Freitag, 16. Oktober 2026

Das Programm der A.U.C.

„O A.U.C.“, Jahrgang I, Nr. 1, Oktober 1930, S. 1 und 3


Dank des beachtlichen ideellen Fundaments, über das die A.U.C. verfügt, mangelt es uns nicht an nützlichen und patriotischen Initiativen, die wir ergreifen können.

Dazu zählt – als zentraler Punkt – das Apostolat unter den Kommilitonen. Das Mitglied der A.U.C. ist im Wesentlichen ein leidenschaftlicher Verfechter katholischer Prinzipien – sei es durch das Wort oder durch das eigene Beispiel. Kommilitonen, die sich von der Kirche entfernt haben, ihr wieder näherzubringen, Zweifel auszuräumen (die fast immer aus einem eklatanten Mangel an religiöser Bildung herrühren) und die katholische Moral – die in ihrer unnachgiebigen Strenge so erhaben ist – zu verbreiten: Das sind die vornehmlichen Aufgaben des A.U.C.-Mitglieds im Umgang mit seinen Kommilitonen.

Doch damit endet seine Aufgabe nicht. Indem er das Licht des Glaubens auch auf den juristischen Bereich ausdehnt, soll das A.U.C.-Mitglied sein Studium stets an seinen katholischen Überzeugungen ausrichten. Es soll dafür sorgen, dass die weisen und zahlreichen juristischen Richtlinien der Kirche bekannt gemacht – und somit von allen Kommilitonen angenommen und geschätzt – werden. Zu diesem Zweck wird die A.U.C. die Einfuhr katholischer juristischer Fachliteratur in die Wege leiten und deren Verbreitung nach Kräften fördern.

Im akademischen Leben wird die A.U.C. stets in erster Linie die katholischen Interessen im Blick behalten

Darüber hinaus wird das A.U.C.-Mitglied danach streben, dem akademischen Leben ein eindeutig katholisches Gepräge zu verleihen. Anstatt sich von gemeinsamen Veranstaltungen oder dem akademischen Leben fernzuhalten, wird es sich in alle Debatten einbringen, die für die Studierendenschaft von Bedeutung sind, und sich als eifriger und engagierter Teil des Zentrums (Centro) erweisen. Dabei werden jedoch stets die katholischen Prinzipien und Interessen im Mittelpunkt stehen – für sie wird das Mitglied mit Leidenschaft und Disziplin eintreten. Man sollte nicht behaupten, dass die im „Centro“ (Zentrum) erörterten Themen für katholische Prinzipien ohne Belang seien. Zwar werden dort häufig Fragen diskutiert, die uns als Katholiken gleichgültig lassen – etwa Anträge zu den meisten außenpolitischen Problemen oder Fragen, die die Beziehungen zwischen den politischen Gruppierungen der Fakultät untereinander betreffen. Es gibt jedoch viele andere Angelegenheiten, bei denen katholische Interessen unmittelbar auf dem Spiel stehen und in die die A.U.C. zweifellos eingreifen wird.

Von den politischen Problemen sind für die A.U.C. nur jene von Interesse, die einen religiösen Bezug aufweisen

Aus diesem Grund ist das Bestreben der A.U.C., herzliche Beziehungen zum „Centro“ zu pflegen, ebenso verständlich wie das Interesse, das die Wahl für bestimmte Ämter in dessen Vorstand hervorruft.

Es liegt auf der Hand, dass der Vorsitzende, der Redner oder ein Mitglied des Redaktionsausschusses uns sehr nützen oder aber schaden können. Daher hat die A.U.C. beschlossen, in die Wahlkämpfe einzugreifen, indem sie die Stimmen ihrer Mitglieder auf jene Kandidaten lenkt, die dem Programm der A.U.C. am wohlwollendsten gegenüberstehen.

I) Die A.U.C. wird für ihre Mitglieder nur jene Ämter anstreben, die für die Umsetzung ihres Programms von Bedeutung sind.

II) Obwohl sie – um den Erhalt der angestrebten Ämter zu erleichtern – selbstverständlich eine Absprache mit einer der Parteien treffen mag, wird sie mit keiner dieser Parteien verschmelzen; ebenso wenig wird sie Vereinbarungen eingehen, die über den Wahlkampf und bestimmte Aspekte der Amtsführung des unterstützten Kandidaten hinausgehen.

III) Eine solche Vereinbarung schließt die A.U.C. nur mit einer der Parteien ab, nachdem sie deren Vorrang aus katholischer Sicht festgestellt hat.

IV) Die A.U.C. greift in politische Angelegenheiten ein; doch sobald ein „Modus vivendi“ gefunden werden kann, der ihre Interessen derart absichert, dass ein solches Eingreifen nicht mehr erforderlich ist, verpflichtet sie sich schon jetzt dazu, jegliche Einmischung in den politischen Kampf zu unterlassen.

V) Obwohl die A.U.C. einzelne Kandidaten unterstützt, stellt sie folglich keine Partei dar:

a) weil ihr Einfluss innerhalb des Zentrums für sie lediglich ein Mittel und keinen Selbstzweck darstellt.

b) weil sie sich bei politischen Fragestellungen ausschließlich für jene interessiert, die einen religiösen Charakter aufweisen – während sich eine ordnungsgemäß organisierte Partei mit sämtlichen Problemen befassen muss, die das Gemeinwesen betreffen.

c) Daraus folgt: Während die Parteien der Fakultät bei allen gemeinschaftlichen Fragen – mit Ausnahme der religiösen – eine gewisse Parteidisziplin ausüben, wird die A.U.C. ihre Disziplin auf Fragen religiöser Natur beschränken, ihren Mitgliedern hingegen in rein politischen Angelegenheiten volle Freiheit gewähren.

Die Vorteile

In Frankreich gibt es keine katholische Partei; dennoch beschloss die „Katholische Sozialaktion“ (Ação Social Católica) bei den letzten Wahlen, dass ihre Mitglieder nur für Abgeordnete stimmen sollten, die gegen die „Einheitsschule“ (Escola Única) eingestellt waren. Durch diese Taktik stieg die Zahl der Abgeordneten, die sich gegen das Vorhaben aussprachen, auf 277 – eine Gesamtzahl, die andernfalls niemals erreicht worden wäre.

Hier drängt sich eine Frage auf: Hätten die brasilianischen Katholiken stets so gehandelt – wäre es dann zu jener Reihe ungerechter Maßnahmen gekommen, mit denen die Kirche in Brasilien bedrängt wurde?

Ein Punkt zur Klarstellung

Es ist möglich, dass einige der Parteien an der Hochschule – ungeachtet der herzlichen Beziehungen, die die A.U.C. zu ihnen pflegen möchte – der Ansicht sind, sie könnten keine Studenten in ihren Reihen dulden, die sich verpflichten, für Kandidaten zu stimmen, die von der A.U.C. und nicht von der jeweiligen Partei benannt wurden. Wir wollen ihnen dies nicht verübeln; sie haben das Recht, gemäß ihren eigenen Interessen zu handeln. Dennoch könnte der Eindruck entstehen, die A.U.C. verleite ihre Mitglieder dazu, bereits eingegangene parteipolitische Verpflichtungen zu brechen.

Lassen Sie uns dies erläutern. Die A.U.C. ist eine neue Vereinigung. Als die jungen Männer den anderen Parteien beitraten, kannten sie die A.U.C. noch gar nicht. Nun ist eine neue Vereinigung entstanden; ich frage: Haben sie nicht das Recht, sich ihr anzuschließen – vorausgesetzt, sie entspricht ihren Idealen umfassender als jene Gruppierung, der sie zuvor angehörten? Selbstverständlich haben sie dieses Recht. Wäre dem nicht so, dann gehörten wir heute noch immer den liberalen oder konservativen Parteien der Monarchie an.

Schlussfolgerung

Damit ist unsere Haltung offen und aufrichtig dargelegt. Wir glauben nicht, dass sich jemand ernsthaft dagegen auflehnen kann.

Wir können auf unsere Vergangenheit verweisen; gegen die jungen Männer, die nun die A.U.C. gründen, lässt sich nichts vorbringen. Auch die Zukunft wird auf unserer Seite stehen. Geben wir der Zeit Zeit, und Sie werden unser Programm besser verstehen, wenn Sie sehen, dass es mit aufrichtiger Ehrlichkeit umgesetzt wird.

Es bleibt uns nur, noch einmal zu bekräftigen, dass wir allen Parteien mit Wohlwollen begegnen. Wir sind mit keiner von ihnen verschmolzen. Wir bekämpfen keine von ihnen.

Wir werden für gute Ideale eintreten und gegen schlechte Ideale kämpfen. Für uns zählen keine Personen, sondern Ideen.

Und, fest in unserem Entschluss und der von uns gewählten Richtung, bleibt uns nur eines: zu handeln – unter dem Segen Unserer Lieben Frau von Aparecida, der Patronin Brasiliens, und des heiligen Aloisius von Gonzaga, des Sinnbilds der Reinheit und der katholischen Jugend –, im Vertrauen auf die Zukunft der Kirche und unseres Vaterlandes, das wir von ganzem Herzen lieben.

Plinio Corrêa de Oliveira

Muttergottes von Aparecida
  

Manifest der A.U.C. – Katholische Universitätsaktion

 „O A.U.C.“, Jahrgang I, Nr. 1, Oktober 1930

Zur Verteidigung der höchsten Interessen
der Kirche, der Zivilisation und des brasilianischen Vaterlandes.

Die „Ação Universitária Católica“ (Katholische Universitätsaktion) von São Paulo ist gegründet worden – eine Vereinigung, die sich die Bekräftigung, Verbreitung, praktische Umsetzung und Verteidigung katholischer Prinzipien zum Ziel gesetzt hat; dies nicht nur im Austausch unter Studierenden, sondern auch in deren Wirken gegenüber der Familie und dem Vaterland.

An die Studierenden im Allgemeinen und die katholischen Studierenden im Besonderen richtet sich dieses Manifest, das das Ziel der A.U.C. umfasst. Viele haben bereits eine Vorstellung von dieser großartigen Bewegung zur geistigen Erneuerung der brasilianischen Gesellschaft. Jene, die sie mit Sympathie aufgenommen haben, tragen gewiss die folgenden Worte – die wie ein Weckruf klingen – in ihrem Bewusstsein: Es ist ein entscheidender Augenblick. Doch auch jene, die ihr skeptisch, gleichgültig oder atheistisch mit der ihnen eigenen Kühle begegnet sind, wissen – vielleicht sogar besser als die Gläubigen –, dass es einen solchen entscheidenden Augenblick gibt: nämlich jenen Moment, in dem die Überzeugung des Menschen zwischen zwei Extremen schwankt – dem Irrtum und der Wahrheit. Genau in einem solchen Augenblick befindet sich unsere Zivilisation heute.

*    *    *

Die katholische akademische Jugend bekennt sich in ihrer Gesamtheit zu den Dogmen der Heiligen Kirche

Ein Blick auf die Geschehnisse in Brasilien führt zu der unumstößlichen Erkenntnis, dass es nicht länger möglich ist, in einer Trennung von religiösem und bürgerlichem Bewusstsein zu leben – als ob sich Letzteres nicht von Ersterem inspirieren lassen müsste. Dies gilt ebenso für das Verhältnis zwischen akademischem und religiösem Bewusstsein, zwischen dem Bewusstsein des Lehrenden und dem des katholischen Gläubigen, sowie zwischen dem Bewusstsein der Regierenden und dem der Regierten, die zur Selbstführung berufen sind. Denn das gesamte gesellschaftliche Leben leidet unter den Übeln, die aus der Abkehr von jenen unvergänglichen Prinzipien resultieren – Prinzipien, die der Menschheit jene Leitlinien gaben, an denen sie sich bis heute orientiert. In Brasilien hat sich leider ein Übel ausgebreitet, da die übersteigerte Trennung von Kirche und Staat zu einem gefährlichen Vorurteil gegen den Katholizismus geworden ist.

Seit der Ausrufung der Republik wurde der Katholizismus aus dem Bewusstsein der Bürger und Regierenden verdrängt – eine Folge jenes verhängnisvollen Vorurteils, wonach ein guter Bürger nur derjenige sei, der im zersetzenden Laizismus geprägt wurde und diesen im öffentlichen Leben zu seinem Banner macht.

Hierin liegt die Ursache für die Auflösung der Charaktere und die Gefahr eines drohenden Zerfalls unserer geistigen Einheit – jenes entscheidenden Faktors für den nationalen Zusammenhalt.

Aus diesem erschlafften, konturlosen und bedrohlichen Umfeld erhebt sich heute die katholische akademische Jugend. Ihr katholisches Bewusstsein wurde durch die Enttäuschungen und beschämenden Kapitulationen geweckt, die sie in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens beobachten muss. Gestützt auf die zwanzig Jahrhunderte alte Autorität der römisch-katholischen Kirche, bekennt sie sich uneingeschränkt und ohne jeden Vorbehalt zu deren Dogmen. Sie erklärt, dass sie niemals einen anderen Weg als den des katholischen Glaubens einschlagen wird und dass sie sich mit entschlossenem Handeln jener Lehre und jenen Ansprüchen entgegenstellen wird, die die Kehrseite des Problems bilden, welches das Christentum beunruhigt und bedroht: der Bolschewismus und seine abgemilderten Formen.

*   *   *

Entweder sind wir durch und durch katholisch, oder wir fungieren als Bindeglied zwischen Katholizismus und Bolschewismus

Angesichts dieser prekären Lage – wobei einerseits das Bewusstsein der gesamten zivilisierten Menschheit noch in Trägheit verharrt, während andererseits die tragischste Erfahrung einer ganzen Gemeinschaft vor Augen steht – gelangen wir zu der festen Überzeugung, dass es ein Übel gibt, das ganz und gar unser eigenes ist: ein Produkt der verbrecherischen Vernachlässigung unserer selbst durch uns selbst. Dieses Übel besteht in der Verdrängung – im Bereich des öffentlichen Lebens – der unerlässlichsten Glaubensbekundungen des Katholizismus, und zwar in all jenen Bereichen, in denen der Staat auf die Erziehung der neuen Generationen einwirkt. Da er gezwungen ist, den Anschein eines Organismus zu wahren, der vollkommen an unsere moralischen Gegebenheiten angepasst ist, hat sich der agnostische Staat zu einem Laboratorium für schädliche politisch-religiöse Heuchelei entwickelt.

Die A.U.C. beweist durch unmissverständliche Taten und feste Handlungsprinzipien, dass der Katholizismus über allen Parteien stehen muss – in deren wechselhafte Belange sie sich nicht einmischt. Gerade deshalb muss er jedoch der unumgängliche Maßstab für all jene sein, die bereit sind, in edlen Auseinandersetzungen für das Wohl der Gemeinschaft zu kämpfen. Wo immer also ein kollektives Organ tätig ist, dort muss auch das katholische Gewissen präsent sein – kompromisslos gegenüber jeglichem Paktieren mit dem Irrtum oder mit niederen Eigeninteressen. Unser besonderes Augenmerk gilt der Jugend, deren Indifferentismus wir den totalen Krieg erklären. Ebenso erklären wir den Krieg jenen, die sich durch Anmaßung oder geistige Willensschwäche auszeichnen; jenen, die sich zwar als Katholiken bezeichnen, aber Autoren wie Wilde, Anatole [France], Ibañez und viele andere – Wegbereiter des Anarchismus – zu ihrem Lebensprogramm machen. Wir kennen keinen Pessimismus und keine Scheu vor dem Opfer – jene Übel, die – neben egoistischen Sorgen – den wertvollen Anlagen so vieler junger Menschen mit katholischer Prägung und moralischen Reserven entgegenstehen. Diese Reserven dürfen nicht länger ungenutzt bleiben; denn entweder sind wir Katholiken im vollen Sinne, oder aber wir fungieren lediglich als Bindeglied zwischen dem Katholizismus und dem Bolschewismus.

Mit diesem Manifest beabsichtigt die A.U.C., die Lauwarmen auf das Klima idealistischer Illusionen aufmerksam zu machen, an dessen Aufrechterhaltung sie mitschuldig sind; die katholischen Studenten, die sich noch nicht zum Handeln entschließen konnten, dazu zu bewegen, nun endlich Stellung zu beziehen; und diejenigen, die bereits zum Kampf bereit sind, dazu aufzurufen, sich unverzüglich der A.U.C. anzuschließen – wofür die entsprechenden Verpflichtungserklärungen unterzeichnet werden müssen, die in Kürze an dieser Hochschule verteilt werden.

Wir stehen nicht allein. Wir stützen uns auf die Leitlinien, die unserer geistigen Bildung zugrunde liegen. Wir stehen auf der Seite jener Religion, gegen die sich die Irrtümer und der Hochmut des Menschen niemals durchsetzen konnten. Wir vertreten somit die höchsten Interessen der Zivilisation und des brasilianischen Vaterlandes.

Interessenten können sich an den jeweiligen Fakultäten an die folgenden Herren wenden: Adolpho de Mello Junior, Alberto Maricato, Archimedes Barros Pimentel, Clovis Siqueira, Guilherme Lyra, Henrique Chabassus, Luiz Lins de Vasconcellos, Svend Kok, Tasso de Moraes Junior und Telemaco van Langendonk (Polytechnische Fakultät); Angelo Simões de Arruda, Augusto de Souza Queiroz, Edgard Pinto de Souza, José Pedro Galvão de Sousa, Joaquim Paes de Barros Netto, Milton de Souza Meirelles, Roberto Caldas, Plinio Corrêa de Oliveira und Walter Torres (Juristische Fakultät); Arthur Wolf Netto, Altenfelder Silva, Hugo Ribeiro de Almeida, João Noel von Sonleitner, Oswaldo Pedroso, Paulo de Carvalho e Castro, Pedro Moncau Junior und Vasco Ferraz Costa (Medizinische Fakultät).

 

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Das Aktions- und Kampfprogramm der „Ação Universitária Católica“ (Katholische Universitätsaktion)

„O A.U.C.“, Jahrgang I, Nr. 1, Oktober 1930, S. 1 und 3

Hiermit beginnt das Öffentliche Wirken von
Plinio Corrêa de Oliveira im Jahr 1930 als Student der
der Rechtswissenschaftlichen Universität in São Paulo, BR


Das Programm der A.U.C. (Ação Universitária Católica)

Angesichts des gewaltigen ideellen Fundaments, über das die A.U.C. verfügt, mangelt es uns nicht an nützlichen und patriotischen Initiativen, die wir ergreifen können.

Dazu zählt – als zentraler Punkt – das Apostolat unter den Kommilitonen. Das Mitglied der A.U.C. ist im Wesentlichen ein leidenschaftlicher Verfechter katholischer Prinzipien – sei es durch das Wort oder durch das eigene Beispiel. Kommilitonen, die sich von der Kirche entfernt haben, wieder an sie heranzuführen, Zweifel auszuräumen (die fast immer aus einem eklatanten Mangel an religiöser Bildung herrühren) und die katholische Moral – die in ihrer unnachgiebigen Strenge so erhaben ist – zu verbreiten: Das sind die vornehmlichen Aufgaben des A.U.C.-Mitglieds im Umgang mit seinen Kommilitonen.

Doch damit endet seine Aufgabe nicht. Indem das A.U.C.-Mitglied das Licht des Glaubens auch auf den juristischen Bereich ausdehnt, soll es sein Studium stets an seinen katholischen Überzeugungen ausrichten. Es soll dafür sorgen, dass die weisen und zahlreichen juristischen Richtlinien der Kirche bekannt gemacht – und in der Folge von allen Kommilitonen angenommen und geschätzt – werden. Zu diesem Zweck wird die A.U.C. die Einfuhr katholischer juristischer Fachliteratur in die Wege leiten und deren Verbreitung nach Kräften fördern.

Im akademischen Leben wird die A.U.C. stets in erster Linie die katholischen Interessen im Blick behalten.

Darüber hinaus wird das A.U.C.-Mitglied bestrebt sein, dem akademischen Leben ein eindeutig katholisches Gepräge zu verleihen. Anstatt sich von gemeinschaftlichen Veranstaltungen oder dem akademischen Leben fernzuhalten, wird es sich aktiv in alle Debatten einbringen, die für die Studierendenschaft von Bedeutung sind, und sich als leidenschaftliches und engagiertes Mitglied in das Zentrum einbringen. Ihr Hauptanliegen werden jedoch stets die katholischen Prinzipien und Interessen sein, für die sie sich mit Eifer und Disziplin einsetzen wird.

Man sollte nicht behaupten, dass die im „Centro“ (Zentrum) erörterten Themen für die katholischen Prinzipien irrelevant seien. Zwar werden dort häufig Fragen diskutiert, die uns als Katholiken gleichgültig lassen – etwa Anträge zu den meisten außenpolitischen Problemen oder Fragen, die die Beziehungen zwischen den politischen Gruppierungen der Fakultät betreffen. Es gibt jedoch viele andere Angelegenheiten, bei denen katholische Interessen unmittelbar auf dem Spiel stehen und in die die A.U.C. zweifellos eingreifen wird.

Was politische Probleme betrifft, so sind für die A.U.C. nur jene von Belang, die einen religiösen Bezug aufweisen.

Aus diesem Grund ist das Bestreben der A.U.C., herzliche Beziehungen zum „Centro“ zu pflegen, ebenso verständlich wie das Interesse, das die Wahl für bestimmte Ämter in dessen Vorstand hervorruft.

Es liegt auf der Hand, dass der Vorsitzende, der Redner oder ein Mitglied des Redaktionsausschusses uns sehr nützen oder aber schaden können. Daher hat die A.U.C. beschlossen, in die Wahlkämpfe einzugreifen, indem sie die Stimmen ihrer Mitglieder auf jene Kandidaten lenkt, die dem Programm der A.U.C. am wohlgesonnensten sind.

I) Die A.U.C. wird für ihre Mitglieder nur jene Ämter anstreben, die für die Umsetzung ihres Programms von Bedeutung sind.

II) Obwohl sie – um den Erhalt der angestrebten Ämter zu erleichtern – selbstverständlich eine Absprache mit einer der Parteien treffen mag, wird sie mit keiner von ihnen verschmelzen; ebenso wenig wird sie Vereinbarungen eingehen, die über den Wahlkampf und bestimmte Aspekte der Amtsführung des unterstützten Kandidaten hinausgehen.

III) Eine solche Vereinbarung schließt die A.U.C. nur mit einer der Parteien ab, nachdem sie deren Vorrang aus katholischer Sicht festgestellt hat.

IV) Die A.U.C. greift in politische Angelegenheiten ein; doch sofern ein *Modus vivendi* gefunden werden kann, der ihre Interessen derart absichert, dass ein solches Eingreifen nicht mehr erforderlich ist, verpflichtet sie sich schon jetzt dazu, jegliches Handeln im Kontext des politischen Kampfes einzustellen.

V) Obwohl die A.U.C. einzelne Kandidaten unterstützt, stellt sie folglich keine Partei dar:

a) da ihr Einfluss im „Centro“ für sie lediglich ein Mittel und keinen Selbstzweck darstellt.

b) da sie sich bei politischen Fragestellungen ausschließlich für jene interessiert, die einen religiösen Bezug aufweisen – während eine ordnungsgemäß organisierte Partei sich mit sämtlichen Problemen befassen muss, die das Gemeinwesen betreffen.

c) Daraus folgt: Während die Parteien der Fakultät bei allen gemeinschaftlichen Fragen – mit Ausnahme religiöser Belange – eine gewisse Parteidisziplin auszuüben pflegen, wird die A.U.C. ihre Disziplin auf Fragen religiöser Natur beschränken, ihren Mitgliedern hingegen in rein politischen Angelegenheiten volle Freiheit gewähren.

Die Vorteile

In Frankreich gibt es keine katholische Partei; dennoch beschloss die „Katholische Sozialaktion“ (Ação Social Católica) bei den letzten Wahlen, dass ihre Mitglieder nur für Abgeordnete stimmen sollten, die gegen die „Einheitsschule“ (Escola Única) eingestellt waren. Durch diese Taktik stieg die Zahl der Abgeordneten, die sich gegen das Vorhaben aussprachen, auf 277 – eine Gesamtzahl, die andernfalls niemals erreicht worden wäre.

Hier drängt sich eine Frage auf: Hätten die brasilianischen Katholiken stets so gehandelt – wäre es dann zu jener Reihe ungerechter Maßnahmen gekommen, mit denen die Kirche in Brasilien bedrängt wurde?

Ein Punkt zur Klarstellung

Es ist möglich, dass einige der Parteien an der Hochschule – ungeachtet der herzlichen Beziehungen, die die A.U.C. zu ihnen pflegen möchte – der Ansicht sind, sie könnten keine Studenten in ihren Reihen dulden, die sich verpflichten, für Kandidaten zu stimmen, die von der A.U.C. und nicht von der jeweiligen Partei benannt wurden. Wir wollen ihnen dies nicht verübeln; sie haben das Recht, gemäß ihren eigenen Interessen zu handeln. Dennoch könnte der Eindruck entstehen, die A.U.C. verleite ihre Mitglieder dazu, bereits eingegangene parteipolitische Verpflichtungen zu brechen.

Lassen Sie uns dies erläutern. Die A.U.C. ist eine neue Vereinigung. Als die jungen Männer den anderen Parteien beitraten, kannten sie die A.U.C. noch gar nicht. Nun ist eine neue Vereinigung entstanden; ich frage: Haben sie nicht das Recht, sich ihr anzuschließen – vorausgesetzt, sie entspricht ihren Idealen umfassender als jene Gruppierung, der sie zuvor angehörten? Selbstverständlich haben sie dieses Recht. Wäre dem nicht so, dann gehörten wir heute noch immer den liberalen oder konservativen Parteien der Monarchie an.

Schlussfolgerung

Damit ist unsere Haltung offen und aufrichtig dargelegt. Wir glauben nicht, dass sich jemand ernsthaft dagegen auflehnen kann.

Wir können auf unsere Vergangenheit verweisen; gegen die jungen Männer, die nun die A.U.C. gründen, lässt sich nichts vorbringen. Auch die Zukunft wird auf unserer Seite stehen. Gebt der Zeit Zeit, und ihr werdet unser Programm besser verstehen, wenn ihr seht, dass es mit aufrichtiger Ehrlichkeit umgesetzt wird.

Es bleibt uns nur noch, ein weiteres Mal zu bekräftigen, dass wir allen Parteien mit Wohlwollen begegnen. Wir sind mit keiner von ihnen verschmolzen. Wir bekämpfen keine von ihnen.

Wir werden für gute Ideale eintreten und gegen schlechte Ideale kämpfen. Für uns zählen keine Personen, sondern Ideen.

Und, fest in unserem Entschluss und der eingeschlagenen Richtung, bleibt uns nur eines: zu handeln – unter dem Segen Unserer Lieben Frau von Aparecida, der Patronin Brasiliens, und des heiligen Aloisius von Gonzaga, des Sinnbilds der Reinheit und der katholischen Jugend –, im Vertrauen auf die Zukunft der Kirche und unseres Vaterlandes, das wir von ganzem Herzen lieben.

Plinio Corrêa de Oliveira

 

Aus dem Portugiesischen in https://www.pliniocorreadeoliveira.info/

Dienstag, 13. Oktober 2026

Prof. Plinio Corrêa de Oliveira, glühender Sohn der Heiligen Kirche...

... und Anführer der Wiederherstellung der Christenheit


Am zweiten Jahrestag des Todes von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira ist es an der Zeit, sich auf die Rolle zu konzentrieren, die sein Werk und das Beispiel seines Lebens als Leitfaden für die Bewältigung der Krise unserer Tage spielen, in dem Moment, in dem sie eine Schwere erreicht, die vor einigen Jahren nur wenige hätten vorhersagen können.


Sein Leben war eine kontinuierliche, befreite und wachsende Verwirklichung des Gebots, das der heilige Paulus den Katholiken aller Generationen „nolite conformari huic saeculo“ gegeben hatte, sich nicht der Welt anzupassen (Röm. 12, 2), das heißt, sich nicht von den Fehlern, Sünden und Tendenzen mitreißen zu lassen, die in jeder Epoche sozusagen den Punkt darstellen, durch den der Teufel sie am meisten beeinflusst und die Menschen von den Plänen Gottes entfernt.

Dies war eine umso bewundernswerte Leistung, als in katholischen Kreisen lange Zeit die gegensätzlichen Wünsche der Anpassung an die Welt vorherrschten, so dass es leider, so kann man sagen, heute keine Verirrung mehr gibt, die nicht in einer etwas abgeschwächten, vermeintlich katholischen Version vorliegt, die bei den Gläubigen immensen Schaden anrichtet.

Das Hauptwerk von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira, „Revolution und Gegenrevolution“, das 1959 veröffentlicht wurde, wendet diesen Grundsatz des Apostels auf die heutige Realität an, erklärt den Prozess, der die Geschichte der letzten Jahrhunderte verfolgte, und gibt die Normen an, die befolgt werden müssen, damit der katholische Geist die Gesellschaft vollständig durchdringt, anstatt dass der Geist der Welt die Kirche und die Seelen verunreinigt und die wahre Zivilisation zerstört.

Dieses Prinzip der Nichtkonformität mit dem Jahrhundert hatte in verschiedenen Formulierungen in vielen Situationen und Zeiten große Auswirkungen auf das Leben der Kirche und trug umso mehr Früchte, je tiefer es in die Mentalität der Menschen eingeprägt war. Als sie in ihn eindrangen, brachten sie großartige und erhabene Kulturen, Errungenschaften und Heldentaten hervor, gerade weil der göttliche Einfluss in irgendeiner Weise in ihnen vorhanden war. Mit anderen Worten: dass sich die Kirche, sich nicht der Welt anpasste, führte dazu, dass sich diese der Kirche anpasste.

Aus dieser Perspektive waren die Lehren des hl. Agustinus in der „Stadt Gottes“ jahrhundertelang ein wahrer Leuchtturm, der kürzlich konvertierten – und manchmal sogar neu gegründeten – Nationen bei den ersten Schritten des Glaubens, den sie empfingen, und den Zivilisationen, die sie zu bilden begannen, leitete. Nach diesen Lehren kämpfen die beiden Städte, die Stadt Gottes und die Stadt der Welt, geleitet von der Liebe des Schöpfers bzw. von der Liebe der Menschen zu sich selbst, gegeneinander. Dies sind die beiden Pole, um die sich die Menschen versammeln, einer unter dem Banner Gottes und der Führung der Kirche und der andere unter der Schirmherrschaft des Teufels.

Wie „Revolution und Gegenrevolution“ zeigt, durchdrang die Anwendung dieses Prinzips seit dem Untergang des Römischen Reiches die Bevölkerung Europas mit christlichem Einfluss und inspirierte Institutionen, Gesetze, Bräuche und Traditionen, die letztendlich aus dem Gesetz Gottes hervorgingen.

So entstand die Christenheit, eine Familie von Nationen, die im Lichte der Lehren der Heiligen Kirche dachten, wollten und kämpften. Doch seit dem Niedergang des Mittelalters hat der revolutionäre Prozess die Christenheit zersetzt und die Welt zu aufeinanderfolgenden Höhepunkten von Neuheidentum, Amoralität, Egalitarismus und Korruption geführt, sich auf den spirituellen und weltlichen Bereich ausgewirkt und kirchliche Umgebungen oft ihrer Reaktionsfähigkeit beraubt.

Zu Beginn dieses Jahrhunderts, als Prof. Plinio Correa de Oliveira seinen Kampf für die Kirche und die Christenheit begann, griff die Gottlosigkeit die Katholiken heftig an, da sie eine Folge des Liberalismus und Säkularismus darstellte, der seit der Französischen Revolution weite Teile der Welt heimgesucht hatte. Die Menschheit hatte mehr als ein Jahrhundert fast ununterbrochener Stürme, jedoch unterschiedlicher Stärke, durchgemacht, die kurz darauf einerseits zu einer Explosion des Hasses auf die christliche Zivilisation, den Kommunismus, und andererseits zu einer feurigen und unerschrockenen katholischen Reaktion führen würden.

Diese Angriffe hatten vielen Gläubigen Angst gemacht, die mit Schüchternheit und Menschenfurcht zu kämpfen hatten oder sich von den in der Welt vorherrschenden Trends verführen ließen; das heißt, einige folgten dem Fehler, sich der Welt anzupassen, manchmal völlig, indem sie sich von der Gottlosigkeit mitreißen ließen, manchmal, ohne bis zu diesem Extrem zu gehen, in einer scheinbar katholischen, aber mittelmäßigen Position zu zittern, was dazu beitrug, die Kirche als Ziel ständiger Angriffe zu halten und viele feurige Seelen von ihr zu entfremden, die diese Schüchternheit nicht verstand.

Allerdings den Lehren und dem Beispiel des Hl. Papstes Pius X. folgend, der seinen Plan verkündet hatte, alles in Unserem Herrn Jesus Christus zu erneuern, kam es zu einer heftigen Reaktion seitens der Katholiken, die verstanden hatten, dass der Göttliche Erlöser und die Kirche nicht nur die begeisterte Unterstützung der Seelen, sondern auch der Gesellschaft verdienen, wobei spürbar ist, dass es dafür entscheidend ist, dass diejenigen, die die unvergleichliche Gnade des Glaubens empfangen haben, dies mit Unerschrockenheit verkünden, denn dies wird die Feinde der Kirche zurückweichen lassen.

Diese kämpferische Geisteshaltung hatte in Prof. Plínio Corrêa de Oliveira bereits in den ersten Jahren seines öffentlichen Lebens ihren Hauptvertreter, der der lebhaften Bewegung der Marianischen Kongregation einen beispiellosen Impuls gab, in entscheidender Weise zur Entstehung des Katholischen Wählerbundes beitrug, der für die Geschichte Brasiliens so große Bedeutung haben sollte, und den Eifer der Massen entfachte, indem er zeigte, dass die Heilige Kirche eine kolossale Macht war, nicht nur durch die Hilfe göttlicher Kraft, sondern auch durch den feurigen Anschluss unzähliger Gläubiger. Mit einem Wort: Nach mehr als einem Jahrhundert antikatholischer Offensive war die Kirche ungeschlagen und ihre Feinde zermürbt.

Eine Reaktion gegen Glaubensgegner und mittelmäßigen Katholiken

Der angesehene katholische Führer beschrieb 1944, 17 Jahre nachdem er die Führung des „Legionário“ übernommen hatte, das Ideal, das ihn durch dieses Epos leitete, das so viel dazu beigetragen hatte, den Schwung der brasilianischen katholischen Jugend wiederherzustellen: „Wir befanden uns in der endgültigen Liquidierung des liberalen Regimes. Durchdrungen von Skeptizismus, Latitudinarismus, Materialismus, deformiert durch die niedrige und deprimierende Sprache der Presse, durch den ausschweifenden Geist von Theater und Kino, durch die Umgebung von krasser Trivialität, in der sich die Jugend entwickelte, strebten wir alle nach einem höheren Ideal. Wir hatten keinen Zweifel über dieses Ideal. Es war der Katholizismus, der die Fülle aller wahren und edlen Ideale war. In der Atmosphäre, die wir einatmeten, trennten uns zwei Umstände von diesem Ideal. Einerseits die offensichtlichen Feinde der Religion: die Freimaurer, die Spiritisten, die Protestanten, die Atheisten. Andererseits, die Billiganbieter des christlichen Geistes: die die halb-Katholiken, Vielbeter und… Vielsünder. Menschen, die glaubten aber nicht praktizierten, Menschen die an diesem Dogma glaubten, aber nicht an jenem; Menschen mit christlichem Etikett, die alle Symptome der Bequemlichkeit, der Vernachlässigung, der Gleichgültigkeit des weltlichen Geistes beibehielten. Katholiken schließlich, für die die Kirche eine Last war, die sie ohne Begeisterung trugen, ein Ideal mit dem sie sich selbst betrogen, eine Geisteshaltung, die sie auf aller Art und Weise versuchten dem Zeitgeist anzupassen, damit sie auch einen üppigen und bequemen Platz bekämen an der großen Festtafel Baltasars, die die letzten Jahre der liberalen Demokratie waren.

„Protestanten, Spiritisten, Freimaurer, zutiefst verachtete Katholiken der gegenwärtigen Art. Sie wussten im Voraus, dass er der große Verlierer war, denn im richtigen Moment würde er die Last des Katholizismus abwerfen, um so die Freude am Leben zu retten. Unter diesen Menschen, die zwei Kerzen anzündeten, eine für Gott und die andere für den Teufel, wurde Gottes Kerze schwächer, brannte nieder und flackerte. Die Kerze des Dämons war neu, weiß, hart, ihre Flamme war fett und funkelnd. An dem Tag, als Gottes Kerze begann, den Bürgern die Finger zu verbrennen, zweifelten weder der Spiritist noch der Freimaurer noch der Protestant daran, was der selbstgefällige Bürger mit dieser unbequemen Zündschnur anfangen würde. Wir befanden uns in der letzten Dämmerung des Sonnenuntergangs der Christenheit.

„In der Reaktion, die den Horizont klärte, gab es zwei implizite Reaktionen. Eine gegen die Gegner des Glaubens, die aus der Härte der Schläge, die sie erhielten, lernen sollten, dass ihnen das Feld nicht mehr vorbehaltlos offenstand, für ihre Unverschämtheit, ihre Kühnheit, ihre zynische Verachtung des Katholizismus. Eine andere gegen die Katholiken der halben Maßstäbe – „Café au lait-Katholiken“, hieß es damals –, die mit dem Skandal ihrer Lauheit konfrontiert waren verbreitete überall die Vorstellung, dass der Katholizismus vor Schwäche sterben würde“ (O Legionário Nr. 616, 28. V. 1944, „17 Jahre“)

Der Kampf gegen die Feinde der Kirche war jedoch noch weit vom Sieg entfernt, denn da sie eine Niederlage im offenen Kampf vorhersahen, begannen sie eine Doppeloffensive: Einerseits förderten sie Bewegungen, die dem Nazi-Faschismus ähnelten, um kämpferische Katholiken anzuziehen und abzulenken, und andererseits korrodierten sie die Katholische Aktion mit Einflüssen, Ideen, Initiativen und Tendenzen, die die modernistischen Fehler widerspiegelten, die der hl. Pius X. als Synthese aller Häresien verurteilt hatte, und so die Grundlagen der Verteidigung der Kirche gegen die Laster und Angriffe der Welt untergruben..

Gegen beide Irrtümer führte Prof. Plinio Corrêa de Oliveira einen unaufhörlichen Kampf, sei es auf den Seiten des Legionário oder im direkten Apostolat, indem er Schlüsselpersonen aufklärte und polemisierte, wobei er immer zeigte, dass Katholiken die Standarte des Glaubens mit all seinen natürlichen Konsequenzen im weltlichen Bereich erheben sollten, ohne ihn zu verharmlosen und vor allem ohne ihn gegen die von der Welt propagierten neuheidnischen Fahnen einzutauschen.

Sein Werk „Em Defesa da Ação Católica“ (Zur Verteidigung der Katholischen Aktion) – veröffentlicht, um diese vor eingedrungenen Irrtümern zu bewahren und zu verhindern, dass sie weiterhin zu einem Instrument der Entchristlichung umgeformt wurde – war ein mutiger Warnruf. von dessen Auswirkungen sich der Progressivismus bis heute nicht erholt hat; denn er hörte auf, ein Phänomen zu sein, das den Katholizismus als Ganzes zu erfassen drohte, und wurde stattdessen zu einem bloßen Problem der Sakristeien. Die Urheber dieser Zersetzung rächten sich jedoch an dem Verfasser der Anklage durch jahrzehntelanges Raunen und Gerede, ungeachtet der Ermutigung, die er von hohen kirchlichen Würdenträgern und sogar vom Heiligen Stuhl erfahren hatte.

Würde auch nur eine einzige der Wahrheiten, die die Heilige Kirche lehrt, verfälscht, so verlöre sie ihre Identität.

Zugleich warnten seine unermüdlichen Anklagen gegen die Irrtümer des Nationalsozialismus und Faschismus – gerade als diese ihren Höhepunkt erreichten – Hirten und Gläubige vor dieser Form der Verheidlichung und verhinderten, dass sie weiter um sich griff und die katholische Weltmeinung zersetzte. Dass diese Warnungen in katholischen Kreisen – sowohl in Brasilien als auch im Ausland – Gehör fanden, führte für den Verfasser – wiederum aufgrund seines leidenschaftlichen Eintretens für die Treue zur Kirche – zu einer zunehmenden Isolierung; dies geschah gerade deshalb, weil bedeutende Prälaten eine Anpassung der Kirche an das wünschten, was einige Jahrzehnte später als „Zeichen der Zeit“ bezeichnet werden sollte. Im Eintreten für eine integre und entschlossene Verteidigung der katholischen Lehre schrieb er 1941 im „Legionário“: „Die Kirche wird niemals diese Gabe verlieren, die Seelen anzuziehen. Sie zu leugnen, hieße zu leugnen, dass Jesus Christus Gott ist oder dass die Evangelien inspirierte Bücher sind. Sie zu leugnen, bedeutet folglich, die Religion selbst zu leugnen. Doch besitzen alle diese Wahrheit, die doch alle anerkennen, im gleichen Maße? Sehen alle sie mit gleicher Klarheit? Ziehen alle daraus dieselben Schlussfolgerungen?

„In den düsteren Tagen, die wir durchleben – da wir sehen, wie sich die (nazi-faschistische) Häresie über ganz Europa ausbreitet und die ganze Welt bedroht –, wie viele Menschen halten die Kirche für so gefährdet, dass sie zu Zugeständnissen in Glaubensfragen gegenüber den gegenwärtigen Weltherrschern neigen? Heutzutage ist die allgemeine Verheidnisierung der Sitten in alle Bereiche der Gesellschaft eingedrungen und hat einen Abgrund geschaffen, der immer tiefer wird: einen Abgrund zwischen dem Geist der Kirche und dem Zeitgeist. Angesichts dessen raten ihr viele zu moralischen Zugeständnissen, um sie mit jener Gesellschaft zu versöhnen, ohne deren Unterstützung man einen Zusammenbruch der Kirche in der Welt befürchtet – einen Zusammenbruch, der, wäre er nicht der Tod, zumindest einer lang anhaltenden Ohnmacht gleichkäme.

„(...) Was ist eigentlich die katholische Lehre? Sie ist eine Gesamtheit von Wahrheiten. Würde auch nur eine einzige dieser Wahrheiten verfälscht, wäre die katholische Lehre nicht mehr sie selbst. Sie also anpassen, zurechtbiegen oder gefällig machen zu wollen, bedeutet, darauf hinzuarbeiten, dass sie ihre Identität verliert – mit anderen Worten: es ist der Versuch, sie zu töten. Es bedeutet zu glauben, das Apostolat sei ohne diese Anpassung nicht möglich; es bedeutet zu glauben, die Kirche könne nur siegen, indem sie stirbt!“ („Legionário“ Nr. 448, 13. April 1941, „Nós também“ Auch wir).

Diejenigen, die starben, waren offensichtlich die Irrtümer des Nationalsozialismus und Faschismus; sie wurden postum von vielen ihrer einstigen Verbündeten angegriffen. Die Kirche hingegen überstand diese Gefahren mühelos, gerade weil sie sich weder einschüchtern noch beeinflussen ließ, als diese Ideologien scheinbar die Oberhand hatten. Doch schon bald regte sich erneut die Versuchung, sich mit Feinden einzulassen – diesmal mit anderen Irrtümern: dem Sozialismus und dem Kommunismus, die nach Kriegsende eine beispiellose Machtfülle erlangten.

Tatsächlich gerieten die kategorischen Verurteilungen des Kommunismus durch die Päpste im Laufe des letzten halben Jahrhunderts zunehmend in Vergessenheit und wurden missachtet. Viele Hirten glaubten, in dieser Ideologie ein vermeintliches Streben nach sozialer Gerechtigkeit und dem Wohlergehen des Volkes zu erkennen; einige schlossen sich sogar der „roten Sekte“ im Kampf gegen das Eigentumsrecht und andere Grundprinzipien der traditionellen katholischen Lehre – sowohl im moralischen als auch im sozioökonomischen Bereich – an.

Mehr noch: Innerhalb der Kirche gewann die Tendenz zur Entspannung gegenüber kommunistischen Regimen an Boden. Dabei unterließ man bisweilen die eigentlich gebotene Kritik am Kollektivismus und an der religiösen Verfolgung durch die „roten Henker“, in der Hoffnung, diese würden auf solche Gesten mit einer Mäßigung ihrer Angriffe auf die Kirche reagieren. Dies war die sogenannte „Ostpolitik“ des Vatikans, die den Katholiken nahelegte, ihren Widerstand gegen die kommunistische Offensive aufzugeben.

Als diese Vorgänge im Jahr 1974 eine Stetigkeit und ein Ausmaß annahmen, die einer Norm zu entsprechen schienen, veröffentlichte Prof. Plinio Corrêa de Oliveira gemeinsam mit allen TFP-Organisationen die „Erklärung des Widerstands“. Darin wurde proklamiert, dass die Gläubigen – dem Beispiel des heiligen Paulus folgend, der dem heiligen Petrus „ins Angesicht widerstand“ – gemäß der traditionellen katholischen Lehre das Recht haben, ihren Standpunkt respektvoll zu äußern.

Der Zusammenbruch des Sowjetregimes anderthalb Jahrzehnte später bewies, wie schwach dieses Regime war, wie heftig sich die betroffenen Bevölkerungen dagegen auflehnten und wie ungerechtfertigt folglich das Entgegenkommen gegenüber dem roten Feind gewesen war. Dies war ein erneuter Beweis für die Notwendigkeit, die oben zitierte, überaus weise Weisung des heiligen Paulus auf das heutige Leben anzuwenden.

Auf dem Höhepunkt des Verfalls, dem wir uns nähern – in einer Zeit, da man schwerwiegendsten moralischen Verirrungen Freiheit und Schutz gewähren und die Heilige Kirche daran hindern will, ihre Pflicht zur Verkündigung und Verteidigung ihrer Lehre (das heißt des Willens Gottes) zu erfüllen; da der Irrtum der Wahrheit das Recht auf Ausbreitung streitig macht und man der Sünde völlige Straffreiheit gewähren will.

Trotz aller Verfolgungen wird die Heilige Kirche triumphieren, denn sie ist göttlichen Ursprungs.

Es ist daher angebracht, heute jene Worte zu wiederholen, die ein bedeutender katholischer Kämpfer vor mehr als einem Jahrhundert niederschrieb – zu einer Zeit, als, genau wie heute, fast nur Stimmen zu hören waren, die nach Anpassung und Kompromissbereitschaft riefen:

„Als Unser Herr Jesus Christus starb, versiegelten die Juden sein Grab und bewachten es mit Soldaten; sie glaubten, alles sei nun zu Ende.

In ihrer Gottlosigkeit leugneten sie, dass Unser Herr der Sohn Gottes sei, dass er imstande wäre, das Grabgefängnis, in dem er lag, zu sprengen, und dass er vor allem die Kraft besäße, vom Tod zum Leben überzugehen. Nun, all dies ist geschehen. Unser Herr ist ohne jegliches menschliches Zutun auferstanden; unter Seiner Herrschaft bewegte sich der schwere Grabstein leicht und rasch beiseite, wie eine Wolke. Und Er ist auferstanden.

„Ebenso kann auch die unsterbliche Kirche scheinbar verlassen, geschmäht und verfolgt werden. Sie mag – dem Anschein nach besiegt – unter der Grabeslast schwerster Prüfungen liegen. Doch sie birgt in sich eine innere, übernatürliche Kraft, die von Gott stammt und ihr einen Sieg sichert, der umso glanzvoller ist, je unerwarteter und vollkommener er ausfällt“ (Legionário, Nr. 660, 1. April 1945, „Ostern“).

 

 

 Aus dem Portugiesischen von „Catolicismo“ Oktober 1997


Montag, 12. Oktober 2026

Über die Größe der Berufung Portugals

 Gespräch mit Plinio Corrêa de Oliveira
am 10. August 1983

Die Sache verhält sich so: Portugal war eine Nation mit einer ganz besonderen Berufung. Es empfing – gemeinsam mit Spanien (Schwestervölker, die sich in der Vergangenheit wohl weniger hätten bekriegen sollen, als sie es tatsächlich taten – wohlgemerkt: es wurde von beiden Seiten weit mehr zugeschlagen, als nötig gewesen wäre; eine Vorstellung davon dürften Sie von beiden Seiten her haben) –Portugal bekam eine doppelte Gnade: erstens die Vertreibung der Mauren, um das katholische Europa von den Mohammedanern zu säubern; zweitens den Ruhm der Seefahrt und der Verbreitung des Namens Unseres Herrn Jesus Christus sowie des Namens Mariens in all diesen neuen Welten, und darüber hinaus in Indien, China und Japan. Sie wissen, wie viel unsere gemeinsamen portugiesischen Vorfahren in dieser Hinsicht geleistet haben.

Dann gibt es noch etwas, das in der Leistungsbilanz Portugals – des katholischen Portugals, denn nur das katholische Portugal interessiert mich; das andere bedeutet mir nichts – selten erwähnt wird. Natürlich: Das Einzige, was ich auf Erden wahrhaft liebe, ist die katholische Kirche. Nationen und Menschen haben nur insoweit einen Wert, als sie katholisch sind oder wieder katholisch werden können (...).

Doch ich sage es noch einmal: Dem katholischen Portugal ist noch etwas anderes hoch anzurechnen – und als Brasilianer freue ich mich, dies sagen zu können: Ein Land mit geringer Bevölkerungszahl und kleinem Territorium, dem die Vorsehung die Aufgabe anvertraute, eine riesige Nation wie diese (Brasilien) zu besiedeln – das ist etwas Kolossales. Und doch ist Brasilien im Grunde von Nachkommen der Portugiesen bevölkert. Es ist eine heldenhafte Anstrengung, ein wunderbares Werk: „Gehet hin und vermehret euch, nehmt die ganze Erde in Besitz.“

Die „Bandeirantes“ aus São Paulo, die ankamen – ihr wisst schon: zu Fuß quer durch Südamerika, bis sie sich sogar im Pazifischen Ozean ihre Hände waschen konnten –, waren letztlich Portugiesen; denn sie waren Söhne oder Enkel von Portugiesen, wenngleich in Brasilien geboren. Damals unterschied man nicht zwischen Brasilianern und Portugiesen: Sie waren Portugiesen. Und all dem messe ich große Bedeutung bei.

Doch vor allem gilt: Portugal ist das Gefäß der brasilianischen Traditionen. Die Quintessenz der brasilianischen Traditionen sind die portugiesisch-katholischen Traditionen. Und unsere besten Traditionen aus alter Zeit sind jene, die uns Portugal am nächsten bringen.

Daher ist es nur recht und billig, dass Brasilien sich mit besonderer Freude über alles Gute freut, das Portugal widerfährt; und unter allem Guten, das in Portugal geschieht, gibt es nichts Kostbareres als die Unversehrtheit des Glaubens, wie sie Unsere Liebe Frau in Fátima verheißen hat. Zu dieser Unversehrtheit des Glaubens trägt der katholische Geist der TFP maßgeblich bei – oder kann zumindest maßgeblich dazu beitragen.

Und der Gedanke, dass durch das Bemühen hier auf dieser Seite des Ozeans die von der anderen Seite empfangenen Traditionen gestärkt werden können... Es ist wie bei einem Echo: Man ruft hier, der Ruf gelangt dorthin und verstärkt sich; er verliert sich nicht durch das Widerhallen, sondern wächst an. So lassen wir auf beiden Seiten des Atlantiks dieselbe Tradition widerhallen. Das gefällt mir.

Seliger Nuno Álvares Pereira

Ich wünsche mir also – und bitte Unsere Liebe Frau darum –, eine portugiesische TFP, tief katholisch und ganz im Geiste des Seligen Nuno Álvares Pereira: ein Vorbild an Heiligkeit sowie ein Vorbild des Ritters und Kriegers. Ihr solltet sein Leben lesen, es gut kennen und Bilder von ihm in eurem Zentrum haben – kurzum: ihm jede Form der Verehrung entgegenbringen. Hin und wieder dorthin zu gehen, wo er begraben liegt, usw., um Gnaden für euch und für uns alle zu erlangen – das empfehle ich sehr.

[beim Betrachten eines Bildes] Ah, hier ist der selige Nuno Álvares Pereira! Ich kenne ihn – ich setze nur kurz die Brille auf, um mich genau zu erinnern –, aber das ist das berühmteste der Bilder: Es wurde kurz nach seinem Tod gemalt, nicht wahr? Genau so ist es: heilig und zugleich ungestüm. Ein gewaltiges Schwert dort. Eigentlich ist es eine Art Hellebarde, die er in der Hand hält, ein Mittelding zum Schwert. Und seht nur seine selbstbewusste Haltung, das Bein so nach vorn gestellt.

Doch in seinen letzten Lebensjahren – nachdem der König ihn mit Gnaden, Ehrenbezeugungen usw. überhäuft hatte – wurde er Laienbruder, ein „Geringster“ (Minderbruder), wenn ich mich nicht irre, im Karmeliterorden oder bei den Franziskanern. (Bei den Karmelitern.)

Bei den Karmelitern. Und als „Minderbruder“, als einfacher Bruder, endete dieser Löwe. Der Löwe hatte seine ruhmreiche Laufbahn hinter sich und endete aus Liebe zu Unserer Lieben Frau wie ein Lamm.

(...) Wenn man wissen will, wer das TFP-Mitglied ist, das sich tapfer gegen den äußeren Gegner behauptet, so halte man Ausschau nach jenen, die Intern am umgänglichsten sind. Wenn ihr wissen wollt, wer draußen ein Feigling ist, so sucht nach denen, die sich Intern arrogant verhalten. Man täuscht sich da nicht. Wer draußen ein Löwe ist, ist drinnen ein Lamm; wer drinnen den Löwen spielt, der kneift draußen vor den Feinden und taugt keinen Pfifferling.


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Donnerstag, 8. Oktober 2026

„Auf wessen Seite steht der Papst?“ (1)

Plinio Corrêa de Oliveira
„Legionário“,  7. November 1943 

      Bevor wir eine umfassende Antwort auf den Artikel „Auf wessen Seite steht der Papst“ des Dekans von Canterbury geben, veröffentlichen wir hier einige punktuelle Anmerkungen zu einzelnen seiner Themenbereiche.

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      Der Autor beginnt damit, der katholischen Meinung zu schmeicheln. In süßlichem Tonfall erklärt er: „Die Politik des Vatikans auf der Weltbühne ist einer der dunkelsten, faszinierendsten und verwirrendsten Aspekte des gegenwärtigen Krieges. Was tut der Papst? Was erhofft sich der Papst von diesem Krieg? Auf welche Seite hat sich der Papst in diesem blutigen Kampf um Freiheit und Leben der sogenannten christlichen Völker unserer heutigen Welt geschlagen? Dies sind drei spezifische Fragen von mehr als grundlegender Bedeutung, deren Beantwortung jedoch äußerst schwierig ist, da uns nur wenige Daten zur Verfügung stehen, um in die subtilen und jahrhundertealten Überlegungen des Papstes und seiner Diplomatie einzudringen – einer Diplomatie, die im weitesten Sinne die vollendetste, raffinierteste und erfahrenste aller Zeiten ist.“

      Wie man sieht: ein Blumenfeld, das Gift verströmt. Um sich mit dem Anschein der Unparteilichkeit zu umgeben, erkennt der Autor an, was ohnehin offensichtlich ist: die grundlegende Bedeutung, die jede Haltung des Papsttums für das internationale Leben unserer Zeit hat. Seit wie vielen Jahrhunderten verkünden Protestanten bereits den Niedergang der „Kirche von Rom“, ihre völlige Unvereinbarkeit mit den heutigen Lebensbedingungen des Menschen usw.? Doch im Jahr 1943 muss der Dekan von Canterbury – Vertreter einer der angesehensten englischen protestantischen Kirchen – anerkennen, dass das Ansehen des Heiligen Stuhls so groß ist, dass die Analyse seiner Haltung für das Verständnis der Ereignisse unerlässlich ist. Der Dekan ist so beeindruckt, dass er sogar zur Hyperbel greift: Die Untersuchung der Haltung des Papstes sei nicht nur wesentlich, sondern „mehr als wesentlich“. Wir überlassen es dem Dekan, seinen Lesern zu erklären, was in der Philosophie eine „mehr als wesentliche Sache“ sein mag... nämlich die Auseinandersetzung mit der Haltung des Papstes. Uns genügt die Erkenntnis des hohen Maßes an Ansehen, Einfluss und Autorität, dass sich die rein geistige Kraft des Papsttums in diesem Zeitalter von Minerva und Mammon bewahrt hat.

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      Doch der Text, den wir hier wiedergeben, weist seine Schattenseiten auf. Geschickt gesetzte Schatten. Zarte Schatten. Aber giftige Schatten. Es geht um einen Konflikt, in dem Leben und Freiheit der „sogenannten christlichen“ Völker auf dem Spiel stehen. Ganz nebenbei möchten wir fragen, welche Völker das wohl sind, denen der Dekan die Ehre abspricht, Christen zu sein. Etwa die Katholiken? Ist es jedenfalls nicht sonderbar, dass sich nicht sagen lässt, welche Haltung das Oberhaupt der gesamten Christenheit in diesem Kampf eingenommen hat? Warum eine solch seltsame Zurückhaltung? Der Vatikan schätzt „subtile Gedankengänge“. Seine Diplomatie gilt als die „vollendetste Diplomatie aller Zeiten“. Seltsam! Diese Worte bedeuten nicht zwangsläufig, dass die Diplomatie des Vatikan machiavellistisch sei. Doch sie erwecken einen Eindruck, der dem sehr nahekommt. Dennoch folgt auf sie keinerlei Erklärung, die eine solch unvorteilhafte Auslegung ausschließen würde. Nun gut, fahren wir fort...

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      „Der Papst hat sich bereits vielfach zu diesem Krieg geäußert, doch die Unklarheit und Mehrdeutigkeit seiner Erklärungen spiegeln sich treffend darin wider, dass sowohl die Alliierten als auch die Achsenmächte seine Worte als für sich günstig und für den Feind ungünstig betrachten“, erläutert „Rev.“ Johnson. Doch wie ist das möglich? Besitzt der Papst denn keinerlei Ehrlichkeit? Warum führt „Rev.“ Johnson kein Beispiel zur Untermauerung dieser „mehrdeutigen“ Äußerung des Pontifex an? Für einen Vorwurf von solch weitreichender Bedeutung genügt dem „Rev.“ Johnson eine Tatsache: Sowohl die Nazis als auch die Alliierten behaupten, der Papst stehe auf ihrer Seite. Weiß „Rev.“ Johnson denn nicht, dass die Nazis den Geist der Lüge schlechthin verkörpern – dass Pius XI. sie als „die fleischgewordene Lüge“ bezeichnete –, und dass sie daher, auch wenn sie sehr wohl verstehen, dass die Heilige Kirche ihnen nur eine vernichtende Niederlage wünschen kann, entgegen aller offensichtlichen Tatsachen lügen und das Gegenteil behaupten würden? Kennt „Rev.“ Johnson die Enzyklika „Mit brennender Sorge“ von Pius XI., in der der Papst den Nationalsozialismus radikal verurteilte? Und ist ihm entgangen, dass sich die Nazis selbst danach noch zynisch als Freunde der Kirche ausgaben?

      Letztendlich stützt Herr Johnson seine Anschuldigung gegen das Papsttum auf eine Behauptung der Nazis – die größten Lügner der Welt. Offen gesagt: Schlechter könnte man nicht argumentieren.

* * *

      „Rev.“ Johnson spürt nur allzu deutlich, dass sein Hass auf Rom ihn verraten hat und dass seine letzten Worte ihn aus der ursprünglichen Gelassenheit seiner Anschauungen herausgeführt haben. Nun folgt – gleichsam um in die offene Wunde zu blasen – dieses Lob, das wie ein Glaubensbekenntnis an die Göttlichkeit der Kirche anmutet: „... die römische Kirche steht, in ewiger Perspektive betrachtet, über den Kämpfen der Nationen, über Kriegen und allem Zeitlichen. Sie ging der Demokratie voraus, ging dem Nationalsozialismus voraus, ging allen Regierungsformen der modernen Welt voraus; das politische Antlitz der Welt hat sich bisweilen radikal gewandelt, doch die römische Kirche hat stets überlebt, wenn auch unter fortschreitendem Kraftverlust. Es ist mehr als gewiss, dass die römische Kirche immer überdauern wird, ganz gleich, welche Gestalt die Welt zu irgendeinem Zeitpunkt annehmen mag ...“ Doch wer hasst, dem geht beim Pusten schnell der Atem aus. Der Dekan ermattet rasch bei diesen süßlichen und ausgeklügelten Lobpreisungen. Und gleich darauf schränkt er ein: „Die einzige Möglichkeit, dass es anders käme, wäre ein weltweiter Sieg des Kommunismus. Doch in diesem Punkt kämpft die römische Kirche nicht allein.“ Ein eklatanter Widerspruch! Noch wenige Zeilen zuvor hatte der Autor behauptet, die Kirche sei unzerstörbar; nun aber erklärt er, sie könne vernichtet werden, und deutet sogar an, sie sei so schwach, dass ihre Siegeschancen darauf beruhten, dass sie „nicht allein kämpft“. Dennoch räumt der Dekan selbst ein, dass sie in der heutigen Welt eine solche Autorität genieße, dass die Analyse ihrer Haltung von „mehr als grundlegender“ Bedeutung sei. Widerspruch über Widerspruch. Doch der Dekan ist ein guter Protestant: Er fühlt sich inmitten von Widersprüchen wohl.

* * *

      So geht der Artikel weiter, wobei er sich auf Schritt und Tritt eifrig selbst widerspricht und seine Anschuldigungen gewunden zwischen mehrdeutigen, blumigen Lobpreisungen vorbringt. Doch kommen wir gleich zum Kernpunkt. Mit Nachdruck, mit Genugtuung und in der Gewissheit der Wirkung, die sie erzielen wird, schleudert der Dekan diese ungeheuerliche Behauptung hinaus: „Der einzige Einwand des Papsttums gegen den Nationalsozialismus – wie es bereits mehrfach dargelegt hat – ist dessen Heidentum und die Verfolgung der Kirche.“ Wenn es eine konkrete Behauptung gibt, die ideal dem Begriff der „Lüge“ entspricht, dann ist es diese! Man muss nur flüchtig einen Blick in die Sozialenzykliken der Päpste werfen – insbesondere in „Mit brennender Sorge“ –, um zu erkennen, dass die vom Nationalsozialismus propagierte politische und gesellschaftliche Struktur selbst dann von der Kirche verurteilt worden wäre, wenn er ihr völlige Freiheit gewährt hätte. Jeder Studienanfänger im Bereich der Sozialwissenschaften weiß das. Der Dekan von Canterbury scheut sich nicht, klipp und klar das Gegenteil zu behaupten. Er hat recht, würde ihm der alte Voltaire sagen: „mentez, mentez, il restera toujours quelquer chose“ („Lügt, lügt nur; irgendetwas bleibt immer hängen.“)

      Und nun folgt eine weitere Lüge. Mit Bezug auf die Lateranverträge behauptet der Dekan: „wenn der Faschismus dem Papst zu geben weiß, was des Papstes ist, und er dem Faschismus zu geben weiß, was des Faschismus ist, einschließlich der Freiheit vieler Millionen von Individuen.“ Ignoriert der Dekan etwa, dass die korporative Auffassung des Faschismus von der Kirche verurteilt wurde – nicht, weil sie irgendein Recht der Kirche verletzt hätte, sondern weil sie, da sie dem Naturrecht widerspricht, die gerechte Freiheit „vieler Millionen von Individuen“ beschnitt? Ignoriert der Dekan, dass die Staatslehren von Gentile und Croce wegen ihres totalitären Charakters von der Kirche verurteilt wurden? Sieht er nicht, dass die Kirche auf diese Weise all das verteidigte, was gerecht und edel am Wort „Freiheit“ ist – ein Wort, mit dem er, der Dekan, und seine Anhänger so abscheulichen Missbrauch zu treiben pflegen? Und wie kann man dann behaupten, der Vatikan habe mit dem Naturrecht, dessen Hüterin die Kirche ist, Handel getrieben? Wo bleibt da der gute Glaube? Was Franco betrifft, so stellt ihn der Dekan als den Mann der „Römischen Kirche“ dar – als einen niederträchtigen Militärmensch und Komplizen niederträchtiger Prälaten, die darauf aus waren, einen Religionskrieg anzuzetteln, der der vatikanischen Diplomatie gelegen käme!

      Ignoriert der „Dekan“, dass Franco keineswegs ein Werkzeug in den Händen der Kirche ist, sondern derart gespannte Beziehungen zum Vatikan unterhält, dass das erwartete Konkordat zwischen Spanien und dem Heiligen Stuhl bis heute nicht zustande gekommen ist? Denn der „Caudillo“ will der Kirche nicht einmal jene Freiheit gewähren, die sie in Ländern genießt, in denen Kirche und Staat getrennt sind. Ist das nicht allgemein bekannt? Steht das nicht in den Nachrichten aller Zeitungen?

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      Und so geht es mit den Unwahrheiten weiter. Man müsste ein ganzes Buch schreiben, um sie eine nach der anderen zu widerlegen. Kommen wir direkt zum Schluss.

      Worauf will der Dekan hinaus? Am Ende seines Artikels behauptet er, angesichts des diplomatischen Triumphs des Vatikan „wisse man noch nicht, was die demokratischen und revolutionären Kräfte der Welt gewinnen werden“; sie würden im Papsttum „eines der größten Hindernisse“ vorfinden... ... auf ihre Ausdehnung hin, wie es praktisch der antisowjetische Block in Mitteleuropa andeutet, den die römische Kirche seit mehr als einem Jahr zu bilden sucht.“

      Darin liegt der Grund für den Zorn! Wir wissen nicht, was dieser „antisowjetische Block“ sein soll. Doch fest steht: So entschieden die Kirche auch gegen den Nationalsozialismus eingestellt ist, so entschieden ist sie auch gegen den Kommunismus. Gewiss wird sie vom Sieg der Alliierten stark profitieren. Die Katholiken müssen einen solchen Sieg herbeiwünschen, und genau in diesem Sinne hat sich auch der „Legionário“ stets geäußert. Dennoch bleibt es eine Tatsache, dass die Kirche weiterhin ein gewaltiges Hindernis für die kommunistische Expansion darstellen wird. Und genau das ist es, was der Dekan nicht will und nicht ertragen kann.

      Hierin liegt der Grund für seinen ganzen Zorn als kommunistischer „Rädelsführer“, der sich als Seelsorger „getarnt“ hat.

 

*    *    *