Stärken und fördern sie?
Oder verderben und demütigen sie?
Plinio
Corrêa de Oliveira
Ein Freund dieser Zeitung bat uns um eine Stellungnahme zu
der Tatsache, dass die Tradition, die besten Schüler mit Preisen auszuzeichnen,
an mehreren Schulen abgeschafft wird. Hintergrund ist die Annahme, dass die
öffentliche Vergabe von Belohnungen doppelt schädlich ist: Bei den Begünstigten
weckt sie Eitelkeit, bei den anderen hingegen Schuld- oder
Minderwertigkeitsgefühle.
Da es bei diesem Thema im Wesentlichen um den Erhalt eines
gesunden Umfelds geht, die Wertschätzung ehrwürdiger Bräuche erfordert und es
grundlegend für das Leben einer Zivilisation ist, haben wir uns entschieden, es
in dieser Rubrik zu behandeln.
Dieses Problem reicht zudem weit über den schulischen
Bereich hinaus und berührt unmittelbar das Thema von Ehrungen und Bestrafungen
in menschlichen Gesellschaften.
Nach der Lehre des hl. Thomas von Aquin ist es ein höheres
Gut als Gesundheit oder Reichtum, authentische Eigenschaften zu besitzen und
von der Gesellschaft als solche anerkannt und geehrt zu werden. Es steht nur
hinter der Gnade Gottes, die alle Güter übersteigt (vgl. IIa. IIae., q. 129, a.
1, c.; IIa. IIae., q. 129, a. 3, c.).
Nach der Lehre des hl. Thomas von Aquin ist es ein höheres
Gut als Gesundheit oder Reichtum, au-thentische Eigenschaften zu besitzen und
von der Gesellschaft als solche anerkannt und geehrt zu werden. Es steht nur
hinter der Gnade Gottes, die alle Güter übersteigt (vgl. IIa. IIae., q. 129, a.
1, c.; IIa. IIae., q. 129, a. 3, c.).
Den Besten die ihnen zustehenden Ehren vorzuenthalten, ist
daher eine eklatante Ungerechtigkeit, denn es fügt genau denen Schaden zu, die
das Gegenteil verdienen – und zwar sehr schweren.
Darüber hinaus macht die Ver-leihung von Preisen an sich
wahrhaft tugendhafte Menschen nicht eitel, sondern spornt sie zu Fortschritten
in der Tugend an. Und die anderen werden dadurch nicht entmutigt, sondern zu
einer lobenswerten Nachahmung angeregt.
Dies lehrte der heilige Pius X. in seinem Schreiben „Multum
ad excitandos“ vom 7. Februar 1905 über den Obersten Orden der Miliz Unseres
Herrn Jesus Christus, gemeinhin Christusorden genannt, den höchsten Ehrenorden
des Heiligen Stuhls und somit der gesamten Christenheit: „Die für Verdienste
verliehenen Belohnungen tragen maßgeblich dazu bei, in den Herzen den Wunsch
nach großzügigen Taten zu wecken. Denn wenn sie jene Männer, die es sich in
besonderer Weise von Kirche oder Gesellschaft verdient haben, mit Ruhm
schmücken, dienen sie zugleich als Ansporn für alle anderen, demselben Weg des
Ruhms und der Ehre zu folgen. Nach diesem weisen Prinzip haben die römischen
Päpste, unsere Vorgänger, die Ritterorden mit besonderer Liebe betrachtet, da
sie so viele Anreize zum Guten boten. Auf ihre Initiative hin wurden viele
Orden geschaffen, andere, bereits zuvor gestiftete, erhielten ihre ursprüngliche
Würde zurück und wurden mit neuen und größeren Privilegien ausgestattet.“
In diesem Sinne hat die Heilige Kirche verschiedene Ehrungen
zur Förderung der Laien eingerichtet. Sie kennt auch verschiedene Ehrentitel
für Priester: Besonders charakteristisch sind die Titel Monsignore und
Ehrenkanoniker.
In diesem Sinne hat die Kirche auch ihre eigenen Zeremonien,
um diejenigen zu demütigen, die es verdienen. Man denke nur an das schreckliche
Ritual der Priesterdegradierung oder, im Mittelalter, an die entsprechende
Zeremonie, die mit für unwürdig befundenen Rittern durchgeführt wurde.
* * *
Unser erstes Bild zeigt eine Plakette des Christusordens der
einfachen Klasse. Alles daran – Form, Farbe und die Tatsache, dass sie gut
sichtbar auf der Brust getragen werden sollte – unterstreicht die Absicht der
Kirche, sie für alle sichtbar zu machen und so die Verdienste des Trägers
lautstark zu verkünden.
Das zweite Bild, die Reproduktion eines Holz-schnitts von
1565, zeigt die Degradierung eines Ritters. Rittertum war ein Sakrament. Die
Degradierung eines Ritters erfolgte, wenn nicht mit Intervention der Kirche, so
doch mit deren voller Zustimmung. Auf dem Bild sitzt der Ritter, der seinen
Rang aufgrund eines schändlichen Verbrechens verloren hat, spöttisch auf einer
Art Holzpferd, einem Zaunpfahl. In einer Ecke steht, von einem Pagen gehalten,
sein Pferd, von dem er bereits absteigen musste. Die Zeremonie ist im Gange.
Man hat ihm bereits Helm und Panzerhandschuhe abgenommen, die zu Boden geworfen
wurden. Zwei Ritter in zeremonieller Kleidung nehmen ihm nun die Armbinden ab
und werden so Stück für Stück seine gesamte Rüstung entfernen. Die am Hinrichtungsort
versammelte und auch von den Fenstern aus beobachtete das Publikum die
Zeremonie mit Entsetzen und zugleich Erhabenheit.
* * *
Man könnte meinen, es handle sich um Erinnerungen an
vergangene Zeiten. Nein. Diese leider säkularisierte Zeremonie besteht in allen
modernen Armeen in Form militärischer Degradierung fort. Und auch heute noch
wendet die Heilige Kirche Schandstrafen mit großem Erfolg zur Verteidigung der
öffentlichen Moral an und verleiht verdienten Laien und Geistlichen zu jeder
Zeit mütterlich Ehrungen.
Die Verleihung von Ehrungen ist so bekannt und häufig, dass
Beispiele überflüssig sind.
Was die Anwendung von Schandstrafen betrifft, so finden wir
in unserem kolumbianischen Namensgleichen, „El Catolicismo“, vom 25. April 1958
ein aussagekräftiges Dekret S. Eminenz und Exzellenz, Kardinalerzbischof von
Bogotá, von dem wir hier die wesentlichen Punkte veröffentlichen:
„Wir, Crisanto Luque, Kardinalpriester der Heiligen
Römischen Kirche, mit dem Titel der Heiligen Cosmas und Damian, von Gottes
Gnaden und des Heiligen Apostolischen Stuhls, Erzbischof von Bogotá und Primas
von Kolumbien,
erwägen:
1) dass Kanon 2356 des Codex Iuris Canonici besagt, dass
„Bigamisten … ipso facto ehrlos sind und, wenn sie die Ermahnungen des
Ordinarius missachten und in ihrer unerlaubten Ehe verharren, exkommuniziert
oder mit dem persönlichen Interdikt belegt werden müssen, je nach Schwere ihrer
Schuld“;
… 4) dass durch öffentliche Dokumente nachgewiesen wurde,
dass Dr. Hernando Diaz Rubio und Frau Olga Pardo Pardo in Ibarra, Ecuador, eine
sogenannte Zivilehe geschlossen haben, … wobei Dr. Diaz Rubio durch das Band
einer früheren Ehe gebunden war und Frau Pardo Pardo, Kenntnis dessen hatte;
Erklären Wir:
1.) ...durch den Versuch, eine sogenannte Zivilehe zu
schließen, sind sie ehrlos und unterliegen allen kanonischen Folgen der Schande
gemäß dem Gesetz (Can. 2356 und 2294, § 1 des Codex Iuris Canonici);
...3.) Dieses Dekret soll den Schuldigen zugestellt werden,
die hiermit an ihre Trennungspflicht erinnert werden, verbunden mit der
Warnung, dass sie exkommuniziert werden, sollten sie in ihrer unerlaubten
Verbindung verharren; und es soll in der Presse veröffentlicht werden, damit es
die beabsichtigte gesellschaftliche Wirkung entfaltet.“
Die unterstrichenen Wörter erscheinen so im Text von „El
Catolicismo“.
* * *
Kurz gesagt: Die Verleihung öffentlicher Belohnungen und die
Verhängung öffentlicher schändlicher Strafen entsprechen den Sitten und
Gebräuchen der Heiligen Kirche. Eine pädagogische Maßnahme, die dies
missachtet, kann unserer Ansicht nach weder als wirksam noch als gut gemeint
gelten.
Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals
erschienen in
www.p-c-o.blogspot.com
© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit
Quellenangabe dieses Blogs gestattet.