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Donnerstag, 31. Juli 2025

Mäßigung, die große Übertreibung unseres Jahrhunderts

 Plinio Corrêa de Oliveira


Die Festung des Glaubens: eine Miniatur aus dem 15. Jahrhundert. Die Kirche, vertreten durch ihre Hierarchie, verteidigt die Festung des Glaubens gegen den Angriff von Ketzern und Heiden. Dieses filigrane mittelalterliche Kunstwerk drückt den ständigen Kampf zwischen dem Gottesstaat und dem Teufelsstaat, zwischen den Kindern des Lichts und den Kindern der Finsternis aus. Heutige „Moderantisten“ (Gemäßigten) abstrahieren von diesem militanten Aspekt des kirchlichen Lebens und konzipieren die Beziehungen zwischen Gläubigen und Ungläubigen – unter dem Vorwand von Ausgewogenheit, Äquidistanz und Nächstenliebe – im „toleranten“ Stil der rotarischen Mentalität.

* * *

Fassen wir unseren vorherigen Artikel in zwei Worten zusammen:

Übertreibung ist ein Fehler, der jede Tugend verderben kann. Vaterlandsliebe zum Beispiel ist eine Eigenschaft, aber Staatsverehrung ist ein Fehler. Gerechtigkeit ist ebenfalls eine Eigenschaft, aber Übertreibung kann sie in Härte, ja sogar Grausamkeit verwandeln. Unnachgiebigkeit ist eine Tugend, aber im Übermaß kann sie zu Sektierertum führen. Und so weiter.

Mäßigung ist auch eine Eigenschaft. Daher kann sie durch Übertreibung verzerrt werden. „Mäßig gemäßigt“ zu sein ist gut. Übertrieben gemäßigt zu sein ist schlecht. „Corruptio optimi pessima.“ Mäßigung ist eine hohe, eine sehr hohe Tugend. Gerade deshalb sind ihre Verzerrungen sehr gefährlich. Grundsätzlich ist es daher sehr wichtig, die Exzesse der Mäßigung zu verstehen, um sie zu verhindern oder zu beheben.

Zu diesem doktrinären Grund, der zu allen Zeiten und an allen Orten gültig ist, kommt – um eine Untersuchung des Themas zu Beginn dieses Jahres zu empfehlen – ein äußerst gewichtiger, umständlicher Grund hinzu. Der Mensch unserer Zeit ist im Wesentlichen übertrieben. Jahrzehntelang wehte ihm der Wind der extremsten politischen und sozialen Propaganda entgegen. Er entwickelte eine Vorliebe für Exzesse. Nach dem Krieg wurden in verschiedenen Bereichen sehr rechtzeitig Anstrengungen unternommen, ihm etwas Mäßigung beizubringen. Dann trat ein merkwürdiges, aber erklärbares Phänomen auf: Der moderne Mensch, der der Übertreibung verfallen war, begann, die Mäßigung zu übertreiben. Daher rührt zumindest teilweise die Popularität vieler Haltungen und Denkweisen vom Anfang dieses Jahrhunderts, die vor zehn oder fünfzehn Jahren noch als offenkundig liberal gegolten hätten.

Nichts könnte die Sache einer heiligen und gesunden Mäßigung stärker gefährden als eine solche Abweichung. Diese Abweichung in ihren unzähligen Erscheinungsformen aufzuzeigen, zu analysieren und offenzulegen, ist daher ein nützlicher und dringender Dienst im Kampf gegen Übertreibungen.

Es gibt drei Prinzipien, nach denen der Hypermoderantismus zum Exzess führt. Tolerant, kompromissbereit, vielleicht in allem nachlässig, fürchtet er Exzess auf allen Gebieten. Doch in diesen drei Prinzipien ist er so kompromisslos wie ein legendärer Inquisitor, so fanatisch wie ein Mohammedaner, so akribisch wie ein Pharisäer. Dies sind drei hervorragende Prinzipien:

1) Die Regel des heiligen Augustinus: „Hasse den Irrtum und liebe die Irrenden“;

2) „Die Tugend liegt in der Mitte“;

3) Die Maxime des Heiligen Franz von Sales: „Ein Löffel Honig zieht mehr Fliegen an als ein Fass Essig.“

Daraus ergibt sich eine ganze Reihe einseitiger Positionen, die zu einem mehr oder weniger ausgeprägten Liberalismus führen.

Charakteristisch für den Hypermoderantismus ist, dass er praktisch zu einer Position der „dritten Kraft“ zwischen Wahrheit und Irrtum, Gut und Böse führt. Wenn an einem Extrem der Staat Gottes steht, dessen Kinder Güte und Wahrheit in jeder Hinsicht zu verbreiten suchen, und am anderen Extrem der Staat des Teufels, dessen Soldaten Irrtum und Böses in jeder Form zu verbreiten suchen, ist klar, dass der Kampf zwischen diesen beiden Städten unvermeidlich ist. Denn zwei Kräfte, die auf demselben Gebiet in entgegengesetzte Richtungen wirken, müssen sich zwangsläufig bekämpfen. Daher kann es keine Verbreitung von Wahrheit und Güte geben, die nicht einen Kampf gegen Irrtum und Böses und sogar gegen die Urheber von Irrtum und Bösem beinhaltet. Umgekehrt kann es keine Verbreitung von Irrtum und Bösem geben, die nicht einen Kampf gegen die Wahrheit, gegen das Gute, gegen diejenigen, die die Wahrheit verbreiten, gegen diejenigen, die für das Gute arbeiten, mit sich bringt. Genau das übersehen Hypermoderantisten, wenn sie die erste Maxime übertreiben. Sie bilden sich ein, sie könnten den Sieg erringen, indem sie Ideen, und nur Ideen, angreifen. Als wären Ideen konkrete Gebilde, die angreifbar und besiegbar sind. Ideen existieren in den Köpfen derer, die sie vertreten. Sie zu besiegen bedeutet, ihre Anhänger zu bekehren oder, wenn sie stur sind, sie aufzuzeigen, zu entlarven und ihnen jeglichen Einfluss zu nehmen.

Doch der übertriebene „Moderantist“ sieht nichts davon. Entschlossen, die Ideen nur theoretisch anzugreifen, zieht er gegen zwei Gegner in den Krieg:

a) die Ideen der Antikatholiken;

b) die Katholiken, die den Kampf in den Bereich konkreter Fakten tragen.

Zwischen beiden agiert er als echte „dritte Kraft“.

Natürlich wendet der „Moderantist“ (der Gemäßigte) der „dritten Kraft“ seine Prinzipien auch auf den Kampf zwischen dem Heiligen Stuhl gefügigen Katholiken und jenen an, die sich zu den Irrtümern bekennen, die der glorreich regierende Heilige Vater in den Enzykliken „Mystici Corporis“ und „Mediator Dei“, in der Konstitution „Bis Saeculari“ und in der Enzyklika „Humani Generis“ verurteilt hat. Er will nur Lehren angreifen. Immer wenn es darum geht, jemandem einen Fehler zuzusprechen, immer wenn es darum geht, jemanden aus einer Position oder Situation zu entfernen, in der sein Einfluss gefährlich sein könnte, widerspricht der Moderantist. Dies wäre ein Mangel an Nächstenliebe, da es den Kampf vom Bereich der Ideen in den Bereich der Menschen verlagert. Im Großen und Ganzen ist dies der Katholik der „dritten Kraft“. Aber er hat eine sehr merkwürdige Eigenschaft. Er wendet die weise Maxime des heiligen Augustinus nur in eine Richtung an. Im Umgang mit denen, die verschleierte oder offenkundig falsche Lehren vertreten, ist der Katholik der „dritten Kraft“ ein „Moderantist“. Doch wenn er denen gegenübersteht, die für absolute Reinheit der Lehre kämpfen, greift er … auch und sogar in erster Linie Menschen an.

Wir möchten unseren Lesern ein interessantes Beispiel zur Analyse präsentieren. Achten Sie auf die Opposition der „dritten Kraft“ zum „CATOLICISMO“ (diese Zeitschrift). Vergleichen Sie die Haltung der Soldaten der „dritten Kraft“ uns gegenüber mit ihrer Haltung gegenüber denen, die unseren Ideen widersprechen. Der bloßen Erläuterung halber und ohne dem Ausdruck eine besondere Bedeutung beimessen zu wollen, nennen wir sie die Linke und uns die Rechte. In der Mitte stünde die „dritte Kraft“. Sehen wir sie an:

1) – Schriften der „Linken“ stellen keine große Gefahr dar, solange sie nicht offen Irrtümer vertreten. Daher sollten sie mit Vorsicht betrachtet werden. Im Gegenteil, Schriften der „Rechten“ sind äußerst gefährlich. Sie verbreiten, zumindest implizit, eine Atmosphäre der Streitlust und Unnachgiebigkeit, die der Nächstenliebe schadet. Deshalb müssen sie eingehend und mit größter Aufmerksamkeit analysiert und rigoros boykottiert werden, sobald sie auch nur den geringsten Diskussionsstoff anregen.

2) – Schriftsteller der „Linken“ können, selbst wenn sie den einen oder anderen formalen Fehler begehen, hervorragende Menschen sein, die aller Anerkennung würdig sind, und ihre Mitarbeit im apostolischen Werk kann und sollte voll genutzt werden. Schriftsteller der „Rechten“ hingegen sind gefährliche Menschen, deren Einfluss stets der Nächstenliebe schadet und die von jeglicher apostolischen Tätigkeit ferngehalten werden müssen.

3) Es wäre lieblos, durch persönliches Handeln – in Gesprächen mit Freunden und Verwandten, mit Vereinsmitgliedern usw. – eine Atmosphäre des Misstrauens gegenüber Elementen der „Linken“ zu schaffen. Doch es ist ein Werk des öffentlichen Heils, alle gebotene Sorgfalt darauf zu verwenden, eine solche Atmosphäre gegenüber den „Rechten“ zu schaffen.

4) Es ist möglich, dass in diesem oder jenem konkreten Fall die Handlungen einiger „linker“ Enthusiasten weniger loyal oder weniger wohltätig waren. Ihnen sollte vergeben werden, denn Leidenschaft hat große Macht über die arme, gefallene Menschheit. Es wäre vorschnelles Urteil oder gar Verleumdung, die Absichten solcher Personen zu verdächtigen. Es ist jedoch klar, dass die „Rechten“ immer gegen die Nächstenliebe sündigen, dass der elementarste Sinn für Gerechtigkeit verlangt, dass ihre Anhänger mit äußerster Härte bestraft und ihre verderblichen Aktivitäten mit Gewalt gestoppt werden. Was ihre Absichten betrifft, so grenzt man, wenn man sie mit allzu viel Wohlwollen betrachtet, an ernstes Misstrauen.

Was ist das Ergebnis dieses gewaltigen und heftigen Widerspruchs? Es könnte nicht klarer sein. Die Täter des Bösen sind von jeder Rücksichtnahme, jeder Sympathie umgeben und in jeder Schlüsselposition für die Verbreitung von Irrtümern positioniert. Im Gegenteil, die Verteidiger der Wahrheit sind isoliert, unbeliebt und von jeder strategischen Position entfernt.

Mit anderen Worten: Die gesamte Einflusskraft der dritten Kraft trägt zum Sieg der Ideen bei, die sie – zumindest auf den Mond – verurteilt.

EINE FIXE IDEE: DER GLEICHABSTAND (Equidistanz)

Aber, könnte jemand sagen, liegt Tugend nicht in der Mitte? Wenn die Rechte ein Extrem ist, die Linke ein anderes, muss Tugend dann nicht genau auf halber Distanz zwischen der einen und der anderen liegen? Wir sollten zunächst fragen, ob die Position der „dritten Kraft“, der „übertriebenen Gemäßigten“, wirklich in der Mitte liegt. Denn wenn man allen Zorn auf eine Seite und all die Nachsicht auf die andere richtet, ist es sehr schwer zu behaupten, dass man das Herz in gleicher Distanz von der einen wie von der anderen Seite entfernt hat. Darüber hinaus wäre nichts falscher, als sich vorzustellen, dass die Tugend bei zwei gegensätzlichen Meinungen immer irgendwo in der Mitte liegt. Wenn also in einem Kreis jemand die Enthauptung als Strafe für Mord befürwortet und ein anderer die einfache Gefängnisstrafe, sollte daraus nicht gefolgert werden, dass die Wahrheit nicht darin besteht, dem Mörder den Hals durchzuschneiden oder ihn gar nicht erst zu schneiden, sondern ihm die Beine abzuschneiden. Ebenso läge die Wahrheit in einer Gruppe, in der ein Katholik behauptet, die kirchliche Hierarchie bestehe aus Papst, Bischöfen und Gemeindepfarrern, ein Presbyterianer aber Papst und Bischöfe leugnet und nur Gemeindepfarrer zulässt, irgendwo in der Mitte, nämlich im Anglikanismus, der Bischöfe, aber nicht den Papst zulässt. Wenn ein Dieb behauptet, Anspruch auf das gesamte Geld in der Brieftasche seines Opfers zu haben, und das Opfer behauptet, der Dieb habe kein Recht darauf, läge die Tugend darin, den Mittelweg einzuschlagen und dem Dieb die Hälfte des Geldes zu geben. Und zwischen einem Katholiken, der die Existenz der drei Personen der Heiligsten Dreifaltigkeit bejaht, und einem Ketzer, der nur eine Person in Gott anerkennt, läge die Wahrheit darin, den Mittelweg einzuschlagen und die Existenz zweier Personen in Gott zu akzeptieren.

Im eigentlichen Sinne der Maxime ist es wahr, dass Wahrheit und Tugend irgendwo in der Mitte liegen. Aber nicht in irgendeinem Mittelweg, denn das wäre absurd. Die „Mitte“ der Maxime bezeichnet eine Position vollkommener Ausgewogenheit, von der aus alle theoretisch möglichen Übertreibungen und alle erdenklichen Irrtümer ausgeschlossen sind und in der es nur die Wahrheit und das Gute gibt.

DER MITTELWEG LIEGT IN DER TUGEND

Schauen wir uns einige Beispiele an. Ein Student, der ein- oder mehrmals in der ersten Prüfung durchfällt, ist sicherlich ein schlechter Student. Ein anderer, der alle Fächer mit einer 3 besteht, ist ein durchschnittlicher Student. Wieder ein anderer, der im gesamten Studium nur Auszeichnungen erhält und alle Preise gewinnt, ist ein exzellenter Student. Welcher der drei befindet sich im idealen Mittelweg? Liegt die Tugend in der Mitte, liegt sie bei den Tugendhaftesten. Der Tugendhafteste ist nun nicht derjenige, der in allen Prüfungen eine 3 bekommt, sondern derjenige, der eine 1 bekommt... Dies führt uns zu einer Formulierung, die die berühmte Maxime, dass Tugend in der Mitte liegt, besser verständlich macht. Wollen wir wissen, wo der Mittelweg liegt? Er liegt in der Tugend. Daher, je weiter man in der Tugend schreitet, hin zu den Höhen der Heiligkeit, desto mehr befindet man sich in der Mitte. Eine „Mitte“ natürlich, die etwas ganz anderes als Mittelmäßigkeit und langweiliger Äquidistanz zwischen Gut und Böse. In Sachen Reinheit besteht die „Mitte“ darin, den hl. Aloysius von Gonzaga nachzuahmen, der vor aller Weltlichkeit und allem floh, was auch nur den geringsten Schatten des Bösen hatte. In Sachen Orthodoxie besteht die Mitte bei der Nachahmung des hl. Thomas, des hl. Ignatius von Loyola und des heiligen Inquisitors Pius V. In Sachen Gebet bedeutet es, der heiligen Teresa von Jesus oder der hl. Therese vom Kinde Jesus zu folgen. In Sachen Kampfgeist besteht es darin, den hl. Bernhard, den Heiligen der Kreuzzüge, oder die hl. Johanna von Orléans nachzuahmen. Wenn der Himmel an einem Extrem und die Hölle am anderen liegt, dann ist die „Mitte“, in der die Tugend zu finden ist, nicht derselbe Abstand zwischen dem Thron Gottes und der Bank Satans, in jener Zone der Verworfenen, die Dante am Eingang zur Hölle sah, gleichermaßen von Engeln und Dämonen abgelehnt – das heißt, die Lauen, die Mittelmäßigen, die Gleichgültigen, die „senza infamia e senza lodo“ (Inf. III, 21 ff.) durchs Leben gegangen sind. Die Mitte befindet sich an einem der Extreme, nämlich im Himmel.

Wenn wir wissen wollen, wo die Mitte ist, haben wir nur einen Weg: die Kirche zu fragen, wo die Tugend ist.

HONIG UND ESSIG

Aber, könnte jemand anderes schließlich sagen, ist es nicht wahr, dass mit einem Löffel Honig man mehr Fliegen anzieht als mit einem Fass Essig? Lassen wir die dritte Kraft und ihre beklagenswerten Widersprüche beiseite. Wäre es für die „Rechten“ nicht besser, endgültig auf polemische Methoden zu verzichten und die „Gegenseite“ mit Zuneigung zu überzeugen?

Zuneigung ist im Prinzip das, was Menschen am meisten anzieht. Dürfen wir daraus folgern, dass dies die einzige dem Apostel angemessene Haltung ist? Hätte die hl. Johanna von Orléans versucht, die Engländer mit Zärtlichkeiten zu vertreiben, wäre sie erfolgreich gewesen? Hätte der hl. Bernhard nicht besser gehandelt, wenn er die Kreuzzüge nicht predigte, sondern einen „Tag des guten Willens“ gegenüber den Muslimen in der Christenheit organisierte? Hätte der hl. Pius V. nicht christlicher und wirksamer gehandelt, wenn er statt der Schiffe von Johann von Österreich einen Experten für pazifistisches Lächeln nach Lepanto geschickt hätte?

Aus so vielen Beispielen wird deutlich, dass ein Heiliger, der, wann immer möglich, überzeugende Mittel bevorzugt, gezwungen sein kann, zu sehr strengen Verfahren zu greifen. Und dies aus zwei Hauptgründen. Erstens geht es beim Apostolat nicht immer um Bekehrung. Sobald sich eine Bekehrung aufgrund der Hartnäckigkeit des Sünders als unmöglich erweist, muss man ihm die Möglichkeit nehmen, andere Seelen zu verlieren. Und dies gelingt selten allein durch überzeugende Mittel.

Andererseits wird Bekehrung selbst nicht immer durch sanfte Worte erreicht. Die Geschichte ist voll von Beispielen von Seelen, die nur durch harte Worte, schreckliche Anschuldigungen und gewaltige Drohungen berührt wurden. Man denke nur an den Fall Davids.

Wenn es also stimmt, dass Sanftmut mehr Seelen anzieht als Strenge, so stimmt es auch, dass es Seelen gibt, die nur durch Strenge bekehrt werden können, und innere Situationen, Krisenzustände, die nur durch Strenge gelöst werden können.

Damit ist ein wesentliches Prinzip festgelegt, das zu vergessen oder zu unterschätzen ein schwerer Fehler wäre. Eine apostolische Technik, die ausschließlich auf Sanftmut beruht, ist ebenso fehlerhaft wie eine, die ausschließlich auf Strenge beruht.

STRENGE ODER MILDE?

Wie sollten wir also handeln? In welchem Ausmaß sollten wir jedes dieser unverzichtbaren Elemente apostolischen Handelns einsetzen? Wie viel Salz? Wie viel Zucker? Auf den ersten Blick scheint das Problem unlösbar; in Wirklichkeit ist es leicht zu lösen.

Unterscheiden Sie sorgfältig zwischen tugendhafter Sanftmut und lasterhafter Sanftmut. Und dasselbe gilt für Strenge.

„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“, sagt unser Herr. Dies lässt sich sowohl von Menschen als auch von apostolischen Taktiken sagen.

Wenn die Sanftmut des Apostels so beschaffen ist, dass sie in den Seelen Geschmack für Glauben, Reinheit, ein Leben in Selbstkasteiung, Loslösung von irdischen Gütern, grenzenloses Vertrauen in die Kirche Gottes und einen unerbittlichen Hass auf die Sünde entfacht: Wenn Sanftmut – kurz gesagt – bekehrt und heiligt, ist sie gerecht, tugendhaft und heilig. Doch wenn die Sanftmut des Apostels den Sünder noch tiefer in seine Sünde verstrickt, ihm eine anmaßende Hoffnung auf Erlösung einflößt, sein Gefühl für die Schwere seiner Schuld mindert, ihn dazu bringt, Gottes Zorn mit Gleichgültigkeit zu betrachten, ihn dazu bringt, tugendhafte Menschen zu hassen, sich seiner sinnlichen und weltlichen Maximen zu rühmen und die Gebote des Glaubens und die Lehren der Kirche zu verspotten, dann kommt diese Sanftmut vom Teufel.

Wenn Strenge turbulent, ruhelos und widersprüchlich ist, manchmal eine Kleinigkeit anklagt, manchmal eine schwerwiegende Tatsache übersieht; wenn sie eher zur Verteidigung der tatsächlichen oder vermeintlichen Rechte des Strengen als zur Verteidigung der Rechte Gottes und der Kirche ausgeübt wird; wenn sie nicht durch aufrichtige Reue besänftigt wird; wenn sie eher versucht, ihrem Ärger Luft zu machen als zu erbauen; wenn sie die Zwänge des Gehorsams nicht bereitwillig und demütig akzeptiert; wenn sie nicht darauf angelegt ist, Bewunderung oder Anziehung für die Tugend zu wecken; Wenn sie Angst einflößt, die entmutigt und nicht zur Bekehrung führt, kommt sie nicht von Gott. Aber wenn sie völlig vernünftig ist, selbst in ihren radikalsten Aussagen; wenn sie ausschließlich auf Prinzipien und nicht auf momentanem Zorn beruht; wenn sie die Rechte und Lehren der Kirche verteidigt und alles „sub specie aeternitatis“ sieht, anstatt sich von Phobien oder persönlichen Sympathien leiten zu lassen; wenn sie Gehorsam akzeptiert, Tugend fördert, Seelen von der Sünde abbringt und sie zu Gott führt, dann ist sie ein Geschenk des Himmels.

HEILIGKEIT IST DAS WESENTLICHE

Das Wesentliche ist jedoch nicht, ob jemand sanft oder streng ist, sondern ob er heilig sanft oder heilig streng ist.

Strenge und Sanftmut hängen weitgehend von der Veranlagung der Seele ab, und „im Hause des himmlischen Vaters gibt es viele Wohnungen“. Die Schrift sagt: „Der Geist weht, wo er will“, und Gott gibt jedem Menschen seine Gaben, wie er es für richtig hält. Manchen schenkt er die Gabe, vor allem durch Sanftmut anzuziehen, wie dem hl. Franz von Sales. Anderen schenkt er die Gabe, ihn durch die Kraft einer feurigen und unnachgiebigen Polemik anzuziehen, wie dem hl. Hieronymus. Lasst uns nicht Heilige gegen Heilige, Altar gegen Altar, Tugend gegen Tugend aufhetzen. Lasst uns stattdessen verstehen, dass dort, wo Heiligkeit ist, Gott ist, die Quelle allen Guten. Lasst uns strenger als sanftmütig sein oder sanftmütiger als streng: Das Wesentliche ist, dass wir heilig sind. Denn was erwünscht ist, ist Heiligkeit, das heißt die vollkommene Einhaltung der katholischen Lehre, die vollkommene Ausübung der Gebote.

In jedem Fall handeln wir gemäßigt, wenn wir heilig handeln, selbst wenn wir ins Extreme gehen.

Wir wiederholen: Tugend liegt in der Mitte; und diese berühmte Mitte liegt in der Tugend.

Und wenn sie nicht in der Tugend wäre, wo könnte sie anders sein als in der Hölle?




Aus dem portugiesischen von Moderação, o grande exagero de nosso século“  in Catolicismo von März 1954

Die deutsche Fassung dieses Artikels „Mäßigung, die große Übertreibung unseres Jahrhunderts“ ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

 


Freitag, 31. Januar 2020

Pazifismus



Ich denke, es hat nie eine bessere Gelegenheit gegeben für eine Ausflucht über den Pazifismus als in diesen Kriegstagen, die wir durchlaufen. Denn in Wirklichkeit scheint der Pazifismus noch nie so viel dazu beigetragen zu haben, das Gewissen abzulenken, den Willen zu verweichlichen und die gerechtesten und notwendigsten Widerstände zu entwaffnen. Und vor allem hat er nie versucht, sich so eindringlich wie heute unter das Fell des Lammes zu verstecken, und sich damit auch noch sehr katholisch darzustellen.
Ich denke daher, dass den Lesern des „Legionário“ zum Vorteil sein wird, wenn sie ein wenig über das Thema nachdenken könnten.
Eines der charakteristischen Merkmale der katholischen Moral ist, dass sie nicht nur die Liebe zum Guten empfiehlt, sondern lehrt, dass jede Tugend im Konkreten, in gewissen Grenzen geliebt werden muss, da sie ansonsten zu einem Fehler wird. Welche sind diese Grenzen? Es sind die, die von anderen höheren Tugenden auferlegt werden. Solange unsere Liebe zu einer bestimmten Tugend nicht durch sehr wahre und sehr reine Gründe motiviert ist, verkommt sie leicht zur Leidenschaft und wird damit zu einem Fehler. Daher die Entstehung so vieler Tugenden, die nichts anderes als eine Karikatur der wahren Tugend sind, und sie schädigen in der Masse des Volkes zutiefst die genaue Vorstellung von authentischer moralischer Vollkommenheit.
*   *   *
Es ist besser, dies mit einem Beispiel zu veranschaulichen. Die Kirche hat den Patriotismus immer als eine heilige Pflicht gepredigt. Die Bande, die die Natur zwischen Menschen eines Landes knüpft, wie eine Gemeinschaft von Blut, Sprache, Natur, Traditionen, Bräuchen, Fähigkeiten usw., schaffen besondere affektive Bindungen, die uns zu einer besonderen Nächstenliebe zu unseren Landsleuten verpflichten. Hinzu kommt noch eine Reihe von Verpflichtungen, die wir dem Staat schulden, als zwingende Folge der Vorteile, die wir von ihm erhalten. Im Allgemeinen verpflichten uns diese Umstände, die untrennbar von der menschlichen Natur sind und daher von Gott, dem Urheber der Natur, gewollt sind, zu besonderer Solidarität mit unserem Land.
Doch sobald diese natürlichen Gefühle verzerrt und nur noch Ausdruck von Selbstsucht und Leidenschaft werden, verdirbt sich der Patriotismus in einen kriminellen Imperialismus oder in eine vollkommen heidnische Statolatrie (anbetende Verehrung des Staates).
Wie oft und wie oft wurden die ungeheuerlichsten Angriffe auf das Völkerrecht als heldenhafte Ausbrüche des Patriotismus einer aggressiven Nation erklärt! Wie viel und wie viel andererseits wurden die heiligsten Rechte von Einzelpersonen, Familien oder Unternehmen mit Füßen getreten, unter dem Vorwand, dass die Interessen des Vaterlandes dies verlangten!
Gehen wir die Geschichte durch, und sie wird uns zeigen, dass im Namen des authentischen Patriotismus die heldenhaftesten Taten ausgeführt, aber dass unter dem Vorwand des falschen Patriotismus auch die widerlichsten Verbrechen begangen wurden.
Warum ist das so? Kann man sagen, dass die Täter solcher Verbrechen die Tugend des Patriotismus übertrieben haben? Nein. Wortwörtlich betrachtet, kann im Grunde eine Tugend niemals übertrieben werden, denn so intensiv sie auch sein mag, sie ist immer eine Tugend, die in ihrem Zenit den heroischen Grad erreicht, der der Heiligkeit eigen ist. Eine Tugend kann nicht übertrieben werden, so wie es nicht möglich ist, die Gesundheit zu übertreiben. Tugend ist die Gesundheit der Seele, und je gesünder die Seele, desto besser und vollkommener ist die Tugend. Aber die Tugend kann entstellt, missverstanden und falsch angewendet werden. Es handelt sich nicht um eine Steigerung der Intensität, sondern eine Verformung. Es ist nicht die höchste Intensität der Tugend des Patriotismus, die einen kriegerischen und kriminellen Imperialismus hervorbringt. Es ist die Verzerrung des Patriotismus, die zu einem solchen Ergebnis führt. Die Perfektion des Patriotismus bildet Helden. Seine Verformung bringt Banditen hervor.
Genau das Gleiche kann man von der Güte sagen. Es gibt keine missverstandenere Tugend als diese. Im Allgemeinen wird geglaubt, dass der Mensch eine Art Trottel sein muss, der nicht in der Lage ist, die Handlungen anderer gewissenhaft wahrzunehmen und sich gegen sie zu behaupten, energisch Irrtum und Sucht anzufechten oder für die Verteidigung seiner Rechte männlich zu kämpfen. Daher gewisse gängig gebrauchte Sätze: Armer Kerl! Es war so gut, dass er mit den Seinen im Elend endete. Dies ist im Allgemeinen keine Güte, sondern eine Karikatur der Güte. Der Katholik - sagte Unser Herr - muss die Klugheit der Schlange mit der Unschuld der Taube verbinden. Im Allgemeinen kommen das Scheitern, die Täuschungen, die lächerlichen Auftritte, der sich viele als „sehr gut“ geltende Menschen aussetzen, nicht von der Unschuld der Taube, sondern vom Fehlen der List der Schlange.
*   *   *
Genau das ist beim Pazifismus der Fall. Niemand außer der Kirche bedauert Kriege und versucht, sie zu vermeiden. Aber die Kirche ist weit davon entfernt zu verstehen, dass Krieg deshalb die größte aller Katastrophen ist. Die Kirche schätzt das menschliche Leben sehr, und damit so viel wie möglich Kriege zu bedauern und zu vermeiden. Sie versteht jedoch gut, dass es Dinge gibt, die weitaus wertvoller sind als das irdische Leben. In dieser Hinsicht macht der heilige Augustinus eine ernsthafte Bemerkung. Der große Kirchenlehrer zeigt, dass das größte Übel des Krieges nicht in der Zerstörung von Menschenleben liegt, die auf dieser Erde früher oder später vom Tod eingeholt werden, noch in der Verstümmelung von Körpern, die früher oder später die Zersetzung im Grab ihrerseits verstümmelt werden. Das größte Übel des Krieges ist das Vergehen gegen Gott wegen der Sünde des Angreifers, denn ein Vergehen gegen Gott ist viel mehr zu bedauern als das Verschwinden von Hunderten oder Tausenden von Leben.
Wenn die Sühne der Sünden der Menschen den Preis des Leben des Gottmenschen gekostet hat, wie könnte man dann nicht die Schwere einer Sünde und die Lehre des großen Bischofs von Hippo zugeben?
Welche Werte setzen sich über das irdische Leben hinweg? Vor allem das ewige Leben. Was ist es für den Menschen, fragt der hl. Paulus, die ganze Welt für sich zu gewinnen, wenn er seine eigene Seele verlieren würde? Was nützt es ihm so auch, mehr als ein Jahrhundert auf dieser Welt zu leben, wenn danach die Hölle ihn für alle Ewigkeit aufnimmt? Deshalb müssen wir, gestellt zwischen Abfall vom Glauben und Tod, diesen vorziehen.
Dies ist der Sinn des heldenhaften Widerstands der Märtyrer und der heiligen Kriege, den das Christentum in der Vergangenheit entwickelt hat, in dem sie jeden krankhaften Pazifismus mit Füßen getreten hat, um sich vor den maurischen, albigensischen und protestantischen Angriffen zu schützen. Dies ist auch die Bedeutung derer, die sich in unserem Jahrhundert mit Waffen in der Hand gegen die Verbreitung von Lehren wenden, die den Lehren Unseres Herrn Jesus Christus feindlich gegenüberstehen, Lehren die sich in Ketzern verkörpern, die die Macht erobert haben und über die immensen militärischen Ressourcen ganzer Nationen verfügen. Als zweites kommt territoriale Würde und Integrität.
Der eingeschränkte Rahmen eines Zeitungsartikels erlaubt es uns nicht, die vom hl. Thomas von Aquin anerkannten vielfachen Hypothesen der rechtmäßigen Kriegsführung zu untersuchen. In diesem Zusammenhang genügt es jedoch zu betonen, dass es Fälle gibt, in denen er den Krieg für eine Pflicht hält. Und das ist genug, um zu beweisen, dass Frieden um jeden Preis kein Programm sein kann, das dem katholischen Geist würdig ist.
Dies war im Übrigen, was Pius XII. in unleugbarer Klarheit in seinem jüngsten Brief an Präsident Roosevelt sagte. Der Heilige Vater schrieb, dass er die immer deutlicher die wachsende Schwierigkeit bemerkt, die internationale Kreise gegen einen „gerechten und gesunden Frieden“ anstellen. Und er fügt auf formelle Weise hinzu, sich einen authentischen Frieden zu wünschen, im Einklang mit der internationalen Gerechtigkeit und nicht im Einklang mit flüchtigen diplomatischen Kombinationen, die früher oder später den „auf Sand gebauten Frieden“ zum Erliegen bringen würden.
Dieser Frieden, fügt der Papst hinzu, kann nur von Staatsmännern gewährleistet werden, die „ein hinreichend klares Verständnis für die Bedürfnisse der Menschheit und einen tiefen Respekt vor den Geboten des Evangeliums haben, da nur sie auf dem richtigen und gerechten Weg sind. Nur sie werden die Macht haben, einen Frieden zu schaffen, der die gigantischen Opfer dieses Krieges entschädigen und die Mittel erleichtern, mit denen ein ausgewogeneres, aber sichereres und fruchtbareres Verständnis unter den Nationen gefunden werden kann. “
Es scheint unmöglich, klarer zu sagen, dass Friedensversuche mit einem Staatsoberhaupt, das für die antikatholische Zivilisation aufgestellt wurde, wie Kartenschlösser zusammenbrechen werden.
Wie also um jeden Preis pazifistisch sein?

Übersetzt aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer: „Pacifismo“ aus “Legionário” Nr. 385, vom 28. Januar 1940.
© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe gestattet.

Donnerstag, 2. Februar 2017

Der Rosenkranz ist die Waffe der Wahrheit gegen den Irrtum

Gibt es ein Thema, über das wir heute sprechen können?
Vorschlag: Könnten Sie über die Andacht zum Rosenkranz etwas sagen?
Natürlich!
Maria überreicht dem hl. Dominikus den Rosenkranz
Wie wir wissen, ist das größte Verdienst der Rosenkranzandacht, dass sie von der Muttergottes selbst dem hl. Dominikus geoffenbart wurde, als das Mittel, in den von der Häresie der Albingenser verwüsteten Regionen, den Glauben wieder zu erwecken. Tatsächlich bewirkte die allgemeine Verbreitung des Rosenkranzgebetes ein erneutes Aufblühen des Glaubenslebens. Dadurch wurde der Rosenkranz in den Zeiten der wahren Glaubenspraxis eine der klassischsten Frömmigkeitsübungen unter den Katholiken. So, dass nicht nur unzählige Statuen der Rosenkranzmadonna sich überall verbreiteten, aber auch die Übung des Rosenkranzgebetes unter den Gläubigen Gang und Gebe wurde und viele Ordensgemeinschaften einen Rosenkranz am Gürtel trugen, als offizielles Kennzeichen des jeweiligen Ordens.
Unter den Tausend Dingen, die man über den Rosenkranz sagen könnte, möchte ich gerne diese Verbindung des Rosenkranzgebetes und der Tugend des Glaubens hervorheben, zwischen dem Rosenkranz und dem Sieg über den Unglauben, die Häretiker.
Der Rosenkranz wurde immer als eine mächtige Waffe des Glaubens angesehen. Und für uns, die wir die göttliche Tugend des Glaubens als die Wurzel aller anderen Tugenden betrachten, so dass es nichts auf sich hat, wenn man die anderen Tugenden üben will, aber die des Glaubens vernachlässigt, denn alle Tugenden müssen aus einem lebendigen Glauben hervorsprießen, ansonsten sind sie keine echten Tugenden. Deshalb bedeutet uns, die wir ein Leben im Kampf für die Orthodoxie (Wahrheit) und den Sieg der Wahrheit und der Gegen-Revolution in der Welt als das Ideal unseres Lebens betrachten, diese Andacht viel. Denn sie begründet den Zusammenhang zwischen unserem Leben und der Andacht zur Muttergottes.
Pius V. erfährt in einer Vision den Sieg der Katholiken
in der Schlacht von Lepanto, den er dem Rosenkranzgebet
zuschreibt. Er führt daraufhin das Rosenkranzfest ein.
Die Muttergottes erscheint hier deutlich als die, von der die Liturgie behauptet, die alleine die Irrtümer der ganzen Welt vernichtet hat, und größtenteils durch den Rosenkranz vernichtet hat. Der Rosenkranz ist also die Waffe der Orthodoxie, die Waffe des Ultramontanismus und die Andacht durch die wir in uns die Wurzeln des bösen Geistes und des Irrtums, die wir in uns tragen, vernichten können, und ebenfalls den Irrtum und den bösen Geist besiegen können, derer, die uns den Kampf ansagen. So ist das Gebet des Rosenkranzes uns etwas sehr eigenes und der Grund, warum wir dermaßen darauf bestehen, dass unser Leben nur normal und ordentlich ablaufen kann, wenn wir unter anderem täglich den kompletten Psalter, d.h. alle drei Geheimnisse des Rosenkranzes beten.
Es bringt also nichts, zu sagen, „ich bete lieber einen Zehner sehr andächtig, als den ganzen Rosenkranz einfach heruntergeleiert“. Mir wurde mal von einem Heiligen erzählt, dem jemand so etwas gesagt hatte, und er sagte: „gut, dann bete mit großer Andacht nur ein Ave-Maria“. Derjenige ging, und brachte es nicht fertig. Warum? Weil diese ideale Andacht, bei der man Wort für Wort betrachten will, unserer Schwäche wegen eigentlich nicht möglich ist.

(Anm.: Die hl. Therese vom Kinde Jesu sagte, das sie nie im Leben ein Ave-Maria ohne Zerstreuung beten konnte.)

Die Wahrheit ist folgende: ein Ave-Maria ohne Zerstreuung zu beten, ist ein Meisterwerk. Da es nun mal nicht möglich ist ganz ohne eine gewisse Zerstreuung zu beten, ist es angebracht den Mangel an Qualität mit der Quantität (Menge) auszugleichen oder zu ersetzen. Wenn ich nur fähig bin mit Zerstreuung zu beten, ist es besser 50 Ave-Maria mit Zerstreuung zu beten als nur ein mit Zerstreuung...
Das so verrichtete Gebet hat seinen Wert und seinen großen Wert: es ist kein eingebildetes Gebet, es ist ein demütiges Gebet, was unsere Schwäche in Kauf nimmt, und nicht in protestantischer Manier übermäßig auf Details zu achten, die das Gebet nur stören, sondern im Gegenteil Verständnis für die menschliche Schwäche zeigen und vorwärts gehen. Deshalb ist auch die Wiederholung im Rosenkranz weit entfernt, etwas Steriles zu sein. Er ist gerade etwas, was das große Verdienst der Beharrlichkeit in sich birgt. Unser Herr selbst hat als eines der Merkmale des Gebets empfohlen, das es nachdrücklich sein soll. Das beharrliche Gebet erreicht das, um was wir bitten. Man drängt und drängt, wenn auch nur mündlich, und erhält am Ende die erbetene Gnade.
Deshalb ist die Empfehlung des Rosenkranzgebets als Waffe des Gegenrevolutionärs zur Standhaftigkeit, zur Heiligung und zur Vernichtung der Irrtümer, etwas Unvergleichliches.


Freie Übersetzung der Abschrift eines Vortrags (Santo do Dia) vom 12. Februar 1964