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Freitag, 22. Juli 2022

Zusammenarbeit und Mystifizierung



Plinio Corrêa de Oliveira

      In meinem letzten Artikel* habe ich die allgemeine Wahrheit hervorgehoben, dass die Katholische Aktion, je sorgfältiger sie ihre Mitglieder ausbildet und auswählt, umso mehr in der Lage sein wird, sich einem umfassenden Apostolat zu widmen, dessen fruchtbare Auswirkungen nicht nur durch natürliche, sondern auch durch übernatürliche Eigenschaften hervorgebracht werden, die ein günstiges Umfeld für eine mutige und aktive Arbeit schaffen, die wirklich die Wurzeln der Gesellschaft erreichen kann.

      Diese Kühnheit kann sich jedoch, wenn sie nicht auf einer sehr tiefgreifenden Ausbildung beruht, leicht in eine süße und harmlose Strategie verwandeln, die die Aussicht auf die schwersten geistigen Katastrophen mit sich bringt.

      Um zu sehen, wie heikel die Angelegenheit ist, genügt ein kurzer Blick auf das Pontifikat Pius’ XI.

* * *

      Niemand in unserem Jahrhundert hat besser als dieser große Papst verstanden, wie ratsam die Zusammenarbeit aller wohlmeinenden Elemente gegen den gemeinsamen Feind des Glaubens und der Zivilisation ist.

      Die Prinzipien der Reformation und der Revolution von 1789 haben in unserem Jahrhundert ihre giftigsten und bittersten Früchte getragen. Der Glaubensabfall der westlichen Nationen hat nicht nur den geistigen, sondern auch den intellektuellen und materiellen Ruin aller Völker des Westens verursacht, die, von den größten bis zu den kleinsten, von den berühmtesten und reichsten bis zu den ärmsten und unbekantesten, heute in einem unentwirrbaren Chaos kämpfen. Die religiösen, philosophischen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Kämpfe zu Beginn des Pontifikats von Pius XI. verwoben sich mit den Parteikämpfen und gaben den liberalen Regimes eine fatale Schwäche, die die Moskauer Propagandisten zur Vorbereitung der sozialen Revolution nutzten. Das gesamte Gebäude der westlichen Zivilisation drohte einzustürzen und mit seinem immensen Scheitern nicht nur die geistigen, sondern auch die wertvollsten intellektuellen und sozialen Interessen der Zivilisation zu zerstören.

      Als dies erkannt wurde, brach in allen Ländern der Welt eine ernsthafte antirevolutionäre Reaktion aus. Alle Menschen, die nicht in gutem Glauben und mit gesundem Menschenverstand die letzten Reste von Würde und Adel verloren hatten, reagierten, jeder auf seiner Seite. Pius XI. beschloss also, in einer gigantischen Bewegung von einnehmender Strategie, die gleichzeitig von dem Herzen eines Vaters und von der Intelligenz eines Hirten inspiriert war, alle rechtschaffenen Menschen, gleich welcher Religion oder philosophischen Strömung, zu einer immensen Zusammenarbeit gegen den gemeinsamen Feind unter der obersten Führung des Papsttums zusammenzurufen.

      Der päpstliche Appell, der sich feierlich an die ganze Welt richtete, hatte ein Ergebnis, das vielleicht alle Erwartungen übertraf. Von allen Kontinenten und aus allen Ländern erreichten den Vatikan Briefe, in denen dem Heiligen Vater nicht nur die Unterstützung der Gläubigen, sondern auch von Menschen zugesagt wurde, die den katholischen Kreisen sehr fern standen. Und der antikommunistische Kampf nahm in vielen Bereichen eine nie dagewesene Intensität und Wirksamkeit an, was der Zivilisation allgemein zugute kam.

      Gleichzeitig hatte Pius XI. einen doppelten Akt des Apostolats vollzogen. Einerseits versetzte er Moskau einen scharfen Schlag, andererseits gewann er der Kirche die respektvolle Sympathie zahlloser Seelen, die sich vielleicht in naher oder ferner Zukunft aus dieser Haltung der distanzierten Sympathie zu einer vollen Solidarität erheben würden, die in der Konversion zum Katholizismus sich bestätigen würde.

      Es scheint fast unmöglich zu sein eine umfassendere Politik der Zusammenarbeit in die Praxis umzusetzen.

* * *

      Pius XI. hingegen war von einer Unnachgiebigkeit, die nicht nur die Gegner der Kirche, sondern auch viele Katholiken „modicae fidei“ (eines moderaten Glaubens) mehr als einmal beunruhigte.

      In dieser Hinsicht gibt es sogar einen scheinbaren Widerspruch in seinem Pontifikat, den künftige Historiker sicherlich als eines der Merkmale seiner klaren und durchdringenden Führung feststellen werden.

      In der Tat war Pius XI., der Papst der Zusammenarbeit, vielleicht aber der Papst, der die größten und wichtigsten Bündnisse für die Kirche ablehnte. Die Action Française, der Nationalsozialismus und die „politique de la main tendue“ waren drei sehr deutliche Beispiele für diese unnachgiebige Orientierung.

      In allen drei Fällen versuchten schlecht ausgebildete Katholiken, die Politik der Zusammenarbeit des Papstes auf ihre Weise umzusetzen.

      Als Pius XI. den päpstlichen Thron bestieg, fand er das sehr ernste Problem der Action Française vor, das einer Lösung harrte. Diese monarchistische Strömung in Frankreich, an deren Spitze zwei große Intellektuelle, Léon Daudet und Charles Maurras, standen, legte ein schönes Programm des sozialen Wiederaufbaus vor, in dessen Elementen man verschiedene katholische Prinzipien erkennen konnte, die mit unbestreitbarem Genie auf die französischen Probleme angewandt wurden. So gab es viele Berührungspunkte zwischen dieser Strömung und den Katholiken. Andererseits bekräftigten ihre Führer, die persönlich mit hohen katholischen Persönlichkeiten verbunden sind, immer wieder ihre Sympathie für den Katholizismus und deuteten eine für die Kirche schmeichelhafte Situation an, falls die Action Française gewinnen sollte. Es ist sicher, dass das Programm der Action Française andererseits zahlreiche Lehrfehler enthält. Aber wäre es nicht besser, mit dieser Bewegung zusammenzuarbeiten, als einen Krieg gegen sie zu führen? Wäre es nicht besser, sie zu erobern, als sie zu bekämpfen? Wäre es nicht vorteilhafter, ihre Anführer (beide Agnostiker) zu unterstützen, um ihre Sympathie zu gewinnen und sie dann sofort oder sogar erst dann zu bekehren, wenn sie bereits an der Macht sind? Viele dachten so und behaupteten, dass sie damit im Einklang mit der von Pius XI. gepredigten Politik der Zusammenarbeit handelten. Doch Pius XI. sah das anders. Er verurteilte daher die Bewegung, ihre Anhänger, ihre Mitarbeiter und sogar die Leser ihrer Zeitungen. Die Hand, die die Aktion Française ihm entgegen streckte, glaubte Pius XI nicht erwidern zu müssen. Und dieser Schlag war hart und sicher.

      Dann kam der Nationalsozialismus. Pius XI. proklamierte den Kampf aller Gläubigen gegen den atheistischen Kommunismus. Zu diesen Gläubigen gehörte auch Hitler mit einer Bewegung der nationalen und geistigen Wiederherstellung (?), Sie begeisterte viele Katholiken, an deren Spitze auch der traurigerweise berühmte von Papen war. Solange es ihm passte, bewahrte der Nationalsozialismus einen gewissen Anschein von Sympathie mit der Kirche und bot Pius XI. sogar ein schönes Konkordat an, das dieser annahm. Aber nachdem er die Kirche in all ihren Rechten anerkannt hatte und glaubte, dem Katholizismus damit einen großen Gefallen getan zu haben, begann Hitler, sie mit zunehmender Dreistigkeit zu bekämpfen, während er sich andererseits zum Vorkämpfer des Christentums gegen den atheistischen Kommunismus erklärte. Während er also einerseits der Kirche schadete, bot er ihr andererseits weiterhin seine Mitarbeit im Kampf gegen den Kommunismus an. Viele Katholiken dachten, dass sie im Gegenzug für diese Zusammenarbeit Hitler weiterhin helfen und unterstützen oder zumindest die Arme verschränken und alle seine Angriffe auf die Kirche ignorieren könnten. Aus diesem Grund wurden in nicht wenigen katholischen Kreisen zwar die Münder weit aufgerissen, um gegen den Kommunismus zu wettern (und das zu Recht), aber die Ohren verschlossen, um die Vorwürfe gegen den Nazismus nicht zu hören. Praktisch war es so, als ob der Nazismus kein Feind der Kirche wäre. Seine Hetzreden wurden mit einem systematischen Schweigen beantwortet: Es war notwendig, seine Zusammenarbeit gegen den Kommunismus zu nutzen.

      Doch Pius XI. dachte anders. Und in einer wunderbaren Enzyklika, einer der schönsten, die je geschrieben wurde, schlug er Alarm gegen den Totalitarismus der Rechten, den er ohne Zögern und falsche Sentimentalität geißelte.

      Schließlich, als die Kommunisten erkannten, dass die Kirche sich weder mit dem Totalitarismus der Rechten verbünden noch sich ihm unterwerfen würde, versuchten sie, mit Hilfe von Lippen, die oft katholisch waren (!?), ein Bündnis mit der Kirche. Sie „reichten die Hand“ der Kirche, wie sich die linke Presse typisch ausdrückte. Zwischen Katholiken und Kommunisten sollte ein Bündnis gegen den Nationalsozialismus geschlossen werden. Viele Katholiken (!?) dachten so. Und sie gaben sich die Hand. Doch Pius XI. dachte anders. Und durch unnachgiebige Unnachgiebigkeit hat er die törichten Hoffnungen auf diese illusorische Zusammenarbeit zunichte gemacht.

      Wie man sieht, ist das Problem der Zusammenarbeit manchmal beunruhigend schwierig, und doch begegnet es jedem von uns in der Erfahrung unseres täglichen Apostolats. Wie oft taucht selbst in unserem kleinen persönlichen Aktionsradius eine „ausgestreckte Hand“ auf, ein heidnischer „Beschützer“ der Kirche, ein Mensch, der Äpfel und Birnen versöhnt, den Rotary mit der Freimaurerei, mit dem Protestantismus, mit dem Nazismus, mit dem Kommunismus... und mit dem Katholizismus?

      Wenn eine tiefe Bildung die Katholiken nicht aufklärt und vorbereitet, wie viele und welche Verwerfungen werden dann noch auf den verschlungenen Pfaden der heidnischen Welt auf sie lauern?

      Hat so nicht letztlich die geistliche Dekadenz eines von Papen und seiner unzähligen, über die ganze Welt verstreuten geistigen Nachahmer begonnen? Und wie viel hat das die heilige Kirche Gottes gekostet?

* * *

      Ich überlasse diese Frage dem Verstand der Leser und behalte mir vor, das Thema in der nächsten Ausgabe wieder aufzugreifen und die Gründe für die verurteilenden Gesten des unvergesslichen Papstes Pius XI. zu untersuchen.

* „Auf dem Weg zur Expansion“ können Sie hier nachlesen

 

Aus dem Portugiesischen übersetzt mit Hilfe von Deepl-Übersetzer (kostenlose Version)von „Cooperação e mistificação“ in O „Legionário“  Nr. 347, vom 7. Mai 1939.

Diese deutsche Fassung „Zusammenarbeit und Mystifizierung“ erschien erstmals in  www.p-c-o.blogspot.com

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Dienstag, 19. Juli 2022

Nächstenliebe und Dummheit




Plinio Corrêa de Oliveira

      In meinem letzten Artikel habe ich die unnachgiebige Haltung des Heiligen Vaters Pius XI. gegenüber drei sehr wichtigen zeitgenössischen ideologischen Strömungen aufgezeigt, die der Kirche stillschweigend oder ausdrücklich ihre Unterstützung im Kampf gegen gemeinsame Feinde anboten, und ich habe versucht, die Gründe für diese Unnachgiebigkeit zu erklären. Eine solche Erklärung ist im Übrigen für ein gutes Verständnis des Pontifikats von Pius XI. unerlässlich, da sie in offensichtlichem Widerspruch zu anderen Haltungen des großen Papstes steht. Wie ist es nämlich zu erklären, dass ein so weitsichtiger Mann wie Pius XI., der sich bereit erklärte, sich mit dem Teufel selbst zu verbünden, wenn er es für absurd hielt, dass der Teufel ihm einen nützlichen Beitrag zur Sache des Guten leisten könnte, solche Bündnisse wie die der Action Française, des Nationalsozialismus und der Anhänger der „politique de la main tendue“ ablehnte? Wenn einerseits unbestreitbare Hindernisse die Kirche von einer dieser Strömungen trennten, so lässt sich doch nicht leugnen, dass es zwischen ihr und jeder der drei Strömungen eine breite Linie gemeinsamer Interessen gab. Pius XI. appellierte an alle Menschen, gleich welcher Religion oder welchen Landes, sich zu vereinen, um die Zivilisation vor dem kommunistischen Atheismus zu retten, auch wenn diese Religionen oder Länder in vielerlei Hinsicht in tiefster Feindschaft zueinander stehen. In dem Augenblick, in dem sich die Möglichkeit einer solchen konkreten, außerdoktrinären Zusammenarbeit in einem positiveren Licht darstellte, scheint der Papst in diametralem Gegensatz zu seinem eigenen Rat gehandelt zu haben, indem er jede Verbindung oder Koalition mit diesen Kräften ablehnte. Wie lässt sich dieses Verhalten erklären?

* * *

      Die Erklärung ist nicht einfach. Um die Haltung von Pius XI. zu verstehen, muss man mit gewissen Unwägbarkeiten spielen, deren richtige Wahrnehmung und Bewertung nur derjenige vornehmen kann, der dafür besondere Antennen hat. Gerade deshalb werden diejenigen, die nicht über diese Antennen verfügen, die sozusagen einen sechsten Sinn im Bereich der Intelligenz darstellen, kaum in der Lage sein, die konkrete Situation wahrzunehmen, in der sich der Papst befand und die sein Verhalten erklärt. Außerdem ist das Verständnis dieser Situation nicht nur ein Problem der Kirchengeschichte. Sie ist eng mit den konkreten Umständen des individuellen Apostolats eines jeden von uns verbunden. Und aus diesem Grund verdient sie von unserer Seite eine ernsthafte Anstrengung der Aufmerksamkeit.

      Der Fall des Nationalsozialismus ist der schmerzhafteste von allen. Diese Strömung entstand in Deutschland, als der Liberalismus auf dem Höhepunkt seiner schädlichen Wirkung war. Der Liberalismus, der die Intelligenz durch das langsame Wirken des ihm innewohnenden Skeptizismus zersetzt, die Sitten durch die von ihm gepredigte verbrecherische Toleranz verdirbt und das politische, wirtschaftliche und soziale Leben durch die Anarchie, die er unweigerlich mit sich bringt, desorganisiert, hat Deutschland an die Pforten des völligen Ruins geführt. Die tiefen Beweggründe der Krise klar erkennend, neigten sich viele bedeutende Geister dem Katholizismus zu, in dem sie den einzigen rettenden Leitstern sahen. Was die Massen anbelangt, so haben sie sich, endlich geleitet von jener sicheren Wahrnehmung der Realitäten, die sie manchmal besitzen, ebenfalls weitgehend in katholische Vereinigungen eingereiht, mit offenkundigen Vorurteilen gegenüber dem Protestantismus und dem Sozialismus. Einerseits profitierte der Katholizismus sehr von dieser Situation, da sie eine indirekte Apologetik für die von der Kirche verkündeten Wahrheiten darstellte. Auf der anderen Seite wuchs aber auch die kommunistische Gefahr. Aber die Katholiken, die auf politischem und sozialem Gebiet nach den Vorschriften Leos XIII. stark organisiert waren, fürchteten sich nicht vor der roten Lawine, denn sie waren sich sicher, dass sie der Gefahr Einhalt gebieten konnten, so wie es die unbesiegten Katholiken der unglücklichen Ostmark unserer Tage in Österreich, nur zwei Schritte von Deutschland entfernt, getan hatten. Die Situation in Deutschland war also offenkundig günstig für eine religiöse Restauration, die automatisch eine wirtschaftliche und soziale Restauration nach sich ziehen würde.

      Angesichts des Zustroms von Sympathisanten, die auf der Suche nach Wahrheit und Einheit aus allen intellektuellen Richtungen in die Kirche strömten, nahmen die Katholiken eine barmherzige und verständnisvolle Haltung ein, die den Zugang der verlorenen Schafe zu dem einen Schafstall Jesu Christi erheblich erleichterte. Und so erahnten inmitten der Stürme und der Wirtschaftskrisen zahlreiche Lichtblicke die Rettung Deutschlands in naher Zukunft.

      Dann erschien Hitler. Er rekrutierte in seinen Reihen zahllose Persönlichkeiten aller intellektuellen Richtungen, die sich dank eines von Niederlagen und Schmerzen verwundeten Patriotismus untereinander einig waren, und hielt ebenfalls ein antikommunistisches und antiliberales Banner hoch, das die Massen begeisterte. Mit einer vernichtenden Kritik an der deutschen Situation, die in ihren besten Passagen nichts anderes ist als die Anwendung katholischer Prinzipien, von denen er vorgibt zu abstrahieren, zeigt Hitler eine große Affinität zum Denken der Kirche. War also eine weitere Strömung von Sympathisanten auf dem Weg zum Katholizismus? Viele unter den Katholiken glaubten das. Und um diese Affinität in volle Solidarität umzuwandeln, haben sie die Zugeständnisse an den Nationalsozialismus bis an ihre Grenzen getrieben.

      Hitler war jedoch kein echter Sympathisant. Das, was seine Strömung präsentierte, war total schlecht; schlecht in dem, in was sie von der Kirche abwich, und schlecht auch - das Paradoxon ist gerecht und wir werden es weiter unten erklären - in dem, in was sie ihr ähnlich war.

      Durch seine Berührungspunkte mit der Kirche erzielte Hitler folgende sehr schlechte Auswirkungen:

      1) Er lenkte die Sympathien, die von Natur aus auf die Kirche gerichtet waren, auf sich selbst um; vor dem Aufkommen des Nationalsozialismus wurde es immer offensichtlicher, dass das einzige Mittel gegen Anarchie und Kommunismus der Katholizismus war: nach dem Nationalsozialismus wurde der Katholizismus als „eine“ der möglichen Lösungen angesehen, nicht jedoch als „die“ Lösung schlechthin;

      2) Es ist leicht zu verstehen, dass der Nationalsozialismus, der eine ähnliche Sprache wie die Kirche sprach, leichter Sympathien gewann als die Kirche. Die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche setzt eine tiefe innere Umwälzung voraus, die nicht vollzogen werden kann, ohne geistige Schmerzen, die oft unerträglich sind, und intime Opfer zu bringen, deren Preis den des Verzichts auf die wertvollsten materiellen Güter bei weitem übersteigt. Für die Seelen, die angeekelt waren von der liberalen Verwesung, massenhaft zum Katholizismus emigrierten, bot der Nationalsozialismus eine intellektuelle Unterkunft auf halber Höhe, viel weniger hoch und viel weniger schwer zu erreichen war. Es fehlte nicht an denen, die davon ausgingen, dass dieses Gasthaus zu späteren Höhenflügen ermutigen könnte. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass dies nicht der Fall war. Die Geister, die von der Landung der Nazis erfasst wurden, ließen sich von der gewalttätigen Propaganda, dem Wirken schädlicher Prinzipien und vor allem der Verherrlichung des Nationalismus ließen sich hinweg in einen tieferen Abgrund treiben, als der, den sie zu vermeiden suchten.

      3) In der Tat erschien der Nationalsozialismus von Anfang an wie eine echte Zauberkiste, deren Inhalt ganz anders war, als sein Aussehen vermuten ließ. Hitler hat in „Mein Kampf“ zwei völlig unterschiedliche Teile geschaffen. Im ersten greift er den Liberalismus heftig an, und zwar mit wirklich außerordentlichem Erfolg; im zweiten versucht er, die Gesellschaft der Zukunft zu beschreiben, die auf nationalsozialistischen Grundlagen aufgebaut werden sollte. Die nationalsozialistische Propaganda nutzte im Allgemeinen nur den ersten Teil, um Sympathien zu gewinnen. Der zweite Teil kam später: Er wurde sorgfältig den ausgewähltesten Mitgliedern der Partei mit Geschick und einer Unredlichkeit verabreicht, die vollkommen identisch ist mit der, die die aufeinanderfolgenden Einweihungen der Freimaurerei kennzeichnet. Der Nationalsozialismus barg also eine große Falle. Und erst am Tag des Jüngsten Gerichts wird man erfahren, wie viele Seelen durch diese teuflische List gefangen und abgeschlachtet wurden.

      4) Schließlich waren nur wenige Katholiken scharfsinnig genug, um das satanische Manöver des Nationalsozialismus zu erkennen. Der Episkopat schlug natürlich Alarm. Aber unter den Katholiken selbst ging das ständige Bemühen, mit allen Mitteln Sympathien für die Kirche zu gewinnen, so weit, dass es zur Disziplinlosigkeit wurde. Dem Episkopat wurde offen vorgeworfen, unnachgiebig zu sein und mit dieser Unnachgiebigkeit den Übertritt der NSDAP zum Katholizismus zu kompromittieren. Es war notwendig, den Nationalsozialismus zu erobern. Und da bestimmte Leute nur mit Lächeln, kleinen Aufmerksamkeiten und Witzen zu erobern sind, gab es einen ganzen Sektor von Katholiken, die mit dem Nationalsozialismus zu „flirten“ begannen, nach „Chamberlain’scher“ Art. Für die Nazis hatten sie jede mögliche Toleranz. Aber der Höhepunkt ihrer akuten und virulenten Intoleranz galt den Katholiken - einschließlich dem Episkopat -, die nicht der gleichen Chamberlain’sche Orientierung folgten...

      Nachdem Hitler in der Katholischen Partei einige Judasse bestochen hatte - von Papen war einer von ihnen - konnte er diese internen Spaltungen unterhalten, sogar bis zu dem Punkt, dass er eine Spaltung unter den Katholiken provozierte, auf dessen Kosten er die Macht ergriff.

      Hitler, der sich damit nicht zufrieden gab, wollte sich immer noch als Vorkämpfer der Christenheit gegen den Kommunismus aufspielen. Und während er die deutschen Katholiken unerbittlich mit den Füßen trat, präsentierte er der ganzen Welt mit seinen Händen einige Trophäen, die er (?) den Kommunisten entrissen hatte. Und mit diesen Trophäen suchte er die Unterstützung der Katholiken in aller Welt - mit dem Papst an der Spitze - für die Sache des Nazismus.

      Konnte Pius XI. eine solche Zusammenarbeit akzeptieren? Offensichtlich nicht. Denn dies war keine Kollaboration, sondern Verrat. Ein Verrat, der der Epoche, in der wir leben, angemessen ist, einer Epoche, die, wie Pius XI. mit Blick auf die Situation in Deutschland sagte, gleichzeitig an die Grausamkeiten der Zeit Neros und an den schändlichen Verrat aus der Zeit Julians des Apostaten erinnert.

      Mit verlorenen Söhnen, die außerhalb des väterlichen Hauses seufzen, gibt es mögliche Zusammenarbeiten. Nicht aber mit Verrätern. Nächstenliebe und Dummheit sind sehr unterschiedliche Dinge.

      Wir werden im nächsten Artikel sehen, was mit der Action Française und der politique de la main tendue geschah.

 

 

Aus dem Portugiesischen übersetzt mit DeepL-Übersetzer (kostenlose Version) von „Caridade e tolice“ in O “Legionário”  n.º 348, 14. Mai 1939.

Diese deutsche Fassung „Nächstenliebe und Dummheit“ erschien erstmals in  www.p-c-o.blogspot.com

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Dienstag, 5. Juli 2022

Die Situation des Papstes (September 1943)


Deutsches Sturmgeschütz am linken Tiberufer

 Plinio Corrêa de Oliveira

      Ohne eine große Anstrengung des gesunden Menschenverstandes und des Glaubensgeistes ist es nicht möglich, eine gerechte und vernünftige Position zu dem zu finden, was jetzt um den Papst herum in Rom geschieht.

      Es gibt diejenigen, die, erschrocken über die Anfälligkeit ihres Eifers oder vielleicht von dem frommen Wunsch beseelt, die kindlichen Gefühle der Christenheit für den Heiligen Vater zu wecken, den dunkelsten Hypothesen, den schrecklichsten Versionen, den dramatischsten Möglichkeiten den Vorzug geben. Auf der anderen Seite gibt es leider auch jene, die, von jener tödlichen Apathie lauwarmer Menschen befallen sind, die ihre Augen vor schwierigen Situationen verschließen und sich in die goldene Ruhe ihrer unmittelbaren Sorgen zu versenken suchen, es den Aposteln im Ölgarten gleichtun und tief schlafen. Dazwischen gibt es, Gott sei Dank, diejenigen, die sich bemühen, sich genau und objektiv zu informieren und die gegenwärtige Stunde so zu leben, wie Gott sie zugelassen hat, weder schlechter noch besser, immer beseelt vom Vertrauen in die Vorsehung, die die heilige katholische Kirche nie verlassen hat. Und dass sie versuchen zu beten. Denn das Gebet ist heute mehr denn je die große Pflicht der Katholiken.

* * *

      Was gibt es wahres über die Situation des Papstes? Die Nachrichten sind so verwirrend, dass es schwer zu sagen ist. Es gibt jedoch Hypothesen, die wir, auch wenn sie unwahrscheinlich sind, ausschließen können. Und eine davon ist, dass der Heilige Vater in unmittelbarer Todesgefahr schwebt, dass er körperliche Not leidet, dass er Gegenstand direkter Beleidigungen und ausdrücklicher persönlicher Angriffe ist.

      Die traditionelle Politik des Nationalsozialismus vermittelt uns diesen Eindruck. Den Nazis fehlt es nicht an Hass, um die schlimmsten Verbrechen gegen den Papst zu begehen. Sie, die die heilige Kirche in Deutschland in jeder Weise verfolgten und unseren Herrn Jesus Christus von dort mit völliger Hartnäckigkeit und Radikalität zu vertreiben suchten, wären durchaus zu den grausamsten Schlägen gegen den Stellvertreter Christi fähig. Aber Nazihass ist machiavellistisch. Und eine Haltung der persönlichen Brutalität gegenüber dem Papst passt nicht zum totalitären Machiavellismus.

      In Deutschland haben die Nazis zwar die schlimmsten Praktiken gegen die Religion ausgeübt, aber [einige Worte scheinen im Original zu fehlen] die Bischöfe nie direkt, persönlich und physisch angegriffen. In Berlin, einen Steinwurf vom Gestapo-Hauptquartier entfernt, hält Bischof Graf von Preysing von der Kanzel aus gewaltige Anti-Nazi-Predigten und geht dann unverletzt und frei hinaus, wie in den besten Tagen der Weimarer Demokratie. Diese Politik der scheinbaren Toleranz brachte den Nazis hervorragende Ergebnisse! In Deutschland und in der ganzen Welt dienen diese Fetzen von Freiheit, die der Nazismus der Kirche machiavellistisch überlassen hat, seiner Propaganda als Argument, um den Hyper-Nationalisten, den Lauwarmen, den Optimisten aller Art zu zeigen, dass es nicht der Hass auf die Religion ist, der die Nazis bewegt, sondern nur der Wunsch, „einige Missbräuche“ der „Übertriebenen“ zu unterdrücken. Ein deutscher katholischer Priester hat unter dem Pseudonym „Testis Fidelis“ ein monumentales Werk verfasst, das vollständig aus einwandfrei authentischen und schlüssigen Dokumenten besteht und in dem diese Taktik mit unwiderlegbarer Klarheit angeprangert wird.

      Mit dem Vatikan ist es das Gleiche. Den Nazis kam es gelegen, um den Heiligen Stuhl herum die Atmosphäre eines „Nervenkrieges“ zu schaffen, ihn von der Welt zu isolieren, die spektakulärsten und brutalsten Gewaltakte gegen ihn zu verüben, um ihn zum Spielball ihrer Diplomatie zu machen, solange die Besetzung Roms durch deutsche Truppen andauerte. Aber all dies unter absoluter Wahrung bestimmter äußerer Formen, bestimmter materieller Details, die es ihnen erlauben, auch nach der Besetzung zu behaupten, dass sie die päpstliche Souveränität in ihrer Gesamtheit „respektiert“ haben, und damit zu beweisen, dass sie „keine Feinde der Kirche sind“. Danach werden sie weiterhin die Katholiken ihres Landes martern! Das sind die Nazis. Und außer im Falle der Verzweiflung angesichts einer klaren und unvermeidlichen Niederlage werden sie so handeln.

* * *

      Der Hass kann eingedämmt werden, wenn er darauf wartet, für einen Moment zurückgehalten zu werden, um später auszubrechen. Aus Hass mögen die Nazis dem Heiligen Vater im materiellen Sinne des Wortes keinen Schaden zufügen, um danach die Kirche besser verfolgen zu können, versehen mit dem heuchlerischen Titel der „Beschützer“ des Heiligen Stuhls. Doch wenn die Niederlage unausweichlich scheint, wenn der Ruin ihres Systems unmittelbar bevorsteht, ist es möglich, dass sie ihre teuflische Wut in einer Weise entfesseln, die schwer vorstellbar ist.

      Es muss jedoch noch ein Vorbehalt gemacht werden. Im Grunde genommen sind die Nazibosse eher „Sancho Panzas“ als „Quijotes“. „Heldenhaft“, Großmäuler, geschwätzig, stützen sie sich auf den Mut der deutschen Armee. Aber die Naziführer selbst, die von einem großen Teil der Armee nicht gut gesehen werden, sind Abenteurer und vulgäre Scharlatane. Eine drohende Niederlage wird sie auf den Gedanken bringen, sich in neutrale Staaten zu flüchten und sich auf den Mut und das Wohlwollen der Verbündeten zu verlassen, um der internationalen Justiz zu entgehen, worauf sich sicher schon viele von ihnen vorbereiten. Wenn sie etwas Schlimmeres gegen den Papst tun, wird dieses letzte und höchste Verbrechen, dieses schreckliche Sakrileg sie vor dem internationalen Gewissen so beflecken, dass selbst die Hoffnung auf eine Flucht und ein friedliches Ende des Lebens vor ihren müden Augen verschwinden wird. Werden sie es wagen?

      Und wenn sie es wagen, was können sie tun? Was sind sie für die göttliche Vorsehung? Ameisen, die Geißel der Menschen, und sonst nichts. Im Grunde genommen sind sie, ob als „Beschützer“ oder als Feinde, unbedeutende Gestalten in dieser Angelegenheit, in der Gott seiner Kirche mehr als in jeder anderen gnädig gewesen ist. Die ganze Kirche betet für den Papst. Das Gebet der Kirche hat schon einmal die Fesseln des Petrus gesprengt. Und sie wird sie auch heute noch brechen, wenn sie beharrlich, demütig und leidenschaftlich ist, und wenn dies der Wille Gottes ist.

* * *

      Wie ist nun die Situation des Heiligen Stuhls zu beurteilen, wenn man die Informationen aus den Nachrichten betrachtet?

      Wir haben nur eine einzige konkrete Information. Wenn ich mich nicht irre, handelt es sich um ein offizielles deutsches Kommuniqué, in dem mitgeteilt wird, dass Nazi-Truppen auf den Petersplatz eingedrungen sind, und zwar in das Gebiet, das einst italienischen Soldaten vorbehalten war, und dass dort mehrere Angriffsfahrzeuge und bewaffnete Truppen aufgestellt worden sind. Und wozu? Zum „Schutz“ des Vatikans. Die elementarste Regel des Schutzes scheint zu sein, dass er von der Person, die ihn braucht, gewünscht wird. Glaubte der Papst, er brauche diesen Schutz? Nein, so sehr, dass er nicht darum gebeten hat. Gegen wen müsste er verteidigt werden? Gegen die römische, also katholische Bevölkerung? Von wem? Von den heidnischen Naziführern? Wer wird diese Farce glauben?

      Und warum dann die Überfallwagen? Warum der Apparat mit so vielen Kräften? Warum den Petersplatz selbst betreten? Gegen die kommunistische Gefahr? War der Faschismus so unwirksam, so nutzlos, so unfruchtbar, dass er nach zwanzig Jahren Diktatur, in denen alles dem „Duce“ geopfert wurde, um Italien vor dem Kommunismus zu retten, nun so stark ist, dass er die größten Verbrechen, die schrecklichsten Sakrilegien wagen kann, ohne zu wissen, dass er sich in den Köpfen der Italiener für immer verdammen und eine Reaktion in der ganzen Welt auslösen würde? Und dann, zu einer Zeit, in der Stalin auch versucht, freundschaftliche Beziehungen zu den Christen aufzubauen, mit der perfiden Absicht, sie in einigen Jahren zu schlagen, zu einer Zeit, in der er versucht, sich für die ganze Welt akzeptabel zu machen, indem er sich Hand in Hand mit der Marionette präsentiert, die er an die Spitze der russischen schismatischen Kirche gestellt hat, versucht Stalin, den Papst so frontal anzugreifen?

      Alles lässt sich in dieser Argumentation zusammenfassen: Der Papst hat nicht um den Schutz der Nazis gebeten, so dass er ihn entweder nicht für notwendig hielt oder ihn für schädlicher hielt als die Gefahr, die ihn bedrohte. In jedem Fall ist dieser spektakuläre Schutz, den die Nazis auferlegt haben, unverschämt. Unverschämt und misstrauisch. Wie viele kleine europäische Länder sind bereits von der Landkarte verschwunden, erdrosselt von den Fingern der Nazis, unter dem Vorwand des „Schutzes“? Das soll die elende Slowakei sagen!

* * *

      Im vorliegenden Fall kommt es jedoch vor allem darauf an, was in der Meldung nicht gesagt wird. Lassen Sie uns darüber nachdenken.

      Mehrere Botschafter der mit Italien im Krieg befindlichen Mächte sind beim Vatikan akkreditiert. Unter ihnen ist auch der Botschafter Brasiliens. Viele von ihnen, oder alle, haben sich in letzter Zeit im Vatikan selbst aufgehalten. Ihre Familien werden sicherlich besorgt darüber sein, was ihnen widerfahren ist. Mehr noch. Dreihundert Millionen katholische Herzen in der Welt leiden, seufzen und bangen um den Heiligen Vater. Warum senden diese Botschafter nicht ein Wort der Beruhigung an ihre Länder? Warum sagen sie nicht, dass die „Beschützer“ des Vatikans die Unabhängigkeit des Vatikans nicht verletzt haben und dass das Oberhaupt der Christenheit weiterhin die unumstößliche Freiheit hat, mit allen Botschaftern auf der Erde zu kommunizieren, unabhängig davon, ob sie Freunde der Regierung von Rom sind oder nicht, von der der Vatikan völlig unabhängig ist, und nicht nur von irgendeinem Ministerium! Warum ist es dem Vatikan zumindest nicht erlaubt, durch Botschafter neutraler Mächte ein Kommuniqué an die Welt zu senden, das die Unversehrtheit des päpstlichen Territoriums, die Freiheit der beim Papst akkreditierten Botschafter und die Sicherheit des Papstes und seines Hofes betrifft?

      Wenn wir daraus nicht ableiten, dass der Vatikan nicht frei ist, wissen wir, ehrlich gesagt, nicht, welche weiteren Argumente wir anführen sollen.

* * *

      Wir sprechen von Botschaftern aus neutralen Mächten. Erinnern wir uns an Spanien und Portugal, die so katholisch sind; an die Schweiz, eine neutrale Republik par excellence, die stets die Sache des Völkerrechts schützt und so viele Söhne hat, die als Schweizer-Garde des Papstes dienen und deshalb jetzt bedroht sind; an Argentinien, dessen derzeitige Regierung so „unverdächtig“ ist wie das Reich. Haben diese Botschafter, wie es sich gehört, eine kollektive „Demarche“ beim Papst unternommen, um seine Sicherheit, seine Unabhängigkeit, die Unversehrtheit seines Territoriums in Frage zu stellen und die Welt darüber zu informieren? Warum nicht? Offensichtlich, weil die Freiheitsbeschränkung des Vatikans so groß ist, dass seine „Beschützer“ es nicht wagen, den Neutralen die Realität der Tatsachen zu zeigen, oder sie hindern sogar die Neutralen daran, diese Realität der Welt mitzuteilen.

      Bei beiden Hypothesen macht die Verwirrung selbst die Verwirrung zumindest in einem Punkt rückgängig: Der Papst ist nicht frei.

* * *

      Lasst uns also beten. In normalen Zeiten würde es für das Christentum nicht ausreichen, zu beten. Die Katholiken sollten wie 1870 in der ganzen Welt Bataillone bilden, um den Papst zu verteidigen. Da dies nun aber unmöglich ist, lasst uns doppelt beten und für die Erhöhung der heiligen Kirche die ununterbrochenen Gebete von Alt und Jung, Gelehrten und Ungelehrten, Ordensleuten und Laien in einem glühenden Gebetszug für den Stellvertreter Christi zu Gott bringen.

      Lasst uns Gott unsere Gebete darbringen. Aber Gebete sind nicht genug: Wir müssen uns selbst aufopfern. Und unter diesen Opfern sollten wir Gott die bittere Gabe unserer Ohnmacht darbringen, dem Papst auf einem anderen Gebiet zu helfen. Haben wir nur Gebete und Opfer zu bieten? Dann haben wir die Hauptsache. Und mit diesem Prinzip können wir viel für die Sache Gottes tun.

      Legen wir also unsere Einsätze zu den Füßen des Allerheiligsten Sakraments und der Gottesmutter!

 

 

Aus dem Portugiesischen übersetzt mit Hilfe von Deepl/Übersetzer (kostenlose Version) von „A situação doe Papa“, in “Legionário” Nr. 571 vom 19. September 1943

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Diese deutsche Fassung von „Die Situation des Papstes“ erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com

 

Freitag, 1. Juli 2022

Die Macht der Tradition trotz Attila und Catilina (Dezember 1943)


Attilas Begegnung mit Papst Leo I.
im Chronicum Pictum, um 1360


von Plinio Corrêa de Oliveira

      Während nun der brutale Takt der Schritte von Attilas Legionen über die jahrhundertealten Pflasterplatten der Ewigen Stadt hallt, während Attila überall die Tradition nivelliert, zerstört, vernichtet — was hat Attila nicht alles gegen die Tradition, die Vergangenheit, die Wertehierarchie in Deutschland getan! — gibt es noch Trümmer des Adels in Rom, die von den letzten Atemzügen des christlichen Saftes lebt. Diese Trümmer sind Trümmer. Wie Leo XIII. in einer seiner Enzykliken anmerkt, hat der Adel in ganz Europa seine Pflichten nicht bis zum Ende erfüllt, und aus diesem Grund kam es zur Französischen Revolution. Aber wenn der Adel auch nicht ganz treu war, so war er doch nicht ganz untreu. Aus diesem Grund hat er, wenn er auch in Trümmern liegt, doch eine große Ansehnlichkeit, ein widerstandsfähiges Leben. Catilina, der im 20. Jahrhundert mit Attila zusammentraf und sich mit ihm verbündete, fiel in Rom, und um ihn zu ersetzen, überfiel Attila die Stadt. Doch die Überreste der christlichen Kreuzfahrer und römischen Edelmänner, die in ihrem Unglück den Glauben, den Ruhm und die Tradition ihrer Vorfahren bewahrten, überlebten auch den Einfall Attilas und den Sturz Catilinas. Catilina verabscheute sie und verfolgte sie heimlich, wenn er sah, dass er für seine Abenteuer nicht die Unterstützung des Adels erhielt. Attila hasst sie (die Überreste). Aber sie überleben und gehen weiter, werden angenommen, vielleicht arm und in Nöten und Ärgernissen, die nur Gott kennt, küssen sie noch den ehrwürdigen Stamm, aus dem alle christlichen Institutionen hervorgegangen sind, einschließlich derjenigen, die sie vertreten. Man kann sich vorstellen, mit welcher Zuneigung der Papst sie empfangen haben wird.

* * *

      Die besten Gaben Gottes sind Kreuze und Missionen. Es sind Gaben, die das Versprechen weiterer Gaben in sich tragen. Wenn Gott einen Menschen mit einer großen Aufgabe betraut, verspricht er ihm Gnaden, um ihm eine große Seele zu geben. Und eine große Seele, eine heilige Seele, ist das beste Geschenk, das Gott dem Menschen machen kann.

      Pius XII. glaubt, dass diese alten Trümmer noch genug Kraft haben, um eine Mission zu erfüllen. Und vielleicht ist es für sie ein letzter Aufruf, die Herrlichkeit eines letzten Einsatzes, die höchste Gelegenheit zur Wiedereingliederung in die Fülle ihres Geistes und ihrer Tradition, die ihren endgültigen Untergang verhindern wird. Durch den Mund von Pius XII. hat Gott gesprochen. Und er sprach nicht nur zum römischen Adel, sondern zum Adel in der ganzen Welt. Nicht nur an den Adel, sondern an alle Gesellschaftsschichten, die in Ländern aller Breitengrade und unter jeder Regierungsform die Kontinuität von Vergangenheit und Gegenwart repräsentieren und als Bewahrer der Tradition die kulturellen und geistigen Werte von zwanzig Jahrhunderten christlicher Zivilisation hüten, einer Zivilisation, die durch die unendlichen Verdienste der Erlösung unseres Herrn Jesus Christus geschaffen und erhalten wurde. In diesen Traditionen gibt es Tropfen des kostbaren Blutes Christi. Diese christlichen Traditionen sind dem Heiligen Gral durchaus würdig, der die Phantasie der mittelalterlichen Ritter anregte.

      Hört auf Christus, der durch den Mund des Petrus zu den Aristokraten, den Menschen von Rang und Namen, der Kultur oder der Gelehrsamkeit in der ganzen Welt spricht: „Geliebte Söhne und Töchter, ihr habt eine Aufgabe zu erfüllen. Welche Tätigkeit wurde Euch in besonderer Weise anvertraut? Welche Aufgabe wurde Euch im Einzelnen zugewiesen? Gerade jene, die normale Entwicklung zu erleichtern! Das, was in der Maschine der Regulator leistet und erfüllt, das Steuer, der Rheostat: sie beteiligen sich an der Gesamttätigkeit und empfangen ihren Teil an Triebkraft, um die Lenkbewegung des Apparates zu sichern. Mit anderen Worten: Patriziat und Adel, Ihr vertretet die Tradition und führet sie weiter!“. Wie viel Antipathie diese Worte wecken können, vor allem bei denen, die absolut keine Ahnung haben, was Tradition ist. Der Heilige Vater weist die Spitzfindigkeiten der letzteren von vornherein zurück. „Das Wort Tradition klingt, wie man wohl weiß, in vielen Ohren unangenehm. Mit vollem Recht erregt es Missfallen, wenn es von bestimmten Lippen ausgesprochen wird. Einige verstehen es falsch, andere machen es zur trügerischen Etikette ihrer trägen Selbstsucht [...]. Viele, auch aufrichtige Gemüter, stellen sich vor und glauben, Tradition sei nichts anderes als die Erinnerung, die blasse Spur einer Vergangenheit, die nicht mehr ist und nicht mehr wiederkehren kann. ... Die Tradition ist jedoch etwas ganz anderes als die bloße Anhänglichkeit an entschwundene Vergangenheit. Sie ist genau das Gegenteil einer Reaktion, die jedem gesunden Fortschritt misstraut. Schon das Wort dafür ist, sprachlich gesehen, sinnverwandt mit „Weg“ und „Fortschritt“: sinnverwandt, nicht gleichbedeutend. ... Kraft der Tradition schreitet die Jugend, erleuchtet und geführt von den Erfahrungen der Ahnen, sicheren Schrittes voran. ... Wie schon der Name anzeigt, ist die Tradition die Gabe, die von Geschlecht zu Geschlecht geht. ... Tradition und Fortschritt ergänzen sich gegenseitig so harmonisch, dass, wie Tradition ohne Fortschritt sich selbst widersprechen würde, so Fortschritt ohne Tradition ein törichtes Unterfangen wäre, ein Sprung ins Dunkel.“

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      Die Tradition auszulöschen hieße also, die Welt „blind in der Finsternis wandeln“ zu lassen. In den Händen der Eliten hat Gott diesen Schatz an Weisheit und Licht deponiert. Die Aufgabe der gesellschaftlichen Eliten ist es, diesen Schatz zu bewahren, mutig die Gegenwart damit zu erhellen, daran zu arbeiten, dass dieses Licht im Sturm der neuen Ideen nicht erlischt und nicht nutzlos für die Augen einiger weniger leuchtet, sondern im Gegenteil, wie die Lampe des Evangeliums auf dem Leuchter gestellt wird, damit die Eintretenden den Lichtschein sehen. Traditionen zu bewahren bedeutet nicht, sie als bloße Museumsobjekte zu verwaren. Es geht darum, sie lebendig und stark zu halten, und dazu ist es notwendig, sie zu leben. Nur Traditionen, die in der Fülle und Echtheit des Geistes gelebt werden, aus dem sie entstanden sind, sind in der Lage, den Fortschritt wohltuend zu beeinflussen, ihn zu leiten, ihn anzuregen, sich ihm anzuschließen, ohne sich selbst zu entstellen.

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      Was wir brauchen, ist, dass der Geist dieser Traditionen, die Seele dieser Traditionen, lebt. Und damit sie leben kann, muss sie vom Leben genährt werden. Und das Leben ist unser Herr Jesus Christus.

      Attila ist heute Hitler. Hitler wird sterben, seine Tage sind gezählt wie die von Balthasar. Aber Attila wird nicht sterben, denn Hitler ist Attila. Attila ist nicht Hitler. Attila ist die Barbarei, die sich in vielen Teilen der modernen Welt entwickelt. Attila ist weder ein Mensch noch ein Volk, sondern eine Idee, oder vielmehr eine Anti-Idee. Es war Attila, der die Konzentrationslager, die Ordensburg, die SS und den gesamten berüchtigten Parteiapparat der Nazis in Deutschland organisierte. Er war es, der versuchte, die Altäre Christi niederzureißen, um die Völker zur Anbetung der Sonne in den Nischen der Wälder zu versammeln. Aber auch wenn Attila mit dem Sturz Hitlers einen schweren Schlag erlitten hat, wird er weder mit Hitler noch mit dem Nationalsozialismus sterben. Attila wird weiterhin in den Schulen leben, in denen die Apologie der Gewalt gelehrt wird, in den Labors, in denen zur Sterilisation empfohlen wird und die Ungeborenen getötet werden, in den Strömungen, in denen bekräftigt wird, dass der Mensch weder frei noch Herr seiner Taten ist, sondern Sklave der unaufhaltsamen Bestialität seiner Instinkte - das ist Attila. Im Nationalsozialismus zeigte Attila sein ganzes bestialisches und abscheuliches Gesicht. Wenn der Nazismus tot ist, wird Attila nicht sterben. Attila ist ein Geisteszustand. Attila ist, wie gesagt, eine Anti-Idee, die weder hunnisch, noch germanisch, noch lateinisch, noch sächsisch, noch schwarz, noch slawisch, noch japanisch ist, sondern die in jeder Rasse von einem Moment zum anderen herrschen kann.


      Und das Gleiche gilt für Catilina. Im zwanzigsten Jahrhundert hat Catilina die Geschichte ein wenig umgeschrieben. Wir hatten keinen Cicero. Catilina siegte für Momente und spielte Caesar. Im Grunde war es immer Catilina. Catilina ist immer der beste Verbündete Attilas. Die Brutalität gewinnt durch die Komplizenschaft der Böswilligen, denen ein Platz an der Sonne versprochen wird, der Eitlen, für die ein großer Mann zu sein nur bedeutet, die Rolle eines großen Mannes zu spielen, ... ... die stolz sind, wenn sie ganz hoch oben an den Federn gehalten werden .... Es gab Catilinas in Deutschland. Einer von ihnen hieß von Papen. Es gab Catilinas in Holland, in Belgien, in Österreich, in Norwegen, in tausend anderen Ländern: sie wurden alle Quisling genannt. Sie könnten zum Beispiel auch Mosley oder Tojo heißen. Im Grunde sind sie immer Catilina. Catilina hat sich durch das Geheimnis des Todes von Ciano nicht rehabilitiert, noch ist er mit ihm gestorben, noch wird er mit dem Faschismus sterben. Catilina ist ebenfalls universell einsetzbar. Er wird in all jenen weiterleben, die Duldsamkeit, Korruption und Komplizenschaft mit dem Totalitarismus predigen, die die Welt mit den Träumen des Totalitarismus berauschen wollen.


Königin Helena, Prinzessin Maria José de Italia 28-12-39

      Doch weder Attila noch Catilina werden die Eliten besiegen, die zum Wohle des Volkes, wahrhaft christlich, d.h. katholisch, apostolisch, römisch verbleiben werden.


Über Attila s. https://de.wikipedia.org/wiki/Attila

Über Catilina s. https://de.wikipedia.org/wiki/Lucius_Sergius_Catilina

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Deepl-Übersetzer vom zweiten Teil der Spalte „7 DIAS EM REVISTA“ über „Die Macht der Tradition trotz Attila und Catilina“, in „O Legionário“ vom 5. Dezember 1943.

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Diese deutsche Fassung von „7 Tage im Rückblick - Die Macht der Tradition trotz Attila und Catilina“ erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com

 

Bild Catilina: Von Cesare Maccari - [1], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=80023891

Bild Attila: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1954814Bild: Von Cesare Maccari - [1], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=80023891

Donnerstag, 12. Mai 2022

„Der Heilige des Teufels“

Plinio Corrêa de Oliveira

      Wir wollen hier einige Kommentare über die letzte Rede von Adolf Hitler, die er am 11. Jahrestag seiner Machtergreifung, gehalten hat. Das kommt eigentlich mit einiger Verspätung, da wir die heitere und überzeugende Antwort von Pater Arlindo Vieira auf den giftigen Brief von Jacques Maritain an den „Diário“ von Belo Horizonte erhielten, der wir meinten dieser den Vorzug geben zu müssen, auf Grund der wichtigen Zusammenarbeit mit dem Autor der Antwort. Das führte dazu, dass wir erst heute, mit zweiwöchiger Verspätung, unseren Lesern etwas über die besagte jüngste Rede des „Führers“ berichten können. Das Thema hat jedoch nichts von seiner Aktualität eingebüßt, denn im Lichte der jüngsten Verfassungsreformen in Russland erhält sie eine wirklich einzigartige Aktualität.

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      Um die Tragweite und die wahre Bedeutung der Rede von Herrn Adolf Hitler zu verstehen, müssen wir zunächst eine kurze Analyse der gegenwärtigen politisch-militärischen Lage in Europa vornehmen.

      Herr Adolf Hitler kann nicht den geringsten Zweifel daran haben, dass er hoffnungslos verloren ist. Überall sind seine Truppen von der Offensive zur Defensive übergegangen. In Russland sind seine Rückzugsorte so beschaffen, dass sie keiner Beschreibung oder eines Kommentars bedürfen. Auf dem Balkan, in Italien und im gesamten Mittelmeerraum wird das militärische und diplomatische Versagen des Dritten Reiches mit unerbittlicher Deutlichkeit sichtbar. Die braunen Truppen ziehen sich in Jugoslawien zurück, ziehen sich in Italien zurück, Saboteure und Unzufriedene aller Art agitieren in Frankreich, die portugiesisch-spanische Diplomatie zittert und schwankt, die osmanische Neutralität bewegt sich vorsichtig auf ein Regime immer deutlicherer Kollaboration mit den Alliierten zu, Belgien und Holland erschüttern sich in unaufhaltsamen Bewegungen der Reaktion, selbst in der friedlichen Region der kalten skandinavischen Länder zeigen sich alarmierende Indizien der Unzufriedenheit. Alles weist darauf hin, dass die Nazi-Macht ihr Ende erreicht hat. Unter den Alliierten Hitlers ist die „republikanische Regierung“ Italiens nur noch ein Phantom; Finnland, das an keine deutsche Sanktion glaubt, flirtet offen mit den Vereinigten Staaten; das gedemütigte Japan, das bei seinem ersten schwungvollen Eintritt in den Krieg besiegt wurde und nicht in der Lage ist, die Inseln zu erobern oder nach China vorzudringen, vergeudet seine Ressourcen in unrühmlichen Land- und Seeguerillakämpfen, die für das Reich der aufgehenden Sonne völlig nutzlos sein werden, wenn seine Alliierten in Europa gesiegt haben, und die im Moment für das Reich fast wertlos sind. Denn was nützt Herrn Hitler ein japanischer Sieg, der inzwischen völlig unwahrscheinlich geworden ist? Nehmen wir an, den Japanern gelingt es in Australien zu landen - nur der Baron Münchhausen könnte heute eine solche Hypothese annehmen -, so könnte nichts davon die Vorbereitung der zweiten Front ernsthaft verzögern, die für den Nationalsozialismus den nahen und unabwendbaren Zeitpunkt des endgültigen Zusammenbruchs bedeuten wird.  All das sieht man, wenn man die nicht-deutschen Länder mit den Augen absucht. Und innerhalb Deutschlands? Wer kann die Enttäuschung, die Gereiztheit, die Besorgnis, den Hass ausdrücken, die in dicken Flammen jeden Augenblick zu den Füßen des verhassten Diktators aufsteigen und ihm den unbedingten Wunsch des teutonischen Volkes kundtun, dass er gehe und zwar sofort? Von innen, von außen, von allen Seiten, jede Minute, die vergeht, bringt Herrn Hitler einen neuen Blick auf den bevorstehenden Untergang. Hitler ist verloren. Er weiß es, sein Generalstab weiß es, die Abenteurer, die seine übliche Entourage bilden, wissen es. Und trotz alledem kämpft Hitler weiter. Warum gibt er die Regierung nicht sofort auf? Warum flieht er nicht in die Schweiz, wo er vielleicht die Aussicht auf ein zurückgezogenes und ruhiges Leben führen könnte, zur Angst und Schande der Welt? Was erwartet er, was wünscht er sich von dem, was jetzt geschieht?

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      Die Antwort, wahrscheinlich spontan und einfallsreich, wird vielen auf der Zunge liegen. Adolph Hitler, ein stolzer und tyrannischer Despot, der sich zwei Schritte von der Weltmacht entfernt wähnte, ließ sich nicht von der Schmach eines kleinbürgerlichen Lebens in der Schweiz verführen und führte zwischen dem Hass der einen und dem Vergessen der anderen eine Existenz, die das genaue Gegenteil von allem war, was er wollte und wovon er träumte. Er hätte den tausendfachen Tod, den Ruin, die tragische Hinrichtung auf einem durch dem Zorn aller Völker errichteten Schafott, diesem langsamen, zurückgezogenen, ruhigen, bürgerlichen Aussterben eines Löwen vorgezogen, der taub, halb blind und alt in einem Käfig stirbt, nachdem er die ganze Weite der Wüsten mit Schrecken beherrscht hatte. Napoleon zog das Abenteuer der Hundert Tage vor, gegen die kleine Operettenherrschaft auf der Insel Elba. Hitler würde die Tragödie eines neuen Sankt Helena einem Ende des Lebens von Sancho Panza vorziehen.

      Eine naive Antwort, sagten wir, und das aus gutem Grund! Gehen wir hier nicht auf die Analyse der Psychologie Hitlers ein, die uns durch die Vergleiche zwischen ihm und Bonaparte völlig deformiert erscheint. Hitler hat unserer Meinung nach nichts Heldenhaftes an sich, außer den Auftritten, die er je nach den Erfordernissen des Augenblicks als geschickter Komödiant, der er ist, zu machen weiß. Unserer Meinung nach ist er ein Sancho Panza, der die Rolle des Don Quijote gut spielt. Mehr nicht. Aber diese These ist zu heikel, als dass sie sich rigoros beweisen ließe und einem positiven, kalten, technischen politischen Kalkül dienen könnte. Lassen wir also die Person Hitlers, wie wir sie sehen, in der Blöße seiner kleinen und schurkischen psychologischen Persönlichkeit beiseite und nehmen wir die Parallele an, die zwischen ihm und Napoleon gezogen werden kann. Gerade an dieser Parallele wird deutlich, wie unzureichend die vereinfachenden Erklärungen von Hitlers Hartnäckigkeit und Stolz sind, um die Dauer des deutschen Widerstands zu erklären.

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      Napoleon gab sowohl bei seiner ersten als auch bei seiner zweiten Abdankung die Macht nicht freiwillig ab. Vor den „Hundert Tagen“ wollte Napoleon, der das Ausmaß seiner Katastrophe noch nicht kannte, vor allem bis zuletzt gegen die Verbündeten Widerstand leisten. Aber neben ihm, als Stützen seines Throns, als Instrumente seiner Macht, als unverzichtbare Mittel seines Handelns, hatte er zahlreiche Generäle ersten und zweiten Ranges, Diplomaten, Politiker, Finanziers, Literaten, die das innerste Wesen, die innerste Struktur des kaiserlichen Systems darstellten. Die Generäle, Diplomaten, Senatoren und Bankiers, die mit den Gewinnen des Regimes in den Tagen der Größe verbunden waren, aber bereits von den endlosen Kriegen, den unaufhörlichen Risiken und der ständigen Instabilität der bonapartistischen Institutionen erschöpft waren, wollten nicht länger in Napoleons Diensten stehen. Sie wussten sehr wohl, dass das Schicksal, das Napoleon und die Mitglieder seiner Familie, die mit seinem Schicksal hoffnungslos verbunden waren, unerbittlich sein würden. Aber sie wussten auch, dass Napoleon den gesamten Widerstand symbolisierte, dass, wenn der Strahl der europäischen Empörung auf ihn fiel, die öffentliche Meinung das Überleben der Ratten, die sich rechtzeitig aus den zerbrochenen Schiffsräumen des Bonapartismus in den Schatten eines anderen Regimes geflüchtet hatten, mit müder Gleichgültigkeit tolerieren würde.

      Für sie hatte ein bequemes Leben in Paris immer noch seinen Reiz und seine Süße, und es kümmerte sie wenig, dass das Recht auf ein solches Leben um den Preis der Schmach Napoleons auf Elba erworben wurde. Das war die eigentliche Tatsache: ihre Interessen waren von denen Napoleons entkoppelt: sie verrieten den Korsen, wie man einen Partner verrät, den man in Verlegenheit zu bringen beginnt. Dies ist im Wesentlichen die Bedeutung der beiden Stürze Napoleons.

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      Es gibt viele Winkel auf der Welt, in die sie sich flüchten können, ich sage nicht Hitler, nicht Göring, nicht Goebbels, nicht Himmler, sondern die ganze unermessliche und einflussreiche Klientel der untergeordneten Komplizen, der zweitrangigen Figuren, der direkten Vollstrecker der Naziverbrechen. Was lag da näher, als den Zusammenbruch des Nationalsozialismus unerwartet vorzubereiten, indem man dem Regime seine unentbehrliche Mitarbeit entzog, die berühmtesten Nazichefs an die Alliierten auslieferte und in schnellen deutschen Armeeflugzeugen, die Taschen mit Gold gefüllt, in alle Richtungen des Erdballs floh? Die Schweiz hat bereits erklärt, dass sie die Überläufer aus keinem Land der Rachsucht der Alliierten oder der Gerechtigkeit Gottes und der Menschen ausliefern wird. In Spanien werden, wenn Franco an der Macht bleibt, viele Menschen unter falschen Namen und unter den zugedrückten Augen der falangistischen Polizei Unterschlupf finden. In Portugal gibt es bereits viele Nazi-Flüchtlinge, die, wenn sie noch nicht der universellen Justiz übergeben wurden, dies auch in Zukunft nicht zu  befürchten haben. Und die Welt ist groß. Nach fünf Jahren vorsichtigen Versteckens in einem Dorf in den Anden, in einem verlorenen Teil des Kongo oder auf einer Insel in Ozeanien wird die Wut der Alliierten auf so manchen Naziführer abgeklungen sein. Es wird der Moment sein, die Maske fallen zu lassen und das Leben in Ruhe zu genießen.

      Es kann sein, dass dies von einem Moment auf den anderen versucht wird. Wir glauben jedoch nicht, dass dies der Fall sein wird, bevor eine zweite Front eröffnet wird, was noch Monate dauern kann. Warum nicht? Es gibt einen unbekannten Faktor, der sich im Lichte der Ansichten dieser Zeitung wunderbar erklären lässt.

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      Es ist merkwürdig, dass Hitler und seine unzähligen Schergen, wenn sie nur die Absicht hätten, der kommunistischen Expansion zu dienen, nicht anders handeln würden.

      In der Tat versucht die linke Propaganda im Laufe des Krieges, das Ansehen der UdSSR in der ganzen Welt zu stärken.

      Die angloamerikanischen Verbündeten, die gezwungen sind, langsam und technisch eine zyklopische Offensive vorzubereiten, müssen sich vorerst mit militärischen Operationen begnügen, die in Italien inmitten unantastbarer religiöser und künstlerischer Schätze in einer sehr heiklen psychologischen Atmosphäre entwickelt werden, in der jeder Schritt abgewägt werden muss, bevor er unternommen wird. Der „Mann auf der Straße“ versteht das alles nicht. Er misst den angloamerikanischen Fortschritt auf der Landkarte. Anschließend misst er die Fortschritte Russlands und zieht daraus häufig den Schluss, dass der Sieg in Wirklichkeit hauptsächlich den Sowjets zukommt. Man kann sich all die ideologischen Missverständnisse, die sentimentalen Zweideutigkeiten und die geistigen Risiken vorstellen, die diese summarische Überprüfung mit sich bringt. Russland ist auf dem Vormarsch und dehnt seinen Einfluss bereits auf Mitteleuropa aus. Hitler zieht sich vorsichtig zurück. Nicht, dass er nicht kämpfen würde. Aber dieser Verfechter des Antikommunismus zieht als Ergebnis des Krieges, den er nicht gewinnen kann, die russische Expansion der angloamerikanischen Expansion so sehr vor, dass er, obwohl er in Russland riesige Territorien, ganze Armeen verliert, dies lieber zulässt, als die im besetzten Europa immobilisierten Armeen aus der westlichen Zone abzuziehen um auf eine zweite Front zu warten. Jeden Zentimeter, den Hitler in Russland verliert, verliert er zum Teil, um in Westeuropa die Kräfte zu halten, die die Eröffnung der zweiten Front verzögern. Anders ausgedrückt, wenn er zwischen zwei Gegnern steht, liegt es in seiner Hand, sich für den Vormarsch des einen oder des anderen zu entscheiden. Er hat sich für den Vormarsch der Kommunisten entschieden, und deshalb hat er die Westfront, wo alles ruhig ist, voll unter Kontrolle, und die Ostfront verteidigt er - freilich nur Stück für Stück - nur so weit, wie es ihm möglich ist.

      Bleiben wir bei dieser Konsequenz: Zwischen Russland und der angloamerikanischen Koalition bevorzugte Hitler den Vormarsch des ersteren. Als Besiegter versucht er, die Welt von morgen zu beeinflussen. Dies ist sein letztes Verbrechen.

      Diese Vorliebe für eine russische Vorherrschaft im Europa von morgen schimmert in seiner Rede in aller Deutlichkeit durch. Mit Freude, mit Wollust, sich die Hände reibend, verkündet er der Welt, dass der Sieg der Alliierten der Sieg Russlands sein wird. Heuchlerisch in diesem Punkt wie in allem anderen, unterlässt er es zu sagen, dass sein Regime im Wesentlichen mit dem der Kommunisten identisch ist und dass sein Sieg derjenige der Braunhemden-Kommunisten wäre. Mit seinen eigenen Übertreibungen, Verformungen und Lügen zeichnet er ein Bild von der Zukunft als dem unanfechtbaren Sieg des Bolschewismus.

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      Hitlers Einbruch in die Geschichte ist der eines wahren Engels der Finsternis, der um sich herum Verderbnis, Lüge, Verwirrung, Böses in jeder Richtung sät und mit der Hartnäckigkeit, mit der ein heiliger Ignatius von Loyola nach der größten Ehre Gottes strebte, den größten Schaden für die Christenheit anstrebt.

      Das Volk verfügt manchmal über einen seltenen theologischen Sinn. Es wird erzählt, dass die Gassenjungen von Rio in der Zeit von Kaiser Pedro I. an Karsamstagen einen Judas aus Lumpen und Stroh verbrannten und sagten, sie würden den „Heiligen des Teufels“ verbrennen. Der Teufel hat in der Tat Menschen, die sich ihm bis an die äußersten Grenzen der Erniedrigung hingeben, so wie Gott seine Heiligen hat.

      Der wahre „Heilige des Teufels“, Hitler, zerschlagen, verloren, gescheitert, rechnet immer noch mit seiner höllischen Kohorte für das höchste Übel; da er die Christenheit nicht vernichten kann, indem er diesen Krieg gewinnt, versucht er, ihr den morgigen Tag so schwer wie möglich zu machen.

 

 

Aus dem Portugiesischen übersetzt mit Hilfe von Deepl-Übersetzer (kostenlose Version) von „O santo do diabo“ in O „Legionário“ Nr. 601, vom 13. Februar 1944.

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Diese deutsche Fassung „Der Heilige des Teufels“ erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com

Dienstag, 10. Mai 2022

Übertreiben wir nicht!

Plinio Corrêa de Oliveira

      (Juni 1944) Die Ereignisse, die sich in Frankreich abgespielt haben, bestätigen nachdrücklich die Überlegungen, die wir erst in diesem Monat über die Militärpolitik von Adolf Hitler angestellt haben.

      Wie wir gesagt haben, ist Herr Hitler nicht mehr der Herr des Sieges, aber bis zu einem gewissen Punkt ist er der Herr, den Sieg zu verleihen, wem er will. Und dieser Sieg wird von diesem öffentlichen Übeltäter bewusst, absichtlich und auf kriminelle Weise in die Hände Russlands gelegt. Am Ende seines langen und blutigen politischen und militärischen Abenteuers übergibt Adolf Hitler, der in anderen Zeiten versucht hatte, ganz Europa unter dem Deckmantel eines antikommunistischen Kreuzzuges hinter sich zu bringen, Stalin das Zepter der Weltherrschaft. Damit ist bewiesen, dass Hitlers Antikommunismus nichts als ein bloßer politischer Propaganda-Bluff ist und dass die Nazis im Grunde den Sieg des roten Totalitarismus dem der westlichen Demokratien vorziehen. Die alte These des „Legionário“ bestätigt sich: Kommunismus und Nazismus sind Brüder, und jeder Versuch, sich auf den einen zu stützen, um den anderen zu bekämpfen, spielt im Grunde beiden in die Hände. Hitler, der die Lorbeeren schon nicht mehr für sich behalten kann, hätte sie lieber in die Hände Stalins als in denen Churchills oder Roosevelts gelegt. Stalin würde es sicherlich vorziehen, sie in den Händen Hitlers zu sehen, als das sie die Stirn der „bürgerlichen“ Mächte schmücken. Da jeder der beiden Diktatoren den Sieg für sich haben will, Hitler selbst ihn aber nicht erlangen kann, zieht er es vor, ihn in den Händen seines Doppelgängers zu sehen.

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      Dies muss zu einer Zeit gesagt, wiederholt und verkündet werden, in der bestimmte sowjetische Propagandisten in Brasilien beginnen, das Ansehen der angloamerikanischen Kombattanten schleichend zu torpedieren. Hört man ihnen zu, dann ist das bolschewistische Russland, der größte aller Giganten, der entscheidende Faktor für den Sieg. Im Gegenteil, die „bürgerlichen“ Mächte, die mit Liberalismus, Trägheit und Desorganisation infiziert sind, würden eine völlig untergeordnete Rolle für den Erfolg des Krieges spielen. Und aus all dem ließe sich ableiten, dass nur der Kommunismus eine perfekte politische und soziale Organisation hat. Der Lackmustest für die bolschewistische Überlegenheit hätte in Stalingrad stattgefunden.

      Diese kühne Behauptung kann nicht ohne einige Bemerkungen bleiben.

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      Stellen wir zunächst fest, dass wir einen grundlegenden Unterschied zwischen Russland und dem Kommunismus machen. Viele Russen könnten diese Unterscheidung nicht verstehen, so wie manche Italiener nicht verstehen würden, dass wir zwischen Mussolini und Italien unterscheiden, manche Franzosen es nicht ertragen könnten, wenn wir Pétain angreifen würden, obwohl wir Frankreich leidenschaftlich lieben, und viele Deutsche nicht verstehen könnten, wie wir, da wir wütend gegen die Nazis sind, behaupten können, das Wohl der deutschen Nation aufrichtig zu wünschen. Diese Unterscheidung zwischen einem Land und den Abenteurern, die sich seiner Führung bemächtigen, oder zwischen diesem Land und dem politischen Regime, unter dessen Unterdrückung es leidet, ist jedoch elementar. Ob wir bestimmte Weißrussen, die gestern noch Antikommunisten waren und heute vom Erfolg der sowjetischen Truppen begeistert sind, nun verstehen oder nicht, die Wahrheit ist, dass der Kommunismus nicht Russland ist, auch nicht Mexiko und auch nicht Brasilien, wenn er leider hier eingeführt würde. Der Kommunismus ist eine sozial-politische Organisationsform, die der sozial-politischen Lehre der Kirche diametral entgegengesetzt ist. Er ist also das Gegenteil der christlichen Zivilisation. Er ist die antichristliche Zivilisation, die Zivilisation des Antichristen. Ein guter Russe zu sein bedeutet nicht, den Kommunismus zu begrüßen, sondern ihn zu bekämpfen, um Russland so schnell wie möglich von ihm zu befreien. Wenn wir also unnachgiebig und kompromisslos gegen den Kommunismus kämpfen wollen, so tun wir dies nicht, weil wir das russische Volk nicht schätzen, sondern ganz im Gegenteil: weil wir es in unserem Herrn Jesus Christus mit jener universalen katholischen Liebe, die alle von Gott geschaffenen Völker umfasst, inbrünstig lieben.

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      In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass England und die Vereinigten Staaten inzwischen große Streitkräfte in Frankreich stationiert haben und dass die Nazis trotz des militärischen Drucks in Italien und Russland den auf gallischem Gebiet gelandeten Streitkräften enormen Widerstand leisten.

      Warum? Offensichtlich deshalb, weil Hitler von Anfang an unzählige Truppen, zahllose Ressourcen, Munition und Lebensmittel in Frankreich konzentriert hatte, alles, um einer ohne Vorwarnung durchgeführten alliierten Invasion zu begegnen.

      Sollten wir die angloamerikanischen Generäle als echte Schurken anerkennen? Sind die Oberhäupter der angelsächsischen Nationen, unserer Verbündeten, also Kretins und Schwachköpfe? Oder sollen wir uns darauf einigen, dass Herr Adolf Hitler wirklich immense Ressourcen im Westen gelassen hat und er deshalb Russland im Osten nur mit Mitteln bekämpft hat, die bei weitem nicht der Gesamtzahl der deutschen Armee entsprachen? Wie kann man im letzteren Fall übersehen, dass die Russen im Gegensatz zu den Franzosen nicht mit der Fülle der teutonischen militärischen Mittel konfrontiert waren und dass daher der russische Widerstand nicht die Bedeutung hat, die man ihm zubilligen möchte?

       Wir leugnen nicht, dass Russland dem nationalsozialistischen Impuls tapfer widerstanden hat. Wir bestreiten jedoch, dass daraus abgeleitet werden muss, dass Russland allein, die Nazis, unsere gemeinsamen Gegner vollständig besiegt haben; dass die bürgerlichen Nationen vollständig gescheitert sind; und dass die gegenwärtigen militärischen Ereignisse auf die eine oder andere Weise die Überlegenheit des bolschewistischen Regimes gegenüber dem Regime, unter dem wir leben, beweisen können.

      Russland hat zwar erfolgreich und tapfer gekämpft, aber nur gegen einen Teil der germanischen Streitkräfte. Hätte sie der vollen Wucht der Nazis standgehalten, wenn diese mit England Frieden geschlossen hätten und die Westfront hätten entschärfen können?

      Dies ist ein sehr ernstes Problem.

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      Zunächst einmal ist festzustellen, dass sich Russland angesichts des ersten nationalsozialistischen Anstoßes stark zurückzog. Es hat sich so weit zurückgezogen, dass es, wenn es nicht das riesige Territorium gehabt hätte, das es besaß, wenn es eine kleinere Nation gewesen wäre, buchstäblich von vorne bis hinten durchbohrt worden wäre.

      Wenn man das Ausmaß des russischen Rückzugs berechnet, fragt man sich: Wenn die sowjetischen Truppen gezwungen gewesen wären, Belgien zu verteidigen, wären sie dann erfolgreich gewesen? Offensichtlich nicht.

      Russland stützte sich also auf einen ersten, vom Regime unabhängigen Faktor, nämlich die Weite seines Territoriums. Wäre dieses „großartige“, „phantastische“, „wunderbare“ Regime in einem kleinen Land gewesen, es wäre beim ersten Angriff der Nazis überrannt worden.

      Es war auch nicht der Kommunismus, der den anderen großen Faktor des Sieges bewaffnete: General Winter, wie die Presse witzig sagte. Was wäre mit den Russen geschehen, wenn es diesen General nicht gegeben hätte, dem es zu verdanken war, dass die Russen den Widerstand vorbereiten konnten? Das Scheitern, das sie beim ersten Kontakt mit den finnischen Truppen einstecken mussten.

      Begünstigt durch den Winter, die territoriale Weite, der Stillstand zahlreicher Nazi-Truppen, die drohende Invasion in Europa und die Aufregung der eroberten Völker Europas, gelang es Russland schließlich, nach katastrophalen Niederlagen zu reagieren. Es hat tapfer reagiert: Wir sollten ihm applaudieren. Es reagierte erfolgreich: Gott sei Dank, denn alles wäre besser oder weniger schlimm gewesen als der Triumph der Nazis in der Welt. Aber wir sollten die Dinge nicht übertreiben: Der russische Erfolg, den wir mit so aufrichtiger Genugtuung betrachten, ist weit, weit, weit davon entfernt, ein Argument für das kommunistische Regime zu sein.

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      Solche Diskussionen sind unangebracht in einer Zeit, in der unsere erste Aufgabe zweifellos darin bestehen muss, den Feind Nr. 1 der christlichen Zivilisation und Brasiliens, nämlich Herrn Hitler, zu vernichten. Aus diesem Grund ist es angebracht, diesen fadenscheinigen Methoden der bolschewistischen Propaganda ein für alle Mal ein Ende zu setzen.

 

Aus dem Portugiesischen übersetzt mit Hilfe von DeepL-Übersetzer (kostenlose Version) von „Não exageremos!“ in O „Legionário“ Nr. 619, vom 18. Juni 1944.

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Diese deutsche Fassung „Übertreiben wir nicht!“ erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com