Posts mit dem Label Kreuzweg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kreuzweg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 14. April 2025

Der Kreuzweg: XII. Station




Plinio Corrêa de Oliveira

O Legionário vom 10. April 1938

Nachdem ich die erschöpfenden Aufgaben eines ganzen Tages voller Kampf und Arbeit erledigt hatte, beschloss ich, einer Anbetungsandacht des Allerheiligsten beizuwohnen. Ich hatte noch eine ganze Stunde vor mir. Aber ich beschloss, so schnell wie möglich zur Kirche zu gehen und dort auf den Beginn der liturgischen Feierlichkeiten zu warten.

Ich ging hinein. Die Umgebung entsprach genau meinen Erwartungen. Zwei blasse elektrische Lampen, die in einem Seitenschiff brannten, verbreiteten ein ungleichmäßiges und launisches Licht über den riesigen Körper des Tempels, das die unerwarteten Schatten der dicken Säulen des Gebäudes auf dem Steinboden und den schlicht dekorierten Wänden zeichnete. Von der Straße aus warfen die Straßenlaternen gerade genug Licht auf die Fenster, um die Rubine und Saphire in den Buntglasverglasungen zum Leuchten zu bringen, ohne jedoch die erhabene Dunkelheit der Kirche zu beeinträchtigen. Das Hupen der Autos, die Stimmen der Kinder, die die Zeitungen zum Verkauf anboten, der wirre Lärm des Verkehrs, all das Stöhnen der Großstadt, die sich bereits in den letzten Stunden des Tages unter der Last der fast erledigten täglichen Aufgaben beugte, hallte im Inneren der Kirche wider, veredelt durch die magischen und verwandelnden Kunstgriffe eines Echos, das ihm eine ernste Note des Übernatürlichen verlieh.

Ich dachte, ich wäre allein, aber nach einer Weile bemerkte ich, dass jemand im rechten Kirchenschiff den Kreuzweg beendete. Und ich bemerkte auch, dass es ein junger katholischer Journalist und damit ein Kollege von mir war.

Er kam immer näher und erreichte die 12. Station, wo ich am Fuße eines Kruzifixes sein leises Gebet hörte. Hier ist es:

„Hier bin ich, Herr, an der Station, wo wir deinen Tod am Kreuz betrachten.

„Dies ist die Station, in der die Fülle Deiner Liebe gedacht wird. In dieser Station führten Hass und Bosheit das schreckliche Verbrechen, das im Sanhedrin geplant und durch die Feigheit von Caesars Statthalter vollendet worden war, zu Ende ging und die größte Monstrosität, zu der die Menschheit fähig war begangen wurde.

„Selbst leblose Wesen wurden von Entsetzen erschüttert. Die Sonne verfinsterte sich. Der Vorhang des Tempels zerriss. Die Eingeweide der Erde stöhnten und erschütterten die Welt mit einem fieberhaften Erdbeben. Selbst die Gräber spalteten ihre jahrhundertealten Platten, und die Leichen der Toten, die vielleicht seit Jahrtausenden schliefen, wurden aus ihrem Schlaf gerissen und durchquerten Jerusalem voller Schreck, denn selbst die Gerechten erhoben sich unter furchtbarem Protest aus ihren Grabstätten.

„Und doch gab es Menschenherzen, die nicht rührten.

„Genau diese Stunde des Schmerzes und der völligen Verlassenheit hast Du für größten erweise Deiner Barmherzigkeit erwählt.

Und Deine Liebe, die in einem Wunder der Nächstenliebe die erlesenste menschliche Bosheit besiegte, breitete sich dann unwiderstehlich über diejenigen aus, die Dich am meisten hassten.

Mit zärtlichem Blick hast du einen Dieb besiegt, der als gut galt, nicht so sehr wegen seiner Güte als wegen Deiner. In der Ferne suchte Deine Gnade die untreuen Freunde, die Dich gnadenlos den Henkern ausgeliefert hatten, den feigen Statthalter, der Dich der Wut der kriminellen Menge ausgeliefert hatte, den treulosen Sanhedrin, der deinen Tod geplant hatte, und, Herr, mehr noch, während du die Qualen deines Leidens erlittest, suchte deine Gnade ein letztes Mal den Sohn des Verderbens, der dich mit einem Kuss verraten hatte!

„Deshalb, Herr, werde ich in dieser Station nicht für mich selbst beten, noch für die, die ich liebe, und auch nicht für die, die Dich lieben.

„Erlaube mir, Herr, Dich um Gnade für diejenigen zu bitten, die Dich am meisten beleidigen.

„Schau nicht auf den Hass, der ihre Herzen erfüllt. Schau stattdessen auf die Liebe, die Deine Gnade in die Herzen der Gerechten gießt, die Liebe, die Deine Gnade in ihnen für die Verfolger Deiner Heiligen Kirche weckt.

„Du, Herr, der Du meine Nieren und mein Herz durchforschst, hast unzählige Male die Sünde und das Elend in mir gesehen. Aber du hast auch gesehen, dass ich nie, an keinem einzigen Tag meines Lebens, aufgehört habe, deine Feinde zu lieben, diese erbitterten Feinde, die sich, rasend vor Hass auf dich, auch mir, deinem Diener, zuwandten und mir das Böse antun wollten, das sie Dir antun würden, wenn sie könnten.

„Du weißt, Herr, mit welcher Inbrunst ich ihnen alles Gute gewünscht und mit welcher Liebe ich mir stets ihre Bekehrung gewünscht habe. Wenn ich sie verletzt habe, geschah es, um sie zu heilen. Wenn ich sie verärgert habe, geschah es, um sie zu retten; wenn ich sie getadelt habe, geschah es, um sie wiederzubeleben. Doch sie haben mir Gutes mit Bösem vergolten. Doch du weißt, dass ich nicht aufgehört habe und nicht aufhören werde, sie zu lieben und ihnen Gutes zu tun, selbst wenn ich mein Leben riskiere.

„Sieh, Herr, auf die Genugtuungen, die in deinem Namen die heiligen Jungfrauen und die Gottgeweihten Männer in den Klöstern darbieten. Schau dir die Gebete der Heiligen an, die im Himmel von der Wonne Deiner ewigen Liebe berauscht werden. Schau, Herr, auf das Herz Deiner Heiligsten Mutter, dieses Meisterwerk Deiner Macht und Deiner Barmherzigkeit, das, neben Dir im Reich der Herrlichkeit, nicht aufhört, für Deine Feinde zu beten, mit einer Liebe, die umso eindringlicher ist, je weiter sie sich von Dir entfernen.

„Aber, Herr, noch mehr! Schau auf Dich selbst, schau auf das kostbare Blut, mit dem Du die Straßen des sündigen Jerusalems gesalbt hast und das Du heute im erhabenen Opfer unserer Altäre darbringst. Herr, rette durch Dein eigenes Blut Deine Feinde!

„Sieh, Herr, auf jene, die sich unterwürfig niederwerfen und menschliche Götzen anbeten, obwohl Du allein Gott bist. Sieh auf die Menschen voller Stolz, die Deine Altäre zerstören wollen, um der Menschheit die Anbetung Deiner Geschöpfe aufzuzwingen, die Deinen Namen lästern und Dein Gesetz mit Füßen treten.

„Schau, Herr, auf jene, die behaupten, es gäbe keinen Gott, die Zerstörung der Familie und die Untergrabung aller göttlichen und menschlichen Institutionen predigen und die durch Demagogie in den Wahnsinn getriebenen Massen mit teuflischer Wut erfüllen.

„Schau, o Herr, auf diejenigen, die durch Häresie oder Schisma von Dir getrennt sind; schau auch auf jene unglücklichen Katholiken, die zum Leib der Kirche gehören, in denen Deine Gnade aber nicht mehr herrscht. Schau besonders auf diejenigen, die Dir dienen wollen, indem sie sich selbst dienen, und die ihre Augen vor dem katholischen Sinn verschließen und nach den Lehren suchen, die ihren Ambitionen am meisten entsprechen, anstatt nach denen zu suchen, die am besten mit dem Gedankengut Deines Stellvertreters auf Erden übereinstimmen.

„Herr, möge Deine Barmherzigkeit auch die Gefängnisse derer durchdringen, die in Brasilien eingesperrt sind, weil sie 1935 den Verrat begingen, gegen Dich zu den Waffen zu greifen und mitten in der Nacht zu morden und zu rebellieren. Und möge Deine Gnade ihnen dort jene Worte des ewigen Lebens zusprechen, mit denen Du die Samariterin bekehrtest, Maria Magdalena verwandeltest und das wilde Herz des reuigen Diebes, der an Deiner Seite starb, sanftmütig wie ein Lamm machtest...“

Plötzlich durchbrach ein Glockenschlag die Stille und die Kirche wurde mit Lichtern erfüllt.

Überrascht stand mein Kollege abrupt auf und absolvierte eilig die letzten Stationen.

 

 

 

Aus dem portugiesischen von „XII Estação“ in „Legionário“ vom 10. April 1938.

Die deutsche Fassung dieses Artikels „XII. Station“ ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.



Freitag, 7. Februar 2020

Drei Grade der Erschöpfung



Von Plinio Corrêa de Oliveira
Ich bin kein Exeget. Aber man versucht natürlich, ein wenig über Dinge nachzudenken, und wir wissen, dass im Neuen oder Alten Testament nichts ohne Grund passiert und deshalb steht es im Einklang mit den guten Gesetzen der Exegese, dass man sich zu dem dreimaligen Fallen Unseres Herrn auf dem Kreuzweg fragen kann, warum ist Jesus dreimal gefallen?
Es hätten ja auch fünfmal sein können, wie zum Beispiel könnte ein Klempner, der ein schweres Rohr auf der Straße trägt, fünfmal fällt, einmal, weil er über einen Stein stolperte, dann weil er wirklich müde war, das dritte Mal, weil er faul war, das andere Mal, u.s.w. ... also wegen etwas ganz Zufälliges.
Da aber Unser Herr dreimal fiel, entspricht diese Nummer drei vielen hohen Überlegungen, über die Erschöpfung, das Leiden und die Nummer drei, absolut verstanden.
Man kann daher fragen, ob wir, die wir sooft unter der Last der Müdigkeit und Erschöpfung gelitten haben, etwas daraus entnehmen können, dass die Erschöpfung des Kreuztragenden Jesus Christus durch drei Fälle zum Ausdruck kam.
Ich gebe keine exegetische Antwort, ich gebe die Antwort eines Menschen mit gesundem Menschenverstand, der versucht, diese Frage mit allgemeien Überlegungen zu beantworten.
Nicht gerechtfertigte Erschöpfung und gerechtfertigte Erschöpfung
In Wirklichkeit gibt es zwei Formen von Erschöpfung: Es gibt eine nicht gerechtfertigte Erschöpfung - und diese hatte Unser Herr nicht - und dann gibt es eine gerechtfertigte Erschöpfung - und diese hatte Unser Herr.
Unzulässige Müdigkeit entsteht aus Mangel an Großzügigkeit, mit der ein Mensch, der Gott nicht liebt, eine Last trägt, die er tragen sollte aber nicht tragen will. Das nennt die Person dann Erschöpfung; es ist die Erschöpfung der Faulen.
Zum Beispiel, jemand der sich angewöhnt hat jede Nacht neun Stunden zu schlaffen, morgens müde aufwacht und den ganzen Tag in Müdigkeit verbringt, das ist die Müdigkeit des Faulen. Klar, dass Unser Herr nicht diese Art von Erschöpfung hatte, aus dem einsichtigen Grund, dass Er die Vollkommenheit selbst war.
Der erste Grad der Erschöpfung

Aber es gibt auch die Erschöpfung des aktiven Menschen, die Erschöpfung des fleißigen Menschen, der drei verschiedene Grade entsprechen. Dies sagt uns die allgemeine Erfahrung. Diese drei Grade der Intensität, sind die Grade der Anstrengung und der menschlichen Ausdauer, um die notwendigen Anstrengungen zu unternehmen; diese drei Grade stehen wahrscheinlich im Zusammenhang mit den dreimaligen Fallen unseres Herrn.
Der erste Grad der Erschöpfung tritt auf, wenn eine Person eine Last trägt, zu einem bestimmten Zeitpunkt ankommt, wo sie spürt, dass alle gemeinen Energien, die sie hatte, erschöpft sind, und sie fällt dann unter die Schwere der Last.
Wenn der Mensch unter die Last fällt und nicht mehr weiter kann, erholt er sich nicht nur ein wenig von der Erschöpfung, sondern es gibt eine Art zweite Bewegung der Seele, durch eine bewundernswerte Macht über den Körper, durch der sie alle seine latenten Energien mobilisiert die er im gewöhnlichen Leben nicht benutzt, und er erhebt sich wieder.
In der Zeit, in der er im ersten Fall liegt, macht der Mensch diese Überlegung: „Was für ein schweres Gewicht! Furchtbar! Ich schaffe es nicht, aber es muss sein, und ich möchte unbedingt diese Last, diese Mühe, diesen Akt der Hingabe, möchte ich bis zum letzten Punkt bringen“.
Dann sagt er: „Aber habe ich keinen Grund in mir, um neuen Mut zu fassen, einen neuen Aufschwung, in dem ich aus meinem Inneren ungeahnte Energien schöpfe, um das auszuführen, was ich mir vorgenommen habe?“ Doch! Und dann kommt eine Art zweite Mobilisierung aller Energien der Seele und es geht vorwärts bis zu einem neuen Schlag: es ist der zweite Grad der Erschöpfung.
Der zweite Grad der Erschöpfung

Im zweiten Grad der Erschöpfung reflektiert die Seele: „Ich habe alles mobilisiert, was ich hatte; ich habe alles getan, was ich konnte und siehe, ich bin gefallen, gebeugt unter dem Gewicht dieses Schmerzes. Meine Energien werden mehr ausgegeben als im ersten Fall; ich habe aus mir herausgeholt, was ich mir nicht vorgestellt habe, aber ich möchte weitermachen, ich möchte nicht aufhören.“
Ich meditiere noch einmal: „Wie edel ist das, was ich will; wie heilig ist das, was ich will; wie würdig ist, dieses Ziel erreicht zu haben, das ich mir vorgenommen habe, ich fühle mich jedoch jenseits der vorherigen Last, ich fühle noch eine zusätzliche Last. Und das ist die Last der Entmutigung, der Ratlosigkeit: Ich habe keine Energien mehr, es geht nicht mehr, also bete ich mehr als zuvor und sage zu Unserer Lieben Frau: „Meine Mutter, du siehst, dass ich alles gegeben habe, was ich konnte. Entweder hilfst du mir jetzt besonders, mehr als in den vorherigen Phasen, oder ich werde nicht in der Lage sein, das zu tun, was du von mir willst.“
Aber wenn ich mich gut beobachte, finde ich, dass es noch etwas zu opfern gibt; und ich sehe, dass mein Gebet erhört wurde und dass sie zusammen mit den Energien, dessen ich mir nicht bewusst war und die ich noch nicht angewendet habe, eine überragende Reserve für mich darstellen, um zu kämpfen, und dass auch neue übernatürliche Kräfte auftauchen, die mich zu dem führen können, wohin ich wollte. Also stehe ich ein zweites Mal auf und fahre fort.
Dann, bereits mehr von den Engeln unterstützt als getragen von dem armen Menschen, der ich bin; aber es gibt auch etwas in meiner Seele, das ich zum Zeitpunkt des ersten Falls nicht wusste, dass ich es hatte, was sich mir im zweiten Fall offenbarte. Ich merke, dass ich etwas Weiteres hatte. Ich krieche mehr als ich gehe; aber ich bin entschlossen, mein Ziel zu erreichen. Und wenn ich auch Gott um ein vollständiges Wunder bitten muss, ich werde tun, was ich tun soll.
Der dritte Grad

Und im dritten Stadium falle ich wieder, ich bin ein Wrack, ich merke, dass nichts mehr in mir ist, das fähig ist zu widerstehen, aber ich sage:
Jetzt muss ich hoffen gegen alle Hoffnung, aufstehen, weil ich nur noch die Kraft habe zu stehen, keine Kraft mehr zu gehen, aufstehen und einen Schritt machen, und der Rest ist blindes Vertrauen, es ist die dunkle Nacht, es ist die totale Entäußerung, ich werde trotzdem gehen, um ans Ziel zu kommen. Ich stehe auf, gehe und dann habe ich etwas gegeben, was ich mir nie hätte vorgestellt können. Dann kommt etwas aus mir heraus, das wirklich das letzte Aufbäumen meiner Seele ist, es ist aber auch die klarste Vision meines Ideals. Und es ist der umfassendste Akt meiner Liebe. Da habe ich mich ganz hingegeben. Das ist, wenn ich vom dritten Fall aufstehe, und noch ein paar schwankende Schritte mache und zum Opfer komme, wo ich ans Kreuz genagelt werde und mich aufopfern lasse.
Zusammenfassung
Die drei Etappen der menschlichen Hingabe
In der ersten Etappe gibt man Energien, die man kennt; man bittet der Mutter Gottes um Hilfe im Rahmen der allgemeinen Hilfe der Gnade.
In der zweiten Etappe gibt man Energien, die man ahnte aber nicht richtig kannte, aber man bittet die Muttergottes mit größerem Nachdruck, das sie besondere Hilfen leiste, weil wir zweifeln, ob die gemeine Gnadenökonomie uns Vorwärts bringen wird.
In der dritten Etappe gibt man etwas, was man selbst nicht ahnte, dass man es geben könnten: eine Fähigkeit zur Hingabe, zu Anstrengungen, von denen man nicht wusste, dass man sie hatte, oder selbst keine Ahnung hatte, dass man sie hatte. Man schreitet voran mehr durch Wunder, durch absoluten Glauben in der Dunkelheit als aus irgendeinem anderen Grund, aber man tut es. Und schließlich hat man das Ziel bereits durch eine wahrhaft wundersame Handlung erreicht.
Ich meine, da ist man völlig vereint mit dem Übernatürlichen.
Wenn die Seele den letzten Punkt ihrer Selbstverleugnung erreicht hat, wenn sie alles gegeben hat, was sie geben konnte, ist sie bereit, alle Seelen an sich zu ziehen
Die menschliche Seele, wie sie sich aus jeder Niederwerfung erhebt, strömt eine unvergleichliche Schönheit der Selbstlosigkeit aus. Weil der Mensch, um andere anzuziehen, selbstlos sein muss. Ein egoistischer Mensch zieht niemanden an; jeder hat Angst vor Egoismus und flieht vor dem Egoismus. Die Menschen gehen nur denen nach, die selbstlos sind. Wenn die Seele den letzten Punkt der Selbstlosigkeit erreicht hat, wenn sie alles gegeben hat, was sie geben konnte, ist sie bereit, alle Seelen an sich zu ziehen.
Und aus diesem Grund war Unser Herr, nachdem er seine drei Fälle hatte, bereit, um allen Völkern vom Kreuz aus gezeigt zu werden. Weil er diese innere Aufopferung durchgemacht hatte, in der ihm alles genommen worden.
Wie erhaben die Kreuzigung ist — es gibt keine Worte, die die Erhabenheit der Kreuzigung gebührend beschreiben können — die Kreuzigung ist eine Handlung, bei der das Opfer vollbracht wurde: Er nahm das Kreuz auf sich, trug es so weit, wie er es tragen musste. Dann ließ er sich unter noch größeren Schmerzen kreuzigen; Er wird noch mehr und immer mehr leiden bis zum letzten Moment, bis zum Consummatum est. Aber das Tragen seines eigenen Kreuzes, hört auf mit der Kreuzigung. Er legt sich hin und von diesem Moment an ist es das Kreuz, das ihn trägt. Es ist nicht mehr Er, der das Kreuz trägt.
In unserem geistlichen Leben müssen auch wir unser Kreuz tragen
In unserem geistlichen Leben gibt es auch Phasen, in denen wir das Kreuz tragen müssen. Unser Herr möchte, dass wir unsere Leiden auf unsere Schultern legen und die Initiative ergreifen, um dem Schmerz zu begegnen. Um der Entsagung, dem Unangenehmen entgegen zu kommen; alles aus Liebe zu Ihm. Dann nimmt Er uns, Er nagelt uns definitiv ans Kreuz, verbindet uns für immer und ewig mit ihm.

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer der Aufzeichnung eines Gesprächskreises am 20. September 1970
© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe gestattet.

Freitag, 19. April 2019

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 7. Teil


von Plinio Corrêa de Oliveira

Dreizehnte Betrachtung



»Und als er ihn herabgenommen hatte, wickelte er ihn in Linnen und setzte ihn bei in einem ausgehauenen Grab, in dem noch kein anderer gelegen war« (Lk 23,53).

Herr Jesus, ich betrachte deinen vom Kreuz herabgenommen Leib, deine Menschlichkeit wie zerschmettert, und dein unendlich kostbares Blut, dass du während deinem Leidensweg vergossen hast. Oh, Mann der Leiden, deine Seele und dein Leib litten so viel wie ein Mensch nur hat leiden können.
Solange diese Welt existiert, wirst du unser Vorbild sein im Leiden mit all seinem Adel, Kraft, Ernsthaftigkeit, Süße und Erhabenheit sein. Dies ist ein Vorbild des Leidens, nicht nur rational betrachtet, sondern auch aus der unendlichen Perspektive des Glaubens; ein Leid, das theologisch verstanden wird, als notwendige Buße und ein wesentliches Mittel der Heiligung.

Durch die unendlichen Verdienste deines kostbarsten Blutes, gib unseren Geist die notwendige Klarheit, die Rolle des Leidens in unserem Leben zu verstehen und gib uns die notwendige Kraft, das Leiden wirklich zu lieben.
Die Menschheit kann sich nur aus der enormen Krise retten, in der sie sich befindet, wenn sie die Rolle des Leidens und des Geheimnisses des Kreuzes versteht. Es ist nur dieses Verständnis von Leiden, das auch diejenigen vor der ewigen Strafe retten kann, die selbst in der Stunde des Todes, deiner Einladung, dich auf der Via Dolorosa zu begleiten, nicht nachgekommen sind.
Vermehre auf Erden die Seelen, die das Kreuz lieben. Dies ist die wunderbare Gnade, um die wir dich in dieser Karwoche in dieser Zeit der Dämmerung unserer Zivilisation bitten.

Donnerstag, 18. April 2019

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 6. Teil


von Plinio Corrêa de Oliveira

Elfte Betrachtung


»Und um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: „Eli, Eli, lama sabachtani“, das heißt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“« (Mt 27,46)

Unser Herr schrie von der Höhe des Kreuzes. Dieser herzzerreißende Schrei war auf das äußerste Gefühl der Verlassenheit zurückzuführen, in dem Gott scheinbar das Fleischgeworden Wort versetzt hatte. Die Seele des Erlösers erlitt eine geistige Qual, die durch den Mangel an göttlichem Trost verursacht wurde.
Allerdings wurde der schrecklichste Schmerz durch die Betrachtung der Sünden verursacht, die er vor sich hatte. Er sah nicht nur die Sünden der Menschen um ihn herum und von allen, die Ihn verlassen hatten, sondern auch die Vergehen gegen Gott, die in der Zukunft begangen werden würden.
Weil das fleischgewordene Wort alles sehen konnte, hat diese Voraussicht auch ihn in Seiner Via Dolorosa, seinem schmerzhaften Weg, Leiden verursacht. Die ganze Geschichte der Menschheit lief vor seinem erschöpften, von Blut getrübten Blick ab, in einem Leib, in dem das Leben sich langsam zurückzog. Wahrscheinlich war der göttliche Heiland von dem Anblick der ungeheuren und allgemeinen Unordnung unserer Tage überwältigt, was zu jenem qualvollen Schrei führte: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Die göttliche Vorsehung hat es so angeordnet, dass wir heute diese tragische Szene bezeugen. Dabei lädt uns unser Erlöser ein, unsere Augen zu öffnen und diese Situation zu betrachten, wie er sie im Garten von Gethsemane vorausahnte, gemessen an all der Grausamkeit seines Leidenswegs.
Die göttliche Vorsehung hat es bestimmt, dass wir Zeugen sind der tragischen Geschehnisse der heutigen Zeit. Damit lädt der Erlöser der Menschheit uns ein, unsere Augen zu öffnen und diese gegenwärtige Situation zu betrachten, und so wie er im Garten von Gethsemane das Ausmaß aller Grausamkeiten seiner Passion voraussah.

Zwölfte Betrachtung


»Einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite und sogleich kam Blut und Wasser heraus« (Joh 19,34).

Unser Herr war schon gestorben, als der Soldat, mit Namen Longinus, seine Seite durchbohrte. Auf diese Weise vergoss das Heiligste Herz Unseres Herrn den letzten Tropfen Blut, den letzten Tropfen Wasser, für unsere Erlösung. Was für eine außerordentliche Gnade! Welche äußerste Güte! Welches extreme Mitgefühl!
Das ganze Blut im Leib Unseres Herrn Jesus Christus wurde vergossen, um zu zeigen, dass er uns alles gegeben hat. Er tat dies, ohne einen einzigen Tropfen zurückzuhalten, wegen seines unermesslichen Wunsches, uns zu erlösen. Ein Tropfen seines Blutes hätte genügt, um die Welt zu retten, doch er hat sein ganzes Blut vergossen, so dass die letzten Tropfen mit Wasser gemischt waren. Er wollte nichts zurückhalten, um uns zu erlösen.
Mein Gott, wie oft habe ich das Herz Jesu durchbohrt wie die Lanze des Longinus? Es kann durch schwere Sünde gewesen sein. Aber sicherlich durch meine chronische Gewohnheit der Gleichgültigkeit, das ist der Grund, dass ich mich nicht ändere, dass ich keine Fortschritte mache und dass ich keine Fortschritte machen will. Ich sehe andere vorwärts schreiten, aber ich möchte nicht belästigt werden.
Nach der Tradition soll Longinus blind auf einem Auge gewesen sein. Ein bisschen Wasser, das aus der Seite Unseres Herrn floss, fiel auf sein Auge, und es wurde geheilt, und später wurde er ein Heiliger. Wer weiß, vielleicht werde ich auch diese Gnade bekommen, ein Heiliger zu werden. O Herr, im Augenblick deines Todes, ich flehe dich an, mir diese Gnade zu gewähren.

Mittwoch, 17. April 2019

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 5. Teil


von Plinio Corrêa de Oliveira

Neunte Betrachtung


»Als sie an den Ort kamen, der „Schädelstätte“ genannt wird, kreuzigten sie ihn dort« (Lk 23,33)

Vor der Kreuzigung können wir uns die unendliche Schönheit unseres Herrn, die Schönheit seines Körpers und die Helligkeit seines heiligen Antlitzes vorstellen, wo die ästhetischen Prinzipien des Universums innewohnten. Die Anmut Seiner Gesten, die Eleganz seiner Haltung, die Nüchternheit seiner Sitten und Güte müssen eine starke Anziehungskraft ausgeübt haben. Als er sprach, wer könnte sich den Ton seiner Stimme, seine Modulation und die einzigartige Ausdruckskraft vorstellen?
Als er aber ans Kreuz genagelt wurde, war er entstellt, ohne Schönheit und eine einzige, große, blutige Wunde. Er war das große unschuldige Opfer selbst. Er hatte nie gesündigt. Er war die Personifizierung der Tugend. Er hatte nie die Notwendigkeit, sich für etwas zu entschuldigen, aber trotzdem tat er dies ohne Maßen.
Warum? Wegen der Schwere unserer Sünden. Wir sollten tiefe Traurigkeit und Bedauern über seinen Anblick, den Unschuldigen, fühlen, der die Sünden mit dem Sünder trug. Er, der der reinste war, der heiligste, trug sie für mich! Das sollte uns zu einem großen Vertrauen führen. Jemand, der zu einem solchen Preis erlöst wurde, braucht nur um die notwendige Gnade zu bitten, um die Tugend zu praktizieren und das Gute zu tun, was ihn zum Himmel führen wird.
Heute werden die Schmerzen unseres Herrn durch die Lästerungen und die Verachtung gegen die Katholische Kirche sowie die Götzendienerei einer heidnischen Gesellschaft verursacht: Egalitarismus, Sinnlichkeit, Aufstand, Unreinheit, Mord, Diebstahl, Ehebruch. Welches der Gebote Gottes wird heute nicht übertreten? Was ist meine Haltung angesichts dieser Situation?

Angesichts meiner Sünden und der Unzulänglichkeit meiner Sühne, muss ich mich niederknien, an meine Brust schlagen und mich fest entschließen, nicht mehr zu sündigen.

Zehnte Betrachtung


»Als nun Jesus seine Mutter sah und neben ihr stehend den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: „Frau, siehe, dein Sohn!“ Darauf sagte er zum Jünger: „Siehe, deine Mutter!“ Un von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. « (Joh 19,26-27)

Johannes, der Evangelist, war am Fuß des Kreuzes auch eine Art von Gipfel. Seine Liebe hatte einen Höhepunkt erreicht. Er war der Jünger, den Jesus lieb hatte.
Am heiligen Donnerstag hatte er seinen Haupt an der Brust unseres Herrn ausgeruht und hörte die Klopfen des heiligen Herzens Jesu, das da in Liebe für die ganze Menschheit schlug. Später in dieser selben Nacht, so wie die anderen Apostel, hatte er geschlafen und ist geflohen. Allerdings war er der jungfräuliche Apostel, der geliebte Apostel, aber jungfräuliche Seelen, finden auch in bedauernswerten Situationen die Mittel und Kraft, um ihre Pflicht zu erfüllen.
Das heißt, Gott schützt jungfräuliche Seelen. Gott zieht die Reinen an sich. So hat Johannes nicht nur die Ehre, der Jünger der Liebe zu sein, sondern auch gegenwärtig zu sein auf diesem Gipfel der Liebe, als unser Herr am Kreuz gestorben ist. Auf diese Weise vertrat er alle Apostel und rettete das Apostolische Kollegium vor völliger Schande.
Darüber hinaus erhielt er auf diesem Gipfel der Liebe den höchst erdenklichen Lohn, denn es kann kein größeres Geschenk geben für eine Person, als Unsere Liebe Frau als Geschenk zu empfangen. Als
unser Herr sagte: „Frau, siehe, dein Sohn“, und dann zu Johannes, „Sohn, siehe, deine Mutter“, erhielt er ein unschätzbar großes Geschenk.


Betrachtung über das Leiden - Einleitende Anmerkungen


Dienstag, 16. April 2019

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 4. Teil


von Plinio Corrêa de Oliveira

Siebte Betrachtung
 

»Da übergab er ihnen Jesus zur Kreuzigung, und sie übernahmen ihn und führten in fort« (Joh 19,16)

In früheren Zeiten war das Kreuz eine demütigende, schmerzliche Art, Kriminelle hinzurichten. So bedeutete das Wort „Kreuz“ das Gleiche wie „Schande“, genau wie das Wort „Handschellen“ uns heute an Gefängnis, Verurteilung und rebellische Gefangene erinnert. In jenen Tagen dachten die Menschen beim Wort Kreuz an einen Verbrecher, der so böse und verdorben war, dass nur durch den Tod durch die Kreuzigung sein Verbrechen wirklich vergolten werden konnte.
Das Kreuz war also ein Symbol der Qual und Schande. Indem Unser Herrn Jesus Christus an das Kreuz genagelt wurde, war die Absicht derer, die ihn zum Tode verurteilten, nicht nur, ihn zu töten, sondern ihn in der schändlichsten und unehrenhaftesten Weise zu töten, um seinen Ruf und seine Herrlichkeit völlig zu zerstören.
Was für ein Kontrast: Er, der Verurteilte, war in der Tat der Richter dieser schwersten Strafe. Obwohl scheinbar geschlagen, war Jesus der einzige Sieger. Das Kreuz ist das Holz der Niederlage, Schande und Schmerzen, aber es wurde zum Holz der Herrlichkeit. Wer durch das Kreuz zermürbt wird, der ist Sieger. Wer ohne das Kreuz siegt, ist der Verlierer.

Achte Betrachtung


»Er trug selber sein Kreuz und ging hinaus zu dem Ort, den man Schädelstätte (Kalvaria) nennt, auf hebräisch aber Golgota« (Joh 19,17)

Jeder von uns hat ein Kreuz zu tragen. Jeder von uns möchte etwas sein, was er nicht ist, etwas haben, was er nicht hat, um etwas erreichen zu können, was er nicht kann. Wir müssen aufhören zu sein, was wir nicht sind, zu haben, was wir nicht haben sollen, und das zu erreichen, was wir nicht erreichen können und dürfen. Das ist der Weg für uns alle.
Möge Unser Herr uns eine Liebe zu unserem Kreuz geben, so wie er es sein Kreuz liebte. Anstatt das Heilige Holz mit Widerwillen zu tragen, umarmte und küsste unser Erlöser es, weil er durch das Kreuz seine Sendung auf Erden erfüllte. Unser Kreuz besteht darin, unsere Mission zu erfüllen. Lasst uns es tränenreich umarmen, aber liebevoll. Und sagen wir, „ich werde niemals aufhören, um Kraft zu bitten, so werde ich in der Lage sein, mein Kreuz auf die Höhe meines Kalvarienbergs tragen!“.
Unser Herr ertrug jeden Schmerz, wie ein König, der auf den Weg zu seiner Krönung ist. Er tat dies mit Würde, mit Gelassenheit, standhaft und ohne zu zögern. Nichts wurde ihm, ob körperlich oder geistig, verschont. Er trat in die Tiefe des Leidens mit der Entschlossenheit eines Helden und erschien somit vor der Gerechtigkeit des Ewigen Vaters, umstrahlt vom Glanz seiner Schmerzen. So hat er die Menschheit gerettet: bei jedem Schritt ist das Schlimmste mit ihm geschehen, aber er hat alles vollständig angenommen, ohne jegliche Erleichterung zu verlangen. Er hat niemals jemanden gebeten, ihn zu bemitleiden. Das Leiden war dermaßen groß, dass manchmal seine Stärke ihn verlassen hat, aber er stand sofort wieder auf und ging weiter.
Dieser Gedanke hilft mir, meine Schwäche zu überwinden! Wenn ich Unseren Herrn Jesus Christus in seiner erhabenen Schönheit und Heiligkeit begegnen möchte, muss ich auch mein eigenes Kreuz umarmen.


Betrachtung über das Leiden - Einleitende Anmerkungen

Montag, 15. April 2019

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 3. Teil


von Plinio Corrêa de Oliveira

Fünfte Betrachtung

»Darauf ließ Pilatus Christus wegführen und ihn geißeln.« (Joh 19,1)
Pilatus dachte, dass er, indem er Jesus geißeln ließ, die Juden befriedigen und so in der Lage sein würde, ihn frei zu machen. So ist es, wie die Schwachen immer denken: Kompromiss, dem Bösen nachgeben, um es zu beschwichtigen. Das macht es aber nur noch schlimmer.
Die Folterer banden seine Hände und brachten ihn an die Säule inmitten von Schlägen, Schützen und Gelächter. Seine Sanftmut, Güte und alles über sich ergehen zu lassen, kontrastiert mit dem brutalen, sinnlosen und grausamen Hass der Schergen. Oh dumme Illusion, dass er, indem er seine Hände fesseln lässt, nun bewegungslos dastünde! Es wäre genug für ihn zu sagen, „Stricke, lockert euch“ und sie würden zu Boden fallen! Hätte er es gewollt, könnten die Stricke auch zu Schlangen werden, um seine Übeltäter anzugreifen.
Das außergewöhnlichste ist, dass er sich selbst hingegeben hat, um gegeißelt zu werden. Wir können uns sein süßes Stöhnen vorstellen. Sein heiliger Körper, der sich in Schmerzen krümmt, sein anbetungswürdiges Fleisch, das von den Peitschen und Geißeln zerrissen wurde. Das war das Fleisch des Gottmenschen! Er stand da voller Würde, sanftmütig und ohne Protest und unterhielt sich mit dem ewigen Vater in seinem Herzen.
Wir können uns auch in diesem Augenblick den Sohn Gottes, den obersten Regierenden über alle Ereignisse, vorstellen, der an die gesegnete Zivilisation denkt, die eines Tages auf die Verdienste Seiner Leidenschaft aufgebaut werden würde. Ach, er sah auch, dass sich die christlichen Völker in einem gewissen Augenblick gegen ihn abwenden und von einer Anti-Zivilisation beherrscht würden. Weil diese Welt den persönlichen Gott verleugnen würde, würde sie auch die Persönlichkeit und Individualität des Menschen verleugnen.
In dieser dekadenten Antizivilisation würde die Menschheit die totale Gleichheit einfordern und so zu einer rebellischen kommunistischen Utopie versklavt werden. Diese Utopie würde das Eigentum und damit die Gerechtigkeit verleugnen; würde die Familie und damit die Reinheit verleugnen; würde die Religion verleugnen, und alles was heilig ist; würde die Tradition und damit die Geschichte verleugnen. Durch die Umkehrung aller Werte würde diese Zivilisation ein großes Chaos erzeugen, ein großes Vakuum, in dem die ehemaligen christlichen Völker ertrinken würden. Diese Zivilisation ist die Tyrannei der Materie, der Maschine, der Anonymität und des Atheismus, in ein Wort, die Herrschaft des Satans.
Unser Herr hätte sich wie der Prophet David beklagen können: „Was nützt denn mein Tod…?“(Ps 30,9) Was nützt denn mein Blut, das ich so großzügig und so reichlich vergossen habe?


Sechste Betrachtung


»Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen und setzten ihn auf sein Haupt, legten ihm einen purpurroten Mantel um.« (Joh 19,2)
Unser Gott, mit Dornen gekrönt! Ist dies nicht ein Beweis, dass Gottes Königtum ein Königtum des Leidens ist? Lasst uns Leiden annehmen: Demütigungen leiden; leiden an Ungerechtigkeit; leiden unter der unermüdlichen Anstrengung, Gutes zu tun; leiden unter Selbstverleugnung. Das Leiden aus dem Christentum zu entfernen, ist Christus beleidigen, der eine Dornenkrone angenommen hat. Christ sein und Angst haben, für Gott zu leiden, ist, Gott zu einem bloßen Bankier herabzusetzen, der unserer Gewinnsucht nachkommt oder zu einen einfachen Diener, der unseren Wünschen nachkommt. Das Leiden vom Christentum zu beseitigen, ist gleich, sein Rückgrat zu entfernen.

Sind wir nur Gutwetterfreunde? Es ist in der Tat nicht christlich, Angst zu haben, uns für Christus zu opfern, unser größter Freund. Lasst uns nicht die Gemeinheit begehen, Jesus auf Golgatha zu verlassen. Lasst uns nicht auf sein Gesicht schlagen, verwundet aus Liebe zu uns, indem wir sündigen. Lasst uns nicht herzlose Hyänen sein, sondern vielmehr „gütig und demütig von Herzen“ wie Er (Mt 19,2).

Sonntag, 14. April 2019

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 2. Teil

von Plinio Corrêa de Oliveira
 Dritte Betrachtung


»Als es Morgen war, fassten alle Hohenpriester und Ältesten des Volkes den Beschluss gegen Jesus, ihm den Tod zu überliefern« (Mat 27,1).

Das jüdische Volk sehnte sich nach dem Kommen des Messias. Als er aber kam, verfolgten sie ihn. Er machte Wunder und die Menschen applaudierten. Aber die priesterliche Klasse, die die höchste politische Klasse war, hatte Angst: „Wer ist dieser Mann, der die begeisterte Gunst des Volkes gewonnen hat? Was wird mit unserer Macht passieren? Er ist eine Gefahr für uns!“
In einer heute oft benutzten Methode begann die Verfolgung mit Verleumdungen und Fangfragen, die gemacht wurden, um Fallen zu stellen; Fragen die im Laboratorium der Falschheit entworfen wurden.
Die erste und größte aller Revolutionen brach während der Karwoche aus. Eine Revolution ist definitionsgemäß eine Revolte jener, die lieben und gehorchen sollen, stattdessen aber gegen legitime Autorität rebellieren. Unser Herr besaß jedes mögliches Maß an Macht und Autorität über die Menschlichkeit. Die Sendung der Juden war, Ihn als den Gottmenschen anzuerkennen und sich seiner süßen Herrschaft zu unterwerfen. Sie haben das Gegenteil getan. Sie haben ihn weder anerkannt noch bewundert oder sich ihm unterworfen. Und diese Gesinnung der Seele war auf schlechten Willen und Neid zurückzuführen. Sie wollten sein Gesetz nicht, weil sie korrupt waren und Unser Herr lehrte Strenge. Sie lehnten sich gegen ihn auf und töteten ihn. Die Revolution der Karwoche war die größte aller Revolutionen, weil die Auflehnung gegen eine so hohe Autorität nicht wieder passieren kann.
Möge der Gedanke an unseren verachteten Erlöser uns mit Anbetung und Mitgefühl für ihn erfüllen, ebenso wie Empörung gegen die Revolution, die zu seiner Kreuzigung führte.
Pilatus war ein Gouverneur ohne Rückgrat und wählte den „Dialog“, anstatt Christus zu verteidigen.

Pilatus war ein Gouverneur ohne Rückgrat
er suchte den „Dialog“ mit dem Mob,
anstatt Jesus zu verteidigen
Vierte Betrachtung

»Sie ließen ihn gefesselt abführen und übergaben ihn dem Statthalter Pilatus.« (Mat 27,2)
Pilatus war ein Gouverneur ohne Rückgrat. Obwohl er wusste, dass die Menge den römischen Soldaten nicht widerstehen würde und deshalb auf einen leichten, glänzenden Sieg zählen konnte, wollte er unbedingt keine Gewalt anwenden, um zu tun, was richtig und gerecht war.
Stattdessen trat Pilatus in den Dialog mit dem Mob und schlug vor: „Wen soll ich nach eurem Willen euch freigeben, den Barabbas oder Jesus, der Messias genannt wird?“ (Mat 27,17)
Barabbas war ein bekannter Chef einer aufrührerischen Bande von Verbrechern. Er war der schlimmste Verbrecher, voller Unehre und Boshaftigkeit. Jesus war das äußerste Symbol der Würde und stellte das Beste im jüdischen Volk dar. Er war ein Nachkomme Davids, der bedeutendsten Gestalt des Alten Testaments. Er hatte allen Menschen nur Gutes getan.
Zentrist, wie er war, dachte Pilatus, dass die Juden niemals Barabbas Jesus bevorzugen würden. Er verstand nicht, dass, wenn man nicht Jesus folgt, unbedingt Barabbas wählt. Pontius Pilatus verurteilte ihn nur wegen des politischen Manövrierens der Priester. Sie schrien zu ihm: „Wenn du diesen freilässt, bist du nicht Freund des Kaisers“ (Joh 19,12). Es wäre für Pilatus leicht gewesen, sich gegen diese Anklage zu verteidigen. Doch angesichts der Möglichkeit, sein Amt als Gouverneur von Judäa zu verlieren, hatte Pilatus feige Jesus dem Tod ausgeliefert.
Als Ergebnis seines abscheulichen Ehrgeizes hat Pontius Pilatus die größte Ungerechtigkeit der Geschichte begangen.


Betrachtung über das Leiden - Einleitende Anmerkungen

Samstag, 13. April 2019

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 1.Teil

von Plinio Corrêa de Oliveira

Erste Betrachtung

Als er nun zu ihnen sagte: „Ich bin es!“
da wichen sie zurück und fielen zu Boden
»Jesus, der alles wusste, was mit ihm geschehen würde, ging hinaus und sprach zu ihnen: „Wen sucht ihr?“ Sie antworteten ihm: „Jesus von Nazareth.“ Jesus sagte zu ihnen: „Ich bin es.“ … Als er nun zu ihnen sagte: „Ich bin es!“ da wichen sie zurück und fielen zu Boden. Wieder fragte er: „Wen sucht ihr?“ Und sie sagten: „Jesus von Nazareth“. Jesus antwortete: „Ich habe es euch gesagt, dass ich es bin!“« (Joh 18, 4-8).

Als unser Herr verhaftet wurde, tat er zwei scheinbar widersprüchliche Dinge. Einerseits sprach er mit einer so autoritären Stimme, dass seine Gegenüber zu Boden fielen. Auf der anderen Seite bückte er sich, um das Ohr des Malchus aufzuheben, das Petrus mit seinem Schwert abgehauen hatte und setzte es wieder an den Kopf des Mannes. Wer sie erschrocken hat, dass sie zu Boden fielen, wusste auch zu trösten. Derselbe, der mit mächtiger Stimme spricht, setzt das abgetrennte Ohr wieder an seinen Ort. Kann man daraus eine Lehre ziehen?

Unser Herr ist immer unendlich gut. Er war gut zu denen, die ihn in jener Nacht als Jesus von Nazareth suchten, und auch gut, wenn er dem Malchus das Ohr wieder ansetzte. Wenn wir gut sein möchten, sollten wir lernen, die Güte unseres Herrn nachzuahmen. Wir sollten von Ihm lernen, dass es Momente gibt, in denen es notwendig ist, zu wissen, wie man die Feinde des Glaubens energisch zu Boden schleudert, und zu wissen, wann es notwendig ist, Mitleid mit denen zu zeigen, die uns verletzen wollen.
Warum hat Jesus gesagt: „Ich bin es“? War es nur, um die, die ihn verhaften wollten, physisch zu Boden zu werfen? Warum so etwas, wenn er, eine kleine Weile später, freiwillig sich selbst hingeben würde? Der Grund dafür könnte sein, dass, wenn er so laut für das Gehör sprach, er es nur so tat, damit es noch lauter in die Herzen eindringen sollte.
Wir wissen nicht, ob diese Männer letztlich von der Gnade berührt wurden, die sie erhielten, aber die Angst, die sie sicherlich fühlten, als sie auf den Klang der Stimme des Meisters zu Boden fielen, war genauso machtvoll, als wenn dieselbe Stimme riefen würde: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du Mich?“

Unser Herr sprach laut zu den Ohren. Wenngleich sie zu Boden fielen, erhob die gleiche Stimme, die die Leiber schlug und die Ohren betäubte, die gefallenen Seelen, indem sie die Ohren des Geistes öffneten, die taub waren. Manchmal ist es notwendig, kraftvoll zu sprechen, um zu heilen.

Zweite Betrachtung

Jesus heilt das Ohr des Malchus
»Simon Petrus aber, der ein Schwert hatte, zog es, schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab; der Name des Knechtes war Malchus« (Joh 18,10).

Der Erlöser hat anders mit Malchus gehandelt. Als er das Ohr, das Petrus im Eifer der Situation abgeschnitten, wieder angesetzt hat, wollte Unser Herr ihm sicherlich körperlich etwas Gutes tun. Doch indem er sein Ohr heilte, wollte Jesus vor allem das Gehör seiner Seele öffnen. Wer also die geistige Taubheit einiger mit der Kraft seiner göttlichen Stimme geheilt hatte, heilte dieselbe geistige Taubheit von Malchus mit Worten der Süße und ein physisches Wunder.
Wir leben in einer Epoche einer schrecklichen geistigen Taubheit. Wenn es jemals eine Zeit gab, in der die Menschheit auf Gottes Stimme hören müsste, so ist es die unsere; doch unsere Zeit ist sicherlich auch eine Zeit, die die härtesten Herzen aufweisen kann.
Der göttliche Meister zeigt uns, dass wir, wenn wir unsere eigene geistliche Taubheit heilen wollen, ebenso wie unsere Nachbarn, Er der Einzige ist, der das tun kann, da bloße menschliche Mittel nutzlos sind.
Lasst uns eins sein mit dem Blinden des Evangeliums, der zu Unserem Herrn schrie, „Domine, ut videam!“ – „Herr, dass ich sehe!“
Lasst uns von den Feierlichkeiten der Karwoche nutzen, um ihn zu bitten, uns zu hören helfen, „Domine, ut audiam!“ – „Herr, dass ich höre!“ Wir wissen nicht, wie unser Herr unsere geistige Taubheit heilen wird - das ist auch nicht wichtig. Lasst uns seinen göttlichen Willen erfüllen, wie auch immer er spricht, ob mit der schrecklichen Stimme der Rüge und der Strafe oder mit der süßen Stimme des Trostes spricht. Was wirklich zählt, ist, dass wir ihn anflehen: „Herr, dass ich höre!“
Lasst uns letztlich von ganzem Herzen auf die Stimme Unseres Herrn hören und indem wir unsere Seelen aufrichtig den Gnaden eröffnen, die er uns gewährt, in uns die Fülle des Reiches Jesu Christi herbeiführen, die die Feinde der Kirche aus dem Angesicht der Erde verbannen wollen.

Freitag, 12. April 2019

Betrachtungen über das Leiden und Sterben Unseres Herrn Jesus Christus - Anmerkungen

Plinio Corrêa de Oliveira



Vorbereitende Anmerkungen

Unser Herr Jesus Christus am Kreuz.
Es reicht nicht, den einzelnen Episoden des Leidensweges Unseres Herrn mit Gefühlen der Zerknirschung zu folgen.
Wenn auch eine echte Frömmigkeit Ergriffenheit hervorbringen kann, besteht Frömmigkeit nicht vor allem aus Hervorrufen von Gefühlen. Echte Frömmigkeit beginnt in einem wohlgeformten Verstand, das heißt, ein Verstand, der im katechetischen Studium und einer genauen Erkenntnis unseres Glaubens geschult worden ist. Die dort erkannten Wahrheiten sollten unser inneres Leben bestimmen. Frömmigkeit ist dem Willen unterordnet. Wir sollten ernsthaft das wünschen, was wir gut kennen. Es ist nicht genug zu wissen, dass Gott vollkommen ist. Wir müssen die Vollkommenheit Gottes lieben und folglich wollen wir eine solche Vollkommenheit für uns selbst begehren. Das ist es, was es bedeutet, Heiligkeit zu begehren.

Etwas „wünschen“ bedeutet nicht, vage und sterile Laune zu fühlen. Wir wünschen nur ernsthaft etwas, wenn wir bereit sind, jedes Opfer zu bringen, um das zu erreichen, was wir wünschen. So wünschen wir nur ernsthaft unsere Heiligung und wachsen in Gott, wenn wir bereit sind, jedes Opfer zu bringen, um dieses höchste Ziel zu erreichen. Ohne diese Bereitschaft ist jeder „Wunsch“ nur eine Illusion und eine Lüge. Wir können uns sehr ergriffen fühlen, wenn wir die Wahrheiten und Geheimnisse der Religion betrachten, aber wenn wir keine ernsthaften und wirkungsvollen Vorsätze von ihnen ableiten, werden diese Geheimnisse unserer Frömmigkeit nicht helfen.
Dies ist besonders der Fall während der Tage der Passion unseres Herrn. Es genügt nicht, den verschiedenen Episoden der Passion mit einem Gefühl der Zerknirschung zu folgen, wenn es auch etwas ausgezeichnet ist, ist es doch unzureichend. In diesen Tagen sollten wir unserem Herrn aufrichtige Beweise unserer Hingabe und Liebe geben. Diese Beweise können durch einen festen Vorsatz gegeben werden, unser Leben zu verändern und für die Kirche zu kämpfen.
Die Kirche ist der mystische Leib Christi. Als unser Herr den heiligen Paulus auf dem Weg nach Damaskus fragte: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Unser Herr sagte ihm, dass er, indem er die junge Kirche verfolgt, ihn selbst, Christus, verfolgt.

Die Kirche verfolgen, ist Jesus Christus verfolgen, und wenn die Kirche heute verfolgt wird, ist es Christus, der verfolgt wird. In gewissem Sinne wiederholt sich die Passion Christi in unseren Tagen.

Einleitung

Der moderne Mensch weiß nicht, wie er mit Leiden fertig werden kann. Oft sehen sogar Christen das Leiden als etwas unter ihrer Würde stehendes an, eine „Verfolgung von dem Bösen“. In unserem katholischen Glauben betrachten wir das Leiden als eine Reinigung und ein starkes Gebet. Wir vereinen unser Leiden mit dem von Unserem Herrn. Wir verstehen es als Geschenk des Vaters, weil öfteres Leiden die Macht hat, das Leben zu verändern. Im Folgenden bringen wir 13 Betrachtungen des Leidens in diesem Sinne. Wir hoffen, sie werden nützlich sein für die Fastenzeit. Wir werden sie in sieben Teilen fortsetzen.

Betrachtungen über das Leiden und den Sterben Unseres Herrn Jesus Christus