Posts mit dem Label Advent werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Advent werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 23. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 – 8. Tag – 23. Dezember

 Eine Weihnachtsmeditation:

Die Größe des Augenblicks der Geburt unseres Herrn

Plinio Correa de Oliveira

Heiliger des Tages – 21. Dezember 1965

 


     Der Heilige Abend rückt immer näher; lasst uns hier das Weihnachtsfest selbst betrachten.

Wie war die geistige Stimmung der Muttergottes in Bezug auf Weihnachten? Was bedeutete Weihnachten für sie Neues? Schließlich hatte die Muttergottes unseren Herrn, den sie wie einen Tabernakel in sich trug, und verband mit ihm die größte Vertrautheit, die offenkundig eine Seelengemeinschaft war. Denn es ist gewiss, dass Unser Herr bereits im Mutterleib denken konnte. Er konnte denken vom ersten Augenblick seines Daseins an und hatte daher eine ständige Verbindung mit ihr, eine Verbindung nicht nur als Person der Heiligen Dreifaltigkeit, sondern auch als Gottmensch mit der Muttergottes als seiner Mutter.

Unter diesen Umständen sollten wir nicht meinen, die Geburt unseres Herrn sei für die Muttergottes ein Akt gewesen, durch den sie sich des Sohnes bewusst wurde. Sie besaß dieses Wissen bereits, und zwar innig und voller Inbrunst. Was also bedeutete Weihnachten für die Muttergottes auf neue Weise?

Zunächst einmal liegt natürlich der Gedanke nahe: Weihnachten war der Moment, als die Muttergottes Jesus der Welt schenkte. Der Herr verließ den Mutterleib, kam in die Welt durch ihre Arme Mariens. Und natürlich muss der Augenblick der Geburt des Herrn, als er auf geheimnisvolle Weise und ohne die Jungfräulichkeit der Muttergottes zu beeinträchtigen, ein überaus erhabener Moment gewesen sein. Es muss ein Augenblick tiefster Freude gewesen sein, ein Augenblick innigster Seelenverbindung zwischen Ihm und Ihr.

Und es muss ein Akt innigster Liebe gewesen sein, der Augenblick der Geburt des Herrn, als sie gewiss zu einer unbeschreiblich hohen Mystik geführt wurde und zugleich mit der Göttlichkeit des Herrn Kontakt aufnahm.

Dieser Akt, diese Geburtsszene, muss von den drei Personen der Heiligen Dreifaltigkeit und allen Engeln des Himmels mit Gesang und Feierlichkeiten begleitet und analysiert worden sein. Das heißt, der Augenblick der Geburt, das Geschehen der Geburt unseres Herrn, muss eines der größten Feste gewesen sein, die je im Himmel stattgefunden haben, und einer der größten Triumphe in der Geschichte der Menschheit. Und die Muttergottes verband dies mit einer Intimität und einer Vereinigung mit Gott, die wahrlich unvorstellbar ist!

Natürlich war dies für die Muttergottes von größter Bedeutung. Aber war das alles? Ich habe den Eindruck, dass da noch etwas anderes war: Die Muttergottes hatte das heilige Antlitz unseres Herrn noch nicht gesehen. Sie hatte weder das Antlitz noch den Leib unseres Herrn gesehen.

Und in der physischen Wirklichkeit, einem Symbol der spirituellen Wirklichkeit, die Gesichtszüge, besonders bei unserem Herrn, der vollkommen war und in dem es keinerlei Betrug, Täuschung, Unzulänglichkeit oder irgendetwas Unrechtes gab. Wenn bei den Menschen im Allgemeinen, wenn auch verworren, das Gesicht den Ausdruck der Seele trägt, können wir uns das heiligste Antlitz unseres Herrn und seinen ganzen Leib vorstellen, die den Ausdruck seiner Seele trugen!

So erlangte die Gottesmutter einen neuen Titel der Erkenntnis unseres Herrn, nämlich: Sie erkannte Unseren Herrn in seinem Antlitz, in seinem Blick, in jedem einzelnen Glied seines Leibes, die bereits seine ganze Mentalität, seine ganze Seele widerspiegelten. Und darin lag ein neuer Titel für die Liebe, ein neuer Titel für die Vereinigung, gewiss ein Ansporn für die unaussprechliche Anbetung, die die Gottesmutter unserem Herrn in der Weihnachtsnacht darbrachte.

Bedenken Sie, dass nicht nur jedes Merkmal des Gesichts Ausdruck einer Mentalität ist, sondern vor allem der Blick. Und dies drücken auf seine Weise auch verschiedene andere Körperteile aus: der Hals, die Schultern, die Hände, die Füße – verschiedene Teile davon zeugen von einer Mentalität, vor allem aber dies als Ganzes. Wir können uns dann vorstellen, wie die Muttergottes diesen offenkundigen Ausdruck der psychologischen und übernatürlichen Wirklichkeit Unseres Herrn betrachtet und ihn innig verehrt.

...

Und aus all dem ist Weihnachten die erste Offenbarung, und in all dem mündete die Anbetung der Muttergottes. Die Anbetung der Muttergottes, die Anbetung des heiligen Josef, der ihr nahe war und als ihr Gemahl und Vater des Jesuskindes an diesem Akt der Anbetung teilnahm. Dass die Muttergottes in dieser Seelenvereinigung mit Unserem Herrn eine Beziehung hatte, die wir nicht einmal vollständig begreifen, ist offenkundig. Wir können uns die Zärtlichkeit, den Respekt, die Begeisterung, die Anbetung und die Ehrfurcht des heiligen Josef vorstellen, als er dieses Kind sah, von dem er wusste, dass es der Sohn des Heiligen Geistes und der Muttergottes war – rechtlich gesehen aber sein Sohn, der in seiner Person zum Teil zum Sohn Davids wurde und die Prophezeiungen erfüllte. Er blickte dieses Kind an und dachte, dass dieses Kind schließlich sein Gott und der Gott aller Menschen war; und zugleich sein Sohn, der Sohn seiner Frau. Was bedeutet das angesichts der Heiligkeit Unseres Herrn, die von der ganzen Krippe, ja vor allem von seiner ganzen Person ausstrahlte?

Diese Vorstellung von der Offenbarung des Menschen, des Leibes unseres Herrn Jesus Christus, an Weihnachten als Ausdruck seiner Seelenheiligkeit – einer Heiligkeit, die Ausdruck der mit der menschlichen Natur vereinten Würde ist – sollte uns, so mein Eindruck, tief berühren! Und genau darüber sollten wir in der Weihnachtsnacht besonders nachdenken.

Viele Heiligenbilder zeigen die Weihnachtsnacht, die Szene mit der hell erleuchteten Krippe des Jesuskindes und dem kleinen, liebenswerten Kind mit seinem süßen Gesichtchen. Das Licht lag nicht im Stroh, sondern im Kind selbst, vor allem in seinen Zügen, in seinem heiligsten Antlitz.

Dies scheint mir eine wertvolle Meditation für Weihnachten zu sein, die wir in diesen Tagen der Frömmigkeit widmen können. Bitten wir die Muttergottes und den heiligen Josef, uns dies tiefgründig zu verständlich zu machen und uns zu einem wahrhaft besinnlichen und frommen Weihnachtsfest in diesem durch diesen Gedanken geschaffenen Geheimnis zu ermutigen.

 

Montag, 22. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 – 7. Tag – 22. Dezember

 Fest des Friedens und der Ehre

„Catolicismo“ Nr. 108, Dezember 1959

[Fortsetzung]

Es heißt oft, die Armut der Heiligen Familie in Bethlehem lehre uns die Loslösung von irdischen Gütern, und das ist tausendfach wahr. Es sei jedoch hinzugefügt, dass das heilige Weihnachtsfest auch eine erhabene und klare Lehre über den Wert himmlischer Güter und moralischer Güter enthält, die auf Erden wie ein Abbild himmlischer Güter wirken.

Und in dieser Hinsicht gilt es vielleicht, ein Missverständnis auszuräumen.

Gott schuf das Universum zu seiner äußeren Ehre. Daher streben alle unvernünftigen Geschöpfe gänzlich nach der Verherrlichung Gottes. Und der Mensch, mit Intelligenz und freiem Willen ausgestattet, hat die Pflicht, die Kräfte seiner Seele und seines ganzen Wesens für dasselbe Ziel einzusetzen. Sein höchstes Ziel ist nicht ein bequemes, üppiges und sorgloses Leben, sondern Gott die Ehre zu geben.

Der Mensch erreicht dies, indem er all sein inneres und äußeres Handeln so ausrichtet, dass er stets die unendliche Vollkommenheit und die souveräne Macht des Schöpfers erkennt und verkündet. Als Ebenbild Gottes geschaffen, verherrlicht er ihn, indem er als Geschöpf so gut wie möglich dessen Wesen nachzuahmen sucht. So macht uns die Ausübung der Gottesliebe, indem sie uns ihm ähnlicher macht, auch Teilhaber an seiner Herrlichkeit.

Dies erklärt den immensen Respekt, den die Heiligen stets hervorriefen, selbst bei denen, die sie hassten und verfolgten. Eine einfache Köchin wie die selige Anna Maria Taigi beeindruckte die Passanten durch ihre Würde, als sie durch die Straßen Roms ging. In allen Marienerscheinungen offenbart sich die Muttergottes als überaus mütterlich, liebevoll und gütig, zugleich aber auch unbeschreiblich würdevoll, ehrwürdig und von königlicher Majestät erfüllt. Und was lässt sich über unseren Herrn, den Ursprung aller Heiligkeit, sagen? Er war so gütig, dass er sogar den Aposteln die Füße wusch! Doch er war so unendlich majestätisch, dass ein einziges Wort von ihm alle Soldaten, die ihn verhaften wollten, zu Boden warf (vgl. Joh 18,6).

Jesus Christus ist unser Vorbild. Auch die Heiligen, die ihm so bewundernswert nachgeeifert haben, sind unser Vorbild. Daher sollte jeder wahre Katholik nach hoher Würde, Ernsthaftigkeit, Standhaftigkeit und Erhabenheit streben, die ihn von Vulgarität, Schmutzigkeit und der Verschwendungssucht all dessen unterscheiden, was unter die Herrschaft Satans fällt.

Und dies ist nicht nur eine Frage des Glanzes, der aus der Ausübung von Tugend erwächst. Alle Macht kommt von Gott (vgl. Röm 13,1), die des Königs ebenso wie die des Adligen, des Vaters, des Vorgesetzten oder des Lehrers. Und in gewisser Weise sollte der Amtsinhaber für seine Untertanen gleichsam ein Abbild Gottes sein. Jeder Macht wohnt eine Würde inne, die ein Spiegelbild göttlicher Majestät ist. In einer christlichen Gesellschaft muss sich der Inhaber einer wichtigen Position aufgrund dieser Position selbst achten. Und er muss diesen Respekt auch bei denen wecken, die mit ihm zu tun haben. So erstrahlt die christliche, weltliche Gesellschaft in vollem Glanz von Gottes Herrlichkeit. Sie besingt sie auf ihre Weise, ebenso wie die geistliche Gemeinschaft, die die heilige katholische, apostolische und römische Kirche ist. Und hier auf Erden ist das Leben des Menschen ein Vorbild jenes Lobgesangs, den er im Himmel in alle Ewigkeit singen wird.

* * *

Wir wissen wohl, dass ein subtiler Stolz den Menschen oft täuschen kann und ihm den Eindruck vermittelt, er suche aus Liebe zu Gott nach einer Ehre, die er in Wirklichkeit nur aus Selbstliebe begehrt. Um dieser leider sehr realen Gefahr zu entgehen, ist es notwendig zu beten, die Sakramente regelmäßig zu empfangen, zu meditieren, sich Opfer zu bringen, sich strengen Gewissensprüfungen zu unterziehen und sich geistlicher Begleitung zu unterziehen. Das Heilmittel liegt in der Anwendung dieser hochwirksamen Mittel und niemals darin, einen Grundsatz zu verleugnen, der an sich wahr ist.

* * *

Und die Güte? Besteht sie nicht darin, sich selbst zu „demokratisieren“, sich auf eine Stufe mit denen unter uns zu stellen, um ihre Liebe zu gewinnen? Einer der verhängnisvollsten Irrtümer unserer Zeit ist die Annahme, Respekt und Liebe schlössen sich gegenseitig aus und ein König, ein Vater, ein Lehrer werde umso mehr geliebt, je weniger Respekt er genießt. Doch die Wahrheit liegt im Gegenteil. Hohes Ansehen, sofern es von wahrer Gottesliebe durchdrungen ist, kann nur die Achtung und das Vertrauen rechtschaffener Menschen gewinnen. Und wenn dies nicht geschieht, liegt es nicht daran, dass das Ansehen zu hoch ist, sondern daran, dass es nicht auf der Liebe Gottes gründet.

Die Lösung liegt nicht in der Herabsetzung, sondern in der Übernatürlichkeit. Wahrhaft übernatürliche Würde erniedrigt sich, ohne sich selbst zu erniedrigen. Selbstsüchtige und eitle Würde will und weiß nicht, wie sie sich herablassen kann, ohne dabei ihre Integrität zu verlieren. Wenn sie sich stark fühlt, erniedrigt sie andere. Wenn sie sich schwach fühlt, erniedrigt sie sich aus Angst selbst.

Stellen wir uns also eine weltliche Gesellschaft vor, die gänzlich von dieser erhabenen, majestätischen und kraftvollen Noblesse durchdrungen ist, einem Abbild der Erhabenheit Gottes. Eine Gesellschaft, in der diese Erhabenheit untrennbar mit unermesslicher Güte verbunden ist, sodass mit zunehmender Stärke und Majestät auch Mitgefühl und Güte wachsen. Welch eine Sanftmut, welch eine Liebe – kurzum, welch eine Ordnung! Ja, welch eine Ordnung … und welch ein Friede! Denn was ist Friede anderes als Ruhe in Ordnung (vgl. Augustinus, XIX De Civ. Dei, Kap. 13)?

Stagnation in Irrtum und Bösem, Einigkeit mit den Streithähnen Satans, die scheinbare Versöhnung von Licht und Finsternis, gerade weil sie dem Bösen Bürgerschaft verleihen, bringen nur Unordnung und erzeugen eine Ruhe, die eine Karikatur wahren Friedens ist. Wahrer Friede existiert nur unter Menschen guten Willens, die von ganzem Herzen die Ehre Gottes suchen. Und deshalb verbindet die Weihnachtsbotschaft das eine mit dem anderen:

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens!“ (Lukas 2,14)

 

 

Sonntag, 21. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 – 6. Tag – 21. Dezember

Fest der Ehre und des Friedens 

„Catolicismo“ Nr. 108, Dezember 1959

 


„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen guten Willens!“ (Lukas 2,14)! Es ist für keinen Katholiken möglich, das heilige Weihnachtsfest zu betrachten, ohne an die harmonischen und erleuchtenden Worte zu denken, mit denen die Engel singend die frohe Botschaft von der Ankunft des Erlösers verkündeten – Worte, die uns beinahe ins Ohr flüstern. So wollen wir, in Verbindung mit diesen Worten, neben der Krippe, zu Füßen des Jesuskindes und in enger Verbundenheit mit der allerseligsten Jungfrau Maria unsere Weihnachtsmeditation gestalten.

„Ehre!“ Wie sehr verstanden die Alten die Bedeutung dieses Wortes, wie viele strahlende und ergreifende moralische Werte sahen sie darin? Um sie zu erobern, weiteten so viele Könige ihre Reiche aus, so viele Heere stellten sich dem Tod, so viele Weise widmeten sich den schwierigsten Studien, so viele Entdecker wagten sich in die entlegensten Winkel der Welt, so viele Dichter schufen ihre größten Werke, so viele Musiker schöpften aus tiefstem Herzen ihre strahlendsten Töne und so viele Geschäftsleute stürzten sich schließlich in die gewaltigsten Unternehmungen. Ja, denn selbst im Reichtum suchte man nicht nur Fülle, Komfort und Sicherheit, sondern auch Macht, Prestige – kurzum, Ehre.

Doch welche Elemente umfasste dieser Begriff von Ehre? Manche waren der Person innewohnend: hohe Intelligenz, herausragende Tugend, das Ausüben von entsprechendem Handeln. Andere waren mit dem verbunden, was wir heute öffentliche Meinung nennen. Ehre, aus diesem Blickwinkel betrachtet, wäre die weitverbreitete, unüberhörbare Anerkennung der herausragenden Eigenschaften einer Person.

Welchen Wert hat die Ehre? Inwiefern adelt das Streben nach Ehre die Seele?

Die Frage lässt sich leicht beantworten, indem man einen nach Ehre strebenden Menschen mit einem anderen vergleicht, dessen Wünsche sich auf Güter ganz anderer Art konzentrieren: lange Nächte in einem weichen Bett, sich mit Genuss und Überfluss zu ernähren, sich vor Risiken und Unsicherheiten sicher zu fühlen, ein Leben ohne Kampf und Anstrengung zu führen, in Vergnügungen und Vergnügen zu schwelgen usw.

Es besteht kein Zweifel, dass materielle Güter für unseren Gebrauch geschaffen wurden und dass der Mensch sie in angemessenem Maße und mit gebührender Überlegung begehren darf. Doch was sagt man von ihm, wenn er sie zu den höchsten Werten des Daseins erhebt? Dass er ein niederträchtiger, selbstsüchtiger, engstirniger Geist ist. Kurz gesagt, dass er zu jener Kategorie gehört, die die Heilige Schrift mit einem bedeutsamen Stigma belegt: Sie haben ihren eigenen Bauch zum Gott (vgl. Phil 3,19). Geister, die nur verstehen, was dem Körper dient, die alle wahren Güter der Seele ignorieren und die, wenn sie könnten, – wie Paul Claudel schrieb – die Sterne vom Himmel fallen und zu Kartoffeln werden lassen würden.

...

Doch für Millionen von Menschen ist dies die größte Versuchung, der sie ausgesetzt sind, weil sie in einer Welt leben, in der das Wort „Ehre“ fast bedeutungslos geworden ist. Es findet sich zwar noch in Wörterbüchern und wird vereinzelt im Alltag verwendet – beispielsweise gibt es in Rio einen Hügel der Ehre, ein Viertel namens „Ehre“, ein Hotel namens „Glória“, und manche rauchen „Glória de Cuba“-Zigarren –, man könnte fast sagen, dass das Wort außerhalb dieser Verwendung tot ist. Und mit dem Verschwinden dieses Wortes verschwinden auch andere, die damit verwandt sind: Ruhm, Prestige, Anstand ...

...

Betrachten wir die Heilige Familie im Hinblick auf ihren guten Platz im Leben. Eine Dynastie, die ihren Thron und ihren Reichtum verloren hat, hat in dem heiligen Josef einen Nachkommen, der in Armut lebt. Die Jungfrau Maria nimmt diese Situation mit vollkommenem Frieden an. Beide streben in dieser Armut nach einem geordneten und besonnenen Leben, doch ihre Gedanken kreisen nicht um wirtschaftlichen Aufstieg, Komfort und Vergnügen, sondern um Gott, unseren Herrn. Für ihren Sohn präsentiert die Heilige Familie eine Grotte als erste Wohnstätte und eine Futterkrippe als Wiege. Doch der Sohn ist das fleischgewordene Wort Gottes, zu dessen Geburt die Nacht erleuchtet wird, der Himmel sich öffnet und die Engel singen, und Könige voller Weisheit, die von den Enden der Erde kommen, um Gold, Weihrauch und Myrrhe darzubringen…

Wie viel Armut und wie viel Ehre! Wahre Ehre, denn sie ist nicht eine bloße Wertung der utilitaristischen und pharisäischen Männer Jerusalems, die andere nach ihrem Reichtum beurteilen, sondern eine Ehre, die dem Abbild der einzig wahren Ehre gleicht: der Ehre Gottes im höchsten Himmel.


Fortsetzung folgt


Samstag, 20. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 – 5. Tag – 20. Dezember

 Freude und Trauer im Lichte von Weihnachten

 Heiliger des Tages 26.12.1965

 

Stellen wir uns vor, wir würden einen Mann mit solcher Weisheit kennen, dass die Sterne staunend innehielten, wenn er sich bewegte; von solcher Macht, dass sich die Blumen ihm zuwandten, die gefährlichen Tiere fliehen, die Pflanzen und Kräuter sich nach seinen Füßen ausstreckten, um wenigstens von ihm zertreten zu werden; der Wind ihm entgegenwehte, und das Wasser in das sich sein Blick spiegelte, vor Freude erbebte.

Stellen wir uns diesen Mann, diesen Erz-Menschen, vor, wie er in einer Krippe liegt, und wir erhalten eine blasse, unvollkommene, unheilbar blasse und unheilbar unvollkommene Vorstellung vom Gotteskind, geboren von der Jungfrau Maria, das in einer Krippe in Bethlehem weinte und lächelte.

Und warum? Weil in Wahrheit er all dies war, ja, er war all dies, und das Flehen der Kreuzfahrer und die Barmherzigkeit all der Heiligen, die im Laufe der Geschichte geistliche und weltliche Werke der Nächstenliebe predigten, all dies entsprang aus ihm, all dies war in seiner Seele auf eine Weise unvorstellbar, bevor es sich in den Seelen der Heiligen widerspiegelte, deren Namen uns beim Aussprechen mit Ehrfurcht und Respekt erfüllen – allein schon beim Aussprechen der Namen des heiligen Franz von Assisi, des heiligen Benedikt…

Denken wir an all dies, so bekommen wir eine vage Ahnung davon, was all dies unser Herr war: Es waren alles Funken unseres Herrn, Funken von so großer Schönheit, dass wir sie angesichts seines Antlitzes nicht einmal annähernd beschreiben können, Funken von so geringer Größe, dass sie unbedeutend erscheinen, und erst dann verstehen wir, was die Vollkommenheit unseres Herrn war.

Doch Gott wollte es – und darin liegt der Zauber von Weihnachten –, dass wir erkennen, in welchem Maße dieser Gottmensch alle möglichen Schönheiten des Menschen in sich vereinte. Gott wollte, dass die Weihnachtsbetrachtung eines jeden Menschen dort beginnt, wo dieser Erz-Mensch im Kleinen göttlich groß war. Und jenen, dessen Größe wir eben noch besungen haben, indem wir sagten, der Himmel sei zu klein, um ihn zu fassen, betrachten wir nun in einer Krippe, schwach, anvertraut dem Eifer der Menschen – Maria, Josef –, der Anbetung der Heiligen Drei Könige, der Anbetung der Hirten, dem Atem der Tiere, der ihn in jener kalten Winternacht wärmte. Das heißt: Er, der die Sonne erschaffen hat, wurde nicht von der Sonne selbst, sondern vom Atem der Tiere gewärmt.

Eine unvergessliche Lektion für uns: So klein, um die Größe all dessen zu zeigen, was klein ist, um zu zeigen, dass alles, was geboren wird, alles, was keimt, dass sich alles von einem bestimmten Punkt aus entwickelt, warum nicht die Größe historischer Epochen in dem Moment, in dem sie aus dem Kampf, aus dem heiligen Zorn, aus den unversöhnlichen Gegensätzen einer kleinen Gruppe von Menschen geboren werden. Darin liegt die Schönheit und Erhabenheit all dessen, was keimt.

Wir beten vor der Krippe, knien vor ihr und betrachten das Jesuskind, dass es uns unermessliche Ehrfurcht schenke, eine heilige Ehrfurcht, die von Zärtlichkeit und Mitgefühl begleitet wird. Diese Verschmelzung von Ehrfurcht und Mitgefühl – die auf den ersten Blick unvereinbar scheinen – durchdringt das Stille Nacht von Anfang bis Ende.

Wenn wir das Stille Nacht singen hören, haben wir den Eindruck, in das Weise und Unbefleckte Herz Mariens einzutreten und ihr eigenes Lied zu vernehmen: „Mein Sohn, mein Gott, so jung, so klein, so groß und so liebenswert! Wie ich dich anbete, wie ich dich bemitleide! Wie ich dich achte, dich beschütze! Wie ich dich liebe!“

 

Freitag, 19. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 – 4. Tag, 19. Dezember

Weihnachten: Eine Nacht der Freude selbst in den

schwierigsten Zeiten


Nähern wir uns in dieser heiligen Nacht der Heiligen Krippe und versuchen wir in unseren Seelen das größtmögliche Vermögen an Andacht, an Vertrauen und an Freude zu finden. Die Weihnachtsnacht ist eine Nacht der Freude, und so wird es bis zum Ende der Welt bleiben, selbst in den schwierigsten Zeiten der Kirche.

Denken wir nur, in den Katakomben Roms, im alten Rom, wurde die Weihnachtsnacht mit dem Echo des Engelsgesangs vom Himmel gefeiert: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.“

Am nächsten Tag funktionierte vielleicht der „Circo maximo“, wo die Märtyrer von wilden Tieren verschlungen wurden. Doch Friede, Friede, Friede: Jenseits der Qualen erwartet uns im Himmel!

Es geht nicht mehr nur darum, in die Vergangenheit zu blicken, sondern in die Zukunft. Dieser Blick in die Zukunft bedeutet, unsere Überlegungen durch die Botschaften gnadenvoller und inspirierter Stimmen zu erhellen.

Wir wissen, was die Muttergottes in Fatima dazu sagte, wir wissen, was sie über die Strafen sagte, die diese Welt erwarten, wenn sie sich nicht bessert und sich Ihr nicht genau so weiht, wie Sie es angedeutet hat.

Es ist bedauerlich, aber wahr: Die Zeichen mehren sich, dass diese Weihe nicht stattfinden wird, dass die Änderung der Sitten nicht erfolgen wird und dass wir uns daher langsam dem explosiven Grund des Abgrunds nähern, in den wir seit 1917 unaufhörlich hinabsteigen, als die Muttergottes, von Portugal aus in der Cova da Iria zur Welt sprechend, ihre prophetische Verkündigung machte.

Wir wissen auch, was der heilige Ludwig Maria Grignion von Montfort sagt, nicht über das Chaos, sondern über das Reich Mariens, über dieses Reich, das ein Reich der Herrlichkeit, der Tugend und des Glanzes sein wird. Dass die Heiligen, die zu jener Zeit kommen werden, eine größere spirituelle Vollkommenheit besitzen werden als die Heiligen der Vergangenheit, so sehr, dass die ersten, die kommen werden, mit denen verglichen werden, die gekommen sind und die in den Augen der Menschen mit den Zedern des Libanon verglichen wurden, im Vergleich zu den ersten wie Grashalme erscheinen.

Wir können uns dann vorstellen, welch Großartiges diejenigen erwartet, die die gegenwärtigen Wirren durchstehen, wir können uns vorstellen, was fast jeder von uns normalerweise sehen wird, wenn wir treu bleiben.

Lasst uns daher die Nöte der Erde betrachten und die Muttergottes, unsere notwendige Mittlerin nach dem Willen Gottes, bitten, die stets von ihm erhört wird. Lasst uns die Muttergottes bitten, gewiss um unsere unmittelbaren Bedürfnisse, die Bedürfnisse eines jeden, geistliche wie irdische – das ist legitim –, aber vor allem lasst uns um die große Gnade der Beharrlichkeit in der Berufung, der Beharrlichkeit in der Tugend bitten, sodass wir alle, wenn die Stunde kommt, in der ein Engel spricht: „Der Kampf ist geschlagen, und, Kinder der Heiligen Jungfrau, Ihr Augenblick ist gekommen“, dort sein mögen mit denen, die die Muttergottes in diesem gesegneten Augenblick unter ihr Banner führen möchte. Möge dies unser Wunsch sein, dem neugeborenen Jesuskind mit unseren innigen Küssen zu Füßen gelegt zu werden, durch die Fürsprache dieser Darstellung Josefs und Marias.

 

Mittwoch, 17. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 - 2. Tag, 17. Dezember

 In der „Dämmerung“ der Sonne der Gerechtigkeit

„Folha de São Paulo“, 1. Januar 1979


[Fortsetzung]

Weihnachten ist endlich da. Versammeln sich die Familien noch immer um eine Krippe? Manchmal ja. Doch in vielen Fällen finden sie sich nicht mehr an der Krippe wieder, wo das Christuskind die Arme der tief bewegten Jungfrau Maria entgegenstreckt, unter dem nachdenklichen und freudig-kontemplativen Blick des hl. Josef. Sondern an einem Tisch, an dem Süßigkeiten, Champagner für die Wohlhabenden und bescheidene Getränke für die Bedürftigen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, die einst der Geburt des Erlösers galt.

In wie vielen Familien verbreitet die Reduzierung und zunehmende Transparenz der Kleidung eine Atmosphäre der Sinnlichkeit, die die Bedeutung dieser Nacht unübertroffener Reinheit zutiefst verzerrt?

Es gibt Feierlichkeiten, unter deren Einfluss die Nächstenliebe schrumpft und sich immer weniger auf die Häuser derer erstreckt, die nichts haben. In diesen Kontexten wird die einst von christlicher Gerechtigkeit und Nächstenliebe getragene Großzügigkeit durch das Zischen „katholischer“ Subversion ersetzt, die sich unter dem Deckmantel von Weihnachten durch die Stimme eines Vertreters irgendeiner einer Basis-Gemeinde Gehör verschafft. Oder etwas Ähnlichem.

In Wirklichkeit hat das säkulare Neo-Weihnachten jedoch noch eine weitere Dimension. Der Tourismus-Taifun reißt unzählige Familien aus ihren Häusern, die neben der Hauptkirche den besonderen Rahmen für den Heiligen Abend bilden sollten. Und er zerstreut sie in Hotels, an den Stränden oder aufs Land, inmitten eines weltlichen Treibens, in dem die engelsgleichen Stimmen, die „Gloria in excelsis Deo“ singen, nicht mehr zu hören sind.

Doch die Säkularisierung hört damit nicht auf. Sie verfolgt Weihnachten selbst in den erhabenen Echos, mit denen sie sich auf die folgenden Feierlichkeiten ausdehnt. Neujahrstag, Drei-Könige…

Die Neujahrsfeier ist, religiös betrachtet, das Fest der Beschneidung, das an unseren Herrn Jesus Christus erinnert, der, bewegt von Liebe zur Menschheit, in seiner frühen Kindheit Tropfen seines unendlich kostbaren Blutes für die Menschheit vergoss. So denkt man bereits an das erhabene Opfer, das die Menschen von der Sünde erlöst, sie dem ewigen Tod entreißt und ihnen den Weg zum Himmel öffnet.

Denn diese religiöse Feier des Gotteskindes überlagert das heilsame Gedenken an eine höchst säkulare, universelle Verbrüderung der Völker. Eine hoffnungslos leere Verbrüderung, wie alles Säkulare, die von den Mauern aus Stahl und Bambus, die Völker entzweien, dem Terrorismus, der sie in Angst und Schrecken versetzt, der drohenden atomaren Vernichtung, die wie eine bleierne Wolke auf ihnen lastet, und der immer heftiger werdenden Auseinandersetzung zwischen Feindseligkeiten und Hass, zwischen unvereinbaren und unversöhnlichen Ideen und Interessen zynisch verhöhnt zu werden scheint.

Kurz gesagt: Wenn die Sonne untergeht, kommen die wilden Tiere aus ihren Höhlen und durchstreifen den Dschungel. Der Säkularismus präsentiert Jesus Christus der Welt als untergehende Sonne. Was überrascht da noch, dass sich alles Schädliche in den Spelunken entchristlichter Herzen, in den verrückten Städten und in der Einsamkeit, wo Laster und Verbrechen lauern, vermehrt und ausbreitet, um die Verfeinerung um der Verfeinerung willen nach Belieben zu vermehren?

Aber – so wird jemand fragen – warum sollte man sich in dieser freudigen Zeit all dessen erinnern? Warum dieses Gejammer, wo die Menschen doch lachen und feiern wollen? Um zu protestieren. Und wenn dieser Protest für manche, die vom Lärm der modernen Welt abgestumpft sind, wie Gejammer klingt, liegt der Fehler nicht im Protest selbst. Der Fehler liegt bei denen, die darin nichts anderes erkennen als das, was er nicht ist: Gejammer.

Denn Gejammer ist feige, es klingt nach Niederlage und Kapitulation. Während der Protest, inspiriert von der Liebe zu Christus, dem siegreichen König, und zu Maria, „ut castrorum acies ordinata“ (wie ein Heer in Schlachtordnung), sich furchtlos inmitten des Unverständnisses erhebt, ist er ein Ruf nach Wiedergutmachung, ein Bekenntnis zum Nonkonformismus und mehr noch, ein Vorbote des Sieges.

 

 


Weihnachtsnovene 2025 - 1. Tag, 16. Dezember

 

In der „Dämmerung“ der Sonne der Gerechtigkeit

aus „Folha de São Paulo“, 1. Januar 1979

 

Dieses Weihnachtsfest in São Paulo im Jahr 1978 markiert, im Vergleich zu den vorherigen, die Verschärfung eines Phänomens, das an sich nicht existieren dürfte. Doch wenn es existiert, sollte es zumindest die Feier der Geburt des Erlösers verschonen.

Ich spreche von der allgemeinen Säkularisierung der Mentalitäten, der Kultur, der Kunst, der Beziehungen, kurzum, des Lebens. Säkularisierung bedeutet in diesem Zusammenhang im eigentlichen Sinne Heidentum. Denn während der Gottmensch in den Schatten gedrängt wird, wird der von ihm hinterlassene Platz mit sehr konkreten und greifbaren „Werten“ gefüllt, die jedoch mitunter verherrlicht werden, als wären sie verschwenderische Abstraktionen: die WIRTSCHAFT, die GESUNDHEIT, der SEX, die MASCHINE und so vieles mehr (die anachronistische Großschreibung dient dazu, meine Aussage zu verdeutlichen). Offensichtlich geht es um materielle „Werte“. Und diese werden durch eine propagandistische Inszenierung, durchdrungen von Marxismus, Freudismus usw., noch verstärkt.

Anders als in der Antike werden diese „Werte“ – selbstverständlich – nicht in Göttern personifiziert oder in Statuen verkörpert. Das ändert jedoch nichts daran, dass sie die wahren heidnischen Götzen unserer unglücklichen, säkularisierten Welt sind.

Der Einfluss des säkularen Neuheidentums durchdringt zunehmend das moderne Weihnachtsfest. Ein schleichender, aber unübersehbarer Prozess. Auf welche Weise? Nicht nur auf eine, sondern gleichzeitig auf jede erdenkliche Weise.

Beginnend mit dem Advent. Diese Zeit, die im Kirchenjahr die vier Wochen vor Weihnachten umfasst, war für die Christenheit ein Teil des Jahres, der der Besinnung, der stillen Reue und der pulsierenden Hoffnung auf die große Freude gewidmet war, die die Geburt des Messias bringen würde. So bereiteten sich alle darauf vor, das Gotteskind willkommen zu heißen, das im jungfräulichen Mutterschoß Tag für Tag dem gesegneten Augenblick näherkam, in dem es sein heilbringendes Zusammenleben mit den Menschen beginnen würde.

In dieser dichten und tiefreligiösen Atmosphäre wandelte sich die Stimmung allmählich. Als die heiligste aller Nächte nahte, wich die Reue der Freude. Bis zu dem Augenblick, als in der festlichen Pracht der Mitternachtsmesse Familien, Völker und Nationen die heilige Freude spürten, die vom Himmel herabkam; und in jeder Stadt, in jedem Haus, in der Tiefe jeder Seele sich wie ein Balsam himmlischen Duftes ausbreitete, der Eindruck, dass der Friedensfürst, der mächtige Gott, der Löwe von Juda, Immanuel, soeben wiedergeboren worden war. „Stille Nacht, heilige Nacht“ … das berühmte Lied, das in unserer Sprache weniger ausdrucksstark als „Noite Feliz“ (glückliche Nacht) übersetzt wurde … Was bleibt von all diesen Vorbereitungen? Wer denkt schon an den Advent, außer einer winzigen Minderheit? Und wie viele dieser winzigen Minderheit lassen sich von wahrer katholischer und traditioneller Theologie leiten und nicht von den zweideutigen und wirren Theologien, die die christliche Welt heute wie Fieberkrämpfe erschüttern?

Doch lassen wir diese Minderheit einmal beiseite und denken wir an die vielen Menschen, die in den Großstädten in Aufruhr sind. Für sie spielt der Advent keine Rolle. Der Alltagstrubel geht weiter, verstärkt durch die anstehenden Ausgaben, die zu verschickenden Geschenke, die zu besuchenden Familien und die zu organisierenden Feste und Feiern. Kurz gesagt: Alle blicken auf Weihnachten nicht als ein Datum voller Vorfreude, sondern als einen geschäftigen, teuren und in mancher Hinsicht sogar komplizierten Tag, den man froh sein wird, „hinter sich zu lassen“.

Es stimmt, dass in den Städten, und vielleicht besonders in den Großstädten, die Vorweihnachtszeit durch die vielen bunten Lichter in den Gärten der Wohngebiete, die langen Lichterketten an den Hauptstraßen und die prächtig geschmückten Schaufenster deutlich wird. Es ist jedoch nicht schwer zu spüren, dass die eigentümliche Freude, die all dies hervorruft – eine Freude, die, wohlgemerkt, rein künstlich erzeugt ist –, aus dem Wunsch nach Konsum, Genuss und Feiern entspringt. Nichts oder fast nichts von all diesen elektrischen Lichtern erinnert an den Messias, der bald kommen wird. Alles erinnert vielmehr an eine Wirtschaft, die nach Überaktivität giert: Der Handel pulsiert, um den Absatz seiner Waren zu steigern, und die Industrie vervielfacht ihre Produkte (und ihre Gewinne), um die durch den gestiegenen Konsum leeren Regale in den Geschäften zu füllen. Kurz gesagt, es ist der Wirtschafts-Götze, der zum großen Zentrum der Erwartungen, Sehnsüchte und Weihnachtsfeierlichkeiten am Ende dieses Jahrhunderts wird. Mammon. Der Magen. Die Materie. – Jesus, nein!...

 

[Fortsetzung folgt]

Donnerstag, 15. Dezember 2022

Die „Dämmerung“ der Sonne der Gerechtigkeit

 


      Dieses Weihnachtsfest 1978 in São Paulo markiert im Vergleich zu den vorangegangenen Weihnachtsfesten die Verschlimmerung eines Phänomens, das an sich nicht existieren dürfte. Aber wenn es es gäbe... sollte es zumindest das Fest der Geburt des Erlösers verschonen.

      Ich beziehe mich auf die allgemeine Laisierung der Mentalitäten, der Kultur, der Kunst, der Beziehungen, kurz gesagt, des Lebens. In diesem Zusammenhang bedeutet Säkularisierung eigentlich Heidentum. Denn in dem Maße, in dem der Gottmensch in den Schatten gedrängt wird, wird der von ihm leer gelassene Platz von sehr konkreten und greifbaren „Werten“ ausgefüllt, die jedoch manchmal verherrlicht werden, als seien sie großartige Abstraktionen: die Wirtschaft, die Gesundheit, der Sex, die Maschine und so viele andere. Materielle „Werte“, versteht sich. Und unterstrichen durch eine propagandistische Inszenierung, die mit Marxismus, Freudismus usw. durchtränkt ist.

      Im Gegensatz zu dem, was in der klassischen Welt geschah, sind diese „Werte“ natürlich nicht in Göttern personifiziert oder in Statuen materialisiert. Aber das hindert nicht, das sie die wahren heidnischen Idole unserer unglücklichen säkularisierten Welt sind.

      Der Einfluss des säkularen Neuheidentums dringt zunehmend in das moderne Weihnachtsfest ein. Allmähliche Infiltration, aber ganz offensichtlich. Inwiefern? Nicht nur auf eine Weise, sondern gleichzeitig auf jede erdenkliche Weise.

      Beginnen wir mit dem Advent. Diese Zeit, die im liturgischen Jahr die vier Wochen vor Weihnachten umfasst, war für die Christenheit ein Teil des Jahres, der besonders der Besinnung, dem stillen Mitgefühl und der pochenden Hoffnung auf die große Freude gewidmet war, die die Geburt des Messias bringen wird. So bereiteten sich alle Menschen auf den Empfang des Gottessohnes vor, der sich im jungfräulichen Tabernakel seiner Mutter Tag für Tag dem gesegneten Augenblick näherte, in dem er sein heilbringendes Zusammenleben mit der Menschheit beginnen würde.

      In dieser dichten und lebhaften religiösen Atmosphäre verlagerte sich der Schwerpunkt allmählich. Je näher die Nacht, unter allen Nächten die Heiligste Nacht, rückte, desto mehr wich die Zerknirschung der Freude. Bis zu dem Augenblick, als im festlichen Pomp der Mitternachtsmesse Familien, Völker, Nationen sich von dem sakralen Jubel gesalbt fühlten, der aus dem höchsten Himmel herabgestiegen war; und in jeder Stadt, in jedem Haus, im Innern jeder Seele verbreitete sich wie ein Balsam himmlischen Dufts der Eindruck, dass der Friedensfürst, der starke Gott, der Löwe von Juda, der Emmanuel, soeben einmal wieder geboren war. „Stille Nacht, heilige Nacht“... das berühmte Lied, das in einer weniger ausdrucksstarken Form als „Glückliche Nacht“ in unseren Sprachgebrauch übertragen wurde...

      Was blieb von all diesen Vorbereitungen übrig? Wer denkt schon an Advent, als nur eine winzige Minderheit? Und wie viele von dieser winzigen Minderheit tun dies unter dem Einfluss der wahren katholischen und traditionellen Theologie und nicht der zweideutigen und verrückten Theologien, die die christliche Welt heute wie Fieberkrämpfe erschüttern?

      Aber lassen wir diese Minderheit beiseite und denken wir an die Menschenmassen, die sich in den Großstädten bewegen. Bei diesen wird an Advent einfach nicht gedacht. Die Hektik des Alltags geht weiter, erschwert durch die Aussicht auf anstehende Ausgaben, zu verschickende Geschenke, Besuche und zu organisierende Feste. Kurz gesagt, alle nähern sich dem Weihnachtsfest, nicht mehr als an ein Datum, auf das man sich hoffnungsvoll zubewegt, sondern als ein anstrengender, kostspieliger und in mancher Hinsicht sogar komplizierter Tag, von dem man die Freude hat „ihn bald hinter sich zu haben“.

      Es stimmt, dass in den Städten, und vielleicht noch mehr in den Großstädten, das Herannahen von Weihnachten durch die Vermehrung der bunten Lichter in den Gärten der Wohnviertel, durch die langen Lichterketten auf den belebten Straßen und durch die Verzierung der Schaufenster der Geschäfte hervorgehoben wird. Es ist jedoch nicht schwer zu erkennen, dass die eigentümliche Freude, die all dies „anheizt“, - eine vollständig induzierte Freude, wohlgemerkt – die aus dem Wunsch entsteht, zu kaufen, zu genießen, zu feiern. Nichts, oder fast nichts, von diesen elektrischen Leuchten erinnert an den Messias, der bald kommen wird. Alles erinnert an die Wirtschaft, die darauf bedacht ist, übermäßig aktiviert zu werden: Der Handel ist bestrebt, die Lagerbestände zu erhöhen, und die Industrie ist bestrebt, ihre Produkte (und ihre Gewinne) zu vervielfachen, um die Lücken zu füllen, die durch die Zunahme des Konsums in den Regalen der Geschäfte entstehen. Kurz gesagt, es ist das Idol Wirtschaft, das am Ende dieses Jahrhunderts zum großen Zentrum der Erwartungen, Wünsche und Weihnachtsfeiern wird. Mammon. Der Magen. Angelegenheit. - Jesus, nein!

      Endlich ist Weihnachten da. Versammeln sich die Familien immer noch um eine Krippe? Manchmal, ja. Aber in vielen Fällen versammeln sie sich nicht um die Krippe, in der das Gotteskind seine Arme der tief gerührten heiligsten Maria öffnet, unter dem meditativen und besinnlichen, freudigen Blick des heiligen Josef. Aber besonders zu einem Tisch, auf dem die Köstlichkeiten, der Champagner derjenigen, die es können, oder die bescheidenen Erfrischungen derjenigen, die es nicht können, lenkt sich die Aufmerksamkeit die früher vor allem auf die Geburt des Erlösers gerichtet war. In wie vielen Wohnhäusern verbreitet die immer stärker werdende Reduzierung und Transparenz der Kleidung eine Atmosphäre der Sinnlichkeit, die den Sinn dieser Nacht der unübertrefflichen Reinheit zutiefst entstellt.

      Es gibt Feiern, unter deren Einfluss die Nächstenliebe schrumpft und sich immer weniger in die Wohnungen derer ausbreitet, die nichts haben. In diesen wird die Großzügigkeit, die einst von christlicher Gerechtigkeit und Nächstenliebe verbreitet wurde, durch das Zischen der „katholischen“ Subversion ersetzt, die sich unter dem Vorwand des Weihnachtsfestes durch die Stimme des Vertreters (oder der Vertreter) einer Basisgemeinde Gehör verschafft. Oder so ähnlich.

      In Wirklichkeit hat das laizistische Neu-Weihnachten aber noch einen anderen Aspekt. Der Taifun des Tourismus reißt unzählige Familien aus ihren Häusern, die mit der Pfarrkirche den besonderen Rahmen des Weihnachtsabends bilden sollten. Und er vertreibt sie in Hotels, an Stränden oder auf dem Land, inmitten eines weltlichen Trubels, in den die Engelsstimmen, die das „Gloria in excelsis Deo“ singen, nicht eindringen können.

      Doch die Säkularisierung macht hier nicht Halt. Es verfolgt Weihnachten sogar in den erhabenen Nachklängen, durch die es sich in den ihr folgenden Festen verlängert: Neujahr, Dreikönige...

      Die Neujahrsfeier ist in religiöser Hinsicht das Fest der Beschneidung, das an unseren Herrn Jesus Christus erinnert, der aus Liebe zu den Menschen schon im Säuglingsalter Tropfen seines unendlich kostbaren Blutes für die Menschen vergossen hat. Und so führt es die Gedanken an das erhabene Opfer, das sie von der Sünde erlösen, sie dem ewigen Tod entreißen und ihnen den Weg zum Himmel öffnen wird.

      Denn dieses religiöse Fest des Gotteskindes wird überlagert vom brackigen Gedenken an eine höchst weltliche universelle Brüderlichkeit der Völker. Eine Verbrüderung, die hoffnungslos leer ist, wie alles was laizistisch ist, und über die die Stahl- und Bambusmauern zu lachen scheinen, Mauern die die Völker auseinanderreißen, der Terrorismus, der sie in Angst und Schrecken versetzt, die Gefahr der atomaren Vernichtung, die wie eine Wolke über ihnen hängt, und die immer schwerer werdenden Sarabande der Gegensätze und des Hasses, der Ideen und Interessen, die unvereinbar und unversöhnlich sind.

      Kurz gesagt, wenn die Sonne untergeht, kommen die bösen Tiere aus ihren Höhlen und streifen durch den Wald. Der Laizismus stellt Jesus Christus vor den Augen der Welt als Sonnenuntergang dar. Wen wundert es, dass sich alles Böse in den Höhlen der entchristlichten Herzen, in den verrückten Städten und in den Einöden, wo sich Laster und Verbrechen verstecken, vermehrt und ausbreitet?

      Aber - wird jemand sagen - warum soll man in dieser Zeit der Freude an all das denken? Warum dieses Jammern zu einer Zeit, in der die Menschen gerne lachen und feiern?

      Um zu protestieren. Und wenn dieser Protest für ein von der modernen Kakophonie abgestumpftes Ohr wie ein Jammern klingt, so liegt das nicht an dem Protest. Der Fehler liegt bei denen, die in ihm nur das sehen, was er nicht ist: ein Jammern.

      Denn Jammern ist kleinmütig, es klingt nach Niederlage und Kapitulation. Der Protest, der von der Liebe zu Christus, dem siegreichen König, und zu Maria „ut castrorum acies ordinata“ beseelt ist, erhebt sich mutig inmitten des Unverständnisses und ist ein Ruf der Wiedergutmachung, eine Proklamation der Nichtkonformität und mehr noch eine Ankündigung des Sieges.

 

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Deepl-Übersetzer (kostenlose Version)von „No crepúsculo do Sol da Justiça“ in „Folha de S. Paulo“ vom 1. Januar 1979.

„Die „Dämmerung“ der Sonne der Gerechtigkeit“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.