Die Piazza Santa Maria Formosa in Venedig, wie sie Canaletto in seinem berühmten Gemälde darstellt. Rechts erhebt sich ein Palazzo, von dem nur ein Teil sichtbar ist. In der Mitte befindet sich ein Brunnen. Die Menschen verteilen sich langsam über den leeren Platz. An den Seiten reihen sich Wohnhäuser – einige vornehm und von nobeler Aura, andere bescheidener. In einigen dieser Gebäude befinden sich im Erdgeschoss Geschäfte. Am anderen Ende steht die Kirche – ein bezauberndes Bauwerk, das besonders durch seinen eleganten Turm besticht.
Es wirkt wie eine
friedliche, harmonische kleine Welt – in gewisser Weise in sich abgeschlossen
–, in der verschiedene Gesellschaftsschichten (Adel, Kaufleute, Handwerker)
Seite an Seite leben und sich um die Kirche scharen. Mit ihrem Glockenturm
thront die Kirche würdevoll und mütterlich über der gesamten Szenerie und
verleiht ihr eine tiefe spirituelle Note.
Dieser
Mikrokosmos – feierlich und kultiviert, doch von einem Gefühl der Intimität
geprägt und um einen kleinen Platz versammelt – offenbart den Geist einer
Gesellschaft, in der die Menschen, weit davon entfernt, in anonymen Massen
unterzugehen, organische, eigenständige Gemeinschaften bilden und so Isolation
und die Auslöschung des Individuums durch die Masse vermeiden.
Wie stark kontrastiert dieser Platz – so malerisch und menschlich, so kultiviert und doch harmonisch in seiner Mischung der sozialen Schichten und so erfüllt von einer sakralen Aura, die von der kleinen Kirche ausgeht – mit manch riesigen modernen Plätzen! Dort, inmitten eines „Meeres“ aus Asphalt und verloren in einer rastlosen, in alle Richtungen strömenden Menschenmenge, begegnet der Einzelne nur bedrückenden, zyklopischen Wolkenkratzern.
[Aus “Catolicismo”, Nr. 125, Mai 1961]
Die deutsche Fassung dieses Artikels „Gott helfe Ihnen“ ist
erstmals erschienen in
www.p-c-o.blogspot.com
© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.
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