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Dienstag, 28. Januar 2020

Das Dogma der Unbefleckten Empfängnis

Die Verkündung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis



Plinio Corrêa de Oliveira
Mir liegt folgende Karteikarte zum Kommentar vor: Ein Auszug aus den Abenteuern des Dom Bosco über das Königtum Pius IX. von Hugo Wast:

„Was für eine Erstarrung der gottlosen Welt, was für ein Hohn für den Papst, da in dem Moment, indem sich vor seinen Schritten als weltlicher König der Abgrund öffnete, widmete er sich den Fragen der reinen Theologie. Aber ein Papst ist eher ein Theologe als ein König, und als er jene denkwürdigen Worte der Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis aussprach, die die Kuppel von Sankt Peter erfüllten, erhellte ein Sonnenstrahl, der durch ein offenes Fenster hereinströmte, das strahlende Antlitz des Papstes, wie das des Moses auf dem Berge Sinai. Wie in besten Zeiten, dröhnte die Kanone der Burg Sant’Angelo; die unzähligen Glockentürme Roms verkündeten die Nachricht, und Rom erleuchtete sich in dieser Nacht und tausende Städte auf der ganzen Welt ahmten es nach, und Millionen Seelen feierten die Herrlichkeit Mariens, in der Gott die Fülle aller Güter eingab, wie aus den zarten Worten des heiligen Bernhard hervorgeht. Und auf solche Weise, dass, wenn in uns irgendeine Hoffnung besteht, auf ein Gefallen, eine Erlösung, müssen wir wissen, dass uns alles von Maria kommt, denn das ist der Wille [Gottes]. Er wollte, dass wir alles durch Maria erhalten.“
Diese Passage von Hugo Wast bezieht sich auf eine der kulminierenden Tatsachen des Pontifikats von Pius IX.
Pius IX. hatte ein extrem langes Pontifikat, und wenn ich mich nicht irre, war sein Pontifikat länger als das des hl. Petrus. Es war ein Pontifikat, das in zwei sehr unterschiedliche Teile geteilt war. Im ersten Teil - es war in den ersten Monaten seines Pontifikats – da er eine liberale Ausbildung hatte, begünstigte er den Liberalismus in den Kirchenstaaten, die sich aus einigen mittelalterlichen Lehen zusammensetzte, deren Hauptstadt Rom war, wo der Papst auch als weltlicher König herrschte.
Kurze Zeit später gab es eine Revolution, die dem Papst die Augen öffnete. Er musste aus den Päpstlichen Staaten fliehen, flüchtete in das Gebiet des alten Königreichs Neapel, das ihm damals treu blieb und den südlichen Teil der italienischen Halbinsel bildete. Als er dort über die Revolution nachdachte, änderte er seine Orientierung und wurde einer der gegenrevolutionärsten Päpste der Geschichte.
Und zwei seiner besonders gegenrevolutionäre Handlungen waren: die Definition des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis und später die Definition des Dogmas der päpstlichen Unfehlbarkeit. In dieser Passage von Hugo Wast geht es nur um die Definition des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis.
Der anti-egalitäre Aspekt des Dogmas

Die Definition dieses Dogmas enthielt zwei besonders gegenrevolutionäre Punkte. Es lehrt, dass Unsere Liebe Frau ohne Erbsünde empfangen wurde, also vom ersten Moment ihres Seins an. Das heißt in anderen Worten: Sie hatte zu keinem Zeitpunkt den Makel der Erbsünde. Das kompromisslose Gesetz, nach dem alle Nachkommen Adams und Evas bis zum Ende der Welt mit der Erbsünde geboren werden, wurde in Bezug auf Unsere Liebe Frau und natürlich auf die heiligste Menschheit Unseres Herrn Jesus Christus aufgehoben.
Unsere Liebe Frau war also nicht dem Elend unterworfen, dem die Menschen ausgesetzt sind. Unsere Liebe Frau war nicht den schlechten Impulsen, den schlechten Neigungen, den schlechten Tendenzen der Menschen ausgesetzt. Alles in ihr floss harmonisch für die Wahrheit und für das Gute; alles in ihr war Bewegung in Richtung Gott. Unsere Liebe Frau war das perfekte Vorbild für Freiheit, in dem Sinne des Wortes, dass sie, was auch immer die durch den Glauben erleuchtete Vernunft für sie bedeutete, wollte sie vollständig und es gab in ihrem Inneren kein Hindernis für dieses Wollen.
Die Gnade hingegen sammelte sich an, sie war voll der Gnade. Der Antrieb, mit dem sich ihr ganzes Sein allem, was wahr ist, allem, was gut ist, zuwendete, ist wirklich unbeschreiblich.
Zu lehren, dass ein bloßes menschliches Geschöpf wie Unsere Liebe Frau - Unser Herr Jesus Christus war kein bloßes menschliches Geschöpf, die menschliche Natur war mit der göttlichen Natur verbunden, die eine Person bildete -, dass ein bloßes menschliches Geschöpf wie Unsere Liebe Frau dieses außergewöhnliche Privileg besitze, das war grundsätzlich anti-egalitär. Und dieses Dogma zu definieren, bedeutete, eine solche Ungleichheit im Werk Gottes, eine solche Überlegenheit Unserer Lieben Frau gegenüber allen anderen Wesen zu definieren, dass alle egalitären Geister offensichtlich vor Hass schäumen würden.

Die unversehrte Reinheit der heiligen Jungfrau

Aber es gab einen noch tieferen Grund, warum die Revolution dieses Dogma hasste, und der Grund war folgender: Der Revolutionär liebt das Böse, er ist ein Sympathisant des Bösen, er freut sich, wenn er in jemandem eine Spur des Bösen findet; im Gegenteil bedauert er sehr, wenn er eine Person sieht, in der er keine Spur des Bösen wahrnimmt. Weil er schlecht ist, fühlt er Sympathie und Harmonie mit dem, was schlecht ist, und er sucht das Böse in allem zu finden. Nun würde die Vorstellung, dass ein Wesen von Anfang an so außerordentlich gut und so außerordentlich heilig sein könnte, natürlich einen revolutionären Hass hervorrufen, weil er total ohnmächtig ist gegenüber ein solches Wesen.
Stellen wir uns eine Situation so vor: eine Person, die in Unreinheit versunken ist. Er fühlt die unreinen Neigungen, die ihn überall hin tragen, und natürlich fühlt er die Schande, die Depression, die ihn diese unreinen Neigungen verursachen, vor allem weil sie seine Zustimmung haben, er hat sich ihnen ergeben. Offensichtlich fühlt er sich von dem Zugeständnis, das er gemacht hat, völlig verdorben.
Stellen wir uns nun einen solchen Mann vor, der über Unsere Liebe Frau nachdenkt, die kein Verlangen nach Unreinheit hatte und die ganz aus der transzendentesten Reinheit gemacht wurde: Offensichtlich empfindet er einen Hass, eine Antipathie, weil er in seinem Hochmut von derer makellosen Reinheit überwältigt fühlt, über die er gerade nachdenkt.
Eine solche Abwesenheit von Hochmut, eine solche Abwesenheit von Sinnlichkeit, eine solche Abwesenheit jeglichen Ausschlags von Revolution in diesem privilegierten Wesen zu definieren, bedeutete zu bestätigen, dass die Revolution das Ziel einer solchen Ablehnung seitens Unserer Lieben Frau war, was wir wirklich verstehen, dass es wehtun muss und dass es den Hass der Revolutionäre auslösen muss.
Innerhalb der Kirche gab es also immer zwei Strömungen. Ein Strom, der die Unbefleckte Empfängnis bekämpfte, und ein anderer, der die Unbefleckte Empfängnis bevorzugte. Natürlich wäre es übertrieben zu sagen, dass jeder, der gegen die Unbefleckte Empfängnis kämpfte, für revolutionäre Ausschläge eintrat; aber es ist eine Tatsache, dass jeder, der für revolutionäre Ausschläge arbeitete, auf der einen Seite gegen die Unbefleckte Empfängnis kämpfte. Andererseits ist es wahr, dass all jene, die für die Unbefleckte Empfängnis kämpften und die Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis forderten, in diesem Punkt eine gegenrevolutionäre Mentalität zeigten.
In gewisser Weise war der Kampf der Revolution und der Gegenrevolution ein Kampf zwischen diesen beiden theologischen Strömungen. Und auf diese Weise können wir verstehen, dass es zu einer Zeit, als die Revolution bereits Flammen auf der ganzen Welt geworfen hat, Menschen gab, die über die Definition des Dogmas empört waren.

Die Anwendung der päpstlichen Unfehlbarkeit

Aber es gab noch einen anderen Grund, der die Definition dieses Dogmas für Liberale hassenswert machte. Da das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit noch nicht definiert worden war und es in der Kirche eine Strömung gab, die besagte, dass der Papst selbst nicht unfehlbar war, sondern nur wenn er ein vom Konzil unterstütztes Dogma definierte. Und Pius IX. hat, bevor er das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit definierte, einfach eine Reihe von Theologen konsultiert, dann alle Bischöfe der Welt konsultiert und dann mit eigener Autorität und unter Anwendung der päpstlichen Unfehlbarkeit das Dogma der Unbefleckten Empfängnis definiert.
Was für einen liberalen Theologen eine Art grundsätzlicher Kurzschluss war, denn wenn nicht definiert ist, was er definieren kann, wie definiert er dann. Und im Gegensatz, wenn er definiert, behauptet er, dass er die päpstliche Unfehlbarkeit besitzt.
Das heißt, all dies war ein Ausbruch der Empörung in der revolutionären Welt. Es war auch eine große Begeisterung in der gegenrevolutionären Welt. Und überall tauchten Mädchen auf, die auf dem Namen Conceição getauft wurden, genau zum Lob des neuen Dogmas. Daher eine Reihe von „Conceições“, die sich im Laufe der Zeit vermehrt haben, und die besagten, dass die Eltern dieses Mädchen der Unbefleckten Empfängnis Unserer Lieben Frau geweiht haben.

Pius IX. führt den Kampf im Feindeslager

Pius IX. ging so weit, dass er während seines Pontifikats Folgendes tat: Die Hauptstadt des europäischen Protestantismus war die Stadt Genf in der Schweiz. Es war der Ausstrahlungspunkt des Protestantismus in seiner radikalsten Form, des Kalvinismus.
Aufgrund von Gesetzesänderungen in der Schweiz wurde genehmigt, dass zur Zeit von Pius IX. in der Stadt Genf eine katholische Kathedrale gebaut wurde. Als Pius IX. das hörte, sagte er, er würde ein Bild als Geschenk schicken, und das Bild sei eine Statue der Unbefleckten Empfängnis, die im Zentrum von Genf aufgestellt werden solle, um dieses Dogma der Calvinisten, Lutheraner und Protestanten zu verkünden. So führte Pius IX. den Kampf gegen die Revolution in seiner Zeit und in seinem Pontifikat.
Hier ist eine sehr schöne Tatsache, die genau das ist: Pius IX. befand sich in einer schrecklichen politischen Situation: die Armeen Garibaldis bedrohten zunehmend die Päpstlichen Staaten; als König war er ein König, dessen zeitliche Macht von seinen Feinden untergraben wurde. Und dann machten sich die Liberalen über ihn lustig: Was für ein Papst-König ist das, was für ein törichter Papst, der sein Land verliert und sich darum sorgt, Dogmen zu definieren. Pius IX. machte sich keine Sorgen, er definierte das Dogma, und ein Ausbruch weltweiter Begeisterung folgte der Definition des Dogmas.
Aber er ging noch weiter, 1870, als die Päpstlichen Staaten in Gefahr waren zu fallen, berief er das 1. Vatikanische Konzil ein und während dieses definierte er das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit.
Es wird gesagt, dass es eine wahre Schönheit war: Als er sich erhob, um das Dogma zu definieren, traf ein Gewitter die Peterskirche, es kam zu Blitzen und Donnern, und man würde sagen, dass alle Elemente des Hasses aus der Hölle entfesselt und erschüttert waren. Wir können uns diesen Papst vorstellen, von dem viele sagen, er sei ein Heiliger - und ich gebe es zu -, dieser Papst, der in Mitten donnernden Blitzen steht und die Unfehlbarkeit des Papsttums definiert.
Was ist passiert? Tage nach der Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit zogen sich die französischen Truppen aus Rom zurück - die Truppen, die den Papst beschützten - und Garibaldis Truppen marschierten in Rom ein, und der Papst wurde ein Gefangener im Vatikan. Aber das Prestige, das die päpstliche Unfehlbarkeit dem Papst einräumte, war so groß und so groß seine Autorität, die sie ihm über die gesamte Kirche gab, so dass Historiker sagten, dass selbst die Päpste des Mittelalters keine größere Macht hatten als Pius IX.
Wir haben dann zwischen Pius IX. und Gregor VII. eine Analogie. Der heilige Gregor VII. zwang einen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, sich vor ihm zu verneigen und um Vergebung zu bitten. Pius IX. tat meines Erachtens eine härtere und außergewöhnlichere Sache: Er zwang die Revolution, sich vor ihm zu verneigen, ohne um Vergebung zu bitten, weil die Revolution nicht um Vergebung bittet, sondern vor Hass sabbert, gedemütigt und niedergeschlagen, ohne um Vergebung zu bitten. Was noch schöner ist, als einen Kaiser dazu zu führen, um Vergebung zu bitten.
In dieser Atmosphäre des Sieges schenkte der große Papst Pius IX., ein Gefangener, aber mehr Herr als alle seine Vorgänger, mehr Herr des Christentums und der Weltkirche, seine schöne Seele Gott.

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer von der Abschrift einer Tonaufnahme eines Vortrages von Prof. Plinio Correa de Oliveira am 15.6.1973

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe gestattet.

Freitag, 22. Februar 2019

Die Kathedra Petri




Kathedra des heiligen Petrus: ein Fest, an dem der Papst als Lehrer gefeiert wird; an dem das Papsttum gefeiert wird, im Besitz eines unfehlbaren Stuhls, mit dem es die Welt anspricht und wahrhaftig unfehlbar ist. Es ist also die Feier der Unfehlbarkeit des Papstes, durch die das Papsttum (in Glaubens- und Sittenfragen) niemals irrt.
Sie wissen, dass Papst Pius IX., der ein großer Papst war,— von dem wir eine indirekte Reliquie haben, die ein Teilchen seines Sarges ist, und dessen Heiligsprechungsprozess eingeführt wurde —, Papst Pius IX. war in der ersten Zeit seines Pontifikats eher sehr liberal. Nicht, dass er in seinen Dokumenten einen doktrinären Fehler des Liberalismus begangen hätte, aber er nahm eine Reihe von meist extrem liberalen Maßnahmen.
So wollten, im geteilten, pittoresken, vorteilhaften und effizienten Italien jener Zeit der kleinen Königreiche, Fürstentümer und freier Städte, diejenigen, die nach einer Vereinigung Italiens strebten, einen revolutionären Schlachtruf für die Straßen haben, um die Anarchisten und die Anhänger der Sekte des Mazzini zum gemeinsamen Kampf anzulocken. Zum Anlass der Wahl Pius IX. verbreiteten sie überall den Ruf, „Viva Pio IX“ (Es lebe Pius IX.). Mit diesem Ruf rekrutierten sie auf den Straßen die Lazzaroni, die Schamlosen, die Revolutionäre, Mitglieder der Mafia, der Camorra und alles andere aus dem Untergrund der Gesellschaft, für den Kampf gegen jene kleinen Throne, deren Verschwinden wir heute noch bedauern.
In dieser schwierigen Situation, in der ein Papst schließlich ein Symbol der Revolution war, lebte ein großer Heiliger, Don Bosco. Der Ruf, „Viva Pio IX“, der Revolutionäre drang auch in die Schulen des hl. Don Bosco ein. So erschall dieser Ruf der Revolte hier und da mitten im Schulhof.
Dagegen fiel Don Bosco eine Lösung ein: Er Verbot den Schülern, „Viva Pio IX“ zu rufen. Er — ein Heiliger ... — befahl ihnen, sie sollten „Viva il Papa“ (Es lebe der Papst) rufen. Es war ein souverän intelligenter Ausweg. Weil „es lebe der Papst“, sollten wir immer rufen. Nur den Umständen entsprechend sollte der Name des Papstes genannt werden. Diese Begebenheit ist im Heiligsprechungsprozess des Don Bosco registriert, und hinderte nicht ihn im Verzeichnis der Heiligen aufzunehmen, und dass seine Arbeit von der Vorsehung in jeder Hinsicht gesegnet wurde.
Der Grund dieser Haltung ist eine sehr wichtige Unterscheidung: die Unterscheidung zwischen Papst und Papsttum; zwischen der Person des Papstes, die der menschlichen Barmherzigkeit unterworfen ist, aber auch Fehlern in allen Maßen unterliegt, die nicht durch die Unfehlbarkeit garantiert sind, und andererseits der Institution, die sich von der Person völlig unterscheidet. Und wenn es stimmt, dass man ab und zu ruft: Es lebe dieser oder jener, und man manchmal still bleibt, manchmal weint, aber immer betet, gibt es einen Ruf, den wir immer laut rufen sollten, und der ist: „Es lebe der Papst!“, „es lebe das Papsttum!“
Aus diesem Grund ist das Fest, das wir heute feiern, das Fest des Stuhls des hl. Petrus, der Kathedra Petri, ein äußerst zeitgemäßes Fest, denn es feiert den Papst als Lehrer, es feiert das Papsttum als Inhaber eines unfehlbaren Lehrstuhls, der sich an die Welt wendet und tatsächlich unfehlbar ist. Und deshalb ist die Unfehlbarkeit des Papstes, die Orthodoxie, sozusagen das, wodurch das Papsttum nie Irren kann. Und das ist der Gegenstand der heutigen Zeremonie.

Wir wissen, dass von dem Peterstuhl fast alles erhalten geblieben ist, und dieser Stuhl wird in der Peterskirche in Rom aufbewahrt. In der Apsis, wo die Gloria Berninis ist, befindet sich ein Bronzestuhl. Dieser Stuhl ist hohl und von Zeit zu Zeit wird er geöffnet, und ein kleiner Holzschemel gezeigt, von dem ich das Foto gesehen habe, und der als der Thron des hl. Petrus angesehen wird.
Das Fest der Kathedra Petri bezieht sich auf diesen „Thron“, es hat aber viel mehr im Sinn als diesen Thron angesichts der Tatsache, dass Rom der Sitz des hl. Petrus ist, und der Tatsache, dass unser Herr Jesus Christus dem Petrus einst den Charakter der Unfehlbarkeit zugeteilt hat, und der Tatsache, dass dieser unfehlbare Lehrstuhl die Heilige Apostolische und Römisch-Katholische Kirche regiert. Dies ist, was heute gefeiert wird.
Im Petersdoms gibt es im Mittelschiff eine Monument aus dunklem Material (Bronze), das den hl. Petrus als Papst darstellt mit den Schlüsseln in der Hand, auf einem Thron sitzend. Seine Füße sind genau in der Höhe des Mundes des Betrachters, so dass sie leicht mit einem Kuss verehrt werden können. Und alle Pilger, die nach Rom kommen, gehen hier vorbei und küssen den Fuß des hl. Petrus. Das Ergebnis ist, dass mit dem tausend und tausend Mal wiederholten Kuss sogar der Fuß des heiligen Petrus abgenutzt ist. Ich denke, es ist das einzige Beispiel in der Geschichte, in dem Küsse Bronze abnutzen.
Der etwas vorgerückte Fuß, der geküsst wird, ist abgenutzt und geglättet. Und was noch schöner ist, ist, dass am Fest des hl. Petrus diese Figur mit den päpstlichen Ornamenten bekleidet wird. Sie hat also eine Tiara, sie ist gekleidet, als wäre sie ein lebender Papst, um auf die großartige und offensichtliche Solidarität und Kontinuität hinzuweisen, die vom hl. Petrus bis zum Papst unserer Tage geht.
Was sollen wir heute machen? Im Geiste den Fuß dieses Bildes küssen. Das heißt, im Geiste das Papsttum, im Geiste dieses Prinzip der Weisheit oder der Unfehlbarkeit der Autorität küssen, das die katholische Kirche regiert. Und durch die Muttergottes, Unserem Herrn Jesus Christus für die Einsetzung dieser Unfehlbarkeit dieses Stuhls zu danken, der in der Tat die (tragende) Säule der Welt ist. Denn wenn es keine Unfehlbarkeit gäbe, wäre die Welt völlig verloren, die Kirche wäre zerbrochen und mit ihr wäre die Welt verloren, wie auch der Weg zum Himmel. Denn die Menschen würden den Weg in den Himmel nicht finden, wenn es keine unfehlbar regierende Autorität gäbe.
Doch eine Sache, an die wir uns erinnern müssen, ist folgende: Die Treue zum Stuhl ist unter allen Umständen nicht zu verwechseln mit der bedingungslosen Akzeptanz dessen, was die Person tut. Unser Herr Jesus Christus unterscheidet zwischen dem Stuhl und der Person. Obwohl der Papst der Meister selbst ist und die Macht des Stuhls in ihm wohnt, ist nicht alles in ihm Stuhl, und wir können uns die Kirche nicht vorstellen, wie sie von unserem Herrn Jesus Christus nicht gemacht wurde. Die Kirche wurde von unserem Herrn Jesus Christus auf diese Weise geschaffen.
Deshalb muss unsere höchste Treue zur Kathedra Petri wie folgt sein: Wenn ein Lehrmeister wie Pius IX. etwas tut, was die Kathedra nicht gelehrt hat, mit wem sollen wir bleiben? Mit dem Stuhl oder mit dem Lehrmeister? Mit dem Stuhl, bis zum Tod, mit der Gewissheit, dass der Stuhl nie den Meister verlässt; der Meister aber kann manchmal den Stuhl verlassen. Und deshalb kann man keine abstrakte Treue zum Papsttum haben, die keine konkrete Treue zum gegenwärtigen Papst ist, in jedem Maß, in dem er unfehlbar ist und die Macht hat, die katholische Kirche zu leiten und zu regieren.

Plinio Correa de Oliveira, Vortrag „Heiliger des Tages“ am 22. Februar 1964.

Freie Übersetzung aus dem Portugiesischen. Der Originaltext ist die Abschrift einer Aufzeichnung, wurde vom Urheber nicht revidiert.

Bild: https://www.flickr.com/photos/paullew/5467740334/