Freitag, 26. Juni 2026

Der Erzengel Gabriel und die Verkündigung Mariens

 


Heute feiern wir das Fest des Erzengels Gabriel. Es ist ein wunderschönes Fest. Es wurde am Vorabend des Festes der Verkündigung des Herrn eingeführt. Der Text stammt aus dem Lukasevangelium (1,26–28).

„Als Elisabeth im sechsten Monat schwanger war, kam der Engel Gabriel.“

Gabriel bedeutet „die Stärke Gottes“.

„Er war von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa namens Nazareth, zu einer Jungfrau, die mit einem Mann namens Josef aus dem Hause Davids verlobt war. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel ging zu ihr und sprach: ‚Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir.‘“ Maria erschrak sehr über die Worte des Engels und fragte sich, was dieser Gruß bedeuten sollte. Doch der Engel sprach zu ihr: »Fürchte dich nicht, Maria! Denn du hast Gnade bei Gott gefunden. Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Allerhöchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird über die Nachkommen Jakobs herrschen in Ewigkeit; sein Reich wird kein Ende haben.«

Maria aber sprach zu dem Engel: »Wie soll das geschehen, da ich doch keinen Mann erkenne?«

Der Engel antwortete: »Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das heilige, das aus dir geboren wird, Sohn Gottes genannt werden. Auch deine Verwandte Elisabeth wird in ihrem hohen Alter ein Kind bekommen, und sie, die als unfruchtbar galt, ist im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich.«

Maria sprach: »Ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du gesagt hast.«

Da verließ der Engel sie.

Soweit ich weiß, ist dies das Einzige, was wir über den Erzengel Gabriel wissen. Er wurde von Gott beauftragt, diese großartige Botschaft der Muttergottes zu überbringen. Wir können uns ein wenig ein Bild von diesem Erzengel machen, wenn wir die Art seiner Aufgabe betrachten. Denn zwischen dem Wesen des Engels und seiner Tugend einerseits und der Mission, die er von Gott empfängt, andererseits besteht ein Zusammenhang. Und aus dem einen lässt sich das andere erahnen.

Was also ist es, was der heilige Gabriel, genannt „die Kraft Gottes“, der Muttergottes überbrachte? Welche Botschaft brachte er ihr? Es ist eine Botschaft, die mehrere Dinge bekräftigt: Erstens bekräftigt sie die Menschwerdung des Wortes und damit den größten Akt der Macht und Herrschaft, den Gott über die Welt ausüben konnte. Denn durch die Menschwerdung des Wortes bereitete er die Erlösung der Welt vor. Und durch die Vorbereitung der Erlösung der Welt wurde er, der von Rechts wegen König der Welt ist, auch durch Eroberung König der Welt. Denn er betrat die Erde – die zweite Person der Heiligen Dreifaltigkeit betrat die Erde. Er war der Herr der Erde – und am Kreuz sollte er einen besonderen Titel erringen, die Königsherrschaft über die Welt.

Er muss daher als Vorbild für den siegreichen Einzug unseres Herrn Jesus Christus in die Menschheit, auf die Erde, in das menschliche Leben gesehen werden. Er sollte wie ein Herold sein, der einem siegreichen König vorangeht, alle Hindernisse niederreißt, die dem Einzug des Königs im Wege stehen, und verkündet: „Seht, der König ist gekommen!“ „Er wird herrschen!“ Dies ist das erste Bild, das wir von diesem Erzengel haben sollten.

Ein weiteres Bild von ihm ist das des herausragenden Marienverehrers. Er war es, der das erste Ave Maria sprach, er war es, der der Gottesmutter eine Botschaft überbrachte, die ihr ihr eigenes Wesen offenbarte. Denn bis zu diesem Augenblick wusste sie, allen mir bekannten Deutungen zufolge, nicht, dass sie die Mutter Gottes sein würde. Sie betete sogar darum, dass der Messias bald auf Erden käme, und darum, eine Dienerin der Mutter des Messias sein zu dürfen, um ihr kleine Dienste erweisen zu können. Das war ihr größter Wunsch.

Als der Erzengel Gabriel kam und ihr verkündete, dass dies nicht der Fall sei, sondern dass sie selbst die Mutter des Messias sein würde, half er ihr sozusagen, sich selbst zu erkennen. Und dann verstand sie den Grund für den Strom der außergewöhnlichen Gnaden, die sie unaufhörlich empfangen hatte; sie verstand die Tiefe der Heiligkeit, zu der sie berufen war, und sie verstand ihre eigene Mission.

Maria sich selbst zu offenbaren, ihr also diesen außergewöhnlichen Dienst zu erweisen, ist eine höchst edle Tat, die Gott diesem Erzengel auftrug und die eine ganz besondere Verbindung zwischen ihm und der Gottesmutter begründete. Er war eine Art Prophet, der der Gottesmutter zeitlebens ihre Mission offenbarte. Eine tiefe Verbundenheit mit der Gottesmutter, eine große Verehrung für sie, ist ein weiterer Aspekt der Persönlichkeit dieses Erzengels.

Wir können einen weiteren Aspekt betrachten, nämlich die Art und Weise, wie er seine Botschaft überbrachte, die Reinheit, die sie durchdrang. Es gibt keine reinere Botschaft als diese, die die jungfräuliche Mutterschaft verkündete und Gottes Liebe zur Reinheit offenbarte. Zum Schutz der jungfräulichen Keuschheit Mariens erwog er einen Weg der Empfängnis unseres Herrn Jesus Christus, bei dem kein Mensch mitwirkte, sondern sie die Braut des Heiligen Geistes sein sollte.

Wir sehen hier also einen Engel, der ein besonderer Beschützer der Reinheit und ein besonderer Beschützer der Keuschheit ist. Und sähen wir ihn, würde er in uns tausend Wünsche, tausend Sehnsüchte, tausend Bewunderungen und tausend Wünsche nach vollkommener Reinheit wecken.

Daraus lassen sich einige Anregungen für die Gebete ableiten, die wir auch heute noch an ihn richten können. Wir können ihn bitten, dass er, so wie er der Engel war, der der Muttergottes das Kommen des Messias, das triumphale Kommen des Messias, verkündete – und es in der Muttergottes allen Menschen verkündete –, nun auch die Wiederherstellung des wirksamen Reiches Gottes auf Erden durch das Kommen der Bagarre und die Errichtung des Reiches Mariens verkündet.

Wir befinden uns heute in einer Situation, die sehr an die Zeit vor unserem Herrn Jesus Christus erinnert und in vielerlei Hinsicht schlimmer ist. Wir können daher bitten, dass unser Herr Jesus Christus wieder regiert, dass er in Maria oder durch Maria sein Reich auf Erden errichte und dass diese Zeit der Finsternis, in der wir uns befinden, bald ein Ende finde. Er, der das eine getan hat, möge auch das andere tun. Er hat die alte Zeit abgeschlossen, er hatte den Schlüssel dazu die neue Zeit eröffnen. Möge er diese Zeit abschließen und die Zeit des Reiches Mariens eröffnen.

Zweitens: Wir müssen ihn um eine überströmende Verehrung der Muttergottes bitten, die in ihrer Bedeutung für die Muttergottes unermesslich ist! Und dass sie in jedem Augenblick unseres Lebens wächst, bis zum letzten.

Drittens: Wir müssen ihn um eine glühende, unnachgiebige, wachsame und kämpferische Liebe zur Reinheit bitten; um jede Form der Abscheu vor jeder Form von Unreinheit, um Verabscheuung jeglicher Unreinheit in jedem Ausmaß und auf jede Weise. Das ist es, worum wir ihn bitten müssen. Dass er uns so beschütze und uns der Muttergottes näherbringe.

Dies wäre nun, kurz gesagt, ein Heiliger des Tages über den heiligen Erzengel Gabriel. Da der Heilige des Tages bereits viel Zeit in Anspruch genommen hat, werde ich diesen Teil unseres Treffens nun beenden.

 

 

 

 

Die Übersetzung aus dem Portugiesischen von „Der Erzengel Gabriel und die Verkündigung Mariens, Heiliger des Tages am 24. März 1972

Diese deutsche Übersetzung ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Eine „Plauderstunde“ über ein großes Thema

Plinio Corrêa de Oliverira
„Legionário“ Nr. 604, 5. März 1944


     Die inoffizielle britische Nachrichtenagentur „Reuters“ veröffentlichte folgende Zusammenfassung einer wahrhaft pathetischen Ansprache des Heiligen Vaters zugunsten der Ewigen Stadt:


     „Eine wachsende Bedrohung lastet gewiss auf Rom, und doch können wir dies nicht offen aussprechen. Wenn Athen und Kairo aus religiösen und politischen Gründen von militärischen Angriffen verschont geblieben sind, haben wir die Hoffnung nicht verloren, dass die Kriegsparteien schließlich verstehen werden, dass die Ewige Stadt weit mehr Recht hat, gleichen Respekt für ihre Integrität einzufordern. Ein unsterblicher Makel und eine Schande würden auf die Menschheit fallen, wenn Rom, die in seiner politischen, kulturellen und spirituellen Entwicklung einzigartige und unvergleichliche Stadt, die seit zwanzig Jahrhunderten die Mutter der christlichen Zivilisation ist, aus militärischen Gründen – Erwägungen oder Schwierigkeiten, die stets und in jedem Fall vom guten Willen überwunden werden müssen – dem zerstörerischen Zorn dieses schrecklichen Krieges zum Opfer fallen würde, in dessen Verlauf so viele prächtige Gebäude in Italien und im Ausland– darunter nicht zuletzt die berühmte Abtei Monte Cassino mit ihren kostbaren und alten Erinnerungen - unwiederbringlich beschädigt oder zerstört wurden.“

     Diese Worte sollten mit Rührung gelesen werden. Doch Rührung allein genügt nicht. Sie muss in Gebet und Tat umgesetzt werden, wenn sie nicht ihre ganze Authentizität und Würde verlieren will. Gibt es wirklich nichts, was getan werden kann, um die Lage des Papstes zu erleichtern? Wir sind weit entfernt von der düsteren und unruhigen Atmosphäre der Schlachtfelder und ihrer Umgebung. Daher sind uns viele der wichtigsten konkreten Details im Zusammenhang mit der Frage der Erhaltung Roms nicht bekannt. Ohne die lächerliche Rolle von „Kaffeehausgeneräle“ einnehmen zu wollen, die ernsthaft über Militäroperationen diskutieren und auf den Marmortischchen Operationsfelder skizzieren, Truppenbewegungen planen und Schlachten gewinnen, ohne je eine militärische Ausbildung absolviert zu haben, und ohne unseren Überlegungen einen höheren Wert beimessen zu wollen als den von Vermutungen oder Überlegungen, die dem gesunden Menschenverstand entspringen, halten wir hiermit einige Ideen fest, die zur Lösung des Problems beitragen könnten. Wir tun dies aus dem Eifer eines Sohnes heraus, der, obwohl er weiß, dass es nicht sofort von Nutzen sein kann, nicht aufhört, über die quälende Lage seines Vaters nachzudenken.

*  *  *

     Aus der Botschaft des Heiligen Vaters geht klar hervor, dass die Überzeugung besteht, dass etwas Praktisches, Wirksames und Entscheidendes zur Rettung Roms unternommen werden kann. Obwohl der Heilige Vater kein Militärexperte ist, würde er eine solche Aussage nicht treffen, ohne sich sorgfältig über die Lage informiert zu haben. Die Traditionen äußerster Vorsicht des Vatikans, die beim jetzigen Papst so charakteristisch ausgeprägt sind, schließen jede gegenteilige Idee aus. In welchem Gedankengang könnte eine solche Lösung liegen?

     Im Wesentlichen stellt sich das Problem Roms wie folgt dar:

     a) Die Nazis haben die Stadt besetzt, die ein strategisch äußerst günstiges Zentrum und Knotenpunkt eines ganzen Eisenbahn-, Straßen- und Stromnetzes darstellt, von dem die gesamte Halbinsel abhängt;

     b) andererseits ist Rom als Hauptstadt Italiens eine Stadt von großer moralischer und politischer Bedeutung für die breite Bevölkerung. Sie gehorchen als legitime Regierung der Gruppe, die die Stadt besetzt hält;

     c) Daher ist die Besetzung Roms für die Nazis von höchster militärischer und politischer Bedeutung, und eine Besetzung durch die Alliierten würde zwangsläufig ein Ungleichgewicht im Machtgleichgewicht bedeuten, das die Deutschen auf der Halbinsel anstreben. Folglich ist der Besitz Roms von größter Wichtigkeit und muss mit Waffengewalt verteidigt werden.

     Offensichtlich werden wir keine Zeit damit verschwenden, das Offensichtliche zu behaupten, geschweige denn zu beweisen: Die Nazis haben keinerlei Recht, so zu argumentieren, da sie Eindringlinge und illegitime Besatzer sind. Angesichts dessen und einer Situation, die daher nur faktisch und nicht juristisch zu betrachten ist, wollen wir einige Punkte bedenken.

*   *   *

     Für die Alliierten, die, wie unzweifelhaft ist, völlig im Recht sind, wäre die Eroberung Roms das Ideal. Doch sie repräsentieren die Partei der Zivilisation, des Rechts, der Moral im Gegensatz zur nationalsozialistischen Barbarei, die Europa tyrannisiert. Daher werden sie ihre Rolle erfüllen, indem sie es sind, die einige mögliche und vernünftige Opfer benötigen, um Rom zu retten. Wir müssen darauf vertrauen, dass sie dies aufrichtig wollen. Der Papst erinnert uns zu Recht daran, dass es nur durch Besonnenheit, Traditionsbewusstsein und vernünftige Zugeständnisse möglich war, Kairo und Athen „aus religiösen und politischen Gründen“ zu retten. Daher wird logischerweise dasselbe auch für Rom geschehen.

     Offensichtlich werden die Alliierten den Nazis nicht die Ehre erweisen, von ihnen zu erwarten, dass sie ihre abscheuliche Rolle anerkennen und die Stadt aufgeben. Und wenn der Heilige Vater von der Schonung Roms spricht, meint er sicherlich etwas anderes, als er erwartet. Denn von Nazis Höflichkeit und Zuvorkommenheit zu erwarten, ist, als würde man auf die Sanftmut und Gutmütigkeit von Schakalen setzen.

     Es gilt daher zu prüfen, ob es einen Ausweg gibt, der den Erfolg der Alliierten nicht gefährdet und gleichzeitig die schreckliche Katastrophe abwendet, zu der die Nazis die christliche Welt treiben wollen.

     Prinzipiell ist dies nur auf einem Weg möglich: indem man den Nazis erlaubt, sich weiter hinten in geografisch akzeptablen Positionen zu verschanzen und Rom als neutrale und nichtkriegführende Stadt außerhalb der Hände jeglicher Kriegsparteien zu belassen. Betrachten wir diese beiden Bedingungen einer möglichen Lösung genauer.

*   *   *

     Wir glauben nicht, dass der Rückzug der Nazis in einen entlegeneren Teil der Iberischen Halbinsel einen wesentlichen Nachteil für die Alliierten darstellt. Tatsächlich könnten die Nazis Rom jederzeit verlassen und sich andernorts verschanzen. Indem die Alliierten dies zulassen, erhöhen sie die Bewegungsfreiheit und die Entschlossenheit des deutschen Hauptquartiers kein bisschen. Andererseits dürfte es angesichts der besonderen Beschaffenheit der Halbinsel, die Churchill in seiner letzten Rede so treffend erläuterte, nicht schwer sein, in Italien einen geeigneten Standort zu finden, um Rom als Militärstützpunkt zu ersetzen.

     Man könnte einwenden, aus Sicht der Alliierten sei all dies vernünftig. Aus Sicht der Nazis jedoch nicht. Der LEGIONÁRIO ist der Erste, der sie als die schlimmsten Feinde der Kirche bezeichnet. Warum erwartet er dann von ihnen ein Opfer zugunsten der Kirche? Die Antwort ist einfach: Die Nazis manövrieren so, dass sie sich der Verantwortung einer Bombardierungen, für die sie schuldig sein werden, entziehen wollen. Wenn sie nicht das geringste Opfer bringen wollen, um dies zu vermeiden, dann sollen sie die gesamte moralische Verantwortung und die ganze Schande ihres erbärmlichen Verhaltens tragen.

     Und Rom? Wer wird seine Neutralität garantieren? Wer wird es regieren? Die Lösung ist einfach: Die päpstliche Regierung kann die Ewige Stadt provisorisch verwalten, ohne dass Streitkräfte irgendeiner Kriegsmacht in sie eingreifen. Die eigens nach Rom verlegte Schweizer Armee, die heute eine hervorragende Streitmacht darstellt, würde die Einhaltung des Paktes gewährleisten.

     Rom wäre gerettet. Rom würde für keine der beiden Kriegsparteien eine Gefahr darstellen. Die Person des Papstes bliebe unversehrt, das Grab der Apostel unversehrt, die zahlreichen Reliquien und Kunstwerke der Stadt unversehrt. Was noch?

*   *   *

     Möglicherweise wird dies in diesem Moment von der Diplomatie der Alliierten versucht. Wer sind die Vermittler zwischen den Mächten beider Seiten für die Verhandlungen? Nichts Geringeres: Portugal, die Schweiz, Schweden, der Vatikan selbst. Wer weiß, ob wir nicht von einem Moment auf den anderen von diesem großartigen Ergebnis überrascht werden? Wer weiß auch, ob diese Lösung angesichts der konkreten Umstände für den Vatikan selbst nicht wünschenswert wäre? Wer weiß, ob seine wesentlichen Bedingungen, so nützlich sie auch sein mögen, in ihrer Umsetzung tiefgreifende Änderungen erfahren müssten? Die Zeitungsdiplomaten und die Kaffeehausmarschälle sollten zumindest so viel Vorsicht walten lassen, ihren eigenen Lösungen zu misstrauen und zu erkennen, dass diese bestenfalls als bloße Wahrscheinlichkeitsargumente gelten. Für diese These sprechen unbestreitbar gewichtige Argumente für die Durchführbarkeit. Sie werden hier mit der Zurückhaltung dessen präsentiert, der weiß, dass er nur die groben Umrisse von Ereignissen erfasst, die in ihren zahlreichen Details äußerst komplex sind.

 

 

 

 

Die Übersetzung aus dem Portugiesischen von „Uma "causerie" sobre sobre o grande tema“, in O Legionário vom 5. März 1944

Die deutsche Übersetzung „Eine Plauderstunde zu einem großen Thema“ ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

 

 

 

Dienstag, 23. Juni 2026

Nachdenkend, kritisierend, differenzierend und abwartend im Sturm des 20. Jahrhunderts

 Plinio Corrêa de Oliveira
„Catolicismo“ von April 1964

 

Aus dem glorreichen Polen, das durch die kommunistische Tyrannei auf die Kategorie einer blutleeren und armen Nation reduziert wurde, erreichte uns über die Telegraphenagenturen eine peinliche Nachricht: Die Regierung setzte ihre Politik der fortschreitenden Verstaatlichung fort und verfügte zum 1. Januar dieses Jahres die Schließung aller privaten Anwaltskanzleien. Von da an müssen Anwälte, die ihren Beruf weiter ausüben möchten, entweder im direkten Dienst des Staates oder für Genossenschaften (die alle vom Staat kontrolliert werden) oder in kollektiven Anwaltskanzleien arbeiten.

Nur wenige Maßnahmen können als abscheulicher angesehen werden als diese. Das Ergebnis ist, dass keine oder fast keine Anwälte ihren Beruf in wirklicher Unabhängigkeit gegenüber der Regierung ausüben können.

Im Hinblick auf Anwälte, die für den Staat oder halbstaatliche Genossenschaften arbeiten, trifft die Behauptung offensichtlich zu.

Was die kollektiven Ämter betrifft, so ist dies nicht so offensichtlich, wenn auch ebenso sicher. Tatsächlich ist die Mehrheit in allen Berufen gewohnheitsmäßig entgegenkommend und unterwürfig. Kollektivkanzleien scheinen sich dieser Regel nicht zu entziehen. Daher wird es für die meisten Anwälte schwierig sein, Berufstätige als Kollegen in den sogenannten „Sammelämtern“ zu akzeptieren, die ihren Auftrag erfüllen und dabei den Unmut einer wütenden Staatsmacht auf sich ziehen, die über tausend und abertausend Möglichkeiten verfügt, Druck auf die Justiz auszuüben und ihre unzufriedenen Anwälte zu verfolgen.

Dies kommt der Aussage gleich, dass Bürger Polens, die rechtliche Schritte gegen die Regierung einleiten wollen oder aus irgendeinem Grund deren Zorn auf sich gezogen haben, in keinem Fall Zugang zu verlässlichem Rechtsbeistand haben werden. Ihre Anwälte werden die Schergen Ihres allmächtigen Gegners sein.

Dies allein würde ausreichen, um unser geliebtes und unglückliches Polen auf die rechtlichen Bedingungen einer indianischen Hüttensiedlung zu reduzieren ...

Wenn eine antikommunistische Regierung ein Dekret wie dieses veröffentlichen würde, das in jedem Land wegen seiner grundsätzlichen Schlechtigkeit verwerflich wäre, würde es mit Sicherheit überall auf der Welt zu Aufruhr und Protest kommen.

Dieser Protest würde natürlich nicht nur aus den kommunistischen Zitadellen und ihren Vororten, den sozialistischen Kreisen, kommen. Es würde in vielen demochristlichen Lagern, „progressiven Katholiken“, „aufgeklärten“ Bourgeoisien usw. ein lautes und schrilles Echo finden.

Wie empört wären zum Beispiel die Herren Paulo de Tarso, Plinio Arruda Sampaio und André F. Montoro! (sozialistische Politiker Brasiliens)

Diese zugunsten des Kommunismus ausgeübte Gewalt ging jedoch vorüber, ohne größere Wut hervorzurufen.

Dieselben Zitadellen, dieselben Vororte und Siedlungen, die es überall auf der Welt gibt, unterstützen die Unterdrückung des Kolonialregimes überall dort, wo es noch existiert, entschieden. Sie sahen den Fall von Goa ohne Protest. Und sie wollen Portugal nur aus Angola und Mosambik vertreiben.

Doch am 7. März veröffentlichte die Agentur Tass in Moskau eine „autorisierte Stellungnahme“, in der sie sich vehement für den brutalen und ungerecht kolonialistischen „Status quo“ in Ostdeutschland aussprach.

Und das hat keinen dieser Herren traurig gemacht. Wenn ja, dann sagten sie es zumindest nicht, oder sie sagten es sehr, sehr leise ...

Was für unbeschreibliche Herren bewohnen diese Zitadellen, Vororte und Dörfer ...

Dieselben Herren, die sich in allen Breitengraden ebenbürtig waren, hatten Krisen humanitärer Tränen, als ein paar gute Menschen in Saigon Selbstmord begingen. Auch wir bedauern diese schändlichen Taten zutiefst, allerdings in einem ganz anderen Sinne.

Tatsächlich verstärkten die Schreie dieser Herren durch einen bemerkenswerten Zufall den Widerstand gegen die Ngo Dihn Diem-Regierung, die die Kommunisten unbedingt stürzen wollten.

Der angebliche Grund für so viele Tränen und Schluchzer war der Wert jedes menschlichen Lebens.

Es ist merkwürdig, dass für diese abscheulichen und beklagenswerten Selbstverbrennungen direkt und unmittelbar der Buddhismus verantwortlich war, der solch grausame und kriminelle Formen des Protests inspiriert. Aber es war nicht der Buddhismus, der den Zorn so vieler dieser unbeschreiblichen Herren auf der ganzen Welt erregte. Er war gegen die Regierung Ngo Dihn Diem, die ebenfalls von den Kommunisten verabscheut wurde.

Nun haben die Kommunisten in Sansibar Gräueltaten angerichtet. Aber es scheint, dass der Wert des menschlichen Lebens auf dieser abgelegenen Insel viel geringer ist. Denn in dieser Hinsicht kam der kosmopolitische Schrei der „Heuler-Bonzen“ nicht zum Ausdruck.

Einer der fleißigsten und pünktlichsten Schreier dieser Art ist zweifellos Herr Bertrand Russell. Er weint sofort als einer der Ersten, wann immer sich die Gelegenheit bietet.

Wie einseitig dieser systematische Aufschrei ist, lässt sich anhand der Haltung des britischen Schriftstellers zu dem Vorfall, der sich kürzlich in Russland ereignet hat und von UPI in die ganze Welt übertragen wurde, gut erahnen.

Der Oberste Gerichtshof der Russischen Föderation verurteilte neun Personen zum Tode, denen vorgeworfen wurde, psychisch Kranke für die Herstellung von Stoffen eingesetzt zu haben, die dann illegal verkauft wurden.

Die Aktion scheint sicherlich anstößig zu sein. Aber was für ein schreckliches Missverhältnis zwischen Verbrechen und Bestrafung für diejenigen, die den geringsten Sinn für Gerechtigkeit haben!

Es wäre daher angebracht, dass Herr Bertrand Russell protestiert. Und protestierte...

Gegen was? Gegen den brutalen Prozess? Gegen das barbarische Gesetz, in dessen Namen es erlassen wurde? Gegen das abscheuliche und blutrünstige Regime, das ein solches Gesetz erlassen hat? Gegen die teuflische Ideologie, die es inspiriert hat?

Nein, und nein. Angesichts der Tatsache, dass von den neun Verurteilten sieben Juden waren, protestierte Bertrand Russel (laut UPI-Anordnung) gegen die Tatsache, dass die Todesstrafe für Wirtschaftsverbrechen zu häufig gegen Juden verhängt wurde. Eine ähnliche Haltung vertraten mehrere andere westliche Intellektuelle.

Es ist klar, dass das so gegenüber den Juden praktizierte Unrecht zu bedauern ist.

Aber warum wird Unrecht gegenüber anderen nicht bedauert?

Wir sind weit und sogar sehr weit davon entfernt, alle Handlungen und – noch mehr – alle Unterlassungen von Herrn Lyndon Johnson während der Präsidentschaft der Vereinigten Staaten zu billigen.

Wir begrüßen jedoch mit Freude seine Tat bei der Verabschiedung des Gesetzes, das die von 80 Millionen nordamerikanischen Steuerzahlern gezahlte Einkommenssteuer um 20 % gesenkt hat.

Und was noch besser ist als die Tatsache, ist der vom Präsidenten angeführte Grund: Steuersenkungen stimulieren private Initiative und verleihen so der gesamten Wirtschaft des Landes Vitalität.

Diese Position basiert auf der von „Mater et Magistra“ so klar zum Ausdruck gebrachten Annahme, dass die Haltung der öffentlichen Macht gegenüber privater Initiative grundsätzlich eine der Ermutigung und Unterstützung sein muss.

Was für ein schönes Beispiel für unseren Botocudo indianischen, den aggressiv konfiskatorischen und „reformistischen“ Sozialismus.

Die Haltung und die Worte von Präsident Johnson sind ein kleiner Lichtblick – wie prekär! – am stürmischen Horizont unserer Tage.

Hier, in unserem Brasilien, haben wir einen Grund zur Hoffnung, der viel greifbarer ist. Es ist die großartige Reaktion, die die katholische Bevölkerung von Belo Horizonte gegen die verwirrende und beunruhigende Erklärung – das ist absolut das Mindeste, was man sagen kann – des AC dieser Erzdiözese zugunsten eines nationalen Agrarreformismus im (kommunistischen) Stil von Brizola, Paulo de Tarso und Max Costa Santos entwickelt hat.

Wenn ein Volk über solche Reserven an lehrmäßiger Integrität und edler Erhabenheit verfügt, trägt es in sich das Zeichen, dass Unsere Liebe Frau es nicht im Stich gelassen hat und im Gegenteil viel durch es tun möchte, um die Kinder der Dunkelheit zu verwirren und die Heilige Kirche Gottes zu erhöhen.

Seine Ehrw. Exzellenz Herr D. Clemente José Carlos Isnard, O.S.B., Bischof von Nova Friburgo, dessen Namen wir mit gebührender Verehrung ablehnen, schrieb in der „Revista Ecclesiaástica Brasileira“ (Bd. 23, Ausgabe 4, Dezember 1963) einen Artikel mit dem Titel „Die Konstitution De Sacra Liturgia“, in dem wir den folgenden Auszug lesen: „Offensichtlich ist es notwendig, in der ereignisreichen Geschichte der liturgischen Bewegung, das Wirken des Heiligen Geistes zu erkennen, der die Kirche leitet. Andernfalls wäre die feierliche Bestätigung, die heute so vielen Ansprüchen gegeben wurde, wenn man sie nicht als Übertreibung oder sogar der Häresie tadelte, nicht möglich. Wenn ich die feierliche Verkündigungssitzung im Vatikan verfolgte, könnte ich insbesondere diejenigen, die, nachdem sie den größten Teil ihrer Tätigkeit dem Dienst der Liturgie gewidmet hatten, starben, ohne diesen großen Tag zu erleben. Der Heilige Geist weht, wo Er will und wir haben seine Stimme in der großen Konzilsaula vernommen am 4. Dezember 1963

Es sei uns erlaubt diesbezüglich einen Kommentar abzugeben, der keine Berichtigung darstellt, sondern lediglich eine Nuance zu dem von Ihrer Exzellenz skizzierten Bild hinzufügt.

Das erwähnte Zitat enthält einige Aussagen historischer Natur.

Geschichte zu schreiben ist etwas sehr Komplexes. Und beim Schreiben fällt es selbst den besten Historikern nicht immer ein, alles Nötige zu sagen, um es in all seinen Nuancen darzustellen.

Nachdem ich diese Worte des Hochw. Herrn Bischof von Nova Friburgo gelesen habe, bleibt mit Verlaub etwas zu wünschen übrig. Denn in ihrem natürlichen Sinne scheinen sie zu sagen, dass während des gesamten ereignisreichen Lebens der liturgischen Bewegung keine Lehramtliche Fehler in liturgischen Angelegenheiten vorkamen. Diese Aussage, die bekanntlich nicht der historischen Realität entspricht, ignoriert die zahlreichen Angriffe auf diese Fehler in Brasilien und im Ausland. Dies war natürlich nicht die Absicht des angesehenen Prälaten. Doch in einer Zeit der Verwirrung wie der unseren ist es jedoch nicht müßig, sich daran zu erinnern, dass die Enzyklika „Mediator Dei“ von Pius XII. etliche dieser Fehler beschreibt und widerlegt, das gleiche könnte man sagen von mehr als einem Dokument des Kirchliche Lehramtes unseres Landes.

Wie S. Exlz. der Hochw.  D. Antônio de Castro Mayer, Bischof von Campos, in seinem bewundernswerten Hirtenbrief mit dem Titel „Die Konzilsdokumente über die heilige Liturgie und Instrumente der sozialen Kommunikation – Pastoralnotizen“ (siehe „Catolicismo“, Nr. 158 von Februar d.J.), „leider ermöglichte die Gier nach Neuigkeiten in den letzten Jahren, dass es in der Liturgischen Bewegung gewisse Abweichungen vom rechten Weg der gesunden Lehre und der Klugheit vorkommen. „Denn – sagt Pius XII. – wenn Wir nämlich einerseits mit großem Bedauern feststellen, dass in verschiedenen Ländern der Sinn für die heilige Liturgie, ihre Kenntnis und ihr Studium gelegentlich ungenügend sind oder fast ganz fehlen, so müssen Wir anderseits mit Besorgnis, ja mit Furcht wahrnehmen, wie einige allzu neuerungssüchtige Leute vom Weg der gesunden Lehre und der Klugheit abweichen. Den Plänen und Bestrebungen zur Erneuerung der Liturgie, an die sie herantreten, mischen sie häufig Auffassungen bei, die in der Theorie oder Praxis diese heilige Sache gefährden und bisweilen mit Irrtümern behaften, die den katholischen Glauben und die aszetische Lehre berühren.“ (Mediator Dei“ – „Discorsi e Radiomessaggi“, IX. S. 497)“ Und daher waren viele Angriffe und viele Vorbehalte gegen die liturgische Bewegung nicht auf eine verwerfliche Liebe zur Stagnation zurückzuführen, sondern auf einen edlen und lobenswerten Eifer der Verteidigung der Orthodoxie oder Tradition.

Bei allem Respekt bitten wir den verehrten Bischof von Nova Friburgo, uns zu gestatten, einem anderen Thema in seinem wichtigen Artikel einiger Nuancen hinzuzufügen. Seine Exzellenz behauptet: „Angesichts dieser Ausrichtung verstehen wir besser die Offenheit, die die Verfassung gegenüber der Verwendung der Muttersprache zeigt. Das Konzept der liturgischen Sprache, das mit dem Lateinischen verbunden ist, wird entgegen der kategorischen und feierlichen Aussage von Patriarch Maximos IV. („toutes les langues sont liturgiques“) weiterhin beibehalten (Art. 36 § 1), weicht jedoch in vielen Punkten der Volkssprache (Art. 36 § 2, Art. 54, Art. 63, Art. 101), dass in naher Zukunft eine solche Vorherrschaft vorhersehbar sein wird, die die endgültige Änderung des Konzepts erzwingen wird. Der Tag wird kommen, an dem Latein in unserer Liturgie etwas stärker vertreten sein wird als wie jetzt das Griechische. Natürlich man geht dadurch viel verloren: die Schätzte der linguistischen Schönheit sowie die unübersetzbaren Gebete des Missale, die Grundlage selbst des gregorianischen Gesangs, usw. Doch das wird bewusst  geopfert oder der Gefahr ausgesetzt im Hinblick auf ein höheres Gut, nämlich das der aktiven Teilnahme, und durch die Erleichterung des Verständnisses der Gläubigen.

Es sei uns erlaubt zu sagen, dass die Überzeugungen und Bestrebungen des Hochw. Herrn Bishof von Nova Friburgo nicht von allen in der Heiligen Kirche geteilt werden, die sich für die Angelegenheit interessieren. Auch nicht durch die Konzilskonstitution „de Sacra Liturgia“.

Wenn wir den Text Seiner Exzellenz richtig verstehen, werden die Gebete des Messbuchs, oder zumindest die besten unter ihnen, aus der Liturgie verschwinden. Denn wenn mehrere oder alle für „unübersetzbar“ erklärt werden und „der Tag kommen wird, an dem das Lateinische in unserer Liturgie etwas stärker vertreten sein wird als das Griechische jetzt“, muss alles oder fast alles, was „unübersetzbar“ ist, untergehen. Denn wie es aussieht, wird auch an der „eigentlichen Basis“, der gregorianische Choral, verändert oder geopfert.

Für viele hochqualifizierte Geister bedeutet die liturgische Erneuerung zwangsläufig eine Wiederbelebung des Verständnisses und der Liebe für die Texte der Liturgie, die liturgischen Sprachen, unter denen Latein eine so herausragende Rolle spielt, und den gregorianischen Gesang. So empfinden die unzähligen Seelen, die unter dem Einfluss des unsterblichen Abtes Dom Guéranger und des glorreichen Benediktinerklosters Solesmes leben, die liturgische Bewegung, die heute ihre Lehren, Beispiele und Hoffnungen fortsetzt ...

Wir sagen dies mit allem gebotenen Respekt, aber ohne Verlegenheit, denn wir wissen, dass unsere Denkweise in dieser Angelegenheit nicht nur vom großen Bischof von Campos, sondern auch von mehr als einem berühmten Mitglied des Nationalen Episkopats bestätigt wird.

Unter den zahlreichen Kommentaren, die in der jüngsten Sitzung des Ökumenischen Rates vorgebracht wurden, heben wir Folgendes hervor, das von den „Informations Catholiques Internationales“ (Nr. 203 vom 1. November 1963, Seite 9, Abschnitt „Informations Concile“) stammt:

„Schließlich sind einige Patres – und das nicht ohne intellektuellen Mut, denn sie schwimmen gegen einen starken Strom – keineswegs davon überzeugt, dass Kollegialität ein göttliches Recht ist, sondern sie fürchten sie sogar. So etwa Monsignore de Proença Sigaud, Erzbischof von Diamantina in Brasilien, und Monsignore Lefebvre, Generaloberer der Patres vom Heiligen Geist. „Die Gesetzgebungsgewalt für die gesamte Kirche“, so Monsignore de Proença Sigaud, „steht allein Petrus als persönliche Macht zu, die an seine Nachfolger weitergegeben wird. Es ist offensichtlich, dass die Apostel nicht die gesamte Kirche, sondern nur ihre jeweiligen Teilkirchen regierten. Die Gesetzgebungsgewalt der Bischöfe wird mit dem Ende des Konzils verschwinden.“ Bischofskonferenzen sollten nicht zu einer neuen Machtform über die Diözesanbischöfe werden, die deren persönliche Macht einschränkt oder gar zerstört.“

Es sei angemerkt, dass diese beiden Patres ein gemeinsames Interview gaben, um ihrer Stimme mehr Gehör zu verschaffen. Hier liegt ein Problem, vor dem das Konzil nicht die Augen verschließen sollte, wie es beim Ersten Vatikanischen Konzil kritisiert wurde: Wie lassen sich die Ideen der Minderheit wiederentdecken? Viele Theologen, die sich uneingeschränkt für Kollegialität einsetzen, sind darüber ernsthaft besorgt. Zweifellos enthalten die Ideen der Minderheit einige Warnungen, die nicht ignoriert werden dürfen, wenn man es in Zukunft nicht bitter bereuen will.

Zunächst einmal sei – da es sich hier um eine französische Zeitschrift handelt – an den typisch französischen Grundsatz erinnert: „La vérité est dans les nuances“ (Die Wahrheit liegt in den Nuancen). Es steht außer Frage, dass der große Erzbischof von Diamantina und der angesehene, zurückgetretene Erzbischof von Dakar und Generalobere der Kongregation der Väter vom Heiligen Geist in der jüngsten Sitzung dieses denkwürdigen Konzils eine Rolle spielten, die sie unsterblich machte. Doch die Berichterstattung erweckt den Eindruck, die beiden Verfechter der päpstlichen Monarchie hätten beinahe im Alleingang gekämpft. Diese Darstellung entspricht nicht nur nicht der gesamten Realität, sondern erweckt auch den Eindruck, die Position für die Unversehrtheit der päpstlichen Monarchie sei in der Kirche umstritten. Um das Gegenteil zu beweisen, muss in diesem Zusammenhang das von der Weltpresse veröffentlichte, so inhaltsreiche, so mutige und so klare Interview Seiner Exzellenz, des Hochwürdigsten Herrn D. Antonio de Castro Mayer, Bischof von Campos erwähnt werden (siehe „Catolicismo“, Nr. 156, Dezember 1963 – „Momentosa Entrevista“), sowie die bekannte Tatsache, dass viele Konzilsväter genau wie Ihre Exzellenzen denken. Vor allem aber müsste man die unmissverständlichen Worte Seiner Heiligkeit Papst Paul VI. in seiner Ansprache zum Abschluss der zweiten Sitzungsperiode des Konzils erwähnen.

„Informations Catholiques Internationales“ wäre daher vollkommen objektiv, wenn es diese beiden Erzbischöfe nicht als isolierte Vorkämpfer, sondern als herausragende Vertreter einer großen und bedeutenden Strömung von Konzilsvätern darstellte, deren Gedankengut in den Worten des Papstes eine unbestreitbare Bestätigung fand.

Und wie könnten wir diese Ausführungen zu diesem Thema beenden, ohne zu erwähnen, dass wir nicht ganz verstehen, welches „kluge Bedauern“ man angesichts der tadellosen Arbeit des Ersten Vatikanischen Konzils hegen kann?

Immer wieder erreichen uns Kommentare, die nahelegen, dass die Positionen des „Catolicismo“ oft eine Liebe zur Tradition erweisen, die in der heutigen Zeit nicht mehr Angebracht ist.

Wir freuen uns, diese schönen Lehren aus dem Hirtengruß wiederzugeben, den Seine Hochw. Exzellenz, Dom Hamleto de Angelis, M.S.C., der erste Bischof von Viana im Bundesstaat Maranhão, kürzlich an seine Diözesanangehörigen gerichtet hat:

Gott will, dass alle Menschen gerettet werden; deshalb ist es notwendig, dass ihnen jemand die Erlösung verkündet, die Jesus durch seinen Tod am Kreuz vollbracht hat. Der Bischof, als Nachfolger der Apostel, ist der von Jesus in die Diözese gesandte, bevollmächtigte Lehrer und kann die Worte des Propheten Jesaja mit Recht auf sich selbst anwenden: „Der Geist des Herrn ist auf mir, denn er hat mich gesalbt; Armen die frohe Botschaft zu bringen, sandte er mich, Gefangenen Befreiung zu künden und Blinden das Augenlicht, Gequälte zu entlassen in Freiheit und auszurufen ein Gnadenjahr des Herrn.“ (Lukas 4,18-19).

Der Bischof wird euer Lehrer sein, meine lieben Kinder, er wird euch den rechten Weg zur Erlösung weisen, er wird euch lehren, Jesus Christus, unseren göttlichen und einzigen Erlöser, zu erkennen und zu lieben, er wird die Zweifel in eurem Leben klären.

Anderen, die nicht im Namen Christi kommen, werdet ihr keine Beachtung schenken. Auf sie werdet ihr das Urteil Christi anwenden: „Sie sind Blinde, die Blinde führen wollen.“

Und heute, geliebte Kinder, gibt es viele falsche Lehrer aller Art, die mit allen Mitteln versuchen, Gottes Volk zu täuschen. „Wacht und betet“, wiederhole ich euch im Namen Jesu, „damit ihr nicht in Versuchung fällt.“ Viele Katholiken, die nach Neuem gieren, haben am Ende den Glauben verloren, das wertvollste Geschenk, das Gott einem Menschen geben kann.

Als euer Bischof und somit als der Lehrer, den Jesus euch sendet, ermahne ich euch, den Überlieferungen eurer Väter treu zu bleiben, die friedlich in der Hoffnung auf das ewige Leben lebten und starben.



Die Übersetzung aus dem Portugiesischen von „Pensando, criticando, matizando eesperando a borrasca do século 20“, „Nachdenkend, kritisierend, differenzierend und abwartend im Sturm des 20. Jahrhunderts“ ist erstmals erschienen in
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© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Montag, 22. Juni 2026

Katholische Gedanken zu den Zeremonien der englischen Thronfolge

Plinio Corrêa de Oliveira (zugeschrieben)
Catolicismo, März 1952



Die englische Krone steht derzeit im Mittelpunkt des Interesses, sowohl aufgrund der weltweiten Sympathie für den verstorbenen König Georg VI. als auch aufgrund der imposanten und feierlichen Trauerfeierlichkeiten, der Pracht und Bildhaftigkeit der Proklamations- und Krönungszeremonien der neuen Königin und der Bedeutung, die das Britische Weltreich trotz widriger Umstände weiterhin in der Weltpolitik besitzt. Tatsache ist, dass das mächtigste Zepter der Welt nun von einer jungen Frau geführt wird, die eine energische Persönlichkeit und unbestreitbaren Charme bewiesen hat; die Tatsache, dass diese junge Frau für den Fortbestand des Weltreichs und der monarchischen Institutionen selbst in einer Welt kämpfen wird, die stark von Faktoren beeinflusst ist, die sowohl der Monarchie als auch dem Commonwealth feindlich gesinnt sind, trägt maßgeblich dazu bei, dass sich die Aufmerksamkeit insbesondere auf London richtet. Diese Aufmerksamkeit wird bis zum Tag der Krönung immer stärker werden.

So groß diese Welle der Anteilnahme und Sympathie auch sein mag, es gibt bereits kritische Stimmen, deren Proteste parallel dazu immer lauter werden. Die bloße Existenz des Commonwealth widerspricht einer Vielzahl von Interessen, von denen einige durchaus berechtigt sind. Die englische Politik in Europa hat tiefe Ressentiments hervorgerufen, die noch lange nicht verflogen sind. Weltweit führt der durch die kommunistische Welle verstärkte Trend zur Nivellierung dazu, dass viele Menschen den traditionellen und feierlichen Rahmen der Beisetzung des Königs, der Akklamation und der Krönung der Königin weder verstehen noch akzeptieren. Wir beabsichtigen nicht, hier alle Aspekte dieser vielfältigen und schwerwiegenden Angelegenheit zu behandeln. Wir beleuchten lediglich einen Aspekt – die Zeremonien der Beisetzung, der Akklamation und der Krönung –, um einige Überlegungen dazu anzustellen.

Die wesentlichen Merkmale von Thronfolgezeremonien

Zweifellos bieten diese Zeremonien, als Ganzes betrachtet, einen faszinierenden, ja sogar aufregenden Anblick für Historiker, Künstler, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und auch Touristen. Bei genauerer Betrachtung drängt sich jedoch die Frage auf, ob die Zurschaustellung solch eines Pomp, der so sehr dem Zeitgeist widerspricht, nicht Kritik verdient, insbesondere angesichts der Tatsache, dass sie – trotz einiger Sparmaßnahmen – in einem von der Nachkriegswirtschaftskrise gebeutelten und einem harten Sparprogramm unterworfenen Land erhebliche Kosten verursachen wird.

Konzentrieren wir uns auf die wesentlichen Merkmale, durch die all dieser Pomp dem Zeitgeist widerspricht: den religiösen Kern, den traditionellen Charakter und den hierarchischen Aspekt. Und als Gegenstand der Reflexion und des Studiums wollen wir insbesondere die Krönung betrachten, die archetypisch die charakteristischen Züge aller anderen Zeremonien in sich vereint.

Göttlicher Ursprung der Macht und Volkssouveränität

Während heute alle Staatsoberhäupter demokratischer Staaten in streng säkularen Zeremonien vereidigt werden, bleibt die Krönung im 20. Jahrhundert ein im Wesentlichen religiöser Akt.

Kurz gesagt: Der König empfängt seine Amtseinführung aus den Händen kirchlicher Würdenträger in einem Kirchengebäude während einer kirchlichen Zeremonie. Dabei leistet er einen Treueeid auf seine Pflichten als Mitglied einer bestimmten kirchlichen Organisation. Es liegt auf der Hand, dass ein Katholik diesen Aspekt der Krönungszeremonien gutheißen kann. Getreu den Lehren der Kirche lehnen wir den Grundsatz ab, dass die Macht vom Volk ausgeht. Alle Macht kommt von Gott. Daher ist nichts selbstverständlicher als der religiöse Charakter der Amtseinführung eines Staatsoberhauptes. Dies ist kein nebensächlicher Aspekt der politischen Realität unserer Zeit. Die verhängnisvolle Trennung von Kirche und Staat hat Katholiken, selbst die gläubigsten unter ihnen, daran gewöhnt, das bürgerliche und das religiöse Leben als völlig getrennte Bereiche zu betrachten. Doch im Verhältnis zu Gott kann nichts eine Trennung darstellen: Der Versuch einer solchen Trennung bedeutet Rebellion. Und ein von der Kirche getrennter Staat ist als solcher ein Staat in Rebellion gegen Gott.

Obwohl wir den religiösen Charakter der Krönungszeremonien in England gutheißen, können wir dies nicht ohne einen sehr ernsten Vorbehalt tun. Schweren Herzens müssen wir uns daran erinnern, dass England, einst eine so tief katholische Nation, dass sie den Beinamen „Insel der Heiligen“ erhielt, nun von der Kirche getrennt ist. Zwar gibt es in Großbritannien eine starke und disziplinierte katholische Minderheit, doch die große Mehrheit ist protestantisch, und die Anglikanische Kirche ist vom Staat offiziell als die wahre Kirche anerkannt. Daher empfängt der König seine Investitur von einer häretischen Sekte. In diesem Zusammenhang ist noch eine traurige Feststellung zu treffen. Gemäß der anglikanischen Lehre ist der König offiziell nicht nur Staatsoberhaupt, sondern auch Oberhaupt der kirchlichen Hierarchie. Daher gibt es während der Krönungszeremonie Riten, die ihn in den Rang eines anglikanischen Bischofs erheben und ihn an die Spitze der offiziellen englischen Kirche stellen. Dies symbolisiert die Unterordnung der Religion unter den Staat in England, eine ungeheuerliche Umkehrung der Werte, die der katholischen Lehre völlig widerspricht, nach der die kirchliche Macht souverän ist und in ihrem Bereich keiner weltlichen Macht untersteht.

Tradition und Fortschritt

Demgegenüber steht der traditionelle und damit anachronistische Charakter der mit der Thronfolge verbundenen Zeremonien. Die meisten Kostüme, Riten und Symbole, die bei Beerdigungen, Akklamation und Krönung verwendet werden, entsprechen Gegebenheiten und Umständen der Vergangenheit und stehen in starkem Kontrast zu den Ideen und Gebräuchen unserer Zeit. Was ist von diesem Anachronismus zu halten?

Diese Frage ist mit einer tiefer liegenden verbunden. Soll ein Volk die Erinnerung an seine Vergangenheit bewahren und sie bei den großen Ereignissen seines gemeinsamen Lebens mit besonderer Nachdrücklichkeit und Feierlichkeit beschwören? Oder soll es seine Geschichte vergessen und nur den Augenblick leben?

Für einen Katholiken kann die Antwort nur zugunsten der Tradition lauten. Im Prinzip verleugnet ein Volk, das seine Vergangenheit verleugnet, sich selbst. Denn das Wesentliche, das Typischste, das Eigenste eines Volkes ist seine nationale Seele. Und diese nationale Seele, diese Gemeinschaft von Denk-, Seins-, Gefühls- und Handlungsweisen, die den Geist eines Landes ausmachen, entsteht und vergeht nicht in jedem Augenblick, sondern ist das Produkt einer langen historischen Reifung, die aus der Vergangenheit kommt, sich in die Gegenwart fortsetzt und für die Zukunft Wurzeln schlägt. Die Mentalität eines Volkes in einem bestimmten Moment – beispielsweise heute – ist nichts anderes als das Ergebnis der Einflüsse seiner Geschichte und der besonderen Umstände dieses Augenblicks. So setzt sich die nationale Seele des heutigen Brasiliens aus moralischen und emotionalen Elementen zusammen, in denen sich unschwer der Einfluss von Ereignissen aus der Kolonialzeit – wie Katechese und die Bandeirantes (Entdecker/Pioniere) –, aus der Kaiserzeit – wie nationale Einheit und militärischer Ruhm in den Kriegen gegen die Platinmächte im Süden – und aus der darauffolgenden Ära – geprägt vom enormen Aufblühen privater Initiativen im Wirtschaftsbereich, der Industrialisierung und Brasiliens Beteiligung an den Siegen der beiden Weltkriege – erkennen lässt. Indem wir der verschiedenen historischen Ereignisse dieser noch recht jungen Vergangenheit gedenken, erwecken wir in uns nichts anderes als die charakteristischen Spuren, die jedes dieser Ereignisse in der nationalen Seele hinterlassen hat. Oder anders gesagt: Wir erwecken die nationale Seele selbst in all ihren wesentlichen und charakteristischen Elementen zu neuem Leben.

Wenn ein Volk wie England auf eine lange und glanzvolle Vergangenheit zurückblicken kann, ist es lobenswert, dass es seinen Nationalgeist mit dem Eifer seiner Geschichte neu belebt. Und es gibt keinen besseren Weg, als die großen nationalen Feierlichkeiten aufrechtzuerhalten, um das, was der Geschichtsunterricht in der Sekundar- oder Hochschulbildung unweigerlich an theoretischer und schwerfälliger Natur hat, auf lebendige und tiefgründige Weise zu ergänzen.

Im englischen Fall kommt noch eine weitere bemerkenswerte Besonderheit hinzu. Getreu seinen Traditionen zählt England bis heute zu den wohlhabendsten und fortschrittlichsten Nationen der Welt. Dies beweist, dass die Briten ihre Traditionstreue nicht als bloße Routine oder als systematische Ablehnung alles Neuen verstehen: Sie ist vielmehr eine harmonische Verbindung dessen, was in der Vergangenheit als zeitlos galt, mit dem, was die Gegenwart Nützliches und vielleicht sogar Großartiges zu bieten hat.

Es liegt daher auf der Hand, dass Katholiken aus diesem Blickwinkel den traditionellen Geist der Zeremonien, die in England ihren Anfang nahmen und bis zur Krönung fortgeführt werden, nur begrüßen können. Dies gilt umso mehr, als die katholische Kirche selbst mit ihrer tief verwurzelten Liturgie und dem ebenso traditionsreichen Apparat des römischen Hofes nichts anderes tut, als dieselben Prinzipien einer weisen Verbundenheit mit dem zutiefst Lobenswerten und Beständigen der Vergangenheit zu praktizieren und zu lehren.

Christliche Demut und revolutionärer Geist

Wenn die unaufhaltsame Zeitrechnung abgeschlossen ist und zukünftige Historiker die Epoche, in der wir leben, endlich erforschen können, werden sie mit Sicherheit die Gleichheit als Leitgedanken der Mentalität des Menschen im 20. Jahrhundert hervorheben. In allem und für alles Gleichheit zu erreichen, ist das Ideal, ja, die Manie unserer Zeitgenossen. Aus diesem Grund richten sich ihre Abneigungen instinktiv und vollständig gegen alles, was Ungleichheit bedeutet: Eltern werden mit Kindern, Ältere mit Jüngeren, Ehemänner mit Ehefrauen, Lehrer mit Schülern, Vorgesetzte mit Angestellten, Adelige mit Bürgerlichen, Reiche mit Armen usw. gleichgesetzt. In welchem Bereich sich unser Jahrhundert auch vom vorherigen unterscheiden mag, so wird sich zeigen, dass die Transformation in Richtung Angleichung verlief.

Die Zeremonien im Zusammenhang mit der Thronfolge und insbesondere mit der Krönung eines englischen Königs lassen uns das Bild einer gänzlich hierarchisch geprägten Gesellschaft wiederaufleben: die drei Stände – Klerus, Adel und Bürgertum – klar voneinander abgegrenzt, jeder mit einer protokollarischen Kategorie – und das Protokoll ist hier nichts anderes als ein Abbild des damaligen Lebens – entsprechend seiner Funktion. Innerhalb dieser Stände existierten neue interne Hierarchien und Unterteilungen: Erzbischöfe, Bischöfe, einfache Geistliche, Herzöge, Markgrafen, Grafen, Barone, Baronets und schließlich die weniger präzise, ​​aber nicht weniger reale Bandbreite plebejischer Organisationen und Institutionen.

Diese Ungleichheit der Funktionen, des Standes und der Lebensbedingungen ist nicht verschleiert wie die wenigen Ungleichheiten, die heute noch fortbestehen. Im Gegenteil, sie zeigt sich in den Kostümen, den Symbolen, der Platzierung jedes Einzelnen im Tempelbezirk und im Festzug vor und nach der Zeremonie. All dies missfällt uns, weil uns Hierarchie an sich unsympathisch erscheint. Was soll ein Katholik von dieser Unzufriedenheit halten?

Bevor wir uns mit den inhaltlichen Aspekten befassen, halten wir einen Vergleich für angebracht. Wir haben kürzlich die Analogie zwischen Zeremonien wie der Krönung des englischen Königs und den Akten der Heiligen Liturgie sowie den Feierlichkeiten des päpstlichen Hofes hervorgehoben. Aus hierarchischer Sicht ist die Analogie frappierend. In beiden Fällen ist das Gefühl der Ungleichheit, das Bestreben, diese Ungleichheit als absolut normale und legitime Tatsache auszudrücken, die es wert ist, allen gezeigt zu werden, und die Verwendung von Riten, Zeremonien und Symbolen zu diesem Zweck deutlich erkennbar. Im Petersdom ist die Prozession, die dem Einzug des Papstes in die Basilika vorausgeht, in ihrer Organisation ebenso hierarchisch und in ihrem Ablauf ebenso protokollarisch geprägt wie die Prozession, die dem König in Westminster vorausgeht. Es gibt zunächst Anzeichen dafür, dass die Kirche unsere egalitären Vorstellungen nicht teilt, zumindest nicht in ihrer absoluten und strengen Form.

Die Kirche lehrt, dass wir alle die gleiche menschliche Natur besitzen und alle gleichermaßen von Jesus Christus erlöst wurden. Daher sind wir in allen Rechten, die sich aus unserem Menschsein und unserem christlichen Glauben ergeben, gleich: dem Recht auf den wahren Glauben, auf die Freiheit, die Gebote zu befolgen, auf Leben, Würde und Arbeit. Allerdings leiten sich nicht alle Rechte eines Menschen allein aus seinem Menschsein und seinem christlichen Glauben ab. Tugend, Wissen, künstlerisches Empfinden, Kampfgeist, Handlungsfähigkeit, eine gehobene Bildung und Abstammung begründen berechtigterweise besondere Berücksichtigung. Und da diese Eigenschaften nach Gottes Willen von Mensch zu Mensch, manchmal sogar von Familie zu Familie, von Klasse zu Klasse, von Nation zu Nation unterschiedlich ausgeprägt sind, so ist es auch nach Gottes Willen, dass Menschen unterschiedliche Grade an Berücksichtigung zustehen. Demut ist genau die Tugend, die jeden Menschen dazu bringt, sich mit dem Maß an Anerkennung zufrieden zu geben, das ihm zusteht, ohne diejenigen zu beneiden, die höher stehen, noch sich mit denen gleichzusetzen, die niedriger stehen.

Wenn die Stufen der sozialen Hierarchie so beschaffen sind, dass der Anteil der weniger Begünstigten in Würde und Lebensqualität mit der Würde des Christen vereinbar ist, ist Ungleichheit ein Gut, und die Tugend, die zur Liebe zu dieser Ungleichheit führt, ist eine der höchsten christlichen Tugenden: die Demut.

Lasst uns für die Bekehrung Englands beten.

So gibt England der Welt durch die Thronfolge ein bewundernswertes Beispiel religiösen Geistes mit dem kirchlichen Charakter der Krönung; einen glänzenden Ausdruck von Kultur mit ihrer Verbundenheit zur Tradition und ein edles Beispiel des Geistes der Demut mit seiner Liebe zur Hierarchie.

Mögen alle Völker, ungeachtet ihrer Regierungsform, diesen schönen Beispielen folgen.

Und schließlich ein Vorschlag: Lasst uns beten, dass Gott seine Gnade über eine Nation mehre, die solche geistlichen Werte bewahrt, um sie von dem schrecklichen Krebsgeschwür der Häresie zu befreien, das sie verzehrt.

 

 

 

Die Übersetzung aus dem Portugiesischen von „O pensamento católico perante as cerimonias da sucessão Inglesa“, „Katholische Gedanken zu den Zeremonien der englischen Thronfolge“ ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

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