Samstag, 26. September 2026

Zurück zum Turm von Babel?

 Plinio Correa de Oliveira
„Folha de S. Paulo“, 12. August 1980

In meinem letzten Artikel analysierte ich einen Aspekt der Reaktion der brasilianischen Öffentlichkeit auf die Persönlichkeit Johannes Pauls II. Diese Reaktion war sehr breit gefächert und erfasste wie gewaltige Schwingungen weite Teile der Bevölkerung in allen politischen Lagern. Linke wie auch Angehörige der Mitte oder der Rechten, Katholiken, Protestanten, Schismatiker, Juden, Buddhisten, Muslime, Spiritisten, Atheisten: Sie alle strömten in großer Zahl herbei, um Johannes Paul II. in einer stürmischen Freudenbewegung zu bejubeln. Dies nährte in diesen verblüfften und vielfach gequälten Menschenmengen unserer Zeit die Hoffnung, dass sie im Kontakt mit den persönlichen – sehr persönlichen – Gaben Papst Wojtylas neben einem Überfluss an Optimismus, Freude, Einfachheit und Gesundheit auch ein besonderes „Know-how“ empfangen würden, um nach beispiellosen Formeln die Probleme jedes Einzelnen, jeder Familie und der gesamten Nation zu lösen. Gewiss, in den Herzen der Katholiken wohnte nicht nur diese Hoffnung, sondern auch die Überzeugung, dass Karol Wojtyla der Nachfolger Petri sei. Doch diese edle, auf Glauben gegründete Überzeugung war ein gemeinsames Merkmal, das nur Katholiken verband. Zwischen Katholiken und Nichtkatholiken war der gemeinsame Nenner zumeist Karol Wojtyla, eine Person mit außergewöhnlichen individuellen Gaben. Und die Sehnsucht, inmitten tiefster Not etwas zu empfangen, das ihren Wunsch nach einem unbeschwerten Leben, Frieden und Fülle stillen würde. Die Qual der Not – die Sehnsucht nach Glück: Die Alternative ist äußerst spannungsreich. Aus der tiefen Sehnsucht nach Wohlbefinden, Frieden und einem unbeschwerten Leben, die Millionen von Herzen um Johannes Paul II. bewegte, schien mir, dass gerade aus diesem Spannungsfeld der utopische Traum vom vollkommenen irdischen Glück entsprang, den so viele Anwesende weniger von Johannes Paul II. als vielmehr von Wojtyla erhofften.

Diese Sehnsucht beunruhigt mich, denn sie birgt die Gefahr von Naivität und emotionaler Verletzlichkeit, die ein Demagoge jederzeit für finstere Zwecke ausnutzen könnte. Nicht von dieser Welt stammen vollkommene Eintracht, ein ewiger Frieden unter allen Menschen, allen Nationen und allen Lehren, das vollkommene Glück. In diesem Land des Exils sind Not, Zwietracht und Katastrophen unvermeidlich. Und aus christlicher Sicht führt dies zugleich dazu, das Leben so weit wie möglich einzuschränken und sich mit ihnen abzufinden, weil sie unvermeidlich sind.


Der hl. Ludwig Maria G. Von Monfort

Diese harte Lektion, die dem heutigen Neuheiden so wenig Dankbarkeit entgegenbringt, erinnert mich an einen bedeutenden Text des hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort, des unvergleichlichen Apostels der Marienverehrung.

In seiner Auseinandersetzung mit dem ewigen Kampf zwischen der Jungfrau Maria und der Schlange zeigt er uns das Leben der Menschen in erster Linie als einen großen, tragischen und unaufhörlichen Krieg zwischen Wahrheit und Irrtum, Gut und Böse, Schönheit und Hässlichkeit. Ein Kampf, ohne den das irdische Dasein des Menschen, seiner übernatürlichen Bedeutung beraubt, seine Würde verlöre.

Zu den Worten der Genesis (3,15): „Feindschaft will ich stiften zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst nach seiner Ferse schnappen“, bemerkt der große Heilige tiefgründig: „Gott hat eine einzige Feindschaft eingesetzt und begründet, eine unversöhnliche Feindschaft, die nicht nur andauern, sondern bis zum Ende zunehmen wird: die Feindschaft zwischen Maria, seiner würdigen Mutter, und dem Teufel; zwischen den Kindern und Dienern der Jungfrau Maria und den Kindern und Anhängern Luzifers; so dass Maria die schrecklichste Feindin ist, die Gott gegen den Teufel gerüstet hat“ (vgl. „Abhandlung über die wahre Verehrung der Jungfrau Maria“, Vozes, Petrópolis, 6. Aufl., 1961, S. 54–55).

Und er beschreibt dann den großen Krieg, der die Menschheit bis zum Ende der Geschichte unerbittlich spaltet. Dieser Krieg ist nichts anderes als die Fortsetzung des Kampfes zwischen der Jungfrau und der Schlange, zwischen dem geistigen Geschlecht der einen und dem geistigen Geschlecht der anderen: „Er gab ihr sogar vom Paradies aus so viel Hass auf diesen verfluchten Feind Gottes, so viel Hellsichtigkeit, die Bosheit dieser alten Schlange zu erkennen, so viel Kraft, diesen gottlosen Stolzen zu besiegen, zu zermalmen und zu vernichten, dass die Furcht, die Maria im Teufel einflößt, größer ist als die, die alle Engel und Menschen in ihm und in gewissem Sinne Gott selbst einflößen“ (ebd., S. 55).

In diesem Kontext wird uns die „clemens, pia, dulcis Virgo Maria“, die der honigfließende Arzt, der heilige Bernhard, im „Salve Regina“ mit solcher Süße besang, wird uns von Ludwig Maria Grignion als wahrer Wehrturm präsentiert („Turris davidica“, ruft die Lauretanische Litanei aus).

Im Laufe der Geschichte werden die Kinder Unserer Lieben Frau bis zum Ende der Welt gegen die Kinder Satans kämpfen. Und der endgültige Sieg wird den Ersteren gehören, durch das Eingreifen der Mutter Gottes: „Gott hat nicht nur Feindschaft, sondern Feindschaften gestiftet, zwischen Maria und dem Teufel, sondern auch zwischen den Nachkommen der Heiligen Jungfrau und den Nachkommen des Teufels. Gott hat auch Hass und Zwietracht zwischen den wahren Kindern und Dienern Mariä und den Kindern und Sklaven Satans gesät. Zwischen ihnen herrscht nicht der geringste Hauch von Liebe, noch besteht irgendeine innige Beziehung zueinander. Die Kinder Belials, die Sklaven Satans, die Freunde der Welt (denn es ist ein und dasselbe), haben die, die zur Heiligen Jungfrau gehören, immer verfolgt und werden sie auch in Zukunft verfolgen, wie einst Kain seinen Bruder Abel und Esau seinen Bruder Jakob verfolgten, die das Verworfene und das Auserwählte repräsentieren. Doch die demütige Maria wird im Kampf gegen diesen Stolzen stets siegreich sein, und ihr endgültiger Sieg wird so groß sein, dass sie ihn sogar das Haupt, den Sitz seines Stolzes zertreten wird. Sie wird jederzeit seine Schlangenbosheit und seine höllischen Anschläge enthüllen. Seine diabolischen Pläne zunichtemachen, und bis zum Ende der Zeiten ihre treuen Diener vor seiner grausamen Kralle beschützen. (ebd., S. 56–57).

Natürlich wurden, werden und werden auch unsere Tage von diesem schrecklichen Zusammenstoß erschüttert, der nicht unbedingt mit den Kriegen des Jahrhunderts verwechselt werden muss, aber in gewisser Beziehung zu ihnen steht. Und vor allem steht er in einem offenkundigen Zusammenhang mit den unzähligen Revolutionen, die den Westen erschüttert haben, wie die Muttergottes in Fatima voraussagte.

Die Unterdrückung dieses Kampfes durch eine ökumenische Versöhnung zwischen der Jungfrau und der Schlange, zwischen dem Geschlecht der Jungfrau und dem Geschlecht der Schlange, hin zu einer Ära, in der das utopische Ende des Zusammenstoßes zu einer Harmonie zwischen allen Rechten, allen Interessen, einer Durchdringung aller Sprachen unter einer universalen Regierung führt, die nichts als Überfluss und ein unbeschwertes Leben bringen wird; dies ist die große Utopie, vor der sich die Massen hüten müssen. Hier findet die Rückkehr (oder vielmehr der Rückschritt) zum stolzen Turmbau zu Babel statt, den das Neuheidentum mit allen Mitteln wiederaufzubauen sucht. Hier ist das Banner, gewoben aus Illusionen und Lügen, mit dem Demagogen zu allen Zeiten die aufständischen Massen mitreißen wollen.

Mir schien auch die Gefahr darin zu liegen, der viele von denen ausgesetzt sind, die in unserem eben erwähnten illustren Besucher nicht (oder zumindest nicht so sehr) den erhabenen Stellvertreter Christi, sondern einen Sportler oder einen Demiurgen in sozioökonomischen Angelegenheiten sehen und ihm vertrauen, indem sie ihn am Ende unterschätzen oder vergessen, dass er der Stellvertreter Gottes ist.

 

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Freitag, 25. September 2026

Die Utopie und die Botschaft

Plinio Correa de Oliveira
„Folha de S. Paulo“, 29. Juli 1980

Verschiedene Umstände – und wie unfreiwillig sie auch waren – haben mich bisher daran gehindert, über den Besuch Johannes Pauls II. in Brasilien zu schreiben. Ich hole dies heute nach und hoffe, in einem späteren Artikel darüber zu berichten.

Diese Aufgabe liegt mir sehr am Herzen. Ich sehe in der Heiligen Kirche den Kern meiner Seele. Und in meiner Hingabe zum Papsttum, sozusagen, den Kern meiner Hingabe zur Kirche. Ich brauche nichts weiter zu sagen, um die tiefe Empfindung auszudrücken, mit der ich mich diesem Thema nähere.

Kurz gesagt, die Geschichte der zwölf Tage, die Johannes Paul II. hier verbrachte, lässt sich in zwei Teile gliedern: a) was er hier sagte und tat; b) wie die Brasilianer seine Lehren und seine Haltung aufnahmen. Normalerweise würde ich mit „a“ beginnen. Doch seine Reden umfassen in der mir vorliegenden brasilianischen Ausgabe 277 Seiten. Darüber hinaus werde ich mich nicht mit dieser Ausgabe zufriedengeben, sondern beabsichtige, die Angelegenheit im Originaltext des „L’Osservatore Romano“, dem inoffiziellen Organ des Heiligen Stuhls, zu untersuchen. Nun lässt sich der Zeitaufwand für das wortgetreue Studium dieser wichtigen Texte leicht berechnen. Zwar finde ich hier und da Gelegenheiten für ein solches Studium, doch kann ich mein Schweigen in den einladenden Spalten der „Folha“ nicht länger verlängern.

Ich beginne daher mit Teil „b“, also der Reaktion der brasilianischen Bevölkerung.

Während des Besuchs von Johannes Paul II. lebte Brasilien in Spannung. Im Fernsehen, Radio und in der Presse war er sozusagen das einzige Gesprächsthema. Die Öffentlichkeit sog all diese Nachrichten begierig auf, und selbst wenn die Brasilianer, vertieft in ihre Alltagsaufgaben, nicht an den illustren Besucher denken konnten, war er ihnen dennoch unterbewusst präsent.

Nach dem Ende des Besuchs hielt dieses Phänomen noch zwei oder drei Tage an.

Dann kehrte ein Großteil der Bevölkerung, hundertprozentig, zu ihren so beunruhigten, so von großen und kleinen Bedrohungen belasteten, so tyrannisch in Anspruch genommenen Alltagsaktivitäten zurück. Und ein sehr großer Teil der öffentlichen Meinung schaltete sich von diesen Tagen ab. Für sie gehört der Besuch in diesen harten Zeiten der Unmittelbarkeit, in denen nur die Zukunft zählt, bereits der Vergangenheit an.

Dies trifft zwar auf eine unbestreitbare Mehrheit zu, nicht aber auf eine beträchtliche Minderheit der Brasilianer, die die Erinnerungen an den Papstbesuch in ihren Herzen bewahrt haben. Innerhalb dieser Gruppe nostalgischer Menschen gibt es unterschiedliche Auffassungen. Einige – die Mehrheit dieser Minderheit – waren zutiefst von der Anwesenheit Johannes Pauls II. berührt. Gewiss, weil sie in ihm den Stellvertreter Jesu Christi sahen. Aber auch, und ganz besonders, weil sie von einigen sehr persönlichen Eigenschaften Karol Wojtylas angetan waren. Seine hervorragende Gesundheit, sein unermüdlicher (und stets gut gelaunter) Einsatz, sein offenes und selbstsicheres Auftreten sowie seine überschäumende Bereitschaft zum Dialog und zur Eintracht vermittelten vielen den Eindruck, der Papst habe ein ganz eigenes Rezept, um der Flut von Ängsten, Risiken und Qualen, die Brasilien und die Welt heimsuchen, ein Ende zu setzen. Neben dieser Formel, die sich in seinem freundlich-schelmischen Lächeln, seiner unbeschwerten, optimistischen Miene und der impliziten Einladung zum Warten und Freuen andeutete, nahm eine unverkennbar persönliche Methode zur Anwendung dieser Formel Gestalt an. Die Gaben Karol Wojtylas und die Charismen Johannes Pauls II. schienen sich zu einem Ganzen zu vereinen und die Gewissheit – gewissermaßen telepathisch – des bevorstehenden Erfolgs zu vermitteln.

Und wer ihn ansah, hatte den Eindruck, diesen Erfolg, den der illustre Besucher „versprach“, bereits im Voraus zu genießen. Die Überzeugungskraft dieses Erfolgs wirkte stärker als seine gesprochenen oder geschriebenen Worte. Nur ein Wojtyla besaß die Gabe, sozusagen transpsychologische Fähigkeiten, diese Taktik umzusetzen. Und ohne Kämpfe: ein Werk der Versöhnung aller verstrickten und widerstreitenden Rechte, aller hartnäckigen und unversöhnlichen Interessen, endlich ein Paradies auf Erden.

Diese Botschaft wurde von unserer Bevölkerung tief verinnerlicht, deren psychologische Veranlagung mir wie geschaffen dafür scheint. Brasilianer verstehen lieber durch Zuhören als durch Lesen. Und durch Sehen noch mehr als durch Hören: So intuitiv sind wir.

Ich glaube, der Genuss diese optimistische Botschaft im persönlichen Kontakt zu bekommen erklärt zu einem großen Teil die Freude – die ich als frenetisch bezeichnen würde, wäre dieses Adjektiv nicht abwertend –, in die viele Menschen allein beim Anblick des Papstes eingingen, schon allein beim Kommen, Gehen, Lächeln, Bitten oder sogar beim Beten.

Ich habe den Eindruck, dass diese Freude in der großen Minderheit, die noch die Zeit des Papstbesuchs lebt, keineswegs erlischt, sondern immer intensiver wird.

Selbst im liebevollsten Volk der Welt – denn wir sind ebenso liebevoll wie intuitiv – glauben, im Königreich Gottes, im neuen Jahrtausend, im wiederhergestellten irdischen Paradies zu sein. Nie wieder Missverständnisse, Interessenkonflikte, Kämpfe oder Nöte: Das geheimnisvolle, aber unwiderstehliche „Vojtylischen“ Know-how wird all dem für immer ein Ende setzen.

Das Merkwürdigste ist, dass der Papst nichts davon gesagt hat. Doch in den Seelen seiner Verehrer wird es zur Gewissheit.

Viele werden sagen: eine großzügige, belebende und beruhigende Gewissheit. Utopie, fürchte ich. Denn ich sehe nicht, wie sich diese Hoffnung, die in manchen zu keimen scheint, angesichts der katholischen Lehre rechtfertigen lässt.

Die Kirche lehrt uns, dass diese Erde ein Ort des Exils, ein Tal der Tränen, ein Schlachtfeld und kein Ort der Freuden ist. Vor allem aber wird diese vollkommene und endgültige Eintracht unter den Menschen niemals existieren. Unser Herr Jesus Christus war der Friedensfürst. Und ohne ihn ist aller Frieden nichts als Täuschung. Doch es wurde von ihm vorausgesagt, dass er „zum Fall und zum Aufstehen vieler in Israel und als Zeichen des Widerspruchs … eingesetzt werden würde, damit die Gedanken vieler Herzen offenbar würden“ (Lukas 2,34–35). Und er selbst sagte von sich: „Denkt nicht, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Sohn gegen seinen Vater aufzubringen und die Tochter gegen ihre Mutter und die Schwiegertochter gegen ihre Schwiegermutter“ (Mt 10,34–35).

Sich also eine Welt ohne Kämpfe und Rückschläge vorzustellen, ist gleichbedeutend damit, sich eine Welt ohne Jesus Christus vorzustellen.

Beim Verfassen dieser Worte habe ich den Eindruck, in der Ferne die wütendste, aggressivste, intoleranteste und zügelloseste Sekte vor Wut sich winden zu sehen. Sie besteht aus der Seelenfamilie jener, die von einer Welt ohne Ideologien, ohne Hierarchien, ohne Grenzen, ohne Spaltungen, ohne Zäune, ohne „Privatsphäre“ oder individuelle Rechte träumten. Die Seelenfamilie, die Toleranz gegenüber allen predigt, aber jene tödlich hasst, die es wagen, dem übertriebenen Umfang dieser Toleranz zu widersprechen. Von denen, die Rede- und Meinungsfreiheit für alle wollen, außer für diejenigen, die ihr mit Worten widersprechen wollen.

Die Heftigkeit dieses Zorns ängstigt mich nicht. Ich höre ihn tosen, seit ich denken kann. Mit jedem Schritt meines Lebens spürte ich seinen hasserfüllten Blick, seine Fallen, das Zischen seiner Verleumdungen, die mich unaufhörlich verfolgten, in einem unerbittlichen Crescendo.

Wie kann ich zustimmen, dass Johannes Paul II. als Papst der Arzt dieser Utopie und Karol Wojtyla der Vermittler und Übermittler dieser sentimentalen Auswüchse auf globaler Ebene sein soll?

Das ist unmöglich. Im Gegenteil, ich freue mich, noch bevor ich alle seine Reden in Brasilien gelesen habe, verkünden zu können, dass keine von ihnen das Banner dieser Utopie vor der Welt hisst.

Und da ich nicht hoffen kann, die Ansprachen Johannes Pauls II. in der kommenden Woche vollständig gelesen zu haben, beabsichtige ich, vor meinen utopischen Lesern zu erscheinen und ihnen eine Botschaft zu überbringen, die mich rechtfertigt. Eine erhabene, großartige und tiefgreifende Botschaft, die im fernen 17. Jahrhundert unter den Menschen entstand und die heute vom Himmel herabsteigt, vom höchsten Himmel, direkt neben dem Thron Unserer Lieben Frau.

Oh Botschaft! Wie sehr wird sie nachdenkliche Geister, heldenhafte Willen und reine Herzen erfreuen.

Bis zum nächsten Mal, lieber Leser.

 

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„… aber sprich nur ein Wort …“

Plinio Correa de Oliveira
Folha de S. Paulo“, 1. Juli 1980

Papst Johannes Paul II.


Zwölf intensive Tage liegen vor uns. Je nachdem, wie sich die Dinge entwickeln, werden sie zu den intensivsten unserer Geschichte zählen. Vor allem für Seine Heiligkeit Johannes Paul II., der sie in Brasilien verbringen wird. Aber auch für uns Brasilianer, denen die Ehre zuteilwird, ihn zu empfangen.

Ich möchte diesen Punkt besonders hervorheben: auch für uns. Der Besuch eines Staatsoberhauptes löst stets Demonstrationen und Feierlichkeiten aus, die den Empfangenden eine willkommene Ablenkung bieten. Und nicht mehr. Doch der Besuch eines Papstes geht weit darüber hinaus. Denn die Bevölkerung sieht in dem Besucher den Inhaber des höchsten Lehramtes der Kirche, und normalerweise muss sie ihre eigenen Ansichten mit seinen in Einklang bringen. Von dort aus kann – wenn der Papst es wünscht – eine einfache Ansprache zu einem bestimmten Thema entscheidenden Einfluss darauf haben, was mehr als 90 % der Brasilianer in dieser Hinsicht denken, wollen oder tun.

Ich habe gehört, dass Johannes Paul II. laut der Tageszeitung einer unserer Großstädte während seines zwölftägigen Aufenthalts hier sage und schreibe 70 Reden halten will. Ich bezweifelte das, denn der Durchschnitt erschien mir erstaunlich: sechs Reden pro Tag und an zwei ruhigeren Tagen „nur“ fünf! Normalerweise halten hochrangige Besucher solche Reden bei Ehrungen, Einweihungen öffentlicher Denkmäler und karitativer Projekte oder bei Besuchen bedeutender Institutionen. Im Falle des Papstes finden sie natürlich auch – und hauptsächlich – im Rahmen von Gottesdiensten vor großem Publikum oder bei Treffen mit bestimmten Gruppen statt: Bischöfen, Priestern, katholischen Einrichtungen, Berufsverbänden usw. Diese Aufzählung zeigt, wie viele Reden ein Papstbesuch mit sich bringen kann. Es ist auch verständlich, dass verschiedene Gruppen daran interessiert sind, Einfluss auf die Gestaltung des Programms des Papstes während seines Aufenthalts zu nehmen. Denn es ist wichtig, die Themenliste, die er ansprechen wird, mitzubestimmen. Mit anderen Worten: Es geht um nichts Geringeres als darum, – wenn auch indirekt – die letztendliche Entscheidung über unseren Kurs in dieser oder jener Angelegenheit zu beeinflussen.

Ich dachte jedenfalls: Selbst, wenn Johannes Paul II. nicht alle 70 Reden hält (und damit einen in der zweitausendjährigen Geschichte der Kirche beispiellosen Redenrekord aufstellt), wird er sicherlich zahlreiche Gelegenheiten haben, zu den Brasilianern zu sprechen.

Um alles, was Seine Heiligkeit zu uns sagt, auch in seinen subtilsten Nuancen zu verstehen, zog ich mich für einige Tage auf den Bauernhof eines Freundes zurück, um alle Reden und Ansprachen, die Johannes Paul II. während seiner drei Tage in Frankreich gehalten hatte, im „Osservatore Romano“ im Originaltext zu lesen. Ich stellte fest, dass es dreißig waren. Mit anderen Worten: Der temperamentvolle und tatkräftige polnische Papst hat in Paris bereits den Rekord übertroffen, den ich für Brasilien für unwahrscheinlich gehalten hatte. Daher ist es nur natürlich, dass er uns 70 Ansprachen widmet.

Dies bezüglich der Anzahl der Ansprachen.

Beim Studium der französischen Texte kann ich meine Einschätzung ihrer Qualität bereits vorwegnehmen. Die Texte, die ich lese, bieten eine angenehme Balance zwischen der Dichte der Themen und der Ernsthaftigkeit der Ausführungen einerseits und der ausgesprochenen Schlichtheit und der natürlichen, flüssigen Klarheit der Sprache andererseits. Nicht zu vergessen ist dabei ein Hauch von Zuneigung, ganz charakteristisch für die polnische Sensibilität, der hier und da durchscheint.

Und in diesem Zusammenhang muss ich nebenbei erwähnen, wie sehr die Bildkultur in Brasilien an Boden gewinnt. Seit der Wahl von Johannes Paul II. wird er in den sozialen Medien unaufhörlich und einhellig gepriesen. Inzwischen sehe ich in allen Publikationen Fotos von ihm, wie er etwas tut oder sagt. Ich lese jedoch nichts oder fast nichts über den Inhalt seiner Worte. Und sogar die Dominanz – vielleicht sogar das Monopol – von Bild und Nachricht über das Nachdenken.

Ich bedauere das. Ich habe die Ansprache des Papstes in Puebla studiert und in dieser Zeitung meine Fragen, aber auch meine Freude und Hoffnungen dazu geäußert. Ich habe auch die Botschaft Seiner Heiligkeit zum 1. Januar über die Menschenrechte gelesen. Dieses Dokument allein würde genügen, um ein ganzes Pontifikat zu charakterisieren. Warum also so wenig über das zu sprechen, was ein Papst, der so viel redet, sagt? Jeder kennt sein Wesen, sein Temperament, seine Haltung und seine Manieren. Wer kennt schon seine Gedanken?

Tatsache ist, dass Johannes Paul II. in Paris seine Denkweise zu mehreren entscheidenden Fragen dargelegt hat. Und was er sagt, zeugt von einer tiefgründigen, logischen und einzigartigen Denk- und Handlungsweise. Alles lässt uns vermuten, dass er dies auch in Brasilien deutlich machen wird. Während ich mich darauf vorbereite, die 70 Reden zu studieren, die er hier möglicherweise halten wird, und die 30 lese, die er dort gehalten hat, reifen in mir als Katholik und Brasilianer einige Wünsche. Und es tauchen einige Bestürzungen auf.

Ich möchte zunächst von den Bestürzungen sprechen.

Ich denke an die Schwierigkeiten, mit denen unser verehrter Besucher konfrontiert sein wird, wenn er sich einen Überblick über die Realität und die Gegebenheiten unseres Landes verschaffen will – so reich an Nuancen und Vielfalt, aber so arm an Statistiken, informativen Dokumenten usw.

Ich stelle mir beispielsweise seine Bestürzung vor, wenn er, auf der Suche nach Informationen über das ländliche Brasilien, das Dokument „Kirche und Landprobleme“ liest – so schwülstig und doch so faktenarm, in dem die brasilianische Bischofskonferenz (CNBB) eine radikale Agrarreform fordert (und ein Stadtreformprojekt für 1981 andeutet). Was wird der Papst Konkretes und Dokumentiertes über die brasilianische Agrarrealität finden?

Nichts. Oder fast nichts.

Wenn er mehr als die aufrührerischen Gedichte von Dom Pedro Casaldáliga, Bischof von São Félix do Araguaia, zum Thema der indigenen Bevölkerung sucht, wird er viel finden?

Wird er bei einem Besuch in einer Favela in Rio de Janeiro erfahren, was bedauerlicherweise authentisch, aber auch oft illusionär in manchen Facetten des Lebens der Favela-Bewohner ist?

Kurz gesagt: Sind die Prämissen einer Argumentation unvollständig und mitunter nicht einmal objektiv, kann selbst der scharfsinnigste Denker daraus keine zutreffende Schlussfolgerung ziehen. Was wird Johannes Paul II. mit so wenigen, zudem oft umstrittenen Daten erreichen?

In Anbetracht dessen frage ich: Hat das Außenministerium dem Papst – in der nötigen Fülle und Ordnung – alle Informationen über unsere sozioökonomische Realität zur Verfügung gestellt? Und über das Ausmaß der Auswirkungen der kommunistischen Bedrohung, der religiösen und wirtschaftlichen Krisen, die das Land plagen? Haben unsere wichtigsten klassenbasierten Organisationen, ob privat oder öffentlich, dies getan?

Ich fürchte sehr, nein. Und diese Befürchtung beunruhigt mich. Hoffentlich ich irre mich …

Und aus dieser Beunruhigung gehe ich zu den Wünschen. In diesem Artikel, in dem ich etwas zu ausführlich darauf eingegangen bin, muss ich sie nun zusammenfassen. Wie heftig und intensiv ist sie! Würde ich sie mit einem Geysir vergleichen, würde die Metapher der Realität wohl nicht gerecht werden.

Bis heute hat die Weltkirche keine so schwere Krise erlebt wie die gegenwärtige. Diese Krise betrifft im Westen – selbst unter Nichtgläubigen – die unterschiedlichsten Bereiche des Geistes. Und sie ist daher weitaus gravierender als ein Atomkrieg, denn solange die Welt existiert, werden Katastrophen im Bereich des Geistes schwerwiegender sein als solche im Bereich der Materie. Und das ist nicht zu unterschätzen. Niemand kann garantieren, dass die Welt das 21. Jahrhundert erreichen wird, ohne einen nuklearen, chemischen und bakteriologischen Krieg erlebt zu haben.

Teils aus all dem, teils aus lokalen Gründen, gerät Brasilien seinerseits in eine Krise, die zur größten unserer Geschichte werden könnte. Eine Krise, die stark von wirtschaftlichen Faktoren beeinflusst wird, die aber nur durch kirchliche Subversion unüberwindbar gemacht werden kann.

Während die Kirche einen geheimnisvollen Prozess der „Selbstzerstörung“ durchläuft und der „Rauch Satans“ in ihr wohnt – diese Worte stammen von Paul VI. –, kommt dessen Nachfolger nach Brasilien. Doch welch ein Wunder! Mehr als je zuvor in der Geschichte erwartet ausnahmslos jeder in den unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten voller Hoffnung seine Worte.

Meine Sehnsucht bringe ich daher mit der Bitte des Hauptmanns im Evangelium zum Ausdruck: „… aber sprich nur ein Wort, und mein Land wird gerettet.“

                                    *     *    *

Donnerstag, 24. September 2026

Tränen, wunderbare Mahnung!

Plinio Correa de Oliveira
 6. August 1972

DER VORLIEGENDE Artikel von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira wurde am 6. August 1972 in der Tageszeitung „Folha de São Paulo“ veröffentlicht. Im September desselben Jahres wurde er auch in der brasilianischen Zeitschrift „Catolicismo“ Nr. 261, sowie in zahlreichen anderen brasilianischen und ausländischen Zeitungen wiedergegeben.

*   *   *

Am 21. Juli 1972 hat die „Folha de São Paulo“ eine Fotografie aus New Orleans, auf der das Bild Unserer Lieben Frau von Fatima Tränen weint, veröffentlicht. Das Dokument erweckte lebhaftes Interesse in der Öffentlichkeit von São Paulo. Deshalb nehme ich an, dass einige Informationen und berechtigte Fragen zu diesem Thema, die sich viele Menschen wahrscheinlich stellen, nützlich sein werden.



Ich kenne keine bessere Quelle für dieses Anliegen als einen Artikel, der den typisch amerikanischen Titel trägt: „Die Tränen benetzten meinen Finger“. Der Autor ist P. Elmo Romagosa. Sein Artikel erschien am 20. Juli 1972 im „Clarion Herald“, einer Wochenzeitung aus New Orleans, die in elf Pfarreien des Staates Louisiana vertrieben wird.

Die Vorgeschichte des Ereignisses ist allgemein bekannt. Im Jahr 1917 erlebten die portugiesischen Hirtenkinder Lucia, Jacinta und Francisco mehrere Erscheinungen Unserer Lieben Frau in Fatima. Die Authentizität dieser Erscheinungen wurde durch verschiedene übernatürliche Zeichen und ein Sonnenwunder bestätigt, das von einer großen Menschenmenge, die zugegen war, erlebt und bezeugt wurde, als die Jungfrau sich offenbarte...

Ohne in Einzelheiten einzugehen, sei hier kurz gesagt, dass Unsere Liebe Frau den Hirtenkindern den Auftrag gab, der Welt mitzuteilen, dass Sie über die Gewissenlosigkeit und Verderbtheit der Menschen sehr betrübt sei. Sollten sich diese nicht bessern, werde eine schreckliche Strafe über die Menschheit kommen, mehrere Nationen würden vernichtet werden. Russland werde überall seine Irrtümer verbreiten. Der Heilige Vater werde viel zu leiden haben.

Die Strafe würde nur dann abgewendet, wenn sich die Menschen bekehren, Russland und die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht würden und am ersten Samstag eines jeden Monats (mindestens fünf aufeinanderfolgende Monate) die Sühnekommunion gehalten würde.

Nun fragt man sich natürlich, ob diese Bitten erfüllt wurden.

Papst Pius XII. hat 1942 die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht. Schwester Lucia behauptet, dass diesem Akt gewisse von Unserer Lieben Frau geforderte Merkmale fehlten. Ich will hier nicht näher auf diese komplexe Frage eingehen, sondern lediglich festhalten, dass es für strittig gehalten wird, ob die zweite Bitte der Mutter Gottes tatsächlich erfüllt wurde.

Was die erste Bitte, nämlich die Bekehrung der Menschheit angeht, liegt es auf der Hand, dass sie nicht erfüllt worden ist. Deshalb halte ich es für überflüssig, diese Tatsache im Einzelnen darzulegen ...

Da Unsere Liebe Frau die Erfüllung Ihrer Bitten als Voraussetzung verlangt hat, um die von ihr angekündigten Strafen von der Menschheit abzuwenden, ergibt sich die logische Folge, dass der rächende und reinigende Zorn Gottes über die Menschheit kommen wird bevor wir die Bekehrung der Menschheit und die Errichtung des Reiches Mariens erleben werden.

Von den drei Seherkindern von Fatima lebt heute nur noch Lucia als Karmelitin in Coimbra. Unter ihrer Anleitung hat ein Künstler zwei Statuen aus Holz geschnitzt, die so gut wie möglich die Gesichtszüge Unserer Lieben Frau bei den Erscheinungen in Fatima wiedergeben sollen. Die beiden Wandermuttergottes- Statuen sind von Priestern und Laien überallhin auf der Welt gebracht worden. Eine davon hat neulich auch New Orleans erreicht und dort Tränen vergossen.

P. Romagosa, der Verfasser des von mir erwähnten Berichts, hatte über P. Joseph Breault M.A.P., dem die Betreuung der Statue anvertraut war, von dem Tränenereignis erfahren; es widerstrebte ihm jedoch, das Wunder anzuerkennen. Er bat deshalb den anderen Priester, ihm Bescheid zu geben, wenn das Phänomen sich wiederholen sollte.

Als nun P. Breault am 17. Juli in den Augen der Statue eine Feuchtigkeit bemerkte, rief er P. Romagosa an. Dieser kam um 21.30 Uhr mit Fotografen und Journalisten. Tatsächlich stellten sie in den Augen der Statue eine gewisse Feuchtigkeit fest und fotografierten das Geschehnis. P. Romagosa fuhr schließlich mit dem Finger über die feuchte Oberfläche und fing einen Tropfen der Feuchtigkeit auf, der ebenfalls fotografiert wurde. Nach P. Breault war dies bereits das 13. Mal, dass er Tränen an der Statue sah.

Um 6.15 Uhr des folgenden Morgens rief P. Breault erneut bei P. Romagosa an, um ihm mitzuteilen, dass die Statue seit 4.00 Uhr morgens weine. Kurz darauf war P. Ramagosa zur Stelle und sah „eine große Menge Flüssigkeit in den Augen der Statue und einen großen Tropfen an der Nasenspitze derselben“. Es war dieser zierlich hängende Tropfen, den die von der Presse veröffentlichte Fotografie den Lesern zeigte.

P. Romagosa fügt hinzu, dass er „die Bewegung der Flüssigkeit“ beobachten konnte, „während sie langsam aus dem unteren Augenlid hervortrat“.

Er wollte jedoch alle Zweifel beseitigen. Da er gesehen hatte, dass die Statue eine Krone auf dem Haupt trug, die mit einer Stange aus Metall befestigt war, kam ihm der Gedanke, dass in die Öffnung, in der die Stange steckte, vielleicht eine gewisse Flüssigkeitsmenge eingeführt worden sein könnte, die dann zu den Augen gelaufen wäre.

Als die Tränen aufgehört hatten zu fließen, nahm P. Romagosa die Krone vom Haupt der Statue: Der metallene Stift war vollkommen trocken. Dann führte er in die Öffnung einen Draht ein, der mit einem Spezialpapier umgeben war, das unbedingt jede Flüssigkeit aufgesogen hätte, die sich dort etwa befunden hätte. Das Papier kam jedoch völlig trocken heraus.

Noch nicht zufrieden mit diesem Versuch, schüttete er nun eine gewisse Menge Flüssigkeit in die Öffnung, doch die Augen blieben völlig trocken. P. Romagosa drehte nun die Statue mit dem Kopf nach unten, und die ganze in die Öffnung geschüttete Flüssigkeit lief normal wieder heraus. Damit war bewiesen, dass von der Öffnung am Kopf, übrigens der einzigen an der Statue, keine Flüssigkeitsinfiltrierung zu den Augen möglich war.

Da kniete P. Romagosa nieder, denn jetzt glaubte auch er.

Die geheimnisvollen Tränen zeigen uns eine über die heutige Welt weinende Jungfrau von Fatima, wie einst unser Herr Jesus Christus über Jerusalem geweint hat. Es sind Tränen liebevollster Zuneigung, Tränen tiefsten Schmerzes in Voraussicht der kommenden Strafe.

Und sie wird noch über die Menschen des 20. Jahrhunderts hereinbrechen, wenn sie nicht von Gewissenlosigkeit und Verderbtheit Abstand nehmen. Vor allem, wenn sie nicht gegen die Selbstzerstörung der Kirche angehen, gegen diesen Rauch Satans, der nach den Worten Papst Pauls VI. in den heiligen Raum eingedrungen ist.

Noch ist es also Zeit, die Strafe abzuwenden, lieber Leser, liebe Leserin.

Mancher wird nun sagen, dass dies aber keine, zu einem geruhsamen Sonntag passende Betrachtung sei. Aber, ist es nicht vorzuziehen, frage ich meinerseits, heute diesen Artikel über die sanfte Offenbarung der prophetischen Traurigkeit unserer Mutter zu lesen, als die Tage tragischer Bitternis zu  ertragen, die über uns kommen werden, wenn wir uns nicht bessern?

Wenn diese Tage kommen, bin ich sicher, dass es  wenigstens ein besonderes Erbarmen für jene Menschen geben wird, die in ihrem persönlichen Leben die wunderbare Warnung Mariens ernst genommen haben.

Damit meinen Leserinnen und Lesern diese Barmherzigkeit zuteil werden kann, biete ich ihnen diesen Artikel an.




Aus dem portugiesischen von „Lágrimas milagroso aviso“.

Die deutsche Fassung dieses Artikels „Tränen, wunderbare Mahnung“ ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

 


Freitag, 18. September 2026

Blitz, Glühwürmchen, Stille

Plinio Corrêa de Oliveira

Folha de S. Paulo 29.12.1979 


   Der Himmel war so bedeckt, so dunkel, dass niemand auf der Erde verstand, wie es sein konnte, dass sich die Wolken bei einem weltweiten Sturm lösten. Die meteorologische Krise lag auf mysteriöse Weise auf Eis. Und diese stabile Instabilität hielt schon so lange an, dass sich im Bewusstsein oder Unterbewusstsein der Menschen der Eindruck bildete, dass die Atmosphäre, erschöpft durch endlose Jahrhunderte von Mutationen und unzählige Verschmutzungen, aufgehört hätte, sich zu verändern.

Plötzlich zuckte ein Blitz. Sein Widerhall prallte von einem Ende zum anderen des Himmels. Auf der Erde warteten einige Zuschauer, die nicht in der allgemeinen Schläfrigkeit versunken waren, auf die Konsequenzen. In der dunklen Lethargie aller Seelen und aller Dinge zeichnete ein Glühwürmchen ohne genaue Richtung einen kurzen Flug in der Luft nach. Und sonst ist nichts passiert. Nicht einmal ein neuer Blitz kam aus den Wolken. Kein Vogel, kein Frosch, keine Schlange bewegte sich auf der Erde. Zumindest für den Moment.

Ich versuche zu beschreiben, wie ich mich über die Veröffentlichung des Briefes gefühlt habe den Don Luciano Duarte, Erzbischof von Aracaju und Vizepräsident des höchsten Gremiums des lateinamerikanischen Episkopats, Celam, an Don Ivo Lorscheiter, Bischof von Santa Maria und Präsident des höchsten Gremiums des brasilianischen Episkopats, nämlich der CNBB geschickt hat. Es war ein Blitz am verschmutzten und bleiernen Himmel im brasilianischen religiösen Leben. Tage später erschien eine Erklärung von Don Luciano Mendes de Almeida, Weihbischof von São Paulo und Generalsekretär der CNBB, die wie ein Glühwürmchen durch die Presse blinkte (und warum nicht signiert von D. Ivo Lorscheiter, dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz?). Ein kurzer Text, von kleiner Tragweite und ungenauer Richtung. Und dann hörte alles auf. Wird es weiterhin still bleiben? Bis wann?

In dieser Unsicherheit kann ich nicht anders, als meine Gedanken auszudrücken.

Laut Vieira ist „Nein“ das Wort, das am schwersten zu sagen ist. In Gegensatz ist das dankbarste Wort „Ja“. Ich sage gerne ja. Ich sehne mich nach Ja zu sagen, zuzustimmen, zu applaudieren. Deshalb verspürte ich, als ich den Brief des Erzbischofs von Aracaju las, den Drang, ihn anzurufen oder ihm zu schreiben und „Ja“ zu sagen. Um ihm meine Solidarität zu bekunden. Und das, obwohl mich auf der doktrinären Ebene ein wichtiger Abschnitt seines Briefes mich einigermaßen verwirrte. Und wenn es für mich angenehm ist, „Ja“ zu sagen, ist es für mich eine Freude, es einem Mitglied der Heiligen Hierarchie zu sagen.

Aber der gesunde Menschenverstand zwang mich zum Schweigen. Ich kenne, Don Luciano Duarte, nur dem Namen nach. Wird er mich wenigstens nach meinem Namen kennen? Wird er das, was ich inmitten dieser mephitischen Atmosphäre gesagt und getan habe, gutheißen? Auf diese Fragen habe ich keine Antwort. Würde sich der Prälat dann über meine Glückwünsche freuen? Dass weiß ich auch nicht. Schweigen ist Gold...

Allerdings nicht immer. Denn manchmal ist Reden Mut und Schweigen Feigheit. Und das schwere Schweigen, in das die Dinge offenbar wieder versunken sind, könnte den Eindruck erwecken, dass dies auf eine ansteckende allgemeine Lethargie oder eine niedere opportunistische Berechnung zurückzuführen ist, die ich hier auslasse. Doch hat mich die allgemeine Lethargie nicht angesteckt, ich fürchte mich nicht außer vor Gott, und ich war nie ein Opportunist. Ich spreche also.

All das kam mir in den Sinn, als ich die Erklärung des Bischof Don Luciano aus São Paulo las, der versuchte, dem Erzbischof Don Luciano von Aracajú eine Antwort zu geben. Diese amtliche Meldung führte dazu, dass die Situation, wenn sie vor dem „Blitz“ Brief des Vizepräsidenten von Celam unverständlich war, rätselhafter wird als die Sphinx von Gizeh, wenn nach der Glühwürmchen-Erklärung(?...) des Generalsekretärs der CNBB alles zum Stillstand kommt. Und wenn dieses Schweigen anhält, wird es die Notwendigkeit einer öffentlichen und feierlichen Klarstellung seitens João Paulo II. schaffen während seines Besuchs, mit dem er Brasilien ehren wird. Ohne das, was bleibt, werden wir, die brasilianischen Katholiken, in einer Nacht leben, die so tiefgreifend, so mephitisch, so tödlich ist, dass ich mir, schlimmer noch, fast nur die letzte Nacht der Geschichte vor dem Ende der Welt vorstellen kann.

Übertreibung? — Betrachten wir die Fakten.

Die große Hoffnung der Kirche für das 21. Jahrhundert ist Lateinamerika, das heißt diese Unermesslichkeit an Menschen, Land und Reichtum, die sich vom Norden Mexikos bis zu den eisigen Extremen Patagoniens erstreckt. Alles dort ist katholisch, zumindest dem Namen und der Absicht nach. Das 21. Jahrhundert wird uns gehören, wie das 20. Jahrhundert den Vereinigten Staaten und das 19. Jahrhundert dem kolonialistischen Europa gehörte.

1979 wurde dieser „Psychokontinent“ vom neuen Papst besucht. Er trifft sich mit den Vertretern der Episkopate der 22 lateinamerikanischen Nationen und gibt ihnen inmitten von Gruß- und Zuneigungsworten eine sehr ernste Warnung: Die Befreiungstheologie ist ein Krebsgeschwür, das sich in den Eingeweiden der iberoamerikanischen Katholizität eingenistet hat. Und wie jeder Krebs legt er nach und nach Metastasen.

Die neue Schule bestreitet sogar die Göttlichkeit Jesu Christi. Verbreitet Subversion. Selbst von Geistlichen propagiert, prägt sie so weit wie möglich einen pastoralen Ansatz ein, der darauf abzielt, das Handeln der Kirche zu säkularisieren und das in den Hintergrund zu drängen, was auf der ersten Ebene stehen sollte, nämlich die Katechese, die moralische Bildung des christlichen Volkes, die Verteilung der Sakramente, kurz gesagt, das Heil der Seelen. Im Vordergrund steht der vom Marxismus gewollte Klassenkampf. Der Papst empfiehlt den Bischöfen, Maßnahmen zu ergreifen. Dann passieren einige Fakten:

a) Am 1. Februar 1979 kehrte Johannes Paul II. nach Rom zurück. Bei ihrem Treffen in Puebla erarbeiten die Bischöfe ein gemeinsames Dokument und legen es dem Papst vor. Nachdem dies geschehen war, schlossen sie ihre Sitzung am 13. Februar;

b) Vom 27. bis 31. März treffen sich autorisierte Vertreter der Bischöfe in Los Teques, Venezuela, um sich über den von Rom zurückgegebenen Text zu informieren. Dabei gibt es gewisse Änderungen. Selbstverständlich akzeptiert Celam den geänderten Text;

c) CNBB wird damit beauftragt, den Text aus Rom in einer einwandfreien einheimischen Übersetzung zu veröffentlichen. Für diese Verbreitung sind drei Verlage verantwortlich, denen es jedoch freisteht, dem vom Papst gebilligten Text beliebige Kommentare voranzustellen:

d) Die dem Buch beigefügten Kommentare von zwei Herausgebern interpretieren (und kritisieren) den Text auf eine Weise, die so weit wie möglich mit der gleichen Befreiungstheologie spielt, die Johannes Paul II. scharf getadelt hat. Sechs Monate lang fliegen diese Ausgaben durch ganz Brasilien. Und niemand bewegt sich. Die verschlafene und verschmutzte Atmosphäre lastet mehr denn je auf Brasilien.

 

 

 

Donnerstag, 17. September 2026

Der Wert des Leidens

Plinio Correa de Oliveira

 


Ich begann den Wert des Leidens zu begreifen, den ich zuvor nicht verstanden hatte. Jeder ist entsetzt über das Leiden; die Menschen fliehen davor; und ich begann zu verstehen, dass der Einfluss der Kirche nur so lange in den Seelen wirkte, wie sie zu leiden wussten. Leiden ist für die Seele in etwa wie Feuer für eine Flüssigkeit, die gereinigt werden muss, wie Metall, das vom Erz getrennt werden muss: Sie leidet, aber sie leidet mit Ergebung, mit Würde. Das schenkt der Seele eine Ruhe, eine Harmonie, eine Stärke, die kein Vergnügen aufwiegen kann. Welch ein Wohlgefühl christlichen Leidens!




Manchmal stand ich vor Kruzifixen, vor Bildern des Herrn Jesus, und beim Anblick dieser Bilder dachte ich: Es ist geheimnisvoll! Er ist von Schmerz gezeichnet, aber ich erkenne in ihm eine Ausgewogenheit, eine Stärke, eine Geschlossenheit, eine Ergebung, die mich sagen lässt: Nie war ein Mensch so beneidenswert wie der Gottmensch in der Tiefe seines Leids. Es ist daher notwendig, den Mut zu haben, das Meer des Schmerzes zu durchdringen und ihn zu ertragen. Wenn etwas aus Liebe zu Gott getan wird, durchdringt uns eine besondere Süße, wohnt in uns, ist einzigartig und gehört zum Wohlbefinden eines Kindes der Kirche und eines Gegenrevolutionärs.

 

(Keine Angaben über Ort und Anlass des Textes)

Mittwoch, 16. September 2026

Revolution und Gegenrevolution: Der Schlüssel zum Verständnis der Krise der christlichen Zivilisation

Plinio Corrêa de Oliveiras Gedanken zur Analyse der Revolution, 

zur Wiederherstellung der christlichen Ordnung 

und der Aufruf zum katholischen Engagement.



In einer Zeit tiefgreifender kultureller, sozialer und religiöser Umbrüche präsentiert sich Plinio Corrêa de Oliveiras „Revolution und Konterrevolution“ als ein Werk von besonderem Interesse für all jene, die die Krise der christlichen Zivilisation aus einer dezidiert organisch-katholischen Perspektive verstehen möchten.

Der erstmals 1959 veröffentlichte und später vom Autor erweiterte Essay beschränkt sich nicht auf die Rekonstruktion einer Abfolge historischer Ereignisse. Corrêa de Oliveira schlägt vielmehr einen allgemeinen Deutungsschlüssel vor, demzufolge einige bedeutende Veränderungen der modernen und zeitgenössischen Geschichte einem einzigen revolutionären Prozess zugeschrieben werden können, der durch die fortschreitende Infragestellung der christlichen Ordnung gekennzeichnet ist.

Ungeachtet dessen, ob alle Thesen geteilt werden oder nicht, besitzt das Werk eine bemerkenswerte provokative Kraft: Es lädt den Leser ein, die kulturellen und spirituellen Wurzeln der Umwälzungen im Westen und die Rolle der Katholiken angesichts dieser Umwälzungen zu hinterfragen.

1. Die Revolution als historischer und spiritueller Prozess

Ein zentrales Element des Werkes ist die Definition der Revolution nicht als einzelnes politisches Ereignis, sondern als ein fortwährender Prozess, der – so der Autor – eine eigene innere Kohärenz besitzt.

Dr. Plinio (wie er von Freunden und Schülern genannt wurde) identifiziert Stolz und Sinnlichkeit als die beiden grundlegenden Leidenschaften, die dem revolutionären Geist zugrunde liegen. Stolz verleitet den Menschen dazu, jede Form von Überlegenheit, Hierarchie und Autorität abzulehnen; Sinnlichkeit hingegen verleitet ihn dazu, die Grenzen von Moral und Disziplin zu verwerfen.

Auf dieser Grundlage interpretiert der Autor bedeutende Abschnitte der westlichen Geschichte – von der protestantischen Pseudo-Reformation bis zur Französischen Revolution und die Ausbreitung des Kommunismus– als verschiedene Momente desselben Prozesses der fortschreitenden Abkehr von der christlichen Ordnung.

In der weiteren Ausarbeitung des Buches dehnt Corrêa de Oliveira diese Lesart auch auf zeitgenössische Phänomene aus, die er als Ausdruck der „Vierten Revolution“ definiert. Diese ist in seiner Interpretation durch die Ablehnung hierarchischer Strukturen und die Auflösung traditioneller Formen von Autorität, Familie und Gesellschaft gekennzeichnet.

Genau diese einheitliche Geschichtsauffassung stellt einen der charakteristischsten – und meistdiskutierten – Aspekte des Werkes dar.

2. Die Gegenrevolution als Wiederherstellung der Ordnung

Nach Ansicht des Autors entspricht die Diagnose der Revolution dem Vorschlag der Gegenrevolution.

Der Begriff bezeichnet nicht einfach eine politische Reaktion oder die Verteidigung einer bestimmten Gesellschaftsordnung. Für Corrêa de Oliveira bezeichnet Ordnung vor allem eine Bewegung zur Wiederherstellung der Ordnung im christlichen und moralischen Sinne.

Ordnung ist aus seiner Sicht nicht gleichzusetzen mit bloßer sozialer Stabilität. Sie ist eine tiefere Wirklichkeit, die auf der Anerkennung der Souveränität Gottes, des Sittengesetzes und der Harmonie zwischen den verschiedenen Teilen der Gesellschaft beruht. Das historische Vorbild, das er betrachtet, ist vor allem die mittelalterliche christliche Zivilisation, die als einer der vollständigsten Ausdrucksformen des Einflusses des Evangeliums auf das öffentliche Leben gilt. Daraus resultiert ein anspruchsvolles Verständnis der katholischen Berufung: Der Glaube soll nicht auf den privaten Bereich beschränkt bleiben, sondern auch Kultur, Familie, Institutionen und das gesellschaftliche Leben prägen.

3. Das Problem der Neutralität

Eine der radikalsten Konsequenzen von Corrêa de Oliveiras Perspektive betrifft die Frage der Neutralität.

Angesichts des Konflikts zwischen dem christlichen Ordnungsbegriff und dem revolutionären Geist reiche es laut dem Autor nicht aus, eine allgemein gemäßigte Position einzunehmen. Daher warnt er auch vor der Gefahr des sogenannten „Halb-Gegenrevolutionärs“: jemand, der zwar einige Aspekte der christlichen Ordnung anerkennt, aber in seiner eigenen Denkweise oder seinem Verhalten Elemente beibehält, die sich auf den Geist zurückführen lassen, den er zu bekämpfen gedenkt.

Die Gegenrevolution wird daher in erster Linie als innere Transformation verstanden. Sie kann nicht bloß ein Kampf der Ideen oder ein politisches Projekt sein: Sie erfordert, so der Autor, eine intellektuelle und spirituelle Bildung, die die eigene Mentalität beeinflussen kann.

Dies ist eine der Passagen, in denen das Buch seinen Charakter als Manifest – neben seiner Funktion als historischer und soziologischer Essay – am deutlichsten zeigt.

4. Die Krise der Kirche und katholische Urteilsbildung

Die von Corrêa de Oliveira vorgeschlagene Lesart gewinnt für seine Anhänger besondere Relevanz im Hinblick auf die innere Krise der katholischen Welt.

Der Autor betont nämlich, dass der revolutionäre Geist nicht nur außerhalb der Kirche wirkt, sondern auch die Mentalität ihrer eigenen Mitglieder durchdringen kann. Daher ist eine sorgfältige Unterscheidung der kulturellen und theologischen Strömungen notwendig, die nach dieser Perspektive die katholische Lehre, Disziplin und Identität zu schwächen drohen.

Begriffe wie die „lächelnde Revolution“ und die vom Autor beschriebene psychologische Kriegsführung dienen genau dazu, Formen des Wandels aufzuzeigen, die sich nicht zwangsläufig aggressiv oder offen antichristlich äußern, sondern durch die fortschreitende Transformation von Mentalitäten wirken können.

Auch in diesem Bereich regt das Buch weiterhin Diskussionen an: Seine Interpretation der kirchlichen Krise ist stark kämpferisch und setzt ein präzises Verständnis von Tradition, Autorität und Sendung der Kirche voraus.

5. Von der Diagnose zur Hoffnung

Trotz der dramatischen Natur der Diagnose endet „Revolution und Gegenrevolution“ nicht mit einer pessimistischen Geschichtsbetrachtung.

Die Hoffnung des Autors ist vor allem eine übernatürliche Hoffnung. Die Gegenrevolution gründet sich seiner Ansicht nach nicht allein auf menschliche Fähigkeiten, sondern auf die Gewissheit, dass die Kirche einer göttlichen Vorsehung angehört, die keine historische Krise endgültig auslöschen kann.

In diesem Licht gewinnt der Bezug zu Fatima besondere Bedeutung. Die Verheißung des Triumphes des Unbefleckten Herzens Mariens wird für den Katholiken, der Corrêa de Oliveiras Vision teilt, zum Grund der Hoffnung und zugleich zur Aufforderung, Verantwortung zu übernehmen.

Der kulturelle und spirituelle Kampf wird daher nicht als bloßer politischer Kampf dargestellt: Er ist Teil einer umfassenderen Berufung zur Treue gegenüber der Kirche und zur sozialen Herrschaft Christi.

Eine nach wie vor anregende Lektüre

Der Wert von „Revolution und Gegenrevolution“ liegt nicht zwangsläufig darin, dass jede historische Interpretation vorbehaltlos akzeptiert werden muss. Sein Reiz liegt auch in seiner Fähigkeit, eine umfassende und kohärente Sicht der Geschichte zu entwerfen und den Leser mit zentralen Fragen zu konfrontieren: Welches Verhältnis sollte zwischen Glauben und Gesellschaft bestehen? Was sind die kulturellen Wurzeln der Säkularisierung? Was bedeutet es konkret, eine christliche Ordnung zu verteidigen? Und welche Verantwortung trägt der Gläubige angesichts der Umbrüche seiner Zeit?

Für den Katholiken, der die Annahmen des Autors teilt, kann das Buch weit mehr als eine historische Lektüre sein: Es kann ein Instrument der Glaubensbildung und ein Aufruf zum Engagement sein.

„Revolution und Gegenrevolution“ aus dieser Perspektive zu lesen bedeutet, eingeladen zu sein, eine rein passive Haltung angesichts der Umbrüche in der Welt zu überwinden und sich wieder bewusst zu machen, dass der Glaube auch eine kulturelle und soziale Dimension hat.

Genau diese Herausforderung hat unser geliebter Dr. Plinio ins Leben gerufen: die Dynamik der Krise zu verstehen, die ihr zugrunde liegenden Ideen zu erkennen und vor allem uns zu fragen, welchen Beitrag jeder Katholik zur Verteidigung und Erneuerung der christlichen Zivilisation leisten kann.

Für all jene, die ihr Verständnis des Verhältnisses von Glaube, Kultur und Geschichte im Westen aus traditionell katholischer Perspektive vertiefen möchten, ist „Revolution und Gegenrevolution“ auch Jahrzehnte nach seiner Erstveröffentlichung noch immer ein Buch, das provoziert, spaltet und vor allem zum Nachdenken anregt.


 

Aus dem Italienischen in

https://cristianesimocattolico.wordpress.com/2026/08/11/rivoluzione-e-contro-rivoluzione-chiave-di-lettura-della-crisi-della-civilta-cristiana/