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Donnerstag, 15. Oktober 2020

Drei Jahrzehnte unermüdlichen Kampfes für das katholische Litauen – 6. Teil

Das Seufzen eines Volkes und die Verteidigung eines Rechts

Am 15. Februar 1991 richtete Plinio Corrêa de Oliveira ein Schreiben an Fernando Collor, den damaligen Präsidenten Brasiliens, in dem er ihn ersuchte, das freie Litauen anzuerkennen.

Dieses Schreiben beschreibt nicht nur mit aller Klarheit die Abfolge der Ereignisse, sondern zeigt auch, wie sehr den Verfasser die Liebe zu Recht und Gerechtigkeit bewegt. Es soll hier deshalb der volle Wortlaut dieses Schreibens wiedergegeben werden:

Herr Präsident, was mich veranlasst diesen Brief an Sie zu richten, ist das Empfinden unserer Seele angesichts des Seufzens eines Volkes und der Verteidigung eines Rechts.

1. Litauen hat während eines halben Jahrhunderts, in dem es der Besetzung und der Tyrannei des kommunistischen Regimes, dieses verbohrten Feindes von Religion, Familie und Eigentum ausgesetzt war, unter dem sowjetischen Stiefelabsatz Hunger, Not und Verfolgung erlitten. Doch nun sah es für einen kurzen Augenblick die Sonne der Unabhängigkeit aufgehen, und der Weg zurück in die Zivilisation und in den Wohlstand von einst, den ihm das kommunistische Regime auf so harte Weise vorenthalten hatte, lag offen vor ihm.

Es nutzte denn auch umgehend die Gelegenheit der Stunde, schuf seine eigene Regierung und machte sich an den Wiederaufbau des Vaterlandes.

Gorbatschow aber frustrierte die Hoffnungen, die seine „Perestroika“-Politik im Westen ausgelöst hatte, und verletzte die gerade erst neugeborene Souveränität dieser Nation. Unter dem Vorwand, dass sich ihre Söhne weigerten, im sowjetischen Heer zu dienen, das sie ja als ein fremdländisches betrachten, ließ er den Widerstand in Litauen niederschlagen.

2. Herr Präsident, kommunistische Panzer gingen gegen ein völlig wehrloses Volk vor, das sich allein auf die geistigen Waffen des katholischen Glaubens und die unbeugsame Entschlossenheit, seine Unabhängigkeit zu wahren, stützen konnte.

So stellte sich die kirchliche und vaterländische Lieder singende waffenlose Menge als lebende Barriere den sowjetischen Panzern in den Weg und wich auch dann nicht zurück, als zum Erstaunen der vom Kreml entsandten Angreifer und der ganzen Welt die ersten Opfer barbarisch getötet wurden und dennoch keiner vom Feld der Ehre floh.

Was tat Moskau daraufhin? Als der Kreml merkte, dass der mörderische Angriff die gerechte Entrüstung aller freien Völker gegen Gorbatschow auslösen würde, sprach er von einem unbefugten Angriff, schob dem Kommandanten der in Litauen stationierten kommunistischen Truppen die Verantwortung für die Aggression zu und zog einen Teil der Fallschirmjäger zurück, die er kurz vorher ins Land geschickt hatte.

Aber ... es ist hier ein „aber“ zu vermerken. Kurze Zeit später wurde der Innenminister, Oberst Boris Pugo, der als einer der Anstifter der brutalen Aktion der russischen Truppen in Litauen galt, zum General befördert. Das heißt, kaum war dieser Oberst – offensichtlich zum werbewirksamen Vorteil des Herrn Gorbatschow - im Westen für sein gewaltsames Vorgehen gerügt worden, wurde der „Schuldige“ auch schon mit dem Titel eines Generals ausgezeichnet! Zur Gewalt gesellte sich also noch die Doppelzüngigkeit.

3. Trotz des inzwischen äußerst negativen Klimas entschloss sich der litauische Staatschef, Präsident Vytautas Landsbergis, loyal und tapfer eine Volksabstimmung durchzuführen, um so jedem Litauer die Möglichkeit zu geben, frei darüber zu entscheiden, ob er unter der kommunistischen Herrschaft des Kremls weiterleben oder aber den ruhmreichen Weg zur nationalen Unabhängigkeit – welche Risiken dies auch mit sich bringen sollte – einschlagen wolle.

Wie Sie, Herr Präsident, und die ganze Welt wissen, verlief die Volksabstimmung ordnungsgemäß und völlig korrekt. Und nach der ebenfalls beispielhaft abgelaufenen Auszählung der Stimmen kam es vor Gott und den Menschen, vor der Gegenwart, in der sie sich befinden, und der Zukunft, die sie erwartet, zu folgendem Ergebnis:

90,47% der abgegebenen Stimmen sprachen sich für die Unabhängigkeit aus: für eine volle, totale und selbstverständlich unmittelbare Unabhängigkeit.

6,56% der Wähler stimmten gegen die Unabhängigkeit.

84,52% der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab.

4. Mit der Bestätigung des Ergebnisses werden nun die freien Völker schnellstens die Unabhängigkeit Litauens anerkennen und diplomatische Beziehungen zu diesem Land aufnehmen, indem sie Botschaften in Vilnius einrichten beziehungsweise die Errichtung litauischer Botschaften in ihren Ländern erlauben, oder aber sie werden zögern und Ausflüchte suchen; vielleicht werden sich auch nur einige wenige für die Sache dieser ruhmreichen kleinen Nation einsetzen und sie gegen eine Macht verteidigen, die von den Medien noch immer als sowjetischer „Koloss“ hingestellt wird.

Die Nationen aber, die den Ereignissen unschlüssig gegenüberstehen, geben damit stillschweigend zu, dass sie selbst kein unanfechtbares Recht auf ihre Freiheit haben. Denn wer heute zaudert, die unbestreitbaren Rechte des Schwächeren anzuerkennen, macht damit automatisch seine entsprechenden Rechte anfechtbar, die es vielleicht schon morgen gegen denselben stärkeren Angreifer zu verteidigen gilt.

Wer die Rechte eines Dritten, obwohl diese unanfechtbar sind, leugnet, nur weil der ungerechte Anfechter dieser Rechte mächtig ist, läuft Gefahr, dass er morgen, wenn dieser Anfechter etwa seinen Grimm auf ihn, der mit verschränkten Armen und wortlos der Aggression zugesehen hat, richten sollte, nichts zu seiner eigenen Verteidigung vorzubringen zu haben.

Sie, Herr Präsident, werden es sicher nicht zulassen, dass sich unser edles, tapferes Vaterland unter Umständen in diese Lage versetzt sieht.

Darum bitte ich Sie im Namen der Brasilianischen Gesellschaft zur Verteidigung von Tradition, Familie und Eigentum (TFP), in deren Nationalrat ich den Vorsitz führe, sowie kraft der entsprechenden Beglaubigung auch im Namen der übrigen 14 autonomen Schwestergesellschaften (TFPs) der brasilianischen Körperschaft, die jeweils in Argentinien, Bolivien, Chile, Ecuador, Frankreich, Kanada, Kolumbien, Peru, Portugal, Spanien, Südafrika, Uruguay, USA und Venezuela ansässig sind, umgehend mit der litauischen Regierung in Vilnius Kontakt aufzunehmen und so schnell wie möglich diplomatische Beziehungen mit dieser heldenhaften Nation herzustellen sowie Gespräche für die Einrichtung von Botschaften in den Hauptstädten beider Länder einzuleiten.

Gleichzeitig richte ich eine Bitte desselben Wortlauts an alle Staatschefs der freien Welt.

5. Sicherlich ist Ihnen, Herr Präsident, alles was ich hier behauptet habe, von kristallner Klarheit. Ich bin mir deshalb gewiss, dass ich den grundlegenden Imperativen Ihres Gewissens entgegenkomme, wenn ich Sie bitte, die in dieser Adresse vorgetragene Sache zu Ihrer eigenen zu machen und sie als das aufzunehmen, was sie wirklich ist: ein Appell für die Sache Litauens, die mit der Sache der Unabhängigkeit Brasiliens und mit der Sache der christlichen Zivilisation selbst identisch ist. Unser Land würde eine schreckliche Identitätskrise erleben, wenn es mit ansehen müsste, dass die Obrigkeit unserer immensen Nation, für die die Vorsehung eine Schlüsselposition in der mit dem Heraufziehen des dritten Jahrtausends entstehenden neuen Welt vorgesehen hat, nicht mit friedlichen diplomatischen Maßnahmen schnellstens dem kleinen, heldenhaften Litauen zu Hilfe eilt. Empfangen sie im Voraus meinen Dank, Herr Präsident, für alles, was unser Land in dieser leuchtenden Perspektive Ihrem Patriotismus und Unternehmungsgeist zu verdanken haben wird. Gleichzeitig nehme ich die Gelegenheit war, Ihnen meine aufrichtigste Hochachtung auszudrücken.

Plinio Corrêa de Oliveira


Die Dankbarkeit einer Nation

Ein Jahr nach der Kampagne des Jahres 1990 statteten der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Parlaments von Litauen, Herr Emanuelis Zingeris, in Begleitung von P. Pranas Gavenas SDB, und von Herrn Henrique Valavicius Prof. Plinio Corrêa de Oliveira in seinem Sitz in São Paulo einen Besuch ab. Bei dieser Gelegenheiten händigten sie ihm den folgenden Brief aus:

„Eine das litauische Parlament vertretende Delegation wird nach Brasilien geschickt, um mit dieser bedeutenden südamerikanischen Nation Kontakte und Beziehungen aufzunehmen.

Mit dieser Aufgabe wurden der stellvertretende Vorsitzende unseres Parlaments, Herr Bronius Kuznickas, und der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Herr Emanuelis Zingeris, betraut.

Ich habe die Gelegenheit wahrgenommen und diese Herren gebeten, Ihnen persönlich diesen Brief zu übergeben.

Schon seit einiger Zeit trug ich mich mit dem Gedanken, Herr Vorsitzender, Ihnen meinen persönlichen Dank und den meines Volkes für den unschätzbaren Beitrag auszusprechen, den die zwanzig TFPs auf den fünf Kontinenten zur Sache der Unabhängigkeit Litauens geleistet haben.

Alle Litauer wissen sehr wohl um die höchst verdienstvolle Unterschriftensammlung, die die TFPs für unsere Unabhängigkeit durchgeführt haben, sodass uns 5.200.000 Menschen aus vielen Nationen ihre Unterstützung ausgedrückt haben; es war dies eine der größten Unterschriftenaktionen der Geschichte überhaupt.

Ich drücke Ihnen hiermit noch einmal den Dank unseres Parlaments aus und bitte Sie, diesen auch an die Vorsitzenden aller TFPs und über diese an jeden einzelnen jener jungen Männer weiterzuleiten, die auf diese Weise an unserem großen Sieg Anteil haben.“

Das Schreiben trägt die Unterschrift des Generalsekretärs des Höchsten Rates der Republik Litauen, Liudvikas Sabutis.

Litauen, Marienland

Am 10. März 1991 beging die litauische Volksgruppe São Paulos zusammen mit der TFP feierlich den ersten Jahrestag der Unabhängigkeit Litauens. Bei dieser Gelegenheit wurde Plinio Corrêa de Oliveira von P. Pranas Gavenas an der Spitze einer Gruppe von Nachkommen litauischer Einwanderer in ihren traditionellen Trachten feierlich begrüßt. Während der in der St. Josefs-Kirche in Vila Zelina (dem Stadtteil, in dem die meisten litauischen Familien in São Paulo wohnen) gefeierten heiligen Messe sang der Litauer-Chor das bekannte, herrliche Lied: „Maria, Maria“.

Plinio Corrês de Oliveira besaß diese große Liebe zu Litauen seit er erfahren hatte, dass Litauen „Land Mariens“ genannt wird. Nichts eignet sich daher besser als Abschluss dieses Berichts über seine Verbundenheit mit Litauen als die herrlichen Worte dieses Loblieds auf die Heiligste Jungfrau Maria, deren vortrefflicher Sohn und treuer Kämpfer Prof. Plinio stets war.

Reinste Lilie,

Strahlend am hohen Himmel,

Lindere die Knechtschaft,

Komm der Menschheit zu Hilfe,

Steh uns bei gegen den schrecklichen Feind.

Wir irrende Menschen bitten dich um deine Gnade,

O Maria, weise unser Flehen nicht ab!

In den Stürmen dieser Welt

Stärke und führe die Fallenden.

 

 © Verwendung diese Artikels nur mit Quellenangabe dieses Blogs erlaubt.

Zuerst erschienen in Plinio Corrêa de Oliveira 

 Drei Jahrzehnte... 1. Teil

 

Drei Jahrzehnte unermüdlichen Kampfes für das katholische Litauen – 5. Teil

 Die größte Unterschriftensammlung der Geschichte.

Zwei Menschen kostet sie das Leben


Während die Verhandlungen zwischen der litauischen Regierung und dem Kreml neue Fakten schufen, setzten die TFPs zielstrebig die Sammlung von Unterschriften zur Unterstützung der Unabhängigkeit Litauens fort. Nach 130 Tagen hatten die Vereinigungen mit ihrer Kampagne in 26 Ländern nicht weniger als 5.218.020 Unterschriften zusammengetragen. Als die größte der Geschichte ging die Unterschriftensammlung sogar ins Guinness-Buch der Rekorde ein.

Von den 5,2 Millionen Unterschriften stammten mehr als die Hälfte aus Brasilien und rund eine Million aus São Paulo, wo sich der Sitz der brasilianischen TFP befindet und wo auch die größte Ansammlung litauischer Flüchtlinge in Brasilien anzutreffen ist. Die Aktivisten der brasilianischen TFP besuchten im Laufe der Kampagne insgesamt 141 Städte in 18 Bundesstaaten.

Die nordamerikanische TFP suchte ihrerseits über 180 Städte in 33 Bundesstaaten auf. In 127 Tagen wurden auch 108 Universitätsgelände besucht und insgesamt über 800.000 Unterschriften zusammengetragen. 41 Kongress-Abgeordnete schlossen sich ebenfalls der Kampagne an und unterschrieben den Brief an Präsident Landsbergis.

Der nordamerikanischen TFP kommt der Ruhm zu, für die Sache der Befreiung Litauens das kostbare Leben zweier Aktivisten, Joseph Porfirio und Dario Chang, geopfert zu haben; beide kamen bei einem Unfall mit einem Wagen der Vereinigung ums Leben, als sie bei der Unterschriftensammlung für die Unabhängigkeit Litauens die USA durchfuhren.

In verschiedenen Ländern schlossen sich auch zahlreiche katholische Erzbischöfe und Bischöfe der Kampagne an, mehr als die Hälfte von ihnen aus den drei Teilen des amerikanischen Kontinents.

Eine Abordnung der TFP in Moskau

Anfang Oktober 1990 wurde die Unterschriften-Aktion beendet. Nach einer genauen Überprüfung der Unterlagen und der Unterschriftenzahl kam am 2. Dezember eine Delegation von elf Vertretern der verschiedenen TFP-Organisationen in Brüssel zusammen und reiste von dort aus über Moskau nach Vilnius.

Diese Reise, die zum Beispiel zu Breschnews Zeiten noch undenkbar gewesen wäre, war nun angesichts der Schwächung der Zentralregierung infolge der in den Sowjetrepubliken und in Russland selbst erstarkten Oppositionskräfte gegen Gorbatschow möglich geworden. So liefen die Abordnung der TFPs und selbst die Litauer zwar noch eine gewisse Gefahr, doch konnte andererseits jede Zwangsmaßnahme von Seiten Moskaus zu einer völligen Bloßstellung der Glasnost-Propaganda Gorbatschows vor den Augen der Welt führen.

Die Gruppe hatte für die Reise eine offizielle Einladung des litauischen Parlaments erhalten. Auf dem Flughafen der sowjetischen Hauptstadt wurde die Delegation von dem Abgeordneten Antanas Račas, Mitglied des außenpolitischen Ausschusses des litauischen Parlaments, Vertretern des International Lithuanian Center und einem Team des litauischen Fernsehens empfangen.

Der Abgeordnete Račas machte deutlich, dass zu diesem Zeitpunkt die Lage in Litauen sehr angespannt war und daher das Eintreffen der Delegation als providentiell anzusehen sei.

In dem für die Nomenklatura (hohe Funktionäre des kommunistischen Regimes) reservierten VIP-Raum wurde die Abordnung von der litauischen Premierministerin Kazimiera Prunskiene begrüßt, die gerade von einer Auslandsreise zurückkam. Sie hieß die Delegation in portugiesischer Sprache willkommen (hier sei noch einmal daran erinnert, dass ja die meisten Unterschriften aus Brasilien stammten) und hielt anschließend eine Rede auf Deutsch, in der sie auf die heiklen politischen Beziehungen zwischen Litauen und dem Kreml einging. Die TFP-Abordnung befand sich demnach genau im Rachen des Wolfes...

Während des Abendessens in der litauischen Botschaft in Moskau erschien aus Vilnius kommend auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des litauischen Parlaments, der Abgeordnete Emanuellis Zingeris, der eine Willkommensbotschaft des Präsidenten Vytautas Landsbergis überbrachte. Der Abgeordnete dankte für die Anwesenheit der Delegation in diesem für sein Land so entscheidenden Moment.

Spät am Abend bat Präsident Landsbergis den Leiter der TFP-Abordnung, Herrn Caio Vidigal Xavier da Silveira, ans Telefon, um ihm noch einmal persönlich für den Besuch zu danken. Am folgenden Morgen rief dann der litauische Staatschef Herrn Xavier da Silveira nochmals an, um ihm mitzuteilen, dass er das Präsidentenflugzeug nach Moskau beordern werde, um die Delegation abzuholen.

Am folgenden Tag stattete die Delegation dem Moskauer Stadtrat einen offiziellen Besuch ab und kam anschließend mit einer Gruppe von Abgeordneten zusammen, die gegen die Kommunistische Partei opponierten. Noch während der Besprechung trafen ein Team des litauischen und ein anderes des sowjetischen Fernsehens ein; beiden gaben die TFP-Vertreter eine Reihe von Interviews. Am Abend reiste die Abordnung schließlich nach Vilnius weiter.

Aushändigung der Listen in Vilnius.

Dankbarkeitserweisungen



Am 4. Dezember wurde die Delegation von Präsident Landsbergis empfangen. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm offiziell die auf Mikrofilm festgehaltene Unterschriftensammlung zusammen mit einem Fotografie-Album mit Aufnahmen von der Kampagne in 26 Ländern überreicht. Beim Austausch der Geschenke übergab die Abordnung dem Staatspräsidenten außerdem ein kunstvolles Pergament mit dem Text der Unterschriftenkampagne (s. Bild oben) und einer einzigen Unterschrift, nämlich der des Mannes, der die Kampagne ins Leben gerufen hatte und stets ihre treibende Feder gewesen war: Plinio Corrêa de Oliveira. Dazu kam ein Exemplar eines brasilianischen Kunsthandwerks, ein herrliches Schmuckbäumchen aus Topassteinen.

Zum Fest der Unbefleckten Empfängnis am 8. Dezember stattete die Delegation unter der Führung des Abgeordneten Antanas Račas, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des litauischen Parlaments, den beiden wichtigsten Marienheiligtümern des Landes einen Besuch ab: dem Heiligtum Unserer Lieben Frau von der Pforte der Morgenröte, der Patronin der Gegend um Vilnius, und dem Nationalheiligtum von Šiluva. Die Mitglieder der Abordnung wurden an beiden Orten von der Bevölkerung festlich empfangen. Am 9. Dezember fand dann ein Besuch bei dem Kardinal-Primas von Litauen, Vincentas Sladkevicius, in Kaunas statt und am 10. wurde die Abordnung wiederum in Vilnius mit einer Parlamentssitzung geehrt.

Am Bahnhof wurde die Delegation zu ihrer Überraschung von einer begeisterten Menge begrüßt, die ihr als Zeichen der Wertschätzung Blumen, Souvenirs, Süßigkeiten, Fotoalben usw. überreichte. Der Sekretär der im Kampf um die Unabhängigkeit besonders aktiven Sajudis-Partei händigte bei dieser Gelegenheit einen durch ein kunstvolles Lederetui geschützten Dankesbrief an die TFP-Vereinigungen aus.

Am letzten Tag des Litauenbesuchs traten sowohl Präsident Landsbergis als auch Mitglieder des Parlaments mit der Bitte an die Delegation heran, in einem Schreiben an Gorbatschow diesem das Ergebnis der Kampagne für die Unabhängigkeit des Landes mitzuteilen.

TFP im Kreml: KGB bescheinigt Erhalt

Als sie erfuhr, dass es sich um eine Abordnung der Gesellschaften zur Verteidigung von Tradition, Familie und Privateigentum handelte, holte die Beamtin im Empfang zuerst einmal Instruktionen auf Russisch ein. Inzwischen erschien eine massige, finster dreinblickende Gestalt und fragte:

„Was wollen Sie, Genossen?“

Der litauische Begleiter und Dolmetscher korrigiert:

„Das sind keine Genossen, sondern Herren.“

 „Und was sollen all diese Kameras? Soll hier etwas festgehalten werden?“

„Ja“, gab der Dolmetscher zur Antwort.

„Wissen Sie nicht, dass es verboten ist, in Behörden wie dieser hier, zu filmen?“

„Es steht nirgends geschrieben, dass es verboten ist, und was nicht verboten ist, ist erlaubt.“

In diesem Augenblick, als der Wachmann fast schon die Beherrschung verlor, unterschrieb die Empfangsdame, die in der Zwischenzeit auf eine telefonische Genehmigung gewartet hatte, die Empfangsbestätigung des Briefes an Gorbatschow und trug Datum und Uhrzeit ein: 11. Dezember 1990, 13:01 Uhr. Damit war der Schlusspunkt unter ein glorreiches Kapitel der Geschichte Plinio Corrêa de Oliveiras, der TFP-Vereinigungen und Litauens gesetzt.

Am Tag zuvor hatte Wladimir Kriutschow, der Chef des KGB, der gefürchteten politischen Polizei der Sowjetunion, im Moskauer Fernsehen erklärt, dass er „keinerlei Einmischung in unsere internen [der UdSSR] Angelegenheiten“ dulden werde, die „von Organisationen und Grüppchen ausgeht, die seit Jahrzehnten im Ausland einen geheimen Krieg gegen den sowjetischen Staat führen“. Diese Erklärung war am 13.12.1990 im Pariser „Le Figaro“ zu lesen.

„Grüppchen“? Das kann man wohl sagen, wenn man die Mittel der TFPs mit der immensen Maschinerie des sowjetischen Staates vergleicht. Was den „geheimen Krieg“ angeht, so wurde er vor den Augen aller auf den Straßen der wichtigsten Städte des Westens ausgetragen.

Kriutschow kündigte an, dass der KGB dies nicht „dulden“ werde. Und doch musste er es dulden ... Die Geschichte hat sich gewendet!

Glasnost der Panzer begräbt Perestroika

Die sowjetischen Panzer zeigten in Vilnius, was sie unter Glasnost (Transparenz) verstehen, als sie am 12. Januar 1991 gegen das Gebäude des litauischen Fernsehens vorrückten und eine unbewaffnete Menge herbeieilte, dieses zu verteidigen. Am Morgen des 13. Januar gingen die russischen Panzer zum Angriff über und töteten dabei 14 Zivilpersonen, zwei davon wurden von Panzern überrollt; es gab 240 Verletzte. Kurz darauf erlitt Lettland ein ähnliches Schicksal.

Noch am gleichen 13. Januar erhielt die nordamerikanische TFP eine Mitteilung der litauischen Regierung, in der über die Aggression berichtet wurde und die mit dem Hilferuf schloss:„Litauen läuft Gefahr; es braucht die Hilfe der Welt. Machen Sie dies allen TFP-Organisationen und –Büros bekannt“.

Die Botschaft war von einem Brief des Präsidenten Landsbergis begleitet, in dem dieser warnte: „Die Verantwortung für jedes Opfer wird Michail Gorbatschow zu tragen haben“.

Noch am gleichen Tag antwortete Plinio Corrêa de Oliveira im Namen aller Vereinigungen und Büros der TFP; er erklärte sich solidarisch „mit dem edlen Widerstand, den Ihre Regierung und das ganze litauische Volk der Offensive mit deutlich stalinistischen Zügen entgegensetzt, die Michail Gorbatschow und seine Akteure schonungslos gegen die Unabhängigkeit Litauens durchführen“. Und er unterrichtete Landsbergis über alle Maßnahmen, die die TFP-Vereinigungen treffen würden, um die die sowjetische Aggression vor aller Welt anzuprangern. Eine der wichtigsten davon bestand darin, den amerikanischen Kongress von den Vorfällen in Kenntnis zu setzen.

Tatsächlich hatte Gorbatschow die Zeit Stalins wiederaufleben lassen. Doch nun wusste alle Welt, dass eine Perestroika nichts als eine Farce war. Sein politischer Tod war damit besiegelt.

Drei Jahrzente... 6. Teil


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Zuerst erschienen in Plinio Corrêa de Oliveira


Montag, 1. Juni 2020

Heute vor 30 Jahren startete TFP die Kampagne für die Befreiung Litauens in 20 Ländern



 
Im Zentrum von São Paulo

Am 1. Juni 1990 trafen etwa 300 Mitglieder der Brasilianischen TFP auf dem Viaduto do Chá, im Zentrum von São Paulo ein. Bei der Eröffnung der größten Petitionskampagne der TFPs weltweit, die von den Stufen des Stadttheaters ausgerufen wurde, war das Laufpublikum sehr freundlich gestimmt. Die Fanfare spielte zum Auftakt die Nationalhymne, was vom Publikum mit begeistertem Applaus bedacht wurde. Sehr bald füllten sich die Blätter mit Unterschriften. Viele Unterschriften wurden unter den Menschen gesammelt, die stehen blieben, um der Blasmusik zu lauschen. An diesem Tag ersten Tag der Kampagne waren in der ganzen Altstadt von São Paulo 13 Stände, vom Platz der Republik bis zum Domplatz aufgestellt. Überall war die Aufnahme und Anteilnahme der Menschen sehr gut. Bis zum Ende der Kampagne dieses ersten Tages wurden allein hier 33.600 Unterschriften gesammelt.
Die Kampagne war bereits am 27. Mai bei einem Treffen von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira mit dem Freundeskreis der TFP im Hilton Hotel angekündigt worden.
Die TFP von Chile und Uruguay begannen ihre Aktion schon vor dem offiziellen Start in São Paulo:
In New York
In Santiago begann die Kampagne um 17.30 Uhr des 30. Mai und dauerte bis 19.30 Uhr. Die Unterschriften wurden auf der Paseo Ahumada, der Hauptstraße der chilenischen Hauptstadt, von 8 Mitgliedern der dortigen TFP gesammelt. In der angegebenen Dauer von zwei Stunden wurden 308 Unterschriften gesammelt. Linke Störer sorgten für einen gewissen Tumult einem gewissen Tumult, als sie den Unterschriftenstand  angriffen.
In Uruguay begann die Kampagne am 31. Mai. 17 Mitglieder sammelten dort an diesem Tag 538 Unterschriften. Um ein Uhr morgens wurde ein 15 Meter langes Werbebanner auf dem Hauptplatz von Montevideo angebracht. Leider verweigerte die litauische Gemeinschaft ihre Unterstützung und verbot sogar die Verwendung des litauischen Staatswappens auf Unterschriftenlisten.
Zum Anlass veröffentlichte die brasilianische TFP folgende Pressemitteilung
„Der Klauen des sowjetischen Imperialismus will Litauen, das sich „Land Mariens“ nennt, die Unabhängigkeit verweigern. Brasilianer! Protestiert, indem Ihr die große Petition der TFP, die in 20 Ländern der Welt durchgeführt wird, unterschreibt.“
Diejenigen, die am 1. Juni durch das Zentrum von São Paulo gingen, stießen auf zahlreiche Banner mit obiger Aufschrift, und hörten die jungen TFP-Herolde auf ihren Megafonen rufen: „Passanten, Passanten, unterschreiben die Protestlisten der TFP für ein freies und unabhängiges Litauen.“
Als Fußgänger den Viaduto do Chá überquerten und über Plätze und Straßen des Zentrums von Sao Paulo gingen, konnten sie auch Marschmusik genießen, die von der Fanfare der TFP gespielt wurden, während sie höflich gebeten wurden, die Petition an den Präsidenten von Litauen, Vytautas Landsbergis, zu unterzeichnen.
Auf einem Ärztekongress in Dresden
Der Text der Petition, der sich auf den finsteren Nazi-Kommunistischen Pakt von 1939 bezieht, mit dem Litauen unter die Sowjetherrschaft fiel, drückt die Nichtübereinstimmung und den Protest der 20 TFP gegen jede öffentliche Verhandlung aus, um das jüngste Dekret, mit dem die Unabhängigkeit der litauischen Nation proklamiert wurde, zu verschieben.
Das TFP-Dokument versichert dem litauischen Staatschef auch „die Unterstützung, den Respekt und die Bewunderung der Unterzeichner der Petitionen“, gerade in der Zeit, in der die Sache der Unabhängigkeit des Landes „eine kritische Phase zu durchlaufen scheint“. Abschließend erinnert Manifest an den Wahlspruch dieser Nation – Lituania Terra Mariae – und fleht der Schutzpatronin des Landes, es zur sofortigen Anerkennung der „Unabhängigkeit von Seiten aller freien Völker“ hinzuführen.
Die Propagandisten der TFP, die ihre roten Umhänge tragen und die auffälligen großen roten Fahnen mit dem goldenen Löwen mitführen, verteilten der Öffentlichkeit einen Flyer, der eine Zusammenfassung der Geschichte Litauens enthält, sowie die aktuelle politische Situation, in der sich die verdienstvolle baltische Nation befindet: sie wird von den Sowjets belagert, um ihr die Aufhebung des Dekrets der Unabhängigkeit aufzuzwingen.
Die aufgestapelten Listen nach der Beendigung der Kampagne in Brasilien
Zur gleichen Zeit, in der diese Kampagne in Brasilien begann – die sich über das gesamtes Territorium erstreckt – wurden gleiche Unterschriftensammlungen von TFP und TFP-Büros in 20 anderen Ländern der Welt gestartet.
*   *   *
Die Aktion endete im Oktober und ergab weltweit die Rekordzahl von rund fünf Millionen achthundert Tausend Unterschriften, die dem Litauschen Präsidenten und Michael Gorbatschow übergeben wurden.

© Nachdruck dieser deutschen Fassung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Dienstag, 9. Januar 2018

„Du bist ein Martyrer! Du musst mich zuerst segnen!“


 Vorwort zur brasilianischen Ausgabe der Biographie des litauischen Erzbischofs Teofilius Matulionis
 Plinio Corrêa de Oliveira
Als ich die spannende Biographie des litauischen Bischofs Teofilius Matulionis erhielt, die durch die eifrige Initiative meines Freundes, Pater Francisco Gavenas, ins Portugiesisch übersetzt wurde, ging ich auf eine andere Art und Weise vor, als ich es normalerweise bei einem neuen Buch mache.
In der Tat — außer für ganz besondere Umstände — schien es mir immer ein wenig ungeordnet zu sein, zuerst die Fotos eines Buches anzusehen, und erst dann es zu lesen. Und doch war es genau das, was ich tat, als ich das Buch „El hombre de Dios“ (Der Mann Gottes) von P. Pranas Gaida, dem Postulator des Seligsprechungsprozess von Bischof Matulionis, bekommen hatte. Als ich den Einband betrachtete, war dort ein Bild des großen litauischen Bischofs. Sein Gesichtsausdruck verursachte sofort einen so tiefen Eindruck auf mich, dass ich das Buch auf der Suche nach anderen Fotos von ihm durchblätterte. Da ich sie reichlich vorgefunden habe, und jedes eindrucksvoller als das andere war, habe ich jedes einzelne analysiert. Was bedeutet, dass ich aufeinanderfolgende Eindrücke des Respekts gesammelt und, ich wage zu sagen, eine tiefe Sympathie empfunden habe, bis ich schließlich das letzte Bild eingehend betrachtete.
Wahrhaftig habe ich im Laufe meines Lebens selten so tiefe und so geistesklare Physiognomien gefunden, die zugleich von einer Güte geprägt waren, wie die des verstorbenen Bischofs von Kaisiadorys in Litauen. Sofort begann ich mit der Lektüre der kurz gehaltenen, dichten und anziehenden Beschreibung seines Lebens.
Gleich zu Beginn dieser Lektüre kamen mir zwei Empfindungen auf, die mich teilten. Eine war der Wunsch wenigsten die wichtigsten Ereignisse des Lebens von Bischof Matulionis kennenzulernen, bei denen es ihm gegeben war, seine edle und entschlossene Persönlichkeit zu bilden. Die andere, die man bei einem lebenserfahrenen Menschen wie mir verstehen kann, war die Befürchtung im Buch auf einiges zu stoßen, dass, wenn auch geringfügig, den Glanz dieser hervorragenden Persönlichkeit trüben könnte. Doch bevor ich zum Schluss der Beschreibung seines harten und heldenhaften Lebens kam, hatte ich schon keine Bedenken mehr, irgendetwas Enttäuschendes vorzufinden. Es dauerte nicht lange, um mich zu überzeugen, dass die Seele des großen Bischofs und Martyrers aus einem Stück geformt war. So würde sie sich aufrecht halten inmitten der Getöse aller Kämpfe, oder, sollte sie wanken und das Gleichgewicht verlieren, würde sie wie ein Block zu Boden fallen. Bei jedem Schritt, den ich beim Lesen weiterkam, wurde es mir immer deutlicher, dass Msgr. Matulionis seine Seele unversehrt und rein bewahren würde, bis zum glorreichen Tag, an dem er dem Ruf seines Schöpfers folgend, sich von dieser Erde zum Himmel aufschwingen würde.
Dieser Martyrerbischof erinnert mich an den bekannten Spruch, der das Heilige Kreuz rühmt, an das der Sohn Gottes durch sein erlösendes Opfer den Menschen die Tore des Himmels geöffnet hat: „Stat crux dum volvitur orbis“ (das Kreuz steht fest, während der Erdball [die Welt] sich weiterdreht).
Dieser Spruch erinnert an das Leben des echten Hirten, des Msgr. Matulionis. Während um ihn und seinem Wirken, seiner lieben Diözese und seines Vaterlandes, in den Ereignissen des internationalen politischen Hintergrunds, der Nazismus und der Kommunismus unaufhörlich ihre verbrecherische und makabre Farándola tanzten, verhielt sich Msgr. Matulionis heldenhaft, immer treu der Kirche Christi, dessen heiliges Kreuz er in seine Rechte hielt und hoch empor hob, von den ersten bis zu den letzten seiner Lebensschritten. Als Seminarist, dann als Pfarrer und zuletzt als Bischof, sei es unter dem Zarenregime, dann unter der grausamen Fuchtel des kommunistischen Regimes, das ihn unaufhörlich und ohne Erbarmen verfolgte, ihn etliche Male in den Kerker schleppte, sei es in der Pracht der Kirchen und der katholischen Liturgie, letztlich in den Prunkvollen Räumlichkeiten des apostolischen Hofes in Rom, in denen er den regierenden Papst Pius XI. besuchte, Msgr. Matulionis blieb immer derselbe. Genauso wie er nun in den himmlischen Gefilden zu Füßen der Muttergottes und ihres göttlichen Sohnes für seine in Litauen und über die Welt verstreuten Landsleute betet.
Am Schluss der Lektüre dieser so markanten Biographie prägte sich in mein Herz die ergreifende Szene in der Privataudienz mit Pius XI., dem Papst der zwei großen Enzykliken, „Divini Redemptoris“ gegen de Kommunismus und „Mit brennender Sorge“ gegen den Nationalsozialismus. Als er sich dem Stellvertreter Christi näherte, kniete Msgr. Matulionis nieder. Der Heilige Vater erhob ihn und kniete selbst vor dem Bischof nieder und sagte: „Du bist ein Martyrer! Du musst mich zuerst segnen!“ Es fiel Matulionis nicht leicht, dieser unerwarteten Bitte nachzukommen, aber er gehorchte, legte seine zitternden Hände auf das Haupt des Heiligen Vaters und sprach mit aufgeregter Stimme die Segenworte. Erst dann durfte sich Bischof Teofilius zum Ringkuss hinknien.
Sicherlich werden die Bewunderer von Bischof Matulionis es beklagen, dass sie in dieser Biographie die ausführliche Beschreibung seiner vielen Heldentaten gegenüber dem Kommunismus, die ihm eine Ehrung des Heiligen Vaters veranlasste, die vielleicht nie ein Papst einem sterblichen erwiesen hat. Alle würden wir gerne alle Einzelheiten nicht nur einiger sondern aller Gegenüberstellungen mit den kommunistischen „Richtern“ und Folterern kennen lernen. Wir wollten uns an seiner Standhaftigkeit erbauen unter den täglichen Peitschenhiebe der Henker und der Demütigungen der Gefängniswärter. Genau wie wir ähnliches kennen aus dem Leben des großen Kardinal Mindszenty, Fürst-Erzbiscof von Esztergom in Ungarn, oder des unsterblichen Kardinal Stepinac, Erzbischof von Zagreb, Jugoslawien.
Doch die Erklärung für diese Einschränkung, die sich der Autor auferlegt hat, scheint einfach. Als P. Pranas Gaida diese Biographie schrieb, war weder der Eiserne Vorhang gefallen, noch wehte in Sowjetrussland die leichte Brise der Freiheit und die Veränderung der sogenannten UdSSR hatten noch nicht die spätere lockere Konföderation fast unabhängiger Staaten hervorgebracht und – vor allem – hatte Litauen noch nicht seine glorreiche Unabhängigkeit erlangt, die heute von nahezu 60 Staaten anerkannt wird.
Es ist anzunehmen, dass der Autor der Biographie (die erstmals in Rom 1981 herausgegeben wurde) befürchtete, dass mit einer detaillierten Schilderung der Fakten das antikommunistische Gefühl in den litauischen Kreisen Roms, die KGB veranlassen könnte, ihren Druck zu erhöhen und die Spannungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Moskau nur verschärfen würde. Was wiederum der hinterhältigen Ostpolitik, die der Kreml unter allen Umständen mit dem Vatikan unterhalten wollte, Hindernisse in den Weg gestellt würde. Der Autor hatte es dann wohl vorgezogen, alles, was die kommunistische Zensur nicht tolerieren würde, auszulassen: Ein harter zu zahlender Preis, damit diese so zusammengeschrumpfte Biographie von Hand zu Hand unter die unterdrückte Bevölkerung Litauens in Umlauf gebrachte werden konnte, um ihr den geistlichen Trost des Wohlgeruchs wenigstens einiger Aspekte des Lebens des Bischofs zu bringen, vor dem Pius XI. seine Knie beugte.
Auf jeden Fall bleibt hier der Ausdruck unseres heißen Wunsches, dass die nächste Ausgabe dieses Werkes mit all dem angereichert wird, was durch die kommunistische Tyrannei zu Verschweigen gezwungen wurde.
Dieser Text wurde geschrieben einige Tage nach dem Brasilien die glorreich erkämpfte Unabhängigkeit Litauens anerkannt hatte. Nachdem ich in der Eigenschaft des Präsidenten der Brasilianischen Gesellschaft zum Schutze von Tradition, Familie und Privateigentum – TFP und in meinem eigenen Namen den Präsidenten Litauens, Vytautas Landsbergis, für den kompletten und endgültigen Sieg der litauischen Nation über den unheimlichen sowjetischen Moloch gratuliere, möchte ich meine Freude zum Ausdruck bringen für die Tatsache, dass die weltweit 15 TFP-Gesellschaften aus fünf Kontinenten sowie weitere fünf TFP-Vertretungsbüros in fünf Ländern ihren begeisterten Einsatz für die Unabhängigkeit Litauens, das Land Mariens, geleistet haben, und zwar in einer Zeit als die mutige Nation von allen Regierungen des Westen fallen gelassen wurde und von den großen und mächtigen Medien der Freien Welt mit Kälte ignoriert wurde.
Um diese moralische Eiszeit zu brechen und dem Litauischen Volk ausdrucksvolle Ermutigung zukommen zu lassen, hat das große TFP-Netzwerk eine internationale Unterschriftensammlung organisiert — die zu einer der größten der Geschichte sein würde —, die die stolze Zahl von 5.212.580 Unterschriften erreichte. Die Mikrofilme der Unterschriftenlisten wurden von einer internationalen TFP-Abordnung dem Präsidenten Landsbergis im Regierungspalast in Vilnius überreicht.
Anschließend kam die TFP-Delegation der Einladung etlicher Persönlichkeiten des Landes nach. Am 8. Dezember 1990 reisten die TFP Vertreter vom Heiligtum der „Pforte der Morgenröte“ in Vilnius nach Kelme, zum Marienheiligtum in Siluva und zum „Hügel der Kreuze“ in der Nähe von Siulay. Die Kommission wurde von vielen Pfarreien auf dem Weg empfangen. Eine besondere Ehre war die Audienz mit dem Kardinal-Erzbischof von Kaunas und Primas von Litauen Vincentas Sladkevicius, der die TFP-Vertreter zu „Bürger Litauens“ erklärte.
Zum Schluss soll noch erwähnt werden, dass der Weg nach Litauen über Moskau führte, wo die Delegation liebenswürdigerweise in der Litauischen Botschaft untergebracht wurde, durch Vermittlung des litauischen Abgeordneten, Mitglied der Kommission für Auslandsbeziehung im Parlament und Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung Antanas Raças. Er war der von der Regierung ernannte offizielle Begleiter der TFP-Gruppe. Von Moskau nach Vilnius begleitete Bischof Juosas Zemaitis die TFP-Gruppe, der sich sehr bedankte was TFP für Litauen getan hatte.
Sowohl Präsident Landsbergis wie auch Mitglieder des litauischen Parlaments drängten, die Kommission sollte dem russischen Präsidenten Gorbatschow ein Brief mit dem Bericht der Aktion der TFP und das Ergebnis der Unterschriftensammlung überreichen. Dies geschah dann auch im Büro des Präsidenten bei einer zweiten Reise nach Moskau. Auf Wunsch des litauischen Präsidenten und des Parlaments enthielt der Brief auch einen energischen Protest gegen die ungerechte und grausame Behandlung des Kremls gegenüber Litauen. Wie zu erwarten, wurde die Delegation von Gorbatschow nicht empfangen. Der Brief wurde dann mit einem entsprechenden Protokoll einer Beamtin des Kreml zur Weiterleitung ausgehändigt.
Bei dem vorherigen Aufenthalt in Moskau hatten sich die Mitglieder der TFP-Abordnung, in einer unerschrockenen Handlung, auf den Roten Platz aufgestellt, angetan mit den Symbolen der TFP (roten Umhängen und roten Standarten mit dem goldenen Löwen) und wiederholten den Ruf, der in der ganzen Welt während der Kampagne gehört wurde: „Für Maria! Tradition, Familie, Eigentum; Litauen, Litauen, Litauen“. Zugleich erhoben sich aus ihren Herzen Bitten zur Heiligsten Jungfrau für die baldige Befreiung Litauens und aller noch versklavten Länder Russlands.
Kurz nach der Rückkehr der TFP-Abordnung aus Litauen habe ich die Freude gehabt, als Präsident des Nationalrats der brasilianischen TFP und im Namen aller TFP-Gesellschaften ein offizielles Schreiben an alle Staatsoberhäupter der Freien Welt zu senden, mit der Bitte die Unabhängigkeit Litauens so schnell wie möglich anzuerkennen.
* * *
Es ist mir eine Freude diese Ereignisse in Erinnerung zu rufen, bei denen die die Herzen von Katholiken aus den fünf Kontinenten einstimmig mit den Herzen der Litauer schlugen, sowohl, die im eigenen Land wohnten wie auch die im Exil weit weg von der Heimat weilten, wo sie sich mit christlicher Ergebenheit niederließen und fleißig erfolgreich arbeiteten und das Gastland als eine zweite Heimat betrachteten.
Indem ich dies schreibe, denke ich besonders an die geschätzten litauischen Einwanderer, die sich über unser so großes Land (Brasilien) verbreitet und sich hier in einem brüderlichen Zusammenleben schon seit fünfzig Jahren niedergelassen haben. Denke besonders an die sympathischen litauischen Einwanderer des Stadtteils Vila Zelina in São Paulo, rund um ihre fromme und andächtige Pfarrkirche. Ich denke an die so geschäftigen und würdigen litauischen Familien, die dort wohnen; und denke mit Respekt und besonderer Sympathie an den Klerus dieser Pfarrei, besonders an meinen ausgezeichneten Freund Pater Gavenas.
Vereinigen wir uns alle in einem Gebet an die Allerheiligste Jungfrau, damit Litauen nach der wiedererkämpften Freiheit weiterhin — und immer mehr — „Terra Mariae“, das Land Mariens sei. Damit in den kalten und schönen Weiten, in denen die Vorsehung dieses Land gesetzt hat, es weiterhin mit heiligem Stolz und apostolischen Eifer die Standarte seines katholischen Glaubens hochhalte, um so die protestantischen und orthodoxen Länder die es umringen, zur heiligen katholischen Kirche anziehe.
*    *    *

Dienstag, 29. November 2016

Drei Jahrzehnte unermüdlichen Kampfes für das katholische Litauen – 3. Teil


Das große Täuschungsmanöver der Perestroika

Gorbatschow, von den Medien des Großkapitalismus weltweit als ein Mann von außerordentlichen Eigenschaften und Reizen hingestellt, verstand es, einen der öffentlichkeitswirksamsten Schachzüge des Kommunismus in ein russisches Zauberwort — Perestroika — zu verpacken und damit die westliche Welt für sich einzunehmen.
Was bedeutet Perestroika? Mit diesem Begriff sollte eine interne Umstrukturierung jener Staaten bezeichnet werden, die damals die Sowjetunion bildeten — zu diesen zählte auch Litauen — beziehungsweise als Satelliten zum Warschauer Pakt gehörten; ihr Ziel bestand darin, diese Länder aus dem chronischen Elend herauszuführen, in das sie geraten waren. Die Perestroika sollte durch die Glasnost, einen neuen, von Transparenz in den Beziehungen zwischen den kommunistischen Ländern und der freien Welt geprägten Stil ermöglicht werden.
Gorbatschow erklärte, der Zweck seiner Reformen liege darin, „den Übergang von einem extrem zentralisierten und von Weisungen von oben abhängigen Dirigismus zu einem demokratischen, auf einer Verbindung von demokratischem Zentralismus und Selbstverwaltung beruhenden System“ zu garantieren. Nach Gorbatschows Worten bedeutet Perestroika „Masseninitiative, volle Entwicklung der Demokratie, sozialistische Selbstverwaltung, Anspornung zu Initiative und schöpferischem Einsatz, bessere Disziplin und Ordnung, mehr Glasnost (Transparenz), Kritik und Selbstkritik in allen gesellschaftlichen Bereichen“. (5)
Wie aus seinem Buch deutlich hervorgeht, nahm Gorbatschow mit seinem Eintreten für die sozialistische Selbstverwaltung lediglich die Ideen Lenins wieder auf. „Perestroika bedeutet demnach nicht, wie viele meinen, ein Zurückweichen des Kommunismus, sondern ein Schritt nach vorn bei dem Versuch, das letzte Ziel der marxistisch-leninistischen Utopie zu verwirklichen“, warnt Plinio Corrêa de Oliveira. (6)
Es ging auch keineswegs darum, die marxistische Wirtschaft in eine Marktwirtschaft zu verwandeln. „Die Arbeiterklasse wird keinen unterstützen, der die Absicht hegt, die Sowjetgesellschaft kapitalistisch zu machen“, behauptete Gorbatschow. (7)

Worum ging es dann eigentlich?

In Wirklichkeit waren sowohl Perestroika als auch Glasnost nichts als eine weitere Aktion der revolutionären psychologischen Kriegsführung mit dem Ziel, die Widerstände gegen das kommunistische Denken im westlichen Lager abzubauen. Danach wäre es um so leichter, mit geschickten Maßnahmen der revolutionären psychologischen Kriegsführung eine Annäherung zwischen dem Osten und dem Westen in die Wege zu leiten. Auf diese Weise könnten dann die Ideen der Revolution wirksam in der freien Welt verbreitet werden.
Andererseits waren sich die Rädelsführer des seit 1917 in Russland und seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in den Satellitenstaaten an der Macht befindlichen kommunistischen Molochs wohl bewusst, dass sie zwar die Massen beherrschten, diese jedoch nie wirklich überzeugen konnten. Früher oder später musste dies notgedrungen zu einer tiefen Krise im Regime selbst führen. Um diese Krise zu verbergen und zu überwinden bot Gorbatschow der Welt seine Perestroika an.

Die Berliner Mauer stürzt ein 
und es fällt der Eiserne Vorhang

Nichts davon verhinderte jedoch, dass in der kommunistischen Welt selbst sogenannte „konservative“ oder stalinistische Kreise die von Gorbatschow eingeleiteten Reformen voller Argwohn betrachteten. Und dass in den Satellitenstaaten das Streben nach Befreiung vom sowjetischen Joch immer stärker wurde.
Bei diesem Stand der Dinge kam es zu einem Aufsehen erregenden Ereignis: am 9. November 1989 sah die Welt vor ihren Augen die Berliner Mauer einstürzen, die die deutsche Hauptstadt zweigeteilt hatte: in einen westlichen, freien Teil und in einen östlichen, kommunistischen Teil.
So kam der Sturz der Berliner Mauer noch zu den durch die Perestroika Gorbatschows ausgelösten Unruhen hinzu und gab der Sehnsucht nach Unabhängigkeit neue Nahrung, nicht nur in Litauen, sondern auch in Estland, Lettland, Polen, in der Tschechoslowakei, in Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien, Armenien und Aserbaidschan.
Die Folgen waren unvermeidlich: Der Fall der Berliner Mauer führte auch zum Abbau des Eisernen Vorhangs, der die kommunistischen Länder von der freien Welt trennte. Damit waren die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass entschlossene Länder wie Litauen das Joch Moskaus abschüttelten.

Litauen erklärt sich unabhängig. Moskau übt Druck aus

Die Umstände, unter denen es am 11. März 1990 zur Unabhängigkeit Litauens kam, sollen hier von Antanas Račas, einem ihrer treuesten Vorkämpfer und Streiter, näher beschrieben werden. Er war damals Mitglied des litauischen Parlaments und arbeitete eng mit Vyatautas Landsbergis, dem neuen Staatschef Litauens, zusammen. Doch zuerst wollen wir kurz auf jene Ereignisse eingehen, die für ein Verständnis der Maßnahmen notwendig sind, die damals im Westen mit dem Ziel unternommen wurden, die Unabhängigkeit Litauens abzusichern. Diese Absicherung war deshalb geboten, weil Litauen mit seinen gut drei Millionen Einwohnern, die ihre Hauptstadt und ihr Land von der Roten Armee besetzt sahen, auf keinen Fall in der Lage gewesen wäre, dem sowjetischen Moloch ohne ein großes politisches Geschick und wichtige internationale Unterstützung entgegenzutreten.
Tatsächlich begann Moskau gleich nach der Unabhängigkeitserklärung, einen starken politischen Druck auf Vilnius auszuüben. Am 15. März erklärte das Parlament der UdSSR den Unabhängigkeitsakt als ungültig. Eine Woche später wurden die öffentlichen Gebäude und die wichtigsten Zeitungsredaktionen der Hauptstadt von sowjetischem Militär besetzt. Gleichzeitig verhängte der Kreml eine Wirtschaftsblockade über Litauen und stellte die Lieferung von Erdöl und Erdgas an das Land ein. Schließlich schlug er zynisch eine zwei- bis dreijährige „Einfrierung“ bzw. Aussetzung der Unabhängigkeit vor.
Später weiterte Gorbatschow bei einem Besuch in den USA diese Frist noch auf „fünf bis sieben Jahre“ aus und löste damit starke Proteste von Seiten amerikanischer Kongressabgeordneten aus. Wie trügerisch ein solches Versprechen klingen musste, wird deutlich, wenn man überlegt, dass während dieser Frist das Sowjetregime Litauen mit Truppen, Opportunisten und einer „fünften Kolonne“ vollstopfen und damit eine effektive Unabhängigkeit unmöglich machen konnte. Das Einfrierungsangebot war also nicht mehr als ein Täuschungsversuch, mit dem Gorbatschow die Fortdauer der russischen Herrschaft über das Land zu kaschieren gedachte.

Um nicht Gorbatschows Missfallen zu erregen...

Auch auf diplomatischem Wege suchten die Machthaber im Kreml die einflussreichsten Länder des Westens, wie etwa die Vereinigten Staaten, Deutschland und Frankreich, dazu zu bewegen, ihrerseits Druck auf Litauen auszuüben, das sowjetische Angebot anzunehmen. Dabei wurde das fadenscheinige Argument ins Spiel gebracht, dass Gorbatschow im Falle eines Misserfolgs seiner Bemühungen um die Rückgabe der Macht in Litauen an die Moskauer Hardliner mit einer Erstarkung des internen Widerstandes dieser Kreise gegen seine Perestroika-Politik zu rechnen hätte, was wiederum politische und militärische Konsequenzen nach sich ziehen würde, die den Weltfrieden in Gefahr bringen könnten.
Nach der Unabhängigkeitserklärung reiste die litauische Premierministerin Kazimiera Prunskiene auf der Suche nach Unterstützung für die Sache ihres Volkes nach Washington. Die renommierte Zeitschrift Human Events berichtete in ihrer Ausgabe vom 19. Mai 1990, dass die Regierungschefin damals bei ihrer Ankunft zur Besprechung mit dem Kabinett des Amerikanischen Präsidenten George Bush eine „gemeine Behandlung“ zuteil wurde. Das Treffen war vom Weißen Haus erst widerstrebend anberaumt worden, nachdem deutlich geworden war, dass mangelndes Interesse politischen Schaden anrichten würde.
 „Es erwarteten sie keine litauischen Fahnen, keine Ehrengarde war angetreten, ja nicht einmal polizeiliches Geleit wurde ihr gewährt“, fährt die Zeitschrift fort. Frau Prunskiene wurde mit ihrem Wagen nicht in die Anlagen des Weißen Hauses eingelassen. Man wies sie an auszusteigen, verlangte die Vorlage eines sowjetischen — nicht etwa ihres litauischen — Passes und ließ sie dann noch zehn Minuten stehen, bevor sie ohne Begleitung zu ihrer Zusammenkunft mit Bush ins Weiße Haus gehen durfte. Und das alles nur, weil das Weiße Haus Gorbatschow nicht brüskieren wollte.“
Ein andermal sickerte die Information durch, dass Präsident Bush irritiert auf das Zögern der litauischen Führung reagiert habe, auf das Verhandlungsangebot Moskaus einzugehen. Zu dieser Zeit soll ein hoher Beamter des Außenministeriums den Journalisten gegenüber geäußert haben: „Indem sie sich unfähig zeigen, einen gemeinsamen Entschluss zu fassen, erweisen sich die Litauer gewissermaßen pedantisch.“

Zu diesen Vorkommnissen schrieb die Zeitschrift Catolicismo im Juli 1990 folgenden Kommentar: „Soweit ist es nun gekommen: Ein Land, das einst frei gewesen war und dann fünfzig Jahre lang unrechtmäßig unterjocht wurde, wird als ,gewissermaßen pedantisch‘ bezeichnet, weil es sich nicht bereit erklärt, ohne ,internationale Garantien‘ das Angebot seines Henkers anzunehmen, das es unweigerlich wieder in die Gefangenschaft zurückführen wird.“
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(5) M. Gorbachev: Perestroika, Ed. Best Seller, São Paulo 1987, S. 35f.
(6) Plinio Corrêa de Oliveira: „Morto o comunismo? E o anticomunismo também?“, in Catolicismo, Oktober 1989.
(7) Vgl. O Globo, Rio de Janeiro, 18.11.1990.

Fortsetzung: Drei Jahrzehnte... 4. Teil

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Zuerst erschienen in Plinio Corrêa de Oliveira 

Donnerstag, 24. November 2016

Drei Jahrzehnte unermüdlichen Kampfes für das katholische Litauen – 2. Teil

Opfer des Nationalsozialismus und des Kommunismus

Die aus dieser Lage hervorgegangene Stimmung gegen Russland ließ sich 1905 für kurze Zeit von den Erfolgen der anti-zaristischen Revolution täuschen, in der bereits die Vorzeichen des Kommunismus zu erkennen waren. Im Ersten Weltkrieg wurde die alte litauische Hauptstadt Kaunas 1915 dann von deutschen Truppen besetzt. Nach dem Triumph der Oktoberrevolution 1917 zog das litauische Parlament die Selbständigkeit unter deutschem Protektorat vor. Als aber dann 1918 das Königreich Litauen ausgerufen werden sollte, fielen diese Pläne dem Sturz der zentralen Monarchien zum Opfer. Unter englischem und französischem Schutz wurde Litauen nun eine Republik, die sich wiederholt gegen Gebietsansprüche Polens und Angriffe gegen die Unabhängigkeit des Landes zur Wehr zu setzen hatte.
1939 besetzte Hitler Klaipeda (das frühere Memelgebiet im nördlichen Ostpreußen) und kurz darauf drang die Rote Armee in Wilna ein. Auf diese Weise sollte sich der abscheuliche, am 23. August 1939 von den Vertretern des deutschen Nationalsozialismus und des russischen Kommunismus unterzeichnete Ribbentrop-Molotow-Pakt auch auf Litauen auswirken. Hitler versicherte Stalin in diesem Pakt, dass er sich einer Besetzung Litauens durch die kommunistischen Truppen nicht widersetzen würde. Am 28 September wurde diese Abmachung dahingehend ergänzt, dass Litauen, abgesehen von einem schmalen Grenzstreifen im Süden des Landes, völlig in sowjetische Hände übergehen sollte. 1941 wurde auch dieses Gebiet gegen Zahlung einer Entschädigung an Deutschland an die Russen abgetreten. Kurz darauf wurde Litauen offiziell in die sogenannte Sowjetunion aufgenommen. Am selben Tag, an dem die Truppen Nazideutschlands in Paris einzogen, brachte die Rote Armee Litauen in ihre Gewalt.
Die Besetzung durch die Nazis und dann durch die Kommunisten hatte zur Folge, dass die Bevölkerung Litauens mehrere Verhaftungswellen über sich ergehen lassen musste: Zuerst hatten die Deutschen rund 300.000 unerwünschte Litauer umgebracht, dann kamen 1940 die Russen und deportierten etwa 145.000 Litauer. Und immer wieder wurden zahllose Katholiken festgenommen und zu Tode gefoltert. In der Nacht vom 14. auf den 15 Juni pferchten die Russen rund 35.000 Männer, Frauen und Kinder in Viehtransportwaggons zusammen und verfrachteten sie nach Sibirien in Konzentrationslager. Zwischen 1944 und 1953 (Todesjahr Stalins) wurden schätzungsweise 600.000 Litauer deportiert. Die große Mehrheit davon hat die Heimat nie wiedergesehen.

„Schandfleck unserer Zeit“

Die Erinnerung an die erst vor kurzem zu Ende gegangene Geschichte der sowjetischen Unterdrückung, die sich über mehr als ein halbes Jahrhundert erstreckt hat, ist noch immer sehr lebendig. Die Statthalter Moskaus zwangen den Menschen in den Sowjetrepubliken während all dieser Jahre eine Herrschaft auf, die soviel Elend und Knechtschaft mit sich brachte, dass die damals von Kardinal Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt XVI., geleitete Kongregation für die Glaubenslehre diese in einer Instruktion zu Recht als einen „Schandfleck unserer Zeit“ bezeichnete (1).
Zahllose Werke und Unterlagen bezeugen das Ausmaß und die Grausamkeit dieser Tyrannei. Gegen sie hat sich Plinio Corrêa de Oliveira immer wieder in seinen Reden, Vorträgen und Beiträgen, vor allem aber in den von ihm geleiteten Presseorganen Legionário und Catolicismo, ausgesprochen.

Litauischer Kongress in São Paulo

Der Gründer der TFP ließ es aber nicht bei bloßen Worten bewenden. Er nahm Kontakt zu führenden Vertretern von in São Paulo ansässigen Flüchtlingsgruppen aus den unterdrückten Völkern auf, um sie im Kampf gegen die kommunistische Unterdrückung in ihren Heimatländern zu unterstützen. In diesem Sinne versuchte er, sie in einer repräsentativen, an gemeinsamen Grundsätzen orientierten Vereinigung der vom Kommunismus unterdrückten Völker zusammenzuführen. Die in den sechziger Jahren aus diesen Bemühungen hervorgegangene Organisation nannte sichPro Libertate und setzte sich aus Vertretern der wichtigsten Flüchtlings-„Kolonien“ in São Paulo zusammen.
Als in dieser Stadt der III. Interamerikanische Litauer-Kongress stattfand, trat Plinio Corrês de Oliveira in seiner Rede für die Durchführung einer Unterschriftensammlung auf internationaler Ebene ein, mit der der Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika aufgefordert werden sollte, jeden Dialog mit dem Kreml davon abhängig zu machen, dass den baltischen Staaten dafür die Unabhängigkeit zu gewähren sei. Bei dieser Gelegenheit konnte sich sein Vorschlag jedoch nicht gegen die damals äußerst intensiv geführte Propaganda zugunsten einer Entspannung gegenüber den kommunistischen Ländern durchsetzen. Doch sollte der Gedanke später mit den Bemühungen um die Unabhängigkeit Litauens wieder aufleben.
Um die ganze Entwicklung besser verstehen zu können, die schließlich zur Befreiung Litauens geführt hat, ist es unerlässlich, zuerst einen Blick auf die Vorgänge in der damaligen kommunistischen Welt zu werfen.

Die Unzufriedenheit wächst

Sowohl in Russland als auch in den Satellitenstaaten führten die Ausmerzung der Freiheit, das Elend und die Tyrannei der Gefängnisse und Konzentrationslager zu einem tiefen, ständig zunehmenden Unbehagen. In einer Veröffentlichung zu diesem Thema bezeichnete Plinio Corrêa de Oliveira dieses Unbehagen als eine Unzufriedenheit in Großbuchstaben, denn in ihm strömte alle regionale und nationale, wirtschaftliche und kulturelle Unzufriedenheit zusammen, die sich im Laufe vieler Jahrzehnte angesammlet hatte. Er drückte dies in folgenden Worten aus:„Es war eine totale Unzufriedenheit, die vom Einzelnen stumm und wie gelähmt in seiner Wohnung, seiner Hütte, seiner Kate ertragen wurde, wo die Familie bereits aufgehört hatte zu bestehen und an die Stelle der Ehe das Konkubinat getreten war.
Unzufriedenheit, weil die Kinder dem elterlichen „Heim“ entzogen und dem Staat überantwortet wurden, der nun ganz allein für ihre Erziehung zuständig war.
Unzufriedenheit auch am Arbeitsplatz, wo Faulheit, Untätigkeit und Langeweile einen großen Teil der Zeit ausfüllten und die schäbigen Löhne nur zum Kauf von Lebensmitteln und Waren in ungenügender menge und von schlechter Qualität, dem typischen Produkt einer verstaatlichten und vom Staatskapitalismus gegängelten Industrie, reichten. In den langen Schlangen, die vor Geschäften anstanden, aus deren fast leeren Regalen das schamlose Elend bleckte, wurde flüsternd vom qualitativen und quantitativen Mangel an allem gesprochen.
Unzufriedenheit vor allem auch, weil fast überall der Gottesdienst verboten war, die Kirchen geschlossen waren und in den Schulen der Religionsunterricht durch die Pflichtfächer Materialismus und Atheismus, kurzum durch die kommunistische Unreligion ersetzt worden war.“ (2) So ist es durchaus verständlich, dass sich die unterdrückten Völker – sowohl in der sogenannten Sowjetunion als auch in ihren Satellitenstaaten – danach sehnten, das unerträgliche Joch endlich abzuschütteln. In dieser Hinsicht konnten die Aufstände in Ungarn 1956 und in der Tschechoslowakei 1968 als Vorbilder angesehen werden.

Sozialismus „mit menschlichem Gesicht“

Der Aufstand in Ungarn wurde gewaltsam niedergeschlagen. Der „Prager Frühling“ dagegen wurde von einem Vertreter des sogenannten Sozialismus „mit menschlichem Gesicht“ angeführt, wie ihn übrigens auch die Sozialistische Partei Frankreichs des Präsidenten François Mitterand für die achtziger Jahre in ihr Programm aufgenommen hatten. In einer Botschaft, die von den TFP-Vereinigungen in den wichtigsten Zeitungen der Welt mit einer Gesamtauflage von 33 Millionen Exemplaren in einer Vielzahl von Ländern veröffentlicht wurde, hat Plinio Corrêa de Oliveira dem Sozialismus diese Maske eines „menschlichen Gesichts“ heruntergerissen. (3) Worin bestand dieser „Sozialismus mit menschlichem Gesicht“ Mitterands und seiner Partei im Wesentlichen? Es ging vor allem darum, in den Familien, in den Schulen, in den Unternehmen die Selbstverwaltung einzuführen. Statt zurückzuweichen, sollte damit ein Schritt „über den Kommunismus hinaus“ getan werden; gemäß den Lehren von Marx und Lenin war man bereit, den Staat und alle seine Einrichtungen zu zerschlagen und an seine Stelle die Anarchie der Selbstverwaltung zu setzen. (4)

Obwohl es von der Presse und von einem bestimmten wirtschaftlichen, politischen und religiösen Establishment als unerschütterlicher Riese hingestellt wurde (und bis zu einem gewissen Punkt immer noch wird) – vollmundig sprach man von der anderen „Supermacht“ –,  war das Sowjetimperium in Wirklichkeit nicht mehr als ein Leprakranker, dessen faulendes Fleisch zusehends zerfiel. Die Kraft der „Supermacht“ beruhte vor allem auf der Unterstützung und den Mitteln, die aus dem Westen kamen. Nachdem nun der „Sozialismus mit menschlichem Gesicht“, der die westliche Welt unmittelbar den fortschrittlichsten Zielen des Kommunismus entgegenführen sollte, entlarvt worden war, brachten die Rädelsführer der marxistischen Revolution eine neue Komödie auf den Spielplan, indem sie den neuen sowjetischen Generalbevollmächtigten, Michail Gorbatschow, ins Rampenlicht treten ließen.
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(1) Vgl. Instruktion über einige Aspekte der Theologie der Befreiung, vom 6. August 1984, XI, 10. In vollem Wortlaut heißt es dort: „Nicht zu verkennen ist dieser Schandfleck unserer Zeit: Unter dem Vorwand, ihnen die Freiheit zu schenken, werden ganze Nationen knechtschaftlichen Bedingungen unterworfen, die des Menschen unwürdig sind“.

(2) Vgl. Plinio Corrêa de Oliveira: „Comunismo e anticomunismo na orla da última década deste milênio“, in Catolicismo, São Paulo, März 1990.
(3) Die Botschaft erschien zuerst in der Washington Post der nordamerikanischen Hauptstadt und in der Frankfurter Allgemeine Zeitung in Frankfurt/Main am 9. Dezember 1981, wo sie jeweils sechs Seiten einnahm; es folgten weitere 46 wichtige Zeitungen der westlichen Welt. Eine Zusammenfassung erschien in verschiedenen internationalen Ausgaben des Reader’s Digest sowie in 23 weiteren Presseorganen.
(4) Cf. Plinio Corrêa de Oliveira: Les têtes tombent, TFP, Paris 1981,

Drei Jahzehnte... 3. Teil

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 Zuerst erschienen in Plinio Corrêa de Oliveira

Montag, 21. November 2016

Drei Jahrzehnte unermüdlichen Kampfes für das katholische Litauen – 1. Teil


Bei seinem Kreuzzug für die Erneuerung der christlichen Zivilisation hat Plinio Corrêa de Oliveira mit großer Aufmerksamkeit die wechselvolle Entwicklung der litauischen Nation verfolgt, die zuerst vom Nationalsozialismus und dann vom Kommunismus ohne Erbarmen niedergetreten wurde. Als es die Umstände dann zuließen, hat sich der brasilianische Denker dann auch unverzüglich für die Sache der Unabhängigkeit Litauens eingesetzt.
Eine kurze Einführung in die Geschichte des Landes soll dazu beitragen, seine Rolle im Laufe der Ereignisse, die sich in den letzten Jahrzehnten abgespielt haben, sowie das besondere Interesse, das diesen der katholische brasilianische Denker geschenkt hat, besser zu verstehen. Dieses Interesse ist vor allem darauf zurückzuführen, dass es sich hier um eine katholische Nation handelt.

Aus dem Dunkel des Heidentums zu einem strahlenden christlichen Reich

Es ist eine ziemlich mühsame Arbeit, die den Historiker erwartet, der versucht, die Herkunft von Völkern erforschen, die in einer von Stammeskriegen erschütterten Zeit unter einem fast patriarchalischen Gesellschaftssystem und der Pflege heidnischer Bräuche lebten. Mit den Merkmalen arischer Rasse und einer mit dem Sanskrit verwandten Sprache, die noch deutlich archaische Züge trägt, hat das litauische Volk zwar seit grauer Vorzeit Spuren seines Daseins hinterlassen, jedoch lassen sich diese nur schwer mit Genauigkeit angeben.
Tatsächlich löst sich Litauen erst im 13. Jahrhundert endgültig aus den Nebelschleiern des Mittelalters und zeigt sich uns von nun an im Licht der Geschichte.
In dieser Epoche wandte sich der Deutsche Ritterorden, der seinen Sitz im polnischen Norden hatte, wo er das Land Ostpreußen geschaffen hatte, gegen Osten, um die Völker zu erobern, die an den östlichen Ufern der Ostsee siedelten. Dort lebten damals die Völker Litauens in einem Großfürstentum.
Als sich Großfürst Mindaugas bereit erklärte, die Taufe zu empfangen, sah Papst Innozenz IV. die Gelegenheit gekommen, die Litauer zum Christentum zu bekehren. Nach der Taufe Mindaugas’ und seiner Familie wies er den Bischof von Kulm an, ihn zum König von Litauen zu krönen. Scheinbar hat es Mindaugas bei seiner Bekehrung jedoch an Aufrichtigkeit gefehlt, denn er schwor später wieder dem Glauben ab und starb schließlich eines gewaltsamen Todes. Das Volk aber hielt weiterhin den heidnischen Göttern die Treue.
Unter der Herrschaft Gediminas’, des Gründers von Wilna und Eroberers weiter russischer Gebiete, die heute zu Weißrussland oder zur Ukraine gehören, erreichte das Großfürstentum Litauen große politische Bedeutung. 1323 äußerte Gediminas dann in einem Schreiben an den Papst den Wunsch, zum katholischen Glauben überzutreten. Er lud zudem die Franziskaner und Dominikaner ein, das Land zu missionieren. Unter dem ständigen Druck der Ritter des Deutschen Ordens verlegte sich Gediminas auf eine kluge Bündnispolitik mit verschiedenen Nachbarstaaten. Zum wichtigsten Partner wurde nun Polen, ein Land, das immer wieder unter den Einfällen der Preußen, der Tartaren und auch der Litauer selbst zu leiden hatte. König Wladyslaw Lokietek (1306-1333) vermochte fast ganz Polen wieder zu vereinen und gab die polnische Krone an seinen Sohn Kasimir III. den Großen (1333-1370) weiter. Gediminas, der sich mit Wladyslaw verbündet hatte, gab Kasimir seine Tochter Aldona zur Frau und schuf damit noch engere Beziehungen zwischen den beiden Herrscherhäusern.
Als Gediminas 1341 starb, erbten seine sieben Söhne das Großfürstentum. Unter diesen taten sich vor allem Algirdas und Kestutis als seine Nachfolger hervor. Vereint kämpften sie im Krieg gegen die Preußen. Algirdas starb 1377 als christlicher Mönch. Sein Nachfolger wurde sein zweiter Sohn Jogaila oder Jagiello. Im Gegensatz zur Freundschaft, die vorher seinen Vater und seinen Onkel verbunden hatte, verwickelte er sich in innere Auseinandersetzungen um die Fürstentümer Trakai und Wilna. Nach dem Abschluss eines Paktes mit dem Deutschen Orden ermordete Jagiello seinen Onkel Kestutis und nahm dessen Sohn Vytautas gefangen. 1392 wurde Vytautas jedoch von Anhängern Kestutis’ befreit und vom Adel des Landes zum Großfürsten Litauens gewählt. Der mit dem Beinamen der Große geehrte Vytautas trat zum katholischen Glauben über und wird noch heute von vielen als der eigentliche Begründer des litauischen Staates angesehen. An der Spitze eines verbündeten Heeres schlug er 1410 endgültig die Deutschordensritter und 1415 wurde er vom Konstanzer Konzil zum Oberbefehlshaber der Bündnistruppen im Kampf gegen die Türken ernannt.
Mit dem Tod Kasimirs des Großen war in Polen 1370 die Piasten-Dynastie erloschen. Die polnische Krone ging damit auf seinen Schwiegersohn Ladislaus aus dem ungarischen Königshaus über. Dieser gab 1386 Jagiello die Hand seiner Tochter Hedwig. Daraufhin bekehrte sich der litauische Fürst zum Christentum und bestieg nach seiner Taufe in Krakau den polnisch-litauischen Thron als Wladyslaw II. Er wurde damit zum Begründer des Herrscherhauses der Jagiellonen. Die beiden Länder bildeten von da an einen gemeinsamen Staat, behielten jedoch ihre je eigene Regierung. Die Bekehrung Jagiellos, der sich später mit seinem Vetter Vytautas versöhnte, trug entscheidend auch zur endgültigen Bekehrung Litauens zum katholischen Glauben bei. Einem Enkel Jagiellos und Hedwigs, Kasimir IV., wurde die Ehre der Altäre zuteil; als heiliger Kasimir ist er der Patron Litauens.
Die Dynnastie der Jagiellonen regierte bis 1572, während Litauen und Polen durch die wiederholte Ratifizierung der Personalunion noch bis 1795 vereinigt blieben. Mit dem allgemeinen Niedergang im 18. Jahrhundert verfiel auch diese Allianz. Und fast ganz Litauen kam nun 1795 unter russische Herrschaft. Die Litauer schlossen sich 1830 und 1863 den polnischen Aufständen gegen die Russen an, unter denen sie auch ihres katholischen Glaubens wegen härtesten Verfolgungen ausgesetzt waren.

Als Teil der „Nordwestlichen Provinzen“ büßte Litauen 1840 sogar seinen Namen ein. Besonders grausam war die 1863 von dem damaligen Gouverneur Muriaev  durchgeführte Unterdrückung.

Fortsetzung „Drei Jahrzehnte... 2. Teil

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 Zuerst erschienen in Plinio Corrêa de Oliveira