Dienstag, 5. Mai 2026

Öffentliche Belohnungen und Bestrafungen ...

Stärken und fördern sie?

Oder verderben und demütigen sie? 

Plinio Corrêa de Oliveira

Ein Freund dieser Zeitung bat uns um eine Stellungnahme zu der Tatsache, dass die Tradition, die besten Schüler mit Preisen auszuzeichnen, an mehreren Schulen abgeschafft wird. Hintergrund ist die Annahme, dass die öffentliche Vergabe von Belohnungen doppelt schädlich ist: Bei den Begünstigten weckt sie Eitelkeit, bei den anderen hingegen Schuld- oder Minderwertigkeitsgefühle.

Da es bei diesem Thema im Wesentlichen um den Erhalt eines gesunden Umfelds geht, die Wertschätzung ehrwürdiger Bräuche erfordert und es grundlegend für das Leben einer Zivilisation ist, haben wir uns entschieden, es in dieser Rubrik zu behandeln.

Dieses Problem reicht zudem weit über den schulischen Bereich hinaus und berührt unmittelbar das Thema von Ehrungen und Bestrafungen in menschlichen Gesellschaften.

Nach der Lehre des hl. Thomas von Aquin ist es ein höheres Gut als Gesundheit oder Reichtum, authentische Eigenschaften zu besitzen und von der Gesellschaft als solche anerkannt und geehrt zu werden. Es steht nur hinter der Gnade Gottes, die alle Güter übersteigt (vgl. IIa. IIae., q. 129, a. 1, c.; IIa. IIae., q. 129, a. 3, c.).


Nach der Lehre des hl. Thomas von Aquin ist es ein höheres Gut als Gesundheit oder Reichtum, au-thentische Eigenschaften zu besitzen und von der Gesellschaft als solche anerkannt und geehrt zu werden. Es steht nur hinter der Gnade Gottes, die alle Güter übersteigt (vgl. IIa. IIae., q. 129, a. 1, c.; IIa. IIae., q. 129, a. 3, c.).

Den Besten die ihnen zustehenden Ehren vorzuenthalten, ist daher eine eklatante Ungerechtigkeit, denn es fügt genau denen Schaden zu, die das Gegenteil verdienen – und zwar sehr schweren.

Darüber hinaus macht die Ver-leihung von Preisen an sich wahrhaft tugendhafte Menschen nicht eitel, sondern spornt sie zu Fortschritten in der Tugend an. Und die anderen werden dadurch nicht entmutigt, sondern zu einer lobenswerten Nachahmung angeregt.

Dies lehrte der heilige Pius X. in seinem Schreiben „Multum ad excitandos“ vom 7. Februar 1905 über den Obersten Orden der Miliz Unseres Herrn Jesus Christus, gemeinhin Christusorden genannt, den höchsten Ehrenorden des Heiligen Stuhls und somit der gesamten Christenheit: „Die für Verdienste verliehenen Belohnungen tragen maßgeblich dazu bei, in den Herzen den Wunsch nach großzügigen Taten zu wecken. Denn wenn sie jene Männer, die es sich in besonderer Weise von Kirche oder Gesellschaft verdient haben, mit Ruhm schmücken, dienen sie zugleich als Ansporn für alle anderen, demselben Weg des Ruhms und der Ehre zu folgen. Nach diesem weisen Prinzip haben die römischen Päpste, unsere Vorgänger, die Ritterorden mit besonderer Liebe betrachtet, da sie so viele Anreize zum Guten boten. Auf ihre Initiative hin wurden viele Orden geschaffen, andere, bereits zuvor gestiftete, erhielten ihre ursprüngliche Würde zurück und wurden mit neuen und größeren Privilegien ausgestattet.“

In diesem Sinne hat die Heilige Kirche verschiedene Ehrungen zur Förderung der Laien eingerichtet. Sie kennt auch verschiedene Ehrentitel für Priester: Besonders charakteristisch sind die Titel Monsignore und Ehrenkanoniker.

In diesem Sinne hat die Kirche auch ihre eigenen Zeremonien, um diejenigen zu demütigen, die es verdienen. Man denke nur an das schreckliche Ritual der Priesterdegradierung oder, im Mittelalter, an die entsprechende Zeremonie, die mit für unwürdig befundenen Rittern durchgeführt wurde.

* * *

Unser erstes Bild zeigt eine Plakette des Christusordens der einfachen Klasse. Alles daran – Form, Farbe und die Tatsache, dass sie gut sichtbar auf der Brust getragen werden sollte – unterstreicht die Absicht der Kirche, sie für alle sichtbar zu machen und so die Verdienste des Trägers lautstark zu verkünden.

Das zweite Bild, die Reproduktion eines Holz-schnitts von 1565, zeigt die Degradierung eines Ritters. Rittertum war ein Sakrament. Die Degradierung eines Ritters erfolgte, wenn nicht mit Intervention der Kirche, so doch mit deren voller Zustimmung. Auf dem Bild sitzt der Ritter, der seinen Rang aufgrund eines schändlichen Verbrechens verloren hat, spöttisch auf einer Art Holzpferd, einem Zaunpfahl. In einer Ecke steht, von einem Pagen gehalten, sein Pferd, von dem er bereits absteigen musste. Die Zeremonie ist im Gange. Man hat ihm bereits Helm und Panzerhandschuhe abgenommen, die zu Boden geworfen wurden. Zwei Ritter in zeremonieller Kleidung nehmen ihm nun die Armbinden ab und werden so Stück für Stück seine gesamte Rüstung entfernen. Die am Hinrichtungsort versammelte und auch von den Fenstern aus beobachtete das Publikum die Zeremonie mit Entsetzen und zugleich Erhabenheit.

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Man könnte meinen, es handle sich um Erinnerungen an vergangene Zeiten. Nein. Diese leider säkularisierte Zeremonie besteht in allen modernen Armeen in Form militärischer Degradierung fort. Und auch heute noch wendet die Heilige Kirche Schandstrafen mit großem Erfolg zur Verteidigung der öffentlichen Moral an und verleiht verdienten Laien und Geistlichen zu jeder Zeit mütterlich Ehrungen.

Die Verleihung von Ehrungen ist so bekannt und häufig, dass Beispiele überflüssig sind.

Was die Anwendung von Schandstrafen betrifft, so finden wir in unserem kolumbianischen Namensgleichen, „El Catolicismo“, vom 25. April 1958 ein aussagekräftiges Dekret S. Eminenz und Exzellenz, Kardinalerzbischof von Bogotá, von dem wir hier die wesentlichen Punkte veröffentlichen:

„Wir, Crisanto Luque, Kardinalpriester der Heiligen Römischen Kirche, mit dem Titel der Heiligen Cosmas und Damian, von Gottes Gnaden und des Heiligen Apostolischen Stuhls, Erzbischof von Bogotá und Primas von Kolumbien,

erwägen:

1) dass Kanon 2356 des Codex Iuris Canonici besagt, dass „Bigamisten … ipso facto ehrlos sind und, wenn sie die Ermahnungen des Ordinarius missachten und in ihrer unerlaubten Ehe verharren, exkommuniziert oder mit dem persönlichen Interdikt belegt werden müssen, je nach Schwere ihrer Schuld“;

… 4) dass durch öffentliche Dokumente nachgewiesen wurde, dass Dr. Hernando Diaz Rubio und Frau Olga Pardo Pardo in Ibarra, Ecuador, eine sogenannte Zivilehe geschlossen haben, … wobei Dr. Diaz Rubio durch das Band einer früheren Ehe gebunden war und Frau Pardo Pardo, Kenntnis dessen hatte;

Erklären Wir:

1.) ...durch den Versuch, eine sogenannte Zivilehe zu schließen, sind sie ehrlos und unterliegen allen kanonischen Folgen der Schande gemäß dem Gesetz (Can. 2356 und 2294, § 1 des Codex Iuris Canonici);

...3.) Dieses Dekret soll den Schuldigen zugestellt werden, die hiermit an ihre Trennungspflicht erinnert werden, verbunden mit der Warnung, dass sie exkommuniziert werden, sollten sie in ihrer unerlaubten Verbindung verharren; und es soll in der Presse veröffentlicht werden, damit es die beabsichtigte gesellschaftliche Wirkung entfaltet.“

Die unterstrichenen Wörter erscheinen so im Text von „El Catolicismo“.

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Kurz gesagt: Die Verleihung öffentlicher Belohnungen und die Verhängung öffentlicher schändlicher Strafen entsprechen den Sitten und Gebräuchen der Heiligen Kirche. Eine pädagogische Maßnahme, die dies missachtet, kann unserer Ansicht nach weder als wirksam noch als gut gemeint gelten.

 


 

 Aus dem Portugiesischen in Catolicismo vom Januar 1959 „Ambiente, Bräuche, Zivilisationen“

Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in
www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.



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