Posts mit dem Label Bücher werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bücher werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 22. Januar 2023

L’angelica milizia – Das Heer der Engel



Texte von Plinio Correa de Oliveira

378 Seiten (Cantagalli), zusammengestellt von Julio Loredo

Hier das VORWORT von Don Renzo Lavatori*

     Man ist überrascht und bewundert die grandiose engelhafte Vision von Plinio Corrêa de Oliveira. Sie präsentiert sich als ein grenzenloser Ozean von Anregungen zum Nachdenken, zum vertieften Studium, zum prägnanten und begeisterten Forschen. In der Tat wird man Zeuge einer Welt, der Engelwelt, die aus einem unermesslichen Hintergrund aufzutauchen scheint, wie der vulkanische Ausdruck einer Masse von Ideen und Plänen, von Vermutungen und Erinnerungen, die in eine Art Kontemplation münden, nicht aber eine statische und gegenstandslose Kontemplation, sondern eine reich an leuchtenden und interessanten Einblicken, die sich im Kosmos und in der Menschheit reflektieren und erweitern.

     Es handelt sich um eine umfassende, komplexe und anregende Vision der Engelwelt, nicht nur an sich, sondern in ihrer Beziehung zu Gott, dem geschaffenen Universum und der Menschheit, die organisch und lebendig zwischen Himmel und Erde schwebt. Daraus ergibt sich eine Vorstellung von einer Welt, die aus dem Schöpfungsakt Gottes hervorgegangen ist und die nicht in ihrer Vollkommenheit und Fülle betrachtet werden kann, wenn die Engel von ihr ausgeschlossen werden. Daher sind die Engelwesen zu Recht und notwendigerweise Teil der Ordnung des Kosmos, der Geschichte und des konkreten Lebens der Menschheit und der Kirche.

     Betrachtet man einige Einzelheiten vernimmt man, dass die Beziehung zwischen der Engel- und der menschlichen Sphäre interessant erscheint, so dass man von einer „Vermenschlichung“ des Engels und einer „Verengelung“ der menschlichen Natur sprechen kann. Diese Symbiose muss im richtigen Sinne einer geistigen Konfiguration und nicht einer ontologischen und existentiellen Identifikation erklärt und verstanden werden. Es handelt sich um zwei unterschiedliche, aber eng miteinander verbundene Realitäten, um gerade die umfassende Symphonie des Universums zu respektieren und zu beschreiben, die der göttliche Schöpfer und seine höchste Weisheit hervorgebracht haben. Tatsächlich wenn das menschliche Geschöpf seine Ähnlichkeit mit der engelhaften Spiritualität aus den Augen verliert, entleert es sich eines Aspekts und Elements von grundlegender Bedeutung für seine Gestaltung und den Adel seines Seins und Handelns. Andererseits ist es offensichtlich, dass die heutige Menschheit, wenn sie den Schwung und die Erhebung des Geistes, die sie mit sich trägt, aus den Augen verloren hat, bleibt sie gefangen und erstickt, verroht und verdorben und lehnt die Schönheit, Lebendigkeit und Vitalität ihrer Spiritualität ab. Auf diese Weise bezieht sich der Mensch ausschließlich auf die empfindsame und materielle Sphäre, in der er lebt und handelt, und nicht auf die höhere und unsichtbare Sphäre, nach der er strebt und durch die er seine Reife und Vollkommenheit vollständig und glücklich verwirklichen kann. Das Ergebnis ist eine Vision des Menschen, der unter der irdischen Dimension begraben und verborgen ist und dem die himmlische Komponente fehlt, die ihn würdig macht, das Bild und Gleichnis Gottes zu sein. Der Verlust des Engels ist daher eine der einschneidendsten Ursachen für den gegenwärtigen Hedonismus und Relativismus, in denen der Mensch verstrickt zu sein scheint und in dem er eine falsche Konfiguration seiner selbst und damit eine Entwertung seiner Präsenz und seines Handelns im Kosmos und in der Geschichte findet. Plinio Corrêa de Oliveira hat das Verdienst, die Figur des Engels wiederzuentdecken, zu reaktualisieren und neu zu beleben, als Ansporn und Ermutigung für den Menschen, sich selbst in all den Elementen wiederzuentdecken, die ihn ausmachen und die die authentischste Darstellung seines geschaffenen und erlösten Wesens bilden, als Ferment einer erneuerten Menschheit und Protagonist einer gesunden und ganzheitlichen Entwicklung.

     Daraus ergibt sich, dass die Welt der Engel für das Leben und für die Verwirklichung des göttlichen Planes in der Welt und in der menschlichen Geschichte unentbehrlich ist, und zwar unter den verschiedenen und sich ergänzenden Aspekten, die eine harmonische und vitale Existenz ausmachen, als Stützen für eine vollständige und harmonische Vision des Universums.

     Die Worte und Ausdrücke von Plinio Corrêa de Oliveira sind ein Wunsch nach einer „Rückkehr des Engels“ mit dem erklärten Ziel, der Realität Schönheit und Harmonie zurückzugeben. Die von wissenschaftlicher Sensibilität und ideologischem Rationalismus geprägte Moderne hat den Fehler, die Angelologie (Theologie der Engel) aus einer anthropologischen und kosmologischen, aber auch theologischen und spirituellen Konzeption an den Rand gedrängt und ausgeschlossen zu haben. Dies ist eine echte Verarmung, die sich nachteilig auf das Leben und das gesamte Universum auswirkt.

     Nach der eigentümlichen Auffassung von Plinio Corrêa de Oliveira hat das Heer der Engel, von dessen ständiger Anwesenheit die Psalmen zeugen, als Zusammenschluss derer, die dem Herrn dienen und ihn ehren und seine Herrschaft über die Welt verbreiten, die unverzichtbare und die unerlässliche Aufgabe sich gegen die Angriffe des Bösen zu stellen und zu kämpfen (Offb 12), das die göttliche Souveränität verdrängen und den Menschen an ihre Stelle setzen will. Dies ist die immer wiederkehrende Versuchung, die von Anfang an, nach der ersten Sünde, im menschlichen Herzen und im rebellischen Engel wohnt. Daraus ergibt sich die Aussicht auf eine (Gegen-)Revolution des Guten gegen das Böse, der Wahrheit gegen die Lüge, der Gerechtigkeit gegen die Korruption. Der Kampf ist ein wesentliches Element auf dem historischen Weg der Menschheit und der Kirche. Aus diesem Grund gibt die Idee von Oliveira ein Beitrag der Stärke, um gemäß der göttlichen Weisheit stets das Gute gegen das Böse gegenüberzustellen. In diesem Kampf findet das Wirken des himmlischen Heeres seine volle Bedeutung und Unterstützung für die Menschen und Christen.

     Viele weitere interessante und wichtige Aspekte sind in dieser Textsammlung enthalten. Es ist jedoch zu beachten, dass die verschiedenen Ausdrücke, die verwendet werden, im Licht der göttlichen Offenbarung gut beleuchtet werden müssen, da sie das Ergebnis von Vorträgen und überschwänglichen Worten und Einsichten sind, als Ausbruch eines starken und überzeugten Glaubens. Darüber hinaus mahnt Plinio Corrêa de Oliveira selbst häufig an, dass sein Diskurs weiterentwickelt, geklärt und dokumentiert werden sollte. Dann würde sie die sicheren Grundlagen in der christlichen Lehre und zugleich die leuchtenden Hinweise für eine Erneuerung der irdischen und ewigen Existenz (des Menschen) aufzeigen. Dieses Werk umfasst also eine prophetische Dimension von hohem Wert, in dem Sinne, dass eine Wiederaufnahme und Rückkehr der Engel positive Auswirkungen auf die Menschheit, den Verlauf der Geschichte und das Überleben des Kosmos haben würde. Gerade die Engel haben die Aufgabe, die Elemente, die auf unterschiedliche, aber einander ergänzende Weise die Schönheit der Schöpfung ausmachen, zu lenken, zu bewachen und wachsen zu lassen. Die Heilige Schrift und die Tradition sind reich an diesen Ansätzen zur Engelkunde, so dass der Mensch sich nicht als Herr der Erde, sondern als Aufseher betrachten sollte, der die verschiedenen Bewegungen anordnet, um die darin enthaltene Schönheit zu respektieren und gleichzeitig zu betrachten. Die Unterstützung, der Trost und das Licht der Engel könnten eine wichtige Quelle für all dies sein, ohne in eine ungeordnete und egoistische Entwicklung und Ausbeutung der natürlichen Realitäten verwickelt zu werden.

     Der Wunsch, der sich aus der Fülle des Materials über die Engelsgestalt ergibt, besteht darin, es zu sammeln, zu strukturieren, zu erklären und zu verstehen, und zwar im Rahmen eines natürlichen und geistigen Konzepts, das der göttlichen Offenbarung und dem gesunden philosophischen Denken voll entspricht. Dann wären diese Schriften in der Tat Vorboten neuer Entwicklungen und positiver Verheißungen für ein besseres Dasein auf dieser Erde und vor allem eine Ermutigung für die Menschheit, die Fülle der himmlischen Glückseligkeit zu erreichen, in der Engel und Menschen in göttlicher Herrlichkeit vereint sind, um die Schönheit, die Weite, die Glückseligkeit des neuen Jerusalem, der Braut des Lammes, zu bilden. Es wird die unendliche und wunderbare Verwirklichung der Zusammenarbeit zwischen göttlicher Weisheit und menschlicher Religiosität sein, in der gemeinsamen Teilhabe an der Verherrlichung und Erlösung aller unsichtbaren und sichtbaren Wesen. Auf diese Weise wäre die Anwesenheit der Engel ein wirksames Instrument, um die Elemente, aus denen sich das geschaffene Universum zusammensetzt, zu koordinieren und die Seele für das Lob und die Herrlichkeit des Schöpfers zu öffnen, der die himmlischen und irdischen Wesen in einem einzigen Heilsprospekt bestehen lässt, in dessen Mittelpunkt Christus steht, das fleischgewordene, gestorbene und auferstandene Wort, der Erlöser und Retter der Menschheit, das geopferte und verherrlichte Lamm, das von Engeln und Menschen angebetet und bejubelt wird.

----------------

* Diplomierter Akademiker der Theologie und Philosophie, Mitglied der Päpstlichen Theologischen Akademie, emeritierter Professor für Dogmatische Theologie an der Päpstlichen Universität Urbaniana und anderen kirchlichen Universitäten in Rom, Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze über die Engel.

 

 

Aus dem Italienischen mit Hilfe von DeepL-Übersetzer (kostenlose Version) von Prefazione die Don Renzo Lavatori.

„Das Heer der Engel - Texte von Plinio Correa de Oliveira“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Mittwoch, 28. April 2021

„Cum Sanctis Tuis“ – Heiligen Profile, von Plinio Correa de Oliveira

 


Vorwort des Buches von Julio Loredo

Über viele Jahre hat Professor Plinio Corrêa de Oliveira kurze Kommentare zu den Leben der Heiligen des katholischen liturgischen Kalenders gemacht. Vor den Lehrkonferenzen für Mitglieder und Mitarbeiter der brasilianischen TFP (Sociedade Brasileira de Defesa da Tradição Família e Propriedade) wurde ihm eine Textkarte über den Heiligen oder das liturgische Fest des Tages gereicht, den er dann kommentierte. Leider ist nur ein kleiner Teil dieses wichtigen Werkes ins Italienische (und auch ins Deutsche) übersetzt worden.

Wir freuen uns erstmalig unseren Lesern eine Sammlung von fünfzig Kommentaren über „Tagesheilige“ vorzustellen.

Plinio Corrêa de Oliveira definierte sich selbst im Grunde als Apostel. Seine Kommentare waren daher in erster Linie auf das Wohl der Seelen ausgerichtet. Aus dem Leben der Heiligen versuchte er, konkrete Lehren für das Apostolat in unseren Tagen zu ziehen, wobei er den Akzent auf jene Punkte legte, die am meisten mit den Irrtümern und schlechten Tendenzen des Augenblicks kollidierten. In diesem Sinne haben seine Kommentare, zusätzlich zu ihrem eigentlichen apologetischen Wert, einen ausgesprochen „kämpferischen“ Charakter.

Insbesondere bemühte sich Plinio Corrêa de Oliveira, seinen Schülern eine immer zunehmende Liebe zur heiligen katholischen Kirche, zur Muttergottes und zu Gott, unserem Herrn, einzuschärfen. Ganz im Gegensatz zum Agnostizismus und Säkularismus unserer Zeit. „Ich will nichts anderes, als ein Kind der heiligen Kirche sein, ein Mitglied der Kirche und der Kirche gehorsam. Das ist meine Definition“, pflegte er zu wiederholen. Und er fühlte sich zufrieden, wenn es ihm durch einen seiner Vorträge gelungen war, den Teilnehmern die Kirche näher zu bringen.

Daher die Wärme, die von seinen Kommentaren ausgeht, das Gefühl, bis ins Innerliche berührt, die Freude, zur Praxis der Tugend ermutigt zu werden.

Wir hoffen, dass die folgenden Seiten nach fast fünfundzwanzig Jahre nach seinem Tod, ein würdiges Echo seiner Worte sein werden.

 

Das Buch kann auf Italienisch hier bestellt werden (e-Book Kindle-Version oder Weicheinband)

 

https://www.amazon.it/Cum-Sanctis-Tuis-Profili-santi-ebook/dp/B0911D54WJ/ref=sr_1_1?dchild=1&qid=1617899585&refinements=p_27:Plinio+Correa+de+Oliveira&s=digital-text&sr=1-1&text=Plinio+Correa+de+Oliveira

Aus dem Italienischen übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version) https://atfp.it/novita/1908-cum-sanctis-tuis-profili-di-santi

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

„Cum Sanctis tuis“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

 

Freitag, 17. März 2017

Die höchste soziale Funktion des Adels:


Die Wahrung, die Verteidigung und die Verbreitung der christlichen Lehre,
die in den edlen Traditionen enthalten ist, die den Adel auszeichnen



1958 weist Papst Pius XII. in seiner Ansprache auf die Pflicht hin, gegen den modernen Sittenverfall moralischen Widerstand zu leisten; er sieht darin eine generelle Aufgabe der „hochgestellten Klassen, darunter Eure“ und meint damit das Patriziat und den Adel von Rom: „Schließlich wünschen wir, daß Euer Einfluß in der Gesellschaft Euch vor einer Gefahr beschützt, die kennzeichnend für die moderne Zeit ist. Es ist bekannt, daß die Gesellschaft Fortschritte macht, wenn die Tugenden einer ihrer Klassen sich unter den anderen Klassen verbreitet. Ebenso ist es bekannt, daß das Niveau der Gesellschaft absinkt, wenn sich Laster und Unsitten eines Teiles der Gemeinschaft auf die anderen Teile ausdehnen. Der Schwäche der menschlichen Natur wegen, kann man feststellen, daß sich besonders die Übel heute von Volk zu Volk und über die Kontinente ausbreiten, je einfacher Kommunikation, Information und persönliche Kontakte geworden sind.
       Auf dem Gebiet der Moral kann das gleich beobachtet werden wie im Gesundheitswesen: Weder Entfernungen noch Grenzen können jemals einen Epidemieerreger davon abhalten, in kurzer Zeit selbst ferne Regionen zu befallen. Deshalb ist es möglich, daß die hochgestellten Klassen, darunter Eure, aufgrund vielfältiger Beziehungen und häufiger Aufenthalte in Ländern verschiedener, möglicherweise schlechterer Moral leicht zu Überträgern von Sittenverwirrungen werden können.“ (1)
      Im Hinblick auf den Adel definiert der Heilige Vater die Merkmale dieser Verpflichtung genauer: Es handelt sich um eine Pflicht zum Widerstand, der es vor allem auf dem Gebiet der Lehre nachzukommen gilt, die sich aber auch auf das Gebiet der Sitten erstreckt.
      „Was Euch betrifft, sorgt dafür und seid wachsam, damit schädliche Theorien und perverse Beispiele niemals mit eurer Zustimmung oder Eurer Sympathie rechnen können und vor allem in Euch keine willigen Träger finden oder die Gelegenheit, Infektionsherde zu bilden.“
      Diese Pflicht ist Bestandteil des „großen Respekts, vor den Traditionen, die Ihr besitzt und durch die Ihr Eich in der Gesellschaft auszeichnet“. Diese Traditionen bilden „einen kostbaren Schatz“, die der Adel „mitten unter dem Volk“ zu wahren hat.
      „Möglicherweise ist das heutzutage die wichtigste soziale Funktion des Adels; sicherlich ist es der größte Dienst, den ihr der Kirche und dem Vaterland erweisen könnt“, behauptet der Papst.(2)
      Der Adel kann den Glanz vergangener Jahrhunderte, der noch heute von ihm ausgeht und ihn hervorhebt, kaum besser verwenden als die christliche Lehre, die in den Traditionen enthalten ist, die den Adel auszeichnen, zu wahren, zu verteidigen und zu verbreiten.(3)

1 Ansprachen an das Patriziat und den Adel von Rom, 1958, S. 710.
2 Ansprachen an das Patriziat und den Adel von Rom, 1958, S. 710.
3 Zum Adel als einem Faktor, der den Menschen für die Ausübung der christlichen Tugenden empfänglich macht und sie fördert, sei vor allem die Lektüre der bewundernswerten Predigt des heiligen Karl Borromäus empfohlen, die in Dokumente IV, 8 abgedruckt ist.


Quelle: PLINIO CORREA DE OLIVEIRA: „Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen von Papst Pius XII. an das Patriziat und den Adel von Rom“, TFP-Deutschland e.V., Frankfurt. Kap. IV, 9. S. 67 f.

Montag, 10. November 2008

"Die ewige Wiederkehr des König-Papstes"

Die Tageszeitung "La República", eine der größten Tageszeitungen Italiens, bezog sich in einem Artikel über das Königtum des Papstes, unter dem Titel "L'eterno ritorno del Papa Re" (28.09.08 S. 34), in dem auch der römische Adel behandelt wurde, auf das Werk von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira, über die moderne Rolle und Aufgabe des noch bestehenden Adels und der traditionellen Eliten. Der brasilianische, katholische Autor analysiert in seinem Werk die Ansprachen, die Papst Pius XII. an den Adel und an das Patriziat Roms in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gehalten hatte. "La República" kommentierte bezüglich der gegenwärtigen Mitglieder des römischen Adels:

„Es ist indessen wahr, dass die bedeutendste Figur jener Welt der Adeligen, Elvira Pallavicini, gebieterisch und unvorhersehbar in ihrem Rollstuhl, vor einigen Jahren verstorben ist. Die noch übrig gebliebenen Adeligen, Fürst Ruspoli Zapata (...) oder Fürstin Borghese (...), erscheinen nur noch in Talkshows. Doch mit allem Respekt und Sympathie, mit Mühe, könnten sie zusammen mit den anderen Nachkommen der Colonna, der Massimo, der Orsini, Torlonia, Chigi, Buoncompagni in die Schemen eingefügt werden, in denen sie ein echter Meister des gegenrevolutionären Gedankenguts, wie Plínio Corrêa de Oliveira, in seinem Werk Adel und vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius XII. an das Patriziat und den Adel Roms aufgenommen hat."

Hier der Artikel im Original

Mittwoch, 5. November 2008

Buch über den Adel in Wien vorgestellt: Vortrag von S.H. Herzog Paul von Oldenburg


(Graf Stolberg, SKKH Prinz Luiz von Orléans und Braganza - Chef des Kaiserhauses Braslien - und Herzog Paul von Oldenburg) 


Zur Feier des 100. Geburtstags von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira wurde am 30. Oktober 2008 im Palais Coburg in Wien die deutsche Ausgabe seines Buches „Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Papst Pius XII. an den Patriziat und den Adel Roms“ präsentiert. 

 


(Ein zahlreiches Publikum, Mitglieder des österreichischen und deutschen Adels und ein Verteter des Apostolischen Nuntius zu Wien fand sich zur Präsentation ein) 


Das Programm bestand aus Vorträgen von SKKH Prinz Luiz von Orléans und Braganza über „Adel und Eliten in der Gegenwart im Lichte von Revolution und Gegenrevolution“. S.H. Herzog Paul von Oldenburg schloss sich an und referierte über die „Notwendigkeit der Eliten für die Erneuerung der Christenheit“. Zum Abschluss sprach Prof. Roberto de Mattei aus Rom zum Thema „Revolution und Gegenrevolution dreißig Jahre danach (1977-2008)“. 



(SKKH Prinz Luiz von Orléans und Braganza, Herzog Paul von Oldenburg und Prof. Roberto de Mattei)


Anschließend der Vortrag S.H. Paul Herzog von Oldenburg zur Präsentation des Buches von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira, „Der Adel und die vergleichbaren Eliten in den Ansprachen Papst Pius’ XII. an den Adel und an das Patriziat von Rom“ am 30. Oktober 2008 in Wien, im Palais Coburg, über die Krisen unserer Zeit und die Rolle des Adels heute.


Die Notwendigkeit von Eliten zur Erneuerung der Christenheit.

 Einleitung:

     Dieses Thema ist eigentlich zu weit und groß, als daß es innerhalb von 20 Minuten abgehandelt werden könnte. Für eine umfassende und erschöpfende Analyse empfehle ich daher die Lektüre des Buches, daß wir Ihnen heute vorstellen. „Der Adel und die vergleichbaren Eliten in den Ansprachen Papst Pius XII. An den Adel und das Patriziat von Rom“.

     Ich werde dennoch den Versuch unternehmen zumindest auf einige Punkte einzugehen, die mir persönlich am wichtigsten erscheinen.

     Ich möchte mich konzentrieren auf drei wesentliche Punkte:

     die Beschreibung der Krise, in der die Christenheit sich befindet und deretwegen sie erneuert werden muß,

     auf die Re-Christianisierung der Gesellschaft, ja ganzer Nationen, denn dies ist der einzige Weg, sie vor dem Untergang zu retten

     und als Drittes auf die Möglichkeiten und die Pflichten, die dem Adel und den traditionellen Eliten dabei zukommen.

Die Krise

     Wir erleben im Moment einen Zusammenbruch. Die Bankenkrise stellt die Frage nach der Vorherrschaft in der Welt neu. Schlagzeilen wie „Die Herausforderungen der neuen Weltordnung“, oder „Krieg um Wohlstand“ oder „Is anyone in charge of todays nonpolar world?“(1) – Ist irgendjemand zuständig für die heutige führungslose Welt? - führen uns vor Augen, daß wir an einer Zeitenwende stehen könnten. Die USA, da sind sich alle einig, werden wohl ihre Führungsrolle in der Welt einbüßen, aber wer wird sie übernehmen?

     Der europäische Einigungsprozeß stockt, in den einzelnen Ländern wenden sich die Menschen immer weiter ab von den etablierten Parteien, die Politik ist nicht imstande, den Menschen Antworten zu geben, geschweige denn, Vertrauen aufzubauen. Irrationalität macht sich breit – in Deutschland erkennbar am Zulauf zu den Postkommunisten, man sehnt sich nach dem starken Staat, der sich für einen einsetzt und die Probleme löst.

     Die einst so strahlende Christenheit, geboren im Nahen Osten und zur Hochblüte hier in Europa gelangt und ausgebreitet über alle Kontinente wendet den christlichen Prinzipien mit ihrer Gesetzgebung immer weiter den Rücken zu.

     Die Kirche und andere protestieren immer wieder, mal leiser, mal lauter doch scheinbar wirkungslos.

     Doch was auf die katholische Kirche erst noch zukommt – und damit natürlich auch auf uns – zeigt die Entschließung des Europarates vom 29. Juni 2007, in der ganz klar formuliert wird, daß für eine zukünftige Ordnung in Europa nur noch die Charta der Menschenrechte bindend sein kann, die die Grundlage bilden soll für die neue europäische  Verfassung. Es heißt dort weiter, daß die Religion Privatsache zu sein hat, eine Einmischung in den Meinungsbildungsprozeß darf es nicht mehr geben. Alle in der Gesellschaft aktiven Institutionen haben die Menschenrechte anzuerkennen, eine gegenteilige Position, wie sie heute die Kirche bezieht, muß unterbunden werden.

     Die Menschenrechte werden das höchste Dogma sein. Dieses Dogma erlaubt keine Infragestellung, keinen Protest. Der Platz, den Gott in der katholischen Gesellschaft des Mittelalters einnahm, - wo jede Verletzung der Rechte Gottes inakzeptabel war – wird nun durch die Menschenrechte besetzt. Manche sehen eine neue Christenverfolgung mitten in Europa heraufziehen.

     Die moralische Verwüstung, die immer noch und immer mehr von allen Medien, der Musikindustrie und durch das Internet gefördert wird, hat gravierende Ausmaße erreicht. Daraus resultiert auch die Kinderfeindlichkeit unserer Gesellschaft, die die europäische, sagen wir einmal, Ur-Bevölkerung  zusammenschrumpfen läßt. 

     Sie werden mir zustimmen, daß wir wirklich in einer Krise stecken.  Es ist die Krise der Christenheit. Und sie ist eine weltweite Krise.

     In dem Maße, in dem über die Jahrzehnte die christlichen Werte und Prinzipien zurückgedrängt wurden, in dem Maße, wie sich alle Organismen der Gesellschaft immer mehr von Gott entfernt haben, in dem Maße nehmen die atheistischen, die freidenkerischen Programme, in dem Maße machen sich Hochmut, Sinnlichkeit, Rohheit, Verdorbenheit, Hässlichkeit, Banalität, Profanität breit. Der  Widersacher nimmt den freigewordenen Platz ein. Das Gegenteil der Tugenden wird gelebt, denn Gott gibt es nicht, Gott ist deshalb kein Maßstab mehr.

     Doch damit ist das Ende dieser Gesellschaft eingeläutet. Dies lehrt uns die Geschichte. Und dies lehrt uns auch die Botschaft von Fatima, in der, für den Fall einer fehlenden Bekehrung der Menschen und Nationen, Strafen angekündigt werden.

     Jetzt hat sogar Papst Benedikt XVI. in einer beeindruckenden Predigt vor der Bischofssynode diese möglichen Strafen genau in diesem Zusammenhang zur Sprache gebracht. Es geht um den Sohn des Weinbergsbesitzers, der von den Winzern ermordet wird, da diese hoffen, damit in den Besitz des Bergs zu kommen.

     Zitat: „Was in diesem Abschnitt aus dem Evangelium beklagt wird, stellt unsere Art zu denken und zu handeln in Frage; es stellt vor allem eine Anfrage dar an die Völker, denen das Evangelium verkündet worden ist. Wenn wir die Geschichte betrachten, so werden wir nicht selten die Kälte und den Widerstand inkonsequenter Christen feststellen müssen. Infolgedessen mußte Gott, ohne jemals sein Heilsversprechen zurückzunehmen, oft auf Züchtigungen zurückgreifen. Unwillkürlich denkt man in diesem Zusammenhang an die erste Verkündigung des Evangeliums, aus der anfänglich blühende christliche Gemeinden hervorgingen, die dann verschwanden und heute nur in den Geschichtsbüchern Erwähnung finden. Könnte das nicht auch in unserem Zeitalter geschehen? Nationen, die einst reich an Glauben und Berufungen waren, verlieren mittlerweile unter dem Einfluß einer verderblichen und zerstörerischen modernen Kultur zunehmend ihre Identität. Es gibt Menschen, die beschlossen haben, daß »Gott tot ist«, und sich selbst zu »Gott« erklären und glauben, die einzigen Schöpfer ihres Schicksals und die Herren der Welt zu sein.

     Weiter fleht der Heilige Vater sogar die Synodenväter an: Es darf nie geschehen, liebe Brüder und Schwestern, was in der Bibel über den Weinberg gesagt wird: Er hoffte, daß der Weinberg süße Trauben brächte, doch er brachte nur saure Beeren (vgl. Jes 5,2).

     Doch offensichtlich sind heute die „sauren Beeren“ in der großen Überzahl. Wir brauchen also eine Erneuerung des Glaubens.

Die Erneuerung

     Wir brauchen also eine neue Durchdringung der gesamten Gesellschaft mit den Werten und Prinzipien, auf denen unsere Zivilisation aufgebaut wurde. Wir brauchen eine Re-Christianisierung Europas.

     Lassen Sie mich aus der großartigen Enzyklika von Papst Leo XIII. zitieren, der uns erinnert, wie das Ziel der Re-Christianisierung auszusehen hat.

     „Es gab eine Zeit, in der die Philosophie des Evangeliums die Staaten regierte. In dieser Epoche durchdrangen der Einfluß der christlichen Weisheit und ihre göttliche Kraft die Gesetze, die Einrichtungen, die Sitten der Völker, alle Kategorien und Beziehungen der bürgerlichen Gesellschaft. Dank der Gunst der Fürsten und des legitimen Schutzes der Amtspersonen blühte damals überall die von Christus gegründete Religion und erhielt die ihr zustehende Anerkennung. Zwischen Priestertum und Kaisertum herrschte ein glückliches Einvernehmen im Dienste freundschaftlicher Gegenseitigkeit. Auf diese Weise organisiert trug die bürgerliche Gesellschaft unerwartet reiche Früchte und die Erinnerung an sie lebt fort und wird in den zahllosen Zeugnissen weiterleben, die kein Manöver ihrer Gegner jemals  verderben oder verdunkeln kann.“

     Der Papst spricht hier vom Mittelalter. Das muß unser Maßstab sein. Eine Gesellschaft durchdrungen von den christlichen Werten und göttlichen Tugenden.

     „Utopie“! – wird man mir nun entgegen schleudern. „Das wird es nie mehr geben“ oder „Diese Zeit ist unwiederbringlich vorbei.“

     Ja natürlich. Das Mittelalter wird es nie wieder geben. Wir leben heute und heute sind die Voraussetzungen andere. Es geht auch nicht um das Zurückdrehen der Zeit. Sondern es geht um die Essenz, das Grundsätzliche.

     Eine Wiederherstellung einer Gesellschaft, die Gott wieder in den Mittelpunkt setzt, Ihn als den alleinigen Maßstab aller Dinge und Handlungen anerkennt, verehrt und preist.

Die Notwendigkeit der Eliten

     Aber fragen wir uns doch erst einmal, wer denn die von Papst Leo XIII. beschriebene Gesellschaft aufgebaut hat, wer hat denn diese Staaten geleitet, wer hat zugunsten des Gemeinwohls darauf geachtet, daß diese enge Verbindung von Kirche und Staat, diese gegenseitige Befruchtung stattfinden konnte, wer hat sich immer dann schützend vor die Kirche gestellt, wenn sie angegriffen wurde, wer hat die freie Verkündigung des Evangeliums sichergestellt, wer hat dadurch ganze Völker erhoben, wer hat dadurch die so reichen kulturellen Schätze in Architektur, Kunst und Musik hervorgebracht, vor denen wir uns noch heute staunend verneigen?

     Es sind natürlich die traditionellen Eliten gewesen. Und damit sind es auch Ihre  Familien gewesen. Es sind die traditionellen Eliten gewesen, die in der weltlichen Ordnung die Verantwortung für das Gemeinwohl übernommen haben. Die Eliten also, eine kleine Gruppe von Menschen, die sich an die Spitze gestellt hat, die geführt hat.

     Papst Puis XII. lehrt uns nun in seinen Ansprachen an den Adel und das Patriziat von Rom,  daß diese Eliten diese Verantwortung immer noch haben, auch heute, da wir in Demokratien leben und unsere Familien, mit wenigen Ausnahmen, keine öffentlichen Ämter mehr bekleiden.

     Dies betont auch Papst Paul VI in einer Ansprache an das Patriziat und den Adel von Rom 1964 in einem Rückblick:

     „So viel möchten wir euch sagen. Eure Gegenwart löst so viele Überlegungen aus. So erging es auch unseren verehrten Vorgängern – vor allem Papst Pius XII. seligen Angedenkens –, die sich bei Gelegenheiten wie dieser mit mustergültigen Reden an euch gewandt und euch eingeladen haben, im Lichte ihrer bewundernswerten Lehren sowohl über die Umstände eurer eigenen Lage als auch über die unserer Zeit nachzudenken. Wir nehmen an, daß das Echo ihrer Worte wie der Wind, der die Segel bläht, .... noch heute euer Gemüt bewegt und es mit jenen strengen, großzügigen Mahnrufen erfüllt, von denen sich die Berufung nährt, die euch die Vorsehung für euer Leben gezeigt hat, und auf die sich der auch heute noch von der Gesellschaft geforderte Auftrag stützt, der euch angeht.“ (2)

     Ich möchte an dieser Stelle nicht so sehr auf die Rechtfertigung der Eliten eingehen, die in aller Ausführlichkeit im Buch nachzulesen ist.

     Stattdessen lassen Sie mich eingehen auf die höchste soziale Funktion des Adels, wie Pius XII. herausstellt. Sie ist „die Wahrung, Verteidigung und Verbreitung der christlichen Lehre, die in den ihn auszeichnenden Traditionen enthalten ist.“

Aufgaben des Adels:

Wahrung, Verteidigung und Verbreitung der christlichen Lehre, die in den ihn auszeichnenden Traditionen enthalten ist.

     Dazu ist es absolut notwendig, daß insbesondere der Adel sich hüten muß vor den moralischen Verfall, der um sich greift, so Pius XII.

     „Was Euch betrifft, sorgt dafür und seid wachsam, damit schädliche Theorien und perverse Beispiele niemals mit Eurer Zustimmung oder Sympathie rechnen können und vor allem in Euch keine willigen Träger oder die Gelegenheit, Infektionsherde zu bilden, finden.“

       Diese Pflicht ist Bestandteil des „großen Respekts vor den Traditionen, die Ihr besitzt und durch den Ihr Euch in der Gesellschaft auszeichnet“. Diese Traditionen bilden einen „wertvollen Schatz“, der der Adel „mitten unter dem Volke“ zu wahren  hat.

     „Möglicherweise ist das heutigentags die wichtigste, soziale Funktion des Adels; sicherlich ist es der größte Dienst, den Ihr der Kirche und dem Vaterland erweisen könnt“.

     Das ist also die erste Aufgabe des Adels: sich nicht dem Zeitgeist anzupassen.

     Prof. Corrêa de Oliveira kommentiert: „Der Adel kann den Glanz vergangener Jahrhunderte, der noch heute von ihm ausgeht, kaum besser verwenden als die in den ihn auszeichnenden Traditionen enthaltene christlichen Lehre zu wahren, zu verteidigen und zu verbreiten.“

     Ein schwieriges Unterfangen, wo wir doch alle nur Menschen sind und so anfällig gegenüber einem Außenseitertum.

     Doch der Papst sagt sogar, daß dies möglicherweise der größte Dienst sei, den wir der Kirche und dem Vaterland erweisen könnten. Er bekräftigt dies am Abschluß seiner Ansprache von 1958 mit den Worten: „Damit der Allmächtige Eure Absichten bestärke und Unsere Gebete erhöre, die Wir darum an Ihn gerichtet haben, möge auf Euch allen, auf Euren Familien und besonders auf Euren Kindern, die Eure beste Tradition in die Zukunft tragen, Unser Apostolischer Segen ruhen.“

     Johannes XXIII. mahnt 1960, daß der Adel, dem viel gegeben ist, auch viel zu leisten hat, insbesondere im Hinblick auf ein tugendhaftes Leben. Er wird in besonderem Masse Gott gegenüber darüber Rechenschaft abzulegen haben.

     Doch reicht das? Einfach ein tugendhaftes Leben führen und ansonsten sich in der wohligen Anonymität bewegen, in die die meisten sich zurückgezogen haben?

     Nein, sie dürfen sich nicht aus dem konkreten, d.h. Öffentlichen Leben zurückziehen. Aus dem einfachen Grunde, da die Wahrung der Tradition, die dem Adel und den traditionellen Eliten zukommt, die Gesellschaften vor dem Stillstand bewahrt. Denn die wahre Tradition ist zukunftszugewandt und fortschrittlich. Sie garantiert eine harmonische Weiterentwicklung. Das wahre Traditionsbewusstsein bewahrt die Gesellschaft vor plötzlichen Sprüngen, vor Brüchen, die gefährliche Auswirkungen haben könnten. Dies zu verhindern ist Aufgabe des Adels und der traditionellen Eliten. Wenn er sich aber aus der Öffentlichkeit zurückzieht, kann er diese Aufgabe nicht mehr wahrnehmen. 

     Pius XII. „Ihr laßt Eure Vorfahren neu aufleben, indem Ihr sie ins Gedächtnis zurückruft. Und Eure Ahnen leben wieder auf in Euren Namen und in den Euch hinterlassenen Titeln, den Zeugen ihrer Verdienste und Wohltaten.“

     „Jeder Mensch hat seine Besteimmung, jeder muß dem Fortschritt der Gemeinschaft dienen, deren Verbesserung er mit seinen ganzen Kräften und eigenen Talenten zu dienen hat. So muß es sein, wenn jeder wirklich seinen Nächsten liebt und vernünftigerweise das allgemeine Wohl anstrebt.“

     Und der große Papst vergleicht den Adel mit dem Regler an einer Maschine, der dafür sorgt, daß das Ganze richtig und zweckentsprechend funktioniert. „Mit anderen Worten, so Pius XII., Ihr seid die Tradition und setzt sie fort. „

     Noch deutlicher an anderer Stelle: „Heute, mehr wie je zuvor, seid ihr berufen, eine Elite zu sein, nicht nur durch das Blut und Abstammung, sondern mehr noch auf Grund Eurer Werke und Eures Einsatzes, der schöpferischen Handlungen zum Wohle der ganzen menschlichen Gemeinschaft. Dieser Verpflichtung kann sich niemand ungestraft entziehen. Sie ist nicht nur eine menschliche und staatsbürgerliche Pflicht, sondern ein heiliges Glaubensgebot, ererbt von Euren Vätern und das Ihr, wie sie, vollständig und ungeschmälert, an Eure Nachfahren weiterzugeben habt.“

     Der Papst spricht von einem heiligen Glaubensgebot. Es ist ein heiliges Glaubensgebot der Eliten, sich für das Gemeinwohl einzusetzen.

     Aber natürlich entsteht dann die Frage nach dem WIE. Wie können denn der Adel und die traditionellen Eliten etwas bewirken.

     Hier sind einige anwesend, von denen ich weiß, wie sehr sie sich im Sinne von Papst Pius XII. vorbildlich engagieren durch hervorragenden Einsatz im karitativen Bereich, Aufbau von Glaubenserneuerungsgruppen, Aufbau von wirklich katholischen Kindergärten und Schulen, Unterstützung von wirklich katholischen Priesterseminaren usw. . Doch die Führungsrolle in der Gesellschaft schlechthin, die Pius XII dem Adel auch noch heute zuspricht, haben andere.

Wie sieht aber diese Führungsrolle heute aus?

     Dadurch, daß dem adeligen bestimmte Qualitäten zu eigen sind, so der Papst, ist der zum Führer der Gesellschaft bestimmt. Diese Eigenschaften sind seelische Stärke, Einsatzbereitschaft, freudiger Mut, der eine Ohne-mich- Einstellung nicht zuläßt, großmütiger Einsatz, Geistesstärke, die nicht, sich aufzugeben und zu fliehen, Tatbereitschaft, Opferbereitschaft für das Gemeinwohl, Hingabe für andere. Die die reichhaltigere Mittel besitzen, nicht materiell sondern hier Gaben des Verstandes, der Kultur, der Erziehung , der Wissens, des Einflusses, müssen diese auch einsetzen für das Ganze. Ritterlichkeit .

Es gibt vielfältige Organisationen, die sich den brennenden Herausforderungen der Zeit zugewandt haben, sei es zum Thema Abreibung, zur „Homoehe“, zur Euthanasie, zu Fragen der Genmanipulation, des Klonens usw. Dort müssten die bekannten Namen erscheinen. Dort müssten in großem Maße Vertreter des Adels ihre Stimme erheben, denn bei diesen hemen handelt es sich um die vom Heiligen Vater so genannten nicht verhandelbaren Prinzipien. Prinzipien, die den Kern der christlichen Kultur ausmachen und an denen keiner rühren darf, sei er auch noch so demokratisch legitimiert.

Treue zu Christus und der Kirche

     Papst Pius XII. weiter sagt wörtlich: In all dem, was Dienst ist für den Nächsten, für die Gesellschaft, für die Kirche und für Gott, müßt Ihr immer die ersten sein.“

     Und damit geht er über und verlangt vom Adel die Führung der Gesellschaft, insbesondere heute, da wir feststellen, daß aus dem Volk eine namenlose, leicht  manipulierbare Masse geworden ist, die „zum Spielzeug der Leidenschaften oder Interessen ihrer Aufwiegler sowie der eigenen Illusion geworden ist. Hat die Geschichte vielleicht nicht nicht schon grausam  bewiesen, daß jede menschliche Gesellschaft, ohne religiöse Grundlage unweigerlich ihrer Auflösung entgegengeht oder im Terror endet?Euren Ahnen nacheifernd, müßt Ihr also vor dem Volk leuchten durch das Licht Eures Frömmigkeitslebens, durch den Glanz Euer unerschütterlichen Treue zu Christus und der Kirche.“

     Und es folgen ein leidenschaftlicher Aufruf zur Rettung der Familie und die Ermahnung zur Unerschütterlichkeit in der Überzeugung, daß einzig die Lehre der Kirche den gegenwärtigen Übeln wirksam abhelfen kann. Daraus folgt, daß der Adel alles daran setzen muß, der Kirche den Weg freizumachen, damit diese die Lehre verkünden kann.

     Spätestens hier müssen wir uns fragen: Stehen wir vor dem Volk? Geht von uns das Leuchten eines Frömmigkeitslebens aus? Sind wir wie Leuchttürme der Orientierung für unsere Völker, so wie der Heilige Vater es von uns verlangt? Verteidigen wir die Kirche gegen die Angriffe, denen sie immer häufiger ausgesetzt ist, in der Weise, daß sich auch andere ermutigt sehen, das gleiche zu tun? Gehen wir aktiv und öffentlich vernehmbar gegen demokratisch legitimierte Politik vor, die offen der Lehre der Kirche widerspricht?

     Diese Fragen kann sich jeder selbst beantworten. Doch wir müssen sie beantworten, in dem wir unserem Herrn dabei in die Augen schauen, der selbst, zwar in bescheiden Verhältnissen aufgewachsen, dennoch aus dem Hause David stammt. Er, und das mußte auch ich erst lernen, will unseren Einsatz, auch wenn unserer Väter uns vielleicht resigniert bedeuten, daß unsere Zeit vorbei sei.

     Wir sollen und müssen uns wieder allen in der Gesellschaft zuwenden, wir kennen unsere Wurzeln und in aller Demut müssen wir die Bürde auf uns nehmen und den Kampf austragen gegen die Feinde der Kirche, gegen die Feinde der Christlichen Kultur und Zivilisation, gegen die Gleichheitsfanatiker, für eine Gesellschaft, die den wahren Eckstein annimmt und auf ihm aufbaut.

     Dieses Buch hat den Anspruch, diese Verpflichtung den traditionellen Eliten nahezubringen und sie anzuspornen, sie auch bereitwillig zu übernehmen, das Kreuz auf sich zu nehmen und sich gegen den Zeitgeist für das Gemeinwohl einzusetzen. Das Volk kann sich nur durch die Annahme und das Leben der Christlichen Tugenden, die Beachtung der katholischen Lehre zu einer wahren Zivilisation, zu einer christlichen Zivilisation entwickeln.

     Schauen Sie bitte zum Schluß auf diese Graphik, die belegt, daß auch von Seiten des Volkes das Interesse am Adel immer noch hoch ist. Die Auswertung der Suche im Internet nach dem Begriff Habsburg liegt gleichauf mit der nach den letzten beiden Kanzlern. Die Tendenz der Suche nach den Begriffen Otto von Habsburg und Rudolf von Habsburg ist steigend.

     Es gibt also Hoffnung, doch sie erfordert unseren selbstlosen Einsatz.

     Danke.

Anmerkungen

(1)www.spiegel.de ›international› world
“A Hundred Little Napoleons: Is Anyone in Charge in Today's...”
23. Okt. 2008

(2) Ansprache an das Patriziat und den Adel von Rom, 1964, S. 73

 

Der Vortrag wurde entnommen aus der im Nachhinein veröffentlichten Broschüre:

Vorträge gehalten bei der Präsentation des Buches

Der Adel...

von Plinio Corrêa de Oliveira

am 30. Oktober 2008

im Palais Coburg in Wien

© TFP - Österreichische Gesellschaft zum Schutze von Tradition, Familie und Privateigentum, Wien

Nachdruck dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Lesen Sie auch https://der-adel.info



Dienstag, 1. Juli 2008

Ein meisterhaftes Essay


Das Buch Revolution und Gegenrevolution
Im Jahre 1959 schreibt Plinio Corrêa de Oliveira Revolution und Gegenrevolution, eine Abhandlung, in der er die jahrhundertelange Krise des Westens, die mit dem Huma-nismus und der Renaissance begann, analysiert: Er beschreibt einen Prozess, der nach dem Protestantismus, der Französischen Revolution, der Russischen Revolution von 1917 und der Revolution von 1968 zurzeit die bitteren Früchte der postmodernen Gesellschaft hervorbringt. Diese sukzessiven Etappen sind Metamorphosen einer einzigen, gnostischen und egalitären Revolution, die die früher blühende christliche Zivilisation zerstört.
Unter den Persönlichkeiten von internationalem Ruf, die dem Autor ihre Unterstützung kund-getan haben, muß man ein Schreiben des H.H. Pater Anastasio Gutierrez CMF zitieren, eines berühmten Kirchenrechtlers, Mitbegründer des Institutum Juridicum Claretianum in Rom und Berater einiger Dikasterien des Vatikans:
„Revolution und Gegenrevolution ist ein meisterhaftes Werk, dessen Lehren verbreitet werden und in das Gewissen all jener eindringen sollten, die sich als wahrhaft katholisch fühlen. Alles in allem wage ich zu behaupten, dass es ein prophetisches Werk ist, im besten Sinne des Wortes. Ich schließe mit den Worten, dass man von dem Geist, in dem dieses Werk abgefasst ist, sehr beeindruckt ist: ein zutiefst christlicher Geist, der die Kirche leidenschaftlich liebt“.