihre Geste nicht vergessen.“

Auch Gott wird nicht vergessen … und seine Zeit wird kommen.

XV – Was ist die wichtigste Lehre aus diesen Ereignissen?

Die Kirche ist allein. Katholiken werden immer irren, wenn sie naiv versuchen, sich auf die Mitte zu verlassen, um die Linke zu bekämpfen, auf die Rechte, um die Linke zu bekämpfen, und so weiter. Wie in einer großen, gut einstudierten Komödie agierten die Marionetten der Linken und der Rechten sowie jene der liberal-demokratischen Mitte, die einander ungeheure Feindschaft entgegenbrachten, einheitlich so, dass sie der Kirche stets und überall schadeten und den Eindruck erweckten, ihre gegenseitige Feindschaft sei vorgetäuscht und Christus ihr wahrer und einziger Feind.

Auch der Sanhedrin (*) arbeitete mit dem römischen Prokonsul zusammen, um den einzigen Feind zu verraten, zu verurteilen und zu töten … der in Wirklichkeit der einzige Freund seiner Verfolger war.

Katholiken sollten sich allein auf Gott verlassen und nur untereinander ein Bündnis schmieden. Alles andere führt nur zu Irrtum und Schaden.

XVI – Es wäre angebracht, diese tragischen Worte mit einer Anekdote zu beschließen, die die Nerven beruhigen kann. Man erzählt sich, dass auf einem Floß, auf dem Schiffbrüchige verschiedener Nationalitäten gefunden wurden, ein Portugiese plötzlich von Panik ergriffen wurde. Er ignorierte, dass ein Floß niemals sinkt, hielt sich für hoffnungslos verloren und begann über die zwei großen Gefahren nachzudenken, denen er sich gegenübersah: das Meer und die Haie. Was wäre besser? Sich vor den Fluten im Maul eines Hais zu verstecken? Oder sich vor dem Hai in den Tiefen des Meeres zu verbergen?

Wir wissen nicht, für welche Lösung er sich entschied. Nach langem Grübeln traf er seine Wahl und stürzte sich entschlossen ins Wasser. Seine Gefährten berichten, dass ihn, sobald er untergegangen war, ein Hai angriff und einen Teil seines Körpers fraß. Der Rest trieb im Wasser und wurde schließlich vom Meer verschluckt. Seine Gefährten wurden gerettet. Das Floß war unsinkbar.

Weil er dies ignorierte, starb der Portugiese, verschlungen von den Fluten und den Haien zugleich. So verhalten sich Katholiken, wenn sie darüber streiten, was besser sei, Nationalsozialismus oder Kommunismus, um sich vor dem einen Feind in den Klauen des anderen zu verstecken.

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(*) Der Sanhedrin (vom griechischen synedrion, „Ratsversammlung“) war der höchste jüdische Rat, das oberste religiöse, politische und juristische Gremium im antiken Judäa, insbesondere zur Zeit des Zweiten Tempels. Das Gremium bestand aus 71 Mitgliedern – Hohepriester, Älteste und Schriftgelehrte – und tagte in Jerusalem, wobei es über Tora-Auslegungen und wichtige Rechtsfragen entschied.
Der Sanhedrin spielte eine Schlüsselrolle in den Prozessen, die zur Kreuzigung Jesu führten.

 

 

Aus dem Portugiesischen in „Legionário“ vom 20. März 1938

Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in
www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Freitag, 27. März 2026

Die Geißelung unseres Herrn Jesus Christus - II

  

Plinio Correa de Oliveira
Heiliger des Tages – 7. April 1984


    Einführende Proklamation

In violett gekleidet ist unsere Mutter, die Heilige Kirche. In wenigen Augenblicken beginnt der Passionssonntag.

Ach Herr, in dieser Nacht, in der die Geißelung unseres Herrn Jesus Christus, das zweite schmerzhafte Geheimnis des heiligen Rosenkranzes, im Mittelpunkt steht, lass uns vor dem König der Könige niederknien und die Kraft dieser göttlichen, gefesselten Hände betrachten.

Lied: Anima Christi, sanctifica me
Text aus den glorreichen Seiten von „Catolicismo“ im April 1952:


       Warum wurde der gute Jesus von seinen Peinigern gefesselt? Warum behinderten sie die Bewegung seiner Hände, indem sie sie mit harten Seilen banden? Nur Hass oder Furcht können erklären, wie jemand derart zur Unbeweglichkeit oder Ohnmacht gezwungen wird. Warum werden diese Hände so gehasst? Warum werden sie so gefürchtet?

Die Hand ist einer der ausdrucksstärksten und edelsten Teile des menschlichen Körpers. Wenn Päpste und Väter segnen, tun sie dies mit einer Handbewegung. Wenn der unschuldige und verfolgte Mensch von Schmerz überwältigt wird und an die göttliche Gerechtigkeit appelliert, verflucht er dennoch mit seinen Händen. Und aus diesem Grund küssen die Menschen die Hände, die Gutes tun, und (...) die Hände, die Böses tun.

Deine Hände, Herr Jesus, die Herrlichkeit, die diese Hände – nun blutig und entstellt und doch so schön und so würdig – von den frühesten Tagen deiner Kindheit an, wer kann, Herr, die Ehre, die diese Hände Gott gegeben haben, als die ersten Küsse der Muttergottes und des heiligen Josef auf ihnen ruhten?

Wer kann sagen, wie viel Zärtlichkeit und Sanftmut sie der Jungfrau Maria beim ersten Streicheln verursachten? Mit wie viel Frömmigkeit sie sich zum ersten Mal im Gebet vereinten? Und mit wie viel Kraft, wie viel Edelmut, wie viel Demut sie in der Werkstatt des heiligen Josef wirkten? Hände eines vollkommenen Sohnes, was taten sie sonst im Haus, wenn nicht Gutes?

Warum, Herr, so viel Hass? Warum so viel Furcht, dass es nötig schien, Deine Hände zu fesseln, Deine Stimme zum Schweigen zu bringen, Dein Leben auszulöschen? Fürchtete sich etwa jemand vor einer Heilung oder einer Liebkosung?

O Gott, um so etwas Ungeheuerliches zu verstehen, muss man an das Böse denken, muss man zugeben, dass es diese Menschen sind, die von ihrer Natur her sehr leicht sich gegen ein Opfer auflehnen. Und wenn sie den Weg der Auflehnung beschreiten, es keine Schande und keine Unordnung gibt, in der sie nicht anheimfällt. Und wenn jemand „Nein“ sagt, beginnt er alles Gute zu hassen, alle Wahrheit, alle Vollkommenheit zu hassen, deren Verkörperung er ist.

Und wenn er Deine Hand nicht sichtbar vor sich hat, um seinen satanischen Hass zu entfesseln, greift er die Kirche an, entweiht die Eucharistie, lästert, verbreitet Unmoral, predigt die Revolution! Deine Feinde lieben das Böse so sehr, dass sie selbst unter den Demütigungen der Stricke, die Dich fesseln, die ganze Kraft Deiner Macht erkennen und zittern!

O guter Jesus, Deine Widersacher zittern vor der Kirche, während ich, Elender, sie gefesselt sehe und alles für verloren halte …

Deine Kirche aber hat Anteil an Deiner inneren Kraft und kann jeden Augenblick alle Hindernisse zerstören, mit denen sie dich umgeben!

Unsere Hoffnung ruht nicht auf Zugeständnissen, noch auf der Anpassung an die Irrtümer der Welt. Unsere Hoffnung ruht auf Dir, Herr!

Erhöre die Bitten der Gerechten, die Dich durch die Allerheiligste Jungfrau Maria anflehen: „Sende, o Jesus, deinen Geist aus, und du wirst das Angesicht der Erde erneuern!“

(Ende der Proklamation)

 

* Die große Perspektive um die Passio zu betrachten, besteht in der Berücksichtigung der Zunahme der Seelenpein Unseres Herrn im Laufe der physischen Leiden, die ihm zugefügt wurden

Meine lieben, es ist gerade jetzt, da die Heilige Kirche, wie bereits erwähnt, auf den Passionssonntag, den Palmsonntag und auf die heiligen und, sozusagen, ernsten Schmerzen der Karwoche zusteuert, besonders angebracht, über die Geißelung unseres Herrn Jesus Christus nachzudenken. So können wir beginnen, dieses Gesetz der Passion unseres Herrn Jesus Christus zu betrachten, das erste Gesetz, in dem wir im Rosenkranz seinen heiligsten Leib wahrhaft leiden sehen.

In der Todesangst, dem ersten schmerzhaften Gesetz, litt seine heiligste Seele unbeschreiblich. Die Auswirkungen dieses Seelenleidens auf den Leib führten zum Blutschweiß, den wir in der letzten Versammlung besprochen haben. Und mit diesem Blutschweiß geht natürlich die Erkenntnis einher, dass die Qualen der Seele sich in Qualen des Leibes auswirken.

Doch der heilige Leib unseres Herrn selbst war noch nicht betroffen. Es war eine Folgeerscheinung; er war nicht unmittelbar betroffen. Das erste Gesetz, in dem wir die Auswirkungen auf seinen Leib betrachten, ist die Geißelung. Auf die Geißelung folgt die Dornenkrönung, das Tragen des Kreuzes und die Kreuzigung. So kommt in diesen vier aufeinanderfolgenden Ereignissen das gesamte Leiden unseres Herrn, von Seele und Leib, zum Ausdruck.

Tatsächlich zeigte sich aber, dass das Leiden der Seele keineswegs aufhörte, als das Leiden des Leibes begann. Im Gegenteil, es steigerte sich immer weiter. Die Passion seiner Seele entfaltete sich parallel zur Passion des Leibes. Und sie erreichte ihren Höhepunkt mit seinem Tod, als er sprach: „Consummatum est.“ Dort hatte der Schmerz seiner Seele seinen Höhepunkt erreicht.

Wie sollen wir die Geißelung unseres Herrn Jesus Christus aus dieser Perspektive betrachten? Es ist die Passion, die beginnt, es ist der Schmerz, der im Leib, vor allem aber in der Seele spürbar wird. Warum in der Seele? Was geschah? Warum im Leib? Was geschah? Was ließ unseren Herrn Jesus Christus im Grunde leiden?

Es würde unendlich viel Zeit in Anspruch nehmen, alles Notwendige für diese umfassende Betrachtung zu erfassen. Doch einige Punkte lassen sich mehr oder weniger zusammenfassend darstellen. Und ich komme nun direkt zum Thema.

Unseren Herrn Jesus Christus müssen wir als eine Person mit zwei Naturen betrachten: der göttlichen und der menschlichen. Die Kirche definierte diese Wahrheit in den ersten Jahrhunderten nach ihrer Befreiung aus den Katakomben gegen viele Irrlehren, die diese Wirklichkeit zu verzerren suchten. Manche behaupteten, unser Herr Jesus Christus sei ein Mensch, ausschließlich ein Mensch, den Gott sozusagen nur oberflächlich berührt habe; andere wiederum behaupteten, unser Herr Jesus Christus sei ein Trugbild, existiere nicht als Mensch, sondern sei eine von Gott geschaffene Gestalt, um den Eindruck der Inkarnation zu erwecken. Denn sie wollten sich nicht mit dem Gedanken an diesen erhabenen, wechselvollen Weg zwischen dem allmächtigen Gott und Schöpfer und dem so elenden Menschen trösten.

* Erklärung der hypostatischen Vereinigung im Plane der Schöpfung als Voraussetzung zum Verständnis der Erhabenheit der Passion

In der Lehre der Kirche ist die Wirklichkeit folgende: Er ist eine Person, diese Person hat zwei Naturen. Zum Vergleich: Der Mensch hat eine tierische und eine geistige Seite. Diese tierische und diese geistige Seite bilden in jedem von uns eine Person. Diese beiden Aspekte, der tierische und der spirituelle, der engelhafte Aspekt, wenn man so will, existieren in vollkommener Harmonie in uns. So sehr, dass es vielen von uns nie in den Sinn käme, zu fragen, wie wir beschaffen sind. Es ist so selbstverständlich, dass wir einfach durchs Leben gehen. In unserem Herrn Jesus Christus existieren die göttliche und die menschliche Natur in vollkommener Harmonie und sind hypostatisch vereint, um eine einzige Person zu bilden. Diese Person ist die zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit, das fleischgewordene Wort Gottes, das heißt, das im reinsten Leib Mariens aufgenommen wurde, sich mit der Frucht dieses Leibes vereinte, die aus der Vereinigung Mariens mit dem Heiligen Geist hervorging; und aus ihr erblühte unser Herr Jesus Christus.

Um aber im Lichte der Passion Jesu Christi das Geschehene richtig zu verstehen, müssen wir eine weitere Wahrheit berücksichtigen – die ich, glaube ich, in dieser Reihe von Betrachtungen bereits erwähnt habe, aber um sicherzugehen, möchte ich sie noch einmal kurz ansprechen: Nach Ansicht der meisten Theologen hätte es die Inkarnation des Wortes gegeben, selbst wenn es keine Erbsünde gegeben hätte und unser Herr nicht auf die Erde gekommen wäre, um die Menschen von der Erbsünde zu erlösen, selbst wenn dies nicht geschehen wäre.

Gott hat die gesamte Schöpfung wunderbar geordnet. Die Engel mit ihren drei Hierarchien, innerhalb dieser dreiz Hierarchien jeweils in drei Kategorien unterteilt, bilden neun Engelschöre, die unaufhörlich die Herrlichkeit Gottes besingen. Unter den Engeln, in gewisser Hinsicht etwas darunter, in anderer Hinsicht aber weit unter ihnen, stehen die Menschen.

Adam kam, der Ersterschaffene der Menschheit. Gott schuf ihn mit großer Intelligenz, gutem Willen, einer vollkommenen Persönlichkeit, einem reichen Charakter, Kraft und einem vollkommenen Aussehen. Dies machte ihn würdig, der erste Mensch zu sein, der erste Strahl jener Flut, die die Menschheit über die Jahrhunderte hinweg prägen sollte.

Adam war perfekt als Gott ihn schuf; er besaß eine körperliche Schönheit, die von seiner moralischen Schönheit ausging

Adam war in jeder Hinsicht schön und großartig. Er war großartig, weil Gott ihn mit einer Seele und einer strahlenden Seele ausgestattet hatte. Gott erhob ihn in die übernatürliche Ordnung; er empfing Gottes Gnade, sie lebten zusammen usw. Er war schön, weil sein Körper, in seiner vollkommenen Gestalt, und insbesondere sein Gesicht das vollkommene Symbol seiner Seele waren. So besaß er auch eine körperliche Schönheit, die den materiellen Aspekt seiner moralischen Schönheit darstellte; beide ergänzten sich in einer Harmonie, die den Ausdruck der Harmonie von göttlicher und menschlicher Natur in ein und derselben Person bildete. Wer also Adam ansah, sah darin die Vollkommenheit der Menschheit in angemessener und prachtvoller Weise zum Ausdruck kommen.

All dies verfiel durch die Erbsünde. Und die Menschen, die von Adam und Eva abstammten, also die ebenfalls in die Erbsünde fielen, trugen das Mal der Sünde, der Erbsünde und der Sünden, die sie alle im nachhinein begingen, und die zu den bekannten Folgen führten.

Wären aber alle Menschen im Paradies geblieben, hätten die ersten Menschen nicht die Erbsünde begangen und wären Menschen im Paradies geboren worden, so hätten diejenigen, die geblieben wären – denn im Paradies könnten sie sünder werden, viele hätten sündigen können, wären aber aus dem Paradies verbannt worden, die anderen wären geblieben –, eine Art vollkommenes, großartiges Geschlecht gebildet, das in gewisser Weise die Größe und Pracht Adams widerspiegelte.

Adam jedoch, obwohl er das zukünftige Menschengeschlecht vollkommen repräsentierte, war nicht dessen Krönung. Die Vollkommenheit hat Abstufungen, und Adam besaß nicht die Vollkommenheit in dem Sinne, also nicht den höchsten Grad, den die menschliche Natur erreichen kann.

Sammlungen, Harmonie, Ordnung: Begriffe die die Güte und Weisheit Gottes zum Ausdruck bringen

Denn Gott, in seiner unendlichen Weisheit, erschafft die Dinge nicht wie jemand, der eine Handvoll Konfetti aus einem Sack nimmt und sie auf die Straße wirft; das heißt, er weiß weder, wie viel es ist, noch wohin er es wirft. Viele Menschen haben den Eindruck, die Schöpfung sei so: Gott habe aus dem Nichts – dem Sack Konfetti – Gruppen von Menschen geschaffen, die begannen, untereinander zu leben, etwas erstaunt darüber, zusammen zu sein, ohne genau zu wissen, warum sie überhaupt miteinander zu tun haben, ohne dass es eine höhere Ordnung gäbe, die sie alle zu einem bestimmten Zweck zusammengeführt hätte.

Doch wenn Gott Dinge erschafft, tut er dies auf besondere Weise. Besonders in dem Sinne, dass er sie mit einer Vollkommenheit vollendet – einer Vollkommenheit, die nur er den Dingen verleihen kann. Und von all den Menschen, die er erschaffen hat, die er in diesem Augenblick erschafft und bis zum Ende der Welt erschaffen wird – das heißt, er erschuf Adam, indem er aus dem Nichts Lehm formte, aus Lehm Adam –, dann die Menschen, ließ sie sich fortpflanzen, wie wir sie kennen, und gab jedem Menschen eine Seele; Aus all dem entsteht in Seinem Plan eine Sammlung. Eine geordnete Sammlung, wie eine Sammlung von Fächern, Uhren, Revolvern, Waffen oder irgendetwas anderem, in der jedes Stück seine Individualität und seinen Daseinsgrund hat und mit den anderen Stücken harmoniert.

Um diese Idee der Harmonie besser zu verdeutlichen, stellen wir uns vor, die gesamte Menschheit sei wie eine Klaviatur, ein riesiges Klavier oder eine kolossale Harfe mit Millionen und Abermillionen von Saiten, die im Angesicht Gottes erklingen. Und wenn jede Saite so erklingt, wie Gott es will, entsteht eine Harmonie, die den Engeln, ja Gott selbst würdig ist. Es ist klar, dass Gott in dieser Sammlung, dem Prinzip der Einheit folgend, Dinge mit unterschiedlichem Grad an Vollkommenheit erschaffen musste. Denn das Prinzip der Einheit bedingt Vielfalt. Und das Prinzip der Einheit in der Vielfalt oder der Vielfalt in der Einheit bedingt eine höchste Stufe. Und in dieser von der Vorsehung geplanten Sammlung musste es eine höchste Stufe geben. Dieser Höchste, der die Menschheit zu einer für uns unvorstellbaren Vollkommenheit führen sollte, war unser Herr Jesus Christus, unser Herr Jesus Christus in seiner heiligsten Menschheit.

 

Doch wenn Sie dies nicht bedenken, wenn Sie sich den vollkommensten Menschen vorstellen – moralisch, körperlich und intellektuell, den vollkommensten, ja mit Abstand vollkommensten, ohne Vergleich mit irgendeinem anderen Menschen –, dann haben Sie nicht einmal annähernd eine Vorstellung davon, was unser Herr Jesus Christus war, was unser Herr Jesus Christus im Himmel ist, wo er mit seinem verherrlichten Leib weilt, dessen Herrlichkeit auf wahrhaft wunderbare Weise zugenommen hat, wie ich Ihnen gleich noch schildern werde.

Tatsächlich müssen Sie bedenken, dass dieser Mensch nicht nur ein Heiliger war, nicht nur ein Heiliger, der die höchste Stufe der Heiligkeit erreicht hatte, die ein Mensch erreichen kann. Er war der Gottmensch! Er war durch die hypostatische Union mit der Heiligen Dreifaltigkeit verbunden. Dieser Leib, diese menschliche Seele bildeten mit Gott eine einzige Person. Nicht nur heilig, so heilig, wie man nur sein kann; Nicht nur heilig, sondern hypostatisch verbunden – Er, der nicht nur heilig ist, sondern die Heiligkeit selbst ist!

* Die höchste Schönheit Unserer Herren, die sein heiligster Leib ausstrahlte und die Freude, die er empfand am Ruhm, den er der heiligsten Dreifaltigkeit erwies

Sie stehen also vor einer Vorstellung von Größe, von Vollkommenheit, die sich jeder Erfassung entzieht. Sie übersteigt alles Begreifliche. Hinzu kommt ein weiterer Gedanke, eine weitere Überlegung: Da unser Herr Jesus Christus vollkommen war, weil der Leib die Seele treffend widerspiegeln soll, hatte er in seinem Leib den vollkommenen Ausdruck dessen, was er in seiner Seele hatte; das heißt, er brachte seine menschliche Seele vollkommen zum Ausdruck, er brachte sie so gut wie möglich zum Ausdruck, er brachte die Göttlichkeit selbst zum Ausdruck.

Sie verstehen also, wer unser Herr Jesus Christus ist und welche Haltung der Anbetung, Verehrung, des Respekts, der Treue usw. er daher in jedem Menschen geweckt haben muss.

Diese Wirkung, die er in anderen hervorrief, war ein Auftrag, den er erbringen musste. Er kam auf die Erde, um Seelen zu retten, ihnen Gutes zu tun, und deshalb wollte er diese so heilsbringende Wirkung für die Seelen erzielen. Und in diesem Sinne liebte er seine eigene Gestalt, seine eigene Intelligenz, seine eigene Heiligkeit, nicht nur, weil er Gott war und Gott sich selbst unendlich lieben muss, sondern weil das Menschliche in ihm das beste Abbild dessen war, was er selbst geschaffen hatte.

Sie lesen im Genesis, dass Gott, nachdem er das gesamte Universum erschaffen hatte, zufrieden ruhte und die von ihm geschaffene Harmonie betrachtete. Denn, so die Genesis, jedes einzelne Ding war gut, und das Ganze war noch besser.

Nun, alles im Universum war weniger wert als unser Herr Jesus Christus. Könnt ihr euch die Freude unseres Herrn Jesus Christus vorstellen – diese heiligste Freude, die in keiner Weise dem gleicht, was wir Selbstsucht nennen, diese so niederträchtige und unreine Leidenschaft in uns? Die Freude unseres Herrn Jesus Christus, als er sich selbst erkannte, wie er war, sich selbst so annahm, wie er war, und seine menschliche Natur zur göttlichen Natur, zu den drei Personen der Heiligen Dreifaltigkeit sprach: „Ich bin dein Spiegelbild in der ganzen Schöpfung, Ehre sei dir!“

Doch weil unser Herr Jesus Christus der Gottmensch war, weil Gott sich selbst unendlich liebt, weil der Gottmensch in dem, was er Menschliches besaß, das Göttliche unendlich liebte, gerade deshalb, freute er sich darüber, dass die Menschen – nicht aus Eitelkeit, das ist völlig fern der Wahrheit – aus Liebe zu Gott dieses Abbild Gottes betrachteten und ihn anbeteten. Und es war ihm ein Grund zur Freude, als er vor den Menschenmengen erschien und diese ihm folgten. So sehr, dass die Apostel ihn beschützen mussten, damit sie ihm nicht zu nahe kamen.

Wir kennen die Szene aus dem Evangelium, in der er vom Boot aus zu den Menschen predigte, damit sie ihm nicht zu nahe kamen und er ungestört sprechen konnte. Und weil er eine vollkommene Stimme hatte – welch eine Süße, welch eine Kraft, welch eine Erhabenheit, welch ein Reichtum an Nuancen und welch eine Fähigkeit, jede Entfernung zu überbrücken! –, konnte er vom Boot aus die strahlendsten und schönsten Worte sprechen, die in jeder Entfernung zu hören waren.

Unser Herr ließ seine Göttlichkeit durchscheinen in seiner Lehre, seiner Logik und in den moralischen und physischen Wundern, die er wirkte

Er sah die Menschenmengen, die ihm folgten, oder er kam an einem Ort vorbei und sah einen Leidenden, einen Einsamen auf einer Straße oder einem Pfad. Dann hielt er an und sagte: „Komm her, ich werde ein Wunder für dich vollbringen“ usw. So sah er die Seelen, die sich ihm öffneten. Und darin fand er die Freude, die Gott in seiner eigenen Herrlichkeit hat. Die Freude Gottes, zu sehen, wie sich das Geschöpf, das er erschaffen und zur Liebe berufen hat, ihm, von Gnade berührt, öffnet und spricht: „Mein Herr und mein Gott!“

Um den Menschen zu beweisen, dass er Gottmensch ist und ihnen eine Vorstellung von seinem Wesen zu vermitteln – denn es war seine Mission in der Predigt, zu lehren, wer er ist –, hatte er zunächst ein Werkzeug – und welch ein unvergleichliches! – sich selbst. Dann hatte er das, was er sagte: eine unvergleichliche Lehre, die einfachste, feinste, kraftvollste, unumstößliche Logik, eine unantastbare, makellose und vollkommene Wahrheit. Die Menschen werden bis ans Ende der Welt das Evangelium seiner Predigten studieren und doch nie den Kern erfassen.

Darüber hinaus hatte er die Wohltaten, die er gewährte, all die Wunder, die er vollbrachte, um zu heilen, zu beraten, zu helfen usw., die es verdienten, dass der heilige Petrus ihm dieses einfache und erhabene Lob aussprach: „pertransiit benefaciendo“ – Er ging durch die Welt und tat Gutes. Genau das tat Er. Auf allen Seiten, in jeder Hinsicht, Gutes, Gutes, Gutes, überall Gutes, selbst als Er strafte.



Als Er die Geißel in die Hand nahm und die Geldwechsler aus dem Tempel vertrieb, muss Er Freude empfunden haben, aber auch Trauer darüber, dass die Geldwechsler so waren; mehr noch, aufgrund Seiner Güte gegenüber den Geldwechslern muss Er sie erschreckt haben, ihnen aber die Gnade der Ehrfurcht geschenkt haben, um zu sehen, ob sie sich bekehren würden. Sein mächtiger Arm, Sein göttlicher Arm, schlug zu und trieb sie in die Flucht, aber Seine Gnade suchte gleichzeitig die Seelen zu erheben, um sie durch die Ehrfurcht vor Gott mit Ihm zu vereinen. Das war Sein Werk! Wunder, und welch eine Fülle! Körperliche Wunder, Menschen, die Er heilte; moralische Wunder, schreckliche Menschen, verlorene Menschen, Menschen, die in den Winkeln des Lebens völlig vom rechten Weg abgekommen waren und die, da sie Ihn kannten, sich Ihm zuwandten und von einem Augenblick auf den anderen gereinigt wurden.

Noch schlimmer, vielleicht sogar noch schrecklicher: Menschen, die vom Bösen so abgestumpft waren, die ihn kannten, sich für kurze Zeit bekehrten und wieder in Sünde verfielen. Er ging ihnen nach, ergriff sie und führte sie zurück zum Guten. Reich wie Lazarus, arm wie die Scharen, die ihn begleiteten, mächtig wie Nikodemus, Josef von Arimathäa – alle anderen, alle folgten ihm, von ihm begeistert.

Dies war die Seite der Freude, die ihm das Leben schenkte. Es war nicht die Hauptseite, die Hauptseite war eine andere. Es war nicht die Sonne dieser allgemeinen Verherrlichung, die Hauptseite war eine Lampe, eine Lampe, die im Hause von Nazareth brannte: das Weise und Unbefleckte Herz Mariens, dessen Liebe die Liebe aller Menschen übertraf, die waren, sind und sein werden bis zum Ende der Welt, die ihm unermessliche Zufriedenheit schenkte: „Meine Mutter!“

Man könnte meinen, dass angesichts des Kommens des Gottmenschen auf Erden, angesichts solch eindeutiger Beweise, angesichts der Offenbarungen göttlicher Überlegenheit in jedem Augenblick und zu jeder Stunde, angesichts all dessen, das auserwählte Volk, das jüdische Volk – das auf den Erlöser wartete, insbesondere weil es wusste, dass dieser Erlöser aus ihnen geboren werden würde – den Messias erkannt und ihn mit Ehre gepriesen und ihn an die Spitze der Menschheit gestellt hätte. Denn wenn das jüdische Volk den Messias erkannt hätte, wären Römer, Griechen, Perser und Ägypter mit der Kraft unseres Herrn Jesus Christus bedeutungslos geworden! Es wäre zu einem außergewöhnlichen Gipfel erhoben worden!

* In von den Bösen in ihren „Laboren der Bosheit“ hergestellten Meer des Abscheus (gegen Unseren Herren) zeigt sich das Mysterium iniquitatis

Doch hier beginnt das Geheimnis, die menschliche Bosheit. Dieses Volk, das für ihn existierte, das seufzte, weil der Messias nicht kam, begann ihn, als er kam, sofort zu verfolgen. Und sie spalteten sich: Ein kleiner Teil des Volkes begann ihn anzubeten, angefangen bei den Hirten in Bethlehem, die die Botschaft seiner Geburt erhalten hatten. Doch andererseits begann eine andere, größere Gruppe, ihn zu verfolgen. Und bald darauf folgte Herodes' berüchtigte Berechnung: „Der Messias muss geboren sein, denn die Weisen sagten es. Der wird mich überschatten – ihn ohne Schuldgefühl zu töten, ohne ihn je gesehen zu haben, ihn einfach nur zu töten, weil er auf der Welt ist! Er ist der von den Propheten verheißene Erlöser. Ich glaube es, ich halte es zumindest für so wahrscheinlich, dass ich mich sogar fürchte. Und damit ich mein Leben genießen kann, damit ich das Vergnügen habe, König zu sein, werde ich befehlen, diese Leute zu töten!“ Er befiehlt die Tötung aller Unschuldigen, um den Unschuldigsten schlechthin am Leben zu hindern.

Geheimnisvolle Pläne Gottes, Wege, die wir erst später verstehen werden: Der heilige Josef, gezwungen durch die Unfreundlichkeit der Bevölkerung in Bethlehem, die weder ihn noch die Gottesmutter aufnehmen wollte, brachte die Gottesmutter in eine Grotte außerhalb der Stadt. Er ahnte wohl nicht, dass er die Gottesmutter in eine Zuflucht brachte; dass all die Kinder, die ein Zuhause hatten, sterben würden; Dass das Kind, das in der Höhle geboren wurde, nicht sterben würde. Daran dachte er nicht. Niemand dachte daran, außer Gott …

Doch andererseits beginnt er, Wunder zu vollbringen, das Volk zu begeistern usw. Herodes’ Kalkül wiederholt sich genau in den Kreisen, die ihn am meisten preisen sollten. Als in der Priesterschaft, in der hohen politischen Schicht, die Angst aufkommt: „Wer ist dieser Mann, der solche Massen hinter sich herführt? Was bleibt uns plötzlich noch an Macht? Wir sind nichts vor ihm, er ist gefährlich für uns!“, dann beginnt die Verfolgung. Die Verfolgung beginnt, ganz modern, mit einer Art Krieg, einem „psychologischen Krieg“ der Mafias, Verleumdung und peinlichen Fragen.

Die Pharisäer, die Sadduzäer schicken Boten zu ihm und stellen ihm Fragen, die ihn in Verlegenheit bringen sollen.

Arme Gestalten! Wenn eine Ameise gegen ein Fabelwesen antreten wollte, so schwer wie ein Elefant und so stark wie ein Löwe, wäre sie dem Sieg näher als jeder Mensch, der gegen unseren Herrn Jesus Christus antritt!

Fragen, die in den Laboren der Bosheit und Heuchelei geschmiedet wurden, sind verdreht und voller Fallen. Sobald die Frage gestellt ist, ist die Antwort meist einfach, direkt, vernichtend und erhellend! „Wessen Münze ist das, Gottes oder des Kaisers?“ – „Sie gehört dem Kaiser.“ „Gebt also Gott, was Gottes ist, und dem Kaiser, was des Kaisers ist.“ Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Eine Spaltung entsteht, ein Druck – das Evangelium berichtet von Gerüchten über ihn; ein Gerücht besagte, er sei gierig, ein anderes, er sei weltlich oder ehrgeizig … ehrgeizig, er, der alles war! Es ist ungefähr so, als wolle ein Löwe Karriere machen, indem er sich in die Bienenkönigin verwandelt. Das heißt, ein Löwe! Nichts Besonderes, mach dir keine Gedanken. Nun, man sagte, er sei ehrgeizig gewesen, und deshalb habe er in den Häusern von Pharisäern und Reichen gegessen, um ihnen zu schmeicheln… Man behauptete sogar – die schlimmste Verleumdung, die schlimmste Beleidigung, die gegen alle Beweise verstößt –, er sei mit dem Teufel im Bunde. Dabei war er das genaue Gegenteil des Teufels; so sehr, dass es nicht einmal richtig ist zu sagen, er sei das Gegenteil des Teufels gewesen: Der Teufel war sein Gegenteil!

* Die Bösen, die Ehrgeizigen, die Weichlinge und die Schwachsinnigen, waren die Menschentypen, die die verschiedenen Grade der Verschwörung schlechthin bildeten, die den Gottesmord verübten

Nun, aus dieser Perspektive betrachtet, beginnt sich eine Welle gegen ihn aufzubauen. Und diese Welle schreitet unaufhaltsam voran und reißt zunächst die Bösen mit sich. Als es dann soweit war, nur noch die wirklich Bösen zu ergreifen, waren diese zwar in der Minderheit – einflussreich, das stimmt –, aber eben in der Minderheit.

Doch dann, ausgehend von der Urkraft dieser vermeintlichen Bosheit einer Minderheit, begann die Welle zu wachsen und sich von Nachbarschaft zu Nachbarschaft auszubreiten. Sie erfasste die Ehrgeizigen, die sich selbst verkauften, jene, die das Böse nicht um des Bösen willen liebten, sondern sich selbst so sehr liebten, dass sie vor unserem Herrn Jesus Christus sagen konnten: „Schon gut, er ist all das, aber ich werde beliebt, angesehen und wichtig, wenn ich der Mafia helfe. Deshalb werde ich, damit die Bösen mich loben und verherrlichen, auch schlecht über ihn reden. Und ich werde etwas Schlechtes über ihn sagen, dessen ich mir nicht sicher bin.“

Nach diesen Bösen zweiten Grades wurde eine weitere moralische Schicht der Menschen erfasst, die der Schwachen. „Viele denken so gegen ihn: Wenn ich meine Meinung sage, werde ich verfolgt; ich will nicht verfolgt werden. Obwohl ihm ein abscheuliches Unrecht angetan wird, obwohl ich sehe, dass es eine Schande und eine Schmach ist, so über ihn zu reden, wie sie es tun, betrifft es ihn, nicht mich! Mich betrifft es, ein leichtes, angenehmes Leben zu führen, damit ich mich in diesem Land gut einleben kann. Ich gefährde meine Karriere, indem ich mich auf seine Seite stelle. Deshalb werde auch ich schlecht über ihn reden.

„Schlecht über ihn reden? Es ist schrecklich, schlecht über ihn zu reden. Ich sehe, wie jemand, ein Feigling wie ich, der nicht den Mut hat, sich anderen zu stellen, um nicht verfolgt zu werden, schlecht über ihn redet. Aber ich bin ein aufrechter Mann, ich werde nicht schlecht über ihn reden. Ich werde einfach nichts Gutes über ihn reden. Und wenn sie vor mir die unglaublichsten Dinge über ihn sagen, werde ich schweigen, ich werde nichts sagen. Ich spreche nicht gegen ihn, ich bin nicht sein Feind. Tief in meinem Herzen mag ich ihn sogar, ganz tief im Inneren, gut verborgen, mag ich ihn. Manchmal bete ich zu ihm, und er antwortet mir. Er ist so gut, dass er mir antwortet. Umso mehr Grund für mich, nicht Partei für ihn zu ergreifen. Wenn er mir nicht antworten würde, hätte ich vielleicht einen Vorteil, wenn ich Partei für ihn ergreifen würde, denn dann würde er mir antworten... Aber da er mir auch dann antwortet, wenn ich nicht Partei für ihn ergreife, bin ich mit einigen von ihnen einverstanden. Ich finde dort den richtigen Weg für mich, das ist mein Standpunkt.“

Und dann kommt die unermessliche Schar der Blöden, der freiwilligen Schwachköpfe. Sie sagen: „Nein, dieses Problem – ich bin nicht intelligent genug, um mich dazu zu äußern. Wenn ich es klar erkennen könnte, würde ich Stellung beziehen. Aber wissen Sie, Gott hat mir wenig Verstand gegeben, ich habe kein Talent, so etwas zu lösen.“ „Also verschließe ich die Augen davor und lasse die Dinge ihren Lauf nehmen.“

Diese verschiedenen Bereiche des Volkes waren betroffen. Und eine Leere breitete sich um ihn aus.

* Der Palmsonntag, die Krise im Apostolischen Kolleg und der Verrat des Judas

Es gab dann ein Fest, sein Einzug in Jerusalem am Palmsonntag. Es ist ein großes Fest, ein Ausdruck dessen, wie sehr das Volk ihn trotz allem sah und schätzte, aber nicht in dem Maße, wie es nötig gewesen wäre, nicht in dem Maße, wie es gerechtfertigt gewesen wäre. Sie jubelten ihm zu, das stimmt, aber er verdiente weit größeren Beifall, weit größere Verehrung! Und das brachten sie ihm nicht entgegen.

Sie feiern ihn nur halbherzig, und er zieht traurig ein. Und deshalb zeigen die Gemälde und Stiche, die seinen Einzug in Jerusalem darstellen, ihn im Allgemeinen traurig und betrübt, mit einem fast strengen Blick auf die jubelnde Menge gerichtet. Ihm waren die innersten Seelen nicht verborgen, und er erkannte die Unzulänglichkeit, die Zerbrechlichkeit des ihm zuteilgewordenen Beifalls.

Demütig ritt er auf einem Esel durch die Stadt. Immer wieder rief er die Menschen zu sich, rief sie auf, Gott und ihn, den Gottmenschen, zu lieben. Doch gleichzeitig erkannte er die Ablehnung, die Zurückweisung, die Kälte, die Heuchelei dieser und jener Bewunderung, all dies, beklagte und litt er.

Wenn wir das Leiden unseres Herrn Jesus Christus in seiner Gesamtheit und nicht nur die Passion betrachten würden, könnten wir sagen, dass er von der ersten Undankbarkeit an zu leiden begann. Wann diese erste Undankbarkeit war? Das ist nicht bekannt. Es kam in Scharen, es kam in großer Menge am Palmsonntag. Wenn es doch nur das wäre... wenn es doch nur das wäre.

Die jüdischen Pessach Feierlichkeiten stehen bevor. Unser Herr, dem jüdischen Gesetz vollkommen treu – er war als Gott der Gesetzgeber des jüdischen Gesetzes –, hält am Donnerstag das Letzte Abendmahl und ist mit seinen Aposteln am Tisch. Er wusste, dass ihn einer verraten hatte. Es war ein Apostel, also einer seiner engsten Vertrauten; die Apostel waren nur zwölf. Ein Apostel in der Krise, ein Mann, der ihn geliebt und den er berufen hatte. Das heißt, aus Gnade zog er Judas Iskariot zu sich, doch dieser Apostel reagierte wohl von Anfang an negativ. Und er war ein armer Apostel, der später ein berüchtigter Apostel wurde. Krise über Krise … Diesem Mann war die Verwaltung der Almosen anvertraut, und, wie das Evangelium berichtet, war er ein Dieb. Er stahl das Geld, das für die Armen bestimmt war, für seine eigenen Ausgaben, um sich mit den dreißig Silberlingen aus dem berüchtigtsten Verrat der Geschichte zu bereichern.

Diese Krise… wenn es nur ihn betraf, aber alle eifrigen Apostel waren betroffen. Sie versammeln sich, es ist das Festmahl. Er wäscht ihnen zuerst die Füße, vergibt ihnen ihre Sünden, sie gehen zu Tisch … Judas sitzt dort. Sie gehen zu Tisch, und Er gibt Judas jenen geheimnisvollen Befehl: „Was du tun musst, das tue schnell.“ Judas ging in die Nacht hinaus und beging seine Sünde.

Er befahl nicht Judas zu sündigen. Er hatte Judas einen Befehl gegeben, den er ihm zu erfüllen gebot. Doch Judas riss sich in diesem Moment los und ging fort. Man kann ihn sich vorstellen, mit seinen ängstlichen, eiligen Schritten: „Dreißig Silberlinge! Dreißig Silberlinge! Ich will dreißig Silberlinge!“ Und es ist besser, sich nicht vorzustellen, wie der Pakt zustande kam und wie er sich fühlte, als er die dreißig Silberlinge in seinem Beutel spürte.

Ihr kennt diese Geschichte, die so unrühmlich an einem Feigenbaum endete … Ich will meine Zeit nicht damit verschwenden, ich will eure Zeit nicht damit verschwenden. Ich mache weiter.

Die guten Apostel waren da. Einer von ihnen stellte ihm in einem Moment der Vertrautheit die Frage. Unser Herr sagte: „Einer von euch wird mich verraten“, mit einer Traurigkeit, die seine Seele erfüllte: Einer von ihnen würde ihn verraten. Er war so gütig, dass er nichts weiter sagte: „Und ihr werdet mich alle verlassen.“

Er kannte den Verrat, er kannte die Verlassenheit. Was würde geschehen, wenn er sie ansah? Einer legte sein Ohr an seine Brust, in einer Geste der Freundschaft und Vertrautheit; es war der heilige Johannes; und er fragte, wer es sei. Er sagte: „Dieser, dem ich das in Wein getauchte Brot geben werde.“ Er wollte Judas’ Namen nicht nennen, damit sie es nicht bemerkten, und gab eine schnelle Antwort. Man ahnt, dass er leise antwortete. Er nahm das Brot und reichte es Judas freundlich. Dies geschah offenbar, bevor Judas ging. Zärtliche Gesten wurden Judas bis zum letzten Augenblick zuteil.

Der Judaskuss
Skulptur in Holz (Fiera di Bergano, 2015)

      Als Judas ihn überlieferte und küsste, stellte er ihm immer noch liebevoll die Frage: „Judas, mit einem Kuss verrätst du den Menschensohn?“ Judas kümmerte das nicht. Dreißig Silberlinge, der Rest war ihm egal! Er hatte dreißig Silberlinge.

Nun, auch unser Herr spürte die Trauer der Apostel, die ihn nicht mehr wahrnahmen. Im Garten Gethsemane, während sie schliefen, bedeutete ihnen die ganze Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus nichts. Sie wollten schlafen. Sie waren müde und wollten schlafen. Und in der Stunde der Gefahr flohen sie alle. Sogar derjenige, der sein Ohr an seine Brust gelegt und den Herzschlag Jesu vernommen hatte!

* Seine Peiniger, wenn sie auch nicht wussten, dass er Gott war, müssten eigentlich die Vollkommenheit, die er ausstrahlte, doch bemerken

Da spürte er in seinem Leiden die Herrlichkeit, die er Gott erwiesen hatte, jenes Abbild Gottes, das er war. Er fühlte sich von den Menschen völlig verworfen, vom auserwählten Volk völlig zurückgewiesen. Doch er war so göttlich, so unvergleichlich! Warum hatten sie das getan? Welch ungeheure Ungerechtigkeit, welch unzählige Gottlosigkeit, welch grausame Rebellion gegen Gott! Seine Trauer, seine Empörung, sein Seelenleid.

An diesem Punkt setzt die Geißelung ein. Sie nehmen ihn, den Gottmenschen – dies ist das erste Geheimnis der körperlichen Gewalt im Rosenkranz – und fesseln ihm die Hände. Dann binden sie ihn an eine Säule und übergeben ihn der Geißelung. Und die Geißelung beginnt, die ihn vor diesem unvergleichlichen Symbol Gottes mit Hass, aus Hass auf Gott, geißelt!

Man wird sagen: „Aber sie wussten nicht, dass er der Gottmensch war, sie leugneten, dass er der Gottmensch war. Wie kann man da sagen, es sei aus Hass auf Gott geschehen?“ Sie sahen jene Vollkommenheit, die Gott symbolisierte, der eins mit Gott ist, und diese Vollkommenheit hassten sie. Hassten sie Gott oder nicht?

Wenn jemand ein Foto von einem von euch macht, weiß er nicht, dass das Foto diese Person zeigt, er kennt diese Person nicht, er kennt nur das Foto. Und er sagt: „Was für ein widerlicher, abscheulicher Kerl! Ich werde ihn mit Messern durchsieben! Dann binde ich sein Foto an einen Baum und schieße darauf; dann zünde ich sogar die restlichen Papierfetzen an!“ Ihr werdet sagen: „Dieser Mann will mich nicht, er hasst mich.“ – „Nein, aber er wusste nicht, dass das Foto dich zeigt.“ – „Aber er hat mich gesehen und mich gehasst!“ Natürlich. Sie wussten es also, in diesem Sinne erkannten sie: Gott war da!

Sie sahen es, und dann beginnt der Dialog, dann beginnt der ergreifende Gegensatz zwischen Sanftmut, Güte, der freiwilligen Unfähigkeit, sich zu verteidigen, einerseits und brutalem, dummem, grausamem Hass, andererseits. Unser Herr ist gefesselt, seine Hände sind gebunden. Ihr könnt euch vorstellen, wie sie brutal zu ihm sagen: „Gib mir deine Hände!“ Sie wussten, dass er all diese Menschen nicht mit einer Hand, sondern mit einem einzigen Finger vertreiben konnte. Ihr habt es im Garten Gethsemane gesehen. Hätte er gesagt: „Ich will meine Hand nicht hergeben!“ und die himmlischen Heerscharen herbeigerufen, um ihn zu verteidigen, wären sie sofort gekommen, denn er rief nicht, er befahl!

Er gab seine Hände. Sie fesselten seine Hand. Sie fesselten sie brutal mit groben, groben Seilen, die kratzten auf eine Weise, die ihn quälte, die Durchblutung beeinträchtigte und seine Bewegungsfreiheit einschränkte. Und sie fesselten sie mit der törichten Illusion, er sei durch das Fesseln gebunden. Er hätte nur sagen müssen: „Seil, reiß auf!“, und sie wäre zu Boden gefallen; und wenn er gewollt hätte, hätte er sie in eine Schlange verwandeln können, und diese Schlange hätte die bösen Menschen angegriffen.

Aber er wollte leiden. Das Außergewöhnliche ist, dass einige ihn geißeln wollten, und der Andere, der Er war, der Andere mit großem A, wollte gegeißelt werden. Er wusste, dass er gegeißelt werden würde, und er wollte gegeißelt werden; er ergab sich der Geißelung hin.

Unmittelbar danach hatten sie es ihm bereits abgenommen; sicherlich befahlen sie ihm, seine Tunika, sein heiliges Gewand, abzulegen, und warfen es in eine Ecke. Doch es war die nahtlose Tunika – nahtlos bedeutet, dass sie keine Naht hat –, die die Muttergottes für ihn gewebt hatte, eine Tunika, die keinerlei Schmutz aufwies; der göttliche Leib konnte nur reinste Weiße ausstrahlen! Mit seinem Willen konnte nichts diese Tunika, diese Tunika von unvergleichlicher Reinheit, beflecken usw. usw. und so weiter; sie hoben sie auf und warfen sie wütend zu Boden. Er dachte an die Hände der Muttergottes, die diese Tunika gewebt hatten. Er sagte nichts: Es war nur ein weiteres Leiden, dieses Leiden wollte er erleiden.

* Die unaussprechliche Lieblichkeit des Wimmerns des an der Säule gebundenen Gottmenschen


        
Damit führten sie ihn zur Säule, sicherlich mit Schlägen, Stößen und Gelächter; Sie banden das Seil, das er in den Händen hielt, an einen Ring an der Säule – so wurden die Geißelungen vollzogen. Und Männer begannen – welche Männer … man kann sich dies und jenes vorstellen –, Männer begannen, ihn mit gewaltigen Peitschen mit aller Kraft zu schlagen, und er stöhnte.

Man kann sich die Süße dieses Stöhnens vorstellen, die harmonische Schönheit dieses Stöhnens, diesen heiligen Leib, der sich vor Schmerz wand, vor der Brutalität der Qualen, die er erlitt, Fleischfetzen, die zu Boden fielen, und es war das Fleisch des Gottmenschen! Sein rettendes Blut floss in Strömen. Er stand da, würdevoll, überaus würdevoll, demütig, vollkommen demütig, ohne Protest, ohne Schmerzensschrei, nur sprechend zum Ewigen Vater. Er war seine Zuflucht in diesem Augenblick. Und sein Leib, vom Scheitel bis zu den Fußsohlen, war von schwersten Wunden bedeckt. Sein Blut floss, das Martyrium begann, aus dem die Erlösung der Menschheit erwachsen sollte.

Nach der Geißelung befahlen sie ihm – die Zeiten waren sittlicher als heute –, sein Gewand anzulegen. Er nahm es, und mit den Schmerzen, die man sich vorstellen kann, legte er es an. Er wusste, dass er bereit war, den Kreuzweg zu beginnen. Er trat in eine weitere, gewaltige Reihe von Qualen jeder Art ein.

Hinter ihm sehen Sie ein sehr ausdrucksstarkes, wunderschönes Bild. Es ist besonders schön, wenn man es von unten betrachtet, wo sein Blick den vollen Ausdruck dessen offenbart, was – meiner Ansicht nach mit gutem Grund – der Künstler als seinen Gemütszustand während der Geißelung beschrieben hat: Sorge, der Schmerz vor der kommenden Qual, die Bedrängnis vor der kommenden Qual, der Schmerz, den er in seinem ganzen Körper erlitt. Aber Sie, meine Herren, beachten Sie eine vollkommene Entspannung, eine vollkommene Sanftmut und eine königliche Würde. Kein König besaß je einen Purpur wie den seinen … den Purpur seines unendlich kostbaren Blutes. Sein Blut begann zu fließen.

Was soll man von all dem halten? Was soll man dazu sagen? Dies war der Vorhof seines blutigen Leidens, es war erst der Anfang. Denn danach folgte die Dornenkrönung, der Kreuzweg, eine ganze Reihe von Leiden bis hinauf nach Golgatha.

Er trug das Kreuz und stürzte dreimal unter der Schwere des Kreuzes. Dann nagelten sie ihn ans Kreuz, und sein Leib hing qualvoll an seinen Händen, sodass die Nägel seine Hände zu zerreißen drohten. Seine Füße versuchten, sich abzustützen, um nicht zu fallen, stießen dabei gegen die Nägel in seinen Füßen und verstärkten so den Schmerz. Der Durst wuchs in ihm aufgrund des vielen Blutes, das er verloren hatte. Die Qualen des Todes, die Schatten des Todes, begannen ihn zu überfallen, bis er schließlich rief: „Mein Vater, mein Vater, warum hast du mich verlassen?“

Und dann sprach er: „Es ist vollbracht“, und dachte dabei die ganze Zeit an die Menschheit, die er erlösen würde, als er sein Leiden vollendet hatte. Da erlöste er die Menschheit.

Doch bis zum letzten Augenblick sorgte er sich um andere, erfüllt von göttlicher Klarheit und ordnete alles. Zu Johannes sagte er: „Sohn, sieh deine Mutter!“, „Mutter, sieh deinen Sohn!“ Dem guten Schächer, dem heiligen Dismas: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Die erste Heiligsprechung hat er damit vollzogen; welch ein Ruhm, welch eine Freude!

* Während der Geißelung dachte Unser Herr an die Menschen, die durch dieses Leiden begünstigt sein würden, einschließlich die des 20. Jahrhunderts

Er dachte an uns alle, er dachte an uns im Augenblick der Geißelung. Und in diesem Augenblick, wie in allen Schritten der Passion, zogen wir alle an ihm vorüber. Diese traurige Schar von Menschen zog an ihm vorüber, und er litt für diesen, litt für jenen, litt für alle. Er litt für jeden von euch, den ich hier sehe, um für jeden von euch, und für mich, die Gnaden zu erlangen, durch die wir hier sind.

Und wenn jeder von euch die Geschichte seiner Berufung erzählt, wie ihr berufen wurdet, wie ihr geantwortet habt, wie ihr gestrauchelt habt, wie ihr wieder aufgestanden seid, wie ihr euren Weg eingeschlagen habt, denkt daran, dass unser Herr Jesus Christus im Augenblick der Geißelung an all dies dachte!

Er erinnerte sich an all das, und vielleicht fiel in dem Moment, als er an jeden von uns dachte, an mich, der ich zu euch spreche, für mich oder für jeden von euch, ein Stück seines göttlichen Fleisches zu Boden. Und inmitten der Schmerzen dachte er: „Es ist für jenen Sohn, der im 20. Jahrhundert leben wird, den ich liebe, den ich ganz besonders liebe und der mir andere bringen möchte. Es ist furchtbar, aber es ist gut ertragen!“

Und bedenkt: Wenn einer von uns gegen ihn sündigt, besonders mit einer schweren Sünde, ist es dasselbe, als würde man das Stück Fleisch, das aus Liebe zu uns zu Boden fiel, und wir heben es auf und werfen es ihm ins Gesicht. Was würdet ihr von einem so grausamen Geißler sagen, zu dem unser Herr sagte: „Mein Sohn, für dich habe ich dieses Blut vergossen, dieses Stück Fleisch fiel mir zu Boden“, und der Geißler sagt: „Ach, ist das so? Hier, nimm das: Peng! Ins Gesicht!“? Das ist schlimmer als jede Geißel! Das tun wir Katholiken, besonders wir, die wir uns in besonderer Weise berufen fühlen, wenn wir ihm nicht treu sind.

All dies sollte vor unserem Herrn Jesus Christus an der Säule bedacht werden, mit gefesselten Händen, leidend, leidend, leidend.

* Kommentar zur ersten Strophe des „Anima Chrsti“ des hl. Ignatius

Das brasilianische Volk – ich glaube, das geschieht auch in Portugal – hat es sich zur Gewohnheit gemacht, unseren Herrn Jesus Christus so gefesselt und mit Dornen gekrönt den Guten Jesus, o bone-Jesu, den Guten Jesus zu nennen. Warum?

Weil er so gut, so friedvoll, so barmherzig ist, dass er sich für uns fesseln und geißeln ließ. Es ist der Gute Jesus, den unsere Sünden fesseln, der uns aber mit Güte ansieht. Und selbst wenn wir seine Arme daran hindern, uns zu berühren, können wir seinen Blick nicht daran hindern, uns zu begleiten. Es ist der Gute Jesus, der uns ansieht.

Daher wurde hier, so passend, so treffend, das „Anima Christi, sanctifica me“ gesungen, das großartige Gebet des heiligen Ignatius von Loyola, das es verdient, in jeder seiner Bitten kommentiert zu werden. Diese Bitten sind so reichhaltig, dass es unmöglich ist, sie in einer einzigen Nacht zu behandeln.

Ich möchte auf die erste eingehen. Jede Seele ist anders als die andere. Und der heilige Paulus sagt: „Stella differt a stella“, jeder Stern ist anders als der andere. Mich persönlich – nicht unbedingt jedem – berührt von diesen Anrufungen die erste am meisten: „Anima Christi, sanctifica me“. Was bedeutet das?

Es bedeutet: Seele Christi, heilige mich, mit einer Heiligkeit, die an Deiner teilhat. Reinige mich von meinen Sünden, erfülle mich mit Tugenden und mache mich zu einem Spiegel Deiner, so wie ein Wassertropfen ein Spiegel der Sonne sein kann. Wie sehr wünsche ich mir das! Mehr als alles andere, solange mich die heiligste Seele unseres Herrn Jesus Christus heiligt, was könnte ich mir mehr vom Leben wünschen?

Diese Stoßgebete des heiligen Ignatius bilden eine Gruppe namens „Anima Christi“. Diese Stoßgebete des heiligen Ignatius sollen durch Maria gesprochen werden, denn so heilig sie auch sein mögen, sie erreichen unseren Herrn nicht, wenn die Gottesmutter nicht für uns Fürsprache einlegt. Deshalb müssen wir sozusagen mit ihren Lippen und durch das weise und unbefleckte Herz Mariens bitten.

Anima Christi, heilige uns und alle von der TFP. Seele Christi – und ich lege besonderen Wert darauf, selbst in diesem „Heiligen das Tages“ in dem ich besonders die Geißelung Jesu behandelt habe, die ja eine physische Folter ist, bezog ich mich doch stärker auf die seelische Pein, die Jesus empfunden hat. Möge seine Seele uns heiligen – Anima Christi sanctifica me – heilige uns alle, heilige uns mit deiner Freigebigkeit, mit deiner Güte, indem du uns verzeihst, aber angesichts dieses Gebetes nicht in Betracht ziehst, dass wir nicht verdienen, um was wir dich bitten.

Denn du bist der gute Jesus, der gute und geduldige Jesus, der leidende gute Jesus, der die Geduld nicht verloren hat. Erbarme dich meiner, Herr, und heilige mich vollständig.

Es ist das Gebet, das für jeden von uns angebracht ist und mit dem ich die Betrachtung des heutigen „Heiligen des Tages“ beende.

 

 

Aus dem Portugiesischen einer Tonbandaufnahme eines Vortrages. Der Text wurde nicht vom Autor nachgelesen. 

Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

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